Archiv für das Schlagwort ‘Ethik

Empathie und Ethik   Leave a comment

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Ursprünglich wollte ich nur eine kleine Geschichte von meiner verstorbenen Katze und mir erzählen. Dann fiel mir auf, dass diese Geschichte eigentlich keinerlei “Botschaft“ oder Nutzanwendung in Richtung Tierrechte enthält – wodurch eine Veröffentlichung vielleicht eher unpassend oder “übertrieben“ erscheinen könnte. Dann entdeckte ich aber doch einen allgemeingültigen Aspekt:

Solche engen Beziehungen zwischen Menschen und Tieren sind ja alles andere als selten. Mehr noch: Wir finden sie sogar häufig bei ausgesprochenen Speziesisten, die trotz ihres Speziesismus eine besonders innige Beziehung zu ihrem Lieblingstier haben. Spontan fallen mir Fresspapst Siebeck ein, der ein enges Verhältnis zu seiner Katze hat, und Stierkampffan Picasso, der seinen Hund Lumpi über alles liebte.

Hätten diese und andere Parade-Speziesisten ein Mal ernsthaft über ihre Beziehung zu ihren tierlichen Freunden nachgedacht – sie wären zu Tierrechtlern geworden. Denn es wäre ihnen klar geworden, dass es höchst unvernünftig und inkonsequent ist, EIN Tier zu hätscheln, während man andere, die genauso sensibel sind und die einem ebenfalls “überhaupt nichts getan haben“, aufisst oder zusieht, wie sie zu Tode gequält werden.

Bei Siebeck, Picasso und den meisten anderen Menschen, die eine enge Beziehung zu einem Tier hatten oder haben, hat dieser Erkenntnisprozess leider nicht stattgefunden. Schließlich müsste zweierlei zusammenkommen: eine empathische Beziehung und eine ethische Erkenntnis bzw. Schlussfolgerung. Aber das erste Element war bzw. ist immerhin vorhanden, woraus zumindest die Chance für einen Erkenntnisprozess in Richtung Tierrechte resultiert.

Womit wir bei der “Botschaft“ im Zusammenhang mit engen Mensch-Tier-Beziehungen sind: Fördern wir diese, wo wir nur können, denn sie enthalten zumindest die Chance auf einen Entwicklungsprozess in Richtung Tierrechte!

Freundschaft

Voriges Jahr ist mein Kater Mecky gestorben. Ich musste gerade wieder an ihn denken, als ich eine Katze durchs hohe Gras streunen sah. Mecky war eine “Wohnungskatze“, deshalb habe ich ihm täglich frisches Gras gebracht, worüber er sich immer sehr freute. Ich bedauere sehr, dass er nie dieses Naturerlebnis hatte.

Das bedauerte ich immer. Eines meiner intensivsten Erlebnisse mit ihm war, als er sich, bereits schwer krank, mit Mühe auf die Fensterbank in meinem Arbeitszimmer setzte und den schönen Sommertag samt Vogelgezwitscher förmlich in sich aufsog, quasi noch einmal die Welt, das Leben, die Natur einatmete. Dieser Anblick, dieses Miterleben, dieses Mitfühlen ging mir sehr nahe.

Wie durch ein Wunder hat sich Mecky dann noch einmal erholt und wir durften noch viele schöne gemeinsame Stunden in meinem Arbeitszimmer erleben. So gut wie mit ihm habe ich mich mit kaum einem Menschen verstanden. Er wird ewig in meinem Herzen sein und er ist auch physisch bei mir – wenn nun auch in einem anderen materiellen Zustand: Seine Urne steht hier.

Ich wende mich nun Aufzeichnungen zu, die ich während seiner Einäscherung auf mein Diktaphon gesprochen und bis jetzt liegen gelassen hatte:

Abschied

Ich bin auf dem Weg zu Meckys Einäscherung. Genauer gesagt: Auf dem Weg zu einem Ort, an dem ich zum Zeitpunkt seiner Einäscherung in München in Richtung München blicken und an ihn denken werde. So grauenvoll der Gedanke – was heißt der Gedanke, das WISSEN, ist, dass es Mecky nicht mehr gibt, und so schrecklich die existentielle Leere, das Seins-Loch, das sein Tod aufgerissen hat, ist: Ihm tut nichts mehr weh, er leidet nicht mehr. Dies war auch der einzige tröstende Gedanke, der mir nach seinem Tod in den Sinn kam: Ein Leidender weniger.

Ich gehe auf die so genannte Richterhöhe. Dort befindet sich nämlich eine Windrose, auf der Städte, Seen und Berge eingezeichnet sind. Ich blicke also in Richtung München, wo Mecky gerade verbrannt wird. Ein großer Kamin, aus dem Rauch aufsteigt, gerät in mein Blickfeld – so wie an dem Ort, an dem Mecky jetzt ist, denke ich. Dann: Rauch – Rauch wie in den KZs, wo auch Tote verbrannt wurden. Ich befinde mich am Salzburger KZ-Berg, dem Mönchsberg. (Hier weiden im Sommer Rinder mit ihren Kindern, die gelben KZ-Marken für die Leichenidentifikation bereits in die Ohren gestanzt.)

