Archiv für das Schlagwort ‘Selbstbestimmung

Ein Sterbehelfer, der das Leben liebte   Leave a comment

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Aus giordano-bruno-stiftung.de

Nachruf auf Uwe-Christian Arnold

Uwe-Christian Arnold 2015 bei der Aktion "Lassen Sie das doch den Klempner machen!" vor der Frankfurter Paulskirche

Uwe-Christian Arnold 2015 bei der Aktion „Lassen Sie das doch den Klempner machen!“ vor der Frankfurter Paulskirche

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Er hätte so gerne an der mündlichen Verhandlung des Bundesverfassungsgerichts zu § 217 StGB in der kommenden Woche mitgewirkt, doch seine Krebserkrankung war zu weit fortgeschritten: Am gestrigen Freitag starb „Deutschlands bekanntester Sterbehelfer“ Uwe-Christian Arnold in seiner Wohnung in Berlin. Noch am Abend vor seinem Tod versendete er eine Stellungnahme für das Bundesverfassungsgericht, sein politisches Vermächtnis. Ein Nachruf von Michael Schmidt-Salomon.

Uwe-Christian Arnold, den alle nur „Christian“ nannten, war ein außergewöhnlicher Mensch, ein furchtloser Streiter für die Selbstbestimmung am Lebensende, ein „notorischer Querulant“, der sich von den konservativen Bestimmungen der Ärztekammern nicht maßregeln ließ, ein unverbesserlicher Witzbold, der auch vor deftigen Späßen nicht zurückschreckte, ein einfühlsamer Arzt, der den Menschen in ihren schwersten Stunden zur Seite stand, und nicht zuletzt auch ein Freund, auf den man sich hundertprozentig verlassen konnte. Hinter seiner harten Schale verbarg er ein weiches Herz. Die Schicksale seiner Patientinnen und Patienten nahmen ihn oft sehr viel mehr mit, als er es öffentlich zugegeben hätte. Und so heftig er auch über die Vertreter des „Sterbe- und Leidensverlängerungskartells“ mit ihrem „Multimilliarden-Geschäft“ herziehen konnte, für Notleidende hätte er sein letztes Hemd geopfert.

Ich lernte Christian vor 10 Jahren bei einem Treffen von „Dignitas“ und „Dignitas Deutschland“ am Sitz der Giordano-Bruno-Stiftung kennen. Zunächst wusste ich nicht so recht, was ich von diesem etwas ruppigen Mann mit der schnoddrigen „Berliner Schnauze“ halten sollte, doch dann merkte ich schnell, dass er blitzgescheit war und sein Herz an der richtigen Stelle trug. Seinen ersten programmatischen Vortrag über das „Recht auf Letzte Hilfe“ hielt Christian im April 2013 am gbs-Stiftungssitz „Haus Weitblick“ in Oberwesel. Damals vereinbarten wir, dass ich ihn beim Schreiben eines Buches unterstützen werde. Und so erzählte mir Christian wenige Monate später in langen, intensiven Sitzungen von seinem Leben und seiner Arbeit als Arzt und Sterbehelfer. Ich studierte die Fälle, die er betreut hatte, und die Anklagen, die gegen ihn erhoben worden waren. Und wir trafen uns mit einigen seiner Patientinnen und Patienten. Schließlich war ich auch bei einer seiner Freitodbegleitungen dabei, was mich sehr berührte.

Durch die gemeinsame Arbeit an dem Buch „Letzte Hilfe: Ein Plädoyer für das selbstbestimmte Sterben„, das im Oktober 2014 – pünktlich zum Start der „Letzte Hilfe“-Kampagne „Mein Ende gehört mir“ – im Rowohlt-Verlag erschien, kam mir Christian noch einmal näher. Ich war verblüfft darüber, mit welcher Begeisterung er von alten Spielfilmen erzählen konnte, über die er sich noch immer schlapplachte, oder von bewegenden Opernaufführungen und Jazzauftritten, die seine Augen noch Jahrzehnte später zum Leuchten brachten. Christian liebte gute Bücher, gute Musik, gutes Essen und guten Wein, doch bei aller Lebensfreude, die er an den Tag legte, konnte man stets auch die enorme Belastung spüren, unter der er stand. Denn Christian hatte – als einziger Arzt in Deutschland – mehrere Hundert schwerstleidende Menschen beim Freitod begleitet und dabei Berührendes und Tröstliches, aber auch unaussprechliche Not erlebt – und dies alles ohne jegliche fachliche Begleitung! Außer mit Helga, seiner Frau, und einigen wenigen Freundinnen und Freunden konnte er mit niemandem über seine Erfahrungen als Sterbehelfer sprechen. Irgendwann wurde mir klar, dass Christian dieses Problem auf seine ganz eigene Art löste – zum Beispiel, indem er uns immer wieder anrief, um die neuesten Witze zu erzählen, die er gerade irgendwo aufgeschnappt hatte. Sein hohes, langgezogenes „Haaaahaaaa“, das auf jede Pointe folgte, werde ich nie vergessen. Es war Christians Form der Psychotherapie.

Vor allem in den Jahren 2014 und 2015 kämpfte Christian wie ein Löwe für das Selbstbestimmungsrecht am Lebensende und für eine humane Sterbekultur. Er hat in dieser Zeit unzählige Interviews gegeben, Talkshows besucht, Podiumsdiskussionen bestritten und an Filmdokumentationen mitgewirkt. Hoffnung gab ihm, dass 80 Prozent der Bürgerinnen und Bürger für eine Liberalisierung der Sterbehilfe votierten. Dass der Deutsche Bundestag entgegen diesem Bevölkerungsvotum Ende 2015 das „Gesetz zur Strafbarkeit der geschäftsmäßigen Förderung der Selbsttötung“ verabschiedete, das jede Form der professionellen Freitodbegleitung verbietet und schwerstleidende Menschen katastrophal im Stich lässt, hat ihn schwer getroffen.

Mit großer Ungeduld wartete Christian deshalb auf die Eröffnung des Verfahrens zu den Verfassungsbeschwerden gegen das „Sterbehilfeverhinderungsgesetz“ §217 StGB. Zur mündlichen Verhandlung am kommenden Dienstag und Mittwoch sollte er eine Stellungnahme vor dem Bundesverfassungsgericht vortragen. Doch die Krebserkrankung, unter der er schon lange litt, setzte ihm mehr und mehr zu. Er kämpfte dagegen an, aber in den letzten zwei Wochen zeichnete sich allmählich ab, dass er kaum mehr in der Lage sein würde, die Fahrt nach Karlsruhe anzutreten. Deshalb schlug ich ihm vor, die Stellungnahme schriftlich zu formulieren und durch seinen Rechtsanwalt in der Verhandlung vorlesen zu lassen. Über seinen Text für das Bundesverfassungsgericht haben wir noch am Donnerstagabend in unserem allerletzten Telefonat gesprochen. Dabei sagte mir Christian, dass die Schmerzen inzwischen trotz hoher Morphiumdosen so unerträglich geworden seien, dass es keinen Sinn mehr mache, den Tod länger hinauszuzögern. Ich wusste, was das bedeutet. Es war eines der traurigsten Gespräche, die ich je geführt habe.

