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Josemaria Escriva und sein „Werk Gottes“   1 comment

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Es ist schon interessant und sagt über die katholische Kirche viel aus welche Gestalten sie selig oder später auch heilig sprechen, so wie bei diesem Josemaria Escriva (genauer: Josemaria Escriva de Balaguer) aus Spanien. Dieser gründete das Opus dei (Werk Gottes), welches alles daran setzt im Geheimen zu arbeiten und danach trachtet in wichtige Positionen einzudringen, zum Beispiel in die Wirtschaft. Die Selbstgeißelungen des Bußgürtelfetischisten Josemaria Escriva,  die er an sich ausübte und auch anderen Mitgliedern von Opus dei anordnete, neben der Unterwerfungssucht, zeigen auf eine stark deformierte Psyche hin. Da hätte ein Psychotherapeut wohl eine ewige Beschäftigung gefunden. Aber auch kranke Persönlichkeiten können großen „Erfolg“ haben.

Der Aussteiger Klaus Steigleder sagt über das Opus dei: Das Opus dei ist ein straff organisierter Geheimbund erzkonservativer Fanatiker, die weltweit Schlüsselpositionen in Staat und Gesellschaft besetzen. Oft wird das Opus dei auch die Katholische Mafia genannt.

 

„Gesegnet sei der Schmerz“

Josemaria Escriva und sein „Werk Gottes“

 

Josemaria Escriva de Balguer y Albas wurde am 9.1.1902 in Baebastro (Spanien) geboren. Er wuchs unter ärmlichen Verhältnissen und dem prägenden Einfluss einer streng gläubigen Mutter auf. Schon in frühen Jahren war der kleine Escriva überzeugt, von Gott zu einer besonderen Mission ausgewählt zu sein. 1920 trat er in das Königliche Priesterseminar San Carlos in Saragossa ein, wo seine Kommilitonen ihn u.a. wegen seiner ausgeprägten Leidenschaft für Selbstgeißelungen arg hänselten. Escriva ließ sich jedoch von seinem Weg nicht abbringen und wurde 1925 zum Priester geweiht. Drei Jahre später – um exakt zu sein: am 2. Oktober 1928 – geschah dann (zumindest der Legende nach) etwas Ungeheuerliches. Escriva saß gerade in seiner kleinen Kammer im Wohnheim des heiligen Vinzenz von Paul und dachte über die Worte des Bartimäus nach: „Herr, mach, dass ich sehe!“ (1) Da – so formulierte es zumindest ein halbes Jahrhundert später die Postulation für die Seligsprechung Escrivas – „gefiel es Gott, ihn zu erleuchten: er sah das Opus Dei, wie der Herr es wollte und wie es im Laufe der Jahrhunderte sein würde.“ (2)

Derart inspiriert begann Escriva „Apostel“ um sich zu scharen. In den ersten Jahren wuchs das Opus Dei allerdings nur spärlich, man lebte, predigte, geißelte sich meist in schäbigen Unterkünften, die Beichte musste Escriva mitunter sogar in der Küche abnehmen. Aber es kam noch schlimmer: Im spanischen Bürgerkrieg musste der junge Ordensgründer kurzerhand untertauchen. Er versteckte sich in einer psychiatrischen Klinik und spielte dort fünf Monate lang den Geisteskranken (der er in gewisser Hinsicht sicherlich auch war.)

Erst unter der Diktatur Francos konnte Escriva sein Imperium aufbauen. Dank geschickter Verhandlungen mit der Römischen Kurie gelang es Escriva, dem Opus Dei einen neuen Rechtsstatus zu verschaffen. Das nun unter dem Begriff „Säkularinstitut“ firmierende „Werk Gottes“ unterstand direkt dem Papst, war also der Kontrolle der örtlichen Bischöfe entzogen. Escriva versprach Pius XII. im Gegenzug „ein Corps kalter Krieger bereitzustellen, die in zentralen wirtschaftlichen Bereichen und Ministerien in der gesamten freien Welt diskret den Einfluss der katholischen Kirche machen könnten.“ (3)

Aufgrund seiner radikal antiliberalen und antikommunstischen Ausrichtung fand Escrivas Orden in den folgenden Jahren einflussreiche Bündnisgenossen (u.a. die CIA). Die finanziellen Ressourcen wurden unterdessen immer üppiger. Escriva konnte Niederlassungen in mehr als achtzig Ländern der Welt gründen. Als der „ehrwürdige Vater“, wie Escriva in Opus Dei-Kreisen genannt wurde, 1975 in Rom starb, hinterließ er eine kampfstarke Eliteorganisation, die Führungspositionen innerhalb wie außerhalb der katholischen Kirche innehatte. Unter Papst Johannes Paul II gelang es dem Nachfolger Escrivas, Alvaro del Portillo, den Einfluß des Opus Dei noch weiter auszubauen. Heute kann kaum eine kirchliche Entscheidung getroffen werden, ohne dass das Opus Dei in die Planungen mit einbezogen wird.

Escrivas Hauptwerk „Der Weg“: Die ideologische Grundlage des Opus Dei

Wenden wir uns nun den vermeintlich „göttlich inspirierten“ Worten Escrivas zu, für dessen schnelle Seligsprechung 1992 sich immerhin 69 Kardinäle und nahezu 1300 Bischöfe (mehr als ein Drittel des Weltepiskopates!) in Briefen an den Papst ausdrücklich eingesetzt haben.

