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Eine Ratte namens Nick   Leave a comment

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Es gibt sehr viele Vorurteile über Ratten. Ratten sind sehr sozial. Außerdem bieten sie sich sogar dafür ein, sich für ihre Artgenossen als Vorkoster zur Verfügung stellen. Unmöglich, dass das ein Mensch täte.

Hier eine Geschichte von einer Ratte, die zuerst auf eine Wand der Ablehnung bei einigen Menschen stieß.

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Eine Ratte namens Nick

Zu meiner ersten Ratte kam ich mit 25. Eine Freundin
brachte mir das Rattenkind in einer Schachtel mit. Als sie sie
öffnete, glitt ein zartes, graues, pelziges Wesen in meine
Hand. Ein Blick aus schwarzen Knopfaugen – und der kleine
Kerl verschwand link in meinem Pullover und machte es
sich in meiner Armbeuge gemütlich. Augenblicklich war ich
erfüllt von einem warmen Gefühl der Zusammengehörigkeit.
Ich nannte ihn „Nick“.

Der Kleine wich nicht von meiner Seite
Nick erwies sich als überaus liebevolles, aufmerksames Haustier
Er begleitete mich – entweder in meinem Ärmel oder in
meiner Jackentasche – wohin immer ich ihn mitnahm. Niemals
entfernte er sich auf unseren Ausflügen weiter als ein paar
Schritte von mir. In meiner Wohnung lies ich ihn freilaufen.
Wenn ich ihn dort alleine zurückließ, konnte ich sicher sein,
dass er bei meiner Rückkehr sofort herbeirannte. Er kletterte
dann zur Begrüßung freudig an mir hoch und setzte sich auf
meine Schulter. Ich hielt Nick schon nach kurzer Zeit für eins
der liebenswertesten Geschöpfe auf diesem Planeten. Die Beziehung
zwischen mir und dem kleinen Kerl hatte von Anfang
an etwas Magisches. Deshalb kam es mir gar nicht in den Sinn,
dass irgendjemand diese kleine Ratte mit ganz anderen Augen
betrachten könnte. Ich lernte jedoch schnell, dass es so war.
Das schlechte Image der Ratten traf auch Nick. Die Menschen
in meiner Umgebung reagierten ablehnend, einige sogar voller
Ekel. Ich musste mich daran gewöhnen, mit unfreundlichen
Kommentaren über mein Haustier zu leben.

Meine Mutter war fassungslos

Am schmerzlichsten traf es mich aber, dass auch meine
Eltern meinem neuen Freund mit Widerwillen begegneten.
Wenige Tage nachdem Nick bei mir eingezogen war, wollte
ich ihn meinen Eltern vorstellen. Also nahm ich ihn mit zu
einem Besuch. Ich war nicht vorbereitet auf die heftige Reak-
tion meiner Mutter. Sie wich schockiert zurück und war fas-
sungslos, dass ihre Tochter so ein ekelerregendes Tier mit sich
herumtrug. Mein Vater begegnete Nick etwas gemäßigter,
aber ebenfalls ohne Begeisterung. In den folgenden Wochen
belastete mein kleiner Freund die familiäre Harmonie. Aber
meine Eltern gaben sich trotz ihrer Widerstände Mühe, sich
ein gewisses Maß an Toleranz abzuringen. Sie hatten verstan-
den, dass es Nick und mich nur noch im Doppelpack geben
würde. Im Laufe der Zeit wurde es für sie Normalität, dass
eine Ratte anwesend war.

Schließlich geschah etwas, was ich nicht mehr zu hoffen
gewagt hätte: Langsam in winzigen Schritten, schlich sich
mein knopfäugiger Begleiter auch in die Herzen meiner Eltern.
Sein Charme und seine sozialen Kompetenzen begannen auch sie
zu faszinieren.

Seine Treue rührte meine Eltern

Sie beobachteten seine Anhänglichkeit, seine unverbrüchliche
sichtbare Treue mir gegenüber. Das rührte sie. Meine
Mutter stellte zudem erleichtert fest, dass Nick nicht stank
(später sollte sie erfahren, dass Ratten sogar ein zart duftendes
Fell besitzen). Meine Eltern mussten zugestehen, dass
sein feingeschnittenes Gesicht mit der rosa Nase und den
durchscheinenden Ohren wirklich hübsch anzusehen war.
Und sie beobachteten voller Anerkennung, wie Nick mit
Gründlichkeit und Hingabe seine Fellplege betrieb. Eines
Tages traute sich meine Mutter Nick mit einem Stückchen
Möhre zu füttern. Sie war bezaubert davon, mit welcher An-
mut er diesen Leckerbissen verzehrte. Er setzte sich aufrecht
auf seine Hinterbeine, nahm das Möhrenstück behutsam in
seine Vorderpfoten und knabberte daran. Bei meiner Mutter
hatten guten Tischmanieren noch nie ihre Wirkung verfehlt!

