Archiv für das Schlagwort ‘Röntgenstrahlen als Therapie für Jähzorn

Die Schreckensherrschaft der Innsbrucker Kinderpsychiaterin Maria Nowak-Vogl – Teil 2   4 comments

.

Ein Leben in ständiger Angst

Die Betroffenen erlebten Maria Nowak-Vogl auf der Kinderbeobachtungsstation in Innsbruck als ungerührten und kalten, ebenso lieb- und gefühllosen wie angsteinflößenden Menschen, der sie verachtete und verächtlich machte, einmal kühl strafend, dann wieder hysterisch schreiend, bisweilen als Zuchtmeisterin, die auch vor körperlicher Gewalt nicht zurückschreckte.

Kinderbeobachtungsstation Maria Nowak-Vogl

.

.

http://www.heimerziehung.at/kinder-und-jugendpsychiatrie/einstiegsvideo

 

.

 […] Die Pädagogen  und  die  Mediziner  haben  die  Onanie  wie  eine  Epidemie  bekämpft.  […]  Man hat unerschöpfliche, korrigierende Diskurse durchgesetzt […] den Verdacht erweckt, alle Kinder seien schuldig. […]. Man hat sie zu ständiger Wachsamkeit vor dieser wiederkehrenden Gefahr gerufen.

Maria  Nowak-Vogl  hat  eine  Extremposition  in  dieser  von  Michel  FOUCAULT  beschriebenen Kontrollfunktion von Pädagogik und Medizin vertreten, die vor allem im Kontext ihres Lebens- und Arbeitsumfeldes gedeutet werden kann:

In den 1950er Jahren waren Tiroler Schulen Stätten katholischer Restauration. […] [sie
waren] Orte konservativen Geistes und klerikal induzierter Neo-Traditionalität. […] Skeptische Kritik und Aufklärung, speziell im ethischen Bereich, waren absolut tabuisiert. […]
Nicht zu reden davon, dass das Thema Sexualität mit der höchsten Geheimhaltungsstufe belegt war. […] [M]an war seinerzeit im erzkatholischen Tirol der Meinung, gefährlichen Liberalismen gleich in den Anfängen wehren zu müssen und die Sexualität barg damals wie heute die Dimension der Subversivität in sich.

 

Vor diesem Hintergrund wurde es zu einem zentralen Anliegen von Maria Nowak-Vogl,
das medizinisch-pädagogische Inventar zur Kontrolle des sexuellen Verhaltens um eine
medikamentöse Strategie zu erweitern – die „Therapie“ mit Epiphysan.

https://www.i-med.ac.at/pr/presse/2013/Bericht-Medizin-Historische-ExpertInnenkommission_2013.pdf

 

„Kreuzzug gegen Onanie“

 

Die Verantwortung sei in erster Linie bei der bereits verstorbenen Psychiaterin Maria Nowak-Vogel, der langjährigen Leiterin der Innsbrucker Kinderpsychiatrie, gelegen. Sie sei geprägt gewesen durch strengen Katholizismus und Nationalsozialismus und habe in dieser Tradition auch behandelt. So habe sie einen „Kreuzzug gegen Onanie“ geführt und Heimkinder auch mit Röntgenstrahlen behandelt, berichtet Schreiber: „Nowak-Vogl beschreibt selbst den Fall eines Fünfjährigen, den sie mit einer Serie von Röntgenstrahlen behandelt hat wegen des Jähzorns, den er an den Tag legte.“ Die Psychiaterin und Pädagogin, die bis 1987 Leiterin der Kinderpsychiatrie Innsbruck war, sei „eine der Schlüsselfiguren mit ihren Gutachten und Diagnosen“ gewesen, um Kinder in Heimen unterzubringen. „Sie äußert auch sehr oft die Frage, ob diese Kinder jemals vollwertige Menschen werden können“, erklärt Schreiber. Erniedrigende Bestrafungen, etwa von Bettnässern, seien in der Kinderpsychiatrie an der Tagesordnung gewesen. „Ansichten waren Mainstream“ Für Hartmann Hinterhuber, bis vor kurzem Chef der Psychiatrie in Tirol, sei die angebliche Anwendung von Röntgenstrahlen völlig unverständlich, berichtet Ö1.

Er bedaure die aus heutiger Sicht indiskutablen Ansichten Nowak-Vogels, aber sie seien zur damaligen Zeit „Mainstream“ gewesen. Schließlich sei Nowak-Vogl 1972 von der geisteswissenschaftlichen Fakultät zur außerordentlichen Professorin ernannt worden. (Anmerkung: ich bezweifle, dass solche Ansichten und Methoden selbst vor 30 – 40 Jahre „Mainstream“ waren).

„Die ‚Aus den Augen – aus dem Sinn‘-Praxis der scheinheiligen Tiroler Politik bis in die 1970er Jahre im Umgang mit Heimkindern bekommt eine weitere traurige Dimension“, sagte SP-Sozialsprecherin Gabi Schiessling gegenüber der APA. Das Land Tirol habe durch die begonnene Aufarbeitung seine Verantwortung wahr genommen, so die Landtagsabgeordnete. (red, derStandard.at, 8.2.2012)

Ö1-Morgenjournal ORF-Journalisten berichteten bereits vor über dreißig Jahren über die Strukturen der Heimerziehung in Tirol. Das Video stammt aus einem Beitrag der Sendung „Teleobektiv“ aus dem Jahr 1980.

 

There’s no place like home – Dr. Nowak-Vogl in ‚Teleobjektiv‘ – ORF 1980

.

.

http://derstandard.at/1328507185183/Kindesmisshandlung-Heimkinder-in-Tirol-mit-Roentgenstrahlen-behandelt

 

Die schlimmsten Heime in Österreich

Hans Weiss behandelt in seinem Untersuchungsbericht „Tatort Kinderheim“ 135 (80 weltliche und 55 geistliche) Einrichtungen und nennt als die zehn schlimmsten Heime:

Martinsbühel (Tirol)
St. Martin (Tirol)
Bubenburg in Fügen (Tirol)
Wimmersdorf (Niederösterreich)
Rohrbach (Niederösterreich)
Gleink (Oberösterreich)
Heim der Stadt Wien, Schloss Wilhelminenberg (Wien)
Kaiser-Ebersdorf (Wien) samt Filiale in Kirchberg
Kinderbeobachtungsstation von Dr. Nowak-Vogl (Tirol)
Caritas-Kinderdorf St. Anton in Bruck (Salzburg)

.
https://de.wikipedia.org/wiki/Heimerziehung_in_%C3%96sterreich

.

Nowak-Vogl-M_Hötting-1

 

Nowak-Vogl-M_Hötting-2

.

http://www.heimerziehung.at/images/Novak-Vogl__Wo_bleibt_die_Entscha__digung.pdf

.

Gruß Hubert