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„Wir wollten Luther selbst sprechen lassen.“   Leave a comment

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Ich möchte die Autoren des Buches von Martin Luther „Von den Juden und ihren Lügen“, das sie in eine heute besser verständliche Sprache übersetzt haben, zu Wort kommen lassen. Nicht zuletzt kritisieren sie auch den EKD, der Luthers „Schattenseite“ lange totgeschwiegen und die Probleme mit Luther marginalisiert hat.

BERLIN. (hpd) Vor wenigen Tagen erschien im Alibri-Verlag das Buch „Von den Juden und ihren Lügen“ in einer neuen Übersetzung mit Begriffserläuterungen. Der hpd sprach mit drei der vier Herausgeber des Buches über ihrer Bewegründe zum und Reaktionen auf das Buch.

hpd: Was hat Sie dazu gebracht, sich mit diesem eher marginalen Thema zu befassen und weshalb gerade dieses Buch von Luther? Der Alibri-Verlag weist in seiner Ankündigung darauf hin, dass Luther „ein wirkmächtiger Judenhasser“ war. „Unter seinen judenfeindlichen Hetzschriften sticht sein Buch ‚Von den Juden und ihren Lügen‘ von 1543 in makabrer Weise hervor.“ Kann man sagen, dass dieses Buch typisch für Luther ist?

Bernd Kammermeier (BK): Marginal wäre das Thema, wenn Luther einer der vielen vergessenen Theologen wäre. Doch die EKD stellt ihn als Weltstar vor, lässt ihn zehn Jahre lang feiern und wir Steuerzahler werden dafür kräftig zur Kasse gebeten. Da wollten wir doch mal genauer hinschauen, was Luther denn so alles geschrieben hat. Spätestens in seiner zweiten Lebenshälfte hat er einen unglaublichen Judenhass entwickelt – wobei er wohl nie ein Judenfreund war.
„Von den Juden und ihren Lügen“ ist insofern typisch für Luther. Deshalb irritierte mich ja die „Lutherdekade“ so sehr, weil wir in Deutschland in Bezug auf Antisemiten besonders sensibel sein sollten. Das scheint aber die geldgebende Politik bei Luther auszublenden – oder nicht zu wissen.

Reinhold Schlotz (RS): Die Evangelische Kirche eröffnete 2008 die Lutherdekade, die am 31. Oktober 2017 mit der Erinnerung an Luthers 95 Thesen ihren Höhepunkt erreicht. Diese Dekade ist auf die Person Martin Luthers ausgerichtet, sonst hätte man sie auch Reformationsdekade nennen können. Luthers Konterfei auf dem dazugehörigen Logo verstärkt diesen Personenkult noch erheblich. Wenn man nun weiß, dass der gefeierte Reformator einer der wirkmächtigsten Judenhasser war, auf den sich auch die Nationalsozialisten berufen hatten, so ist das alles andere als ein marginales Thema.

Es wird geradezu zum Lackmustest unserer freiheitlichen, an den Menschenrechten orientierten, demokratischen Gesellschaft. Können wir es uns im Land des Holocaust leisten, einem geistigen Brandstifter wie Martin Luther, der einen vorbereitenden Beitrag zur Vernichtung der europäschen Juden geliefert hat, zehn Jahre lang zu gedenken und ihn zu feiern?
Es ist die vierte Jahrhundertfeier für Luther, aber die erste nach Auschwitz. Angemessener wäre ein Gedenkjahr an die Opfer eines christlich fundierten Judenhasses, der über die Kreuzzüge und die spanische Inquisition im Holocaust einen furchtbaren Höhepunkt fand. Luther war auch in jüngeren Jahren nie ein Freund der Juden, wie manche Theologen behaupten. In seinen letzten 20 Jahren verfasste er mehrere Hetzschriften gegen die Juden. Für diesen Lebensabschnitt ist das Buch „Von den Juden und ihren Lügen“ durchaus typisch.

Karl-Heinz Büchner (KHB): Dieses Thema ist alles ander als marginal. Der Autor dieses Buches war der wirkmächtigste deutsche Antisemit, der nicht NSDAP-Mitglied war und er hat mit seinen judenfeindlichen Schriften die Schikanierung, Vertreibung und Ermordung ungezählter Juden bewirkt, auch wenn er selbst keinen Menschen eigenhändig umgebracht hat, aber das haben Hitler, Goebbels und Eichmann auch nicht.
Außerdem war sein Buch noch vor 70 Jahren in breiten Bevölkerungsschichten durchaus wohlbekannt und wurde von der Evangelischen Kirche propagiert und von den Katholiken geduldet.

