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Ejiao: Esel werden für die Herstellung chinesischer „Medizin“ brutal geschlachtet   Leave a comment

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Es ist eine Tragödie wie viele Tiere wegen der chinesischen Medizin getötet werden, dazu noch aus purem Aberglauben.

Aus Peta.de

Im Jahr 2017 konnte eine PETA-Ermittlung massive Tierquälerei auf chinesischen Esel-Farmen enthüllen. Wie die Aufnahmen zeigten, schlugen Arbeiter den Eseln mit einem Vorschlaghammer auf den Kopf,  anschließend schnitten sie den Tieren mit einem Messer die Kehle durch. Hintergrund dieser Tierquälerei ist die Herstellung von „Ejiao“, einer traditionellen chinesischen „Medizin“, bei der die Eselhaut zu Gelatine verkocht wird.

Nun konnte eine neue Videoenthüllung von PETA auch unsagbare Grausamkeiten bei der Schlachtung von Eseln in Kenia zutage bringen. Auch dort werden die Tiere getötet, um die chinesische Nachfrage nach Ejiao zu stillen. Die Aufnahmen zeigen Arbeiter, die auf völlig verängstigte Esel einschlagen. Die Tierquälerei ereignete sich in staatlich anerkannten Schlachthäusern.

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Ejiao: Esel werden für die Herstellung chinesischer „Medizin“ brutal geschlachtet / PETA

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Tagelanger Transport zum Schlachthaus

Kenia hat in den letzten drei Jahren drei Eselschlachthäuser eröffnet. Die Tiere werden in LKWs aus den Nachbarländern nach Kenia transportiert, denn in vielen afrikanischen Ländern, darunter Äthiopien, Tansania und Uganda, sind die grausamen Schlachtungen bereits gesetzlich verboten. Die qualvolle Fahrt zum Schlachthaus in Kenia kann mehrere Tage dauern.

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Verletzungen und Todesfälle während des Transports

Augenzeugen stießen auf tote Esel, die den qualvollen Transport nicht überlebt hatten. Die Tiere wurden vor dem Schlachthaus einfach abgeladen. Die Augenzeugen sahen außerdem einen Esel, der scheinbar verletzt war und nicht mehr aufstehen konnte. Arbeiter zerrten ihn aus dem LKW und ließen ihn am Eingangstor liegen. Allem Anschein nach erhielt das Tier keinerlei medizinische Behandlung – man überließ es einfach seinem Leid.

Kenia muss diese grausame Praxis verbieten

Viele afrikanische Länder haben den Export von Eselhäuten bereits verboten oder Schlachthäuser in chinesischem Besitz geschlossen, darunter Botswana, Burkina Faso, Mali, Niger, Senegal, Tansania und Uganda. Selbst die offizielle chinesische Kommission für nationale Gesundheit und Familienplanung warnt, dass die Eselhautgelatine tatsächlich nichts weiter als „verkochte Eselhaut“ ist. Trotzdem werden weiterhin Esel in Ländern wie Kenia geschlachtet, um die chinesische Nachfrage nach Ejiao zu stillen.

In Kenia gibt es kein Gesetz gegen den Missbrauch von Tieren in landwirtschaftlichen Betrieben oder Schlachthäusern. Deshalb ist aus rechtlicher Sicht keine einzige der in den Aufnahmen zu sehende Handlung strafbar.

PETA und PETAs internationale Partnerorganisationen haben zahlreiche Behörden, Unternehmen und Konsumenten weltweit kontaktiert und sie aufgefordert, diese grausame Industrie nicht zu unterstützen. Es gibt verschiedene Alternativen zu Ejiao, z. B. moderne Medikamente oder auch pflanzliche Stoffe, die im Gegensatz zu Ejiao wirklich effektiv sind und kein Tierleid verursachen.

