Archiv für das Schlagwort ‘Geopolitik

Top-Banker: China gewinnen gegen die USA   Leave a comment

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Es ist nur gut, wenn die USA ihre Vormachtstellung mit dem Dollar als Leitwährung kontinuierlich weiter verliert. Auch hier ist Konkurrenz gut. Konkurrenz ist ja eine Komponente des Kapitalismus und manchmal frisst er eben die eigenen Kinder. Es ist auch nicht gerechtfertigt, dass der Dollar da hegemonial herrschen soll. Wenn es mal mit dem Erdöl zur Neige geht, spätesten dann spielt der Dollar keine große Rolle mehr. Der EU wird ihr USA-Gehorsam zum Verhängnis werden und sie werden mit zu den Verlierern gehören.

Top-Banker ist sich sicher: Russland und China gewinnen gegen die USA

Folker Hellmeyer, Chefvolkswirt der Bremer Landesbank, hat keine Zweifel über die Zukunft des Weltwirtschaftssystems: Die Achse Moskau – Peking BRICS wird sich gegen den alten Hegemon USA durchsetzen. Diese Länder hätten die Nase voll vom Westen, weil sie eine langfristige Strategie wollen und keinen Opportunismus, Die EU dürfte wegen ihres blinden Sanktions-Gehorsams zu den Verlierern gehören.

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China und Russland wenden sich von den USA ab, die EU spielt nur noch eine Nebenrolle. Der Westen läuft Gefahr, die Auseinandersetzung mit dem Rest der Welt zu verlieren. Aufnahme vom Feuerwerk beim APEC-Gipfel 2014. (Foto: dpa)
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Folker Hellmeyer, Chefvolkswirrt der Bremer Landesbank. (Foto: Bremer Landesbank)
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Deutsche Wirtschafts Nachrichten:Die EU-Staaten melden immer neue Verluste wegen der Sanktionen gegen Russland. Welchen Schaden haben die Sanktionen Ihrer Einschätzung nach bereits angerichtet?
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Folker Hellmeyer: Der Schaden ist viel umfassender, als es die Statistik sagt. Beginnen wir bei der Ökonomie und den bisher aufgelaufenen Schäden. Der Blick auf den Rückgang der deutschen Exporte per 2014 um 18% oder in den ersten beiden Monaten 2015 um 34% im Jahresvergleich erfasst nur einen Primärausschnitt. Es gibt Sekundäreffekte. Europäische Länder mit starkem Russlandgeschäft, unter anderem Finnland und Österreich, leiden konjunkturell massiv. Diese Länder ordern in der Folge auch weniger in Deutschland. Mehr noch erwägen europäische Großkonzerne zur Umgehung der Sanktionen, Produktionsstätten auf höchster Effizienzebene in Russland zu erstellen. Damit verlieren wir hier potentiellen Kapitalstock, der die Grundlage unseres Wohlstands ist. Russland gewinnt diesen Kapitalstock.
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Deutsche Wirtschafts Nachrichten:  Es ist ja noch nicht abzusehen, dass die Sanktionen in absehbarer Zeit enden. Wie hoch kann die Rechnung gerade für die deutsche Export-Wirtschaft werden?
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Folker Hellmeyer: Deutschland und die EU haben gegenüber Russland ihre ökonomische Zuverlässigkeit zur Disposition gestellt. Das Vertrauensverhältnis ist durch Deutschland und die EU zerrüttet. Um ein solches Vertrauen wieder aufzubauen, bedarf es mehrerer Jahre. Zwischen Unterschrift und Lieferung liegen bei den deutschen und europäischen Exporten im Anlagebau bis zu fünf Jahre. Siemens ist jetzt aus diesem Grunde bei einem Großprojekt rausgeflogen. Alstom hat den Auftrag für die Bahnstrecke Moskau/Peking verloren. Ergo ist das Schadenspotential nicht nur für Deutschland, sondern auch die EU viel massiver als es die aktuellen Zahlen ausdrücken könnten. Genau beziffern lassen sich die zukünftigen Schäden nicht, sie sind definitiv erheblich.
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Mehr noch plant die Achse Peking–Moskau im Rahmen der Shanghai Corporation und der BRIC-Länder das größte Wachstumsprojekt in der modernen Geschichte, den Aufbau der Infrastruktur Eurasiens von Moskau bis Wladiwostok, bis Südchina und Indien. In wie weit die Sanktionspolitik der EU und Deutschlands bei diesen Megaprojekten seitens der aufstrebenden Länder als Affront nicht nur gegen Russland interpretiert werden wird, bleibt abzuwarten.
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Offensichtlich mangelt es einigen Teilnehmern der europäischen Politik an Abstraktionsfähigkeit des vollen Umfangs des eigenen Handelns in unserem Namen.
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Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Wer wird am Ende für den Schaden aufkommen?

Folker Hellmeyer: Der messbare Schaden liegt in entgangenem Wachstum, in entgangenen Lohnzahlungen, in entgangenen Einzahlungen in das Sozialsystem und in entgangenem Steueraufkommen. Das gilt für die vergangenen 12 Monate und  es gilt für die kommenden Jahre. Damit zahlen die Menschen in Deutschland und der EU diesen Preis durch entgangene Wohlstands- und Stabilitätsmehrung. Der nicht messbare Schaden liegt in einer erhöhten geopolitischen Risikolage für die Menschen in der EU.
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Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Wenn man die Lage in der Ukraine einigermaßen nüchtern betrachtet: Die Regierung in Kiew scheint vor allem daran interessiert zu sein, die Lage am Köcheln zu halten, um immer neue Kredite zu bekommen. Spricht eigentlich irgendein westlicher Politiker auch mal ein klares Wort mit denen?
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Folker Hellmeyer: Es ist in der Tat irritierend. Menschen, die nicht nur auf „westliche Qualitätsmedien“ fokussiert sind, sind erstaunt über das mediale Ausblenden der Aggressionen Kiews und der durch die Regierung Kiews umgesetzten diskriminierenden Gesetze, die zu dem Anspruch westlicher Werte und Demokratie in einem krassen Missverhältnis stehen. Ich halte Herrn Steinmeier zugute, dass er in der Tat hinter verschlossenen Türen Klartext spricht. Die Frage ist, ob das Verhalten jenseits des Atlantiks Herrn Steinmeier unterstützt. Ich verweise diesbezüglich auf die Einlassungen der US-Interessenvertreterin in Osteuropa Victoria Nuland. Fakt ist, dass bei dem Coup in der Ukraine eine in der Tendenz gegenüber Moskau freundlich gesinnte Oligarchie durch eine jetzt den USA zugewandte Oligarchie ersetzt wurde. Das war Geopolitik, die dritten Kräften, aber definitiv nicht Deutschland, nicht der EU, nicht Russland und auch nicht der Ukraine nützt.
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Hier weiterlesen:
Top-Banker: China gewinnen gegen die USA

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Gruß Hubert

 

 

Veröffentlicht 7. Juni 2015 von hubert wenzl in Politik, Wirtschaft

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Putin zwingt USA zu Gesprächen mit Russland   Leave a comment

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Es ist gut, dass Russland den USA zeigt, dass die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Auch die USA ist auf Russland angewiesen. Die Russen haben die Transit-Genehmigung für Nato-Güter nach Afghanistan widerrufen und so die USA zu Gesprächen gezwungen.

