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Zurück in die Vergangenheit und voraus in die Zukunft – die Neoreaktionäre Bewegung (NRx)   Leave a comment

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Es ist erschreckend was manche Leute planen und denken.
Das Genmaterial des Menschen soll nach Plänen der Neoreaktionären Bewegung (NRx) optimiert werden und aus den „Besten“ eine Elite gegründet werden. Es gibt unter den NRx zwei Strömungen, die eine will Vergangenes hochhalten und die andere Strömung will auf schnellstem Weg in die Zukunft und sie will alles beschleunigen.

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Aus Yahoo, Auszug.

Diese Rechtspopulisten wollen die perfekten Menschen züchten

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Medizinische und technische Fortschritte sollen bei der Züchtung von Übermenschen helfen. (Bild: ddp)

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Eine rechte Bewegung möchte das Genmaterial der Menschen optimieren und aus den intelligentesten und stärksten Individuen eine Elite gründen. So erschreckend ist der Science-Fiction-Rassismus!

Es stimmt nicht, dass rechte Denker nur von der heilen Vergangenheit träumen: Eine reaktionäre Bewegung kämpft für Menschenzucht und eine Elitenherrschaft.

Früher war alles besser: Wie immer man es wendet, dies bleibt doch dergrundlegende Glaubenssatz hinter dem aktuellen Rechtspopulismus.Früher war alles besser: Da konnte man noch christliche Weihnachtsmärkte besuchen, ohne dort lauter Muslime zu treffen. Früher waren Männer noch Männer, und Frauen waren noch Frauen; früher lernte der Mann einen Beruf, und dann konnte er ihn bis zum Lebensende ausüben. Heute hingegen ist nichts mehr so, wie es früher war. Und vor allem ist nichts mehr von Dauer: Die digitale Umwälzung der Lebensverhältnisse beschleunigt die Veränderung der Welt; die Globalisierung zersetzt alle überkommenen Traditionen und Institutionen – vom Nationalstaat bis zur Familie, von den vertrauten Geschlechtermodellen bis zur ethnischen Homogenität des Volkskörpers. Dagegen wünscht sich das neurechte Denken in einen Zustand zurück, der Sicherheit bietet und Orientierung. Es möchte die Menschheit in kleine Gemeinschaften zerteilen und die Welt in überschaubare Gegenden, in denen die Uhren wieder langsamer gehen. Im Kern findet sich darin also ein doppelter Einspruch gegen die Zeitverhältnisse der Gegenwart. Der Wunsch nach dem Zurückdrehen der historischen Zeit ist unentwirrbar mit dem Wunsch nach Entschleunigung verschränkt.

Zur Zukunft hingegen scheinen die neuen Rechten wenig zu sagen zu haben; eigentlich fällt ihnen    nicht einmal zur Gegenwart etwas ein – jedenfalls entsteht dieser Eindruck, wenn man die Texte ihrer deutschsprachigen Vertreter liest. Wer etwa Götz Kubitscheks Zeitschrift Sezession nach Überlegungen zur Digitalkultur und zur Zukunft des Kapitalismus durchsucht, wird dort nicht fündig werdeerkunft.n. Die Themen von Kubitschek und seinen Autoren erschöpfen sich weitgehend in intellektuellen Gedankenspielen zur Bewahrung und Neubewertung von Traditionen und zur Abwehr der globalisierten Moderne. So scheint auch das Dasein der Menschen nicht von ihren Entwicklungsmöglichkeiten bestimmt zu sein, sondern ausschließlich von ihrer Herkunft. „Jeder Mensch ist Jahrtausende alt“, schreibt etwa Martin Sellner, österreichische Galionsfigur der Identitären Bewegung, programmatisch in der Sezession, das heißt: Hier werden die Menschen ganz aus ihrer Vergangenheit her gedacht.

