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Die Arroganz der Kronenschöpfung   2 comments

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Ein interessanter Beitrag von Thomas Höllriegel. Zum Beispiel besonders diese Passage: „Der Mensch hält sich selbst für so bedeutend, dass er sogar denkt, sein Bewusstsein sei für das Universum erhaltenswert. Deswegen hat er das Konzept der Seele erfunden. Ein Konstrukt, welches die Angst vor dem Tod nehmen soll.“

Von thomashoellriegl.wordpress.com

 

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Was bilden wir uns eigentlich ein? Was denken wir aufrecht gehenden Trockennasenaffen eigentlich, wer wir sind?

Quallen leben seit Millionen Jahren beinahe unverändert, ebenso Krokodile oder Schwämme. Es gibt heute Bäume, deren Wurzeln ausgeschlagen haben, als wir den Buchdruck noch nicht erfunden hatten. Es gibt Schwämme, die eine Fläche von mehreren Quadratkilometern Fläche einnehmen, der größte, bekannte Schwamm nimmt 7 Quadratkilometer ein. Skorpione können radioaktive Strahlung überleben, aber in dieser Disziplin ist er nicht der einzige, auch Kakerlaken sollen darin sehr gut sein. Bärtierchen kann man in siedendes Wasser werfen, sie komplett austrocknen oder dem Vakuum des Weltraums aussetzen, etwas Feuchtigkeit und es läuft wieder weiter. Geparde laufen bis zu 80km/h schnell, Elefanten hören das tiefe Brummen von Elefantenherden aus 600km Entfernung, Wale hören die Gesänge ihrer Gefährten gleich um den halben Globus herum. Es gibt einen Aal, der einen Fingerhut voll Rosenöl riecht, wenn man ihn ins Wasser kippt. Wohlgemerkt ein Wasser das der 32-fachen Menge des Bodensees entspricht. Ach ja, und der Aal schwimmt am gegenüberliegenden Ufer. Schlangen erkennen Temperaturunterschiede, die unsere Augen in Farben nicht unterscheiden können. Maulwürfe spüren das Graben von Regenwürmern in 50cm Entfernung. Die Liste an Beispielen, in welchen uns Tiere in jeder beliebigen Disziplin überlegen sind, lässt sich beliebig fortsetzen.

Es gibt nur eine einzige Disziplin, in der wohl der Mensch unschlagbar zu sein scheint: Seine Fantasie.

Leider ist seine Fantasie auch mit einer Arroganz gepaart, die ebenso ihresgleichen sucht. Aus einem mir unbekannten Grund denkt der Mensch, er muss etwas besonderes sein. Er denkt in seinem Wahn, dass er so besonders sein muss, dass dieses Universum, in welchem wir nicht einmal unbedeutend sind, sogar für uns existiert! Und dass wir im Mittelpunkt davon seien. Ein Mittelpunkt, den es, wie wir heute wissen, gar nicht gibt. Der Mensch hält sich selbst für so bedeutend, dass er sogar denkt, sein Bewusstsein sei für das Universum erhaltenswert. Deswegen hat er das Konzept der Seele erfunden. Ein Konstrukt, welches die Angst vor dem Tod nehmen soll. In Wirklichkeit aber, reduziert eine unsterbliche Seele den Wert des irdischen Lebens auf Null. Maximal kann es eine Strafe sein, zu warten, bis man endlich diesen lästigen Körper los ist und in Ewigkeit als etwas ohne materieller Form und Struktur existiert – ein für mich abstoßender Gedanke. Ein kindlich-naiver Gedanke aus dem die Angst vor der eigenen Vergänglichkeit laut herausschreit.

Die Krönung dieser Arroganz ist aber der Aberglaube, es gäbe einen uns liebenden Gott, der Allmächtig und Allwissend ist, aber dennoch ein ganzes Universum erschafft, in welchem Wesen eine Geschichte erleben, die er bereits kennt, jederzeit reproduzieren kann  und die er damit maximal als langweilig empfinden kann.

Ich sage immer so: Wäre Gott so dumm wie ihn sich die Menschen ausdenken, er hätte dieses Universum ohnehin nicht zustande gebracht.

