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Anleitung zum Seligsein   Leave a comment

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Ratschläge für Scheinheilige und solche, die es werden wollen

 

Möchten nicht auch Sie seliggesprochen werden? Die Chancen standen noch nie so gut wie heute. In der 2000jährigen Geschichte der katholischen Kirche hat kein Oberhaupt so oft Heilig- und Seligsprechungen durchgeführt wie Johannes Paul II. In den ersten 20 Jahren seines Pontifikats hat der polnische Papst insgesamt 280 Frauen und Männer zu Heiligen und 805 weitere zu Seligen erklärt. (Dies entspricht ziemlich genau der Zahl, die all seine Vorgänger seit 1592 zusammen erreicht haben!) (1)

Wenn auch Sie einmal zum erlauchten Kreis der Seligen oder gar der Heiligen gehören wollen, lesen und befolgen Sie gewissenhaft die folgenden Ratschläge für Scheinheilige und solche, die es werden wollen. Diese Ratschläge beruhen auf einer gründlichen Analyse der Seligen- und Heiligengeschichte der katholischen Kirche. Also nehmen Sie die Hinweise ernst! Selbst wenn Sie es nicht schaffen sollten, in die Top 1000 der katholischen Seligen-Charts zu gelangen, eine Belohnung im Himmelreich ist Ihnen allemal gewiß! (Und wer kann dazu schon nein sagen?)

Ratschlag Nr. 1

Sofern Sie es nicht ohnehin sind, werden Sie Mitglied der allein seligmachenden katholischen Kirche! Eine solche Kirchenmitgliedschaft ist zwar nicht unbedingt kostengünstig (manch einer könnte sich von seinen Kirchensteuern ein kleines Eigenheim finanzieren), aber Seligkeit hat nun mal ihren Preis. Und überhaupt: „Was bedeuten zehn, zwanzig oder fünfzig Jahre Leid…, wenn dann die Herrlichkeit kommt, für immer, für immer…, für immer?“ (2)

Ratschlag Nr. 2

Glauben Sie in blindem Vertrauen an die christliche Botschaft – vor allem dort, wo diese völlig unlogisch ist! „Credo quia absurdum“ lautet ein alter Leitspruch der katholischen Kirche. Fürwahr: An logische Dinge glauben, kann jeder. Von einem Seligen darf aber mit Recht mehr erwartet werden. Er muß auch das Absurde glauben können. Hierzu müssen Sie zunächst Ihren Geist schachmatt setzen. Am besten, Sie beten täglich mindestens ein Dutzend Mal den Rosenkranz. Vergegenwärtigen Sie sich dabei die Mysterien des christlichen Glaubens, zum Beispiel die Wandlungsprozesse einer einfachen katholischen Hostie: Wie Sie wissen, ist diese ja zunächst nichts Besonderes, eine schnöde Oblate, die ohne weiteres auch als Boden einer Kokosmakrone enden könnte. In der Kirche erfährt unsere Oblate jedoch ihre eigentliche, ihre wahre Bestimmung: Während der Priester sein Verslein spricht, wird aus der vegetarischen Oblate eine fleischhaltige Hostie, die zwar weiterhin verdächtig nach Oblate schmeckt, in Wirklichkeit aber vorwiegend aus den Innereien des Heilands besteht. Dies allein wäre schon einigermaßen verwunderlich, aber es kommt noch besser: Nachdem die Christen in einem rituell-kannibalischen Akt (den sie „Kommunion“ nennen) Jesu Leib verspeist haben, scheint sich der Prozess der Sakralisierung der Hostie im Magen der Christen wieder umzukehren. Aus Jesu Leib resultieren hundertprozentig säkulare Ausscheidungen, was im übrigen höchst vorteilhaft ist, da Sie diese später ohne Bedenken mit der Wasserspülung Ihres Klosetts entsorgen können. (Würden Sie das Gleiche mit einer Hostie machen, würden Sie durch die infame Verletzung eines heiligen Sakraments eine schlimme Sünde begehen…) (3)

Sofern Sie all dies nachvollziehen können, ohne ihren Glauben zu verlieren, haben Sie bereits eine entscheidende Hürde auf dem Weg zur Seligkeit erfolgreich gemeistert! Gratulation!

Ratschlag Nr. 3.

Ändern Sie unbedingt Ihre Ernährungsgewohnheiten! Nicht nur Liebe, sondern auch Seligkeit geht durch den Magen! Orientieren Sie sich zum Beispiel an der heiligen Katharina von Genua, die mit Vorliebe den Schmutz von alten Armenkleidern kaute, wobei sie Dreck und Läuse verschluckte. Oder folgen Sie der heiligen Marguerite Marie Alacoque, auf deren Offenbarungen immerhin Herz-Jesu-Orden, Herz-Jesu- Andacht und Herz-Jesu-Fest zurückgehen. Von ihr wird berichtet: „Sie trank zeitweise nur Waschwasser, aß verschimmeltes Brot, faules Obst, wischte einmal mit ihrer Zunge den Auswurf eines Patienten auf und beschreibt uns in ihrer Selbstbiographie das Glück, das sie empfand, als sie ihren Mund mit den Fäkalien eines Mannes gefüllt hatte, der an Durchfall litt. Für derlei Kotfetischismus aber durfte sie nachts lange das Herz Jesu küssen, der sie eigenhändig dabei hielt.“ (4) (Anmerkung: pathologischer geht nicht).

Ratschlag Nr. 4.

