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Zurück in die Vergangenheit und voraus in die Zukunft – die Neoreaktionäre Bewegung (NRx)   Leave a comment

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Es ist erschreckend was manche Leute planen und denken.
Das Genmaterial des Menschen soll nach Plänen der Neoreaktionären Bewegung (NRx) optimiert werden und aus den „Besten“ eine Elite gegründet werden. Es gibt unter den NRx zwei Strömungen, die eine will Vergangenes hochhalten und die andere Strömung will auf schnellstem Weg in die Zukunft und sie will alles beschleunigen.

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Aus Yahoo, Auszug.

Diese Rechtspopulisten wollen die perfekten Menschen züchten

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Medizinische und technische Fortschritte sollen bei der Züchtung von Übermenschen helfen. (Bild: ddp)

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Eine rechte Bewegung möchte das Genmaterial der Menschen optimieren und aus den intelligentesten und stärksten Individuen eine Elite gründen. So erschreckend ist der Science-Fiction-Rassismus!

Es stimmt nicht, dass rechte Denker nur von der heilen Vergangenheit träumen: Eine reaktionäre Bewegung kämpft für Menschenzucht und eine Elitenherrschaft.

Früher war alles besser: Wie immer man es wendet, dies bleibt doch dergrundlegende Glaubenssatz hinter dem aktuellen Rechtspopulismus.Früher war alles besser: Da konnte man noch christliche Weihnachtsmärkte besuchen, ohne dort lauter Muslime zu treffen. Früher waren Männer noch Männer, und Frauen waren noch Frauen; früher lernte der Mann einen Beruf, und dann konnte er ihn bis zum Lebensende ausüben. Heute hingegen ist nichts mehr so, wie es früher war. Und vor allem ist nichts mehr von Dauer: Die digitale Umwälzung der Lebensverhältnisse beschleunigt die Veränderung der Welt; die Globalisierung zersetzt alle überkommenen Traditionen und Institutionen – vom Nationalstaat bis zur Familie, von den vertrauten Geschlechtermodellen bis zur ethnischen Homogenität des Volkskörpers. Dagegen wünscht sich das neurechte Denken in einen Zustand zurück, der Sicherheit bietet und Orientierung. Es möchte die Menschheit in kleine Gemeinschaften zerteilen und die Welt in überschaubare Gegenden, in denen die Uhren wieder langsamer gehen. Im Kern findet sich darin also ein doppelter Einspruch gegen die Zeitverhältnisse der Gegenwart. Der Wunsch nach dem Zurückdrehen der historischen Zeit ist unentwirrbar mit dem Wunsch nach Entschleunigung verschränkt.

Zur Zukunft hingegen scheinen die neuen Rechten wenig zu sagen zu haben; eigentlich fällt ihnen    nicht einmal zur Gegenwart etwas ein – jedenfalls entsteht dieser Eindruck, wenn man die Texte ihrer deutschsprachigen Vertreter liest. Wer etwa Götz Kubitscheks Zeitschrift Sezession nach Überlegungen zur Digitalkultur und zur Zukunft des Kapitalismus durchsucht, wird dort nicht fündig werdeerkunft.n. Die Themen von Kubitschek und seinen Autoren erschöpfen sich weitgehend in intellektuellen Gedankenspielen zur Bewahrung und Neubewertung von Traditionen und zur Abwehr der globalisierten Moderne. So scheint auch das Dasein der Menschen nicht von ihren Entwicklungsmöglichkeiten bestimmt zu sein, sondern ausschließlich von ihrer Herkunft. „Jeder Mensch ist Jahrtausende alt“, schreibt etwa Martin Sellner, österreichische Galionsfigur der Identitären Bewegung, programmatisch in der Sezession, das heißt: Hier werden die Menschen ganz aus ihrer Vergangenheit her gedacht.

