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Dr. Gunter Bleibohm – Zerfall eines Wahns – Teil 2   Leave a comment

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Zweite Kränkung

Am 27. Dezember 1831 stach die HMS Beagle mit Charles Robert Darwin an Bord zu einer fünfjährigen Weltreise in See. Die Fahrt ging über die Kapverdische Inseln nach Südamerika, Tahiti, Neuseeland, Australien und über Mauritius zurück nach England. Der junge Forscher sammelte Unmengen an Pflanzen und Tieren, unternahm ausgedehnte Expeditionen ins Binnenland, katalogisierte, untersuchte, beobachtete und dokumentierte. Darwin kam mit einer immensen Ausbeute naturwissenschaftlicher Daten und Fakten nach England zurück. Die Essenz dieser Ausbeute  floss in sein Buch „Entstehung der Arten“ ein, dessen erste Ausgabe am 24. November 1859 erschien. Dieses Buch revolutionierte die Biologie und hatte weitreichende Folgen für benachbarte Wissensgebiete wie beispielsweise Zoologie, Botanik etc. und insbesondere für die Theologie.

Darwin wurde der Urheber für die biologische Kränkung des Menschen, wie es Sigmund Freud ausdrückte. „ Der Mensch, so behauptete Darwin, ist kein Geschöpf Gottes sondern lediglich ein höheres Säugetier“ (Walther Ziegler, Freud). „Die Entstehung der Arten“ formulierte diverse Theorien, deren wichtigste die Evolution, also die Veränderlichkeit der Arten, die natürliche Selektion als Hauptantrieb der Evolution und – und das war der Skandal, der dies nefastus der Glaubenswelt – die gemeinsame Abstammung aller Lebewesen war.

Die gemeinsame Abstammung aller Lebewesen von einem ersten Lebewesen musste den Glauben zerstören, der Mensch sei Ebenbild Gottes und aus den Arten durch göttlichen Willen herausgehoben. Darwin zeigte, dass dem nicht so war, die Evolutionstheorie trat ihren Siegeszug durch die Naturwissenschaft an und ist heute durch weltweite Forschung in ihrer Richtigkeit, in ihrer vorausschauenden Genialität bestätigt.

Aber was bedeutet die Evolutionstheorie in concreto, im Verhältnis von Mensch und allen anderen Lebewesen inklusive Pflanzen?

Stellt man sich, ausgehend von einem ersten Lebewesen, vor, dass sich alle Arten von Tieren und Pflanzen im Laufe der Erdgeschichte nach und nach, in sehr kleinen Schritten, weiterentwickelt haben und die Weiterentwicklung jeweils die Antwort auf eine bestimmte Lebenssituation und Lebensnische war, so ergab sich bis heute gedanklich ein vielverzweigter Busch an Lebensformen. Es sind die unterschiedlichsten Lebensformen, die wir täglich beobachten wie Biene, Spatz, Hund, Hering, Schnittlauch, Eiche, Hirschkäfer, Regenwurm usw., welche die kleinen Zweige und Blätter an diesem Busch repräsentieren. Bereits ausgestorbene Arten sind die abgestorbenen Zweige und Ästchen. Wendet man nun auf diesen Busch das „Haarnadel-Gedankenexperiment“ an – wie Richard Dawkins es nennt – dann ergibt sich eine Situation, die für die narzisstische Eigenliebe des Menschen und für seine göttliche Auserwähltheits-Hybris vernichtend ist. Geht man nämlich von einem beliebigen Blatt oder Zweig dieses Busches zeitlich rückwärts, gelangt man zu Verzweigungspunkten, den Haarnadelkurven in der Vergangenheit. Hier läuft die alte Linie weiter, aber eine neue kommt hinzu, die sich  in eine andere Richtung und damit in andere Lebensform– entsprechend der speziellen Lebensumstände –  entwickelt.