In meiner unmittelbaren Umgebung: ein schlossartiges Haus. Mein Lebenstraum: Hier mit Mecky leben und arbeiten. Und da drüben das Haus, in dem Peter Handke eine Zeit lang wohnte. “Chinese des Schmerzes“ fällt mir ein. Ich habe keine Ahnung, worum es in diesem Buch geht, aber dieser Titel kommt mir sofort in den Sinn. Zuhause sehe ich dann bei meinen Büchern nach, ich hatte doch ein Handke-Buch, das meiner Tochter gehört. Da ist es auch schon – “Der Chinese des Schmerzes“. Umschlagbild: “Die Richterhöhe auf dem Mönchsberg.“

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Empathie und Ethik

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Gruß Hubert

Veröffentlicht 21. Juni 2019 von hubert wenzl in Tiere, Tierrechte, Tierschutz, Uncategorized

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Richard David Precht über den Umgang mit Tieren   Leave a comment

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Auszüge aus einem sehr interessanten Interview mit dem bekannten Philosophen Richard David Precht über den Umgang mit Tieren: „Unvereinbar mit unserer Moral“ (Deutschlandfunk vom 17.10.2016)

Richard David Precht, geboren 1964, ist Philosoph, Publizist und Autor und einer der bekanntesten Intellektuellen im deutschsprachigen Raum.

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„Ich glaube, das Thema liegt heute noch sehr viel dringlicher in der Luft als früher – und zwar aus folgendem Grund: Auf der einen Seite ist die Zahl der Vegetarier und der Veganer in Deutschland rasant angestiegen. Ganz viele junge Leute wollen kein Fleisch mehr essen. Und auf der anderen Seite ist die Massentierhaltung heute noch grotesker, als sie vor 20, vor 50 oder vor 100 Jahren war. Das heißt: Wir bauen gewaltige Tierfabriken, wo zum Teil 300.000 Tiere eingepfercht werden. Und dieser Widerspruch ist gewaltig, das heißt die Schere gegenüber dem, was Menschen in Deutschland gegenüber Tieren für ethisch korrekt halten und dem was wir tatsächlich tun, geht immer weiter auseinander.

Wir gehen mal davon aus, daß sagen wir mal die steinzeitlichen Jäger sich nicht als etwas empfunden haben, was nicht zur Natur gehört. So wie wir heute sagen, menschliche Kultur auf der einen Seite, Natur auf der anderen Seite, sondern sie lebten IN der Natur und begriffen sich selbst als Teil der Natur und hatten ein entsprechendes Verhältnis zu Tieren. Wir haben eindrucksvolle Zeugnisse davon, daß in der Jungsteinzeit eine Familie begraben worden ist und gleichzeitig ist der Hund da mitbegraben worden oder Rinder wurden mit in die Grabkammer gelegt. Das zeigt, daß man sich einander doch irgendwo noch im weitesten Sinne als seelenverwandt empfunden hat und der Mensch sich selbst als Teil der Natur.

[…]

… das ist das Merkwürdige insgesamt. Je stärker der Mensch über die Natur herrscht, umso seelenloser erscheint ihm das Beherrschte. Und durch den Siegeszug der Technik und durch den Siegeszug der menschlichen Kultur kommt es dazu, dass wir den Wert der Tiere nicht mehr sehen, dass wir sie nicht mehr als beseelte Lebewesen wahrnehmen, sondern als etwas, mit dem wir schalten und walten können, nach unserem eigenen Gutdünken.

[…]

Man kann, wenn man das etwas überspitzt sagt, sagen: Von der Soziallehre Jesu Christi ist in den machtpolitischen Bestrebungen der Kirche im Mittelalter und über die Renaissance und die Barockzeit hindurch sehr wenig übriggeblieben. Und das gleiche gilt für Franz von Assisi eigentlich auch. Er hat eigentlich eher eine Alibifunktion. Auch die Kirche kann mit jemandem aufwarten, der ganz offensichtlich sehr tierfreundlich gewesen ist, der ein Spinnennetz repariert hat, um der armen Spinne ihre Existenzgrundlage nicht zu nehmen und vieles mehr, der den Vögeln gepredigt hat. Aber das hat keinen großen Einfluss auf den christlichen Glauben gehabt, sondern der war immer ein Außenseiter in der Kirche. Man hat ihn schnell zu einem Heiligen gemacht, um ihn nicht ernst nehmen zu müssen.

Also insgesamt hat die protestantische Kirche ein völlig sachliches Verhältnis zum Tier, jedenfalls und das muss man unterscheiden, die offizielle Kirche, also das Luthertum zum Beispiel. Von Luther selbst gibt es zwei Aussagen über Tiere. Das eine ist, dass man weiß, dass er sich als junger Mann gegen den Singvogelmord in Italien stark gemacht hat und als zweites gibt es eine sehr umstrittene Stelle in seinen Tischreden. Da soll ein Mann zu ihm gekommen sein und ihn gefragt haben, ob denn wohl sein Hund auch in den Himmel kommt. Darauf soll Luther gesagt haben: ‚Aber freilich. Gott wird einen neuen goldenen Himmel schaffen. Auch für alle Hündlein und Bellferlein.‘ Wenn man sich intensiv mit Martin Luther beschäftigt, muss man davon ausgehen, dass es sich hierbei um Spott handelt und nicht um eine tierfreundliche Aussage.

Der Protestantismus ist überhaupt gekennzeichnet durch einen Herrschaftsauftrag über die Natur. Mit dem Calvinismus beginnt der Kapitalismus. Damit beginnt die Vorstellung, die Natur ist einzig und allein zum Zweck da, vom Menschen ausgebeutet zu werden und ihm dienstbar zu sein. Das ist übrigens eine Vorstellung, die wir in der Antike auch schon kennen, nämlich bei den antiken Stoikern.

Wie ist das Verhältnis der Muslime zu den Tieren? – Nicht wesentlich unterschiedlich im Vergleich zum Christentum. Im Koran wird festgelegt, dass die Tiere entweder dazu da sind, dass sie gegessen werden oder dazu, dass man sie als Lastenträger oder zum Reiten gebrauchen kann. Es gibt einige Sätze von Mohammed, über die Tiere, die auch recht tierfreundlich sind. Also im Gegensatz zu Jesus äußert sich Mohammed häufiger freundlich gegenüber den Tieren. Aber insgesamt ist der Unterschied zum Christentum nicht sehr groß.

