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Faschismus – Spanien wird Franco nicht los   2 comments

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Ich habe schon gleich mal gesehen, dass Spanien einen extrem harten Wege gegen Katalonien einschlägt. Die 900 Verletzten am Referendums-Tag am 1. Oktober 2017 zeigten wie sich Madrid die Niederhaltung der Katalanen vorstellt. Es ist einen kurzsichtige und unzeitgemäße Vorgehensweise die längerfristig nicht von Erfolg gekrönt sein wird. So treibt man ein Volk von sich weg.

Kaum zu glauben, dass man in einem europäischen Land heute noch so vorgehen kann. Das feige Schweigen der EU ist indiskutabel. Ich versteht jetzt auch den militärischen Arm der Basken, die ETA, die sich ja inzwischen aufgelöst hat. Zu lange wird man sonst nichts erhalten haben von den Spaniern. Die Katalanen wird man nicht ohne eine weitergehende Autonomie ruhig halten können.
Nicht vergessen darf man auch dass die Volkspartei Partido Popular (PP) aus der Partei von Franco hervor ging.
Es funktioniert ja nicht, wenn man sagt der Diktator ist tot, jetzt machen wir Demokratie. Die Köpfe sind ja noch die gleichen.

Aus einem Artikel von http://www.rp-online.de geht klar hervor, wie wenig man die Historie, auch die der früheren Konquistadoren aufgearbeitet hat.

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Die Erinnerung an den Diktator lebt auch mehr als 40 Jahre nach seinem Tod weiter.

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Für Spaniens Ultrarechte ist und bleibt er der „Caudillo“ oder „Generalisimo“, wie er zu Lebzeiten gerne genannt wurde. Gemeint ist Diktator Francisco Franco (1892-1975), den der Spanische Bürgerkrieg 1936 an die Macht brachte. Er behielt sie bis zu seinem Tod. Mehr als vier Jahrzehnte sind seither vergangen. Franco-Monumente wurden abgebaut und Straßen, die seinen Namen trugen, umbenannt. Im Fall des nordspanischen Küstenstädtchens San Vicente de la Barquera ist das allerdings noch nicht lange her. Erst im vorletzten Jahr setzte der Stadtrat eine Namensänderung der Hauptstraße „Avenida del Generalisimo“ durch. Dabei enthielten sich die Vertreter der konservativen Volkspartei der Stimme.

Unlängst griff das Madrider Rechtsanwaltsbüro Eduardo Ranz zum wiederholten Mal den Fall zweier Orte auf, die noch immer nach Franco benannt sind: „Guadiana del Caudillo“ in der Extremadura und „Alberche del Caudillo“ in Kastilien-La Mancha. In beiden Orten regiert die Volkspartei. Die Kanzlei zeigte sowohl den Bürgermeister von Guadiana, Antonio Pozo, als auch die Bürgermeisterin von Alberche, Ana Rivelles, an. Beide wollen ihre Orte nicht umbenennen. Darin sieht das Anwaltsteam eine Weigerung, das Gesetz des historischen Gedächtnisses (Ley de Memoria Historica) umzusetzen. Dieses hält die öffentliche Verwaltung an, sämtliche Erinnerungstafeln oder verherrlichende Erwähnungen zu entfernen, die in Verbindung mit den Repressionen der Franco-Diktatur stehen.

In diesem Zusammenhang erstaunt auch, dass die umstrittene „Nationalstiftung Francisco Franco“ weiter agieren darf. Die Stiftung, die bis zu Beginn des Jahrtausends Zuschüsse aus Staatskassen erhielt, stellt auf ihrer Webseite „wohltätig-lehrende und kulturelle Arbeit“ heraus. Ihr wird jedoch die Fortführung faschistischen Gedankenguts unter dem Deckmantel der Geschichte vorgeworfen.

Auch an anderer Stelle wird das Franco-Erbe bewahrt. Mitten in Madrid machen Besucher im Museo Naval, dem Seemuseum der Marine, Bekanntschaft mit dem Diktator. In einem Ausstellungssaal werden Exponate zu Franco gezeigt, darunter ein glorifizierendes Porträt des Malers Fernando Alvarez de Sotomayor, eine Bronzebüste und Francos Kapitänsmütze.