Die Aussage signalisiert aber auch, dass jede organische Struktur, jede Pflanze, jedes Lebewesen zu einem früheren Zeitpunkt gemeinsame Vorfahren hatte. Aus dieser Tatsache folgt nichts anderes, als dass – geht man weit genug zurück – es einen Punkt in der Evolutionsgeschichte gab, geben musste, an welchem der Mensch mit dem Maikäfer, mit dem Fuchs und der Ringelnatter, mit der Petersilie, der Rübe oder der Alge gemeinsame Vorfahren hatte. Die Theologie war erschüttert, hatte demzufolge in der Evolutionsgeschichte doch selbst jeder Papst, der vicarius Christi, der Statthalter Christi, mit der Steckrübe gemeinsame Vorfahren.

Darwin wies mit seinen Forschungen dem Menschen seinen Platz unter den Säugetieren zu. Es ergeben sich dadurch neue philosophische und moralische Schlussfolgerungen.

  • Ein Mensch hat aus kosmischer Sicht die gleiche Bedeutungslosigkeit wie ein Stein, wie eine Pflanze, wie ein Tier. Hieraus folgt das Postulat  der universellen Gleichwertigkeit, aber auch der universellen Gleichnichtigkeit allen Lebens.

    So wie jeder Wassertropfen im Meer dem Anderen gleichwertig ist, so ist jedes Lebewesen dem Anderen gleichwertig. Es ist allein der Wahn des Menschen – genährt von seinen fiktiven Gottesideen – sich für etwas Höheres, Bedeutenderes, Lebenswerteres zu halten.

  • Alle unterschiedlichen Lebensformen bewegen sich in parallelen Lebenswelten, in ihren individuellen Realitäten. Es ist möglich, die nicht-eigenen Lebenswelten zu beschreiben, aber unmöglich, in ihre inneren Empfindungsstrukturen einzudringen.

  • Jedes Lebewesen nimmt die ihn umgebende Welt anders wahr; die Bakterie anders als der Fisch, die Schlange anders als der Bussard, der Hund anders als der Mensch.

    Es existieren somit zahllose, unabhängige Lebenswelten am Busch der Evolution, die alle mit dem gleichen Lebensrecht und Lebenswillen von der Natur ausgestattet wurden.

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Bakterielle Demütigung

Bakterien sind bekanntermaßen Lebewesen. Sie sind zwar klein, sehr klein, aber ohne Bakterien kann menschliches Leben nicht existieren. Der menschliche Körper ist ein Vielvölkerstaat unterschiedlichster Lebensformen, ein Kosmos, dessen Biomasse der Lebensraum einer nahezu unendlichen Tiergesellschaft ist, die in– zumeist – friedlicher Symbiose und Koexistenz mit menschlichen Zellen leben.

„Der menschliche Körper besteht aus ungefähr 10 bis 100 Billionen Zellen. In und auf uns tragen wir jedoch etwa zehnmal so viele Bakterienzellen mit uns herum. Allein in unserem Darm leben nach Schätzungen von Forschern rund 100 Billionen Bakterien aus bis zu 2.000 unterschiedlichen Arten. Diese vielfältige Lebensgemeinschaft umfasst bereits zehn- bis hundertmal mehr Gene als im gesamten menschlichen Erbgut vorhanden sind. Zu den Darmbakterien kommen noch unzählige Bewohner unserer Haut und anderer Gewebe hinzu. Die Gesamtheit der Mikroorganismen, die in und auf dem menschlichen Körper leben, wird auch als Mikrobiom bezeichnet. Würde man einen Menschen mitsamt dieses Mikrobioms genetisch analysieren, wäre er nur zu etwa 10 Prozent ‚menschlich‘.“ (http://www.scinexx.de/dossier-detail-563-4.html)

Jörg Blech, der im Jahr 2000 das erste Buch über „Das Leben auf dem Menschen“ veröffentlicht hat – 2010 ist es neu aufgelegt worden –, schrieb seinerzeit: „Falls Außerirdische jemals einen Menschen treffen sollten, würden sie ihn korrekt beschreiben als Ansammlung kleiner Lebewesen, die sich auf einem großen niedergelassen haben. Etwa so: ‚Die irdische Lebensform besteht aus 988 Spinnentieren, 100 000 000 000 000 (in Worten: hundert Billionen) Bakterien,
1 Mensch, etwa 70 Amöben und manchmal bis zu 500 Madenwürmern.“ ( http://www.medizin-welt.info/aktuell/Bakterien-Report-Was-die-Mikroorganismen-fuer-unser-menschliches-Leben-bedeuten/181 ).