Luther war Zeit seines Lebens ein Fanatiker. Er hat gegen die Juden genauso gehetzt wie gegen die Bauern, die Zigeuner, den Papst, Behinderte, geistig Zurückgebliebene und Muslime, die er Türken nannte. Er war ein maßloser Mensch, nicht nur beim Essen und Trinken.

Was „Von den Juden und ihren Lügen“ so besonders macht, ist die Anleitung zur Vernichtung einer Menschengruppe, die knapp 400 Jahre Punkt für Punkt kopiert und umgesetzt wurde. Dass Luther die Gaskammern nicht vorgeschlagen hat, hat nichts damit zu tun, dass ihm der Tod Andersdenkender etwa zuwider gewesen wäre, Im Gegenteil hat er das Abschlachten solcher Menschen zum Teil gefordert (Bauern) bzw. billigend in Kauf genommen, ohne je dagegen zu protestieren.

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Bernd Kammermeier, Reinhold Schlotz - Foto: © Evelin Frerk
Bernd P. Kammermeier, Reinhold Schlotz; Foto: © Evelin Frerk

 

Unbestritten ist, dass der Lutherische Antisemitismus sich in der nationalsozialistischen Ideologie wiederfand. Doch hat diese Schrift Luthers heute noch Auswirkungen auf die evangelische Kirche? Finden sich noch Teile dieser menschenverachtenden Ideologie in den heutigen Veröffentlichungen der Landeskirchen oder bei den evangelikalen Freikirchen?

BK: Das nicht. Aber Luthers „Schattenseite“ wurde lange totgeschwiegen und von Seiten der EKD marginalisiert. Er dient als bekanntes Zugpferd für eine staatsfinanzierte Missionskampagne. Man hofft auf einen „Luther-Tourismus“ nächstes Jahr und da sprach Bischof Wolfgang Huber 2008 auch gerne mal verharmlosend von „beschämenden Aussagen“ Luthers.

Natürlich unterstellt niemand der EKD, dass dort heute noch antisemitisches Denken verbreitet sei. Aber darum geht es auch nicht. Denn was nach wie vor bestritten wird, ist, dass Luther die Blaupause für die Judenverfolgung im Dritten Reich geliefert habe. Doch das hat er zweifelsfrei. Einige der Landeskirchen haben hier eher aufklärerisch gewirkt, doch auch die sehen keine direkte Verbindung zwischen Luther und Hitler – und feiern mit.

KHB: Nein, meiner Meinung nach nicht, schließlich stünde das in Deutschland heutzutage unter Strafe. Aber sie müsste die Auswirkung haben, dass sich die EKD von ihrem Religionsgründer schärfstens distanziert und seine Geisteshaltung als inakzeptabel und unentschuldbar brandmarkt.
Seine „Bibelübersetzung“ in allen Ehren, wenn man denn die Übertragung eines Märchenbuches aus dem Lateinischen ins Deutsche für eine große Leistung hält, ebenso wie seine unbestreitbaren Verdienste um die Gestaltung und Prägung der deutschen Sprache, die sich eben aus der großen Verbreitung seiner Bibelversion ableiten lässt.

Das alles gibt einem das Recht, seine Leistung, aber keinesfalls den Menschen Martin Luther zu würdigen.

R.S.: Nein. Die evangelischen Kirchen sind sich nach 1945 inzwischen wieder der sogenannten „dunklen Seite“ ihres Kirchenvaters bewusst, nachdem diese 70 Jahre lang unter den Teppich gekehrt wurde. Während die EKD versucht, dieses inzwischen unvermeidliche Thema so zu handhaben, dass es sich nicht zu einem öffentlichen Diskurs ausweitet, gibt es in einigen Landeskirchen evangelisch-jüdische Gesprächsgruppen, die offen und schonungslos mit diesem Thema umgehen.
Als Beispiele seien hier der „Evangelische Arbeitskreis für das Christlich-Jüdische Gespräch in Hessen und Nassau“, sowie das „Referat für Christlich-Jüdischen Dialog der Nordkirche“ genannt. Beide Gruppen haben je eine Ausstellung unter dem Titel „Drum immer weg mit ihnen“ bzw. „Ertragen können wir sie nicht“ auf die Beine gestellt, die Luthers Judenhass eindrucksvoll darstellen.