Christian war für uns, den Vorstand und die Geschäftsführung der Giordano-Bruno-Stiftung, nicht nur ein wichtiger Mitstreiter, sondern ein Teil der Familie. Am Freitagmorgen rief er, wie er es versprochen hatte, noch einmal bei Herbert Steffen, dem Gründer der Giordano-Bruno-Stiftung, an, um sich zu verabschieden. Nach einem letzten „Servus“ drehte Christian die Infusion auf. Wenig später schlief er friedlich ein. Auf die Frage, ob ich noch irgendetwas für ihn tun könne, hat er mir am Donnerstag geantwortet: „Ich brauche keine Trauerfeier und kein Denkmal, aber setzt bitte fort, was ich begonnen habe!“ Das werden wir tun. Versprochen.

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Ein Sterbehelfer, der das Leben liebte

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Gruß Hubert

Puigdemont-Festnahme – “Die schlimmsten Menschenrechtsverletzungen in Westeuropa seit den letzten Jahrzehnten“   6 comments

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Es ist total inakzeptabel was Spanien in Katalonien macht. Jedes Volk sollte selbst über seinen Weg abstimmen dürfen. Und für so etwas sieht der spanische Zentralstaat 30 Jahre Haft vor. Das ist kein Ruhmesblatt für einen Staat der demokratisch und rechtsstaatlich sein will. Ja rechtsstaatlich schon, aber im Sinne von rechts.

Die EU und Deutschland machen sich mitschuldig an den Menschenrechtsverletzungen die Spanien an Katalonien begeht. Deutschland hat da ja schon einen unrühmlichen Vorgang, indem sie 1940 unter dem NS-Regime Lluís Companys i Jover *) (siehe weiter unten) ausgeliefert hat, wissend, dass das das Todesurteil bedeutete.
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Aus stern.de

Puigdemont-Festnahme“Die schlimmsten Menschenrechtsverletzungen in Westeuropa seit den letzten Jahrzehnten“

Mit der Festnahme von Carles Puigdemont durch die deutsche Polizei ist der Katalonienkonflikt in der Mitte Europas angekommen. Der Romanist Axel Schönberger verfolgt die Entwicklung in Spanien seit langem. Im Gespräch macht er Madrid schwere Vorwürfe.

Proteste in Barcelona: Demonstranten mit Masken und verketteten Händen nehmen an einer Demonstration vor hochgehaltenen Esteladas, der Unabhängigkeitsflagge Kataloniens, teil.
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Proteste in Barcelona: Demonstranten mit Masken und verketteten Händen nehmen an einer Demonstration vor hochgehaltenen Esteladas, der Unabhängigkeitsflagge Kataloniens, teil.
© Manu Fernandez – DPA
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Puigdemont war im Herbst nach dem von der spanischen Zentralregierung untersagten Unabhängigkeitsreferendum in Katalonien ins Exil nach Belgien geflohen – dorthin wollte er am Sonntag nach einem Besuch in Finnland mit dem Auto zurückkehren. Weder in Finnland, Schweden oder Dänemark wurde er verhaftet; erst deutsche Beamte setzten ihn fest.

Das Amtsgericht Neumünster hatte am Montag entschieden, dass Puigdemont zunächst weiter im Gewahrsam bleibt. Die Generalstaatsanwaltschaft in Schleswig wird in dieser Karwoche keinen Antrag mehr auf Auslieferungshaft beim Oberlandesgericht stellen. Die Prüfung der Unterlagen sei sehr komplex. Mit der Entscheidung, ob der Antrag gestellt wird, sei nicht vor Anfang kommender Woche zu rechnen. Über den Katalonienkonflikt sprachen wir mit Axel Schönberger, Professor für Romanische Philologie an der Universität Bremen.

Herr Schönberger, hat der Katalonienkonflikt mit der Festnahme Puigdemonts jetzt Deutschland erreicht?

Axel Schönberger: Er ist hier schon früher angekommen. Deutschland hat einen Amtsvorgänger von Carles Puigdemont im Jahr 1940 an Spanien ausgeliefert. *) Lluís Companys i Jover wurde gefoltert und nach einem eintägigen Schauprozess in Barcelona von Francos Schergen erschossen. Die militärische Niederwerfung der Katalanischen Länder im Spanischen Bürgerkrieg war den spanischen Faschisten unter Führung von Francisco Franco nur mit massiver logistischer, finanzieller, personeller und materieller Hilfe Deutschlands möglich. An der jahrzehntelangen Unterdrückung des katalanischen Volkes und der katalanischen Sprache durch das Franco-Regime trifft Deutschland eine wesentliche Mitschuld.

In Katalonien wurden und werden derzeit von der Charta der Grundrechte der Europäischen Union garantierte Menschenrechte von mehr als sieben Millionen Unionsbürgern seit längerem schwerwiegend verletzt. Indem die Bundesregierung und die EU dabei untätig zusehen und diese Menschenrechtsverletzungen als vermeintliche Anwendung des „harten“ spanischen Rechts sogar billigen, verlieren sie zusehends ihre moralische Glaubwürdigkeit.

Axel Schönberger ist Professor für Romanische Philologie. Er lehrte an mehreren Universitäten, derzeit am Fachbereich 10 Sprach- und Literaturwissenschaft der Universität Bremen. Weitere Infos unter http://www.axelschoenberger.de
http://www.change.org/Katalonien

Sie sagen, die spanische Regierung in Madrid missachtet die Menschenrechte in Katalonien?

Ja. Dies ist rechtlich eindeutig und unbestreitbar. Es handelt sich um die schlimmsten und massivsten Menschenrechtsverletzungen in Westeuropa seit den letzten Jahrzehnten. Das Komitee für Menschenrechte der Vereinten Nationen hat bereits die ersten diesbezüglichen Beschwerden zur Entscheidung angenommen, darunter am 26. März 2018 auch eine umfangreich dokumentierte Klage des 130. katalanischen Präsidenten Carles Puigdemont, den die spanische Regierung nach spanischem Recht ja zu keinem Zeitpunkt abzusetzen befugt war, so dass er zwar entmachtet, aber offiziell immer noch Präsident der Generalitat de Catalunya ist.

 

Wie sehen die Menschenrechtsverletzungen konkret aus?