Vom Ekeltier zum Familienmitglied

Sie fütterte ihn von da an häuiger aus der Hand, um das
possierliche Schauspiel zu beobachten. So wurde Nick nach
und nach ein akzeptiertes Familienmitglied.
Er wurde gestreichelt, gefüttert und
respektiert. Er wurde nicht länger als
Vertreter einer ekelerregenden schädlichen Spezies
angesehen. Er wurde als das wahrgenommen, was er war:
ein Individuum voller Würde, Klugheit und Liebe.
Dörte Haschke

Nachsatz: Als Nick starb – er hatte im Gegensatz zu
den meisten seiner Artgenossen ein langes schönes
Rattenleben – kam die Familie überein, dass er nicht
irgendwo begraben werden sollte. Und so wurde das
Familiengrab seine letzte Ruhestätte.

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https://www.tierrechte.de/images/stories/Presse_und_Magazin_Tierrechte/Magazin_1-17_.pdf
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Siehe auch:

https://hubwen.wordpress.com/2015/09/10/ratten-eine-voellig-verkannte-tierart/

https://hubwen.wordpress.com/2017/03/03/kritik-an-umgang-mit-ratten-tierversuche/

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Gruß Hubert

 

Veröffentlicht 19. März 2017 von hubert wenzl in Tiere, Tierschutz, Uncategorized

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Kritik am Umgang mit Ratten- Tierversuche   Leave a comment

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Der Umgang mit Ratten wäre dringend zu überdenken – aus ethischen und aus wissenschaftlichen Gründen. Es kann nicht sein, dass man völlig mitleidlos mit Ratten umgeht und Tierschutzgesetze bricht. Die Ratte kommt in der Sympathiewertung bei Menschen schlecht weg. Ratten haben das aber nicht verdient.

Hier ein Beitrag von Prof. emer. Dr. Franz bei tierrechte.de

Grußwort: „Die Ratte verdient es, im Mittelpunkt unserer Gefühle zu stehen!“

[…]

Der Tierarzt und Zoologe Prof. Dr. Franz Paul Gruber ist der diesjährige Schirmherr des Versuchstiers des Jahres 2017.

Er findet, dass die Ratte verdient, dass wir unserem Umgang mit ihr überdenken –  aus ethischen und aus wissenschaftlichen Gründen.

Die „Karriere“ der Ratte als „Versuchstier“ begann in den 1860er Jahren in London mit grausamen Wettbewerben: Ein auf das Töten von Ratten dressierter Terrier, brauchte etwa fünfeinhalb Minuten, um 100 Ratten in einer kleinen Arena tot zu beißen. Darauf wurden hoheWetten abgeschlossen. Das Englische Tierschutzgesetz von 1825 erlaubte diese Art der „Schädlingsbekämpfung“. Da die Rattenfänger bald mit ihren Lieferungen nicht mehr nachkamen, entstanden daraus die ersten professionellen Rattenzuchten, aus denen schon bald die ersten Albinoratten entstanden. Für diese besonderen Tiere interessierten sich bald die „Wissenschaftler“ unter den wettlustigen Zuschauern. So kam die Ratte ins Labor.

Die Punks und die Ratten

In den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts wurden Ratten auch als Haustiere „entdeckt“. In meiner Berliner Zeit am Institut für Versuchstierkunde verging kaum eine Woche, in der nicht irgendein liebenswerter „Punk“ um Ratten nachsuchte. Natürlich war das auch als Provokation gedacht: ein Tier, das (fast) alle Menschen verabscheuten, auf der Schulter sitzen zu haben oder aus dem Ärmel kriechen zu lassen. Doch Ratten erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Deswegen wird auch immer häufiger hinterfragt, was für einen wissenschaftlichen Nutzen es denn wirklich hat, diese neuen Freunde in Labors zu Tode zu quälen.

