Archiv für die Kategorie ‘Kirchenkritik

Wie kam die katholischen Kirche zu ihrem Reichtum?   2 comments

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Ich habe mir oft schon gedacht – von was wurde denn die katholische Kirche so reich? Das werden sich wohl auch andere kirchenkritische Menschen denken. Denn sie sind ja nicht produktiv, zumindest nicht im Sinn, dass sie etwas herstellen und von dem reich werden könnten. Und mit predigen und beten verdient man ja auch nichts (eine Kleinigkeit bei den Messen, wenn sie Tote erwähnen, wofür gezahlt werden muss). Natürlich gibt sich die Kirche immer für arm aus, sonst könnte sie ja nicht betteln und man würde ihr nicht spenden und vererben würde man ihr wohl auch nichts, wenn alle wüssten wie reich die katholische Kirche ist.

Aber wenn man sieht welche unehrenhaften Methoden betrachtet, von Konfiszierungen, Urkundenfälschungen, Erbschleichereien und andere betrügerische Praktiken von der katholischen Kirche zum Teil bis heute angewendet werden, dann versteht man schon wie sich der Reichtum anhäufte. Das folgende ist nur ein Teilaspekt, das würde sonst ein Buch ausfüllen.

Aus theologe.de

„Das große Konzil von Tours, das Alexander III. 1163 abhielt, befahl allen weltlichen Fürsten, die Ketzer einzukerkern und ihr Eigentum zu konfiszieren“ (Lea, Geschichte der Inquisition im Mittelalter, Bd. 1, S. 562).

Die Kirche zwang den Staat

Dies galt auch dann, wenn die Ketzer ihrem Glauben abschworen. Die weltlichen Herrscher mussten zunächst buchstäblich gezwungen werden, solche Konfiskationen durchzuführen – zu sehr widersprach es offensichtlich ihrem Rechtsempfinden. „Gerade in der Unterlassung dieser Pflicht lag, wie Papst Innozenz 1210 erklärte, eines der hauptsächlichen Vergehen, wofür Raimon VI. von Toulouse so bitter hatte büßen müssen“ (ebda., S. 563). schon bald hatte sich diese Vorschrift zu einer reibungslos laufenden bürokratischen Maschine entwickelt: „Sobald ein der Ketzerei Verdächtigter vorgeladen und verhaftet worden war, belegten die weltlichen Beamten sein Vermögen mit Beschlag und benachrichtigten seine Schuldner von dieser Maßregel“ (S. 565).
Der Anteil der Kirche am konfiszierten Gut war unterschiedlich, so z. B. 1369 in Deutschland ein Drittel, in anderen Fällen wurde zu gleichen Teilen geteilt; oder es wurde gedrittelt zwischen Inquisitionsbehörde, Bischof und Stadt bzw. Gemeinde. Im Kirchenstaat fiel natürlich der gesamte „Erlös“ an die Kurie. Dies galt ab dem 14. Jahrhundert in der Regel auch für die übrigen Regionen Italiens. Doch oft genug prozessierten Kirche und Staat auch um die Anteile, bisweilen sogar jahrzehntelang.

Die Inquisition lebte von der Konfiskation

Unbestritten ist jedoch, dass ohne die Konfiskation die Inquisition ihre grausame Eigendynamik fast völlig eingebüßt hätte. „Wir dürfen daher mit Recht behaupten, dass durch die Aussicht auf den Gewinn aus den Geldstrafen und Konfiskationen die Arbeit der Inquisitoren viel weniger gründlich gewesen und zu einer verhältnismäßigen Bedeutungslosigkeit herabgesunken sein würde, sobald der erste fanatische Verfolgungswahn erloschen war; sie hätte vielleicht eine Generation hindurch gedauert, dann eine Zeitlang geruht, um bei einem neuen Wiederauftauchen der Ketzerei von neuem wieder aufzuleben … Erst als man durch die Konfiskationen die Ketzer zwang, selbst die Mittel zu ihrer Vernichtung zu liefern, als die Habgier dem Fanatismus die Hand reichte und beide zusammen die treibenden Kräfte für die Inquisition wurden, erst da konnte jene hundertjährige, nicht nachlassende, erbarmungslose Verfolgung einsetzen, die unbedingt zum Ziele führen musste“ (Lea, S. 597).
Auch Bernd Rill (Die Inquisition und ihre Ketzer, S. 85) bemerkt: „Die Spekulation ist erlaubt, ob das Heilige Offizium ohne seine mannigfaltigen finanziellen Anreize wirklich jahrhundertelang hätte aktiv bleiben können, oder ob es ohne diese nicht schon weit vor der Aufklärungszeit sanft entschlafen wäre.“ Wie sehr das Geld der „Treibstoff“ für die Inquisition war, erkennt man auch daran, dass in der spanischen Inquisition bevorzugt reiche „Ketzer“ zu Opfern wurden – vor allem reiche „conversos“, d. h. bekehrte Juden: „Die Mitte des 17. Jahrhunderts gehört zu den für wohlhabende Conversos grausamsten Zeiten in Spanien“ (Henry Kamen, Die spanische Inquisition, S. 158).
Bisweilen konnten sie sich auch durch Zahlung astronomischer Geldsummen für einige Zeit freikaufen (vgl. Rill, S. 32).
Im 18. Jahrhundert, als es praktisch keine wohlhabenden conversos mehr gab, war der Niedergang der Inquisition nicht mehr aufzuhalten.

Das Unglück der Menschen ist das Glück der Kirche 

Fest steht in jedem Fall: „Wohl nirgends in der Geschichte hat sich der Eifer, aus dem Unglück der Mitmenschen Gewinn zu ziehen, in so abstoßender Weise gezeigt als bei den Geiern, die den Spuren der Inquisition folgten, um sich an dem von ihr angerichteten Elende zu mästen“ (Lea, S. 575).

 

9. Teil – Unermessliche Grausamkeiten – „Kirche der Geldgier“

„Nichts ist uns genug!“ Nirgends wurde die kirchliche Geldgier so deutlich wie bei der Verfolgung Andersgläubiger. „Kirchenfürsten haben immer wieder Blutgelder eingestrichen – so exzessiv, dass ein geflügeltes Wort sagte, das schnellste und leichteste Mittel, reich zu werden, sei das Hexenbrennen“  (Herrmann, Kirchenfürsten, S. 7).

