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Unsere Heimat und die vaterländische Pflicht   Leave a comment

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Zuerst mal zurück in die Vergangenheit. Inpiration für diesen Beitrag war für mich ein Satz wo man sich für Gott und Vaterland aussprach. Da fiel mir gleich der Spruch auf Sterbebildern vom 1. Weltkrieg ein: Gestorben für Gott, Kaiser und Vaterland. Im Nationalsozialismus hieß es dann: Gestorben für Führer, Volk und Vaterland. Begriffe wie Vaterland, Gott wurden missbraucht und Menschen benützt und durch gewissenlose Propaganda verführt.

Verführt, betrogen, elendiglich, sinnlos gestorben und irgendwo begraben.

http://www.dhm.de/archiv/ausstellungen/lebensstationen/2_163.htm

Zum 1. Weltkrieg.

Begeisterung und Verklärung

Der Ruf der Zeit ist ein Ruf zur vaterländischen Pflicht. Diese vaterländische Pflicht ist für den Christen Gottesdienst und Christusdienst.” – So äußerte sich der Kieler Theologieprofessor Erich Schaeder auf einer christlichen Studentenkonferenz im zweiten Kriegsjahr. Die Aussage ist bezeichnend für die Stimmung in der deutschen Christenheit von Beginn des Krieges an. Der Krieg weckte Begeisterung – und wurde sogleich verklärt in einer Art und Weise, die uns heute sehr befremdet. Ohne viel Federlesens haben die deutschen Christen Gott für ihre nationale Sache reklamiert. Theologen und andere christliche Gelehrte, aber auch christliche Politiker wie der spätere Reichskanzler Georg Michaelis: sie haben das Weltgeschehen als Handeln Gottes gedeutet. Das “Evangelische Allianzblatt” machte am 27. September 1914 auf mit einem Artikel über “Gottes Sprache in ernster Zeit”: “In dem Donnern der Kanonen, in den Kriegen und Empörungen unserer Tage, in dem Sterben so vieler Tausende liegt eine Sprache der Ereignisse, in welcher Gott selbst sein Wort bestätigt und mit heiligstem Ernst den Herzen nahe bringt. … Die Weltgeschichte ist das Weltgericht… Gott will, dass wir diesen schwersten Krieg, den die Menschheitsgeschichte gekannt hat, als einen Beweis seiner Gütigkeit, Geduld und Langmut erkennen lernen. … Die Masse der Feinde um unser Vaterland, das demütig vertrauende Bekenntnis unsres Kaisers, das Wunderbare unserer großen Siege – und nicht zum wenigsten auch unsere Verluste -, das alles soll uns zu der beugenden Anbetung bringen, dass wir Gott allein die Ehre geben…”

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 Der Artikel war offensichtlich geschrieben worden unter dem Eindruck der siegreich beendeten Schlachten von Tannenberg und an den Masurischen Seen. Als er in Druck ging, war es allerdings vorbei mit den großen Siegen. Die Marne-Schlacht Mitte September hatte nicht den erhofften Durchbruch des deutschen Heeres gebracht; die verfeindeten Armeen krallten sich im Boden fest und gruben sich ein. Das große Sterben hatte begonnen – in Galizien und in Flandern, in Nordfrankreich und in Kurland. Gottes Gütigkeit, Geduld und Langmut?

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In der Heimat bekam man von den wahren Vorgängen auf den Schlachtfeldern nur wenig mit. Dafür wurden Legenden gesponnen. Auch in christlichen Blättern. Z.B.:

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“Deutschland ist durch der Gegner falsches und heimtückisches Gebaren mit hineingezogen und … schließlich genötigt worden, auch seinerseits das Schwert zu ergreifen.”

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Der Kriegsgegner wurde diffamiert und schlecht gemacht. Auch christliche Zeitschriften gaben sich für Propaganda her: In Deutschland wurde gegen das englische “Händlertum” gewettert, gegen den angeblich in England herrschenden “Geldgeist”. Christliche Autoren in England revanchierten sich mit Ausfällen gegen die “kulturlosen Hunnen” und gegen die “deutsche Barbarei”. Bis ins dritte Kriegsjahr hinein steigerten sich die antienglischen Vorwürfe bis ins Bizarre. In der Zeitschrift “Der Hilfsbote” gerieten schließlich sogar die beliebten Heilslieder aus der englischen Erweckungsbewegung ins Fadenkreuz: “Man denke an Lieder wie ‘Welch Glück ist’s, erlöst zu sein’ oder ‘Ich weiß einen Strom, dessen herrliche Flut…’: All diesen Liedern fehlt die klare und bestimmte Verkündigung des Herrn in seinen Taten und Worten… – Die große Befreiung von der Oberflächlichkeit des englischen Liedes konnte nur durch ein so gewaltiges Ereignis wie diesen Krieg erwirkt werden. Wir erhoffen uns davon eine Neubelebung deutschchristlicher Dichtung und deutschgeistlicher Musik…

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http://www.lebenshaus-alb.de/magazin/002457.html

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Pfarrer Hans Milch – Deines Vaterlandes Hoffnung / Remix

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CHRIS ARES – Heimat // Musikvideo // 2016 HD (prod. by Balkanoo Beatz)
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Kreuzweg Ost – Für Kaiser, Gott und Vaterland [HelheimPaganArt Channel]

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Heute gibt es keine soldatischen Helden mehr

In den Gefallenenanzeigen kann man zumindest bis 1944 herauslesen, wie die Hinterbliebenen zum Dritten Reich standen. Wie dies auch immer war, alle starben den „Heldentod“. Doch es war ein elender, jämmerlicher und unnützer Tod. In Kriegs- und Massengräbern, in Schlammlöchern oder auf dem Grunde der Meere lagen bei Kriegs­ende rund vier Millionen tote deutsche Sol­daten – vier Millionen betrogene und ver­führte Helden. Generationenlang galt der Tod eines Soldaten im Krieg als „Heldentod“. Unzählige Denkmäler künden davon. Doch die Schrecken des Zweiten Weltkriegs verursachten in Deutschland einen Wertewandel. Die Helden rekrutieren sich heute eher aus der Welt des Sports und der Unterhaltung. Setzt ein erneuter Wandel ein? Werden die inzwischen in internationalen Auslandseinsätzen kämpfenden Bundeswehrsoldaten und -soldatinnen zu neuen Helden? Das ZDF suchte in seinem Dokumentarfilm „Heldentod – Der Mythos von schönen Sterben“, eine Zeitreise durch mehr als 200 Jahre deutscher und europäischer Geschichte, nach Antworten. Eine davon:

„Der Soldatentod auf dem ,Feld der Ehre’ wurde in Deutschland zum ersten Mal in den so genannten Befreiungskriegen 1813/14 gepriesen. Was heute Angst macht, galt bis 1945 als eine bewundernswerte Leistung. Doch der Tod auf den Schlachtfeldern Europas war niemals ,süß und ehrenvoll’ und wurde auch nicht wirklich als das Höchste im Leben eines Mannes sehnsüchtig erstrebt!“

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurden die bisherige Tradition und Praxis vom Tod fürs Vaterland in Frage gestellt. Die Zerstörungen und Unmenschlichkeiten zweier Weltkriege führten in Deutschland dazu, dass es als wenig ehrenhaft galt, fürs Vaterland zu sterben.

