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Die Toten Hosen – Sascha – Ein aufrechter Deutscher   Leave a comment

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Der Song von den Toten Hosen ist schon ein paar Jahre her, aber wieder aktuell, wenn man sich die rechtsradikalen Hass-Postings in den Sozialen Medien ansieht. Habe heute in einer Rundfunksendung über das Lied Sascha, ein aufrechter Deutscher reden gehört und ich finde es auch heute wieder zutreffend. Es ist ja so ein herrliches Gefühl, wenn man auf die eigene Nation stolz sein kann, ohne etwas dafür getan haben zu müssen. In ein Land wird man geboren, gleich wie man in eine Religion geboren wird die dort vorherrschend ist. Zum Glück kann man sie aber auch annehmen oder nicht, oder wieder ablegen. Ich bin jedenfalls immer nur auf eine eigene Leistung stolz. Nationalismus und Patriotismus sind immer gefährlich, wenn sie sich für höherwertig halten und andere Nationen oder noch schlimmer andere Rassen abwerten. Und das tun Leute, die diese Dinge hochhalten leider sehr oft.

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DIE TOTEN HOSEN – Sascha, ein aufrechter Deutscher

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Der Sascha der ist arbeitslos
was macht er ohne Arbeit bloß
er schneidet sich die Haare ab
und pinkelt auf ein Judengrab
Zigenuerschnitzel das schmeckt gut
auf Sintis hat er eine Wut
er isst so gern Cevapcici
Kroaten mochte er noch nie

Der Sascha der ist Deutscher
und Deutsch sein das ist schwer
und so deutsch wie Sascha
wird Abdul nimmermehr
Er kennt sogar das Alphabet
weiß wo der Führerbunker steht
Nein dieser Mann das ist kein Depp

Der Sascha ist ein Deutscher Rep
Er ist politisch informiert
und weiß das jeder Fremde stört
und sein treuer Schäferhund
bellt jetzt nicht ohne Grund

Denn der Sascha der ist Deutscher
und Deutsch sein das ist schwer
und so deutsch wie der Sascha
ist man nicht nebenher
Jetzt lässt er die Sau erst raus
und geht zum Asylantenhaus
dort schmeißt er eine Scheibe ein
denn jeder Neger ist ein Schwein
dann zündet er die Bude an
ein jeder tut halt was er kann
beim Thema „Deutsche Gründlichkeit“
da weiß er voll Bescheid

Ja Sascha der ist Deutscher
und Deutsch sein das ist schwer
wer so deutsch wie der Sascha ist
der ist sonst garnichts mehr
Vor gut 50 Jahren
hat’s schon einer probiert
die Sache ging daneben
Sascha hat’s nicht kapiert…

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https://www.stlyrics.com/songs/d/dietotenhosen12485/sascha452186.html

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Gruß Hubert

Veröffentlicht 21. Mai 2017 von hubert wenzl in Musik, Politik, Uncategorized

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Rationale aller Länder, vereinigt Euch!   1 comment

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Es ist interessant zu sehen, wie gleiche Gruppen, wie zum Beispiel Radfahrer und Autofahrer. Skifahrer und Snowboarder. Raucher und Nichtraucher, zusammenhalten und sich in Oppostion zur anderen Gruppe verhalten.

Die stärksten Kleber für solche potenziell aggressiven Gruppen sind Religion, Ethnie und Nationalismus.

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Hier eine Kolumne aus dem Spiegel.

Donald Trump, die AfD, Le Pen – Rechtspopulisten ist gelungen, woran die Linke gescheitert ist: ein internationales Identifikationsangebot für Verlierer der Globalisierung zu schaffen. Zeit für eine Gegenbewegung.

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Zwei Fäuste

Getty Images Easy Access/ EyeEm -Zwei Fäuste
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Es gibt ein auf den ersten Blick kurios wirkendes Experiment, das unter Psychologen sehr berühmt, sonst aber wenig bekannt ist. Durchgeführt hat es in den frühen Siebzigerjahren in Bristol ein Team um den Sozialpsychologen Henri Tajfel. Die Forscher zeigten Versuchspersonen Bilder von Wassily Kandinsky und Paul Klee und fragten sie, welche ihnen besser gefielen. Auf Basis dieser Urteile wurden die Personen einer Klee- oder Kandinsky-Gruppe zugeteilt. Sie erfuhren dabei nicht, wer die übrigen Gruppenmitglieder waren.

