Archiv für das Schlagwort ‘Gedicht

Als man ihr sagte …   Leave a comment

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Als sie lachte, sagte man ihr, sie sei kindisch. Also machte sie fortan ein ernstes Gesicht. Das Kind in ihr blieb, aber es durfte nicht mehr lachen.

Als sie liebte, sagte man ihr, sie sei zu romantisch. Also lernte sie, sich realistischer zu zeigen und verdrängte so manche Liebe.

Als sie reden wollte, sagte man ihr, darüber spreche man nicht. Also lernte sie zu schweigen. Die Fragen, die in ihr brannten, blieben ohne Antwort.

Als sie weinte, sagte man ihr, sie sei einfach zu weich. Also lernte sie, die Tränen zu unterdrücken. Sie weinte zwar nicht mehr, aber hart wurde sie nicht.

Als sie zu trinken begann, sagte man ihr, das löse ihre Probleme nicht. Sie solle eine Entzugskur machen. Es war ihr egal, weil ihr schon so viel entzogen worden war.

Als sie wieder draußen war, sagte man ihr, sie könne jetzt von vorne anfangen. Also tat sie, als begänne sie ein neues Leben. Aber wirklich leben konnte sie nicht mehr. Sie hatte es verlernt.

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Aus blog.de „Mengersmeinung“ – blog.de hat den Laden im Jahr 2012 dicht gemacht.

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Wer, ja wer wäre da?

 

Manchmal frage ich mich
Wie es ist
Jemand anders zu sein
Wie es ist
Ohne diesen ganzen Schein
Ich zeige nicht wie ich wirklich bin
Es sieht ganz anders aus
In mir drin

Manchmal frage ich mich
Warum ich so traurig bin
Sind es die Menschen die mich verletzen
bilde ich es mir ein
oder soll es so sein
Warum ich nicht einfach glücklich sein kann
Was ist so schwer daran
Ich weiß es nicht

Manchmal frage ich mich
Wo diese Verzweiflung herkommt
Es tut gut mit Freunden zusammen zu sein
Aber in mir drin, fühle ich mich allein
Mit ihnen zusammen versuche ich zu lachen
Doch gegen das weinen in mir kann ich nichts machen
Ich versteh es nicht

Manchmal frage ich mich
wann es aufhört
wird es immer so weiter gehen?
werde ich mich nie wieder wirklich glücklich sehen?
ich habe die Hoffnung aufgegeben
obwohl es sehr schwer ist, so weiter zu leben
Anders geht es nicht

Manchmal frage ich mich
Wie es ist
Tot zu sein
Befreit von den Gedanken, die mich quälen
Ich würde am liebsten wissen
Würde mich jemand vermissen?

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Von soullesangel – ebenfalls aus dem nicht mehr existenten blog.de

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Gruß Hubert

 

 

 

Veröffentlicht 5. Oktober 2018 von hubert wenzl in Kultur, Lyrik, Uncategorized

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Freundesbrief an einen Melancholischen   1 comment

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Ja, ja, es gäbe viele Arten zu sterben, aber man kann auch langsam sterben, unmerklich für andere. Ich würde nichts mehr fürchten als ein ewiges Leben. Die ewige Ruhe ist so friedlich und süß. Also wovor Angst haben? Also die Zeit die bleibt mit Courage leben ist das ehrenvollste.

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Du klagst, mein Freund, und jammerst sehr,
Wie elend dieses Leben wär;
Es sei nicht auszuhalten. –
Was klagst du denn? Es ist dein Recht,
Bist du ein müd und fauler Knecht,
Dich gänzlich auszuschalten.
Kauf dir, o Freund, ein Pistolet
Und schieß dich tot, – hurra, juchhe!
Dann bist du gleich gestorben.

Doch macht des Pulvers Knallgetös
Dich, weil nervös du bist, nervös,
Brauchst du nicht zu verzagen.
Ich weiß ein Mittel ohne Knall,
Geräuschlos, prompt; für jeden Fall
Will ich dirs hiermit sagen:
O speise, Freundchen, Strychenin!
Das wird dich in den Himmel ziehn.
Dort geigst du mit den Engeln.

Falls aber, weil du heikel bist,
Strychnin dir unsympathisch ist
(Es schmeckt ein bisschen fade),
So brauchst du nicht gleich bös zu sein;
Mir fällt schon etwas andres ein:
Geh auf die Promenade
Und hänge dich an einen Ast.
Sobald du ausgezappelt hast,
Hängst du für ewig stille.

Wie? Kitzlig bist du an dem Hals?
Wohl, mein Geliebter! Diesesfalls
Gilts anderes Gebaren:
Spring in den Fluss, stürz dich vom Turm,
Lass dich gleich einem Regenwurm
Elektrisch überfahren.
Auch ist ein ziemlich sichrer Tod
Der durch komplette Atemnot
Infolge Ofengasen.