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http://www.rothenburg-unterm-hakenkreuz.de/der-fuehrer-bat-zum-totentanz-heldentod-im-untergang-und-in-den-gefallenenanzeigen-verfuehrt-betrogen-elend-gestorben-und-irgendwo-begraben/

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attentat-auf-hit-hit-gruss

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Gruß Hubert

 

 

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Veröffentlicht 5. August 2016 von hubwen in Politik, Uncategorized

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Was heißt „Gott ist tot“?   Leave a comment

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Was heißt „Gott ist tot“?
Für Nietzsche war es selbstverständlich, dass jeder Gott – speziell der monotheistische Schöpfergott – immer nur eine Erfindung des Menschen war und ist. Darin sah Nietzsche an sich noch nichts Negatives, denn in seinen Augen ist der Mensch immer ein „Erfinder“ (sogar der „Erfinder seiner Erlebnisse1). Solange die Idee Gott geglaubt wurde, hat sie Lebenskraft ausgelöst, und in diesem Sinne „lebte“ Gott. Nun ist diese Idee jedoch „unglaubwürdig geworden“, erzeugt keine Kraft mehr, und damit ist Gott „tot“.
http://nietzsche.is.uni-sb.de/faq/xsl/faq_04009.xml

Gottes Tod und Teufels Beitrag

Gott ist wohl wirklich tot. Der moderne Mensch begreift ihn heute als Figur, die in einem dicken Wälzer vorkommt. Als transzendentes Wesen in der Realität akzeptieren wir ihn schon lange nicht mehr. Nur der Teufel hat noch Konjunktur.
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Teufel

Der Teufel hat Konjunktur, um Gott steht es da schon schlechter

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Dass Gott tot sei, hat Nietzsche schon in den Achtzigerjahren des 19. Jahrhunderts festgestellt. Man hat ihm später unterstellt, er hätte den Tod dieses Weltenlenkers beschworen. Aber das stimmte nicht. Er war nur Chronist und meinte zu erkennen, dass Gott als der beseelende Gedanke des Abendlandes schon lange keine Rolle mehr spiele. Die Natur- und die Geschichtswissenschaft hätten Gott unmöglich gemacht. Und mit ihm alle Moral, die sich von ihm ableitet. Im Wesentlichen hat sich da bis heute nichts geändert. Gott ist vielleicht sogar noch ein bisschen toter als zu Nietzsches Zeiten. Und so richtig ernsthaft spricht auch keiner mehr von ihm. Selbst Gottgläubigen scheint es manchmal ein wenig peinlich, über ihn zu sprechen und ihr Weltbild mit ihm zu begründen. Denn dass man ethisch sein soll, weil Gott es so will, ist heute kein Argument mehr. Also sagt man es auch nicht so deutlich.

 

Der Teufel als der große Gegenspieler hat allerdings noch nicht abgewirtschaftet. Er hat es auch leichter. Kommt Gott in jeder Lebenslage lediglich als Gott daher, so hat der Teufel immer verschiedene Rollen in petto. Das liegt in seinem Naturell als Verführer. Ob als Schlange oder als schnöder Mammon – er kann alles sein und ist daher erstaunlich aktuell geblieben. Nur nimmt er heute andere Formen an. Ein Blick auf den aktuellen Spiegel zeigt, wie er heute so aussieht. Derzeit ist er ein griechischer Ministerpräsident. Vor einigen Monaten lief er noch als russischer Präsident durch die Gegend. Manchmal ist er auch irgendjemand von »Die Linke«. Der Teufel ist flexibel. In unseren schnelllebigen Zeiten noch mehr als vorher. Er wechselt die Identitäten und kann synchron mehrere davon haben. Es herrschen fürwahr teuflische Zeiten.
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Mag Gott auch tot sein, der Teufel ist nicht totzukriegen. Er ist jener theologische Atavismus, der uns als Gesellschaft geblieben ist. Mit Gott punktet keiner mehr. Aber wenn wir jemanden als Teufel skizzieren können, dann sind wir gleich Feuer und Flamme. Der Teufel hat Konjunktur, denn er ist das unerklärliche Böse. Einer, dessen Boshaftigkeit man nicht mit Argumenten begründen muss. Er ist von Natur aus so. Das erleichtert die Analyse und macht die Sache einfach. Ob nun Tsipras oder Putin: Wenn man sie diabolisiert, dann kann man sich Erklärungsmuster sparen, dann wird alles was sie tun, einfach nur ein ordinärer Akt des Teufels, dessen Boshaftigkeit ist wie sie ist, weil sie in der Veranlagung liegt.
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Das plumpe Böse lebt im Teufel weiter. Denn es ist wenig komplex. Keine Naturwissenschaft kann diesem einfachen Glauben etwas anhaben. Gott ist daran verstorben. Aber der Teufel macht einfach weiter, als hätte es Jahrhunderte der Entwicklung und der Aufklärung, des Fortschritts und der Wissenschaft einfach nie gegeben. Er prangt weiterhin in lästiger Regelmäßigkeit von den Covern des Spiegel oder Stern, ziert die Aufmacher der Bildzeitung und winkt aus den Berichten der Tagesthemen. Keine Woche ohne einen Antichristen. Irgendwer taugt immer für diese Rolle. Und wenn es nur der Gewerkschaftsboss der Lokführer ist, der diese »theologische Rolle« einnimmt.
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Die Theologie und ihre Kunstfiguren sind halt doch noch verschieden. Die Faszination des Bösen eben. Oder einfach nur Bequemlichkeit. Denn der verteufelte Tsipras ist den Menschen so viel einfacher als Geisterfahrer vermittelbar, als einer, der gute Gründe für sein Wirken hat. Das ist vielleicht der Grund, warum es ihn noch gibt. Gott wurde lästig, weil er mit der Moderne nicht mehr kompatibel war. Aber einen Bösewicht, dem man widerlich finden kann, weil er das Böse symbolisiert, den braucht jede Zeit. Auch unsere moderne Zeiten.