Menschen sind keine 70 kg Ratten

Sprach man früher noch von einer „grausamen Notwendigkeit“, die uns im Geiste des medizinischen Fortschritts zu Tierversuchen geradezu verpflichte, wird an diese „Notwendigkeit“ heute auch in Forscherkreisen nicht mehr so unerschütterlich geglaubt. „Menschen sind keine 70 Kilo-Ratten“ klärte uns Thomas Hartung 2009 in Nature auf (3). Es lohnt sich, dazu seinen Artikel des „Look back in anger – what clinical studies tell us about preclinical work“ (3) zu lesen.

Übertragbarkeit fragwürdig

Doch damit nicht genug: 95 Prozent aller Medikamente, die sich im Tierversuch als Erfolg versprechend darstellten, erweisen sich als untauglich für den Menschen. Hierzu ein kleines Beispiel: Die meisten heutigen Lebertransplantationen müssen durchgeführt werden, weil sich Medikamente beim Menschen toxisch auf die Leber auswirken. Im Tierversuch war dies zuvor nicht feststellbar. Tierexperimentell tätige Wissenschaftler haben jedoch ihre Überzeugungen. Es bringt nichts, sie dafür zu verteufeln. Wir sollten sie stattdessen dazu bringen, diese Überzeugungen in Frage zu stellen und nach neuen Wegen zu suchen.

Leid im Labor

Welche Tiere uns näherstehen und welche nicht, entscheiden die meisten Menschen unterschiedlich. Die Ratte kommt bei dieser Abwägung meist nicht gut weg. Deswegen habe ich diese Schirmherrschaft gerne übernommen. Denn solch liebenswerte und schlaue Geschöpfe wie Ratten verdienen es, im Mittelpunkt unserer Gefühle für die Kreatur zu stehen. Die Ratte war als die „Alkoholratte“ 2007 schon einmal das Versuchstier des Jahres. Die Berliner Tierversuchsgegnerin Brigitte Jenner schrieb damals „Die den Ratten bei dieser Forschung zugefügten Leiden durch Isolierung, Immobilisierung und anderen Stress, durch belastende Verhaltenstests und durch Entzug sind gravierend. Ich habe sie gesehen, die süchtigen, isoliert in kleinsten kahlen Käfigen gehaltenen, vor sich hinstarrenden Ratten – ein Anblick, den ich nicht vergessen kann.“ Wollen wir hoffen, dass wir es doch einmal vergessen können, was wir den Tieren angetan haben –  wenn Tierversuche endlich Vergangenheit sind.

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http://www.tierrechte.de/themen/das-versuchstier-des-jahres/2017-02-27-10-09-32

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Schwimmen bis zur Verzweiflung, um Depression zu simulieren

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Versuchsbeschreibungen

Hier haben wir einige Bespiele von Versuchen des Schweregrads „schwer“ aufgeführt, die in jüngster Zeit in Deutschland durchgeführt worden sind. Die Angaben beruhen auf in Fachzeitschriften veröffentlichten Artikel. Diese und weitere Versuchsbeschreibungen finden Sie auch unter www.datenbank-tierversuche.de.

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Schwimmen bis zur Erschöpfung, um Depression zu simulieren („forcierter Schwimmtest“)
Elektroschocks, denen das Tier nicht entkommen kann („erlernte Hilflosigkeit“)
Tod durch Vergiftung
• Versagen eines Herzschrittmachers
Wirksamkeitstests von Impfstoffen
• Bestrahlung mit Todesfolge
Tod durch Abstoßungsreaktion von Transplantaten
Metastasierende Tumore und fortschreitenden, tödliche Tumore
• Knochenbrüche
Versagen mehrerer Organe
Xenotransplantation (Organtransplantation von einer Tierart auf eine andere)
Anzüchten von mit schwerem Leid verbundenen genetischen Störungen, z.B. Huntington Krankheit
Stoffwechselkäfig mit schwerer Einschränkung der Bewegungsfreiheit über einen längeren Zeitraum
• längere Einzelhaltung von Primaten oder Hunden
• Immobilisierung zur Herbeiführung von Magengeschwüren oder Herzversagen

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http://www.schwimmen-bis-zur-verzweiflung.de/versuche.html

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Der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche und die Menschen für Tierrechte Baden-Württemberg kritisieren die Genehmigungspraxis von Tierversuchen als „Farce mit reiner Alibifunktion“. 98,6 % aller beantragten Tierversuche passieren das Prozedere, obwohl sie in gravierendem Konflikt mit dem Tierschutzgesetz stehen.