Die Grausamkeit der Kirche war unermesslich. Fiel jemand in die Hände der Inquisition, dann kamen sofort die Beamten ins Haus: „Jeder Teil seines Hausrates und der Lebensmittel wurde inventarisiert, ebenso seine liegenden Güter. So wurde seine Familie, mochte sie noch so unschuldig oder schuldig sein, vor die Tür gesetzt, um Hungers zu sterben oder sich auf die unsichere Nächstenliebe anderer zu verlassen, eine Nächstenliebe, die nur allzu sehr beeinträchtigt wurde durch die Tatsache, dass jede Sympathiekundgebung für einen Ketzer gefährlich war“ (Lea, Geschichte der Inquisition im Mittelalter, Bd. 1, S. 583).
Besonders pervers war die Vorschrift, das Vermögen einer Familie auch dann zu beschlagnahmen, wenn ein Verstorbener nachträglich (!) der Ketzerei bezichtigt wurde. „Eine Verjährung für die Ansprüche der Kirche trat erst nach 40 Jahren ein, bei der römischen Kirche erst nach 100 Jahren, und zwar datierte diese Verjährung nicht etwa vom Tage der Begehung des Verbrechens an, sondern erst von dem Tage seiner Entdeckung“ (Lea, S. 585). Dies brachte eine große Rechtsunsicherheit mit sich, denn „kein Gläubiger oder Käufer konnte der Rechtgläubigkeit dessen sicher sein, mit dem er zu tun hatte“ (ebda). Eine ganze Familie konnte Jahrzehnte nach dem Tod eines Familienmitglieds plötzlich ins Elend gestürzt werden. Bei Lebenden gab es eine Verjährung erst recht nicht: „Die Inquisition rächte erbarmungslos an dem Greis, was der Jüngling an Unwillkommenem geäußert hatte. Ein Blick in die Akten, und Jahrzehnte alte Verfehlungen konnten immer noch zum Scheiterhaufen führen“ (Bernd Rill, Die Inquisition und ihre Ketzer, S. 63). Deshalb wurde in der Inquisition alles genauestens protokolliert: „Um so wichtiger war ein schriftliches Gedächtnis, da Ketzer auch nach dem Tod noch abgeurteilt werden konnten, was nicht nur moralisch gemeint war, sondern auch die praktische Konsequenz nach sich zog, dass ihre Nachfahren unfähig zur Bekleidung öffentlicher Ämter und nach einem Ketzer nicht erbberechtigt waren. So hatte es die Inquisition in der Hand, einen missliebigen Zeitgenossen, dem seinerseits mit dem Verdacht der Häresie nicht beizukommen war, auf dem Umweg über seine Eltern finanziell zu erwürgen und ihn auch noch seines Amtes zu berauben. Dass Wissen Macht ist, hat sie damit einleuchtend vorexerziert“ (Rill, S. 64).

 

Gut bezahlte Hexenjäger

Für die Hexenverfolgung galt das gleiche wie für die Inquisition. Auch hier fand der gesamte Prozess mit bereits vorab Verurteilten statt. Die Folterknechte wurden für jeden Handgriff, ja sogar für Speis und Trank auf Kosten des Opfers bezahlt. „An einem Hexenprozess verdiente jeder, der daran beteiligt war.

Als Beispiel sollen die Taxen aus Franken genannt werden, denn für das Hochstift Würzburg ist eine Zehntgerichts-Kostenordnung erhalten …, die Bischof Julius Echter erlassen hatte, um Ordnung in die Verhältnisse zu bringen … Dem Botengänger, der das Ergebnis des Verhörs zur fürstlichen Kanzlei bringen musste, stand ebenso ein Lohn zu wie dem Geistlichen, der der zu Tode verurteilten Malefikantin mit allen üblichen Tröstungen der Religion zur Seite stand“ (Döbler, Hexenwahn, S. 135). Auch die Gelder der Hexenprozesse kamen direkt oder auf Umwegen der Kirche zugute: „Mittel aus solchen konfiszierten Vermögen wurden, wie aus den Akten nachweisbar ist, beim neuen Schlossbau der Mainzer Erzbischöfe verwendet, auch die Kirchen in Goßmannsdorf (Main) und Gerbrunn wurden mit Geldern aus den Hexenprozessen gefördert“ (ebda., S. 136). Bisweilen bekamen die Inquisitoren pro „überführter“ Hexe sogar ein Kopfgeld (Rill, S. 315).

Der goldene Altar in der katholischen Kathedrale von Sevilla wurde aus dem Gold gegossen, dass man den Indios in Lateinamerika geraubt hatte und die man ermordet hatte.

Blutgeld haftet nicht nur an Inquisition und Hexenverbrennung, es klebt auch an der Eroberung des amerikanischen Kontinents. „Der Missionseifer eines Columbus war gepaart mit der Sucht nach Gewinn, wie sein Brief an die Könige verrät. ‘Eure Hoheiten besitzen hier eine andere Welt, wodurch unser heiliger Glaube so große Verbreitung finden kann und woraus man so viel Gewinn wird ziehen können.’ Eine solche Vermischung von Religion und Habsucht berührt uns heute peinlich … Für welchen Zweck will er nun den Gewinn einsetzen? Für den Sieg des Christentums. Man braucht nur Amerika zu entdecken und dort die nötigen Geldmittel zu beschaffen, um das heilige Grab und Jerusalem wieder zurückzuerobern. Das Gold ist Mittel zu einem heiligen Zweck“ (Enrique Rosner, Missionar und Musketen, S. 56).Folgerichtig landete vieles von dem Gold, das amerikanischen Ureinwohnern auf grausame Weise geraubt wurde, in spanischen Kirchen: „Wen überfällt nicht ein Schaudern, wenn er den mit 20 Tonnen Blattgold vergoldeten Altar der Kathedrale von Sevilla (siehe Foto links) bestaunt und dabei an das in den Minen vergossene Blut der Indios denkt. Treffend spricht diese prophetische Klage Erzbischof Melchior de Linnán aus: ´Er halte es für gewiss, dass jene Edelmetalle im Blut der Indios gebadet waren und dass, wenn man das aus ihnen herausgeholte Geld ausdrücken würde, mehr Blut als Silber aus ihnen heraustropfen müsste … `“ (ebda., S. 60).

