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Mutter Teresa – Die Heilige des elenden Verreckens   1 comment

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Ich kann mich nur wundern, wie leicht es dem Vatikan war so eine PR-Maschinerie anzuwerfen, wie das mit „Mutter“ Teresa gemacht wurde. Und die Medien spielen natürlich mit. Gegen den Vatikan anzuschreiben wagen nur ganz wenige Journalisten – wie zum Beispiel Gianluigi Nuzzi mit dem Buch „Vatikan AG“ („Vaticano S.p.A.“).

Zur Heiligsprechung des „Todesengels von Kalkutta“

 Mutter Teresa (1986)

Mutter Teresa; 1986 bei einer Pro-life-Kundgebung auf dem Münsterplatz in Bonn

Der Papst hat Anfang des Jahres den Weg für die Heiligsprechung von Mutter Teresa bereitet, indem er eine angebliche Wunderheilung anerkannte, die sie nach ihrem Tod erwirkt haben soll. Das ruft in doppelter Weise Verblüffung hervor: einerseits wegen der Tatsache, dass die extrem zweifelhafte Geschichte mit der Wunderheilung einfach so akzeptiert wird, andererseits ob der zweifelhaften Leistungen der Frau. Naiverweise stellt man sich doch unter einer Heiligen eine Frau vor, die viel Gutes und nie Schlechtes getan hat. Diese Definition mag zwar nicht felsenfest sein, dürfte aber doch dem allgemeinen Gefühl entsprechen.

Beleuchten wir einmal beide Punkte.

Das Wunder

Bei Monica Besra wurden bei einer Ultraschall-Untersuchung im Krankenhaus von Balurghat Tuberkulose und eine Zyste an den Eierstöcken gefunden. Eine solche Zyste ist gut behandelbar, nur in wenigen Fällen ist eine Operation nötig. Nach einigen Monaten ambulanter Behandlung wurde Monica Besra im März 1999 für geheilt erklärt. Dr. Murshed, der Direktor des Krankenhauses und die behandelnden Ärzte Dr. Mustafi und Dr. Biswas erläuterten später, dass es sich um einen ganz normalen, nicht im Mindesten außergewöhnlichen Fall gehandelt habe.

Vielleicht abgesehen von der Tatsache, dass Dr. Murshed danach häufig mit Anrufen belästigt wurde, er möge doch das Wunder bestätigen.

Nun denkt man sich: da müssen doch Unterlagen existieren, Protokolle, Laboruntersuchungen, etc. Leider sind diese nicht mehr vorhanden. Die medizinischen Unterlagen wurden nach der Behandlung an eine Schwester Betta der Missionarinnen der Nächstenliebe (der Orden von Mutter Teresa) übergeben und sind seitdem verschwunden. Die Missionarinnen der Nächstenliebe gaben zunächst an, sie verlegt zu haben, änderten danach jedoch ihre Geschichte und behaupten inzwischen, die Unterlagen nie erhalten zu haben. Damit steht praktischerweise die Aussage von öhhh – ähm: eigentlich genau genommen niemandem gegen die Angaben der behandelten Ärzte. Sogar Monica Besra zog zwischendurch ihre Behauptungen zurück, nachdem die Nonnen die versprochene monetäre Unterstützung nicht geleistet hatten.

Aber: von solchen Kleinigkeiten lässt man sich nicht aufhalten. Wunderbarerweise finden sich an ihrer Stelle in der 34.000 Seiten umfassenden Sammlung angeblicher Wundertaten von Mutter Teresa die Aussagen diverser Ärzte, die angeben, die Heilung sei “wissenschaftlich unerklärbar”. Weniger wunderbar ist es, dass in dem Krankenhaus, in dem Monica Besra behandelt wurde, keiner diese (z.T. dort angeblich arbeitenden) Ärzte kennt.