In seinem Hauptwerk, der millionenfach aufgelegten Schrift „Der Weg“ (4) legt Escriva in exakt 999 Punkten seine „Lebensordnungsprinzipien“ dar, die zur „Heiligung des Alltags“ führen sollen. Herauszuheben sind hier vor allem:

1. das unaufhebbare Prinzip des blinden Gehorsams gegenüber den geistlichen Leitern, die den Willen Gottes repräsentieren:

„Gehorcht, wie ein Werkzeug in der Hand des Künstlers gehorcht, das nicht danach fragt, warum es dies oder jenes tut. Seid überzeugt, daß man euch nie etwas auftragen wird, das nicht gut ist und nicht zur Ehre Gottes gereicht.“ (Spruch Nr. 617)

„Hierarchie. – Jeder Teil an seinem Platz. – Was würde aus einem Bilde von Velazquez, wenn jede Farbe ihren Platz verließe, wenn sich jeder Faden aus der Leinwand löste, wenn jedes Holzstück des Rahmens sich vom anderen trennte.“ (Nr. 624)

„Gehorchen … sicherer Weg. Den Vorgesetzten mit rückhaltlosem Vertrauen gehorchen…, Weg der Heiligkeit. Gehorchen in deinem Apostulat…, der einzige Weg; denn in einem Werk Gottes muß dies der Weg sein: daß man gehorcht oder geht.“; (Nr. 941)

2. das Prinzip der Abtötung/Buße und Demut als Mittelpunkt des persönlichen Heilsplans:

„Wenn du dich nicht abtötest, wirst du nie ein Mensch des Gebetes.“ (Nr. 172)

„Wo keine Abtötung, da keine Tugend.“ (Nr. 180)

„Wir wollen in dem armen gegenwärtigen Leben den Leidenskelch bis zum letzten Tropfen leeren. – Was bedeuten zehn, zwanzig oder fünfzig Jahre Leid…, wenn dann die Herrlichkeit kommt, für immer, für immer…, für immer?“ (Nr. 182)

„Ich nenne dir die wahren Schätze des Menschen auf dieser Erde, damit du sie dir nicht entgehen läßt: Hunger, Durst, Hitze, Kälte, Schmerz, Schande, Armut, Einsamkeit, Verrat, Verleumdung, Gefängnis.“ (Nr. 194)

„Wenn das Weizenkorn nicht stirbt, bleibt es ohne Frucht. – Möchtest Du nicht Weizenkorn sein, durch Abtötung sterben und volle Ähren hervorbringen? – Jesus segne dein Feld.“; (Nr. 199)

3. die mit dem Prinzip der Abtötung zusammenhängende radikale Körper- und Lustfeindlichkeit sowie die Glorifizierung des Schmerzes:

„Gesegnet sei der Schmerz. – Geliebt sei der Schmerz. – Geheiligt sei der Schmerz … Verherrlicht sei der Schmerz!“ (Nr. 208)

„Sage deinem Leib: Lieber will ich mir einen Sklaven halten als selber dein Sklave sein.“ (Nr. 214)

„Dein größter Feind bist du selbst.“ (Nr. 225)

„Behandle deinen Körper sorglich; aber schone ihn nicht mehr, als es einem verräterischen Feind zusteht.“ (Nr. 226)

„Wenn du begriffen hast, daß der Leib dein Feind und Feind der Verherrlichung Gottes ist, weil er deine Heiligung bedroht, warum faßt Du ihn dann so weich an?“; (Nr. 227)

4. das trotz aller Demütigkeit vorfindbare Elitedenken:

„Dutzendmensch werden? Du … zum großen Haufen gehören, der du zur Führung geboren bist?! Bei uns haben Laue keinen Platz. Sei demütig, und Christus wird aufs neue in dir die Glut seiner Liebe entfachen.“; (Nr. 16)

5. die Forderung nach ständiger „Gewissenserforschung“:

„Gewissenserforschung. – Eine tägliche Arbeit. Wer ein Geschäft betreibt, vernachlässigt die Buchführung nicht. Gibt es ein wichtigeres ‘Geschäft’ als das Geschäft des ewigen Lebens?“ (Nr. 235)

„Prüfe dich, ruhig und mit Mut. – Ist es nicht so, daß deine schlechte Laune und deine Traurigkeit, die grundlos, scheinbar grundlos sind, aus deiner mangelnden Entschlossenheit herrühren, die feinen aber ganz ‘konkreten’ Schlingen zu zerreißen, die deine Begehrlichkeit dir – mit raffinierten Entschuldigungen – gelegt hat.“; (Nr. 237)

6. der als unaufkündbar verstandene, apostolische Auftrag, „Menschen zu gewinnen“:

„Menschen gewinnen. – das ist das sichere Zeichen echten Eifers.“ (Nr. 793)

„Klein ist deine Liebe, wenn du nicht alle Menschen retten willst. – Und arm ist deine Liebe, wenn du nicht aus tiefer Seele wünschst, andere Apostel mit deiner Verrücktheit anzustecken.“ (Nr. 796)

„Die Welt hallt noch wider von dem göttlichen Ruf: ‘Feuer auf die Erde zu werfen, bin ich gekommen, und wie wünschte ich, daß es schon brenne.’ – Und du siehst doch: fast überall ist es erloschen… Willst Du dich nicht aufmachen, den Brand überall auszubreiten?“; (Nr. 801)

7. als Grundlage von allem: der unerschütterliche, weil nicht argumentativ angreifbare Glaube an die christliche, genauer: katholische „Heilsbotschaft“:

„Mit welchem infamen Scharfsinn argumentiert Satan gegen unseren katholischen Glauben! Aber sagen wir uns stets, ohne uns auf Diskussionen einzulassen: Ich bin ein Sohn der Kirche.“ (Nr. 576)

Escrivas Hauptwerk – man muss es so hart formulieren – strotzt nur so vor Banalität und blinder Autoritätsfixierung. Aber gerade hierin scheint sein immenser Erfolg begründet zu sein. In einer von Unsicherheiten und Unübersichtlichkeiten gezeichneten Welt entfaltet das Opus Dei nach Meinung vieler Beobachter seine Attraktivität vor allem durch „klare, einfache, unkomplizierte Leitlinien in der Spiritualität, der Theologie, der Schrift“. (5)

(Anmerkung: genau so eine Anziehungskraft hat auch der Islam auf simple Gemüter, nämlich durch einfache unkomplizierte Leitlinien).

Um auch jeden letzten Zweifel, jede kleinste Spur von Unstimmigkeit und Unsicherheit zu vermeiden, entwickelte Escriva ein bis ins letzte Detail durchkalkuliertes Regelwerk. Hierzu meinte der prominente Opus Dei-Aussteiger Vladimir Felzmann: „Der Gründer gab nicht nur grobe Umrisse oder Prinzipien vor – wie es etwa Jesus Christus tat -, die dann in der lebendigen Kirche verändert werden können. Vielmehr kodifizierte er seine gesamte Lehre soweit wie möglich. Ich denke besonders an die praktischen Anweisungen, die eine minutiöse talmudähnliche Vorschrift sind, die alles enthält. Das wird bewahrt. Man kann daran nichts verändern.“ (6)

Zensur und Abtötung: Leben in den Fängen des „Octopus Dei“

Die für Escriva charakteristische antipluralistische Denkhaltung zeigt sich insbesondere in der Konzeption des sogenannten „Lebensplans“, den die sogenannten „NumerarierInnen“ (Vollmitglieder des Opus Dei) sklavisch einzuhalten haben. Im „Lebensplan“ wird der gesamte Tagesablauf eines Opus Dei-Mitglieds nahezu auf die Minute genau festgelegt: z.B. wann aufgestanden, gefrühstückt, der Bußgurt angelegt, gebetet, gegeißelt, gelernt wird. Eine Theorie/Praxis-Differenz ist im Opus Dei nicht festzustellen. Die Vorstellungen Escrivas, die für die Gläubigen den Willen Gottes repräsentieren, werden peinlich genau in die Praxis umgesetzt. Die Opus Dei-Pädagogik setzt hier auf ein „lebenslanges Lernen“ von Demut, Gehorsam, Abtötung.

Dieser Lernprozeß beginnt meist bereits im Alter von 14 Jahren. Die offizielle Aufnahme ins Opus Dei erfolgt zwar erst mit 17 Jahren, zuvor hat der/die KandidatIn jedoch meist eine dreijährige Eingliederungszeit als „AspirantIn“ hinter sich. Auf die „anfängliche Formung“ der vierzehn- bis siebzehnjährigen Jugendlichen legt das Opus Dei besonderen Wert. In diversen Jugendclubs und auf Jugendfahrten werden geeignete Jugendliche gezielt angelockt und durch geschickte Manipulierungstechniken langsam auf den von Escriva vorgezeichneten Weg gebracht. (7) Ist der/die AspirantIn dann ordentliches Mitglied, wird es in speziellen Schulungen und durch die täglichen Unterweisungen von Seiten der Zentrumsleiter weiter im Sinne der Opus Dei-Ideologie geformt.

Das Eindringen von Pluralismus, Meinungsvielfalt wird durch eine strenge Zensur verhindert. Hierzu heißt es in der internen Schrift „Vademecum für die örtlichen Räte“: „Konkret darf man ohne die notwendige Erlaubnis nicht lesen: die Bücher, die von der zuständigen kirchlichen Behörde ausdrücklich verworfen sind; die Bücher und Artikel von nicht-katholischen Autoren, die ausdrücklich religiöse Themen behandeln, es sei denn, sie enthalten mit Gewißheit nichts gegen Glaube oder Sitten; die Schriften, die im Widerspruch zum Glauben und zu den Sitten stehen; die Bücher, denen die kirchliche Approbation fehlt, und die diese nach dem Kirchenrecht … benötigen würden; die Werke von Autoren marxistischer Ausrichtung, wobei zu beachten ist, daß der Einfluß dieser Ideologie sich auf vielen kulturellen und wissenschaftlichen Gebieten zeigt; die Bücher, die zwar nicht ausgesprochen antikatholisch, häretisch, unmoralisch usw., aber doch zweideutig und verwirrend (und darum gefährlich) im Hinblick auf Glauben und Moral sind.“ (8)

Doch selbstverständlich bergen nicht nur Bücher eine Gefahr für die Einheit von Glauben und Moral, auch in persönlichen Briefen können sich Passagen einschleichen, die für Verwirrung sorgen könnten. Darum greift die Opus Dei-Führung auch in diesem Falle liebevoll zensierend ein: „Leute, die dem Werk erst kurz angehören, sind dankbar, wenn die Mitglieder des Örtlichen Rats die Lektüre der an sie gerichteten Briefe wohlwollend übernehmen – dies gehört zur Aufgabe der Formung -, denn so können sie ihnen Orientierung, Hilfestellung und den geeigneten geistlichen oder apostolischen Rat geben.“ (9)