Das klingt selbstverständlich, ist es aber nicht. Selbst innerhalb der Rechten stellt die ausschließlich nostalgische Orientierung einen deutschen Sonderweg dar. Ganz anders argumentieren etwa die Denker, die sich in den USA und Großbritannien in den letzten Jahren unter dem Etikett der Neoreaktionären Bewegung – abgekürzt: NRx – und des rechten Akzelerationismus versammelt haben. Zwar teilen sie mit den nostalgischen Identitären nach AfD- und Götz-Kubitschek-Art grundlegende Glaubenssätze, zum Beispiel, dass nicht die Kultur das Wesen des Menschen bestimmt, sondern die Biologie; und dass deswegen zwischen verschiedenen Gruppen von Menschen – egal, ob man sie „Rassen“ oder „Ethnien“ nennt – unüberwindbare Unterschiede herrschen. Doch während die Identitären diese Überzeugung aus der Vergangenheit heraus begründen – die „Ethnien“ sind so, wie sie sind, weil sie schon immer so waren, und deswegen werden sie auch immer so bleiben –, pflegen die Neoreaktionären und Akzelerationisten „einen Rassismus, der aus der Zukunft kommt“, wie es ihr britischer Vordenker Nick Land in seinem einschlägigen Text Hyper-racism aus dem Jahr 2014 formuliert. Ihnen geht es nicht um die Bewahrung einer historisch gegebenen rassischen Diversität, sondern vielmehr um die Optimierung der Menschheit und ihres Genmaterials, also: um Eugenik.

Anders als die Identitären lehnen Akzelerationisten wie Land den globalisierten neoliberalen Kapitalismus darum nicht ab, sondern begrüßen ihn und wollen ihn in seiner Geschwindigkeit sogar noch steigern, also „akzelerieren“. Den entwickelten Digitalkapitalismus schätzen sie vor allem wegen seiner Selektionskraft: In der ultimativ spezialisierten Gesellschaft der Hypertechnologien können nur noch die intelligentesten und durchsetzungsstärksten Individuen in die Eliten aufsteigen. Und weil sich in der Welt dieser Eliten Arbeit und Privatleben inzwischen komplett durchdringen, paaren sich die Angehörigen dieser Digital-Intelligenz auch nur noch untereinander. Durch dieses „assortative matching“, so Nick Land, erhöht sich die genetische Qualität der sozialen Eliten auf evolutionäre Weise „von selbst“ – ein Vorgang, der durch die Fortschritte in der Gentechnik und -medizin wie auch in der Pränataldiagnostik wissenschaftlich unterstützt werden kann. Oder anders gesagt: Die Erschaffung eines „neuen Menschen“, von dem die Eugeniker schon in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts träumten, ist für die rechten Akzelerationisten nun endlich zur Realität geworden. Sein Phänotyp findet sich im paarungswilligen Power-Couple aus dem Silicon Valley, das seinen Nachwuchs, sobald er in der Gebärmutter nistet, erst mal auf die biologische Qualität überprüft und nur bei optimalem Befund dann auch tatsächlich austrägt.

Den Gipfel der evolutionären Selbstoptimierung wird die Menschheit dann in der kommenden Generation erklimmen, wenn sie endlich ins Weltall aufbricht: Das jedenfalls behauptet der Evolutionsbiologe Gregory Cochran, auf den sich Nick Land gern bezieht. Denn vor der Auswahl in die elitäre Gilde der Astronauten steht ja eine ultimative Selektion: Weil nur weit überdurchschnittlich intelligente und gesunde Menschen den widrigen Verhältnissen in Raumschiffen und auf anderen Planeten zu trotzen vermögen, werden die Astronauten der Zukunft nichts anderes als die Krone der Schöpfung darstellen. Und weil sie, wenn sie fremde Welten besiedeln wollen, auch kompromisslos fortpflanzungsfähig und -willig sein müssen, scheiden Schwule und Lesben bei der Auswahl zum Astronautenberuf notwendig aus; womit sich dann auch dieser, so Cochran, „Irrweg der Evolution“ auf dem Weg zu den Sternen selber beseitigt.

Von Jens Balzer

Veröffentlicht 17. Juni 2017 von hubwen in Politik, Uncategorized

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