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Die Neue Rechte – Götz Kubitschek   12 comments

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Götz Kubitschek ist ein geistiger Vordenker der Neuen Rechten. Der aus den Reihen der Jungen Freiheit kommende Kubitschek ist Mitbegründer der neurechten Denkfabrik Institut für Staatspolitik.
Götz Kubitschek träumt von germanischer Größe, von Kraft und Herrlichkeit noch „richtiger Deutscher“. Dass er eine Vorliebe für vergangene Zeiten hat, zeigt folgender Abschnitt:

„Wo die Menschen noch lebten „wie vor fünfzig Jahren“. Also hockt Kubitschek da, im Stall, und lässt die Ziegenmilch vom Euter in den Kochtopf spritzen, damit seine nach den Helden germanischer Sagen benannten Kinder sie am nächsten Morgen über ihr Müsli schütten können“.

Ich kann mit solchen Gesinnungen absolut nichts anfangen. Für eine Welt von gestern oder vorgestern habe ich absolut nichts am Hut. Lucke hatte schon vor Kubitschek gewarnt. Wenn er seine Frau beim Essen um die Butter bittet, siezt er sie. Was soll so ein Unsinn in der heutigen Zeit? Ich weiß noch von meinen Großeltern, dass es da Usus war dass Eheleute „dös“ (Südtiroler Dialekt), für ihr, und damit war Sie gemeint, sagten.

Aus Wikipedia:

„Seit 2002 ist er Geschäftsführer des heute in Schnellroda ansässigen Verlags Antaios (bis 2012 Edition Antaios), seit 2003 außerdem verantwortlicher Redakteur der Zeitschrift Sezession und Betreiber des später hinzugekommenen Blogs Sezession im Netz. Er initiierte mehrere politische Kampagnen wie die Konservativ-subversive Aktion (KSA) und Ein Prozent für unser Land; nach Einschätzung von Beobachtern war er überdies federführend an der inhaltlich-konzeptionellen Fundierung der als rechtsextrem beurteilten Identitären Bewegung (IB) in Deutschland beteiligt. Im Jahre 2015 trat er mehrfach bei den rechtspopulistischen Pegida-Demonstrationen in Sachsen als Hauptredner auf.“

Kubitschek vertritt völkische Positionen und gilt als einer der maßgeblichen Akteure der Neuen Rechten in Deutschland.

https://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%B6tz_Kubitschek

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Hier ein Artikel aus der FAZ

Die rechten Fäden in der Hand

Bernd Lucke hatte noch vor ihm gewarnt, doch nun ist Götz Kubitschek der geistige Führer der neuen Rechten in der AfD. Sein Rittergut in Sachsen-Anhalt sieht er als Zentrum für die Veränderung Deutschlands. Ein Ortsbesuch.

16.04.2016, von Justus Bender und Reinhard Bingener, Schnellroda

politik

„Ein Gewebe, das sich über die Dinge legt“: Götz Kubitschek und Ellen Kositza beim Abendessen in Schnellroda.

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Bernd Lucke war entsetzt. Als Götz Kubitschek und seine Frau Ellen Kositza im Januar 2015 der AfD beitreten wollten, schrieb der damalige AfD-Vorsitzende eine E-Mail an seine Vorstandskollegen. „Bei Pegida und bei Legida ist Kubitschek im schwarzen Hemd und offener brauner Uniformjacke aufgetreten. Ein Narr, wer darin nicht eine bewusste Anspielung auf die faschistischen Bewegungen im Europa der zwanziger und dreißiger Jahre sieht“, schrieb Lucke. Die AfD dürfe „Leuten wie ihm keine Plattform geben“. Damals wurden die Mitgliedsanträge der beiden abgelehnt. Heute gehört Lucke der AfD nicht mehr an, während die Kubitscheks mehr Einfluss haben als je zuvor.