Aus Sicht von Experten mangelt es in Spanien generell an einer kritischen Aufarbeitung der eigenen Historie. Das gilt für die Konquistadoren, die ganze Kulturen in Lateinamerika auslöschten, ebenso wie für die Franco-Zeit.

Dazu passt, dass seit einiger Zeit die Diskussionen zum Grabmal Francos im pompösen „Tal der Gefallenen“, Valle de los Caidos, verstummt sind. Vor Jahren noch hatte sich eine Expertenkommission dafür stark gemacht, die Überreste Francos aus der riesigen Prunkbasilika zu entfernen oder zumindest eine Mahnstätte daraus zu machen. Aufklärende Informationen am Franco-Grab sucht man jedoch bis heute vergeblich.

Von Andreas Drouve

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Faschismus – Spanien wird Franco nicht los

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Gruß Hubert

 

Veröffentlicht 22. Oktober 2017 von hubert wenzl in Politik, Uncategorized

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Adoptionsskandal in Spanien – ein Erbe Franco’s   Leave a comment

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Es ist schon zum wundern, dass man das mit den gestohlenen Kindern in Spanien bis heute noch nicht geklärt und aufgearbeitet hat. Begonnen hat es in der faschistischen Franco-Diktatur in den 1930-er Jahren. Vor allem Frauen erschossener Republik-Anhänger (also Linker) raubte man die Kinder. Es ging mit diesem skandalösen System bis in die 1990-er Jahre. Es besteht kein, oder kaum Wille diesen Adoptionsskandal aufzuklären und aufzuarbeiten, denn es wäre sonst ja nicht möglich, dass man nach über 35 Jahren noch keine Verantwortlichen verurteilt hätte. Es sind zu hohe Persönlichkeiten darin verwickelt – und nicht zu vergessen – die katholische Kirche. Im streng katholischen Spanien versucht man zu vertuschen, so lange es nur irgendwie geht.

Erschreckend ist vor allem auch, dass der Handel mit Babys auch nach dem Tod des Diktators 1975 nicht aufhörte.

Hier ein Auszug aus der taz

Es war ein lukratives und perfides Geschäft, das die spanische Nonne María Gómez Valbuena zusammen mit Ärzten der Madrider Geburtsklinik bis hinein in die 1980er Jahre betrieb. Alleinstehenden Schwangeren aus sozial benachteiligtem Umfeld wurden unter Vorwänden ihre Neugeborenen weggenommen und an reiche, gut katholische Familien verkauft.

Die mittlerweile 80-jährige Schwester María schaltete Anzeigen in Zeitschriften. Alleinstehenden Schwangeren würde geholfen, hieß es da. Es waren dunkle Jahre im streng katholischen Spanien. Meist wurden unverheiratete Schwangere von der Familie zurückgewiesen, legalen Schwangerschaftsabbruch gab es nicht.

Schwester María versprach den jungen Frauen bei einem ersten Gespräch die Versorgung der Neugeborenen in einem Kinderheim. Das sollte der Mutter helfen, ihr Leben in Ordnung zu bringen.

Doch wer sich auf Schwester María einließ, verlor sein Kind. Kaum aus dem Kreißsaal entlassen, wurden den meisten Müttern erklärt, das Baby sei tot zu Welt gekommen. Das Krankenhaus würde sich um die Beisetzung kümmern. Im Nachbarzimmer wartete die Käuferin und nahm den Säugling entgegen. Hohe Geldbeträge wechselten den Besitzer. Kamen einer Mutter Zweifel, ging das Krankenhauspersonal so weit, ihr einen Leichnam zu zeigen. Dieser soll, so Zeugen, in einem Kühlschrank eigens für diesen Zweck aufbewahrt worden sein.

Eine der Betroffenen, María Luisa Torres, hat mittlerweile ihre Tochter wiedergefunden. Es war 1982, als sie sich auf die Anzeige von Schwester María meldete. Sie war alleinstehend und wollte ihre Tochter in einem Kindergarten lassen, von dem in der Anzeige die Rede war. Nach der Geburt wurde ihr mitgeteilt, dass das Bay verstorben sei. Sie sagte gegen Schwester María aus. „Sie hat all dies getan, um ihre Taschen zu füllen“, meint Torres.

