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Wie mich zwei Ärzte von meinem Schwulsein heilen wollten – Teil 2   Leave a comment

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In Dresden erklärt mir der Arzt, welche Ursachen für Homosexualität aus seiner Sicht infrage kommen. Häufig wertschätze der Vater seinen Sohn nicht genug. Oder die Mutter überbehüte den Sohn. Oder seine potenziellen Patienten seien nicht in ihrer „Peergroup“ angekommen, fühlen sich also nicht als Junge unter Jungen oder als Mann unter Männern. Langsam werde ich wütend. Wie kann ein approbierter Arzt, der an einer Universität studiert hat, derlei behaupten?

Wer mag Hilfe bei ihm suchen? Es sind wohl junge Männer, die sich von Familie, Freunden oder Gemeinden unter Druck gesetzt fühlen. Für manche ist eine offen ausgelebte Homosexualität aus Glaubensgründen undenkbar. Ich spreche während der Recherche mit Menschen, die erfolglos an Seminaren teilgenommen haben, um von ihrer Homosexualität wegzukommen. Vieles laufe im Verborgenen ab, sagen sie, solche Angebote würden oft unter der Hand empfohlen. Zahlen über Teilnehmer und Patienten, über Seminare und Therapien gibt es nicht. Aber auch wenn es sich um eine kleine Minderheit der Ärzte handeln dürfte: Ihr Ansinnen ist gefährlich.

Die Bundesärztekammer warnt vor den gravierenden Folgen solcher Umpolungsversuche. Im vergangenen Herbst hat sie nach der Generalversammlung des Weltärztebundes noch einmal in einer öffentlichen Erklärung klargestellt, dass Homosexualität keine Erkrankung ist. Sogenannte Konversionstherapien seien nicht nur unwirksam, sondern könnten sich negativ auf die Gesundheit auswirken.

Auch die Oberärztin Lieselotte Mahler hat sich mit den möglichen Folgen solcher Veränderungsversuche beschäftigt: „Das Gefühl, in der Therapie versagt zu haben, kann zu tiefen Depressionen und Angststörungen bis hin zu Selbstmorden führen“, sagt sie. Mahler ist Psychiaterin an der Berliner Charité und leitet bei der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie das Referat für sexuelle Orientierung. Sie vermutet, dass kein Psychotherapeut heute noch offiziell Konversionstherapien anbietet, doch Diskriminierung und veraltete Therapieansätze kämen vermutlich vor. „Da gibt es sicher eine hohe Dunkelziffer“, so Mahler.

Umpolungstherapien können also nachweislich schlimme Folgen haben. Konsens unter allen Medizinern? Ganz offensichtlich nicht. Der katholische Arzt Gero Winkelmann beispielsweise hält die Warnung der Bundesärztekammer vor Veränderungsversuchen für eine „Katastrophe“ und für „wissenschaftlich nicht ganz ausgegoren“. Ich treffe ihn auf einem Christlichen Gesundheitskongress in Bielefeld – einer Messe für strenggläubige Ärzte und Pfleger. Bibeltreue Organisationen beider Konfessionen stellen hier aus, werben für ihre Positionen – engagieren sich zum Beispiel gegen jede Form von Schwangerschaftsabbruch. Die Teilnehmer beten gemeinsam und diskutieren über den Einfluss von Religion auf die Gesundheit.

Dort vertritt Gero Winkelmann an einem Stand den Bund Katholischer Ärzte. Die Medizinergruppe protestiert gegen Abtreibung und warnt außerdem vor „psychischen und medizinischen Gefahren eines Zusammenlebens ohne Trauschein“. Ihr Vorsitzender Winkelmann hat vor einigen Jahren auch einen sogenannten Forschungskreis Homosexualität gegründet. Nach eigenen Angaben gehören diesem Kreis inzwischen etwa zwanzig Mediziner an. Dabei gehe es „primär“ um das „Aufzeigen von Hilfs- und Therapiemöglichkeiten“, heißt es auf der Homepage.