Legen Sie sich möglichst bald eine schwerwiegende Erkrankung zu! Krankheit ist ein großer Segen für jeden, der aufsteigen will in den holden Kreis der Seligen. Als SeligkeitsaspirantIn und NachfolgerIn Christi lastet große Verantwortung auf Ihren Schultern: Sie tragen das Kreuz der Krankheit ja nur, um damit stellvertretend für all die Abscheulichkeiten der modernen Zeit zu büßen – für die Schlechtigkeit der Welt, die Übermacht des Satans, den fehlenden Gehorsam gegenüber Papst und Kirche usw. usf.. Übrigens: Falls es bei Ihnen mit der Krankheit nicht so ganz klappen sollte, versuchen Sie es einmal mit Selbstgeißelungen. Der selige Josemaria Escriva, ein großer Selbstgeißelungsexperte vor dem Herrn, gab hierzu eine markante Losung aus, die Sie auf Ihrem Weg zur Seligkeit niemals vergessen sollten. Beten Sie sie nach: „Gesegnet sei der Schmerz. – Geliebt sei der Schmerz. – Geheiligt sei der Schmerz … Verherrlicht sei der Schmerz!“ (5)

Sie fühlen sich schon viel schlechter? Wunderbar! Sie sind auf dem richtigen Weg!

Ratschlag Nr. 5

Befreunden Sie sich mit allen verfügbaren Diktatoren, die sie antreffen können, oder – falls gerade kein Diktator zu Hand ist – ächten Sie zumindest in aller Schärfe die Satansbrut der Demokratie! Auch auf diesem Gebiet gilt der selige Opus Dei-Gründer Escriva als leuchtendes Vorbild. Der in Rekordgeschwindigkeit seliggesprochene Hitler-Verehrer unterhielt freundschaftliche Beziehungen zu Franco, unter dessen kleriko-faschistischer Herrschaft sich das Opus Dei mächtig ausbreiten konnte. (6) Auch der selige Kardinal Alojzije Stepinac pflegte enge Verbindungen zu faschistischen Machthabern. Gemeinsam mit Ante Pavelic, dem Führer des kroatischen Ustascha-Regimes, hetzte er erfolgreich gegen Juden und Serben.(7) (1946 wurde er hierfür zu 16 Jahren Haft verurteilt. Seine Seligsprechung erfolgte naturgemäß etwas später – im Jahre 1998). Was Kardinal Stepinac recht war, war der großen Seligen in spe Mutter Teresa nur billig. (8) Teresa, die neben dem Friedensnobelpreis auch den Ehrenlegion-Orden des haitianschen Diktators „Baby Doc“ Duvalier in Empfang nahm, wetterte mehrmals öffentlich gegen die satanische Bedrohung der Demokratie. Und Recht hatte sie, die treue Gottesfrau. Schließlich sollte doch jeder gute Christ wissen, warum Demokratie von Grund auf verwerflich ist: Wahrheit kommt im christlichen Glauben stets von oben, niemals von unten… (9)

Ratschlag Nr. 6

Erhöhen Sie unter allen Umständen den Kapitalstock der Kirche! Mutter Teresa zeigte, wie es geht: (10) Man gründet in einem der zahlreichen Elendsviertel dieser Welt ein Hospital, in dem man die Menschen mehr schlecht als recht versorgt. Und nun der Clou: Die mittels umfangreicher Spendenpropaganda herbeigeschafften Millionenbeträge verwendet man nicht für die Notleidenden vor Ort (in Teresas Missionen starben die Menschen zumeist qualvoll, weil man auf eine ausreichende Versorgung mit Schmerzmitteln keinen Wert legte), sondern überweist sie umgehend auf Kirchenkonten. (Schließlich braucht der heilige Vater viel Geld, um z.B. Bibeln für Rußland drucken zu können). Hinweis: Sollten Sie Ihre Karriere als Seliger in spe wirklich ernstnehmen, vernachlässigen Sie diese wichtige Aufstiegsstrategie auf keinen Fall! Money makes the world go round! Das gilt nicht zuletzt auch für den Vatikan.

Ratschlag Nr. 7

Behaupten Sie, die allerheiligste Gottesmutter und Jungfrau Maria sei Ihnen erschienen. Da Maria bis 1993 ganze 927 mal erschienen ist (allein 427 mal im 20. Jahrhundert!) , dürfte es ein Leichtes sein, ihr irgendwo einmal zu begegnen. Authentische Marienbotschaften haben übrigens stets den gleichen Inhalt und sind daher leicht zu identifizieren: Betet den Rosenkranz! Weiht die Welt meinem unbefleckten Herzen! Tuet Buße! Gehorcht dem Papst! (11) (Sollte die Jungfrau für Präservative werben, sind ernste Zweifel an der Authentizität ihres Erlebnisses angebracht!) Noch ein wichtiger Hinweis: Sollte Ihnen die Jungfrau tatsächlich erscheinen, achten Sie bitte sorgsam auf eine dem Anlaß entsprechende Kleidung! Frauen sollten der Jungfrau unbedingt in weiten Kleidern ihre Aufwartung machen. (Hosen gelten als anzüglich.) (12) Achtung: Der obige Hinweis galt selbstverständlich ausschließlich für Frauen! Männer sollten es dringend unterlassen, in Anwesenheit Marias Kleider zu tragen (da ist die Jungfrau doch etwas pingelig). Bevorzugen Sie stattdessen unauffällige graue Bundfaltenhosen sowie kleinkarierte Hemden.

Ratschlag Nr. 8

Scharen Sie Anhänger um sich! Am besten, Sie gründen gleich einen eigenen Orden. Je mehr Menschen Propaganda für Sie machen, umso besser stehen die Chancen für Ihre Seligsprechung. Suchen Sie sich Ihre Anhänger allerdings sehr sorgfältig aus. Zu hohe Intelligenzquotienten könnten sich womöglich schädlich auf Ihr Anliegen auswirken. Merke: Selig sind bzw. machen nur die, die arm im Geiste sind. Um es einmal in den Worten des unseligen Friedrich Nietzsche auszudrücken: „Was? du suchst? du möchtest dich verzehnfachen, verhundertfachen? du suchst Anhänger? – Suche Nullen!“ (13)

Ratschlag Nr. 9

Spezialisieren Sie sich auf eine noch unbewohnte Seligen-.bzw. Heiligen-Nische! Jedes Töpfchen hat sein Deckelchen und jeder ordentliche Heilige sein Spezialgebiet, in dem er als amtlich beglaubigter Schutzpatron Wunder wirkt. Sicherlich: Viele Patronatsgebiete sind mittlerweile schon vergeben, aber mit ein wenig Glück – und selbstverständlich Gottes Hilfe! – könnte es Ihnen – allen Widrigkeiten zum Trotz – doch gelingen, eine der wenigen unbewohnten Nischen zu finden. (Ein heißer Tip: Es gibt noch keinen Schutzpatronen, der speziell Warzen- oder Schweißfußgeplagten zur Seite steht. Auch magersüchtige Postbeamtinnen, internetsüchtige Briefmarkensammler und transsexuelle Klempnergesellen müssen zur Zeit noch ohne eigene Schutzheilige auskommen. Wenn Sie auf einem dieser Gebiete Talente aufweisen, zögern Sie nicht! Sichern Sie sich ihre Seligen-Domäne, bevor ein Anderer Sie Ihnen vor der Nase wegschnappt!)