Widerspruch gegen die Zensurregelungen ist freilich nicht erlaubt, Kritik im höchsten Maße angstbesetzt, denn – wie der Opus Dei-Aussteiger Klaus Steigleder betont: „Zu der Ausbildung des Opus Dei gehört neben vielem anderen die Vermittlung großer Angst vor ewiger Verdammnis und Hölle. […] Wer … den sicheren Weg des Gehorsams im Opus Dei, wer seine Berufung verläßt, begibt sich in eine große Gefährdung, in die Gefahr ewiger Verdammnis. Er gibt einen sicheren Weg auf und beginnt höchst unsichere und heikle Wege zu beschreiten.“(10)

Folge: Opus Dei – AnhängerInnen sind in der Regel in erschreckendem Maße intolerant, autoritätshörig, unkritisch und fanatisch missionarisch. Darüber hinaus sind sie sexuell hochgradig gehemmt, was kaum verwunderlich ist, müssen sie doch für jedes individuelle Glück – im wahrsten Sinne des Wortes – „Höllenängste“ durchstehen. (11)

Damit das Opus Dei-Mitglied nicht vom sicheren Wege abkommt, wird es nicht nur angehalten, ständig sein Gewissen zu erforschen, es wird auch von seinen GlaubensgenossInnen überprüft und kontrolliert. Für außerhalb der Vereinigung stehende Menschen sind Opus Dei-Mitglieder nur insoweit offen, als sie möglicherweise zukünftige Apostel der Organisation sein könnten, denn Opus Dei zielt stets darauf ab, „Menschen zu gewinnen“. Hierzu heißt es in einer internen Schrift: „Wir haben den großen Ehrgeiz, die Institutionen der Völker, der Wissenschaft, Kultur, Zivilisation, Politik, Kunst und sozialen Beziehungen zu heiligen und zu christianisieren. Alles sollte christlich sein als ein kollektiver gesellschaftlicher Ausdruck des Glaubens des Menschen und als ein Werkzeug, Seelen zu retten, sie in ihrem Glauben zu erhalten und zu Gott zu führen“ (12)

Der selige, Hitler- und Franco-freundliche Escriva ließ selbst keinen Zweifel daran, daß im Notfalle auch „heiliger Zwang“ eingesetzt werden müsse, falls es mit der freiwilligen Christianisierung einmal nicht so richtig klappen sollte: „Um ein irdisches Leben zu retten, wendet man unter dem Beifall aller jede mögliche Gewalt an, um den Menschen vom Selbstmord zurückzuhalten. – Sollen wir nicht den gleichen Zwang anwenden, den heiligen Zwang, um das Leben vieler zu retten, die idiotischerweise unbedingt den Selbstmord ihrer Seele verüben wollen.“(13)

Dass das Opus Dei, die „katholische Mafia“ (Mettner), die Rede vom heiligen Zwang durchaus ernst meint, hat es nicht nur durch die aktive Teilnahme an der Franco-Diktatur bewiesen. In der Gegenwart versucht das „Werk Gottes“ durch geschickte, personalstrategische und wirtschaftliche Manöver die bereits erreichten Machtpotentiale auszubauen. Es ist weiterhin auf dem Weg nach oben und – wer weiß? – vielleicht tritt bald ein, was nach Angabe Felzmanns, führende Opus Dei-Leute heute offen formulieren: „In 20, 30 Jahren wird das einzige, was von der Kirche bleibt, Opus Dei sein. Die ganze Kirche wird Opus Dei sein. Denn wir haben den klaren, sicheren, orthodoxen Blick in bezug auf alles. Der Gründer ist ja von Gott erwählt worden, die Kirche zu retten. Deshalb ist Gott mit uns.“ (14)

Fazit

Den Sachverständigen der Kongregation für Heiligsprechungen zufolge steht Escriva „in der Geschichte der Spiritualität auf einer Stufe mit den legendären Größen“. (15) Wohl wahr. Wer sonst in der katholischen Kirche pflegte solch intimen Kontakt mit Diktatoren, Waffenschiebern und Ausbeutern? Wer sonst konnte ein streng nach Rom blickendes, autoritäres Führersystem innerhalb solch kurzer Zeit aufbauen? Zweifellos: Josemaria Escriva, der fromme Bußgürtelfetischist, der sich nicht nur mit Inbrunst blutig geißelte, sondern auch der geplagten katholischen Kirche immer wieder mit Millionenbeträgen aushalf, ist in der Tat ein leuchtendes Vorbild – für alle jenseitsblinden Diesseitsverächter und katholischen Folterknechte. Kurzum: ein würdiger Heiliger in spe. Ein Mann, dessen durchschlagender Erfolg bestens die Inhumanität jener „allein seligmachenden“ Kirche belegt, die sich selbst als einzigartigen „Rückhalt der Liebe in unserer Welt“ stilisiert. Ein Mann zudem, dessen Lebensgeschichte eindrucksvoll den Wahrheitsgehalt jenes Satzes bestätigt, den man mit Karlheinz Deschner gerne den würdevollen Heiligsprechungskonkregationen entgegen schleudern würde:

„Je größer der Dachschaden, desto schöner der Aufblick zum Himmel.“

 

Josemaria Escriva und sein “Werk Gottes”

(Unter: Die Seligen)

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Hier noch einige Details über den Bußgürtel, der der körperlichen Abtötung dienen soll, erklärt von Klaus Steigleder, einem Aussteiger von Opus dei, aus dem „Spiegel“.

