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Das Leiden ist der Fels des Atheismus (Georg Büchner)   Leave a comment

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Für mich ist die Theodizee die zentrale Frage ob es einen Gott geben kann oder nicht.

Das Leiden in der Welt ist der Fels des Atheismus.

Ich möchte hier Georg Büchner bemühen, der auf eine kurze Formel gebracht gesagt hatte: Das Leiden in der Welt ist der Fels des Atheismus.

Hier ein Auszug aus diesseits.de dazu.

Büchners Dramenfigur Thomas Payne ergänzt in „Dantons Tod“, was er von einem gütigen und allmächtigen Gott hält:

Man kann das Böse leugnen, aber nicht den Schmerz; nur der Verstand kann Gott beweisen, das Gefühl empört sich dagegen. Merke dir es, Anaxagoras, WARUM LEIDE ICH? DAS IST DER FELS DES ATHEISMUS.

(Hervorhebung vom Autor)

Die Erlösung aller Gläubigen durch den Kreuzestod Christi erscheint Georg Büchner offenbar als ungeheuerliche Vorstellung, die er nicht glauben mag. Er lässt Robespierre in Dantons Tod argumentieren: „Was sehen wir immer nur nach dem Einen? Wahrlich des Menschensohn wird in uns Allen gekreuzigt, wir ringen Alle im Gethsemanegarten im blutigen Schweiß, aber es erlöst Keiner den Anderen mit seinen Wunden.“ In provokanter Weise relativiert Georg Büchner das im Christentum verherrlichte Leiden Christi durch das millionenfache schreckliche Leid der menschlichen Kreaturen überall auf der Erde.

Die Theodizee, die ungelöste Frage nach der Rechtfertigung eines von einem angeblich allmächtigen und allgütigen Gott tolerierten Leides auf der Welt, das ist offenbar der große Stein des Anstoßes für Georg Büchner, der ihm zum „Fels des Atheismus“ wird. Damit stellt er sich an die Seite der zeitgenössischen Religionskritik von Feuerbach, Heine, Marx, Engels und anderen Linkshegelianern. Aber auch Epikur hat er offenbar gut gelesen und in sein Jahrhundert übersetzt.

 

Das Leiden ist der Fels des Atheismus (Georg Büchner)

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Gruß Hubert

 

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Gerhard Vollmer:  Bin ich ein Atheist?      Leave a comment

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Wie man im folgenden sieht ist es gar nicht so einfach zu definieren was ein Theist oder ein Atheist ist. Vor allem ist es schwer oder sogar unmöglich zu sagen was Gott sein soll. Vor allem stoßen alle Religionen an einen toten Punkt, wenn es um die Theodizee geht. KEINE hat darauf eine akzeptable Antwort.

Aus dem Buch: „Die Lehre des Unheils“, von Gerhard Vollmer.

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Aufgabe dieses Beitrages ist nicht, ein persönliches Bekenntnis  abzulegen (obwohl der Schluß ein solches Bekenntnis enthält).  Auch geht es nicht darum, den Meinungsforschern einen Dienst  zu erweisen und mitzuteilen, ob hinter meinem Namen bei  »Theist« oder bei »Atheist« ein Kreuz gemacht werden soll.  Vielmehr soll darüber nachgedacht werden, wie jemand, der sich  die Titelfrage stellt, eine Antwort finden könnte.

Zwei Grundfragen der analytischen Philosophie lauten:   Was meinst du damit? Und: Woher weißt du das (was du zu  wissen glaubst)? Die Reihenfolge der Fragen ist wesentlich:  Zuerst muß die Bedeutung eines Satzes klar sein; danach kann  nach seiner Wahrheit (beziehungsweise nach unserer  diesbezüglichen Überzeugung) gefragt werden; und erst im  dritten Schritt besteht die Chance für Argumente, für eine  Begründung, für die Angabe von Gründen oder Wissensquellen. 