Anschließend wurden die Versuchspersonen gebeten, mithilfe eines aufwendigen Verfahrens immer wieder kleine Geldsummen an die beiden Gruppen zu verteilen – mit dem expliziten Hinweis, dass die Entscheidung keinen Einfluss auf ihre eigene Belohnung hatte. Und siehe da: Klee-Freunde bevorzugten die ihnen völlig unbekannten anderen Klee-Freunde, Kandinsky-Fans die anderen Kandinsky-Fans.

Diese Experimente sind als „minimal group paradigm“ in die Geschichte der Sozialpsychologie eingegangen. Der Befund wurde oft repliziert und auch kritisiert, über die genauen Wirkfaktoren wird seit Jahrzehnten gestritten. Unbestritten ist aber: Es ist erstaunlich einfach, Menschen dazu zu bringen, sich einer bestimmen Gruppierung zugehörig zu fühlen. Und das hat oft Konsequenzen für ihr Verhalten gegenüber anderen.

Die stärksten Kleber sind Religion, Ethnie und Nationalismus

Wenn Ihnen das zu theoretisch ist, lassen Sie mal eben die folgenden Beispiele auf sich wirken: Radfahrer und Autofahrer. Skifahrer und Snowboarder. Raucher und Nichtraucher. Jogger und Walker. Apple-Fans und Windows-Freunde. Konsolenspieler und PC-Spieler.

Schon solche ziemlich arbiträr wirkenden Zugehörigkeiten können, das hat vermutlich jeder schon erlebt, zu äußerst emotionalen Auseinandersetzungen führen. Ist die Gruppe schärfer definiert, stärker abgegrenzt, kann es schnell blutig werden: Schiiten und Sunniten. Hutu und Tutsi. Türken und Armenier. Und so weiter.

Die stärksten Kleber für solche potenziell aggressiven Gruppen sind Religion, Ethnie und Nationalismus. Deshalb war das „internationale Proletariat“ so ein Geniestreich. Marx und Engels erdachten gewissermaßen aus dem Nichts eine Gruppe, der man sich ohne Ansehen von Nation, Religion, Hautfarbe zugehörig fühlen konnte. Was immer man sonst vom Marxismus halten mag: Die beiden nahmen die Globalisierung vorweg und erfanden gleich ein globales Gegengewicht. Eine Gruppe, die über gemeinsame Interessen definiert war, über Grenzen hinweg.

Internationale Solidarität unter Nationalisten

Und damit kommen wir, so kurios das scheinen mag, zu Donald Trump und zur AfD. Trump ist der Kandidat, die AfD die Partei der gefühlt Abgehängten. Einer aktuellen, von der „FAZ“ in Auftrag gegebenen Studie zufolge finden 38 Prozent der AfD-Anhänger, sie gehörten „zu denen, die zurückbleiben, während es vielen anderen in Deutschland immer besser geht“. Bei den Anhängern der Linken sind es nur 33 Prozent.

Trump-Fans, AfD-Anhänger und die der britischen Brexit-Partei Ukip, des französischen Front National, der österreichischen FPÖ oder von Victor Orbáns Fidesz-Partei haben auch sonst viel gemeinsam: Sie haben oft etwas gegen Migranten, gegen „Political Correctness“, gegen Emanzipation und gegen gleiche Rechte für Menschen, die nicht heterosexuell sind. Und gegen Freihandelsabkommen. Gegenseitig aber mögen sie sich. Plötzlich gibt es da ein – internationales! – Identifikationsangebot für die Abgehängten und Wütenden. Internationale Solidarität unter Nationalisten.

Fast aus Versehen und mit viel Hilfe durch das soziale Internet ist eine Art reaktionäre Internationale entstanden. Von der sozialistischen Internationalen dagegen, der proletarischen Solidarität gegen die Mächte des Kapitals, hört man derzeit eher wenig. Auch und gerade die linken Parteien Europas denken und reden im Jahr 2016 allzu oft erschreckend national.

Verschwörungstheorien als politisches Instrument

TTIP und Co. bieten für Rechte wie Linke gleichermaßen Angriffsflächen, ja, zum Teil scheinen sie wie geschaffen dafür, Verschwörungsgedanken zu nähren: geheime Verhandlungen, geheime Dokumente, geheim tagende Schiedsgerichte ohne demokratische Legitimation und so weiter. Hier verschwört sich doch ganz offensichtlich das globale Kapital mit irgendwelchen dubiosen „Eliten“, hinter verschlossenen Türen.

