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Er ließ sich nie von Autoritäten täuschen   Leave a comment

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Karlheinz Deschner war nicht nur einer der bedeutendsten Kirchenkritiker des 20. Jahrhunderts, er war auch ein hervorragender Literaturkritiker.

 

Eine Laudatio auf Karlheinz Deschner von Karl Corino.

Auszug.

Karl Corino hielt diese Laudatio anlässlich der Verleihung des Wolfram-
von-Eschenbach-Preises des Bezirks Mittelfranken an Karlheinz Desch-
ner 2004. Der Text wurde für dieses Heft leicht gekürzt.
«… man müßte schreiben, ohne eine Sekunde nachzudenken,
man müßte drauflosschreiben wie eine Maschine, so schnell
und ohne alle Hemmungen, man müßte alles herausschleu-
dern wie ein Vulkan oder wie man sich erbricht oder was
weiß ich, sobald man denkt, ist es schon vorbei, das ist meine
Erfahrung». So steht es in Karlheinz Deschners erstem Ro-
man «Die Nacht steht um mein Haus», mit dem er 1956, mit
32 Jahren, die literarische Szene betrat.
Es war ein Debüt, das im wahren Wortsinn Furore machte und
die Öffentlichkeit, wie später so oft, in zwei Lager spaltete.
«Deschners Prosa vom Leben und Leiden
des einzelnen an der allgemeinen Unmenschlichkeit der Epo-
che hat an ihren besten Stellen die Durchschlagskraft eines
Geschosses.

Als Erstlingsbuch: eine großartige Begabungs-
leistung!», schrieb Karl Krolow damals, und Leslie Meier
alias Peter Rühmkorf: «Ein Buch mit wunderbaren Natur-
schilderungen und wunderbaren Herausforderungen, lyrisch
und provokant, anstößig und stimmungsgeladen, vor allem
aber: von der Form her interessant» – ein Lob, das dem von
Wolfgang Koeppen, Hermann Kesten, Hanns Henny Jahnn,
Hans Erich Nossack, Ernst Kreuder oder Albert Vigoleis
Thelen glich, während andere von einem
«einzigen Zeugnis von Kraftlosigkeit»
sprachen oder von einer «Roßkur».

Wenn man heute, aus einer Entfernung von fast 50 Jahren, auf dieses Buch zurückblickt, so muss man sagen, es gehört zu den wichtigen Leistungen je-
ner Generation, die im III. Reich aufwuchs und dann in den
II. Weltkrieg geworfen wurde. Der Generation der Überle-
benden und der Heimkehrer, wie sie auch Arno Schmidt in
seinen frühen Büchern porträtierte, nicht zuletzt in «Brand’s
Haide». (…)
Kein Zweifel, das knappe Dutzend von Essays Deschners
über «Franken, die Landschaft [s]eines Lebens», die unter
dem Titel «Dornröschenträume und Stallgeruch» in mehreren
Auflagen erschienen, sind Filiationen jener frühen Prosa, und
es ist nicht verwunderlich, dass das Verhältnis zur Natur und
die Fähigkeit, sie Wortmagie werden zu lassen, für Desch-
ner immer ein eminent wichtiges Kriterium war für poe-
tisches Genie.
Es ist kein Zweifel, dass meine Generation, die im II. Welt-
krieg, oder kurz davor, bald danach zur Welt kam, von Desch-
ner geprägt wurde. Das gilt nicht zuletzt für die literarische
Urteilsfähigkeit. 1957 erschien Deschners literarische Streit-
schrift «Kitsch, Konvention und Kunst», ein Büchlein von
ca. 170 Seiten, das bei vielen Schülern und Studenten Epoche
machte.

Es stürzte die Götter vieler unserer Deutschlehrer – Bergengruen,
Carossa, Hesse – und holte die Autoren Broch,
Jahnn, Musil, Trakl heim aus dem Exil und entriss sie der
Vergessenheit. Deschner ließ sich nie von Autoritäten und
Zelebritäten täuschen. Mochte Hermann Hesse auch seinen
Nobelpreis haben – Deschner zeigte, wie epigonal dessen
Prosa und seine Lyrik seien – und umgekehrt, wie originell
und modern die «Schlafwandler», der «Fluß ohne Ufer», die
Entwürfe zum «Mann ohne Eigenschaften». Ich persönlich
muss gestehen, dass ich in Deschners Streitschrift die ersten
Zeilen von Musil las, aus «Grigia» z. B., und dass diese Be-
gegnung mein weiteres Leben bestimmte. Ich habe mich vier-
zig Jahre lang mit Musil beschäftigt, und dass es nun eine
2000 Seiten umfassende Biographie dieses Autors gibt, geht
auf meine Initiation durch Deschner zurück.
Deschner ist als Literaturkritiker eine Potenz, und er hät-
te das Zeug gehabt, der führende Mann Deutschlands auf
diesem Gebiet zu werden, wenn sich seine Interessen später
– und mit weitreichenden Folgen – nicht verlagert hätten.
Man muss nur wieder einmal in seinem Band «Talente,
Dichter, Dilettanten» aus dem Jahre 1964 blättern, um mit Genuss
zu sehen, wie er die Schein-Blüten der Gruppe 47 entblätterte. (…)
Und nicht minder brillant ist Deschners Analyse von Wal-
ter Jens’ Buch «Deutsche Literatur der Gegenwart» aus dem
Jahr 1968. (…) Man kann nur bedauern, dass Deschner sich
nicht weitere Geistesheroen aus Jensens Umkreis zur Brust
genommen hat.

Einige Pressestimmen.

«Eine der eigenartigsten und
originellsten Persönlichkeiten
der deutschen literarischen
Welt.» La Stampa, Turin

«Einer der großen
deutschen autoren seit
1900, der paar, denen
Dank gebührt und die,
so bekannt sie auch
werden, viel zuwenig
gehör finden.» Kurt
Hiller, Hamburg

«… unerhört suggestiv und
mitreißend: panhafte sprachmusik
…» Günter Haas, Frankfurter Rundschau

«Nur mit den Deschners ist eine
große deutsche literaturtradition
zu regenerieren, die Kunst des
homerischen streits: das beste
Wort für die notwendige attacke.»
Ludwig Marcuse, Die Zeit, Hamburg

 

 

Und nicht minder brillant ist Deschners Analyse von Wal-
ter Jens’ Buch «Deutsche Literatur der Gegenwart» aus dem
Jahr 1968. (…) Man kann nur bedauern, dass Deschner sich
nicht weitere Geistesheroen aus Jensens Umkreis zur Brust
genommen hat.
Es lag, wie schon angedeutet, daran, dass sich Desch-
ners Interessen verlagerten. Von der Literatur weg zur Reli-
gionsphilosophie und zur Kirchengeschichte.
Zwar schrieb er nach seinem Roman-Erstling noch ein
zweites erzählendes Buch, «Florenz ohne Sonne», das ich
ebenfalls gerne lese, und ein drittes, das er aber nicht mehr
veröffentlichte, die Jahre zwischen 1958 und 1962 widmete
er indes einem 700-Seiten-Wälzer unter dem Titel «Abermals
krähte der Hahn», einer Historie des Christentums von den
Anfängen bis zu Pius XII.

Es gab manche Vorausdeutungen in Deschners erstem Ro-
man, die den Schwenk seines Denkens ahnen ließen: «Na-
türlich gibt es den Glauben, ruft nur, ruft nur, daß es den
Glauben gibt, aber der Glaube ist
auch nur eine Vermutung, eine Vermutung, die man sich suggerieren
kann, aus Schwäche, aus Verzweiflung, aus Dummheit, aus ‹ Demut ›,
aus ‹ Ehrfurcht ›, aus ‹ Kraft ›, aber
auch der Glaube ist nur eine Vermutung unter den anderen
Vermutungen, und selbst wenn ihr von eurem Glauben über-
zeugt seid, blindlings davon überzeugt seid, er bleibt eine
Vermutung, und niemand weiß, ob dieser Vermutung etwas
entspricht», so lesen wir. Es scheint, als habe Deschner gegen
Ende der 50er-, Anfang der 60er-Jahre diesen Vermutungen
auf den Grund gehen wollen. Er mutete sich eine unglaublich
anmutende wissenschaftliche Lektüre zu, die, wenn ich richtig
gezählt habe, seinerzeit schon ca. 1000 Titel umfasste. Er
dürfte alles verarbeitet haben, was die Entstehung und die
Geschichte des Christentums angeht. Die Bilanz war, was
die Nachfolge Christi angeht, niederschmetternd, und ich
kenne Kommilitonen, die nach der Lektüre von Deschners
frühem Opus magnum das Studium der Theologie auf-
gaben.