Mit den tatsächlich behandelnden Ärzten, wie Dr. Ranjan Mustafi, wurde der Einfachheit halber gar nicht erst gesprochen. Und Monica Besra besann sich nach Erhalt einer großzügigen Spende der Mother Teresa Charitable Welfare Society und der Aufnahme ihrer 4 Söhne in eine Privatschule doch wieder eines Besseren. Halleluja! Es geschehen noch Zeichen und Wunder.

Man ist an der Stelle fast geneigt, mit den Ermittlern des Vatikans, den Nonnen und auch der Katholikin Monica Besra über das 8. Gebot zu sprechen, aber seien wir mal nicht so. Bei so einem leuchtenden Beispiel der Menschlichkeit, des gelinderten Leidens kann man schon mal ein paar Dutzend Augen zudrücken.

Mutter Teresa, die Heilige

Allerdings stößt man, wenn man ein wenig nachliest, abseits der Darstellung als Heilige schnell auf eine andere, eine fanatisch fundamentalistische Betrügerin. Der Journalist Christopher Hitchens blickte in seinem Essay „The Missionary Position: Mother Teresa in Theory and Practice“ hinter die schöne Fassade und fand jenseits der schönen Bilder eine unschön unheile Welt; für ihn war Mutter Teresa ein Engel der Hölle.

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Christopher Hitchens – Mother Teresa: Hell’s Angel

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Hier war ein Video von youtube, das leider entfernt wurde.

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Wobei das Ganze natürlich eine Sache des Blickwinkels ist. Wir, und wohl auch der inzwischen verstorbene Christopher Hitchens, erwarten uns von einer Heiligen, dass sie im Sinne humanistischer Ideale handelt und das Leben der Menschen besser macht. Aus unserer Sicht, auch wenn es vielleicht pathetisch klingt, sollte Leiden gelindert werden, die Armen aus der Armut geführt, die Kranken versorgt, wenn möglich geheilt, die Hungernden mit Nahrung versorgt werden.

Mutter Teresa hat das aber wohl nie interessiert. Ihre Zielsetzung war eine andere.

Der höchste Zweck des menschlichen Lebens besteht darin, in Frieden mit Gott zu sterben.

Die Kritik, dass in ihrem Heim an Hygiene mangele, dass Kranke keine Untersuchung, keine medizinische Versorgung, keine Schmerzmittel erhielten, dass z.B. Tuberkulosekranke neben anderen liegen und diese anstecken …, kommentierte Mutter Teresas folgendermaßen: „Wir sind keine Krankenschwestern, wir sind keine Sozialarbeiter, wir sind Nonnen.“

Mutter Teresa ging es um die kirchliche Doktrin, das Seelenheil, nicht um das sonstige, körperliche Wohl der Kranken. Bei Hitchens und vielen anderen Kritikern löste das große Empörung und Abscheu aus. Inzwischen haben auch kanadische Wissenschaftler Wirken und Einfluss der Mutter Teresa einer genauen Untersuchung unterzogen und zeichneten in ihrer Arbeit ein sehr zweifelhaftes Bild, in der Kritik an der fragwürdigen Versorgung der Armen, den fragwürdigen, ultrakonservativen politischen Ansichten, fragwürdigen Kontakten, fragwürdigen Geschäftspraktiken aufgeworfen wurde und stellten auch die Frage: „Wohin sind die Millionen an Spenden für die Ärmsten der Armen verschwunden?“

Aber, nichtsdestotrotz: ob Mutter Teresa eine Heilige im Sinne der Kirche ist, muss man aus Sicht der katholischen Kirche beurteilen. Die humanistischen Maßstäbe, die wir anlegen, sind für die Kirche fast logischerweise bedeutungslos.

Und aus ihrem Blickwinkel hat Mutter Teresa zweifellos richtig gehandelt! Ist nicht das Seelenheil wertvoller als das körperliche Wohl? Das Leiden in der diesseitigen Welt wird in der jenseitigen Welt belohnt werden. Alle Ungerechtigkeit, alles Leiden zahlt sich aus, wenn man schließlich in den Himmel gelangt. Ist es da nicht besonders gut, wenn die Menschen möglichst viel leiden, wenn sie dafür die Belohnung des Ewigen Lebens im Himmel erhalten?

