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Traktat über die drei Betrüger   1 comment

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Dieser Traktat ist von einem französischen unbekannten Autor.

Traktat über die drei Betrüger

Traité des trois imposteurs

Die legendäre Abhandlung über die drei Betrüger (Moses, Jesus und Mohammed) zählt zu den herausragenden Schlüsseltexten der französischen Aufklärung. Die Schrift markiert den Übergang von der rationalen Religionskritik zum konsequenten Atheismus in der Philosophie der Neuzeit und war z.B. auch für de Sade ein wichtiger Ausgangspunkt.

Es gibt weder Gott noch das Jenseits, weder Freiheit noch Verantwortung – sondern der Mensch ist sterblich und Teil der Natur. So lautet die radikale, den Standpunkt der Deisten überbietende Botschaft des gegen Ende des 17. Jahrhunderts entstandenen „Traité des trois imposteurs“, der die Lehren von Moses, Jesus und Mohammed als Lug und Trug zurückweist.

Die legendenumwobene Schrift fand im 18. Jhd. (zunächst in einer Vielzahl von Abschriften, ab 1768 im Druck) große Verbreitung. Sie gilt sodann als Schlüsseldokument für die Anfänge und das Programm des strikt materialistischen Flügels der französischen Aufklärung: bereits 50 Jahre vor d’Holbach bot der „Traité“ den Aufriß für dessen „Système de la nature“, und war später für den Marquis de Sade der Ausgangspunkt für die radikale Desavouierung des Begriffs der Moral.

Der unbekannte Verfasser des „Traité“ begriff sich nicht als Autor, sondern als Vermittler: sein Text stützt sich auf Anleihen bei Hobbes, Spinoza und Vanini, d.h. auf Paraphrasen und Umdeutungen in aufklärerischem Pathos. Der Band präsentiert den Text in kritischer Edition (nach der Ausgabe von 1768) mit deutscher Übersetzung; Einleitung und kommentierende Anmerkungen des Herausgebers erhellen die Aspekte der Entstehungs- und Wirkungsgeschichte der Schrift und geben Nachweise über die zugrundeliegenden Quellen.

Traktat über die drei Betrüger

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Leseprobe

„Wer die Wahrheit liebt, muss sich von ihnen fernhalten.“

Rezension vom 26. Oktober 2017

Es war in einer Zeit als die Kirche mächtig war und alles kontrollierte: im 17. Jh. entstand dieses Werk als wichtige Vorstufe bzw. Grundlage der Aufklärung. Alleine die Entwicklung dieser Gedanken bzw. wer möglicherweise bei der Abfassung des Traktates wider die Betrüger Moses, Jesus und Mohammed beteiligt war, liest sich spannend und weist genau in dunkle Zeiten, in denen Gedanken kontrolliert und nicht offen geäußert werden konnten. Warum entstand die Aufklärung in Europa und nicht im Nahen Osten, warum begannen hier Menschen nachzudenken und nicht mehr das nachzubeten was man ihnen vorkaute? Schwer zu sagen, aber es begann u.a. mit diesen in Paragrafen verfassten Seiten. Wir lesen im § 2 z.B.:

„Der Erfolg der Verfechter dieser Absurditäten (der Religionen) ist so groß, dass es gefährlich ist, sie zu bekämpfen. Diese Betrüger haben ein großes Interesse an der Unwissenheit des Volkes, als dass sie hinnehmen könnten, dass man ihnen die Augen öffnet.“

Der Schrei nach Vernunft und einem würdigen Leben abseits von Aberglauben – nichts andere seien die monotheistischen Lehren – ist ein neues Licht, das im 17. Jh. auftaucht und die Widersprüche der Religionen offen legt. Wenn Menschen Dinge nicht verstehen, neigen sie dazu, mystische Antworten zu geben, um sich zu beruhigen, nichts anderes sieht man in den Hirngespinsten, die Religionen bedienen und damit das Volk klein bzw. als Sklaven halten.

Ein gigantischer Narzissmus atmet durch alle Religionen im Hinblick auf die Selbstbezüglichkeit: die Natur sei für den Menschen erschaffen, er die Krone der Schöpfung.

