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Du und ich   Leave a comment

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38879181 – young pig on a spring green grass

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Abends brennt ein Licht für dich.
Ich weiß, was diese Nacht für dich bedeutet.
Sie wird kurz sein, deine Nacht, und doch
so lange und qualvoll, wie keine zuvor.
Wenn ich die Kerze für dich anzünde,
bist du schon auf dem Weg zu jenem dunklen Ort,
an dem der Tod mit seinen blutigen Händen wartet.
Wenn dein schaukelndes Gefängnis zum Stehen kommt,
wirst du es ahnen.
Und wenn dich die barschen Rufe und Stöcke aus ihm heraustreiben,
wirst du es fühlend wissen.

Ich streichle meinen Hund und denke an dich.
Bist du schon in jenem Raum,
den sie Ruheraum nennen?
Zusammengepfercht mit den anderen,
die du nicht kennst, aber mit denen du das gleiche Schicksal teilst.
Wer hat dich je gestreichelt?
Ein liebevolles Wort gesagt?
Wer hat das Wunder des Lebens in dir gesehen?
Jenes Wunder, das sich auch jetzt noch in
in deinen angsterfüllten Augen spiegelt.
An einem Ort, an dem der Tod dieses Wunder tausendfach entreißt.

Was, wenn es mein letzter Tag wäre?
Ich könnte noch einmal über die Wiesen laufen
und die Schönheit dieser Erde bewundern.
Ich könnte dankbar auf mein Leben zurückblicken –
aber du …?
Worauf blickst du zurück?
Wofür könntest du dankbar sein?
Für ein Leben voller Qual, Enge und Langeweile?
Ein kurzes Leben, das keines war?
Von dem du nur eine flüchtige Ahnung hattest,
als der Wind den verheißungsvollen Duft
von Freiheit durch die kleinen Öffnungen jenes Gefährts trug,
das dich deinem besiegelten Schicksal entgegenfuhr.

Du und ich …
wir sind nicht so verschieden.
Der Wunsch nach einem glücklichen Leben
und dieser Lebensfunke, der allen Wesen innewohnt,
ist das unsichtbare Band, welches uns verbindet.
Nur unsere Form ist eine andere, unsere Ausdrucksweise,
unsere Sprache, unsere Vorlieben und Abneigungen.
Und der Verstand, dessen sich die Menschen so gerne rühmen
– mit dem sie trennen, unterscheiden, verurteilen
und richten.

Auch dich, der du zum Tode verurteilt bist,
weil du anders bist und aussiehst, als sie.
Deine Richter haben die Waffen geschmiedet
und den Teufel erfunden,
und verstehen dabei noch immer nicht,
dass sie die Hölle auf Erden erschaffen.
Kein Gott oder Teufel ist für irgendetwas verantwortlich.

Was kann ich anderes tun, als dir einen schnellen und gnädigen Tod zu wünschen,
und dir zu sagen, dass es Menschen gibt, denen du nicht gleichgültig bist?
Die sich für dich einsetzen und versuchen, andere davon zu überzeugen,
dass jedes Leben kostbar ist, auch das deine.
In Gedanken schicke ich dir ein Licht der Liebe,
und ein Regenbogenherz, das für dich leuchtet und deine Angst lindert.
Doch ich weiß, es ist nur ein verzweifelter und und kindlicher Wunsch,
dass es dich auf deinem dunklen Weg erreicht.
Es ist spät in der Nacht, bevor ich mich schlafen lege,
und ich denke für heute ein letztes Mal an dich.
Du und ich …
Ich darf weiterleben, weil ich ein „Mensch“ bin.
Das ist nicht gerecht.
Denn dich und mich eint das Band des Lebens.

In Gedenken an die getöteten Schweine im Münchner Schlachthof, denen ihr Leben tief in der Nacht entrissen wird. Während München schläft, findet an diesem Ort, mitten in der Stadt, ein unsagbares Grauen statt.
R.I.P all ihr unschuldigen Seelen.

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Von Daniela Böhm

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Du und ich

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Gruß Hubert

 

 

Veröffentlicht 21. Mai 2019 von hubert wenzl in Tierrechte, Tierschutz, Uncategorized

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„Wie reagieren Tiere, die in den Schlachthof gebracht werden?   2 comments

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Ich kann mir leicht vorstellen welche Ängste Tiere haben, die in den Schlachthof gebracht werden. Wenn auch nicht so facettenreich, wie hier von einer Tierärztin beschrieben.

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Textquelle: Nicole Tschierse (Tierärztin)

Bisher habe ich noch nicht ein Schwein oder Rind gesehen, das gleichgültig oder ruhig gewesen wäre, als es angeliefert wurde.
Sie haben Angst. Alle.