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Gottes Tod und Teufels Beitrag

 

Gruß Hubert

Veröffentlicht 12. Februar 2015 von hubwen in Religionskritik

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Respekt? Wovor denn?   Leave a comment

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Bei den Karikaturen geht es ja oft um die Verletzung religiöser Gefühle und es wird großer Respekt und großer Schutz davor von Religioten gefordert. Aber aufgrund von was wird dieser Respekt erwartet. Religionen wurden ja alle nur von Menschen erfunden. Nicht Gott schuf den Menschen, sondern umgekehrt.
Der Philosoph und Religionskritiker Ludwig Feuerbach sagte:
„Denn nicht Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde, wie es in der Bibel steht, sondern der Mensch schuf, wie ich im »Wesen des Christentums« zeigte, Gott nach seinem Bilde.“

Verschiedene Religionen behaupten ja ihre Religion wurde ihrem Gründer geoffenbart.
Es gibt keine Offenbarungen „von oben“. Wenn heute jemand Stimmen hört, dann ist er ein Fall für die Psychiatrie, denn dann ist die Diagnose Schizophrenie, also würde heute so ein „Stimmenhörer“ in der Psychiatrie landen. Glauben ist nicht rational. Deswegen kann man mit einem Gläubigen auch nicht streiten, weil er rationalen Argumenten nicht zugänglich ist, zumindest was den Glauben betrifft. Religionen fußen auf Behauptungen, es ist nichts bewiesen, denn dann wüsste man es. Glauben ist nicht Wissen. Ich glaube nicht, dass morgen Dienstag ist, das weiß ich. Marcel Reich Ranicki sagte einmal: Gott ist eine literarische Erfindung. Ich kann einen Menschen respektieren und wertschätzen, muss es aber nicht bei seinen Überzeugungen tun.

Zurück zu den Karikaturen. Der Mensch muss frei sein, wenn er das Höchste erreichen will, da darf es keine geistigen Fesseln und Tabus geben.

So lange der Mensch nicht im Höchsten frei, bei sich, selbständig ist, so lange kann er auch in Kunst und Wissenschaft nicht das Höchste erreichen.
Ludwig Feuerbach (1804 – 1872), deutscher Philosoph und Religionskritiker

Warum wird also der große Respekt, eine Sonderstellung in der Kritik bei den Religionen verlangt, aufgrund von was?
Hierzu Michael Schmidt-Salomon in der ZEIT.

Religionen Respekt? Wovor denn?

Respekt vor religiösen Gefühlen!, heißt es allenthalben. Michael Schmidt-Salomon hält es für falsch, auf die Befindlichkeiten von Gläubigen groß Rücksicht zu nehmen. von Michael Schmidt-Salomon

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Eine Kirche und eine Moschee in Ramallah, Westjordanland  |  © Mohamad Torokman/Reuters

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Es wirkt wie ein bedingter Reflex: Kaum gehen religiöse Fanatiker auf die Barrikaden , sind westliche Politiker und Journalisten zur Stelle, um Respekt für religiöse Gefühle einzufordern. So war es vor sechs Jahren im Zuge des Karikaturenstreits, so ist es heute bei den Protesten gegen das trashige YouTube-Filmchen Die Unschuld der Muslime . Im ersten Moment mag die Forderung sogar vernünftig erscheinen: Denn wäre es nicht schön, wenn wir alle etwas respektvoller miteinander umgehen würden?

Michael Schmidt-Salomon

Michael Schmidt-Salomon

ist Schriftsteller und Philosoph sowie Vorstandssprecher der Giordano-Bruno-Stiftung.

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Bei genauerer Betrachtung zeigt sich jedoch, dass diese so freundlich wirkende Haltung diametral gegen die Streitkultur der Aufklärung verstößt, auf der der moderne Rechtsstaat gründet. „Mehr Respekt bitte!“ ist ein Totschlagargument, das jede vernünftige Debatte zum Erliegen bringt.

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„Respekt“ (von lateinisch „respectus“: Zurückschauen, Rücksicht) bezeichnet eine Form der Achtung und Ehrerbietung gegenüber einer anderen Person, ihren Handlungen oder Überzeugungen. Keine Frage: Für aufgeklärte Zeitgenossen ist es eine pure Selbstverständlichkeit, Menschen als Menschen wertzuschätzen. Doch gilt dies auch für alle Überzeugungen, die Menschen an den Tag legen? Ganz gewiss nicht. 

Wie etwa könnten wir aus einer aufklärerischen Perspektive heraus Glaubensüberzeugungen respektieren, die noch immer – im 21. Jahrhundert! – gegen Schwule und Ehebrecherinnen agitieren?

Nein, hinter solchem Respekt verbirgt sich meist bloß Ignoranz beziehungsweise Feigheit, die sprichwörtlich geworden ist: Der Klügere gibt nach – was der Dummheit schon häufig zum Sieg verholfen hat.

 

Respekt für Respektlose?

Die Absurdität der gegenwärtigen Debatte zeigt sich nicht zuletzt darin, dass Respekt ausgerechnet jenen gegenüber eingefordert wird, die hinlänglich bewiesen haben, dass ihnen jeder Respekt gegenüber Andersdenkenden fehlt. Verwunderlich ist dieses Defizit nicht, wenn man die Heiligen Schriften kennt. So erwartet „die Ungläubigen“ laut Koran nicht bloß das „ewige Feuer“, sie werden in der „Hölle“ mit „Eiterfluss“ und „Jauche“ getränkt (Suren 14,16 und 78,25), erhalten einen „Trunk aus siedendem Wasser“ (Sure 6,70), der ihnen die „Eingeweide zerreißt“ (Sure 47,15), werden mit „eisernen Keulen“ geschlagen (Sure 22,21), müssen Kleidungsstücke aus flüssigem Kupfer und Teer tragen (Sure 22,19) und vieles andere mehr. Immer wieder wird im Koran betont, wie sehr Allah „die Ungläubigen“ hasst – sie gelten ihm gar als die „schlimmsten Tiere“ (Sure 8,55) – und dass es für den gläubigen Muslim eine heilige Pflicht sei, den Zorn Gottes an ihnen zu vollstrecken (Suren 8,15-16). Eine gute Grundlage für den respektvollen Umgang mit Andersdenkenden ist dies sicherlich nicht.

