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Es bräuchte nur einen einzigen Beweis   Leave a comment

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Oft wird Atheisten von Gläubigen vorgehalten, dass sie halt auch einen Glauben haben. Das ist nicht so. Denn Atheisten glauben nur nicht an eine Existenz eines Gottes, wie es Gläubige tun.

Aus awq.de

Es bräuchte nur einen einzigen verifizierbaren Beweis, um Atheismus zu zerstören.

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In Gesprächen mit Gläubigen wird man als Atheist mitunter mit gar wundersamen Ideen konfrontiert. An einigen dieser Ideen kann man erkennen, dass sie – bewusst oder unbewusst – von falschen Voraussetzungen ausgehen.

Dann wird zum Beispiel gerne mal behauptet, ein atheistischer Standpunkt sei ja “auch nur ein Glaube.” Das ist schon mal insofern lustig, weil “auch nur” ja impliziert, dass Glaube nichts Besonderes ist. Dass Atheismus das genaue Gegenteil von religiösem Glauben ist, scheint ihnen nicht klar zu sein.

Fragt man weiter nach, kommt oft heraus, dass sie von ihrem eigenen, religiösen Standpunkt aus denken. Und dass sie sich manchmal gar nicht vorstellen können, dass man auch in Weltanschauungsfragen mit rationalen Methoden weiter kommen kann als mit Glaube.

Sie sind der Meinung, Atheisten müssten dieselben Nöte haben wie sie selbst, wenn es darum geht, das eigene Weltbild mit dem eigenen Anstand, Verstand und mit der persönlichen intellektuellen Redlichkeit in Einklang zu bringen.

Dabei ist es genaugenommen viel einfacher, ehrlicher und komfortabler, in einer nicht um religiöse Phantasien erweiterten Scheinwirklichkeit zu leben.

Glaubensgewissheit dank Denkverzicht

Interessant ist es auch, Gläubige zu fragen, wie stark oder wahr sie ihre eigene Glaubensüberzeugung einschätzen. Nicht selten hört man dann, mit dem Brustton der Überzeugung: “Natürlich 100 Prozent!” Fragt man den Theisten, ob er sich vorstellen könne, dass ihn irgendetwas – ein Erlebnis, eine Erkenntnis, was auch immer – auch nur einen Millimeter von dieser 100%-Marke abbringen könnte, lautet die Antwort, oft mit derselben Überzeugung: “Nein, natürlich nicht.”

Dabei handelt es sich keineswegs nur um einfältige, naive Gemüter. Sondern durchaus auch um Zeitgenossen, die ein äußerst kritisches und rationales Denken anwenden. Aber nur, solange es nicht um ihre Glaubensgewissheiten geht. Denn an dieser halten sie unbeirrbar fest. Ohne sie je kritisch zu hinterfragen.

…nur bis zum Beweis des Gegenteils

Anders sieht es bei Menschen mit einem rationalen Standpunkt aus. Denn bei einem solchen gelten Erkenntnisse immer nur bis zum Beweis des Gegenteils.

Natürlich wird auch ein rational-kritisch denkender Mensch Überzeugungen und Gewissheiten haben. Diese basieren allerdings, anders als beim religiös Gläubigen, nicht auf Dogmen und Glaubenslehren. Sondern auf Erkenntnis und Wissen. Gewonnen durch Beobachtung, Versuch, Prüfung der Plausibilität.

Kritisch zu denken bedeutet nicht, ständig alles grundsätzlich in Frage zu stellen. Oder generell an allem zu zweifeln. Kritisch denken bedeutet aber zum Beispiel sehr wohl, etwas, für das es keinen verifizierbaren Beweis gibt, bestenfalls als Hypothese anzuerkennen. Und dementsprechend zu behandeln.

Unredlicher Umgang mit einer schlechten Hypothese

Hierin unterscheidet sich ein atheistischer von einem theistischen Standpunkt wohl am deutlichsten. Denn wer an Gott glaubt, tut so, als gäbe es diesen Gott tatsächlich. Und zwar, ohne dafür irgendwelche seriösen Beweise liefern zu können. Oder zu verlangen.

Er behandelt eine (schlechte, längst widerlegte) Hypothese wie eine evidenzbasiert bewiesene Tatsache. Jede Lehre, die von Menschen geglaubt werden muss, kann deshalb bestenfalls so hypothetisch sein wie die Hypothese, auf der sie basiert. Damit ist unter anderem auch die komplette angemaßte Wissenschaft der Theologie obsolet. Weil der Kernpunkt aller theologischer Betrachtung bis zum Beweis des Gegenteils eine rein menschliche, völlig beliebig definierbare Fiktion ist.

Bewältigungsstrategien

Stattdessen verfügen sie oft über ein ganzes Arsenal an Methoden, mit denen sie versuchen, diese kleine, aber schwerwiegende Unredlichkeit zu bewältigen. Doch egal, ob die Bibel als “Beweis” herhalten muss (Klassischer Fehlschluss: “Die Bibel ist das Wort Gottes. In der Bibel steht, dass es Gott gibt. Also gibt es Gott.”), ob persönliche Empfindungen oder die kulturelle Dimension von Religionen als “Beweis” angeführt werden – bis heute gibt es keinen seriösen Beleg für eine außerhalb von menschlicher Phantasie existierende Gottheit. Keinen einzigen.

Und wenn gar nichts mehr hilft, definiert man Gott einfach als irgendetwas Beliebiges. Oder man sagt: “Gott muss man nicht beweisen, weil man ihn ja gar nicht beweisen kann.” Wer so “argumentiert”, entzieht sich damit jeder ernsthaften Diskussion. Das Niveau sinkt dann manchmal in absurde Tiefen wie zum Beispiel: “Wieso glaubst du? – Weil halt.” 

Das wäre nicht weiter schlimm, wenn Religionen harmlose Phantasien von Menschen mit schwach ausgeprägtem Sinn für die Realität wären. Wie ein Blick in die 10bändige Kriminalgeschichte des Christentums bis in die heutige Gegenwart hinein erschreckend eindrucksvoll belegt, sind Religionen allerdings keineswegs harmlos. Sondern saugefährlich.

Aber sprich nur ein Wort…

Wer einen rationalen, offenen Standpunkt vertritt, wird auch bereit sein, diesen Standpunkt zu verändern. Nämlich dann, wenn neue, verifizierbare Erkenntnisse vorliegen, die den bisherigen Standpunkt korrigieren. Oder widerlegen.

Was als Beweis anerkannt werden kann und was nicht, ist nach wissenschaftlichen Maßstäben heute präzise definiert. Hierbei geht es nicht um Dogmatismus. Sondern um Wahrscheinlichkeiten. Ein einziger solcher Beweis würde genügen, dass wohl jeder Atheist die Existenz Gottes anerkennen würde. Allerdings wäre damit auch jeder Glaube überflüssig.