Die Menschenrechtsverletzungen reichen von millionenfacher illegaler Kontrolle von Ferngesprächen, Briefen und E-Mails und der Verwehrung des kollektiven Menschenrechts auf Selbstbestimmung über die unverhältnismäßige und exzessive Ausübung körperlicher Gewalt bis zur Einschränkung der Menschenrechte auf freie Meinungsäußerung und Meinungsfreiheit, des Rechts auf friedliche Versammlung und der Wahrnehmung des aktiven und passiven Wahlrechts. Es ist ein unerhörter Skandal, dass es in demokratischen Wahlen gewählten katalanischen Politikern untersagt wird, an Sitzungen des katalanischen Parlaments teilzunehmen, dort ihr Wahlrecht auszuüben und sich auch selbst zur Wahl zu stellen! Ein Land, in dem wie in Spanien so etwas staatlicherseits vorsätzlich und wiederholt ungestraft praktiziert wird, ist weder ein Rechtsstaat noch eine Demokratie. Wer angesichts solcher Umstände zynisch kommentiert, dass Spanien ein „demokratischer Rechtsstaat“ sei, muss sich fragen lassen, ob er in den dreißiger Jahren auch das nationalsozialistische Deutschland als solchen bezeichnet hätte.

Trifft der Vorwurf der Rebellion und Anstachelung zur Gewalt gegen Puigdemont überhaupt zu?

Weder der 130. Präsident Kataloniens, Carles Puigdemont, noch andere prominente Befürworter einer staatlichen Souveränität Kataloniens haben jemals zu Gewalt aufgerufen oder angestachelt oder selbst Gewalt angewandt. Carles Puigdemont ist vielmehr immer für einen friedlichen Dialog eingetreten, der allerdings von Spanien konsequent verweigert wurde. Nach spanischem Strafrecht war die Durchführung des Referendums vom 1. Oktober 2017, die im Übrigen durch die Menschenrechte des katalanischen Volkes gedeckt war, nicht strafbar. In Spanien ist es auch nicht strafbar, auf friedlichem Wege für eine Abschaffung der Monarchie oder die staatliche Souveränität eines der Völker des Mehrvölkerstaates Spanien einzutreten.

Strafbar und mit hohen Gefängnisstrafen bedroht ist dagegen durchaus, falls es mit Gewalt verbunden ist, die Auflösung des katalanischen Parlaments sowie die Entmachtung der gewählten katalanischen Regierung durch jemanden anderen als den katalanischen Präsidenten, wie sie Mariano Rajoy, Soraya Sáenz de Santamaría und andere Vertreter des spanischen Staates nachweislich zu verantworten haben. Das besagt der Artikel 472 Absatz 4 des spanischen Strafgesetzbuchs.

Beim Referendum am 1. Oktober haben die Bilder, die um die Welt gingen, gezeigt, dass die Gewalt nicht von den Wählern, sondern von der Guardia Civil ausging.

Die unter Franco nach dem Vorbild der deutschen SS umgestaltete Guardia Civil sowie die Nationalpolizei gingen am 1. Oktober 2017 mit einer brutalen, unverhältnismäßigen Gewalt gegen friedliche Demonstranten vor. Dabei kamen sogar in Katalonien gesetzlich verbotene Gummigeschosse zum Einsatz, durch die ein Katalane ein Auge verlor. Weder das spanische Verfassungsgericht noch die spanische Regierung waren infolge von Artikel 10 Absatz 2 der spanischen Verfassung überhaupt befugt, dem katalanischen Volk sein unentziehbares Recht auf Entscheidung zu verwehren, das aus den Menschenrechtspakten der Vereinten Nationen folgt, die wiederum zwingender Bestandteil der spanischen Rechtsordnung sind.

Es handelt sich dabei wohlgemerkt nicht um einen Beschlussgegenstand, zu dem alle Einwohner Spaniens zu befragen wären, sondern um ein ausschließliches Menschenrecht des katalanischen Volkes. Die für den Polizeieinsatz am 1. Oktober 2017 und danach verantwortlichen spanischen Politiker, Richter und Polizeibeamte gehören, wie einst Slobodan Milošević, vor einen Internationalen Gerichtshof gestellt.
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Hier weiterlesen:
https://www.stern.de/politik/ausland/puigdemont-festnahme-und-der-katalonien-konflikt–ein-interview-mit-axel-schoenberger-7918952.html
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Hier noch zwei Kommentare.
Hans-Günther Rehberg-Pawlowski
Es wird blutig enden im Konflikt Katalonien und spanischer Zentralregierung. Deutschland hat dann wieder, wie im Franco-Regime, Blut an den Händen. Die Deutsche Revolution 1990 hat die Politik nicht sensibler gemacht.

Klaus Riedel
Die vermeintliche Demokratie in Deutschland und in der EU wird immer wieder in höchsten Tönen von denen gelobt, die für ihre Pflege verantwortlich sind. Wenn sie aber beim regieren stört, wird sie ganz schnell zur Seite geschoben und übergangen, wie z. B. beim Diesel-Skandal, G-20-Gipfel Hamburg, Polizeigesetzen, Datensammelwut …
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Menschenrechte für Katalonien!

Hier noch einige Angaben zu Axel Schönberger.

– Langjährige Lehrtätigkeit an mehreren Universitäten (TU Braunschweig, Universität Bremen, Goethe-Universität Frankfurt am Main, Universität Leipzig).

– Vertretung einer ordentlichen Professur für spanische, hispanoamerikanische, portugiesische und brasilianische Sprachwissenschaft an der Universität Leipzig im Wintersemester 2007/2008 und Sommersemester 2008 sowie vom Sommersemester 2012 bis zum Wintersemester 2013/2014.

– Langjährige Vorstandstätigkeit in mehreren romanistischen Fachverbänden (Deutscher Hispanistenverband, Deutscher Katalanistenverband, Deutscher Lusitanistenverband).

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Ich kann der Partei Die Linke nur danke und ein großes Bravo für ihren großen Einsatz für die Forderung der Freilassung von Puigdemont aussprechen. Ich bin voll auf ihrer Linie und wundere mich, dass es für die anderen Parteien scheinbar in Ordnung wäre, Puigdemont auszuliefern. Sie sollten sich schämen. Ansonsten hält sich wieder einmal die deutsche Regierung feige aus der höchst fragwürdigen Festnahme von Puigdemont heraus, obwohl der Fall höchst politisch ist. Seltsam, dass Puigdemont, weder in Finnland, noch in Schweden, noch in Dänemark festgenommen wurde, nicht?, durch diese Länder reiste er ja. Es ist sicher, dass Puigdemont in Spanien keinen fairen Prozess bekäme und es ein rein politischer Prozess wäre. Wenn Spanien schon keine Unabhängigkeit gewähren will, dann sollte es zumindest den Katalanen eine sehr gute Autonomie gewähren. Nur auf repressive Mittel und Gewalt zu setzen wird langfristig nicht zu halten sein. Die langen Haftstrafen für katalanische Politiker sind eine Schande für Spanien. Puigdemont würden 30 Jahre Haft drohen in Spanien. Ein Skandal! Spanien erweist sich als Scheindemokratie. Erbärmlich auch das Schweigen und das Wegschauen bei Menschenrechtsverletzungen vonseiten der EU.

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Hier einige Auszüge wie die Linke zu diesem schändlichen Fall steht.