Geschickter Schachzug: Putin zwingt USA zu Gesprächen mit Russland

 

Russlands Präsident Putin hat mit einem geschickten Schachzug die Amerikaner dazu gebracht, wieder mit ihm zu reden: Die Russen haben die Transit-Genehmigung für Nato-Güter nach Afghanistan widerrufen. Damit hängt die Versorgung für 13.000 US-Soldaten in der Luft. US-Diplomaten pilgern nun in kurzen Abständen nach Moskau, um das Problem zu lösen.

Vergangene Woche besuchte US-Außenminister John Kerry seinen russischen Amtskollegen Sergej Lawrow in Sotschi. (Foto: dpa)

Vergangene Woche besuchte US-Außenminister John Kerry seinen russischen Amtskollegen Sergej Lawrow in Sotschi. (Foto: dpa)
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Russlands Präsident Wladimir Putin hat die Amerikaner auf dem falschen Fuß erwischt: Mitten in das Getöse des Kalten Kriegs um die Ukraine hat Russland seine Genehmigung widerrufen, die der Nato erlaubt hat, Nachschub für ihre Soldaten nach Afghanistan über russisches Territorium zu transportieren.
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Der russische Premier Dmitri Medwedew hat am Montag einen Erlass aufgekündigt, der der Nato den Gütertransit über Eisenbahnstrecken, Straßen und per Luft in der gesamten Russischen Föderation erlaubt. Dies war der Nato im Rahmen des UN-Mandats für den Afghanistan-Einsatz garantiert worden. Weil das UN-Mandat Ende 2015 ausläuft und die Nato ihren Rückzug angekündigt hat, haben die Russen die Transit-Genehmigung nun offiziell widerrufen. Mit diesem geschickten Schachzug ist es den Russen gelungen, die Amerikaner zu ärgern, ohne sich selbst eine Provokation anhängen lassen zu müssen.
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Für die Amerikaner stellt die russische Maßnahme ein Problem dar: Sie wollen bis Ende 2016 noch insgesamt 13.000 Nato-Soldaten in Afghanistan stationiert lassen, um Anti-Terror-Operationen zu koordinieren. Ob die Soldaten danach wirklich abziehen, ist unklar. In jedem Fall brauchen die US-Truppen eine Versorgungslinie, um den Einsatz in Afghanistan durchführen zu können.
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Deshalb hat in den vergangenen Wochen eine hektische Besuchs-Diplomatie eingesetzt: Zuerst traf Außenminister John Kerry Präsident Putin in Sotschi, am Montag war Obamas Sonderbeauftragte Victoria Nuland in Moskau. Ebenfalls nach Moskau pilgerte, wie die FT meldet, der Sonderbeauftragte für Syrien, Daniel Rubinstein. Die hochrangigen Treffen sind ein Erfolg für Moskau, weil sie zeigen, dass die Amerikaner geopolitisch ohne die Russen nicht mehr agieren können.
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Für die US-Außenpolitik hat der Einsatz für die eigenen Soldaten immer Priorität. Daher kann man davon ausgehen, dass das Thema der Versorgung mit Russland intensiv diskutiert wird. Die Russen halten sich bei dem Thema auffallend bedeckt und haben bei der Besuchs-Offensive auf Propaganda weitgehend verzichtet. Ob das Transit-Thema Teil von umfassenderen Gesprächen eines Interessens-Austauschs über die Ukraine und Syrien ist, ist nicht klar. Rubinsteins Besuch legt eine solche Vermutung nahe.
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Die Durchfuhr militärischer Nato-Güter durch Russland war seit dem Jahr 2008 gestattet. Zuvor wurde im Jahr 2001 ein UN-Dokument verabschiedet, welches die Regelnfür den Transit festlegte. Das Dokument etablierte eine International Security Assistance Force (ISAF) in Afghanistan und fordert alle Staaten auf, die Mission zu unterstützen. Für den Gütertransfer per Luft ist insbesondere der Flughafen Uljanowsk-Wostotschnij wichtig.
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Das UN-Mandat für das militärische Engagement in Afghanistan läuft Ende Dezember 2015 aus. Es bildet die völkerrechtliche Grundlage für den ISAF-Einsatz. Der aktuelle Afghanistan-Einsatz läuft unter der jüngsten Resolution des UN-Sicherheitsrats 2210 (2015).

Putin zwingt USA zu Gesprächen mit Russland

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Gruß Hubert

 

 

Veröffentlicht 21. Mai 2015 von hubert wenzl in Politik

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Russland, Hindernis für das “Globale Amerika”   Leave a comment

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Die USA hätte gern Zugriff auf die Rohstoffe Russlands. Jemand aus den USA (ich weiß nicht mehr wer) sagte mal, es sei ungerecht, dass Russland die gesamten Rohstoffe in Sibirien für sich allein habe. Da wären gerade die USA die Richtigen etwas abzutreten. Gefährlich ist bei den Amerikanern ihr Sendungsbewusstsein. Sie glauben ihr Weg sei der einzig richtige und sie müssen die ganze Welt damit überziehen.
Ich finde den Artikel für gut, unabhängig davon von wem er kam.

Russland stellt eines der wichtigsten geopolitischen Hindernisse für Washington dar. Es weitet seine Einflusssphäre aus und zeigt der Welt, das es im Bereich der Energiepolitik nicht übergangen werden kann.