Eine Wüstenreligion prägt ein anderes Verhältnis zu Tieren aus als eine Urwaldreligion. Und in dem sehr feuchten, sehr fruchtbaren Indien hat sich eine ganz andere Art des Umgangs mit Tieren herausgebildet. Nicht dass wir viele Probleme, die wir im Christentum kennen, nicht auch aus dem antiken Hinduismus kennen, aber entscheidend ist die Seelenwanderungslehre, die ungefähr gleichzeitig im Mittelmeerraum 600 v.Chr. entsteht und in der selben Zeit nochmal in Indien.

[…]

Die Lehre von der Seelenwanderung setzt ja voraus, dass jeder Mensch sich bemüht, im nächsten Leben als eine möglichst höhere Form geboren zu werden, mit dem endgültigen Ergebnis, irgendwann gar nicht wiedergeboren zu werden, sondern erlöst zu sein. Und um das zu tun, muss man ein sehr ethisches Leben führen.

Ein sehr ethisches Leben ist ein Leben, das weitgehend in jeglicher Form auf ausschweifende Genüsse verzichtet. Und Fleischessen ist ein solch ausschweifender, unnötiger Genuss. Und da es ja darum geht, so asketisch wie möglich auf all das zu verzichten, ist das Fleischessen in doppelter Hinsicht problematisch. Erstens wegen der Wiedergeburt und zweitens, weil es sich dabei um Völlerei und illegitimen Genuss handelt.

Die große Wende kommt, wir würden sagen durch Heraklit, durch die Vorstellung, es gäbe einen göttlichen Logos, der irgendwo jenseits der Welt wirkt, aber auf die Welt einstrahlt und der exklusiv die menschliche Seele erleuchtet, wenn ich denn vernünftig und klug genug bin. Damit wird der Mensch etwas ganz Exklusives. Und Teile dieser Logos-, man kann sagen -philosophie, man kann auch sagen -religion, also diesem Glauben, dass der Mensch etwas Besonderes ist, weil er an einem Weltlogos, an einer Weltvernunft Anteil hat; der wandert nachher in die Seelenlehre des Christentums ein. Und der bestimmt bis heute unsere Vorstellung von der exklusiv menschlichen Seele, die von Anfang an etwas völlig anderes und Unverwechselbares ist und mit den Tieren nichts zu tun hat. Denn, wie Thomas von Aquin sagte: „Die Seele des Tieres ist der Unsterblichkeit nicht teilhaftig, weil sie der Vernunft nicht teilhaftig ist.“

… das beginnt so im 16./17. Jahrhundert, als man anfängt die Natur systematischer zu erforschen. Das hatte in der Antike Aristoteles schon einmal gemacht und dann klafft ein ganz, ganz, ganz langes Loch und dann beginnt es so langsam in der Barockzeit, dass man versucht die Natur zu klassifizieren. Zu Beginn der Aufklärung wird Carl von Linné, der bedeutende schwedische Naturforscher, so als erster so eine Inventarliste der Natur anlegen und alles entsprechend systematisieren. Da stellte sich eben eine Frage, die sich auch schon Aristoteles gestellt hat, nämlich, dass es zwar sein mag, dass der Mensch diesen wunderbaren Logos und eine Vernunftseele hat, aber dass er dem Affen doch sehr, sehr ähnlich sieht. Und händeringend sucht er jetzt nach einem Unterscheidungsmerkmal, weil es ja schon seltsam ist. Auf der einen Seite, grenzt sich der Mensch durch die Vernunftseele völlig von der Tierwelt ab, aber andererseits ist er den Tieren unglaublich ähnlich.

Ja, also man kann ja viel Kritisches sagen über die Versachlichung der Tiere im Judentum und im Christentum, aber ein Wort wie Mitgeschöpf verdankt sich ja auch religiösem Kontext, nämlich dem protestantischen Nonkonformismus. Im 17. Jahrhundert beginnen protestantische Sekten wie die Puritaner, dann später die Quäker und die Pietisten, einen anderen Umgang mit dem Tier zu pflegen. Dafür haben sie einen theologischen Grund. Sie sind der Überzeugung, dass die Erbsünde Adams nicht nur das Leid der mühseligen Arbeit und der Plackerei über den Menschen gebracht hat, sondern ungerechtfertigter Weise ja die Tiere in Mitleidenschaft gezogen hat. Auch die Tiere müssen sterben, auch die Tiere gebären unter Schmerzen, also alles das, was als Strafe auf den Menschen zugekommen ist, nachdem er aus dem Paradies vertrieben wurde. Und deswegen empfinden sie die Tiere als Teil einer Schicksalsgemeinschaft. Alle sind von der Erbsünde betroffen – und das rückt Mensch und Tier wieder näher zueinander und in diesem Kontext entsteht das Wort Mitgeschöpf, also die Vorstellung, wir haben alle ein gemeinsames Los auf Erden, aus dem wir erlöst werden müssen.

Der Tierschutz entstammt tastsächlich dem Pietismus und dem Puritarismus. Er entsteht als erstes der Bewegung in England, aber Anfang des 19. Jahrhunderts dann auch in Deutschland. Und die Tierschutzvereine entspringen genau dieser pietistischen Mentalität: Tiere als Mitgeschöpfe verdienen unseren Schutz und ihr Leiden muss verringert werden, wir sollten ihnen gegenüber nicht allzu barbarisch auftreten. Damit beginnt Anfang des 19. Jahrhunderts der Tierschutz.

