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Was man Corona-Verharmlosern entgegnen kann   Leave a comment

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Ein häufiger Einwand ist bei der Corona-Pandemie dieser: die Infektionszahlen sind ja nicht hoch, die Maßnahmen waren also überzogen. Die Infektionszahlen halten sich aber nur in einem überschaubaren Bereich, WEIL man bestimmte Maßnahmen getroffen hat. Das Phänomen ist bekannt als Präventions-Paradox.

Von dubito-magazin.de – Jannis Puhlmann

In Deutschland ist die Katastrophe ausgeblieben; die Maßnahmen haben allem Anschein nach gewirkt. Corona-Verharmloser fühlen sich dadurch bestätigt und auch Verschwörungstheorien sind weiter auf dem Vormarsch. Die sieben häufigsten (Falsch-)Aussagen und was man ihnen entgegensetzen kann.

1. „Reine Panikmache! Corona ist weniger gefährlich als eine herkömmliche Grippe.“

Sätze wie dieser sind so alt wie die Pandemie selbst. Zu Beginn des Ausbruchs waren sie noch allerorts zu hören. Als sich die ersten Wissenschaftlerinnen und Politiker mit drastischen Mahnungen zu Wort meldeten, haben die meisten Menschen nach und nach ihre Einschätzung zur Gefährlichkeit von Corona korrigiert. Tatsächlich ist es noch immer schwierig, die Todesrate des Virus konkret anzugeben. Wie viele Menschen an COVID-19 sterben, wird wohl erst nach der Pandemie final errechnet werden können. Diese unsichere Datenlage wird immer wieder für irreführende Vergleiche mit statistischen Schätzungen der Grippesaison von 2017/18 missbraucht.

Doch auch wenn ein direkter wissenschaftlicher Vergleich der Letalität von Corona und Grippe gar nicht so leicht gezogen werden kann, warnen Expertinnen und Experten vor einer Verharmlosung durch den Grippe-Vergleich. Denn was wir mit Sicherheit wissen: Gegen das neuartige Virus gibt es keine Grundimmunität in der Gesellschaft, es gibt keine Schutzimpfung und es gibt keine bewährten Medikamente. Bei einem ungebremsten Anstieg der Infektionen droht ein Flächenbrand – ein sprunghafter Anstieg der Toten und eine völlige Überlastung des Gesundheitssystems. Und allein das macht Corona zu einer weitaus größeren Gefahr als eine Grippe. Wem das alles noch zu vorsichtig formuliert ist, der kann auch sagen: „Für keine gewöhnliche saisonale Grippewelle mussten bisher Massengräber in New York ausgehoben werden.“

2. „Aber wir sehen doch, dass die Maßnahmen übertrieben waren. Die Katastrophe ist schließlich ausgeblieben.“

Diesen klassischen Fehlschluss bezeichnet der Virologie Christian Drosten als „Präventions-Paradox“: Wenn die Prävention einer Gefahr erfolgreich war, kann man das, was verhindert wurde, nicht mehr wahrnehmen. Bei vielen Menschen führt das paradoxerweise nicht zu einem Aufatmen, sondern zum Leugnen der eigentlichen Gefahr und zur Wut auf diejenigen, die geholfen haben, sie zu verhindern. Erfolgreiche Prävention ist eine undankbare Aufgabe.

In Deutschland waren die Kliniken zu keinem Zeitpunkt überlastet und die Corona-Todeszahlen sind vergleichsweise gering geblieben. Jetzt fühlen sich viele Menschen bestätigt, die Corona für harmlos und die Maßnahmen für völlig übertrieben halten. Diesen Menschen kann man entgegnen: In anderen Ländern – wie Italien, Spanien, USA oder Brasilien – ist es anders ausgegangen als in Deutschland. Und: Diese gute Position können wir auch leicht wieder verspielen.

3. „Aber es gibt auch Wissenschaftler, die Corona für völlig ungefährlich halten.“

Es ist richtig, dass sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler über viele Aspekte von Corona und COVID-19 uneins sind. Auch welche einzelnen Maßnahmen erfolgreich waren und weiterverfolgt werden sollten, ist nicht leicht zu bestimmen. Zudem sprechen die unterschiedlichen Wissenschafts-Disziplinen (Medizin, Recht, Wirtschaft, Sozialwissenschaften usw.) nicht immer dieselbe Sprache. Aber Kritik, Korrektur und Perspektivenvielfalt gehören eben zur wissenschaftlichen Praxis – insbesondere in einer so frühen Phase der Forschung. Mit dieser Unsicherheit umzugehen ist nicht leicht. Manche Menschen meinen nun, wenn selbst die Wissenschaft es nicht so genau wüsste, sei auch völlig egal, wie sie sich verhielten.

Doch bei all den unbekannten Variablen und der unübersichtlichen Studienlage – was die grundsätzlichen Fragen betrifft, herrscht weitestgehend Einigkeit unter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern: Darüber, dass es eine Corona-Pandemie gibt; dass es aus epidemiologischer Sicht wichtig ist, die Reproduktionszahl und die Zahl der Neuinfektionen so weit wie möglich zu senken; darüber, dass alte und vorerkrankte Menschen schwerer an COVID-19 erkranken und darüber, dass diese Pandemie deutlich gefährlicher ist als eine Grippe.

Leider erreichen die wenigen Mediziner, die diesen grundlegenden Einschätzungen von Wissenschaft und Politik öffentlich widersprechen und vor angeblicher Panikmache oder Hysterie warnen, mit ihren YouTube-Videos ein Millionenpublikum. Dabei wurden die Ausführungen solcher selbsterklärten Alternativexperten – namentlich Wolfgang Wodarg oder Sucharit Bhakdi – bereits in zahlreichen Faktenchecks als unwissenschaftlich oder irreführend entlarvt. (Faktencheck zu Wodarg und zu Bhakdi)

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5. „Gegen Covid-19 helfen am besten: Knoblauch, Globuli und Bleichmittel.“

Es gibt noch immer kein bewährtes Medikament gegen COVID-19. Und es gibt schon gar keine wunderbewirkenden Hausmittel, wie sie in WhatsApp-, Telegram-, oder Facebook-Gruppen ausgetauscht werden. Knoblauch und Ingwer sind lecker und gesund; gegen das Virus aber nutzlos. Globulis hatten schon vor der Pandemie keine Wirkung, die über den Placebo-Effekt hinausgeht – Homöopathie gegen Corona anzupreisen ist schlicht fahrlässig. Und Bleichmittel oder Infektionsmittel zu trinken oder zu spritzen, wie es ausgerechnet der US-Präsident Donald Trump auf einer Pressekonferenz spekuliert hatte, ist lebensbedrohlich – so entgeht man der Corona-Infektion allenfalls durch ein verfrühtes Ableben.

6. „Wir leben in einer Meinungsdiktatur! Abweichende Meinungen werden zensiert.“

Nicht jede Verharmlosung von Corona unterliegt der Logik einer Verschwörungstheorie. Doch der Übergang von Verharmlosungen zu Verschwörungstheorien ist hier fließend. Denn Menschen, die behaupten, von dem Virus gehe keine Gefahr aus, müssen auch erklären, warum Regierungen weltweit so strenge Maßnahmen gegen etwas vermeintlich Ungefährliches ergreifen – hier ist der Weg nicht mehr weit zu den zahlreichen Verschwörungstheorien um die Pandemie. Wo von einer Meinungsdiktatur oder von Zensur in Deutschland die Rede ist, bewegt man sich zumindest schon an der Schwelle zum Verschwörungsmythos.

Richtig ist: Es darf unterschiedliche Meinungen zum Lockdown und zu der Angemessenheit der Maßnahmen geben. Der Balanceakt zwischen Präventionsmaßnahmen und individuellen Bürgerrechten muss immer wieder aufs Neue abgewogen werden. Richtig ist aber auch: Wenn diese Meinungen auf Halbwahrheiten, Desinformationen oder Fake News basieren, muss ihnen widersprochen werden. In den vergangenen Tagen wurden die Stimmen lauter, die behaupten, wir lebten in einer Meinungsdiktatur, Andersdenkende würden zum Schweigen gebracht und die Demokratie würde abgeschafft. Häufig werden dafür krude NS-Vergleiche angeführt. Nicht nur sind solche Vergleiche furchtbar geschichtsvergessen und -relativierend; sie sind schlicht falsch.

Denn dass wir keine Meinungsdiktatur oder Zensur haben, kann man leicht daran erkennen, dass die Videos, in denen genau das behauptet wird, frei verfügbar im Internet sind. Sie werden eben nicht zensiert, selbst wenn sie ärgerliche Gerüchte oder Halbwahrheiten verbreiten. Wer seine Informationen aus solchen Videos bezieht muss sich jedoch die Frage gefallen lassen: „Warum glaubst Du eigentlich einem fragwürdigen WhatsApp-Kettenbrief oder einem privaten YouTube-Kanal mehr als seriösem Journalismus?“

7. „Bill Gates steckt hinter Corona“; „Die 5G-Ausweitung ist schuld“; „Covid-19 ist eine Bio-Waffe aus dem Labor“…

Wer so etwas behauptet, steckt schon tief im Kaninchenbau der Verschwörungstheorien fest. Schon seit den Anfängen der Pandemie verbreiten sich solche Verschwörungsmythen rasant über die sozialen Medien; vor allem über Kettenbriefe auf Messenger-Diensten wie WhatsApp oder Telegram. Prominente und Influencer, die sich an der Verbreitung beteiligen, werden dabei zu „Superspreadern“: Der ehemalige Radiomoderator Ken Jebsen, Xavier Naidoo, der ehemalige „Popstars“-Juror Detlef D! Soost oder der Show-Koch Attila Hildmann sprechen in ihren Videos von geheimen Weltmächten, von der Abschaffung der Demokratie und von angeblichen Zwangsimpfungen.

Auf bundesweiten Protesten wie den sogenannten „Hygiene-Demos“ in Berlin kam in den vergangenen Wochen eine groteske Querfront aus Impfgegnern, Esoterikern, Verschwörungstheoretikern, Rechtsextremisten und Antisemiten zusammen, um das „Corona-Regime“ zu stürzen. Dabei fügt sich die Corona-Pandemie gar nicht so leicht in die für Verschwörungstheorien so typische „Cui bono?“-Logik („Wem zum Vorteil?“). Die globale Pandemie lässt immerhin weltweit die Wirtschaft einbrechen und stürzt auch die mächtigsten Regierungen in die Krise. Weil es in Verschwörungstheorien aber stets heimliche Profiteure und verborgene Weltmächte geben muss, kommt es zu den absurdesten Theorien, wie zu der Verschwörungstheorie um Bill Gates. Der Microsoft-Gründer soll den SARS-CoV-2-Virus im Labor erschaffen haben, um Zwangsimpfungen durchsetzen zu können, die alle Menschen mit Mikrochips digital überwachen und die Weltbevölkerung reduzieren sollen. Für Verschwörungstheoretiker bietet sich Bill Gates als Sündenbock an, weil er schon seit Langem öffentlich vor weltweiten Pandemien gewarnt hat und mit seiner „Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung“ viel Geld in die Gesundheitsentwicklung, unter anderem in die Erforschung von Impfstoffen, investiert hat.

Solche Verschwörungstheorien sind ein bisschen wie das Virus selbst: Sie lassen sich stoppen, indem man sie nicht weitergibt. Und Aufklärung kann dabei helfen, ihre Verbreitung einzudämmen. Doch mit einem Verschwörungstheoretiker zu diskutieren, ihn womöglich zu überzeigen – das war schon vor Corona keine leichte Angelegenheit. Wenn Freunde oder Verwandte im Gruppenchat Corona-Verschwörungen posten, lohnt es dennoch, ruhig und sachlich nach Quellen oder Belegen zu fragen, mit Fakten zu erwidern und kritische Fragen zu stellen. Um einen Verschwörungstheoretiker im Freundes- oder Familienkreis zum Umdenken zu bewegen, kann es außerdem helfen, aufzuzeigen, dass er sich rechtsradikaler und antisemitischer Argumentationsmuster bedient, womöglich ohne das zu wissen oder zu wollen.

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Was man Corona-Verharmlosern entgegnen kann

Drosten kritisiert falsche Experten: „Das ist unverantwortlich“   4 comments

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Auf dem Rücken der Coronakrise wollen einige ein ganz eigenes Süppchen kochen. Corona ist da nur ein trojanisches Pferd. Ganz abgesehen von den abstrusen Argumenten von Impfgegnern, die glauben, Bill Gates möchte ihnen weiß Gott was durch den Körper jagen. Das auch noch lange vor dem Vorliegen eines Impfstoffes.

