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Ein Mann, den ich sehr sympathisch finde   Leave a comment

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„Jetzt reicht es“: Krebspatient will lieber sterben, als eine Chemotherapie zu machen

 

Der elegant gekleidet Mann stand am Wohnzimmerfenster und sah auf die Straße hinunter. „Wenn ich jetzt hier runterspringen würde, dann wäre das wahrscheinlich nicht sehr zweckdienlich. Schließlich sind wir nur im zweiten Stock.“ Dann drehte er sich um und kam auf mich zu. „Sie müssen die Palliativärztin sein.“ Er streckte mir seine Hand entgegen. Ich nickte. „Hannah Haberland. Und Sie sind Herr Müller*?“

Über die Gastautorin

Hannah Haberland wurde 1984 in Norddeutschland geboren. Nach ihrem Medizinstudium machte sie eine Facharztausbildung in der Anästhesie und anschließend die Zusatzbezeichnung Palliativmedizin. Seit einigen Jahren arbeitet sie in einem Team der Spezialisierten Ambulanten Palliativversorgung und betreut in einem multidisziplinären Team Menschen mit unheilbaren Erkrankungen bis zu ihrem Lebensende.

Ich wusste natürlich, wer er war. Sein Lebensgefährte hatte mich schon an der Wohnungstür vorgewarnt, dass Herr Müller mit Suizid kokettierte. Herr Müller lächelte und zeigte in Richtung der Sitzecke.

Ich betrachtete ihn eingehend. Er war etwas kurzatmig und hustete immer wieder, ansonsten merkte man ihm seine Erkrankung nicht an. Er sah deutlich jünger aus als 70 Jahre und man sah, dass er sehr auf sein Äußeres achtete.

 

Eine möglicherweise lebensrettende Operation hatte er abgelehnt

„Ich weiß, dass Sie einen Lungentumor haben. Man wollte Sie operieren, aber Sie haben das abgelehnt, obwohl Ihre Erkrankung noch heilbar wäre.“
 Er nickte. „Man hat mir eine Operation und anschließend eine Chemotherapie vorgeschlagen. Vielleicht bin ich dann geheilt, vielleicht aber auch nicht. Ich habe mich dagegen entschieden. Ist das für Sie ein Problem?“ Sein Tonfall war spöttisch, er sah mich lauernd an.

„Nein. Sollte es?“, fragte ich neutral.

„Nun, Sie Ärzte wollen doch immer an einem herumdoktern.“

„Das mag sein, aber ich bin Palliativmedizinerin. Wenn Sie mir sagen, dass Sie keine tumorspezifischen Therapien möchten, kann ich damit leben.“

Herr Müller lehnte sich in die Sitzgruppe zurück und sah mich prüfend an. Dann zeigte er den Ansatz eines Lächelns. „Gut, so kommen wir ins Geschäft.“

„Aber ich muss Sie natürlich auch fragen, wieso Sie sich nicht operieren lassen wollen?“

Diese Frage musste sein. Denn natürlich begab ich mich auf einigermaßen dünnes Eis, wenn ich einer palliativen Therapie zustimmte, wenn eine Heilung noch möglich wäre. Ich musste sicher sein, dass Herr Müller die Tragweite dieser Entscheidung begriff.
 Herr Müller machte eine abwehrende Handbewegung. „Wissen Sie, ich habe 50 Jahre lang geraucht, gesoffen und gehurt – jetzt reicht’s.“

Das war nicht ganz die Erklärung, die ich erwartet hatte. Wie um seine Worte zu unterstreichen, griff Herr Müller nach einer Schachtel Zigaretten.
 „Stört es Sie?“

Ich schüttelte den den Kopf. „Ist ja ihre Wohnung.“

„Vielleicht sagen Sie ja, ich sollte nicht rauchen, wegen Lungenkrebs und so.“

„Ist jetzt auch schon egal, oder?“ Ich konnte sehr trocken sein. Herr Müller grinste und nahm einen tiefen Zug, woraufhin er kräftig husten musste.