Das klingt selbstverständlich, ist es aber nicht. Selbst innerhalb der Rechten stellt die ausschließlich nostalgische Orientierung einen deutschen Sonderweg dar. Ganz anders argumentieren etwa die Denker, die sich in den USA und Großbritannien in den letzten Jahren unter dem Etikett der Neoreaktionären Bewegung – abgekürzt: NRx – und des rechten Akzelerationismus versammelt haben. Zwar teilen sie mit den nostalgischen Identitären nach AfD- und Götz-Kubitschek-Art grundlegende Glaubenssätze, zum Beispiel, dass nicht die Kultur das Wesen des Menschen bestimmt, sondern die Biologie; und dass deswegen zwischen verschiedenen Gruppen von Menschen – egal, ob man sie „Rassen“ oder „Ethnien“ nennt – unüberwindbare Unterschiede herrschen. Doch während die Identitären diese Überzeugung aus der Vergangenheit heraus begründen – die „Ethnien“ sind so, wie sie sind, weil sie schon immer so waren, und deswegen werden sie auch immer so bleiben –, pflegen die Neoreaktionären und Akzelerationisten „einen Rassismus, der aus der Zukunft kommt“, wie es ihr britischer Vordenker Nick Land in seinem einschlägigen Text Hyper-racism aus dem Jahr 2014 formuliert. Ihnen geht es nicht um die Bewahrung einer historisch gegebenen rassischen Diversität, sondern vielmehr um die Optimierung der Menschheit und ihres Genmaterials, also: um Eugenik.

Anders als die Identitären lehnen Akzelerationisten wie Land den globalisierten neoliberalen Kapitalismus darum nicht ab, sondern begrüßen ihn und wollen ihn in seiner Geschwindigkeit sogar noch steigern, also „akzelerieren“. Den entwickelten Digitalkapitalismus schätzen sie vor allem wegen seiner Selektionskraft: In der ultimativ spezialisierten Gesellschaft der Hypertechnologien können nur noch die intelligentesten und durchsetzungsstärksten Individuen in die Eliten aufsteigen. Und weil sich in der Welt dieser Eliten Arbeit und Privatleben inzwischen komplett durchdringen, paaren sich die Angehörigen dieser Digital-Intelligenz auch nur noch untereinander. Durch dieses „assortative matching“, so Nick Land, erhöht sich die genetische Qualität der sozialen Eliten auf evolutionäre Weise „von selbst“ – ein Vorgang, der durch die Fortschritte in der Gentechnik und -medizin wie auch in der Pränataldiagnostik wissenschaftlich unterstützt werden kann. Oder anders gesagt: Die Erschaffung eines „neuen Menschen“, von dem die Eugeniker schon in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts träumten, ist für die rechten Akzelerationisten nun endlich zur Realität geworden. Sein Phänotyp findet sich im paarungswilligen Power-Couple aus dem Silicon Valley, das seinen Nachwuchs, sobald er in der Gebärmutter nistet, erst mal auf die biologische Qualität überprüft und nur bei optimalem Befund dann auch tatsächlich austrägt.

Den Gipfel der evolutionären Selbstoptimierung wird die Menschheit dann in der kommenden Generation erklimmen, wenn sie endlich ins Weltall aufbricht: Das jedenfalls behauptet der Evolutionsbiologe Gregory Cochran, auf den sich Nick Land gern bezieht. Denn vor der Auswahl in die elitäre Gilde der Astronauten steht ja eine ultimative Selektion: Weil nur weit überdurchschnittlich intelligente und gesunde Menschen den widrigen Verhältnissen in Raumschiffen und auf anderen Planeten zu trotzen vermögen, werden die Astronauten der Zukunft nichts anderes als die Krone der Schöpfung darstellen. Und weil sie, wenn sie fremde Welten besiedeln wollen, auch kompromisslos fortpflanzungsfähig und -willig sein müssen, scheiden Schwule und Lesben bei der Auswahl zum Astronautenberuf notwendig aus; womit sich dann auch dieser, so Cochran, „Irrweg der Evolution“ auf dem Weg zu den Sternen selber beseitigt.

