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„SoKo Tierschutz“ von Ausmaß des Kuhskandals überrascht   1 comment

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Bild von br.de

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„Die Veterinärämter seien „verfilzt, überfordert oder unfähig“, so Mülln. Die Kontrolle müsse „weg aus der Region, wo sich die Leute kennen und sich nicht wehtun“…

Von br.de

Nach den Durchsuchungen in dem Großbetrieb und der gestrigen Pressekonferenz der Ermittler ist auch Friedrich Mülln von der „SoKo Tierschutz“ vom Ausmaß der Missstände in Bad Grönenbach überrascht. Offenbar hatte jedes zweite Rind Verletzungen.

Friedrich Mülln von der „SoKo Tierschutz“, einem gemeinnützigen Verein zum Schutz von Tierrechten, hatte vor drei Wochen Videoaufnahmen aus dem Großbetrieb in Bad Grönenbach öffentlich gemacht. Nach den Durchsuchungen der Ställe ist auch er vom Ausmaß der Missstände überrascht.

Brisanz zu spät erkannt?

Im Gespräch mit dem BR-Studio Schwaben sagte er heute, diese „extrem hohe Zahl an verletzten Tieren“ habe auch er nicht erwartet. Wenn jedes zweite Rind Verletzungen aufweise, dann sei das „katastrophal“. Mülln wirft die Frage auf, warum die gestrigen Durchsuchungen erst mit so langer Verzögerung stattgefunden haben. Möglicherweise sei „die Brisanz zu spät erkannt“ worden.

Neue Erkenntnisse erwartet der Tierschützer nun durch beschlagnahmte Unterlagen zur Behandlung verletzter Tiere, etwa zum Einsatz von Medikamenten. Geklärt werden müsse, ob Behandlungen stattgefunden hätten oder ob „Behandlungsprotokolle erst im Nachhinein entstanden“ seien.

Forderung: überregionale Kontrolle

Als Konsequenz fordert die „SoKo Tierschutz“ eine überregionale Tierschutz-Kontrolle. Die Veterinärämter seien „verfilzt, überfordert oder unfähig“, so Mülln. Die Kontrolle müsse „weg aus der Region, wo sich die Leute kennen und sich nicht wehtun“, damit sie ähnlich wirksam arbeiten könne wie die bayerische Polizei.

Zehntausende Liter Milch jeden Tag

Nach wie vor fallen in dem Bad Grönenbacher Betrieb jeden Tag mehrere Zehntausend Liter Milch an. Diese Milch – im Wert von rund 20.000 Euro – wird von der Allgäuer Großmolkerei Champignon allerdings nicht mehr abgenommen. Zwischenzeitlich, so Friedrich Mülln, sei die Milch nach Italien verkauft worden.

Die „SoKo Tierschutz“ habe einen Transporter über den Brenner verfolgen können, der die Milch aus dem Unterallgäu beim größten italienischen Molkereikonzern abgeliefert habe. Von dort würden letztlich viele Produkte für den deutschen Einzelhandel wieder zurück nach Deutschland verkauft.

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Audio-Datei im Link unten.

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Friedrich Mülln von der "SoKo Tierschutz" spricht in ein BR-Mikrofon© BR

Friedrich Mülln von der „SoKo Tierschutz“ im Interview mit Bayern 1

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„SoKo Tierschutz“ von Ausmaß des Kuhskandals überrascht

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Gruß Hubert

Schlachthofskandale – Das System der Rinderschänder?   Leave a comment

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„Zwei Drittel der Bauern sind vernünftig“, sagt Jonny. „Für ein Drittel ist das Vieh nur eine Geldquelle.

Von paz-online.de

Aufgenommen mit versteckter Kamera: Rinder werden illegal auf Hänger gezerrt.
Aufgenommen mit versteckter Kamera: Rinder werden illegal auf Hänger gezerrt. Quelle: Soko Tierschutz
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Stade

Jonny und Christin bestellen sich je eine Ofenkartoffel. Nein, kein Fleisch, sagen sie, nur die Kartoffel. Es ist nicht so, dass die beiden Vegetarier wären. Sie reden bloß gerade über kranke Kühe und halbtote Kühe und ganz tote Kühe. Irgendwie schmeckt es dann nicht richtig. „Ich bin auch etwas vorsichtig geworden, was meinen Milchkonsum angeht“, sagt Jonny. Er grinst. Es ist kein fröhliches Grinsen.