Recht früh erfuhr ich von einer „körperlichen Abtötung“ als „Gewohnheit“ des Opus Dei, dem „Sleeping“: Ein Numerariermitglied schläft jede Woche eine Nacht auf dem Fußboden seines Schlafzimmers, sofern dieser nicht aus Stein ist. Dies gilt aber nur für Numerarier, die in einem Haus des Opus Dei zusammenwohnen; wohnt ein Mitglied noch bei seinen Eltern, soll und darf es das „Sleeping“ nicht vornehmen, da die Gefahr besteht, daß die Eltern jemanden dabei „ertappen“ und sich wundern könnten.

Relativ spät hingegen erfuhr ich durch einen Priester des Opus Dei von der „Gewohnheit“, täglich einen „Bußgürtel“ zu tragen und wöchentlich sich zu geißeln. Ich war völlig überrascht und sagte ihm, daß ich gar nicht wisse, was man sich unter einem „Bußgürtel“ vorzustellen habe. Der Priester meinte, mein Leiter habe mir das wohl zu erklären versäumt.

Aus einem Schrank holte er ein kettenartiges, dreireihiges und vielgliedriges Metallband, das aus einem starken Draht gefertigt war und nach der „Innenseite“ hin zahlreiche Spitzen hatte. An einem Ende des Metallbandes war eine Schnur befestigt. Der Priester erklärte mir, daß man den „Bußgürtel“ mit den Spitzen nach innen um den Oberschenkel lege, die beiden Enden mittels der Schnur zusammenziehe, bis der Gürtel fest sitzt, und dann verknote. Der „Bußgürtel“ werde täglich zwei Stunden getragen, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Die Geißel sei aus Schnüren mit Knoten gefertigt und werde einmal in der Woche benützt, indem man sich damit für die Dauer eines „Credo“, eines „Salve Regina“ oder eines anderen Gebetes auf das blanke Hinterteil schlage.

[…]

Das Tragen des „Bußgürtels“ ist äußerst schmerzhaft, vor allem beim Sitzen. Die Metallspitzen graben sich tief in die Haut ein und hinterlassen als Spuren kleine rote Punkte. Mehr noch schmerzt der Gebrauch der Bußgeißel. So schmerzhaft es auch war, sich selbst zu geißeln, als weitaus unangenehmer und qualvoller empfand ich es, das durchdringende Knallen zu hören, wenn ein anderer sich mit der Geißel schlug – was ich, als ich in Bonn im „Studienzentrum“ der Vereinigung wohnte, häufig erleben mußte.

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http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-14020034.html

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sanjosemaria011

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Gruß Hubert

 

ARD: Wer pöbeln darf, bestimmen wir – das neue „Hausrecht“   3 comments

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Mit welch fadenscheinigen Argumenten die ARD, Tasgesschau.de unliebsam Kommentare ausschließen will sieht man hier:
http://meta.tagesschau.de/richtlinien

Darin schreibt die ARD / Tagesschau.de:  „Wir sind an einer lebhaften Diskussion interessiert.“
Wie denn, mit diesem Hausrecht? Darf man da nur mehr „Hauskommentare“ schreiben – also genehm für ARD und dem Chefredakteur Kai Gniffke? Eine Farce ersten Ranges! Da lachen doch die Hühner.

http://blog.tagesschau.de/author/gniffke/

ARD: Wer pöbeln darf, bestimmen wir – Gniffkes neue Zensurpläne

Das ARD “Morgenmagazin” widmete sich heute (18.06.2015) dem Thema Hasskommentare im Netz. In einem Einspieler werden verschiedene Webseiten mit unterschiedlichen Ansätzen vorgestellt, die Diskussionskultur in “geordnete” Bahnen zu lenken. Darunter die eher irrelevanten Krautreporter, bei denen 5€ monatlich fällig werden, wenn man Beiträge diskutieren möchte. Interessant wird es beim nächsten Beispiel: Springers “WELT”. Dort wird – angesichts der nicht ab- schaltbaren Kommentarfunktion auf facebook – zurückgepöbelt. Im Moma wird das als erfolgreiche Ironie bezeichnet und ein Beispiel geliefert:

 

ARD_moma_Zensur_welt525

Auf eine inhaltliche Kritik, die überspitzt – aber zweifellos begründet – dazu auffordert, das Blatt in “Die Lüge” umzubenennen, wird mir der Aufforderung, sich doch in “Der Vollhorst” umzubenennen, geantwor- tet. Angeblich fährt die WELT gut damit. Aber, wer pöbelt denn da jetzt wirklich?

Später wird ARD Chefredakteur Gniffke zum Thema interviewt. Gniffke ist unter anderem  für tagesschau, tagesthemen und ARD-aktuell verantwortlich und damit für sowas hier:

tagesthemenhunde.