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Wie kam die katholischen Kirche zu ihrem Reichtum?

 

Siehe auch:

Auch das ist Deutschland – Armes Volk, reiche Kirche

Darin ist auch ein Video enthalten mit einer Dauer von 38 Minuten.

Auszug

Es ist nun die Zeit, dass auch die letzten Lügen der Kirche entlarvt werden.
Aufgrund einer Neuordnung des Lehenswesens in der Zeit Napoleons erlitten die beiden deutschen Großkirchen im Jahr 1803 finanzielle Nachteile. Dafür werden sie jetzt [2017] seit 214 Jahren Jahr für Jahr mit Abermillionen “entschädigt”: ca. 500 Millionen Euro direkt aufgrund dieses Anlasses und weitere ca. 17 Milliarden Euro darüber hinaus durch zusätzliche Subventionen und Steuerbefreiungen, durch weltweit einzigartige Privilegien, insgesamt Milliardengeschenke: Der deutsche Staat zahlt die Bischofsgehälter, die Priesterausbildung… und und und.

http://www.der-freie-geist.de/video/armes-volk-reiche-kirche

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Ein Experte in Sachen „Kirchenfinanzen“ ist Carsten Frerk.

https://hpd.de/artikel/10721

http://www.carstenfrerk.de/wb/buecher/violettbuch-kirchenfinanzen.php

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Der Reichtum der Kirche ist Blutgeld – komplette Dokumentation

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Gruß Hubert

 

Die Pseudokritiker-Theologen   Leave a comment

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Typen wie der Theologe und Psychiater Manfred Lütz sind mir die unsympatischten. Sie geben sich liberal, konziliant und modern, aber wollen sich damit nur tarnen mit ihren in Wahrheit erzkonservativen Einstellungen. Bei der Hintertür holen sie wieder die Dogmen herein, die sie zuerst rhethorisch in Frage stellen. Schlimmer ist noch die Unredlichkeit von solchen Zeitgenossen. Denen muss man schon die Frage stellen, geht es ihnen um Religion, um Seelenheil, das sie ja vorschieben, oder kaum verborgen einzig und allein um Macht? Dieser Lütz arbeitet teilweise mit ganz billigen Tricks, sofern jemand sich nur ein wenig mit der Materie auskennt. Die große Wahrheit und Liebe zur Erkenntnis ist solchen christlichen Apologeten kein Anliegen.

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hpd) Sigmund Freud hat einmal gesagt: „Wenn es sich um Fragen der Religion handelt, machen sich die Menschen aller möglichen Unaufrichtigkeiten und intellektuellen Unarten schuldig.“

Der Bestseller „Gott. Eine kleine Geschichte des Größten“ von dem Theologen und Psychiater Manfred Lütz dürfte ein Paradebeispiel für Freuds Beobachtung sein. In seinem Bemühen, uns von dem Glauben der römisch-katholischen Kirche zu überzeugen, bedient sich Lütz aller unredlichen Tricks, die sich christliche Apologeten über die Jahrhunderte hinweg haben einfallen lassen.

 

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Theologe Manfred Lütz

 

Kunstgriffe (1)

Der erste Kunstgriff besteht bekanntlich darin, sich das Vertrauen seiner Leser zu erschleichen, indem man sich ausdrücklich von dem salbungsvollen Ton und dem frömmelnden Gehabe typischer Kleriker distanziert. Unglücklicherweise geht die Rechnung nicht ganz auf, da der Leser während der Lektüre den vom Autor mit gespielter Jovialität um die Schulter gelegten Arm zu spüren meint und seinen etwas zu kumpelhaften Ton schlicht als zudringlich erlebt. Die Sprache ist da auch nicht sonderlich hilfreich. Vermeintlich „coole“ Interjektionen wie „Wow“, „Woom“ und „Super-GAU“ geben dem Leser das Gefühl, abermals ein mit Pickeln übersäter Halbstarker im Konfirmandenunterricht zu sein. Die einzig werbewirksame Phrase, die dem Buch noch fehlt, ist: „Gott ist geil!“

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Der zweite, ebenfalls hinreichend bekannte Kunstgriff besteht darin, rasch einen frei inszenierten Sieg zu erringen. So „beweist“ Lütz seinen Lesern mit sichtlicher Genugtuung, dass Feuerbach, Marx und Freud die Existenz Gottes nie widerlegt haben. Darin hat er freilich recht. Doch ist dies selbstverständlich kein Grund zum Triumphieren, da die genannten Religionskritiker auch nie den Anspruch erhoben hatten, die Existenz Gottes zu widerlegen. Sie haben sich für die Frage, ob es einen Gott gibt oder nicht, noch nicht einmal interessiert. Vielmehr sind sie schon immer von seiner Nichtexistenz ausgegangen und haben sich die wissenschaftlich weit interessantere Frage vorgelegt: „Wie kommt es eigentlich, dass so viele Menschen an einen Gott glauben?“

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Der dritte Kunstgriff besteht darin, sich gegen jede Kritik immun zu machen, indem man seinen Gegnern kurzerhand unterstellt, lediglich einen Strohmann zu bekämpfen. Nach Lütz haben Religionskritiker wie Holbach, Voltaire oder Hume nur dem auf der Wolke sitzenden Gott mit dem Rauschebart etwas anhaben können, doch nicht dem Gott der einzig wahren Kirche. Der Gott der römisch-katholischen Kirche sei nämlich ganz anders. Wie jeder weiß, richteten sich die Argumente von Holbach, Voltaire und Hume jedoch keineswegs gegen irgendwelche „selbst gemachten Götter“, sondern durchaus gegen den Gott des Nicäischen Glaubensbekenntnisses, dem sich die Christen aller Konfessionen noch heute verpflichtet fühlen.

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Der vierte Kunstgriff besteht darin, seinen Kontrahenten mit einer falschen Alternative zu erpressen. Wer nicht an Gott glaubt, habe sich nach Lütz noch gar keine wirkliche Vorstellung von den verheerenden Konsequenzen seines Unglaubens gemacht. Ohne Gott bleibe uns nämlich nur noch der Nihilismus eines Friedrich Nietzsche: „An Gott glauben oder Nietzsche folgen, das scheint die wirkliche Alternative zu sein. Wenn man aber Nietzsche folgt, dann muss man auch bereit sein, den bitteren Kelch des Atheismus bis zur Neige zu trinken. Dann hat man keine Argumente gegen Hitler, Stalin oder Mao Tse-Tung mehr.“ Es bedarf hoffentlich keiner besonderen Erklärung, dass der Nihilismus keineswegs die logische Konsequenz des Atheismus ist. Der säkulare Humanismus eines Bertrand Russells ist beispielsweise eine durchaus gangbare Alternative zum moralischen Nihilismus.