Du schüttelst immer noch den Kopf?
Ei, du verruchter Sauertopf,
Geh hin, dich zu purgieren!
Mach dir Bewegung, fauler Bauch,
So wird die liebe Seele auch
Vergnügt im Sein spazieren.
Ein wackres Wort heißt: resolut!
Hast du zum Sterben nicht den Mut,
So lebe mit Courage!

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Otto Julius Bierbaum (1865-1910)

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Verrückte Welt – ein Schlachthaus – und vor allem für die Tiere – die wahren Unschuldigen. Zu was auf die Welt kommen?

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Береза С Есенин

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Die russische Seele und die Lust am Leiden

http://www.deutschlandfunk.de/die-russische-seele-und-die-lust-am-leiden.1184.de.html?dram:article_id=185459

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Gruß Hubert

Veröffentlicht 20. Januar 2018 von hubert wenzl in Lyrik, Uncategorized

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ABGRUND   3 comments

Rubens Beserra

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Es gibt ein Abgrund in meiner Seele,

Wo Licht nicht eintreten kann,

Wo alles Dunkelheit und Stille ist,

Wo alles tot ist und langsam verrottet.

Es gibt einen Abgrund, der mich einsperrt,

Es ist unmöglich zu fliehen, es gibt keinen Ort zu gehen,

Alle Straßen führen zum Tod.

Alle Menschen, die ich geliebt habe, sind bereits gestorben.

Es gibt kein Leben in meiner Welt,

Es gibt nur Leere in meiner Seele.

Ich weine nicht, weil ich keine Tränen mehr habe,

Ich bin apathisch, kalt und treulos.

Ich möchte meine Kindheitsprobleme vergessen ,

Aber die Erinnerungen halten mich zurück in die Vergangenheit,

Erinnerungen sind Wunden, die immer noch schmerzen.

Ich bin nicht glücklich, weil ich nicht mehr träumen kann.

Es gibt keine Sonne in meiner Welt,

Es gibt kein Licht in meiner Welt,

Es gibt nur Dunkelheit, Traurigkeit,

Angst, Einsamkeit, Kälte und Tod

Im Abgrund meiner Seele.

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Veröffentlicht 8. Januar 2018 von hubert wenzl in Kultur, Literatur, Lyrik

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Glaubt ihr ein Tier sei unbeseelt?   3 comments

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Glaubt ihr ein Tier sei unbeseelt?

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Macht Euch das Tierreich Untertan-
so fing es in der Bibel an.
Doch was der Mensch daraus gemacht,
war ganz bestimmt nicht so gedacht.
Das Tier als Ware nur zu seh’n,
als Gegenstand,hübsch anzuseh’n.

Zu Weihnachten wird es verschenkt,
zum Fest der Liebe, jeder denkt,
ach, ist das niedlich und so klein,
doch später wird man dann gemein.
Das Tier braucht Futter und auch Pflege-
Im Urlaub ist’s dann ganz im Wege.
Es wird dann einfach ausgesetzt-
Wer ist darüber noch entsetzt?
Und wenn es dann im Tierheim endet,
wird es zu Seife noch verwendet.

Glaubt ihr, ein Tier sei unbeseelt,
dass ihr es so entsetzlich quält?

Ach , schmeckt doch so ein Kotelett gut,
doch mich packt die kalte Wut,
wenn ich an Tiertransporte denke,
an die gebrochenen Gelenke,
das Elend in den engen Kisten,
in denen die Bazillen nisten.
Es wird schon vorher überschlagen,
was den Transport in wie viel Tagen
wohl lebend überstehen kann –
ja, Schwund, den gibt es dann und wann!
Und fragt mal einer nach dem Sinn,
dann geht es nur um Reingewinn!

Und die geschundene Kreatur
Ergibt sich ihrem Schicksal nur.
Sie kann nicht weinen, kann nicht fleh’n.,
nur traurig ins Gesicht euch seh’n.
Doch dieser Blick, er rührt euch nicht.
Ihr sagt, ihr tut nur eure Pflicht.

Glaubt ihr, ein Tier sei unbeseelt,
dass ihr es so entsetzlich quält?

Der Schlachthof ist die Endstation,
das Fließband tötet monoton.
Es wird geboxt,gezerrt, getreten,
Elektroschocks sind auch vertreten;
Und ist ein Tier auch noch so krank-
Gewalt treibt es zur Schlachtebank.
Denn Zeit ist wichtig, Zeit ist Geld
Und das regiert nun mal die Welt.
Humanes Sterben wird gepredigt,
bei den Tieren hat sich das erledigt.

Glaubt ihr ein Tier sei unbeseelt,
dass ihr es so entsetzlich quält?

Ein Hoch der Pharmaindustrie,
sie produziert so wie noch nie.
Befällt dich mal ein Zipperlein,
schon wirfst du eine Pille ein.
Die Auswahl ist schon riesengroß
Bei einem einz’gen Leiden bloß.
Doch was ist mit dem Risiko,
den Nebenwirkungen und so?
Das testen wir doch alles vor,
dazu gibt’s das Versuchslabor.