Das Mutter Teresa in diesem Sinne eine Heilige ist, lässt sich wohl am Einfachsten mit einem kleinen Zitat belegen:

There is something beautiful in seeing the poor accept their lot, to suffer it like Christ’s Passion. The world gains much from their suffering. (Es liegt etwas Schönes darin, die Armen ihr Schicksal akzeptieren zu sehen, es zu erleiden wie die Passion Christi. Die Welt gewinnt viel aus ihrem Leiden.)

Übernahme mit freundlicher Genehmigung des Autoren von Psiram.

Mutter Teresa – Die Heilige des elenden Verreckens

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monicabesra

Monica Besra

Angebliche Wunderheilung von Monica Besra.

My wife did feel less pain one night when she used the locket, but her pain had been coming and going. Then she went to the doctors, and they cured her. My wife was cured by the doctors and not by any miracle.
Monica Besra’s husband, Seiku
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Meine Frau hat weniger Schmerzen in einer Nacht gefühlt als sie das Medaillon verwendete, aber ihre Schmerzen kamen und gingen. Dann ging sie zu den Ärzten, und sie heilten sie. Meine Frau wurde von den Ärzten geheilt und nicht durch ein Wunder.
Monica Besra Ehemann, Seiku

http://rosarubicondior.blogspot.it/2015/03/mother-teresas-fake-miracle.html

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Gruß Hubert

 

Veröffentlicht 4. September 2016 von hubert wenzl in Religionskritik, Uncategorized

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Der Vatikan und seine Machenschaften   Leave a comment

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Bin heute auf einen älterern Aufsatz gestoßen, bei dem es um den umstrittenen Tod des Ein-Monat-Papstes Johannes Paul I. geht. Man sieht welche Ränkespiele im Vatikan getrieben werden und auch wie sehr die Politik da reinspielt. Da ging es um Bankgeschäfte, die faschistische Loge P2, die Ermordung des christdemokratischen Parteivorsitzenden Aldo Moro, der ein Regierungsbündnis mit den Kommunisten betrieben hatte… usw. Der Nachfolger des Kurzzeit-Papstes Johannes Paul II., der bei einer intensiven Zusammenarbeit des Vatikans mit CIA und NATO gegen den Ostblock mitgewirkt hat.

Hier ein Aufsatz von sopos.org

 

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Wurde Johannes Paul I. ermordet?

Er saß nur 33 Tage auf dem Stuhl Petri. Am 26. August 1978 wurde der als Sohn eines Arbeiters geborene Albino Luciano überraschend zum Papst gewählt. Am 28. September frühmorgens war er tot. Den ersten Namen, Johannes, nahm er zur Erinnerung an Johannes XXIII. an, den Pontifex von 1958 bis 1963. Wie dieser Sohn eines Vier-Hektar-Bauern kam er vom Lande, predigte Bescheidenheit und suchte die Nähe der einfachen Menschen. Als erstes schaffte er den altertümlichen Tragethron ab, in dem sich die Stellvertreter Christi seit Jahrhunderten befördern ließen. In den Straßen jubelten die Menschen und tauften ihn „Papa Luciano“. Die Kanzlei des Vatikans wurde von Briefen überschwemmt, die tiefe Zuneigung, Hoffnung und Verehrung ausdrückten.

Der reaktionäre Klerus dagegen befürchtete, der neue Papst könnte die von Johannes XXIII. verfolgte Reform der katholischen Kirche, das Engagement für Ökumene, Frieden und Aussöhnung, wieder aufnehmen. Dieser hatte sich 1961 in seiner Enzyklika „Mater et Magistra“ dem Thema „Christentum und sozialer Fortschritt“ zugewandt, darin auch von „Vergesellschaftung“ gesprochen und ein Jahr später in „Pacem in Terris“ weitere grundsätzliche Menschheitsfragen behandelt. Erste Verlautbarungen ließen darauf schließen, daß Johannes Paul I. umfangreiche personelle Veränderungen plante. Man hielt es für möglich, daß er von seinem Recht Gebrauch machen könnte, die ganze Kurienspitze auszuwechseln.