Nun ist es die große Stärke der Rechten, Verschwörungstheorien als politisches Instrument zu benutzen. Im Fall des Freihandelsgegners Donald Trump reicht das bekanntlich bis hinauf zum Kandidaten persönlich.

Tatsächlich, und dafür braucht man gar keine Verschwörungstheorie, bräuchte der globale Kapitalismus mehr denn je dringend ein ebenfalls global organisiertes Gegengewicht. Die Konzerne haben die Methode perfektioniert, nationale Regierungen zu ihrem eigenen Nutzen gegeneinander auszuspielen, egal, ob es um Steuervermeidung, Arbeitnehmerrechte, den Klimawandel oder Abgasmauscheleien geht.

Wir brauchen eine aufgeklärte, globale Zivilgesellschaft

Die Politiker, die quasi versehentlich zu Vertretern der reaktionären Internationale geworden sind, haben es irgendwie geschafft, den Eindruck zu erwecken, sie seien das Gegengewicht zu dieser Entwicklung. Dabei ist Nationalismus – und darum geht es all den genannten Parteien in Wahrheit – als Mittel zur Lösung globaler Probleme völlig ungeeignet.

Was die Welt gut gebrauchen könnte, wäre eine globale Zivilgesellschaft, die sich jenseits von Religion, Ethnie und Nation darüber verständigte, wie der globale Kapitalismus im 21. Jahrhundert zu zähmen sei. Eine aufgeklärte, eine rationale Internationale gewissermaßen, ein Identifikationsangebot jenseits der Reaktion. So eine globale Zivilgesellschaft könnte enorme Macht entfalten, wenn sich ihr genügend Menschen zugehörig fühlten. Es gibt zwischen diesem Wunsch und Rassismus, Sexismus und Nationalismus keinen logischen Sinnzusammenhang, im Gegenteil.

Es wird höchste Zeit, den gefühlt Abgehängten klarzumachen, dass diese neue Gruppe, der sie sich seit neuestem zugehörig fühlen, ihnen nicht helfen kann. Dass die reaktionäre Internationale nur eine Richtung kennt: auf den Abgrund zu.

Eine Kolumne von

Rationale aller Länder, vereinigt Euch!

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Wenn die wechselvolle Geschichte von Islam und Europa eines zeigt, dann dies: Sobald die organisierte Religion – egal welche – dazu ermächtigt wird, politische und gesellschaftliche Normen zu setzen, wird es gefährlich. Denn wer sich auf einen letzten Grund, auf eine unbedingte Macht berufen darf, der muss keine rationalen Begründungen mehr liefern. Der kann Massaker ebenso anordnen wie die Zerstörung von Kulturgütern. Das gilt für das Christentum ebenso wie für den Islam.

Quelle Spiegel
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Gruß Hubert

Veröffentlicht 24. Oktober 2016 von hubert wenzl in Uncategorized

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Nationalismus und Romantik   Leave a comment

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Ich wollte mal den Zusammenhang zwischen Romantik und Nationalismus zeigen und zu welchem Fanatismus der Nationalismus getrieben wurde.

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Das gleichzeitige Auftreten von Nationalismus und Romantik legt die Frage nach der inneren Beziehung zwischen beiden nahe. Dabei ist in Rechnung zu stellen, dass der Begriff der Nation insbesondere im deutschen Sprachraum nachhaltig desavouiert ist. Im Gegensatz dazu hält sich im europäischen Kontext das Denken und Handeln verlässlich und hartnäckig in Kategorien des Nationalen, auch wenn das nationale Pathos spürbar nachgelassen hat.
http://www.turia.at/titel/festwo.php

Aus der ZEIT (Auszug)

Ausstellung „Blutige Romantik“: „Ich will den Haß!“

Der Befreiungskampf gegen Napoleon ließ den Geist des deutschen Nationalismus aus der Flasche. Doch die große Ausstellung „Blutige Romantik“ in Dresden weicht ihrem Thema eher kunstvoll aus.