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Bis in die 1980er Jahre hinein betrieb die Nonne den Handel mit Babys. Bild: mem-film.de/photocase.com

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http://www.taz.de/!5096985/

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Hier noch ein Auszug aus Tagesschau.de

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Spaniens gestohlene Kinder

Wer gegen den Diktator Franco war, dem wurden die Babys gestohlen – was in Spanien in den 1930er-Jahren als politische Säuberung begann, entwickelte sich über Jahrzehnte zum lukrativen Geschäft für Ärzte, Notare und die Kirche. Betroffen sind bis zu 300.000 Kinder.

Irgendwann konnte Manuel L. nicht mehr. Es war 1982, erzählt er. Manuel L. und seine Frau hatten sich vergeblich ein Kind gewünscht. Da hörten sie von der Möglichkeit einer Adoption. Unkompliziert, unbürokratisch. Genau wollten sie es nicht wissen. Später wird Manuel sagen, er sei „so in die Sache reingerutscht“.

„Die Sache“ lief so:  Ein Krankenhaus in Valencia. „Wir gingen an dem Tag hin, bezahlten 750.000 Peseten. Auf der Säuglingsstation neben einem Brutkasten lag das Baby. Es war wie ein Geschenk für uns.“
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Video bei Tagesschau

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Immer wieder Geldforderungen

Ärzte, Pfleger und Notare verdienten am „Geschenk“. Sie forderten immer wieder Geld von Manuel L. „Bis ich einmal gesagt habe: Ich zeige euch an. Da haben sie nur geantwortet: Du kommst ins Gefängnis und wir hauen ab. Am Ende habe ich fast drei Millionen Peseten bezahlt.“

Rund 18.000 Euro waren das. Für damalige Verhältnisse ein Vermögen. Lukas, das gekaufte Baby, wuchs bei Familie L. auf. Mit 18 Jahren kam er bei einem Unfall ums Leben. Der Mann, der für ihn sein Vater war, konnte ihm die Wahrheit nicht mehr sagen.

[…]

Er wartete darauf, doch nie hat jemand gegen ihn, Krankenschwestern oder Ärzte ermittelt. Es geschah nichts. Vertuschen, verdrängen, verschweigen – so ging Spanien bislang mit den tragischen Geschichten der „bebés robados“ um, den gestohlenen Kindern.

Vor allem Frauen erschossener Franco-Gegner betroffen

Begonnen hat der Skandal in der Ära des Diktators Franco. Manchen nicht regimetreuen Familien wurden nicht nur das Leben oder die Freiheit genommen, sondern auch die Kinder. Es waren vor allem Frauen erschossener Republik-Anhänger, denen die Kinder geraubt wurden, um sie an treue Franquisten zu geben.

Doch der Handel mit Babys hörte auch nach dem Tod des Diktators 1975 nicht auf. In der jungen Demokratie machten mafiöse Verbindungen aus Ärzten, Anwälten und Geistlichen aus dem Kinderhandel ein Geschäft.

Von den 1930er bis in die 1990er-Jahre sollen in Spanien bis zu 300.000 Babys verkauft worden sein, schätzen Opferverbände. Ärzte mit politischen Freunden und Kräfte der katholischen Kirche hätten dafür gesorgt, dass es nie zu größeren Ermittlungen kam, sagen sie.

Nur ein Verfahren gegen eine Nonne gebe es bislang. „Schwester Maria“ hatte lange als Sozialarbeiterin in einem Krankenhaus gearbeitet. Doch die hoch betagte Nonne starb, ehe sie zu Hintermännern aus Kirche oder Krankenhaus hätte aussagen können.