Dass Putin und Lawrow vor Millionen Zuschauern als Hunde diffamiert werden, ist beileibe kein Einzelfall. Pinar Atalay denunzierte auf einem Höhepunkt der monatelangen Hetzkampagne gegen die GdL und deren Chef Claus Weselsky diesen alsHauszündler“. Muss man hier erklären, dass eine solche Hetze zur besten Sendezeit in den Nachrichten eine ganz andere öffentliche Wirkung entfaltet, als wenn ein Kommentator oder Blogger Gniffke oder Miosga als Arschloch titulieren würde? Muss man hier erklären, dass die Hetzkampagne gegen die griechische Regierung, deren Vertreter mit politischem Vorsatz und Kalkül als “Spieler” denunziert werden, eine ganz andere Dimension des Verächtlichmachens darstellt, eine politische, bilaterale und globalpolitische nämlich, als wenn sich ein Kommentator im Netz darüber zurecht mit harschen Worten empören würde?
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Gniffkes Argumentation ist verlogen und heuchlerisch: “Wir müssen diejenigen vor Hasskommentaren ‘schützen’, die an einem Diskurs und Austausch an Argumenten interessiert sind.” Verlogen und heuchlerisch deshalb, weil es der ARD selbst in ihrer Berichterstattung nicht um objektive Erkenntnis, Diskurs und Austausch geht, sondern darum, Politik und Meinung im Sinne der Regierung zu machen. Es gibt keinerlei Diskurs über die evidente Schuld der EU, deutscher Regierung, Politiker und Stiftungen, an Krieg und Fiasko in der Ukraine, sondern nur Schuldzuweisungen gespickt mit Diffamierungen, Lügen und unhaltbaren Anschuldigungen an die russische Seite.
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Es gibt auch keinen Diskurs über die Schuld der EU und des IWF an der Totalverschuldung des griechischen Volkes, sondern nur Hetze gegen die erste griechische Regierung, die sich anschickt, die Knebelung und Verarmung der Bevölkerung zu beenden und gerade einmal 5 Monate im Amt ist.
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Wenn die ARD tatsächlich Diskurs wollte, dann würde Varoufakis nicht mit einem vorsätzlich falsch etikettiertem Video als jemand vorgeführt, der Deutschland angeblich den Stinkefinger gezeigt hätte. Wenn die ARD kein schäbiges und vollkommen verlogenes Hetzmedium wäre, in dem einseitige, falsche und verzerrende Berichte über den Irak, Libyen, Syrien oder der Ukraine gesendet werden, mit dem unzweideutigen Ziel, in diesen Ländern völkerrechtswidrige Kriege, Bombardierungen, Putsch und Bürgerkriege voranzutreiben, dann hätte Gniffke vielleicht das Recht, sich über “Hasskommentare” zu echauffieren.
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Man muss darüberhinaus einmal mehr den Verdacht hegen, dass es hier in Wahrheit nicht im Mindesten um “Hasskommentare” geht, sondern um fortgeschrittene Pläne für eine politische Zensur, wie man sie aus dem SPIEGEL, der SÜDDEUTSCHEN, der FAZ und anderen Mainstreammedien kennt. Denn wenn Gniffke selbst eingesteht, dass ein Drittel (!) der Kommentare zur Ukraine-Krise zensiert wird, dann kann es sich dabei niemals nur um Verstöße gegen die Netiquette halten. Das ist vollkommen unglaubwürdig, widerspricht jeder Erfahrung langjähriger Netznutzer und auch die Kommentare zu Gniffkes diesbezüglichem Blog-Beitrag sprechen vielfach von politischer Zensur.
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Worum es Gniffke in Wahrheit geht wird am Ende deutlich. Die ARD will offenbar – vergleichbar mit der SÜDDEUTSCHEN – die Kommentarfunktion weiter einschränken und nur noch zu ausgewählten Themen öffnen. Schöne Grüße aus China! Was Besseres, als dass sich die ARD dermaßen desavourieren würde, kann man sich als Medienkritiker kaum noch wünschen. Es wäre ein Grund mehr, die GEZ zu verweigern, denn das BVerfG würden den ARD-Zensoren gründlich die Leviten lesen.
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Wie man mit Kommentaren korrekterweise umgehen kann, zeigt beispielhaft das heise-Portal Telepolis, das vom Morgenmagazin trotz seiner Bekannntheit bezeichnenderweise gar nicht erst vorgestellt wurde. Dort werden sämtliche Kommentare sofort veröffentlicht und gegebenenfalls nachträglich – und vor allem nachvollziehbar – auf eine Trollweise verschoben. Transparent und minimalinvasiv hat Telepolis damit eine Diskussionsplattform geschaffen, deren Kommentare und Diskussionen meist einen Mehrwert, oftmals gar einen größeren Informationsgehalt bieten, als der eine oder andere Artikel.
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Ginge es der ARD tatsächlich um qualitativen Diskurs, würde man dort ein vergleichbares oder sogar besseres Forum aufbauen. Aber – wie gesagt – darum geht es der ARD nicht. Es geht ihr um politische Meinungsmache und Zensur, das ist hier wieder einmal mehr als deutlich geworden und deshalb ist es auch keine Beleidigung, wenn man Gniffke einen Heuchler und Lügner nennt, sondern es ist die traurige Wahrheit.

ARD: Wer pöbeln darf, bestimmen wir – das neue „Hausrecht“

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Gruß Hubert

 

Veröffentlicht 22. Juni 2015 von hubert wenzl in Politik

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Hat die Bundestag-Mediathek Sahra Wagenknechts Hinweise auf Stratfor-Rede zensiert? (Update)   1 comment

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Bei einer Rede von Sahra Wagenknecht vor dem deutschen Bundestag fehlten in der Mediathek des Bundestages die ersten 3 Minuten und das Video begann statt um 9:27 erst um 9:30 Uhr.
Wenn der Beginn fehlt, kann das kaum mit einem technischen Fehler erklärt werden, da hierzu ein Schnitt notwendig wäre. Ohne diesen Schnitt würden in der Videodatei die entscheidenden Codec-Informationen fehlen, die das Abspielen überhaupt ermöglichen.

 

Am Samstag, dem 14.3. haben wir hier über eine Rede und Pressekonferenz des Stratfor-Chefs George Friedman berichtet, die die Hintergründe der US-Politik offenbart, wie sie sich heute im Ukraine-Konflikt manifestieren. Diese Rede wird von den Staatsmedien nach wie vor totgeschwiegen, da sie die Lügenpropaganda vom “bösen Russen, der die Ukraine destabilisiert” unterlaufen würde.