Es ist nach Vorgenanntem alles andere als evident, dass all das, was wir als menschlich bezeichnen, nur Resultat menschlicher Zellen ist, sondern die Wahrscheinlichkeit ist eine große, dass in das „Menschliche“ das „Bakterische“ eingedrungen und eingeflossen ist und wir Menschen das Ergebnis des Wollens einer bestens organisierten Bakteriengemeinschaft sind. Jeder erinnert sich an die markanten Sätze der Genesis (Gen1, 25-27): „Und Gott sprach: Lasst uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei, die da herrschen über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über die ganze Erde und über alles Gewürm, das auf Erden kriecht. Und Gott schuf den Menschen ihm zum Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; …“

Erste Frage:
Aber was schuf er damit, damals, mit dem „Bild, das uns gleich sei“? Was ist ihm gleich? Sind es die Mikroben mit ihrer Vielzahl von Bakterien, Amöben, Fadenwürmern und kleinsten Spinnen, unterlegt mit einigen menschlichen Zellen? Oder ist ihm nur der menschliche Zellanteil ähnlich, quasi ein Zellhaufen im Gewimmel der Bakteriengesellschaft? Ist Gott nun Mikrobe oder menschlicher Zellklumpen?

Zweite Frage:
Bekanntermaßen lehren die Catholica und ihre Schwesterreligionen, dass eine Seele allein dem Menschen zukommt, die Tiere also nach dem Tod dem Nichts verfallen. Dürfen wir daraus folgern, dass der Sitz der Seele begrenzt ist auf menschliches Zellgut, die Bakterientiere aber ins Nichts abwandern? Der Mensch sich demnach in beseelte und unbeseelte Teile splittet, in gottähnliche und nicht-ähnliche?

Dritte Frage:
Fast zweitausend Jahre lehrte die Kirche die Auferstehung des Fleisches, eine Lehre, die dem Gläubigen verhieß, zu einem unbestimmten Zeitpunkt nach seinem Tod wieder auferweckt zu werden, das Grab zu verlassen, um dann körperlich weiterexistieren zu können. Stehen von den Toten nur menschliche Zellen oder nur menschlicher Geist aus diesen Zellen auf – obwohl dieser Geist nur mit Hilfe von Bakterien entstanden ist – oder was soll nun eigentlich von den Toten auferstehen?

Vierte Frage:
Wenn sich nun ein beliebiger Mensch X zu einem ebenso beliebigen Glauben Y bekennt, wer bekennt sich da? Sind seine Bakterien auch auf den Glauben Y eingeschworen oder nur seine menschlichen Zellen? Und was passiert, wenn beispielsweise die Bakterie eines Moslems auf einen Katholiken springt, muss die dann konvertieren oder ist es den katholischen Zellen zumutbar, mit moslemischen Bakterien gemeinsam zu arbeiten? Und wendet sich die jüdische Bakterie im Katholikenkörper angewidert ab, wenn der gottesfürchtige Christ ungeschächtetes Fleisch isst? Nein, es sind keine spitzfindigen Überlegungen, sondern Gedankengänge, die dem irrealen Kosmos von Glaubensvorstellungen entsprechen.