Bei sehr jungen Schweinen kann es vorkommen, dass sie nach einer gewissen anfänglichen Furchtsamkeit anfangen, herumzutollen. Vielleicht, weil sie zum ersten Mal in ihrem Leben etwas Platz dazu haben, wenn sie in einer etwas größeren Wartebucht landen.

Die Tiere haben zu diesem Zeitpunkt einen mehr oder weniger langen, sicher nicht komfortablen Transport hinter sich. Davor waren sie einige Zeit, viele ihr ganzes bisheriges Leben, etliche mehrere Jahre lang, meist stark bewegungseingeschränkt am selben Ort.

Bei der Anlieferung am Schlachthof kommen sie in eine fremde Umgebung mit fremden Tieren, Menschen, Geräuschen und Gerüchen.
Genauer gesagt: Während des Schlachtens herrscht ein ohrenbetäubender Lärm, allein schon durch die Maschinen. Dazu kommt noch das Gebrüll der Arbeiter und Tiere.

Es riecht nach Blut, vor allem aber nach Exkrementen, Darmgasen und dem Rest der stinkenden Eingeweide, die zum Teil trotz Kühlung in Verwesung übergegangen sind und auf die Abholung durch den Lastwagen der Tierkörperverwertung warten.
Der Inhalt dieser Lastwagen verbreitet einen unvorstellbaren Gestank. Aus diesem entsteht dann Tierfutter oder, im weiteren Verlauf der Verarbeitung, Seife und andere Dinge, die man sich kaum vorstellen kann und will.

Die Tiere verbringen nach der Anlieferung einige Stunden, bei Anlieferung am Wochenende auch bis zu zwei Tage, in Wartebuchten. Manche beruhigen sich dabei etwas, anderen beschert es nur ein umso längeres Martyrium, wenn sie bereits krank oder verletzt sind oder von anderen Tieren in der Gruppe bedrängt oder verletzt, gemobbt werden.

Ich nenne es absichtlich „gemobbt“ und vermenschliche damit. Das werde ich auch im weiteren Verlauf tun. Ich kann das, was ich sehe und erlebe nur aus menschlicher Sicht schildern, beurteilen und vielleicht verstehen. Ich bin nunmal ein Mensch.
Möglicherweise werde ich dem Wesen und Empfinden einer anderen Art so manchmal bei Weitem nicht gerecht, dafür entschuldige ich mich.
Aber es gibt sehr viele Gemeinsamkeiten im menschlichen und tierischen Verhalten. Ähnliche Situationen führen zu ähnlichen Reaktionen. Stress, der nicht nur durch Angst, sondern auch durch Enge, Langeweile und fortdauernde Triebblockade entsteht, führt zu Aggression. Aggressives Verhalten Einzelner findet unter schlechten und unnatürlichen Bedingungen schnell Nachahmer und Unterstützer.In der drangvollen und lebensfeindlichen Enge einer Massentierhaltung spielt sich das ähnlich ab, wie es auch in einem Großraumbüro ablaufen mag. Unter Todesangst verschärft sich dieses Problem. Die angelieferten Schweine haben regelmäßig schwärende, eiternde Wunden an Schwanz, Ohren und Beinen. Während des Wartens im Schlachthof, passiert es dann durchaus, dass einzelne Tiere totgebissen werden. Die schwachen Herzen in den züchterisch bedingt krankhaft muskelüberladenen Körpern tun ein Übriges dazu.
Es sieht aus wie Mobbing, es wirkt sich aus wie Mobbing:
Ich nenne es Mobbing

Streß und Angst führen bei einem Rind, genau wie beim Menschen, zu erhöhtem Puls, schnellerer Atmung und ganz allgemein zu unruhigem bis panikartigem Verhalten.
Es sieht aus wie Angst, es wirkt sich aus wie Angst: ich nenne es Angst..

Wenn Sie den Eindruck haben, eine von Ihnen verschiedene Lebensform hat Schmerzen und leidet, dann gehen Sie besser auch davon aus, dass es so ist. Sie können nicht das Gegenteil beweisen, oder? Ganz im Gegenteil findet die Wissenschaft immer mehr Beweise dafür, dass es genauso ist. Wir wären gerne völlig anders und einzigartig. Wir sind aber Gleiches unter Gleichem, auch wenn diese Erkenntnis noch unpopulär sein mag, wie seinerzeit die Entdeckung, dass die Welt keine Scheibe ist.

Stellen Sie sich bitte nicht vor, ich stünde mit Stift und Block und wissenschaftlicher Neugier neben den todgeweihten Tieren, um mir Notizen über deren Verhalten zu machen. Was ich beschreibe nehme ich eher „im Vorbeigehen“ wahr, nehme es zur Kenntnis, verdränge, ignoriere oder lasse mich davon berühren.