Solche Leute kann ich nur als gefährliche Spinner bezeichnen.

Von t-online.de

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Virologe Drosten wird deutlich

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Virologe Drosten greift falsche Corona-Experten an: "Unverantwortlich!". Geht mit Kollegen hart ins Gericht: Virologe Christian Drosten. (Quelle: imago images/Jürgen Heinrich)

Geht mit Kollegen hart ins Gericht: Virologe Christian Drosten. (Quelle: Jürgen Heinrich/imago images)

 

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In der Corona-Krise verbreiten sich vor allem Fake-News rasend schnell. Virologe Christian Drosten ist fassungslos über die Inhalte, die im Internet kursieren – und greift vermeintliche „Experten“ scharf an.

Neben dem Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus hat sich für die Gesellschaft nicht nur in Deutschland eine weitere Herausforderung aufgetan: Der Kampf gegen die Verbreitung von Falschinformationen zur Pandemie. Virologe Christian Drosten hat nun scharfe Kritik an sozialen Netzwerken und auch an Berufskollegen geäußert. „Es lässt sich kaum noch zusammenfassen, was in den sozialen Medien kursiert, meist in Form von Videos, die zum Teil Millionen Abrufe haben und voller Unsinn sind“, führt Drosten in der aktuellen Ausgabe des NDR-Podcasts „Corona-Virus Update“ aus.

Drosten und viele weitere Wissenschaftler weltweit hatten zuletzt einen offenen Brief unterzeichnet, in dem gefordert wird, dass von den Unternehmen, die hinter den sozialen Netzwerken stehen, vehementer gegen Fake-News vorgegangen wird. Ein Problem sieht der Wissenschaftler der Berliner Charité auch in den Äußerungen von Berufskollegen: „Es sind zum Teil Ärzte und Professoren dabei, die irgendeinen Quatsch in die Welt setzen, die nie an diesen Themen gearbeitet haben. Denen man aber aufgrund ihrer akademischen Qualifikation glaubt. Und es sind natürlich auch richtige Verschwörungstheoretiker dabei.“ Und weiter: „Ich bekomme das Echo zurück in Form von Anschuldigungen und Fragen.“

„Was ich höre, entbehrt jeder Grundlage“

Personen würden sich anmaßen, zu Themen Expertise vorzugeben, die überhaupt nicht in ihrem Fachbereich liegen: „Ich bin auch Professor. Aber ich würde mich nie trauen, irgendwelche Dinge an die Öffentlichkeit zu geben, die auch noch so viel Meinung beinhalten.

Beispielsweise über Bakterien. Ich bin Virologe. Ich würde mich nie zu einem bakteriologischen Thema äußern. Doch das ist für den normalen Zuschauer fast dasselbe, Viren und Bakterien. Für einen Wissenschaftler aber nicht.“

Er sei bestürzt über den Mangel an Fachkenntnis: „Was ich höre, von scheinbaren Fachleuten – sicherlich sind oder waren sie auch Fachleute, aber auf ihrem eigenen Forschungsgebiet –, das entbehrt jeder Grundlage. Das sind Allgemeinplätze, die nicht über Kenntnisse von Studentenlehrbuchwissen hinausgehen.“ Die Folgen seien fatal: „So stärkt man den wirklich gefährlichen Verschwörungstheoretikern den Rücken. Das ist unverantwortlich.“

Laien sollten daher darauf achten, welches Fachgebiet ein möglicher Experte, der sich öffentlich äußert, hat. „Und da muss man dann auch noch mal ganz genau hinschauen, wie er sich spezialisiert hat. Und gibt es Hinweise, dass die Fach-Community diesen als Experten respektiert? Und wenn das nicht der Fall ist, dann sollte man einfach die Finger davon lassen.“

Drosten verteidigt Lauterbach

In diesem Zusammenhang nimmt Drosten auch SPD-Politiker Karl Lauterbach in Schutz, der in den sozialen Medien zuletzt für einige seiner öffentlichen Auftritte angegriffen wurde. „Ich habe gelesen, wie er in die Kritik geraten ist. Da haben Kommentatoren geschrieben, er solle mal weniger in Talkshow gehen und mal darauf achten, wie er sich so verhält“, so Drosten. Damit würden auch Lauterbachs kompetente Äußerungen in Frage gestellt werden. „Das ist ein Zielen auf eine Person und damit ein Treffen des Inhalts, den die Person von sich gibt – aber dieser Inhalt ist vollkommen richtig.“

Lauterbach gelte zu Recht als Medizinexperte der SPD. „Was er so in den sozialen Medien von sich gibt, das ist einfach Stand der Dinge. Der kennt sich aus und ist von seiner Grundausbildung Epidemiologe. Und da ist es auch erstmal egal, ob irgendjemand findet, dass er zu viel in Talkshows sitzt. Er geht in die Öffentlichkeit und informiert mit richtigen Inhalten.“

Drosten: Zwei-Meter-Abstand in Außenzonen von Restaurants „nicht notwendig“

Lauterbachs Kritik an der Öffnung von Restaurants im Zuge der Lockerung der Corona-Maßnahmen sei berechtigt – dort entstünden durch Ausatmen und Husten Aerosole. Drosten betont, dass auch in geschlossenen Räumen Luftzirkulation wichtig sei.

„Es sollte ein dezenter Luftstrom entstehen, um Luft nach draußen zu ziehen.“ Außenbereiche von Restaurants seien allerdings relativ sichere Zonen, in denen „ein Zwei-Meter-Abstand wahrscheinlich gar nicht notwendig“ ist. „Denn das weht eh weg, was über Aerosol-Übertragung verbreitet wird.“ Im Innenbereich, meint Drosten, sollte man besser mit weit offenen Fenstern sitzen. Und an schlechten, kalten Tagen, wo man das Fenster nicht öffnen kann, eher weniger Gäste bewirten.

Drosten hat zudem einen Vorschlag: „Warum erlaubt man Gastronomen nicht, die Bürgersteige mitzubenutzen? In diesen Zeiten kann man doch auch mal bei den Kommunen Ausnahmen machen und sagen, dass die Kneipen ihre Tische auf den Bürgersteig stellen – solange sie damit nicht Passanten gefährden.“

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Kleine Kostprobe von Unsinn.

Von t-online.de

Die dunklen Geheimnisse der Corona-Krise

Vielleicht wussten Sie es noch nicht. Dann wissen Sie es jetzt: Sie sind belogen worden. Systematisch. Seit Wochen. Das sollten Sie sich nicht länger gefallen lassen. Wachen Sie auf! Öffnen Sie die Augen und schauen Sie mal im Internet, da steht die Wahrheit doch überall: Das Coronavirus ist absichtlich in die Welt gesetzt worden, ziemlich wahrscheinlich von mehreren Regierungen, die sich auf einer Bilderberg-Konferenz abgesprochen haben. Sie nutzen es als Vorwand, um unsere Bürgerrechte einzuschränken. Hat erschreckend gut geklappt, obwohl Covid-19 eigentlich nicht gefährlicher ist als die Grippe. Auch der Milliardär Bill Gates hat seine Finger im Spiel. Was er früher bereits mit seinem Computerprogramm Windows gemacht hat, tut er jetzt wieder: Er errichtet ein globales Monopol, diesmal in der Pharmabranche. So reißt er den Milliardenmarkt der Impfstoffe an sich und macht damit noch mehr Geld. Dafür hat er die Weltgesundheitsorganisation WHO gekauft und lässt sie Druck auf Regierungen ausüben, damit alle Menschen zwangsweise geimpft werden. Sie wissen schon: Damit er noch mehr Geld verdient und …

[…]

Zu meiner Entlastung möchte ich vorbringen, dass ich die Geschichte nicht gedankenlos verzapft habe. Vielmehr möchte ich versuchen, Ihnen zu erklären, auf welchen Irrwegen immer mehr unserer Mitbürger unterwegs sind. So wie diese Leute in Berlin, deren wunderliche Umtriebe der Fotojournalist Lutz Jäkel dokumentiert hat.

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https://www.t-online.de/nachrichten/id_87863576/coronavirus-in-deutschland-die-sechs-dunklen-geheimnisse-der-corona-krise.html

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Sind das Wutbürger oder sind das besorgte Bürger?

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Der SPIEGEL schreibt in seiner aktuellen Ausgabe: „Das Virus vereint Menschen im Protest, die bislang wenig gemeinsam und kaum etwas miteinander zu tun hatten. Rechtsextremisten, Impfgegner, Antisemiten, Verschwörungsideologen, Linksradikale, Alt-Autonome und Esoteriker. Und ganz normale Bürger, denen politisches Engagement bislang eher fremd war.“

[…]
Dabei komme ich am Alexanderplatz vorbei, sehe schon von weitem ein massives Polizeiaufgebot. Und das, was ich dann erleben muss, ist verstörend. Denn es ist zunächst überhaupt nicht ersichtlich, warum die Menge so aufgebracht, so aggressiv ist. Auch hier hatten sich am Nachmittag Demonstranten gegen die Corona-Vorsichtsmaßnahmen versammelt. Von denen ist aber eigentlich nicht mehr viel zu sehen, es ist früher Abend. Und dann wird klar, worum es geht: Die Meute richtet ihren Ärger, ihre Wut, ihren Hass gegen die Polizei. Offenbar nur, weil sie Lust daran haben.

Sie skandieren, schreien, brüllen: „WI-DER-STAND! WI-DER-STAND!“, „Wir sind das Volk! Wir sind das Volk!“, einige bauen sich direkt vor der Polizei auf: „Ihr steht auf der falschen Seite! Ihr Verräter!“, „WIR bezahlen euch, NICHT IHR UNS!“, „Schämt euch!!“. Die Polizei-Hunde bellen dagegen an, eine Frau schreit: „Die armen Hunde! Ihr Tierquäler!“

Dann brüllen einige: „DIK-TA-TUR! DIK-TA-TUR!!“

In diesem Moment möchte ich jeden Demonstranten und jede Demonstrantin schütteln und zurückbrüllen: „Jeder einzelne von Euch hier, jeder einzelne Ruf, jede einzelne Hasstirade ist ein Beweis, dass wir eben *nicht* in einer Diktatur leben. In einer Diktatur würdet ihr alle verhaftet und weggesperrt! Mindestens.“

Zu beobachten ist auch, dass die Polizei vereinzelt diejenigen festnehmen, die erkennbar nicht nur brüllen, sondern mit Parolen die Meute aufzuheizen versuchen. So soll wohl eine weitere Eskalation verhindert werden. Und was für ein Bild: zwei, drei Polizisten ziehen den Festgenommen aus der Menge, und um die zwanzig Polizistinnen und Polizisten schützen dabei die Kolleginnen und Kollegen vor den Demonstranten.

Wir leben also in einem Land, wo die Polizistinnen und Polizisten erkennbar einer Deaskalationsstrategie folgen, die sich anbrüllen und anschreien lassen müssen, ohne dass den Demonstranten etwas passiert. Und denen fällt nichts besseres ein, als DIK-TA-TUR zu brüllen!

 

 

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Siehe auch:

https://www.focus.de/politik/deutschland/demos-in-deutschland-diese-leute-haben-es-nicht-verstanden_id_11973532.html

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Gruß Hubert

 

Böse Mächte und trojanische Pferde   Leave a comment

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Es geht um mehr als um unterschiedliche Meinungen zur Gefährlichkeit des Virus. Leute vom rechten Spektrum möchten das System destabilisieren, im Idealfall stürzen. Dazu eignen sich Verschwörungstheorien besonders gut. Feststellen kann man auch bei Anhängern von Rechtspopulisten & Co. eine Wissenschaftsfeindlichkeit und auch eine Intellektuellenfeindlichkeit. Dem stellen sie den „gesunden Hausverstand“ entgegen.

Von Tagesschau.de

Verschwörungstheorien

Inmitten der Corona-Krise blühen Verschwörungstheorien – vermeintliche Expertenaussagen sollen beweisen, dass etwas anderes hinter der Pandemie steckt. Das ARD-Magazin Monitor hat einige Thesen hinterfragt.

Auf den ersten Blick wirkt es seriös, mit großer Expertise ausgestattet und angesichts der aktuellen Corona-Krise auch beruhigend: Ärzte und andere Fachleute versichern, es sei alles nicht so schlimm, wie es scheint. Die Artikel und Interviews von Wolfgang Wodarg beispielsweise werden im Netz hunderttausendfach geklickt. Im Kern ist seine Aussage, dass es Coronaviren schon immer gab. Das neue Virus sei nicht gefährlicher als übliche Grippeerreger.

