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Der „notwendige Einsatz“ der Inquisition   Leave a comment

Kaum zu glauben, dass der heutige Papst noch vor wenigen Jahren die Aufgabe des Inquisitors in der Hand hatte und führte … hmm, heute heißt sie ganz harmlos und verharmlosend „Kongregation für die Glaubenslehre“ *). Aber der inquisitorische Geist ist der gleiche geblieben.

„Papst Paul III. (1468-1549), Förderer der Inquisition und Eröffner des Konzils von Trient (1545-1563), Tridentinum genannt:
„Wenn mein eigener Vater Häretiker wäre, würde ich selbst das Holz zusammentragen, um ihn verbrennen zu lassen.“
(zit. nach Deutschland-Radio Berlin, 21.7.2002,
http://www.dradio.de/dlr/sendungen/kalender/126123/ )

Hier ein Auszug.

Joseph Kardinal Ratzinger, jetzt Papst Benedikt XVI.:

Der „notwendige Einsatz“ der Inquisition

[Gott …] „Lass jeden von uns zur Einsicht gelangen, dass auch Menschen der Kirche im Namen des Glaubens und der Moral in ihrem notwendigen Einsatz zum Schutz der Wahrheit mitunter auf Methoden zurückgegriffen haben, die dem Evangelium nicht entsprechen.“

So der Beginn eines so genannten „Schuldbekenntnisses“ aufgrund der Verbrechen der Kirche, das so genannte „Mea Culpa“, das Papst Johannes Paul II am 12.3.2000 im Wechsel mit anderen hochrangigen Vertretern des Vatikan in Rom öffentlich vorgetragen hat
(z. B. http://www.theology.de/religionen/oekumene/evangelischerkatholischerdialog/meaculpa.php ). Den Text hatte damals Joseph Kardinal Ratzinger verfasst und er hatte dabei auch die oben zitierten Worte gesprochen. Der Papst und die Kardinäle haben mit ihren schöngefärbten und ausgeklügelten Worten aber nicht ihre Opfer um Verzeihung gebeten – was notwendig wäre und bei einer echten Reue auch selbstverständlich. Man richtete stattdessen ein weitgehend allgemein gehaltenes Gebet an die Adresse von „Gott“.

„Großinquisitor ist eine historische Einordnung, irgendwo stehen wir in der Kontinuität. Aber wir versuchen heute das, was nach damaligen Methoden zum Teil kritisierbar gemacht worden ist, jetzt aus unserem Rechtsbewusstsein zu machen. Aber man muss doch sagen, dass Inquisition der Fortschritt war, dass nichts mehr verurteilt werden durfte ohne ´inquisitio`, das heißt, dass Untersuchungen stattfinden mussten.“

So Joseph Kardinal Ratzinger im ARD-Magazin Kontraste (3.3.2005) zu seinem inoffiziellen Titel „Moderner Großinquisitor“. Wenige Wochen später wurde er zum Papst gewählt.

„Jetzt haben wir ja unser Archiv Gott sei Dank nach mühsamen Vorarbeiten eröffnen können und freuen uns, dass also gerade auch nicht-gläubige Historiker sagen: ´Also ganz so schlecht war die Inquisition auch wieder nicht.` Sie war eigentlich der zeitgenössischen Justiz voraus, weil sie Verteidigungsmöglichkeiten, Anhörungspflicht usw. geschaffen hat. Machen wir uns nicht vor: Vieles waren Fehlurteile, vieles ist schiefgelaufen. Aber eine Suche nach Gerechtigkeit ist doch dagewesen und ich glaube, die Öffnung des Archivs wird vielleicht, soweit die Leute zuhören wollen, ein bisschen was von den dunklen Schatten aufhellen können.“

So Joseph Ratzinger im Jahr 1998, zit. nach Der deutsche Papst, 3Sat, 18.9.2011 (Erstausstrahlung). Eine Unterscheidung von „Inquisition“ und „zeitgenössischer Justiz“ ist dabei nicht seriös. Es gab keine „zeitgenössische“ Justiz, die ohne Zusimmung der Kirche ihre Urteile fällen konnte. Die staatlichen Richter waren genauso der kirchlichen Obrigkeit hörig wie speziell tätige „Inquisitionsrichter“. Lesen Sie dazu auch das Extrablatt Satan öffnet sein Archiv.
Inquisitionsakten

PS: Hierzu einige sehenswerter Links: Der erschütternde Brief des Bamberger Bürgermeisters Johannes Junius vom 24.7.1628 an seine Tochter Veronika ist erhalten geblieben. Junius wurde von den Inquisitoren der Kirche im Bamberger Malefizhaus gefoltert und hingerichtet. Sein Brief wurde in einer Animation vertont – als ob Junius als Seele aus dem Jenseits sprechen würde. Siehe unter http://www.youtube.com/watch?v=qfRKfimBGpw

Zur gesamten Situation siehe auch Die Folter der katholischen Inquisition in Bamberg von 1627-1632 unter http://www.youtube.com/watch?v=8q3IKHOcPd4
Dort finden sich auch weitere, auf dieser Seite nicht aufgeführte grausame Foltermethoden der Kirche.
Mehr zur Inquisition in Bamberg siehe auch unter http://www.theologe.de/erzbistum_bamberg.htm

Quelle:

Inquisition

*) Auszug
Heute heißt die Inquisitionsbehörde Kongregation für die Glaubenslehre. Weiterhin ist es ihre Aufgabe, die katholischen Dogmen zu hüten.

Dieser Aufgabe widmet sich seit 1981 der Kongregationspräfekt Kardinal Joseph Ratzinger. Auch er ist der Ansicht, dass es keine »Freiheit zur Lüge« geben darf, und fordert »die Ehrfurcht vor dem Heiligen überhaupt, vor Gott, die auch demjenigen zumutbar ist, der selbst nicht an Gott zu glauben bereit ist«. Eine ganze Seite überlässt die Süddeutsche Zeitung dem Glaubenskämpfer, um solchen und anderen Unfug zu verbreiten.

Der Kardinal geißelt den »nur als pathologisch zu bezeichnenden Selbsthass des Abendlandes«, das »von seiner eigenen Geschichte nur noch das Grausame und Zerstörerische sieht, das Große und Reine aber nicht mehr wahrzunehmen vermag«. Die »monogame Ehe« müsse daher »als Zelle staatlicher Gemeinschaftsbildung« geschützt werden, während Europa mit der Anerkennung der Homo-Ehe »aus der gesamten moralischen Geschichte der Menschheit« heraustrete. »Europa sollte ganz bewusst wieder seine Seele suchen«, empfiehlt der Kardinal. Und finden soll es sie im Vatikan.

Ratzinger bietet die katholische Lehre als gesellschaftlichen Ordnungsfaktor und als Ideologielieferanten für die Weltmacht Europa an. Der Kardinal betont, »dass der Werteverfall materielle Folgen hat und dass Gegensteuerung notwendig ist«. Nicht die Erlösung durch das Wort Gottes, sondern der praktische Nutzen begründet also den Anspruch auf mehr Macht. Die Argumentation der Kirche ist weltlicher geworden, aber reaktionär geblieben.

Kongregation für die Glaubenslehre

Gruß Hubert

Veröffentlicht 17. November 2012 von hubert wenzl in Uncategorized

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