Niemand kann an so einem Ort dauerhaft empathisch „ auf Vollempfang“ sein. Man wäre schnell ein psychisches Wrack .
Trotzdem bleiben die Bilder, die ich gesehen habe in mir: Abgespeichert und abrufbar.

Der Facettenreichtum der Angst

Ich möchte in erster Linie über die Rinder sprechen, weil die zu beobachtende Verhaltensvielfalt aus einem einfachen Grund größer ist. Während der Großteil der Schweine am Schlachthof ziemlich genau ein halbes Jahr alt ist, gibt es beim Rind vom Kalb bis zum zehnjährigen Zuchttier alle Altersgruppen gleichmäßig verteilt. Eine Gruppe gleichalter Teenager zeigt in einer Ausnahmesituation eher nicht die ganze Bandbreite möglichen Verhaltens. Außerdem kommen die Schweine praktisch alle aus reiner Stallhaltung, während Rinder aus verschiedenen Haltungsarten angeliefert werden.
Manche stammen aus reiner Anbindehaltung und haben, genau wie die Schweine, nie einen Schritt in Freiheit gemacht. Sie wissen nichts über die Welt draussen, sind dafür aber Profis im Ertragen von Menschen. Andere waren auch oder ausschließlich auf der Weide und dort vielleicht mehr oder weniger auf sich selbst gestellt. Sie hatten bisher wenig Kontakt mit Menschen.
Abhängig von den Erfahrungen, die sie gemacht haben, gehen sie mit sehr unterschiedlichem Selbstbewußtsein an die neue Situation heran, was ich im Folgenden etwas genauer beschreiben möchte.

Angstvolles Staunen

Wie in Trance gehen diese Tiere mit weit aufgerissenen Augen ihren letzten Weg. Sie versuchen zu verstehen, was sie da gerade sehen und starren ganz offen auf die Schreckensszenarien vor ihnen.
Ungläubig und fassungslos wirken die Gesichter dieser Tiere auf mich.

Zurückschreckende Angst

Diese Tiere werfen nur einen kurzen Blick auf das, was sich vor ihnen abspielt und weichen dann entsetzt zurück. Sie sehen sich in alle Richtungen um auf der Suche nach einem Ausweg. Ein halbherziger, unsicherer Fluchtgedanke ist es aber nur, der aus diesen Gesichtern spricht. Der Gedanke an eine Flucht erstickt gleich wieder im Keim.

Panische Angst

Tiere, die von Panik ergriffen werden, versuchen oft um jeden Preis zu fliehen. Sie drehen sich in den schmalen Treibgängen, die gerade nur die Breite eines Rindes haben und machen dabei halbe Purzelbäume. Sie gehen praktisch die Wände hoch, wagen undenkbare Sprünge und Verrenkungen und verletzen sich oder andere Tiere im Gang dabei manchmal erheblich. Oft handelt es sich dabei um Tiere von der Weide, die mit der drangvollen Enge und der Nähe zu fremden Menschen überhaupt nicht umgehen können, sich aber der Möglichkeiten ihres Körpers bewußt sind.

Lähmende Angst

Stumm und bewegungslos starren diese Tiere vor sich hin und wirken wie gefroren in Schockstarre. Sie trauen sich keinen Schritt weiter zugehen, weder vor noch zurück. Als hätten sie sich in sich selbst verschlossen, scheinen sie nichts mehr wahrzunehmen. Sie zeigen auf fast nichts mehr eine Reaktion. Tiere, die ihr Leben in Anbindehaltung verbracht haben, sind zum Teil schon allein körperlich mit jedem Schritt, den sie jetzt gehen sollen, überfordert. Der Gedanke an Flucht oder Kampf scheint ihnen gar nicht zu kommen. Sie kennen die Möglichkeiten ihres eigenen Körpers nicht. Diese Tiere bekommen am meisten Schläge und Stromstöße auf ihrem letzten Weg. Ohne Beaufsichtigung und Maßregelung greifen einige beteiligte Arbeiter aus Ungeduld oder Ratlosigkeit zu Maßnahmen, die weit jenseits der Tierschutzregelungen liegen.