Dort gehen die Tiere massenweise
Auf eine grauenvolle Reise.
Hilflos gefesselt, angebunden,
wird an den Tieren, an gesunden,
Unvorstellbares ausprobiert,
lebendes, zuckendes Fleisch seziert.
Organe werden auch entnommen,
um auf Ergebnisse zu kommen,
die- auf den Menschen übertragen-
doch leider nicht sehr viel aussagen.
Betäubung ist da meist tabu,
doch das gibt man nicht sehr gerne zu.
Und zu hören kriegen wir:
Wieso,ist doch nur ein Tier!

Glaubt ihr, ein Tier sei unbeseelt,
dass ihr es so entsetzlich quält?

Ein Teil der Schöpfung ist das Tier,
ein Wunderwerk, genau wie wir.
Warum können wir’s nicht achten
Und als unseren Freund betrachten?
Sind wir denn Götter, gerade wir ?
Nein – wir sind grausamer als jedes Tier!

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Glaubt ihr ein Tier sei unbeseelt?

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Gruß Hubert

 

Veröffentlicht 3. Januar 2018 von hubert wenzl in Tierrechte, Tierschutz, Uncategorized

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GOLDENE GEGENWART   Leave a comment

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plötzlich sind wir alt und leise
die geschichte nur noch eine ferne reise
das gelebte leben als sekundenrausch
in deinen augen scheint die sonne
so gedankenlos wie alle sterne
bis du ganz allmählich stück für stück
zu klinisch weißem staub zerfällst
versuche ich schnellstmöglich
einen tiefen sinn zu ahnen
hinter den planetenbahnen oder
unter dem verschneiten laub
bei all den letzten molekülen
möchte ich die antwort fühlen
wenn die tränen grundlos fließen
könnte ich auf buddha schießen
gott im regen stehen lassen
um dich nie mehr zu verpassen
deine haut wie einen zauberstoff
zu inhalieren aber ist das wirklich weise
wenn wir irgendwann selbst das verlieren
denn die reise endet viel zu plötzlich
in dem haufen aus vergoldeten geschichten
die wir für den grabstein dichten

 

Bruno Brachland, Nr.44, 16.12.2011

 


 

Gruß Hubert

 

Veröffentlicht 16. August 2014 von hubert wenzl in Lyrik

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Eine kleine Ballade von dem Mäuslein das in Villons Zelle Junge bekam   Leave a comment

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Es schwamm der Mond in mein Gemach hinein,
weil er da draußen so allein
bei den entlaubten Bäumen stand.
Ich habe ihm ein Kissen hingerückt,
damit er ruhen konnte, und er tats beglückt
sich untern Kopf. Ich legte ihm die Hand
schnell auf die Augen, und da schlief er auch.
Mich aber plagte schlechte Luft im Bauch.

Sie plagte mich, bis eine Uhr schon zwölfe schlug.
Da hatte ich verdammt genug
und ließ sie ab, die Luft. Davon ist zwar
der Mond nicht aufgewacht, doch in dem Fenstereck
die Mäusefrau. Sie hat im ersten Schreck
geboren, was noch gar nicht gar nicht fällig war.
Die kleinen rosa Schnauzen piepsten da so nett,
dass ich sie zu mir nahm ins warme Bett.

Mein Gott, die lütten Dinger, noch ganz nackt
und blind: Wie hat das Elend mich gepackt!
Ich glaub, dass mir was Nasses in die Augen kam.
Dabei hat manches Mädchen schon von mir
ein Kind gekriegt und starb vor Scham.
Die armen Würmer aber kuschten sich
in meine Hand, als wäre ich ihr Vater Mäuserich.

Zuletzt war auch die Mäusefrau so zahm
geworden, dass sie schwänzelnd zu mir kam.
Die schwarzen Augen glänzten froh und groß
in mein Gesicht hinein.
Und plötzlich war ich auch so mäuseklein
wie dieses Tier und nahm es in den Schoß.
Ich habe wohl die ganze Nacht mit ihr verbracht
und an kein andres Weib dabei gedacht.

 

Nachgedanken:

Im milden Licht der Winternacht
hab ich mich zu den Mäusen aufgemacht.
Du aber fragst, warum denn nur?
Hör zu, es ist kein Tier so klein,
das nicht von dir ein Bruder könnte sein.
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http://francoisvillon.beepworld.de/francois8.htm

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http://www.4shared.com/mp3/kw89prxtba/SEID_WAS_IHR_WOLLT_-_Die_Musef.html

Siehe auch:

http://kinskis-villon.bandcamp.com/track/die-m-usefrau

Gruß Hubert

Veröffentlicht 14. Januar 2014 von hubert wenzl in Lyrik

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