 

Mit Mitgefühl oder gar Respekt dürfen „die Feinde Gottes“ aber auch in der Bibel nicht rechnen. Denn es steht geschrieben: „Du wirst alle Völker verzehren, die der Herr, dein Gott, für dich bestimmt. Du sollst in dir kein Mitleid mit ihnen aufsteigen lassen“ (Deuteronomium, 7,16-17). Auch im Neuen Testament wird die Bestrafung „der Bösen“ immer wieder in schillerndsten Farben ausgemalt. So verkündet das Matthäus-Evangelium, dass der „Menschensohn seine Engel aussenden“ wird, die diejenigen, die „Gottes Gesetz übertreten haben, (…) in den Ofen werfen, in dem das Feuer brennt. Dort werden sie heulen und mit den Zähnen knirschen“ (Mt. 13,41-43). Nicht besser kommen die Fehl- und Nichtgläubigen bei Paulus weg: Die, die sich weigern, (den christlichen) Gott anzuerkennen, sind, so der Apostel, „voll Ungerechtigkeit, Schlechtigkeit, Habgier und Bosheit, voll Neid, Mord, Streit, List und Tücke, (…) sind überheblich, hochmütig und prahlerisch, erfinderisch im Bösen (…) Wer so handelt, verdient den Tod“ (Römer 1,28-32).

 

Führt man sich vor Augen, wie vehement „Ungläubige“ in den Grundlagenschriften der Religionen verunglimpft werden, wirken sämtliche Religionssatiren, die in den vergangenen  Jahrzehnten veröffentlicht wurden, wie harmlose Späßchen. Bei Licht betrachtet hätten religionsfreie Menschen also weit triftigere Gründe, sich in ihren weltanschaulichen Gefühlen verletzt zu sehen.
Offenkundig jedoch sind ihre weltanschaulichen Empfindungen weit weniger verletzungsanfällig als religiöse Gefühle. Sollte man also Rücksicht auf die besondere Befindlichkeit der Gläubigen nehmen? Keineswegs, denn das würde das Krankheitsbild nur noch verschlimmern.

Es ist wie bei einer Spinnenphobie: Wer unter der wahnhaften Angst leidet, beim Anblick einer Spinne sterben zu müssen, kann seine Angst nur dadurch überwinden, dass er mit dem Auslöser seiner Angst konfrontiert wird. Ähnlich ist es bei der Kritikphobie der Hardcore-Religiösen, auch hier hilft im Grunde nur systematische Desensibilisierung: Wir sollten sie daher mit so viel Kritik und Satire versorgen, bis sie irgendwann von selbst erkennen, wie irrsinnig es ist, wegen einer harmlosen Zeichnung in die Luft zu gehen oder schlimmer noch: andere in die Luft zu sprengen.

 

Umkehrung des Täter-Opfer-Prinzips

Die Ideologie des falschen Respekts ist, wie ich meine, gleich in mehrfacher Hinsicht schädlich: Erstens verstärkt sie die religiöse Kritikphobie durch das Ausblenden des aversiven Reizes. Zweitens ermutigt sie Fanatiker dazu, noch heftiger zu protestieren, um künftig jede Form von Religionskritik zu unterbinden . Drittens stellt sie weltanschauliche Borniertheit unter „Denk-mal-Schutz“, indem sie den Fundamentalisten das „Geschenk der Kritik“ vorenthält. Viertens ist sie paradoxerweise besonders respektlos gegenüber den Gläubigen, weil sie diese wie kleine Kinder behandelt, denen man bestimmte Dinge nicht zumuten darf. Fünftens führt sie zu einer Überbetonung der Interessen jener Personenkreise, die in ihrem Denken und Handeln noch nicht im 21. Jahrhundert angekommen sind. Sechstens verführt sie Politiker dazu, das Täter-Opfer-Prinzip umzudrehen, indem sie die Schuld für die Störung des öffentlichen Friedens den betroffenen Künstlern zuweisen – statt den Fanatikern, die nicht angemessen auf Kritik reagieren können. Siebtens hat die Ideologie des falschen Respekts eine Aushöhlung der Meinungs-, Presse-, Kunst- und Forschungsfreiheit zur Folge. Und achtens ist sie mit dem Verrat der Prinzipien der Streitkultur der Aufklärung verbunden, die ja gerade deshalb so produktiv ist, weil sie Debatten fördert, in denen tradierte Sichtweisen schamlos verletzt werden können.

Hüten wir uns also vor der Ideologie des falschen Respekts! Nicht auszudenken, wo wir heute stünden, wenn die Aufklärer der Vergangenheit größere Rücksicht auf religiöse Gefühle genommen hätten: Womöglich würden in Europa noch immer die Scheiterhaufen brennen…

http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2012-09/religion-ideologie-respekt/komplettansicht

 

Gruß Hubert

Veröffentlicht 13. Januar 2015 von hubwen in Politik, Religionskritik

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Möller gegen Gott – als Atheist auf dem Kirchentag   2 comments





Philipp Möller ist gottlos. Für ihn ist Gott nichts weiter als ein Hirngespinst. Er will die Menschen von Gott befreien. Er wagte sich auf den Kirchentag.
Er sagt:

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Wenn jemand eine Behauptung aufstellt, dann muss er sie auch beweisen und solange er sie nicht beweisen kann, dann muss ich davon ausgehen dass sie falsch ist. Denn sonst könnte ja jeder kommen und mir sonst was erzählen, und nur weil ich ihm nicht das Gegenteil beweisen kann, ist es auf einmal richtig. In 2000 Jahren hat niemand einen wirklichen Beweis anbringen können.
Eine Kirchentag-Besucherin meint es habe ja auch keiner Gott nicht bewiesen. Es ist auch nicht die Aufgabe der Ungläubigen das zu beweisen.