Abwehrbereite Angst

Oft sind es weibliche und erfahrene Tiere von der Weide, die sich den Kampf zutrauen. Ausbruchversuche bereits beim Abladen und gezielte Tritte und Kopfstöße gegen Menschen sind auch gelegentlich von kurzzeitigem Erfolg. Manchmal müssen solche Tiere nach einer erfolgreichen Flucht vom Anhänger, im Hof des Schlachtbetriebes erschossen werden, weil sich keiner mehr nähern kann. Sie sind bisweilen zu clever, um sich noch einmal in die Enge treiben zu lassen.
Von solchen Tieren hört man gelegentlich in den Nachrichten, weil es vielleicht sogar spektakuläre Verfolgungsszenen gab.
Wer einem solchen Tier das Leben schenkt, es „von seinem Schicksal begnadigt“, darf nicht unbedingt damit rechnen, jetzt eine „Schmusekuh“ zu haben..
So ein Verhalten ist mir übrigens bisher nie bei den halbjährigen Mastschweinen begegnet. Teilweise versuchen sie zwar panisch vor sich nähernden Menschen zu fliehen, meistens jedoch sind sie neugierig und freundlich. Vielleicht auch hungrig und aufdringlich, aber nicht angriffslustig. Ausnahmen mögen die Regel bestätigen, was ich beschreibe hat zumindest seine Gültigkeit für die rund zweihundert Schweine jede Woche, die ich seit circa fünf Jahren zu sehen bekomme. Erwachsene Zuchtsauen haben aber unter Umständen ein breiteres Verhaltensspektrum.

Verzagte Angst

Diese Tiere schlottern und zittern bis ins Mark. Zum Teil fließen ihnen Tränen aus den Augen und Speichel tropft ihnen in Strömen aus dem Maul. Schwache Tiere brechen womöglich zusammen. Ich habe vor allem Kälber und ältere Tiere so gesehen. Die Kälber haben noch keine körperlichen und psychischen Notfallreserven, auf die sie im Streß zurückgreifen können. Die Älteren scheinen bereits im Stall ein Bild davon zu haben, in welcher Lage sie sich nun befinden. Nicht erst, wenn sie in der Tötungsbucht stehen und vor ihnen ein anderes Rind kopfüber an einer Kette hängt und dabei ist zu sterben.
Bei diesen Tieren habe ich manchmal den Eindruck, dass sie auch schmerzhaft den Verrat empfinden, den die Menschen, denen sie vertraut haben, die ihre Herdenführer waren, an ihnen begangen haben.
Denn das tun Rinder zweifellos: Menschen, denen sie vertrauen, von denen sie gut versorgt werden, sehen sie als Herdenchef und „Rind im Geiste“ an. Sie würden ihnen freiwillig hinterher laufen. Sie lecken sie auch oft und gerne ab, wie das befreundete Rinder untereinander tun. Die Zunge ersetzt die Hand, die Hand, die streichelt.
Ein weinendes Rind kann man auf den puren physiologischen Vorgang reduzieren. Die Adrenalinausschüttung bewirkt unter anderem eine verstärkte Sekretion der Schleimhäute, vor allem im Maul, aber manchmal auch in den Augen. Es fließen Speichel und eben auch Tränen.
Das Gleiche gilt aber auch für Menschen, die große Angst haben.
So oder so: Einem Rind ins Gesicht zu sehen, dem vor Angst und Verzweiflung Tränen aus den Augen laufen, hinterläßt einen bleibenden Bildabdruck im Gehirn. Sicherlich nicht nur bei mir.

Lautes Wehklagen

Manche der Tiere brüllen ununterbrochen. Womöglich aus Furcht, vielleicht auch wegen Hunger, Durst oder einem anderen körperlichen Unbehagen. Viele vermissen sicherlich ihre gewohnte Umgebung und rufen nach ihren Herdengenossen.
Schließlich ist das Rind ein Herdentier. Die Herde bringt Sicherheit, Absonderung bedeutet Gefahr, womöglich Lebensgefahr.
Bei sehr extrovertierten Individuen äußert sich so die allgemeine Aufgeregtheit. Zuletzt, in der Tötungsbucht, kann das Brüllen auch ein verzweifeltes Schreien werden.
Meinem Eindruck nach, haben diese Tiere noch bis zuletzt die kleine Hoffnung, dass von irgendwoher Hilfe kommen wird.

Bei den Schweinen kann man auch einen Zusammenhang zwischen der Persönlichkeit des Tieres und den Lautäußerungen beobachten. Natürlich werden die meisten schreien, wenn ihnen unerwartet Schmerz zugefügt wird, zum Beispiel mit Strom. Aber bei gleicher Behandlung gibt es immer welche, die sofort lauthals quieken, während andere lange stumm bleiben. Ungefähr so, wie es bei Menschen Schweigsame und Mitteilsame gibt.

Halbhoffnungsvolle Angst

Es gibt auch Tiere, die eine bestimmte fremde Person im Schlachthof ständig mit den Augen verfolgen, womöglich versuchen sie ihr hinterher zulaufen. Vielleicht rufen sie auch nach ihr, wenn sie ausser Sichtweite gerät.