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„Wir wollten Luther selbst sprechen lassen.“

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Gruß Hubert

 

Martin Luther – Von den Juden und ihren Lügen   Leave a comment

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Auf die Idee für diesen Beitrag hat mich das politische Magazin „miz“ (Materialien und Informationen zur Zeit) gebracht, wo das Buch von Martin Luther „Von den Juden und ihren Lügen“ vorgestellt wird.
Mit Martin Luther hat die Evangelische Kirche ein erhebliches Problem: der Reformator war ein wirkmächtiger Judenhasser. Unter seinen judenfeindlichen Hetzschriften sticht sein Buch Von den Juden und ihren Lügen von 1543 in makabrer Weise hervor. Luther war den Juden zuerst freundlich gesinnt, weil er hoffte, dass sie in Scharen zur neuen lutherischen Kirche übertreten würden. Als das nicht zutraf, wandelte sich das zum Hass auf Juden um.
Vorausschicken möchte ich auch, damit keine Missverständnisse entstehen, dass ich keiner Religion nahe stehe. Meine Meinung ist, dass die Welt ohne Religionen besser da stünde. Eine Welt ohne Religionen wäre bereits ein großer Schritt in Richtung irdisches Paradies.

Aus hpd.de – Auszug.

 Seit sich die niederländische Kirche nach intensiven Beratungen mit jüdischen Organisationen in Hinblick auf das Lutherjahr 2017 von Martin Luthers Antisemitismus distanziert hat, scheint eine ernsthafte Diskussion über den Umgang mit dem Reformator auch in Deutschland in Gang zu kommen. Umstritten ist dabei seine Rolle als Wegbereiter des Antisemitismus, der im Holocaust seinen hoffentlich letzten Höhepunkt gefunden hat.

Um die Frage zu untersuchen, inwiefern man Luther in den kommenden anderthalb Jahren bis zum Höhepunkt des Reformationsjubiläums überhaupt als Hauptperson feiern sollte, versuche ich das Thema zu strukturieren, weil in der Diskussion mehr oder weniger bewusst zwei Begriffe durcheinandergeworfen werden: Antisemitismus und Antijudaismus. Auf den ersten Blick scheidet der Begriff Antisemitismus für Luther aus, da dieser 1860 von dem Bibliographen Moritz Steinschneider erstmals verwendet wurde. Dabei wird er mit Judenfeindlichkeit gleichgesetzt, die faktisch auch dem zeitlich älteren Antijudaismus attestiert wird. Wikipedia schreibt dazu: „Schon der mittelalterliche und frühneuzeitliche Antijudaismus diskriminierte und verfolgte Juden als fremdartiges Volk, ließ ihnen aber mit der Konversion zum Christentum stets die Integration in die herrschende Kultur offen.“

Der Unterschied ist also zunächst, dass Antijudaismus Voraussetzung für Christen zu sein scheint, Juden missionieren zu wollen. Erst nach erfolgreicher Konversion sei dieser Christ zufrieden.

Antisemitismus hingegen ist rassistisch motiviert und lehnt ein Merkmal eines Juden ab, dass dieser nicht durch Konversion abschütteln kann: seine Abstammung von Semiten. Dabei sollte man fragen, ob die Ablehnung eines Menschen wegen seiner Religion oder seiner Herkunft wirklich unterschiedlich verwerflich ist. Schließlich ist bereits das Ansinnen des Missionierenden im höchsten Maße intolerant, weil er seinem Gegenüber vorhält, dessen Religionszugehörigkeit sei minderwertig oder falsch. Doch ist es nicht reiner Zufall, in welche Familie oder Kultur ein Kind geboren wird? Religion an sich – vor allem die monotheistische – enthält den Keim der Intoleranz, der eine wechselseitige Akzeptanz erschwert. Der Antijudaismus ist also zunächst nicht harmloser als der Antisemitismus, weil er sein Gegenüber nicht so anerkennt, wie dieses durch seine Geburt wurde.