Behaupten zwei Personen, sie seien Atheisten, so brauchen sie  doch keineswegs dasselbe zu meinen: Sie können das Wort  »Atheist« sehr verschieden verstehen und verwenden. In  meinem Verständnis ist ein Atheist jemand, der nicht an (einen)  Gott glaubt, genauer: der nicht an die Existenz (eines) Gottes  glaubt. Dementsprechend ist ein Theist jemand, der an (einen)  Gott glaubt. Glaube ich an Gott? Glaube ich, daß es (einen) Gott  gibt? Um das herauszufinden, müßte ich zunächst wissen, was es  heißt, an Gott beziehungsweise an die Existenz Gottes zu  glauben. Was also bedeutet das Wort »Gott«, und was bedeutet  »glauben«? Was meine ich damit? Offenbar haben wir jetzt zwei  Erklärungsprobleme. Zweifellos ist dabei »glauben« leichter zu  verdeutlichen als »Gott«. Im folgenden werden wir das Wort  »glauben« im Sinne einer starken oder schwachen Überzeugung  verstehen. An (einen) Gott glauben heißt dann also, von der 
Existenz (eines) Gottes überzeugt zu sein. Diese Überzeugung  braucht nicht ununterbrochen zu bestehen und nicht über alle  Fragen und Zweifel erhaben zu sein. Es genügt, wenn wir die  Existenz (eines) Gottes in der Regel ehrlich bejahen.  Wer oder was aber ist Gott? Nicht nur Theologen wissen, wie  schwer diese Frage zu beantworten ist. Manche meinen, daß es  gar nicht möglich oder jedenfalls nicht gelungen sei, dem Wort  »Gott« eine verstehbare Bedeutung zu geben. Dann hat auch der  Ausdruck »an Gott glauben« keine verstehbare Bedeutung, und  dann können wir – genaugenommen – auch den Atheisten nicht  so definieren, wie wir das getan haben. Denn wenn ein Atheist  jemand ist, der nicht an Gott glaubt, und ich nicht weiß, wer  oder was Gott ist, dann weiß ich auch nicht, was ein Atheist ist.  Logischerweise weiß ich dann auch nicht, was ein Theist ist und  was Theologie (als Lehre von Gott) ist. Texte, in denen das Wort  »Gott« wesentlich vorkommt, kann ich überhaupt nicht  verstehen. Auch die Titelfrage »Bin ich ein Atheist?« kann ich  dann nicht verstehen und somit erst recht nicht beantworten.  Freilich ist es durchaus üblich, auch solche Kritiker Atheisten zu  nennen, die das Wort »Gott« als bedeutungslos oder sogar als  undefinierbar ansehen.

So meint etwa Charles Bradlaugh:   »Der Atheist sagt nicht: >Es gibt keinen Gott<; vielmehr sagt er:  >Ich weiß nicht, was du mit Gott meinst; ich habe keine  Vorstellung von Gott; das Wort »Gott« ist für mich ein Klang,  der keine klare oder deutliche Behauptung enthält. […] Den Gott  der Bibel verneine ich; an den christlichen Gott glaube ich auch  nicht; aber ich bin nicht so voreilig zu behaupten, es gebe  überhaupt keinen Gott, solange du nicht bereit oder in der Lage  bist, mir Gott zu definieren.<«‘  Offenbar hätten wir dann den Atheisten doch anders definieren  müssen, nämlich als jemanden, der entweder das Wort »Gott«  für bedeutungslos hält oder die Existenz (eines) Gottes in jeder  üblicherweise vorgeschlagenen und verstehbaren Bedeutung  verneint. Wir könnten also unsere Definition in dieser Hinsicht  erweitern und vollständigkeitshalber auch solche Personen
Atheisten nennen, die dem Wort »Gott« eine verstehbare  Bedeutung gänzlich absprechen. Im folgenden werden wir  jedoch versuchen, dem Wort »Gott« doch eine intersubjektiv  annehmbare Bedeutung zu geben. Vorarbeit dazu ist ja in  jahrhundertelanger Diskussion geleistet worden, und wir  können uns darauf stützen.

Alle theistischen Positionen haben einen – freilich recht weiten – Gottesbegriff gemeinsam. Danach ist Gott ein höheres oder  höchstes personales Wesen, Schöpfer und Urgrund der Welt,  mächtig, klug, gut, gerecht. In den verschiedenen Religionen und  Theologien hat er über diese Eigenschaften hinaus noch viele  weitere, die uns hier nicht zu beschäftigen brauchen. Aber auch  innerhalb dieser Gemeinsamkeiten gibt es zahlreiche  interessante Unterscheidungsmöglichkeiten.