Ratschlag Nr. 10

Bewirken sie posthum Wunder! Dies erst demonstriert Ihre besondere Befähigung zum Seligsein. Doch keine Bange: Die Sache hört sich komplizierter an, als sie ist! Sofern Sie sich zu Ihren Lebzeiten erfolgreich eine Seligen-Nische sichern konnten, ist das posthume Wunder in der Tat nur ein Klacks. Nach Ihrem Ableben werden die Menschen gewiss massenhaft um Ihre Hilfe bitten. Statistisch gesehen ist es also nur eine Frage der Zeit, bis die außerordentlich seriösen Selig- bzw. Heiligsprechungskommissionen der katholischen Kirche ein Wunder verbuchen können! Beachten Sie hierbei aber folgende Faustregel: Je größer ihre Klientel, desto wahrscheinlicher das Auftreten posthumer Wunder. Spezialisieren Sie sich also besser auf Schweißfußopfer als auf transsexuelle Klempnergesellen! Doch selbst für Schutzpatrone der verhältnismäßig kleinen Gruppe transexueller Klempnergesellen gibt es Hoffnung, denn schließlich drückt die ehrenwerte Selig- bzw. Heiligsprechungskommission in Sachen Wunderwirkung gerne mal ein bis zwei Augen zu. Vor allem scheint es sie nicht sonderlich zu stören, wenn das posthume Wunderwirken der Seligkeits- bzw. Heiligkeitsanwärter nur sehr kurzfristige Erfolge zeigt. Hierzu ein Beispiel aus jüngster Zeit: (14) Die selige Anna Schäffer – offenbar eine Spezialistin für gefährliche Verkehrsunfälle (wahrlich ein hervorragendes Patronatsgebiet!) – soll nach Angaben der vatikanischen Heiligsprechungskommission einem verunglückten jungen Motorradfahrer das Leben gerettet haben, nachdem sie in Gebeten angerufen worden war. Dem jungen Motorradrowdy allerdings half diese noble Rettungstat nur sehr wenig. Kurze Zeit später kam er bei einem weiteren Unfall ums Leben. (Pech gehabt: Anna Schäffer war wohl gerade in der Mittagspause!) (15)

Coda

Sofern Sie die obigen Ratschläge gewissenhaft befolgen, dürfte Ihre Seligsprechung nur noch eine Formsache sein. Freuen Sie sich also auf ein ewiges Leben im Kreis erlauchter Gleichgesinnter.

Sollte Ihnen jedoch die Lust am ewigen Leben abhanden gekommen sein, – nun denn: wir heißen Sie herzlich willkommen im Club der Unseligen. Unser Club ist durchaus prominent besetzt. Sie sollten sich also nicht grämen: Durch ihre Absage ans Himmelreich verpassen Sie nichts, was irgendwie erwähnenswert wäre. Denn – Hand aufs Herz: Wäre es für Sie wirklich ein Vergnügen, auf immer und ewig in der Gesellschaft von Escriva, Stepinac oder Mutter Teresa leben zu müssen, Tag für Tag beschäftigt mit Rosenkranzgebeten, Selbstgeißelungen und hirnzersetzenden Exerzitien? Wohl kaum. Dann schon lieber in der Hölle schmoren – mit Heinrich Heine, Karl Marx, Rosa Luxemburg, Frank Zappa und Janis Joplin an der Seite! So gesehen ist die Hölle eigentlich gar kein so unangenehmes Pflaster. Fast schon schade, dass es ihn (aller Wahrscheinlichkeit nach) nicht gibt, diesen Ort der ewigen Verdammnis, an dem nichts als Sünde und Laster vorherrscht. Ach, was könnten wir da lachen, saufen, lieben und diskutieren! Ungehemmt, wild und zügellos. In Ewigkeit. Amen.

Quelle:

Anleitung zum Seligsein

(zu finden unter „Service“)

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Gruß Hubert

 

Ein Nachruf auf den Physiker und Kabarettisten Prof. Dr. Heinz Oberhummer   Leave a comment

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Ein Nachruf von Michael Schmidt-Salomon.

„Ein außergewöhnlicher Mensch“

Giordano-Bruno-Stiftung trauert um den Physiker und Kabarettisten Prof. Dr. Heinz Oberhummer

(25.11.2015)

Er war der Inbegriff des verrückten (Physik-) Professors: In der Nacht von Montag auf Dienstag starb gbs-Beirat Prof. Dr. Heinz Oberhummer, der nicht nur als Astrophysiker, sondern auch als Sachbuchautor und Kabarettist internationale Anerkennung gefunden hat. Ein Nachruf von Michael Schmidt-Salomon.

Es gibt Menschen, von denen man sich einfach nicht vorstellen kann, dass sie jemals sterben werden. Heinz Oberhummer war ein solcher Mensch, denn kaum jemand strahlte solche Lebensfreude und Vitalität aus wie er. Seine Leidenschaft für wissenschaftliche Themen war schier grenzenlos. Wenn Heinz in Fahrt war (und das war er oft), sprudelten die Argumente und Pointen nur so aus ihm heraus. Er war in solchen Fällen durch nichts und niemanden mehr zu bändigen – auch nicht durch die Alltagsroutinen im Fernsehen.