Was Sie tun können

„Medizin“ aus Tierleichen hat im 21. Jahrhundert nichts verloren. Wir als Konsumentinnen und Konsumenten haben die Wahl: Wir können uns gegen Tierquälerei stellen und das Leben von Eseln retten, indem wir uns für vegane Alternativen entscheiden. Bitte kaufen Sie niemals Ejiao-Produkte und meiden Sie Geschäfte, die diese verkaufen. Lesen Sie Zutatenlisten und lassen Sie die Finger von Medikamenten, Beauty-Produkten, Süßigkeiten und Energy Drinks, die Ejiao enthalten.

 

Das Töten der Esel für chinesische „Medizin“ muss ein Ende haben!

Bitte fordern Sie den kenianischen Umweltminister auf, alle kenianischen Eselschlachthäuser zu verbieten und Chinas grausamen Handel mit Ejiao nicht länger zu unterstützen.

Sterbehilfe – wann ist sie strafbar?   2 comments

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Sterbehilfe ist ja ein sehr komplexes und delikates Thema. Es wird deshalb auch sehr konträr diskutiert. Meiner Ansicht sollte jemand nicht lange leiden müssen, wenn es keine Aussicht auf Heilung gibt und die Person es nicht will. Ein Mensch sollte selbstbestimmt und in Würde sterben dürfen. Es gibt viele Facetten, die es bei der Sterbehilfe zu beachten gibt. Leicht kann man da konfus werden, mich nicht ausgenommen. Sterbehilfe wird auch in europäischen Ländern sehr unterschiedlich diskutiert und behandelt.
Hier ein Artikel von Netdoktor.

Selbstbestimmt leben, selbstbestimmt sterben – das ist für viele Befürworter der Sterbehilfe das Hauptargument.  Welche Arten von Sterbehilfe es gibt, wie andere Länder damit umgehen und was in Deutschland der rechtliche Rahmen dazu ist, erfahren Sie hier.

Gesund im hohen Alter einschlafen und nicht wieder aufwachen – diese Vorstellung vom Sterben wird nur für wenige Wirklichkeit. Oft zieht sich das Sterben hin und kann mit Schmerzen und drastischen Einschränkungen der Lebensqualität verbunden sein. Nicht zuletzt haben viele Sterbende Angst, ihrer Umwelt „zur Last“ zu fallen. Dies alles schürt Ängste und weckt bei manchen den Wunsch, selbst zu bestimmen, wann sie sterben – auch, wenn dazu die Hilfe Dritter nötig ist.

Was ist Sterbehilfe?

Darf man jemandem beim Sterben helfen? Dies ist eine heiß diskutierte Frage, an der sich sowohl Ethiker als auch die Gesetzgebung immer wieder abarbeiten. Grundsätzlich werden verschiedene Formen der Sterbehilfe definiert:

Passive Sterbehilfe: Hierbei werden lebensverlängernde Maßnahmen (zum Beispiel künstliche Ernährung, Beatmung oder die Gabe bestimmter lebenserhaltender Medikamente) nicht fortgesetzt. Grundlage hierfür ist normalerweise der ausdrückliche Patientenwille, zum Beispiel in Form einer Patientenverfügung. Liegt dieser vor, ist die passive Sterbehilfe in Deutschland nicht strafbar.

Indirekte Sterbehilfe: Hierunter versteht etwa man die Gabe von Schmerz- oder Beruhigungsmitteln, die das Leiden lindern, gleichzeitig aber auch die Lebenserwartung einschränken. Ein Beispiel sind Opiate, die den Schmerz und die Angst nehmen, gleichzeitig aber auch die Atmung dämpfen. Letzterer Effekt wird dann billigend in Kauf genommen – auch ausdrücklich bestätigt durch ein Urteil des Bundesgerichtshofes von 1996. Indirekte Sterbehilfe ist demzufolge in Deutschland nicht strafbar.

Beihilfe zur Selbsttötung: Ein Selbstmord – zum Beispiel mit einem Giftcocktail – wird juristisch nicht geahndet. Rein rechtlich ist auch die Beihilfe zum Suizid nicht strafbar. Allerdings können Helfer anschließend wegen unterlassener Hilfeleistung belangt werden. Ärzten allerdings verbietet das Berufsrecht, Menschen bei der Selbsttötung zu assistieren. Ein Verstoß kann zum Beispiel den Entzug der ärztlichen Berufserlaubnis zur Folge haben.