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Es bräuchte nur einen einzigen Beweis

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Gruß Hubert

Kubitza und Haberer im Streitgespräch über die Grundlage von Religion   4 comments

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„Es sei gerade die intensive Beschäftigung mit der Bibel gewesen, durch die er seinen Glauben verloren habe, erzählte er (Heinz-Werner Kubitza). Durch die Beschäftigung mit den Widersprüchen und der historischen Entstehung der Bibel. Für ihn ist heute klar, dass die Theologie selbst mit ihrer historisch-kritischen Methode dem Glauben seine Grundlage entzogen und ihn als Aberglaube entlarvt hat.“

Wenn selbst Theologen solche Zweifel haben…

Oder auch der heuer verstorbene Geißler, der in seinem Büchlein „Kann man noch Christ sein, wenn man an Gott zweifeln muss?“ Oder weiters sagt er: Wenn es Gott gibt, warum ist die Welt dann voller Katastrophen, Krankheiten und Kriege? Immer mehr Menschen rebellieren gegen die Sprachlosigkeit der Kirchen auf die Frage nach der Gerechtigkeit eines angeblichen allmächtigen Gottes.

Oder Franz Buggle in seinem Buch: „Denn sie wissen nicht was sie glauben“... „… ich demonstriere durch Zitate, dass die Bibel, unsere ‚Heilige Schrift‘, ‚Gottes Wort‘, ein zutiefst gewalttätig-inhumanes Buch ist, völig ungeeignet als Grundlage einer heute verantwortbaren Ethik…“

Aus hpd.de

Kubitza und Haberer im Streitgespräch über die Grundlage von Religion

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Johanna Haberer, Helmut Fink, Heinz-Werner Kubitza (v.l.n.r.)

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Über die Bibel und den Glauben debattierten im Humanistischen Salon Nürnberg zwei Theologen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Auf der einen Seite eine gläubige Protestantin und Professorin für Christliche Publizistik. Auf der anderen Seite ein promovierter Theologe, der zum Autor und Herausgeber zahlreicher religionskritischer Schriften wurde.

Mit der Veranstaltung „Ist Religion noch vermittelbar? – Alte Texte, neue Deutung, umstrittener Sinn“ startete am 8. Oktober 2017 die zweite Staffel des Humanistischen Salons im Nürnberger Café PARKS. Auch dieses Winterhalbjahr lädt die Reihe wieder einmal im Monat am Sonntagmittag zur Auseinandersetzung mit einem wissenschaftlichen oder humanistischen Thema.

Ausdrücklich wollen die Veranstalter dabei auch die öffentliche Begegnung weltanschaulicher Gegensätze ermöglichen. Im Gespräch über die Bedeutung religiöser Texte bedürfe es dabei in besonderer Weise der Bereitschaft einander zuzuhören, betonte Moderator Helmut Fink in seiner Einführung. „Denn es geht um Grundüberzeugungen und Glaubensfragen.“

Über die radikale Änderung seiner Sicht berichtete Heinz-Werner Kubitza, der Gründer des Tectum-Verlages und Autor der „Wahn-Trilogie“. Es sei gerade die intensive Beschäftigung mit der Bibel gewesen, durch die er seinen Glauben verloren habe, erzählte er. Durch die Beschäftigung mit den Widersprüchen und der historischen Entstehung der Bibel. Für ihn ist heute klar, dass die Theologie selbst mit ihrer historisch-kritischen Methode dem Glauben seine Grundlage entzogen und ihn als Aberglaube entlarvt hat.

Er erklärte, wie er anfangs als gläubiger Christ möglichst nah rankommen wollte an die Person Jesus, aber dabei immer Irritierendes fand – wie etwa Jesu Arbeit als Exorzist. Jesus habe sich selbst zudem nicht als Messias gesehen oder als Sohn Gottes, sondern als gläubigen Juden. Das zeigten die Ergebnisse theologischer Forschung.

Auch sei ja inzwischen bekannt, dass zentrale Glaubensinhalte wie die Weihnachtsgeschichte oder die Auferstehung einfach Legenden seien, die später dazuerfunden wurden. Es sei nach 200 Jahren Forschung daher an der Zeit zuzugeben, dass man sich geirrt habe. Dass nichts dran sei. Dass der historische Jesus ein völlig Anderer war als die Kirche verkündet.

Seine Debattengegnerin Johanna Haberer, Theologie-Professorin an der Universität Erlangen, stellte diese Sicht Kubitzas als ein Missverständnis dar. Als ein Problem falscher Erwartungen von faktischer Wahrheit. Auch sie habe natürlich im Studium gelernt, dass vieles erst später „dazugewachsen“ sei, sich verselbstständigt habe. Dass sich das Christentum über den historischen Jesus hinaus zu etwas Eigenem entwickelt hätte. Aber das schmälert für sie nicht die Wichtigkeit der Botschaft.

„Kann man Religion abschaffen?“, fragte Haberer und meinte es rhetorisch. Denn Religion sei doch nicht reduzierbar auf eine Gründerperson. Sie sei ein gewachsenes kulturelles Gebilde. „Kann man Sebastian Bach abschaffen? Die gotischen Kirchen?“ Es ginge nicht um historische Fakten, sondern um die transportierte Bedeutung, meinte sie, um den Trost und das Vertrauen, das Texte und Lieder vermittelten.

Haberer setzte Kubitzas entzauberter Sicht ein Bild von Religion als vielfältiger, dynamischer, offener Erzählgemeinschaft entgegen, die Aufgehobensein vermittele. „Mein Glauben ist ein Geborgensein in einer Kultur von Texten und Musik. Und sie sind von so evidenter Schönheit… ich kann mir nicht vorstellen, dass man diese Schönheit abschaffen kann… per Argument.“

Für Kubitza jedoch ist Glauben zu etwas Kindlich-Fiktionalem geworden, das es gilt durch ein erwachsenes, realistisches Weltbild zu ersetzen. Es sei wie der Glaube an den Weihnachtsmann, den ein Kind irgendwann überwinden müsse. Denn welchen Wert hat ein Aufgehobensein und ein Vertrauen, das auf einer irrealen Grundlage beruht? „Ich will auf dem Sterbebett niemanden, der mir ewiges Leben verspricht.“

Und dass im Protestantismus Dogmen keine Rolle mehr spielten, stimme so nicht, erklärte er. „Auch die aktuelle systematische Theologie kommt nicht ohne sie aus. Kein Theologe an der Uni will unwissenschaftlich erscheinen. Aber wenn naturwissenschaftliche Erkenntnis mit der Tradition vereinbart werden muss, kommt oft ein trauriger Eiertanz dabei heraus.“

Und auch der Darstellung von Religion als etwas, in dem Kultur besonders gedeiht, widersprach Kubitza. Das sei in dem Großteil der christlichen Geschichte gerade nicht der Fall gewesen. Es habe jahrhundertelang keine freie Kunst, Musik und Literatur gegeben. Das Ästhetische sei von der Kirche gefangen gewesen und die Religion bestimmte, wo es lang ging. „Die Protestanten schmücken sich gerne damit, sich kulturell zu verstehen, doch die große Kunst ist erst entstanden, als der Einfluss der Religion zurückging.“

Haberer hielt dem entgegen, dass Protestanten wie sie sich ja gerade nicht die frühere Dominanz der Kirche zurückwünschten. Die Reformation sei schließlich ein wichtiger Schritt gewesen für eine Befreiung von der Dominanz einer weltlichen Institution. Luther habe dem Einzelnen die Interpretationsmacht zurückgegeben über die Schriften. Und damit auch die eigene Auseinandersetzung mit den inneren Widersprüchen der Bibel. Diese lobte Haberer als literarisch-metaphorische Vielfalt der Überlieferung und damit als eine wichtige pluralistische Wurzel des Christentums.