Ihr Rittergut im sachsen-anhaltischen Schnellroda ist zu einer Chiffre für den Rechtsruck der Partei geworden, zu einer Art geistigem Zentrum. Während Navigationssysteme das Dorf für so unbedeutend halten, dass sie nur das benachbarte Albersroda anzeigen, hat es auf der geistigen Landkarte von Nationalrevolutionären einen hohen Rang. „Schnellroda“ ist für sie mehr als ein Ortsname. Schnellroda steht für ein anderes Deutschland. Für ein Milieu, in dem die Lebensart von Kubitschek mindestens so wichtig ist wie seine Worte.

Selbstgemachter Ziegenkäse auf dem Tisch

An einem Abend im April, als sich die Sonne über Schnellroda senkt, nimmt der Hausherr einen Kochtopf in die Hand und betritt den Stall. Schmutzig ist es dort, von den Wänden bröckelt der Putz, und an den Gummistiefeln klebt der Kot. Kubitschek hat sich dieses Leben ausgesucht. Eigentlich stammt er vom Bodensee, aus dem Land der Schwaben, die, wie er sagt, „in hohem Maße fein“ seien.

Doch er lebt lieber auf dem Land, wo es „herrliche Kämpfe“ in der Dorfkneipe gibt, „um Dreck an den Stiefeln“. Wo eine „Derbheit“ und „Grobheit“ in der Sprache herrscht, die ihn, den feinen Schwaben, anfangs „schockiert“ hat. Wo das Landleben „voller Streit und Aversion“ sei. Wo die Menschen noch lebten „wie vor fünfzig Jahren“. Also hockt Kubitschek da, im Stall, und lässt die Ziegenmilch vom Euter in den Kochtopf spritzen, damit seine nach den Helden germanischer Sagen benannten Kinder sie am nächsten Morgen über ihr Müsli schütten können.

Auch beim Abendessen steht selbstgemachter Ziegenkäse auf dem Tisch, daneben Brot, Wurst, Butter und Bier für die Eltern. Wie das ganze Rittergut hat auch das Wohnzimmer eine fremdartige Aura. An den Wänden hängen symbolistische Gemälde und orthodoxe Ikonen. Die Holzdecke und die breiten Dielen sind mehrere Jahrhunderte alt, durch die Sprossenfenster fällt ein Abendlicht, das lange Schatten wirft. Im Rücken von Götz Kubitschek stehen seine Bücher. Die Memoiren von Leni Riefenstahl, „Preußische Soldaten“ von Rudolf Thiel, die „Edda“ natürlich und dicht daneben ein Buch des Rechtsextremisten Karl-Heinz Hoffmann, bekannt durch seine gleichnamige, 1980 verbotene Wehrsportgruppe.

Kubitschek setzt sich zum Essen und fordert eines der Kinder auf, einen Tischspruch zu sprechen, dem die Familie mit gesenktem Haupt lauscht. Als Kubitschek seine Frau beim Essen um die Butter bittet, siezt er sie, so halten es die Eheleute seit Jahren. Man könnte solche Eigenarten für Marotten halten, wenn Kubitschek seine Pläne für eine Umgestaltung der Gesellschaft nur auf seine Familie beschränken wollte. Aber das will er nicht. Kubitschek hat Großes im Sinn.

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Die Neue Rechte – Götz Kubitschek

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Momente der Zurückweisung

Nach Jahrzehnten des Wartens sieht er seine geistige Saat aufgehen. Flüchtlingskrise und der Aufstieg der AfD lassen auch die „Neue Rechte“ wachsen. Die Seminare in Schnellroda sind oft überbucht, auch Kubitscheks Verlag „Antaios“ floriert. Besonders gut verkauft sich im Moment das Buch „Zurüstung zum Bürgerkrieg. Notizen zur Überfremdung Deutschlands“. Auch die Auflage von Kubitscheks Zeitschrift „Sezession“ steigt. Doch das reicht Kubitschek noch nicht. „Bis auf ein klein bisschen Ausweitung des Resonanzraums und einer gewissen parteipolitischen Erschütterung ist noch gar nichts gelaufen“, sagt er. Deutschland müsse verändert werden, auch wenn es Rückschläge gebe, etwa wenn es wieder einmal heiße, er sei ein Radikaler.