Dieser bestimmte Mensch erscheint ihnen aus irgendeinem Grund vertrauenswürdig und sie erhoffen sich bei ihm Sicherheit. Vielleicht erinnert er sie optisch oder akkustisch an eine vertraute Pflegeperson aus dem ehemaligen Umfeld.

Natürlich sind überall fließende Übergänge und Kombinationen von Verhaltensweisen zu finden, aber solche Tiere sehe ich häufig auch zittern und weinen.
Besonders häufig ist dieses Verhalten bei hungrigen Kälbern. Sie vermuten sehr oft, dass ihnen nun irgendjemand Nahrung und Hilfe geben wird und alles gleich wieder gut werden wird, wenn Menschen um sie herum sind, die ihnen bekannt erscheinen.
Sie zeigen häufig deutlich sichtbar zwei Gefühle, die eigentlich nicht zusammen gehören: Angst und Vertrauen zur selben Zeit. Kleine Lebewesen, noch zu jung und zu hilflos, um auf sich selbst gestellt zu überleben, dazu gezwungen, Hilfe auch beim Feind zu suchen.

Hoffnungsvolle Furcht und verdrängte Angst

Manche Tiere scheinen erstaunlich ruhig zu sein. Sie verhalten sich neutral abwartend und wirken zum Teil recht sicher, dass nichts allzu Schlimmes passieren wird.
Sie beobachten alles einigermaßen ruhig.
Auch Übersprungshandlungen sind zu beobachten. Die Tiere scheinen sich selbst abzulenken und dabei etwas Anspannung abzubauen, zum Beispiel beim Aufreiten auf andere Tiere (sexuell motiviert) oder beim Weben (rhythmisches Hin- und Herwiegen auf den Vorderbeinen). Schweine suchen häufig nach losen Metallteilen, die sie gleichförmig und ausdauernd scheppern lassen.

Erst kürzlich hat ein knapp zweijähriger Ochse lange und laut nach seinen nach und nach verschwindenden Freunden vor ihm geschrien (sie wurden aus dem gleichen Betrieb gemeinsam angeliefert). Er hat zum Schluß mit weit aufgerissenen Augen aus der Tötebox heraus versucht, mich abzulecken. Nicht weil er hungrig oder neugierig war. Dazu hatte er viel zu viel Angst. Er hat versucht, wenigstens noch schnell mit mir Freundschaft zu schließen. Er hat um Hilfe gebettelt.

Ich könnte aufhören, diese Arbeit als Tierärztin der Fleischbeschau zu tun. Aber damit wird das Schlachten nicht aufhören und auch nicht die Qual der Tiere. Es hört nur auf, wenn wir alle endlich anfangen, beim Einkaufen die richtige Wahl zu trefffen. Wenn wir durch die Waren, für die wir bezahlen, nicht länger das Schlachten in Auftrag geben. Jeden Tag an der Kasse im Supermarkt treffen wir die Entscheidung.
Wenn Sie bereits auf Fleisch verzichten, dann vergessen Sie nicht, dass Eier und Milch ebenso durch unendliches Leid entstehen. Informieren Sie sich, zum Beispiel auf Internetseiten über vegane Ernährung, über die Hintergründe.
Falls Sie Angst davor haben, dass Sie es nicht schaffen, auf so Vieles zu verzichten: Sie haben es ja noch gar nicht probiert! Legen Sie einen veganen Tag ein in der Woche. Seien Sie neugierig. Sie werden positiv überrascht sein von den neuen Esswelten, die sich eröffnen!“

Von Leben und Tod   Leave a comment

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Ein sehr tiefgründiger und lesenswerter Artikel von Daniela Böhm finde ich.

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Es gibt keine Worte für die Endgültigkeit des Todes.
Und es gibt auch kaum Worte, das Warten auf diese Endgültigkeit zu beschreiben.
Und doch möchte ich versuchen, etwas in Worte zu fassen. Als verzweifelten Hilfeaufruf für all jene namenlosen Geschöpfe an all jene, deren Herzen gegenüber ihrem unfassbar großen Leid noch nicht offen sind.

Ohnmacht.
Immer wieder Ohnmacht. Sie ist es, die mich überfällt, wenn die Transporter mit den Schweinen tief in der Nacht in den Münchner Schlachthof einfahren. Manchmal ist es totenstill wenn die Wagen einfahren, kein Laut dringt hervor, nur der Gestank angsterfüllter Ausscheidungen bleibt zurück. Aber manchmal schreien sie. Ihre Schreie gellen durch die tiefschwarze Nacht und dann weiß man, warum die Schweine im Münchner Schlachthof tief in der Nacht getötet werden. Der Schlachthof liegt mitten in der Stadt.