In einem Faltblatt behauptet der Bund Katholischer Ärzte, Homosexualität sei eine „psychische Störung“. Gero Winkelmann findet, Ärzte sollten Homosexuellen die schwere Last nehmen, die sie tragen, damit sie nicht mehr unter Druck stünden, sich sexuell derart zu benehmen. Winkelmann glaubt außerdem, dass man Homosexuelle homöopathisch therapieren kann und schlägt eine Art Entgiftung vor. So soll der Körper von Krankheiten vorheriger Generationen wie Syphilis und Tuberkulose gereinigt werden. Solche „Erbkrankheiten“ können seiner Ansicht nach der Grund für Homosexualität sein.

Ich hätte niemals gedacht, dass es im Jahr 2014 mitten in Deutschland tatsächlich Ärzte gibt, die Homosexuelle homöopathisch behandeln oder unter dem Deckmantel einer Psychotherapie umpolen wollen. Ich recherchiere weiter und entdecke im Internet einen niedergelassenen Arzt aus Hamburg. Er ist Internist und reist offenbar immer wieder durch Deutschland, um in freien Gemeinden für die Heilung von Gläubigen zu beten.

Die Gemeinden gehören zur pfingstlich-charismatischen Bewegung. Deren Anhänger glauben, dass der Heilige Geist ihnen bestimmte Gaben verleiht, sogenannte Charismen, zu denen das Heilen von Krankheiten gehört. Auch der Hamburger Arzt glaubt, dass selbst schwere Krankheiten wie Krebs durch Gott und Gebet heilbar sind. Ob er meine Homosexualität als Krankheit sieht?

92,50 Euro für die Behandlung einer psychischen Störung

Ich besuche den Heilungsgottesdienst einer Freikirche in Süddeutschland, bei dem er als Gastredner auftritt. Am Ende der Veranstaltung strömen viele Gläubige nach vorn, um persönlich um Heilung zu bitten. Auch ich gehe zu ihm, möchte den Arzt fragen, ob er meine Homosexualität für heilbar hält. „Keine Frage! Logisch!“, antwortet er. Aus einem kleinen Fläschchen reibt er mir Öl auf die Stirn und betet für mich. Ich solle ab jetzt alle zehn Minuten zu Gott beten. Wenn meine Homosexualität in einigen Tagen nicht verschwunden sei, solle ich in seine Hamburger Praxis kommen.

Knapp zwei Wochen später habe ich einen Termin in seiner Sprechstunde. Er lässt im Behandlungszimmer die Jalousien herunter; mir ist unheimlich zumute. Dann erklärt er, er wolle mir den „Geist der Homosexualität“ austreiben. Der Arzt legt mir seine Hände auf Kopf und Brust und drückt mich auf dem Stuhl langsam nach hinten. Wie schon beim Gottesdienst reibt er mir Öl auf die Stirn und betet. Anschließend erkundigt er sich nach dem Erfolg seiner Dämonenaustreibung. „Hast du das eben gemerkt? Dass da so eine Wolke rausgekommen ist?“ Ich habe nichts bemerkt, der Arzt schon: Mindestens ein Geist sei rausgegangen.

Ich sitze im Sprechzimmer eines approbierten Arztes und erlebe eine Art Exorzismus. Ich frage mich: Lässt er sich das von der Kasse bezahlen? Am Ende der Sprechstunde sagt er, das Gebet sei kostenlos, bittet mich aber um eine Spende. Er fügt hinzu, einen kleinen Betrag werde er über die Krankenkasse abrechnen. Der Dresdner Arzt erklärte mir dagegen ganz offen, dass er seinen Veränderungsversuch als „tiefenpsychologische Therapie“ mit der Krankenkasse abrechne. Zahlen also alle Versicherten für solche dubiosen Umpolungen?