Von Jens Balzer

Veröffentlicht 17. Juni 2017 von hubwen in Politik, Uncategorized

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Trump – der Brandbeschleuniger für Europas Rechtspopulisten   1 comment

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Nicht vergessen sollte die Arbeiterschicht bei Trump nicht, dass die Interessen eines Milliardärs und die der Arbeiter genau entgegengesetzt sind. Er wird die Probleme, die durch die Globalisierung da sind auch nicht im Alleingang lösen können. Alleine kann jemand heute in dieser komplexen Welt nichts mehr.
Und man muss sich fragen wer denn die Globalisierung eigentlich wollte. Der Kapitalismus wollte diese, weil er damit die größten Gewinne machen kann. Wenn man die Lebensbedingungen der Bevölkerung verbessern möchte, müsste man dem Kapitalismus Regeln auferlegen, denn grenzenlose Freiheit hier nützt nur den ökonomisch Starken. Ich habe bis jetzt nichts mitbekommen, dass rechte Parteien große Kapitalismuskritiker wären. Die größten Gegner, die das tun, sind ja Kommunisten und Linke. Auch der Staat ist auf keinem Fall zurückzudrängen, denn er hat die Aufgabe Schwächere zu schützen. Wenn man ihm durch zu niedere Steuern zu sehr schwächt spüren es als erste die sozial Schwachen. Trump möchte ja die Steuern für Unternehmen von 35% auf 15% runtersetzen. Wie will er dann den kleinen Mann stärken?
Trumps Motto: Make America Great Again hörten leider leider die sozial schwächsten, die Leute, denen es am dreckigsten geht, nur allzu gerne. Rechte in Deutschland beklagen ja auch immer wieder, dass die Meinungsfreiheit eingeschränkt wäre. Auch da ist Trump kein Vorbild, denn er hat angekündigt die Pressefreiheit einschränken zu wollen. Natürlich nicht bei Presseorganen wie „Breitbart News“, dessen Chef Stephen Bannon ihm ja in Wahlkampf maßgeblich unterstüzt hat und jetzt zu einem seiner Berater berufen wurde.

„Breitbart hat seinen Hauptsitz in Los Angeles, Kalifornien, mit Büros in Texas, London und Jerusalem. Bevor er im August 2016 in Donald Trumps Wahlkampfteam berufen wurde, war Stephen Bannon der verantwortliche Angestellte für Veröffentlichung, während Alexander Marlow als Chefredakteur tätig ist. Breitbart News gilt mittlerweile als eines der wichtigsten Sprachrohre der Alt-Right (Alternative Right), die sich in den letzten Jahren rechts der Republikanischen Partei formiert hat, wobei bei Breitbart News auch das politische Establishment der Republikaner kritisiert wird.“
https://de.wikipedia.org/wiki/Breitbart_News_Network

Aus derStandard

Die Website sieht sich als Speerspitze der US-Rechtspopulisten. Ihr ehemaliger Chef Steve Bannon wird nun Chefberater Donald Trumps Barack Obama habe „hasserfüllte Muslime importiert“, Abtreibungen seien mit dem Holocaust vergleichbar, Deutschland werde bald schon der Terrormiliz IS anheimfallen: „Breitbart News Network“, jene brachial-rechte Nachrichtenseite aus den USA, die nach ihrem 2012 verstorbenen Gründer Andrew Breitbart benannt ist und so bereitwillig die Kandidatur Donald Trumps unterstützt hat, darf sich künftig einen Draht nach ganz oben auf die Fahnen schreiben.

derstandard.at/2000047522822/Trumps-Zentralorgan-Breitbart-Rechtes-Portal-mit-Draht-nach-oben

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Und die AfD soll durch Breitbart News auch profitieren.

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Verliert die AfD ihr Feindbild USA?

Die AfD bejubelt den Sieg von Donald Trump. Doch womöglich geht der Partei bald ihr Feindbild verloren – wenn sich Amerikas Russland-Kurs ändert.

von

AfD-Führungskräfte Frauke Petry, Beatrix von Storch und Jörg Meuthen (von links).
AfD-Führungskräfte Frauke Petry, Beatrix von Storch und Jörg Meuthen (von links).Foto: dpa
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„Wir sind Präsident!“, twitterte die Berliner AfD als Reaktion auf den Wahlsieg von Donald Trump. Dass die deutschen Rechtspopulisten sich über den Sieg des amerikanischen Rechtspopulisten freuen, leuchtet auf den ersten Blick ein. Schließlich ist das Geschäftsmodell ein Ähnliches: So tun, als vertrete man die Interessen von durchschnittlichen Bürgern und entlarve die politische Klasse, gepaart mit fremdenfeindlichen Untertönen und einem Hang zu kalkulierter Provokation. Eine relativ nachsichtige Haltung gegenüber Russland kommt als weitere Gemeinsamkeit hinzu.

http://www.tagesspiegel.de/politik/sieg-von-donald-trump-verliert-die-afd-ihr-feindbild-usa/14819612.html

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Aber lassen wir Amerikas Berlusconi mal arbeiten, wir werden dann alle sehen wie die Auswirkungen sind, was von seinen Versprechen übrig bleibt und WER im Fall davon profitiert.