„Ich wollte nicht zum Arzt gehen“

„Sehen Sie…“, japste er. „Ich habe diesen Husten und die Luftnot schon länger. Mir war klar, dass da was nicht stimmt. Ich wollte auch nicht zum Arzt gehen. Ich habe das nur meinem Partner zuliebe gemacht, weil der mich jeden Tag aufs Neue gedrängt hat. Jetzt habe ich die Diagnose, aber an meiner Einstellung hat sich nichts geändert. Ich möchte mich nicht aufschneiden lassen, in der Klinik liegen, fett werden, dann Chemo, dann gehen mir auch noch die Haare aus… nein, das entspricht nicht dem Bild, das ich von mir habe.“

Jetzt verstand ich. Herr Müller hatte augenscheinlich keine Angst vor dem Tod, aber er hatte Angst, die Kontrolle über seinen makellosen Körper zu verlieren. Das kann man nun übertrieben eitel finden, aber für Herrn Müller war es nun mal wichtig und er war sich offensichtlich seiner Situation vollkommen bewusst und hatte eine bewusste Entscheidung getroffen. Auch wenn ich diese Entscheidung selbst so nicht treffen würde, ich musste seine Haltung akzeptieren.

Ich hielt ihm Morphintropfen hin. „Probieren Sie das mal. Nehmen Sie gleich mal fünf Tropfen, dann sehen wir, ob sich Ihre Luftnot bessert.“
 Herr Müller studierte eingehend die Packung, nahm dann aber brav das Medikament ein. „Und wenn ich jetzt die ganze Packung auf einmal leer trinke, ist es dann vorbei?“, fragte er so beiläufig, als hätte er nach der Uhrzeit gefragt.

„Nun, vielleicht. Vielleicht wird aber auch nur Ihr Gehirn eine zeitlang nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt und Sie liegen dann noch ein halbes Jahr an Schläuchen hängend auf einer Intensivstation herum.“ Mir war jetzt klar, dass Herr Müller eine sehr bildliche und direkte Sprache brauchte.

Herr Müller sah mich entsetzt an. „Nein!“

„Gut, dann belassen Sie es bitte bei der Dosierung, die ich Ihnen aufgeschrieben habe.“

Er hörte auf, von Suizid zu sprechen

Herr Müller lebte nach diesem ersten Besuch noch genau ein Jahr, und er lebte gut. Seine Symptome ließen sich gut in den Griff bekommen und als er merkte, dass wir als ambulantes Palliativteam ihm helfen würden, seine Luftnot zu kontrollieren und ihn ansonsten machen ließen, wie er es wollte, hörte er auch auf, von Suizid zu sprechen.

Nur einmal noch fragte er mich provokativ, welche Schusswaffe ich für einen Suizid für am geeignetsten hielte, was ich mit einem Hinweis auf seine helle Auslegware und die Sauerei, die das darauf hinterlassen würde, so paradox intervenieren konnte, dass er laut lachen musste.

Kurz vor seinem Tod wurde er zunehmend verwirrter und konnte sich schlechter konzentrieren. Ich vermutete, dass er Hirnmetastasen entwickelt hatte und fragte ihn, ob wir einen Versuch mit Kortison machen sollten, was diese Symptome zumindest für kurze Zeit zurückdrängen würde. Er lächelte. „Wissen Sie, jetzt habe ich schon 50… nein, 51 Jahre geraucht, gesoffen und gehurt. Jetzt reicht es wirklich.“

Er verstarb zwei Tage später ganz friedlich in seiner Wohnung. Genau so, wie er es sich gewünscht hatte.

*Name von der Autorin geändert. Hannah Haberland hat alle Fälle in ihrem Buch anonymisiert, um die Identität von Patienten und Angehörigen zu wahren.

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Ein Mann, den ich sehr sympathisch finde

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Gruß Hubert

Veröffentlicht 12. August 2018 von hubert wenzl in Medizin, Uncategorized

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Jessenin und Majakowski: Fertig mit dem Leben   Leave a comment

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Vorausschicken möchte ich dass ich den russischen Dichter Sergej Jessenin sehr mag.

Aus https://de.rbth.com

Sergej Jessenin und Wladimir Majakowski waren die Revolutionäre unter den Sowjetschriftstellern. Sie lebten wild und unangepasst. Jessenin, der sich selbst einen „Hooligan“ nannte, und Majakowski, der Frauenheld, setzten ihrem Leben selbst ein blutiges Ende. Betrauert werden wollten sie nicht, unvergessen sind sie geblieben.