Die Linke forderte die sofortige Freilassung Puigdemonts. „Dialog ist das Gebot der Stunde, Puigdemont sollte auf freien Fuß kommen“, sagte der Linken-Fraktionschef Dietmar Bartsch der Deutschen Presseagentur. Der europapolitische Sprecher der Linksfraktion, Andrej Hunko, nannte die Festnahme eine „Schande“: „Die Strafverfolgung ist ganz offensichtlich politisch motiviert.“

https://www.tagesspiegel.de/politik/katalanischer-separatistenfuehrer-linken-politiker-nennt-festnahme-puigdemonts-schande/21113646.html

„Es ist eine Schande, dass der ehemalige katalanische Präsident ausgerechnet in Deutschland festgenommen wurde“, erklärt Andrej Hunko, europapolitischer Sprecher der Fraktion DIE LINKE im Bundestag, der das Unabhängigkeitsreferendum am 1. Oktober 2017 beobachtete. Hunko weiter:

„Puigdemont wurde auf Grundlage des EU-Haftbefehls festgenommen, weil er in Spanien wegen ‚Rebellion‘ angeklagt ist. Rebellion ist jedoch kein europäischer Straftatbestand und gehört nicht zu den 32 Delikten, nach denen auf Grundlage des EU-Haftbefehls ausgeliefert werden muss. Spanien ist der einzige EU-Staat, der diesen vordemokratischen Straftatbestand hat. Die Strafverfolgung ist ganz offensichtlich politisch motiviert. Ich erwarte, dass Puigdemont umgehend freigelassen wird.“

https://www.linksfraktion.de/presse/pressemitteilungen/detail/festnahme-von-puigdemont-in-deutschland-ist-eine-schande/

 

Straftatbestand.Die spanischen Behörden missbrauchen den Europäischen Haftbefehl

Es muss und sollte also nicht ausgeliefert werden! In einer Kleinen Anfrage meiner Fraktion aus dem Jahr 2016 wurde festgestellt, dass mehrere Europäische Haftbefehle nicht vollstreckt wurden, weil die beiderseitige Strafbarkeit nicht gegeben war. Die zuständigen Gerichte und Staatsanwaltschaften in Schleswig-Holstein werden hoffentlich zu dem Ergebnis kommen, dass dies auch hier der Fall ist. Ich hoffe, dass sie sich nicht zum Handlanger politischer Interessen des spanischen Staates machen werden.

https://www.linksfraktion.de/themen/nachrichten/detail/puigdemont-ist-ein-politischer-gefangener/

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Die deutsche Bundesregierung und die deutsche Justiz (wäre möglich, dass sie Anweisung von oben bekam) hat gehörig viele Sympathiepunkte bei mir verloren.

Deshalb nur unfreundliche Grüße an diese beiden Institutionen – Hubert

Demokratie ohne Selbstbestimmung ist keine Demokratie   11 comments

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Ich kann den Leuten, die gegen die Selbstbestimmung von Katalonien sind nur sagen, lernt die Geschichte Kataloniens. X-mal wurden ihnen gegebene Versprechungen wieder weggenommen. Irgendwann reicht es auch dem Gutmütigsten. Welches Vertrauen sollte Katalonien noch zu Spanien haben?

Aus der WELT

Den Autonomiestatus der Katalanen aufzuheben, ist ein unverzeihlicher Schritt und mit internationalem Recht nicht vereinbar. Ein Gastbeitrag des Völkerrechtlers Alfred de Zayas.

Die Ankündigung der spanischen Regierung, die Autonomie Kataloniens aufzuheben, ist bedauerlich. Ein derartiger institutioneller Angriff auf die katalanische Demokratie würde einen massiven Rückschritt bei der Verteidigung der Menschenrechte bedeuten und wäre unvereinbar mit den Artikeln 1, 19, 25 und 27 des Internationalen Pakts über bürgerliche und politische Rechte.

Es ist daran zu erinnern, dass laut Artikel 10, Absatz 2, und Artikel 96 der spanischen Verfassung internationale Verträge konstitutiv sind für das nationale Recht und dass Menschenrechte und Grundrechte des spanischen Rechts in Übereinstimmung mit internationalen Verträgen auszulegen sind.

Das Völkerrecht der Selbstbestimmung hat sich weit über die bloße Dekolonialisierung hinaus entwickelt. Einem Volk das Recht auf Selbstbestimmung zu verweigern, ihm die Rechtmäßigkeit eines Referendums abzusprechen und die begrenzte Autonomie eines Volkes durch Strafen und Einschüchterung aufzuheben, stellt eine Verletzung des Artikels 1 des Internationalen Paktes über bürgerliche und zivile Rechte (ICCPR) und des Internationales Paktes über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte dar.

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Der Autor: Alfred de Zayas, geboren auf Kuba und Staatsbürger der USA, ist Völkerrechtler, Historiker und UN-Sonderberichterstatter für die Förderung einer demokratischen und gerechten internationalen Ordnung

Quelle: picture alliance / Pacific Press

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Wir erinnern uns, dass der damalige Präsident der Bundesrepublik Jugoslawien, Slobodan Milosevic, die Autonomie des Kosovo aufgehoben hat, was zur Gründung der Kosovo-Befreiungsarmee und zu einer Serie von Konflikten führte, die mit der Unabhängigkeit des Kosovo endete. Dieses Ergebnis oder eine großzügigere Autonomie bei fortgesetzter territorialer Integrität Jugoslawiens hätten durch Dialog und politische Verhandlungen erreicht werden können.

Anstatt nach Vermittlungslösungen zu suchen, lehnten 1999 einige Staaten Dialog ab und entschieden sich für Gewalt ohne Rechtsgrundlagen oder Zustimmung des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen. Heute hat die internationale Gemeinschaft Interesse daran und eine Verantwortung dafür, sicherzustellen, dass in Katalonien der soziale Frieden geschützt und Gewalt verhindert wird.

Kein Staat kann sich auf das Recht der territorialen Integrität berufen, um das Recht auf Selbstbestimmung zu unterlaufen. Der Vorwurf, Beschlüsse des gewählten Parlaments von Katalonien seien „verfassungswidrig“ und das Referendum sei „illegal“, geht daher an der eigentlichen Frage vorbei. Derartige Argumente sind leere, positivistische, eigennützige Tricks, um das ius cogens, den unabänderlichen Charakter der Selbstbestimmung zu unterdrücken. Sie höhlen das Selbstbestimmungsrecht aus.

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Territoriale Integrität

Spanien muss daran erinnert werden, dass die Selbstbestimmung ein Recht der Völker ist und kein Vorrecht von Staaten, das sie gewähren oder verweigern können. Territoriale Integrität im Verständnis der Vereinten Nationen ist ein Anspruch nach außen mit dem Ziel, auswärtige Drohungen oder Eingriffe in die territoriale Integrität souveräner Staaten abzuwehren. Im Fall eines Konflikts zwischen den Prinzipien der territorialen Integrität und dem Menschenrecht auf Selbstbestimmung überwiegt letzteres.

