Archiv für das Schlagwort ‘gesellschaftliche Kastration

Was vom Manne übrig blieb – Das Problem der männlichen Identität   2 comments

Ich möchte hier mal einiges wiedergeben, wo hervorgeht, dass Männer längst nicht immer zu den Bevorteilten in der Gesellschaft gehören. Von einem männerverachtenden Feminismus á la Alice Schwarzer kann man sich nur mit Grausen abwenden. Für die ist männlich gleich unmenschlich. Aber haken wir diese „Frau“ ganz schnell ab. Es gibt Interessanteres und Wichtigeres – und vor allem auch Wissenschaftlicheres. Vom Feindbild Mann sollte Frau sich schnell verabschieden.

Hier ein Auszug aus cuncti.net

Was vom Manne übrigblieb

Im Folgenden möchte ich einige Bemerkungen zu Problemen der männlichen Identität in der heutigen Gesellschaft machen. Die Betonung liegt auf „Bemerkungen“. Im Gegensatz zu der Lebenssituation von Frauen, die inzwischen eigentlich in allen Schattierungen und auf allen Lebensstufen sehr gut erforscht worden ist, sind Männerwelten bisher eher rudimentär beschrieben worden. Freuds „dark continent“ sind heute die Männer, nicht mehr die Frauen. Das ist auch ein stückweit die Verantwortung von Männern, aber nicht nur.

Damit bin ich eigentlich gleich bei meiner ersten These. Die öffentliche Wahrnehmung ist durch den Einfluss von Frauenbewegung und Feminismus in den letzten Jahren sehr selektiv eingestellt worden. Weibliches Problemverhalten wird öffentlich kaum thematisiert, andererseits werden männliche Probleme, vor allen Dingen männliche Benachteiligungen nicht wahrgenommen.

Ich versuche das an einem – wie ich finde – sehr eindrücklichen Beispiel aus den USA zu verdeutlichen. Joan Ryan, selber Feministin, hat vor kurzem einen größeren Artikel im „San Francisco Chronicle“ geschrieben über Selbsttötung in der Adoleszenz. Motivation war, dass einer der Freunde ihres einzigen Sohnes sich selber umgebracht hat. Dieser Suizid hat sie sehr erschüttert, weil es ihren Sohn sehr erschüttert und ihr auch eine große Angst ausgelöst hat. Sie ist dem Fall dann nachgegangen und ist über den konkreten Fall auf das statistische Material gestoßen, das belegt, dass mehr als 86% der Selbsttötungen im Jugendalter in den USA auf Jungen entfallen.

Joan Ryan hat dann die Fantasie entwickelt, wie die gesellschaftliche Reaktion wohl aussähe, wenn es umgekehrt wäre. Dann – so beschreibt sie – gäbe es einen nationalen Aufschrei. Die Zeitungen wären voll davon; die großen nationalen Talkshows nähmen sich des Themas an; die Regierung würde sofort Geld für Präventionsprogramme zur Verfügung stellen usw. Dann schreibt sie: „Meine feministischen Schwestern und ich würden uns sogleich fragen, was läuft denn falsch in einer Kultur, in der so viel mehr Mädchen als Jungen gezwungen sind, ihrem Leben selber ein Ende zu setzen?“.

Dass sich männliche Jugendliche suizidieren, ist es aber kein öffentliches Problem. Es wird auch in unseren Breitengraden unproblematisiert hingenommen, dass sich in der Adoleszenz 8-10 mal mehr Jungen umbringen als Mädchen, und im Erwachsenenalter 3-4 mal mehr Männer als Frauen.

Männnlichkeit scheint gesellschaftlich nicht mehr viel wert zu sein. Vor ein paar Jahren hat ein Meinungsforschungsinstitut in Berlin einige tausend Berlinerinnen und Berliner gefragt, ob sie stolz auf ihr jeweiliges Geschlecht seien. 81% der Frauen haben es bejaht, aber nur 17% der Männer.

Das kann man als Beleg nehmen für die gegenwärtige Identitätskrise des männlichen Geschlechts. Aus früheren Zeiten lassen sich andere Dokumente finden. Goethe formuliert in seinem Drama „Egmont“: „Welch Glück sondergleichen, ein Mannsbild zu sein“. Nun werde ich das selbstverständlich nicht als Ideal präsentieren, zumal es vielleicht auch ungerecht gegenüber Goethe wäre, der ja auch ganz andere Männerbilder beschrieben hat, z.B. im Werther.