Dabei ist es so simpel: Der Mensch ist nur ein Produkt der Evolution, Umweltbedingungen und darin vorhandenen Möglichkeiten geschuldet. Er ist nichts weiter als eine Laune der Natur. Und wenn man sich das bewusst macht, dann plötzlich steht man der Schönheit der Natur, der Weite des Universums und der Unmöglichkeit das alles zu verstehen sehr viel entspannter gegenüber. Und vor allem, hat dieses Leben einen Wert!

Einen Wert, den ich mir durch keinen Aberglauben nehmen lasse!

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Die Arroganz der Kronenschöpfung

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Gruß Hubert

Veröffentlicht 1. Januar 2019 von hubert wenzl in Religionskritik, Uncategorized

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Glauben heißt nicht wissen     8 comments

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Religion will sich oft mit Zirkelschlüssen beweisen, zum Beispiel Gott hat die Bibel geoffenbart, also ist das was in der Bibel steht war.

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Kann man den Glauben begründen?
Antwort: Seit wann beruht Glauben auf einer Begründung?

 

Das Problem der Begründung des Glaubens

Die entscheidende Grundfrage ist die: Was wissen wir eigentlich – sicher? Jede Philosophie und jede Religion setzt sich mit der Frage auseinander. Und jedes Zeitalter beschäftigt sich mit der Frage aufs Neue. Es gibt zwar die »aufgeklärte« Position, nach der eine Religion nicht wahr, sondern nur in moralischem Sinne nützlich zu sein hat, das ist in keinem Fall die fundamentalistische Haltung: Demzufolge ergibt sich der moralische Anspruch als Folge aus dem Wahrheitsanspruch. Was ist wahr?Die verschiedenen Religionen hatten und haben darauf stets Antworten parat.Die Antwort ist: Man muss es nicht wissen, man muss es nur glauben! Und der Glauben braucht keine Begründung.

Das Münchhausentrilemma

Wenn wir uns die Antworten ansehen, sehen wir dieselben Muster: Es ist wahr, weil es geoffenbart wurde, es ist wahr, weil es in einer heiligen Schrift steht, es ist wahr, weil es eine Autorität verkündet hat (als Papst unfehlbar ), weil es der Tradition entspricht. Alle die Dinge führen uns direkt in das Münchhausen-Trilemma (nach Hans Albert), d. h., wir landen entweder in einem Zirkel, was logisch fehlerhaft ist in einem unendlichen Regress, was in Praxis undurchführbar ist oder gelangen zu einer willkürlichen Aussetzung des Begründungspostulats, was uns direkt in den Dogmatismus führt. Die Religionen landen i. d. R. im Dogmatismus (»Es ist wahr, weil der Papst ex cathedra entschieden hat« oder »Es ist wahr, weil die Bibel es sagt«), oder in einem logischen Zirkel (»Die Bibel ist von Gott geoffenbart und aus dem Grund wahr. Wir wissen es, weil die Schreiber der Bibel es sagen. Die Bibel wiederum gibt uns Zeugnis, dass die Verfasser derselben göttlich inspiriert wurden« – die Argumentationsweise wird von Hank bzw. seinen Freunden benutzt . Es ist in der Mehrheit der Fälle nicht so plump wie in den Beispielen hier, die nur ein allgemeines Muster zeigen sollen. Ich bezeichne die Denkweise als archaisch oder vorwissenschaftlich.

Wenn man Gründe für den dogmatischen Anspruch sucht, stößt man auf einen logischen Zirkel. Mindestens eine der drei Positionen lässt sich gegen jede Begründung vorbringen, gegen subjektive Erfahrungen, d. h., jede Begründung ist hinterfragbar. Außer, Denkverbote verhindern es. Es handelt sich hier nicht um ein Argument gegen die archaische Denkweise, die moderne Denkart ist davon genauso betroffen. In der heutigen Geisteshaltung wird daraus nur der Schluss gezogen, jeden absoluten Wahrheitsanspruch anzufechten und ihn nicht für die eigene Position zu reklamieren (Skeptizismus).

Während religiöse Anschauungen sich gegen die Kritik zu immunisieren suchen, also ihre Ansprüche wider die Vernunft durchzusetzen trachten. Die (oft erfolgreiche) ↑Immunisierung ist die wahre Bedrohung des Verstandes, sie suggeriert, dass man das Ende allen Wissens erreicht hätte, wo man erst am Anfang steht oder bei einem Irrtum.