[…]

Psychologische Kränkung

Sigmund Freud kommt der Verdienst zu, die Vernunftorientierung des Menschen, die Jahrhunderte lang durch die Philosophie vertreten wurde, relativiert zu haben und den Menschen als Triebwesen erkannt zu haben. „Der Mensch ist nichts anderes und nichts besseres als die Tiere“ schreibt er in “Eine Schwierigkeit der Psychoanalyse“. Er ist ein Triebwesen, ein homo natura, ein Gefühlswesen mit Ängsten, Wünschen, Begierden und Sehnsüchten, mit dem Trieb zur Arterhaltung, aber auch mit einem starken Destruktionstrieb, kaum unterscheidbar von seinen tierlichen Mitlebewesen. Man unterliege nicht der Illusion, dass der Zerstörungstrieb im modernen Menschen verschwunden oder verflacht ist. Er schläft nur unter der dünnen, sehr dünnen Decke von Moral und Gesetz, ist aber sofort hellwach, sollte es eine individuelle oder kollektive Situation erfordern. Die Geschichte der Völker und die Kriminalstatistiken der Staaten warten mit vielfältigen Beispielen auf.

Der Mensch ist demzufolge nur zum kleinen Teil rationales Verstandeswesen, zum überwiegenden Teil aber ein Wesen, das vom Unbewussten dominiert und weitgehend gesteuert wird. Treffend sagt Freud „der Mensch ist nicht Herr im eigenen Haus“, ein Individuum also, dass von unbewussten Neigungen, Vorlieben und Sympathien, aber auch von inneren Konflikten und von kognitiver Dissonanz getragen und gelenkt wird. Der vermeintliche freie Wille wird zu einer Chimäre, häufiger, als rationales Denken normalerweise eingestehen mag.

Die starke Triebsteuerung des Menschen hat aber zur Folge, dass nicht alle Leidenschaften und Neigungen in einer Gesellschaft ausgelebt werden können. Die Realität verlangt Rücksicht; Gesetze, Moral und Wertvorstellungen setzen Schranken. Das Individuum reagiert mit Abwehrmechanismen, ausweichendem Verhalten und Ersatzhandlungen, mit der Flucht aus der Realität in eine Ersatzwelt. Freud definiert derartige psychische Krankheiten wie folgt:

„Die Neurose verleugnet die Realität nicht, sie will nur nichts von ihr wissen;

Die Psychose verleugnet sie und sucht sie zu ersetzen“(Der Realitätsverlust bei Neurose und Psychose).
Der Fleischesser, der um den Horror der Schlachthöfe weiß, ist damit als typischer Neurotiker entlarvt, der Jenseitsgläubige, der sich aus dem realen Leben fortlügt, als Psychotiker! Walther Ziegler (Freud) beschreibt es treffend: “Um die Tatsache des Todes nicht ständig vor Augen zu haben, flüchtet das Ich in die Religiosität und damit in eine Art kollektive Psychose. Das Ich halluziniert ein ewiges Leben nach dem Tod. Dem starken Wunsch nach Unsterblichkeit entspricht nach Freud der ebenso starke Glaube an ein jenseitiges Paradies“

Epilog

Die kopernikanische Kränkung, die biologische Kränkung, die psychologische Kränkung, die Demütigungen durch Zufall, Zeit und Mikrobiologie zerfressen das Selbstbewusstsein der Menschheit. Der Kreis schließt sich. Es sind Wahrheiten, Erkenntnisse und Schlussfolgerungen, die schwer, für die Mehrzahl der Individuen aber unverdaulich sind. Sie fühlen und spüren es, dass es ein gefürchtetes Wissen, ein verbotenes Wissen, ein vernichtendes Wissen, ein Wissen ist, dem es auszuweichen gilt, das gemieden werden muss, vor dem man fliehen sollte, will man nicht der Verzweiflung anheimfallen.

Der erkennende  Mensch schaut in den Abgrund des Nichts, der Verlassenheit und einer vielfachen totalen Isolation, wittert seine Nichtigkeit  im Eiswind des Seins und aus dem Abgrund funkeln ihm die Augen der Sinnlosigkeit, der Vergeblichkeit, der Auflösung und der Zwecklosigkeit entgegen.