Während die anderen Talkgäste um ihn herum betont ruhig und bedächtig sprachen – so wie sie es von PR-Beratern gelernt hatten – gestikulierte er wild mit den Armen, seine Stimme überschlug sich schon nach wenigen Worten vor Begeisterung. Denn Heinz konnte gar nicht anders, als in Höchstgeschwindigkeit zu denken und zu reden, Pausen entstanden bei ihm nur, wenn er nach einer guten Pointe in sein markantes, obertonreiches Lachen verfiel.

Heinz Oberhummer war ein wahres Unikum, einer, dem die Fähigkeit zum gesetzten Auftreten eines seriösen Spitzenforschers völlig abging, er war der Inbegriff des genialen und zugleich leicht verrückten Professors. Und genau das liebten die Leute an ihm!

Heinz musste sich keinen Deut verstellen, um die Menschen auf der Bühne zum Glucksen zu bringen. Er verstand es wie kaum ein anderer, die komplexesten Phänomene und Theorien der Physik nicht nur verständlich, sondern auch ungemein unterhaltsam zu erklären. Als er 2007 mit Martin Puntigam und Werner Gruber die „Science Busters“, die „heißeste Science-Boygroup der Milchstraße“, gründete, war dies der Start zu seiner zweiten Karriere als Wissenschaftskabarettist, die mit einer stattlichen Anzahl an Preisen und Auszeichnungen und ausverkauften Tourneen in Österreich, Deutschland und der Schweiz belohnt wurde.

In den Jahrzehnten zuvor hatte Heinz, der seit 1988 Theoretische Physik an der Universität Wien lehrte, als Kern- und Astrophysiker von sich Reden gemacht. Seine Arbeiten zur Nukleosynthese (Entstehung schwerer Atome im Inneren von Sternen) sowie zur Feinabstimmung des Universums sorgten für internationales Aufsehen (u.a. auch für eine Nominierung zum Physik-Nobelpreis).

2008 fasste er seine wichtigsten Erkenntnisse zur Feinabstimmung in seinem großartigen, populärwissenschaftlichen Buch „Kann das alles Zufall sein?“ zusammen, das zum „Wissenschaftsbuch des Jahres“ gekürt wurde – eine Auszeichnung, die er wenige Zeit später zusammen mit den „Science Busters“-Kollegen auch für das Buch „Gedankenlesen durch Schneckenstreicheln“ erhielt.

Heinz wurde 2008 in den Beirat der Giordano-Bruno-Stiftung aufgenommen und engagierte sich seither auf vielfältige Weise für ein rationales Weltbild sowie eine stärkere Beachtung der Interessen religionsfreier Menschen. So war er Gründungsvorsitzender des „Zentralrats der Konfessionsfreien“ in Österreich, Obmann der Initiative „Religion ist Privatsache“ und Mitinitiator des (in Österreich noch immer verbotenen) Vereins „Letzte Hilfe – Verein für selbstbestimmtes Sterben“.

Mit großer Wehmut denke ich zurück an die klugen, lustigen, tiefschürenden Gespräche mit ihm – nicht zuletzt auch an unseren gemeinsamen Abend in seinem „Heurigen“ in der Nähe von Wien. (Heinz scherzte damals, dass seine Mutter ihn, den Professor, erst in dem Moment ernstnahm, als er eine „echte Heurigen-Wirtin“ heiratete).

Die Nachricht von seinem Tod hat uns völlig unvorbereitet getroffen. Vor wenigen Wochen erst hatte Heinz den gbs-Vorstand zur Deutschlandpremiere des neuen „Science Buster“-Programms „Das Universum ist eine Scheißgegend“ in Mainz eingeladen. Er war damals vital wie eh und je. Niemand von uns hätte damit gerechnet, dass Heinz, der in dem Programm auch an der Gitarre rockte, nur eineinhalb Monate später nicht mehr leben würde.

Erst vergangene Woche strahlte der österreichische Radiosender FM4 eine Folge mit ihm aus, in der er seine große Faszination für die enorme Überlebensfähigkeit einiger Bakterienarten bekundete. Paradoxerweise wurde Heinz nun selbst zum Opfer der Überlebensfähigkeit derartiger Mikroorganismen. Er starb in der Nacht von Montag auf Dienstag völlig unerwartet an den Folgen einer Lungenentzündung.

Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, dass das Universum eine „Scheißgegend“ ist – er wäre hiermit erbracht! Denn Heinz hatte mit seinen 74 Jahren noch unendlich viel vor und er hätte der Welt noch sehr viel mehr Wissen und Freude schenken können! Wir trauern um einen großen Physiker, einen hervorragenden Wissensvermittler und Kabarettisten, einen engagierten Stiftungsbeirat und nicht zuletzt auch um einen außergewöhnlichen Menschen. Es war eine große Ehre und Freude, ihn zu unseren Freunden zählen zu dürfen.

Ein Nachruf auf den Physiker und Kabarettisten Prof. Dr. Heinz Oberhummer

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Der Beitrag enthält auch zwei Videos mit Prof. Dr. Heinz Oberhummer, ca. 27 und 38 Minuten lang. Die habe ich nicht hier eingesetzt, weil sie doch kaum jemand in voller Länge anschauen wird (im Fall sind sie ja zugänglich).

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Gruß Hubert

Michael Schmidt-Salomon über die gefährlichste Weltmacht aller Zeiten   Leave a comment

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Michael Schmidt-Salomon über die Dummheit, die Riesenblödheit, die die Menschheit von Anbeginn überzieht und heimsucht.

