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Whistleblower sterben einsam   Leave a comment

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Knackte einer der talentiertesten deutschen Hacker, Tron, einen Code zu viel?

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Whistleblower sterben einsam
Mitglieder der Regensburger Piraten demonstrieren für den Whistleblower Edward Snowden. (Foto: Piraten Regensburg)

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Whistleblower sterben einsam

Geschrieben von: Online-Autor 15. Dezember 2013 unter Medien

Im Oktober 1998 wurde der talentierteste deutsche Hacker, Tron, erhängt in einem Berliner Park aufgefunden. Er war für Geheimdienste und Großkonzerne zur Gefahr geworden – wie einige andere ebenso. Von Jan Gaspard
«Ein Mitglied des Chaos Computer Clubs (CCC), bekannt unter dem Namen Tron, ist gewaltsam zu Tode gekommen. Die Polizei spricht von mutmaßlichem Selbstmord. Wir können uns das nicht vorstellen», hieß es in einer Mitteilung des CCC Ende Oktober 1998. «Knackte er einen Code zuviel…?», fragte damals auch Bild.

Tron, eigentlich Boris Floricic, war trotz seiner Jugend – er starb mit gerade 26 Jahren! – das größte Talent der deutschen Hacker-Szene. Er hatte eine «Wunderkarte» produziert, eine falsche Telefonkarte, die sich selbständig wieder aufladen konnte. Meiner Meinung nach war zum Beispiel auch der Zusammenbruch des Medien-Imperiums von Leo Kirch (Sat1, Pro Sieben) eigentlich Tron zu verdanken: Er entschlüsselte noch kurz vor seinem Tod die Codierung der Pay-TV-Schlüssel von Premiere, nur um zu zeigen, wie schlecht das alles gesichert war. Irgendwer stellte Trons Hack damals ins Internet (ohne sein Wissen), was man anhand einer versteckten «Signatur» von Tron im Programm-Code seiner Arbeit nachvollziehen konnte. Wenig später stieg Bertelsmann bei Premiere aus – vermutlich, weil Tron bewiesen hatte, dass diese Verschlüsselungen für Pay-TV niemals sicher sein würden, was das Risiko von Investitionen in diesem Bereich damals ins Unermessliche steigerte. Kirch ging daraufhin langsam das Geld aus, er musste seinen Konzern verkaufen.

Trons bekannteste Erfindung war das «Cryptophon», ein ISDN-Telefon mit integrierter Sprachverschlüsselung, das er im Wintersemester 1997/1998 im Rahmen seiner Diplomarbeit an der Technischen Fachhochschule Berlin entwickelt hatte. Es sollte später zu «Cryptron» weiterentwickelt werden, welches auch Datenverbindungen hätte verschlüsseln können. Beide Systeme zusammen hätten Spionageprogramme wie Prism von Anfang an ins Leere laufen lassen können, umso mehr, als Tron so simple Technik verwendete, dass sie sich jeder für kleines Geld mit Material «aus dem Baumarkt» hätte nachbauen können. «Ihm traute man zu, Codes von Geheimdiensten zu dechiffrieren. Hatte er jetzt ihre Computer angezapft?», fragte die Bild-Zeitung.

Die Ermittlungsbehörden bezeichneten – nach anfänglichen Zweifeln – Trons Tod schließlich als Selbstmord. Aber sie können nach wie vor nicht erklären, wieso er sich in einem Park in Berlin-Britz Süd mit einem Gürtel erhängt haben soll, der nie ihm gehört hat. Oder warum er am 22. Oktober 1998 (als er gefunden wurde) noch ein Nudelgericht mit einer ganz speziellen Basilikum-Sorte im Verdauungstrakt hatte (so das Obduktionsergebnis), wie er es nachweislich zuletzt am 17. Oktober gegessen hatte – dem Tag seines Verschwindens. Der Verdacht des Rechtsanwaltes Johnny Eisenberg: Tron muss bereits am 17. Oktober unter Fremdeinwirkung gestorben sein; danach wurde seine Leiche «postmortal gekühlt». Und nie geklärt wurde auch, was denn eigentlich das Motiv gewesen sein sollte für Tron, sich das Leben zu nehmen. Denn außer den offiziellen Ermittlern hatte keiner aus seinem Umfeld den Eindruck, dass Tron ein debiler Depressiver war, der unter seinen im Asperger-Syndrom begründeten Schwächen im sozialen Umgang mit anderen Menschen litt. Ganz im Gegenteil.
Der Artikel ist der Auszug eines Textes aus der Oktober-Ausgabe. Diese ist über das Heftarchiv zu beziehen: https://www.compact-magazin.com/compact-oktober-2013/