 

Die Stufen der Erkenntnis

Wir können folgende drei Stufen der Erkenntnis postulieren, die aufeinander aufbauen: Wahrnehmung, sie ist unbewusst und unkritisch.Erkenntnis, sie ist bewusst und unkritisch. Wissenschaft, sie ist bewusst und kritisch. Der religiöse Glauben ist der zweiten Stufe zuzuordnen. Mag sein, der Glaube ist kritisch, aber nicht gegen seine eigenen Grundlagen, sondern überwiegend anderen Weltanschauungen gegenüber. Eine schöne Beschreibung des hier kurz skizzierten Problems gibt Dr. Michael Schmidt-Salomon in: →Das Münchhausen-Trilemma oder: Ist es möglich, sich am eigenen Schopfe aus dem Sumpf zu ziehen?

Es gibt drei Methoden, mit denen Menschen ein Verhalten rechtfertigen, das sich nicht vernünftig begründen lässt: Tradition – das haben wir schon immer so gemacht. Mehrheit – die anderen machen das ja auch alle so. Religion – oft gemischt mit den beiden vorigen »Begründungen«. Kein vernünftiger Mensch käme auf die Idee, die Genitalien kleiner Kinder zu beschneiden. Wenn es Tradition ist, oder die Mehrheit es tut, oder man eine Religion anführen kann – ist es erlaubt. Und wer sich gegen die Praxis ausspricht, der ist ein Feind von Tradition und Religion.

 Es ist ein Zweck der organisierten Religion, das für wahr und das Verhalten für richtig befinden zu können, dass kein Mensch ernst nehmen würde. Es wird eindringlich »Respekt« von den Religionen eingefordert: Weil normalerweise kein rationaler Mensch auf die Idee käme, solche abwegigen Gedanken zu respektieren. Was erwachsene religiöse Menschen freiwillig und ohne Zwang unter sich machen, wäre kein Thema und zu tolerieren (nicht respektieren). Kritisch wird es erst, wenn daraus Forderungen an die Allgemeinheit abgeleitet werden.

Der Glaube ist nicht der Anfang, sondern das Ende allen Wissens.

Johann Wolfgang von Goethe.

Glauben heißt nicht wissen

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Gruß Hubert

Fehlt etwas, wenn man an gar nichts glaubt?   Leave a comment

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Oft wird gesagt an etwas muss man doch glauben. Die meisten Menschen meinen damit, man müsse an etwas Höheres glauben, an einen Gott. Es geht aber auch ohne.

 

Ich glaube nicht an Götter, nicht an den Osterhasen, nicht an die Wunderheilung, nicht an die Zahnfee. Da könnt ich doch auch gleich an das Fliegende Spaghettimonster glauben!

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Fehlt etwas, wenn man an gar nichts glaubt?

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„Fehlt dir in dieser ohnehin zu rationalen Welt nicht etwas, wenn du an gar nichts glaubst?“, werde ich immer mal wieder gefragt. Ja, fehlt mir denn etwas? Ist unsere Welt überhaupt zu rational? Und warum wird das Glauben derartig glorifiziert, während das Wissen als überheblicher Schnösel daherkommt?

Menschen die von einer überrationalisierten Welt sprechen, meinen, bei genauerem Betrachten, in Wirklichkeit oft die schnell voranschreitende Technologisierung oder den Kapitalismus. Denn wenn die Hälfte aller Deutschen und Österreicher meint, Bachblütentherapie und Heilpraktiker wären eine Alternative zur evidenzbasierten Medizin, wenn eine nicht gerade kleine Minderheit annimmt, mit dem Jenseits Kontakt aufnehmen zu können, wenn Homöopathen mit Globuli ausgestattet den Kampf gegen Ebola aufnehmen wollen, und wenn Politiker mit rechter Gesinnung eine Chemtrail-Gefahr propagieren, dann zeigt das auf, wie wenig rational unsere Gesellschaft im Allgemeinen denkt und handelt.

Ideologien und Irrationalismen sind in der bürgerlichen Gesellschaft Teil des alltäglichen Bewusstseins. Die Wirklichkeit des Möglichen regiert das Denken der Menschen, doch im Abschätzen von Wahrscheinlichkeiten ist der Mensch bekanntlich nicht gut. Es liegt in unserer Natur, hohe Wahrscheinlichkeiten zu unterschätzen und niedrige Wahrscheinlichkeiten zu überschätzen.