Tierrechtler argumentieren heute mit Argumentationen, die wir zum Teil schon Ende des 18. Jahrhunderts und im 19. Jahrhundert finden. Die entscheidende Frage wird jetzt sein, geht es darum ob Tiere denken können oder geht es nicht darum, dass sie genauso empfinden oder ähnlich empfinden können wie wir? Darauf basiert der Tierrechtsgedanke, der dann vor allen Dingen durch Peter Singers Buch „Animal Liberation“, wir sind jetzt in den 1970er Jahren, aktualisiert wird. Sein entscheidender Gedanke ist, dass alles was leidensfähig und auch bis zu einem gewissen Sinne bewusstseinsfähig ist, muss ethisch berücksichtigt werden. Es kann ja nicht sein, dass ein Schimpanse, der mehr Bewusstsein und möglicherweise mehr Leidensfähigkeit hat als ein neugeborener Säugling nicht in die Ethik aufgenommen wird, der Säugling hingegen schon.

Es gibt in der klassischen Tierrechtsphilosophie zwei Argumente, Tiere zu achten. Das eine ist, weil sie leidensfähig sind, und das andere ist, weil sie ein Bewusstsein haben, dass in vielem Ähnlichkeit mit dem Menschen hat. Beide Argumente haben einige tückische Stellen. Also, wenn ich jetzt Tiere züchten würde, Hühner züchten würde, die kein Schmerzempfinden haben, dann müssten Legebatterien eigentlich völlig in Ordnung sein. Das ist glaube ich nicht das, worauf Tierrechtler hinauswollen, aber das zeigt, dass die Argumentation brüchig ist. Das zweite Argument ist, dem Menschen möglichst ähnlich sein. Das heißt: Schimpansen gehören in die Tierethik, und bei Hühnern sind wir uns nicht so sicher. Da messen wir ja wieder mit menschlichem Maßstab. Wir machen uns wieder ganz anthropozentrisch zum Maßstab. Und das ist auch problematisch. Und ich plädiere für eine Ethik des Nichtwissens. Ich plädiere nicht dafür, mit holzhackerischer Sicherheit zu sagen, wer wie viel Bewusstsein hat und wie leidensfähig ist, sondern überall, wo wir komplexe Formen von Leidensfähigkeit und von Bewusstsein vermuten können, sehr, sehr vorsichtig umzugehen und wirklich zu überlegen, was wir glauben, uns selbst und den Tieren zumuten zu können.

Die Grenze liegt gar nicht zwischen Tier und Mensch. Und die Frage ist, inwieweit können wir die Reichweite unseres Mitgefühls gesellschaftlich stärker auf Tiere ausweiten? Und wir stellen ja im Laufe der letzten 200 Jahre fest, dass wir die Reichweite unseres Mitgefühls ständig ausgeweitet haben. Also weiße Männer haben die Reichweite ihres Mitgefühls ausgeweitet darauf, dass sie zum großen Teil die Sklaverei für falsch halten. Sie haben die Reichweite ihres Mitgefühls auf Frauen ausgeweitet, was ihnen sehr, sehr schwer gefallen ist und was tausende von Jahren Kampf gekostet hat.

…Aber die Reichweite des Mitgefühls wurde größer. Der Druck wurde immer stärker – und das ist bei den Tieren letztlich genau das Gleiche. Also, die Frauenbewegung hat sich nicht durchgesetzt, weil engagierte Frauen dafür gekämpft haben, sondern sie hat sich durchgesetzt, weil sie mit den Vorstellungen einer liberalen ethischen Gesellschaft einfach nicht mehr vereinbar war. Und ich glaube, dass vieles von dem, was wir heute gegenüber Tieren machen, mit unseren Vorstellungen von Moral, von Liberalität, von Gesellschaft, von Sensibilität einfach nicht mehr vereinbar ist. Und deswegen bin ich sehr optimistisch, dass wir auch noch weiter vorankommen.

https://www.animal-spirit.at/news/richard-david-precht-ber-den-umgang-mit-tieren

Das vollständige Interview:

http://www.deutschlandfunk.de/richard-david-precht-ueber-den-umgang-mit-tieren.886.de.html?dram:article_id=368290

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Gruß Hubert

Beseelte Tiere   Leave a comment

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Vor allem die katholische Kirche glaubt, dass der Mensch das Allergrößte sei und nur er mit Vernuft ausgestattet ist. Aber das ist wohl sicher nicht vernünftig, wenn zum Beispiel der französische Philosoph Descartes meinte, dass Schmerzensschreie nur eine mechanische Reaktion wären. Bei Vivisektionen von Hunden sei eine Betäubung sinnlos, da es nichts zu betäuben gäbe und der Lärm der Schmerzensschreibe zwar unangenehm seien, aber nur für die armen Menschen, die diese anhören müssten. Man muss da wohl fragen, welche Vernunft, welcher Geist das sein soll? So unvernünftig könnte kein Tier sein.

Hier ein Artikel dazu von heise.de

Philosophische Kolumne: Von schubsenden Ziegen, fliegenden Schildkröten, schamlosen Hunden und nachdenklichen Philosophen, Teil II

Die Geschichte der philosophischen Thesen über Tiere ist eine Geschichte des Geistes, des Geistes der Tiere, die entweder begeistern oder auf den Geist gehen – und dementsprechend sprechen die Philosophen den Tieren entweder einen Geist zu oder ab.

Allein der Mensch hat eine unsterbliche vernunftbegabte Seele, meint zum Beispiel Augustinus; das sehe man schon daran, dass immer nur Menschen Tiere dressierten und niemals umgekehrt – was natürlich als Einschätzung weit entfernt ist von der heutigen Epoche, in der mehr die Hunde ihre Herrchen durch die Gegend zerren als umgekehrt. Wer da wen zieht und wer da wen erzogen hat, ist fraglich.