Aktive Selbsttötung: Sie wird auch „Tötung auf Verlangen“ genannt und ist in Deutschland strafbar. Gemeint ist zum Beispiel, wenn jemand einem Sterbenden ein tödliches Mittel verabreicht – auch, wenn dieser das ausdrücklich gewünscht hat. Wer sich hier schuldig macht, muss mit einer Freiheitsstrafe zwischen sechs Monaten und fünf Jahren rechnen.

Diskussionspunkt: Beihilfe zur Selbsttötung

Die Debatten, die derzeit geführt werden, beschäftigen sich vor allem mit der Beihilfe zur Selbsttötung. Denn diese nutzen zum Beispiel Sterbevereine oder andere Organisationen, die Sterbehilfe anbieten. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe wünscht sich ein umfassendes Verbot für alle derartigen Sterbehilfeangebote. Niemand solle kommerziellen Nutzen aus dem Leid und Tod anderer Menschen ziehen.

Abgeordnete aus Union und SPD dagegen wollen, dass es zumindest Ärzten gesetzlich erlaubt wird, den Wunsch auf Selbsttötung zu unterstützen – in einem engen gesetzlichen Rahmen zumindest. Die Bundesärztekammer weist allerdings darauf hin, dass Ärzte dazu verpflichtet sind, das Leben zu erhalten, nicht dabei zu helfen es zu beenden. Ein klares Nein also zur ärztlichen Sterbehilfe.

In einem Punkt allerdings sind sich alle Seiten einig: Deutschland soll in der Palliativ- und Hospizversorgung besser werden. Im Frühjahr 2015 sollen Gesetzentwürfe zur Regelung der Sterbehilfe in Deutschland vorgelegt und nach parlamentarischen Debatten im Laufe des Jahres auf den Weg gebracht werden.

Sterbehilfe in Europa

Unwahrscheinlich ist allerdings, dass die Sterbehilfe in Deutschland in absehbarer Zeit ähnlich liberal gehandhabt wird wie beispielsweise bei den europäischen Nachbarn Belgien oder Luxemburg. Dort ist aktive Sterbehilfe unter bestimmten Umständen durch einen Arzt erlaubt. Wichtig sei unter anderem, dass der Patient in einer medizinisch ausweglosen Situation steckt und abzusehen ist, dass sein restliches Leben mit unerträglichem Leiden einhergehen würde.

In der Schweiz ist aktive Sterbehilfe verboten,  die Beihilfe zum Selbstmord allerdings straffrei, solange keine „selbstsüchtigen“ Gründe dafür vorliegen. Mehrere Sterbehilfeorganisationen wie beispielsweise „Dignitas“ oder „Exit“ arbeiten auf dieser gesetzlichen Grundlage.

Italien, Österreich oder Dänemark verbieten gesetzlich die aktive Sterbehilfe und die Beihilfe zum Selbstmord, passive oder indirekte Sterbehilfe sind dagegen erlaubt.

Sterbehilfe – wann ist sie strafbar?

 

Mein Tod gehört mir (S)


http://www.4shared.com/video/g5NFjVzDce/Mein_Tod_gehrt_mir___S_.html
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Wenn Selbstbestimmung überhaupt einen Sinn hat, dann können ja nicht andere darüber verfügen ob mein Leben lebenswert ist oder nicht. Nur der Einzelne kann das für sich entscheiden. Es kann ja niemand zum Sterben gedrängt werden aber doch nicht auch zum Leben gezwungen werden.

 

Der Abschiedsbrief von Udo Reiter
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Gruß Hubert

Veröffentlicht 2. Juli 2015 von hubert wenzl in Medizin, Politik

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Die Untersuchung des Mannes   Leave a comment

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Es liegt vieles im Argen, wenn es um Männergesundheit geht. So wird für die Brustkrebsforschung zehnmal mehr Geld ausgegeben als für die Erforschung des Prostatacarcinoms…
Hier ein Bericht von Männerarzt Dr. Georg Pfau.