Sergej Jessenin: „Leben gab’s ja schon einmal“

Am 25. Dezember 1925 kam Sergej Jessenin im Sankt Petersburger Angleterre Hotel an. Hinter ihm lag eine durchzechte Nacht in der Schriftstellerbar. Völlig betrunken hatte er dort randaliert, andere Schriftsteller angegriffen, sie als „Emporkömmlinge“ und „mittelmäßig“ beleidigt. Er hatte mit Möbeln um sich geworfen und Gläser auf dem Fußboden zerschmettert, bis man ihn mit Gewalt hinausgeworfen hatte. Die kommenden Nächte sollten ihm Frieden bringen.

Sergej Jessenin war 30 Jahre alt. Und schon hatte er das Leben satt, die Frauen, die Schriftstellerei und seine Freunde. Jessenin war das Enfant terrible der Bolschewiken: Er verhielt sich ungehörig und rebellisch, war aber auch talentiert, wurde von der Öffentlichkeit geliebt und war der neuen Obrigkeit gegenüber loyal. In seinen letzten Lebensjahren provozierte Jessenin zunehmend. Sein Werk „Beichte eines Hooligans“ (1921) zeigte aber auch eine andere Seite seiner Persönlichkeit: beklommen und ordinär.

Er war so etwas wie ein Leinwandidol: blond gelocktes Haar, helle Augen – doch seine rauen Manieren passten nicht zu seiner Erscheinung. Frauen mochten Jessenin, und er verschloss sich ihnen nie. Er war drei Mal verheiratet, und alle drei Ehen scheiterten. Seine berühmteste Frau war die US-amerikanische Tänzerin Isadora Duncan. Sie war 45 Jahre alt, er 28. Nach ihrer Hochzeit brachen sie zu einer einjährigen Reise nach Europa und in die Vereinigten Staaten auf. Zur Freude der internationalen Presse gab es zahlreiche öffentlich ausgetragene Streitereien und heftige Ausbrüche von Jessenin, der stets betrunken war. Im Westen schien sich niemand für Jessenins Werk zu interessieren, und vom Foxtrott abgesehen, fand der Dichter dort auch nichts, was ihn interessierte. Die Rückkehr nach Russland besiegelte das Ende dieser stürmischen Partnerschaft.

Im Jahr 1925 heiratete Jessenin in Moskau eine von Tolstois Enkelinnen, Sophia, die ihn dazu zwang, sich in einem Krankenhaus behandeln zu lassen. Doch die Therapie erwies sich als wirkungslos. Es schien angesichts seiner Depression und seiner Alkoholabhängigkeit keine Hoffnung zu geben. Nachdem Jessenin das Krankenhaus verlassen hatte, hob er das gesamte Geld von seinem Bankkonto ab und begab sich auf eine Zechtour.

Schließlich landete er in Sankt Petersburg. Er kam, um zu sterben. Zwei Tage verbachte er noch im Wodkarausch. Am 27. Dezember schnitt er sich die Pulsadern auf und erhängte sich dann an den Heizungsrohren an der Zimmerdecke. Er hinterließ ein letztes Gedicht: „Freund, leb’ wohl… Sterben –, nun, ich weiß, das hat es schon gegeben; doch: auch Leben gab’s ja schon einmal.“ Er schrieb es mit seinem eigenen Blut.

Es gibt übrigens das Gerücht, dass sein Tod in Wahrheit gar kein Selbstmord gewesen sei. Tatsächlich soll ihn der sowjetische Geheimdienst umgebracht haben. In den Monaten vor Jessenins Tod war die Obrigkeit beunruhigt über die Ausschweifungen des immer betrunkenen Dichters. Die vielen Schlägereien, die er mit seinen Freunden anzettelte, brachten ihn immer häufiger vor Gericht. Die Bolschewiken fürchteten, dass Jessenin beginnen könnte, die neue Regierung anzuprangern und zu beschimpfen, und dachten daher angeblich darüber nach, ihn unter ständige Bewachung zu stellen. Diese Version der Todesumstände ist jedoch sehr umstritten.

