Die Liste negativer Eigenschaften in den USA ist lang. Sie führen Kriege mit gelogenen Begründungen, sie schnüffeln in der ganzen Welt herum, haben unzählige Militärstützpunkte – und sie sind unfassbar prüde. Das grenzt ja an kaum für möglich gehaltene Dummheit. Der Propagandafeldzug dieser Erzkomservativen macht vor nichts halt und scheut nicht vor Lügen zurück.

Hier ein Bericht aus der Süddeutschen.

Ein Becher voller Syphilis
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Kondome sind wie Roulette, Tränen übertragen Aids: So will die Sexualerziehung in den USA Teenager zur Abstinenz erziehen. Trotzdem werden viele Mädchen schwanger. Prominentes Beispiel: Bristol Palin.
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Wie gefährlich der Austausch von Körperflüssigkeiten sein kann, sollen amerikanische Lehrer nach Ansicht ihrer Regierung mit einem kleinen Spiel beweisen: Mädchen und Jungen einer Klasse stellen sich einander gegenüber, ein Pärchen steht ein wenig abseits. Jeder Schüler hält einen Pappbecher mit Wasser in der Hand, außen ist ein Stück schwarzes Klebeband angeheftet.
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Der Lehrer fordert die Schüler auf, einen Schluck aus ihrem Becher zu nehmen, damit zu gurgeln und das Wasser dann zurückzuspucken. Anschließend gießen alle Kinder von ihrem Becher ein wenig in den Becher jedes ihrer Klassenkameraden – nur das Pärchen, das abseits steht, bekommt nichts ab. Ihr Wasser ist rein, in den Bechern aller anderen schwimmt nun eine Brühe mit der Spucke aller.
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Nun sollen die Schüler die schwarzen Klebebänder von ihren Bechern ziehen: „Syphilis“, „Chlamydien“, „HI-Virus“, „Feigwarzen“ steht darunter. Nur das abseits stehende Pärchen – die Enthaltsamen – bekommen eine gute Nachricht: „Glück gehabt, keine Krankheit“.
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„Dadurch, dass ihr euer Wasser oder euren Körper mit so vielen teilt, geht ihr all diese Risiken ein.“ Mit diesen Worten sollte der Pädagoge den Unterricht abschließen. So sieht es der Lehrplan des Erziehungsprogramms „Creating Positive Relationships“ vor, den zwei Sexualwissenschaftlerinnen im Auftrag des staatlichen Sexuality Information and Education Council analysierten.
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Eine Milliarde Dollar für die moralische Erziehung
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Abschreckung statt Aufklärung: In den USA zählen solche Unterrichtsmethoden zum Alltag in der Sexualerziehung. „Abstinence only“, absolute Enthaltsamkeit, dazu sollen die Schulen anhalten. Wie der eigene Körper funktioniert, wie er sich in der Pubertät verändert, wie Jugendliche sicheren Geschlechtsverkehr haben können – all das lernen die meisten amerikanischen Teenager nicht im Unterricht.
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Die Abstinenz-Kampagne beruht auf einem Bundesgesetz von 1996 und wird von der amerikanischen Regierung kräftig finanziert: In den vergangenen zehn Jahren hat sie sich die moralische Erziehung ihrer Jugend über eine Milliarde Dollar kosten lassen. Bundesstaaten, die Schülern ein anderes Bild von Sexualität vermitteln möchten, bekommen keinen Cent. Im Jahr 2007 lehnten nur sieben der 50 Bundesstaaten die Fördermittel ab und gestalten die Lehrpläne nach eigenen Vorstellungen.
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Zahlreiche Teenagerschwangerschaften

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Alaska, Heimatstaat der republikanischen (ex-)Vizepräsidentschaftskandidatin Sarah Palin, gehörte nicht dazu. Die Gouverneurin ist eine vehemente Befürworterin der Abstinence-only-Strategie, Sexualkunde und Aufklärung in der Schule lehnt sie strikt ab. In den Blickpunkt rückte diese Haltung, als die Kandidatin offenbarte, dass ihre erst 17-jährige Tochter Bristol im fünften Monat schwanger sei – und das Kind behalten werde. Energische Abtreibungsgegner sind die Palins natürlich auch.
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Bristols Schwangerschaft offenbart das Problem, das mit dem Versuch der Erziehung zur Keuschheit einhergeht:
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Die USA sind trotz – oder wegen – ihrer Prüderie die westliche Industrienation mit den meisten Teenagerschwangerschaften.
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Im Jahr 2006 kamen hier laut offizieller Statistik auf 1000 Mädchen zwischen 15 und 19 Jahren 41,9 Geburten, mehr als 80 Prozent dieser Schwangerschaften waren ungeplant. In Deutschland waren es nur 10,7 Geburten, in Kanada 13,4.
Von Julia Bönisch
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Gruß Hubert