Der Internist Claus Köhnlein etwa erklärt, er könne keine neue Erkrankung am Horizont erkennen. Nähme man den Test weg, würde man auch keine verstärkte Mortalität oder Erkrankungshäufigkeit mehr feststellen können. Der Homöopath Rolf Kron vertritt in einem am 10. März veröffentlichten Video gar die Ansicht, dass „diese Corona-Geschichte jetzt Ende März wieder völlig ausklingen“ würde.

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Video „Alternative Fakten“ zu Corona – Wolfgang Wodarg

https://www.tagesschau.de/multimedia/video/video-683083.html

 

Aussagen von Wodarg und Co. wissenschaftlich nicht haltbar

Längst haben verschiedene Experten solche Aussagen widerlegt: Auch wenn sie auf bekannten Fakten beruhten, seien die Schlussfolgerungen wissenschaftlich nicht haltbar. Eine gefährliche Verharmlosung des neuen Virus, sagt etwa Gérard Krause, Leiter der Epidemiologie am Helmholtz-Zentrum in Braunschweig dem ARD-Magazin Monitor: „Die verstorbenen Patienten und auch die Todesfälle beim medizinischen Personal, die sind ja nicht erfunden. Die wären uns auch aufgefallen, wenn wir kein Erfassungssystem oder keinen Namen für das Virus hätten.“ Trotzdem verbreiten sich solche Aussagen im Netz immer weiter, vor allem bei sogenannten „alternativen Medien“.

„Alternative“ Medien als Beschleuniger

Wer sich die entsprechenden Kanäle anschaut, stößt auf Namen wie „Klagemauer.tv“, „Wissensmanufaktur“ oder „KenFM“. Verharmlosungen der Coronakrise sind hier die Grundlage für wütende Kommentare gegen die etablierte Wissenschaft und das politische System. Von „Corona-Diktatur“ ist da die Rede und von „Machtergreifung“. Ein anderer Beitrag sieht in Corona einen „asymmetrischen Krieg“ der „Superreichen gegen die restlichen 99 Prozent“.

KenFM erklärt auf Nachfrage, man lege Wert auf Vielfalt und Diskussion. Viele Experten aber sehen die Plattform auch als Forum für Verschwörungstheorien, bei denen es gerade nicht um sachliche Argumente und widerstreitende Meinungen geht. Vielmehr zeichneten sie sich dadurch aus, dass hinter der etablierten Wissenschaft und dem Handeln der Regierung eine dunkle Macht herauf beschworen wird, die im Geheimen Böses tut, erklärt die Psychologin Pia Lamberty. Sie forscht an der Universität Mainz zu Verschwörungstheorien. Viele Theorien, die jetzt zu Corona im Umlauf seien, folgten einem bekannten Muster: „Es gibt die bösen Verschwörer, die die Welt zerstören wollen in irgendeiner Art und Weise und es gibt die Guten, die die Wahrheit sehen, die wissen, wie es wirklich läuft“, sagt Lamberty.

So ähnlich klingt das auch bei Heiko Schrang. Mit seinem YouTube-Kanal erreicht er Hunderttausende Zuschauer. Aktuell geht es vor allem um Corona. Das eigentlich harmlose Virus sei eine Art „trojanisches Pferd“, Teil eines großen Plans, die Menschen zu unterdrücken: Menschen, die Angst haben, könne man leichter „brechen“. 

Der Tübinger Professor Michael Butter beschäftigt sich seit Jahren mit Verschwörungstheorien. Nach seiner Einschätzung können sie dann gefährlich werden, wenn sie „ein geschlossenes Weltbild“ verkörpern,wo alles, was dagegen spricht, entweder ausgeblendet wird oder zu einem Beleg für die Verschwörung umgewandelt wird“. Denn dann seien die Menschen nicht mehr mit Fakten zu erreichen.

Das Netz „alternativer“ Medien

Die Seiten und Kanäle der „alternativen Medien“ haben unterschiedliche Schwerpunkte, aber viele arbeiten lose zusammen, verweisen aufeinander und auf die gleichen Experten. Bei SchrangTV war im vergangenen Jahr beispielsweise Andreas Popp Interviewgast. Popp ist einer der Köpfe der „Wissensmanufaktur“. Die Plattform verbreitet radikale Kritik an Medien und Politik. Auch dort findet sich ein Interview mit Wolfgang Wodarg über das angeblich harmlose Coronavirus. Der Titel: „Kampf gegen die Bürger: Coronavirus ein Riesenfake?“

Sowohl Popp als auch Schrang traten in den vergangenen Jahren als Redner bei der so genannten „Anti-Zensur-Koalition“ auf, einem Stelldichein von Esoterikern und Verschwörungstheoretikern aus dem deutschsprachigen Raum. Bei der „Anti-Zensur-Koalition“ kamen schon Holocaust-Leugner zu Wort, ebenso wie der extrem rechte Publizist Jürgen Elsässer.  Er gibt das Compact-Magazin heraus, das immer wieder Stimmung gegen Flüchtlinge macht. Nun nutzt es die Pandemie, um alte Verschwörungstheorien zu bedienen. So warnt der aktuelle Titel vor einer neuen „Asylflut im Schatten von Corona“.

Organisator der „Anti-Zensur-Koalition“ ist der schweizerische Sektenführer Ivo Sasek, der auch das Portal „Klagemauer.tv“ betreibt. Der deutsche Einmarsch in Polen im Zweiten Weltkrieg wurde dort als „Notwehr“ bezeichnet, die bis heute medial verschwiegen werde. Im Hinblick auf das Coronavirus wird darüber spekuliert, dass es gezielt als „Biowaffe“ eingesetzt worden sein könnte.

Auf Nachfrage von Monitor, wie man zu den eigenen Inhalten stehe, erklärt die Plattform, dass sie keine feste Meinung vertrete. Es würden lediglich „Gegenstimmen“ veröffentlicht und Fragen aufgeworfen.

Schnittstellen zwischen Verschwörungstheorien und Rechtspopulismus

Tatsächlich gebe es eine Verbindung zwischen vielen Verschwörungstheorien und Rechtspopulismus, sagt Professor Butter: „Beide lösen komplexe politische Themen in einen Gegensatz von Gut und Böse auf. Auf der einen Seite die Verschwörer beziehungsweise die Eliten, auf der anderen Seite die Opfer der Verschwörung oder das einfache Volk.“

Für eine politische Mobilisierung seien Verschwörungstheorien daher ideal, sagt auch Lamberty. Dass es ein eindeutiges Feindbild gebe, immunisiere gegenüber Kritik, Mitglieder der eigenen Gruppe ließen sich besser steuern für die eigene Agenda. Daher geht es bei Verschwörungstheorien zu Corona um viel mehr als nur um unterschiedliche Meinungen zur Gefährlichkeit des Virus.

Von Jochen Taßler und Jana Heck, WDR

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Böse Mächte und trojanische Pferde

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Gruß Hubert

 

Veröffentlicht 10. Mai 2020 von hubert wenzl in Politik, Uncategorized

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Corona-Krise – Veschwörungstheoretiker wieder in ihrem Element   5 comments

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Da sind wieder mal dunkle Mächte am Werk. Wie viele Toten sollten es denn sein, damit man von Corona als ernste Gefahr sehen möchte? Ich möchte gar nicht viel sagen, ich kann eigentlich nur den Kopf schütteln. Es geht oft um einfache Wahrheiten und klare Feindbilder. Es macht auch keinen Sinn mit Verschwörungstheoretikern zu reden bzw. auf ihre abstrusen Argumente einzugehen. Es soll eine Diktatur errichtet werden, der Coronavirus sei als Biowaffe eingesetzt worden… usw.

Corona: Fake News und Verschwörungstheorien – MONITOR

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Die Corona-Krise ist der ideale Nährboden für alle, die ihre politischen Ideologien verbreiten wollen.

https://www.4shared.com/video/x-cSuyc0iq/Rassistische_und_antisemitisch.html
https://www.4shared.com/web/embed/file/x-cSuyc0iq

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Gruß Hubert

QAnon: Was steckt hinter der Verschwörungstheorie?   Leave a comment

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Ich wundere mich immer wieder wie Leute an Verschwörungstheorien glauben können. Je abstruser, desto stärker glauben sie daran. Besonders Rechte hängen Verschwörungstheorien an.

„Warum glauben Menschen überhaupt an Verschwörungen, selbst wenn diese besonders abenteuerlich sind?

„Der Wunsch, die Welt zu erklären, ist etwas zutiefst Menschliches“, sagt Marius Raab, Psychologe an der Universität Bamberg, im Gespräch mit unserer Redaktion.

Wenn Menschen an Verschwörungstheorien glauben, stecke häufig der Wunsch dahinter, die Komplexität der Welt zu reduzieren, so eine wissenschaftliche Annahme.“

 

Anhänger von US-Präsident Trump verbreiten die Verschwörungstheorie QAnon. Sie glauben, dass das Land von einem Ring prominenter Kinderhändler unterwandert wird. Schon jetzt zeigt sich, wie gefährlich diese Behauptungen werden können.

Das große „Q“ ist ihr Markenzeichen: Die Anhänger einer Verschwörungstheorie sorgen derzeit in den USA für Aufsehen, bei Auftritten von US-Präsident Donald Trump zeigen sie sich mit entsprechenden T-Shirts oder halten ausgeschnittene Buchstaben in die Höhe.

Durch Trump und seine Auftritte habe es eine komplizierte Verschwörungstheorie vom Rand der sozialen Medien in die Öffentlichkeit geschafft, fürchtet die britische BBC.

Politiker und Schauspieler als Kinderhändler

Begonnen hat alles im Oktober 2017: Im anonymen Internetforum 4chan meldete sich ein User unter dem Namen Q zu Wort. Seine Botschaften verbreiteten sich in anderen Foren, dann auch in den sozialen Medien.

Nutzer setzten die Einzelstücke zur obskuren Verschwörungstheorie QAnon zusammen. Q steht dabei für den unbekannten Nutzer, „Anon“ für anonym.

Der Kern der Theorie: In den USA soll ein verdeckt operierender Ring von Prominenten am Sturz von Präsident Donald Trump arbeiten. Diese Gruppe soll zudem als „Sex-Ring“ fungieren und Kinderhandel betreiben. Prominente wie die ehemalige Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton, der Schauspieler Tom Hanks und der Regisseur Steven Spielberg werden als Mitglieder genannt.

Der US-Sonderermittler Robert Mueller, der derzeit wegen vermuteter russischer Einflussnahme auf den Präsidentschaftswahlkampf von Donald Trump ermittelt, hat nach Überzeugung der QAnon-Anhänger in Wirklichkeit eine ganz andere Aufgabe: Er solle im Auftrag des Präsidenten verdeckt gegen diesen Kinderhändler-Ring vorgehen.

USA – Land der Verschwörungstheorien

Verschwörungstheorien sind in den USA nichts Neues. Zudem sei das gesamte politische Spektrum dafür anfällig, sagt Joseph Uscinski, Politikwissenschaftler an der Universität von Miami und Experte für das Thema, im Gespräch mit unserer Redaktion.

Es gebe Republikaner, die glauben, dass Barack Obama seine Geburtsurkunde gefälscht habe und kein echter Amerikaner sei. Und es gebe Demokraten, die glauben, dass George W. Bush am 11. September die Twin Towers in New York explodieren ließ, um sich danach als starker Mann präsentieren zu können.

Im Fall von QAnon stehen die Anhänger allerdings klar hinter dem aktuellen US-Präsidenten.

„Einem evangelikalen, für Verschwörungen empfänglichen Trump-Anhänger fällt das im Fall von QAnon leicht. Diese Theorie erzählt eine Geschichte, die zu seinem Weltbild passt“, sagt Joseph Uscinski

„Wunsch, die Welt zu erklären“

Aber warum glauben Menschen überhaupt an Verschwörungen, selbst wenn diese besonders abenteuerlich sind?

„Der Wunsch, die Welt zu erklären, ist etwas zutiefst Menschliches“, sagt Marius Raab, Psychologe an der Universität Bamberg, im Gespräch mit unserer Redaktion.

Wenn Menschen an Verschwörungstheorien glauben, stecke häufig der Wunsch dahinter, die Komplexität der Welt zu reduzieren, so eine wissenschaftliche Annahme.

Marius Raab betont allerdings, dass es auch Theorien gebe, die die Welt eher noch komplexer machen. „Häufig verschwimmen bei Verschwörungstheorien berechtigte Sorgen der Bevölkerung mit abstrusen Annahmen.“

Ist QAnon wirklich eine Bewegung?