 

 

Dieser Beitrag erschien bereits vor der Ukraine-Krise und wurde aus aktuellem Anlass erneut veröffentlicht. Der Autor des Textes ist unterdessen als Kandidat der Front National ins Europäische Parlament eingezogen. Die Redaktion distanziert sich aufgrund dessen von Chauprade, hält aber den Text als solchen nach wie vor für lesenswert.

Von Aymeric Chauprade

Während die Vereinigten Staaten seit dem 11. September 2001 versuchen, ihr Projekt der Umgestaltung der Welt nach dem Bildnis der von ihren Gründervätern erträumten demokratischen und liberalen Gesellschaft zu beschleunigen, treten die nicht-westlichen Gesellschaften ihr auf diesem Weg entgegen und behaupten ihren Willen zur Macht.
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Insbesondere Russland stellt einen der wichtigsten geopolitischen Hindernisse für Washington dar. Es weitet seine Einflusssphäre aus und zeigt der Welt, das es im Bereich der Energiepolitik nicht übergangen werden kann.
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Einer der klassischen Autoren der Geopolitik, der Brite Halford J. Mackinder (1861-1947), der in Oxford Geographie unterrichtete, vertrat als zentrale These, dass sich die großen geopolitischen Dynamiken rund um das Herzland (Heartland) Eurasiens anordneten. Der Dreh- und Angelpunkt (Pivot) der Weltpolitik im Herz Eurasiens, den die Seemächte nicht erreichen konnten, ist Russland – ein Imperium, “das in der gesamten Welt die gleiche strategische Position einnimmt, wie Deutschland in Europa.”
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Rund um dieses Epizentrum der weltweiten geopolitischen Erdstöße, geschützt durch einen Gürtel natürlicher Hindernisse (sibirische Leere, Himalaya, Wüste von Gobi, Tibet), den Mackinder den inneren Halbmond (inner crescent) nennt, breiten sich die Ufer des eurasischen Kontinents aus: Westeuropa, der Nahe und Mittlere Osten, Süd- und Ostasien.
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Jenseits dieser Ufer, hinter den maritimen Hindernissen, vervollständigen zwei Inselsysteme den Rahmen rund um das Heartland: Großbritannien und Japan, Brückenköpfe eines weiter entfernten Halbmondes, zu dem die Vereinigten Staaten zählen.
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Nach dieser Sicht der Welt müssen die globalen Seemächte, die Thalassokratien, deren Interessen Mackinder verteidigt, die kontinentale Einheit Eurasiens verhindern. Sie müssen die Ost-West-Spaltung der wichtigsten Kontinentalmächten aufrechterhalten, die in der Lage wären ein Bündnis einzugehen (Frankreich/Deutschland, Deutschland/Russland, Russland/China) aber auch die Küsten des eurasischen Kontinents kontrollieren.
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Diese angelsächsische Matrix, die man sowohl im Fall des britischen Empires des 19. Jahrhunderts, als auch bei der amerikanischen Thalassokratie des 20. Jahrhunderts anwenden kann, ist weiterhin relevant, um die heutige Geopolitik zu begreifen.
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Die Theorie von Mackinder erinnert uns an zwei Dinge, die die angelsächsischen Thalassokratien nie vergessen haben: es kann kein Projekt einer Großmacht Europa geben ohne ein starkes und unabhängiges Deutschland (Deutschland ist seit 1945 weitgehend unter amerikanischem Einfluss); es gibt kein weltweites Gleichgewicht gegenüber dem amerikanischen Globalismus ohne ein starkes Russland.
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Amerika will das “Globale Amerika”; das Ziel seiner Aussenpolitik, jenseits der bloßen Optimierung der ökonomischen und strategischen Interessen des Landes, ist die Umwandlung der Welt nach dem Bildnis der amerikanischen Gesellschaft. Amerika ist messianisch und das ist der innerste Antrieb seiner Machtprojektion. Als sie 1941 die Atlantikcharta unterzeichneten, gaben Roosevelt und Churchill einer erträumten Weltregierung eine Agenda zur Organisation der liberalen und demokratischen Globalisierung.
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Bis 1947 strebte Amerika eine Konvergenz mit der UdSSR an, um mit ihr eine Weltregierung zu bilden, obwohl die beiden amerikanischen und sowjetischen Globalismen offensichtlich unvereinbar waren. Zwei Jahre nach dem europäischen Zusammenbruch von 1945 verstanden die Amerikaner, dass sie die Sowjets nicht in ihren liberalen Globalismus werden aufnehmen können und sie fanden sich damit ab, ihr Projekt geographisch einzuengen: Der Atlantizismus ersetzte vorübergehend den Globalismus.
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Russland, Hindernis für das “Globale Amerika”

 

Gruß Hubert

Veröffentlicht 16. April 2015 von hubert wenzl in Politik

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Die wichtigsten Fragen zur Ukraine-Krise auf einen Blick   Leave a comment

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Ich stellte mir schon oft die Frage, warum europäische Politiker so fügsam sind, wenn Orders, Wünsche, Ermahnungen aus den USA kommen. Es scheint so, dass sie nicht in Freiheit entscheiden und man komproittierende Geheimnisse von Seiten der US-Geheimdienste über sie in der Hand hat. Genau das wird in diesem Artikel zur These gemacht.
„Die Palette geht vermutlich von langjähriger Karriereförderung bishin zu direkten Erpressungshebeln durch potenzielle skandalträchtige Veröffentlichungen. Nicht umsonst geben die Amerikaner Milliarden Dollar für umfassende Abhörmaßnahmen aus.“
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Freitag, 6. Februar 2015