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https://www.aerzte-gegen-tierversuche.de/de/presse/aktuelle-pressemitteilungen/2334-genehmigungspraxis-tierversuche

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Hier noch ein Video wie unverantwortlich man am Max Plank-Institut mit Ratten und anderen Tieren umgeht.

TIERVERSUCH AUßER KONTROLLE – Ein Praktikum am MPI// SOKO Tierschutz e.V.

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Gruß Hubert

Veröffentlicht 3. März 2017 von hubert wenzl in Tiere, Tierschutz, Uncategorized

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Ratten – eine völlig verkannte Tierart   1 comment

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Wer von uns Menschen würde sich denn als Vorkoster anbieten, um andere Menschen damit zu retten? Ratten tun das. Und wo setzt sich der Mensch mit aller Intensität für seine Artgenossen ein?

Nicht nur, daß Ratten sehr sauber und sozial sind, steht bei ihnen auch einer für den anderen ein.

Sie sind keinesfalls so egoistisch wie wir Menschen und zeigen ihren Gemeinsinn schon allein damit, daß sich Einzelne als Verkoster bei Angebot von unbekanntem Futter zur Verfügung stellen und somit auch opfern, denn wenn diese Vorkoster sterben, geht keine andere Ratte an dieses Futter.

Sie sind als eine sehr sozial lebende Tierart völlig selbstlos und bereit, ohne dabei an eigene Vorteile zu denken. Wie nachfolgende Pressemeldung bestätigt, setzen sie sich mit aller Intensität für ihre Artgenossen ein, was man bei den Menschen leider nur selten feststellen kann.

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jarleeknes / Pixabay

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Ratten in unserer Umwelt – Sinn und Unsinn ihrer so oft gewünschten Vernichtung

Lästige Nager – eine Rattenplage? Einige Wahrheiten über eine völlig verkannte Tierart

Ist von sogenannten „Schädlingen“ die Rede, denken die meisten Menschen an Mäuse oder Ratten.

Es soll jedoch gleich vorweggenommen werden, daß die Evolution keine „Schädlinge“ und ebenfalls auch kein “Unkraut“ hervorgebracht hat. Beides stellt im Zusammenspiel im Naturhaushalt ein ganz wichtiges Bindeglied für die Abläufe in ihr dar, wenn dies auch die meisten Menschen bis jetzt noch nicht verinnerlicht haben und glauben, weil sie sich leider auch den Erkenntnissen darüber verschließen, Schädlinge und Unkraut hätten keinerlei Funktion und wären somit überflüssig.

Doch auch „Überflüssiges“ hat die Evolution auf unserem Planeten nicht hervorgebracht, dazu geht die Natur, im Gegensatz zum verschwenderisch lebenden Menschen, viel zu sorgsam mit ihren Geschöpfen um. Jedes hat eine Daseinsberechtigung!

Spricht jemand von „Ratten“, ist sofort deren Bekämpfung die logische Reaktion der meisten Menschen.

Bereits das Wort „Bekämpfung“ ist jedoch schon falsch, irreführend und täuscht einen Sachverhalt vor, der so nicht gegeben ist. “Kampf“ ist eine „kriegerische Auseinandersetzung zwischen bewaffneten Gruppen“ und es wurde noch keine „bewaffnete“ Ratte gesehen. Es geht also, und das muß ganz klar herausgestellt werden, nicht um „Bekämpfung“, sondern schlicht und einfach um „Vernichtung“.

Der Bevölkerung wird suggeriert, daß eine „Bekämpfung“ zwingend notwendig sei, da ansonsten der Bestand dieser „Schädlinge“ in das Unermeßliche steigt und dadurch die Gesundheit, sowie Bausubstanz der Menschen arg bedroht würden. Und wie in jedem Vernichtungskrieg kommt es zur Eskalation der eingesetzten Waffen – also zu immer stärkeren und gefährlicheren Giften. Über 76 verschiedene Rattengifte sind in Deutschland zugelassen und werden völlig frei ohne jede Einschränkung verkauft.
Selbst Gifte der Substanzgruppe 0002 (Wirkstoff Sulfachinoxalin und Difethialon), die offiziell nur an „amtlich zugelassene Sachverständige“ abgegeben werden dürfen, konnten bei diversen fingierten Testkäufen völlig offen in den Regalen vorgefunden werden. Haus – oder Grundstückseigentümer werden ja sogar öffentlich aufgefordert gegen Ratten vorzugehen. Jedermann ist demzufolge berechtigt mit Giften aller Art umzugehen, ohne auf die Folgen Rücksicht zu nehmen.