Wer hinter QAnon in den USA steckt, ist bisher ein Rätsel. „Niemand weiß es. Es könnte eine Person sein, es könnten mehrere sein“, sagt Joseph Uscinski. Auch die Zahl der Menschen, die an die Theorien glauben, sei schwer einzuschätzen. Zahlen in den USA rangieren von einigen Zehntausend bis zu einer Million. Uscinski geht aber von eher wenigen Anhängern aus.

Als prominente Unterstützer gelten bisher die Schauspielerin Roseanne Barr und Alex Jones.

Der Betreiber des ultrarechten Internetportals „Infowars“ glaubt unter anderem, dass die damalige US-Administration unter Barack Obama 2012 den Amoklauf an der Sandy-Hook-Grundschule inszeniert habe.

Die Q-Fans hoffen laut einem Artikel der „Washington Post“, dass Präsident Trump die Bewegung öffentlich erwähnt.

Ein Präsident als Verschwörungstheoretiker

Das hat er bisher zwar nicht getan, allerdings hat Trump laut „Washington Post“ früher selbst falsche Behauptungen verbreitet – etwa die, sein Vorgänger Obama sei gar nicht in den USA geboren.

„Wir haben jetzt einen Präsidenten, der selbst Verschwörungstheoretiker ist“, sagt Joseph Uscinski. „Er und seine Mitarbeiter sind in der Lage Theorien unter einem großen Publikum zu verbreiten.“

Wie gefährlich können Verschwörungstheorien werden? Es komme auf die Inhalte an, sagt Psychologe Marius Raab.

„Einige Theorien lenken Aufmerksamkeit auf die Mächtigen und können das Bewusstsein schärfen, dass Politiker gerade auch in einer Demokratie kontrolliert werden müssen. Wenn aber, wie es leider auch immer wieder der Fall ist, einzelne gesellschaftliche Gruppen wie zum Beispiel Juden für alles verantwortlich gemacht werden, ist das sehr gefährlich.“

Im Fall von QAnon sind mögliche Folgen schon sichtbar geworden: Im Dezember 2016 schoss ein Mann auf Besucher eines Pizza-Restaurants in der Hauptstadt Washington, weil er glaubte, dass von dort aus der demokratische Kinderschänder-Ring operieren würde.

„Und auch derzeit gibt es Menschen, die in der Wüste von Arizona mit Waffen nach Sex-Camps suchen“, sagt Joseph Uscinski.

Verwendete Quellen:

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QAnon: Was steckt hinter der Verschwörungstheorie?

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Gruß Hubert

Veröffentlicht 10. August 2018 von hubert wenzl in Politik, Uncategorized

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Absurde Pseudo-Wissenschaften und Verschwörungstheorien   Leave a comment

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Gleich unerschöpflich wie die Verschwörungstheorien sind auch die Abhandlungen darüber. In verschiedenen Kategorien wird jährlich der Goldene Aluhut vergeben, wie zum Beispiel in, Rechtsesorerik, Reichsbürger & BRD-GmbH, Medien und Blogs, Medizin, Esoterik, Mind Control und Grenzwissenschaften, Chemtrails.

Das hat schon manchmal was Sektenartiges.

Aber sicher ärgern sich manche Verschwörungstheoretiker über diese negative Auszeichnung mit dem goldenen Aluhut. Sie sind ja felsenfest davon überzeugt, dass ihre Thesen die Wahrheit sind. Sie fühlen sich ja oft wie die wahrer Aufdecker. Wie lautet doch ein Buchtitel von Karlheinz Deschner: Aufklärung ist Ärgernis.

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Aus dem Spiegel

Preis für Gaga-Forschung Wer ist der Doofste im ganzen Land?

Die heilsame Kraft des Einhorns und ähnlicher Quatsch: Eine Berliner Initiative vergibt Auszeichnungen für besonders absurde Pseudo-Wissenschaft und Verschwörungstheorien. Das sind die Preisträger.

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Alu- und andere Hüte beim Camp des Chaos Computer Clubs: Segensreiche Kopfbedeckung

DPA -Alu- und andere Hüte beim Camp des Chaos Computer Clubs: Segensreiche Kopfbedeckung

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Klar, sein kleiner Bruder Aldous hat es zu mehr Ruhm gebracht. Der hat schließlich die bedrückende Zukunftsvision „Schöne neue Welt“ verfasst. Doch auch der britische Humanist Julian Sorell Huxley war ein Mann mit Weitblick. In seiner Science-Fiction-Geschichte „The Tissue-Culture King“ stellte der spätere Chef der Uno-Kulturorganisation Unesco schon 1927 eine verblüffende Erfindung vor: eine Kopfbedeckung aus Metallfolie. Die, so beschrieb es Huxley, sollte vor schädlicher Telepathie schützen.

Ohne Julian Huxley hätte es auch diesen Freitagabend nicht gegeben. Jedenfalls nicht in dieser Form. Denn längst ist der Aluhut eine Chiffre geworden – für Anhänger von Verschwörungstheorien oder Paranoiker. Denen soll er sprichwörtlich dazu dienen, sich vor Gehirnwäsche durch Geheimdienste, Großkonzerne oder andere Fieslinge zu schützen.

Nun ist die segensreiche Kopfbedeckung auch Namensgeberin für einen skurrilen Preis: Eine Berliner Initiative hat erstmals den „Goldenen Aluhut“ verliehen – für besonders wirre Vertreter und Profiteure von Verschwörungstheorien und Pseudo-Wissenschaft. Alu-Cowboyhut, Alu-Basecap, Alu-Schirmmütze, Alu-Dreadlocks – all das war bei der Gala im Veranstaltungszentrum Pfefferberg zu sehen. Mit rund 150 Gästen war der Saal schon seit Tagen ausverkauft.

Neben Julian Huxley war freilich noch ein Mann für die Veranstaltung wichtig. Sein Name: Axel Stoll. Der Geologe war einer der führenden deutschen Verschwörungstheoretiker, bekannt vor allem durch seine YouTube-Videos. Darin ging es unter anderem um – vorsichtig ausgedrückt – rechten Stuss wie die sogenannten Reichsflugscheiben, mit denen Nazis zum Mond geflogen sein sollen.

Zwischen Science Slam und Impro-Theater

Der zornige alte Mann ist im vergangenen Jahr verstorben. Auf seinen Geburtstag haben die Organisatoren um Giulia Silberberger nun ihre Gala gelegt, die in Zukunft jährlich stattfinden soll. An Stoll und seine Theorien erinnerte nicht nur das Modell einer Reichsflugscheibe auf der Bühne, von Silberberger selbst gebaut und apart mit bunten LEDs illuminiert, sondern auch einer der Vorträge an diesem Abend.

Von denen gab es so einige: zur Frage zum Beispiel, warum die Erde nicht – wie von Verschwörungstheoretikern behauptet – flach und/oder hohl sein kann, oder dazu, wie sich Verschwörungstheorien im Netz verbreiten. Eine meist kurzweilige Mischung aus Science Slam und Impro-Theater.

Verschwörungstheorien, sagt Organisatorin Silberberger in einer Programmpause, seien längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Nicht zuletzt durch die sozialen Netzwerke. Der Award solle ein Zeichen dagegen setzen.

Warum das wichtig ist, will die Aktivistin mit ihrer eigenen Geschichte belegen. Sie sei als Kind durch ihre Mutter Mitglied bei den Zeugen Jehovas geworden – und habe erst 15 Jahre später wieder aussteigen können.

Nun sind Religionen und Verschwörungstheorie – zumindest für viele – etwas Verschiedenes. Aber Silberberger geht es um ideologischen Missbrauch. Wegen der Gefahren dadurch dürfe man die Verschwörungstheoretiker nicht einfach ignorieren.

Im Sommer hatten Silberberger, ihr Freund Kai Schulze und andere Unterstützer bei Facebook in einem ersten Schritt potenzielle Kandidaten für die Anti-Ehrung gesucht. Dann konnten die Fans abstimmen. Rund 7000 Menschen machten laut den Organisatoren mit. Nun wurden die Ehrungen vergeben:

  • Den wohl bekanntesten Preisträger gibt es in der Kategorie „Rechtsesoterik, Reichsbürger & BRD-GmbH“. Hier konnte sich Xavier Naidoo (61 Prozent, 2593 Votes) vor dem von Axel Stoll – Sie erinnern sich? – initiierten Neuschwabenland-Stammtisch in Berlin (zwölf Prozent, 525 Votes) durchsetzen. Naidoo war im vergangenen Jahr bei den sogenannten Reichsbürgern aufgetreten. Das sind von Rechtsextremen unterstützte Verschwörungstheoretiker, die die Rechtmäßigkeit der Bundesrepublik anzweifeln – und sich als staatenlos sehen. Naidoo erklärte hinterher, er sei „weder homophob noch irgendwie rechtsradikal“. Nicht jeder mochte ihm das glauben.

  • In der Kategorie „Medien und Blogs“ gewann der Kopp-Verlag (50 Prozent, 2184 Votes) klar vor dem Krawallsender RT Deutsch (14 Prozent, 630 Votes). Im Kopp-Verlag gibt es reißerische – und sehr erfolgreiche – Bücher mit steilen Thesen. Eine Mischung aus Rechtspopulismus, Kapitalismuskritik und Tabubrecher-Attitüde charakterisiert das Programm. Man warnt vor einer „großen Enteignung“ durch das „Weltfinanzkartell“ , der „Impf-Mafia“ und sieht sich am „Vorabend des Dritten Weltkriegs“. Und ja, auch um „gekaufte Journalisten“ geht es.

  • Im Bereich „Medizin“ siegte die Kampagne „Impfen – nein danke!“ (28 Prozent, 1145 Votes) vor einem Team um den Homöopathen Richard Hiltner, das mit seiner unbewiesenen Heilmethode die Ebola-Epidemie in Westafrika stoppen wollte (24 Prozent, 1005 Votes).

  • Ein besonderes Schmankerl gab es in der Kategorie „Esoterik, Mind Control und Grenzwissenschaften“. Hier siegte das Hamburger Esoterik-Unternehmen Wrage GmbH („Inspiration für Körper, Geist und Seele“) mit seinem Seminar „Heilarbeit mit der Lichtenergie der Einhörner“ (49 Prozent, 1775 Votes). Zweiter wurde der Verein Psychophysischer Terror e. V. (elf Prozent, 408 Votes), wo man sich mit Strahlenfolter durch Geheimdienste und ähnlichen Boshaftigkeiten befasst.

  • Geehrt wurden auch Anhänger der sogenannten Chemtrails. Sie gehen davon aus, dass aus Flugzeugen massenhaft Giftstoffe verspritzt werden. Zur Kontrolle des Klimas, der Weltbevölkerung oder aus anderen Gründen. Geehrt wurde hier die Szenegröße Ria den Breejen von der Global Mobilization Against Chemtrails vor Werner Altnickel von chemtrail.de (30 Prozent, 1409 Votes).

Der Abend im Pfefferberg fühlt sich an wie eine Art Familientreffen. Wer sich gegen die Verschwörungstheoretiker verschworen hat, ist hier. Man ist sich so sicher, auf der richtigen Seite zu stehen, wie es auch das andere Lager ist. Aber vielleicht muss das auch so sein.

Keiner der Preisträger war zur Verleihung gekommen. Silberberger hatte die Geehrten, wie sie sagt, per Einschreiben eingeladen – und ihnen zehn Minuten Redezeit angeboten. Wenn es danach eine sachliche, offene Diskussion geben würde. Niemand habe sich aber dazu bereit erklärt. „Wir sind fast ein bisschen überrascht, dass keiner von den Verrückten gekommen ist“, so Silberberger.

Naidoo hat ein „Brett vorm Kopf“

Der „Goldene Aluhut“ ist nicht die einzige Auszeichnung dieser Art. So verleiht die Gesellschaft zur Wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften jedes Jahr in Wien das „Goldene Brett vorm Kopf“. Dort konnten Naidoo und der Kopp-Verlag bereits im vergangenen Jahr punkten.

 Aber lassen sich in ihrem Weltbild gefestigte Verschwörungstheoretiker davon beirren, dass andere ihre Arbeit durch den Kakao ziehen? Eher nicht. „Wir wollen niemanden bekehren, aber selbst wenn wir nur ein, zwei Leute erreichen, haben wir unseren Zweck erfüllt“, sagt Silberberger.

Vermutlich hätte man aber diesen ganzen Artikel gar nicht schreiben brauchen. Was drin steht, wird mancher sowieso nicht glauben. Nachzulesen in einer aktuellen Forsa-Umfrage im Auftrag der Kollegen von „Stern“ und RTL. Da antworteten 44 Prozent der gut 1000 repräsentativ ausgewählten Befragten, die Medien in Deutschland würden „von ganz oben gesteuert“ und verbreiteten deshalb „geschönte und unzutreffende Meldungen“. Aber auch das ist, man muss das so klar sagen, eine Verschwörungstheorie.