Die Untersuchung des Mannes

Anamnese (Erhebung der Krankengeschichte), körperliche Untersuchung und die abschliessende Befundbesprechung sind im Arzt-Patienten-Verhältnis die wesentlichen Kontakte, ohne die die Tätigkeit des Arztes nicht möglich ist. Alle diese Tätigkeiten müssen laut Ärztegesetz „unmittelbar“ erfolgen, das heisst in einem persönlichen Arzt-Patienten-Gespräch. Die Behandlung eines Patienten per Telephon, Email oder über sonstige Medien ist im österreichsichen Ärztegesetz ausdrücklich nicht vorgesehen, weil damit die Sorgfaltspflicht verletzt wird. Da man sich für so ein Gespräch Zeit nehmen muss und diese Zeit noch dazu schlechter honoriert wird als ein einfaches kleines „Kreuzchen“ auf einem Laborzuweisungsformular, besteht in den Ländern mit „fortschrittlicher“ Medizin eine bedenkliche Schwachstelle.

Eine von Kopf bis Fuss reichende, eingehende körperliche Untersuchung des entkleideten Patienten ist heutzutage eine der Realität widersprechende Idealvorstellung. Ich versuche allerdings dieser Idealvorstrellung möglichst nahe zu kommen, deshalb ist es mir nicht immer möglich, die Männersprechstunde in die Kassenpraxis zu integrieren.

Die „umfassende“ Untersuchung und das sie begleitende Gespräch dauert eher 60 als 30 Minuten, vor allem wenn es sich um einen Erstkontakt handelt.

Es ist daher verständlich, dass es meiner Intention entspricht, diese Art von Medizin ausserhalb die Ordinationszeiten zu verlegen.

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Zweifelsohne hat die Medizin größeres Interesse an den Frauen und deren Belange als an den Männern. Dies wird wahrscheinlich damit zusammenhängen, daß in der Vergangenheit die Mehrheit der Ärzte Männer waren…und deren Interesse gilt eben den Frauen.

So wird für die Brustkrebsforschung zehnmal mehr Geld ausgegeben als für die Erforschung des Prostatacarcinoms…und das sollte zu denken geben.

Es ist die Aufgabe von Männerärzten auch in solchen Kategorien zu denken und Mißstände aufzuzeigen, denn Männerärzte sind die Anwälte der Männer im Gesundheitssystem, sie machen Gendermedizin für Männer.

Falsche Scheu von Seiten der Patienten, aber auch der Ärzte kann fatale Folgen haben. Es ist bekannt, daß das Hodencarcinom der häufigste Krebs des jungen Mannes ist, dennoch ist die Begutachtung des Genitales der Männern nicht einmal Bestandteil der Gesundenuntersuchung, ein sehr bemerkenswerter Umstand.

Daher gehört zu jeder umfassenden Untersuchung eines Mannes die Begutachtung und die Palpation (Betastung) der Geschlechtsorgane inclusive der Prostata. Selbst ein zufällig entdeckter Leistenbruch rechtfertigt diese einfache Prozedur.

Weil aber eine solche Untersuchung einen Eingriff in die Intimsphäre eines Mannes darstellt, muss man natürlich vorher das Einverständnis einholen. Ein routinierter Arzt frägt etwa so: wie weit soll ich Sie denn untersuchen? Oder: ist es in Ihrem Interesse, wenn ich mir die Geschlechtsorgane ansehe?

Willigt der Patient ein, ist es gut, willigt er nicht ein, so ist das sein gutes Recht. Der Arzt wird einen Vermerk in der Kartei machen…und man geht zum nächsten Tagesordnungspunkt.

Die meisten Männer kommen zum Männerarzt und haben nicht einmal Beschwerden, sondern wollen sich nur anschauen lassen. Sie wollen einfach nur wissen, dass sie gesund sind; auch das ist ein ausreichendes Motiv zum Männerarzt zu gehen.