Der romantische Weg nach innen führte mitunter in den Abgrund der Gewalt. „Und wenn sie winselnd auf den Knien liegen, / Und zitternd Gnade schrein, / Laßt nicht des Mitleids feige Stimme siegen, / Stoßt ohn’ Erbarmen drein!“, dichtet der Romantiker Theodor Körner zur Zeit der Befreiungskriege gegen Napoleon. Unverhohlen verachtet er das Mitleid als ein Gefühl der Schwäche, das es im Dienste nationaler Ziele zu suspendieren gelte: Körner predigt eine Moral der Erbarmungslosigkeit; er erklärt den Kampf gegen die Franzosen zum Vernichtungskrieg.

Das Militärhistorische Museum in Dresden hat dafür mit dem Titel seiner Ausstellung zur Leipziger Völkerschlacht 1813 einen so drastischen wie treffenden Begriff gefunden: Blutige Romantik. Das Museumsplakat zeigt ein blutbespritztes Eichenblatt. Der Traum vom teutschen Vaterland gebiert Verwüstung und Tod. Oder illustriert das Bild die Sicht der national gesinnten Zeitgenossen? Blutet hier das Eichenblatt, von einer – französischen – Kugel durchschossen?

Wer die Ausstellung betritt, dem eröffnet sich noch eine dritte Lesart: Auf dem Fußboden sind die Schlachten der Napoleonischen Kriege aufgelistet, jeweils mit der Zahl der Opfer. Die Besucher schreiten buchstäblich über die Toten hinweg, und an einer Stelle gibt der Boden sogar den Blick auf ein Skelett frei – auf Knochen und Schädel eines von einer Kanonenkugel getöteten Pferdes, das Archäologen, neben den Überresten von 19 Soldaten, in Leipzig geborgen haben.

Fünf Millionen Menschen, schätzt die Historikerin Karen Hagemann, starben in den Kriegen der Jahre 1792 bis 1815, vom ersten Feldzug des revolutionären Frankreichs bis zur Niederlage Napoleons bei Waterloo. Gemessen an der Bevölkerungsgröße Europas, entspricht dies den Verlusten während des Ersten Weltkriegs. Die Epoche der Romantik fällt recht genau mit den mehr als 20 Kriegsjahren zusammen. Auch in insofern war sie eine blutige Zeit. Erstmals in der Geschichte stürmten Massenheere aufeinander los: In die Leipziger Völkerschlacht zogen rund eine halbe Million Soldaten, auf der einen Seite die Truppen Preußens, Österreichs, Russlands und Schwedens, auf der anderen die französischen Streitkräfte. Rund 100.000 von ihnen fielen in den vier Tage währenden Kämpfen. Am 19. Oktober 1813 waren die deutschen Lande von der französischen „Fremdherrschaft“ befreit, und Leipzig glich einem Leichenhaus.

Vieles bleibt in der Schwebe

Die Dresdner Schau will nachzeichnen, wie die Ereignisse gedeutet und manchmal schon im Moment des Geschehens romantisiert und zum nationalen Mythos geformt wurden. Ein ehrgeiziges Vorhaben, vielleicht ein unmögliches, denn um die Wechselwirkung zwischen politischem Geschehen und romantischer Weltbetrachtung auszuloten, brauchte es mehr Erläuterung, als einer Ausstellung zuträglich wäre.

http://www.zeit.de/2013/41/voelkerschlacht-leipzig-blutige-romantik-ausstellung-dresden

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Der Sieg über Napoleon war freilich nur möglich, weil man von ihm lernte: Massenmobilisierung, „Volkskrieg“, nationale Identifikation, das alles waren moderne, „französische“ Ideen und Techniken. Am Ende – Ironie der Geschichte – triumphierten mit ihrer Hilfe die Monarchien, nicht die romantischen Nationalisten. Nach Napoleons Untergang, 1815, begann die Epoche der Restauration. Kein einig Vaterland. Doch die Idee lebte fort. Und so erhielt auch die „blutige Romantik“ ihre Bedeutung im Wesentlichen nach den Befreiungskriegen. Für diese selbst, für den Sieg in der Völkerschlacht, war sie kaum entscheidend. Freikorps wie die Lützower Jäger, denen auch der Dichter Theodor Körner angehörte, spielten, das macht die Ausstellung deutlich, militärisch keine Rolle. Eine Koalitionsarmee, kein Heer deutscher Freiwilliger, schlug „die Franzosen“. Erst im Nachhinein wurde die internationale Völkerschlacht zum nationalen Befreiungsschlag stilisiert.