Diese Sorgen nahmen mit Lucianos Tod ein Ende. Nach der offiziellen Verlautbarung starb er an einem Herzinfarkt infolge einer Überdosis eingenommener Herzmedikamente. Noch am gleichen Tag tauchten jedoch die ersten Gerüchte über Mord auf. Ein Priester wurde mit den Worten zitiert: „Der Heilige Geist hat uns da einen guten Dienst erwiesen“ – er habe die Kirche von Luciano befreit, „bevor er zu großen Schaden anrichtete“. Handfeste Indizien untermauerten den Verdacht. Der Bruder des Papstes, Edoardo Luciano, und die Nichte Pia sagten später aus, er habe nur an leichten Krankheiten gelitten und lediglich Vitaminpräparate und andere leichte Medikamente eingenommen, an denen man, auch in hohen Dosen, niemals sterben könne.

Die erste, die den Papst am Morgen tot vorfand, war die ihn betreuende Ordensschwester Vincenza Taffarel. Auf seinen starren Augen habe die Brille gesessen, in den Händen habe er Papiere gehalten, sagte sie. Die Brille sowie die Papiere verschwanden spurlos. Radio Vatikan meldete zunächst, der Tod sei bereits am Abend gegen 23 Uhr eingetreten. Das wurde korrigiert, als die zur Einbalsamierung der Leiche am Morgen herbeigerufenen Bestatter aussagten, der Körper sei „noch warm“ gewesen. Besonders verdächtig wirkte, daß das Kardinalskollegium, wie später der Corriere della Sera schrieb, eine Obduktion des Toten verweigert habe.

Die These vom Mordkomplott erhielt Auftrieb, als der britische Autor David Yallop sie 1984 in seinem Buch „Im Namen Gottes“ mit politischen Fakten unterlegte. Danach soll Johannes Paul I. den Verbindungen des Vatikans mit der faschistischen Putschloge P2, Geheimdiensten und Mafia-Kreisen auf der Spur gewesen sein. Ein bei dem Toten gefundenes, dann verschwundenes Papier sei eine Liste höchster kirchlicher Würdenträger in der P2 gewesen, darunter Erzbischof Casimir Marcinkus, Chef der Vatikanbank, beteiligt an der Ermordung des christdemokratischen Parteivorsitzenden Aldo Moro, der ein Regierungsbündnis mit den Kommunisten betrieben hatte.
Die Liste habe auch die Namen von Kirchenfürsten umfaßt, die zur Ermordung des P2-Bankiers Roberto Calvi (als Verwalter der Vatikan-Finanzen „Bankier Gottes“ genannt) und seines im Gefängnis mit Zyankali vergifteten Vorgängers Michele Sindona beigetragen hätten.

Ein Papstmord wäre nichts Neues gewesen. Solche Fälle durchziehen die ganze Geschichte der Kurie. Johannes VIII., Pontifex 872-882, erhielt von einem Verwandten Gift und wurde, als es nicht rasch genug wirkte, mit einem Hammer erschlagen. Schon bis zur Mitte des 11. Jahrhunderts folgten noch sieben Papstmorde. Mordverdacht wurde auch 1939 beim Tod Pius‘ XI. erhoben. Dieser Papst, der geholfen hatte, Mussolini an die Macht zu bringen, und der das Konkordat mit Hitler hatte unterzeichnen lassen, soll später die Absicht gehabt haben, dem faschistischen Unheil, vor allem der Judenverfolgung, mit einer Enzyklika „Humani generis unitas“ entgegenzutreten. In der Nacht vor dem Konklave der italienischen Bischöfe am 11. Februar 1939, auf dem dies geschehen sollte, begab sich der Arzt Francesco Petacci, der Vater der Geliebten Mussolinis, zu dem herzkranken Papst und verabreichte ihm eine Injektion. Am frühen Morgen lebte Pius XI. nicht mehr. Der Weg war frei für Pius XII., unter dem der Vatikan den barbarischen Verbrechen des Faschismus tatenlos zusah. Die Enzyklika seines Vorgängers nahm er unter Verschluß. Sie wurde bis heute nicht veröffentlicht.