(5)

Der fünfte Kunstgriff besteht darin, seinen Gegner moralisch zu diskreditieren, indem man sein Weltbild diffamiert und für menschenverachtend erklärt. So bezeichnet Lütz den Faschismus und den Kommunismus als „atheistische Freilandversuche“, die womöglich mehr unschuldige Menschen auf dem Gewissen haben „als alle Religionen zusammen“. Dass sowohl der Faschismus als auch der Kommunismus zwei quasi-religiöse Heilslehren waren, die mit dem Atheismus säkularer Humanisten nicht das geringste zu tun haben, ficht ihn dabei nicht an.

Auch scheint er bequemerweise ganz zu vergessen, dass die Soldaten der Wehrmacht „Mit Gott und dem Führer“ in den Krieg gezogen sind und über ein Viertel der SS-Angehörigen treu ergebene Mitglieder seiner katholischen Kirche waren.

(6)

Der sechste Kunstgriff besteht darin, ein argumentatives Zugeständnis zu machen, das man bereits im nächsten Satz möglichst unbemerkt wieder zurücknimmt. So gesteht Lütz bereitwillig zu, dass der Vatikan selbstverständlich nicht immer von Engeln regiert wurde. Er nennt die Kirche in seiner erwähnt hemdsärmeligen Art sogar einen „Saustall“, doch selbstverständlich nur, um sogleich hinzuzufügen, dass es ja auch „total frustrierend“ wäre, wenn sie nur von Heiligen geleitet würde.

Ich fürchte, man darf mit guten Gründen bezweifeln, dass die Juden „total frustriert“ gewesen wären, wenn der Vatikan zur Zeit des Dritten Reiches wenigstens ein einziges Wort gegen den Holocaust gesagt hätte.

(7)

Der siebte Kunstgriff besteht darin, dass man vermeintliche oder tatsächliche Autoritäten für seine Sache vereinnahmt. Die am häufigsten missbrauchte Autorität dürfte zweifellos Albert Einstein sein, dessen metaphorisches Reden von einem „Schöpfer“ – „Gott würfelt nicht!“ – geradezu wie eine Einladung an die Christen wirken musste. Lütz schreibt denn auch: „Albert Einstein war zuerst natürlich Atheist geworden. Aber je tiefer er in die Wissenschaft eindrang, desto mehr entwickelte er sich zu einem Bewunderer des Göttlichen.“

Lütz weiß natürlich so gut wie jeder andere, dass Einstein alles andere als ein Christ war. Wenn Einstein überhaupt an einen Schöpfer glaubte, dann an den von Lütz verlachten „Rentnergott Epikurs“.

(8)

Der achte Kunstgriff besteht darin, die ganze Hand zu ergreifen, sobald einem der kleine Finger gegeben wird. Dass Wissenschaftstheoretiker wie Karl Popper offenherzig von der Fehlbarkeit unserer Vernunft und der Vorläufigkeit all unseres Wissens sprechen, nutzt Lütz sogleich dazu aus, um einige aus der Vordertür herausbeförderte Dogmen rasch durch die Hintertür wieder hineinzuholen. So sei etwa die „Himmelfahrt Christi“ zwar „höchst unwahrscheinlich“, doch nicht „prinzipiell unmöglich“. Die Bescheidenheit der Wissenschaft dient jetzt also als intellektueller Freifahrtschein der Theologen.

(9)

Der neunte Kunstgriff besteht darin, dass man sich auf die Bildungslücken seiner Leser verlässt und schwer verständlichen naturwissenschaftlichen Theorien kühn einige Implikationen unterstellt, die sie nicht haben. So dürfte es beispielsweise die Physiker überraschen zu hören, dass die Quantentheorie „die Ehe zwischen Atheismus und Wissenschaft argumentativ zerrüttet“ habe. Nach Lütz ist der Zweifel an Gott als „intellektuelle Option zusammengebrochen“, weil die Quantentheorie zum „argumentativen Super-GAU des Atheismus“ geführt habe. Natürlich ist nichts von alledem wahr.

Und man fragt sich wie Schopenhauer bei der Lektüre von Hegel: „Ist das nun Dummheit oder Niedertracht?“ Wie jeder Abiturient weiß, hat die Quantenphysik die klassische Physik Newtons erweitert und – zumindest nach einigen ihrer Interpretationen – den Determinismus des mechanistischen Weltbildes in Frage gestellt. Doch der Determinismus der mechanistischen Physik hat nichts mit dem Atheismus der naturalistischen Philosophie zu tun.

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Der zehnte und letzte Kunstgriff besteht darin, seinen Gegner, wenn nötig, zu beschämen. So zitiert Lütz bei der Behandlung des Theodizee-Problems sein philosophisches Vorbild Robert Spaemann, der auf die Frage

„Wo war Gott in Auschwitz?“, kurz mit „Am Kreuz!“ antwortete. Angesichts dieser entwaffnenden Antwort verbietet sich freilich jede weitere Frage; es sei denn, man nimmt es in Kauf, als herzlos zu gelten. So geschickt dieser moralistische Schachzug auch sein mag, dass Gott ebenfalls gelitten hat, so selbstverständlich kann es keine Antwort auf die Frage sein, warum Millionen von Juden in den Tod gehen mussten, wenn ihnen ein allmächtiger und allwissender Gott doch problemlos hätte zur Hilfe eilen können.