Jonny und Christin, 29 und 22 Jahre alt, heißen nicht Jonny und Christin, aber ihre richtigen Namen tun nichts zur Sache. Zur Sache tut: Sie haben bis vor Kurzem bei einem Milchbauern im Kreis Stade gearbeitet, aber sie haben es nicht mehr ausgehalten, wie dort mit den Rindern umgegangen wurde. Sie erzählen von verendeten Kühen mit Pansenazidose, einer Krankheit, die durch schlechtes Futter entsteht. Sie schildern, wie eine Kuh auf dem Hof lag und nicht mehr hochkam, und sie wurde einfach liegengelassen, eine Woche lang. Sie berichten von toten Tieren, die der Chef am Ende mit dem Radlader aus dem Stall geholt hat. „Zwei Drittel der Bauern sind vernünftig“, sagt Jonny. „Für ein Drittel ist das Vieh nur eine Geldquelle.“

 

Tierrechtler dokumentieren Misshandlungen

Dass es Bauern gibt, denen das Lebewesen Tier ziemlich egal zu sein scheint, würde auch Friedrich Mülln unterschreiben. Es ist sein Job, solche Menschen auffliegen zu lassen. Mülln leitet die Soko Tierschutz aus Bayern. Soko, das klingt nach offizieller Ermittlungstruppe – das ist sie nicht, die Soko Tierschutz ist ein privater Tierrechtsverein. Aber ein erfolgreicher.

Seit 2013 dokumentiert der Verein, meist mit heimlich gedrehten Videos und mit verdeckten Informanten wie Jonny und Christin, Verstöße gegen den Tierschutz bei Nutztieren. Zuletzt hatte der Verein sieben Schlachthöfe im Visier. Sechs davon – in Fürstenfeldbruck, Eschweiler, Tauberbischofsheim, Hohengöhren im Kreis Stendal und in Bad Iburg und in Düdenbüttel bei Stade in Niedersachsen – sind inzwischen geschlossen.

 

Kranke Rinder geschlachtet

Düdenbüttel war der letzte Fall. Ein kleiner Betrieb am Ende einer Straße mit ein paar Wohnhäusern und dem Friedhof des Ortes, eine wortkarge Betreiberfamilie, drei Generationen. Nur gut 9000 Tiere wurden hier im Jahr geschlachtet, die allermeisten waren Rinder. Aber auch Rinder, die man nicht schlachten darf.

Nutztiere, die krank sind oder die nicht aus eigener Kraft auf einen Hänger gehen können, darf man nicht schlachten. Man darf sie nicht mal transportieren. Unter strengen Auflagen ist eine Notschlachtung auf dem Hof möglich, im schlimmsten Fall muss das Tier getötet werden und kommt in die Tierkörperbeseitigung.

Steckt System hinter der Quälerei?

Das Problem ist: Notschlachten und Töten kostet Geld. Das Tier illegal zum Schlachthof zu schaffen, bringt vielleicht noch ein paar Euro. „Es war ein stehender Spruch bei uns“, sagt Jonny: „Wenn die Kuh nicht mehr laufen kann, kommt sie nach Düdenbüttel.“ Denn in Düdenbüttel hat man solche Tiere angenommen. Und so kam es zu Bildern wie denen, die die Soko Tierschutz aus Düdenbüttel und aus Bad Iburg und von anderswoher verbreitet hat: verletzte Kühe, mit Seilwinden auf den oder vom Hänger gezerrt, mit Mistforken und Elektroschockern traktiert. Blutende Wunden, ausgerenkte Glieder, und die Schlachtungen wurden dann manchmal auch noch schlampig ausgeführt. Kurz: Tierquälerei.

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Friedrich Mülln, Gründer der Soko Tierschutz
Friedrich Mülln, Gründer der Soko Tierschutz. Quelle: Moritz Frankenberg
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Steckt ein System dahinter? „Ja“, sagt Friedrich Mülln von der Soko Tierschutz. Es gehe in diesen Fällen oft um „Downer“, ausgelaugte Kühe, verbraucht durch viel Milchgeben in kurzer Zeit, wundgelegen im Stall, krank durch minderwertiges Futter. Mülln schätzt, „sehr konservativ“, dass es in Deutschland 100.000 Tiere im Jahr treffe. Der Bauer wolle noch etwas Geld rausschlagen, Tiertransporteur und Schlachthof machten mit. Und die Veterinäre, die alles zu beaufsichtigen hätten, guckten weg.