Bekanntlich streben viele Völker weltweit nach Selbstbestimmung, entweder intern in Form von Autonomie oder extern in Form von Unabhängigkeit. Und obwohl die Verwirklichung von Selbstbestimmung nicht automatisch oder selbstständig erfolgt, handelt es sich um ein fundamentales Menschenrecht, bei dessen Implementierung als Mittel zur Konfliktvermeidung die internationale Gemeinschaft helfen muss.

Das Streben nach Selbstbestimmung verschwindet nicht durch dessen gewaltsame Unterdrückung. Vielmehr wird das Argument genährt, Abhilfe sei nur durch Sezession möglich.

Aus dem Englischen von Ansgar Graw

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Demokratie ohne Selbstbestimmung ist keine Demokratie

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Gruß Hubert

Veröffentlicht 28. Oktober 2017 von hubert wenzl in Politik, Uncategorized

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Neues Sterbehilfe-Gesetz schafft nur neue Probleme   Leave a comment

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Mich ärgert immer das Gerede von den Hospiz-Vereine, die meines Wissens immer in konfessioneller Trägerschaft sind, die gebetsmühlenartig wiederholen, dass wenn man Menschen die Sorgen, Ängste und Schmerzen nehmen würde, dann würden sie von ihrem Sterbewunsch abkommen. Wenn jemand sterben will, dann will er oft auch sterben, ohne dass obige Gründe zutreffen. Was heißt das Sorgen und Ängste? Mit denen können Menschen normal selbst umgehen. Da braucht es keine konfessionellen Tanten oder Onkeln, die Händchen halten wollen. Da werden Menschen behandelt als wenn sie unmündig wären. Außerdem gibt es auch Schmerzen, wo auch stärkste Medikamente nicht mehr helfen. Wenn zum Beispiel jemand im Frühstadium die Diagnose gestellt bekommt, dass er an Alzheimer erkrankt ist, dann will er sich oft das nicht mehr antun, vor allem weil es ihm um seine Würde geht. Aber es gibt auch viele andere Gründe. Warum soll sich jemand überhaupt rechtferigen müssen? Diesen letzten Schritt soll er selbstbestimmt tun dürfen.
Die heutige Regelung (06.11.2015) dient niemandem, im Gegenteil sie stiftet Verwirrung. Wieder einmal wurde gegen den Willen des Volkes entschieden.

Mehr Probleme als Nutzen

Stand: 06.11.2015

Kommentar von Peter Mücke, ARD-Hörfunkstudio

Die Grünen-Abgeordnete Katja Keul zitierte in der Debatte den Staatsphilosophen Montesquieu: „Wenn es nicht notwendig ist, ein Gesetz zu machen, dann ist es notwendig, kein Gesetz zu machen.“ Der Bundestag ist dieser Devise nicht gefolgt – leider. Er hat ein Gesetz verabschiedet, das keiner braucht, aber für viele Probleme sorgen könnte. Und das noch dazu auf dem sensiblen Gebiet der Sterbehilfe.

Die Beihilfe zum Suizid steht also künftig unter Strafe, wenn sie geschäftsmäßig betrieben wird. Das heißt nach juristischer Definition: auf Wiederholung angelegt ist. Getroffen werden sollen damit Sterbehilfe-Organisationen, wie die des ehemaligen Hamburger Justizsenators Roger Kusch. Dafür hätte es allerdings keines neuen Gesetzes bedurft, wie die Ermittlungen gegen ihn zeigen.

Keine Rechtssicherheit für Ärzte

Dafür könnten jetzt Menschen ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten, die allseits akzeptierte Sterbehilfe leisten. Ärzte in Hospizen und auf Palliativstationen zum Beispiel. Denn deren Handeln ist mit Sicherheit auf Wiederholung angelegt. Auch mancher Hausarzt dürfte betroffen sein – auch wenn das die Befürworter der Neuregelung vehement bestreiten.

Was „geschäftsmäßig“ und „auf Wiederholung angelegt“ ist, müssen letztlich in jedem Einzelfall wohl die Gerichte entscheiden. Sie müssen das Gesetz auslegen, das der Bundestag beschlossen hat. Die ehemalige Bundesjustizminister Brigitte Zypries sieht schon eine Prozesswelle kommen. Rechtssicherheit für Ärzte, Sterbenskranke und Angehörige sieht anders aus. Von der Verunsicherung könnten jetzt sogar noch die Sterbehilfevereine im Ausland profitieren.

Entscheidung gegen den Willen des Volkes

Und noch etwas ist an der Entscheidung bedenklich: Bei kaum einem anderen Thema haben sich die Volksvertreter so gegen den Willen des Volkes gestellt, das sie vertreten sollen. Je nach Umfrage sind 75 bis 80 Prozent der Bevölkerung für Sterbehilfe und gegen eine Einmischung des Staates – noch dazu durch das Strafrecht.

Dabei hätte der Bundestag noch die Gelegenheit gehabt, das Schlimmste zu verhindern. Ein NEIN bei der Schlussabstimmung wäre auch nach zwei Jahren Debatte keine Schande gewesen. Im Gegenteil: Es wäre das Eingeständnis gewesen, dass sich der Gesetzgeber aus manchen Dingen heraushalten sollte – gerade, wenn es um das heikle Thema Leben und Tod geht.
Von Peter Mücke, NDR

Neues Sterbehilfe-Gesetz schafft nur neue Probleme

„Wer einem Wesen ein Leben in Leid zumutet und meint, der Wert des Lebens bestehe ausschließlich im Dasein, im Atmen und ansonsten im Vegetieren, hat sich moralisch und ethisch diskreditiert. Er ist ein sadistischer Lebensverächter der übelsten Sorte, ein Mensch, der die viel gepriesene Würde des Menschen, des Lebens schlechthin, massiv mit Füßen in den Dreck seiner beschränkten Weltsicht tritt .” (Dr. Gunter Bleibohm)

Dem habe ich nichts hinzuzufügen.

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Gruß Hubert

Seelische Grundlagen einer Gesellschaft – Erich Fromm   Leave a comment

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Ich möchte hier einige Gedanken des Sozialpsychologen und Philosophen Erich Fromm vorstellen. Er erklärt auch, wie es dazu kommt dass das Kind gezwungen bzw. manipuliert wird seine eigenen, aus sich selbst kommenden Wünsche und den eigenen Willen aufzugeben und stattdessen sich fremdbestimmen zu lassen. Es nimmt fremde Wünsche und Gefühle an. Hier wird schon der Samen gelegt, dass Menschen meist nicht frei und glücklich leben können. Von kirchlicher Seite kommt da noch, neben vielen anderen Dingen, die Unterdrückung der Sexualität, die von entscheidender Bedeutung für die Psyche und die Freiheit des Menschen ist. Diese Unterdrückung der Sexualität kommt nicht von ungefähr und ist wohldurchdacht. Die Selbstbestimmung und das eigene Denken ist der größte Feind der Kirchen. Ihre Macht beruht auf Fremdbestimmung bzw. ob sich ein Individuum fremdbestimmen lässt.