Vor den Religionen gab es nur die Pflicht zum Gehorsam gegenüber den natürlichen Gesetzen, lesen wir, d.h. zur Übereinstimmung mit der rechten Vernunft. Man lebte friedlicher und kannte die Furcht gegenüber eifersüchtigen Göttern nicht, monotheistische Religionen begannen das Leben zu vergiften und zu verstümmeln. Wir lesen auf Seite 111: „Die Erscheinungen Gottes und seine Unterredungen mit Moses und Mohammed sind ebenso wie die göttliche Herkunft Jesu die größten Betrügereien, die je verbreitet wurden. Wer die Wahrheit liebt, muss sich von ihnen fernhalten.“

Ein erhellendes Buch, das gläubigen Menschen nicht gefallen dürfte, Gedanken der Vernunft und der Natur fließen – um Gott abzulehnen braucht es nicht allzuviel Verstand! Die Sätze klingen logisch und erfrischend human, sie lösen uns von Verstrickungen falscher Vorstellungen von Himmel oder Hölle oder auch Descartes, der auf das Schönste auf die Hörner genommen und weit weg geworfen wird. Religionen hatten nach Ansicht der Verfasser nur einen Zweck: Menschen klein zu machen, sie in die Pflicht zu nehmen, um sie besser ausbeuten zu können.

In der gleichen Zeit entstand dieses Werk: Das Testament des Abbé Meslier: Die Grundschrift der modernen Religionskritik – ein ebenso scharfes, unversöhnliches Traktat der Religionskritik.

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Hier noch das Vorwort des Herausgebers des oben genannten Werkes:

Das Testament des Abbé Meslier: Die Grundschrift der modernen Religionskritik

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Die weltweiten Aufwallungen des Religiösen treffen auf eine besorgniserregende Selbstvergessenheit in weiten Teilen des spätmodernen Kulturbetriebs, der zunehmend seine säkular-humanistischen Wurzeln verrät und missachtet. Verführt durch den pompös inszenierten Medienkatholizismus und als Kontrast zur Marktanbetung im Wirtschaftsteil lesen sich die postmodern verbildeten Feuilletons mittlerweile wie eine Ansammlung von Bewerbungsschreiben für kirchliche Huldigungsblätter.

In Form der gewalttätigen Kollision zwischen dem fundamentalistisch inspirierten US-Kapitalismus und der islamistisch entzündeten muslimischen Herrschaftskultur erleben wir zu Beginn des 21. Jahrhunderts vor allem aber erneut eine weltpolitisch bestimmende Konfrontation zwischen religiös ausgerichteten Herrschaftsträgern und -aspiranten.

Zunehmend wird deutlicher, dass religiöse Glaubensformen nach wie vor als desorientierende Bedeutungssysteme wirken, die menschliche Widerspruchs- und Krisenerfahrungen in eine regressive, reaktionäre und selbstzerstörerische Richtung lenken.

Vor diesem Hintergrund ist der Nachlasstext von Jean Meslier, der mit dieser Neuveröffentlichung nun wieder in deutscher Sprache zugänglich gemacht wird, keinesfalls ‚nur‘ von rein geistesgeschichtlichem Interesse, sondern von brennender Tagesaktualität.

Mesliers „Testament“ zeichnet sich dadurch aus, dass hier zum ersten Mal in umfassender und systematischer Weise radikale Herrschaftskritik und radikale Religionskritik eine ‚organische‘ Verbindung eingehen. Im Grunde beginnt mit dieser kritischen Offenlegung religiöser und gesellschaftlicher Herrschaftssynthese der ‚eigentliche‘ sozial- und subjektemanzipatorische ‚Diskurs der Moderne‘.

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Quelle: Amazon.de

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Gruß Hubert

 

Der Jesuswahn   1 comment

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Wie man im Beitrag sieht, ist der Autor des Buches „Der Jesuswahn“ Theologe, also kein Kirchenfeind. Er geht den unzähligen Erfindungen nach, die es über Jesus gibt. Zum Beispiel sah sich Jesus selbst nicht als Gottes Sohn. Die Auferstehung Jesu ist eher Legende denn historische Tatsache.

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„Der Jesuswahn“

 

Der evangelische Theologe und religionskritische Autor Heinz-Werner Kubitza über Jesus und wie das Christentum und die Kirche ihren Gott erschaffen haben

Heinz-Werner Kubitza ist promovierter evangelischer Theologe, Autor eines religionskritischen Buches und Inhaber des Tectum Wissenschaftsverlags. In seinem Buch „Der Jesuswahn“ befasst er sich mit den Ergebnissen der neutestamentlichen Forschung über Jesus von Nazareth sowie den christlichen Glaubensvorstellungen.