 In solchen Momenten der Zurückweisung, sagt Ellen Kositza, schaue sie gerne in die Namenskartei der „Sezession“-Abonnenten. Das sei „immer eine Genugtuung“, weil so viele „prominente Leute“ darunter seien – Schriftsteller, Wissenschaftler, Journalisten. Wer, das sagt das Ehepaar nicht. „Weil man sich ständig zu rechtfertigen hat, macht man das in der Sicherheit des Schweigens“, sagt Kubitschek. Die AfD sei dabei „nur ein Baustein eines Milieus, das plötzlich breiter dasteht, als es die Leute von außen geahnt haben“. Kubitschek raunt, die von Schnellroda ausgehende geistige Bewegung sei „wie ein Gewebe, wie ein Netz, das sich über die Dinge legt“.

Ort der geistigen Regeneration“

Vor einem solchen Netz hatte Bernd Lucke die AfD gewarnt. Viele Vorstandsmitglieder, die der Partei heute nicht mehr angehören, hatten ihm damals zugestimmt. Kubitschek sei ein „brandgefährlicher Mann“, schrieb die damalige stellvertretende Bundesvorsitzende Patricia Casale in einer E-Mail an Lucke. Ihr Vorstandskollege Hans-Olaf Henkel sagte sogar, jeder, der für die Aufnahme von Kubitschek sei, solle die AfD verlassen. Henkel könnte André Poggenburg gemeint haben, den AfD-Landesvorsitzenden in Sachsen-Anhalt. Er intervenierte nach der Ablehnung Kubitscheks als Parteimitglied persönlich. In einer E-Mail an den Bundesvorstand schrieb Poggenburg am 19. Februar, er sei über die Ablehnung der Aufnahmeanträge „verwundert, um es höflich auszudrücken“ und sprach von einem „schweren, hoffentlich gut begründeten Eingriff in die Landesautonomie“. Auch mehrere Kreisverbände aus Niedersachsen forderten den Bundesvorstand auf, die Entscheidung zu überdenken. Das Gewebe von Schnellroda hatte sich zu diesem Zeitpunkt schon über die Partei gelegt.

Mittlerweile wollen die Kubitscheks nicht mehr Mitglieder der AfD werden. Das ist auch nicht mehr nötig. Die Partei nähert sich der „Neuen Rechten“ von sich aus an. Der thüringische AfD-Landesvorsitzende Björn Höcke hat seinen Vortrag, in dem er das Reproduktionsverhalten von Afrikanern implizit mit dem von Mäusen und Kaninchen gleichsetzte, bei Kubitschek in Schnellroda gehalten. Höcke ist ein Duzfreund von Kubitschek, er sagt, Schnellroda sei für ihn ein „Ort der geistigen Regeneration“, er empfange dort sein „geistiges Manna“. Auch Kubitschek und Poggenburg kennen sich gut. Kubitschek nennt ihn kumpelhaft „Pogge“.

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Von diesem Rittergut aus arbeiten die Kubitscheks

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http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/zu-besuch-bei-goetz-kubitschek-14180792-p2.html

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Gruß Hubert

 

Veröffentlicht 17. Januar 2017 von hubert wenzl in Politik, Uncategorized

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„Identitäre“-Bewegung in Europa – Neue Rechte   Leave a comment

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Ich kenne hier nur die italienische Casa Pound-Bewegung besser und weiß dass sie faschistisch ist. Mit solchen Leuten ist kein Dialog möglich, wenn man nicht selbst Faschist oder Neu-Rechter ist. In Bozen schafften es heuer 3 dieser Bewegung in den Gemeinderat. Für die ist Benito Mussolini ein großer Staatsmann.