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Aus: Erich Fromm – Haben oder Sein
Die seelischen Grundlagen einer neuen Gesellschaft

Eingeschränkt wird die freie, spontane Willensäußerung des Säuglings, des Kindes, des Jugendlichen und schließlich des Erwachsenen, sein Verlangen nach Wissen und Wahrheit, sein Wunsch nach Zuneigung.
Der im Wachstum begriffene Mensch wird gezwungen, die meisten seiner autonomen, echten Wünsche und Interessen und seinen eigenen Willen aufzugeben und einen Willen, Wünsche und Gefühle anzunehmen, die nicht aus ihm selbst kommen, sondern ihm durch die gesellschaftlichen Denk- und Gefühlsmuster aufgenötigt werden.
Die Gesellschaft und die Familie als deren psychosoziale »Agentur« haben ein schwieriges Problem zu lösen: Wie breche ich den Willen eines Menschen, ohne daß dieser es merkt? Durch einen komplizierten Prozeß der Indoktrination, durch ein System von Belohnungen, Strafen und entsprechender Ideologie wird diese Aufgabe jedoch so gut gelöst, daß die meisten Menschen glauben, ihrem eigenen Willen zu folgen, ohne sich bewußt zu sein, daß dieser konditioniert und manipuliert wurde.
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Die größte Schwierigkeit bei dieser Unterdrückung des Willens besteht hinsichtlich der Sexualität, da wir es hier mit einem starken natürlichen Streben zu tun haben, das weniger leicht zu manipulieren ist als viele andere Wünsche. Aus diesem Grund wurde die Sexualität heftiger bekämpft als fast jedes andere menschliche Verlangen. Es erübrigt sich, die verschiedenen Formen von Diffamierung der Geschlechtlichkeit aufzuzählen, von moralischer Verteufelung (Sexualität ist an sich böse) bis zu gesundheitlichen Argumenten (Masturbation ist schädlich).

Die Kirche verbietet die Geburtenkontrolle im Grunde nicht deshalb, weil sie um die Heiligkeit des Lebens besorgt ist (eine Besorgnis, die zur Ablehnung der Todesstrafe und einer Verdammung des Krieges führen würde), sondern um die Sexualität zu verunglimpfen, sofern sie nicht der Fortpflanzung dient.

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aus: Erich Fromm – Gesellschaft und Seele
Beiträge zur Sozialpsychologie und zur psychoanalytischen Praxis
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Es kam uns nur darauf an, das Prinzipielle zu zeigen, nämlich, daß das, was das Kind in der Familie erlebt, der Reflex der gesellschaftlichen Lebenspraxis ist, und daß die Familie nicht die Ursache der Charakterbildung, sondern der Mechanismus der Transmission der gesellschaftlich gegebenen Züge auf das Individuum darstellt. Noch anders ausgedrückt, die Familie ist die psychologische Agentur der Gesellschaft. Das Studium der Famiienstruktur ist unerläßlich für das Verständnis der für eine Gesellschaft typischen Persönlichkeitsstruktur; denn nur die Kenntnis der Einzelheiten des Familienlebens und der Erziehungsweise gibt eine Einsicht darüber, wie sich die gesellschaftlichen Erfordernisse, soweit sie die Persönlichkeit betreffen, ins Individuell-Psychische umsetzen. Es ist jedoch verfehlt, bei der Analyse einer Gesellschaft bei der Darstellung ihres Erziehungsprozesses als letztem Datum stehenzubleiben. Der Erziehungsprozeß selbst wieder muß auf seine gesellschaftlichen Bedingungen analysiert werden.

aus: Erich Fromm – Humanistisches Credo

Ich glaube, Erziehung bedeutet, daß man die Jugend mit dem Besten bekanntmacht, was ihr die Menschheit hinterlassen hat. Wenn dieses Erbe auch großenteils in Worten überliefert ist, so kann es doch nur wirksam werden, wenn diese Worte in der Person des Lehrers und in der Praxis und Struktur der Gesellschaft Wirklichkeit werden. Nur die Idee, die »Fleisch wird«, kann einen Einfluß auf den Menschen ausüben; die Idee, die ein Wort bleibt, kann nur Worte ändern.
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Ich glaube an die Vervollkommnungsfähigkeit des Menschen. Darunter verstehe ich, daß der Mensch sein Ziel erreichen kann, es aber nicht erreichen muß.
Wenn jemand nicht das Leben wählen will und deshalb nicht weiterwächst, wird er unausweichlich destruktiv, ein lebender Leichnam. Das Böse und der Verlust des Selbst sind ebenso wirklich wie das Gute und die Lebendigkeit.
Sie sind die sekundären Möglichkeiten des Menschen, wenn er sich nicht für seine primären Möglichkeiten entscheidet.
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Ich glaube, daß der Mensch nur ausnahmsweise als Heiliger oder als Verbrecher geboren wird. Die meisten von uns besitzen sowohl Dispositionen zum Guten wie zum Bösen, wenn auch ihr jeweiliges Gewicht von Mensch zu Mensch verschieden ist. Daher wird unser Schicksal weitgehend von jenen Einflüssen bestimmt, die die vorhandenen Dispositionen formen und gestalten. Den wichtigsten Einfluß übt die Familie aus. Aber die Familie ist selbst nur »die Agentur der Gesellschaft«, der Transmissionsriemen für die Werte und Normen, welche eine Gesellschaft ihren Mitgliedern einprägen will.
Aus diesem Grund sind Struktur und Werte der Gesellschaft, in die ein Mensch hineingeboren wird, die wichtigsten Faktoren für seine Entwicklung.

aus: Burkhard Bierhoff – Zum Zusammenhang von Arbeit, Charakter und Erziehung

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http://www.pagan-forum.de/Thema-Schlechte-Laune?page=2
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Erich Fromm: Krank sind die Angepaßten!
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Gruß Hubert

Sterbehilfe und Selbstbestimmung   Leave a comment

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Vor allem von Seiten der Hospiz-Bewegung und der Palliativ-Medizin wird immer wieder ins Feld geführt, wenn es gelingt dem Mensch die Schmerzen zu nehmen würde auch der Wunsch nach einem selbstbestimmten Tod verschwinden. Ich bezweifle ob es immer gelingt die Schmerzen zu nehmen, aber lassen wir das mal dahingestellt sein. Egal aus welchem Grund muss ein Mensch das Recht haben haben sein Leben selbstbestimmt zu beenden. Und wenn es aus Lebenssattheit wäre. Mein Leben und mein Tod gehört mir. Kein Arzt, kein Pfaffe und kein Politiker hat das Recht mir ein würdevolles Sterben zu verwehren. Vor allem den Kirchen passt die Selbstbestimmung der Menschen nicht. Ihr Gewicht ist in der Diskussion um Sterbehilfe viel zu groß und man weiß dass sie fix auf einem Punkt beharren.
Der Hinweis auf einen möglichen Missbrauch ist an den Haaren herbeigezogen und dieser Hinweis kommt wie das Amen im Gebet. Alles im Leben kann man missbrauchen, auch ein Küchenmesser.