Hier weiterlesen:

Schlachthofskandale

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Gruß Hubert

 

Undercover für den Tierschutz   Leave a comment

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Vor diesem Mann habe ich allergrößte Hochachtung. Denn er macht das aus Idealismus und begibt sich auch in Gefahr. Zu verdienen gibt es ja im Tierschutz nichts.

Aus haz.de

Manchmal führt kein Weg am Fleischessen vorbei: Tierrechtler Friedrich Mülln, Gründer der „Soko Tierschutz“.
Manchmal führt kein Weg am Fleischessen vorbei: Tierrechtler Friedrich Mülln, Gründer der „Soko Tierschutz“. Quelle: Moritz Frankenberg
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Hannover

Er könnte auch ein später Student sein, wie er da in dem vegetarischen Restaurant in Hannover sitzt. Kapuzen-Sweatshirt, gestutzter Bart, hohe Stirn und ein paar widerspenstige rötliche Haarbüschel. Ein offenes Gesicht. Er hat das Menü gegessen, vegan, jetzt trinkt er Rhabarberschorle. So also sieht jemand aus, den die Agrarindustrie als Feind betrachtet. Als Kriminellen gar. Friedrich Mülln ist Tierrechtsaktivist. Er ist der Kopf eines bayerischen Vereins, der sich den Namen „Soko Tierschutz“ gegeben hat. Soko wie Sonderkommission – als seien die Tierschützer offizielle Ermittler. Das sind sie nicht. Und doch sorgen ihre Recherchen regelmäßig für Wirbel. Unlängst haben sie den Skandal um den Schlachthof in Bad Iburg (Kreis Osnabrück) aufgedeckt.

Das war im Oktober. In früheren Jahren bereits hatten sich Friedrich Mülln und sein Team in Niedersachsen mit dem Geflügelkonzern Wiesenhof angelegt, hatten Videos von der Ausstallung von Puten in einer Mastfarm bei Garrel gefilmt. Nun also Bad Iburg. Der Schlachthof dort war Mülln aufgefallen, weil aus einem Milchviehbetrieb in Sachsen-Anhalt kranke und tote Tiere Richtung Iburg abtransportiert wurden. Mülln bekam Hilfe von jemandem aus dem Umfeld des Schlachthofs. Sein Team installierte verdeckte Kameras; die Aufnahmen zeigen, wie Rinder Elektroschocks bekommen, wie sie mit einer Art Seilwinde vom Hänger gezerrt werden. Die Geschichte schlug hohe Wellen. Heute ist der Betrieb geschlossen.

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Undercover unterwegs
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Undercover unterwegs: Friedrich Mülln bei einem Einsatz auf einer polnischen Pelzfarm im Jahr 2013. Quelle: privat

Wie wird man Tierrechtler? Friedrich Mülln, 39, war sechs, als seine Eltern mit ihm von Lörrach in Baden-Württemberg nach Laufen in Oberbayern umgezogen sind. Er sprach keinen Dialekt, er hatte rote Haare, „Pumuckel“ haben sie ihn in der Schule genannt und jahrelang gehänselt. Damals entwickelte er ein feines Gespür für das Thema Gerechtigkeit. Was seine Integration in der Schule aber nicht beförderte: Später, als die anderen am Wochenende nach München in die Disco fuhren, fuhr er in die Slowakei, um eine Fuchsfarm und ihre tierquälerischen Praktiken auszuspionieren.

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Undercover für den Tierschutz

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Gruß Hubert

Wie „Soko Tierschutz“ mit Videoaufnahmen auf Missstände aufmerksam macht   Leave a comment

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Friedrich Mülln von Soko Tierschutz ist für mich ein wahrer Held.

Rebloggt von Tierfreund wolodja

Furchtbare Zustände in Schlachthöfen, gequälte Tiere in Laboren: Friedrich Mülln von der „Soko Tierschutz“ aus Hannover engagiert sich für den Tierschutz – und dokumentiert mit Videoaufnahmen Missstände.