Eine erste Unterscheidung betrifft die Frage, ob die bereits ge- nannten Merkmale – Macht, Wissen, Güte usw. – wörtlich zu  nehmen sind oder in einem übertragenen, metaphorischen,  symbolischen Sinne.  Versteht man sie metaphorisch, etwa wenn es heißt, Gott sei die  Liebe, oder wenn Jesus sagt: »Ich bin der Weg, die Wahrheit und  das Leben«, so sind die Wörter unserer Sprache letztlich nur  Trittsteine, nur Wegweiser, nur Analogien. In der theologischen  Sprechweise haben sie dann nicht dieselbe Bedeutung wie in  unserer Alltagsoder auch in der Wissenschaftssprache.  Diese Gottesvorstellung nennt Paul Edwards metaphysisch.  Kritiker werden dagegen einwenden, in solch metaphorischer  Redeweise taugten diese Wörter zwar zum Reden, zum  »Verweisen«, aber eben doch nicht für eine klare Definition.  Versteht man die genannten Merkmale Gottes dagegen  buchstäblich, dann hat Gott Macht wie ein Mensch (nur mehr),  er weiß etwas, wie wir Menschen etwas wissen (nur mehr,  vielleicht sogar alles), und er ist gerecht, wie ein Richter gerecht  ist oder sein sollte (nur noch gerechter), usw.   Diese Auffassung von Gott nennt Paul Edwards anthropomorph.

Unter den anthropomorphen Gottesvorstellungen lassen sich  zwei wichtige Gruppen unterscheiden. Im einen Fall hat Gott  alle genannten Merkmale in einem besonders hohen Maß, aber  doch nicht in unendlicher Fülle. Im anderen Fall ist er in allem  vollkommen, perfekt, allmächtig, allwissend, allgütig, ewig,  allgegenwärtig, unendlich gerecht usw.  Zu allen drei Gottesvorstellungen – zur metaphysischen, zur end- lichen, zur unendlichen – gibt es unter Philosophen, aber auch  unter christlichen Theologen, früher wie heute, ernsthafte  Vertreter. Es ist bekannt, daß solche unbegrenzten Fähigkeiten  zu Paradoxien führen. Beliebt ist die Allmachtsparadoxie: Kann  Gott einen Stein schaffen, der so schwer ist, daß er ihn selbst  nicht tragen kann? Kann er es nicht, so gibt es etwas, was er  nicht kann; also ist er nicht allmächtig. Kann er ihn jedoch  schaffen, so kann er ihn nicht tragen; also ist er ebenfalls nicht  allmächtig. Andere derartige Fragen sind: Kann Gott lügen?  Kann er gegen die logischen Gesetze verstoßen? Kann er  Vergangenes ungeschehen machen?

Schwerwiegender ist die Frage, ob Allmacht, Allwissen und  Allgüte miteinander vereinbar sind. Ist Gott allgütig, so möchte  er menschliches Leid verhindern; ist er allwissend, so weiß er,  wie das zu bewerkstelligen wäre; ist er allmächtig, so kann er das  auch in die Tat umsetzen. Wieso ist unser Leben dann von  Angst, Trauer und Schmerz durchwebt? Diese Frage nach der  Theodizee, nach der Verantwortung und der Rechtfertigung  Gottes für die Existenz des Übels in der Welt, ist für die  Theologie, gleich welcher Religion, eine der schwierigsten  überhaupt. 

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Gruß Hubert

Veröffentlicht 6. April 2018 von hubwen in Religionskritik, Uncategorized

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Das Leiden in der Welt ist der Fels des Atheismus   Leave a comment

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Christliche Apologeten halten bei der Frage warum es all dieses Leid gibt das Argument entgegen, der Mensch sei selbst schuld, denn er hätte den freien Willen und ER sei böse.
Diese Argument kenne ich zur Genüge, so antworten christliche Apologeten wenn sie für das Leid in der Welt (Theozidee) keine Antwort mehr wissen. Oder macht der Mensch mit seinem „freiem Willen“ auch Erdbeben, Hurrikans, Tsunamis und alle anderen Naturkatastrophen? Da ist der Mensch einmal vollkommen unschuldig. Man will mit dem „freiem Willen“ dem Mensch die alleinige Verantwortung für alles Leid auf der Welt zuschieben. Das ist eine Zumutung und inakzeptabel – und es stimmt einfach nicht, lässt sich leicht widerlegen.

Der leider sehr früh verstorbene Dichter Georg Büchner, sagte das Leid in der Welt sei der Fels des Atheismus, und damit hatte er recht.