Eine Befreiung des Menschen von Religion hält sie jedoch für einen Verlust. Denn Glaube vermittele eine andere Kategorie als Wissen. „Ich vertraue, dass das Leben einen Sinn hat. Dass ich kein Zufallsgeschoss bin. Und dass am Ende Gerechtigkeit kommt.“ Das sei jenseits von dem, was wir wissen könnten, hätte aber großen Einfluss auf die Welt. „Man sollte diese beiden Kategorien daher nicht gegeneinander ausspielen.“

Für den wirklichkeitsprägenden Einfluss der Religion wählte Haberer ein Beispiel vom Lebensende. „Jemandem im Hospiz zu begleiten, mit ihm zu beten und ihn noch einmal mit seinen Kindern zusammenzubringen, das ist doch anders als zu sagen, er stirbt jetzt bald, ich gebe ihm die letzte Spritze, weil der letzte Weg schmerzlich ist.“

Für diese Darstellung erntete die Theologin diesmal jedoch auch Widerspruch von Moderatorenseite. „Ich fühle mich zu einer Stellungnahme gedrängt, denn das, was Sie sagen, suggeriert ja aktive Sterbehilfe“, warf Helmut Fink ein. Humanistische Sterbehilfe sei jedoch nicht gleichzusetzen mit einer Spritze. Sie fände im Rahmen von Palliativmedizin statt und mit ergebnisoffener Beratung.

Kubitza, der sich auf die Glaubensinhalte selbst konzentrierte, gab Haberer insofern recht, dass der Gedanke, es gäbe am Ende immer Gerechtigkeit, ein schöner sei. Aber es sei eben auch ein irrealer Wunsch. Und er erklärte, dass er die Vorstellung von ewigem Leben heute als Hybris ansieht, als der Wunsch so zu sein wie Gott. „Im Grunde ist es eine einzige Verdrängung des Todes. Aber wir sind sterblich und danach kommt nichts mehr. Mit diesem Gedanken müssen wir uns frühzeitig arrangieren“, erklärte er. Das sei vielleicht enttäuschend, aber gehöre zum Annehmen der Wirklichkeit.

Auch diese kontroverse Debatte wird voraussichtlich wieder als Video veröffentlicht werden können. Wer darüber informiert werden will, kann den Youtube-Kanal des Humanistischen Salons abonnieren oder der Reihe bei Facebook bzw. Twitter folgen, wo auch auf kommende Veranstaltungen hingewiesen wird.

Der nächste Humanistische Salon findet am 5. November um 11 Uhr im Nürnberger PARKS statt. Zu Gast ist dann Dr. Lars Jaeger mit dem Thema: „Wissenschaft und/oder Spiritualität? – Von der inneren Haltung bei der Gestaltung unserer Zukunft„. Wie gehabt mit ausgiebiger Möglichkeit zum Gespräch und gemütlichen Brunchen sowie dem musikalischen Rahmenprogramm von Claus Gebert.

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Kubitza und Haberer im Streitgespräch über die Grundlage von Religion

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Gruß Hubert

 

Veröffentlicht 17. Oktober 2017 von hubert wenzl in Religionskritik, Uncategorized

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Religion?   Leave a comment

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Einige meiner Ansicht nach sehr gute Erklärungen zu Religion von Richard Dawkins in einem Interview mit dem Spiegel. Dass sie einem Christen oder gar Fundamentalisten nicht gefallen ist mir schon klar. Aber ich bin nicht einer, der es allen recht machen möchte.

Aus Spiegel.de

Richard Dawkins„Religion? Die Wirklichkeit hat ihre eigene Magie“

Er gilt als einer der einflussreichsten Evolutionsbiologen der letzten Jahrzehnte. Vor allem aber macht Richard Dawkins mit vehementen Attacken gegen Kreationismus und fundamentalistische Religiösität von sich reden. Im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE erklärt er, warum er keinen Glauben braucht.

Skulptur von Damien Hirst: Ist Evolution eine Tatsache?

AFP

Skulptur von Damien Hirst: Ist Evolution eine Tatsache?

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SPIEGEL ONLINE: Professor Dawkins, Ihr letztes Buch „The Greatest Show on Earth – The Evidence for Evolution“ ist in Deutschland mit dem Titel „Die Schöpfungslüge – Warum Darwin Recht hat“ erschienen. Sind Sie damit glücklich?

Richard Dawkins: Nicht ganz, denn das scheint in eine negative Richtung zu deuten. Der englische Titel ist positiv besetzt. Er ist erbaulich, er soll die Schönheit des Lebens feiern und wie prächtig es ist, diese Schöpfung zu verstehen. Der deutsche Titel ist kritisch und klingt angreifend. Auch das findet sich durchaus im Buch, aber der Titel verschiebt den gesetzten Schwerpunkt.

SPIEGEL ONLINE: Welchen Schwerpunkt soll Ihr Buch denn haben?

Dawkins: Einen positiven. Eine fast romantische Sicht der Schöpfung als etwas Schönes und Erklärbares – als etwas, das schön ist, weil es erklärbar ist. Aber es ist auch der Versuch, Menschen von Irrtümern zu befreien. Vor allem in Amerika, aber auch in anderen Teilen der Welt, wo Menschen von fundamentalistischer Religiosität beeinflusst wurden zu glauben, dass das Leben als willentlich gestaltet erklärt werden könnte und sollte. Ich halte das für eine faule und nicht hilfreiche Erklärung, und obendrein für eine falsche.

SPIEGEL ONLINE: Hatten Sie selbst denn nie eine religiöse Phase in Ihrem Leben?

Dawkins: Aber sicher, ich war ja auch einmal ein Kind.

SPIEGEL ONLINE: Also halten Sie Religiosität für etwas, das wir mit dem Erwachsenwerden überwinden sollten?

Dawkins: Sie kennen sicher diese Worte des heiligen Paulus: Als ich ein Kind war, sprach ich wie ein Kind. Als ich ein Mann wurde, legte ich ab, was Kind an mir war.

SPIEGEL ONLINE: Der amerikanische Genetiker Dean Hamer hat die Hypothese aufgestellt, dass der Mensch ein Gott-Gen besitze, dass wir alle also eine Art Prädisposition zu religiösem Denken besäßen.

Dawkins: Ich würde es vorziehen, wenn wir sagten, dass wir eine Menge genetischer Prädispositionen für eine Menge psychologischer Eigenschaften besitzen, aus denen sich unter den entsprechenden Umständen Religiosität entwickeln kann. Ich denke da auch an Dinge wie eine Prädisposition, Autoritäten zu gehorchen, was unter gewissen Umständen sogar nützlich sein kann. Oder an die, sich vor dem Tod zu fürchten oder bei einer Eltern-Figur Schutz zu suchen, wenn man Angst hat. Das alles sind voneinander getrennte psychologische Prädispositionen, die einen Menschen unter den entsprechenden kulturellen Umständen in die Arme der Religion treiben, mit der man aufwächst. Ich würde das nicht Gott-Gen nennen.

SPIEGEL ONLINE: Hat sich Religion in einem evolutionären Sinn nicht als außergewöhnlich erfolgreich erwiesen?