Er könnte auch ein später Student sein, wie er da in dem vegetarischen Restaurant in Hannover sitzt. Kapuzen-Sweatshirt, gestutzter Bart, hohe Stirn und ein paar widerspenstige rötliche Haarbüschel. Ein offenes Gesicht. Er hat das Menü gegessen, vegan, jetzt trinkt er Rhabarberschorle. So also sieht jemand aus, den die Agrarindustrie als Feind betrachtet. Als Kriminellen gar. Friedrich Mülln ist Tierrechtsaktivist. Er ist der Kopf eines bayerischen Vereins, der sich den Namen „Soko Tierschutz“ gegeben hat. Soko wie Sonderkommission – als seien die Tierschützer offizielle Ermittler. Das sind sie nicht. Und doch sorgen ihre Recherchen regelmäßig für Wirbel. Unlängst haben sie den Skandal um den Schlachthof in Bad Iburg (Kreis Osnabrück) aufgedeckt. …

Das war im Oktober. In früheren Jahren bereits hatten sich Friedrich Mülln und sein Team in Niedersachsen mit dem Geflügelkonzern Wiesenhof angelegt, hatten Videos von der Ausstallung von Puten in einer Mastfarm bei Garrel gefilmt. Nun also Bad Iburg. Der Schlachthof dort war Mülln aufgefallen, weil aus einem Milchviehbetrieb in Sachsen-Anhalt kranke und tote Tiere Richtung Iburg abtransportiert wurden. Mülln bekam Hilfe von jemandem aus dem Umfeld des Schlachthofs. Sein Team installierte verdeckte Kameras; die Aufnahmen zeigen, wie Rinder Elektroschocks bekommen, wie sie mit einer Art Seilwinde vom Hänger gezerrt werden. Die Geschichte schlug hohe Wellen. Heute ist der Betrieb geschlossen.

Wie man Tierrechtler wird

Wie wird man Tierrechtler? Friedrich Mülln, 39, war sechs, als seine Eltern mit ihm von Lörrach in Baden-Württemberg nach Laufen in Oberbayern umgezogen sind. Er sprach keinen Dialekt, er hatte rote Haare, „Pumuckel“ haben sie ihn in der Schule genannt und jahrelang gehänselt. Damals entwickelte er ein feines Gespür für das Thema Gerechtigkeit. Was seine Integration in der Schule aber nicht beförderte: Später, als die anderen am Wochenende nach München in die Disco fuhren, fuhr er in die Slowakei, um eine Fuchsfarm und ihre tierquälerischen Praktiken auszuspionieren.

Müllns Vater arbeitete für den internationalen Fleischgroßhandel. Der Sohn ist seit 26 Jahren Veganer. Er mochte die Natur, war viel mit dem Opa draußen, tauchte gern in den Ferien, hatte ein Meerwasseraquarium. Dann lernte er, dass Seetiere nicht hinter Glas gehörten. Vor einem Geschäft in Kroatien, das Muscheln an Touristen verscherbelte, verteilte er sein erstes, handgetipptes Flugblatt: „Bitte, kaufen Sie keine Tierpräparate!

Bald darauf sah er eine Fernsehreportage über Ferkelkastration. Massentierhaltung, Massentierbehandlung – er war erschüttert. Mülln wollte das mit eigenen Augen sehen, setzte sich aufs Fahrrad und fuhr nach Schönau, wo es eine Truthahnfarm gab. Er spähte hinein. In einer Ecke kranke Tiere, blutende Tiere. Neben dem Stall eine Tonne, in der es raschelte. Er öffnete den Deckel: tote Truthähne und lauter Maden. An dem Abend bat Friedrich Mülln seinen Vater um seine erste Videokamera. Und er bekam sie. Und später bezahlte ihm der Vater auch ein Nachtsichtgerät. „Er fand das cool, was ich gemacht habe“, sagt Mülln und gießt Rhabarberschorle nach. „Er wusste ja, was die Fleischindustrie für eine Branche ist.“ Die Mutter hatte eher Sorge: Vegan, war das nicht ungesund? Sie kochte für den Sohn seine frühere Leibspeise, Kalbsbries. Mülln hat es gegessen. Dann nicht mehr.