Wie bereits die Vergangenheit gezeigt hat, wird der Versuch zur Tötung mit diesen frei-verkäuflichen Giften nicht nur an Ratten, nein auch an Tieren, die so Manchem im Wege stehen, wie Hunden, Katzen, Beutegreifer u.a. unternommen. Auch Menschen können durch diese unsachgemäße Umgangsweise getötet oder zumindest gefährdet werden.

Mit welch unsagbarem Tierleid die Aufnahme dieser Gifte verbunden ist, welch unendlich langsames Sterben die Tiere erleiden müssen, möchte ich hier nicht ausführlich beschreiben. Nicht einmal einer Ratte würde ein Mensch mit etwas Moral diese unbeschreiblichen Qualen wissentlich antun wollen – oder doch ?

Aber wer fragt bei so viel Geld schon nach Recht und Gesetz oder gar Ethik ?

Ein Millionengeschäft für die Großfirmen der Chemischen Industrie und auch kein schlechtes Geschäft für sogenannte „Schädlingsbekämpfungsfirmen“, die nicht nur mit dem Auslegen der Gifte, nein auch mit eigens erstellten „Gutachten“ über sogenannte „Rattenplagen“ immense Beträge von Kommunen und Privatleuten abkassieren.

Durch die fragwürdige Praxis des ungehinderten Giftverkaufs an jedermann werden automatisch auch wesentliche Inhalte unseres Tierschutzgesetzes zur Farce.

„Ein Wirbeltier töten darf nur, wer die dazu notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten hat – so steht es im § 4 Tierschutzgesetz. Dieselben werden offenbar von den Giftmischern gleich mitgeliefert und sind im Preis enthalten incl. Mehrwertsteuer. Und was noch viel gravierender ist – nach §§ 1 und 17 Ziff.1 Tierschutzgesetz ist es verboten, ohne vernünftigen Grund ein Tier zu töten, wobei die Tötung von Wirbeltieren im Rahmen des Tierschutzgesetzes einer besonderen Gewichtung unterliegt, indem sie mit einer Strafvorschrift kriminalisiert wird. Dieser vernünftige Grund ist bei sogenannten „Bekämpfungsmaßnahmen“, die aufgrund von eigennützigen Gutachten der Bekämpfungsfirmen vorliegen, keinesfalls gegeben. Dies wäre erst dann der Fall – und nur dann – wenn unabhängige Gutachten eine Gefährdung durch die Ratten feststellen würden. Dies ist bisher noch in keinem Fall mit der erforderlichen Konsequenz geschehen – folglich wurden in der Vergangenheit bis zum jetzigen Zeitpunkt geltende Gesetze sogar auf „behördliche Anordnung“ ganz gravierend verletzt! Die Ignoranz gegenüber unseren Mitgeschöpfen, zu denen ganz besonders die Ratten gehören, ist unbeschreiblich – ja sie wird sogar noch von der Justiz gedeckt. Gesetzesverstöße sind somit die Normalität!

Ja – die Menschen brauchen einen Sündenbock für die Krisen, die sie selbst produzieren!

Nicht von ungefähr widmet Andrzey Zaniewski seinen Roman „Die Ratte“ den „Geschöpfen, die ungewöhnlich sind und wenig bekannt, denn das Wissen der Menschen zielt mehr auf die Methoden ihrer Bekämpfung als auf das Verständnis ihres Verhaltens, ihrer Psyche und ihres Gefühlslebens“.

Vielen gelten sie als Ekeltiere. Die Menschheit bezeichnet sie als Schädlinge. Dabei hat die Evolution keine „Schädlinge“ geschaffen. Ratten sind, genau wie viele andere uns bekannte geehrte oder verachtete Beutegreifer, keine Schädlinge, sondern Teil des sinnvollen Abfallbeseitigungssystems der Natur, ohne deren Hilfe wir wohl kaum so sorglos in den Tag hinein leben könnten, wie wir es gegenwärtig tun.
Doch das Etikett „Schädling“ wird nach Belieben Tieren angeheftet, die die Menschen eigentlich gar nicht kennen und auch nicht kennenlernen möchten, die mal eben so Einzelnen im Wege sind und deren Existenz für viele nicht erklärbar erscheint.