Sein Fazit: Der christliche Glaube ist weitgehend eine Erfindung und hat mit dem historischen Jesus fast nichts gemein.

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Der überschätzte Jesus. Bild: F.R.
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Viele Kritiker des Christentums befassen sich mit den im christlichen Glauben und von Amtskirchen im Namen Jesu begangenen Taten. Heinz-Werner Kubitza jedoch stößt zu den Grundfesten des christlichen Glaubens vor. Jesus selbst sah sich wohl nicht als Gottes Sohn, das behaupteten – nach seinem Tod – nur die frühen Christen, die ihn nicht kannten. Sich am Kreuz für die Sünden der Menschen zu opfern, sei ebenfalls nicht Jesu Plan gewesen. Die Auferstehung Jesu ist eher Legende denn historische Tatsache. Und die Lehre der Dreieinigkeit (Trinität) soll erst ab dem zweiten und dritten Jahrhundert entstanden sein.

Der historische Jesus deckt sich in nahezu nichts mit den christlichen Glaubensvorstellungen, denn Jesus sei ein Mensch jüdischen Glaubens gewesen, der – kaum verwunderlich – nur diesen Glauben gepredigt habe. Schon gar nicht das Christentum, dessen Botschaft für Juden eine Gotteslästerung darstellte. Der von allen späteren Glaubensvorstellungen entblößte und so historische Jesus sei ein Mensch durch und durch. Aber selbst der Mensch Jesus vermag heute nicht mehr so recht zu überzeugen. Seine Hauptbotschaft von der nahen Apokalypse sei ein epischer Irrtum, sprach Jesus von Liebe, meinte er nicht Jeden, und er habe allerlei Inhumanes gepredigt.

Heinz-Werner Kubitza beruft sich auf die neutestamentliche wissenschaftliche Forschung, deren Ergebnisse er präsentiert und aus denen er ein für das Christentum vernichtendes Gesamtbild zeichnet.

Herr Kubitza, Sie zweifeln nicht weniger als die Fundamente des christlichen Glaubens an. Den geglaubten Vorstellungen stellen Sie das Bild eines historischen Jesus entgegen, das Ihrer Meinung nach auf wissenschaftlichen Ergebnissen fußt. Um den Einstieg in ein komplexes Thema zu wagen: Sah sich Jesus als Gottes Sohn?

Heinz-Werner Kubitza: Er sah sich nicht in der dogmatischen Weise als Sohn Gottes, wie das spätere Konzilien festgestellt haben. Nach der Lehre der Kirche ist er ja als Sohn Gottes selbst Gott. Das wäre für den frommen Juden Jesus eine unglaubliche Blasphemie gewesen. Er sah sich vielleicht als Sohn Gottes in dem Sinne, wie sich heutige Gläubige auch als „Kinder Gottes“ sehen. „Söhne Gottes“ konnten im Judentum auch die Könige Israels genannt werden oder einzelne Fromme. Jesus als Gott oder als Teil einer wie auch immer gedachten Trinität: das ist absurd.

Wenn sich Jesus nicht als Gottes Sohn verstand, ist es doch denkbar, dass er sich als Mensch am Kreuz für die Sünden der Menschen geopfert hat. Wie sieht das die Forschung?

Heinz-Werner Kubitza: Dass die Kirche die Lehre entwickelte, Jesus sei am Kreuz für die Sünden der Welt gestorben, resultiert aus dem peinlichen Umstand, dass er den Tod eines Verbrechers am Kreuz gestorben ist. Damit haben wohl weder er noch seine Jünger gerechnet, und man hat Zeit gebraucht, um sich dieses an sich peinliche Faktum zurechtzulegen. Dass Jesus der Meinung war, er könne durch seinen Tod Menschen erlösen, heißt viel späteres christliches Gedankengut in diesen Jesus zu projizieren. Jesus war kein Christ, dies darf man nie vergessen.

Jesus soll ein frommer Jude und kein Christ gewesen sein?

Heinz-Werner Kubitza: Christen gab es erst nach dem Tode Jesu. Und selbst dann verstanden seine Jünger sich natürlich weiterhin als Juden, nahmen an den Synagogengottesdiensten und am Tempelkult teil. Die Evangelisten haben Jesus später oft in Opposition zu seinen Glaubensbrüdern dargestellt. Doch die Evangelien stammen aus einer Zeit, als das frühe Christentum sich bereits vom Judentum gelöst hat. Bis dahin war es eine jüdische Sekte.