Der Weg der Erkenntnis ist ein steiniger, steiler und einsamer Weg, alles andere als bequem und beruhigend, aber es ist der Weg in die Realität. Die Aufführung der Lebenslüge im göttlichen Illusionstheater ist beendet, für immer beendet, der Vorhang hat sich geschlossen, die Schauspieler schminken sich hinter der Bühne ab, derweil die Zuschauer wieder hinaus in die Welt müssen, in die nackte, klare, unverstellte Welt, in die reale Welt. Der Regisseur wünscht allen Besuchern noch einen schönen Abend und gibt ihnen ein letztes Wort mit auf den Heimweg:

Im Horizont des Unendlichen. – Wir haben das Land verlassen und sind zu Schiff gegangen! Wir haben die Brücke hinter uns – mehr noch, wir haben das Land hinter uns abgebrochen! Nun, Schifflein! Sieh dich vor! Neben dir liegt der Ozean, es ist wahr, er brüllt nicht immer, und mitunter liegt er da wie Seide und Gold und Träumerei der Güte. Aber es kommen Stunden, wo du erkennen wirst, daß er unendlich ist und daß es nichts Furchtbareres gibt als Unendlichkeit. Oh des armen Vogels, der sich frei gefühlt hat und nun an die Wände dieses Käfigs stößt! Wehe, wenn das Land-Heimweh dich befällt, als ob dort mehr Freiheit gewesen wäre – und es gibt kein »Land« mehr! (Friedrich Nietzsche: Die fröhliche Wissenschaft, 124).

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Dr. Gunter Bleibohm – Zerfall eines Wahns – Teil 2

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Gruß Hubert

Die Evolutionstheorie und die Kreationisten   1 comment

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Ich verfolgte kürzlich auf einer anderen Blog-Seite eine Diskussion, wo ein deutscher „Wissenschaftler“ glaubte in einem Video die Evolutionstheorie in Frage stellen zu können. Solche Leute können dann ja geradewegs zu den Kreationisten gehen, die glauben die Welt wäre erst vor 5 – 6.000 Jahren in „fertigem Zustand“ von einem Schöpfergott ins Leben gerufen worden.

KASSEL. (hpd) Der Ingenieur und Kreationist Werner Gitt betreibt seit Jahrzehnten eine Werbe-Agenda gegen die Erkenntnisse der Evolutionsforschung. Seine Hauptthese lautet, biologische Information, wie sie bei allen Lebewesen im Erbgut codiert ist, benötigt einen intelligenten Urheber, den biblischen Schöpfergott.

Einen Tag vor dem sogenannten „Fronleichnam-Feiertag“ (4. Juni 2015) wurden in der Kasseler Innenstadt Werbeflyer verteilt, die optisch ansprechend aufgemacht waren und den Eindruck erweckten, seriöse Sachinformationen zu übermitteln. Wie aus der Grafik hervorgeht, wurde ein öffentlicher Vortrag des bibeltreuen Kreationisten Werner Gitt angekündigt, in dem dieser vollmundig-überheblich behauptet, die Evolution sei durch Naturgesetze widerlegt.

Einen guten Kommentar schrieb Bernd Kammermeier dazu, der ein ausgezeichneter Aufklärer in punkto Religion ist.

Was ich mich stets bei diesen missionarischen Eiferern frage, was sie damit bezwecken, gegen jede Vernunft den Inhalt eines extrem fragwürdigen Buches zu „beweisen“.

Die Frage „Schöpfungslehre ja oder nein?“ kann jenseits aller Gottesbeweise oder Gottesgegenbeweise beantwortet werden: Allein die Überlieferungsgeschichte der sogenannten „heiligen“ Schriften diskreditiert sie vollständig als verlässliche Quelle für naturwissenschaftliche Fragen.

Schlampige Kompilierung aus widersprüchlichen polytheistischen Quellen, ungenaue und tendenziöse Übersetzungen sowie fast beliebige Erweiterungen, Kürzungen und Umschreibungen schredderten jeden möglicherweise einst vorhandenen Inhalt in kleinste Textpartikel, deren logische Zusammenfügung – allen Beteuerungen alimentierter Theologen zum Trotz – nicht mehr gelingen kann.

