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Das Recht Religionen kritisieren zu dürfen   Leave a comment

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Bei Frank Plasberg ging es in der Sendung „hart aber fair“ vom 28.09.2015 um den Islam in Deutschland. Jede Religion muss sich auch der Kritik stellen, sonst wäre es ein autoritäres Diktat, in dem die Menschen das Hirn ausschalten müssten.

Der gebürtige Ägypter Hamed Abdel-Samad, der früher selbst ein Anhänger der Muslimbrüder war, stritt beherzt für jene uneingeschränkte Möglichkeit und Fähigkeit zur Kritik, ohne die eine ehrliche Diskussion nicht denkbar ist. Für seine Überzeugung zahlt Abdel-Samad einen hohen Preis. Eine Fatwa wurde gegen ihn ausgesprochen, was einem kollektiven Mordaufruf gleichkommt.

Islamverbandsvertreter redet sich um Kopf und Kragen

Bei Frank Plasberg ging es um den Islam in Deutschland. CDU-Mann Jens Spahn klagte über Sprachprobleme und kritisierte die Islamverbände. Deren Vertreter verzettelte sich in der Handschlag-Affäre.

Vieles deutet darauf hin, dass sich die Flüchtlinge und Migranten, die gegenwärtig Deutschland erreichen, auf Dauer hier niederlassen werden. Sie kommen, um zu bleiben. Da es sich mehrheitlich um Muslime handelt, stellt sich mit ihrer Ankunft auch die Frage nach der Rolle des Islams hierzulande neu.

Es wäre sicher falsch, die vielfältige Identität der Asylbewerber auf ihre Glaubenszugehörigkeit zu reduzieren, und doch spielt sie eine gewichtige Rolle. Nicht umsonst fordert die Polizei, in den Heimen nach genau diesem Kriterium zu trennen. Die Spannungen zwischen den verschiedenen Religionen und Konfessionen treten in der Enge der Flüchtlingsunterkünfte offen zutage.

Separate Unterbringung „das völlig falsche Signal“

An der Frage einer separaten Unterbringung entzündete sich in der „Hart aber fair“-Sendung zum Thema „Merkel bejubeln, an Mohammed glauben: Wie viel Islam gehört zu Deutschland?“ eine kontroverse Diskussion. CDU-Präsidiumsmitglied Jens Spahn sprach sich in seinem Bemühen um eine „klare Kante“ dagegen aus. Man müsse, auch hinsichtlich des friedlichen Zusammenlebens, „vom ersten Tag an deutlich machen, was gilt. Das ist ja das Versäumnis der Vergangenheit“, so der Unionsabgeordnete. In den Flüchtlingsheimen nach Religionen zu sortieren, sei also „das völlig falsche Signal“.

Dietmar Ossenberg, der langjährige ZDF-Studioleiter in Kairo und Kenner des arabischen Raums, widersprach. Es gehe im Augenblick darum, der Entfaltung der Konflikte in Deutschland entgegenzuwirken. „Und das heißt eben auch, in dieser hoch aufgeladenen Situation von mir aus Christen, Jesiden oder Sunniten zu trennen“.

Der Islamkritiker Hamed Abdel-Samad sah angesichts des aktuellen Problems sogar die Gelegenheit und die Pflicht, den muslimischen Flüchtlingen beizubringen, „dass sie selber etwas dafür tun müssen, damit diese Verhältnisse, die ihre Länder kaputtgemacht haben, nicht nach Deutschland importiert werden“.

Das waren gute Gedanken. Den Flüchtlingen, die in den Asylheimen Unterdrückung erfahren, helfen übergeordnete Argumente aber wenig weiter. Sie sehen sich nicht selten eben jener Form von Verfolgung ausgesetzt, die sie zur Flucht bewegt hat. Falls nötig, sollte man sie auch vor einer Instrumentalisierung in der Integrationsdebatte schützen.

Eines der Hauptprobleme ist die Sprache

Spätestens außerhalb der Unterkünfte treffen allerdings alle Neuankömmlinge nicht nur auf eine christlich-jüdisch und atheistisch geprägte Gesellschaft, sondern auch auf jene Muslime, die bereits ein Teil Deutschlands sind. Sie haben in den vergangenen Jahrzehnten Spuren hinterlassen und Strukturen zur Praktizierung ihres Glaubens geschaffen. Zum Teil geschah das ohne allzu enge Anbindung an den Rest der Republik.