Da die westlichen Wahrheitsmedien die Chronologie der Ukraine-Krise und wichtige Details mit der Zeit gern wieder unter den Teppich kehren, um ein Bild der unprovozierten russischen „Aggression“ in der Ukraine zu zeichnen, wird hier anlässlich des baldigen Jahrestags des Umsturzs in Kiew eine Sammlung von wichtigsten Fragen publiziert, die nicht aus dem Blickfeld verloren gehen sollten.
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Kam die Krimkrise im März 2014 aus heiterem Himmel?
Natürlich nicht. Ihr unmittelbarer Anlass war der verfassungswidrige Umsturz in Kiew nach drei Monaten des Euromaidans. Die Krimbewohner fürchteten um ihre ohnehin extrem beschnittene Autonomie, erkannten die neuen nationalistischen Machthaber nicht als legitim an und sahen für sich keinen Ausweg mehr, als den Staatsverband der Ukraine zu verlassen, in den sie historisch ohnehin gegen ihren Willen gezwungen wurden.
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War die Abspaltung der Krim ein Völkerrechtsbruch?
Nicht zwingend. Das Völkerrecht basiert auf zwei gleich wichtigen Prinzipien, die sich häufig widersprechen: territoriale Integrität und das Recht auf Selbstbestimmung. Was davon in der konkreten Situation überwiegt, muss von Fall zu Fall überprüft werden. Nach dem Kosovo-Präzedenzfall entschied das UN-Gericht 2010, dass eine einseitige Unabhängigkeitserklärung nicht gegen das Völkerrecht verstößt. Sie kann gegen das nationale Recht verstoßen, was historisch die gängige Praxis bei den meisten Unabhängigkeitserklärungen (und auch im Falle der Krim) war. Allerdings war dies kein größerer Verstoss, als die gerade stattgefundene bewaffnete Machtergreifung in Kiew, bei der auch noch das Verfassungsgericht auseinandergejagt wurde. Niemand kann von der Krim erwarten, sich an eine Verfassungsordnung zu halten, die gerade in der Hauptstadt aufgelöst wurde. In einer solchen unbestimmten revolutionären Situation wiegt das Recht auf Selbstbestimmung in der Regel noch mehr, siehe Zerfall so mancher Großreiche im 20. Jahrhundert.
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Haben die Russen die Krim etwa nicht besetzt und annektiert?
Die russischen Truppen waren auf der Krim seit Jahrzehnten durch einen gültigen Vertrag mit der Ukraine stationiert. Nach dem Maidan-Umsturz in Kiew folgten sie dem Aufruf des im Gegensaz zu den Machthabern in Kiew legitimen Krim-Parlaments, die Sicherheit des geplanten Referendums zu gewährleisten. Die Krim fürchtete einen massiven Zustrom der Radikalen vom Maidan und den Einsatz der auf der Krim stationierten ukrainischen Armeeeinheiten. Die russischen Soldaten blockierten die ukrainischen Kasernen und die Landenge zum ukrainischen Festland. Auf diese Weise wurde eine freie Willensäußerung ermöglicht, die sonst unterdrückt worden wäre. Zahlreiche unabhängige europäische Beobachter haben den fairen Ablauf des Referendums bestätigt, auch wenn die OSZE die Einladung aus politischen Gründen ausschlug. Der Beitritt der Krim zur Russischen Föderation erfolgte durch den Mehrheitswillen und völlig blutlos. Auf diese Weise ist das weder eine Besetzung noch eine Annexion gewesen.
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Waren die radikalen Nationalisten auf dem Maidan nicht eine Minderheit?
Die Kampftruppen des Rechten Sektors und die Swoboda-Partei waren zunächst eine Minderheit, spielten aber im zunehmenden Verlauf des Maidans eine immer zentralere Rolle. Sie waren es, die sich immer neue Straßenschlachten mit der Polizei lieferten, der es nicht erlaubt war, irgend etwas außer defensiven Aktionen zu unternehmen. Es waren die radikalen Nationalisten, die am 22. Februar die Situation aus dem gerade unterschriebenen Vertrag zwischen Janukowitsch, den Maidan-Führern und den drei EU-Außenministern nutzten. Als Janukowitsch praktisch die gesamte Berkut-Polizei aus Kiew abzog, stürmten sie die Präsidialadministration. Sie waren es, die den eigentlich Staatsstreich durchführten. Anschließend verprügelten und schüchterten sie zahlreiche Parlamentarier ein.
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Hat Janukowitsch die Eskalation nicht selbst verursacht, als seine Scharfschützen in die Menge schossen?
Es gibt zahlreiche Hinweise darauf, dass die Schüsse aus Gebäuden kamen, die zu diesem Zeitpunkt von den Maidan-Aktivisten besetzt waren. Dutzende Protestierende und Polizisten wurden von den Kugeln gleichen Kalibers erschossen. Die Frage, wem die Eskalation nützte, ist relativ leicht zu beantworten. Ein weiterer dubioser Aspekt ist, dass die neuen Machthaber die Untersuchung dieses prominenten Falls bis heute sehr lasch durchführen und immer noch keine Schuldigen präsentieren können, die angeblich auf der Polizei-Seite zu suchen wären.
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War der Westen am Maidan-Umsturz beteiligt?
Der Westen war maßgeblich am Maidan-Umsturz beteiligt. Nicht erst seit den Offenbarungen von Victoria Nuland wissen wir, dass der Westen große Summen (5 Milliarden US-Dollar) in den Aufbau von hörigen Strukturen investierte. Die abgehörten Telefonate legen nahe, wie die US-Botschaft, die außerdem beinah täglich von den Führern des Maidans besucht wurde, im Hintergrund den Maidan koordinierte. Westliche Politiker zeigten mit ihren Pilgerreisen auf den Maidan ganz offen ihre Unterstützung. Die „Garantien“, die sie mit ihrer Unterschrift am 21. Februar abgegeben haben, haben sie ganz schnell wieder vergessen, als die Situation gegen Janukowitsch ausgenutzt wurde.
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Was geschah in der Ostukraine?
In der Ostukraine hielt die Bevölkerungsmehrheit den Umsturz in Kiew genauso wenig für legitim, wie die Bevölkerung der Krim. Es begannen zahlreiche Proteste, die mit Forderungen nach mehr Selbstverwaltung und einer Föderalisierung des Landes einhergingen. Die Menschen forderten aber auch staatlichen Schutz vor radikalen bewaffneten Banden vom Maidan. Die Proteste erstreckten sich auf zahlreiche Städte von Charkow bis Odessa. Als wochenlang niemand auf ihre Forderungen einging und die Proteste wie etwa in Charkow von Radikalen angegriffen wurden, wurden diese ebenso zunehmend radikaler. Es fanden analog zur Westukraine Erstürmungen der lokalen Administrationen und Polizeistationen statt. Im Donbass schafften es die Menschen, sich zu bewaffnen, wohingegegen die Proteste in Charkow und Odessa sehr blutig unterdrückt werden konnten.
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Haben die Russen die Ostukrainer militärisch unterstützt?
Es gab im Verlauf des letzten Jahres in der Tat viele Freiwillige aus Russland, darunter auch mit militärischer Erfahrung, die in der Ostukraine auf Seiten der Aufständischen kämpften. Genauso, wie sich Belege für die Anwesenheit internationaler Söldner auf ukrainischer Seite mehren. Überzeugende Belege für die Beteiligung regulärer russischer Truppen oder für russische Waffenlieferungen konnten bisher trotz plakativer Behauptungen der Ukraine und des Westens nicht vorgelegt werden. Höchstens gab es nur verschwommene angebliche Bilder aus militärischer Satellitenüberwachung, die gegen Google Maps wie Steinzeit wirken. Das kann man getrost als das Fehlen von wahren Beweisen interpretieren, die die USA im Fall ihrer Verfügbarkeit mit größtem Eifer vorgelegt hätten. Im Zeitalter von Handykameras ist das Fehlen von Aufnahmen russischer Truppen oder Waffenlieferungen als ein Beweis ihrer Abwesenheit zu werten.
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Woher nehmen die Aufständischen dann ihr Kriegsgerät?
Auf dem Gebiet des Donbass gab es große Militärbasen und Lager aus ehemaligen sowjetischen Bestand. Obendrein ließ Janukowitsch in den letzten Wochen seiner Präsidentschaft zahlreiche Schusswaffen aus den Polizeistationen im Westen des Landes hierher transportieren. All das ist den Aufständischen beim Besetzen der Polizeistationen in die Hände gefallen. Der Donbass ist ein Industriegebiet mit zahlreichen technischen Voraussetzungen, um Kriegsgerät auf Vordermann zu bringen. Zahlreiche Panzer wurden in den Gefechten mit der ukrainischen Armee erbeutet, andere wurden den korrupten ukrainischen Generälen abgekauft. Unterm Strich kämpfen die Separatisten jedoch mit relativ alten und unmodernen Waffen, was zusätzlich auf das Fehlen von Belieferung aus Russland hindeutet.
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Wer trägt die Schuld am tausendfachen Tod von Zivilisten?
Die Kiewer Propaganda bezeichnet die Aufständischen offiziell als Terroristen und macht sie für alle Todesopfer verantwortlich, obwohl die überwiegende Zahl der Opfer durch Artilleriebeschüsse im Hinterland der Aufständischen stirbt. Kiew stellt das immer als Selbstbeschuss dar, was die Intelligenz jedes denkenden Menschen geradezu beleidigen muss. Es gibt keinen einzigen Beweis für eine derart zynische Einstellung der Aufständischen ihren eigenen Landsleuten gegenüber. Hingegen gibt es ausreichend Beweise für solchen Zynismus seitens der Kiewer Machthaber und der radikalen Frewilligenbataillons, sowohl was ihre Statements anbetrifft („subhumans„), als auch direkt durchgeführte Kriegsverbrechen, die eindeutig Kiew zuzuschreiben sind, z. B. Luftschläge gegen Zivilisten wie in Lugansk oder Streubomben. Die Aufständischen stammen aus der Region, überall wohnen ihre Verwandten. Sie meiden nach Möglichkeit Beschüsse von Wohngebieten, was ihre Offensive deutlich erschwert, zumal die ukrainischen Truppen das ausnutzen.