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Kürzlich wurde von Biologen, wie sie in PloS One berichten, eine noch unbekannte Affenart im Regenwald Ostkongos entdeckt. Cercopithecus lomamiensis hat ein ganz erstaunlich ausdrucksstarkes Gesicht, das irgendwie weise und melancholisch in die Welt blickt. Foto: Maurice Emetshu/Creative Commons Attribution License (CCAL)
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Augustinus zufolge ist jene Seele, die dem Menschen eignet, immateriell, und das ist auch gut so: Als Kenner der Beziehungen zu Frauen und zu Gott ist Augustinus erleichtert darüber, dass zumindest bei letzterem Größe keine Rolle spielt, da sonst Elefanten gegenüber dem Menschen gewisse Vorteile in der Größe ihrer Seele hätten. Die nachfolgende Diskussion bis Thomas von Aquin kommt zu dem Ergebnis, dass Tiere zwar auch eine Seele haben, das aber ist eine sterbliche Seele, da Tiere sich nicht mit ewig-unsterblichen geistigen Wahrheiten befassen. Als beseeltes Lebewesen steht der Mensch demnach noch auf demselben Boden wie die Tiere, ragt aber das kleine entscheidende Stück weit daraus hervor.

Dennoch bleiben Unsicherheiten. Bereits im Mittelalter geht es auf den Geist, dass Affen so menschenähnlich sind. Da der Schöpfungsglaube und der damalige Forschungsstand evolutionäre Erklärungen ausschließt, bleibt nur die Annahme übrig, diese Tiere versuchten auf teuflische Anstiftung hin den Menschen nachzuahmen, also „nachzuäffen“. Die prophylaktische Unterstellung eventuell böser und täuschender Absichten zieht sich auch bis in die Gerichtsurteile dieser Zeit, zum Beispiel bei Fällen von sexuellem Missbrauch von Tieren.

Wenn aber schon per definitionem vernunftlose Tiere den Menschen dermaßen hintergehen können, wem kann man da noch trauen? Sobald die Philosophie damit angefangen hat, sogar den Tieren zu misstrauen, wo soll sie dann noch aufhören?

Bestenfalls komplizierte Maschinen

René Descartes antwortet zu Beginn der neuzeitlichen Philosophie darauf: Bei der Selbstvergewisserung des menschlichen Geistes. Das berühmte „Ich denke, also bin ich“, „cogito ergo sum“ führt bei ihm nicht zu einer Ausweitung auf Tiere (speziell auf Bienen unter dem Motto „cogito ergo summmm“), im Gegenteil: Tiere werden als prinzipiell nicht-denkend abqualifiziert.

Der radikale Zweifel, eine Lieblingsbeschäftigung der Philosophen, von den Tieren über die Automaten (denn bei Descartes sind Tiere nichts anderes als komplizierte organische Automaten) bis hin zum Prinzipiellen, zeigt sich bei Descartes so: Nachdem er sich vergewissert hat, dass er denkt, denkt er sich: Ich bin mir sicher, dass ich denke, aber ich bin mir nicht sicher, ob ich einen Körper habe, also ist mein Denken von meinem Körper verschieden. Mein Körper ist ein materielles System, das endlich viele Zustände annehmen kann. Da mein Denken vom Körper verschieden ist, kann es daher unendlich viele Zustände annehmen.

Ein Automat, egal ob Hund, Schildkröte oder Pferd, wäre in seinen Verhaltensweisen ziemlich beschränkt, da es sich bei ihm nur um ein materielles System handelt. Automaten können daher nicht auf die gleiche beliebig variierbare Weise handeln und sprechen wie ich. Und alles, was sich als Verhalten eines Automaten darstellen lässt, ist auch ein Automat, ein materielles System ohne denkenden Geist.

Mit diesem logischen Hopplahopp-Ritt, auf dessen Untiefen beispielsweise Ansgar Beckermann hingewiesen hat, mobbt Descartes nicht nur künftige Zeitgenossen wie Haushaltsroboter, sondern auch und gerade die Tiere. Er meint, alles, was Tiere tun, kann auch von Automaten getan werden, so wie es zu seiner Zeit mechanische Enten taten, die, sobald einmal aufgezogen, durch die Gegend watscheln, Gras rupfen und mittels Chemikalien in ihrem Eisenmagen „verdauen“ konnten. Die Cartesianer ziehen daraus den Schluss, dass Tiere nichts anderes als komplizierte Maschinen sind.

Stößt ein Tier etwas aus, das wir als Schmerzensschrei interpretieren, ist das in Wirklichkeit nichts anderes als eine mechanische Reaktion; Tiere empfinden ebenso wenig Schmerz wie eine Orgel, wenn man eine ihrer Tasten drückt. Bei Vivisektionen von Hunden zu medizinischen Zwecken Betäubung vorzunehmen, wird daher als sinnlos abgelehnt, gibt es da doch gar nichts zu betäuben. Der dabei entstehende Lärm sei zwar unangenehm, aber nur für die armen Menschen, die ihn anhören müssen.

Haben sie nicht nur Gefühle, sondern auch Bewusstsein?

Empörter Einspruch darauf kommt, nicht sehr erstaunlich, aus England. Dort leben bis heute vor allem die hohen Herrschaften auf vertrautem Fuß mit ihren Hunden und Pferden und geben zu viel Geld für sie aus, als dass sie sie zu bloßen Maschinen herabgewürdigt sehen möchten.