Wladimir Majakowski: „Der Fall ist erledigt

Wie so oft in der russischen Geschichte hatte der Tod des einen Dichters Auswirkungen auf das Leben eines anderen. Die Nachricht von Sergej Jessenins Tod traf Vladimir Majakowski zutiefst. Für ihn war Jessenins Selbstmord ein Verrat am Kommunismus.

Majakowski war der herausragende Dichter der Revolution, der sich mit Leib und Seele für die Sache der Bolschewiken einsetzte. Der Kritiker Viktor Schklowsky schrieb über ihn: „Majakowski trat in die Revolution ein, als würde er sein eigenes Haus betreten.“ Er brachte den Sozialismus in die Fabriken, seine Gedichte wurden regelmäßig in Zeitungen und Zeitschriften veröffentlicht, er schrieb Bühnenwerke und arbeitete auch als Schauspieler.

Obgleich Majakowski als Dichter erfolgreich und als Person des öffentlichen Lebens berühmt war, erlitt er in seinem Privatleben viele Enttäuschungen – die Frauen wurden sein Verhängnis. Im Sommer 1915 lernte er bei einem Treffen mit dem Ehepaar Brik die sowjetische Regisseurin und Bildhauerin Lilja Brik kennen. Sie wurde Majakowskis Geliebte. Die schönsten Gedichte seines Lebens widmete er Lilja, beispielsweise „Wolke in Hosen“ (1915). Doch der Dichter hatte auch mit anderen Frauen Affären. 1925 reiste Majakowski nach Europa, Mexiko, Kuba und in die Vereinigten Staaten. Während er in den USA war, verliebte er sich in die Schauspielerin Elly Jones, die auch als Model arbeitete und eigentlich Elisaweta Petrowna Sibert hieß. Ihre Affäre hielten sie geheim, denn es war für einen sowjetischen Dichter nicht angemessen, sich mit einer Immigrantin einzulassen. Aus dieser Beziehung ging auch ein Kind hervor, Patricia Thompson, die nun unter ihrem russischen Namen bekannt ist: Elena Wladimirowna Majakowskaja.

Einige Tage, bevor er sich erschoss, hinterließ er einen an seine Mutter, Schwestern und Freunde adressierten Brief, der mit der für ihn so typischen, fröhlichen Ironie geschrieben ist: „Gebt niemandem die Schuld, dass ich sterbe, und bitte kein Gerede. Der Verstorbene hat das ganz und gar nicht gemocht.“ Der Brief schloss mit den Worten: „Wie man so sagt, der Fall ist erledigt; das Boot meiner Liebe ist am Alltag zerschellt. Ich bin mit dem Leben fertig, und wir sollten von gegenseitigen Verletzungen, Kummer und Wut absehen. Viel Glück.“

Einer weithin akzeptierten Interpretation von Majakowskis Tod zufolge drückte er auf den Abzug, nachdem es zur Trennung von der Schauspielerin Veronika Polonskaja gekommen war, mit der er eine kurze, doch äußerst stürmische Romanze gehabt hatte. Polonskaja war in den Dichter verliebt, aber nicht gewillt, ihren Ehemann zu verlassen. Wenige Augenblicke, nachdem sie Majakowskis Wohnung verlassen hatte, hörte Veronika einen Schuss. Sie lief zu dem Dichter zurück und sah, wie sich ein blutroter Fleck auf seinem weißen Hemd ausbreitete. Majakowski hatte sich in die Brust geschossen. Der Krankenwagen kam für jede Rettung zu spät.

Hier weiterlesen:

Jessenin und Majakowski: Fertig mit dem Leben

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Gruß Hubert

 

 

Veröffentlicht 31. Juli 2018 von hubert wenzl in Lyrik, Uncategorized

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Was vom Manne übrig blieb – Das Problem der männlichen Identität   2 comments

Ich möchte hier mal einiges wiedergeben, wo hervorgeht, dass Männer längst nicht immer zu den Bevorteilten in der Gesellschaft gehören. Von einem männerverachtenden Feminismus á la Alice Schwarzer kann man sich nur mit Grausen abwenden. Für die ist männlich gleich unmenschlich. Aber haken wir diese „Frau“ ganz schnell ab. Es gibt Interessanteres und Wichtigeres – und vor allem auch Wissenschaftlicheres. Vom Feindbild Mann sollte Frau sich schnell verabschieden.