Hier dazu eine Abhandlung von diesseits.de

Bild: gemeinfrei

Genialer Einzelgänger: Georg Büchners Werk und politischer Ingrimm erwuchsen aus dem Leiden.

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Georg Büchner ist überall präsent („Büchner lebt!“). Der früh verstorbene Büchner zeigt seine ungebrochene Vitalität jedenfalls einmal wieder in Hunderten von Veranstaltungen und Betrachtungen – zweihundert Jahre nach seinem Geburtstag.

Keine Geistesrichtung, die ihn nicht „irgendwie“ für sich vereinnahmen könnte oder wollte. Das Avangardistische! Das Fragmentarische! Das Radikale! Das Soziale! Das Revolutionäre! Die Literatur! Ja, sogar das Christliche! Und auch die schlussendliche Resignation vor der Übermacht der Verhältnisse! Ist da für jeden etwas dabei? Abgesehen von den Büchnerpreisträgerinnen und Büchnerpreisträgern, die ja jährlich auch ihren Bezug zum berühmten Büchner finden müssen?

Joachim Kahl hielt zum Büchnerjahr einen Vortrag über die religionskritischen Beiträge der Brüder Georg und Ludwig Büchner. Veranstalter war die Evangelische Kirche in Darmstadt-Land (Erwachsenenbildung), die sich in einem fünfteiligen Seminar mit dem Verhältnis der Familie Büchner zur Religion befasste.

Joachim Kahl ging von ausgewählten Zitaten der beiden Brüder aus, aus denen er die Kernpositionen zur Kritik des europäischen Christentums im 19. Jahrhundert entfaltete. Ihm war wichtig, die Büchnerschen Gedanken im Originalwortlaut zum Klingen zu bringen. Ihm war auch ein Anliegen, Georg Büchner dessen jüngeren Bruder Ludwig an die Seite zu stellen – nicht nur, weil Ludwig im 19. Jahrhundert die Werke von Georg herausgab und bekannt machte. Ludwig Büchner war vielmehr selbst eine prägende und prominente Figur der Geistes- und Sozialgeschichte eines Jahrhunderts, das er zu drei Vierteln mit erleben durfte.

Die Zitate von Georg Büchner waren seinen literarischen Werken sowie dem Hessischen Landboten entnommen, nicht seinen theoretischen Äußerungen. Es sprechen somit überwiegend die literarischen Figuren. Sie zeichnen in expressiven Farben eine unbarmherzige Natur, die ihrer ewigen Eigengesetzlichkeit folgt, die keine besondere Rücksicht auf die Menschen und Tiere nimmt, die sich in ihrer Entwicklung dem Menschen entgegenstellt und in ihrer Größe die Menschenopfer kaum „bemerkt“. „Die Natur folgt ruhig und unwiderstehlich ihren Gesetzen, der Mensch wird vernichtet, wo er mit ihnen in Konflikt kommt.“ (St. Just in „Dantons Tod“).

Woyzeck erzählt sein (Anti-)Märchen zu den Sterntalern der Gebrüder Grimm. Da ist ein Kind ohne Vater und Mutter und ohne jeden anderen Menschen auf der Welt. Der freundlich guckenden Mond, den es besucht, erweist sich als faules Holz, die Sonne ist nur eine verreckte Sonnenblume, die Sterne sind nur tote aufgespießte goldene Mücken und die Erde ist ein umgestürzter Nachttopf. Das Kind bleibt einsam und traurig in der leeren und sinnlosen Welt zurück.

Lenz aus der gleichnamigen Erzählung Georg Büchners findet die Gottesvorstellung des Pfarrers Oberlin alles andere als tröstlich. „Lenz wand sich ruhig los und sah ihn mit einem Ausdruck unendlichen Leidens an, und sagte endlich: aber ich, wär’ ich allmächtig, sehen Sie, wenn ich so wäre, ich könnte das Leiden nicht ertragen, ich würde retten, retten, ich will ja nichts als Ruhe, Ruhe, nur ein wenig Ruhe und schlafen können.“ Lenz misst den vorgestellten Gott an dem einfachen menschlichen Kriterium der Mitmenschlichkeit und sieht stattdessen Mitleidlosigkeit und Grausamkeit – ob durch aktives Einwirken oder durch Tatenlosigkeit.