Kein anderes Säugetier hat einen so schlechten Ruf, ist so wenig wert wie eine „Ratte“.

Sie besitzt geradezu einen „Ehrenplatz“ in den Schauergeschichten dieser Welt und als Schimpfwort steht ihr Name hoch im Kurs. Es gilt durchaus als Heldentat, jemanden „wie eine Ratte zu zertreten“ und ein „Rattennest“ ist geradezu der Inbegriff des Grauens. Außerdem verbreitet sie pausenlos Krankheiten, vor allem die Pest, knabbert ständig Säuglinge an und vermehrt sich geradezu unanständig. Gelegentlich kriecht sie auch aus der Kloschüssel, nur um anständige Bürger zu Tode zu erschrecken.

Mit solchen, der Ratte angedichteten Schauergeschichten, könnte man noch beliebig lange fortfahren.

Hier bleibt letztendlich nur eins dazu zu sagen – wenn es die Menschen ernst meinen würden, mit dem Kampf gegen „Schädlinge“, sollten sie sich in den eigenen Reihen umsehen.

Hier hätten sie ein großes Betätigungsfeld.

Seit jeher stehen Ratten in engem Kontakt zum Menschen.

Weltweit gibt es über 570 Rattenarten, doch nur zwei davon leben bei uns.

Beide gehören zur Gattung der echten Mäuse (Murinae). Es sind dies die Hausratte (Rattus-rattus) und die Wanderratte (Rattus-norvegius). Die zierliche „Haus – oder Dachratte“ (Rattus-rattus) bzw. ihr Rattenfloh war im Mittelalter der Pestüberträger.

Sie gelten deshalb als Kuriere, die gefährliche Krankheiten übertragen, als Urheber der Pest.

Die Ratten sind jedoch nicht weniger aber auch nicht mehr Krankheitsüberträger, wie jedes andere Tier oder der Mensch.

Heute weiß man, daß sie selbst Opfer des Pesterregers waren, der ihnen in Gestalt des Rattenflohs aufsaß. In dessen Bauch nistete der Pestbazillus „Yersinia pestis“. Wenn der Floh Ratten biß, starben sie, und er suchte sich andere Wirtstiere. Erst wenn er keine fand, sprang er auf Menschen über.

Da diese noch keine Abwehrkräfte entwickelt hatten, starben sie wie die Ratten.

Inzwischen gilt es als erwiesen, daß vor allem die ungenügenden hygienischen Zustände der damaligen Zeit als Hauptursache für die weitflächige Ausbreitung dieser Seuche anzusehen ist. Trotzdem halten sich immer noch hartnäckige Vorurteile über die kleinen Nager.

Mit Schmutz und Unrat werden die „ach so ekligen Ratten“ auch heute noch assoziiert – dabei sind sie äußerst reinliche Tiere, die sich täglich mindestens so häufig putzen wie Katzen.

Ratten sind 1000 mal besser als ihr Ruf – ja, viele Menschen haben sogar in der Ratte das ideale Heimtier entdeckt.

Die sehr selten gewordene „Hausratte (Rattus-rattus) steht mittlerweile auf der „Roten Liste“ der gefährdeten Wildtiere Mitteleuropas.

Die Medien berichten immer mal wieder von sogenannten „Rattenplagen“ und über „Vernichtungsaktionen“.

Doch allein das Wort „Plage“ kann anscheinend auch von den damit befaßten Stellen keineswegs richtig gedeutet werden. Es steht für Belästigung, quälendes Übel, Unheil über das ganze Land bringend usw.

Ist dies der Fall, wenn der eine oder andere Bürger mal eine Ratte zu Gesicht bekommt, die sich aus ihrer Verborgenheit erlaubt, auch von den in der Natur wachsenden Wildkräutern etwas zu holen ? Darf denn das „Mitgeschöpf Ratte“ nicht einmal das Tageslicht genießen ? Ist denn gerade die Ratte dazu verurteilt, ihr ganzes Leben nur im Verborgenen zu leben, weil der Mensch es so haben will?

Was nehmen wir uns eigentlich gegenüber unseren Mitgeschöpfen alles heraus – ja, was maßen wir uns als sogenannte „Krone der Schöpfung“ alles an ? Wer gibt uns eigentlich das Recht dazu ?