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Drei Mal CasaPound: Neo-Faschisten entern das Bozner Rathaus

Sie bekennen sich offen zum Faschismus – und sitzen nun im Bozner Gemeinderat. Zu dritt werden die Vertreter von CasaPound Italia ins Rathaus einziehen. Verglichen mit Mai 2015 haben sie ihre Stimmen verdreifacht.

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Foto: STOL

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Schon vor einem Jahr zog CasaPound Italia in den Bozner Gemeinderat ein. 933 Stimmen entfielen damals auf die Partei. Dies entsprach 2,4 Prozent aller Stimmen.

Damit sicherte sich ein Vertreter der neofaschistischen Gruppierung einen Sessel im Bozner Rathaus. Es war Andrea Bonazza.

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Andrea Bonazza im Gericht: Der 34-Jährige musste sich 2016 in einem Verfahren wegen Rufschädigung an Ex-Bürgermeister Spagnolli verantworten. Das Gericht sprach ihn frei. – Foto: DLife

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Dieser sagte kurz nach seiner Wahl in einem Radio-Interview: „Ich bin Faschist, warum nicht? Es ist nichts Schlimmes dabei. Mit Mussolini würde in Italien alles besser funktionieren.“ Zudem leugnete er, dass zur Zeit des Faschismus Oppositionelle umgebracht worden waren und betonte, Hitler habe viel Positives für Deutschland gebracht – zum Beispiel Volkswagen (mehr zur Vergangenheit von Andrea Bonazza lesen Sie hier).

https://www.stol.it/Artikel/Gemeinderatswahlen/Drei-Mal-CasaPound-Neo-Faschisten-entern-das-Bozner-Rathaus

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Der Name „Casa Pound“ geht auf den Schriftsteller Ezra Pound zurück, der während des 2. Weltkriegs von Italien aus antisemitische und antiamerikanische Propaganda verbreitete – und sich danach nie vom Faschismus distanzierte.

Siehe auch:

Bozen – Vor wenigen Tagen kam es in Bozen-Gries offenbar zu einem Fall von politischer Gewalt durch neofaschistischen Schläger. Am Mittwochabend wurde ein minderjähriger Bozner vor dem Sitz der neofaschistischen Organisation Casapound von einem noch unbekannten Mann verprügelt.

Die Polizei geht von einer politisch motivierten Gewalttat aus, zumal der Jugendliche auf seinem Mobiltelefon die Melodie eines linken Partisanenliedes abgespielt hatte.

http://www.suedtirolnews.it/d/artikel/2016/01/17/bozen-17-jaehriger-bei-casapound-sitz-verpruegelt.html#.V1rVh6JFE9o

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Aber jetzt zu tagesschau.de

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„Identitäre“-Bewegung in Europa

Très chic, très hip, très rechtsradikal

Sie sind wenige, aber sie wollen Aufmerksamkeit: Die „Identitären“ – eine neurechte Gruppe, die irgendwo zwischen Neonazis, rechten Intellektuellen und Hipstertum agiert. Verfassungsschützer nehmen die Aktivisten nun verstärkt ins Visier. Doch wie stark sind sie wirklich?

Von Patrick Gensing, tagesschau.de

„Heimat im Blindflug“ – unter diesem Motto sind Anfang Juni in mehreren deutschen Städten kleine Gruppen von Aktivisten unterwegs. Auf einer Internetseite behaupten sie, es habe in Dresden, Görlitz, Saarbrücken, Leipzig und Rostock Aktionen gegeben – und in den Folgetagen angeblich in Dutzenden weiteren Städten. Aus Dresden veröffentlichten die Aktivisten ein Video, auf dem zu sehen ist, wie sie mit Hilfe einer Leiter einer Statue von Martin Luther die Augen verbinden und ein Schild umhängen, auf dem das Motto der Aktion steht. Dies sei ein „Ruf an alle Deutschen, gründlich darüber nachzudenken, in welcher Gefahr unser Land, unser Volk und unsere Kultur schweben“.