Der englische Empirismus verallgemeinert diesen Eindruck: Dass ein Wurm Schmerz empfindet, sei eigentlich viel offensichtlicher als die Existenz eines immateriellen denkenden Geistes: Tiere sind empfindungsfähig, lehrt die Erfahrung, und aus der Fähigkeit, Schmerz und Lust zu empfinden, leiten wir Menschen gewisse Rechte und Pflichten ab – warum sollten wir die Tiere, die uns darin gleichen, davon ausschließen? Diese Argumentation zieht sich von David Hume durch bis hin zu Peter Singers „Animal Liberation“.

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Hier weiterlesen:

Beseelte Tiere

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Gruß Hubert

 

Veröffentlicht 18. September 2016 von hubert wenzl in Tiere, Tierschutz, Uncategorized

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Über Würde, Ethik und Empathie   2 comments

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Der Kernsatz dieses Beitrages ist: wir dürfen Tiere nicht weiter wie Sklaven und unser Eigentum ohne Rechte halten und behandeln.

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Die Würde des Menschen ist unantastbar. Artikel 1, Abs. 1 des deutschen Grundgesetzes. Es überrascht immer wieder, auch wenn es das nicht sollte, wie wenig all die menschgemachten Gesetze einen Großteil der Bevölkerung dieses Planeten miteinbeziehen. Oft wird für die Tiere erst dann etwas getan, wenn es ans Eingemachte geht. Wie beispielsweise beim weltweiten Bienensterben, das wir Monsanto und Co. zu verdanken haben. Die Aufmerksamkeit ist groß – ohne Bienen keine Nahrung. Wären die Bienen ausschließlich sogenannte Nutztiere, wegen ihres Honigs und nicht auch lebensspendend – wer weiß, ob ihr Sterben dem Menschen so einen Schrecken einjagen würde.

Im Yellow Stone Naturpark wurden 1995 erneut Wölfe angesiedelt, nachdem das Land durch eine Überpopulation von Hirschen und Rehen karg und öde geworden war. Erstaunliches geschah: Natürlich töteten die Wölfe auch Wild, aber vor allem verwiesen sie es durch ihre Anwesenheit in ganz bestimmte Gebiete. So konnte sich die Natur erholen, Wildblumen, Pflanzen und Bäume wuchsen wieder, Vögel, Insekten und viele andere Tierarten kehrten zurück. Die Wölfe erlegten nicht nur Wild, sondern auch Kojoten, dadurch gab es wieder mehr Kaninchen und Mäuse und diese zogen wiederum die Greifvögel an. Weil sich die gesamte Vegetation regenerierte, tauchten erneut die Biber auf, bauten ihre Dämme und ganz schnell gab es mehr Fische in den Flüssen. Selbst den Lauf der Flüsse beeinflussten die Wölfe, denn durch die weitreichenden und positiven Veränderungen der Natur festigten sich auch die Flussufer.

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(c) Foto: by Todd Ryburn piqs.de

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Dieses Beispiel zeigt, wie sehr Tiere das Gleichgewicht der Natur halten, ein Gleichgewicht, welches der Mensch in bereits erschreckendem Ausmaß zerstört hat. Und es beweist, wie absurd und armselig die Argumente der Jäger sind, dass sie Wild und Füchse töten müssten, weil der Wald sonst zugrunde gehen würde – das Gegenteil ist der Fall. Es herrscht Krieg in den Wäldern, überall – nicht nur unter den Menschen.Der Mensch führt auch Krieg gegen die Tiere. Dieser Frieden, der so herbeigesehnt wird, kann erst entstehen, wenn jegliches Blutvergießen ein Ende gefunden hat.

Das Wesen Mensch kann und muss sich infrage stellen. Und dieses sich infrage stellen führt zur Ethik. Der Begriff Ethik wurde von Aristoteles als Bezeichnung für eine philosophische Disziplin eingeführt, mit dem Hintergrund, dass es für ein vernunftbegabtes Wesen wie den Menschen unangemessen sei, wenn sein Handeln ausschließlich von Konventionen und Traditionen bestimmt wird. Die jahrtausendealte Tradition des Fleischessens muss heute mehr denn je infrage gestellt werden, unser Verhältnis zu den Tieren muss hinterfragt werdenes ist eine emphatische und vernunftbedingte Notwendigkeit. Ethik wird heute als eine Disziplin verstanden, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Kriterien für gutes und schlechtes Handeln aufzustellen und seine Motive und Folgen zu bewerten. Die Folgen des menschlichen Handelns gegenüber einem Großteil der Mitbewohner dieses Planeten können nicht anders als unethisch eingestuft werden. Von einer weltumspannenden Tierrechtsethik sind wir leider noch weit entfernt.

In seiner berühmten Rede I have a dream vom 28. August 1963 sagte Martin Luther King u.a.: „Wir können nicht zufriedengestellt sein, solange unsere Kinder ihrer Freiheit und Würde beraubt werden.“ Die Forderungen von King für die Rechte seiner dunkelhäutigen Brüder und Schwestern waren bedingungslos. Die Forderungen der Tierrechtsbewegung sind es ebenso, müssen es sein, auch wenn es ein langer Weg in eine Welt ist, in der Tiere nicht mehr wie die Sklaven von einst behandelt werden, weil sie der Mensch als minderwertig ansieht – ähnlich wie zu jener Zeit, als Martin Luther King für eine Welt der Brüderlichkeit unter den Menschen kämpfte.
Wir können nicht zufrieden sein, solange unseren kleinen Brüdern und Schwestern, den Tieren, so unendlich viel Leid angetan wird. Wir dürfen nicht zufrieden sein und aufgeben, bis das Recht auf ein Leben in Freiheit und Würde für alle gleichermaßen gilt.