Im ersten Artikel unseres Grundgesetzes ist zu lesen:
„Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“

Wenn ich einem kranken Menschen, der in Schmerzen und seinen eigenen Verfall hilflos beobachtend das Recht verwehre, aus freier Entscheidung aus dem Leben zu treten, wird genau diese Würde NICHT mehr respektiert. Wir nehmen uns das Recht heraus, Tiere zu euthanasieren, die uns über ihren Zustand keine Auskuft geben können, verwehren diesen Weg aber Menschen, die uns Ihren Wunsch klar kommunizieren können? Ich finde das für unsere moderne Gesellschaft leider ziemlich rückschrittlich und hoffe, dass wir dieses Manko bald überwunden haben.

Das Todeserlebnis seiner Frau hat Udo Reiter veranlasst, sich eingehender mit der Problematik des Sterbens zu befassen.

Aus der „ZEIT“:

Autobiografie Udo Reiter – Meine letzte Freiheit

Udo Reiter führte bislang ein selbstbestimmtes Leben: Als Top-Manager, als Querschnittsgelähmter. In seiner Autobiografie fordert er sein Recht auf ein selbstbestimmtes Sterben ein. Daraus ein Auszug von Udo Reiter.

Kurz bevor ich mich vom MDR zurückzog, starb meine Frau. Ich habe das erste Mal in meinem Leben Sterben aus der Nähe erlebt. Sie hatte seit einigen Jahren Krebs. Erst der Darm, später kam die Leber dazu, dann die Milz und schließlich die Lunge. Sie hat die tödliche Diagnose und die qualvollen Behandlungen, Operationen, Chemotherapien, mit einer bewundernswerten Haltung ertragen. (…)

Mich hat dieses Todeserlebnis veranlasst, mich eingehender mit der Problematik des Sterbens zu befassen. (…) Woher nehmen Politiker, Kleriker und Medizinfunktionäre das Recht, über meinen Tod zu entscheiden? Das Recht auf Selbstbestimmung ist die Grundlage unserer Verfassung. Für alle Lebensbereiche wird es eingefordert. Nur das Recht auf den eigenen Tod will man uns nicht einräumen. Hier wird theologisch argumentiert und psychiatrisch, hier werden alle möglichen medizinischen und juristischen Gesichtspunkte bemüht, die mein Selbstbestimmungsrecht in diesem speziellen Fall angeblich außer Kraft setzen. Als Gunter Sachs seinem langen und schönen Leben im hohen Alter aus Angst vor drohender Debilität mit einem Schuss ein Ende setzte, erklärte irgendein aufgeblasener Psychiatrieprofessor im Fernsehen, dass Sachs wegen einer offensichtlichen depressiven Verstimmung nicht mehr im Stande gewesen sei, eine selbstständige Entscheidung zu treffen, und man ihn vor sich selbst hätte in Schutz nehmen müssen. Das hat mich empört.

Selbst wenn ich eine Depression habe, es ist meine, und sie geht den Professor gar nichts an. Es kann nicht sein, dass andere bestimmen dürfen, wann wir über uns entscheiden können und wann nicht. Das ist das Ende der Idee der Selbstbestimmung, der Anfang des totalitären Betreuungsstaats. Und wenn es eine »Fehlentscheidung« ist, die ich treffe, dann ist es meine Fehlentscheidung. Es ist die Konsequenz der Freiheit, auch Fehlentscheidungen treffen zu können. Und es gehört zu einer freien Gesellschaft, sein Lebensende selbst festsetzen zu können.

Ich habe trotz Rollstuhl ein schönes und selbstbestimmtes Leben geführt.

Ich möchte nicht als Pflegefall enden, der von anderen gewaschen, frisiert und abgeputzt wird. Ich möchte mir nicht den Nahrungsersatz mit Kanülen oben einfüllen und die Exkremente mit Gummihandschuhen unten wieder herausholen lassen. Ich möchte nicht allmählich vertrotteln und als freundlicher oder bösartiger Idiot vor mich hin dämmern. Und ich möchte ganz allein entscheiden, wann es so weit ist und ich nicht mehr will.

Ohne Bevormundung durch einen Kardinal, einen Ärztepräsidenten oder einen Bundestagsabgeordneten. Und wenn ich das entschieden habe, möchte ich mich ungern vor einen Zug rollen oder mir, wie das verschiedentlich empfohlen wird, eine Plastiktüte über den Kopf ziehen und mit einem Klebeband eng um den Hals befestigen, bis mir der Sauerstoff ausgeht und ich am Kohlenstoffdioxid ersticke. Ich möchte auch nicht in die Schweiz fahren und mich dort auf einem Parkplatz oder in einem Hotelzimmer von Mitarbeitern der Sterbehilfe Exit einschläfern lassen.

Ich möchte bei mir zu Hause, wo ich gelebt habe und glücklich war, einen Cocktail einnehmen, der gut schmeckt und mich dann sanft einschlafen lässt. Dieses Recht auf einen selbstbestimmten Tod ist das Gegenstück zum Recht auf ein selbstbestimmtes Leben. Ich finde es unerträglich, dass eine Allianz aus Politik, Kirche und Ärzteschaft uns dieses Recht immer noch vorenthalten will.

Wir sollten uns das nicht gefallen lassen. Wir sollten den Cocktail einfordern als letzte Leistung unserer Krankenkasse. Der Hinweis auf einen möglichen Missbrauch ist lächerlich. Alles im Leben kann man missbrauchen, auch ein Küchenmesser, und der mögliche Missbrauch einer Sache ist nie ein Argument gegen die Sache selbst. Ob es neben den ethischen Einwänden gegen die aktive Sterbehilfe auch ökonomische Interessenlagen gibt, die einer Cocktaillösung im Weg stehen, weiß ich nicht.

Wenn man sieht, welche horrenden Rechnungen gerade in den letzten Monaten eines verlöschenden Lebens von Ärzten und Pharmaindustrie ausgestellt werden, könnte einem der Verdacht kommen.

Um es klar zu sagen: Ich freue mich meines Lebens und möchte, solange es irgend geht, dabei sein. Aber wenn es nicht mehr geht, möchte ich nicht in einer Weise abtreten, die ich quälend finde und die meiner bisherigen Lebensweise unwürdig ist.

http://www.zeit.de/2013/07/Udo-Reiter-Autobiografie-Buchauszug

 

Gruß Hubert

 

Suizidhilfe: „Warum dürfen nur Tiere ‚human‘ erlöst werden?“   Leave a comment

Suizidhilfe ist ein delikates Thema, worüber man vor allem mit den christlichen Kirchen nicht reden kann. Gleich wie diese verhindern möchten, dass Menschen selbst bestimmen können, wann sie Kinder bekommen, möchten sie auch verhindern, dass jemand selbst seinen Tod bestimmt, weil damit die „göttliche Allmacht“ fällt. Warum sollte ein Mensch zum Schluß unmenschlich leiden müssen?