Der Transporter ist schnell außer Sicht, er fährt ganz weit hinten nach rechts, aber ich weiß, was jetzt passieren wird. Sie werden entladen, kommen in einen „Ruheraum“, dann die elektrische Betäubung und schließlich der „Stich“. Von diesem „Stich“ erzählt mir ein Metzger am nächsten Tag bei der 5. Mahnwache am Münchner Schlachthof. Er will wissen, was wir hier tun und meint, dass das Problem nicht die getöteten Tiere seien, sondern schlecht gelernte Metzger, die diesen Stich nicht richtig ausführen. Er steht so dicht vor mir, dass ich dauernd einen Schritt zurückgehe. Aber jedes Mal, wenn ich das tue, macht er wieder einen Schritt nach vorn. Er legt mir die Hand auf den Arm und ich zucke zurück. Diese Hand bedeutet Tod. Tausend-, hunderttausendfachen Tod. Dreißig Jahre Schlachter. Jetzt wäre sein Rücken kaputt, erklärt er mir. Ob er kein Mitleid mit den Tieren habe, frage ich ihn. Nein, meint er – wegen dem richtig ausgeführten Stich, denn damit würde ein Schwein nicht unnötig leiden. Er geht und ich bin froh darüber.

Das Mitleid wird wegrationalisert. Nicht nur bei diesem Metzger, sondern bei all jenen Menschen, die wenig oder viel Fleisch essen. Alles wird ausgeblendet. All das, was vor diesem Stich geschieht und noch weit davor. Die Lebensfreude eines Wesens, als es in diese Welt kam und seiner Natur folgen wollte. Etwas, das durch Massentierhaltung unmöglich ist und nur ein langes, qualvolles, zusammengepferchtes Warten auf den Tod bedeutet. Und selbst wenn ein Schwein artgerecht auf einem Bio-Bauernhof leben konnte – wie grausam ist es, ihm dieses Leben und seine Freude daran gewaltsam zu entreißen. Die Biotierhaltung dient vor allem dem Menschen. Um sein schlechtes Gewissen zu beruhigen oder wegen des Geschmacks oder des gesundheitlichen Aspekts. Keine Antibiotika, kein genmanipuliertes Soja. Es gibt aber kein gesundes Fleisch, nur totes. Tod kann nicht gesund sein, Gesundheit hat mit Lebendigkeit zu tun. Tod ist tot.

Es dämmert schon, als ein letzter kleiner Transporter mit jungen Schweinen einfährt. Keine Schreie sind zu hören und auch in mir ist Stummheit. Vor Schmerz.

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Bildquellenangabe: Miguel Carulla / pixelio.de
Bildquellenangabe: Miguel Carulla / pixelio.de

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Gegen halb sieben fahren die ersten Transporter mit den Rindern ein. Jetzt sind die Abstände noch groß, aber gegen Mittag rollt einer nach dem anderen ein. Am Freitag werden mehr Rinder als sonst geschlachtet. Es ist heiß, um die vierunddreißig Grad.
Die Transporter fahren nach links um die Ecke, am Fischrestaurant Atlantik vorbei, das gleich in der Einfahrt des Münchner Schlachthofs liegt. Ein Stück weiter dahinter ist der Entladeplatz und die Schleusen, in die sie eingetrieben werden. Lange Gänge mit Metallabtrennungen, noch im Freien, in der die Tiere auf ihren Tod warten. Kein Zurück ist mehr möglich. Manchmal versuchen sie es, aber es geht ja nicht, hinter ihnen steht der nächste Leidensgefährte und hinter dem letzten wird die Untentrinnbarkeit des Todes durch eine dicke Metalltür besiegelt. Die hilflosen Blicke dieser sanften Wesen, wenn sie dort stehen und warten müssen, haben sich tief in meine Seele eingebrannt.

Ich wage mich um die Ecke, bleibe hinter dem Restaurant stehen und schaue auf die Transporter, die in der glühenden Mittagshitze stehen. Durch die offenen Klappen sehe ich die rosa Schnauzen der Rinder und ihre weit aufgerissenen Augen. Einige unter ihnen sind über und über mit Kot besudelt, auch am Kopf. Je nach Größe des Transporters stehen sie zu zweit oder zu dritt in Abtrennungen. Ich packe meinen Mut zusammen, hole zwei große Wasserflaschen und Schälchen und gehe mit einer Freundin zu einem der Transporter. „Das bringt nichts, die werden nichts trinken“, erklärt mir der Fahrer. Er hat recht, der Versuch ist zwecklos. Todesangst nimmt jeglichen Raum ein, jedes Bedürfnis, selbst das natürlichste, geht in ihr unter.
Verzweifelte Blicke, verzweifelte Hilferufe. Das Rufen der Rinder, das auch all jene Münchner hören, die an der Mauer des Entladeplatzes vorbeigehen oder in der Nähe wohnen, erschüttert durch und durch.
Es ist anders, wenn man dieses Warten auf den Tod miterlebt. Es zu beschreiben, fällt schwer. Es gibt nur Wortausdrücke dafür.
Ohnmacht.
Grauen.
Hilflosigkeit.
Trauer.
Entsetzen.
Schrecken.
Qual.
Verzweiflung.
Todesangst.