Auch ein Tierrechtler isst Fleisch

Manchmal muss er aber leider auch heute dennoch Fleisch essen. Zum Beispiel, wenn er undercover als angeblicher Pelzhändler in China unterwegs ist, wo sie die Marderhunde für die Kapuzenfelle der Westler mit dem Knüppel erschlagen. „Wenn ich da nur Gemüse essen würde, würden die misstrauisch werden.“

Mülln erzählt, er sei gar kein „Tierfreak“. Wenn er in einem Stall mit zusammengepferchtem Geflügel steht, dann kocht bei ihm nicht die Wut über, dann macht er professionell seine Arbeit: dokumentieren, was passiert. Es geht ihm um so etwas wie Rechtschaffenheit. Dass die Spezies Mensch Tieren so etwas nicht antun darf. Er will sich für Lebewesen engagieren, die sich nicht selbst verteidigen können. 2012 hat er dafür seine eigene Organisation gegründet, die „Soko Tierschutz“. 20 Leute, die systematisch Tierleid aufdecken wollen.

Mülln erzählt Beispiele: Brüllende Rinder, die vor ihrer Zerlegung betäubt worden waren, aber dann doch wieder wach wurden. Schweine, bei denen bei der Schlachtung etwas schiefging und die lebendig ins Brühbad geworfen wurden. Und

was ist mit Bioschlachthöfen? Sind die nicht besser? Mülln lacht fast, er hat da keine Illusionen mehr. Ein Schlachthof, erzählt er, wirke oft unwirklich. Als könne das Gehirn so eine Tötungsmaschinerie nicht recht verarbeiten.

Schwangere Affen und Babyaffen

Mülln berichtet von einem Labor in Münster, das mit schwangeren Affen und mit Babyaffen gearbeitet hat, Reprotoxikologie nennt sich das, Versuche zur Sicherheit von Produkten, die ungeborene Kinder schädigen könnten. Mülln hatte dort als Helfer angeheuert und heimlich gefilmt. Er berichtet nicht von den Dingen, die mit den Affen angestellt wurden. Er berichtet von einer Affenmutter, die mit aller Gewalt verhindern wollte, dass ihr das Junge weggenommen wurde, mit vier Mann haben sie es versucht, schließlich hat sie es selbst blutig gebissen, so verzweifelt war sie. Und natürlich hat sie am Ende verloren. Das Labor hat nach Müllns Veröffentlichungen lange gegen ihn prozessiert. Ohne Erfolg. Darauf ist Mülln stolz. Dass er nie verurteilt wurde.

Doch manchmal, wie nach einer Veröffentlichung über Tierversuche an Affen an einem Tübinger Max-Planck-Institut 2014, ist der „Soko“ auch schon reißerische Berichterstattung vorgeworfen worden. Die Mitarbeiter des Instituts wurden bedroht und beleidigt, am Ende machte es zu. Friedrich Mülln entschuldigt sich nicht dafür, aber er sagt mehrfach, dass es ihm im Prinzip darum geht, Leute nicht zu manipulieren, sondern zu überzeugen. Er will der Gesellschaft nicht, wie manche seiner Tierrechtler-Kollegen, in stalinistischer Manier den Verzicht auf die Nutzung von Tieren aufzwingen. Und er ist realistisch: „Eine vegane Welt wird es nicht geben.“

„Kein Verstoß, eine Notrettung“

Heimliche Videoaufnahmen, die findet er okay, aber regelrechte Rechtsbrüche und Gewalt lehnt Mülln strikt ab. Er hat nur einmal das Schloss eines Müllcontainers geknackt, in dem lebendige Küken piepten. „Das war kein Verstoß, das war eine Notrettung“, sagt er.

Und den Glauben an das Gute hat er noch nicht verloren. Das liegt auch daran, dass er immer wieder Hinweise auf Missstände direkt von Beschäftigten etwa aus Tierversuchslaboren oder Schlachthöfen bekommt. „Das sind alles Menschen. Sie können noch so abgestumpft sein durch ihre Arbeit, sie haben ein Herz. Irgendwann reicht es. Dann rufen sie uns an.“

Von RND/Bert Strebe

Quelle: ostseezeitung.de

 

Horror-Schlachthof Bad Iburg   Leave a comment

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Vor Friedrich Mülln habe ich größten Respekt. Er ist für mich ein Held. Unter größten Gefahren deckt er die skandalösen Missstände auf wo die Behörden wegschauen.

