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Hier ein amüsanter (für mich jedenfalls) Artikel über den heiligen Josef – übrigens auch Landespatron von Nord- und Südtirol.
1977 wurde der Feiertag des heiligen Josef in Südtirol abgeschafft, der bis dahin am 19. März gefeiert wurde. Jetzt hätten ihn konservative Kräfte in Südtirol wieder gerne als Feiertag installiert. Gehörnte Bürger, die nicht wütend werden und demonstrieren, die wären fast so angesehen wie Josef.

Der Josef, der heilig wurde, weil er sein Maul hielt

Peter Hahne gehört zu den konservativsten Meinungsmachern, die dieses Land hervorbringt.
Jetzt moniert er in der »Bildzeitung«, dass ein katholischer Kindergarten nach einer Abstimmung nicht den Namen »St. Josef« annehmen werde. Das sei fatal, denn der heilige Josef sei ein leuchtendes Vorbild. Denn »Josef [habe] sich zu Jesus, dem Kind seiner Verlobten Maria bekannt, obwohl es ein Kuckuckskind war.«
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Es sind immer wieder solche seltsamen Ideale, Vor- und Leitbilder, Wertevorstellungen und Ehrgefühle, die den hiesigen Konservatismus prägen. Jede Nische des alltäglichen Bedarfs und der gesellschaftlichen Wahrnehmung wird mit diesem seltsamen Blick auf die Welt verstellt. Leben auf diesem Planeten ist für den Conservative Way of Life immer ein Zustand, der mit Ehre und Pflicht und der Einsicht gepaart ist, dass man an dem Platz im Leben zu stehen habe, wohin es einen verschlägt. Auch wenn es ungerecht ist, auch wenn man eigentlich nur »raus« möchte.
Und es sind zum Beispiel genau jene konservativen Kriegsbereite, die immer wieder in ihren Gazetten trommeln und kriegerische Politiker unterstützen, die dieses konservative Ehrgefühl stimulieren. Denn Krieg ist für sie immer noch ein Feld der Ehre. Pflicht und Erfordernis und Schuldigkeit. Eine Schuldigkeit, mit der Hahne Josef veredelt. Er lief nicht weg. Er blieb. Und er kämpfte um sein Weib, das ihn beschissen hat.


Oho, das ist wirklich vorbildlich, was Josef ausgehalten hat. Lassen wir mal die Geschichte so stehen, dass Jesus nicht sein Kind war.
Dann sagt uns Hahne, dass es als Mann gewissermaßen richtig und angebracht ist, das Gevögele seiner Partnerin zu ertragen und auch die Konsequenzen, die sie unter ihrem Herzen trägt, anständig zu akzeptieren. Denn dorthin, wo es einen Mann verschlägt, sollte er ja auch bleiben. Ehre und so.
Anstand definiert sich also in Hahnes Augen so, dass man seinen Mund nicht aufmacht, sondern hinnimmt, aushält und billigt. Ach, ihr wollte übrigens einen Link zu seinem Statement? Vergesst es!

Josef ist auch nur so ein Vorzeigebürger im Weltbild des Konservatismus. Ein Duckmäuser, Angsthase und Arschkriecher. Ein stiller Mensch, der sein Leid ertragen hat, ohne sein Maul aufzureißen.
Nicht verwunderlich also, dass einer wie Hahne ihn chic findet, ihn für ein Vorbild par exellence hält. Nichts beanstanden, Schnauze halten und das Kuckuckskind einfach hinnehmen: Dann ist man jemand, den das Konservative liebhaben kann. Der Gehörnte, der keine Widerworte gibt, der ist ein Traum für diese Leute.
Gehörnte Bürger, die nicht wütend werden und demonstrieren, die wären fast so angesehen wie Josef. Deswegen ist »St. Josef« so ein schöner Name für eine Einrichtung.

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Der Josef-der heilig wurde-weil er sein Maul hielt

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Gruß Hubert