„Religiöser Ramsch“

Für den Fall, dass ein Leser auf Lützens Kunstgriffe hereingefallen ist, sollte man annehmen, dass er jetzt vor der Wahl stehe und entscheiden müsse, ob er nun Christ, Muslim, Jude, Hinduist, Buddhist, Jainist oder was auch immer werden wolle. Doch Lütz ist derart zuvorkommend, dass er seinen Lesern die Qual der Wahl auch hier gerne abnimmt. Die anderen Religionen seien keine wirkliche Option. Sie seien „religiöser Ramsch“. „Das Wirrwarr des hinduistischen Götterhimmels“ etwa sei schlichtweg „abstoßend“. Der Buddhismus habe zwar einige „tiefe Einsichten“, sei aber letztlich „unbefriedigend“. Und im Islam sei der Mensch einfach „zu weit entfernt“ von Gott. Gegen das Judentum sagt Lütz eigentümlicherweise nichts. Wahrscheinlich schweigt er sich aber nur deshalb aus, weil man in einer „Theologie nach Auschwitz“ mit solcher Kritik vorsichtig sein muss.

Die erste Frage, die man sich nach der Lektüre, stellt, ist: Wie kann ein so billiges Buch nur so teuer sein?

Edgar Dahl

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Die Pseudokritiker-Theologen

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Gruß Hubert

Die Fiktion vom christlichen Abendland   1 comment

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Das Gerede vom Christlichen Abendland ist ein ideologischer Kampfbegriff. Er lässt sich auf vielfache Weise umdeuten und missbrauchen. Er wird von rechtspopulistischen Kreisen gekapert und auf rechte Ideologien umgedeutet. Er soll wie einst als Bollwerk gegen den Kommunismus nun als Bollwerk gegen den Islam dienen. Diese Strategie ist ungeeignet sich mit dem Islam auseinander zu setzen.

„Christliches Abendland“ kann man offenbar dermaßen verzerren, ideologisch passend machen, politisch ausschlachten oder sich als historisches Ornament zurechtbasteln, dass man sich ernstlich fragen muss, ob es überhaupt so etwas wie ein „christliches Abendland“ gibt beziehungsweise jemals gegeben hat.

Ja, es gab dieses „christliche Abendland“, nur war es etwas ganz anderes, als was Kirche, Geisteswissenschaften, herrschende Kultur und Sonntagsredner seit Jahrhunderten jeweils daraus gemacht haben.“ (Aus Johanniter.de)

Es ist schon eine Ironie, dass man auf katholisch.de erfahren muss, wie sehr der Begriff Christliches Abendland verzerrt und umgedeutet wurde und wird.

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Das christliche Abendland ist Fiktion

Nur wenige Begriffe sind derartig frömmelnd, unpräzise und emotionsbeladen wie der des christlichen Abendlandes. Und dennoch ist er heute wieder populär, schreibt der Theologe Manfred Becker-Huberti.

Wohl nur wenige Begriffe sind derartig frömmelnd, unpräzise und emotionsbeladen wie der des christlichen Abendlandes. Er hat weder klare geografische noch ideologische Grenzen, zudem wandelte sich die Bedeutung in seiner langen Geschichte mehrfach. Dennoch ist der Begriff gerade in der derzeitigen Debatte um Flüchtlinge und Zuwanderung wieder populär – und war für die Bezeichnung von Deutschland und seiner Kultur nie unzutreffender als heute.

„Christlich“ und „Abendland“ scheinen klare Begriffe zu sein, sind aber ganz und gar nicht eindeutig. Was bedeutet denn „christlich“? Das Christentum in sich ist nämlich ausgesprochen differenziert. Das zeigt die Geschichte: Im Orient spielte die Orthodoxie ab 1054 eine eigene Rolle. Dagegen grenzte man sich als „christliches Abendland“ ab – und war dennoch gemeinsam Christ. Dann, im 30-jährigen Krieg im 17. Jahrhundert, waren sich Protestanten und Katholiken untereinander so spinnefeind, dass sie sich gegenseitig totschlugen. Die mit dem Jahr 1517 angesetzte Reformation war vorausgegangen, ein Schisma innerhalb der Westkirche. Und das, was heute die deutsch-französische Freundschaft ist, war vor ihrem Beginn in den sechziger Jahren eine Jahrhunderte lang gepflegte Erbfeindschaft – unter Christen.

Überdies ist nicht alles, was sich auf das Christentum beruft, auch vom Christentum geprägt. Das macht ein Blick in die jüngere Vergangenheit Deutschlands deutlich: Unter den Nationalsozialisten gab es solche, die sich überzeugt, aber nicht überzeugend, Christen nannten und nur wenige Mitmenschen überzeugten. Auch in unserem Brauchtum, das wir als christlich bezeichnen, kommt vieles zusammen. Da vermischten sich im Laufe der Zeit Dinge aus dem kirchlich-liturgischen Bereich mit anderen aus weltlich-heidnischen Bräuchen. Im Nachhinein kann man das nur noch schwer trennen.

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Manfred Becker-Huberti
 KNA
Manfred Becker-Huberti ist katholischer Theologe, Experte für religiöse Volkskunde und Honorar-Professor an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar in Rheinland-Pfalz. 

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„Christliches Abendland“ wird ab dem 5. Jahrhundert ursprünglich als Bezeichnung für die ehemaligen römischen Provinzen des westlichen Europas verwendet, also das Gebiet, in dem heute Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien, Spanien und Portugal liegen. Er wurde gewählt als Gegenbegriff zum griechischen Patriarchat und war deckungsgleich mit dem römischen Patriarchat, dem Einflussgebiet des Vatikans gegenüber dem von Byzanz. Das christliche Abendland wurde damals als Kampfbegriff gebraucht. Dabei war er keine genau definierte Bezeichnung.

Wieder verändert sich der Ausdruck zwischen dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg. Es ist die Zeit, in der große Angst vor dem Untergang und dem Zerfall der westlichen Kultur herrscht. Oswald Spengler schreibt damals in seinem Buch „Der Untergang des Abendlandes“, dass diese Epoche durch die der russischen Kultur abgelöst werde. Hier entstand der Gedanke eines friedvoll zusammenlebenden abendländischen Reiches. Das ist reine Fiktion und wie die folgenden Jahrzehnte zeigen sollten, war die Realität das genaue Gegenteil. Doch dieses Bild wird von der nationalsozialistischen Propaganda aufgegriffen. Sie interpretiert diese Vorstellung als Rettung und Fortsetzung einer abendländischen Kultur und sieht das abendländische Reich als eine historische Kontinuität – die es nie gewesen ist. Die Gegner dieses Abendlandes, waren die anderen, das sind in dieser Zeit die Slawen, die Russen, die Asiaten und vor allem die Juden – mit den bekannten grauenhaften Folgen.