Dawkins: Die Idee, dass konkurrierende menschliche Gesellschaften aus religiösen Memen Kraft gewonnen haben, ist in gewissem Maße wahr. Mich erinnert das aber eher daran, wie in Großbritannien das rote Eichhörnchen durch das Graue verdrängt wurde. Das hat nichts mit einem natürlichen Ausleseprozess zu tun, es ist eine ökologische Erbfolge, ein Verdrängungswettbewerb. Wenn also ein Stamm einen Kriegsgott verehrt, dessen junge Männer in dem Glauben erzogen werden, dass es ihre Bestimmung ist, hinaus zu ziehen, als Krieger zu kämpfen und dass ein Märtyrertod einen direkt in den Himmel bringt, dann sieht man da eine Menge machtvoller, sich gegenseitig verstärkender Meme am Werk. Wenn derweil der konkurrierende Stamm einen friedvollen Gott anbetet und daran glaubt, die andere Wange hinzuhalten, wäre es denkbar, dass sich das nicht durchsetzt.

SPIEGEL ONLINE: Aber einer Religion zu folgen, die die Überlebenschancen des Einzelnen nicht fördert, scheint evolutionärer Logik doch zu widersprechen …

Dawkins: Aber ja, es gibt ganz offensichtlich einen Konflikt zwischen dem Überleben von Memen und Genen. Aber wir kennen doch solche Konflikte, manchmal gewinnt das eine, manchmal das andere.

SPIEGEL ONLINE: Aber Religion hat auch eine sanfte Seite, sie spendet Trost. Sie selbst zitieren im Buch einen Bischof, um Ihre Argumentation zu stützen.

Dawkins: „The Greatest Show on Earth“ ist ein Buch gegen den Kreationismus. Deshalb habe ich nichts dagegen, den Schulterschluss mit einem Bischof zu suchen, der ebenfalls gegen Kreationismus ist – und zwar aus dem guten Grund, weil dieser seiner Religion den Ruf verdirbt. Ich habe nichts gegen zeitlich begrenzte Allianzen gegen gemeinsame Feinde.

SPIEGEL ONLINE: Dass ein Kreationist Ihr Buch liest und von der Evolutionslehre überzeugt wird, scheint schwer vorstellbar. Ihre Stammleserschaft aber braucht wohl kaum von der Evolutionslehre überzeugt zu werden. Für wen haben Sie dieses Buch eigentlich geschrieben?

Dawkins: Vor allem für Leute, die zwischen den Stühlen sitzen. Es soll um die Beweise für Evolution gehen. Ich glaube nicht ernsthaft daran, dass ich die Meinung fanatischer Fundamentalisten ändern könnte. Die würden so etwas eh nicht lesen. Aber ich gehe davon aus, dass es Tausende von Menschen gibt, die ehrlich interessiert sind. Leute, deren Meinung man nicht ändern, sondern die man nur ein wenig in eine Richtung bringen muss, weil sie bisher einfach nicht über diese Dinge nachgedacht haben.

SPIEGEL ONLINE: Fürchten Sie nicht, dass Sie die mit Ihrer mitunter kräftigen Ausdrucksweise verschrecken könnten?

Dawkins: Wo haben Sie denn eine kräftige Ausdrucksweise entdeckt?

SPIEGEL ONLINE: In Ihrem Buch nennen Sie Ihre Gegner „Holocaust-Leugner“, „ungebildet“, „lächerlich“ und „bis an Perversion grenzend verblendet“.

  Dawkins: Ich vermute vielmehr, dass das viele amüsieren wird. Wenn ich einen Autor lese, der irgendeinen Idioten verhöhnt, dann würde mich das amüsieren, nicht abschrecken. Es mag solche geben, die das abschreckt, und in Bezug auf diese Leser hätte ich in solchen Passagen des Buches versagt. Aber ich vermute, dass es mehr geben wird, die das unterhaltend finden.

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Religion?

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Richard Dawkins zu Religion und Gott (deutsch)

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Hans Zimmer_ Now we are free /The Horse Whisperer/ fanmade

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Ohne Religion… Jetzt bin ich frei.

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Gruß Hubert

Sexualität heute   Leave a comment

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Ich bin da bestimmt kein Experte, auch kein Sexualtherapeut. Mir fiel heute ein Dokument in die Hände, das ich vor langer Zeit mal abgespeichert hatte. Ich möchte den Beitrag nur als Denkanstoß sehen. Man weiß ja, dass Theorien entworfen und oft nach einigen Jahren wieder zurecht gerückt oder auch verworfen werden. Gerade auf dem Gebiet der Sexualität gibt es viele verschiedene Meinungen und Theorien. Was vor einigen Jahrzenten noch als krank galt, gilt heute normal. Es kommt im Text auch vor das Verhältnis zwischen Erotik und Religion vor. Da halte ich nicht viel davon, vor allem nicht in der christlichen Religion. Zu lust- und körperfeindlich war christliche Religion und Kirche über Jahrhunderte.

Es ist auch von einem Buch die Rede. Aber leider weiß ich den Buchtitel nicht mehr.

Hier aus meinem Dokument.

Heute ringen Frauen und Männer darum, ihre ursprünglichen und authentischen Bedürfnisse besser zu verstehen und sie besser als bisher aufeinander abzustimmen. Viele verändern ihre angelernte Einstellung zu Sinnlichkeit, Erotik und Sexualität, sie akzeptieren keine Abwertung der sinnlichen Lusterfahrung mehr zugunsten geistiger Genüsse. Die meisten Zeitgenossen bekommen in den Schulen und aus den Medien genügend Wissen über die biologischen und emotionalen Grundlagen unserer sexu- ellen Beziehungen. Freilich muss dieses theoretische Wissen durch praktische Lernmöglichkeiten ergänzt werden.

In der westlichen Gesellschaft erkennen wir heute aber zwei gegenläufige Trends, die kaum miteinander vereinbar sind. Zum einen erleben wir deutliche Lernprozesse in den sexuellen Beziehungen, eine Humanisierung dieser Beziehungen und eine erotische Lebenskultur. Viele Männer und Frauen gehen heute sensibler miteinander um, als ihre Vorfahren es taten. Sie ringen um Fairness in den Beziehungen, um Mitgefühl und Zärtlichkeit, um Hingebung an den Liebespartner und um eine Vertiefung der erotischen Kommunikation.

So werden alte Vorurteile und Ängste abgebaut und es werden neue Zielwerte verbreitet.
In weiten Teilen der Gesellschaft ist es gelungen, eine sinnliche und erotische Kultur der Lebensfreude zu verbreiten und zu leben. Gewiss sind viele Partnerbeziehungen dadurch fragiler und kurzlebiger geworden, denn beide Geschlechter haben die Erwartungen in ihrer Bedürfnisbefriedigung hoch hinaufgesetzt. Nicht wenige Partner überfordern sich auch gegenseitig, weil sie von nicht erreichbaren Idealvorstellungen ausgehen, die ihnen von den Medien vermittelt werden. Viele Menschen erleben dadurch häufige Trennungen und Scheidungen, obwohl sie nach dauerhaften Beziehungen streben. Doch die emotionale und erotische Sensibilität dürfte in der letzten Zeit deutlich zugenommen haben.