Jan Gaspard ist ein Pseudonym. Unter seinem richtigen Namen hat unser Autor für Unternehmen von Axel Springer, Leo Kirch, Rupert Murdoch, Ross Perot, Dick Cheney und vielen mehr gearbeitet. Ausgebildet unter anderem von einem ehemaligen Agenten des Militärischen Abschirmdienstes (MAD) ist er Vertrauensperson von unzufriedenen Ermittlern, wenn diese bei ihrer offiziellen Arbeit von Vorgesetzten behindert werden. Von ihm sind (auch unter weiteren Pseudonymen) insgesamt über 60 Hörspiele,  Hörbücher, Romane, Sachbücher und Ratgeber erschienen. Hinzu kommt ein journalistisches Gesamtwerk aus knapp 30 Jahren bei Tageszeitungen, Magazinen, Radio- und TV-Sendern. Zuletzt war Jan Gaspard herausgebender Chefredakteur eines Internet-TV-Senders und hier auch Moderator des eigenen investigativen Talk-Formats Café 23.

https://www.compact-magazin.com/whistleblower-sterben-einsam/

Gruß Hubert

Veröffentlicht 22. Februar 2014 von hubert wenzl in Internet, Politik

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Keine Todesstrafe für Snowden   Leave a comment

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  • Wie edel von den USA. Und jetzt sollen die Russen Ed Snowden ausliefern? Das mit der Todesstrafe könnte wohl stimmen, die übrigen Maßnahmen wie keine Folter usw. würde ich alle anzweifeln. Man braucht ja nur zu schauen wie es Bradley Manning geht. Der bekommt höchstwahrscheinlich lebenslänglich – und gefoltert wurde er auch.

    Hier ein Bericht von der Frankfurter Rundschau.
    Die US-Behörden wollen bei einem möglichen Verfahren gegen den Geheimdienst-Enthüller Edward Snowden keine Todesstrafe fordern. Das berichtete das «Wall Street Journal» am Freitag unter Berufung auf einen Brief von US-Justizminister Eric Holder an seinen russischen Amtskollegen.

    Der wegen Geheimnisverrats von den USA gesuchte ehemalige NSA-Mitarbeiter Edward Snowden würde nach Angaben von Justizminister Eric Holder nach seiner Auslieferung vor ein Zivilgericht gestellt und müsste nicht mit der Todesstrafe rechnen. In einem am Freitag veröffentlichten Brief an seinen russischen Kollegen schrieb Holden zudem, Snowden würde auch nicht gefoltert und könnte auf alle Rechte bauen, die das US-Zivilrecht biete.

    Snowden hatte Dokumente veröffentlicht, nach denen US-Geheimdienste eigene Bürger und Regierungen anderer Staaten in beispiellosem Umfang ausspähen. Die US-Regierung betrachtet Snowden als Verräter und jagt ihn. Seit etwa vier Wochen hält er sich im Transitbereich des Moskauer Flughafens Scheremetjewo auf, den er mangels gültiger Reisedokumente nicht verlassen kann. Snowden hat in mehreren lateinamerikanischen Ländern Asyl beantragt.

    Auch in Russland hat er um vorläufiges Asyl ersucht. Die USA verlangen von Russland seine Auslieferung, was die Regierung in Moskau aber am Freitag erneut ablehnte. Allerdings seien der russische Geheimdienst FSB und die US-Bundespolizei FBI wegen Snowden im Gespräch, sagte der Sprecher von Präsident Wladimir Putin, Dmitri Peskow, in Moskau. Putin selbst sei nicht daran beteiligt. (rtr)

    http://www.fr-online.de/politik/edward-snowden-und-die-nsa-spionage-keine-todesstrafe-fuer-snowden,1472596,23837192.html

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    Keine Transparenz unter Obama-Regierung

     

    Auszug.
    Ob Edward Snowden in Moskau oder der unmittelbar vor seinem Urteil stehende Wikileaks-Informant Bradley Manning im Kriegsgericht von Fort Meade – Leute, die subjektiv empfundenes Unrecht an die große Glocke hängen und die USA in die Zange nehmen, haben es unter Präsident Obama besonders schwer. Durchstechereien werden gnadenlos verfolgt. Wer hätte vor fünf Jahren schon damit gerechnet?