5 Tage später hält die Linken-Abgeordnete Sahra Wagenknecht im Bundestag eine Rede, in der sie gleich zu Beginn auf die Äußerungen Friedmans Bezug nimmt:
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Sahra Wagenknecht: “Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Frau Bundeskanzlerin!
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Zu ihren besten Zeiten hatte die deutsche Außenpolitik zwei Prioritäten. Das waren die europäische Einigung und eine Politik der guten Nachbarschaft gegenüber Russland. Es sollte Ihnen schon zu denken geben, Frau Merkel – wenn Sie bitte zuhören könnten – dass Nationalismus und Zwietracht in Europa, knapp zehn Jahre nachdem Sie das Kanzleramt übernommen haben, wieder gedeihen wie lange nicht mehr und im Verhältnis zu Russland die Entspannungspolitik einem neuen Kalten Krieg gewichen ist.
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Die spezifischen US-Interessen in Europa hat vor kurzem der Chef des einflussreichen Thinktanks Stratfor in einer Pressekonferenz in eindrucksvoller Offenheit erläutert: Hauptinteresse der Vereinigten Staaten sei es, ein Bündnis zwischen Deutschland und Russland zu verhindern, denn – so wörtlich – „vereint sind sie die einzige Macht, die uns“, also die USA, „bedrohen kann“. Diese vermeintliche Bedrohung von US-Interessen wurde auf absehbare Zeit erfolgreich erledigt. Das begann eben damit, dass die EU im Rahmen der Östlichen Partnerschaft versucht hat, die betreffenden Länder aus der wirtschaftlichen und politischen Kooperation mit Russland herauszubrechen”
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Claudia Roth (laut Protokoll): “Das ist aberwitzig!”
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Sahra Wagenknecht: “Frau Merkel, natürlich war das gegen Russland gerichtet; aber es war eben auch nicht im Interesse der betreffenden Länder. Sie haben denen das Entweder-oder aufgezwungen, nicht Russland. (Beifall bei der LINKEN) Im Ergebnis hat die Ukraine einen Großteil ihrer Industrie verloren. Heute ist dieses Land ein bankrotter Staat, in dem Menschen hungern und frieren und die Löhne niedriger sind als im afrikanischen Ghana. Aber die Konfrontation mit Russland hat nicht nur die Ukraine zerstört. Sie schadet ganz Europa. Es ist doch ein offenes Geheimnis, dass die Vereinigten Staaten den Konflikt mit Russland auch aus wirtschaftlichen Gründen schüren. Wenn US-Regierungen von Menschenrechten reden, dann geht es in der Regel um Bohrrechte oder um Schürfrechte. Gerade in der Ukraine ist angesichts der großen Schiefergasvorkommen verdammt viel zu schürfen.”
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Ein aufmerksamer Beobachter hat nun festgestellt, dass ausgerechnet diese Sequenz im Videomitschnitt des Bundestags fehlt. Anders, als der oben verlinkte phoenix-Mitschnitt auf youtube, der um 9:27 Uhr beginnt, startet das in der Mediathek des Bundestages verlinkte Video erst 3 Minuten später um 9:30 Uhr, ziemlich genau nach Ende der obigen Passage ihrer Rede.
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Das hat tatsächlich ein unappetitliches Geschmäckle. Sollte sich dahinter ein “technischer Fehler” verbergen, wäre es schon sehr merkwürdig, wenn er ausgerechnet den Beginn von Wagenknechts Beitrag mit dieser brisanten Information betreffen sollte. Es kann vorkommen, dass Dateien nicht komplett auf einen Server hochgeladen werden. Dann fehlt logischerweise das Ende oder sie sind komplett korrumpiert und nicht abspielbar.
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Wenn jedoch der Beginn fehlt, kann das kaum mit einem technischen Fehler erklärt werden, da hierzu ein Schnitt notwendig wäre. Ohne diesen Schnitt würden in der Videodatei die entscheidenden Codec-Informationen fehlen, die das Abspielen überhaupt ermöglichen.
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Das schriftliche Bundestagsprotokoll enthält – anders als das Video – die entscheidende Passage komplett und diente hier als Vorlage für das Transkript.

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Update: Mittlerweile ist die volle Rede der Abgeordneten Wagenknecht auch in der Mediathek des Bundestages verfügbar. Eine Erklärung für den Vorgang haben wir bisher nicht gefunden.

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Hat die Bundestag-Mediathek Sahra Wagenknechts Hinweise auf Stratfor-Rede zensiert?

 

Gruß Hubert

Veröffentlicht 26. März 2015 von hubert wenzl in Politik

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Zensur bei Webgiganten – Apple, FB & Co.   1 comment

Webgiganten kontrollieren Inhalte

Ich möchte hier gar nicht viel vorausschicken, es ist alles gesagt im Artikel von Focus, der den Artikel von Chip 2/2013 hat. Jedenfalls geht die Zensur viel weiter als man denkt. Am schlimmsten ist Apple, eine Firma dir mir höchst unsympathisch ist, wegen ihrer Produktionsmethoden, der Preispolitik, und und und (verlangt für ein Gerät, dass Apple 152 Euro kostet im Verkauf 679 Euro!). Denk „Like-Button“ von Facebook empfinde ich schon als Terror, ganz abgesehen von den Sicherheitsrisiken und Schnüffelattacken.
Welche Moral da bei diesen Webgiganten vorherrscht zeigt der Umstand, dass Hakenkreuze erlaubt sind, Brüste jedoch nicht.