Die Welt ist oft nicht so, wie es die Menschen gerne hätten. Das Leben ist unsicher, da es nicht vorhersehbar ist. Zudem ist es oft unschön und ungerecht. Der Rationale nimmt es an, weil so manch persönliches Schicksal eben ist wie es ist. Der Religiöse versucht sich selbst durch Beten und Buße aus seiner vermeintlich selbst verschuldeten Misere zu führen, und der Esoteriker bedient sich allerlei kruder Hilfsmittel, die von positivem Denken bis zum Energietanz reichen. Dabei sollte man annehmen, idealistische Theorien müssten sich zwangsläufig in unserer Gesellschaft blamieren, tun sie aber nicht. Was sich  nicht durchsetzen kann, wird regelmäßig durch eine neue Spinnerei ersetzt.

Sich dem religiösen und esoterischen Glauben hinzugeben erfordert das Ausblenden der Vernunft des Bestehenden. Die Welt muss nicht zwingendermaßen erkannt und erforscht werden. Vielmehr soll sie gefühlt und intuitiv durchschaut werden. Evolution und Naturgesetze sind Widersprüche, die überwunden werden können, denn Ideologien beziehen sich auf den Schein der Dinge und nicht auf Gesetzmäßigkeiten. Ein „Es ist eben so wie es ist“, reicht als Erklärung nicht aus, demnach müssen höhere, machtvollere, leicht erklärbare mystifizierbare Gesetzmäßigkeiten kreiert werden.

Das idealistische Glaubensbild ist also die Strategie, sich ein Stück aus der gegenwärtigen Misere zu retten und sich vor der zukünftigen zu schützen. Es setzt dem Ist-Zustand sein rosa, glitzer Idealbild und den Zutritt zum Himmelsparadies entgegen. Die esoterische Ideologie, in der jeder seines Glückes Schmied sei, verleiht dem Menschen das Gefühl von Macht, von Selbstbestimmtheit und auch von Individualität und einer Ganzheitlichkeit die nach Bedarf mit beliebigen Inhalten gefüllt werden kann, während Religionen, in denen der Schmied erst durch ausreichend beten milde gestimmt werden muss, zunehmend ausdienen.

Da die Realität nicht umgeschmissen werden kann, müssen sich kosmische Entität, Gotteskräfte und höhere Wahrheit im sicheren Umfeld betten. Denn es kann ungemütlich werden, wenn Wissenschaft und Logik daran rütteln und auf die Zusammenhänge von Kapitalismus und Machtspielen, die mit Ideologien einhergehen, aufmerksam machen. Umgekehrt ist es so, dass der Irrationalismus für die Rationalität keine ernstzunehmende Bedrohung darstellt, denn irrationale Thesen lassen sich widerlegen, solange unsere erarbeiteten, rationale Maßstäbe nicht von einer ideologisierten, glaubensgeprägten Beliebigkeit untergraben werden.

Wer von Gott, von höheren Mächten – dem Absoluten – spricht, spricht von allem, von nichts bestimmtem, damit von Nichts. Das mächtigste, höchste, allgemeinste Prinzip entpuppt sich als leeres Gerede.

Nein, es fehlt mir nicht an diesem beliebigen Nichts. Ich möchte die Dinge wissen, möchte eins sein mit der Natur , nicht spirituell, sondern durch das Verstehen  ihrer rationalen und zugleich wunderbaren Gesetzmäßigkeiten. Sie sind meine Grundlage und meine Orientierung, die keine X-beliebige, austauschbare Weltanschauung ins Schwanken bringen kann. Die Naturgesetze sind meine Himmel und meine Erde, das “Mehr dazwischen” – von dem oft sinnentleert gefloskelt wird –  sind die schönen, greifbaren Dinge, die diese Gesetze hervorgebracht haben: Liebe, Erotik, Kunst, Poesie, Phantasie, Schönheit, Duft.

von Andrea Walter

Andrea Walter ist eine Bloggerin, freie Autorin, Sozialarbeiterin,  Humanistin und Initiatorin von „Kein Gewerbeschein für Humbug“.

Blog: https://andreawalterblog.wordpress.com/
Facebook: Initiative „Wissenschaft als Maßstab – kein Gewerbeschein für Humbug“

Hier geht’s zum Originalartikel…

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Fehlt etwas, wenn man an gar nichts glaubt?

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Gruß Hubert

 

Veröffentlicht 30. April 2016 von hubert wenzl in Religionskritik, Uncategorized

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