Hier ein Auszug aus cuncti.net

Was vom Manne übrigblieb

Im Folgenden möchte ich einige Bemerkungen zu Problemen der männlichen Identität in der heutigen Gesellschaft machen. Die Betonung liegt auf „Bemerkungen“. Im Gegensatz zu der Lebenssituation von Frauen, die inzwischen eigentlich in allen Schattierungen und auf allen Lebensstufen sehr gut erforscht worden ist, sind Männerwelten bisher eher rudimentär beschrieben worden. Freuds „dark continent“ sind heute die Männer, nicht mehr die Frauen. Das ist auch ein stückweit die Verantwortung von Männern, aber nicht nur.

Damit bin ich eigentlich gleich bei meiner ersten These. Die öffentliche Wahrnehmung ist durch den Einfluss von Frauenbewegung und Feminismus in den letzten Jahren sehr selektiv eingestellt worden. Weibliches Problemverhalten wird öffentlich kaum thematisiert, andererseits werden männliche Probleme, vor allen Dingen männliche Benachteiligungen nicht wahrgenommen.

Ich versuche das an einem – wie ich finde – sehr eindrücklichen Beispiel aus den USA zu verdeutlichen. Joan Ryan, selber Feministin, hat vor kurzem einen größeren Artikel im „San Francisco Chronicle“ geschrieben über Selbsttötung in der Adoleszenz. Motivation war, dass einer der Freunde ihres einzigen Sohnes sich selber umgebracht hat. Dieser Suizid hat sie sehr erschüttert, weil es ihren Sohn sehr erschüttert und ihr auch eine große Angst ausgelöst hat. Sie ist dem Fall dann nachgegangen und ist über den konkreten Fall auf das statistische Material gestoßen, das belegt, dass mehr als 86% der Selbsttötungen im Jugendalter in den USA auf Jungen entfallen.

Joan Ryan hat dann die Fantasie entwickelt, wie die gesellschaftliche Reaktion wohl aussähe, wenn es umgekehrt wäre. Dann – so beschreibt sie – gäbe es einen nationalen Aufschrei. Die Zeitungen wären voll davon; die großen nationalen Talkshows nähmen sich des Themas an; die Regierung würde sofort Geld für Präventionsprogramme zur Verfügung stellen usw. Dann schreibt sie: „Meine feministischen Schwestern und ich würden uns sogleich fragen, was läuft denn falsch in einer Kultur, in der so viel mehr Mädchen als Jungen gezwungen sind, ihrem Leben selber ein Ende zu setzen?“.

Dass sich männliche Jugendliche suizidieren, ist es aber kein öffentliches Problem. Es wird auch in unseren Breitengraden unproblematisiert hingenommen, dass sich in der Adoleszenz 8-10 mal mehr Jungen umbringen als Mädchen, und im Erwachsenenalter 3-4 mal mehr Männer als Frauen.

Männnlichkeit scheint gesellschaftlich nicht mehr viel wert zu sein. Vor ein paar Jahren hat ein Meinungsforschungsinstitut in Berlin einige tausend Berlinerinnen und Berliner gefragt, ob sie stolz auf ihr jeweiliges Geschlecht seien. 81% der Frauen haben es bejaht, aber nur 17% der Männer.

Das kann man als Beleg nehmen für die gegenwärtige Identitätskrise des männlichen Geschlechts. Aus früheren Zeiten lassen sich andere Dokumente finden. Goethe formuliert in seinem Drama „Egmont“: „Welch Glück sondergleichen, ein Mannsbild zu sein“. Nun werde ich das selbstverständlich nicht als Ideal präsentieren, zumal es vielleicht auch ungerecht gegenüber Goethe wäre, der ja auch ganz andere Männerbilder beschrieben hat, z.B. im Werther.