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Er trifft da auf allerhand interessante Leute, wie ein Beichtmobil, unter anderem auch auf kirchlich engagierte Homosexuelle, was ein Widerspruch in sich ist, wenn man weiß welchen Blödsinn da die Kirche verzapft, wie intolerant sie ist und welche Ratschläge sie den Homosexuellen geben möchte, wie zum Beispiel enhaltsam zu leben bis zum Lebensende. Bis sie also der Tod von diesem „Übel“ und von dieser schweren Sünde befreit.
Möller stellt einem kirchlichen Homosexuellen die Frage wie er noch Mitglied in einer Vereinigung sein könne, die sich so oft und über Jahrhunderte so fürchterlich gegenüber Menschen seiner Veranlagung gezeigt hatte und noch zeigt.
Dieser Homosexuelle möchte die Kirchen von „innnen“ heraus verändern. Welche Naivität sich so einer aussichtslosen Aufgabe stellen zu wollen!

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Da Philipp Möller den Kirchentag mitmachen will um zu sehen was da passiert, wird er auch zu einer christlichen Famlie zur Übernachtung eingeladen. Da sieht er beim Frühstück im Raum ein Kreuz. Er meint dazu, man wisse gar nicht was man da Kindern antue, da hängt ein Mensch ans Kreuz genagelt. Für die Gastfamilie ist das Kreuz kein Zeichen kirchlicher Unterdrückung.
Für mich steht fest, dass genau dieses Kreuz Schuldgefühle im Menschen erzeugen soll, solche Menschen sind dann leichter zu lenken und zu manipulieren. Daher auch das ständige Gerede von Sünde, besonders beim 6. Gebot, der Sexualität – da „erwischen“ sie ja alle.
Fest steht auch, dass humanistische Werte gegen die Kirche erkämpft wurden. Philipp Möller wünscht sich eine Gesellschaft in der Religiösität etwas Privates ist. So sehe ich das auch. Gegen Ende hin sagt Möller auch noch was zu dem immer wieder gebrachten Argument wie viel Gutes sie tue mit der Caritas und der Diakonie. Die Kirche steuert dazu aber ungefähr nur 2 Prozent bei und benützt das dann als großes Aushängeschild – zu Unrecht. Der Kirchentag ist schließlich auch noch vom Staat bezuschusst.
Wer will kann das Video selbst zu Ende sehen.

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Möller gegen Gott – als Atheist auf dem Kirchentag – Giordano Bruno Stiftung (gbs)


http://youtu.be/x50JgSP1AO0

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Hierzu noch ein Video vom Pädagogen Philipp Möller, das geistreicher kaum sein könnte und auch mit Charme vorgetragen ist.
Er sagt Nächstenliebe gibt es auch ohne die Bibel und wer leichter glaubt wird schwerer klug. Es ist absurd an einen Gott zu glauben, weil man das Gegenteil nicht beweisen kann, das gleich gilt übrigens auch für die Zahnfee und an die glaubt schließlich auch kein erwachsener Mensch.

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DisputBerlin! – Philipp Möller

 

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http://youtu.be/PV8tUv-6X8Q

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„Zerschmettert die Schändliche!“
Kampfruf Voltaires gegen die katholische Kirche und abergläubische Rückständigkeit.

Voltaire (1694 – 1778): Unter anderem mit der Kritik an weltanschaulichem Monopol der katholischen Kirche war Voltaire ein Vordenker der Aufklärung und ein wichtiger Wegbereiter der Französischen Revolution.

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Gottlose Grüße – Hubert

Veröffentlicht 14. Oktober 2014 von hubwen in Politik

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Geld und Gott   Leave a comment

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Vor allem seit dem ungehemmten Einzug des Neoliberalismus nimmt das Geld und der Kapitalismus die Stelle von Gott und Religion ein.

Hier ein Artikel von le-bohemien

Geld und Gott – Kapitalismus als Religion

Welche religiösen Elemente sind im Kapitalismus enthalten? Was charakterisiert seine symbolische Gewalt, mit der er nicht nur seine Hegemonie über die Gesellschaft manifestiert, sondern gleichzeitig auch die religiöse Ideologie des Kirchenapparats als Herrschaftsform abgelöst hat?

Von Armin Stalder

Im Jahr 1921 stellte Walter Benjamin die These auf, dass im „Kapitalismus eine Religion zu erblicken sei“. Er diene der Befriedigung derselben essentiellen Sorgen, Qualen und Unruhen, auf die ehemals die so genannten Religionen Antwort gaben, so seine prägnante Zusammenfassung.

Gut 70 Jahre später war dieser Befund kaum weniger aktuell.

Jean Ziegler attestierte den sich rasant entwickelnden Finanz-Kapitalismus eine genauso große Macht wie vor ihm Benjamin: „Es ist das zunehmend in den Händen weniger monopolisierte, immer stärker multinational sich ausdehnende Finanzkapital, das unserem Planeten ein fast homogenes Kollektivbewusstsein, ein einheitliches Gesetz des Handelns, universale Referenz-’Werte’ aufzwingt.“

Spätestens seit der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 widerspricht dieser Einschätzung wohl kaum jemand mehr. Der Kapitalismus ist die vorherrschende normative Werte- und Gesellschaftsordnung in der westlichen Geographie und bemächtigt sich weltweit kontinuierlich weiteren Peripherien. Dies ist die inhärente Logik der stets fortschreitenden Kapitalakkumulation.

Gott ist tot – die symbolische Ordnung des Kapitals

Nach diesem Prinzip strukturieren sich die grundlegenden Normen der sozialen Interaktionen. Und sie werden von der Mehrheit der Mitglieder einer kapitalistischen Gesellschaft bewusst und unbewusst akzeptiert und praktiziert. In diesem Sinne kann man nach Jacques Lacan von einer „symbolischen Ordnung“ sprechen. Es ist die Maxime für Entscheidungen aller Art, besonders aber in ökonomischen Situationen, und hat sich als kategorischer Imperativ im kollektiven Über-Ich etabliert.

Georg Simmel beschreibt in „Die Philosophie des Geldes“, wie das Geld in der Neuzeit psychologisch langsam die traditionelle Rolle Gottes übernommen habe. Es ist heute nicht mehr länger nur von einer vorherrschenden Wirtschaftsordnung auszugehen, sondern von einem gesellschaftlichen Universalsystem, das durch seine finanzielle Machtposition sämtliche Aktivitäten von Individuen, Gesellschaften und Nationen determiniert. Der Kapitalismus dringt in sämtliche Bereiche menschlichen Lebens vor. Dieses Spektrum erfasst nicht nur Wirtschaft und Politik, sondern auch die öffentliche Verwaltung und reicht von klassischer Schulbildung über kulturelle Einrichtungen bis ins Detail individueller Alltagsentscheidungen.