Jesus war bekennender Jude, der als Wanderprediger in Galiläa unterwegs war und einen Zwölferkreis um sich sammelte, in Anlehnung an die zwölf Stämme Israels. Er lebte als Jude, lehrte als Jude und wollte nie etwas anderes sein. Es ist eine der Absurditäten der Geschichte, dass der fromme Jude Jesus, der Jahwe als den einzigen Gott verehrt hat, durch die Christen selbst zu einem Gott erhoben wurde. Das war ein Akt von geistesgeschichtlicher Vergewaltigung. Doch ein Toter kann sich nicht mehr wehren.

Auferstehung: Eine überschießende Phantasie hat eine Schneise der Verwüstung im gesunden Menschenverstand hinterlassen

 

Und die Auferstehung?

Heinz-Werner Kubitza: Der Glaube, er sei von den Toten auferstanden, kam in der Gemeinde früh auf oder war sogar ihr Gründungsdatum. Theologen erklären dies heute gerne als Visionen einzelner Jünger (oder der Behauptung derselben), was dann von Anderen geglaubt wurde. Die Auferstehungsgeschichten in den Evangelien jedenfalls sind klare Legenden, da ist sich die Forschung weitgehend einig. Das Markusevangelium als ältestes Evangelium hatte ursprünglich gar keine Auferstehungsgeschichten, sondern endete mit dem leeren Grab. Ebenso scheint es keine in der Redenquelle Q gegeben zu haben, einer schriftlichen Vorlage, die von Matthäus und Lukas verwendet wurde.

Später haben dann eine überschießende Phantasie und ein überschäumender Auferstehungsglaube eine Schneise der Verwüstung im gesunden Menschenverstand hinterlassen. Und nebenbei: Der Auferstehungsgedanke verkleinert ja auch die Bedeutsamkeit des Kreuzes. Was soll das für ein Opfer gewesen sein, wenn der tote Gottessohn nur drei Tage tot bleibt? Viele Eltern wären froh, wären ihre Kinder mal für drei Tage aus dem Haus.

Aber in der Bibel findet sich eine Auferstehungsgeschichte von Markus.

Heinz-Werner Kubitza: Das ist richtig, doch diese Verse sind später hinzugekommen, sie finden sich in den ältesten Abschriften noch nicht. In späterer Zeit ist der sog. Markus-Schluss, so wie wir ihn heute kennen, hinzugefügt worden, zusammengestellt aus den anderen Evangelien.

Ist es nicht denkbar, dass Markus eine Auferstehungsgeschichte verfasste, sie aber verschollen ist?

Heinz-Werner Kubitza: Das wäre gut möglich, denn sicher hat auch die Gemeinde des Markus (um das Jahr 70) an die Auferstehung geglaubt. Den Historikern macht dies viel Kopfzerbrechen. Aber Fakt ist jedenfalls: In der uns erreichbaren ältesten Fassung hatte das Markusevangelium keine Auferstehungsgeschichten.

Allerdings berichten die anderen drei Evangelisten von einer Auferstehung Jesu. Markus vertritt also nur eine Minderheitenmeinung.

Heinz-Werner Kubitza: Ich würde gar nicht mal sagen, dass Markus nicht an die Auferstehung geglaubt hat. Es wäre aber schön, hätten wir aus diesem ältesten Evangelium auch eigene Erzählungen darüber, und nicht nur das, was fromme Christen später aus Verlegenheit hinzugefügt haben.

Kein Gott ist damals an Weihnachten Mensch geworden

Zu den schönsten Stellen der Bibel gehört die Weihnachtsgeschichte. Wie sieht sie die Forschung?

Heinz-Werner Kubitza: Als reine Legende, an der vermutlich bis auf die Eltern Jesu kein wahres Wort ist. Es gab keine Krippe, keine Weisen aus dem Morgenland, keine Volkszählung, keinen Kindermord von Bethlehem, keine Flucht nach Ägypten. Da sind sich praktisch alle Historiker einig. Das Markusevangelium als ältestes Evangelium hatte auch noch keine Geburts- und Kindheitslegenden, Paulus weiß noch nichts von einer Jungfrauengeburt.

Die Geschichten sind dann verständlicherweise entstanden, weil Gläubige auch schon die Geburt und Kindheit des religiösen Helden wunderbar verklärt wissen wollten. Man kennt das aus vielen Heiligenlegenden. Also: Genießen Sie die Ruhe und die Weihnachtsfeiertage. Aber kein Gott ist damals Mensch geworden.