Für mich ist also zunächst unerheblich, ob ein Mensch antisemitisch oder antijüdisch eingestellt ist. Anders verhielte es sich z.B. mit einer politischen Einstellung. Diese wird oft erst im jungen Erwachsenenalter als Überzeugung angenommen, so dass es durchaus Auseinandersetzungen zwischen politischen Kontrahenten geben darf, die um den besseren politischen Weg streiten. Bei der Missionierung geht es um andere Motive, da hier die Konkurrenten einander sehr ähnlich sind und gleichzeitig die Unterschiede als ewig gültig, nicht hinterfragbar und deshalb unüberbrückbar ansehen. Somit ist für mich die Religionszugehörigkeit mit dem Merkmal der Herkunft vergleichbar.

Neben vielen weiteren antijüdischen Bibelstellen kann hier sogar ein „Jesuswort“ zitiert werden: „Warum versteht ihr meine Sprache nicht? Weil ihr mein Wort nicht hören könnt. Ihr seid aus dem Vater, dem Teufel, und die Begierden eures Vaters wollt ihr tun.“ (Joh 8, 43). Die Urchristen haben also – weil selbst zum Teil als Juden geboren – eine extreme Abnabelung von der Mutterreligion vorgenommen: die Verdammung der eigenen Väter als Teufelskinder, Propheten- und Christusmörder.

Das erklärt den Grund, warum Luther zeitlebens nie ein Judenfreund war (auch wenn dies vonseiten der evangelischen Kirche gerne behauptet wird), sondern warum er sie anfangs – z.B. in seinem Buch „Dass Jesus Christus ein geborener Jude sei“ (1523) – noch zu missionieren versuchte. Doch auch dort folgt auf sein freundlich klingendes „Deshalb mein Rat und meine Bitte, dass man pfleglich mit ihnen (den Juden, Anm.) umgehe und sie aus der Hl. Schrift unterrichte, dann werden auch etliche zu uns kommen“ ein unmissverständliches „… bis ich sehe, was ich bewirkt habe.“

Nachdem dies scheiterte (auch, weil Luther in seinem Leben kaum ein Dutzend Juden getroffen haben dürfte), gab er mindestens in seinem letzten Lebensdrittel die Judenmission auf und verdammte sie als „halsstarrige notorische Lügner“. Hier kommt oft eine Verteidigungsstrategie zum Tragen, mit der stets religiöse Verfehlungen relativiert werden sollen: der historische Kontext! Zu Luthers Zeit war das halt so. Doch andere seiner Zeitgenossen, wie der Nürnberger Theologe Andreas Osiander und der Pforzheimer Jurist und Hebraist Johannes Reuchlin, nahmen eine deutlich tolerantere Haltung zum Judentum ein – wobei sie als gute Christen nicht dessen Falschheit infrage stellten. Jedoch verteidigten sie das Existenzrecht der Juden und auch das Praktizieren ihrer Religion.

Von den Juden und ihren Lügen

Luther selbst schrieb eine Reihe judenfeindlicher Texte, deren bedeutsamster 1543 erschien: „Von den Juden und ihren Lügen“.

Dieses Buch wurde letztmalig 1936 – also mitten in der Nazi-Zeit – veröffentlicht und diente als reiche Quelle für nationalsozialistischen Judenhass. In diesem Buch begründete Luther mit den Mitteln der Theologie, warum die Juden ein gottloses Volk und letztlich nichts als Teufelskinder seien (siehe das „Jesuswort“ weiter oben), die von „Gott“ verdammt worden wären – wegen ihrer Halsstarrigkeit und ihrem notorischen Lügen.

Daher rät Luther seiner Obrigkeit und seinen Pfarrerkollegen die Umsetzung seines „Sieben-Punkte-Programms“, dessen Ziel die Ausrottung des Judentums mindestens in Deutschland war.
Dieses Programm erinnerte derart fatal an die systematische Judenverfolgung und versuchte „Endlösung der Judenfrage“ im Dritten Reich, dass hier klar wird, warum u.a. Hitler Luther einen „Riesen“ (1923) nannte und warum der evangelisch-lutherische Landesbischof aus Tübingen, Martin Sasse, 1938 schrieb:

Am 10. November 1938, an Luthers Geburtstag, brennen in Deutschland die Synagogen. … In dieser Stunde muss die Stimme des Mannes gehört werden, … der größte Antisemit seiner Zeit … , der Warner seines Volkes wider die Juden.