Eine typische Strategie der „Identitären Bewegung“ (IB) – eine Gruppe, die bereits seit Jahren immer wieder für Aufsehen und Rätselraten sorgt. In den vergangenen Monaten hat die selbst ernannte Bewegung offenkundig wieder Zulauf, zumindest in einigen Regionen Deutschlands, in anderen Gegenden ist sie praktisch nicht existent.

Angebliche „Besetzung“

Die „Identitären“ wollen ihre neurechte Ideologie mit subversiven Elementen aufpeppen. Dazu gehören Aktionen wie die an Luther-Denkmälern vor wenigen Tagen, oder auch die „Besetzung“ von SPD-Parteizentralen, wie vor einem Jahr in Berlin und Hamburg. Auf Videos von der Aktion ist zu sehen, wie etwa ein halbes Dutzend Aktivisten auf dem Balkon der SPD-Zentrale in Hamburg Flaggen schwenkt – und offenkundig schnell wieder verschwindet. Von einer Besetzung konnte also eigentlich keine Rede sein.

Neue Rechte

Der Begriff Neue Rechte beschreibt eine uneinheitliche, rechtsgerichtete politische Strömung in verschiedenen Staaten. Sie ist intellektuell ausgerichtet und sucht Querverbindungen ins konservative Spektrum. Einige Gruppierungen der Neuen Rechten wollen einen völkischen Nationalismus modernisieren. Politikwissenschaftler weisen der Neuen Rechten eine Scharnierfunktion zwischen Konservatismus und Rechtsextremismus zu. Dabei würden Gegensätze zwischen demokratischem Konservatismus und antidemokratischem Rechtsextremismus relativiert und Gemeinsamkeiten betont.

In Berlin beklebten mutmaßlich IB-Mitglieder im April den Eingang des Büros der Amadeu-Antonio-Stiftung, die sich gegen Rechtsextremismus engagiert. Bilder von der Aktion seien später im Netz präsentiert worden, sagten die Stiftungsverantwortlichen. Auch Mitglieder der Berliner Jusos berichten, Aktivisten der „Identitären“ versuchten gezielt, politische Gegner einzuschüchtern.

Viel Symbolik

Die „Identitären“ seien in der Hauptstadt „durch relativ kontinuierliche Aktionen im vergangenen Jahr im öffentlichen Raum deutlich präsenter geworden“, resümiert Bianca Klose von der „Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus“ (MBR) die Entwicklung. „Ein stabiler Aktivistenkern von zehn bis fünfzehn Personen versucht seitdem beständig, durch öffentlichkeitswirksame Provokationen auf sich aufmerksam zu machen“, so Klose im Gespräch mit tagesschau.de. „Eine überschaubare Zahl von Aktivisten taucht überraschend auf und verschwindet in der Regel ebenso schnell wieder. Sie wählen für sie symbolisch aufgeladene Orte, an denen kein nennenswerter Widerstand zu erwarten ist.“

In Berlin rekrutieren sich die „Identitären“ nach Beobachtungen der MBR vornehmlich aus einem männlichen, jungakademischen Milieu von Burschenschaftsstudenten und Gymnasiasten, lokale Schwerpunkte sind die Randbezirke im Südwesten und Südosten der Hauptstadt. Die „Identitären“ nutzten zudem rechtsextreme Aufmärsche als Plattform zur Selbstdarstellung.