Ich hatte mich bei beiden Ärzten als privat versichert ausgegeben, sodass ich die Abrechnungen mit der Post zugeschickt bekomme. Tatsächlich erhalte ich von beiden Ärzten Rechnungen, die für die Krankenkasse bestimmt sind. Der Dresdner Arzt verlangt für die erste Sitzung 92,50 Euro – für die Behandlung einer psychischen Störung. Und der Hamburger Arzt rechnet 40,22 Euro für die „Erörterung einer lebensverändernden Erkrankung“ ab. Mit solchen lebensverändernden Erkrankungen meint die Gebührenordnung eigentlich Krankheiten wie Krebs. Beide Ärzte haben mir versichert, dass die Abrechnung mit den Kassen völlig problemlos sei.

Ich frage mehrere große Krankenversicherungen, ob sie Fälle von Umpolungstherapien kennen. Von den Kassen heißt es, dass ihnen der Inhalt von Therapiegesprächen nicht bekannt sei. Ich möchte wissen, ob die Abrechnung solcher Veränderungsversuche denn grundsätzlich zulässig sei. Erstaunlicherweise weichen die Kassen aus: Techniker, AOK und Barmer verweisen auf die Therapiehoheit der Ärzte und auf komplexe Genehmigungsverfahren. Der Verband der Privaten Krankenversicherung schreibt, dies sei eine rechtliche Frage, die Entscheidung liege nicht beim Verband. Der Hamburger Arzt selbst hat ein Interview mit dem NDR aus Termingründen abgelehnt. Schriftliche Fragen lässt er unbeantwortet.

Auf die Frage, ob das erlaubt sei, antwortet keine Versicherung mit Nein

Manche Ärzte halten Homosexualität für eine Störung. Sie schicken Abrechnungen, um dubiose Behandlungen von den Krankenversicherungen bezahlen zu lassen. Auf die Frage, ob das erlaubt sei, antwortet keine einzige der angefragten Versicherungen mit einem klaren Nein. Das verstehe ich nicht.

Mit welchen Konsequenzen müssen Ärzte und Psychotherapeuten bei solchen Behandlungsmethoden rechnen? Die Bundesärztekammer schreibt, Homosexualität sei keine Krankheit und erfordere deshalb „keinerlei Heilung“ – auch keine „homöopathische Behandlung“. Sie erklärt, „Gebet und Dämonenaustreibung“ seien keine ärztlichen Behandlungsmethoden. Zu einer Psychotherapie mit dem Ziel, die sexuelle Orientierung zu verändern, äußert sich die Bundesärztekammer allerdings nicht. Ob ein Verstoß gegen eine ärztliche Berufsordnung vorliege, könne nur in Kenntnis des konkreten Falls und nur von der entsprechenden Ärztekammer beantwortet werden.

In Dresden glaubt der Arzt am Ende der Sitzung, den Grund für meine Homosexualität gefunden zu haben: Am Kinn habe ich seit meiner Geburt eine Narbe. Sie stammt von einem kleinen Blutschwamm, der mir wenige Wochen nach der Geburt während einer Operation herausgeschnitten wurde. Deshalb sei ich wahrscheinlich schwul geworden, sagt der Arzt. Manchmal entstehe Homosexualität dadurch, dass man mit dem eigenen Körper unzufrieden sei.

Co-Autoren: Oda Lambrecht, Jennifer Stange

Wie mich zwei Ärzte von meinem Schwulsein heilen wollten – Teil 2

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Liebe Verboten – Wo Schwulsein strafbar ist

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Gruß Hubert

Homosexuelle werden in Uganda für politische Ambitionen geopfert   Leave a comment