Sind die europäischen Politiker frei in ihren Entscheidungen?

Nein, das sind sie nicht. Sie handeln gegen die Interessen ihrer Völker, indem sie die Strategie der Amerikaner in die Tat umsetzen, Europa und Russland zu entzweien. Man kann nur rätseln, mit welchen Mitteln die Amerikaner europäische Top-Politiker bei der Stange halten. Die Palette geht vermutlich von langjähriger Karriereförderung bishin zu direkten Erpressungshebeln durch potenzielle skandalträchtige Veröffentlichungen. Nicht umsonst geben die Amerikaner Milliarden Dollar für umfassende Abhörmaßnahmen aus.

Sind die europäischen Medien frei und ausgewogen bei der Darstellung des Konflikts?

Nein, mit Sicherheit nicht. Es findet eine zunehmende Hofberichterstattung statt, die in Foren, Leserbriefen und Publikumskonferenzen auf scharfe Kritik stößt. Die Öffentlich-Rechtlichen mussten zugeben, dass die Kritik der Zuschauerschaft nie so hoch war, wie während er Ukraine-Krise. Es ist über die meisten Mainstream-Medien hinweg eine fast gleichgeschaltete Rhetorik zu beobachten, die die gesamte Schuld für den Konflikt Russland zuschreibt und die zahlreichen Kriegsverbrechen Kiews im Osten der Ukraine entweder verschweigt oder ihre Urheberschaft durch nebulöse Formulierungen verschleiert.
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Waren die Sanktionen gegen Russland rechtmäßig?
Nein, sie waren und sind nicht rechtmäßig und verstoßen gegen die Regeln der WTO. Obwohl die Sanktionen auf Initiative der USA verabschiedet wurden, tragen die Europäer die deutlich größeren Schäden im Vergleich zu den Amerikanern. US-Vize Joe Biden gab sogar in seiner Harvard-Rede offen zu, dass die Europäer zu den Sanktionen gezwungen werden mussten. In den europäischen Medien gab es über diese skandalöse Offenbarung nahezu ausnahmsloses Schweigen.
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Besteht eine Aussicht auf ein „Einlenken“ Russlands durch die Sanktionen?
Nein. In Russland ist es breiter gesellschaftlicher Konsens, dass die direkten und indirekten Kosten des „Einknickens“ für die nationale Sicherheit, die Wirtschaft und die Rolle auf der Weltbühne mittel- und langfristig noch deutlich höher wären, als alle denkbaren Sanktionen. Den Russen geht es ums Prinzip, um nationale Würde und wahre Souveränität, die keinen Preis haben und die man anderswo in Europa schon längst abgetreten hat.
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Die wichtigsten Fragen zur Ukraine-Krise auf einen Blick

 

Gruß Hubert

 

Merkel richtet deutsche Militär-Doktrin gegen Russland aus   Leave a comment

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Vom Westen wird immer gesagt, dass Russland, also der böse Putin, die Krim annektiert habe. Prof. Dr. Gabriele Krone-Schmalz, die sicher weiß wovon sie redet, sagt, dass es keine Annexion war (siehe Video im Link am Ende). Es wurde höchstens die Verfassung der Ukraine verletzt. Das hat aber nichts mit Annexion zu tun und ist nicht besonders interessant, was das Ausland betrifft. Es geht vor allem um geopolitische Interessen. Die Krim wird nur als Vorwand benutzt um gegen Russland zu hetzen und vor allem Putin schaden zu wollen. Man erinnert sich ja an die Aussagen von Obama: „Obama: Wenn Länder nicht machen was wir wollen…“ Gabriele Krone-Schmalz ist eine angenehme Ausnahme, wenn es um objektive Berichterstattung geht.