    Bradley Manning kriegt ihn in den nächsten Tagen vermutlich mit voller Wucht, sprich: lebenslänglich, zu spüren, Edward Snowden erst dann, wenn er auf seiner Asyl-Odysee amerikanischen Fahndern in die Finger geraten sollte: den langen Arm von US-Präsident Barack Obama. Das bevorstehende Urteil im Militärprozess gegen den 25-jährigen Manning, der als Obergefreiter der Armee der Enthüllungsplattform Wikileaks Zigtausende geheime Depeschen und Videos überspielt hatte, die Morde an Zivilisten, Folter und weitere Kriegsverbrechen durch Amerikaner im Irak belegen, wird die wichtigste Standortbestimmung für die Frage sein, was von einem historischen Versprechen auf mehr Transparenz übrig geblieben ist.

    Vor Amtsantritt 2009 hatte der Rechtsgelehrte aus Chicago nach den dunklen Jahren der Bush-Ära radikal neue Offenheit versprochen. Wer Missstände aufdeckt, die mit den Prinzipien der größten Demokratie der Welt nicht vereinbar sind oder gegen die Verfassung verstoßen, sagte Obama sinngemäß, erweise dem Land einen „patriotischen Dienst“. So gesehen, finden nicht wenige Kommentatoren in den USA, verdiente der frühere Geheimdienst-Mitarbeiter Snowden einen renommierten Preis. Ohne ihn wäre das gigantische Ausmaß der staatlichen Kontrollwut bei der Überwachung von Telekommunikation und Internet vielleicht nie bekannt geworden.
    Keine Regierung vor Obama hat Transparenz so gnadenlos verfolgt

    Bürgerrechts-Organisationen und Medienwächtern wird ganz schwindelig angesichts der Realität in Washington, wo so genannte „Whistleblower“ (von „to blow the whistle“ – „in die Pfeife blasen“) wie Manning und Snowden ebenso gnadenlos verfolgt werden wie Journalisten, die deren Informationen veröffentlichen. Nach ihrer Bestandsaufnahme hat noch keine Regierung die gezielte Weitergabe interner Daten so hartnäckig verfolgt wie die aktuelle. Derzeit sind ein halbes Dutzend prominenter Klagen nach dem fast 100 Jahre alten „Espionage Act“ anhängig, 100 Prozent mehr als bei allen US-Präsidenten zuvor. Gleichzeitig macht der Regierungsapparat bei Presse- oder Bürger-Anfragen nach dem Informationsfreiheitsgesetz („Freedom of Information Act“) deutlich häufiger dicht als die Vorgänger-Administrationen.

    […]
    Bradley Manning sitzt seit drei Jahren in Isolationshaft

    Dass geringere Strafen kein glimpfliches Ende bedeuten, zeigen die Fälle Kiriakou und Drake. John Kiriakou, einst beim Geheimdienst CIA beschäftigt, hatte Journalisten die bereits bekannte Tatsache bestätigt, dass die Verhör- und Foltermethode „waterboarding““ kein Einzelfall war im Irak und in Afghanistan. Ergebnis: zweieinhalb Jahre Haft. Karriere und Ruf ruiniert. Bei Thomas Drake, früher bei dem jetzt von Edward Snowden attackierten Geheimdienst NSA angestellt, hatte Medien Informationen über ein sündhaft teures Software-Programm zur Überwachung zugespielt. Drake kam eher zufällig mit einer Bagatell-Strafe davon. Bei einer Demonstration in Washington sagt er kürzlich: „Mein Leben und das meiner Familie wurden trotzdem zerstört.“

    Pfeifen auf den Whistleblower – Keine Transparenz unter Obama-Regierung | WAZ.de – Lesen Sie mehr auf:
    http://www.derwesten.de/politik/pfeifen-auf-den-whistleblower-keine-transparenz-unter-obama-regierung-id8240490.html#682438230

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    Gruß Hubert

     

Veröffentlicht 27. Juli 2013 von hubert wenzl in Politik

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