Ich sagte es bereits – die Erkenntnisse über diese Tierart fehlt uns fast vollends, aber ihre Vernichtung beherrschen wir bereits perfekt!

Wenn sich die zuständigen Stellen etwas mehr mit der Psyche der Ratten, als mit ihrer Vernichtung befassen würden, kämen sie zwangsläufig zu dem Schluß, daß der „Erfolg“ von Giftaktionen, außer immer wieder „toten Tieren“ und reine Geldverschwendung, die nur der Giftindustrie und sogenannten „Schädlingsbekämpfern“ von Nutzen sind, letztendlich keine Veränderung der einzelnen örtlichen Populationen auf Dauer ist.

Zum Einen muß dazu gesagt werden, daß man eine Bestandsregulierung von Ratten keinesfalls durch die Tötung einzelner Tiere erreicht. Entweder man vernichtet eine ganze Population komplett, was bei der Intelligenz dieser Tiere wohl sehr schwer fallen würde. Dies hätte dann auch nach kurzer Zeit eine Neubesetzung frisch eingewanderter Tiere des freigewordenen Areals zur Folge, oder man läßt es ganz bleiben, was dann zwar nicht der sogenannten „Fachfirma“ jedoch dem Stadtsäckel zugute käme.

Jeder Biologe wird bestätigen, daß eine Vernichtungsaktion reiner Unsinn ist, weil die Vermehrungsrate der Tiere nach einer solchen Aktion sofort ansteigt, bis die Population wieder die alte Größe erreicht hat.

In ihrer Angst glauben die Menschen auch, Ratten vermehren sich mit „unanständiger mathematischer Potenz“. Das ist zwar nicht ganz falsch, da die Weibchen schon nach ca drei bis vier Monaten fortpflanzungsfähig sind und drei- bis fünfmal im Jahr Junge zur Welt bringen können, ergibt sich theoretisch eine Bevölkerungsexplosion. So gut können die meisten nicht rechnen, wie die Rattenweibchen gebären könnten. In Wirklichkeit tun sie es nicht. Ratten halten sich an die natürliche Nahrungsgrundlage. Nachhaltigkeit ist für sie Tradition, nicht Erkenntnis. Sie gebären nur Wunschkinder. Wenn Nahrungsknappheit droht, bilden die Weibchen gar ihre Föten zurück, vermutet die Wissenschaft.

Kurzum, die Menschen sollten, da sie mit aller Wahrscheinlichkeit in den nächsten fünfzig Jahren keinen Frieden mit diesen Nagern schließen werden, endlich einmal mit etwas mehr Konsequenz an dieses Problem, was eigentlich keines ist, herangehen.

Das überreichliche Nahrungsangebot, welches unsere Wohlstandsgesellschaft aus Überfluß hinterläßt, sollte Ratten nicht zugänglich gemacht werden. Ja wir Menschen sollten überhaupt etwas sorgsamer mit unseren Nahrungsmitteln umgehen und dabei an die Menschen denken, die täglich auf dieser Erde verhungern müssen !

Schon allein dann würden die Populationen der Ratten überall automatisch auf ein Mindestmaß schrumpfen. Daß diese Tiere in dem Naturhaushalt ihre Daseinsberechtigung haben, hat die Evolution bereits mit ihrem Überleben bewiesen. Es würde sehr viel Geld, oftmals Steuergelder des Kleinen Mannes, gespart und vor Allem unsere Mitgeschöpfe wären nicht mehr grundlos barbarischen „Vernichtungsaktionen“ ausgesetzt.

In unserer zivilisierten Gesellschaft wäre es letztendlich sehr zu begrüßen, wenn Behörden und Institutionen auch sachverständigen Tierschützern beim Auftreten von Tieren, die nicht gerade von Jedem geliebt werden, ein Mitspracherecht und Lösungsvorschläge zu der jeweiligen Problematik einräumen würden. Leider sind unsere Behörden z. Zt. noch so von sich selbst überzeugt, daß solche Vorschläge kein Gehör finden.

Doch Vorsicht – sie befinden sich auf dünnem Eis, denn sie handeln gegen bestehende Gesetze !

Und nicht vergessen: „Wo ein Kläger – ist auch ein Richter !“

Mit freundlichen Grüßen

Harald von Fehr, Gotha

Ratten – eine völlig verkannte Tierart

Gruß Hubert

Veröffentlicht 10. September 2015 von hubert wenzl in Tierschutz

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