Mit leidenschaftlicher Exaktheit demonstrierte
Deschner, wie die Lehren der Bergpredigt, ihr zum
Teil revolutionärer, mit dem Alten Testament brechender
Ansatz mit der Erhebung des Christentums zur Staatsreligion
durch Kaiser Konstantin in ihr Gegenteil verkehrt wurden. Wie die
Gebote der Nächsten- und der Feindesliebe, die den Christen ein
paar Jahrhunderte lang den Militärdienst verboten, umgebo-
gen und staatsdienlich, kriegstauglich gemacht wurden. Aus
Wehrdienstverweigerern und Märtyrern unter den früheren
römischen Kaisern wurden nun Waffenträger und Feldpre-
diger, die die Schwerter und Lanzen segneten. Er zeigte, wie
die urchristliche Gütergemeinschaft einem urwüchsig-dauer-
haften Besitzdenken wich, wie sich die kirchliche Hierarchie
unter dem römischen Episkopat verfestigte, wie konkurrie-
rende christliche Glaubensrichtungen bekämpft, verleumdet,
notfalls auf Konzilien mit Stöcken niedergeschlagen wurden
und wie das Papsttum mit allen Mitteln machiavellistischer
Politik, lang vor Machiavelli, zu Großgrundbesitz, Größt-
grundbesitz und zur weltlichen Großmacht aufstieg, gegebe-
nenfalls anhand massiver Fälschungen: man denke nur an
die sogenannte Konstantinische Schenkung, der wir den Kir-
chenstaat verdanken.
Immer wieder stieß Deschner auf die peinigenden Wider-
sprüche zwischen den Geboten Christi, soweit wir sie rekon-
struieren können, und der Praxis der Kirche und ihrer Die-
ner, und die Zahl der himmelschreienden Untaten, auf die
man beim Gang durch die Jahrhunderte stößt,
ist wahrhaft Legion.
Man denke nur an die Kreuzzüge, an die Vernichtung der Katharer,
Albigenser und Waldenser (von denen ich vermutlich abstamme),
an die Bauernkriege, an die Hexenverfolgungen, von denen man
auch in der Markgrafschaft Ansbach und in den fränkischen Bistümern
von Bamberg über Würzburg bis Eichstätt ein langes, blutiges und im wahren
Wortsinne feuriges Lied singen müsste, und man stellt mit
Deschner fest, dass sich Katholizismus und Protestantismus
bei aller Feindschaft, der wir ja den Dreißigjährigen Krieg
verdanken, mitunter in ihrer Menschenfeindlichkeit und
Grausamkeit, auch in ihrem Antisemitismus verdammt we-
nig unterschieden.
Es gab die fatalsten Brückenschläge – was etwa Luther
hetzend über die Juden schrieb, das konnte 400 Jahre später
gut der «Stürmer» brauchen –, und es gab die verrücktesten
Allianzen und Spaltungen.
Man braucht nur an die anfeuernde Rolle der Kirchen
in den zwei Weltkriegen des 20. Jahrhunderts zu denken,
als Christen gegen Christen kämpften und die Kirchen al-
len Kriegsparteien versicherten «Gott mit uns», «Gott mit
euch», anstatt jeden zu exkommunizieren, der die diploma-
tischen Feindseligkeiten eröffnete und die Waffe hob. Wenn
heute einzelne Kirchenvertreter behaupten, die Auszeich-
nung Deschners sei ein Schlag gegen die Kirche, so muss man
leider entgegnen, die schrecklichsten Schläge hat die Kirche
in den vergangenen 2000 Jahren, nehmt nur alles in allem,
immer gegen sich selbst geführt, gegen ihre eigenen Gläubi-
gen, gegen die Anhänger konkurrierender christlicher Glau-
bensrichtungen oder die anderen monotheistischen Religio-
nen aus dem Morgenland.
Wer geglaubt hatte, das Thema Kirche sei mit «Abermals
krähte der Hahn» erschöpft gewesen, der irrte sich. Es ließ
Deschner bis zu seinem 80. Geburtstag und darüber hinaus nicht
los. In wöchentlich 100-stündiger Arbeit legte er seit 1986 acht Bän-
de seiner «Kriminalgeschichte des Christentums» vor, rund 4600 Seiten
denen noch zwei weitere Bände folgen sollen. (…)

Immer eingeräumt, dass es auch vorbildliche, ebenso de-
mütige wie mutige Christen gab, die ihr Leben für ihre Prin-
zipien opferten – man denke nur an den christlichen Wider-
stand im III. Reich, an die Bekennende evangelische Kirche
und die katholischen Pfarrer in den KZs –, dies immer einge-
räumt, wird es wohl keine nennenswerte Schandtat im Na-
men des Christentums geben, die Deschner entgangen wäre,
handle es sich, weil wir in Wolframs-Eschenbach sind, nun
um das Wüten des Deutschen Ordens in Polen und im Bal-
tikum, oder um die unbarmherzige Niedermetzelung der In-
dios in Lateinamerika durch die spanischen Conquistadoren,
von der wir beispielsweise durch Las Casas wissen.
Es gibt wohl keinen Zweifel: hätte ein Zufall oder eine
«Fügung» einen Mann vom Schlage Deschners in ein frühe-
res Jahrhundert hineingeboren, er wäre mit höchster Wahr-
scheinlichkeit wie Giordano Bruno auf dem Scheiterhaufen
gelandet und man hätte ihn, mit besonderer Grausamkeit,
vielleicht auf kleinem Feuer geröstet.
Es ist gewiss nicht übertrieben, wenn der Münchner
Philosophieprofessor Wolfgang Stegmüller Karlheinz Deschner
den «bedeutendsten Kirchenkritiker» des 20. Jahrhunderts ge-
nannt hat, und es ist nicht nur die «herrliche Mischung von leiden-
schaftlichem Engagement, klarster Logik, beißendem Sar-
kasmus und überwältigendem Wissen», die ihn zum «mo-
dernen Voltaire» stempelt (Nelly Moya), es ist auch die
Einheit von Denken und Tun.
Aufgewachsen wie alle Franken – Bratwurstland – in be-
denkenlosem Fleischkonsum, vom Vater her gewöhnt an Ja-
gen, Fischen und Töten, hatte er sein Saulus-Paulus-Erleb-
nis. Schon in seinem Erstling lesen wir: «… ich glaube, daß
wir kein Recht haben, die Tiere zu töten, es sei denn das
Recht der Gewalt. Nein, ich mache keinen wesentlichen Un-
terschied zwischen Mensch und Tier … wie das die Christen
tun, die demütigen Christen, die so demütig sind, daß sie sich
für das Ebenbild Gottes halten, für das Ebenbild eines all-
gütigen, allweisen und allmächtigen Gottes, für das Eben-
bild des Schöpfers Himmels und der Erde. Du lieber Him-
mel. Was für ein Gott das sein muß, wenn man ihn beurteilt
nach seinen Ebenbildern! Nein, ich habe die Jagd aufgege-
ben, und da ich dachte, daß jeder Fleischesser schlimmer
als ein Jäger ist, und schlimmer als ein Metzger ist, da
ich dachte, und ich denke es heute noch, daß es nur
Gedankenlosigkeit ist und Inkonsequenz und eine gemütsmuf-
fige Verlogenheit, wenn sie sagen: nein, ich könnte kein Tier
töten, ich könnte keinem Tier was zuleide tun, wobei sie sich
schütteln und entsetzte Augen machen und sich den Bauch
vollschlagen mit Fleisch …, habe ich auch das Fleischessen
aufgegeben».
Deschner fühlt sich in dieser, sagen wir, vegetarischen Ent-
haltsamkeit, die Religionen und Weltanschauungen mitein-
ander vergleichend, den Pythagoräern und den Buddhisten
wesentlich näher als dem Alten Testament mit seinem Gebot
«Machet euch die Erde untertan», das ein Todesurteil für
Milliarden von Tieren impliziert. (…)

So energisch Deschner mit sprachlicher und gedanklicher
Schlamperei, mit Heuchelei, Intoleranz und Grausamkeit
verfährt, so entschieden vertritt er sein Plädoyer
der Barmherzigkeit und Hilfsbereitschaft. (…) «Denn jeder
Mensch braucht Hilf von allen», wie Brecht es formulierte.

Es ist ein Paradox, dass Deschner, auch in viele Sprachen
übersetzt, eine nach Millionen zählende Leserschaft hat, dass
er aber auf weite Strecken nicht überlebt hätte, nicht hätte
weiterarbeiten können ohne die Unterstützung einiger Mäze-
ne. Insofern ist der Wolfram-von-Eschenbach-Preis, der die-
sem Autor heute verliehen wird, nicht nur eine Anerkennung für
das Geleistete, sondern hoffentlich auch eine Hilfe zur Vollen-
dung seines Lebenswerks. (…)

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Gruß Hubert

 

Vatikan und italienischer Faschismus   2 comments

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Es ist unfassbar mit welcher Unverfrorenheit heute die katholische Kirche behauptet, sie hätte gegen Hitler und Mussolini Widerstand geleistet, wenn man sich das Verhalten der Kirche unter diesen beiden Regimes anschaut. Beide Regimes wurden voll unterstützt und die Soldaten dazu angehalten ihre Pflicht im Dienste der Führer mit vollem Einsatz und mit Tapferkeit zu erfüllen. In ihrer autoritären Ausrichtung ähneln sich ja Kirche und Faschismus.
Man braucht sich nur diesen Abschnitt anzusehen.

„Noch am 12. Januar 1938 empfing Mussolini 72 Bischöfe und 2340 Pfarrer im Palazzo Venezia,

wo der Erzbischof Nogara in einer Rede Gott bat, dem Duce in allen Schlachten beizustehen zum Gedeihen des christlichen Italien.

Unmittelbar nach Nogara ergriff der Pfarrer Menossi das Wort: »Exzellenz! Die Priester Italiens flehen auf Ihre Person, auf Ihr Werk als des Wiederherstellers Italiens und Gründers des Reiches, auf die faschistische Regierung den Segen des Herrn und einen ewigen Glorienschein römischer Weisheit und Tugend herab, heute und immerdar. Duce! Die Diener Christi, die Pater des Landvolkes erweisen Ihnen ergeben Ehre. Sie segnen Sie. Sie beteuern Ihnen Treue. Mit frommer Begeisterung, mit der Stimme und dem Herzen des Volkes rufen wir: Heil Duce!« Worauf alle Bischöfe und Priester in den Schrei ausbrachen: »Duce! Duce! Duce!«.“
http://www.gegen-die-kirche.eu/geschichte-der-kirche/item/die-christlichen-kirchen-und-der-faschismus.html

Unglaublich auch die Wandlung von Mussolini innerhalb nur eines Jahres. Aber es war wohl in erster Linie Berechnung, weil er die Katholiken hinter sich bringen wollte.