„Der Boden lag voller zerstörter Tiere“

Friedrich Mülln hat mit dem Verein „Soko Tierschutz“ die Tierquälerei in einem Schlachthof bei Osnabrück aufgedeckt. Die Bilder belasten ihn – und treiben ihn an.

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Tierschützer protestieren gegen Missstände in der Schweinemast

Im Einsatz gegen das Leid der Tiere: Friedrich Mülln vom Verein Soko Tierschutz und Mitstreiter*innen, hier bei einer Aktion in Ulm Foto: Ralf Zwiebler/dpa

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Hier ein Interview mit ihm.

taz: Herr Mülln, waren Sie persönlich in dem Horrorschlachthof in Bad Iburg?

Friedrich Mülln: Ich habe mir die Zustände vor Ort angeschaut. Die Seilwinde, mit der die Tiere in den Schlachthof hineingezerrt wurden, ist direkt an der Außenwand. Das kann man von außen sehen, wenn man ein bisschen hochklettert.

Haben Sie die Kamera installiert, die die Tierquälereien gefilmt hat?

Nein, aber ich habe die Recherche betreut und stand in engem Kontakt mit den Informanten und Ermittlern. Das sind mutige Menschen, die viel riskieren, wenn sie mit uns kooperieren. Die Fleischbranche hat in der Vergangenheit schon bewiesen, dass sie in solchen Fällen auch vor Gewalt nicht zurückschreckt.

Sind Ihre Informanten Mitarbeiter?

Unsere Quellen sind fast ausschließlich Leute aus der Fleischindustrie. Sie können mit den Zuständen nicht mehr leben und wenden sich an die Todfeinde, uns Tierrechtler, weil sie wollen, dass sich etwas ändert. Das hat sich bei den letzten sechs Schlachthöfen, die wir mithilfe solcher Informanten aufgedeckt haben, bewährt. Fünf davon wurden geschlossen, zuletzt der in Bad Iburg.

Fällt so eine Kamera im Schlachtbetrieb nicht auf?

Ich habe auch schon selbst versteckte Kameras installiert. Die Technik ist da zum Glück schon so weit fortgeschritten, dass man die nicht mehr sieht. Trotzdem ist es sehr gefährlich. Die Wachdienste der Betriebe passen gut auf.

Wie sind Sie auf den Schlachthof in Bad Iburg aufmerksam geworden?

Es kamen zwei Sachen zusammen. Wir haben im April Missstände in einem Milchviehbetrieb in Demker in Sachsen-Anhalt aufgedeckt. Die Farm lag voller Kadaver von verwesenden Tieren und die lebenden waren in einem schlechten Zustand. Als der Skandal aufflog, waren viele der Tiere verschwunden. Wir haben uns gefragt, wo die Milchkühe hin sind, haben Transporter verfolgt und sind so auf diese Bad-Iburg-Connection gestoßen. Gleichzeitig haben wir von Leuten aus der Fleischbranche Hinweise bekommen, dass es einen Schlachthof in Niedersachsen gibt, der all die Tiere annimmt, die andere ablehnen.

Weil es verboten ist, so kranke Tiere zum Schlachthof zu karren.

Genau. Bad Iburg wurde als Geheimtipp gehandelt.

In welchem Zustand kamen die Milchkühe dort an?

Das waren zum größten Teil wandelnde Skelette. Die Tiere waren so abgemagert, dass man wirklich jeden Knochen und jeden Wirbel sehen konnte. In ungefähr 200 Fällen haben wir dokumentiert, dass der Allgemeinzustand der Tiere so schlecht war, dass sie nicht einmal mehr gehen konnten. Da geht die Klappe von einem Tiertransporter auf und der ganze Boden liegt voll mit völlig zerstörten Tieren. Die wurden dann systematisch, hundertfach, bei vollem Bewusstsein mit der Seilwinde da rausgeschleift oder mit Elektroschocks auf Knien da runtergezwungen.

Es sind also keine Einzelfälle, in denen Milchkühe so krank beim Schlachthof angeliefert werden?

In einem normalen Schlachthof gibt es auch sogenannte Downer-Tiere. So heißen diese Rinder, die am Boden liegen und sich nicht mehr bewegen können. Sie werden aber viel seltener angeliefert als in Bad Iburg. Dort war das absoluter Alltag. Den ganzen Tag lief diese Seilwinde. Der Schlachthof hat natürlich davon profitiert, dass die großen Betriebe diese Tiere nicht haben wollen.