Gleichzeitig erleben wir auch den gegenläufigen Trend der Verrohung
und der Verwilderung in den sexuellen Beziehungen. Es gibt starke Gruppen in der Gesellschaft, welche für sexuelle Gewalt und harte Pornografie mit allen Mitteln der modernen Kommunikation werben. Gewiss sind dies oft seelisch und körperlich verletzte Personen, die sich für ihre Verletzungen an möglichst vielen Mitmenschen rächen wollen. Es sind vor allem Männer, die Sexualität mit Gewalt gegen Frauen und mit Erniedrigung des weiblichen Geschlechts verbinden. Es sind Organisationen, die mit Kinderschändung und mit dem Menschenhandel für die Prostitution von Frauen große Geschäfte machen.

So werden heute in vielen Medien tief gestörte sexuelle Beziehungen zwischen den Geschlechtern (sex and crime), die Ausnützung von Frauen und Kindern, sowie sado-masochistische Praktiken verbreitet. Erstaunlich ist dabei, dass so viele Personen, aber vor allem Männer, aus allen sozialen Schichten auf solche Angebote zurückgreifen und damit wieder zur Verrohung der sexuellen Beziehungen beitragen. Es könnte sein, dass durch den allgemeinen Arbeitsdruck die sexuelle Reizschwelle für beide Geschlechter permanent höher wird und dass deswegen viele Personen starke Reize durch Gewalt und Verletzung benötigen. Doch diesem negativen Trend kann vielleicht durch die Verbreitung einer erotischen Lebenskultur Einhalt geboten werden, das ist die Hoffnung dieses Buches.

Die zunehmende Verbindung von Sexualität mit Gewalt, vor allem gegen Frauen und Kinder, stört die Verbreitung einer zärtlichen und einfühlsamen Kultur der Geschlechterbeziehung. Viele Psychologen und Therapeuten arbeiten daran, die seelischen Verletzungen durch Gewalt und Überforderung zu verringern und partiell zu heilen. Aber viele der verletzten Personen entziehen sich jeder Therapie, sie geben ihre Verletzungen einfach an möglichst viele andere Personen weiter. Dabei riskieren sie sogar, mit den geltenden Gesetzen des Kinder- und Jugendschutzes in Konflikt zu geraten. Realistisch gesehen nimmt auch die Verwilderung und Verrohung der sexuellen Beziehungen in Teilen der Gesellschaft wieder zu.

Ohne Zweifel hat die christliche Religion mit ihrer asketischen und leibfeindlichen Sexualmoral nachhaltig zur Störung der sexuellen und erotischen Beziehungen beigetragen. Viele Prediger haben über viele Generationen tiefe Ängste vor der Sexualität und Abwertungen des menschlichen Körpers verbreitet. Diese tief sitzenden Ängste und negativen Vorurteile können nicht so schnell ausgeräumt werden. Es zeigt sich, dass selbst Atheisten diese leibfeindliche Einstellung noch lange Zeit teilen, auch wenn sie sich von alten Gottesbildern längst verabschiedet haben.

Das Buch plädiert mit starken Argumenten für die Fortsetzung der begonnenen Lernprozesse im Bereich unserer erotischen und sexuellen Beziehungen. Es hält eine neue Verbindung einer geläuterten Religion mit einer erotischen Lebenskultur für möglich und für wünschenswert. Denn es könnte sein, dass eine tiefe Spiritualität des Lebens sich als eine starke Gegenkraft gegen die Verrohung und Verwilderung unserer zwischenmenschlichen Beziehungen erweist. Dadurch bekommt die kreative Dynamik zwischen Religion und Erotik ganz neue Aktualität.
Im ersten Teil des Buches werden die biologischen Grundlagen der menschlichen Sexualität umfassend dargestellt, um auf diesen überhaupt ein moralisches und kulturelles Regelsystem aufbauen zu können. Der zweite Teil befasst sich mit den Konfliktfeldern zwischen den religiösen Überzeugungen und den sexuellen Bedürfnissen vieler Menschen. Im dritten bis fünften Teil werden Fragen der Sexualmoral vor allem aus weiblicher Sicht dargelegt.

14 F. Wuketits, Verdammt zur Unmoral?, München 1993, S. 102-119.
15 A. Grabner-Haider, Sexualität und Religion. Wien 2006, S. 87-99. Lintner, Den Eros entgiften, S. 96-114.   (ob diese Angaben stimmen kann ich leider nicht mehr garantieren, weil zu lange zurück liegend).

10 K. Loewit: Damit Beziehung gelingt. Graz 1998, S. 156-167.
11 Loewit, Damit Beziehung gelingt, S. 98-112.
12 Schubart, Religion und Eros, S. 99-113.
13 F. Wuketits: Warum uns das Böse fasziniert. Stuttgart 1995, S. 148-157.

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Dazu noch ein Lied von Georg Danzer, dem verstorbenen österreichischen Liedermacher.

GEORG DANZER – A alte Drecksau



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Gruß Hubert

 

Veröffentlicht 14. Juli 2017 von hubert wenzl in Sexualität, Uncategorized

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Die schwarzen Gesellen und die „Erbsünde“   Leave a comment

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Hey ihr schwarzen Gesellen, ihr Märchenerzähler und Unterdrücker, ich schulde euch und einem ebenso von euch erfundenen Gott einen Dreck – von wegen Erbsünde. Ist schon eine unerhörte Frechheit so etwas in die Welt zu setzen, ein Neugeborenes wäre schon mit Schuld und Sünde belastet. Das ist die frechste Sippenhaftung seit Menschengedenken, nicht mal in totalitären Systemen gibt es eine so weitreichende Sippenhaftung. Was soll mich das angehen was euer erfundener Adam und eure erfundene Eva vor Urzeiten getan hätten? Ob sie ……. oder nicht.
Aber es geht diesen schwarzen Gesellen darum, dass Menschen Schuldgefühle und ein schlechtes Gewissen haben, wenn sie das und jenes tun. Solche Menschen kann man leichter manipulieren, beherrschen und unterdrücken. Den Mensch zum Wurm machen ist ihr Ziel mit ihrem ewigen Gerede von der Sündhaftigkeit des Menschen. Der Mensch soll sich als Wurm im Dreck winden vor einem großen Gott.

Eine weitere unerhörte Anmaßung: der Papst gibt sich als Stellvertreter Jesu Christi und somit von Gott aus. Weitere Bezeichnungen sind Heiliger Vater, Pontifex Maximus sowie weitere Titel.

Erbsünde (lat. peccatum originale) ist ein Begriff der christlichen Theologie für einen Unheilszustand, der durch den (seit der Aufklärung häufig auch nur symbolisch verstandenen) Sündenfall Adams und Evas herbeigeführt worden sei und an dem seither jeder Mensch als Nachfahre dieser Ureltern teilhabe.

[…]
Die von Augustinus von Hippo formulierte Lehre von der Erbsünde ist zentral für das westliche Christentum. Ohne Freiheit kein Verdienst: Trotz der Erbsünde könne der Mensch sich zum Guten entscheiden, jedoch nur mit Hilfe der Gnade Gottes. Da der Mensch an die Zeit gebunden ist, ist Reue und Vergebung während der Lebenszeit möglich. Aus der Erbsünde als Mangelzustand ergibt sich die Notwendigkeit der Erlösung des Menschen, die durch die Menschwerdung (Inkarnation), Kreuzigung und Auferstehung Jesu Christi ermöglicht wurde.

(Anmerkung: und nach 3 Tagen wieder auferstanden. Was soll das bitte für ein Opfer sein? Und gebracht hat es gar nichts. Oder ist etwa dadurch die Menschheit besser geworden?)