Aus deschner.info

„Zwar war Mussolini ursprünglich viel kirchenfeindlicher als Hitler; er hatte die Schrift «Es gibt keinen Gott» und den Roman «Die Mätresse des Kardinals» verfaßt, dem Christentum einen gnadenlosen Kampf angekündigt und noch 1920 Religion Unsinn, religiöse Menschen krank genannt, auf die Dogmen gespuckt und beteuert: «Mit den Beschimpfungen der Pfaffen schmücke ich mich wie mit einem duftenden Blumenkranz.» Doch schon 1921 rühmte er den Vatikan und die von ihm ausstrahlende universelle Idee des Katholizismus derart, daß Kardinal Achille Ratti von Mailand ein Jahr vor seiner Papstwahl jubelte: «Mussolini macht schnelle Fortschritte und wird mit elementarer Kraft alles niederringen, was ihm in den Weg kommt. Mussolini ist ein wundervoller Mann. Hören Sie mich? Ein wundervoller Mann!» Und als Ratti am 5. Februar 1922 im vierzehnten Wahlgang Papst Pius XI. wurde, eilte Mussolini auf den Petersplatz, pries erneut «die Universalität des Papsttums» und kurz darauf brieflich auch den Papst als «einen Mann von umfassender historischer, politischer und philosophischer Bildung, der viel im Ausland gesehen hat und der die Situation Osteuropas gründlich kennt…“

Tatsächlich hatte die Zusammenarbeit der Kirche mit den Faschisten schon vor dem berühmten «Marsch auf Rom» begonnen. Man verstand sich früh, bekämpfte schließlich gemeinsam Kommunisten, Sozialisten, Liberale, regierte auf beiden Seiten autoritär und witterte in einem Bündnis große Vorteile.

Bereits am 22. Oktober 1922 forderte der Vatikan den italienischen Klerus auf, sich nicht mit dem (eindeutig faschistenfeindlichen) Partito Popolare, der katholischen Partei, zu identifizieren, sondern neutral zu bleiben, was eine offensichtliche Unterstützung Mussolinis bedeutete, der am 28. Oktober die Macht übernahm und am 20. Januar 1923 mit dem Kardinalstaatssekretär Gasparri geheime Besprechungen zu führen begann.

Der Vatikan verpflichtete sich zur Ausschaltung der katholischen Partei, da er von den Faschisten eine viel radikalere Bekämpfung der gemeinsamen Gegner erwarten konnte. Mussolini seinerseits sicherte deren Beseitigung und die Wahrung der kirchlichen «Rechte» zu.
Von nun an kollaborierte man immer enger und profitierte dabei wechselseitig. Mussolini, der zwar im Grunde seines Herzens Atheist blieb, sogar seine Reden gelegentlich mit antikatholischen und antipäpstlichen Spitzen versah, hob nun bald Presse- und Versammlungsfreiheit auf, führte den Religionsunterricht wieder ein, gab beschlagnahmte Kirchen und Klöster frei und beschützte die Prozessionen. Nicht zuletzt sanierte er die Finanzen des Heiligen Stuhles. Rettete er doch den «Banco di Roma», dem die Kurie und mehrere ihrer Hierarchen hohe Summen anvertraut hatten, auf Kosten des italienischen Staates mit ungefähr 1,5 Milliarden Lire vor dem Bankrott. Kardinal Vannutelli, Dekan des sogenannten Heiligen Kollegiums, erklärte daraufhin, Mussolini sei «auserwählt zur Rettung der Nation und zur Wiederherstellung ihres Glückes».

Der Vatikan erwies sich nicht als undankbar. Er schränkte den Einfluß des antifaschistischen Partito Popolare immer mehr ein, befahl dessen Führer, dem sizilianischen Geistlichen Sturzo, den Rücktritt und schließlich sogar das Ausscheiden aller Priester aus der katholischen Partei, was ihrer Auflösung gleichkam. Der Papst protestierte nicht einmal, als Mitglieder dieser Partei, darunter Priester, durch Faschisten überfallen und umgebracht wurden. Er protestierte erst recht nicht gegen die Ermordung einiger tausend Kommunisten und Sozialisten. Und selbst als der erbittertste Gegner Mussolinis, der junge Strafrechtslehrer und Sozialistenführer Giacomo Matteotti, der sein gesamtes großes Vermögen armen Bauern seiner Provinz gegeben hatte, von Faschisten verschleppt und bestialisch ermordet wurde, als die Entrüstung in Italien außerordentlich war und man vom König Mussolinis Absetzung forderte, sogar da stellte sich Pius XI. wiederum auf dessen Seite und verkündete am 20. Dezember 1926 aller Welt: «Mussolini wurde uns von der Vorsehung gesandt.»
In diesem Jahr nämlich, in dem der Papst endgültig die katholische Partei preisgab, wurden die Liberalen und Sozialisten, die eben noch über fünfzig Prozent aller Stimmen erhalten hatten, verboten, ihre Zeitungen unterdrückt, ihre Führer verhaftet und sämtliche Rechtsgarantien abgeschafft. Vor allem aber begannen jetzt jene Verhandlungen, die schließlich zum engsten Bündnis von Vatikan und Faschismus, zur Lösung der «Römischen Frage» führten, zu den Lateranverträgen. Denn hatte Mussolini mit Hilfe des Papstes die Diktatur erreicht, sollte nun auch der Papst auf seine Kosten kommen.

Jahrelang konferierte man geheim und meist bei Nacht: auf faschistischer Seite Staatsrat Domenico Barone, nach dessen Tod Mussolini selbst; auf vatikanischer Seite ein Bruder des späteren Papstes Pius XII., der Konsistorialadvokat Francesco Pacelli, der großen Anteil am Zustandekommen der Verträge hattet.

Die am 11. Februar 1929 unterzeichneten Lateranverträge steigerten einerseits das Ansehen der Faschisten außerordentlich, wie bald darauf das Konkordat mit Hitlerdeutschland das Prestige der Nazis, andererseits brachten sie der römischen Kurie gewaltige Vorteile. Zwar verzichtete sie endgültig auf die Wiederherstellung des Kirchenstaates und erkannte das Königreich Italien mit Rom als Hauptstadt an. Dafür aber erhielt der Papst uneingeschränkte Vollmacht auf dem Gebiet der Città del Vaticano sowie als Abfindung die ungeheure Summe von einer Milliarde in Staatspapieren und 750 Millionen Lire in bar – «das Kapital einer Weltbank», wie damals Francesco Nitti, der ehemalige italienische Ministerpräsident und frühere Professor der Finanzwissenschaft in Neapel, schrieb. «Ich bin der einzige Mensch», so führte Nitti weiter aus, «der außerhalb des Vatikans die finanzielle Lage der Kirche kennt. Ich besitze selbst Dokumente über ihre genauen Ausgaben und Einnahmen. Ich war Schatzminister während des Krieges, als die Einnahmen der verschiedenen Fonds kontrolliert wurden. Ich war Ministerpräsident, als die Kapitalsteuer eingeführt wurde. Ich habe kein Recht, Urkunden zu veröffentlichen, die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind; wohl habe ich das Recht zu sagen, daß diese Entschädigung, die ohne Vorgang in der ganzen Geschichte ist, absolut unerklärlich ist.»

Da außerdem in einem Konkordat der Katholizismus Staatsreligion, die Scheidung unmöglich, der Religionsunterricht obligatorisch und alle antikirchliche Aufklärung verboten wurde, ja der Staat sich verpflichtete, seine ganze Gesetzgebung mit dem kanonischen Recht abzustimmen, war die Kapitulation des Faschismus nahezu vollkommen und die geistige Unabhängigkeit Italiens abgeschafft. Die Kurie triumphierte. Nicht nur fanden in allen größeren Städten Italiens im Beisein prominenter Prälaten, Parteiführer und Militärs besonders feierliche Gottesdienste statt, bei denen die Bischöfe Mussolini und den Papst verherrlichten, sondern dieser selbst rühmte am 13. Februar 1929 Mussolini wieder einmal als den Mann, «den uns die Vorsehung gesandt hat».

Kein Wunder, wenn die gesamte katholische Welt jubelte, nicht zuletzt das gläubige Deutschland, wo die katholische Presse die Verbrüderung von Vatikan und Faschismus als die «Stunde Gottes» pries, als «das größte und glücklichste Ereignis, das die Weltgeschichte seit einem Jahrhundert erlebt» hat, und Mussolini den Zerschneider des gordischen Knotens nannte, – das «Feuer des guten Willens», den «Genius der Politik» und dergleichen mehr. Auch Adolf Hitler, der damals geradezu seherisch die Zeit nahen fühlte, «da der Papst es begrüßen wird, wenn die Kirche vor den Parteien des Zentrums durch den Nationalsozialismus dereinst in Schutz genommen werden wird», schien nicht minder glücklich als sein späterer Gefolgsmann Kardinal Faulhaber, der die Verträge als «Gottestat» feierte, oder der Oberbürgermeister von Köln, Konrad Adenauer, der Mussolini in einem Glückwunschtelegramm versicherte, sein Name werde in goldenen Buchstaben in die Geschichte der katholischen Kirche eingetragen.

[…]

Überfall auf Abessinien
Seit 1933 hatte Mussolini den Überfall heimlich vorbereitet; wie Hitler, wollte auch er «Raum». Zwar war die Raumnot keineswegs sehr groß, gab es doch in Italien noch sehr viel unbebautes Land, das aber den Großgrundbesitzern und der Kirche gehörte – mit beiden durften es die Faschisten nicht verderben. So führte man den Krieg gleichsam als eine Art «Agrarreform».