Wesentlich erscheint mir in diesem Kontext, dass eine solche Überhöhung und Idealisierung des eigenen Geschlechts – ob sie nun früher in Bezug auf Männer oder heute ja häufig in Bezug auf Frauen formuliert wurden – immer auch bedeutet eine Abwertung und Deformierung des jeweilig anderen Geschlechts. Friedrich Nietzsche hat in seinem Essay „Jenseits von Gut und Böse“ geschrieben: „Der Mann muss das Weib als Besitz, als verschließbares Eigentum auffassen.“ Vor knapp mehr als 100 Jahren hat der Leipziger Arzt Paul Möbius einen kleinen Bestseller gelandet mit dem Titel „Über den physiologischen Schwachsinn des Weibes“. Das könnte man ausdehnen, also auch auf hauseigene Autoren und Vorbilder wie z.B. Sigmund Freud, das schenke ich mir jetzt.

Dieses androzentrische Erbe sollten Männer nicht vergessen. Das ist das eine, das andere ist, dass solche Idealisierungen immer auch verbunden sind mit einem Defizit an Selbsterkenntnis und Selbstreflexion. Wer sich selbst erhöht, der vermeidet ja auch kritisches Nachdenken über sich selbst, und das ist sicher nach wie vor noch ein Problem von nicht wenigen Männern.

Ein Beispiel dazu. Kurz vor der inzwischen vorletzten Bundestagswahl hat die „Brigitte“ ein langes Interview mit dem damaligen Kanzler veröffentlicht. Es war überschrieben mit einem Zitat von Gerhard Schröder :“Es reicht doch, wenn ich Ich bin.“ Das ist typischer Ausdruck dieser traditionellen, selbstherrlichen Haltung, die nur sich selber wahrnimmt.

Kurz eine allgemeine Bemerkung: In den Sozialwissenschaften wird „Identität“ differenziert in personale und soziale Identität. Unter personaler Identität versteht man das Bild, das wir so von uns selbst entwerfen, wie wir uns selbst sehen und wahrnehmen, also unser Selbstkonzept. Die soziale Identität ist das, was wir an Status erworben haben, was wir an Rollen in der Gesellschaft übernehmen müssen.

Diese Trennung ist eine theoretische. Das Selbstkonzept speist sich realiter sehr stark aus den eigenen sozialen Erfahrungen, und offenbar ist es auch so, dass dies bei Männern das noch ein Stück stärker ist als bei Frauen.

Bei Männern ist Identität auch stärker verbunden mit der eigenen Arbeitsleistung und mit dem, was man arbeitend erreicht hat. Der Arbeitsmann ist eigentlich immer noch in unserer Kultur das Maß aller Dinge, obwohl das von der Realität längst überholt wurde. Ich nenne nur einige Indikatoren:

Arbeit ist heute für keinen Mann mehr eine lebenslange Garantie, wie in den 50er und 60er Jahren. Auch die männliche Ernährerrolle ist mitnichten mehr eine Selbstverständlichkeit. Im Gegensatz dazu steht, dass Männer immer noch auf diese Ernährerroller-Rolle fixiert sind – selbst dann, wenn ihre Frauen wesentlich mehr verdienen als sie und sie also allenfalls Nebenverdiener sind.

Das worüber Männer arbeitend sich früher klassisch definieren konnten, ist heute weitgehend erodiert: Bergbau, Schwerindustrie, Metallbranche und inzwischen ist auch die Autoindustrie nicht länger krisenfest. Es ist für Männer auch sehr viel schwieriger geworden, sich mit ihrer Arbeit zu identifizieren, da Millionen Männer z.T. mehrfach ihre Arbeit verloren haben, sich umschulen ließen, wieder neue Arbeit beginnen mussten, dann auch die nach ein paar Jahren verloren haben. Das macht klassische Identifikationsprozesse kaum noch möglich.