[…]

Viele Gräber waren leer

Rechtsanwalt José Luis Pena vertritt Menschen, die vermuten, geraubte Kinder zu sein. Oder die meinen, dass ein toter Säugling, der ihnen in den Arm gelegt wurde, nicht ihr Kind war. „Um leiblichen Eltern ein Kind entziehen zu können, musste man den Tod vortäuschen. Sonst würde ein Kind ja als geboren auftauchen, von dem man nicht weiß, wo es sich befindet.“

Einige Eltern, die nicht an den Tod ihres Kindes glauben wollten, ließen mittlerweile Gräber öffnen. Viele waren leer. 156 Mandanten vertritt José Luis Pena allein in Madrid. In den kommenden Wochen wird ein Verfahren gegen einen Gynäkologen beginnen. Man konnte ihm nachweisen, dass er eine Geburtsurkunde gefälscht hatte.

In vielen Fällen aber fehlen Unterlagen. Wenn Ärzte schweigen, gibt es fast keine Chance auf Wahrheit. „In den meisten Fällen sind Ärzte verstorben“, sagt der Rechtsanwalt. „In anderen Fällen tauchen Bücher nicht auf, die wir dringend bräuchten.

Von Sebastian Kisters, ARD-Studio Madrid

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Adoptionsskandal in Spanien – ein Erbe Franco’s

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Gruß Hubert

 

Veröffentlicht 25. Mai 2017 von hubert wenzl in Politik, Uncategorized

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Mit Gott und den Faschisten   1 comment

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Mit Gott und den Faschisten

Der Vatikan im Bunde mit Mussolini, Franco, Hitler und Pavelić

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Wenn man auch nur einige Bücher von Karlheinz Deschner gelesen hat und nicht durch Eltern und Erziehung das Gehirn katholisch oder auch evangelisch verätzt bekam, kann man nicht anders als sich von der (oder den) Kirche(n) abwenden. Ich frage mich auch wo Gott bleibt. Einen Gott, der nur zuschaut, der geht mir nicht ab.

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Dem Berliner Kirchenkritiker und Publizisten Peter Gorenflos ist es zu verdanken, daß Karlheinz Deschners fundamentales Werk »Mit Gott und den Faschisten« nach 47 Jahren wieder in einer unveränderten Ausgabe erschienen ist. Mit der ersten Auflage 1965 sowie seinem Buch »Abermals krähte der Hahn« (1962) hatte sich Deschner den Zorn der katholischen Kirche und des bundesdeutschen Regimes zugezogen; es hetzte wegen Gotteslästerung seine Justiz auf ihn. Deschner war aber wegen seiner kirchenkritischen Arbeiten im In- und Ausland bereits so bekannt, daß er vor Verurteilung und Inhaftierung geschützt war.

Nach dem Ersten Weltkrieg, weist Deschner nach, ergriff die katholische Kirche die Gelegenheit, um gemeinsam mit dem aufkommenden Faschismus das Rad der Geschichte zurückzudrehen. Die Angst vor einem Sieg der Arbeiterbewegung in ganz Europa nach dem Vorbild Rußlands war in Rom so groß, daß der Vatikan mit dem reaktionären Großbürgertum Italiens und dessen Handlangern, den Faschisten, ein Bündnis einging, das allen Seiten eine dauerhafte Existenz sichern sollte. »Diese unheilige, katholische Allianz mit dem angeblich kleineren – faschistischen – Übel«, schreibt Gorenflos im Vorwort zur Neuauflage, »führte in die größte Katastrophe der Menschheitsgeschichte: den Zweiten Weltkrieg und den Holocaust (…) Bei diesem von der Catholica herbeigesehnten ›Weltanschauungskrieg‹, wie ihn Hitler auch nannte, wurde der Holocaust als eine Art nicht unwillkommener Kollateralschaden in Kauf genommen.«

Deschner wiederum bedauert in seinem Vorwort die Unkenntnis vieler darüber, daß die katholische Hierarchie sämtliche faschistische Staaten von deren Anfängen an systematisch unterstützt hat und so entscheidend am Tod von 60 Millionen Menschen im Zweiten Weltkrieg mitschuldig wurde. Er untersucht im ersten Kapitel die »freundschaftlichen« Beziehungen zwischen dem Vatikan und dem italienischen Faschismus. Der »Duce« wußte, wofür die katholische Kirche nützlich ist, und der Vatikan begriff, daß sein Partner die Träger jeglichen Fortschrittsdenkens physisch ausrotten würde. In Italien wie in Deutschland betrieb der Papst die Auflösung der katholischen Partei, um Mussolini und Hitler in den Sattel zu helfen. So konnte z.B. der Abessinienkrieg 1935 mit päpstlichem Segen geführt werden.