Im Visier des Verfassungsschutzes

Verfassungsschützer nehmen die „Identitären“ verstärkt ins Visier. „Einige Landesämter schauen sich die ‚Identitären‘ inzwischen genauer an, weil dort die Schwelle für eine Beobachtung erreicht ist“, sagte der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Hans-Georg Maaßen, kürzlich in einem Interview mit der „Rheinischen Post“ . „Wir haben festgestellt, dass sie in verschiedenen Bundesländern von reinen Internetaktivitäten zu Verabredungen im realen Leben übergegangen sind.“

In Thüringen versuchten in der jüngsten Vergangenheit bekannte Rechtsextremisten, auf die bis dato eher vereinzelt und vorwiegend virtuell agierende „Identitäre Bewegung“ Einfluss zu gewinnen, erklärt Stephan Kramer, Chef des dortigen Verfassungsschutzes, im Gespräch mit tagesschau.de. „Inzwischen werden die IB und deren Aktivitäten in Thüringen von Personen dominiert, die überwiegend aus rechtsextremistischen Bestrebungen bekannt waren.“

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Sieht eine Scharnierfunktion der „Identitären“: Verfassungsschutz-Chef Kramer

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Allerdings seien zielgerichtete Kooperationen mit rechtsextremistischen Parteien, Gruppierungen oder Initiativen bislang nicht bekannt. Die IB habe eine „Scharnierfunktion“ zwischen verschiedenen Milieus, so Kramer, so seien unter anderem auf Demonstrationen der AfD Fahnen und Symbole der IB gesichtet worden. Ähnliches berichtet Klose aus Berlin: Eine strukturelle Vernetzung der „Identitären“ mit Akteuren des aktionsorientierten Rechtsextremismus sei nicht zu beobachten.

„Aktivistischer Arm der Neuen Rechten“

Tatsächlich sehen sich die Aktivisten offenkundig als eine rechte Hipster-Truppe. Zu der Aktion an den Luther-Denkmälern hieß es im Netz, man habe „erneut landesweit die schon aktivistisch bewährten Gruppen“ mobilisiert und „auch diesmal auf die Beweglichkeit der kleinen, straffen Ortsgruppen“ gesetzt. Bianca Klose aus Berlin betont, die IB verstehe sich als „aktivistischer Arm der Neuen Rechten“ mit einem „elitären Politikanspruch“. Und dieser Anspruch folgt dem Konzept der „Meta-Politik“.

„Meta-Politik“ ist ein zentraler Schlüsselbegriff in der Neuen Rechten: Statt sich mit Kompromissen in der Realpolitik zu beschäftigen, möchte man kompromisslos immer nur das ganz große Ziel im Sinn haben.

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Kulturrevolution von rechts

 

Das Symbol der "Casa Pound"-Bewegung

Das Symbol der „Casa Pound“-Bewegung

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Das Ziel ist eine Kulturrevolution von rechts. Man möchte ein rechtes Lebensgefühl schaffen: wild, unangepasst, idealistisch. Dieser Kulturkampf wurde maßgeblich von französischen Rechtsintellektuellen entwickelt – und in Italien wird er beispielsweise in dem rechten Veranstaltungszentrum „Casa Pound“ in Rom mit Leben erfüllt. Ein Projekt, das deutsche Rechtsradikale seit Jahren bewundern und versuchen zu kopieren.

Bei dem Kulturkampf von rechts spielt auch die Zeitschrift „Compact“ als Scharnier zwischen verschiedenen Gruppen offenkundig eine wichtige Rolle. So treten bei „Compact“-Konferenzen sowohl AfD-Politiker als auch neurechte Strategen auf, das Magazin verbreitet auf seiner Internet-Seite zudem Beiträge von „Identitären“.

Der österreichische IB-Aktivist Martin Sellner schrieb dort zuletzt davon, dass die Bundespräsidentenwahl eine Chance sei, dass sich „im liberalen Multikulti-Westeuropa ein Volk ‚freiwählt'“. Für ihn als „identitärer Aktivist und Meta-Politiker“ sei diese Wahl „ein Indikator für die Lage der patriotischen Aktivkräfte im Land“. Sie seien „so stark wie nie“.