 

Sehr wohl bedeutend für die „blutige Romantik“ waren indes Agitatoren wie Ernst Moritz Arndt, Friedrich Ludwig „Turnvater“ Jahn oder Johann Gottlieb Fichte – und das schon vor 1813. Mit fanatischen Tiraden gegen alles „Welsche“ (Arndt: „Ich will den Haß!“), sprachphilosophischer Deutschtümelei (Fichte: Die Deutschen als „Urvolk“, das Deutsche als „Ursprache“) und martialischen Gemeinschaftsfantasien (Jahn: „Mit dem blutigen Schwert der Rache zusammenlaufen“) heizten sie den Furor gegen die Besatzer an.

 

Messen lässt sich die Wirkung ihrer Propaganda natürlich nicht, wie der Kurator der Dresdner Ausstellung, der Historiker Gerhard Bauer einwendet. Arndt aber beeinflusste nachweislich die Mächtigen in Preußen. Als Sekretär des Reformers Freiherr vom Stein half er Ende 1812, den preußischen König dazu zu bewegen, sich gegen Frankreich zu stellen. Dass die Romantikschau Arndt & Co. nur am Rand erwähnt, ist daher ein großes Versäumnis. Zumal sich die „blutige Romantik“ an ihnen besonders gut studieren ließe, Rassismus und ein bereits eliminatorischer Antisemitismus inklusive. Ebenso wenig kommen zeitgenössische Kritiker in den Blick, wie etwa der jüdische Publizist Saul Ascher, der die „Germanomanen“ so scharf wie ahnungsvoll aufs Korn nahm.

Die Ausstellung vergibt eine Chance

Die Ausstellung vergibt damit eine Chance: Eine Analyse der geistigen Aufrüstung um 1813, das wäre ein großartiger Einwurf zum Gedenkjahr gewesen – und ein interessanter Beitrag zur Geschichte der Romantik und ihren bräunlich blutverkrusteten Rändern. Doch das Dresdner Museum bietet bei näherer Betrachtung gar nicht die Ausstellung über das romantische Zeitalter, die es ankündigt, sondern eine über 1813 und die Völkerschlacht im kollektiven Gedächtnis. Und als solche ist sie durchaus sehenswert.

http://www.zeit.de/2013/41/voelkerschlacht-leipzig-blutige-romantik-ausstellung-dresden/seite-2

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Gruß Hubert

 

Veröffentlicht 24. September 2016 von hubert wenzl in Politik, Uncategorized

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Die Konterrevolution   Leave a comment

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Rechtspopulismus

Wer Dugins Schriften liest, wird sich von der Hoffnung verabschieden müssen, der Faschismus gehöre für immer der Vergangenheit an. Doch offensichtlich trifft die Radikalkritik an der multikulturellen Gesellschaft das Lebensgefühl auch vieler Konservativer. Kein anderer hat seiner Angst vor dem Fremden, vor Vermischung und Identitätsverlust so freimütig Ausdruck verliehen wie der neue polnische Außenminister Witold Waszczykowski: Im Westen sei es wie im Marxismus – „als müsse sich die Welt automatisch in nur eine Richtung bewegen – zu einem neuen Mix von Kulturen und Rassen, eine Welt aus Radfahrern und Vegetariern, die nur noch auf erneuerbare Energien setzen und gegen jede Form der Religion kämpfen. Das hat mit traditionellen polnischen Werten nichts mehr zu tun.“

Das neue polnische Mediengesetz soll den Staat von „Krankheiten heilen“

Es gibt noch eine zweite Kritik am Multikulturalismus, auch sie ist analytisch aufschlussreich. Ihr zufolge glaube nur der zeitgeistkonforme Normalbürger, die multikulturelle Gesellschaft bringe den Menschen Toleranz und Frieden. Das sei ein Irrtum. In Wirklichkeit bringe sie ihnen den Bürgerkrieg, den Kampf aller gegen alle. Von unsichtbaren Mauern und Identitätspolitiken werde die Gesellschaft durchzogen, von sinnlosen Differenzen und leeren Unterscheidungen, die jede „natürliche Einheit“ zerstörten.