Es sind hilflose, menschgemachte Wörter.
Die Rinder drücken ihre Verzweiflung durch ihre verzweifelten Rufe aus.
Ich versuche, die meine in Worte zu fassen.
Ein kärglicher Versuch.
So wie jener Versuch, einem Mitarbeiter, mit dem ich bei der vorletzten Mahnwache gesprochen habe, zu sagen, warum ich mir die wartenden Transporter ansehe.
„Warum tun Sie sich das an?“, fragt er mich. „Sie tun mir so leid“, antworte ich. Für mehr fehlen mir die Worte. „Aber dann schlafen Sie schlecht, wegen der Bilder in Ihrem Kopf.“
Er sieht mich tatsächlich besorgt an.
Wie kann er schlafen?
Ich will nicht stumpf werden wie die abgewetzten Messer der Metzger. Lieber habe ich die Bilder in meinem Kopf und kann nicht einschlafen.
Ich gehe wieder hinaus zu den vielen Lichtern, die seit gestern Abend für die Tiere vor den Mauern des Schlachthofs brennen.

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Foto: privat

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Alle menschlichen Kümmernisse relativieren sich an diesem Ort. Alles was mich persönlich betrübt oder worüber ich mich ärgere, wird null und nichtig im Angesicht des Todes von Lebewesen, die nichts anderes tun wollten wie wir: Leben und sich am Leben freuen.

Wer stirbt schon gerne vor seiner Zeit? Kein Mensch und auch kein Tier. Jeder gewaltsame Tod durch Menschenhand ist zutiefstes Unrecht. Fleisch bedeutet keine Lebenskraft, sondern Tod. Fleisch bedeutet Leid. Unsagbares Leid und Verzweiflung.
Das ist es, was Menschen essen. Den zerstückelten Ausdruck von Qual, Angst und Tod. Fleisch ist kein „Stück Lebenskraft“ sondern ein Stück vom Tod. Jeder Bissen. Da gibt es nichts zu beschönigen oder wegzurationalisieren.

Dies ist eine verzweifelte Bitte an jeden einzelnen Menschen, der noch Fleisch isst. Für jene Wesen, die nur verzweifelt rufen können angesichts der Endgültigkeit ihres Todes. Bitte beendet dieses Leid, das tagtäglich, in jeder Sekunde auf diesem Planeten stattfindet. Es gibt so viele gute pflanzliche Alternativen und Möglichkeiten, sich zu ernähren. Der menschliche Körper braucht auch keine Milch. Die Milch ist für das Kalb gedacht. Immer wieder passiert es, dass trächtige Kühe geschlachtet werden. Was muss so eine Kuh empfinden, wenn sie in der Schleuse auf ihren Tod wartet? Was empfindet dieses kleine heranwachsende Wesen in ihrem Leib?
Es gibt ein Grauen, für das es keine Worte gibt.
Bitte – jeder Einzelne kann dieses unfassbare Leid beenden.
Es ist nur ein kleiner Schritt.
Er bedeutet Leben.

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Foto: privat

(c) Daniela Böhm

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Von Leben und Tod

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Gruß Hubert

Tierschützer drehen heimlich auf Schlachthof   Leave a comment

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In dem Bericht von diesem englischen Schlachthof kommt es so rüber als wenn dies ein Einzelfall wäre. Leider ist es die übliche Praxis, dass Arbeiter auf Schlachthöfen so barbarisch mit Tieren umgehen, und Tiere nicht richtig betäubt sind, also alles mitbekommen. Man mag es sich nicht vorstellen wie Tiere da leiden. Als wenn „Schlachttiere“ nicht sonst schon genug mitmachen würden, werden sie auch noch – man muss schon sagen in sadistischer Weise gequält. Was nützen Tierschutzgesetze, wenn man nicht auf ihre Einhaltung pocht und um wirtschaftliche Interessen zu schützen systematisch wegschaut?

Schockierendes Tierquäler-Video
Tierschützer drehen heimlich auf Schlachthof

Die Tiere werden vor ihrem Tod systematisch gequält. (Foto: Screenshot YouTube)
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Sie werden systematisch gequält: Schweine und Kühe auf einem Schlachthof in England. Heimliche Aufnahmen offenbaren das Leid der Tiere. Die Schlachter rechtfertigen sich mit Selbstschutz.