Dies stand im Vorwort eines Buches von Sasse, in dem er Teile aus „Von den Juden und ihren Lügen“ veröffentlichte.

Der Philosoph Karl Jaspers bemerkte hierzu später: „Was Hitler getan, hat Luther geraten, mit Ausnahme der direkten Tötung durch Gaskammern.“

Während des Nürnberger Prozesses gegen die NS-Kriegsverbrecher im Jahr 1946 verteidigte sich der Herausgeber des Nazi-Hetzblattes „Der Stürmer“ mit deutlichem Bezug auf Luthers Wirken:

Antisemitische Presseerzeugnisse gab es in Deutschland durch Jahrhunderte. Es wurde bei mir z.B. ein Buch beschlagnahmt von Dr. Martin Luther. Dr. Martin Luther säße heute sicher an meiner Stelle auf der Anklagebank, wenn dieses Buch von der Anklagevertretung in Betracht gezogen würde.
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http://hpd.de/artikel/warum-martin-luther-antisemit-12990

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Die Protestantische Kirche der Niederlande hat sich von antisemitischen Schriften Martin Luthers distanziert. – In einer in Utrecht veröffentlichten Erklärung heißt es, einige Äußerungen des Kirchenreformators über Juden seien widerwärtig und unzulässig. Luther hatte unter anderem dazu aufgerufen, Synagogen in Brand zu stecken, Juden zu enteignen und sie zu vertreiben. Die Kirche erklärte, Luthers Schriften hätten zu einem Klima beigetragen, das später den Holocaust ermöglicht habe. Jüdische Organisationen hatten die Protestanten im vergangenen Jahr zu einer Distanzierung aufgefordert.

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Wie positioniert sich die EKD (evangelische Kirche in Deutschland) zur „Causa Luther“?

1939 wurde noch von 13 evangelischen Landeskirchen in Eisenach das „Entjudungsinstitut“ ins Leben gerufen. Dieses Institut zur Erforschung und Beseitigung des jüdischen Einflusses auf das deutsche kirchliche Leben erfuhr seine Einweihung an einem denkwürdigen Ort: auf Luthers Wartburg.

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Die Neupositionierung der EKD zum Judentum begann sehr spät. Luthers judenfeindliche Schriften waren natürlich nicht unbekannt, wurden aber nicht herausgegeben oder nach außen hin sichtbar als Last des Protestantismus aufgearbeitet. 1982 veröffentlichte der Lutherische Weltbund zur Vorbereitung des Lutherjahres 1983 eine umfangreiche Arbeit. Im ersten Abschnitt steht:

Als Lutheraner haben wir ein besonderes Problem: Im kommenden Jahr begehen wir den 500. Geburtstag Martin Luthers. Er machte in seinen letzten Lebensjahren gewisse bissige Äußerungen über die Juden, die von den lutherischen Kirchen heute durchweg abgelehnt werden. Wir bedauern die Art und Weise, in der Luthers Aussagen dazu gebraucht worden sind, den Antisemitismus zu fördern.

„Gewisse bissige Äußerungen über die Juden“? Diese werden zwar abgelehnt, aber bedauert wird letztlich nur der Gebrauch dieser Äußerungen, um „den Antisemitismus zu fördern“.

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Hier zur Illustration einige wenige der „gewissen bissigen Äußerungen“, der „beschämenden Aussagen“ aus der Alibri-Ausgabe (Aschaffenburg, 2016):

„Sie sind nun mal das boshafte, halsstarrige Volk … die großspurigen, hochmütigen Schurken, die nichts anderes können, als mit ihrer Abstammung und mit ihrem Blut zu prahlen … sie sind die wahren Lügner und Bluthunde“ (S. 49)
    „Kein blutrünstigeres und rachsüchtigeres Volk hat die Sonne je beschienen, als diejenigen, die überzeugt sind, Gottes Volk zu sein …“ (S. 49 f.)
    „Ihr seid es doch nicht wert, dass ihr die Bibel von außen ansehen, geschweige denn drin lesen dürft. Ihr solltet nur die Bibel lesen, die unter dem Schwanz der Sau steht und ihr sollt die Buchstaben, die darunter herausfallen, fressen und saufen.“ (S. 149)
    „Lasst uns also diese edlen und beschissenen (beschnittenen wollte ich sagen) heiligen und weisen Propheten anhören, die uns Christen zu Juden machen wollen.“ (S. 149 f.)
    „Darum, wenn du einen richtigen Juden siehst, kannst du mit gutem Gewissen ein Kreuz schlagen und frei und sicher sprechen: Da geht ein leibhaftiger Teufel.“ (S. 151)
    „Und dieser trübe Bodensatz, dieser stinkende Abschaum, dieser eingetrocknete Bodensatz, dieser verschimmelte Sauerteig und sumpfige Morast von Judentum sollten mit ihrer Reue und Gerechtigkeit das ganze Weltreich, also die Erfüllung des Messias und der Prophezeiungen verdient haben, obwohl sie doch keine der oben aufgezählten Bedingungen erfüllen und nichts sind als ein fauler, stinkender, verrotteter Bodensatz vom Blut ihrer Väter?“ (S. 201)