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Gruß Hubert
 

 

 

Veröffentlicht 25. September 2015 von hubert wenzl in Kultur, Religionskritik

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Respekt? Wovor denn?   Leave a comment

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Bei den Karikaturen geht es ja oft um die Verletzung religiöser Gefühle und es wird großer Respekt und großer Schutz davor von Religioten gefordert. Aber aufgrund von was wird dieser Respekt erwartet. Religionen wurden ja alle nur von Menschen erfunden. Nicht Gott schuf den Menschen, sondern umgekehrt.
Der Philosoph und Religionskritiker Ludwig Feuerbach sagte:
„Denn nicht Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde, wie es in der Bibel steht, sondern der Mensch schuf, wie ich im »Wesen des Christentums« zeigte, Gott nach seinem Bilde.“

Verschiedene Religionen behaupten ja ihre Religion wurde ihrem Gründer geoffenbart.
Es gibt keine Offenbarungen „von oben“. Wenn heute jemand Stimmen hört, dann ist er ein Fall für die Psychiatrie, denn dann ist die Diagnose Schizophrenie, also würde heute so ein „Stimmenhörer“ in der Psychiatrie landen. Glauben ist nicht rational. Deswegen kann man mit einem Gläubigen auch nicht streiten, weil er rationalen Argumenten nicht zugänglich ist, zumindest was den Glauben betrifft. Religionen fußen auf Behauptungen, es ist nichts bewiesen, denn dann wüsste man es. Glauben ist nicht Wissen. Ich glaube nicht, dass morgen Dienstag ist, das weiß ich. Marcel Reich Ranicki sagte einmal: Gott ist eine literarische Erfindung. Ich kann einen Menschen respektieren und wertschätzen, muss es aber nicht bei seinen Überzeugungen tun.

Zurück zu den Karikaturen. Der Mensch muss frei sein, wenn er das Höchste erreichen will, da darf es keine geistigen Fesseln und Tabus geben.

So lange der Mensch nicht im Höchsten frei, bei sich, selbständig ist, so lange kann er auch in Kunst und Wissenschaft nicht das Höchste erreichen.
Ludwig Feuerbach (1804 – 1872), deutscher Philosoph und Religionskritiker

Warum wird also der große Respekt, eine Sonderstellung in der Kritik bei den Religionen verlangt, aufgrund von was?
Hierzu Michael Schmidt-Salomon in der ZEIT.

Religionen Respekt? Wovor denn?

Respekt vor religiösen Gefühlen!, heißt es allenthalben. Michael Schmidt-Salomon hält es für falsch, auf die Befindlichkeiten von Gläubigen groß Rücksicht zu nehmen. von Michael Schmidt-Salomon

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Eine Kirche und eine Moschee in Ramallah, Westjordanland  |  © Mohamad Torokman/Reuters

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Es wirkt wie ein bedingter Reflex: Kaum gehen religiöse Fanatiker auf die Barrikaden , sind westliche Politiker und Journalisten zur Stelle, um Respekt für religiöse Gefühle einzufordern. So war es vor sechs Jahren im Zuge des Karikaturenstreits, so ist es heute bei den Protesten gegen das trashige YouTube-Filmchen Die Unschuld der Muslime . Im ersten Moment mag die Forderung sogar vernünftig erscheinen: Denn wäre es nicht schön, wenn wir alle etwas respektvoller miteinander umgehen würden?

Michael Schmidt-Salomon

Michael Schmidt-Salomon

ist Schriftsteller und Philosoph sowie Vorstandssprecher der Giordano-Bruno-Stiftung.

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Bei genauerer Betrachtung zeigt sich jedoch, dass diese so freundlich wirkende Haltung diametral gegen die Streitkultur der Aufklärung verstößt, auf der der moderne Rechtsstaat gründet. „Mehr Respekt bitte!“ ist ein Totschlagargument, das jede vernünftige Debatte zum Erliegen bringt.

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„Respekt“ (von lateinisch „respectus“: Zurückschauen, Rücksicht) bezeichnet eine Form der Achtung und Ehrerbietung gegenüber einer anderen Person, ihren Handlungen oder Überzeugungen. Keine Frage: Für aufgeklärte Zeitgenossen ist es eine pure Selbstverständlichkeit, Menschen als Menschen wertzuschätzen. Doch gilt dies auch für alle Überzeugungen, die Menschen an den Tag legen? Ganz gewiss nicht. 

Wie etwa könnten wir aus einer aufklärerischen Perspektive heraus Glaubensüberzeugungen respektieren, die noch immer – im 21. Jahrhundert! – gegen Schwule und Ehebrecherinnen agitieren?

Nein, hinter solchem Respekt verbirgt sich meist bloß Ignoranz beziehungsweise Feigheit, die sprichwörtlich geworden ist: Der Klügere gibt nach – was der Dummheit schon häufig zum Sieg verholfen hat.

 

Respekt für Respektlose?

Die Absurdität der gegenwärtigen Debatte zeigt sich nicht zuletzt darin, dass Respekt ausgerechnet jenen gegenüber eingefordert wird, die hinlänglich bewiesen haben, dass ihnen jeder Respekt gegenüber Andersdenkenden fehlt. Verwunderlich ist dieses Defizit nicht, wenn man die Heiligen Schriften kennt. So erwartet „die Ungläubigen“ laut Koran nicht bloß das „ewige Feuer“, sie werden in der „Hölle“ mit „Eiterfluss“ und „Jauche“ getränkt (Suren 14,16 und 78,25), erhalten einen „Trunk aus siedendem Wasser“ (Sure 6,70), der ihnen die „Eingeweide zerreißt“ (Sure 47,15), werden mit „eisernen Keulen“ geschlagen (Sure 22,21), müssen Kleidungsstücke aus flüssigem Kupfer und Teer tragen (Sure 22,19) und vieles andere mehr. Immer wieder wird im Koran betont, wie sehr Allah „die Ungläubigen“ hasst – sie gelten ihm gar als die „schlimmsten Tiere“ (Sure 8,55) – und dass es für den gläubigen Muslim eine heilige Pflicht sei, den Zorn Gottes an ihnen zu vollstrecken (Suren 8,15-16). Eine gute Grundlage für den respektvollen Umgang mit Andersdenkenden ist dies sicherlich nicht.