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Es kann nicht angehen, dass ein Diktator für seine politischen Ambitionen sich eine Gruppe aussucht, in diesem Fall Homosexuelle um sein Süppchen damit zu kochen. Was geht einem Regierungschef oder überhaupt dem Staat etwas an, welche sexuellen Orientierungen jemand hat. Es ist auch nicht einzusehen warum sie nicht dieselben Rechte wie Heterosexuelle haben sollten. Wir leben ja nicht mehr in einer biblischen Zeit. Wegen dem Fortpflanzungsargument: die Überbevölkerung wird sowieso noch zu einem Problem und vor allem in unterentwickelten Ländern habe Ehepaare oft vier, fünf oder noch mehr Kinder. Da müssen nicht alle drauf los pimpern. Dann könnte man ja auch von kinderlosen Ehepaaren oder eventuell mit nur einem Kind höhere Steuern verlangen. In einigen Ländern (vor allem islamischen) scheint die Zeit stehen geblieben zu sein, wenn auf Homosexualität die Todesstrafe steht. Oft wird auch so getan als ob der heterosexuellen Ehe etwas weg genommen würde. Das ist ja nicht der Fall. Warum dann das Gejammer? Wenn es jemand nicht gefällt ist es sein persönliches Problem und Religioten werden da schon gar nicht den Ton angeben.

Wie sehr sich der Papst in schlechter Gesellschaft mit Diktatoren befindet, wenn es um die Verfolgung von Homosexuellen geht, zeigt der folgende Auszug. Er segnete am 12. Dezember 2012 die Parlamentsvorsitzende Ugandas, Rebecca Kadaga, die sich zu diesem Zeitpunkt gerade in Rom aufhielt und die die Todesstrafe für Homosexuelle will. Diese Segnung auch noch zum Anlaß einer Menschenrechtskonferenz, an der Rebecca Kadaga mit einer ugandischen Delegation teilnahm. Das kann man nur als Hohn der Menschenrechte interpretieren, als einen sehr schlechten Witz. Will der Papst bei den katholischen homosexuellen Priestern da eine Ausnahme machen? Ist laut dem Papst nur Abtreibung Mord?

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„Schläft einer mit einem Mann, wie man mit einer Frau schläft, dann haben sie eine Gräueltat begangen; beide werden mit dem Tod bestraft; ihr Blut soll auf sie kommen.“ (Levitikus 20,13)
Mit diesen Worten hat Vitus Huonder, Bischof von Chur, an einer Konferenz zum Thema Familie in Fulda (Deutschland) seine Position zu Homosexualität zum Ausdruck gebracht.

Wir hoffen, Sie erinnern sich an dasselbe Buch Levitikus, in dem geschrieben steht: „Du sollst dich nicht rächen noch Zorn bewahren gegen die Kinder deines Volks. Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst; ich bin der HERR.“ (Levitikus 19,18), hält jemand in einem Kommentar diesem erz-konservativen Bischof entgegen.

Es ist ziemlich arrogant als Vertreter einer Institution die viele Pädophile in ihren Reihen hat (von den Missbrauchsfällen hört man nichts mehr, ich glaube aber nicht dass es deswegen keine mehr gibt) über Homosexuelle solchen Hass auszuschütten und gegen sie zu hetzen.

 

Hier der Bericht von humanist-news (die Seite existiert leider nicht mehr)

Wien. (HN) Zeitgleich zum Start des neuen Twitter-Accounts @Pontifex? ( https://twitter.com/popeinuganda ) des Papstes, am 12. Dezember 2012, überbrachte er eine Segnung an die Parlamentsvorsitzende Ugandas, Rebecca Kadaga, die sich zu diesem Zeitpunkt gerade in Rom aufhielt.

Kadaga versprach die Einführung eines Gesetzes, das Homosexualität in Uganda unter Strafe stellt (wir berichteten). Das Strafausmaß lautet auf lebenslange Haftstrafe bei jeder homosexuellen Handlung und Todesstrafe bei homosexuellen Sex mit Minderjährigen oder HIV-infizierten. Rebecca Kadaga versprach Ugandas Christen das homosexuellenfeindliche Gesetz als Weihnachtsgeschenk.

Als Rebecca Kadaga ihren Segen bei Papst Benedikt XVI abholte, verweilte eine ugandische Delegation gerade auf einer Menschenrechtskonferenz, an der sie teilnahmen.

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KAMPALA: Freedom and Roam Uganda (FARUG) [eine Organisation in Kampala, die sich für die Rechte homosexueller, bisexueller und transgender-Personen einsetzt, Anm. d. Übers.] verurteilt mit Betroffenheit und Bedauern das Anti-Homosexuellen-Gesetz, das der Präsident Ugandas am Montag, den 24. Februar 2014 unterzeichnete.