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Pegida-Demo in Dresden
dpa
Heute berufen sich etwa PEGIDA-Demonstranten in Dresden auf den Begriff „christliches Abendland“.
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Unter Konrad Adenauer wird als „christliches Abendland“ der Geist der christlich-abendländischen Kultur verstanden. Dabei tritt die Religion zurück: Der Begriff soll nun ein konservativ-bürgerlich geprägtes Wertesystem einführen. Es steht als Gegenmodell zum Kollektivismus in der Sowjetunion und die als seelenlos und zu individualistisch empfundene amerikanische Gesellschaftsordnung. Diese Vorstellung aus den 1950er Jahren geht bereits in den 1960er Jahren unter. Bis zur Auflösung des Warschauer Paktes 1991 wurde das Abendland dann geografisch als Westeuropa, aber auch als christlich-jüdische Tradition dem Islam entgegengesetzt. Diese Tradition, bemerken Juden zu Recht, hat es in dieser Form nicht gegeben.

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Ein Kampfbegriff gegen die drohende Islamisierung

 

Heute wird der Begriff des christlichen Abendlandes von National-Konservativen und Rechtsextremen benutzt, die behaupten, dieses Abendland müsse sich gegen eine drohende Islamisierung verteidigen. Diese Leute wollen nicht nur etwas verteidigen, was es so in der Form nie gegeben hat, sondern sie haben auch mit der Christlichkeit dieses Abendlandes garnichts zu tun.

Für etwas anderes als Abgrenzung taugt der Begriff „christliches Abendland“ nicht, er ist ein Kampf- und Ausgrenzungsbegriff, eine völlig unfundierte Fiktion. Er wird zu Manipulationen benutzt, jetzt auch von der Pegida-Bewegung, die ihre politischen Ziele mit Leidenschaftlichkeit vernebeln. Damit will sich ein fiktives „Wir“ von einem als gefahrvoll dargestellten „Nicht-Wir“ abgrenzen. Die Folgen solcher Prozesse sind in der Geschichte immer mit unsäglichem Leid und Grauen verbunden gewesen. Und wenn man es zulässt, droht es jetzt nicht anders zu werden.

Von Manfred Becker-Huberti

Die Fiktion vom christlichen Abendland

 

Die Werte des christlichen Abendlandes waren durchaus nicht so positiv.

Aus einen Kommentar auf freitag.de
„Lethe“
Die allgemeinen Menschenrechte haben sich gegen den entschiedenen Widerstand der diversen europäischen Großkirchen entwickelt, und erst als die erkannten, dass sie nichts mehr daran ändern konnten, sind sie auf den fahrenden Zug gesprungen und haben so getan, als wäre das bei ihnen schon immer so gewesen (ganz ähnlich, wie heute in der Christenheit Frauen „schon immer“ gleichberechtigt waren).

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Auszug aus pressenza.com

Unser christliches Abendland: Von den Nazis über die CDU bis zu Pegida

1949, also vier Jahre nach dem umfassenden Kollaps des nationalsozialistischen Dritten Reichs beschwor der erste Bundeskanzler Adenauer in seiner ersten Regierungserklärung den Geist christlich-abendländischer Kultur.

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Wahlplakat der CDU von 1946. (Wikipedia/CC BY-SA 3.0 DE)

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Schon drei Jahre vorher, 1946, forderten die inzwischen in der CDU organisierten gewendeten Altnazis: „Rettet die abendländische Kultur … wählt Christlich-Demokratische Union“ (Wahlplakat). Retten vor wem?

Bis 1945 hielt noch der deutsche Mainstream Millionen Europäer für slawische, bolschewistische, jüdisch-marxistische und westlich-liberalistisch-mittelmeerische Minder- bis Untermenschen.

Kurz vor seiner berüchtigten Sportpalastrede im Februar 1943 peitschte Goebbels2 ein, dass der Krieg entweder von Deutschland und Europa gewonnen werde oder aber der „älteste Kulturkontinent“ von der „innerasiatisch-bolschewistischen Welle“ zerstört und vernichtet werde. Also gegen Asiaten und Bolschewisten.

Eine ähnliche Gesinnung offenbarte dann Adenauer 1, wenn er später wiederholt vor dem „russischen Koloss“ warnte. Und die „gelbe Gefahr“ stand ja auch weiterhin im Raum.

 

Der Feind steht immer woanders und bedroht „uns“ und „unsere“ Werte!

 

Der Kern Europas, des „ältesten Kulturkontinents“, war für die Nazis Großdeutschland, das „Germanische Reich“, das das Abendland in Form einer „europäische Großraumwirtschaft“ beherrschen sollte.

Hinter dem Kampfbegriff des „christlichen Abendlandes“ beziehungsweise „ältesten Kulturkontinents“ verbarg sich historisch immer ein Kerneuropa, dass sich in alle Richtungen gegen seine Nachbarn abgrenzte: Nach Süden gegen den islamisch gesehenen Orient, das Morgenland; nach Südosten gegen Byzanz und die griechisch-orthodoxe Christenwelt; nach Osten gegen Slawen, Russen und Asiaten und durchgehend nach innen gegen die Juden. Was jeweils Vorrang hatte, ergab sich aus der geschichtlichen Lage.

Im Übergang vom Dritten Reich zum Nachkriegsdeutschland wurde das „christliche Abendland“ angepasst. Die Juden- und Islamfeindschaft wurde zurückgestellt und dafür der Kampf gegen die Sowjetunion, bzw. die „asiatischen Horden“ und den „bolschewistischen Koloss“ als Hauptaufgabe eines nun rein westlichen „EU- und NATO-Abendlandes“ propagiert, denn inzwischen hatten die USA die Ehre, auch zum christlichen Abendland gezählt zu werden.

Nach Ende des Kalten Krieges rückte wieder die Islamfeindschaft beziehungsweise die „Gefahr der Islamisierung des Abendlandes“ (PEGIDA) in den Mittelpunkt.

Schon regelrecht kurios mutet das Grundsatzprogramm der SPD von 2007 an, nach dem unsere „geistigen Wurzeln“, also die des christliche Abendlandes, „in jüdisch-christlicher Tradition“ zu suchen sind – und das angesichts der zweitausendjährigen Geschichte der Judenverfolgung, die ja schließlich unseren Heiland und Gott gefoltert und umgebracht haben: Millionen Kruzifixe auf dieser Welt können da nicht irren!