 

Mit Mitgefühl oder gar Respekt dürfen „die Feinde Gottes“ aber auch in der Bibel nicht rechnen. Denn es steht geschrieben: „Du wirst alle Völker verzehren, die der Herr, dein Gott, für dich bestimmt. Du sollst in dir kein Mitleid mit ihnen aufsteigen lassen“ (Deuteronomium, 7,16-17). Auch im Neuen Testament wird die Bestrafung „der Bösen“ immer wieder in schillerndsten Farben ausgemalt. So verkündet das Matthäus-Evangelium, dass der „Menschensohn seine Engel aussenden“ wird, die diejenigen, die „Gottes Gesetz übertreten haben, (…) in den Ofen werfen, in dem das Feuer brennt. Dort werden sie heulen und mit den Zähnen knirschen“ (Mt. 13,41-43). Nicht besser kommen die Fehl- und Nichtgläubigen bei Paulus weg: Die, die sich weigern, (den christlichen) Gott anzuerkennen, sind, so der Apostel, „voll Ungerechtigkeit, Schlechtigkeit, Habgier und Bosheit, voll Neid, Mord, Streit, List und Tücke, (…) sind überheblich, hochmütig und prahlerisch, erfinderisch im Bösen (…) Wer so handelt, verdient den Tod“ (Römer 1,28-32).

 

Führt man sich vor Augen, wie vehement „Ungläubige“ in den Grundlagenschriften der Religionen verunglimpft werden, wirken sämtliche Religionssatiren, die in den vergangenen  Jahrzehnten veröffentlicht wurden, wie harmlose Späßchen. Bei Licht betrachtet hätten religionsfreie Menschen also weit triftigere Gründe, sich in ihren weltanschaulichen Gefühlen verletzt zu sehen.
Offenkundig jedoch sind ihre weltanschaulichen Empfindungen weit weniger verletzungsanfällig als religiöse Gefühle. Sollte man also Rücksicht auf die besondere Befindlichkeit der Gläubigen nehmen? Keineswegs, denn das würde das Krankheitsbild nur noch verschlimmern.

Es ist wie bei einer Spinnenphobie: Wer unter der wahnhaften Angst leidet, beim Anblick einer Spinne sterben zu müssen, kann seine Angst nur dadurch überwinden, dass er mit dem Auslöser seiner Angst konfrontiert wird. Ähnlich ist es bei der Kritikphobie der Hardcore-Religiösen, auch hier hilft im Grunde nur systematische Desensibilisierung: Wir sollten sie daher mit so viel Kritik und Satire versorgen, bis sie irgendwann von selbst erkennen, wie irrsinnig es ist, wegen einer harmlosen Zeichnung in die Luft zu gehen oder schlimmer noch: andere in die Luft zu sprengen.

 

Umkehrung des Täter-Opfer-Prinzips

Die Ideologie des falschen Respekts ist, wie ich meine, gleich in mehrfacher Hinsicht schädlich: Erstens verstärkt sie die religiöse Kritikphobie durch das Ausblenden des aversiven Reizes. Zweitens ermutigt sie Fanatiker dazu, noch heftiger zu protestieren, um künftig jede Form von Religionskritik zu unterbinden . Drittens stellt sie weltanschauliche Borniertheit unter „Denk-mal-Schutz“, indem sie den Fundamentalisten das „Geschenk der Kritik“ vorenthält. Viertens ist sie paradoxerweise besonders respektlos gegenüber den Gläubigen, weil sie diese wie kleine Kinder behandelt, denen man bestimmte Dinge nicht zumuten darf. Fünftens führt sie zu einer Überbetonung der Interessen jener Personenkreise, die in ihrem Denken und Handeln noch nicht im 21. Jahrhundert angekommen sind. Sechstens verführt sie Politiker dazu, das Täter-Opfer-Prinzip umzudrehen, indem sie die Schuld für die Störung des öffentlichen Friedens den betroffenen Künstlern zuweisen – statt den Fanatikern, die nicht angemessen auf Kritik reagieren können. Siebtens hat die Ideologie des falschen Respekts eine Aushöhlung der Meinungs-, Presse-, Kunst- und Forschungsfreiheit zur Folge. Und achtens ist sie mit dem Verrat der Prinzipien der Streitkultur der Aufklärung verbunden, die ja gerade deshalb so produktiv ist, weil sie Debatten fördert, in denen tradierte Sichtweisen schamlos verletzt werden können.

Hüten wir uns also vor der Ideologie des falschen Respekts! Nicht auszudenken, wo wir heute stünden, wenn die Aufklärer der Vergangenheit größere Rücksicht auf religiöse Gefühle genommen hätten: Womöglich würden in Europa noch immer die Scheiterhaufen brennen…

http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2012-09/religion-ideologie-respekt/komplettansicht

 

Gruß Hubert

Veröffentlicht 13. Januar 2015 von hubert wenzl in Politik, Religionskritik

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Charlie Hebdo und der Gotteslästerungsparagraph 166 StGB   Leave a comment

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Hier eine Presseerklärung von hpd/gbs anläßlich des traurigen Ereignis bei Charlie Hebdo, das auf religiöse fanatische Islamisten zurückgeht, die den Propheten verteidigen und rächen wollten, wie einer der Attentäter in einem Video (bei Yahoo.de zu sehen) sagte.
Es darf nie soweit kommen, dass fanatische religiöse Fundamentalisten diktieren was geschrieben und gezeichnet werden darf. Dann hätten Terroristen wirklich gewonnen. Jetzt erst recht muss die Devise heißen!

Nach Anschlag auf „Charlie Hebdo“

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Gotteslästerungsparagraph 166 StGB abschaffen!