Friedrich Nietzsches Zitat „Gott ist tot“ ist die geistig-kulturelle Diagnose einer Gesellschaft, in der sich im 19. Jahrhundert der wissenschaftliche und technische Fortschritt rasant entwickelte. Jene zentrale moralische Instanz (Religion institutionalisiert durch den Kirchenapparat), die dem Menschen eine gewisse Orientierung und die dazugehörende Lebensweise vorgab, verlor an Macht, Sinngebung und Einfluss. Seitdem muss – überspitzt formuliert – ein anderer “Lebenssinn” gefunden werden. Die Ausbreitung und Durchsetzung der industriellen Produktionsweise und die sich daraus entwickelnde Herausbildung der heutigen Konsumgesellschaft scheint offenbar dieser neue Sinn als Ersatz für die Religion zu sein.

Der Artikel ist sehr lang. Wer will kann hier weiterlesen:
http://le-bohemien.net/2014/02/13/geld-und-gott-kapitalismus-als-religion/?utm_source=feedburner&utm_medium=feed&utm_campaign=Feed%3A+Le-bohemiennet+%28le-bohemien.net%29

 
Gruß Hubert

Veröffentlicht 30. März 2014 von hubwen in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft

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Gottes Güte und die Übel der Welt. Das Theodizeeproblem.   Leave a comment

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Gottes Güte und die Übel der Welt. Das Theodizeeproblem – ist ein Buch des Philosophen Gerhard Streminger.
Das Theodizeeproblem lässt sich nicht lösen. Mögen auch Theologen sich noch so geistig verrenken und versuchen alles zu verdrehen. Unter dem Motto: wenn du nicht überzeugen kannst, dann verwirre zumindest.

Der Theologe Karl Barth meinte, wir sind nicht berechtigt Gott anzuklagen. Nach Karl Barth gibt es keine Lösung des Theodizee-Problems. „Wir sind nicht berechtigt, Gott anzuklagen. Wir können nur dialektisch vom Paradoxon reden (Karl Barth: Das Böse ist die „unmögliche Möglichkeit“).
Und wie wir Freidenker berechtigt sind anzuklagen! Wir lassen uns doch nicht von Pfaffen das Denken verbieten. Typisch für manche Theologen die nebulöse Sprache und die verwendeten unsinnigen Begriffe, wie sie zum Beispiel Barth benützte: Das Böse ist die „unmögliche Möglichkeit“.

Welch gewalttätige inhumane Textstellen es in der Bibel gibt sieht man hier:

Gott hat demnach auch das Unheil erschaffen: „Ich [Gott] bilde das Licht und erschaffe das Finstere, bewirke das Gute und erschaffe das Unheil. Ich bin der Herr, der das alles vollbringt.“ (Jes 45,7 EU)

„Oder geschieht ein Unglück in der Stadt, und der HERR hätte es nicht bewirkt?“ (Am 3,6 EU)

Hier eine sehr gute Rezension des oben genannten Buches.

Gottes Güte und die Übel der Welt. Das Theodizeeproblem 

Autor: Gerhard StremingerIn Ruanda wurden ganze Dörfer entmenscht. Jeder einzelne hatte den Tod vor den Augen. Die Angst war Frauen, Kindern, Alten und Männern gleichermaßen ins Gesicht geschrieben. Manche wurden sofort getötet, anderen wurden die Archillessehnen durchtrennt, um die nun Hilflosen später langsam unter langen qualvollen Schmerzen zu töten. Den Schmerz am eigenen Leibe spürend wird sich so mancher Leser im gemütlichen Sessel verkrampfen. Man erträgt diese Vorstellung, daß ein anderer Schmerzen erleidet nicht. Man sieht Bilder, die via Fernseher nur flüchtig wahrgenommen wurden, vor seinem Auge und wird sie nicht mehr los. Schließlich betäubt man seine Phantasie und seine Empfindungen mit dem Argument, daß man nichts dagegen machen kann. Es liegt eben nicht in der Macht des einzelnen die Dinge der Welt zu beeinflussen. Ein paar Tage später sind diese Bilder verdrängt und das Schnitzel schmeckt so gut wie vorher. Doch halt!

Es gibt nach Meinung vieler Menschen ein Wesen, welches die Macht hat alles zu ändern. Es ist Gott. Also schnell ein Gebet an IHN und alles wird sich ändern. Warum aber ist ein Gebet notwendig? Gott ist doch allwissend. ER müßte doch von diesem Übel besser bescheid wissen als alle Reporter zusammen. ER kennt doch die Nöte der Menschen. Zusätzlich ist ER das gütigste Wesen, das man sich vorstellen kann und um eine solch selbstverständliche Hilfe muß man IHN doch nicht bitten. Warum tut ER nichts gegen diese Übel? Warum hat der angebliche Schöpfer nicht eine von Anfang an bessere Welt geschaffen?

Streminger betrachtet diese als Theodizee bekannte Problematik von allen Seiten, hat alle Erklärungsversuche berücksichtigt, die jemals erdacht wurden.

Für einen Freidenker wäre es unmoralisch Elend in Kauf zu nehmen, um eine ästhetisch  schöne Welt zu schaffen. Gläubige Menschen sind hier anscheinend weniger zimperlich. Halten doch einige von ihnen die Theodizee lösbar, indem sie behaupten, daß (ihr) Gott, Schönheit nur schaffen konnte, indem er auch die Übel inklusive Holocaust schuf.

Demnach ist es sogar gut, daß immer wieder ein paar tausend Menschen getötet werden. Übel machen die Welt erst so richtig schön. Gegen eine solche menschenverachtende Ansicht polemisierend gehen mir als Rezensenten dieses Buches die Gefühle durch, ein Wissenschaftler darf sich jedoch nicht an Gefühle halten. Er muß auch die absurdesten Argumente widerlegen. Streminger schaffte dieses ohne die Gefühlsebene zu bemühen. Er bleibt in seinen Ausführungen objektiv, ohne trocken zu sein.

Streminger zeigt nicht nur die Unmöglichkeit einer Theodizee, sondern auch die Gefahr, die von einem solchen Denken für die Moral in der Gesellschaft ausgeht. Des weiteren werden die Problematik der Willensfreiheit und die Gottesbeweise abgehandelt. En passant werden King Lear und Wuthering Heights exzerpiert und die jesuanische Ethik beäugt. Durch diese Fülle an behandelten Themen bekommt man mehr als nur ein Buch über die Theodizee. Streminger verliert trotzdem nie den roten Faden.