Hier ein Bericht von „Focus“ (mit Genehmigung von Chip)

Hakenkreuze erlaubt, nackte Brüste nicht: Die Webgiganten Facebook, Apple, Amazon und Co. kontrollieren die User und zwingen uns ihre Moral auf – manchmal auch die des Staates.

Als Google kürzlich in Android 4.2 den Dezember aus dem Kalender warf, war das vermutlich nicht gewollt. Dass Google massenhaft Suchergebnisse löscht, hingegen schon. Oder dass Apple auf iPhones und iPads Apple-kritische Spiele entfernt. Oder dass Amazon WikiLeaks-Dokumente beseitigt. Oder dass Facebook willkürlich Fotos seiner Nutzer einstellt. Oder oder oder.

Bei autoritären Herrschern würde man solch ein Verhalten mit einem Wort verdammen: Zensur. Die Webgiganten jedoch bleiben unbehelligt, denn wer eine Website oder einen App-Store betreibt, bestimmt deren Inhalte. Auch Google, Facebook, Amazon und Apple haben dieses Recht. Für sie endet die Zensurgeschichte an dieser Stelle – doch für den User beginnt sie hier erst. Die Kontrollmacht der Großkonzerne zeigt sich in Einzelfällen: wenn man googelt, Fotos anschaut oder Apps lädt. Eine systematische, nordkoreamäßige Zensur ist das nicht unbedingt. Doch die Methoden, mit denen Apple, Facebook und Co. Inhalte kontrollieren, deuten ein Zensursystem völlig neuen Ausmaßes an.

Willkürherrscher kontrollieren das Web

In einem freien, offenen Internet wäre Zensur kaum möglich. Doch die Webgiganten haben längst ihre eigenen Welten, kontrollierbare Subnetze im Internet, aufgebaut.

Wie Türsteher in einem Nobelclub bestimmen dort die Konzernchefs – Mark Zuckerberg (Facebook), Larry Page (Google), Tim Cook (Apple) und Jeff Bezos (Amazon) – welche Inhalte reinkommen und welche rausfliegen.

Apple zum Beispiel erlaubt nur eine Downloadquelle für Apps – den eigenen App Store – und entscheidet, wer wie viel Geld verdienen darf. Google entscheidet, welche Websites man findet, und bindet seine User mit Zusatzdiensten an sich. Facebook entscheidet, welche Freunde für den User interessant sind, welche Spiele und welche Fanseiten. Und mit der Programmierschnittstelle Open Graph 2.0 durchzieht Facebook das Web mit Like-Buttons, Kommentarboxen und Facebook-Log-ins. Amazon dominiert den E-Book-Markt, weil die Kombination aus großem Angebot und gutem Reader trotz der DRM-Beschränkungen sehr attraktiv ist. Dazu kommen der Marketplace, eine der weltweit größten Verkaufsplattformen, sowie ein eigener Android-Store für den Kindle Fire. Auch Microsoft eifert mit Windows 8 dem Apple-System nach – inklusive der strengen Inhaltskontrolle. Und selbst Twitter hat seine Grenzen mit einer neuen, strengen Programmierschnittstelle für viele Entwickler abgeschottet.

Natürlich helfen die Kontrollen, etwa Kinderpornografie zu löschen, und das sollen sie auch. Doch wie jedes Werkzeug lassen sich diese Mechanismen eben auch missbrauchen, um willkürlich andere Inhalte zu löschen. Wem diese streng reglementierten Clubs daher nicht passen, der muss mit der schäbigen Kneipe gegenüber vorliebnehmen. Alternativen gibt es schließlich auch im Web. Doch wer nutzt Bing, wenn deren Websuche in Deutschland noch so unausgereift ist? Wer nutzt StudiVZ, wenn alle Freunde bei Facebook sind?

Komplizen der politischen Zensur

Wer Inhalte beseitigt, beruft sich häufig auf nationale Gesetze (die andererseits bei Datenschutzfragen gern ignoriert werden). Bestes Beispiel sind Links zu Downloadseiten, die gegen das Urheberrecht verstoßen. Dabei reicht es oft schon, wenn Rechte-Inhaber, etwa Filmstudios, die Löschung eines Links beantragen; dann wird er ohne richterliche Entscheidung entfernt. Nur dieser vorauseilende Gehorsam befreit die Unternehmen von der Haftung.

Google zum Beispiel mustert laut des firmeneigenen Transparency Reports pro Monat knapp zwölf Millionen URLs zu illegalen Kopien von Filmen, Musik und E-Books aus – Tendenz steigend. Dazu kommen Inhalte, die man nach Gerichtsurteilen oder Anfragen staatlicher Behörden entfernen muss. In Deutschland waren das im ersten Halbjahr 2012 bei Google 247 Löschanfragen zu 1.903 Inhalten, etwa Verletzungen von Persönlichkeitsrechten oder jugendgefährdende Inhalte. Nur etwa jede fünfte Anfrage lehnt Google nach eigenen Angaben ab.
Mit freundlicher Genehmigung von CHIP. Dieser Artikel stammt aus der Ausgabe 02/2013 des Magazins.

Zensur im Internet: Webgiganten kontrollieren Inhalte – weiter lesen auf FOCUS Online:

http://www.focus.de/digital/computer/chip-exklusiv/tid-28989/zensur-im-internet-webgiganten-kontrollieren-inhalte_aid_898089.html

Gruß Hubert