Diese Kritik existiert auch in einer interessanten linken Version. Der Multikulturalismus, so schreibt der slowenische Theoretiker Slavoj Žižek, sei zwar eine Errungenschaft, doch sie werde von Hass und Gleichgültigkeit bedroht. Deshalb brauche eine multikulturelle Gesellschaft etwas Gemeinsames – nicht das idiotische Geraune von Volk, sondern den Kampf für weltweite Solidarität und universelle Normen. Wenn es gelänge, alle gesellschaftlichen Gruppen, auch die Einwanderer, darauf zu verpflichten, dann sei es rasch vorbei mit Islamofaschismus und der Missachtung von Frauenrechten.

Man muss nicht lange rätseln, worin für rechte Parteien die erlösende Alternative zum postmodernen Kapitalismus besteht. Nicht in einer Repolitisierung der Verhältnisse – das wäre ja wieder nur eine neue Form von Verflüssigung; die Rettung besteht vielmehr in der Rückkehr zur Nationalkultur. Im rechten Weltbild ist die Kultur immer etwas Einheitliches und Zeitloses, ihre Mythen und Erzählungen speichern den Volksgeist und sind die tiefste Quelle von kollektivem Sinn. Deshalb sei es für die „Völker der Welt“ ein Unglück, dass der angelsächsische Liberalismus die Kultur aus der strengen Aufsicht des Staates entlassen und sie in die schmutzigen Hände der Gesellschaft gelegt habe, wo profane Regisseure auf offener Bühne das Heilige zersägten, anstatt es demütig dem Volk vor Augen zu bringen.

Die rechte Kritik an der rasenden Traditionsfeindlichkeit der Moderne oder einem selbstgefälligen Regietheater mag einen Punkt treffen, aber darum geht es gar nicht, es geht um ein fundamental anderes Verständnis von Kultur: Die Kultur soll dem Staat dienen, sie soll ihm eine metaphysische Aura verleihen, denn sonst wäre der Staat – wie im Liberalismus – nur eine „Maschine“. Als die ungarische Regierung nach ihrem Machtantritt den Kulturbetrieb im Handstreich von unbotmäßigen Intendanten säuberte, rechtfertigte sie sich damit, die nationale Kultur müsse aus den Ketten einer linksmoralischen Gesinnungsästhetik befreit werden.

Tatsächlich war das ästhetische Argument nur ein Vorwand. Die frisch befreite Kunst wurde umgehend instrumentalisiert und als patriotische Sinnstiftungsagentur zur geistigen Absicherung von Orbáns Präsidialregime in Haft genommen, verlangt war staatstragende Klassikerkost und keine Diät aus der kritischen Hexenküche. Derselbe Angriff auf die Kunstfreiheit scheint sich nun in Polen zu wiederholen. Kaum hatte Kaczyńskis PiS-Partei die Wahl gewonnen, sollte eine „pornografische“ Jelinek-Inszenierung verboten werden; angeblich verstieß sie gegen heimische Werte. Dahinter mag der Wunsch stecken, Stücke sollten wieder keusch vom Blatt gespielt werden; doch Zensur ist, wenn der Staat bestimmt, wo Werktreue endet und Ruhestörung beginnt.

In Polen jedenfalls werden Theateraufführungen künftig vorab begutachtet und einer sittlichen Verträglichkeitsprüfung unterzogen. Der AfD wird dies gefallen. Ihr Landesvorsitzender in Sachsen-Anhalt fordert seit Langem, deutsche Klassiker sollten gefälligst so inszeniert werden, dass sie „zur Identifikation mit unserm Land anregen“.

Eine tatkräftige Pflege von Werten, Traditionen und Zusammenhalt verlangen Europas Rechte auch von den Medien. In ihrer Sicht bilden sie keine vierte Gewalt, die dem Staat kontrollierend auf die Finger schaut; im Gegenteil, die Medien sind für sie halb staatliche Organe, die den identitätspolitischen Deckungsbedarf der Nation bereit- und das gesundheitliche Wohlbefinden des Staatskörpers sicherstellen. In Polen soll das neue Mediengesetz „den Staat von Krankheiten heilen, damit er wieder genesen kann“; es soll dafür sorgen, dass Rundfunk und Fernsehen eine nationale Gemeinschaft aufbauen, um „die Polen zu großen Zielen zu vereinen“. Schöner könnten es Wladimir Putin, Viktor Orbán oder Alexander Gauland auch nicht sagen.