Antibolschewismus

»Der Vatikan und der spanische Bürgerkrieg« heißt das zweite Kapitel. Bereits zwischen 1936 und 1939 kamen ungefähr 600000 Spanier ums Leben, danach ging das Schlachten weiter. Vatikan-Staatssekretär Eugenio Pacelli, ab 1939 Papst Pius XII., hielt schon während des Putsches 1936 fest zu General Francisco Franco. Thema des dritten Kapitels ist »Der Vatikan und Hitlerdeutschland«. Am 20. Juli 1933 wurde das Konkordat zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Deutschen Reich geschlossen – Hitlers erster völkerrechtlicher Vertrag. Fast zwei Drittel der 34 noch heute gültigen Artikel sicherten kirchliche Privilegien.

Während des Zweiten Weltkrieges, zeigt das vierte Kapitel, unterstützten die deutschen Bischöfe Hitler noch intensiver als zuvor. Nach dem Überfall auf die Sowjetunion erklärten sie am 10. Dezember 1941: »Mit Genugtuung verfolgen wir den Kampf gegen die Macht des Bolschewismus.« Ein Jahr später befanden sie, daß ein Sieg über den Bolschewismus gleichbedeutend mit dem Triumph der Lehren Jesu über die der Ungläubigen wäre. Bis 1945 und darüber hinaus gewährte der Vatikan Schutz und Schirm für die Faschisten.

Pius XII. segnete auch einen der größten Verbrecher des 20. Jahrhunderts, den kroatischen Ustascha-Führer Ante Pavelić, mit dem sich Deschner im fünften Kapitel »Der Vatikan und die Kroatengreuel« befaßt.

 

Vorwort zur Neuauflage

 

Weshalb – nach fast 50 Jahren – eine Neuauflage von Karlheinz Deschners Werk ›Mit Gott und den Faschisten‹?
     Weil es sehr aktuell ist. Weil es völlig zu Unrecht Gefahr läuft, in Vergessenheit zu geraten. Weil es einen Verdrängungsprozeß, nein, die gezielte Desinformations-Politik des Vatikan stört. Es erinnert an die Kollaboration des Vatikan nicht nur mit Hitler, dem wohl größten Verbrecher aller Zeiten, sondern auch mit Mussolini, Franco und dem wenig bekannten Pavelić, Faschistenführer in Kroatien und zusammen mit Kardinal Stepinac verantwortlich für das Konzentrations- und Vernichtungslager Jasenovac, über dessen Existenz heute nur noch wenige Bescheid wissen.

Weil das Lügengeflecht des Vatikan entlarvt wird, der sich seit einigen Jahrzehnten als Widerstandsorganisation gegen die Hitlerei aufzuspielen versucht, obwohl doch Pius XII. laut Kardinal Faulhaber »der beste Freund, am Anfang sogar der einzige Freund des neuen Reiches gewesen war«, gerade in der labilen Anfangsphase des Nationalsozialismus, als die Geschichte noch einen ganz anderen Verlauf hätte nehmen können! Weil es eben kein Mode-Buch ist, das aus Gefälligkeitsgründen einen Meinungstrend bedient, sondern präzise und detailreich historische Fakten präsentiert, zusammenfaßt und daraus für jeden nachvollziehbare Schlußfolgerungen zieht. Daniel Jonah Goldhagen hält es offenbar für unnötig, in seinem Buch ›Die katholische Kirche und der Holocaust‹ Deschner überhaupt zu zitieren, obwohl dieser doch schon fast 40 Jahre früher mit viel weniger Tinte weit mehr zu berichten weiß. Und weil es sich dabei auch noch spannend liest, wie ein Roman, in dem doch jede Zeile stimmt, und jeder Leser nach der Lektüre wesentlich klüger und aufgeklärter ist als zuvor; vielleicht auch schockiert ist über das Ausmaß der Kollaboration zwischen den Nazis, allen Faschisten und dem Vatikan! Kurz, weil es eine Geschichtslüge entlarvt. Die Lüge vom katholischen Widerstand.