Was sagen die Bilder in Bad Iburg darüber aus, in welchem Zustand Milchkühe in den Ställen leben?

Diese Downer-Kühe sind ein normales Symp­tom der Milchwirtschaft. Es gibt zahlreiche Schlachthöfe, die sich auf alte Milchkühe spezialisiert haben. Ihr Zustand ist durchgehend ziemlich schlecht. Milchkühe haben als Folge dieser enormen Überzüchtung zu Turbokühen und der Umgebung im Stall häufig Infektionen und Verletzungen. Jungtiere – und das sind sie alle – haben Krankheiten und Probleme, als würden sie kurz vor ihrem natürlichen Lebensende stehen.

Wie leben die Tiere in den Ställen?

In Deutschland gibt es nach wie vor rund drei Millionen Kühe in Anbindehaltung.

Vor allem in Süddeutschland.

Wir sind Weltmarktführer für die schlechteste Haltung. Angebunden können sich die Kühe nicht einmal umdrehen. Ansonsten setzen sich immer mehr Laufställe durch. Das klingt erst mal gut, aber auch hier stehen die Tiere eng und auf Spaltenböden, der immer feucht vom Urin ist. Sie stürzen deshalb immer mal wieder. Ich habe Schwellungen an Kühen gesehen, die sind so groß wie ein Volleyball. Ein weit verbreitetes Problem ist zudem die Mastitis, eine schmerzhafte Entzündung am Euter. Wenn die Kühe das haben, haben sie permanent Höllenschmerzen und die Eiterzellen sind auch in der Milch nachweisbar.

Geht es Biokühen besser als denen auf konventionellen Höfen?

Bei Milchkühen ist der Unterschied gar nicht so groß. Auch in der Biohaltung leben die Tiere in Ställen und haben teilweise keinen Zugang zur Weide, manche leben sogar in Anbindehaltung. Auch das Verstümmeln der Hörner ist Standard. Das heißt nicht, dass es nicht Betriebe gibt, die das besser machen, aber wir schauen immer auf die schlechtesten Standards, die erlaubt sind.

Aber ist es nicht allein schon gut für die Tiere, dass sie in der Bioproduktion nicht so eine hohe Milchleistung haben müssen?

Das stimmt meiner Meinung nach nicht. Die Biobetriebe nutzen die gleichen Rassen wie die konventionellen Betriebe und haben dadurch auch die gleichen Probleme im Gepäck. Tragisch wird es für die Biokühe, wenn es um die Schlachtung geht. Dann stehen sie mit allen anderen in einer Reihe.

Waren Sie selbst mal in einem Biostall?

Ja. Ich habe für das Video „Das Brüllen der Rinder“ Biotiere und konventionelle Tiere vom Betrieb bis zum Schlachthof im Transporter begleitet. Unterschiede konnte ich da nicht erkennen.

Wie sind Sie dazu gekommen, in Ställen zu filmen?

Ich bin auf dem Land aufgewachsen. Mein Vater kam aus der Fleischbranche und hat mit Fleisch- und Fischprodukten gehandelt. Er hat immer mal wieder am Frühstückstisch eklige Geschichten erzählt, als der Begriff Gammelfleisch noch gar nicht öffentlich diskutiert wurde. Ich war neugierig, wie Tierhaltung aussieht, und bin mit dem Fahrrad zu einer Putenfarm gefahren. Dort habe ich mich auf die Zehenspitzen gestellt und die ganzen verletzten Tiere gesehen. Daraufhin habe ich mir einen Camcorder organisiert und kurze Zeit später lief mein erster Film bei Chiemgau TV. Danach habe ich nicht mehr aufgehört.

Landwirte müssen sehr darauf achten, keine Keime in die Ställe einzubringen. Und dann latschen Sie mit Straßenschuhen rein?

Nein. Tierschützer achten sehr stark auf Hygiene, tragen Schutzkleidung, Atemschutz und desinfizieren die Schuhe. Das wird auch dokumentiert. Es ist eher ein Problem, dass sich manche Landwirte selbst für antiseptisch halten. Auf den versteckten Kameraaufnahmen laufen die ständig mit ihrer Straßenkleidung in den Stall.

Haben Sie keine Sorge vor Strafverfolgung?