OBERWESEL. (hpd/gbs) “Der öffentliche Friede wird nicht durch Künstler gestört, die Religionen satirisch aufs Korn nehmen, sondern durch Fanatiker, die auf Kritik nicht angemessen reagieren können”, erklärte gbs-Vorstandssprecher Michael Schmidt-Salomon nach dem Anschlag auf das französische Satiremagazin “Charlie Hebdo”. Die weltweiten Solidaritätsbekundungen nach dem Attentat seien ermutigend, aber keineswegs ausreichend. So müsse in Deutschland endlich der sogenannte “Gotteslästerungsparagraph” (§ 166 StGB ) gestrichen werden, der den verhängnisvollen Eindruck erwecke, “religiöse Gefühle” seien bedeutsamer als die Freiheit der Kunst.
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“Mit Jean Cabut (‘Cabu’), Georges Wolinski, Stéphane Charbonnier (‘Charb’) und Bernard Verlhac (‘Tignous’) sind vier der wichtigsten Karikaturisten Frankreichs bei dem Anschlag ums Leben gekommen. Sie hinterlassen eine Lücke, die kaum zu schließen ist”, sagte Schmidt-Salomon. Kaum jemand habe solchen Mut gezeigt, den Einschüchterungsversuchen muslimischer wie christlicher Fundamentalisten zu trotzen. Es sei zu hoffen, “dass Cabu, Wolinski, Charb und Tignous weltweit Nachfolger finden, die sich durch das schreckliche Blutbad von Paris nicht abschrecken lassen”.
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Schmidt-Salomon bezeichnete es als “ermutigend”, dass die Politik und die Medien auf den Anschlag in Paris deutlich anders – nämlich im Sinne einer Stärkung der Kunst- und Meinungsfreiheit – reagierten, als sie es noch 2006 beim sogenannten “Karikaturenstreit” getan haben. “Damals”, so Schmidt-Salomon, “sind viele Politiker nach den Gewaltexzessen, die durch die Veröffentlichung von zwölf Mohammed-Karikaturen in der Zeitung ‘Jyllands Posten’ ausgelöst wurden, fürchterlich eingeknickt, indem sie falschen Respekt gegenüber den ‘verletzten Gefühlen’ religiöser Fanatiker zeigten.” Einige Politiker hätten sich in der Folge sogar als “Trittbrettfahrer des religiösen Fundamentalismus” betätigt und eine Verschärfung des “Zensurparagraphen 166 StGB” gefordert.
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Die Giordano-Bruno-Stiftung hatte darauf postwendend mit einer vielbeachteten öffentlichen Petition geantwortet, die klarstellte, dass die Freiheit der Kunst niemals aus Rücksicht auf religiöse Borniertheit eingeschränkt werden dürfe.
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Schon damals hatte die gbs die ersatzlose Streichung des §166 StGB gefordert, der Künstlerinnen und Künstler mit Gefängnis bis zu drei Jahren bedroht, sofern sie Religionen oder Weltanschauungen in einer Weise “verächtlich” machten, die den “öffentlichen Frieden” gefährde. “In der Praxis hat dieser Paragraph zu einer völligen Verkehrung des Täter-Opfer-Verhältnisses geführt”, führte Schmidt-Salomon aus. “Namhafte Künstler wie Kurt Tucholsky oder George Grosz wurden mithilfe dieses Zensurparagraphen gemaßregelt. Tatsächlich aber wurde der öffentliche Friede niemals durch kritische Kunst bedroht, sondern vielmehr durch religiöse oder politische Fanatiker, die nicht in der Lage waren, die künstlerische Infragestellung ihrer Weltanschauung rational zu verarbeiten.”
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Schmidt-Salomon spricht hier aus eigener Erfahrung: Das von ihm komponierte Rockmusical “Das Maria-Syndrom”, eine Hommage an den amerikanischen Musiker und Bürgerschreck Frank Zappa, wurde 1994 mithilfe des §166 verboten. Einer der Hauptgründe damals: Katholische Fundamentalisten hatten ihn nach Presseberichten über das Stück mit Morddrohungen überzogen.
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“Wenn den deutschen Politikern die Kunstfreiheit wirklich so wichtig ist, wie sie behaupten, sollten sie den längst überfälligen Schritt vollziehen und den alten Gotteslästerungsparagraphen abschaffen!”, fordert Schmidt-Salomon. “Wir sollten uns darüber im Klaren sein, dass sich der Freiheitsgrad einer Gesellschaft nicht zuletzt darin bemisst, welchen Freiraum sie Satirikern gewährt. Denn sie sind die ersten, die totalitärem Denken zum Opfer fallen, geht doch Totalitarismus stets mit einer ausgeprägten Humorallergie einher. Ein moderner Rechtsstaat sollte daher den Freiraum für kritische und vor allem satirische Kunst nicht nur schützen, sondern die Künstlerinnen und Künstler in ihrer kulturellen Aufgabe bestärken, althergebrachte Sichtweisen infrage zu stellen. Dies jedoch wird nur möglich sein, wenn religiöse oder politische Fanatiker in ihre Schranken verwiesen werden. Hierzu müsste der Gesetzgeber klarstellen, dass die Kritikunfähigkeit totalitär denkender Gruppen niemals mit einer Einschränkung der Kunst-, Meinungs- und Pressefreiheit belohnt werden kann. Dies wiederum verlangt, dass der alte Gotteslästerungsparagraph 166 StGB, der im Kern noch aus der Zeit der Vermählung von Thron und Altar stammt, verschwindet! Borniertheit, Intoleranz und Humorlosigkeit sind beim besten Willen keine Rechtsgüter, die in irgendeiner Weise geschützt werden sollten.”
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http://hpd.de/artikel/10934

 

Gruß Hubert

 

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Es ist ja nichts neues dass Kirchenkreise, Religiöse, nicht zimperlich sind, wenn es darum geht Gegner – von ihnen aus gesehen Feinde – zu diffamieren. Dafür gibt es genug Beispiele. Man denke da nur an bestimmte Bischöfe oder Kardinäle (Kard. Meisner).
Siehe:
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/predigt-gegen-pid-kardinal-meisner-vergleicht-embryonentests-mit-biblischem-kindermord-a-736904.html
oder auch:
http://de.wikipedia.org/wiki/Joachim_Meisner

Hier aber nun zum Beitrag des „gbs“.