Von

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Absurde Pseudo-Wissenschaften und Verschwörungstheorien

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Aluhut-Verleihung am 30. Oktober 2016 in Berlin

Auszug.

Die verrücktesten Verschwörungstheoretiker des Jahres

Während des Programms erzählten Wissenschaftler über beliebte Irrglauben wie Freie Energie oder Orgonit-Pyramiden, mit denen Chemtrails unschädlich gemacht werden sollen.

Die Gewinner des Goldenen Aluhuts 2016 sind:

Ernst Köwing in der Kategorie Verschwörungstheorie allgemein
Als Der Honigmann verbreitet Köwing auf dem Blog Der Honigmann sagt… rechtsgerichtete und antisemitische Artikel. Er ist Anhänger der Weltverschwörungstheorie und zweifelt die Legitimität der Bundesrepublik Deutschland an. In der Abstimmung setzte er sich klar gegen den albernen YouTube-Hit Chemtrails von VitaVision durch.

Dennis Schulz (The True Association) in der Kategorie Politik
Schulz ist nach eigenen Angaben Diplom-Ingenieur der Energie-, Umwelt- und Versorgungstechnik. Auf YouTube gab er auf dem Kanal The True Association seine nationalsozialistischen und rassistischen Meinungen kund – mit Hakenkreuzen im Hintergrund. Deswegen hat YouTube den Kanal inzwischen gesperrt. Vor der Verleihung des Goldenen Aluhuts kündigte Schulz an, erscheinen zu wollen, bekam vom Veranstalter aber Hausverbot.

Compact Magazin in der Kategorie Medien und Blogs
Das monatlich erscheinende Magazin wird von Jürgen Elsässer herausgegeben, der unter anderem als Redner bei PEGIDA-Demonstrationen aufgetreten ist. Compact ist Teil einer gut vernetzten Alternativmedien-Community, die sich gegen die „Mainstream-Medien“ richtet. Die Themen reichen von Anti-Amerikanismus bis zu Antisemitismus, Rechtspopulismus und der Leugnung des Klimawandels. Zu den Autoren gehörten unter anderem Eva Hermann, Udo Ulfkotte und Ken Jebsen.

Bewusst Vegan Froh in der Kategorie Medizin & Wissenschaften
Bewusst Vegan Froh wirkt auf den ersten Blick wie ein schlecht designtes Blog über gesunde Ernährung und Veganismus. In den Artikeln verbreiten die Betreiber aber Propaganda gegen die Pharmaindustrie, Esoterik-Dauerbrenner wie energetisiertes Wasser und allerhand anderen pseudomedizinischen Unfug.

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https://www.wired.de/collection/life/goldenere-aluhut-die-verruecktesten-verschwoerungstheoretiker-des-jahres

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Aus Der Westen (Auszug)

Chemtrails: widerlegt aber nicht überwunden

Die Chemtrailer stellen eine ganz eigene Kategorie dar. Sie glauben, dass die Regierung (oder diejenigen, die der Regierung Anweisungen erteilen) Gift versprühen lässt. Damit soll je nach Glaubensrichtung das Bevölkerungswachstum gestoppt oder aber der Klimawandel aufgehalten werden. Manchmal werden auch militärische Strategien dahinter vermutet.

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http://www.derwesten.de/panorama/der-goldene-aluhut-fuer-die-schoenste-verschwoerungstheorie-id11116898.html

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Gruß Hubert

Verschwörungstheorien sind in der Mitte der Gesellschaft angelangt   Leave a comment

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Ich möchte noch einmal auf die Verschwörungstheorien zurück kommen, weil es doch ein komplexes Thema ist.
Bei Verschwörungstheorien geht es auch um die emotionale Ebene, wo es oft nicht mehr um Fakten geht, sondern auch um Glauben und Ideologie. Sebastian Bartoschek schrieb seine Dissertation zum Thema Verschwörungstheorien. Er ermahnt auch die emotionale Ebene nicht außer acht zu lassen. Hier erklärt er in einem Interview mit Euronews seine Sichtweise zum Thema.

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Chemtrails, Reptiloiden, hohle Erde: Verschwörungstheorien scheinen sich immer weiter auszubreiten. “Sie sind in der Mitte der Gesellschaft angekommen”, sagt der Journalist und Psychologe Sebastian Bartoschek. Seit vielen Jahren befasst er sich mit Verschwörungstheorien, 2013 erhielt er für seine Dissertation zu dem Thema den Doktortitel. Einige Theorien seien harmlos, sagt der Fachmann, der auch für die Ruhrbarone schreibt. Andere hingegen bereiten ihm Unbehagen. Wir haben mit Sebastian Bartoschek über Verschwörungstheorien und -theoretiker gesprochen, über Medien und über (fehlendes) Vertrauen.

“Auch Gebildete sind anfällig für Verschwörungstheorien”

euronews
Herr Bartoschek, man hat den Eindruck, Verschwörungstheorien werden immer stärker. Stimmt das oder trügt dieser Eindruck?

Sebastian Bartoschek
Das wissen wir nicht. Was wir wissen ist, dass sie sichtbarer werden und dass sie mehr in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind. Aber es fehlen uns Erhebungen aus der Zeit vor den sozialen Medien, um das vergleichen zu können. Mein subjektiver Eindruck ist, dass es mehr geworden ist. Als ich 2008 anfing, mich mit dem Thema wissenschaftlich zu beschäftigen, war es eine Randgruppenthematik. Mittlerweile ist es das eindeutig nicht mehr.

euronews
Und es ist kein Phänomen der Ungebildeten, der Abgehängten. Auch viele Akademiker glauben in der ein oder anderen Form an Verschwörungstheorien.

Sebastian Bartoschek
Bildung ist zunächst einmal eigentlich ein beschützender Faktor. Aber Michael Shermer hat das mal ganz gut analysiert. In seinem Buch Why people believe weird things geht er auch auf die Gebildeten ein und zeigt, dass gerade sie den Wunsch haben, einen Wissensvorsprung durch besonderes Wissen zu besitzen. Deshalb sind viele von ihnen für gewisse Verschwörungstheorien offen. Was den Zusammenhang angeht, so gibt es mittlerweile Studien, die alle drei Sachen belegen. Es gibt Studien, die sagen, es gibt keinen Zusammenhang, meine Dissertation kam zu dem Ergebnis, es gibt einen Zusammenhang, und dann gibt es eine ganz aktuelle Studie, die sagt, wir wissen es eigentlich nicht. Aber wichtiger als Bildung ist die Selbstwirksamkeit. Also, wie wirkmächtig erlebt sich jemand in seinem Leben. Und das ist bei Menschen mit hoher formaler Bildung eher der Fall, etwa, weil sie die besseren Jobchancen haben, aber auch die können natürlich anfällig sein.

euronews
Ist der Begriff “Verschwörungstheoretiker” nicht zu weit gefasst? Da sind einmal Leute, die an Chemtrails glauben, an Reptiloide, also an Dinge, bei denen vermutlich die allermeisten sagen würden, das ist völlig absurd. Aber dann werden vielfach auch Menschen, die die Nato, den Westen kritisieren, in den Verschwörungstopf geworfen. Ist das gerechtfertigt?

Sebastian Bartoschek
Ich bin jemand, der den Begriff sehr weit fasst und dafür auch Kritik einstecken darf und durfte. Die Frage ist, wo ziehen wir die Grenze. Es gibt Kollegen, die den Begriff “Verschwörungstheorie” grundsätzlich ablehnen und von “Verschwörungsideologien” sprechen, weil sie sagen, Theoriemerkmale werden nicht erfüllt. Das sehe ich etwas anders. Spannend ist die Frage der Widerlegbarkeit. Nehmen wir die Nato-Kritik. In dem Moment, wo mir Leute erzählen, dass “der Westen” und “die USA” gefährlich an Russland heranrücken, bin ich relativ sicher, dass ich hier im Bereich der Verschwörungstheoretiker bin. Wenn jemand dagegen sagen würde, er fand zum Beispiel das Nato-Manöver Anakonda im vergangenen Jahr aus den und den Gründen nicht so gut, dann ist das natürlich legitime Kritik.

euronews
Wo ziehen Sie da die Grenze zwischen berechtigter Kritik und Verschwörungstheorie?

Sebastian Bartoschek
Meine Grenze ist es, wenn zum Beispiel ein größerer Plan vermutet, der geheim ist. Wenn man jetzt sagen würde, die Nato will Präsenz an ihrer Ostgrenze zeigen, dann ist das für mich keine Verschwörungstheorie, sondern genau das, was die Nato auch selber in ihren Pressemitteilungen geschrieben hat. Wenn aber jemand von irgendwelchen Überfallsphantasien anfängt, dann wird das ganze verschwörungstheoretisch. Aber die Grenze ist nicht wirklich trennscharf zu ziehen, wenn man den Begriff so weit fasst, wie ich. Andere Kollegen benutzen eben den Ideologiebegriff oder gehen nur auf Sachen ein, die falsch sind an Verschwörungstheorien. Da sage ich dann wieder, dass ich schlecht beurteilen kann, welche Verschwörungstheorie stimmt und welche nicht. Klar, die Sache mit den Reptilien-Aliens und der hohlen Erde, da sind wir uns wohl einig, dass das Müll ist. Aber es fängt schon bei Kleinigkeiten an: Ich bin mal der Theorie nachgegangen, dass die Autohersteller keinen rostfreien Stahl für ihre Auspuffe verbauen, weil sie die durch die sogenannte geplante Obsoleszenz die Umsätze erhöhen wollen. Dazu kriegen Sie keine Auskünfte von Automobilherstellern, so dass man wissenschaftlich sauber sagen müsste, ich weiß es nicht.

Fakten ade, Glauben juchhe

euronews
Es geht bei Verschwörungstheorien ja sehr oft nicht so sehr um Fakten, sondern vielmehr darum, woran wir glauben wollen. Wie gehen wir mit diesem Glauben um?

Sebastian Bartoschek
Meiner Meinung nach sollten wir damit anders umgehen, als wir das viele Jahre lang getan haben. Wir haben versucht, Glauben durch Argumente zu widerlegen, und das funktioniert nicht. Man kann Gefühle nicht durch Fakten zurückweisen. In dem Moment, in dem eine Verschwörungstheorie oder ein Glaube eine emotionale Funktion erfüllt, müssen wir auch mit Emotionen reagieren.

euronews
Nehmen wir mal ein Beispiel: Auch uns bei euronews wird gerne mal vorgeworfen, für die Nato, für den Westen, die USA zu schreiben. Da sagen wir als Redakteure natürlich erst mal, das ist falsch. Aber wenn man nun fragen würde, ob wir Redakteure denn wirklich wüssten, ob unser Chef nicht doch heimlich mit der CIA telefoniert, dann müssten wir – so hanebüchen der Vorwurf auch sein mag – wohl sagen: Nein, das wissen wir nicht, es könnte durchaus sein, auch wenn es ausgesprochen unwahrscheinlich ist. Wie würde in solch einem Gespräch eine emotionale Argumentation aussehen?

Sebastian Bartoschek
Emotional wäre es, sich auf die Sache mit dem Chef gar nicht erst einzulassen und zu fragen: “Glaubst du, dass ich lüge? Willst du mir sagen, dass ich bewusst falsche Nachrichten verbreite? Machst du alles, was dein Chef dir sagt? Selbst wenn mein Chef mir sagen würde, schreib’ für die Nato, wie kommst du dazu mir zu unterstellen, dass ich das tue?”

euronews
Dann könnte man entgegnen, weil wir als kleine Rädchen gar nicht mitbekommen und mitbekommen sollen, was wirklich passiert.

Sebastian Bartoschek
Da würde ich dann den Bogen weiter spannen und fragen: “du glaubst, ich bin zu dumm um mitzubekommen, was ich schreibe? Du kriegst das aber mit?” So holt man das ganze auf eine Ebene, die emotional erlebbarer ist.

euronews
Ist der Begriff “Verschwörungstheoretiker” nicht zu weit gefasst? Da sind einmal Leute, die an Chemtrails glauben, an Reptiloide, also an Dinge, bei denen vermutlich die allermeisten sagen würden, das ist völlig absurd. Aber dann werden vielfach auch Menschen, die die Nato, den Westen kritisieren, in den Verschwörungstopf geworfen. Ist das gerechtfertigt?