Büchners Dramenfigur Thomas Payne ergänzt in „Dantons Tod“, was er von einem gütigen und allmächtigen Gott hält:
Man kann das Böse leugnen, aber nicht den Schmerz; nur der Verstand kann Gott beweisen, das Gefühl empört sich dagegen. Merke dir es, Anaxagoras, WARUM LEIDE ICH? DAS IST DER FELS DES ATHEISMUS.(Hervorhebung vom Autor)

Die Erlösung aller Gläubigen durch den Kreuzestod Christi erscheint Georg Büchner offenbar als ungeheuerliche Vorstellung, die er nicht glauben mag. Er lässt Robespierre in Dantons Tod argumentieren: „Was sehen wir immer nur nach dem Einen? Wahrlich des Menschensohn wird in uns Allen gekreuzigt, wir ringen Alle im Gethsemanegarten im blutigen Schweiß, aber es erlöst Keiner den Anderen mit seinen Wunden.“ In provokanter Weise relativiert Georg Büchner das im Christentum verherrlichte Leiden Christi durch das millionenfache schreckliche Leid der menschlichen Kreaturen überall auf der Erde.

Die Theodizee, die ungelöste Frage nach der Rechtfertigung eines von einem angeblich allmächtigen und allgütigen Gott tolerierten Leides auf der Welt, das ist offenbar der große Stein des Anstoßes für Georg Büchner, der ihm zum „Fels des Atheismus“ wird.

Damit stellt er sich an die Seite der zeitgenössischen Religionskritik von Feuerbach, Heine, Marx, Engels und anderen Linkshegelianern. Aber auch Epikur hat er offenbar gut gelesen und in sein Jahrhundert übersetzt.

Diesen Gott will er dann auch nicht als Legitimation der weltlichen Herrschaft anerkennen. Georg Büchners Urteil lautet: „Diese Regierung ist nicht von Gott, sondern vom Vater der Lügen. Diese deutschen Fürsten sind keine rechtmäßige Obrigkeit.“ (Der Hessische Landbote). Hier mündet die Religionskritik in politische Kritik.

Bei Ludwig Büchner kann man die gleichen Motive wie bei Georg Büchner finden, insbesondere in seinem Hauptwerk „Kraft und Stoff“, wie Joachim Kahl in den ausgewählten Zitaten belegte. In diesem Buch finden wir aber eine ausgearbeitete materialistische und naturalistische Weltanschauung vor, die mit Rationalität und rhetorischer Schärfe die damals vorherrschenden religiösen, idealistischen und metaphysischen Vorstellungen attackierte. Erwähnt werden sollen wichtige Leitthemen wie die „Unsterblichkeit des Stoffs“, die „Seelentätigkeit als Funktion der Gehirnsubstanz“ und die Kritik an der Konzeption des „Menschen als Gipfelpunkt der Schöpfung“, ohne sie an dieser Stelle zu vertiefen.

Hervorgehoben werden soll die Aufwertung des menschlichen Leibes im Gefolge einer Vorstellung von der „Würde des Stoffs“, die mit folgendem Zitat angedeutet werden soll: „Wer den Stoff erniedrigt, erniedrigt sich selbst und die ganze Schöpfung; wer seinen Leib misshandelt, misshandelt auch seinen Geist und fügt sich selbst in dem Maße einen Schaden zu, als er vielleicht in seiner törichten Einbildung einen Gewinst für seine Seele erlangt zu haben glaubt.“

Geradezu modern klingt auch die Kritik daran, dass sich der Mensch die Erde und alle Wesen untertan machen zu können glaubt: „Kein Wesen kann dazu bestimmt sein, für den Nutzen des Menschen zu leben; alles, was lebt, hat das gleiche Recht der Existenz, und es ist nur das Recht des Stärkeren, welches dem Menschen erlaubt, sich andere Wesen dienstbar zu machen oder zu töten. Es gibt keine Zwecke, welche die Natur zugunsten eines Bevorzugten zu erreichen bemüht wäre; die Natur ist sich selbst Zweck, sich selbst erzeugend, sich selbst erfüllend.“

Mit seinem Bruder teilte Ludwig Büchner das Theodizeeproblem. Deshalb soll dieser Bericht mit einem Zitat zu diesem Thema schließen, das das Pathos des (undogmatischen)  Büchnerschen Atheismus noch einmal hervortreten lässt:

Wozu, fragen wir mit Recht, das Heer der Krankheiten, der physischen Übel überhaupt?