Foto von Ebay

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Wer will kann sich bei Ebay so eine Mütze kaufen und eventuell Amerika mit Deutschland austauschen.

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Bei alldem ist mir schon klar, dass die „Establishment“-Parteien schwere Fehler gemacht hat, dass so ein großer Wunsch nach einem Wandel entststand. Die Politik war zu abgehoben. Jetzt kommen eben Populisten mit einfach Lösungen. Ob sie den Wandel zugunsten der Leute, die das so wollten, bringen werden, wird man sehen.

Jedenfalls ist es besorgniserregend, dass sich heute zwei Lager gegenüber stehen, die einen Kulturkampf austragen.
Man sollte vor allem auch nie die Macht der Worte unterschätzen und die Verantwortung dafür nicht vergessen. Die tatsächliche Gewalt folgt der verbalen.

Sven Petry, (Pfarrer), der ex-Mann von Frauke Petry sagt zum Beispiel:

„Worte wirken. Wenn sie Angst und Vorurteile schüren, sind sie gefährlich. Meinungsfreiheit entbindet nicht von Verantwortung.“
https://twitter.com/sven_petry/status/796679902275768320?lang=de

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Von der AfD bis zum Front National – Europas Rechtspopulisten feiern den Sieg Donald Trumps bei der US-Präsidentschaftswahl. Schon die ersten Reaktionen lassen ahnen, was uns in den nächsten Jahren bevorsteht: ein Kulturkampf über die Interpretation von Demokratie.

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Donald Trump

Donald Trump grinst. Die Rechtspopulisten in Europa reagierten geradezu euphorisch auf die Wahl des Republikaners zum US.Präsidenten.

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Trump – der Brandbeschleuniger für Europas Rechtspopulisten

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Gruß Hubert

Veröffentlicht 14. November 2016 von hubwen in Uncategorized

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AfD-Vize Gauland über Boateng: Ein bösartiger Satz   Leave a comment

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Nicht jeder hat das Glück als Weißer geboren zu sein – das ist schon ein besonderes Privileg, worauf man stolz sein kann, nicht wahr Herr Gauland? Ich habe endgültig die Nase voll von diesen wiederholten Spielchen der AfD und allgemein der Rechtspopulisten, zuerst provozieren, danach relativieren, wissend, dass es bei den eigenen Anhängern sehr wohl richtig ankam. Und danach feige abstreiten, anstatt zu seiner Aussage stehen. Ich denke das war ein klassisches Eigentor von Herrn Gauland. Die „Leute“ stehen hinter der Nationalmannschaft, bis auf ein paar denen es stört wenn ein paar Dunkelhäutige dabei sind, die aber die Qualität des deutschen Fußballs wesentlich erhöhen. Fraglich ob sie ohne diese Weltmeister geworden wären.

„Die Leute finden ihn als Fußballspieler gut. Aber sie wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben.“ Selbst DFB-Nationalspieler sind inzwischen offenes Ziel der Haßtiraden von Pegida und AfD-Vize Alexander Gauland. Sätze wie diese entlarven, wie viel Haß sich am rechten Rand dieser Gesellschaft aufgestaut hat und nun ganz ungezügelt offen Bahn bricht. Gauland weiß eben was „die Leute“ wollen, oder man kann das Wort Leute auch mit „das Volk“ austauschen.

Der in Berlin geborene Jerome Boateng ist der Sohn einer deutschen Mutter und eines ghanaischen Vaters – und Stammverteidiger in Deutschlands Nationalelf.

Einen besser Integrierten als Jérôme Boateng kann ich mir gar nicht vorstellen, und übrigens, er ist Christ.