Die Soko Tierschutz hat erst vier Anzeigen wegen Hausfriedensbruchs bekommen. Die wurden alle eingestellt. Wir nehmen die Verantwortung dieser investigativen Recherchen sehr ernst und gehen nur in die Betriebe, wenn wir ausreichend Hinweise haben.

Waren Sie schon in Ställen, in denen Sie nichts gefunden haben?

Nein. Die Landwirte behaupten immer, Tierrechtler würden so lange Ställe abklappern, bis sie fündig werden. Das stimmt nicht. Das Recherche-Team der Soko Tierschutz besteht aus fünf Personen, vier davon ehrenamtlich. Wir wären gar nicht in der Lage, irgendwelche Ställe abzuklappern. Unabhängig davon hat aber jeder Nutztierbestand Probleme. Man findet immer kranke und verletzte Tiere oder Antibiotikaeinsatz. Die Ursache ist das System. Unser Ziel ist es, grobe Straftaten und Missstände aufzudecken.

Es ist doch normal, dass einzelne Tiere krank sind. Die Hauptsache ist doch, dass der Bauer das kranke Tier separiert und behandelt.

Natürlich kann immer mal eins krank werden, aber wir sprechen hier von Babys und Kleinkindern. Wenn die Arthritis und Glasknochen haben, stimmt etwas nicht. Es gibt ja keine alten Tiere in der Tierausbeutungsindustrie. Das sind systematische Probleme.

Haben Sie keine Angst, dass Sie nachts auf einen wütenden Landwirt treffen könnten, wenn Sie in einen Stall eindringen?

Natürlich habe ich Angst bei solchen Einsätzen. Ich bin schon angegriffen worden. Jemand mit einer Strumpfmaske hat mich mit einer Axt attackiert, ein anderer hat versucht, mich zu überfahren. Früher habe ich viele solche Nachtrecherchen gemacht. Heute halte ich sie allerdings ohnehin für überholt. Wir bei der Soko Tierschutz setzen ganz auf Undercoverrecherchen. Dann sehe ich, wie die Tiere von den Menschen misshandelt werden und nicht nur nachts die verletzten Tiere. Das hat eine höhere Durchschlagskraft in der Öffentlichkeit.

Haben Sie schon einmal als Mitarbeiter in einem Schlachthof gearbeitet, um Missstände aufzuzeigen?

In einem Schlachthof noch nicht, aber ich habe knapp fünf Monate in einem Tierversuchslabor als Affenpfleger gearbeitet, in einer Legehennenbatterie, in einer Schweinemastanlage und auf einem Fischtrawler. Ich war monatelang als Pelzhändler in China unterwegs, um getarnt Pelzfarmen filmen zu können.

Belastet Sie das?

Vor allem diese Ohnmacht. Man steht da mit einer versteckten Kamera. Man muss gute Miene zum bösen Spiel machen. Ich stehe in einer Pelzfarm in China, er knüppelt vor mir die Marderhunde zusammen. Die Tiere krümmen sich noch minutenlang am Boden und ich muss dann grinsen, wenn er mir das blutige Fell in die Hand drückt, um mir zu zeigen, was das für eine gute Qualität ist. Da muss man dann schon sehr die Zähne zusammenbeißen.

Wie sehen Sie nach den Eindrücken aus Ställen und Schlachthöfen Landwirte? Können Sie sehen, dass die großem wirtschaftlichen Druck unterworfen sind?

Ich möchte da zwischen Landwirten und Tierhaltern unterscheiden. Landwirte sind wahnsinnig wichtig. Ich als Veganer bin einer von deren besten Kunden, weil ich bereit bin, sehr viel Geld für hochwertige pflanzliche Lebensmittel zu zahlen. Die Tierhaltung sehe ich in der absoluten Sackgasse angekommen. Die Tierhalter lügen sich selbst in die Tasche. Natürlich sagen die alle „Ja, ich hab meine Viecher lieb“, aber wenn man mit den Tierhaltern spricht, kommt eben doch raus, dass es für die einfach Produktionsmittel sind.

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Im Interview:

Friedrich Mülln

38, hat den Verein „Soko Tierschutz“ im Jahr 2012 gegründet und ist heute hauptamtlicher Tierschützer. Er hat Politikwissenschaft studiert, als Journalist gearbeitet und ist seit 25 Jahren Veganer.

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Horror-Schlachthof Bad Iburg

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Gruß Hubert