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Homosexuelle werden in Uganda für politische Ambitionen geopfert

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Das Gesetz verstößt gegen fundamentale nationale und internationale Menschenrechtsstandards sowie gegen die Verfassung Ugandas, die den Schutz der Privatsphäre, Gleichheit und Nichtdiskriminierung einfordert. Darüber hinaus verweigert das Gesetz homosexuellen, bisexuellen und transgender-Personen das Recht auf Vereinigungs- und Versammlungsfreiheit.

Bei der Unterzeichnung des Gesetzes sagte der Präsident, dass das Land nicht dazu gezwungen werden kann, etwas „fundamental Falsches“ zu tun.

Das Anti-Homosexuellen-Gesetz, das als „Tötet-die-Schwulen-Gesetz“ berüchtigt ist, wurde erstmals im Jahr 2009 von dem Abgeordneten David Bahati im Parlament mit dem Ziel eingebracht, eine umfassende und konsolidierte Rechtsgrundlage zum Schutz der traditionellen Familie zu schaffen, indem jede Art von sexueller Beziehung zwischen gleichgeschlechtlichen Personen verboten werden sollte.

„Das Volk Ugandas soll wissen, dass es zum Zweck politischer Ambitionen hinters Licht geführt wurde. Die Debatte zu dem Gesetz war eine facettenreiche Aktion, um die Aufmerksamkeit von den wahren nationalen Anliegen abzulenken. Dieses Gesetz wird Ugandas Probleme wie den Mangel an Medikamenten in Krankenhäusern, das schlechte Bildungssystem, die schlechten Straßen oder die Korruption nie lösen. Das Gesetz wird nichts daran ändern, wie wir fühlen oder wen wir lieben. Es wird uns das Leben extrem schwer machen, aber es wird nichts ändern“, sagte Junic Wambya, geschäftsführender Direktor von FARUG.

Dieses Gesetz versetzt dem Zugang homosexueller, bisexueller und transgender-Personen in Uganda zum Gesundheitswesen und zu Informationen einen enormen Schlag, besonders im Hinblick auf Prävention und Behandlung von HIV. Die Kriminalisierung von gesundheitsbezogenen Aktionen und Agenden wird sich nicht nur auf Homosexuelle auswirken, sondern auf das gesamte Uganda.

„Es ist äußerst abstoßend, dem Staatsoberhaupt zuzuhören, wie es Menschen erniedrigt, die es eigentlich beschützen sollte. Der Präsident hat Medienberichte aus aller Welt verfälscht dargestellt, um sein Festhalten an der Macht zu rechtfertigen; für die Wählerstimmen der Einheimischen opfert er das Leben Homosexueller. Es ist bedauerlich, dass wir jetzt mehr als jemals zuvor auf der Hut sein müssen; aber vielleicht wird es sich auch im Nachhinein als Segen herausstellen. Wir bewegen uns nun schneller auf die lang erwartete Entkriminalisierung zu, da wir uns jetzt an das Verfassungsgericht wenden werden, das sogar das Strafgesetzbuch zerlegen wird. Das ist mein Trost für diesen Wahnsinn“, sagte Kasha Jacqueline, Gründer von FARUG.

Rechtliche Auswirkungen des Gesetzes

Jedes Gesetz sollte sein Inkrafttreten regeln, doch das Anti-Homosexuellen-Gesetz enthält keine Regelung zu seinem Inkrafttreten. Das bedeutet, dass es erst angewendet werden kann, sobald es amtlich bekanntgemacht wurde, was jederzeit nach der Zustimmung des Parlaments geschehen kann. Vor diesem Zeitpunkt darf niemand auf der Grundlage dieses Gesetzes angeklagt werden.

Es kann nicht zur Bestrafung eine Person, die die darin angeführten Verbrechen begeht, herangezogen werden, bevor es formell zum Gesetz gemacht wurde.