Während fast die ganze Welt die Aggression verdammte, unterstützte die katholische Kirche, besonders der hohe italienische Klerus, Mussolini. Selbst ein katholischer Autor gestand später: «Die gesamte Welt verdammte Mussolini, ausgenommen der Papst.» Am 27. August 1935, als die Kriegsvorbereitungen in Italien auf Hochtouren liefen, belehrte Pius Xl. (eingeflochten in viele Aufrufe zum Frieden) die Gläubigen und die Welt, ein Verteidigungskrieg zum Zwecke der Expansion einer wachsenden Bevölkerung könne gerecht und richtig sein. Ganz logisch erschlossen die katholischen Zeitungen aus dieser Papstrede ein «Naturrecht» Italiens auf den Krieg, «ein Anrecht», um mit der katholischen Wiener «Reichspost» zu sprechen, «auf die Durchführung einer abessinischen Expansion». Und die vatikanische Jesuitenzeitschrift Civiltà Cattolica, eine der bedeutendsten Zeitschriften der Kirche und seit über hundert Jahren gleichsam die offizielle Stimme der «Gesellschaft Jesu», kam zu dem Schluß, daß die katholische Moraltheologie durchaus nicht jede gewaltsame Wirtschaftsausdehnung verurteile. Vielmehr dürfe ein Staat, der seine Hilfsmittel erschöpft und alle friedlichen Wege versucht habe, sich im Falle äußerster Not «durch gewaltsame Eroberung sein Recht nehmen».

Nur wenige Tage nach der Papstrede, vier Wochen vor Kriegsausbruch, feierte der Kardinallegat beim nationalen Eucharistischen Kongreß Mussolini wieder als den «Mann der Vorsehung», und neunzehn Erzbischöfe und 57 Bischöfe sandten ihm ein im Osservatore Romano veröffentlichtes Telegramm, worin es heißt: «Das katholische Italien betet für die wachsende Größe seines geliebten Vaterlandes, das durch Ihre Regierung einiger denn je ist.» Während freilich das Volk durchaus nicht die Kriegsbegeisterung der hohen faschistischen und kirchlichen Führer teilte, förderten nach der Untersuchung eines amerikanischen Gelehrten der Harvard Universität wenigstens sieben italienische Kardinäle, 29 Erzbischöfe und 61 Bischöfe den faschistischen Überfall sofort, unter ihnen auch der Kardinalstaatssekretär. «Pacelli», so schrieb am 3. März 1939 Graf du Moulin, Leiter des Referates für Angelegenheiten des Vatikans im deutschen Auswärtigen Amt, «ist stets für ein gutes Verhältnis zu Mussolini und zum faschistischen Italien eingetreten. Insbesondere hat er im Abessinien-Konflikt die nationale Haltung des italienischen Klerus gefördert und unterstützt».

[…]
Der Erzbischof von Mailand, Kardinal Schuster, einer der wildesten Faschisten, dessen Seligsprechungsprozeß man unter Pius XII. betrieb, segnete die ausrückenden Truppen vor der Mailänder Kathedrale, verglich Mussolini mit Cäsar, Augustus und Konstantin, belehrte die Schuljugend, durch das Werk des Duce habe «Gott vom Himmel geantwortet», und erklärte: «Angesichts der schicksalhaften Verbundenheit Italiens und des Vatikans kommt den Italienern der Ehrentitel «Mitarbeiter und Gehilfen Gottes» zu. Wir arbeiten mit Gott zusammen in dieser nationalen und katholischen Mission des Guten, vor allem in diesem Augenblick, in dem auf den Schlachtfeldern Äthiopiens die Fahne Italiens im Triumph das Kreuz Christi vorwärts trägt … Friede und göttlicher Schutz dem tapferen Heer, das um den Preis des Blutes die Tore Äthiopiens dem katholischen Glauben und der römischen Kultur öffnet!»

Der Kardinalerzbischof von Neapel, Ascalesi, wallfahrtete von Pompeji nach Neapel mit dem Bild der Gottesmutter, wobei Militärmaschinen Flugblätter warfen, die die Heilige Jungfrau, den Faschismus und den abessinischen Krieg im selben Satz verherrlichten.

Man sandte Madonnenbilder sogar nach Afrika, wie die «Madonnina d’Oltremare» – ihr schrieb man wunderwirkende Eigenschaften zu. Nach Einsegnung durch den militärischen Generalvikar Rusticoni und den Kardinal von Neapel wurde sie in Begleitung prominenter Faschisten an Bord des «Conte Grande» gebracht. Mit anderen Schiffen schickte man Kanonen und Giftgas, und die halbnackten Abessinier, die weder Gasmasken noch Schutzräume hatten, fielen ahnungslos den katholischen Kulturbringern zum Opfer. Nach der sogenannten Schlacht von Amba Aradam zählte ein italienischer Hauptmann mehr als 16 000 hingemähte «Feinde». Sie lagen dort, wo das aus der Luft verspritzte, hautverbrennende und lungenzerreißende Gas sie erreicht hatte, und wurden alle, tot oder halbtot, auf dem hygienischsten Weg durch Flammenwerfer beseitigt.

Mitten im Krieg hielt Kardinalstaatssekretär Pacelli einen Vortrag über «Roms heilige Bestimmung», wobei er mit «Worten hoher Anerkennung» bei den Lateranverträgen verweilte und überhaupt «einen ungewöhnlich augenfälligen Beweis von dem Wunsch nach vatikanisch-italienischer Solidarität» gab.

[…]

Mit Treue und frommer Begeisterung stand der italienische Klerus, zumal der hohe, zu den Faschisten auch bei Eintritt Italiens in den Zweiten Weltkrieg. Der Episkopat sprach bei der Kriegserklärung am 10. Juni 1940 sogleich von einem heiligen Krieg und sandte Mussolini und dem König eine Grußbotschaft.

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http://www.deschner.info/index.htm?/de/werk/11/leseprobe.htm

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Zum Schweigen des Papstes über den Holocaust hat Rolf Hochhuth ein Theaterstück, ein „christliches Trauerspiel“ geschrieben. Der Papst wusste ja genau Bescheid darüber, weil er jahrelang Nuntius in Berlin war. Er hat auch Hitler immer wieder gelobt. Ist ja klar, ein Faschist lobt den anderen.

Zu Pius XII und seinem Schweigen:

„Durfte der Vorgänger Papst Johannes XXIII. schweigen zur planmäßigen Ausrottung der europäischen Juden durch Hitlerdeutschland? Zu Auschwitz? Seit Rolf Hochhuth zum erstenmal diese Frage aufwarf, kam sie nie mehr zur Ruhe. Sein Drama, 1963 durch Erwin Piscator in Berlin uraufgeführt, wurde seither in über 25 Ländern gespielt.“

https://www.amazon.de/Stellvertreter-Ein-christliches-Trauerspiel/dp/3499109972

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Gruß Hubert

 

Mit Gott und den Faschisten   1 comment

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Mit Gott und den Faschisten

Der Vatikan im Bunde mit Mussolini, Franco, Hitler und Pavelić

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Wenn man auch nur einige Bücher von Karlheinz Deschner gelesen hat und nicht durch Eltern und Erziehung das Gehirn katholisch oder auch evangelisch verätzt bekam, kann man nicht anders als sich von der (oder den) Kirche(n) abwenden. Ich frage mich auch wo Gott bleibt. Einen Gott, der nur zuschaut, der geht mir nicht ab.

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Dem Berliner Kirchenkritiker und Publizisten Peter Gorenflos ist es zu verdanken, daß Karlheinz Deschners fundamentales Werk »Mit Gott und den Faschisten« nach 47 Jahren wieder in einer unveränderten Ausgabe erschienen ist. Mit der ersten Auflage 1965 sowie seinem Buch »Abermals krähte der Hahn« (1962) hatte sich Deschner den Zorn der katholischen Kirche und des bundesdeutschen Regimes zugezogen; es hetzte wegen Gotteslästerung seine Justiz auf ihn. Deschner war aber wegen seiner kirchenkritischen Arbeiten im In- und Ausland bereits so bekannt, daß er vor Verurteilung und Inhaftierung geschützt war.

Nach dem Ersten Weltkrieg, weist Deschner nach, ergriff die katholische Kirche die Gelegenheit, um gemeinsam mit dem aufkommenden Faschismus das Rad der Geschichte zurückzudrehen. Die Angst vor einem Sieg der Arbeiterbewegung in ganz Europa nach dem Vorbild Rußlands war in Rom so groß, daß der Vatikan mit dem reaktionären Großbürgertum Italiens und dessen Handlangern, den Faschisten, ein Bündnis einging, das allen Seiten eine dauerhafte Existenz sichern sollte. »Diese unheilige, katholische Allianz mit dem angeblich kleineren – faschistischen – Übel«, schreibt Gorenflos im Vorwort zur Neuauflage, »führte in die größte Katastrophe der Menschheitsgeschichte: den Zweiten Weltkrieg und den Holocaust (…) Bei diesem von der Catholica herbeigesehnten ›Weltanschauungskrieg‹, wie ihn Hitler auch nannte, wurde der Holocaust als eine Art nicht unwillkommener Kollateralschaden in Kauf genommen.«

Deschner wiederum bedauert in seinem Vorwort die Unkenntnis vieler darüber, daß die katholische Hierarchie sämtliche faschistische Staaten von deren Anfängen an systematisch unterstützt hat und so entscheidend am Tod von 60 Millionen Menschen im Zweiten Weltkrieg mitschuldig wurde. Er untersucht im ersten Kapitel die »freundschaftlichen« Beziehungen zwischen dem Vatikan und dem italienischen Faschismus. Der »Duce« wußte, wofür die katholische Kirche nützlich ist, und der Vatikan begriff, daß sein Partner die Träger jeglichen Fortschrittsdenkens physisch ausrotten würde. In Italien wie in Deutschland betrieb der Papst die Auflösung der katholischen Partei, um Mussolini und Hitler in den Sattel zu helfen. So konnte z.B. der Abessinienkrieg 1935 mit päpstlichem Segen geführt werden.