In Österreich sorgte die „Identitäre Bewegung“ Mitte April für Aufsehen, als Aktivisten in Wien die Theateraufführung eines Elfriede-Jelinek-Stücks störten. Sie bespritzten Besucher mit künstlichem Blut und beschimpften sie als „Heuchler“.

„Phalanx unserer Generation“

In Deutschland agieren „identitäre“ und neurechte Vordenker aus dem Umfeld der AfD unterstützt von „Compact“-Chefredakteur Jürgen Elsässer unter der Marke „Ein Prozent“. Ziel der Initiative ist es – ganz dem elitären Politikverständnis folgend – lediglich ein Prozent der Bevölkerung für die Mitarbeit zu gewinnen. Lokal sollen aktive Gruppen gebildet werden. Der neurechte Publizist Götz Kubitschek behauptete in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, die Bewegung sei „wie ein Gewebe, wie ein Netz, das sich über die Dinge legt“.

Aktuell werben die Neurechten auf ihrer Netzseite „Ein Prozent“ für einen „identitären Demomarathon“. Ganz dem elitären Anspruch folgend verkünden Aktivisten zu pathetischen Klängen: „Wir sind die erste Reihe, die Phalanx unserer Generation.“ In Paris nahmen Ende Mai angeblich 500 Teilnehmer an der ersten Demonstration des „Marathons“ teil, ausführlich berichteten russische Auslandssender über den Aufmarsch.

Am Samstag wollen die „Identitären“ dann in Wien aufmarschieren – und kommende Woche in Berlin. Die Kameras für ihre Netzvideos dürften die rechten Kulturkämpfer schon aufgeladen haben.

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„Identitäre“-Bewegung in Europa – Neue Rechte

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Siehe auch:

Rassistische Morde in Italien „Casa Pound“ – Vorbild für deutsche Neonazis

Wieder hat ein Rechtsextremist getötet. Nach der Terrorserie in Deutschland und dem Doppelanschlag in Norwegen erschoss nun ein Rechtsextremist in Italien zwei Schwarze. Der Täter ist Buchautor und Anhänger der neofaschistischen Vereinigung „Casa Pound“, die deutschen Neonazis als Vorbild dient.

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Intellektueller Ideologe der „Herrenrasse“

Ein zugedeckter Leichnam auf der Straße in Florenz | Bildquelle: dpa

Ein weiteres Opfer von Rechtsextremen in Europa: Ein zugedeckter Leichnam auf der Straße in Florenz.

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Von dem Attentäter von Florenz, Gianluca Casseri, distanzierte sich die „Casa Pound“-Bewegung nun schnell. Doch dies scheint wenig glaubwürdig. Der deutsche Blogger Kai Tippmann, der in Italien lebt, schreibt, Casseri sei ein intellektueller Ideologe der „Herrenrasse“ gewesen, ein Kenner der neofaschistischen Bewegungen und Analytiker von deren Gründungsmythen. Als großer Comic-Liebhaber habe Casseri im „Casa Pound“ wiederholt über seine Lieblingscharaktere Tex und Tin Tin referiert.

In den „Protokollen des Weisen von Alessandria“ legte der Attentäter laut Tippmann die antisemitische Theorie der jüdischen Weltverschwörung aus den „Protokollen der Weisen von Zion“ neu auf und würzt das mit den extremsten Anwandlungen der Holocaust-Leugner. Casseri verband demnach eine Mischung aus völkischer Esoterik, schwarzer Magie und Antisemitismus, wie sie aus rechtsextremen Kreisen bekannt ist. In seinem Buch „La Chiave del Caos“, das auch in Deutschland angeboten wird, entwirft Casseri eine Welt, in der die nordischen, germanischen „Rassen“ ständig vom „Chaos“ der Außenwelt bedroht seien – ähnlich wie der rechtsextreme Massenmörder Anders Breivik in seinem „Manifest“.

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http://www.tagesschau.de/ausland/rechtsextrememordeitalien100.html

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Gruß Hubert