Hier ein Auszug aus paperblog.com

WEIMAR. (fgw) Die Diplom-Psychologin Gita Naumann, beim Humanistischen Verband Berlin seit über 20 Jahren verantwortlich tätig im Bereich Lebens- und Krisenhilfe / Sterbebegleitung / Patientenverfügung, hat jetzt einen Sammelband zum Thema „Suizidhilfe als Herausforderung“ vorgelegt. Dieser Band enthält ärztliche, ethische und psychologische Positionen aus Sicht der Praxis sowie persönliche Aussagen Betroffener, verbunden mit juristischen Klarstellungen und humanistischen Lösungsansätzen. Die Überschrift dieses Artikels ist dem Brief einer Betroffenen entnommen.

Doch zunächst, der Suizid bzw. Freitod ist in unserem seit mehr als 15 Jahrhunderten vom Staats-Christentum geprägten Kulturkreis nach wie vor ein Tabu-Thema, wird von kirchlicher Seite als Selbstmord, also als ein Verbrechen, denunziert. Ganz anders sieht es in anderen Kulturkreisen aus. Ganz anders sah es auch in der vorchristlichen Zeit Europas aus, also in den antiken hellenistischen, römischen, keltischen, germanischen und slawischen Kulturen (und Religionen). Das menschliche Recht auf einen selbstbestimmten, würdevollen, ehrenhaften Tod war bzw. Ist gesellschaftlich akzeptiert.

Anders eben im Christentum. Warum? Ich nenne dafür – in aller Kürze – nur zwei Gründe: menschliche Selbstbestimmung führt eine „göttliche Allmacht“ ad absurdum. Vor allem aber: menschliche Selbstbestimmung über Leben, Lebensweisen, Gesundheit und auch über das Lebensende gefährdet das Hauptziel aller Priesterkasten – also die Macht, ihre Macht, über Menschen.

[…]
Doch leider kommen in dieser Frage, wie eigentlich in unserer Gesellschaft leider üblich, die Betroffenen nicht zu Wort bzw. wird deren Wort abgetan. Abgetan von Klerikern, abgetan von einer den christlichen Kirchen zugeneigten Politik, Justiz und auch Ärzteschaft. Und nicht vergessen soll dies werden: seit aus einem Gesundheitswesen ein Gesundheitsmarkt geworden ist, läßt sich mit Pharmaka, Apparatemedizin, Pflegeheimen u.a. Einrichtungen sehr, sehr viel Geld verdienen. Einrichtungen in privater Trägerschaft, und dazu zählen ohne Anstriche auch Einrichtungen in kirchlicher Trägerschaft, sollen, wollen, müssen Gewinn erzielen. Ist doch Gewinnerzielung der einzige Zweck privater Unternehmen.

Und zur Verschleierung z.B. von Machtinteressen und von Gewinnstreben, wurden/werden Mythen aller Art erfunden und medial breit gestreut.

In ihrem einführenden Beitrag „Mythen, Realitäten und eine neue Debatte“ schreibt daher Gita Neumann, daß es zum Thema Suizid und Suizidhilfe in Deutschland ein ganzes Bündel von Mythen gibt: den Allmachtsmythos einer überschätzten und ideologisch (christlich) vereinnahmten Palliativmedizin und der Hospize, den Rechtfertigungsmythos des so nicht existenten Hippokratischen Eides; vor allem aber den Mythos daß die Hilfe zum Suizid in Deutschland verboten sei…

[…]
Meinolfus W.M. Strätling, ebenfalls Arzt, stellt daher die berechtigte Frage an die sogenannte verfaßte Ärzteschaft: „Assistierter Suizid – grundsätzlich ‚keine ärztliche Aufgabe? – Eine Bestandsaufnahme und Kritik: Medizin – Ethik – Recht“.

Er kritisiert u.a. die belegte „einseitige, weltanschaulich motivierte Vereinnahmung und Unterwanderung der Palliativmedizin, der Hospizbewegung und ihrer Grundanliegen“ (S. 95/96).

Da kann man nur auf die seit alters bewährte Methode des christlichen Klerus verweisen: „Wenn ich etwas nicht verhindern kann, dann setze ich mich an dessen Spitze und lasse es ins Leere laufen…“

[…]
Strätling fordert die Anerkennung der „conditio humana“ (und setzt sich damit in Gegensatz zu den christlichen Kirchen): „Der Mensch ist sterblich. Er ist dem Tod und denkbar damit auch dem Leiden unterworfen. Dieses Leid kann und sollte (…) sicher bestmöglich vermieden oder gelindert werden. Eine ‚Erlösung‘ davon kann die scheinbare ‚Heilsbotschaft‘ Palliativmedizin aber sicher nicht bieten.“ (S. 100) Er fordert daher „ärztliche Leidvermeidung statt Zementierung der Grauzone“ und spricht sich deshalb dafür aus, daß die Vermeidung von schlimmen Leid durch den ärztlich assistierten Suizid durchaus zu den ärztlichen Aufgaben gehöre.

[…]
Zur öffentlichen Wahrnehmung des Themas schreibt Strätling: „Empirisch existieren viele Hinweise, daß die öffentliche Berichterstattung überwiegend durch Unwissen, Unsicherheiten und gezielte Desinformation geprägt ist. (…) Zu identifizieren sind dabei vor allem konservative bzw. religiös motivierte Kreise (…) und der Hospizbewegung. Dies belegt eine überwiegend weltanschaulich-ideologische und berufspolitische Motivation.“ (S. 124) Und er weist auf eine Überrepräsentanz „christlicher Träger“ in der Palliativmedizin und Hospizbewegung hin, was im „Sinne der Vertretung weltanschaulicher Pluralität (…) nicht legitim sei.“ (S. 132). In diesem Zusammenhang fällt die Bemerkung, daß sich der Klerus in der Debatte gerne hinter „medizinethischen“ Argumenten verstecke.

[…]
Gita Neumann schreibt aber als Fazit des Sammelbandes dies klar und deutlich: „Das unstrittige Recht, die eigene Grenze der Leidensfähigkeit selbst zu bestimmen, darf nicht zum Recht auf Suizidhilfe umdefiniert werden.“ Und: „Beherzigen wir zur Entscheidung ideologischer Grundsätze immer, daß niemand meinen darf, definieren zu können, was die Würde am Ende des Lebens bedeutet – es sei denn für sich selbst.“ (S. 234)

Nun, das dürfte dem christlichen Klerus aber absolut nicht gefallen…
Erstellt am 27. Oktober 2012 von Freigeistweimar

Suizidhilfe-warum-dürfen-nur-Tiere-human-erlöst-werden

Gruß Hubert