Antibolschewismus

»Der Vatikan und der spanische Bürgerkrieg« heißt das zweite Kapitel. Bereits zwischen 1936 und 1939 kamen ungefähr 600000 Spanier ums Leben, danach ging das Schlachten weiter. Vatikan-Staatssekretär Eugenio Pacelli, ab 1939 Papst Pius XII., hielt schon während des Putsches 1936 fest zu General Francisco Franco. Thema des dritten Kapitels ist »Der Vatikan und Hitlerdeutschland«. Am 20. Juli 1933 wurde das Konkordat zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Deutschen Reich geschlossen – Hitlers erster völkerrechtlicher Vertrag. Fast zwei Drittel der 34 noch heute gültigen Artikel sicherten kirchliche Privilegien.

Während des Zweiten Weltkrieges, zeigt das vierte Kapitel, unterstützten die deutschen Bischöfe Hitler noch intensiver als zuvor. Nach dem Überfall auf die Sowjetunion erklärten sie am 10. Dezember 1941: »Mit Genugtuung verfolgen wir den Kampf gegen die Macht des Bolschewismus.« Ein Jahr später befanden sie, daß ein Sieg über den Bolschewismus gleichbedeutend mit dem Triumph der Lehren Jesu über die der Ungläubigen wäre. Bis 1945 und darüber hinaus gewährte der Vatikan Schutz und Schirm für die Faschisten.

Pius XII. segnete auch einen der größten Verbrecher des 20. Jahrhunderts, den kroatischen Ustascha-Führer Ante Pavelić, mit dem sich Deschner im fünften Kapitel »Der Vatikan und die Kroatengreuel« befaßt.

 

Vorwort zur Neuauflage

 

Weshalb – nach fast 50 Jahren – eine Neuauflage von Karlheinz Deschners Werk ›Mit Gott und den Faschisten‹?
     Weil es sehr aktuell ist. Weil es völlig zu Unrecht Gefahr läuft, in Vergessenheit zu geraten. Weil es einen Verdrängungsprozeß, nein, die gezielte Desinformations-Politik des Vatikan stört. Es erinnert an die Kollaboration des Vatikan nicht nur mit Hitler, dem wohl größten Verbrecher aller Zeiten, sondern auch mit Mussolini, Franco und dem wenig bekannten Pavelić, Faschistenführer in Kroatien und zusammen mit Kardinal Stepinac verantwortlich für das Konzentrations- und Vernichtungslager Jasenovac, über dessen Existenz heute nur noch wenige Bescheid wissen.

Weil das Lügengeflecht des Vatikan entlarvt wird, der sich seit einigen Jahrzehnten als Widerstandsorganisation gegen die Hitlerei aufzuspielen versucht, obwohl doch Pius XII. laut Kardinal Faulhaber »der beste Freund, am Anfang sogar der einzige Freund des neuen Reiches gewesen war«, gerade in der labilen Anfangsphase des Nationalsozialismus, als die Geschichte noch einen ganz anderen Verlauf hätte nehmen können! Weil es eben kein Mode-Buch ist, das aus Gefälligkeitsgründen einen Meinungstrend bedient, sondern präzise und detailreich historische Fakten präsentiert, zusammenfaßt und daraus für jeden nachvollziehbare Schlußfolgerungen zieht. Daniel Jonah Goldhagen hält es offenbar für unnötig, in seinem Buch ›Die katholische Kirche und der Holocaust‹ Deschner überhaupt zu zitieren, obwohl dieser doch schon fast 40 Jahre früher mit viel weniger Tinte weit mehr zu berichten weiß. Und weil es sich dabei auch noch spannend liest, wie ein Roman, in dem doch jede Zeile stimmt, und jeder Leser nach der Lektüre wesentlich klüger und aufgeklärter ist als zuvor; vielleicht auch schockiert ist über das Ausmaß der Kollaboration zwischen den Nazis, allen Faschisten und dem Vatikan! Kurz, weil es eine Geschichtslüge entlarvt. Die Lüge vom katholischen Widerstand.

  Vergessen wir nicht, daß es die Französische Revolution war, welche die katholische Kirche in ihre Schranken verwies und damit ihrer feudalen Macht – wenn auch leider nur sehr halbherzig – ein Ende setzte. Dennoch verurteilte die spanische Inquisition den letzten Ketzer – den Schullehrer Caetano Ripol – am 26. Juli 1826 zum Tod am Galgen und zur »symbolischen Verbrennung«, fast ein halbes Jahrhundert nach dem Sturm auf die Bastille!In deren Folge besetzten napoleonische Truppen Ende des 18. Jahrhunderts den Kirchenstaat – der aus blutigen Kriegen hervorgegangen war und mit einer gefälschten Urkunde legitimiert wurde, der sogenannten »Konstantinischen Schenkung« –, verhafteten Pius VI. und führten ihn als Gefangenen nach Valence ab.Der Wiener Kongreß restituierte 1815 den Vatikanstaat mit verkleinertem Territorium noch einmal, aber 1870 ging er nach der Besetzung durch italienische Truppen endgültig im neuen italienischen Nationalstaat auf. Die Verantwortlichen wurden daraufhin exkommuniziert. Und scherten sich nicht darum.

Durch das Erstarken des Bürgertums, die Entwicklung der europäischen Nationalstaaten, die Emanzipationsbewegung, die Naturwissenschaften und den Fortschritt durch technische Entwicklungen wurde die Catholica in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts immer stärker in die Defensive gedrängt, versuchte mit dem ersten Vatikanischen Konzil verzweifelt – und aussichtslos – den Kampf gegen den »modernen Rationalismus« aufzunehmen und die angeschlagene päpstliche Autorität durch das Unfehlbarkeitsdogma aufzuwerten. Aber die Zeit lief gegen den Katholizismus. Unter Bismarck wurden im »Kulturkampf« fast 2000 katholische Kleriker inhaftiert oder zu hohen Geldstrafen verurteilt, die sich in staatliche Angelegenheiten eingemischt hatten, die USA brachen am 28. Februar 1867 die diplomatischen Beziehungen zum Vatikan ab (und nahmen sie erst wieder 1984 unter Ronald Reagan auf). Die »Römische Frage« war entstanden: wie rettet man sich vor dem endgültigen und damals absehbaren Niedergang, wie restituiert man seine alte Machtfülle und mit wessen Hilfe? Verschärft wurde dieses Problem durch das Aufkommen der dezidiert antiklerikalen, der Aufklärung und dem Gleichheitsprinzip verpflichteten Arbeiterbewegung nach dem Debakel des Ersten Weltkriegs.

Das ist der Ausgangspunkt von Karlheinz Deschners Buch ›Mit Gott und den Faschisten‹. Daß es nicht der Vergessenheit anheimfällt, ist das Anliegen dieser Neuauflage beim Ahriman-Verlag. Detailreich, historisch fundiert und unter Auswertung zahlreicher Quellen wird hier nachgewiesen, daß nach dem ersten Weltkrieg die Gelegenheit ergriffen wurde, zusammen mit dem aufkommenden Faschismus das Rad der Geschichte zurückzudrehen.

Aus Angst vor einem Sieg der Arbeiterbewegung in ganz Europa – nach sowjetischem Vorbild – ging der Vatikan zusammen mit dem reaktionären Großbürgertum und dessen Handlangern – den Faschisten – ein Bündnis ein, das beiden die Existenz sichern sollte. Diese unheilige, katholische Allianz mit dem angeblich kleineren – faschistischen – Übel führte in die größte Katastrophe der Menschheitsgeschichte: den zweiten Weltkrieg und den Holocaust.

Wovon träumten Benedikt XV., Pius XI. und Pius XII.? Sie träumten von einem katholischen Kontinentaleuropa im vereinten, militärischen Kampf gegen die gottlose Sowjetunion, so degeneriert sie durch Stalins Einfluß auch schon gewesen sein mag (man lese Arno Lustigers Rotbuch ›Stalin und die Juden‹). Sie träumten vom Ende der Orthodoxie, vom Ende des Kommunismus und von der Katholisierung Rußlands. Und von einem neutralen, anglikanischen Großbritannien, einer neutralen USA. Denn eine militärische Auseinandersetzung innerhalb des westlichen Lagers machte den Ausgang eines Krieges unberechenbar. Nach der militärischen Niederlage Frankreichs schien man diesem Ziel sehr nahe, und 1940 war die ganze Welt davon überzeugt, daß Hitler den Krieg gewinnen würde. Jetzt war die Realisierung des Traums der Kurie mit Hitlers Hilfe in greifbare Nähe gerückt.

     Bei Karlheinz Deschner lernen wir, wie der Überfall auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 vom Episkopat nicht nur in Deutschland offen begrüßt wurde, wie maßlos seine Begeisterung für Hitler und die Hetze gegen Rußland waren. Und Pius XII. – der angeblich zu wenig gegen Hitler getan haben soll, zu viel geschwiegen haben soll – sprach eine Woche danach in einer Rundfunkansprache von »Lichtblicken, die das Herz zu großen, heiligen Erwartungen erheben: Großmütige Tapferkeit zur Verteidigung der Grundlagen der christlichen Kultur und zuversichtliche Hoffnung auf ihren Triumph«, womit er laut Botschaftsrat Menshausen der Hoffnung Ausdruck geben wollte, daß die großen Opfer, die dieser Krieg erfordere, nicht umsonst wären und nach dem Willen der Vorsehung zum Sieg über den Bolschewismus führten.

Bei diesem von der Catholica herbeigesehnten »Weltanschauungskrieg«, wie ihn Hitler auch nannte, wurde der Holocaust als eine Art nicht unwillkommener Kollateralschaden in Kauf genommen. Vielleicht empfand man sogar eine klammheimliche Freude in Anbetracht des christlichen Antijudaismus über 2000 Jahre.

Kokettierte Hitler nicht schon im April 1933 vor hohen katholischen Funktionären – wie Deschner berichtet – und sehr zu deren Entzücken, daß seine »Behandlung der Judenfrage« nur die mittelalterliche katholische Tradition fortsetze? Der Papst verurteilte die nazistischen Judenpogrome jedenfalls niemals, selbst als man sozusagen vor seinen Augen die Juden zusammentreiben und abführen ließ. Die heutzutage propagierte Vorstellung von einem jüdisch-christlichen Abendland beruht auf einem Synkretismusschwindel.