Kalter Krieg: Merkel richtet deutsche Militär-Doktrin gegen Russland aus

Angela Merkel sieht Russland nicht mehr als „herausgehobenen Partner“ und will eine neue Militär-Doktrin entwickeln. Die neue Doktrin ist die Folge der geltenden US-Militär-Doktrin: Die Amerikaner sehen in der „Annexion“ der Krim durch Russland die Grundlage für militärische Maßnahmen gegen Moskau. Für die Bundeswehr bietet die neue Doktrin die Möglichkeit, im Rahmen ihrer Nato-Aktionen ein neues Feindbild zu entwickeln.

 

Angela Merkel orientiert sich bei der neuen Militär-Doktrin für die Bundeswehr an der Lagebeurteilung der Nato (links deren Generalsekretär Jens Stoltenberg), die sich wiederum an den Vorgaben aus Washington orientiert. (Foto: dpa)

Angela Merkel orientiert sich bei der neuen Militär-Doktrin für die Bundeswehr an der
Lagebeurteilung der Nato (links deren Generalsekretär Jens Stoltenberg), die sich
wiederum an den Vorgaben aus Washington orientiert. (Foto: dpa)

 
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Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen erstellt im Auftrag der Bundesregierung eine neue Militär-Doktrin. Die sogenannte „Sicherheitsstrategie“ soll das Verhältnis zu Russland neu definieren. Russlands Vorgehen in der Ukraine verändere die Sicherheitsarchitektur in Europa grundlegend, sagte die Ministerin am Dienstag in Berlin bei der Auftakt-Veranstaltung zur Erstellung eines neuen Weißbuchs der Bundesregierung zur Sicherheitspolitik. Deutschland müsse eine angemessene Antwort auf die Politik des russischen Präsidenten Wladimir Putin finden und dürfe sich dabei keinen Illusionen hingeben: „Die neue Politik des Kreml hat schon lange vor der Ukraine-Krise begonnen und wird uns noch sehr, sehr lange beschäftigen“, sagte von der Leyen.
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Das Weißbuch werde sich daher unter anderem mit einer angemessenen Reaktion auf den Versuch Russlands befassen, „geostrategische Machtpolitik und militärische Gewalt als Form der Interessensdurchsetzung zu etablieren, wir müssen fast sagen zu re-etablieren“, sagte die Ministerin. Es gehe darum, wie der Westen dem russischen Vorstoß begegne, international vereinbarte Regeln und verbrieftes Recht durch Dominanz und Einflusszonen zu ersetzen. Dabei spiele es auch eine Rolle, wie irgendwann wieder ein Weg zu einer verlässlichen Nachbarschaft mit Russland möglich sein werde.
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Die Bundesregierung macht sich damit die Argumentation zu eigen, dass Russlands Vorgehen auf der Krim eine völkerrechtswidrige „Annexion“ sei. Die frühere ARD-Korrespondentin in Moskau, Gabriele Krone-Schmalz, hat die Bedeutung dieses Vorwurfs in einer messerscharfen Analyse aufgezeigt (Video am Anfang des Artikels). Ihr Fazit: Der Begriff der „Annexion“ sei der einzige im Völkerrecht vorgesehene Fall, der militärische Gewalt gegen einen anderen Staat legitimiere.
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Mit der neuen Militär-Doktrin will Angela Merkel offenkundig den Vorgaben der Amerikaner folgen, die in der „Annexion“ die Legitimation für militärische Maßnahmen gegen Russland sehen. In einem kürzlich beschlossenen Gesetz hat US-Präsident Barack Obama alle notwendigen Vorkehrungen beschließen lassen, mit denen die Ukraine gegen Russland aufgerüstet werden kann. Das Gesetz muss sich aus russischer Sicht wie eine Kriegserklärung lesen, wenngleich diese Begriffe natürlich nicht in dem Gesetzestext zu finden sind.
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Mit der neuen Doktrin kehrt Deutschland der in den vergangenen Jahren begonnen Annäherung an Russland den Rücken: Im zuletzt erschienenen Weißbuch von 2006 war Russland noch als „herausgehobener Partner” bezeichnet worden, mit dem eine engere Kooperation sowohl in der Europäischen Union (EU) als auch in der Nato angestrebt werde. Doch beim Nato-Gipfel im September in Wales drehte sich der Wind – und die Nato diskutierte darüber, ob Russland eher als Gegner oder gar als Feind zu betrachten sei.
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Für die Bundeswehr hat die neue Doktrin einen großen Vorteil: Die militärische Führung bekommt endlich wieder ein klares Feindbild, an dem sie sich orientieren kann. Daher solle sich, so Reuters über die Pressekonferenz,
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das Augenmerk der Bundeswehr „künftig nicht mehr allein auf die Auslandseinsätze richten…, sondern wieder verstärkt auf die Verteidigung des Nato-Territoriums“. In der Bundeswehr ist diese neue Richtung schon seit einiger Zeit antizipiert worden: Deutsche Soldaten sind an der gegen Russland gerichteten neuen „schnellen Eingreiftruppe“ der Nato maßgeblich beteiligt.
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Das neue Weißbuch soll nach dem Nato-Gipfel im kommenden Jahr fertig sein.
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Merkel richtet deutsche Militär-Doktrin gegen Russland aus

 

Gruß Hubert

Veröffentlicht 19. Februar 2015 von hubert wenzl in Politik

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Bunte Revolutionen: Eine neue Art der US-Kriegsführung   Leave a comment

Der russische Journalist Andrew Korybko beschreibt die „bunte Revolution“ als wichtigen Bestandteil der verdeckten US-Kriegsführung.