Eines der Hauptprobleme war und ist die Sprache. So klagte CDU-Mann Spahn darüber, dass er sich mit keinem Imam aus seinem Wahlkreis in der eigenen Muttersprache unterhalten könne, „weil die alle aus der Türkei geschickt sind, aus der Türkei bezahlt werden und kein Wort deutsch reden“.

Der Bundestagsageordnete des Wahlkreises Steinfurt I – Borken I forderte von den Islamverbänden in Deutschland eine bessere Jugend- und Öffentlichkeitsarbeit sowie ein stärkeres Bekenntnis zu den „Prinzipien, die dieses Land tragen“. Seine Kritik richtete sich an Zekeriya Altug, der in der Runde die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion, besser bekannt als Ditib, vertrat.

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CDU-Präsidiumsmitglied Jens Spahn fordert: „Wir brauchen einen Konsens, dass bei uns einige Regeln unabdingbar für alle gelten“

© picture alliance / dpa CDU-Präsidiumsmitglied Jens Spahn fordert: „Wir brauchen einen Konsens, dass bei uns einige Regeln unabdingbar für alle gelten“

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Alles eine Frage der Umgangsformen?

Altug hatte angesichts der zahlreichen gegen die Islamverbände vorgebrachten Vorwürfe einen schweren Stand. Er bewahrte trotz allem einen recht ruhigen und sachlichen Ton. Als er aber versuchte, die „Handschlag-Affäre“ um CDU-Frau Julia Klöckner als eine Frage der „Umgangsformen“ abzutun und zur möglichen Geste des Respekts umzudeuten, redete er sich um Kopf und Kragen. Während des Besuchs eines Flüchtlingsheims hatte ein Imam der Politikerin ausrichten lassen, dass er ihr als Frau im Falle einer Begegnung die Hand nicht reichen werde. Richtigerweise hatte Klöckner daraufhin gleich ganz auf ein Treffen verzichtet.

Die stellvertretende NRW-Ministerpräsidentin Sylvia Löhrmann (Grüne) berichtete allerdings von einer ähnlichen Erfahrung mit einer jüdisch-orthodoxen Gruppe. Sie warnte davor, den Islam in eine negative Schublade zu stecken und gleichzeitig alle anderen Religionen zu guten Religionen zu erklären.

Damit stellte sie die Brücke zu Altug wieder her, der mehr „Rücksicht auf die Grundwerte der Muslime“ forderte. Darunter fällt dem Ditib-Vertreter zufolge auch, „dass man die Sachen, die man für heilig hält, wie den Koran oder den Propheten, respektiert und nicht provoziert mit diesen Symbolen“.

Islamkritiker Glücksfall für die Diskussion

Das wiederum war an die Adresse von Hamed Abdel-Samad gerichtet, dessen aktuelle Veröffentlichung „Mohamed. Eine Abrechnung“ von Altug als „Schmähschrift“ tituliert wurde. Tatsächlich beleidigt es die Gefühle vieler auch gemäßigter Muslime, dass der Autor den Religionsstifter des Islam als kranken Massenmörder und Gewaltherrscher darstellt. Aber man braucht sich Abdel-Samads Urteil gar nicht anzuschließen, um zu verstehen, dass er für die Islam-Debatte in Deutschland ein Glücksfall ist. Das stellte sein beherzter Plasberg-Auftritt einmal mehr unter Beweis.

Der gebürtige Ägypter, der früher selbst ein Anhänger der Muslimbrüder war, stritt beherzt für jene uneingeschränkte Möglichkeit und Fähigkeit zur Kritik, ohne die eine ehrliche Diskussion nicht denkbar ist. Für seine Überzeugung zahlt Abdel-Samad einen hohen Preis. Seit eine Fatwa gegen ihn verhängt wurde, die einem kollektiven Mordaufruf gleichkommt, lebt der Politologe unter Polizeischutz. Solche Erscheinungsformen des Islams wecken in der deutschen Bevölkerung jene Ängste, die man, da waren sich alle Talkteilnehmer einig, nicht einfach wegdiskutieren kann.

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Das Recht Religionen kritisieren zu dürfen

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Gruß Hubert