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https://www.pressenza.com/de/2017/02/das-christliche-abendland-nicht-verteidigungswert/

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Gruß Hubert

Die Gräueltaten der kroatischen Ustascha   Leave a comment

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Die Gräueltaten der kroatischen Ustascha werden bis heute mehr oder weniger verschwiegen, wie immer, wenn auch die Kirche mit im Spiel ist. Im 2. Weltkrieg kamen in Kroatien 750.000 Serben durch die Ustascha um.  Die Ustascha-Miliz war ein der Waffen-SS vergleichbaren Kampfverband.

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Hier ein Auszug aus gegen-die-kirche.eu

Überall rief man die Orthodoxen zur Konversion auf. »Wenn ihr zur katholischen Kirche übergetreten seid«,

versprach Bischof Aksamovic von Djakovo, »werdet ihr in euren Häusern in Frieden gelassen werden«. Ein paar hunderttausend konvertierten, noch mehr starben durch die Ustascha-Miliz, einen der Waffen-SS vergleichbaren Kampfverband, der jedoch auch als eine Art politischer Polizei fungierte.

In Mostar, Herzegowina, wurden Hunderte von Serben zur Neretva getrieben, mit Draht aneinandergebunden, erschossen und in den Fluß geworfen. Ahnlich endeten Serben in Otoka in der Una, in Brcko in der Save.

[…]

Als der vom Papst gesegnete Pavelic am 26.Juni 1941 den katholischen Episkopat in Audienz empfing

und Erzbischof Stepinac »von ganzem Herzen Ehrerbietung« bezeugte, auch »ergebene und treue Mitarbeit für die strahlendste Zukunft unseres Vaterlandes« versprach, hatte das katholische Kroatien innerhalb von sechs Wochen schon drei orthodoxe Bischöfe, mehr als hundert orthodoxe Priester und Mönche samt 180 000 Serben und Juden ermordet. Bereits im nächsten Monat machten die Ustaschen, »Furien der Unterwelt«, »verkörperte Teufel«, in Gefängnissen, Kirchen, auf Straßen und Feldern über 100 000 serbische Männer, Frauen und Kinder nieder. Die Kirche von Glina in Bosnien wurde in einen Schlachthof verwandelt.

»Das Blutbad dauerte von abends 10 Uhr bis morgens 4 Uhr und ging acht Tage weiter. Die Uniformen der Schlächter mußten gewechselt werden, weil sie vom Blute durchnäßt waren. Man findet später aufgespießte Kinder mit noch vor Schmerz gekrümmten Gliedern.« Die Initiatoren des Gemetzels: der aus Glina stammende Justizminister Dr. Mirko Puk und der Prior des Franziskanerklosters von Cuntic, Hermenegildo alias Castimir Hermann. Und wie in Glina, so diente in Bernic die serbische Kirche als Gefängnis und Hinrichtungsstätte für orthodoxe Männer und Frauen. Üblich waren Massenexekutionen, wobei man den Opfern die Kehle durchschnitt, sie manchmal vierteilte, auch Stücke ab und zu in Metzgerläden hing, Aufschrift: »Menschenfleisch«.

Es geschahen Grausamkeiten, neben denen die Untaten deutscher KZ-Schergen beinah verblassen. Die Ustaschen liebten Folterspiele bei nächtlichen Orgien, bohrten glühende Nadeln unter die Fingernägel, streuten Salz in offene Wunden, verstümmelten alle möglichen Körperteile und ermittelten im edlen Wettstreit, wer am besten einen Hals durchschnitt. Sie zündeten Kirchen voller Leute an, pfählten Kinder in Vlasenika und Kladany, säbelten mit Vorliebe Nasen und Ohren ab, stachen die Augen aus. Die Italiener fotografierten einen Ustaschen, um dessen Hals zwei Ketten aus menschlichen Zungen und Augen hingen. Der mittelalterliche Kreuzzugsterror schockierte selbst die italienischen Faschisten. Sie verbreiteten massenhaft Flugzettel gegen die kroatische Regierung, putschten teilweise die Serben dagegen auf, ja, schützten diese da und dort, ebenso die Juden. Insgesamt schätzte man die Zahl der durch italienische Truppen geretteten Menschen auf 600 000, darunter auch einige tausend vor Ustaschen und Nazis geflüchtete Juden.

Sogar die Deutschen jedoch protestierten, Diplomaten, Militärs, Parteileute, selbst der Sicherheitsdienst der SS.

Sie sandten ihre »erschütternden« Meldungen ans Oberkommando der Wehrmacht, ans Auswärtige Amt, ans Reichssicherheitshauptamt, ins Führerhauptquartier, sie geißelten den »Terror der Ustascha«, den »ungeheuren Terror der Ustascha«, berichteten immer wieder über »zweifellos in großer Menge vorkommende Morde und Brandtaten«, »wahrhaft entsetzliche Vorgänge«, die »sinnlose Abschlachtung der serbischen Bevölkerung«, »Greueltaten… auch an wehrlosen Greisen, Frauen und Kindern in der bestialischsten Weise«, »wieder neue Greueltaten«, wobei manche, wie der Vertreter des deutschen Gesandten in Zagreb, Gesandtschaftsrat von Troll-Obergfell, »das ganze Material… durch Fotos teilweise« belegten.