Wesentlich erscheint mir in diesem Kontext, dass eine solche Überhöhung und Idealisierung des eigenen Geschlechts – ob sie nun früher in Bezug auf Männer oder heute ja häufig in Bezug auf Frauen formuliert wurden – immer auch bedeutet eine Abwertung und Deformierung des jeweilig anderen Geschlechts. Friedrich Nietzsche hat in seinem Essay „Jenseits von Gut und Böse“ geschrieben: „Der Mann muss das Weib als Besitz, als verschließbares Eigentum auffassen.“ Vor knapp mehr als 100 Jahren hat der Leipziger Arzt Paul Möbius einen kleinen Bestseller gelandet mit dem Titel „Über den physiologischen Schwachsinn des Weibes“. Das könnte man ausdehnen, also auch auf hauseigene Autoren und Vorbilder wie z.B. Sigmund Freud, das schenke ich mir jetzt.

Dieses androzentrische Erbe sollten Männer nicht vergessen. Das ist das eine, das andere ist, dass solche Idealisierungen immer auch verbunden sind mit einem Defizit an Selbsterkenntnis und Selbstreflexion. Wer sich selbst erhöht, der vermeidet ja auch kritisches Nachdenken über sich selbst, und das ist sicher nach wie vor noch ein Problem von nicht wenigen Männern.

Ein Beispiel dazu. Kurz vor der inzwischen vorletzten Bundestagswahl hat die „Brigitte“ ein langes Interview mit dem damaligen Kanzler veröffentlicht. Es war überschrieben mit einem Zitat von Gerhard Schröder :“Es reicht doch, wenn ich Ich bin.“ Das ist typischer Ausdruck dieser traditionellen, selbstherrlichen Haltung, die nur sich selber wahrnimmt.

Kurz eine allgemeine Bemerkung: In den Sozialwissenschaften wird „Identität“ differenziert in personale und soziale Identität. Unter personaler Identität versteht man das Bild, das wir so von uns selbst entwerfen, wie wir uns selbst sehen und wahrnehmen, also unser Selbstkonzept. Die soziale Identität ist das, was wir an Status erworben haben, was wir an Rollen in der Gesellschaft übernehmen müssen.

Diese Trennung ist eine theoretische. Das Selbstkonzept speist sich realiter sehr stark aus den eigenen sozialen Erfahrungen, und offenbar ist es auch so, dass dies bei Männern das noch ein Stück stärker ist als bei Frauen.

Bei Männern ist Identität auch stärker verbunden mit der eigenen Arbeitsleistung und mit dem, was man arbeitend erreicht hat. Der Arbeitsmann ist eigentlich immer noch in unserer Kultur das Maß aller Dinge, obwohl das von der Realität längst überholt wurde. Ich nenne nur einige Indikatoren:

Arbeit ist heute für keinen Mann mehr eine lebenslange Garantie, wie in den 50er und 60er Jahren. Auch die männliche Ernährerrolle ist mitnichten mehr eine Selbstverständlichkeit. Im Gegensatz dazu steht, dass Männer immer noch auf diese Ernährerroller-Rolle fixiert sind – selbst dann, wenn ihre Frauen wesentlich mehr verdienen als sie und sie also allenfalls Nebenverdiener sind.

Das worüber Männer arbeitend sich früher klassisch definieren konnten, ist heute weitgehend erodiert: Bergbau, Schwerindustrie, Metallbranche und inzwischen ist auch die Autoindustrie nicht länger krisenfest. Es ist für Männer auch sehr viel schwieriger geworden, sich mit ihrer Arbeit zu identifizieren, da Millionen Männer z.T. mehrfach ihre Arbeit verloren haben, sich umschulen ließen, wieder neue Arbeit beginnen mussten, dann auch die nach ein paar Jahren verloren haben. Das macht klassische Identifikationsprozesse kaum noch möglich.

Hinzu kommt, dass unsere Gesellschaft sich immer mehr zur einer Dienstleistungsgesellschaft entwickelt, und Dienstleistungen sind etwas, was Frauen aufgrund ihrer Sozialisation von Empathie, Teamwork, Aufmerksamkeit, Emotionalität oder Kooperation sehr viel besser können. Es gibt in diesem Zusammenhang ja auch den Slogan: „Die Zukunft der Arbeit ist weiblich“, was sich auch jetzt in der Krise verdeutlicht.