Zum folgenden „Sieben-Punkte-Programm“ Luthers sagte der Philosoph Karl Japsers: „Was Hitler getan, hat Luther geraten, mit Ausnahme der direkten Tötung durch Gaskammern“.

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Auszug aus dem „Sieben-Punkte-Programm“ Luthers:

„Erstens, dass man ihre Synagogen oder Schulen anzünde und was nicht verbrennen will, mit Erde überhäufe und überschütte, sodass kein Mensch für alle Zeiten weder Stein noch Schlacke davon sehe.“ (S. 247)
    „Zweitens sollte man auch ihre Häuser abbrechen und zerstören, denn sie treiben darin genau das gleiche, wie in ihren Synagogen. Stattdessen mag man sie etwa unter ein Dach oder in einen Stall tun, wie die Zigeuner.“ (S. 249)
    „Zum dritten, möge man ihnen alle ihre Gebetbüchlein und Talmude nehmen, in denen solcher Götzendienst, Lügen, Fluch und Lästerung gelehrt wird.“ (S. 249)
    „Zum vierten, soll man ihren Rabbinern bei Leib und Leben verbieten, weiterhin zu lehren.“ (S. 249)
    „Zum fünften, soll man den Juden das freie Geleit auf den Straßen ganz und gar verwehren und verbieten. Denn sie haben nichts im Land zu suchen. Sie sollen daheimbleiben.“ (S. 251)
    „Zum sechsten soll man ihnen das Wuchern verbieten, das ihnen schon durch Mose verboten wurde. Da sie nicht in ihrem eigenen Land sind, können sie nicht Herren über ein fremdes Land sein. Und man nehme ihnen alle Barschaft und Wertsachen wie Silber und Gold und lege es zur Verwahrung beiseite.“ (S. 251)
    „Siebtens soll man den jungen und starken Juden und Jüdinnen Flegel, Axt, Hacke, Spaten, Spinnrocken und Spindel in die Hand geben und sie ihr Brot verdienen lassen im Schweiß ihres Angesichts, wie es Adams Kindern auferlegt ist.“ (S. 245)

Das alles klingt nicht sehr theologisch (was auf Antijudaismus verweisen würde), sondern eindeutig rassistisch (was auf Antisemitismus verweist).

Da dies sicher Insidern der EKD bekannt ist, begann es seit Hubers Rede in der EKD zu brodeln. Mehr und mehr Beiträge erschienen in der Öffentlichkeit, die Luthers Person fragwürdig sahen. So verlagerte man den Schwerpunkt der Luther-Jubeljahre nach und nach auf das Reformationsjubiläum – obwohl das Jahrzehnt nach wie vor „Lutherdekade“ und das Jahr 2017 nach wie vor „Luther-Jahr“ heißt. Überall prangt das Konterfei des Reformators von Plakaten, Broschüren und Sondermarken. Er hat halt einen Namen, den man gut vermarkten kann. Einen Namen allerdings, der untrennbar mit äußerst hässlichen Schriften verbunden ist, die erst nach und nach in der Öffentlichkeit bekannt werden. So fällt ein schlechtes Licht auf die bevorstehenden Jubelfeiern, die mit insgesamt ca. 150 Mio. Euro recht gut dotiert sind, davon über 100 Mio. Euro aus dem allgemeinen Steueraufkommen (Bund und Land Sachsen).

http://hpd.de/artikel/warum-martin-luther-antisemit-12990/seite/0/1

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Gruß Hubert