Der zarte Hinweis, der Zangenangriff auf Kunst und Medien zerstöre die demokratische Gewaltenteilung, hilft hier wenig.

Im rechten Weltbild ist „Demokratie“ nur der kleine Teil eines überwölbenden Staates, der alle gesellschaftlichen Teilbereiche umfasst und sie, so weit es geht, zur organischen Einheit verschmilzt – Justiz- und Bildungswesen, Zeitungen, Fernsehen und Kultureinrichtungen. Deshalb muss der Volkswille auch nicht in demokratischen Prozessen mühsam gebildet werden; im Gegenteil, er ist immer schon in den Tiefenschichten des Volkes vorhanden, im Vorpolitischen von Religion, Sprache, Kultur.

In diesem Demokratieverständnis liegt der eigentliche Brandsatz der Rechten. Legitim ist in ihrem Verständnis die Demokratie nämlich bereits dann, wenn die Regierung den ursprünglichen Volkswillen wiederherstellt, wenn sie ihn zum Leben erweckt und in einem Akt kollektiver Selbstbehauptung absichert gegen Feinde von außen und innen. Oder um den berüchtigten Satz des Staatsrechtlers Carl Schmitt zu zitieren: „Die politische Kraft einer Demokratie zeigt sich darin, daß sie das Fremde und Ungleiche, die Homogenität Bedrohende zu beseitigen oder fernzuhalten weiß.“ Zur Not, wie die AfD mitteilt, auch mit der Schusswaffe.

Die Konterrevolution

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Zum „Volkswillen“ noch etwas von yahoo.

Der Nationalgeist und anderer Spuk

Hofer bekennt sich zur “deutschen Volks- und Kulturgemeinschaft”. Er sieht sich als Teil von etwas, das wirklich schwer zu beschreiben ist – wie das halt bei komplexen Gebilden wie Gesellschaften so ist. Doch für Hofer ist alles ganz einfach. Er weiß, wer dazu gehört und wer nicht. Was das Volk denkt. Nämlich im Zweifel das, was ER denkt.

Rechtspopulisten wie er sprechen im Namen des Volkes, um sich aufzupumpen. Nicht Argumente oder Achtung des Anderen sollen für sie sprechen, sondern eine diffuse, herbeigeredete “Mehrheit”. Dass die automatisch ausschließt, versteht sich von selbst.

Doch wäre Hofer ein Bundespräsident, würde er alle ausschließen. Denn er würde einen Widerspruch in der österreichischen Verfassung offen legen.

Österreich besitzt nämlich auf dem Papier einen Bundespräsidenten, wie ihn Deutschland in der Weimarer Republik hatte. Der durfte Kanzler und Minister absetzen und mit Notverordnungen regieren. Die Regierungen mussten sich nicht nur dem Willen des Parlamentes stellen, sondern dem des Reichspräsidenten. Letztlich ging dieses Prinzip darauf zurück, dass die alten “Eliten” dem Volk nicht trauten. Sie wünschten sich mehr eine Kontrolle durch wenige. Wie das ausging, wissen wir. Reichspräsident Hindenburg ernannte Hitler zum Reichskanzler.

https://de.nachrichten.yahoo.com/warum-linke-und-rechte-norbert-hofer-von-der-fp%C3%B6-090608837.html
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Radio Bremen

Rechtspopulisten bedrohen die Demokratie

Die Landtage werden immer bunter, so zum Beispiel in Sachsen-Anhalt mit der Kenia-Koalition. Natürlich würden Parteien dadurch ununterscheidbarer, aber, sagt der Politikwissenschaftler Hajo Funke: „Die Gefahr liegt tiefer: Warum wählen die Menschen rechtspopulistische Parteien?“ Die Gründe sieht er in der sozialen Unzufriedenheit der Wähler, der fehlenden Glaubwürdigkeit etablierter Parteien und der massiven Mobilisierung von Ressentiments gegen Fremde der Rechtspopulisten.

Audio:
http://www.radiobremen.de/nordwestradio/sendungen/der-gute-morgen/audio164148-popup.htm

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http://www.radiobremen.de/politik/themen/rechtpopulismus-funke100.html

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Gruß Hubert

 

Veröffentlicht 24. Mai 2016 von hubert wenzl in Politik, Uncategorized

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