  Vergessen wir nicht, daß es die Französische Revolution war, welche die katholische Kirche in ihre Schranken verwies und damit ihrer feudalen Macht – wenn auch leider nur sehr halbherzig – ein Ende setzte. Dennoch verurteilte die spanische Inquisition den letzten Ketzer – den Schullehrer Caetano Ripol – am 26. Juli 1826 zum Tod am Galgen und zur »symbolischen Verbrennung«, fast ein halbes Jahrhundert nach dem Sturm auf die Bastille!In deren Folge besetzten napoleonische Truppen Ende des 18. Jahrhunderts den Kirchenstaat – der aus blutigen Kriegen hervorgegangen war und mit einer gefälschten Urkunde legitimiert wurde, der sogenannten »Konstantinischen Schenkung« –, verhafteten Pius VI. und führten ihn als Gefangenen nach Valence ab.Der Wiener Kongreß restituierte 1815 den Vatikanstaat mit verkleinertem Territorium noch einmal, aber 1870 ging er nach der Besetzung durch italienische Truppen endgültig im neuen italienischen Nationalstaat auf. Die Verantwortlichen wurden daraufhin exkommuniziert. Und scherten sich nicht darum.

Durch das Erstarken des Bürgertums, die Entwicklung der europäischen Nationalstaaten, die Emanzipationsbewegung, die Naturwissenschaften und den Fortschritt durch technische Entwicklungen wurde die Catholica in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts immer stärker in die Defensive gedrängt, versuchte mit dem ersten Vatikanischen Konzil verzweifelt – und aussichtslos – den Kampf gegen den »modernen Rationalismus« aufzunehmen und die angeschlagene päpstliche Autorität durch das Unfehlbarkeitsdogma aufzuwerten. Aber die Zeit lief gegen den Katholizismus. Unter Bismarck wurden im »Kulturkampf« fast 2000 katholische Kleriker inhaftiert oder zu hohen Geldstrafen verurteilt, die sich in staatliche Angelegenheiten eingemischt hatten, die USA brachen am 28. Februar 1867 die diplomatischen Beziehungen zum Vatikan ab (und nahmen sie erst wieder 1984 unter Ronald Reagan auf). Die »Römische Frage« war entstanden: wie rettet man sich vor dem endgültigen und damals absehbaren Niedergang, wie restituiert man seine alte Machtfülle und mit wessen Hilfe? Verschärft wurde dieses Problem durch das Aufkommen der dezidiert antiklerikalen, der Aufklärung und dem Gleichheitsprinzip verpflichteten Arbeiterbewegung nach dem Debakel des Ersten Weltkriegs.

Das ist der Ausgangspunkt von Karlheinz Deschners Buch ›Mit Gott und den Faschisten‹. Daß es nicht der Vergessenheit anheimfällt, ist das Anliegen dieser Neuauflage beim Ahriman-Verlag. Detailreich, historisch fundiert und unter Auswertung zahlreicher Quellen wird hier nachgewiesen, daß nach dem ersten Weltkrieg die Gelegenheit ergriffen wurde, zusammen mit dem aufkommenden Faschismus das Rad der Geschichte zurückzudrehen.

Aus Angst vor einem Sieg der Arbeiterbewegung in ganz Europa – nach sowjetischem Vorbild – ging der Vatikan zusammen mit dem reaktionären Großbürgertum und dessen Handlangern – den Faschisten – ein Bündnis ein, das beiden die Existenz sichern sollte. Diese unheilige, katholische Allianz mit dem angeblich kleineren – faschistischen – Übel führte in die größte Katastrophe der Menschheitsgeschichte: den zweiten Weltkrieg und den Holocaust.