Warum die Kritiker der gbs (Giordano Bruno Stiftung) immer häufiger zu Diffamierungsstrategien greifen

Viel Feind‘, viel Ehr‘, heißt es. Tatsächlich lässt sich der Erfolg einer neuen sozialen Organisation daran bemessen, zu welchen Diffamierungsstrategien sich ihre Kritiker genötigt sehen. Insofern sind die massiven Angriffe, denen die Giordano-Bruno-Stiftung derzeit ausgesetzt ist, auch als Zeichen dafür zu betrachten, dass die Positionen, die die Stiftung vertritt, mehr und mehr Zustimmung in der Bevölkerung finden. Ein Kommentar von Michael Schmidt-Salomon.

Im letzten Jahrzehnt hat in vielen Ländern der Welt ein historisch einzigartiger Säkularisierungsschub stattgefunden, der allmählich auch auf politischer Ebene Wirkungen zeigt. So haben amerikanische Sozialforscher herausgefunden, dass Barack Obama seine Wiederwahl zum Präsidenten nicht zuletzt den religionsfreien Menschen (der am schnellsten wachsenden weltanschaulichen Gruppe in den USA – jeder vierte Obama-Wähler zählt dazu!) verdankt. Ausgehend von ihren Analysen prognostizieren Wahlforscher für die nähere Zukunft, dass die amerikanischen Säkularisten auf die Politik der Demokraten einen ähnlich großen Einfluss haben werden wie die Evangelikalen auf die Politik der Republikaner.

Noch stärker als in den USA fiel der Säkularisierungsschub in Deutschland aus. Eine stabile Mehrheit der deutschen Bevölkerung führt heute ein Leben frei von religiösen Dogmen und bezieht in ethischen Fragestellungen Positionen, die deutlich von traditionellen Glaubensvorstellungen abweichen. Dies wurde u.a. am vergangenen Montag im Rahmen der „hart aber fair“-Sendung zur Sterbehilfe mit gbs- und hpd-Fördermitglied Dr. Uwe-Christian Arnold wieder deutlich, sprachen sich doch über 90 Prozent der Website-Besucher für das Recht des Menschen auf ein selbstbestimmtes Sterben aus.
Kein Wunder, dass es Bruder Paulus Terwitte, der als Vertreter der Kirche zur Sendung eingeladen war, angesichts des verlorenen Postens, auf dem er sich befand („Das Leiden gehört zum Leben und Gott bestimmt, wann das Leben endet)“, ein wenig fröstelte.

Mittlerweile spiegelt sich die veränderte Sichtweise der Bevölkerung, die es nicht mehr hinnimmt, dass religiösen Gruppen verfassungswidrige Sonderrechte eingeräumt werden, auch in entsprechenden Gerichtsurteilen wider. In diesem Zusammenhang ist nicht nur das berühmte Beschneidungsurteil des Landgerichts Köln zu erwähnen, sondern auch die am gestrigen Dienstag veröffentlichte Entscheidung des Bundesarbeitsgerichts, das das generelle Streikverbot in kirchlichen Unternehmen aufhob – ein wichtiger Schritt im Kampf für die Gewährung von Grundrechten in religiösen Institutionen.

[…]
Galt die Stiftung lange Zeit als Institution einer gesellschaftlichen Randgruppe, die man nicht sonderlich ernstnehmen müsse, wird sie nun mehr und mehr stilisiert zur „treibenden Kraft einer säkularen Mehrheit“, die angeblich „in aggressiver Weise die Rechte religiöser Minderheiten beschneiden möchte“.

Besonders deutlich wurde diese neue Argumentationsfigur im Rahmen der Debatte um die medizinisch nicht indizierte Knabenbeschneidung. In einem höchst tendenziösen Pro-Beschneidungsgutachten des American Jewish Committee (kritisch hierzu siehe u.a. die Stellungnahme des Präsidenten des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, Dr. med. Wolfram Hartmann), das an sämtliche Bundestagsabgeordneten versandt wurde, wurden insbesondere der gbs „antisemitische Motive“ unterstellt – wobei die Autoren offenbar nur zu gerne übersahen, dass die gbs-Kinderrechtskampagne nun gerade von jüdischen (!) Beschneidungskritikern angeregt und unterstützt wurde.

In die gleiche Kerbe schlug Micha Brumlik mit einem Kommentar in der TAZ, der versuchte, die gbs und ihre Kinderrechtskampagne mithilfe vermeintlich antisemitischer Äußerungen Giordano Brunos aus dem 16. Jahrhundert zu diffamieren.

[…]
Woher nimmt er diese Sicherheit? Allem Anschein nach hat Brumlik die letzte Veröffentlichung der Hanns-Seidel-Stiftung (CSU) gelesen – zumindest wirken seine Anschuldigungen wie 1zu1-Kopien der Anwürfe aus dem kirchenfreundlichen Band „Staat und Kirche im 21. Jahrhundert“. Denn selbstverständlich gilt die Giordano-Bruno-Stiftung auch bei den CSU-Autoren als militant atheistisch, intolerant, oberflächlich, einseitig naturwissenschaftlich orientiert und dogmatisch. Aber immerhin weiß man bei ihnen, wie man das politisch einzuordnen hat. Schließlich ist es das Hauptziel ihrer Veröffentlichung, die ins Rutschen geratenen Kirchenprivilegien (etwa die Möglichkeit, homosexuellen Menschen zu kündigen, Angestellte weltanschaulich zu diskriminieren und Streiks zu verhindern) zu sichern. Das erklärt auch, warum sich die CSU-Kirchenapologeten so sehr bemühen, die deutsche Geschichte zu verfälschen, warum sie von einem „gottlosen Nationalsozialismus“ sprechen, obwohl der Atheismus unter den Nazis als Ausdruck einer „jüdisch-bolschewistischen Weltanschauung“ galt, warum sie die katholischen Stimmen zu Hitlers „Ermächtigungsgesetz“ und das zum Teil bis heute gültige „Reichskonkordat“ ebenso verschweigen wie das Herausschleusen von Nazi-Verbrechern über den Vatikan.

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Der-Ton-wird-rauer

Gruß Hubert