Hinzu kommt, dass unsere Gesellschaft sich immer mehr zur einer Dienstleistungsgesellschaft entwickelt, und Dienstleistungen sind etwas, was Frauen aufgrund ihrer Sozialisation von Empathie, Teamwork, Aufmerksamkeit, Emotionalität oder Kooperation sehr viel besser können. Es gibt in diesem Zusammenhang ja auch den Slogan: „Die Zukunft der Arbeit ist weiblich“, was sich auch jetzt in der Krise verdeutlicht.

[…]
Ein irischer Psychiater, Anthony Claire, hat 2002 ein Buch geschrieben über seine Erfahrungen mit Männern. Darin stellt er die These auf, dass Männlichkeit heute aufgrund des feministischen Diskurses eigentlich eine Art Abweichung darstelle. Dies dünkt mich schon ein plausibler Gedanke.

Mir ist in letzter Zeit aufgefallen, dass sehr viele Eigenschaften, die früher Männern in einer sehr positiven Art und Weise zugeschrieben wurden sind, heute sehr negativ konnotiert werden. Aus Mut ist heute Aggressivität geworden, aus der männlichen Leistungsfähigkeit Karrierismus, aus der Autonomie eine Unfähigkeit zur Nähe.

Die Zuschreibungen haben sich gedreht. Was früher positiv war, ist heute negativ. Vor einer Weile hat mir eine Studentin ein Gedicht aufs Pult gelegt; es hat den Titel „Männer“. Von den zehn Strophen möchte ich zwei zitieren:
.

  „So unnütz wie Unkraut wie Fliegen und Mücken
    so lästig wie Kopfwehschmerz und Ziehen im Rücken
    so störend wie Bauchweh und stets ein Tyrann,
    das ist dieser Halbmensch sein Name ist Mann.

    Er steht nur im Weg ´rum, zu nichts zu gebrauchen,
    ist immer am meckern und ständig am fauchen,
    er ist auf der Erden, ich sag´s ohne Hohn,
    vom Herrgott die größte Fehlkonstruktion.“
.

Das mag vordergründig noch lustig sein. Mit dem Spaß hört es auf, wenn wir in eine bestimmte feministische Literatur schauen. Ein populäres, weil auch weit verbreitetes Beispiel dafür ist die
Bestseller-Autorin Marilyn French. In ihrem bekanntesten Werk „Frauen“ („The Women´s Room“) unterstellt French den Männern ausschließlich die drei Bedürfnisse des Vögelns, Tötens und Geldmachens. Ihre Definition von Männlichkeit ist eindeutig: „Was ist überhaupt ein Mann. Alles, was ich (…) um mich herum sehe, sagt mir, ein Mann ist einer, der fickt und tötet (..) und einer, der Geld verdient“.

Da aber nun die Männer, die die Autorin kennen gelernt hat, dem Töten wenig frönen konnten, „und keine großartigen Helden im Ficken sind und (in den meisten Fällen) nur in bescheidenem Maße Geld verdienten,“ so haben sie doch auch nichts anderes zu bieten. „Sie sind nur langweilig“. Wenn French in die Welt schaut, erblickt sie „verrottete Männer“ und „so großartige Frauen“.

   von Prof. Walter Hollstein

Hier weiterlesen:
http://cuncti.net/streitbar/184-was-vom-manne-uebrig-blieb-das-problem-der-maennlichen-identitaet

———

Auszug – von Monika Ebeling.
Männern droht, neben der Verächtlichmachung durch die Propaganda radikaler Frauen, bereits die gesellschaftliche Kastration. Eine falsch verstandene Gleichstellungspolitik arbeitet scheinbar schon lange an ihrer Entmännlichung. ´Männlich´ ist ja zu ´unmenschlich´ degradiert worden.
Möglicherweise droht dem Manne sogar schon die biologische Kastration.
Die männliche Zeugungsfähigkeit nimmt seit Jahren systematisch ab, weil die Anzahl der Spermien und gesunder Spermien sinkt. Schon ist man dabei künstlich Spermien herzustellen und an ihren Anlagen zu manipulieren. Das starke Geschlecht wird zunehmend schwach, verliert wie ein aufgeblasener Luftballon, dem die Luft an einer undichten Stelle entweicht, an Kraft und Ausdruck. Die systematische Verunsicherung des Mannes ist weit fortgeschritten und macht auch vor seinen intimsten Seiten nicht halt.

http://blog.monika-ebeling.de/maennerund/#more-1608

Gruß Hubert