Archiv für das Schlagwort ‘Männlichkeitsvorstellungen der Gesellschaft

Männergesundheitsbericht: Seelisches Leid ist tabu   Leave a comment

Dass die Dunkelziffer von Depressionen in der männlichen Bevölkerung um ein Vielfaches höher liegt, erkennt man an der hohen Suizidrate bei Männern, die drei mal soch hoch ist als bei Frauen. Ein Schluß daraus ist, dass sich die gesellschaftlichen Männlichkeitsvorstellungen ändern müssen.

Hier ein Artikel aus netdoktor.de

Männergesundheitsbericht: Seelisches Leid ist tabu

München (netdoktor.de) – Männer mit psychischen Problemen kommen in der Gesellschaft nicht gut an: Sie werden stigmatisiert, ihr Leiden wird tabuisiert. Auch bei der Diagnostik dieser Erkrankungen gebe es Defizite, so das Fazit des Männergesundheitsberichts 2013. „Gesellschaftliche Aufmerksamkeit für die psychische Gesundheit von Männern entsteht erst bei massiven Auffälligkeiten, sprich: Produktivitätsausfällen im Arbeitsbereich und damit verbundenen Folgekosten“, sagt Prof. Anne Maria Möller-Leimkühler von der Psychiatrischen Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Hohe Suizidrate

Vor allem Depressionen seien auf dem Vormarsch: Neun Prozent der Männer – also 3,6 Millionen in Deutschland – haben eine diagnostizierte Depression. Das sei ein deutlich geringerer Anteil als in der weiblichen Bevölkerung, so die Autoren. Dass die Dunkelziffer von Depressionen in der männlichen Bevölkerung um ein Vielfaches höher liegen müsse, sei an der rasanten Entwicklung der Suizidrate erkennbar. Bei Männern stieg sie zwischen 2009 und 2011 um neun Prozent. Dreimal mehr Männer als Frauen wählen den Freitod: 7.600 Suizide von Männern, knapp 2.500 von Frauen. Und 100.000 Männer versuchen jedes Jahr, sich das Leben zu nehmen.

Druck im Job

Die Ursachen lägen vor allem im Job: Leistungsdruck, ständige Erreichbarkeit, wachsender Mobilitätszwang, befristete Arbeitsverhältnisse und damit verbundene Unsicherheit. Der Anteil der psychischen Störungen als Ursache für die Arbeitsunfähigkeit hat sich seit 2000 fast verdoppelt. Derzeit werden 12,5 Prozent aller betrieblichen Fehltage durch psychische Erkrankungen verursacht – vor allem Depressionen. Aber auch psychosoziale Krisen wie zum Beispiel nach einer Trennung oder Scheidung seien Gründe, um aus dem Leben zu gehen.

Gegen das männliche Selbstbild

Das Geschlechterparadoxon – mehr diagnostizierte und behandelte Depressionen bei Frauen, aber eine deutlich erhöhte Suizidrate bei Männern – zeige, wie stark seelische Erkrankungen von Männern gesellschaftlich tabuisiert und stigmatisiert würden. Darüber hinaus seien die Männer unterdiagnostiziert und unterversorgt.

Ein Grund sei, dass die Symptomatik seelischer Erkrankungen geschlechtsspezifisch unterschiedlich ist. Die männliche Depression äußert sich beispielsweise häufig in einem erhöhten Risiko- oder Suchtverhalten sowie hoher Aggressions- und Gewaltbereitschaft. Diese typisch männlichen Symptome verdeckten oft die klassischen Depressionsmerkmale wie Niedergeschlagenheit, Schlafstörungen, Handlungsunfähigkeit – und erschweren Ärzten die Diagnose.

Außerdem harmonieren psychische Erkrankungen nicht mit dem männlichen Selbstbild. Betroffene negieren seelische Probleme oft vehement. Das sei angesichts der hohen Suizidrate besonders dramatisch, denn Depressionen seien gut therapierbar, so die Autoren. (im)

http://www.netdoktor.de/News/Maennergesundheitsbericht-S-1137750.html

Quelle: Stiftung Männergesundheit und DKV: „Männergesundheitsbericht 2013 – Psychische Erkrankungen des Mannes“,

Internet: http://www.stiftung-maennergesundheit.de/

Hier noch ein Auszug aus Spiegel.de

[…]
„In weiten Teilen der Medizin und des öffentlichen Bewusstseins geht Männergesundheit noch nicht über die Urologie hinaus“, beklagt die Sozialwissenschaftlerin Anne Maria Möller-Leimkühler. Sie leitet an der Psychiatrischen Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der LMU München die Forschungsabteilung Psychiatrische Soziologie.

[…]
Für Matthias Stiehler, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Mann und Gesundheit besteht deshalb dringender Handlungsbedarf – er fordert ein Umdenken. Von den Medien, so schreibt er, würden Männer gerne als Vorsorgemuffel oder Gesundheitsidioten dargestellt. Ja, Männern falle es schwer, sich als seelisch verletzt zu akzeptieren. Zwar seien Männer sehr wohl in die Pflicht zu nehmen, Sorge für ihre Gesundheit zu übernehmen. Doch seiner Meinung nach müssen sich dafür auch die gesellschaftlichen Männlichkeitsvorstellungen ändern. Nur so könne es gelingen, die Männergesundheit jenseits der Apparatemedizin voranzubringen.

[…]

„Nicht die Männer müssen den Angeboten schmecken, sondern die Angebote müssen zu den Männern passen.“ Denn bisher, so Stiehler, „entsprechen die Angebote nicht der Lebenswirklichkeit von Männern.“

.
http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/maennergesundheitsbericht-aerzte-ignorieren-psychisches-leid-der-maenner-a-896116.html

Gruß Hubert