     Noch viel tiefer verstrickt in die faschistischen Verbrechen war der Vatikan in Kroatien, wo die Franziskaner federführend gewesen waren bei den dort durchgeführten Greueln, wegen deren Brutalität sich sogar die Deutschen beschwerten. Hier hatte Deschner einst Pionierarbeit geleistet, und wer sich näher mit dieser düsteren Materie befassen möchte, sei auf das ausführliche Grundlagenwerk von Vladimir Dedijer überJasenovac, das »jugoslawische Auschwitz«, verwiesen.

Wer wollte Karlheinz Deschner nicht zustimmen, wenn er am Ende des Buches im Jahre 1965 das Resümee zieht: »Erwägt man das Verhalten Eugenio Pacellis zur Politik von Mussolini, Franco, Hitler und Pavelić, so scheint es kaum eine Übertreibung, zu sagen: Pius XII. ist wahrscheinlich mehr belastet als jeder andere Papst seit Jahrhunderten. Mittelbar und unmittelbar ist er so offensichtlich in die ungeheuersten Greuel der faschistischen Ära und damit der Geschichte überhaupt verstrickt, daß es bei der Taktik der römischen Kirche nicht verwunderlich wäre, spräche man ihn heilig.«

Nun, die Seligsprechung ist fast 50 Jahre danach in Arbeit!
Kommen wir noch einmal zurück zur Gegenwart, zu den verfassungsrechtlichen Spätfolgen kirchlicher Kollaboration mit dem Faschismus in Deutschland.

Man halte die enge Verflechtung zwischen Kirche und Staat, diesen deutschen Kirchenstaat bis zum heutigen Tage, den es laut Grundgesetz und Weimarer Verfassung gar nicht geben dürfte, als Schablone gegen die Verfassungen der USA und Frankreichs, in denen die Trennung von Staat und Kirche klar geregelt ist. Dann wird deutlich, wie weit das heutige Deutschland von einer modernen Demokratie entfernt ist. Es ist ein Land, in dem die Kirchen aufgrund von Landeskonkordaten in allen Rundfunk- und Fernsehräten sitzen, in fast allen Zeitungsredaktionen, an zahllosen Multiplikationsstellen und – teils ganz offen, teils gut versteckt – an den Schalthebeln der Macht.

Dann wird klar, welch großen Gefallen Hitler und Mussolini dem Vatikan mit dieser speziellen Beantwortung der Römischen Frage getan haben, mit der Restitution seiner Staatlichkeit, seines Vermögens und des öffentlichen Einflusses, die sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Auflösung befanden. Und zu welch hohem Preis für den Rest der Welt!

Karlheinz Deschners Buch ist ein wichtiges Stück Aufklärung, ein Juwel für jeden, der die historische Wahrheit sucht, es ist ein Antidot gegen die Geschichtslüge vom katholischen Widerstand gegen Adolf Hitler und liefert einen elementaren Beitrag zur aktuellen Debatte über die Rehabilitierung der Piusbrüder um Richard Williamson, die geplante Seligsprechung Pius’ XII., die Skandale um die Vatikanbank, die Wiedereinführung der Karfreitagsfürbitte und die Rolle des Vatikan in der Welt überhaupt.

Wer den historischen Ariadnefaden aus dem Labyrinth kirchlicher Fremdbestimmung sucht, kommt um Karlheinz Deschners Buch ›Mit Gott und den Faschisten‹ nicht herum. Wer noch weiteres erfahren möchte, viele historische Schichten tiefer zum Beispiel, über die historischen Ursprünge des Christentums, dem empfehle ich an dieser Stelle Hyam Maccobys vorzügliches, zentrales Werk Der Mythenschmied, in welchem er nachweist, daß das Christentum nicht auf den jüdischen Jesus, sondern auf den Griechen Paulus zurückgeht, der einen hochvirulenten Mythenmix aus Gnosis, Mysterienkulten und der Jesusgeschichte zusammenstellte und damit den Auftakt setzte zu 2000 Jahren christlichem Antijudaismus, der im Holocaust kulminierte.
Den anderen Ariadnefaden aus dem religiösen Labyrinth, den subjektiven, »psychologischen«, findet jeder, der ihn sucht, bei Sigmund Freud (›Totem und Tabu‹, ›Die Zukunft einer Illusion‹, ›Der Mann Moses und die monotheistische Religion‹), vor allem aber auch bei Fritz Erik Hoevels in seiner wegweisenden Abhandlung zum Thema Religion »Bhagwan« Rajneesh und das Dilemma einer menschenfreundlichen Religion, aus dem Freiburger Ahriman-Verlag, dem nun auch das Verdienst zukommt, Deschners Meisterwerk ›Mit Gott und den Faschisten‹ neu aufzulegen. Beide Autoren machen klar, wie eng das Nadelöhr ist, durch das die menschliche Gesellschaft gehen muß, wenn die Ziele der Aufklärung, Vernunft, Freiheit, Gleichheit, maximales Glück für eine maximale Mehrheit, Realität werden sollen, wie viele archaische und dennoch reale Machtstrukturen bis dahin überwunden, gebrochen werden müssen.
Möge sich der interessierte Leser fast fünfzig Jahre nach der Erstauflage von ›Mit Gott und den Faschisten‹ von der Aktualität dieses Buches selbst überzeugen. Es ist spannend geschrieben, ein Lesevergnügen allerersten Ranges.

Man ist nach seiner Lektüre viel klüger als zuvor und verfügt nun endlich wieder über dieses hochwirksame, unersetzliche Antidot gegen die Geschichtslüge vom katholischen Widerstand gegen Hitler.

Im November 2012 – Peter Gorenflos

Mit Gott und den Faschisten

Auch Tiere sind Opfer der Kirchen   Leave a comment

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„Seid furchtbar und mehret euch!“
Der bedeutende Kirchenkritiker Karlheinz Deschner kommt in seinem Buch „Die beleidigte Kirche oder: Wer stört den öffentlichen Frieden ?“ zu folgendem Ergebnis: Nach intensiver Beschäftigung mit der Geschichte des Christentums kenne ich in Antike, Mittelalter und Neuzeit, einschließlich und besonders des 20. Jahrhunderts, keine Organisation der Welt, die zugleich so lange, so fortgesetzt und so scheußlich mit Verbrechen belastet ist wie die christliche Kirche, ganz besonders die römisch-katholische Kirche.

Seine klare Bestandsaufnahme gilt auch den Tieren,“ …den am wenigsten geachteten, am meisten missbrauchten, den hilflosesten Wesen dieser Welt …“, wie er sie in seinem Buch „Für einen Bissen Fleisch“ nennt. Deschner schreibt – unter dem vielsagenden Titel „Seid furchtbar und mehret euch!“ – über die Missachtung und Schändung der Tiere durch die Kirchen:
“ Da die Krone der Schöpfung der Mensch, die Krone des Menschen der Pfaffe ist, lässt sich von ihm für das Tier am wenigsten erhoffen.“ ( S.15 )

Tatsachen wie Tierversuche, brutale Tiertransporte, Massentierhaltung, Schlachthäuser, Jagd auf wehrlose Geschöpfe, von den Kirchen befürwortet, geduldet, sprechen für sich. Tierschutzbewegungen entstanden und entstehen großenteils durch engagierte Menschen außerhalb der Kirchen. Deschner führt aus, dass „keinen Pfarrer Tierquälerei im geringsten zu berühren scheint“ ( S. 62 ) und weist darauf hin, dass in der Bibel auch dazu jede Menge Widersprüchliches steht. An dieser Stelle taucht die berechtigte Frage auf nach dem Wahrheitsgehalt der Bibel insgesamt und nach dem Stellenwert von Menschen, denen die Natur und die Tiere am Herzen liegen. Denn über solche Menschen berichtet der Kirchenkritiker: „Und wo jemals ein längst vergessener Prophet ein Wort fallen ließ zugunsten des Viehs, wurde er noch schneller vergessen als er und niemals zur Kenntnis genommen von Kirchenvätern / Lehrern und Co.“ ( S.62 ) Deschners Buch “ Für einen Bissen Fleisch“ ist ein Plädoyer für die Tierwelt, das seit der Antike aktuell ist, denn schon Plutarch sagte: “ Für einen Bissen Fleisch nehmen wir einem Tier die Sonne und das Licht und das bisschen Leben und Zeit, an dem sich zu freuen seine Bestimmung gewesen wäre.“ ( S.17 )

Auszüge davon aus dem Buch von
Karlheinz Deschner – Für einen Bissen Fleisch – Das schwärzeste aller Verbrechen.

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»Da die Krone der Schöpfung der Mensch, die Krone des Menschen der Pfaffe ist, läßt sich von ihm für das Tier am wenigsten erhoffen.

Auch befiehlt, auf der ersten Bibelseite, Gott selber seinen Ebenbildern, zu ›herrschen über die Fische im Meer und die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und alle Tiere des Felds‹. Um gleich abermals zu heischen: ›… und machet sie euch untertan und herrschet …‹ Und dann noch einmal: ›Furcht und Schrecken vor euch über alle Tiere … in eure Hände seien sie gegeben. Alles, was sich regt und lebt, sei eure Speise‹ – zwar ein ›Kulturbefehl‹ angeblich, ›ein Imperativ der Freude und Fröhlichkeit‹, tatsächlich das umfassendste Unterjochungs- und Todesverdikt der Geschichte, infernalischer Auftakt der Deformierung eines Sterns zum Schlachthaus.« Karlheinz Deschner

Deschners essayistische Texte stellen eine bitterböse Analyse ›biblischen Tierschutzes‹ dar. Ihn wundert im Grunde nicht, dass in den von Menschen gemachten ›Viehzüchterreligionen‹ die Rechte von Tieren nur eine Nebenrolle spielen. Selbstkritische Nebenbemerkung: Auch die humanistische Bewegung schenkt den Mitgeschöpfen des Menschen bisher kaum Beachtung.

http://shop.asku-books.com/Karlheinz-Deschner-Fuer-einen-Bissen-Fleisch

 

Gruß Hubert

 

Deschner, de Sade und Mutzenbacher im Lateinunterricht   Leave a comment

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Wenn ihr feststellt, dass sie nicht gewillt sind, ihr Verhalten zu ändern, so befehlen wir, dass ihr sie mit größtem Eifer verfolgt.