Wovon träumten Benedikt XV., Pius XI. und Pius XII.? Sie träumten von einem katholischen Kontinentaleuropa im vereinten, militärischen Kampf gegen die gottlose Sowjetunion, so degeneriert sie durch Stalins Einfluß auch schon gewesen sein mag (man lese Arno Lustigers Rotbuch ›Stalin und die Juden‹). Sie träumten vom Ende der Orthodoxie, vom Ende des Kommunismus und von der Katholisierung Rußlands. Und von einem neutralen, anglikanischen Großbritannien, einer neutralen USA. Denn eine militärische Auseinandersetzung innerhalb des westlichen Lagers machte den Ausgang eines Krieges unberechenbar. Nach der militärischen Niederlage Frankreichs schien man diesem Ziel sehr nahe, und 1940 war die ganze Welt davon überzeugt, daß Hitler den Krieg gewinnen würde. Jetzt war die Realisierung des Traums der Kurie mit Hitlers Hilfe in greifbare Nähe gerückt.

     Bei Karlheinz Deschner lernen wir, wie der Überfall auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 vom Episkopat nicht nur in Deutschland offen begrüßt wurde, wie maßlos seine Begeisterung für Hitler und die Hetze gegen Rußland waren. Und Pius XII. – der angeblich zu wenig gegen Hitler getan haben soll, zu viel geschwiegen haben soll – sprach eine Woche danach in einer Rundfunkansprache von »Lichtblicken, die das Herz zu großen, heiligen Erwartungen erheben: Großmütige Tapferkeit zur Verteidigung der Grundlagen der christlichen Kultur und zuversichtliche Hoffnung auf ihren Triumph«, womit er laut Botschaftsrat Menshausen der Hoffnung Ausdruck geben wollte, daß die großen Opfer, die dieser Krieg erfordere, nicht umsonst wären und nach dem Willen der Vorsehung zum Sieg über den Bolschewismus führten.

Bei diesem von der Catholica herbeigesehnten »Weltanschauungskrieg«, wie ihn Hitler auch nannte, wurde der Holocaust als eine Art nicht unwillkommener Kollateralschaden in Kauf genommen. Vielleicht empfand man sogar eine klammheimliche Freude in Anbetracht des christlichen Antijudaismus über 2000 Jahre.

Kokettierte Hitler nicht schon im April 1933 vor hohen katholischen Funktionären – wie Deschner berichtet – und sehr zu deren Entzücken, daß seine »Behandlung der Judenfrage« nur die mittelalterliche katholische Tradition fortsetze? Der Papst verurteilte die nazistischen Judenpogrome jedenfalls niemals, selbst als man sozusagen vor seinen Augen die Juden zusammentreiben und abführen ließ. Die heutzutage propagierte Vorstellung von einem jüdisch-christlichen Abendland beruht auf einem Synkretismusschwindel.

     Noch viel tiefer verstrickt in die faschistischen Verbrechen war der Vatikan in Kroatien, wo die Franziskaner federführend gewesen waren bei den dort durchgeführten Greueln, wegen deren Brutalität sich sogar die Deutschen beschwerten. Hier hatte Deschner einst Pionierarbeit geleistet, und wer sich näher mit dieser düsteren Materie befassen möchte, sei auf das ausführliche Grundlagenwerk von Vladimir Dedijer überJasenovac, das »jugoslawische Auschwitz«, verwiesen.

Wer wollte Karlheinz Deschner nicht zustimmen, wenn er am Ende des Buches im Jahre 1965 das Resümee zieht: »Erwägt man das Verhalten Eugenio Pacellis zur Politik von Mussolini, Franco, Hitler und Pavelić, so scheint es kaum eine Übertreibung, zu sagen: Pius XII. ist wahrscheinlich mehr belastet als jeder andere Papst seit Jahrhunderten. Mittelbar und unmittelbar ist er so offensichtlich in die ungeheuersten Greuel der faschistischen Ära und damit der Geschichte überhaupt verstrickt, daß es bei der Taktik der römischen Kirche nicht verwunderlich wäre, spräche man ihn heilig.«

Nun, die Seligsprechung ist fast 50 Jahre danach in Arbeit!
Kommen wir noch einmal zurück zur Gegenwart, zu den verfassungsrechtlichen Spätfolgen kirchlicher Kollaboration mit dem Faschismus in Deutschland.