Von Andrew Korybko
Information Clearing House, 12.10.14

Gegenwärtig ist weltweit eine Veränderung der US-Strategie zu beobachten. Die USA sind dabei, ihr Rolle als „Weltpolizist“ aufzugeben und zum aus dem Hintergrund operierenden „Strippenzieher“ zu mutieren. Diese grundsätzliche Veränderung ist vor allem daran erkennbar, dass die sehr offensiv ausgerichteten US-Streitkräfte zunehmend defensiver und zurückhaltender agieren. Teil dieser Transformation ist auch das Ersetzen von Einheiten der regulären US-Truppen durch Spezialkräfte Auch von Privatfirmen angeheuerte Söldner (Private Military Contractors / PMCs) spielen eine immer wichtigere Rolle in der US-Strategie. Das heißt natürlich nicht, dass die USA nicht mehr militärisch intervenieren können oder wollen – keineswegs – aber die neue US-Strategie bevorzugt indirektere und heimtückischere Methoden der Einflussnahme und startet nicht mehr sofort Invasionen mit großflächigen Bombenangriffen und (eigenen) Bodentruppen. Sie beherzigt den Rat Sunzis (eines chinesischen Militärstrategen, der empfohlen hat: „Die höchste Kriegskunst besteht darin, den Widerstand des Feindes ohne Kampf zu brechen.“

Das Ergebnis ist eine Mischung aus „bunten Revolutionen“, asymmetrischen Kriegen und dem Einsatz von Söldnern; der direkte Einsatz von US-Kampftruppen lässt sich vermeiden, weil die Stellvertreterkriege von regionalen Verbündeten geführt werden. Indem sich die US- Regierung dieser schmutzigen Methoden bedient, kann sie so tun, als habe sie mit den (von ihr inszenierten) Konflikten überhaupt nichts zu tun. Da keine regulären US-Truppen eingesetzt werden, ist das Risiko, dass es zu einer direkten Konfrontation der USA mit Russland, China oder dem Iran kommt, auch viel geringer, obwohl es in den Stellvertreterkriegen eigentlich nur darum geht, den Einfluss dieser drei Staaten zu verringern.

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Cartoon: Carlos Latuff, Wikimedia, copyright free
Wir sind hier, um Demokratie zu bringen!
Sprechen Sie mir nach
DE-MO-KRA-TIE!

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Der auf ganz Eurasien ausgerichtete Plan der strategischen Destabilisierung und Zerschlagung von Staaten geht auf Zbigniew Brzezinski und das von ihm entwickelte Konzept der Balkanisierung Eurasiens zurück. Die USA sind bei der Umsetzung seines Konzepts flexibel und geben nicht auf, wenn die Destabilisierung irgendwo ins Stocken gerät. Wenn das geschieht, wie es in der Ukraine, in Syrien und im Irak geschehen ist und demnächst vielleicht auch im Südchinesischen Meer geschehen wird, begnügt man sich erst einmal damit, in den an Russland und China angrenzenden Staaten, die sich zur Aufstellung von Raketenabschussbasen eignen würden, ein größtmögliches Chaos anzurichten. Dabei geht es darum, total destabilisierte „schwarze Löcher“ zu schaffen, die Moskau, Peking und Teheran große Probleme bereiten, unabhängig davon, „ob diese intervenieren oder nicht intervenieren“. Natürlich wäre es den USA am liebsten, wenn die ins Visier genommenen Staaten (Russland, China und der Iran) in das Desaster hineingezogen und selbst ausgeblutet und destabilisiert würden – wie die Sowjetunion im sowjetisch-afghanischen Krieg, den Brzezinski vor mehr als 30 Jahren inszeniert hat. Das Abrücken von größeren US-Invasionen in Eurasien und der Abzug aus Afghanistan, in dem wieder Anarchie herrscht, ist gleichzeitig eine Rückbesinnung auf das Konzept Brzezinskis und könnte für die eurasischen Großmächte (Russland und China) zu einer gefährlichen Falle werden.
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Die guten Erfahrungen, die US-Regierungen mit der Ausbildung und Bewaffnung der Mudschaheddin bei der Anzettelung des sowjetisch-afghanischen Krieges gemacht haben, können rückblickend als erster erfolgreicher Schachzug der (alten und) neuen aus dem Hintergrund agierenden US-Strategie angesehen werden. Schon damals hat die US-Regierung Pakistan und andere islamische Staaten dazu angestiftet, in Afghanistan die Saat der Verwirrung zu säen, und dabei gleichzeitig die internationale Söldnertruppe Al-Qaida geschaffen, die Afghanistan so destabilisiert hat, dass die Sowjetunion dem Drang, einzugreifen, nicht widerstehen konnte. Das war die von Anfang an verfolgte Absicht, und sie war äußerst erfolgreich. Der Stellvertreterkrieg in Afghanistan war gleichzeitig der Höhepunkt des Kalten Krieges; er störte das internationale „Gleichgewicht des Schreckens“ und leitete den Zusammenbruch der Sowjetunion ein, der 1991 erfolgte. Damit zerbrach auch das globale Gleichgewicht (der beiden Weltmächte), und die USA blieben als einzige Supermacht übrig. Die in Afghanistan praktizierte US-Strategie des Agierens aus dem Hintergrund wurde anschließend als überholt angesehen, denn die USA hatten jetzt die Macht und Möglichkeit, überall auf der Welt direkt und mit eigenen Streitkräften einzugreifen.

Der unipolare Versuch, den US-Machtbereich durch Schock und Entsetzen auszudehnen

Trunken vor Macht nach dem Sieg im Kalten Krieg, lösten die USA eine ganze Flut militärischer Interventionen aus, die mit dem Ersten Golfkrieg (Vater Bushs) begann. Obwohl dieser Krieg als multinationale Operation ausgegeben wurde, waren die USA die treibende Kraft der sich streitenden Koalition. Einige Jahre danach bombardierten die USA dann serbische Stellungen in Bosnien, bevor sie die NATO in einen Krieg gegen Serbien um das Kosovo trieben. Die Bombardierung Serbiens machte den russischen Entscheidungsträgern klar, dass sie ihr Land vor künftigen Bedrohungen schützen mussten; deshalb begannen sie ihre Rüstungsindustrie zu modernisieren, um die USA und die NATO von einem direkten Angriff auf Russland abschrecken zu können. Das führte nicht zu einer sofortigen Änderung der US-Strategie, der Machtrausch der USA hatte seinen Höhepunkt noch nicht erreicht.
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Nach den Terroranschlägen am 11. September 2001 überfielen und besetzten die USA Afghanistan, ein Land auf der anderen Seite der Welt und fast im Herzen Eurasiens. Diese massive Ausweitung der US-Militärmacht und der Zugriff auf Eurasien waren beispiellos, aber noch nicht der Höhepunkt der neuen Ära nach dem Kalten Krieg. Der Gipfel des US-Machtrausches war erst mit der „Schock und Entsetzen“ verbreitenden Invasion des Iraks erreicht. Der massive US-Bombenkrieg gegen den Irak war eine Machtdemonstration, die dem Rest der Welt beweisen sollte, dass die USA als einzige Supermacht übriggeblieben waren. Deshalb schafften sie auch riesige Mengen von Soldaten und Waffen in den Mittleren Osten. Ironischerweise trugen die hohen Kriegs- und Besatzungskosten entscheidend zum Verfall der Macht der USA bei und ermöglichten es anderen Staaten wie Russland und China die Herausforderung anzunehmen und ihre eigenen Interessensphären gegen den Anspruch der USA zu verteidigen.