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für fellbeisser

(c) Foto: privat

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Die Würde eines jeden Lebewesens, nicht nur die des Menschen, ist unantastbar. Sprachgeschichtlich ist Würde mit dem Wort „Wert“ verwandt. Jedes Lebewesen besitzt einen ihm innewohnenden Wert, er ist ihm als Geburtsrecht mitgegeben worden. Eine einzigartige Seinsbestimmung macht es zu einem Wesen, welches Wertschätzung verdient. Jemandes Wert zu schätzen hat mit Respekt und Achtung zu tun.
Aber wie weit sind Massentierhaltung, das milliardenfache Schreddern von neugeborenen Küken, die Ausbeutung in der Milchindustrie, Schlachthäuser, die Pelzindustrie, Tiere in Zirkussen oder die Überfischung der Meere von jeglicher Achtung gegenüber fühlenden Lebewesen entfernt, die der Mensch zu sogenannten Nutztieren degradiert hat und die er nach Belieben ausbeutet. Die tierverachtende Haltung des Menschen bedeutet modernes Sklaventum und entbehrt jedweder Ethik und jeglicher Vernunft. Massentierhaltung ist gleichzusetzen mit Misshandlung und eine der größten ökologischen Bedrohungen für diesen Planeten.

Ein Großteil der Menschheit hat über Jahrtausende hinweg Fleisch gegessen. Das ist richtig, aber kein Argument dafür, dass es so bleiben muss. Jahrtausendelang hat die anthropozentrische Herrschaft diese Welt regiert. Es ist Zeit, sich davon zu verabschieden und ein neues und ganzheitliches Denken und Handeln entstehen zu lassen. Der Mensch entwickelt sich beständig weiter, erkennt Zusammenhänge und Wahrheiten. Und er rühmt sich gerne all seiner Errungenschaften und Fortschritte und auch seines moralischen Fortschritts. Was wir dringend brauchen, ist ein Fortschritt in der Empathie, wir brauchen eine Grenzenlosigkeit des Mitgefühls. Es sind die Grenzen und Begrenzungen in unseren Köpfen, die Leid verursachen oder es nicht sehen wollen. Sie sind es, die fallen müssen, denn es ist ein Irrglaube, dass uns das Leid anderer nichts anginge, ob es die verzweifelten Flüchtlinge sind oder die verzweifelten Tiere, welche in ihren Tod transportiert werden.

Alles ist mit allem verbunden.

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WELLEN - BRECHER

(c) Foto: by kstudi piqs.de

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Spät in der Nacht an den Klippen fragt König Lear in dem gleichnamigen Stück von William Shakespeare den blinden Earl von Gloucester: „Wie sehen Sie die Welt?“ Und der blinde Earl von Gloucester antwortet: “Ich sehe Sie fühlend.“
Wir kommen als Fühlende auf diese Erde. Als Kinder sehen wir sie tatsächlich fühlend, bevor wir in die Welt der Begrifflichkeiten und Namen eintauchen und von Konditionierungen geprägt werden. Wir freuen uns mit Begeisterung über die unendliche Vielfalt der Erde mit ihren Ausdrucksformen und all ihren Lebewesen – wir sind Erdlinge. Unsere Liebe kennt noch keine speziesistischen Grenzen und wir sind unbefangen – der Regenwurm, der fleißig die Erde umgräbt, fasziniert uns genauso wie die behäbigen Kühe auf der Wiese. Doch irgendwann und irgendwie, während wir heranwachsen und unsere Erfahrungen machen, verlernen wir manchmal, fühlend zu sehen; wir übernehmen die Denkmuster und Einstellungen unserer Eltern und der Gesellschaft und allzu oft hinterfragen wir diese nicht.
Wenn wir es als Menschen schaffen, Vernunft und Empathie in gleichem Maße zu leben, dann können wir eine Welt erschaffen, die für alle Bewohner dieser Erde lebenswert ist. Was wir brauchen, ist eine allumfassende Ethik und ein ganzheitliches Bewusstsein.
Friedrich von Schiller schrieb über den Begriff der Würde: “Würde bezeichnet auch den Ausdruck einer erhabenen Gesinnung.“
Geben wir den Tieren, unseren kleinen Brüdern und Schwestern, ihre verlorene Würde zurück. Indem wir sie würdelos behandeln, geht auch ein großes Stück unserer menschlichen Würde verloren.

© Daniela Böhm 2015
www.danielaböhm.com

Über Würde, Ethik und Empathie

Gruß Hubert

Veröffentlicht 11. September 2015 von hubert wenzl in Tierschutz

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Sterbehilfe – wann ist sie strafbar?   2 comments

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Sterbehilfe ist ja ein sehr komplexes und delikates Thema. Es wird deshalb auch sehr konträr diskutiert. Meiner Ansicht sollte jemand nicht lange leiden müssen, wenn es keine Aussicht auf Heilung gibt und die Person es nicht will. Ein Mensch sollte selbstbestimmt und in Würde sterben dürfen. Es gibt viele Facetten, die es bei der Sterbehilfe zu beachten gibt. Leicht kann man da konfus werden, mich nicht ausgenommen. Sterbehilfe wird auch in europäischen Ländern sehr unterschiedlich diskutiert und behandelt.
Hier ein Artikel von Netdoktor.

Selbstbestimmt leben, selbstbestimmt sterben – das ist für viele Befürworter der Sterbehilfe das Hauptargument.  Welche Arten von Sterbehilfe es gibt, wie andere Länder damit umgehen und was in Deutschland der rechtliche Rahmen dazu ist, erfahren Sie hier.

Gesund im hohen Alter einschlafen und nicht wieder aufwachen – diese Vorstellung vom Sterben wird nur für wenige Wirklichkeit. Oft zieht sich das Sterben hin und kann mit Schmerzen und drastischen Einschränkungen der Lebensqualität verbunden sein. Nicht zuletzt haben viele Sterbende Angst, ihrer Umwelt „zur Last“ zu fallen. Dies alles schürt Ängste und weckt bei manchen den Wunsch, selbst zu bestimmen, wann sie sterben – auch, wenn dazu die Hilfe Dritter nötig ist.