Der komplette Untersuchungsvorgang eines Mannes sollte oder kann folgende Schritte umfassen, das vorher erteilte Einverständnis des Untersuchten vorausgesetzt:

 

Routinemäßige Untersuchungen:

ein Laborbefund mit den relevanten Parametern, die natürlich von Mann zu Mann verschieden sind (z.B. HIV, PSA, AFP, HCG, Testo, LH, FSH….)

die Bestimmung der Körpermaße (Größe, Gewicht, Bauchumfang)

die Erhebung von Routineparameter (Blutdruck, Puls..)

die physiaklische Krankenuntersuchung gemäß der ärztlichen Kunst (Abhorchen von Lunge, Herz, Abtasten der Bauchorgane, Prüfen der Reflexe etc….)

 

Je nach Beschwerden oder auf Wunsch des Patienten:

das Abtasten der Hoden (bei Verdacht auf Entzündung, Schwellung, Größe, Schmerzen, Krebs?),

die Ultraschalluntersuchung der Hoden zur Bestimmung der Größe und der Organbeschaffenheit,

die Inspektion (Ansehen) des Penis (wegen Ausschlägen, Feigwarzen, Ausfluß…),

das Reponieren (Zurückschieben) der Vorhaut (wegen Vorhautverengung, zu kurzem Vorhautbändchen, Hygiene, Ausschläge…),

das Tasten der Leisten (wegen Lymphknoten, Leistenbruch),

das rectale Abtasten der Prostata (bei jungen Männern nur in manchen Fällen bei Verdacht auf Entzündung, bei älteren Männern in jedem Fall wegen Hyperplasie und Krebs),

die Ultraschalluntersuchung der Prostata (in begründeteten Fällen bei Verdacht auf Entzündung…),

das Spermiogramm (bei Verdacht auf Störungen der Fruchtbarkeit),

die Spermakultur (bei Verdacht auf Infektionen),

der Harnröhrenabstrich (bei Verdacht auf bestimmte Infektionen),

die Inspektion und Palpation der männlichen Brust (wegen Brustkrebs oder Gynäkomastie),

die Inspektion des Körperbaues auf Fettmasse und Muskelmasse (wegen möglicher hormoneller Defizite).

 

Selbstverständlich gibt es noch weiterführende Untersuchungen, die je nach Bedarf in Anspruch genommen werden können oder müssen.

 

http://www.maennerarzt-linz.at/startseite_maennerarzt/untersuchung-des-mannes/

 

Gruß Hubert

Veröffentlicht 16. Februar 2014 von hubert wenzl in Medizin

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Manipulationen in Transplantationszentren   Leave a comment

Ich kann nur jedem raten sich genau zu informieren bevor jemand seine Zustimmung zur Organentnahme gibt. Schon beim Gehirntod-Konzept habe ich starke Bedenken. Insgesamt stehe ich der Organentnahme nach dem Gehirntod skeptisch gegenüber. Um so schlimmer, wenn dann auch noch solche Skandale in Transplantationszentren zutage kommen.

Hier ein Artikel der Saarbruecker Zeitung.

Versuchter Totschlag?

Ein Oberarzt der Uniklinik Göttingen soll Patientendaten manipuliert haben, um schneller an Spenderorgane zu kommen. Für andere Schwerkranke bedeutete dies den Tod, meint die Staatsanwaltschaft.

Heute beginnt der Prozess. (Veröffentlicht am 19.08.2013)

Göttingen. Der Göttinger Transplantations-Skandal hat das Vertrauen in die Organspende in Deutschland erschüttert. Nach Bekanntwerden der Vorwürfe gegen den leitenden Oberarzt der niedersächsischen Universitätsklinik vor gut einem Jahr gingen die Spenderzahlen in den Keller. Es scheint, als sei eine Lawine ins Rollen gekommen: Wie in der Folge bekannt wurde, sollen auch in Regensburg, München und Leipzig in Transplantationszentren Patientendaten manipuliert worden sein. Politik und Ärzteschaft beschlossen ein Reformpaket mit schärferen Kontrollen.