[…]
Der zugrundeliegende lateinische Ausdruck peccatum originale (wörtlich ‚ursprüngliche Sünde‘, ‚Ursünde‘) umfasste in seiner Bedeutung sowohl die Sünde Adams und Evas infolge ihres Sündenfalls (lapsus Adami, peccatum primorum parentum, primum peccatum) als auch die dadurch entstandene Erbsünde der Menschheit allgemein. Zur begrifflichen Unterscheidung zwischen dem aktiv begangenen peccatum originale der ersten Eltern und dem nur passiv durch Abstammung aus leiblicher bzw. libidinöser Zeugung erworbenen peccatum originale ihrer Kinder und Nachfahren unterschied die Scholastik seit Alain de Lille zwischen dem (peccatum) originale active (Erbsünde ‚im aktiven Verständnis‘) und (peccatum) originale passive (‚im passiven Verständnis‘), seit Petrus von Tarantasia auch zwischen (peccatum) originale originans (‚erzeugend‘) und (peccatum) originale originatum (‚erzeugt‘). Beide Unterscheidungen wurden seither zum Gemeingut der theologischen Literatur und werden zu Begriffsklärungen auch in neuerer Zeit noch herangezogen.

https://de.wikipedia.org/wiki/Erbs%C3%BCnde

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Wir sind nicht hier auf der Welt um zu büßen und um Gnade vor einem erfundenen Gott zu betteln. Jede noch so kleine Freude möchten einem diese schwarzen Gesellen verleiden und verbieten. Eure hohe Zeit geht aber einem Ende entgegen. Und das ist gut so.

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Schert euch zu eurem erfundenen Teufel. Hmmm, eigentlich schade um die Zeit für so einen christlichen Quatsch.

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„Ich kann ohne das mindeste Zögern sagen, daß, wer behauptet, Religion habe nichts mit Politik zu tun, nicht weiß, was Religion bedeutet.“
Mahatma Gandhi

„Was soll nicht alles meine Sache sein! Vor allem die gute Sache, dann die Sache Gottes, die Sache der Menschheit, der Wahrheit, der Freiheit, der Humanität, der Gerechtigkeit; ferner die Sache meines Volkes, meines Fürsten, meines Vaterlandes; endlich gar die Sache des Geistes und tausend andere Sachen. Nur meine Sache soll niemals meine Sache sein. Pfui über den Egoisten, der nur an sich denkt.“

Max Stirner, Der Einzige und sein Eigentum

Der Mensch hat zwei Beine und zwei Überzeugungen: eine, wenn’s ihm gut geht und eine, wenn’s ihm schlecht geht. Die letzte heißt Religion.
Kurt Tucholsky

 

Leidet ein Mensch an einer Wahnvorstellung, nennt man es eine Krankheit. Leiden viele Menschen an einer Wahnvorstellung, nennt man es Religion.

Richard Dawkins

 

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Aber die sind noch schlimmer.

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Gruß Hubert

 

 

Veröffentlicht 19. Juni 2016 von hubert wenzl in Religionskritik, Uncategorized

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Flucht vor der Religion   Leave a comment

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Der Islam ist meines Wissens die einzige Religion bei der beim Abfallen vom Glauben (Apostasie) in einigen islamischen Ländern, wie zum Beispiel in Saudi-Arabien die Todesstrafe steht. Da fühlt man sich ins Mittelalter zurück versetzt. Um diesem Schicksal zu entgehen hilft nur die Flucht aus solchen Ländern. Es wird im Westen oft übersehen, dass es auch in islamischen Ländern Atheisten gibt. Sie müssen aber diese Überzeugung verstecken, oder eben flüchten wie Rana Ahmad Hamd.

 

© Charlotte Sophie Meyn – Nach ihrer Flucht aus Saudi-Arabien mit neuem Namen: Rana Ahmad Hamd in einer Gaststätte in Köln

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Rana Ahmad Hamd ist nach Deutschland geflohen – nicht vor Krieg oder aus Armut, sondern weil sie nicht mehr an Gott glaubt. Darauf steht in Saudi-Arabien die Todesstrafe.

Der Tag, an dem sich Rana Ahmad Hamds Leben für immer verändern wird, beginnt wie Hunderte von Tagen zuvor. Früh am Morgen fährt ihr Vater sie durch die Straßen der saudischen Hauptstadt Riad, zu ihrem Arbeitsplatz. Sie steigt aus, aber als sie das Auto aus den Augen verloren hat, tritt sie keinen neuen Tag im Sekretariat der Schule an. Stattdessen ruft sie sich über eine App auf ihrem Smartphone ein Taxi und lässt sich zum Flughafen fahren.

Ein paar Stunden später, gegen zwei Uhr nachmittags, tritt Hamd aus dem Gebäude des Flughafens Istanbul-Atatürk. Sie hat nichts dabei außer ihrem Laptop, ihren Papieren und zweihundert amerikanischen Dollar. Und dann macht sie etwas, wovon sie schon lange geträumt hat: Sie nimmt ihr Kopftuch ab, und ihre Abaya, den bodenlangen schwarzen Mantel, den Frauen in Saudi-Arabien tragen müssen.

„Zehn, fünfzehn Minuten stand ich einfach nur da und sah mich um. Ich sah zur Sonne, ich beobachtete die Autos, die vorbeifuhren, die Menschen um mich herum. Ich fragte mich, ob es ein Traum sei, ob mich jemand aufwecken würde, oder ob ich es wirklich geschafft hatte“, erzählt Hamd. Sie sitzt im Hof eines Restaurants, unweit des Flüchtlingsheims in Köln-Porz, wo sie inzwischen wohnt. Ihre Geschichte sprudelt aus ihr heraus in einem Englisch, aus dem man den arabischen Einschlag deutlich heraus hört, mit einem gerollten R und einem P, das eher wie ein B klingt.

Im syrischen Pass von Rana Ahmad Hamd, dreißig Jahre alt, Lippenpiercing, starke Schminke, lautes Lachen, steht ein anderer Name. Ein Name, den sie zusammen mit der Abaya abgelegt hat. Aus Sicherheitsgründen. Aber auch, weil es ein Name ist, der aus dem Koran stammt. Hamd glaubt nicht mehr an das, was darin steht. Und deshalb musste sie Saudi-Arabien verlassen. Eine Geschichte wie ihre ist dort nicht vorgesehen. Auf Abfall vom Glauben steht die Todesstrafe.

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Flüchtlinge - Rana Ahmad Hamd (pseudonym) erzählt von ihrer Flucht aus Syrien. Sie ist in Saudi-Arbabien geboren und aufgewachsen und jetzt zum Atheismus konvertiert.

Hamd mit Niqab – auf einem Foto, das sie vor ihrer Flucht selbst aufgenommen hat – © privat

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Die ersten 25 Jahre ihres Lebens weiß Hamd nicht, dass so etwas wie Atheismus überhaupt existiert. Jeder auf der Welt hat, so denkt sie, irgendeine Religion. Hamds Vater ist bereits zehn Jahre vor ihrer Geburt aus Syrien nach Saudi-Arabien gekommen, um dort als Bauleiter zu arbeiten. Nach ungefähr vier Jahren heiratet er während eines Aufenthalts in Syrien Hamds Mutter, und nimmt sie mit nach Riad. Hamd hat einen älteren und einen jüngeren Bruder und eine ältere Schwester. Sie seien eine ganz normale Familie gewesen, erzählt sie, der Liebling ihres Vaters sei sie gewesen. Als sie klein gewesen war, habe er ihr immer Kinderbücher mitgebracht.