Gregor der Grosse über Heiden wie mich

 

Die Kirche hat nicht nur einen guten Magen, wie einmal jener kluge Kopf bemerkte, der in des Pudels Kern steckte – sie hat auch gute und dauerhafte Kreide. Denn wenn ich in meiner Heimatstadt zum Bäcker gehe, komme ich an Häusern und Türen vobei, und auf fast allen Türen steht 20 C + M + B 08. Das haben die Sternsinger vor 6 Jahren an die Türen gemalt. Und danach nicht mehr. Aus mir nicht näher bekannten Gründen kommen Caspar, Melchior und Balthasar nämlich nicht mehr, selbst wenn noch vor einer Dekade versucht wurde, die Reihe der Weisen aus dem Morgenland mit Weisinnen zu schliessen. Ich bin – wie jener kluge Kopf in des Pudels Kern – allergisch gegen Weihrauch, und obendrein auch noch Agnostiker, insofern ist das für mich kein Besuch, den ich sonderlich vermissen würde.

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Würde ich den Namen meiner kleinen, dummen, aber manchmal auch sehr robusten Heimatstadt an der Donau nennen, so würde die Leserschaft heute damit einen Hersteller deutscher Automobile verbinden, und vielleicht noch das Reinheitsgebot, das hier 1516 erlassen wurde. Dabei liegt die historisch entscheidende Bedeutung darin, dass hier über Jahrhunderte alle Bräuche des Katholizismus nicht nur eingehalten, sondern von hier aus auch mit allen Mitteln durchgesetzt wurden: Über all die Epochen war diese Stadt das wichtigste Zentrum der Gegenreformation in Deutschland, und das hat sie geprägt. Das Haus, in dem ich schreibe und das sich meine Familie angeeignet hat, war früher ein Jesuitenkolleg, und das Zimmer, in dem ich sitze, beherbergte die Bibliothek mit all den Geisteswaffen, die man zum Niedermachen Andersgläubiger für notwendig erachtete. Ich habe ein paar der Bücher gelesen, die hier noch im 18. Jahrhundert verfasst wurden, und von Aufklärung ist da keine Spur. Schwarz, rabenschwarz war diese Stadt, und auch nach dem Ende des Heiligen Römischen Reiches dominierte hier die Kirche alles.
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Aus der Einheit von Thron und Altar wurde die Einigkeit des Konkordats und letztlich dann die formelle Trennung von Staat und Kirche, die einem Schüler hier auch nicht weiterhalf, wenn er zwar Ethik besuchte, aber in Latein der Religionslehrer ohne Rücksicht sein Weltbild diktierte. Grosso Modo gibt es ja zwei Arten von Lateinlehrern: Die Freunde der Antike mit ihren teilweise doch sehr losen Sitten. Und dann jene, die für Theologie das spätantike Kirchenlatein erlernten, und in Latein die Sprache des Glaubens sahen, auch wenn der aramäischsprachige Religionsgründer selbst Latein als Fremdsprache erlernt haben dürfte. So etwas durfte man im Unterricht natürlich nicht erwähnen, und wer dennoch meinte, ein kluger Kopf sein zu müssen, dem wurde derselbe eingedellt, so wie es im Moment die Bauarbeiter mit den Schädeln jener Gläubigen tun, deren sterbliche Überreste bei den Umbauarbeiten am Münster den modernen Notwendigkeiten im Weg liegen.
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Um so begieriger haben wir damals – 80er Jahre, 20. Jahrhundert, unter Strauss und Kohl – den Deschner gelesen. Der Bezug desselben war nicht so einfach, den musste man nämlich im Buchgeschäft bestellen, wo er natürlich nicht vorrätig war – das Buchgeschäft war mit der Lokalzeitung verquickt und die Lokalzeitung wiederum war so gestaltet, dass sie jederzeit das Privileg der hiesigen Jesuiten des 17. Jahrhunderts bekommen hätte. Der Deschner wurde dann heimlich vor dem Beginn des Unterrichts von einem klugen Kopf zum nächsten gegeben, was von da an zuverlässig für allergrösste Nöte in Religion und Latein führte. Zwar war dem armen Mann das Kirchenlatein im Kopf geblieben, aber nicht all die schönen Stellen, die Deschner zusammengetragen hatte: Die spitzen Pfeile trugen die Namen von Ambrosius von Mailand, Johannes Chrysostomus und Augustinus von Hippo, und generell hatte das Christentum in 1900 Jahren viel Zeit, all das Unerbauliche und Aberwitzige anzuordnen, was so ein Religion- und Lateinlehrer seinerzeit sicher auch nicht im Original gelesen hatte, oder vielleicht auch nur vom Hörensagen kannte.
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Es ist nun mal nicht leicht, die Botschaft der Liebe in die Gymnasiastenwelt zu tragen, wenn dieselbe gereizt, auf eine gebildete Art pubertär und obendrein verärgert ist, weil Herr Deschner einem die Augen nach all den Jahren der historischen Unkorrektheit, der “frommen Lügen” geöffnet hat. Jede Diktatur erschafft sich ihre gegnerischen Bestien selbst, genauso verschlagen und zynisch wie sie. Es genügte, nur einmal siebengescheit das häretische Wort “Apokatastase” einfliessen zu lassen, und die Stunde war gelaufen. Hochgefährlich war das Spiel, das wir spielten, denn hätte man bei einem von uns in der Schule den Deschner gefunden, es hätte mehr Ärger gegeben als damals, als der heutige Chefarzt H. sein frühes Interesse an der menschlichen Anatomie durch das Vorzeigen des “Puer Ludens”, des Playboy in der Umkleidekabine bewies, als der Sportlehrer F. unvermutet eintrat. Da hätte man uns, wie es bei uns im Wissen um den real existierenden Glauben so schön heisst, katholisch gemacht im Sinne von “Kopf abgerissen”. So hart wurde damals die Freiheit erkämpft, und neben der schlechten mündlichen Noten nahm man die Gewissheit mit, dass man sich von denen nicht mehr für dumm verkaufen lässt – man hat ja seinen Deschner gelesen, und auch, sobald man seiner habhaft wurde, seinen de Sade. Die Josefine Mutzenbacher wurde ja leider schon 1982 auf den staatlichen Index Librorum Prohibitorum gesetzt, da nahm man eben, was man kriegen konnte, wenn man es nicht zufälligerweise irgendwo bekam.

[…]

Ein Kloster ist vorne immer noch, aber es stirbt aus, und hinten tragen die Mächen enge Leggins und iPhones, auf denen sie sich die Zuschriften ihrer Freunde zeigen, die oft an der gleichen Schule sind. Früher galt hier noch Zucht, Ordnung und Hausarbeit als einziges Programm, heute ist das eine Schule wie jede andere. Damals war ich im Ethikunterricht ein Exot, heute ist das überall eine ganz normale Einrichtung. Ich mache mir wenig Illusionen über das, was die Kinder im Netz herunterladen; es dürfte wohl das sein, was heute als “jugendgefährdend” gilt. Niemand hat es heute noch nötig, im Krieg gegen einen Lehrer die gemeinsten Stellen von Gregor dem Grossen vorzutragen, um sich der ideologischen Vereinnahmung zu erwehren. Verloren hat die Kirche nicht gegen Deschner, Voltaire und Bismarck – verloren hat sie gegen die Gleichgültigkeit und den Umstand, dass angesichts mancher unschöner Hirten das Sparen der Kirchensteuer moralisch gut erklärbar ist.

[…]

Beinahe hätte ich wegen all der Frechheiten und der mündlichen Einträge das Latinum nicht bekommen, aber rückblickend muss man wohl sagen: Solange man sich streitet und bis aufs Blut quält, hat man sich wenigstens noch etwas zu sagen. Sobald da aber nur noch die Gleichgültigkeit ist, der Kirchenaustritt ein Steuersparmodell wird, und man den Deschner nicht kennen muss, weil der Augustinus mit seiner Erbsünde nicht mehr von dieser Welt ist, muss man sich auch nicht wundern, wen die Kreide an den Türen langsam verbleicht, vergessen und nie mehr erneuert wird.
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http://stuetzendergesellschaft.wordpress.com/2014/04/12/deschner-de-sade-und-mutzenbacher-im-lateinunterricht/

 

Gruß Hubert

Deschner polarisiert bis zuletzt   1 comment

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Hier noch etliche Medienberichte anläßlich des Todes von Karlheinz Deschner am 08. April 2014.

Von hpd.deAuszug.

BERLIN/WIEN. (hpd) Der Tod von Karlheinz Deschner, ist Gegenstand hunderter Medienberichte im deutschsprachigen Raum. Diese vielen Berichte zeigen: Deschner hat bis zuletzt polarisiert. Auch wenn ihm sogar konservative Medien unüberhörbar Respekt zollen.

Karlheinz Deschner, 1924-2014, Foto: © Evelin Frerk

Karlheinz Deschner, 1924-2014,
Foto: © Evelin Frerk

Kaum ein deutschsprachiges Medium, das sich selbst ernst nimmt, hat nicht über den Tod des bekanntesten und wortgewaltigsten Kritikers des Christentums berichtet. Den Anfang machte der ORF, übrigens unter Berufung auf den Nachruf von Michael Schmidt-Salomon im hpd. Im Laufe des Tages übernahm die Redaktion eine ausführliche Meldung der dpa, in der auch Kritiker Deschners zu Wort kamen.