(Nebenbemerkung zu Christ: was ich von mir nicht sagen könnte, also schon out bei der AfD, was ich aber wirklich nicht bedaure).

Was möchte denn Gauland und andere Deutschnationale? Möchten sie nur mehr Bio-Deutsche für die deutsche Nationalmannschaft spielen lassen? Warum denn dann nicht gleich den Ahnenpass wieder einführen mit Ariernachweis?

Hier ein Kommentar vom Sebastian Fischer, vom Spiegel, der ausgezeichnet analysiert wie die Masche bei Rechtspopulisten läuft.

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Gauland, Boateng

DPA -Gauland, Boateng
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Erst beleidigt AfD-Vize Alexander Gauland den Nationalspieler Jérôme Boateng, dann will er es nicht so gemeint und nicht so gesagt haben. Das ist eine bekannte Masche von Rechtspopulisten.

„Die Leute finden ihn als Fußballspieler gut. Aber sie wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben.“ Das hat AfD-Vizechef Alexander Gauland der „Frankfurter Allgemeiner Sonntagszeitung“ („FAS“) zufolge über den deutschen Staatsbürger und Fußballweltmeister Jérôme Boateng gesagt.

Es ist ein bösartiger, ein perfider, ein irrer Satz.

Bösartig natürlich zuallererst deshalb, weil hier mit rassistischen Klischees gearbeitet wird: „Die Leute“ wollen „einen Boateng“ nicht als Nachbarn haben – weil er Fußballer ist? Weil er Millionär ist? Nein, was Gauland meint, ist ganz klar: Weil Boatengs Haut schwarz ist.

Bösartig ist der Satz, weil er in gönnerhaftem Duktus daherkommt: Fußballspielen darf er gern für Deutschland – noch mal: Boateng ist gebürtiger Berliner – aber er muss ja nicht nebenan wohnen. Der Fußballnationalspieler wird zum Lakaien herabgestuft, zum Diener weißer Herren.

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Getty Images
AfD-Vize Alexander Gauland

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Bösartig ist der Satz auch, weil Gauland sich eines rhetorischen Kniffs bedient: Nicht er direkt beleidigt Boateng, sondern er zitiert „die Leute“ – ohne Beleg. Für die angebliche Meinung dieser Leute kann er ja tatsächlich nichts, durch seine Wortwahl aber vermittelt er ihnen, dass er ihre vermeintlichen Sorgen ernst nimmt.

Und es geht noch weiter: Als am Sonntag die öffentliche Empörung über Gauland Stunde um Stunde wächst, als sich sogar die AfD-Vorsitzende Frauke Petry von seinem Spruch distanziert, da gibt er eine Erklärung unter neuerlicher Anwendung des beschriebenen Rhetorik-Kniffs ab. Er habe Boateng „nie“ beleidigt. O-Ton-Gauland:

„Ich habe in dem vertraulichen Hintergrundgespräch die Einstellung mancher Menschen beschrieben, aber mich an keiner Stelle über Herrn Boateng geäußert, dessen gelungene Integration und christliches Glaubensbekenntnis mir aus Berichten über ihn bekannt sind.“

Ja, er selbst hat sich tatsächlich nicht über Boateng geäußert. Es waren ja „die Leute“ und Gauland war, nun ja, ihr Medium. Und, Stichwort „gelungene Integration“: Boateng ist in Berlin geboren, das sei hier gern zum dritten Mal angemerkt.

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Gaulands Kommunikationsstrategie ist alte Populisten-Schule: Man stellt etwas in den Raum, auf das man im Zweifel nicht festgelegt werden kann; die Anhänger aber verstehen die Botschaft ganz ohne Zweifel. Zugleich kann sich der Rechtspopulist als Opfer angeblicher medialer Kampagnen inszenieren. Jörg Haider war ein Meister dieses Faches.

Die „FAS“ übrigens bleibt bei ihrer Darstellung. Und nun? Bleibt noch die Nachbarschaftsfrage.

Hätte man also Alexander Gauland gern als Nachbar? Klar, warum denn nicht. Wahrscheinlich wäre er einer, der die Hecken sehr ordentlich schneiden und stets höflichst grüßen würde. Auch Jerôme Boateng wäre sicherlich ein freundlicher Nachbar, wenn man sich denn eine Villa nebenan leisten könnte.