[…]
Ein irischer Psychiater, Anthony Claire, hat 2002 ein Buch geschrieben über seine Erfahrungen mit Männern. Darin stellt er die These auf, dass Männlichkeit heute aufgrund des feministischen Diskurses eigentlich eine Art Abweichung darstelle. Dies dünkt mich schon ein plausibler Gedanke.

Mir ist in letzter Zeit aufgefallen, dass sehr viele Eigenschaften, die früher Männern in einer sehr positiven Art und Weise zugeschrieben wurden sind, heute sehr negativ konnotiert werden. Aus Mut ist heute Aggressivität geworden, aus der männlichen Leistungsfähigkeit Karrierismus, aus der Autonomie eine Unfähigkeit zur Nähe.

Die Zuschreibungen haben sich gedreht. Was früher positiv war, ist heute negativ. Vor einer Weile hat mir eine Studentin ein Gedicht aufs Pult gelegt; es hat den Titel „Männer“. Von den zehn Strophen möchte ich zwei zitieren:
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  „So unnütz wie Unkraut wie Fliegen und Mücken
    so lästig wie Kopfwehschmerz und Ziehen im Rücken
    so störend wie Bauchweh und stets ein Tyrann,
    das ist dieser Halbmensch sein Name ist Mann.

    Er steht nur im Weg ´rum, zu nichts zu gebrauchen,
    ist immer am meckern und ständig am fauchen,
    er ist auf der Erden, ich sag´s ohne Hohn,
    vom Herrgott die größte Fehlkonstruktion.“
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Das mag vordergründig noch lustig sein. Mit dem Spaß hört es auf, wenn wir in eine bestimmte feministische Literatur schauen. Ein populäres, weil auch weit verbreitetes Beispiel dafür ist die
Bestseller-Autorin Marilyn French. In ihrem bekanntesten Werk „Frauen“ („The Women´s Room“) unterstellt French den Männern ausschließlich die drei Bedürfnisse des Vögelns, Tötens und Geldmachens. Ihre Definition von Männlichkeit ist eindeutig: „Was ist überhaupt ein Mann. Alles, was ich (…) um mich herum sehe, sagt mir, ein Mann ist einer, der fickt und tötet (..) und einer, der Geld verdient“.

Da aber nun die Männer, die die Autorin kennen gelernt hat, dem Töten wenig frönen konnten, „und keine großartigen Helden im Ficken sind und (in den meisten Fällen) nur in bescheidenem Maße Geld verdienten,“ so haben sie doch auch nichts anderes zu bieten. „Sie sind nur langweilig“. Wenn French in die Welt schaut, erblickt sie „verrottete Männer“ und „so großartige Frauen“.

   von Prof. Walter Hollstein

Hier weiterlesen:
http://cuncti.net/streitbar/184-was-vom-manne-uebrig-blieb-das-problem-der-maennlichen-identitaet

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Auszug – von Monika Ebeling.
Männern droht, neben der Verächtlichmachung durch die Propaganda radikaler Frauen, bereits die gesellschaftliche Kastration. Eine falsch verstandene Gleichstellungspolitik arbeitet scheinbar schon lange an ihrer Entmännlichung. ´Männlich´ ist ja zu ´unmenschlich´ degradiert worden.
Möglicherweise droht dem Manne sogar schon die biologische Kastration.
Die männliche Zeugungsfähigkeit nimmt seit Jahren systematisch ab, weil die Anzahl der Spermien und gesunder Spermien sinkt. Schon ist man dabei künstlich Spermien herzustellen und an ihren Anlagen zu manipulieren. Das starke Geschlecht wird zunehmend schwach, verliert wie ein aufgeblasener Luftballon, dem die Luft an einer undichten Stelle entweicht, an Kraft und Ausdruck. Die systematische Verunsicherung des Mannes ist weit fortgeschritten und macht auch vor seinen intimsten Seiten nicht halt.

http://blog.monika-ebeling.de/maennerund/#more-1608

Gruß Hubert

Durch Antidepressiva verursachte Depression?   Leave a comment

Peter R. Breggin ist ein amerikanischer Psychiater, der kritisch zu Medikamenten, den leider auch noch immer angewandten Elektroschocks und den rein biologisch ausgerichteten Psychiatern steht. In seinem Buch „Giftige Psychiatrie“ schreibt er unter anderem:

Durch Antidepressiva verursachte Depression?