Sebastian Bartoschek
Ich bin jemand, der den Begriff sehr weit fasst und dafür auch Kritik einstecken darf und durfte. Die Frage ist, wo ziehen wir die Grenze. Es gibt Kollegen, die den Begriff “Verschwörungstheorie” grundsätzlich ablehnen und von “Verschwörungsideologien” sprechen, weil sie sagen, Theoriemerkmale werden nicht erfüllt. Das sehe ich etwas anders. Spannend ist die Frage der Widerlegbarkeit. Nehmen wir die Nato-Kritik. In dem Moment, wo mir Leute erzählen, dass “der Westen” und “die USA” gefährlich an Russland heranrücken, bin ich relativ sicher, dass ich hier im Bereich der Verschwörungstheoretiker bin. Wenn jemand dagegen sagen würde, er fand zum Beispiel das Nato-Manöver Anakonda im vergangenen Jahr aus den und den Gründen nicht so gut, dann ist das natürlich legitime Kritik.

euronews
Wo ziehen Sie da die Grenze zwischen berechtigter Kritik und Verschwörungstheorie?

Sebastian Bartoschek
Meine Grenze ist es, wenn zum Beispiel ein größerer Plan vermutet, der geheim ist. Wenn man jetzt sagen würde, die Nato will Präsenz an ihrer Ostgrenze zeigen, dann ist das für mich keine Verschwörungstheorie, sondern genau das, was die Nato auch selber in ihren Pressemitteilungen geschrieben hat. Wenn aber jemand von irgendwelchen Überfallsphantasien anfängt, dann wird das ganze verschwörungstheoretisch. Aber die Grenze ist nicht wirklich trennscharf zu ziehen, wenn man den Begriff so weit fasst, wie ich. Andere Kollegen benutzen eben den Ideologiebegriff oder gehen nur auf Sachen ein, die falsch sind an Verschwörungstheorien. Da sage ich dann wieder, dass ich schlecht beurteilen kann, welche Verschwörungstheorie stimmt und welche nicht. Klar, die Sache mit den Reptilien-Aliens und der hohlen Erde, da sind wir uns wohl einig, dass das Müll ist. Aber es fängt schon bei Kleinigkeiten an: Ich bin mal der Theorie nachgegangen, dass die Autohersteller keinen rostfreien Stahl für ihre Auspuffe verbauen, weil sie die durch die sogenannte geplante Obsoleszenz die Umsätze erhöhen wollen. Dazu kriegen Sie keine Auskünfte von Automobilherstellern, so dass man wissenschaftlich sauber sagen müsste, ich weiß es nicht.

Fakten ade, Glauben juchhe

euronews
Es geht bei Verschwörungstheorien ja sehr oft nicht so sehr um Fakten, sondern vielmehr darum, woran wir glauben wollen. Wie gehen wir mit diesem Glauben um?

Sebastian Bartoschek
Meiner Meinung nach sollten wir damit anders umgehen, als wir das viele Jahre lang getan haben. Wir haben versucht, Glauben durch Argumente zu widerlegen, und das funktioniert nicht. Man kann Gefühle nicht durch Fakten zurückweisen. In dem Moment, in dem eine Verschwörungstheorie oder ein Glaube eine emotionale Funktion erfüllt, müssen wir auch mit Emotionen reagieren.

euronews
Nehmen wir mal ein Beispiel: Auch uns bei euronews wird gerne mal vorgeworfen, für die Nato, für den Westen, die USA zu schreiben. Da sagen wir als Redakteure natürlich erst mal, das ist falsch. Aber wenn man nun fragen würde, ob wir Redakteure denn wirklich wüssten, ob unser Chef nicht doch heimlich mit der CIA telefoniert, dann müssten wir – so hanebüchen der Vorwurf auch sein mag – wohl sagen: Nein, das wissen wir nicht, es könnte durchaus sein, auch wenn es ausgesprochen unwahrscheinlich ist. Wie würde in solch einem Gespräch eine emotionale Argumentation aussehen?

Sebastian Bartoschek
Emotional wäre es, sich auf die Sache mit dem Chef gar nicht erst einzulassen und zu fragen: “Glaubst du, dass ich lüge? Willst du mir sagen, dass ich bewusst falsche Nachrichten verbreite? Machst du alles, was dein Chef dir sagt? Selbst wenn mein Chef mir sagen würde, schreib’ für die Nato, wie kommst du dazu mir zu unterstellen, dass ich das tue?”

euronews
Dann könnte man entgegnen, weil wir als kleine Rädchen gar nicht mitbekommen und mitbekommen sollen, was wirklich passiert.

Sebastian Bartoschek
Da würde ich dann den Bogen weiter spannen und fragen: “du glaubst, ich bin zu dumm um mitzubekommen, was ich schreibe? Du kriegst das aber mit?” So holt man das ganze auf eine Ebene, die emotional erlebbarer ist.

euronews
Können wir also die Idee vergessen, Menschen, die an Verschwörungstheorien glauben, mit Argumenten und Fakten zu überzeugen?

Sebastian Bartoschek
So ganz auch nicht. Ich habe ein Zweistufen-Modell. Dieses geht davon aus, dass eine Verschwörungstheorie am Anfang der – und das klingt etwas hochtrabend – Integration dissonanter Fakten dient. Man hat zum Beispiel etwas beobachtet, das man sich nicht so recht erklären kann, und dann kommt die Verschwörungstheorie, und auf einmal ergibt alles einen Sinn. Ich sehe, dass die Fahne auf dem Mond flattert, auf dem Mond gibt es aber keinen Wind, also sage ich, aha, das wurde in einem Filmstudio auf der Erde gedreht. So lange ich in diesem Bereich bin, bin ich der Widerlegung durch Fakten zugänglich. Wenn also jemand sagt, die flattert gar nicht im Wind, sondern das ist eine Nachschwingung, weil das eine Alufolie war und es auf dem Mond keinen Luftwiderstand gibt, weswegen die Flagge so lange schwingt, dann nehme ich das an. In dem Bereich ist es also wichtig, dass wir mit Fakten arbeiten und Fakten präsentieren. Wenn wir aber merken, es geht dem anderen gar nicht mehr um Fakten, sondern er sagt, “das passt ja auch zur ganzen Mondverschwörung, denn die Amerikaner betrügen ja schon immer die Menschen und man weiß ja auch, die ganzen Ostküstejuden beuten uns aus” und so weiter, dann sind wir in einem Bereich, in dem es nicht mehr um Fakten geht, sondern um Glauben, um Ideologie. Und da werden Sie auch mit Fakten nichts mehr reißen können.

Hier weiterlesen:

Verschwörungstheorien sind in der Mitte der Gesellschaft angelangt

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Gruß Hubert

 

Veröffentlicht 7. Januar 2017 von hubert wenzl in Gesellschaft, Politik, Uncategorized

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Giulia Silberberger sammelt Verschwörungstheorien   11 comments

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Die Berlinerin Giulia Silberberger (34) sammelt Verschwörungstheorien auf Facebook und verleiht jedes Jahr den „Goldenen Aluhut“ für die absurdeste. Sie berät zudem Menschen, die sich in Verschwörungstheorien verrannt haben. Weil sie ihre Kindheit in einer Sekte verbringen musste, weiß sie, was es heißt, indoktriniert zu werden.

profil: Ihre Mutter schloss sich den Zeugen Jehovas an, als sie acht Jahre alt waren. Sie sehen heute große Ähnlichkeiten zwischen Sekten und Verschwörungstheorien. Welche?
Silberberger: Meine Mutter hatte eine schwierige Zeit und war auf der Suche nach Halt. Da landet man manchmal bei Gott – oder auch in einer Sekte. Für mich war das sehr schlimm. Ich war immer schon ein analytischer Geist. Mein Vater hatte mich schon als Zweijährige mit ins Planetarium genommen und viel Wert auf meine wissenschaftliche Grundbildung gelegt. Ich musste bei den Zeugen Jehovas mein gesamtes Weltbild verändern. Es wurde mir eingetrichtert, dass das Strafgericht Gottes mich jederzeit für meine Zweifel vernichten kann. Das hat mich zerbrochen. Die Ähnlichkeiten zu Verschwörungstheorien sind frappant: Zum Beispiel die starke Polarisierung in Gut und Böse. Sektenmitglieder fühlen sich ebenso wie Verschwörungstheoretiker als Herrscher über die Wahrheit. Sie sind die einzigen, die alles durchschaut haben, alle anderen sind Schlafschafe und müssen erst aufwachen. Die Zeugen Jehovas sagen sogar, sie seien „in der Wahrheit“. Beide träumen von einem Umbruch, der sie von der Knechtschaft des alten Systems befreien wird.

profil: Was suchen Menschen in solchen Gemeinschaften?
Silberberger: Ich beobachte viele unterschiedliche Gründe. Menschen, die eine schwere Krankheit haben landen oft bei der Big Pharma-Verschwörungstheorie. Sie besagt, dass die Pharmaindustrie die Menschen absichtlich krank macht. Ängstlichen Menschen geben Verschwörungstheorien Struktur, weil sie die Welt in Gut und Böse aufteilen. Auch Einsamkeit ist ein starkes Motiv. Die Impfgegner sind hingegen Lifestyle-Verschwörer. Sie sind oft jung, gebildet, kreativ und finden es schick, ihre Kinder nicht impfen zu lassen.

profil: Wie muss man sich den Alltag in einer Sekte vorstellen?
Silberberger: Es gab fünf Treffen pro Woche. Freunde außerhalb zu haben war verboten. Mein Tag war davon bestimmt, mich selbst dafür zu hassen, dass ich nicht glauben konnte. Ich hatte Angst zu sterben, dazwischen gab es Bibelstudium und Predigtdienst.

profil: Aber Sie gingen doch auch in die Schule. Hat Sie das irgendwie herausgerissen?
Silberberger: Nein. In der Schule wurde ich übel gemobbt, weil ich bei den Zeugen Jehovas war. Ich konnte bei den Festen nicht mitmachen, mich nicht für Bands oder Filme interessieren, denn das galt als Götzendienst. Mein Vater hatte sich scheiden lassen, von ihm und seiner neuen Familie wurde ich auch gehänselt. Ich war aber auch sehr anstrengend. Für das Zeug, das ich damals von mir gegeben habe, würde ich mir heute den Goldenen Aluhut verleihen. Bei den Zeugen war ich ebenfalls Außenseiterin. Die Versammlungsältesten haben mir sogar verboten zu heiraten, weil ich keine unterwürfige Ehefrau abgeben würde. Jungen Glaubensbrüdern, die mir den Hof machen wollten, wurde der Umgang mit mir verboten.

profil: Wie haben Sie den Ausstieg geschafft?
Silberberger: Das war purer Überlebenswille. Ich wusste, wenn ich bleibe, würde ich es mit dem Leben bezahlen. Ich hätte mir etwas angetan, ich hätte es nicht länger ertragen, in diesem Käfig zu leben. In meiner Seele war damals nichts als Dunkelheit, Schmerz und Leere. Ich habe am Ende sogar meine Mutter mit rausgenommen. Es war ein riesiger Kraftakt. Über fünf Jahre hinweg habe ich mich langsam gelöst. Ich ging seltener zu den Versammlungen, habe mir im Internet neue Freunde gesucht. Einmal habe ich mich total ausgeklinkt und mich zwei Jahre lang einer okkulten Hexengesellschaft angeschlossen. Als die Zeugen dann an meine Tür klopften, haben sie mich wieder eingefangen. Ich musste mir über Jahre hinweg immer wieder sagen: Es wird keine endzeitliche Schlacht, kein Harmagedon, kommen. Es gibt niemanden, der mich vernichten will. Ich kann nur jedem raten, eine Sektenausstiegstherapie zu machen. Dadurch kapiert man erst, wie sehr man manipuliert wurde und kann manche Muster endlich ablegen.

profil: Ihre Mutter ist zwar bei den Zeugen Jehovas ausgestiegen, dann aber an Verschwörungstheoretiker geraten. Wie kam das?
Silberberger: Meine Mutter ist eine ewig Suchende. Sie hatte einen Unfall, woraufhin sie starke Schmerzen im Rücken bekam. Sie kam auf die Idee, Mikrowellen könnten schuld an ihrem schlechten körperlichen Zustand sein. Also schickte ich sie zum Arzt, damit der ihr erklärte, dass das unwahrscheinlich ist. Ärgerlicherweise geriet sie an eine Ärztin, die ihr erzählte, sie habe viele Patienten, die gesundheitliche Probleme durch Chemtrails haben. Sie unterstützte meine Mutter auch noch in ihrer Angst! Daran sieht man, dass auch Gebildete nicht vor Verschwörungstheorien gefeit sind. Auch meine Mutter ist sehr gebildet. Sie hat während des Kalten Kriegs in den Siebziger und Achtziger Jahren beim Katastrophenschutz in Berlin gearbeitet. Sie lebte damals mit dem Atomkrieg im Nacken. Es war eine Zeit voller realer Verschwörungen. Zum Glück ist sie inzwischen nicht mehr auf Chemtrail-Seiten im Internet aktiv. Der erste Schritt ist, sich nicht mehr täglich mit diesen Schwurbelleuten zu beschäftigen.

profil: Was ist derzeit Ihre Lieblings-Verschwörungstheorie?
Silberberger: Die flache Erde. Kürzlich habe ich die Unterhaltung zweier Anhänger dieser Theorie auf Facebook gelesen. Der eine fragte: Warum kann ich eigentlich nicht von Gibraltar aus bis nach New York gucken? Der andere antwortete: Na wegen der Chemtrails!

profil: Sie haben kürzlich Xavier Naidoo mit dem „Goldenen Aluhut“ geehrt. Warum?
Silberberger: Xavier Naidoo vertritt die Meinung der „Reichsbürger“, die der Ansicht sind, Deutschland werde immer noch von den Alliierten besetzt und sei kein souveräner Staat. Dafür haben wir ihm den Goldenen Aluhut 2015 verliehen.