Nach christlichen Glaubenvorstellungen ist Jesus der Messias. Der Messias-Glaube entstammt aber Judentum. Für Nicht-Theologen ist das verwirrend. Was beinhalteten die jüdischen Messias-Vorstellungen, wie passen sie zum Christentum, wie definierte sich der historische Jesus als Messias?

Heinz-Werner Kubitza: Messias heißt übersetzt einfach „Gesalbter“ und meinte ursprünglich einen König. Alle Könige Israels waren so gesehen Messiasse. Doch um die Zeitenwende erwartete man die Aufrichtung der Herrschaft Gottes, bei der in einigen Vorstellungen ein Messias eine Rolle spielte. Die nahe Gottesherrschaft verkündete auch Jesus. Dass er sich selbst aber für den Messias gehalten hat, davon gehen die meisten Neutestamentler heute nicht mehr aus.

Offenbar hat die Urgemeinde aber seine Rückkehr als Messias noch erwartet. Doch die Christen haben die Messiasvorstellung bald fallen gelassen, denn sie war an jüdische Vorstellungen gebunden, und die meisten Christen kamen bald aus nichtjüdischem Umfeld. Die Messiasvorstellung war da einfach zu popelig, im hellenistischen Umfeld machte man aus Jesus einen Gottessohn und später einen Gott selbst. Eine wirklich bemerkenswerte Karriere für einen Zimmermannssohn aus Galiläa. Jesus wurde damit zur am meisten überschätzten Person der Weltgeschichte.

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Schon Markus berichtet von Wundern Jesu. Nimmt man das Fehlen der Auferstehungsgeschichte bei Markus ernst, so muss man ihn auch bei den Wundern Jesu für bare Münze nehmen.

Heinz-Werner Kubitza: Vor allem als Exorzisten hat die frühe Überlieferung Jesus offenbar verstanden. Wenn das Rad der Fantasie erst einmal ins Rollen kommt, gibt es bald kein Halten mehr. Die Wunder Jesu werden immer großartiger, aber auch skurriler. Man kennt dies aus mittelalterlichen Heiligenlegenden. Fragt man zurück, was am Anfang stand, so ist besonders der Vers Gal. 1, 18 interessant. Dort berichtet Paulus, dass er um das Jahr 32-35 für fünfzehn Tage bei Petrus zu Besuch war. Und worüber werden sie sich unterhalten haben? Natürlich über Jesus, sein Leben, was er gesagt und getan hat. Doch seltsam: Paulus erwähnt später aus dem Leben Jesu praktisch nichts. Petrus scheint noch nichts von den Wundern Jesu gewusst zu haben. Sonst hätte uns Paulus sicher davon erzählt. Im Vergleich zu den Evangelien, davon gehen Theologen heute aus, verlief das Leben Jesu, von seinem Tod abgesehen, wohl eher unspektakulär.

Jesus soll von Dämonen besessene Menschen geheilt haben?

Heinz-Werner Kubitza: Heute wirkt dies natürlich absurd, denn es gibt ja keine Dämonen, auch wenn der Vatikan noch offiziell eine Exorzistenschule unterhält. Mit Dämonen aber war man in der Antike schnell bei der Hand. Es genügten psychische oder körperliche Auffälligkeiten, um Dämonen am Werk zu sehen. Bei den „Besessenen“ dürfte es sich um geistig Behinderte, psychotische oder neurotische Menschen gehandelt haben. Leider weiß man einfach zu wenig über die Geschehnisse, um eine Ferndiagnose stellen zu können.

 

Der Jesuswahn

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Wer will kann auf der zweiten Seite weiterlesen. Ein Auszug daraus.

Aber wie erklären Sie sich, dass diese Erkenntnisse nicht einer breiteren Öffentlichkeit bekannt sind?

Heinz-Werner Kubitza: Dass Jesus keine neue Religion schaffen wollte, er langsam in die Rolle eines Gottessohnes hineingebastelt wurde, dass die Trinitätslehre kaum biblische Fundamente hat, dass die Bibel keine Dokumente aus erster und zweiter Hand enthält, Maria zur Gottesmutter erst durch Konzile geworden ist; dies und vieles mehr steht nachzulesen in vielen Büchern von neutestamentlichen Theologen. Doch was gewönnen z.B. Pfarrer und Kirchen, wenn sie ihre Gemeinden auf diese Ergebnisse der Forschung aufmerksam machen würden? Dann kämen schnell Andere und würden konsequenterweise die Abschaffung oder zumindest das Ende der Privilegierung von Kirchen, Pfarrern und der Theologie an Universitäten fordern. Daran hat ja weder die Kirche, noch die Pfarrer und auch nicht die Theologieprofessoren ein Interesse. Man muss ja auch von irgendwas leben.