Noch lieber aber will man ihn auf der großen Bühne sehen, als Akteur. Bei Gauland ist das genau anders herum. Als Nachbar? Passt schon. In politischer Verantwortung? Bitte nicht.

Ein Kommentar von

AfD-Vize Gauland über Boateng: Ein bösartiger Satz

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Hier noch ein Auszug aus Yahoo

[…]

Als dann ein Sturm sich erhob und recht viele von diesen Leuten, von denen Gauland immerzu spricht, sich als Nachbarn von Boateng bewarben, ruderte der Mann, der sich gern als alter Weiser vom Berg sieht, zurück: Er habe sich nicht über Boateng als Person geäußert. „Ich habe nie, wie die ‘FAS’ insinuiert, Herrn Boateng beleidigt. Ich kenne ihn nicht und käme daher auch nicht auf die Idee, ihn als Persönlichkeit abzuwerten.“

Dumm nur, dass die Kollegen von der FAS das Gespräch aufgezeichnet hatten.

Das dämmerte auch dem Tweedjackenintellektuellen und er ging vor die Kamera. In der ARD erklärte Gauland schließlich, Boatengs Name könne gefallen sein, möglicherweise seitens der Journalisten – „denn ich kenne mich im Fußball gar nicht aus“. Er habe deutlich machen wollen, „dass es viele Menschen gibt, die halt Fremde in ihrer Nachbarschaft nicht für ideal halten“.

Was lernen wir daraus – abgesehen davon, dass Gauland sich nicht für Fußball interessiert?

Die gute Nachbarschaft scheint ihm am Herzen zu liegen. Und daher, das wird Gauland in aller Kühle seines Verstandes bewusst formuliert haben, wollte er wohl vier Dinge klarstellen.

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Erstens: Menschen, die so in etwa wie Boateng heißen, also Botting, Botenmann oder Tengelmann – die werden nur gemocht, wenn sie eine tolle Leistung erbringen. Sie müssen gewissermaßen in Vorleistung gehen, denn mit ihrem Namen scheint, so meint offenbar Gauland, etwas nicht in Ordnung zu sein. Also ein Spitzensportler, den nimmt Gauland gern. Aber nur für die Mattscheibe, und wenn er dort Ruhm und Ehre fürs Land erbringt (was Gauland und uns vielen anderen noch nicht gelungen ist), aber zu nah auf die Pelle rücken soll er nicht. Heißt: Nach Potsdam, wo Gauland wohnt, könne so einer wie Boateng vielleicht zum Shoppen, aber dann bittschön zurück ins Ghetto nach München oder Berlin-Charlottenburg, wo so einer wie Boateng aufwuchs.

 

Zweitens: Halt, Gauland ist missverstanden worden. Er redete ja nicht von sich, sondern von „den Leuten“. Er berichtete sozusagen über die. Da stellt sich die Frage: Warum tat er das? Wollte er warnen? Ist er darüber besorgt, dass Menschen „Fremde“ nicht in ihrer Nachbarschaft haben wollen – und warum gilt man als Fremder, wenn man Boateng heißt? Als Antwort fällt mir nur ein, dass Gauland nicht mehr genau weiß, wer die Leute sind – und wer er ist.

Als Rechtspopulist hat man es ja schwer. Da ist man ständig eine Art Inkarnation eines Volksgeistes, ein Sprachrohr des Volkswillens, denn ständig redet das Volk zu einem. Nur flüstern „die Leute“ ihm nicht ein: ‚Kauf mehr Himbeersaft‘, sondern sie bringen ihm bei, welche Namen gehen und welche nicht. Ständig weiß das Volk, was es will. Ein stressiger Job für eine Flüstertüte wie Gauland.

https://de.nachrichten.yahoo.com/wie-alexander-gauland-uns-alle-f%C3%BCr-dumm-verkaufen-114035911.html

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Bio-Deutsche Aufstellung für die Fußball-Nationalmannschaft

 

Ziemlich gute Nachbarn

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Aus web.de  – Auszug.