Verlobungsfeier in Syrien

Hamd besucht eine normale staatliche Schule in Saudi-Arabien, eine Mädchenschule natürlich, Koedukation gibt es im Königreich nur an einigen internationalen Schulen. Mehr als ein Viertel aller Unterrichtsstunden ist der Religion gewidmet. Die Lehrer erzählen ihr, dass alle Nichtmuslime in die Hölle kämen. Dass es eine Pflicht sei, Christen und Juden zu hassen. Mit zehn Jahren muss sie eine Abaya tragen, mit dreizehn die Vollverschleierung. Bis sie volljährig ist, hat sie kein einziges Mal Kontakt mit einem Jungen oder Mann, mit dem sie nicht verwandt ist.

Mit 19 soll Hamd verheiratet werden, in Syrien findet sogar eine Verlobungsfeier statt, doch die Pläne zerschlagen sich,  weil der Bräutigam nicht nach Saudi-Arabien ziehen will und sie nicht nach Syrien.

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Evolutionstheorie als Erweckungserlebnis

Hamds Familie ist tiefreligiös. Hamd darf das Haus ohne Begleitung kaum verlassen. Da Frauen in Saudi-Arabien nicht Auto fahren dürfen, heuern viele von ihnen einen Chauffeur an, aber Hamds Familie besteht darauf, sie regelmäßig zur Arbeit und zurück zu fahren. Sie wollen nicht, dass sie alleine unterwegs ist.

An einem Tag im Jahr 2011 stöbert Hamd wieder einmal auf Twitter. Einer ihrer Kontakte, sieht sie, hat einen Tweet geteilt von jemandem, der sich „Arab Atheist“ nennt. Das Wort „Atheist“ hat Hamd noch nie gehört. Sie gibt es bei Google Translator ein. Als Definition steht dort: „Eine Person, die nicht an Gott oder Götter glaubt.“ Hamd ist schockiert. Aber sie will mehr erfahren.

Sie beginnt, Arab Atheist auf Twitter zu folgen, später mit ihm zu chatten. Er erklärt ihr seine Sicht der Welt, empfiehlt ihr Dokumentationen, zum Beispiel über die Evolutionstheorie, danach Bücher, arabische Übersetzungen von Richard Dawkins, Nietzsche, Voltaire, Darwin. Noch möchte sie sich bestätigen, dass sie das Richtige glaubt, dass die Wahrheit im Islam liegt. Aber je mehr sie liest, desto mehr  kommen ihr Zweifel.

Hamd erfährt von der Evolutionstheorie, vom Urknall, von Dingen, die nicht auf dem Lehrplan ihrer Schule standen. „Ich habe geweint, als ich herausgefunden habe, was ich alles nicht gelernt habe, was man mir vorenthalten hat“ sagt sie. Nach etwa einem Jahr stellt sie fest, dass sie nicht mehr glauben kann, weil sie zu viele Widersprüche im Koran sieht.

Das sei für sie wie ein Schock gewesen, sagt Hamd. Sie habe das Gefühl gehabt, zu viel Zeit ihres Lebens verschwendet zu haben, belogen worden zu sein. Sie fühlt sich allein und verlassen ohne das Gefühl, dass Gott ein Auge auf sie hat. „Der Islam ist nicht nur deine Religion. Es ist, als sei er auch deine Nationalität, als seist du Teil einer großen Familie“sagt sie. 

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Ihre Familie ahnt nichts

Ihre Familie ahnt von all dem nichts. Vor ihnen tut Hamd weiterhin so, als bete sie fünfmal am Tag, als habe sich nichts verändert. Nur im Internet kann sie schreiben, was sie wirklich denkt. Immer stärker vernetzt sie sich mit atheistischen Gruppen aus aller Welt, die zum Beispiel  Faith2Faithless, Ex-Muslims of North America, Atheist Republic heißen.

Aber sie erlaubt sich kleine Fluchten im Alltag. Sie entscheidet sich, an ihrem Arbeitsplatz den verhassten Gesichtsschleier abzulegen und sich zu schminken. Ihre Eltern akzeptieren das, aber als ihr älterer Bruder es herausfindet, wird er wütend. Er vermutet, dass sie sich heimlich mit Männern trifft. In einer Tasche in ihrem Zimmer versteckt er ein Abhörgerät. Als Hamd mit einem Freund telefoniert, dabei lacht und herumalbert, fühlt er sich in seinem Verdacht bestätigt, stürmt in ihr Zimmer und drischt auf sie ein, bis sie zu Boden geht. Er wolle sie umbringen, ruft er dabei. Hamds Vater hört ihre Hilfeschreie und geht dazwischen. Nach diesem Vorfall aber wird sie noch unglücklicher, will nicht mehr leben und schneidet sich kurz darauf die Pulsadern auf. Ihr Vater findet sie rechtzeitig und bringt sie ins Krankenhaus, wo ihr das Leben gerettet wird.

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Hamd bleibt nur die Flucht in die Türkei, in ein Land, für das sie kein Visum braucht. Eigentlich dürfen Frauen das Land ohne Erlaubnis ihres Vormunds nicht verlassen. Aber Hamd hat Glück. Da sie Ausländerin und berufstätig ist, ist ihr Arbeitgeber, nicht ihr Vater, verantwortlich. Ihr Vorgesetzter in der Förderschule glaubt ihr die Geschichte vom Familienurlaub, die sie erzählt, und unterschreibt das Formular, mit dem sie ein Ausreisevisum bekommt.

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Mit anderen Atheisten vernetzt

Nun zahlt es sich aus, dass Hamd online gut mit Atheisten aus aller Welt vernetzt ist: Armin Navabi, der Gründer der Online-Community „Atheist Republic“, stellt eine Crowdfundingseite für sie ins Netz. Damit sammelt der Exiliraner, der in Kanada lebt, Spenden, die Hamds weiteren Weg finanzieren sollen, und schickt ihr das Geld per Western Union. Insgesamt fünf Monate verbringt sie in Izmir, versucht mehrmals, ein Schengenvisum zu bekommen, doch vergebens. Schließlich entscheidet sie sich, illegal in die EU zu reisen. Der erste Versuch schlägt fehl, weil die Polizei auftaucht, bevor das Boot ablegen kann; Hamd muss fliehen. Ihre neunhundert Dollar bekommt Hamd aber nicht zurück. Das zweite Mal erscheint der Schlepper gar nicht erst. Das dritte Mal klappt es endlich. Als Hamd schließlich griechischen Boden betritt, bricht sie zusammen. Die herbeigerufene Ärzte hätten einen Schock diagnostiziert, erzählt sie.

Von Griechenland reist Hamd weiter über Mazedonien, Serbien, Ungarn, die Slowakei, Österreich, bleibt immer eine Zeitlang in Flüchtlingscamps entlang der Strecke, bis sie im November 2015 Deutschland erreicht. Auf dem Weg trifft sie das erste Mal in ihrem Leben einen israelischen Juden, also einen Angehörigen derjenigen Gruppe, von der sie in der Schule gelernt hat, sie seien für alles Böse auf der Welt verantwortlich. Der Arzt, der für die UN arbeitet, ist ihr sofort sympathisch. Zusammen machen sie ein Erinnerungsfoto. Eigentlich will Hamd nach Schweden, aber dafür reicht das Geld nicht mehr, und sie ist reisemüde geworden. Und sie hat gehört, dass Deutschland ein gutes Bildungssystem hat.