Was ist Sterbehilfe?

Darf man jemandem beim Sterben helfen? Dies ist eine heiß diskutierte Frage, an der sich sowohl Ethiker als auch die Gesetzgebung immer wieder abarbeiten. Grundsätzlich werden verschiedene Formen der Sterbehilfe definiert:

Passive Sterbehilfe: Hierbei werden lebensverlängernde Maßnahmen (zum Beispiel künstliche Ernährung, Beatmung oder die Gabe bestimmter lebenserhaltender Medikamente) nicht fortgesetzt. Grundlage hierfür ist normalerweise der ausdrückliche Patientenwille, zum Beispiel in Form einer Patientenverfügung. Liegt dieser vor, ist die passive Sterbehilfe in Deutschland nicht strafbar.

Indirekte Sterbehilfe: Hierunter versteht etwa man die Gabe von Schmerz- oder Beruhigungsmitteln, die das Leiden lindern, gleichzeitig aber auch die Lebenserwartung einschränken. Ein Beispiel sind Opiate, die den Schmerz und die Angst nehmen, gleichzeitig aber auch die Atmung dämpfen. Letzterer Effekt wird dann billigend in Kauf genommen – auch ausdrücklich bestätigt durch ein Urteil des Bundesgerichtshofes von 1996. Indirekte Sterbehilfe ist demzufolge in Deutschland nicht strafbar.

Beihilfe zur Selbsttötung: Ein Selbstmord – zum Beispiel mit einem Giftcocktail – wird juristisch nicht geahndet. Rein rechtlich ist auch die Beihilfe zum Suizid nicht strafbar. Allerdings können Helfer anschließend wegen unterlassener Hilfeleistung belangt werden. Ärzten allerdings verbietet das Berufsrecht, Menschen bei der Selbsttötung zu assistieren. Ein Verstoß kann zum Beispiel den Entzug der ärztlichen Berufserlaubnis zur Folge haben.

Aktive Selbsttötung: Sie wird auch „Tötung auf Verlangen“ genannt und ist in Deutschland strafbar. Gemeint ist zum Beispiel, wenn jemand einem Sterbenden ein tödliches Mittel verabreicht – auch, wenn dieser das ausdrücklich gewünscht hat. Wer sich hier schuldig macht, muss mit einer Freiheitsstrafe zwischen sechs Monaten und fünf Jahren rechnen.

Diskussionspunkt: Beihilfe zur Selbsttötung

Die Debatten, die derzeit geführt werden, beschäftigen sich vor allem mit der Beihilfe zur Selbsttötung. Denn diese nutzen zum Beispiel Sterbevereine oder andere Organisationen, die Sterbehilfe anbieten. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe wünscht sich ein umfassendes Verbot für alle derartigen Sterbehilfeangebote. Niemand solle kommerziellen Nutzen aus dem Leid und Tod anderer Menschen ziehen.

Abgeordnete aus Union und SPD dagegen wollen, dass es zumindest Ärzten gesetzlich erlaubt wird, den Wunsch auf Selbsttötung zu unterstützen – in einem engen gesetzlichen Rahmen zumindest. Die Bundesärztekammer weist allerdings darauf hin, dass Ärzte dazu verpflichtet sind, das Leben zu erhalten, nicht dabei zu helfen es zu beenden. Ein klares Nein also zur ärztlichen Sterbehilfe.

In einem Punkt allerdings sind sich alle Seiten einig: Deutschland soll in der Palliativ- und Hospizversorgung besser werden. Im Frühjahr 2015 sollen Gesetzentwürfe zur Regelung der Sterbehilfe in Deutschland vorgelegt und nach parlamentarischen Debatten im Laufe des Jahres auf den Weg gebracht werden.

Sterbehilfe in Europa

Unwahrscheinlich ist allerdings, dass die Sterbehilfe in Deutschland in absehbarer Zeit ähnlich liberal gehandhabt wird wie beispielsweise bei den europäischen Nachbarn Belgien oder Luxemburg. Dort ist aktive Sterbehilfe unter bestimmten Umständen durch einen Arzt erlaubt. Wichtig sei unter anderem, dass der Patient in einer medizinisch ausweglosen Situation steckt und abzusehen ist, dass sein restliches Leben mit unerträglichem Leiden einhergehen würde.

In der Schweiz ist aktive Sterbehilfe verboten,  die Beihilfe zum Selbstmord allerdings straffrei, solange keine „selbstsüchtigen“ Gründe dafür vorliegen. Mehrere Sterbehilfeorganisationen wie beispielsweise „Dignitas“ oder „Exit“ arbeiten auf dieser gesetzlichen Grundlage.

Italien, Österreich oder Dänemark verbieten gesetzlich die aktive Sterbehilfe und die Beihilfe zum Selbstmord, passive oder indirekte Sterbehilfe sind dagegen erlaubt.

Sterbehilfe – wann ist sie strafbar?

 

Mein Tod gehört mir (S)


http://www.4shared.com/video/g5NFjVzDce/Mein_Tod_gehrt_mir___S_.html
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Wenn Selbstbestimmung überhaupt einen Sinn hat, dann können ja nicht andere darüber verfügen ob mein Leben lebenswert ist oder nicht. Nur der Einzelne kann das für sich entscheiden. Es kann ja niemand zum Sterben gedrängt werden aber doch nicht auch zum Leben gezwungen werden.

 

Der Abschiedsbrief von Udo Reiter
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Gruß Hubert

Veröffentlicht 2. Juli 2015 von hubert wenzl in Medizin, Politik

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