Selbst wenn es dereinst Gottes Wort im Tanach gegeben haben sollte, haben es eifrig bemühte Schriftgelehrten in hunderten Generationen bis zur Unkenntlichkeit malträtiert.

Ich habe mir einmal die Mühe gemacht und alle substanziellen Aussagen der Genesis tabellarisch erfasst und deren Sinngehalt extrahiert. Der Vergleich selbst mit kreationistischen Ideen zeigt ganz eindeutig, dass selbst die bibeltreuesten „ID-Spezialisten“ nicht alles wörtlich nehmen KÖNNEN und DÜRFEN, weil sonst – als kleines Beispiel – Verkehrsflugzeuge gegen die massive Wand des kuppelförmigen „Firmaments“ (lat. das Festgefügte) prallen würden. Und Raketen wären nie zum Mond gekommen, wobei sich natürlich die Frage stellt, was die Mondfahrer auf einer nur wenige Kilometer durchmessenden Scheibe wollen.

Mit anderen Worten: Die Quellenlage der Kreationisten ist dünn – papierdünn. Da dies jener kuriosen Spezies bekannt sein dürfte, ist ihnen auch die Fragwürdigkeit der Bibeltexte bewusst. Könnte es also sein, dass es ihnen nur und ausschließlich um eine fadenscheinige Begründung des monotheistischen Glaubens geht, an dessen Tropf sie direkt oder indirekt hängen?

Natürlich sehe ich ein, dass Evolution keinen Platz für Schöpfung lässt. Diese widerlegt selbst die weit verbreitete „theistische Evolution“, weil Evolution, wie sie die Evolutionsbiologie erforscht, keinerlei „Stimulus“ von außen braucht. Gott ist hierbei schlicht überflüssig.

Mehr noch: Seine Mitwirkung hätte ihn gerade als „Designer“ vollständig diskreditiert, wie U. Kutschera in seinem hervorragenden Buch „Designfehler in der Natur“ nachweist. Ein so schlampig arbeitender Gott hätte dann vermutlich – folge ich der Genesis – ausgerechnet in seiner miesesten Arbeitswoche die Erde und alles Leben erschaffen.

Aber ich will ihm als Entschuldigung zugestehen, dass er nicht existiert…

Die Evolutionstheorie und die Kreationisten

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Kreationismus, eine Alternative zur Evolutionstheorie?

Dürfen Wissenschaftler an Gott glauben? Selbstverständlich – warum denn auch nicht? Viele der größten Forscher der Vergangenheit waren gläubig und viele der heutigen Wissenschaftler sind es ebenfalls. Nur eines darf man nicht machen: Wissenschaft und Glauben vermischen. Denn beides passt einfach nicht zusammen. Und es ist auch gar nicht überheblich oder arrogant das zu behaupten.

Es sind einfach zwei völlig unterschiedliche Arten, die Welt zu betrachten. Das sagen ja auch schon die Bezeichnungen. In der Wissenschaft geht es ums „Wissen“ und gerade eben nicht darum, irgendwas ohne Beleg zu glauben. Die wissenschaftliche Methode in ihrer Idealform ist extra dafür da, objektive Erkenntnisse über die Welt zu erhalten. Erkenntnisse, die man dann mögen kann oder nicht – aber an die man auf keinen Fall „glauben“ muss.

In der Religion dagegen ist es oft ein Zeichen besonders großer Hingabe, wenn man Dinge glaubt, ohne dass hier objektive Belege existieren. Wissenschaft und Glaube passen nicht zusammen und wenn sie zusammen gezwungen werden ist es kein Wunder, wenn es dabei zu Konflikten kommt.

 

Kreationismus, eine Alternative zur Evolutionstheorie?

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G.F. Lichtenberg:
„Ich danke Gott, dass er mich einen Atheisten werden ließ.“

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Gruß Hubert

Veröffentlicht 19. August 2016 von hubert wenzl in Uncategorized, Wissenschaft

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