Gegen Ende des Buches wird eine Argumentation simuliert, wie sie gegen einen Theisten geführt werden könnte. Ich konnte mich von der Stärke dieser Argumentation in der Praxis überzeugen.
Jeden theistischen Religiösen trifft die Aussage bis ins Mark, daß es möglicherweise einen Gott, aber sicher keinen lieben Gott gibt.
Folgt man dann bei einer Diskussion den Anleitungen Stremingers, erkennt man nicht nur die Stärke der Argumente, sondern man bemerkt auch, daß die wirkliche Diskussion in genau den selben Bahnen verläuft wie die simulierte im Buch.
Leider wird der ausgezeichnete Gesamteindruck des Buches durch zwei Sätze getrübt. In beiden Textstellen ist der Autor der Meinung, daß der Buddhismus als reine Lehre keine Verbrechen kennt und keine negativen Seiten aufweist. Wie die Trimondis und Colin Goldner aufzeigten, ist das pure Propaganda. Auch der Buddhismus ist für einen aufgeklärten Menschen die reine Leere.

Gottes-Güte-und-die-Übel-der-Welt.-Das-Theodizeeproblem-Streminger

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Und da gibt es ja auch noch Bischöfe die meinen den ganz großen Luxus für sich beanspruchen zu können, wie der Skandal-Bischof Tebartz-van-Elst- in Limburg. Seine Residenz sollte anfangs ca. 3 Millionen Euro kosten, ist jetzt aber bei 31 Millionen angelangt. Es wird auch schon davon geredet, dass seine fürstliche Residenz zum Schluß 40 Millionen Euro kosten soll.

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/tebartz-van-elst-skandal-politiker-reagieren-auf-bischoeflichen-stuhl-a-927729.html

Gruß Hubert

Gott – eine Projektion des Menschen (Ludwig Feuerbach)   Leave a comment

 

Ludwig Feuerbach kam zur Erkenntnis, dass Gott nur dem Wunschdenken des Menschen entspringt.
Hier ein Auzug aus atheodoc.com, des ex-Theologen und Atheisten Dr. Paul Schulz aus Hamburg.

Alle Theologie ist Anthropologie.

Gott – selbst der christliche Gott – ist nicht mehr als menschliche Projektion. Das war Feuerbachs nüchterne Antwort. Der Mensch schafft sich seinen Gott.

Eben diese These vertritt Feuerbach in seiner revolutionierenden Schrift DAS WESEN DES CHRISTENTUMS, die er 1841 veröffentlichte. Gleich zu Beginn des ersten Teils führt Feuerbach seine These kompromisslos durch: Die Religion ist das bewusstlose Selbstbewusstsein des Menschen. In der Religion ist dem Menschen sein eigenes Wesen Gegenstand, ohne dass er weiß, dass es das seinige ist; das eigne Wesen ist ihm Gegenstand als ein andres Wesen. Die Religion ist die Entzweiung des Menschen mit sich selbst. Er setzt sich Gott als ein ihm entgegen gesetztes Wesen gegenüber.

Nicht Gott ist Schöpfer des Menschen, vielmehr: Der Mensch ist Schöpfer Gottes. Nicht Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde, der Mensch, jeder Mensch, schafft sich Gott nach seinen menschlichen Vorstellungen. Deshalb ist Gott kein eigenständig existierendes Wesen, Gott existiert nur als Vorstellung des Menschen.

Der Mensch ist Ausgangspunkt für das Sein Gottes, der Mensch ist Mittelpunkt für das Sein Gottes, der Mensch ist Ende für das Sein Gottes. Deshalb hat noch nie und nirgends Gott zu den Menschen geredet, sondern immer nur haben Menschen auf Gott hin geredet.

Von daher definiert Feuerbach staccato:

Gott ist des Menschen entäußertes Selbst.
Oder:

Das göttliche Wesen ist nichts anderes als das menschliche Wesen.
Oder:

Das Wissen von Gott ist das Wissen des Menschen von sich, von seinem eigenen Wesen.
Oder:

Die Lehre von Gott ist die Lehre vom Menschen.
Oder:

Homo homini deus – der Mensch ist dem Menschen Gott.

In summa:
Redet der Mensch von Gott, dann redet der Mensch von sich selbst.

[…]
Seine Kritik am Unsinn des Absoluten bedeutete deshalb konkret: Alle spekulativen Seinstheorien und damit jede spekulative Philosophie und Theologie zielen mit ihrem Postulat des eigenständig Absoluten auf eine fatale Verdrehung der Realität. Sie gaukeln damit der realen Welt eine transzendente Scheinwelt vor, die es als eigen-ständige Realität überhaupt gar nicht gibt.

[…]
Jetzt nahm Feuerbach diese Fundamentalkritik neu auf und formulierte in unerbittlicher Schärfe gegen jedwede spekulative Philosophie und Theologie:

Alle Theologie ist Anthropologie.

Schon damals im Mittelalter wurde Ockham wegen seiner kirchenwidrigen Aussagen verfolgt. Ihm wurde die Lehrlizenz verweigert, seine Bücher wurden verboten, er selbst eingesperrt und exkommuniziert. Feuerbachs Thesen waren der christlich-bürgerlichen Gesellschaft zur Mitte des 19. Jahrhunderts ebenso eine Ungeheuerlichkeit. Sie galten den Verantwortlichen als Umsturz aller bisher geltenden Denkvoraussetzungen.

Mit Recht. Denn Feuerbach selbst glaubte, mit seiner Analyse der christlichen Religion alle spekulative Theologie und Philosophie endgültig überwunden zu haben und damit eine menschliche Selbstbefreiung zu bewirken. Doch die Offiziellen reagierten mit heller Empörung. Die institutionellen Akademikerkreise verschlossen ihm den Zugang zu einer Professur und zerstörten Feuerbachs letzte Hoffnung auf eine Universitätskarriere. So blieb er immer “nur Privatgelehrter”. Der Wirkung seiner Religionskritik hat das allerdings kaum Abbruch getan.

Für seine These nun, dass Gott nichts als eine Projektion des Menschen sei, führt Feuerbach in seinem Wesen des Christentums eine Vielzahl von Belegen als Beweismaterial an. Immer wieder zeigt er auf, dass religiöse Bekenntnisse rein menschlichen Ursprung haben, theologische Aussagen menschliche Konstruktionen sind, das Göttliche sich als das rein Menschliche erklärt.