Sie haben das letzte Wort. Was würden Sie den Lesern mitgeben?

Heinz-Werner Kubitza: Bleiben Sie kritisch, vor allem Ideologien und Religionen gegenüber, die meinen, sie seien im Besitz der Wahrheit. Bleiben Sie selbstständig im Denken, lassen Sie sich nicht vor den Karren einer Kirche spannen oder in die Herde der Gläubigen einreihen. Misstrauen Sie allen, die ihnen weismachen wollen, es gebe einen Sinn für alle Menschen. Geben Sie ihrem Leben selbst einen Sinn.

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http://www.heise.de/tp/artikel/40/40219/2.html

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Gruß Hubert

 

Alfred Binders Kritikpunkt.e zu Jahwe, Jesus und Allah   Leave a comment

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WEIMAR. (fgw) Alfred Binder will mit seiner jetzt vorliegenden Schrift aus der Reihe Kritikpunkt.e „Jahwe, Jesus, Allah“ eine „kurze Kritik der monotheistischen Götter“ der sogenannten abrahamitischen Religionen Judentum, Christentum und Islam geben.

 

Und das ist dem Philosophen Binder auch bestens gelungen. Diesen schmalen Band kann man daher mit Fug und Recht ein komprimiertes, prägnantes „Wörterbuch“ nennen. Ein fundiertes und gut belegtes Nachschlagewerk, das sich den elementarsten Fragen zu den drei Buch- bzw. Offenarungsreligionen stellt, die sich beim unbefangenen Leser früher oder später auftun. Binders wirklich lesenswerte Arbeit bewegt sich auf hohem wissenschaftlichen und sprachlichem Niveau und ist zugleich allgemeinverständlich.

Löblich ist Binders Ansatz, unter der Überschrift „Geister, Götter, Gott“ zunächst zu definieren, was Religion ist, welche drei grundlegenden Religionsformen es weltweit gibt, wie diese Formen entstanden sind und warum sich aus polytheistischen Religionen monotheistische entwickelt haben. Anhand der „Heiligen Bücher“ Tanach, Bibel und Koran deckt er fundiert und präzise deren Fehler und Widersprüche auf. Wobei für den Autor die ethischen Widersprüche die schwerwiegendsten sind.

Vor allem räumt Binder mit Behauptungen, wie „Gott ist Güte und Barmherzigkeit“ oder „Gott ist allwissend und allmächtig“ auf. Er macht auf das Dilemma aufmerksam, daß Kleriker die unumstößlichen „göttlichen Wahrheiten“ aus archaischen Zeiten immer wieder neu interpretieren müssen und warum sie dies müssen: All diese Religionen dienten und dienen nur dazu, die weltliche Macht von sklavenhaltenden, feudalen und heutigen ökonomisch und politisch Herrschenden zu begründen und zu befestigen. Wobei die jeweiligen Kleriker stets auch selbst nach Herrschaft strebten und daher immer mit den weltlichen Herrschern auf das engste verbunden seien.

Sehr ausführlich geht Binder auf die auch heute immer wieder behaupteten „christlichen Werte“ ein, ohne die unser aller Leben nichts sei. Sein Urteil fällt für Klerus und die diesem hörige Politik vernichtend aus.

Kurz und bündig resümiert Binder in seinen Betrachtungen über den Ursprung und Zweck dieser Buchreligionen: „Die Kernfunktion der monotheistischen Religionen für die Herrschenden lautet: Die Disziplinierung der Untertanen und ihre Versöhnung mit ihrem Untertanenschicksal.“ (S. 158) Daher seien die monotheistischen Religionen, insbesondere Christentum und Islam, auch besonders missionarisch und intolerant.

Siegfried R. Krebs

http://www.freigeist-weimar.de/beitragsanzeige/alfred-binders-kritikpunkte-zu-jahwe-jesus-und-allah/

 

Gruß Hubert

 

Veröffentlicht 20. April 2014 von hubert wenzl in Kirchenkritik, Religionskritik

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