Der Arzt, der als Erster als mutmaßlicher Betrüger aufflog, muss sich von heute an vor dem Landgericht Göttingen verantworten. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig wirft dem 46-Jährigen vor, er habe seine auf Spenderlebern wartenden Patienten kränker gemacht, als sie waren, und sie zudem fälschlicherweise als Dialyse-Patienten ausgegeben. Dadurch sollten sie auf der Warteliste bei der Vergabe-Organisation Eurotransplant nach oben rücken.

Laut Anklage ist dies in elf Fällen gelungen. Dabei habe der Mediziner billigend in Kauf genommen, dass andere schwer kranke Patienten kein Spenderorgan erhielten und deshalb möglicherweise starben. Die Staatsanwaltschaft sieht darin versuchten Totschlag. Seit Januar sitzt der Mediziner in Untersuchungshaft. Sein Anwalt wollte aktuell vor dem Verfahren nichts sagen.

In der 156 Seiten dicken Anklageschrift werden dem Arzt zudem drei weitere Fälle vorgehalten, in denen er Lebern übertragen haben soll, obwohl dies medizinisch nicht angezeigt war. Die Patienten, die mittlerweile gestorben sind, seien darüber nicht aufgeklärt worden. „Die Staatsanwaltschaft wertet dies als Körperverletzung mit Todesfolge“, sagt Sprecherin Nicola Kreuzer. Die Ermittlungen gegen vier weitere Mediziner des Göttinger Klinikums, die in die Machenschaften verwickelt gewesen sein sollen, dauern noch an. Gegen den 46-Jährigen laufen zudem weitere Ermittlungen in Bayern. Er soll an seiner früheren Arbeitsstätte am Uniklinikum Regensburg in den Jahren 2004 bis 2006 ebenfalls Patientendaten manipuliert haben, um schneller an Spenderorgane zu kommen.

Derzeit hoffen rund 11 000 Kranke bundesweit auf ein Organ – viele vergeblich. „Sie sterben, bevor sie ein Spenderorgan bekommen können“, sagt Birgit Blome von der Deutschen Stiftung Organtransplantation. Nach dem Auffliegen der Vorgänge an den Kliniken bei der Vergabe hat die Bereitschaft der Bevölkerung zur Organspende nachgelassen. Die Zahl der Spender sank seither um fast 20 Prozent. Im ersten Halbjahr 2012 gab es bundesweit 562 Spender, im ersten Halbjahr 2013 nur noch 459. „Die Leidtragenden sind die Patienten auf den Wartelisten“, sagt Blome.

Die Göttinger Richter haben jetzt viel Stoff zu bewältigen. „Die Prozess-Akten füllen 35 Umzugskartons“, sagt Gerichtssprecherin Cornelia Marahrens. Und auch rechtlich dürfte der Fall kompliziert werden. Die Staatsanwaltschaft werfe dem Arzt versuchten Totschlag vor, könne aber nicht eindeutig benennen, wer die Opfer sind, sagt der auf Strafrecht in der Medizin spezialisierte Juraprofessor Gunnar Duttge von der Uni Göttingen. „Das ist ein großes Problem.“ Auch Verteidiger Steffen Stern hatte den Vorwurf des versuchten Totschlags kurz nach der Festnahme des Arztes als „juristisch fragwürdig“ bezeichnet.

Das Landgericht Göttingen hat für den Prozess zunächst 42 Verhandlungstage bis Mai 2014 angesetzt. Dazu lud die Kammer vorerst 30 Zeugen. Hinzu kommen sechs medizinische Sachverständige. „Das Interesse an dem Verfahren ist riesig“, sagt Gerichtssprecherin Marahrens.
Von dpa-MitarbeiterMatthias Brunnert

http://www.saarbruecker-zeitung.de/sz-berichte/themen/Versuchter-Totschlag;art2825,4904198

Siehe auch:

http://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2013-08/organspende-prozess-goettingen

Gruß Hubert