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Kampf gegen Stereotype

„Ich hasse Muslime nicht“, sagt Hamd. „Ich habe auch sehr gute muslimische Freunde, die mich so akzeptieren, wie ich bin.“ Sie möchte nicht, dass ihre Geschichte instrumentalisiert werde, um Hass auf Migranten zu schüren. „Was ich hasse, das ist, dass uns die Rechte im Namen der Religion genommen werden, vor allem den Frauen. Religion sollte uns Frieden bringen und nicht Regeln auferlegen.“ Und: Es scheint ihr, dass viele Deutsche Araber automatisch mit Muslimen gleichsetzen. Das frustriert sie. „Ich möchte das Stereotyp aufbrechen, dass arabische Frauen alle Muslimas sind und sich verschleiern. Es gibt arabische Atheistinnen.“

In einem Video auf YouTube schlägt Hamd allerdings deutlich markigere Töne an, prophezeit eine „gesellschaftliche Katastrophe“ in Deutschland, da die meisten Neuankömmlinge „geistig im Mittelalter leben“ würden und das Land „vernahöstlichen“ wollten, spricht davon,  dass das „Asylrecht im Dienste einer Völkerwanderung missbraucht wird.“

Als Hamd dieses Video dreht, ist sie kaum vier Monate in Deutschland. Dass sie mit ihren Aussagen Applaus von der falschen Seite bekommen könnte, von denen, die auf Frauen und Kinder schießen wollen, von denen, die lieber Flüchtlingsheime anzünden, als humanistische Religionskritik zu betreiben, von denen, die ein Weltbild pflegen, das sich von dem fundamentalistischer Muslime nur unwesentlich unterscheidet, das versteht sie erst allmählich. Als sie die gleiche Rede später noch einmal vor einem anderen Publikum hält, lässt sie einige Passagen weg und schwächt andere deutlich ab.

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Deutschland als gelobtes Land?

Sie sagt, sie sei erstaunt, dass Nichtreligiöse in Deutschland sich nicht in großem Stil organisieren. Dass die meisten von ihnen es schlicht und einfach nicht für nötig halten in einem Land, in dem Gleichgültigkeit gegenüber der Religion in vielen Milieus zur Norm geworden ist, das versteht sie erst ansatzweise.

Man hat den Eindruck, dass Deutschland für Hamd das gelobte Land ist, in das sie all ihre Wünsche und Träume hineinprojiziert hat. Langsam verflüchtigt sich die Illusion. Sie habe kaum glauben können, sagt Hamd, dass es auch hier in staatlichen Schulen Religionsunterricht gebe. Kinder, so meint sie, sollten von allem Religiösen verschont bleiben, so dass sie als Erwachsene selbst entscheiden können, ob und was sie glauben.

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Bald wird Hamd die Unterkunft verlassen. Die religionskritische Giordano-Bruno-Stiftung hat ihr geholfen, eine Wohnung zu finden. Jetzt wartet Hamd nur noch darauf, dass das  Sozialamt zustimmt. Und dass sie endlich einen Termin für ihre Anhörung bekommt; noch weiß sie nicht, ob ihr Asyl gewährt wird.

Ihre Tage verbringt sie vor allem damit, zu lesen. Immer wieder fährt sie in die Zentralbibliothek am Neumarkt. „Dort ist es ruhig, ich fühle mich zuhause und bin glücklich.“ Wenn das Wetter schön ist, setzt sie sich manchmal auch in einen nahegelegenen Park. Momentan arbeitet sie sich durch ein Buch über Algebra. Denn Hamd träumt von einem Studium, Physik vielleicht oder Nukleartechnik.

„Ich suche immer noch nach Antworten. Darauf, was nach unserem Tod passiert, darauf, wie das Universum entstanden ist und wie es enden wird. Ich will Antworten auf die Fragen, warum wir hier sind, warum die Luft, die Sonne, so sind wie sie sind. Aber ich weiß jetzt, dass diese Antworten nicht aus heiligen Büchern kommen, sondern aus der Wissenschaft.“

Von Charlotte Sophie Meyn

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Flucht vor der Religion

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Gruß Hubert

 

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Hier ein guter Kommentar aus der PRESSE (österr. Tageszeitung). Vorausgeschickt: es darf auch über religiöse Inhalte gelacht werden. Über solchen abergläubischen Irrsinn zu lachen kann auch erleichternd sein.  Man kann nur sagen „zum Glück“, wenn ein geplanter Selbstmordanschlag missglückt und nur der Attentäter getötet wurde. Und 72 Jungfrauen warten ganz sicher nicht auf ihn. Es ist den Religionen vorbehalten solche und ähnliche schwachsinnige Behauptungen unter ihren Gläubigen zu verbreiten. Aber selbst schuld, wenn man den Kopf nicht zum denken benutzt und es vorzieht blind zu glauben. Die religiösen Führer profitieren jedenfalls davon.

 

Der lächerliche Jihad

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Symbolbild Jihad

Symbolbild Jihad / Bild: REUTERS 
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Und was ist jetzt mit den versprochenen 72 Jungfrauen, kriegt er sie, oder kriegt er sie nicht?

Und was ist jetzt mit den versprochenen 72 Jungfrauen, kriegt er sie, oder kriegt er sie nicht? Diese böse Scherzfrage – den Attentäter betreffend, der sich in einem somalischen Passagierflugzeug selbst in die Luft gesprengt hat – kursiert derzeit wohl nicht nur ein Mal in den sozialen Medien.

Bevor noch jemand fragt, ob Lachen über einen vermutlichen Jihadisten nicht geschmacklos sei oder eine religiöse Minderheit kränken könnte, sei hier behauptet: Ja, man darf sich, soll sich sogar über Dummheit und Gemeinheit lustig machen, auch wenn sie sich auf religiöse Inhalte berufen.

Man darf, man soll es sogar offensiv lächerlich finden, wenn Mörder glauben, sie würden für ihre Verbrechen im Paradies mit ihnen zur Verfügung gestellten Jungfrauen belohnt, denen Schriftgelehrte u. a. volle Brüste und zurückhaltenden Blick attestieren. (Vielleicht bekommt der ungeschickte Möchtegernattentäter jetzt zur Strafe welche zugeteilt, die ihn frech anschauen? Oder warten im Paradies gar, wie alternative Exegeten glauben, nur 72 Weintrauben?) Über solchen abergläubischen Irrsinn zu lachen kann auch erleichternd sein, es kann uns kurz von der Anspannung befreien, die die Jihadisten uns aufzwingen.

Genauso wie es erleichternd ist, dass der Anschlag diesmal gescheitert und vom geplanten Mord nur ein Selbstmord übrig geblieben ist. Gott sei Dank. Atheisten und Agnostiker dürfen formulieren: Zum Glück. Und Moslems sagen (hoffentlich): Allah sei Dank.

07.02.2016   (Die Presse)

thomas.kramar@diepresse.com

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Der lächerliche Jihad

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Gruß Hubert