Das Gesetz wurde insofern abgeändert, als von der Todesstrafe als Höchststrafe für „schwere Homosexualität“ abgesehen wurde, das Maximum ist nun lebenslange Haft.

Das Gesetz stellt versuchte Homosexualität, Beihilfe zu Homosexualität und das Verleiten von Minderjährigen zur Homosexualität mit bis zu sieben Jahren Haft unter Strafe. Jede Organisation, die für Homosexualität wirbt, riskiert eine Haftstrafe von bis zu 5 Jahren und/oder Geldstrafe von 100 Millionen Uganda-Schilling [ca. 28.000 EUR, Anm. d. Übers.].

Aufruf

In den kommenden Tagen werden viele homosexuelle, bisexuelle und transgender-Personen angegriffen, verhaftet und interniert werden. Bereits gestern, am 25. Februar, wurde ein schwules Paar tätlich angegriffen: Einer von ihnen wurde getötet, der andere befindet sich im Krankenhaus, sein Zustand ist kritisch. Viele Menschen wurden von ihren Vermietern vor die Tür gesetzt, andere werden ihre Jobs verlieren. Wir rufen die Öffentlichkeit dazu auf, von radikalen und irrationalen Gewaltakten gegenüber angeblichen homosexuellen, bisexuellen und transgender-Personen Abstand zu nehmen.

Wir verlangen, dass sich Polizei- und Gefängnisbedienstete bemühen, bei allen Gewaltakten gegen homosexuelle, bisexuelle und transgender-Personen Ermittlungen durchzuführen und von Verhaftungen, die auf bloßem Hörensagen und/oder Verdächtigungen beruhen, abzusehen. Uganda hat sich im Rahmen der Universellen Periodischen Überprüfung [des UNO-Menschenrechtsrats, Anm. d. Übers.] 2012 in Genf dazu verpflichtet:

• Einschüchterungen und tätliche Angriffe auf Mitglieder und Aktivisten der Gemeinschaft der homosexuellen, bisexuellen und transgender-Personen polizeilich zu untersuchen und zu verfolgen
• Gewaltakte gegen homosexuelle, bisexuelle und transgender-Personen inklusive Aktivisten für die Rechte von Homosexuellen umfassend polizeilich zu untersuchen und angemessene Sanktionen zu verhängen
• Unmittelbare und konkrete Handlungen zu setzen, um Diskriminierung und tätlichen Angriffen auf homosexuelle, bisexuelle und transgender-Personen Einhalt zu gebieten.

Die Medien sollten außerdem von sensationsheischender Berichterstattung absehen, welche den Hass schürt und Attacken auf Personen, die der Homosexualität verdächtigt werden, fördert.

Wir fordern, dass Geberländer ihre Hilfszahlungen an private Hilfsorganisationen umleiten, die sich sozialen, wirtschaftlichen und menschenrechtlichen Agenden widmen, anstatt die Gelder einer korrupten Institution zukommen zu lassen, die ihren Bürgern ohne Reue jeden Schutz vorenthält. Es ist äußerst bedauernswert, hierzu aufzurufen, aber Uganda sollte am besten isoliert werden, damit sich diese Gesetzgebung nicht  ungestraft auf den gesamten Kontinent ausbreitet. Dies ist von entscheidender Wichtigkeit zum Schutz anderer afrikanischer Länder.

Und zuletzt fordern wir die Völkergemeinschaft dazu auf, als Antwort auf diese Menschenrechtsverletzungen die Gemeinschaft der homosexuellen, bisexuellen und transgender-Personen weiter zu unterstützen – moralisch, finanziell, und technisch. Für Spenden an den FARUG-Sicherheitsfonds benutzen Sie bitte Paypal auf unserer Website:
http://www.faruganda.org/paypal.html

Übersetzung von: Daniela Bartl

Hier geht’s zum Originalartikel…

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Homosexuelle werden in Uganda für politische Ambitionen geopfert

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Gruß Hubert