Hinzuzufügen bleibt noch, daß der Tod Papa Lucianos vor 25 Jahren den Weg für Karol Wojtyla freimachte, den ersten nichtitalienischen Papst seit 500 Jahren. Unter diesem fanatischen Antikommunisten kam es, wie Carl Bernstein und Marco Politi in ihrer Biographie „Seine Heiligkeit. Johannes Paul II.“ darlegen, zu einer intensiven Zusammenarbeit des Vatikans mit CIA und NATO gegen den Ostblock. An dieser Konstellation hat sich – trotz der Differenzen mit dem Weißen Haus vor dem Krieg gegen den Irak – bis heute wenig geändert.
von Gerhard Feldbauer

http://www.sopos.org/aufsaetze/3f6b795ef2f79/1.phtml

Gruß Hubert

Veröffentlicht 24. November 2013 von hubert wenzl in Kirchenkritik, Politik

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Kirche & Vatikan   2 comments

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Die katholische Kirche betont ihre Wichtigkeit und ihre absolute Notwendigkeit indem sie behauptet außerhalb der Kirche gibt es kein Heil (extra ecclesiam salus non est). Siehe am Fußende die Erklärung *) Die Kirche hatte stets eine Abneigung dagegen, wenn Menschen aus eigenem Antrieb heraus ein ethisches Leben führten. Sie sah das als Ketzerei und Rebellion gegen ihre Autorität. Sie lehnt jede Art von Selbstbestimmung ab. Sie will den Kurs bestimmen – ist ja logisch – so ist auch ihre Macht erst möglich.

Auszug.

Kirche & Vatikan

Die Falschmünzung der Wahrheit durch Kirchenfürsten lässt sich bis zum heutigen Tag erstaunlich oft feststellen. So ließ sich der Wojtyla-Papst Johannes Paul II. als größter Friedensfürst der Erde feiern, weil er auf der Woge der (berechtigten) Empörungen gegen den Irakkrieg mitschwamm, nachdem er vorher zu Clintons Militärschlag gegen die irakische Zivilbevölkerung, zu Afghanistankrieg, zu den Verbrechen Scharons, Baracks und Netanjahus an den Palästinensern, dem Nato-Bombardement Serbiens, geschwiegen hat.

Seine Nachfolger Joseph Ratzinger und nun Papst Franziskus reihen sich nahtlos ein, viele systemkonforme – am Rande pseudokritische – Reden werden gehalten, doch der Machterhalt und die Kontrolle der gläubigen Schafe steht über der Wahrheit und Freiheit.

Wahrlich, Friedensfürsten, wie sie im Buche stehen!

Zum verlogenen Ideal der kirchlichen Bescheidenheit und Demut passt auch der päpstliche Wahn, „Stellvertreter Gottes“ auf Erden zu sein. Dass er sich außerdem die Titel „Beherrscher des Erdkreises“ und „Meister des Universums“ zugelegt hat, wissen die wenigsten, weil diese Titel von Päpsten des Mittelalters erfunden wurden. Aber es ist doch bezeichnend, dass kein Papst des 19., 20. oder 21. Jahrhunderts auch nur im Traum daran dachte, diese Titel zu streichen.

Auch leugnet die Kirche gern und häufig das Fehlen eines ökologischen Engagements und ihre tierfeindliche Haltung. Dennoch betont sie weiterhin die Seelenlosigkeit der Tiere und segnet die Jagd und die Jäger.