Warum diese Masse von Grausamkeiten, von Entsetzlichkeiten, wie sie die Natur täglich und stündlich an ihren Geschöpfen ausübt? Konnte es ein bewusster, gütiger Schöpfer sein, welcher der Katze, der Spinne ihre Grausamkeit verlieh und den Menschen selbst, die sogenannte Krone der Schöpfung, mit einer Natur begabte, welche aller Gräuel und Wildheiten fähig ist? … Täglich und stündlich hat der Arzt Gelegenheit, sich bei Krankheiten, Verletzungen, Fehlgeburten usw. von der Hilflosigkeit der Natur, von der so oft unzweckmäßigen verkehrten und erfolglosen Richtung ihrer Heilbestrebungen zu überzeugen; ja, es könnte keine Ärzte geben, handelte die Natur nicht unzweckmäßig. Entzündung, Brand, Zerreißung, Verschwärung und ähnlich Ausgänge wählt die Natur da und wird tödlich, wo sie auf einfacherem Wege zum Ziel und zur Genesung hätte kommen können.“

Wohlan! Die Lektüre der Gebrüder Büchner lohnt noch immer und handelt nicht von Märchen, sondern von praktischem Humanismus: Die Biografien der beiden Brüder zeigen, welchen Weg sie beschritten haben, um dem menschlichen Leid zu begegnen: aktive Mitmenschlichkeit in Beruf und Privatleben, riskantes politisches Engagement für eine Verbesserung der gesellschaftlichen Umstände, Verbreitung der Ideen in einer allgemeinverständlichen Sprache, Mut zum Widerstand gegen die herrschenden Ideologien und Mächte, Einsatz für die Bildung und demokratische Teilhabe Aller.

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Das Leiden in der Welt ist der Fels des Atheismus

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Gruß Hubert

Veröffentlicht 8. September 2017 von hubwen in Religionskritik, Uncategorized

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Augustinus: der Mensch muss sich rechtfertigen, nicht Gott   1 comment

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Der Dichter Georg Büchner (1813-1837) sagte in Bezug auf den Atheismus: „Das Leiden ist der Fels des Atheismus“, und damit hatte er vollkommen recht.
Der Theologe Pesch sagte dazu: „Wenn ein allmächtiger und gerechter Gott, der sogar die Liebe selbst sein soll, das unschuldige Leiden in der Welt zulässt, was soll der Mensch dann noch von solcher allmächtigen Gerechtigkeit halten“ Der Gottesglaube muss eine Antwort geben, oder der ‚ethische‘ Atheismus hat das letzte Wort.“

Alle Antworten auf die Frage der Theodizee sind falsch, das hatte schon der intelligenteste, wenn auch frauenfeindlichste Kirchenvater, der Bischof von Hippo, Augustinus erkannt.
Er behauptete, nicht Gott muss sich rechtfertigen, sondern der Mensch muss sich rechtfertigen und begründete das mit der „Ursünde“ des Menschen .
Heiner Geißler schreibt in seinem Buch: „Kann man noch Christ sein, wenn man an Gott zweifeln muss?“, seine These (von Augustinus), die nach wie vor zum Glaubensinhalt der beiden Kirchen gehört lautet: Die ersten Menschen, hätten eine Ursünde begangen, die sich von Generation zu Generation durch Geschlechtsverkehr auf die ganze Menschheit vererbt hätte.

Augustinus, der in jungen Jahren ein Bock sondergleichen war, hinter jedem Weiberrock her, der sich fast krumm vögelte, redet von einer Ursünde die sich in alle Ewigkeit übertragen würde. Man entschuldige meine Sprache, aber von so einem blöden ……. habe ich keinen Respekt. Tugendhaft wurde er erst als er alt wurde und dazu noch frauenfeindlich.
Er macht es sich ja ganz einfach mit dem Erklären der Theozidee. So einfach kommt aber keiner durch, auch wenn er heiliggesprochen ist.

Aus dem Buch von Heiner Geißler „Kann man noch Christ sein, wenn man an Gott zweifeln muss?“

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S. 34:    zweifelhaft geworden. Di e Möglichkeit einer Entstehung der Menschheit aus mehreren – parallelen, aber voneinander unabhängigen – Evolutionslinien bringt die Erbsündenlehre zusätzlich an den Rand des Lächerlichen.

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Gruß Hubert

 

Veröffentlicht 13. Juni 2017 von hubwen in Religionskritik, Uncategorized

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