Die Balkanisierung Eurasiens

1997, mitten in der unipolaren Phase, veröffentlichte Brzezinski sein Buch „The Grand Chasboard“ [Das große Schachbrett, in dem er den USA empfahl, ihre geostrategischen Bemühungen auf Eurasien zu konzentrieren; dazu machte er auch wichtige Vorschläge. Er forderte die USA auf, sich die Vorherrschaft über Eurasien zu sichern und deshalb mit allen Mitteln ein Bündnis zwischen Russland und China zu verhindern. Die strategische „Balkanisierung“ möglichst vieler Gesellschaften auf dem riesigen eurasischen Kontinent sah er als bestes Mittel zu dessen Destabilisierung an. Logisch zu Ende gedacht, schlug er vor, Eurasien mit eine Welle inszenierter ethnischer, religiöser und politischer Konflikte in die Anarchie zu stürzen und damit letztlich auch Russland, China und den Iran zu zerschlagen. Die US-Kriege in Afghanistan und im Irak und ihre chaotischen Nachwirkungen können durchaus der Philosophie Brzezinskis zugeschrieben werden. Um die Destabilisierung Eurasiens zu beschleunigen und sich mehr Einfluss in Asien zu verschaffen, streben die USA auch heute noch Regimewechsel in wichtigen Staaten an.

Regimewechsel

Regimewechsel gehörten schon immer zum Instrumentarium der US-Außenpolitik, auch schon bei dem verdeckt inszenierten Sturz der syrischen Regierung im Jahr 1949. Die CIA hat seither schätzungsweise mehr als 50 Regierungen gestürzt oder zu stürzen versucht, die US-Beteiligung wurde aber nur bei sieben Staatsstreichen zugegeben [Karte s. hier]. Die Beteiligung der USA an Staatsstreichen kann direkt oder indirekt erfolgen. Direkt beteiligt an Staatsstreichen waren die USA zum Beispiel 1989 in Panama und 2003 im Irak und indirekt an dem Umsturz der 1953 im Iran stattfand, ebenso an allen durch bunte Revolutionen herbeigeführten Regimewechseln.
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Der Regimewechsel in der Ukraine hat die US-Regierung nur 5 Milliarden Dollar gekostet, also nur einen Bruchteil der Kosten verursacht, die entstanden wären, wenn einmarschierende US-Truppen Janukowytsch gestürzt hätten. Außerdem wäre das wegen möglicher internationaler Verwicklungen und der wiedererstarkten russischen Streitkräfte kaum möglich gewesen und hätte sogar einen Krieg zwischen den USA und Russland auslösen können. Wenn auch die Interessen anderer Großmächte eine Rolle spielen, sind bei einem beabsichtigten Regimewechsel verdeckte Maßnahmen vorzuziehen. Die durch einen Regimewechsel an die Macht gehievte Regierung muss auch international anerkannt werden. Da die westliche Demokratie als rechtmäßige Regierungsform anerkannt ist, wird ein Regime, das durch eine vom Westen inszenierte bunte Revolution an die Macht gekommen ist, vom Westen auch sofort als legitim anerkannt.

Bunte Revolutionen

Vom Westen inszenierte bunte Revolutionen dienen dazu, pro-westliche Staatsstreiche zu provozieren. Dabei werden vor allem soziale Medien und NGOs genutzt, um Gesellschaften zu infiltrieren, pro-westlichen Gruppierungen Einfluss zu verschaffen und diesen nach dem Sturz der bisherigen Regierung die Machtübernahme zu ermöglichen. Weil unzufriedene Menschen leicht zu manipulieren sind, wird der Eindruck erweckt, die Masse der Bevölkerung erhebe sich gegen ein tyrannisches Regime. Die westlichen Medien stellen in ihrer irreführenden Berichterstattung inszenierte Staatsstreiche als Wechsel zur Demokratie dar und verunglimpfen gleichzeitig alle legitimen Versuche der bisherigen Regierungen, Staatsstreiche zu verhindern, als illegitime Unterdrückungsmaßnahmen. Mit der von Gene Sharp entwickelten Taktik der „gewaltfreien Aktion“ lässt sich der soziale Protest der auf der Straße demonstrierenden Menschenmassen leicht manipulieren und in eine ganz andere Richtung lenken.
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Diese neue Methode der Kriegsführung ist äußerst effektiv, weil sie die Führung des angegriffenen Staates in eine kaum zu meisternde Zwangslage bringt: Kann die angegriffene Regierung Gewalt gegen protestierende Zivilisten anwenden, die nicht erkennen, dass sie politisch manipuliert und von militanten rechten Drahtziehern als menschliche Schutzschilde benutzt werden? Wie soll die angegriffene Regierung verhindern, dass die westlichen Medien sie vor der Staatengemeinschaft diskriminieren, selbst wenn sie sich nur mit legalen Maßnahmen zur Wehr setzt? Die Strategie der bunten Revolutionen erinnert an Catch-22 (einen Roman von Joseph Heller, weil sie der angegriffenen Regierung unlösbare Probleme aufhalst; deshalb ist es auch nicht schwierig, zu verstehen, warum in postsowjetischen Staaten und auch darüber hinaus bunte Revolutionen inszeniert wurden und immer noch werden.
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Die bunten Revolutionen haben die traditionellen CIA-Staatsstreiche abgelöst und sind zur bevorzugten Methode bei allen verdeckt inszenierten Regimewechseln geworden.

Andrew Korybko ist der politische Korrespondent der STIMME RUSSLANDS für die USA; er lebt und studiert derzeit in Moskau und schreibt ausschließlich für die ORIENTAL REVIEW.

Übersetzung: Wolfgang Jung, luftpost-kl.de

Quelle:

http://principiis-obsta.blogspot.it/2014/10/bunte-revolutionen-eine-neue-art-der-us.html

 

Gruß Hubert