Auch die eher konservative WELT zählte zu den ersten Berichterstattern und titelte den ausführlichen Nachruf neutral: “Karlheinz Deschner gestorben”: “Er mochte es schon immer radikal und hatte sein eigenes Glaubensbekenntnis: ‘Ich glaube wenig, und das auch nicht ganz.’ Seit den 1960er Jahren galt er als einer der bekanntesten und für manche auch bedeutendsten Kirchenkritiker in Deutschland. Im Alter von 89 Jahren starb Deschner am vergangenen Dienstag (8. April) in seiner bayerischen Heimatstadt Haßfurt, wie die Giordano-Bruno-Stiftung am Donnerstag mitteilte.”

Für FAZ war Deschner “Richter Gnadenlos”

Die FAZ zeigt sich anerkennend und zugleich distanziert kritisch. “Richter Gnadenlos” heißt ihr ausführlicher Feuilletonartikel. “Er hat sich gern immer größere Gegner gesucht”, ordnet Hannes Hintermeier Deschner ein. “An Selbstbewusstsein mangelte es ihm in seiner Schreibstube im unterfränkischen Haßfurt nie: Deschner hatte sich aufs Banner geschrieben, im Alleingang eine der größten Anklagen der Menschheitsgeschichte zu verfassen. Das brauchte seine Zeit. Nach mehr als fünfzehn Jahren Vorarbeit erschienen 1986 die ersten beiden Bände seiner ‘Kriminalgeschichte des Christentums’, die Deschner im vergangen Jahr mit Band zehn altersbedingt einstellen musste, die Neuzeit hat er nicht mehr erreicht.”

Hier schimmert die Achtung vor Deschner mehr als nur durch. Wenn auch mit deutlicher Distanz: “In seiner Besessenheit hatte Deschner zuletzt durchaus tragische Züge. Glühender Atheist, der er war, hat er den Gedanken an eine Einäscherung stets verworfen: Er wolle wie seine Mutter ‘von Würmern zerfetzt’ werden, hat er in einem Interview verraten. Jetzt ist er im Alter von neunundachtzig Jahren gestorben.”

TAZ voller Anerkennung

Pascal Beucker von der TAZ würdigt in seinem Nachruf “die Stimme der religionskritischen Vernunft in Deutschland”: “Mit dem Rowohlt-Verlag vereinbarte Deschner 1970 die ‘Kriminalgeschichte des Christentums’. ‘Ich möchte das Werk zu einer der größten Anklagen machen, die je ein Mensch gegen die Geschichte des Menschen erhoben hat’, schrieb er in seinem Exposé. Das ist ihm gelungen. Jahrelang an der Armutsgrenze balancierend, tippte er sich unermüdlich auf seiner Olympia-Schreibmaschine seine Wut über die Verlogenheit des Christentums vom Leib. Ursprünglich als einzelnes 350-Seiten Buch geplant, entstand eine 5.820 Seiten starke Generalabrechnung mit der ‘Religion der Nächstenliebe’. Der letzte der 10 Bände erschien im vergangenen Jahr.”

Baseler Zeitung: “Der grosse Kirchenkritiker ist verstummt”

Auch in der Schweiz stieß die Nachricht vom Ableben Karlheinz Deschners auf breiten öffentlichen Widerhall. Michael Meier von der Baseler Zeitung titelt seinen Artikel: “Der grosse Kirchenkritiker ist verstummt” und zieht lesbarerweise den Hut vor Deschner: “Keiner nahm die Doppelmoral von Helden und Heiligen so gnadenlos aufs Korn wie er, beschrieb die Projektionen und Schattenkämpfe von besonders frommen Menschen so akkurat und lotete die Fallhöhe zwischen Erhabenem und Niedrigem, zwischen Anspruch und Wirklichkeit so schonungslos aus. Als ästhetisches Stilmittel bediente er sich immer und immer wieder der Ironie: ‘Morden mit Maria’, ‘Mission und Massaker’, ‘Wehrhafte Heilige’, ‘Kirche, Krieg und Kapital’ hiessen die Kapitel seiner kirchenkritischen Werke. Schliesslich war er überzeugt: ‘Wer Weltgeschichte nicht als Kriminalgeschichte schreibt, ist ihr Komplize.’ So grenzte er sich von den ‘staatshörigen Historikern und genebelten Theologen’ ab.” Das ist mehr als bloß pietätvolle Würdigung einer bekannten, wenn auch umstrittenen Persönlichkeit.

Hier weiterlesen:
http://hpd.de/node/18341

 

Gruß Hubert

Kirchenkritiker Karlheinz Deschner ist tot   1 comment

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Ich habe Karlheinz Deschner viel zu verdanken. Durch ihn nahm ich endgültig Abschied von der kath. Kirche… und nicht nur von der Kirche. Er öffnete mir die Augen. Das war für mich eine richtige Befreiung.
Erstaunlich, dass ihn so wenige in meiner Umgebung kennen, auch gebildetere Leute nicht. Aber das Land ist eben viel zu sehr klerikal geprägt. Es darf nicht sein, was nicht sein darf. Ich kann nur sagen Südtirol ist ein richtiges, dunkel-schwarzes Pfaffenland.

Einen guten Nachruf auf Karlheinz Deschner, der am 8. April an seinem Wohnort Haßfurt verstarb, ist in der Mainpost erschienen.
Hier der Artikel.

Bissig, bisweilen gnadenlos sprang er mit Kirche und Klerus um. Doch im Gespräch entpuppte sich Karlheinz Deschner als stiller, nachdenklicher Mensch. Am Morgen des 8. April ist der „warmherzige Melancholiker“, wie ihn sein Lektor genannt hatte, der Autor der „Kriminalgeschichte des Christentums“, im Alter von 89 Jahren in einer Klinik seines Wohnortes Haßfurt gestorben. Dies teilte seine Mitarbeiterin Gabriele Röwer am Mittwoch mit.

Regale an allen Wänden, Tausende Bücher bis unter die Decke: Das Zimmer, in das Karlheinz Deschner den Besucher bat, verriet den Intellektuellen. Reden, erklärte er beinahe entschuldigend, liege ihm nicht. Ganz präzise, wie das eben nur schriftlich geht, wollte er seine Gedanken immer fassen. Konsequent (manche sagten: stur) dachte er sie zu Ende und zog seine Schlüsse. So einer – gleich gar, wenn er gegen die Kirche wettert – ruft Widerstand hervor. Man schrieb gegen Deschner an, gab ein dickes Buch heraus. 1971 stand er wegen „Kirchenbeschimpfung“ in Nürnberg vor Gericht. Der Fall wurde wegen Geringfügigkeit eingestellt.

Der letzte Band seiner „Kriminalgeschichte des Christentums“ erschien 2013, wurde von den Feuilletons wahrgenommen – doch der Sturm der Entrüstung, den die ersten Bände hervorgerufen hatten, blieb aus. Kirchenkritisch war der gebürtige Bamberger schon in jungen Jahren. Auch seine Dissertation bei den Germanisten an der Würzburger Uni über Lenaus Lyrik war ihm in diese Richtung geraten.

Eher traurig als bösartig

Jahrzehntelang bewältigte der Frühaufsteher ein Zwölf-Stunden-Arbeitspensum, tippte eisern auf der Olympia-Schreibmaschine, werktags, sonntags, feiertags. Jahrelang balancierte er an der Armutsgrenze. Mit 43 wehrte sich der Körper – Herzinfarkt.

1970 hatte er mit dem Rowohlt-Verlag einen einzigen Band „Kriminalgeschichte“ vereinbart. Des Autors Perfektionismus bei der Recherche ließ daraus zehn werden, aus geplanten 350 Seiten 5820, auf denen er, vielleicht ein bisschen wie Don Quichotte gegen Windmühlen, gegen die Kirche anrannte. Deschner war sich dessen durchaus bewusst: „Ich kann die Welt nicht ändern.“ Missionarischer Eifer sei ihm fremd, aber: „Manche Dinge müssen einfach gesagt werden.“
Karlheinz Deschner wirkte eher traurig als bösartig, wenn er über Religion und ihre Folgen sprach. Wie auch anders, wo doch – so meinte er – über Jahrhunderte hinweg unter dem Deckmantel des Christentums Gräueltaten verübt worden seien: „Der Glaube hat die Menschen auf die Schlachtfelder getrieben.“ Deschner war indes nicht so kurzsichtig, Derartiges nur dem Christentum anzulasten, wenn er sich in seiner Kritik auch darauf konzentrierte. Alle großen monotheistischen Religionen und auch manche politische Ideologie hätten die gleiche Wirkung: Sie gaukeln ein geschlossenes Weltbild vor. Mit der fatalen Folge, dass sich ihre Anhänger im Besitz der Wahrheit wähnen und sie anderen aufdrängen wollen. Wenn nötig mit Gewalt. Verzicht auf Religion hielt er folgerichtig für eine Voraussetzung zum toleranten Miteinander.

Die Publicity um die „Kriminalgeschichte“ hat eines immer verdeckt: Deschner war auch ein wortmächtiger Autor von Kurzgeschichten. Seine plastischen Schilderungen, etwa von Spaziergängen in der fränkischen Heimat, sind ein Lese-Erlebnis. Auch für jene, die mit seiner Religionskritik nichts anfangen können.

Von Ralph Heringlehner

Quelle: Mainpost.de

 

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Die herrschende Politik und die gesellschaftlichen Verhältnisse verlangten eigentlich danach, „dass man jeden Tag und jede Stunde auf die Barrikaden springen müsste, um etwas zu verändern“, sagte Karlheinz Deschner einmal. Doch seine Aufgabe als Schriftsteller sei es „eben nicht, auf die Barrikaden zu springen, sondern zu schreiben“.

http://www.taz.de/Zum-Tode-Karlheinz-Deschners/!136565/

 

Gruß Hubert