Man sollte Verschwörungstheorien aber durchaus ernst nehmen. Es gibt Menschen, die über die „Reichsbürger“ in die rechtsradikale Szene abrutschen. In Berlin sind die Rechten derzeit wieder sehr aktiv und es kann einem passieren zwischen Demonstranten zu landen, die ernsthaft vorhaben, den Reichstag zu stürmen.

profil: Auf der Website dergoldenealuhut.de machen Sie sich über Verschwörungstheorien lustig, wollen aber auch aufklären.
Silberberger: Ich will über die Satire ein Bewusstsein für diese Gruppen schaffen, seien es nun die Zeugen Jehovas, die Chemtrail-Verschwörer oder die „Reichsbürger“. Bei ganz vielen Menschen, denen ich täglich im Internet begegne, sehe ich die Therapiebedürftigkeit. Man muss vor allem junge Menschen schützen. Es gibt tatsächlich Kinder, die sich nicht aus dem Haus trauen, wenn sie Kondensstreifen am Himmel sehen. Wir gehen an Schulen, um aufzuklären. Wir vernetzen Ausstiegswillige mit Beratungsstellen und veranstalten Infoabende in Neukölln.

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Giulia Silberberger sammelt Verschwörungstheorien

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Verschwörungstheorien – Leben im Wahn (HD)

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Siehe auch:

http://blog.dergoldenealuhut.de/presse/     Auflistung

https://www.wired.de/collection/life/goldenere-aluhut-die-verruecktesten-verschwoerungstheoretiker-des-jahres

https://www.facebook.com/DerGoldeneAluhut/

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Gruß Hubert

 

 

 

 

Veröffentlicht 6. Januar 2017 von hubert wenzl in Politik, Uncategorized

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Was heißt „stukturell antisemitisch“?   Leave a comment

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Antisemitismus ist ja weit verbreitet, wie überhaupt immer große Vorbehalte bei der Bevölkerung gegen alles Andersartige vorherrschen. Eine maßgebende Grundlage des Antisemitismus ist aber im Christentum angelegt. Die Juden waren Christusmörder, obwohl ja damals die Römer in Israel herrschten, und sie Jesus zum Tode auf dem Kreuz verurteilten.

„Wann dieser rassistische Antisemitismus entstand, ob er qualitativ neu war oder nur den Jahrhunderte alten Judenhass mit neuen Scheinbegründungen fortsetzte, ist in der Forschung umstritten. Unumstritten ist die Verbreitung, Dauer und Wandlungsfähigkeit des Phänomens: In ganz Europa und außereuropäischen Staaten gab und gibt es antisemitische Tendenzen.

Zunächst im zaristischen Russland, seit 1879 und verstärkt seit 1918 auch in Deutschland und Österreich suchten Antisemiten eine „Lösung der Judenfrage“. Dazu gründeten sie neue politische Parteien, deren Programme bereits die Vertreibung, teilweise sogar Ausrottung der europäischen Juden forderten. Die Vernichtungsfantasien wurden in der antisemitischen Literatur als „Unschädlichmachung“, „Entjudung“, „Entfernung“, „Ausmerzung“, „Beseitigung“ umschrieben. Andere brachten antisemitische Forderungen in bestehende staatstragende Parteien ein. Sie verfolgten neben der Ausgrenzung der Juden verschiedene antiaufklärerische, antidemokratische, antikapitalistische und antisozialistische Ziele, führten aber auch religiös begründete antijüdische Motive fort.

An diese Tradition konnte später der Nationalsozialismus anknüpfen. In dessen Weltanschauung war der rassistische Antisemitismus zentral. Er lieferte seit 1933 die Begründung aller judenfeindlichen Maßnahmen, die zuletzt im Holocaust gipfelten.“

[…]
„Der Antisemitismus ist eine mit Nationalismus, Sozialdarwinismus und Rassismus begründete Judenfeindlichkeit, die seit etwa 1800 in Europa auftritt. Für den Nationalsozialismus war der Rassenantisemitismus zentral und führte im vom Deutschen Reich besetzten Europa bis 1945 zum Holocaust.

Zu seinen Voraussetzungen gehören der Antijudaismus in der Christentumsgeschichte, zu seinen Wirkungen der Antisemitismus nach 1945. Dieser ist zwar keine gesamtstaatliche Ideologie mehr, aber seine Stereotype und Vorurteilsstrukturen bestehen in vielen Ländern und vielfältiger Form fort. Die internationale Antisemitismusforschung widmet sich seit 1945 der Erklärung des Phänomens.“
Quelle: Wikipedia  https://de.wikipedia.org/wiki/Antisemitismus_(bis_1945)
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Hier aber nun zum „strukturellen Antisemitismus“, so wie ihn http://martinm.twoday.net erklärt.

„Aus mehr oder weniger aktuellem Anlass schreibe ich ein wenig zum im bestimmten Kreisen viel verwendeten – und oft falsch verwendeten Begriff „struktureller Antisemitismus“. Tatsächlich habe ich mich aus schon dabei ertappt, den Begriff falsch verwendet zu haben.

Also: „struktureller Antisemitismus“ ist etwas anderes als „latenter“, „verdeckter“, „heimlicher“ oder „getarnter“ Antisemitismus. „Strukturell antisemitisch“ heißt: einer bestimmten Anschauung oder Handlungsweise liegt eine gedankliche Struktur zugrunde, die dem Antisemitismus entspricht.

Verwirrt? Macht nichts, steigen wir mit einem einfacheren Beispiel ein. Dem „strukturellen Rassismus.

Rassismus geht davon aus, dass die „eigene Rasse“ in irgendeiner Weise „hochwertiger“ sei als andere „Rassen“.
Strukturell rassistisch ist es, zwar auf den Begriff der rassischen Überlegenheit zu verzichten, aber troztdem die aus dem Rassismus bekannte Denkstruktur zu verwenden. Deutsche sind für einen „strukturellen Rassisten“ nicht deshalb „Kanakern“ überlegen, weil die „Kanaker“ keine Weißen (Europäer, „Arier“) sind, sondern weil die „Kanaker“ nun mal aus einer „primitiven (mittelalterlichen, religiös fanatisierten, nomadischen, streng patriarchalischen, zerrütteten usw. ) Kultur“ stammen und deshalb keine vollwertigen Mitmenschen sein können. (Für „Kanaker“ kann eine beliebige Einwanderergruppe oder Minderheit eingesetzt werden.)
Diese Form des „struktuellen Rassismus“ kann man auch „Kulturalismus“ nennen, wenn man Wert auf passend beschriftete Schubladen legt.
Anderes Beispiel: die Pseudowissenschaft „Metagenetik“ (in der von McNallen begründeten Form) entspricht in ihrer Struktur der älteren „Blut und Boden“-Lehre, verwendet aber ein modernes und auf den ersten Blick wissenschaftlich-neutrales Vokabular. Weil ein „Metagenetiker“ aber in exakt den selben Bahnen argumentiert wie ein „Blut und Boden“-Theoretiker, und weil die Lehre von „Blut und Boden“ eindeutig rassistisch ist, kann man mit Fug und Recht die „Metagenetik“ als strukturell rassistisch bezeichnen. Zugleich ist sie ein Beispiel für „verdeckten Rassismus“.

Der Antisemitismus teilt Merkmale des Rassismus, ist aber ein Sonderfall: Kein Antisemit würde auf die Idee kommen, etwa Juden nach dem üblichen rassistischen Muster als faul oder dumm zu bezeichnen. Tatsächlich trauten Antisemiten wie Wilhelm Marr, Jörg Lanz „von Liebenfels“ und sogar Adolf Hitler „den Juden“ einige geradezu „übermenschliche“ Fähigkeiten zu. Stattdessen gelten Juden dem Antisemiten als zwar schlau, intelligent, geduldig, sogar gebildet usw. – aber dabei immer auch als feige und hinterhältig, als gierig und verlogen.
Allesamt Attribute, die für den Antisemiten klar machen, dass Juden typischerweise eher im Hintergrund die Fäden ziehen und davor zurückschrecken, sich selber die Finger schmutzig machen.
Eine für Demagogen sehr praktische Methode. Denn dies ermöglicht es beliebige Fehlschläge darauf zu schieben, dass die Juden die Sache heimlich sabotiert hätten. So geschehen z. B. nach dem für Deutschland verlorenem ersten Weltkrieg. „Die Roten“ hätten an „der Heimatfront“ Verrat an den heldenhaft kämpfenden deutschen Soldaten geübt, ihnen „den Dolch in den Rücken gestoßen“. Und weil die „Roten“ nun mal verhetzte, aber im Grunde gutwillige „deutsche Arbeiter“ waren, müssen die wahren Drahtzieher der schändlichen Niederlage „die Juden“ gewesen sein – man weiß ja, denen kann man alles zutrauen …
Bei der Weltwirtschaftskrise wiederholte sich das üble Spiel, und für die Nazis waren die Juden an allem, aber wirklich allem Schuld, was einem aufrechten Nazi nicht in den Kram passte.

Nun ist diese Methode durchaus auch ohne Juden möglich. Das Großunternehmen XY-AG geht also nicht deswegen in den Konkurs – und einige tausend Arbeitsplätze flöten – weil die Konkurrenz am Markt einfach besser wäre, oder die Unternehmensleitung schwere Fehler gemacht hätte, oder die Rahmenbedingungen nicht günstig waren – oder, was auch vorkommt, ein Konkurrent schlicht weniger Skrupel z. B. bei Betriebverlagerungen in Billiglohnländer gehabt hätte usw. – oder, meistens, viele dieser Faktoren zusammen – sondern deswegen, weil eine kleine Handvoll gieriger Manager oder skrupelloser Investment-„Heuschrecken“ (gern Ausländer, gern in New York, London, Hongkong oder Singapur sitzend) sich bereichern wollten.
Die Vorstellung, dass ein „kerngesundes Unternehmen“ durch die „Machenschaften“ fieser „Drahtzieher“ mutwillig „gegen die Wand gefahren“ wird, damit sich ein paar „kriminelle Manager“ oder „geldgeile Heuschrecken“ bereichern können, entspricht in ihrer „Erzählstruktur“ einer klassischen antisemitischen Verschwörungstheorie. Das macht das Ganze „strukturell antisemitisch“ – auch wenn niemand „die Abzocker“ oder „die Heuschrecken“ für Juden hält oder absichtlich mit „den Juden“ gleichsetzt.

Wenn man z. B. der NPD „strukturellen Antisemitismus“ nachsagt, ist das falsch – weil die NPDler typischerweise „echte“ Antisemiten sind, die ihre Gesinnung aber mehr oder weniger geschickt tarnen. (Aber die NDP hat, um die Verwirrung komplett zu machen, sehr wohl „antisemitische Strukturen“ – z. B. internes antisemitisches Schulungsmaterial, ihre Propaganda enthält antisemitische Deutungsmuster für Krisen, ihre Funktionäre haben haufenweise antisemitische Vorurteile und Klischees und verbreiten diese usw. usw. .)

Daher ist es auch kein Grund zur Empörung, wenn demographische Studien z. B. ergeben, rund 40 % aller Deutschen hätten ein „strukturell antisemitisches Weltbild“. Viele der Befragten haben keine oder nur wenige antijüdische Vorurteile – aber sie denken z. B. in den Bahnen ursprünglich antisemitischer Verschwörungstheorien.