Doch streng genommen ist keiner seiner Belege im Sinne einer wissenschaftlichen Beweisführung ein Beweis dafür, dass es nicht dennoch einen außermenschlichen Gott gibt. Gott als Projektion des Menschen schließt einen außermenschlichen Gott zwingend nicht aus. Selbst wenn alles bisherige Reden Gottes anthropologisch bedingt wäre, könnte Gott theoretisch sehr wohl als eigenständige Größe außerhalb des Menschen manifest sein.

Feuerbachs Schlussfolgerung, dass es Gott nicht gibt, ist deshalb – ganz streng genommen – nur ein anthropologischer Atheismus. Das heißt: Sein Atheismus gilt nur insoweit, als er sich auf die menschliche Selbsterkenntnis bezieht, das Sein also nur innerhalb des menschlichen Bewusstseins definiert, die Wirklichkeit nur als menschliche Naturerfahrung reflektiert wird.

[…]

Dennoch ist Feuerbachs anthropologischer Atheismus von ungeheurer Bedeutung. Denn der Beweis, dass es Gott über einen Anthropologischen Atheismus hinaus dennoch gäbe, wird jetzt zur Bringeschuld derjenigen, die Gott als eine außermenschliche Größe behaupten. Die transzendentale Spekulation muss beweisen, dass es über die anthropologische Konditionierung hinaus Gott dennoch im Außermenschlichen, gar Außerweltlichen, gibt. Die Gottbehaupter selbst sind also im Zugzwang. Sie müssen jetzt reale Belege für das von ihnen optierte Jenseits bringen.

Die – mit Feuerbach – vollzogene Abkehr des Atheisten von einer solchen jenseitigen Gottsuche gilt deshalb – erkenntnistheoretisch – uneingeschränkt bis zu einem Beweis des außermenschlich Transzendenten.

Hochtrabende Hermeneutik, gläuberische Apologetik, gar schlicht fromme Entrüstung sind selbst immer erneut nur eine Verschleierung der Tatsache, dass über die anthropologischen Erklärungen der Religion hinaus auch weiterhin keinerlei Beweise für einen eigenständigen außermenschlichen, gar außerweltlichen Gott vorliegen.

[…]

Anthropologischer Materialismus

Feuerbachs Rückführung der Gottes- und Religionsvorstellungen auf das menschliche Bewusstsein wurde noch in einem ganz anderen Sinn richtungweisend. Denn Feuerbach stellte nicht nur fest, d a s s der Mensch Gott projektiert, sondern zunehmend auch w a r u m und w i e. Er analysiert die menschlichen Gründe der Religionsbildung.

Damit dringt er immer stärker in die Psyche des Menschen ein, und es öffnet sich ihm das weite Spektrum der menschlichen Bedürfnisse als Frage nach dem Menschen selbst. Philosophie wird ihm somit zu einer anthropologischen Philosophie, der Einstieg in eine differenzierte Psychologie in der Zuspitzung:

Der Mensch in seinem Eigennutz (Feuerbach: Egoismus) ist die Wurzel aller Religion und Theologie. So erkennt Feuerbach Sehnsüchte und Wünsche des Menschen, aus denen heraus Religion freigesetzt wird: Was der Mensch nicht wirklich ist, aber zu sein wünscht, das macht er zu seinem Gotte oder das ist sein Gott.

Der Gottesbegriff stammt nicht aus der Erfahrung mit einem wirklich handelnden Gott. Der Gottesbegriff stammt aus der menschlichen Sehnsucht, also aus einem psychosomatischen Mangel:

– Der Mensch ist sterblich, Gott ist unsterblich:
der Mensch will wie Gott ewig leben.

– der Mensch ist böse, Gott ist gut:
der Mensch will wie Gott edel, hilfreich und gut sein

– der Mensch ist geistig begrenzt, Gott ist allwissend:
der Mensch will erkennen und wissen wie Gott.

Eine endlos dualistische, gegenpolige Reihe: All das, was der Mensch nicht ist, nicht vollständig ist, setzt er in Gott absolut und über Gott und einer gläubigen Teilhabe an ihm zum vollkommenen Ziel seiner selbst: Religion sind unbegrenzt Träume der Glückseligkeit.

[…]
Es gibt nichts am Menschen, was nicht im Menschen selbst liegt. Gerade auch der Geist ist wesenhaft nicht übersinnlich außerhalb, sondern sinnlich in der Natur des Menschen begründet. Indem sich aber alles am Menschen so aus dem Menschen heraus erklärt – auch sein Geist, auch seine Religion, auch sein Gott – wird Gott als übermenschliche Größe überflüssig. Nichts sprengt den Rahmen atheistisch-materialistischer Definition menschlicher Natur.

Zu Ludwig Feuerbach (1804 bis 1872).
Er wurde in Landshut in Bayern geboren. Sein Vater war ein höchst angesehener Jurist, beauftragt vom bayerischen König, ein neues Strafgesetzbuch für das Königreich Bayern zu entwerfen, das 1813 auch genehmigt und eingeführt wurde. Der junge Ludwig Feuerbach sah dagegen seine persönliche Berufung in der Theologie. Voller Enthusiasmus ging er zunächst an die Universität Heidelberg. Unter dem Einfluss des Theologen Karl Daub, einem begeisterten Hegelfreund, wurde dort aber schnell sein Interesse an der Philosophie entfacht, und nicht einmal die verbieterischen Bedenken seines strengen Vaters konnten ihn daran hindern, von Heidelberg nach Berlin zu gehen und damit von der Theologie in die Philosophie zu wechseln.

Karl Marx kritisierte Ludwig Feuerbach – aber ganz allgemein die Philosophen (er war auch Philosoph)  unter anderem mit seiner These:

Die Philosophen
haben die Welt nur verschieden interpretiert,
es kommt darauf an, sie zu verändern.

Religion als Projektion des Menschen – Ludwig Feuerbach

Karl Marx hatte vor allem damit Recht, dass man die gesellschaftlichen Verhältnisse bei allem miteinbeziehen muss. „Marx wandte sich unter Feuerbachs Einfluß von der Philosophie Hegels ab“, („Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie. Einleitung“, 1984 – aus Meyers Taschenlexikon)

Gruß Hubert