Man halte die enge Verflechtung zwischen Kirche und Staat, diesen deutschen Kirchenstaat bis zum heutigen Tage, den es laut Grundgesetz und Weimarer Verfassung gar nicht geben dürfte, als Schablone gegen die Verfassungen der USA und Frankreichs, in denen die Trennung von Staat und Kirche klar geregelt ist. Dann wird deutlich, wie weit das heutige Deutschland von einer modernen Demokratie entfernt ist. Es ist ein Land, in dem die Kirchen aufgrund von Landeskonkordaten in allen Rundfunk- und Fernsehräten sitzen, in fast allen Zeitungsredaktionen, an zahllosen Multiplikationsstellen und – teils ganz offen, teils gut versteckt – an den Schalthebeln der Macht.

Dann wird klar, welch großen Gefallen Hitler und Mussolini dem Vatikan mit dieser speziellen Beantwortung der Römischen Frage getan haben, mit der Restitution seiner Staatlichkeit, seines Vermögens und des öffentlichen Einflusses, die sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Auflösung befanden. Und zu welch hohem Preis für den Rest der Welt!

Karlheinz Deschners Buch ist ein wichtiges Stück Aufklärung, ein Juwel für jeden, der die historische Wahrheit sucht, es ist ein Antidot gegen die Geschichtslüge vom katholischen Widerstand gegen Adolf Hitler und liefert einen elementaren Beitrag zur aktuellen Debatte über die Rehabilitierung der Piusbrüder um Richard Williamson, die geplante Seligsprechung Pius’ XII., die Skandale um die Vatikanbank, die Wiedereinführung der Karfreitagsfürbitte und die Rolle des Vatikan in der Welt überhaupt.

Wer den historischen Ariadnefaden aus dem Labyrinth kirchlicher Fremdbestimmung sucht, kommt um Karlheinz Deschners Buch ›Mit Gott und den Faschisten‹ nicht herum. Wer noch weiteres erfahren möchte, viele historische Schichten tiefer zum Beispiel, über die historischen Ursprünge des Christentums, dem empfehle ich an dieser Stelle Hyam Maccobys vorzügliches, zentrales Werk Der Mythenschmied, in welchem er nachweist, daß das Christentum nicht auf den jüdischen Jesus, sondern auf den Griechen Paulus zurückgeht, der einen hochvirulenten Mythenmix aus Gnosis, Mysterienkulten und der Jesusgeschichte zusammenstellte und damit den Auftakt setzte zu 2000 Jahren christlichem Antijudaismus, der im Holocaust kulminierte.
Den anderen Ariadnefaden aus dem religiösen Labyrinth, den subjektiven, »psychologischen«, findet jeder, der ihn sucht, bei Sigmund Freud (›Totem und Tabu‹, ›Die Zukunft einer Illusion‹, ›Der Mann Moses und die monotheistische Religion‹), vor allem aber auch bei Fritz Erik Hoevels in seiner wegweisenden Abhandlung zum Thema Religion »Bhagwan« Rajneesh und das Dilemma einer menschenfreundlichen Religion, aus dem Freiburger Ahriman-Verlag, dem nun auch das Verdienst zukommt, Deschners Meisterwerk ›Mit Gott und den Faschisten‹ neu aufzulegen. Beide Autoren machen klar, wie eng das Nadelöhr ist, durch das die menschliche Gesellschaft gehen muß, wenn die Ziele der Aufklärung, Vernunft, Freiheit, Gleichheit, maximales Glück für eine maximale Mehrheit, Realität werden sollen, wie viele archaische und dennoch reale Machtstrukturen bis dahin überwunden, gebrochen werden müssen.
Möge sich der interessierte Leser fast fünfzig Jahre nach der Erstauflage von ›Mit Gott und den Faschisten‹ von der Aktualität dieses Buches selbst überzeugen. Es ist spannend geschrieben, ein Lesevergnügen allerersten Ranges.

Man ist nach seiner Lektüre viel klüger als zuvor und verfügt nun endlich wieder über dieses hochwirksame, unersetzliche Antidot gegen die Geschichtslüge vom katholischen Widerstand gegen Hitler.

Im November 2012 – Peter Gorenflos

Mit Gott und den Faschisten