„Es liegen Berichte vor, dass die Verabreichung von Antidepressiva, besonders zu einem frühen Zeitpunkt der Behandlung, Depression verursachen kann. Namir Damluji und James Ferguson diskutieren im Journal of Clinical Psychopharmacology vom Oktober 1988 die „paradoxe Verschlechterung depressiver Symptome, verursacht durch Antidepressiva“. Sie beschreiben vier Fälle von schwerer Depression, die sich bis hin zu suizidalem Verhalten verschlimmerten. Eine Besserung erfolgte unverzüglich nach Absetzen der Medikation.

Jedes Medikament, das die geistigen Funktionen unterbricht, kann bewirken, dass sich Menschen noch hilfloser und verzweifelter fühlen. Medikamente, die geistige Verwirrtheit, Trägheit und körperliche Müdigkeit verursachen, führen ganz besonders zu Depressionen oder verschlimmern sie. Harvey Greenberg und H. Robert Blank berichten in der Ausgabe des New York State Journal of Medicine vom 15. Juni 1973 über eine Reihe von Fällen, bei denen sich Patienten verwirrt, erschöpft und durcheinander fühlten. Aber in der Literatur oder in der klinischen Praxis wird diesen Problemen wenig Aufmerksamkeit geschenkt.

Derweil erzählen einige Psychiater ihren Patienten unbeirrt, dass diese Medikamente keine „psychoaktiven“ oder geistigen Wirkungen haben. Wenn Patienten übereinstimmend von der Medikation betäubt oder „umgehauen“ fühlen, werden sie sehr wahrscheinlich denken, ihr Zustand verschlechtere sich, wobei sich die suizidalen Gefühle verstärken. Dr. Caligarys Psychiatric Drugs [Psychiatrischen Drogen] sagt es unverblümt:
„Was die Psychiater ‚Depression‘ nennen – Lethargie, Apathie, Nervosität, Hoffnungslosigkeit und Unglücklichsein – ist ein ernstes Problem, das häufig nicht als medikamentenbedingt (vom Medikamenten induziert) erkannt wird. Augrund ihrer dämpfenden und schwächenden Wirkung können psychiatrische Medikamente dazu führen, dass sich Menschen so schlecht fühlen, dass sie sich umbringen wollen.

[…]
Da Antidepressiva zur Zeit Medikamente sind, welche am häufigsten für erfolgreiche Selbstmordversuche verwendet werden, erschiene es wohl passender, sie als „Selbstmordmedikamente“ zu bezeichnen statt als Antiselbstmordmedikamente. Doch die Psychiater beharren darauf, sie bei depressiven Patienten, die selbstmordgefährdet sind, anzuwenden.

Funktionieren Antidepressiva überhaupt?

Antidepressiva haben viele Nachteile, aber nützen sie überhaupt? Gibt es einen überzeugenden Beweis für die Wirksamkeit, der sich gegen die Kosten und Risiken , die die Einnahme dieser giftigen Substanzen mit sich bringt, auwiegen lässt?
Es ist schwierig, die Wirksamkeit von Medikamenten gegen Depression zu bewerten. Eine spontane Verbesserung der Depression findet wenigstens bei einem Viertel der Patienten innerhalb des ersten Monats statt, nachdem sie depressiv wurden, und bei der Hälfte oder mehr der Patienten innerhalb von ein paar Monaten. Sogar Menschen mit einer schweren Depression haben eine hohe Erholungsrate ohne psychiatrische Behandlung. Da die meisten Antidepressiva einen Monat oder länger brauchen, um ihre vermeintlich wohltuende Wirkung zu entfalten, überlappt sich das leicht mit der spontanen Erholung. Außerdem hat Placebo eine starke Wirkung auf depressive Patienten. Die meisten Experten geben an, dass sich 40 Prozen oder mehr während der ersten ein oder zwei Monate bessern, wenn sie „Zuckerpillen“ schlucken.

Gruß Hubert