Auch Seehofer nannte die Aussagen von Alexander Gauland erbärmlich (im Video unten).

Er ist Sohn einer deutschen Mutter und eines ghanaischen Vaters, ein Fußball-Star, ein gläubiger Christ, ein Musterbeispiel für gelungene Integration. Aber für Alexander Gauland, dem stellvertretenden Parteivorsitzenden der AfD, ist Nationalspieler Jérôme Boateng offenbar trotzdem nicht gut genug.

„Die Leute finden ihn als Fußballspieler gut. Aber sie wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben„, sagte Gauland zwei Reportern der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS).

Die Empörung über Gaulands Worte war groß. Bundeskanzlerin Angela Merkel nannte sie „niederträchtig“ und selbst die AfD-Vorsitzende Frauke Petry distanzierte sich öffentlich von den Behauptungen des früheren CDU-Mitglieds. „Gaulands Äußerung ist das aktuell derbste und perfideste Beispiel für Versuche von AfD-Politikern, auf sich aufmerksam zu machen“, schrieb der Spiegel.

Experte: AfD nutzt EM, um Anhänger anzusprechen

In den vergangenen Monaten punktete die AfD bei ihren Wählern vor allem mit einem Thema: Sorgen vor der Überfremdung Deutschlands durch die Flüchtlinge sowie die Angst vor radikalen Dschihadisten in Deutschland.

Gegen gut integrierte Migranten und Ausländer sei nichts einzuwenden, betonte die AfD-Spitze immer wieder. Diese Aussagen hat Alexander Gauland nun mit seinem Boateng-Bashing ad absurdum geführt. Der Innenverteidiger von Bayern München ist in Deutschland geboren, aufgewachsen und vorbildlich integriert. Das einzige, was ihn wohl nach Gauland-Lesart von „den Leuten“ (also den Deutschen) unterscheidet ist seine Hautfarbe.

Aus diesem Grund wollen „die Leute“ Boateng, folgt man Gauland, auch nicht als Nachbarn haben. Nur weil er eben etwas dunkelhäutiger daherkommt als der Durchschnitt der Bevölkerung. „Einfach nur rassistisch“ nannte das die Frankfurter Rundschau.

[…]

In der Vergangenheit war es die rechtsextreme NPD, die durch eine Hetzkampagne gegen die dunkelhäutigen Ex-Nationalspieler Patrick Owomoyela und Gerald Asamoah unangenehm aufgefallen war. Und die damit den Fußball missbrauchte, um ihre menschenfeindliche Weltanschauung unters Volk zu bringen.

AfD-Anspruch: Für die ganze Bevölkerung sprechen

Zudem passt Gaulands Rhetorik zum Volksvertretungsanspruch, den die AfD und ihre Anhänger so gerne für sich reklamieren. Man vertrete die „wahren Interessen“ der deutschen Bevölkerung, man spreche für die schweigende, eingeschüchterte oder von den Medien manipulierte Mehrheit.

„Den Anspruch, für die ganze Bevölkerung zu sprechen, findet man bei vielen Politikern, nicht nur bei der AfD“, erklärt Experte Emmer. „Damit will man seinen Aussagen besondere Legitimität verleihen“.

Nur sei das im Fall Boateng ein Trugschluss. Vermutlich hätten die meisten Leute überhaupt kein Problem mit einen Nachbarn Boateng: Sie wären eher stolz neben einem Fußball-Promi zu leben.

Video:

http://web.de/magazine/politik/alexander-gauland-boateng-aussage-politiker-kritisieren-afd-vizen-scharf-31589144

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http://web.de/magazine/politik/gauland-boateng-gefahr-aussage-31589560

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Die AfD-Vorsitzende Frauke Petry – schon länger im Clinch mit ihrem Stellvertreter – hatte sich auffallend deutlich von ihm distanziert und von Erinnerungslücken gesprochen: „Herr Gauland kann sich nicht erinnern, ob er diese Äußerung getätigt hat. Ich entschuldige mich unabhängig davon bei Herrn Boateng für den Eindruck, der entstanden ist.“

http://web.de/magazine/politik/aeusserungen-jerome-boateng-weiten-afd-krise-31587528

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Gruß Hubert