[…]
Schiller hat einmal gesagt: „Es ist gewiß von einem sterblichen Menschen kein größeres gesprochen worden als dieses Kantische.“

„Bestimme Dich aus Dir selbst!“

Genau gegen dieses Prinzip ist das kirchliche Denken gerichtet! Die Kirche hatte stets eine Aversion gegen jegliches Bestreben, aus eigenem Antrieb, aus sich selbst heraus, aus eigener Kraft ein ethisches Leben zu führen. Darin sah sie stets pelagianische (selbster-lösende) Ketzerei und Rebellion gegen ihre Autorität. In diesem Sinne haben auch beide Amtskirchen die lutherische Rechtfertigungslehre unterschrieben, die den Glauben grundsätzlich über die Ethik stellt. Gute Taten sind danach, wenn sie nicht aus dem Glauben und der Gnade entspringen, im Grunde wertlos.

Auch die katholische Kirche entmündigt ja den Menschen, zumal sie faktisch die Möglichkeit der Gewissenskontrolle durch die Kirche beinhaltet. Die Politik ganzer Staaten und Länder wurde negativ beeinflusst, dass Priester, insbesondere Jesuiten (Papst Franziskus), die Beichtväter von Kaisern, Königen und Fürsten waren.

Und schließlich muss noch auf das Christus-Dogma hingewiesen werden, wonach Christus die Sünden aller Menschen auf sich genommen habe. Dieses Dogma kommt der Vernichtung aller Ethik gleich – so gebietet sich die gegenwärtige oberflächliche Gesellschaft.

Denn wenn ein Mensch nicht über seine eigenen Sünden, seine eigene Schuld, seine eigene Schlechtigkeit verfügt, verfügt er logischerweise auch nicht über seine eigenen Tugenden, seine eigene Ethik. So stellt sich, wie auch Voltaire meinte, die Frage, wozu ein Mensch eigentlich existiert, wenn Christus seine Sünden auf sich nimmt.

Wie konnte es zur Inquisition kommen?

1. Die individuelle Vernunft und das individuelle Gewissen des Menschen bedeuten gar nichts, weil der aus sich selbst heraus denkende und handelnde Mensch ein Nichts darstellt. Nur durch Unterwerfung unter Thron und Altar erwirbt der Mensch überhaupt erst einen minimalen Wert.

2. Die Kirche ist absolut notwendig, um den Menschen erst zum Menschen zu machen. Wendet man sich von der Kirche und dem Staat ab, verliert man seinen Wert und seine Menschenrechte.

Das ist doch im Grunde auch heute noch die Ideologie des Kirchenstaates Deutschland, weil hier eben die Kirche im Widerspruch zum Gegensatz Staatskirche ist, alle anderen Religionsgemeinschaften als Sekten hinstellt und sie vom Staat, von willfährigen Politikern verfolgen lässt.

http://pravdatvcom.wordpress.com/2013/05/16/friedrich-schiller-die-rauber-von-heute/

*)

Extra ecclesiam salus non est – Außerhalb der Kirche gibt es kein Heil.

Der Grundgedanke, dass es außerhalb der katholischen Kirche kein Heil gibt, wurde in der Allgemeinen Kirchenversammlung zu Florenz (1438–1445) als Dogma festgeschrieben:
„[Die heilige römische Kirche, durch das Wort unseres Herrn und Erlösers gegründet,] glaubt fest, bekennt und verkündet, daß ‚niemand außerhalb der katholischen Kirche — weder Heide noch Jude noch Ungläubiger oder ein von der Einheit Getrennter — des ewigen Lebens teilhaftig wird, vielmehr dem ewigen Feuer verfällt, das dem Teufel und seinen Engeln bereitet ist, wenn er sich nicht vor dem Tod ihr (der Kirche) anschließt. So viel bedeutet die Einheit des Leibes der Kirche, daß die kirchlichen Sakramente nur denen zum Heil gereichen, die in ihr bleiben, und daß nur ihnen Fasten, Almosen, andere fromme Werke und der Kriegsdienst des Christenlebens den ewigen Lohn erwirbt. Mag einer noch so viele Almosen geben, ja selbst sein Blut für den Namen Christi vergießen, so kann er doch nicht gerettet werden, wenn er nicht im Schoß und in der Einheit der katholischen Kirche bleibt‘ (Fulgentius).“
http://de.wikipedia.org/wiki/Extra_ecclesiam_nulla_salus

Gruß Hubert