Es sind heimliche Aufnahmen, die nur schwer zu ertragen sind, gefilmt auf einem Schlachthof in Staffordshire, einer Grafschaft in England. Sie zeigen die schrecklichen Qualen von Nutztieren, bevor sie zur Schlachtbank geführt werden und das unermessliche Leid, dem die Tiere vor ihrer Tötung ausgesetzt sind.
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Schweine, Kühe und Schafe werden mit Füßen getreten, durch die Gegend geworfen und gegen die Wand gedrückt. Dass die Tiere teilweise nicht richtig betäubt sind, während ihnen die Kehlen aufgeschlitzt werden, scheint den Schlachtern egal zu sein. Ohne einen Funken Mitleid mit den verängstigten Tieren gehen die Schlachter ihrer Arbeit nach.
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Wie die Daily Mail berichtet, wurden die erschütternden Aufnahmen  mit versteckten Kameras von Tierschutzaktivisten gedreht. Die Recherchen in dem traditionsreichen, über hundert Jahre alten Familien-Schlachthof „S Bagshaw and Sons“ in Butterton währten sechs Monate.
http://www.dailymail.co.uk/news/article-2944609/Kicked-punched-hit-thrown-sickening-violence-inside-family-butchers-slaughterhouse-distressing-video-captured-campaigners-hidden-cameras.html
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Zu sehen ist unter anderem, wie drei Arbeiter wiederholt ein Schwein quälen, es gegen eine Wand drücken und immer wieder mit einem Metall-Tor zurückdrängen, während das Tier sich in Todesangst windet und versucht, dem Bolzenschussgerät zu entgehen. Das Schwein quiekt und schreit. Indes verlagern zwei der Männer ihr ganzes Gewicht auf das Tier, um es gefügig zu machen.

Tiere leiden unermessliche Qualen

Andere Szenen zeigen, wie Kühe weiterhin muhen und sich winden, nachdem sie längst an einem Bein aufgehängt wurden und ihnen die Kehlen durchgeschnitten worden sind. Ein Ermittler von Hillside Animal Sanctuary hatte die Aktion gestartet, nachdem er einen Tipp bekommen hatte: „Man sagte uns, dass die Dinge dort nicht so richtig laufen. Deshalb entschieden wir uns, die Einrichtung mit versteckten Kameras im Auge zu behalten.“
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Weiter sagt er: „Die Art, wie die Schweine und Schafe behandelt wurden, war so barbarisch, dass wir kaum glauben konnten, was wir da sahen. Wie diese Männer die Tiere immer und immer wieder getreten haben, war so monströs und zeigt, dass sie keinen Respekt vor dem Leben und den Tieren haben. Im Gegenteil: Die Männer schienen sogar große Freude am Töten zu haben.“
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In anderen Sequenzen sieht man, wie ein Schlachter erst permanent die Schafe tritt und herumwirft, bevor er die traumatisieren Tiere von ihren Qualen erlöst. Besonders grausam, so der Ermittler, muss das Elend der Kühe in diesem Schlachthof sein:
„Die Kühe schauen mit angsterfüllten Augen um sich und beobachten mit ihren durchgeschnittenen Kehlen die barbarische Szenerie um sich herum, bevor sie einen elenden Tod sterben.“
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Auch nachdem die Tiere längst betäubt sein müssten, scheinen sie zu realisieren, was mit ihnen geschieht. Die Tierschutzorganisation ist sich sicher, dass sie nicht richtig betäubt worden sind. Dies sei auf vielen Schlachthöfen weit verbreitet und kein Geheimnis heißt es. In einer ganzen Reihe von verschiedenen Schlachthöfen in ganz Großbritannien sei die Grausamkeit tägliche Routine.

Der Versuch, die Gewalt zu rechtfertigen

„Wir haben einige der besten Tierschutzgesetze der Welt in diesem Land. Das Problem ist nur, dass sie so gut wie nie eingehalten werden. Die FSA und die Behörden müssen mehr tun „, so der Ermittler.
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Die Arbeiter des Schlachthofs versuchen, die Gewalt zu rechtfertigen. So sagte der Chef des Unternehmens, man müsse zu den Tieren „ein wenig hart“ sein, um sich selbst nicht zu verletzen. Ihm droht der Entzug seiner Lizenz. Für die Schlachtung von Nutztieren zum Eigenbedarf muss man im Übrigen nicht mal eine haben.
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WARNING: Hidden cameras reveal horrific treatment of animals – Warnung grausame Misshandlung von Tieren
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Tierschützer drehen heimlich auf Schlachthof

 

Hier noch ein längeres Video vom selben Schlachthof (Warnung: grausame Szenen)
Hillside Slaughterhouse Investigation 2015  
http://youtu.be/jpxpRLqJE6g


Gruß Hubert