Antizionisten können sowohl strukturelle wie uneingestandene Antisemiten sein – im ersten Falle wird die Rolle, die traditionell „den Juden“ zugeschrieben wird, einfach auf eine Untergruppe der Juden, eben die Zionisten, beschränkt. Im zweiten Falle ist der „Antizionist“ einfach ein Antisemit, der sich nicht gerne Antisemit nennen lässt.

Und wer das mit der Struktur kapiert hat, der begreift auch, wieso ich manche Antifas für „strukturell faschistoid“ halte.

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Was heißt „stukturell antisemitisch“?

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Gruß Hubert

 

Eva Hermans wirre Thesen zur Flüchtlingskrise   Leave a comment

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Die konservative ex-Tagesschau-Moderatorin Eva Herman, ist immer wieder gut ist für umstrittene Aussagen, wie die, dass Hitler eine gute Familienpolitik betrieb.

Ihre Äusserungen über die Familienpolitik der NS-Zeit haben der deutschen Fernsehmoderatorin Eva Herman den Job gekostet: Der NDR entliess die 48-Jährige am Sonntag mit sofortiger Wirkung. «Frau Hermans schriftstellerische Tätigkeit ist aus unserer Sicht nicht länger vereinbar mit ihrer Rolle als Fernsehmoderatorin und Talk-Gastgeberin», erklärte der NDR Programmdirektor Fernsehen, Volker Herres, in Hamburg.

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«Frau Herman steht es frei, ihren ‚Mutterkreuzzug‘ fortzusetzen, aber mit der Rolle einer NDR-Fernsehmoderatorin ist dies nicht länger zu vereinbaren», erklärte Herres. Ihre Äusserungen wirkten polarisierend «Das Ergebnis spürt unsere Redaktion: Gäste sagen ihren Auftritt bei ‚Herman und Tietjen‘ ab oder stehen von vornherein nicht zur Verfügung.»

http://www.nzz.ch/eva-hermann-1.552983

Aber hier nun ihre Sicht auf die Flüchtlingskrise. Sie kommt da mit wirren Thesen daher, die von Rassismus bis zu Verschwörungstheorien reichen.
Teilweise kann ich mich da schon amüsieren, was sie da zum Besten gibt. Aber man kann auch Nonsens mal genießen. Einiges davon ist kabarettreif. Der Hang zu Verschwörungstheorien ist Rechten eigen, das kann man immer wieder feststellen.

 

Eva Hermans wirre Thesen zur Flüchtlingskrise

Immer wieder sorgt Ex-Tagesschau-Moderatorin Eva Herman mit umstrittenen Aussagen für Aufsehen. Diesmal versucht sie, in einem so rassistischen wie verschwörerischen Text die Flüchtlingskrise zu erläutern.

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Eva Herman schreibt fragwürdigen Text zur Flüchtlingskrise

Auf acht Seiten tritt Moderatorin Eva Herman ihre teils hetzerischen, kuriosen und fragwürdigen Gedanken zur Flüchtlingskrise breit.

© Picture Alliance

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Die ehemalige Tagesschau-Moderatorin Eva Herman hat einen Aufsatz über die aktuelle Flüchtlingskrise und die ihrer Meinung nach damit einhergehende Abschaffung christlicher Traditionen geschrieben. Auf acht Seiten versucht sie einen angeblichen großen, übergeordneten Plan hinter den Migrationsströmen auszumachen. Neben allerlei Verschwörungstheorien bringt sie in dem fragwürdigen Text auf den Webseiten des Instituts für Wirtschaftsforschung und Gesellschaftspolitik, in dessen wissenschaftlichem Beirat sie sitzt, vor allem eines zum Ausdruck: Ihre Angst, dass unser Land durch die vielen Migranten zerstört werde.

Es sind teils verwirrende Thesen, allen voran jene, dass Deutschland mittlerweile „ein zum Kriegsgebiet erklärtes Land“ sei, „welches nun von unzähligen Asylsuchenden, Stück für Stück, eingenommen wird. (…) Unsere alte Kraft, unsere christliche Kultur, Glaube und Tradition, werden zerstört.“ Einen „irreparablen Vorgang“ nennt Herman das. Viele der Migranten kämen „nicht in friedlicher, hilfesuchender Verfassung, sondern sie sind laut, streitsüchtig, verprügeln sich gegenseitig, spucken Einheimische an, und sie fordern ein besseres Leben.“ Es sei eine „fremde Energie“, die Deutschland und Europa geradezu „flute“. Für „normal denkende Leute“, zu denen sich Eva Herman selbst zählt, sei das „immer wieder unerklärlich“.

„Die alte Ordnung bricht auseinander“

Dass wir mittlerweile im Krieg leben, würden wir nicht merken, weil es nicht offensichtlich sei. Es explodierten keine Bomben, „der Sprengstoff kommt auf andere Weise daher, nämlich in Form fremdländischer Menschen, die (…), wie auf Knopfdruck organisiert, plötzlich massenhaft hierzulande einzubrechen begannen.“ Es ist für sie unverständlich, warum diese Menschen ein Recht auf „Geld, Wohnraum, Zuwendung, mediale und politische Anerkennung“ haben. Denn all diese Rechte hätten für die einheimische, bedürftige Bevölkerung jahrzehntelang nicht existiert.

Der Aufsatz wäre nicht komplett, würde die Autorin von „Das Eva-Prinzip“ nicht auch noch ein paar Fetzen über ihr Verständnis der Rollen von Mann und Frau einfließen lassen. Feminismus und Gender-Mainstreaming hätten uns jahrelang den „natürlichen Kinderwunsch aus- und die Seligmachung durch Karriere eingeredet.“ Politiker wie Medien hätten gezielt falsche Informationen verbreitet, etwa „dass die zunehmenden Migrantenwanderungen eine Bereicherung seien.“ Da Deutschland die niedrigste Geburtenrate der Welt habe und die Bevölkerung in Afrika stark wachse macht Herman sich Sorgen um die Sicherheit in unserem Land: „Unsere herkömmlichen Lebensstrukturen werden jetzt vernichtet, die alte Ordnung bricht auseinander.“

Die engagierte Bürgerin Eva Herman

Der Text ist unter dem Titel „Flüchtlings-Chaos: Ein merkwürdiger Plan“ auf der Webseite der „Wissensmanufaktur“ erschienen, einem laut eigenen Angaben „unabhängigen Institut für Wirtschaftsforschung und Gesellschaftspolitik“, das mit Aufsätzen und Vorträgen „Alternativen zur ,Alternativlosigkeit‘ der Politik“ erarbeite. Immer wieder wird Eva Herman als Podiumsgast bei Veranstaltungen der Organisation eingeladen.

Umstrittene Äußerungen der Moderatorin zu NS-Familienpolitik führten 2007 zur Auflösung des Vertrages der ehemals beliebtesten Moderatorin Deutschlands 2007 mit dem NDR. Immer wieder sorgte sie mit rechtsgerichteten Aussagen für öffentlichen Unmut. Im aktuellen Text prangert sie an, dass all jene, die so wie sie zu den Einwanderungsgegnern zählen, als Nazis oder Rechtsradikale diffamiert würden. Engagierten Bürgern wie Herman, die nachfragen und widersprechen möchten, werde durch von Medien verbreitete „Sprachregelungen“ der Mund verboten.

Verschwörungstheorien statt Ursachenforschung

Neben all den hetzerischen Parolen und Unterstellungen sucht Herman nach den verborgenen Ursachen für die Flüchtlingskrise. Und findet sie in Verschwörungstheorien. Sie vermutet, dass hinter den großen Migrationsströmen ein globaler Plan stecke, den wir alle noch nicht durchschaut hätten.

Ein bisschen habe da Europa seine Finger im Spiel: „Schon der gleichmachende Euro, Glanzstück des Brüsseler Marionettentheaters, diente als Vorbereitungs-Instrument, um die lebendigen Unterschiede der zum Teil uralten Kulturen zu vernichten.“ Aber auch die USA haben Anteil an dieser großen Täuschung der Bürger in unserem Land.

So bezeichnet Herman die Anschläge vom 11. September 2001 als einen „tödlichen Trick“ durch den „man“ – wer das sein soll bleibt ihr Geheimnis – den „terroristischen, islamischen Feind erschuf, dessen Ziel die Vernichtung der westlichen Welt sein soll“.

 

Eva Hermans wirre Thesen zur Flüchtlingskrise

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Wie diese Frau tickt, zeigt auch ihre damalige Auslassung zum Unglück in Duisburg, wo sie sich zynisch über die Loveparade äußerte und etwas von einer gerechten (göttlichen wohl?) Strafe daher schwadronierte.

Eva Herman und der Sündenpfuhl

„Sodom und Gomorrha in Duisburg“

Ihr Text dazu erweckt den Eindruck, als sei es für sie vorstellbar, dass die Tragödie nichts anderes sei als eine Strafe einer höheren Gewalt. Überhaupt bemüht Herman in ihrem Erguss gerne Biblisches. „Wer sich die Loveparades aus den zurückliegenden Jahren ansieht“, schreibt sie, „glaubt, in der Verfilmung der letzten Tage gelandet zu sein, wie sie in der Bibel beschrieben werden.“

Besonders das freizügige Gebaren einiger Teilnehmer stößt Herman offenkundig übel auf: „Viele Mädchen haben den Busen blank gezogen, manche sind fast völlig nackt. Sie wiegen sich in ekstatischer Verzückung im ohrenbetäubenden Lärm, Begriffe wie Sittlichkeit oder Anstand haben sich in den abgrundtiefen Bassschlägen ins Nichts aufgelöst“. (Jesses Jesses Maria und Joseph) 🙂

Ich sehe schon den christlichen Teufel um die Ecke grinsen.

Dann bekommen auch noch die 68-er ihr Fett ab,  ein Lieblingsthema der Konservativen, nämlich die sittenlosen und umstürzlerischen 68-er.

Ihr sei nicht entgangen, dass „einige junge Leute ärgerlich waren“, schreibt sie, weil diese die Opfer durch ihren Text diskriminiert sähen. Das bedauere sie nun. Doch dann folgt abermals eine breit ausgewalzte Klage über den angeblichen „allgemeinen Sittenverfall“, den ihrer Ansicht nach „hauptsächlich die sogenannten Achtundsechziger“ zu verantworten hätten: „Sie haben Werte wie moralischen Anstand nahezu abgeschafft“, schreibt Herman.

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http://www.stern.de/panorama/weltgeschehen/loveparade-drama-von-duisburg-eva-herman-und-der-suendenpfuhl-3539438.html

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Nachtrag.

Ihr bürgerlicher Name Eva Bischoff würde eigentlicht besser zu ihr passen, wenn sie sich in der Bibel so heimisch fühlt.

Apropos Liebes- und Familienleben. Wenn sie schon so gerne Bibelzitate herbei zieht, dann ist ihr Liebes- und Familienleben und auch ihre Kinderzahl ( ein Sohn 1997, da war sie 39!) kein christliches Vorbild.

Sie hat etliche Scheidungen hinter sich und sie hat nur einen Sohn.

Wir müssen das Bild der Mutter in Deutschland auch wieder wertschätzen lernen, das leider mit der 68er-Bewegung abgeschafft wurde, sagte sie auch, außerdem dass Mutter und Kind gehören in den ersten drei Jahren zusammen gehören.

Sie arbeitete nach der Geburt ihres einziges Sohnes nach einem Jahr wieder weiter.
Hinterher reitet die alte Urschel. Sie sagte, sie bereut es, dass sie nicht mehr Kinder hatte und dass sie nur ein Jahr bei ihrem Sohn blieb bis sie wieder bei der Tagesschau einstieg. Zuerst selber sich ein feines Leben machen und dann anderen Vorhaltungen machen und die Schuld für die niedrige Geburtenrate in Deutschland den 68-ern zuschreiben. Sehr überzeugend muss ich sagen… Es ist das Kleriker-Prinzip: Wasser predigen und Wein saufen.

„1981 heiratete sie den Autohändler Werner Herrmann, zog zu ihm nach München und nahm den Künstlernamen Eva Herman an. Nach der Scheidung 1988 behielt sie diesen Namen. 1989 heiratete sie den Fernsehjournalisten Horst-Wolfgang Bremke, der wie sie beim NDR arbeitete. Die Ehe wurde 1992 geschieden.

„Von 1991 bis 1994 war Herman mit dem Moderator Uwe Bahn liiert. 1995 heiratete sie den Produzenten und Regisseur Tom Ockers. 1997 wurde ihr gemeinsamer Sohn geboren. 2002 erfolgte die Scheidung. 2005 heiratete sie den Hotelier Michael Bischoff.“

https://de.wikipedia.org/wiki/Eva_Herman

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Gruß Hubert