Am 17. Februar 1942 berichtet der wohl kaum großer Empfindlichkeit verdächtige Chef der Sicherheitspolizei und des SD dem Reichsführer SS: »Die von den Kroaten niedergemetzelten und mit den sadistischsten Methoden zu Tode gequälten Pravoslaven müssen schätzungsweise auf 300 000 Menschen beziffert werden… Zu bemerken ist hierbei, daß letztlich die katholische Kirche durch ihre Bekehrungsmaßnahmen und ihren Bekehrungszwang die Ustascha-Greuel forciert hat, indem sie auch bei der Durchführung ihrer Bekehrungsmaßnahmen sich der Ustascha bedient… Tatsache ist, daß in Kroatien lebende Serben, die sich zur katholischen Kirche bekannt haben, unbehelligt wohnen bleiben können… Daraus ist ersichtlich, daß der kroatisch-serbische Spannungszustand nicht zuletzt ein Kampf der katholischen Kirche gegen die pravoslavische Kirche ist.«

Und der Oberbefehlshaber Südost, Generaloberst Alexander Löhr, der am 27. Februar 1943 vom Oberkommando der Wehrmacht nachdrücklich die Einsetzung eines anderen Regimes in Kroatien verlangt, kann sogar mitteilen, daß »bei den Terrorakten der Ustascha gegen die pravoslawische Bevölkerung… nach Ustascha-Angaben etwa 400 000 ermordet sein sollen«. Eine von Hitler angeforderte, am 1. Oktober 1942 übersandte gemeinsame Denkschrift des deutschen Gesandten in Zagreb, Siegfried Kasche (nach Kriegsende hingerichtet) sowie des Generals in Zagreb, Glaise von Horstenau (durch Selbstmord geendet), und des Oberbefehlshabers Südost, Generaloberst Löhr (gleichfalls hingerichtet), empfahl einerseits, den Pavelic-Staat vorbehaltlos zu unterstützen, andererseits aber darauf zu dringen, daß Regierung und Ustascha »von der Auffassung abrücken, daß sie alle Pravoslaven (Serben) im kroatischen Staatsgebiet ausrotten wollen«. Ja, das Oberkommando der Wehrmacht riet schließlich Hitler, mit dem Regime zu brechen.

Zuletzt befahl sogar Ribbentrop dem deutschen Gesandten in Zagreb, »sich sofort beim Poglavnik zu melden«,

und das stärkste Befremden der Reichsregierung auszudrücken wegen »ungeheurer Ausschreitungen« der Ustascha, »verbrecherischer Elemente«.

  • Und als Sonderbevollmächtigter Neubacher wiederholt im Führerhauptquartier »wahrhaft entsetzliche Vorgänge in meiner kroatischen Nachbarschaft« zur Sprache brachte, entgegnete selbst Hitler, er habe dem Poglavnik »auch gesagt, daß man eine solche Minderheit nicht einfach ausrotten kann: sie ist zu groß«!

  • Ja, Hitler meinte: »Ich werde mit diesem Regime schon einmal Schluß machen – aber nicht jetzt!«

Hatte er doch auch zynisches »Verständnis« für die Gemetzel und war, wider allen Vorstellungen der auf »Ordnung« und »Befriedigung« bedachten Besatzer, dagegen, »dem Treiben der Kroaten gegen die Serben… in den Arm zu fallen«. »Das Reich arbeitet weiter mit dem Poglavnik und seiner Regierung«, entschied Hitler Anfang September 1943 – womit er, wenn auch aus anderen Gründen (gerade die kolossalen Greuel des Ustascha-Staates banden diesen bis zuletzt an ihn!), sich wieder einmal in schönster Übereinstimmung mit dem hohen kroatischen Klerus und Papst Pius XII. befand.

Denn die Taten der Ustascha waren Taten der katholischen Kirche, weit weniger biologisch, durch die Rasse, als geradezu hyperkonfessionell bedingt. Wollte man ja gleichsam das alte kroatische Vasallenreich des Papstes wiederherstellen, alle glaubensfremden Elemente ausmerzen und ein »reines Volk« haben. Schon das Statut, das die Ustascha dem Staat gab, sah den »Schwerpunkt der moralischen Kraft des kroatischen Volkes… in dem geordneten religiösen und familiären Leben«, hielt zum Werk des Aufbaus »nur ehrenhafte und moralisch unverdorbene Männer für geeignet«, die »Atheismus, Gotteslästerung und zotige Reden« bekämpfen.

[…]

Besondere »Verdienste«, laut Erzbischof Stepinac, errangen bei der Ausrottung der Orthodoxen die Söhne des hl. Franz von Assisi.

Franziskanerklöster hatten der Ustascha schon lang als Waffenlager gedient. Franziskaner fungierten als Berater in der Umgebung des Pavelic, wie der Organisator der Ustaschen, Pater Radoslav Glavas, der täglich bei Pavelic Zutritt hatte und 1945 durch ein Kriegsgericht zum Tod verurteilt wurde. Franziskaner waren Feldprediger, wie Pater Simic, der am 21. Mai 1941 in Knin auf die Frage des italienischen Kommandeurs der »Sassari-Division« nach den Richtlinien seiner Politik erklärte: »Alle Serben in möglichst kurzer Zeit zu töten.« Und als der General seinen Ohren nicht traute und bat, das zu wiederholen, wiederholte der Pater prompt: »Alle Serben in möglichst kurzer Zeit zu töten. Das ist unser Programm.«

Für viele kroatische Franziskaner waren die orthodoxen Serben Schlachtvieh

und Devisen maßgebend wie die des Außenministers Mladen Lorkovic, »daß das kroatische Volk alle die ausländischen Elemente, die seine Kräfte schwächten, vernichten muß, diese Elemente sind die Serben und die Juden«. Der Franziskaner Berto Dragicevic vom Kloster Siroki Brijeg kommandierte, unterstützt von seinen Ordensbrüdern Ante Cvitkovic und Andrija Jelicic, die Ustaschen der Gegend.

Pater Augustino Cievola vom Franziskanerkloster Split erschien in den Straßen mit einem Revolver und trieb das Volk zur Liquidierung der Orthodoxen. Franziskaner betätigten sich als Henker in Konzentrationslagern, die im »Unabhängigen Staat Kroatien« nur so aus dem Boden schössen, in Jasenovac, Jadovno, Pag, Ogulin, Jastrebarsko, Koprivnica, Krapje, Zenica, Stara Gradiska, Djakovo, Lobograd, Tenje, Sanica etc. Selbst Kinder wurden dort zu Tausenden geschlachtet. Man schuf sogar eigene Konzentrationslager für sie: in Lobor, Jablanac, Mlaka, Brocice, Ustice, Sisak, Gornja Rijeka u.a. 1942 steckten allein in Jasenovac etwa 24 000 Kinder; die Hälfte davon wurde ermordet. Dann freilich fand man es nützlicher, Kinder zu schonen. Nachdem ihre Eltern meist beseitigt waren, nahm sich die »Caritas«, der Erzbischof Stepinac präsidierte, der Elternlosen an (»Lasset die Kleinen zu mir kommen…«) und machte sie zu Katholiken, ja, zu Priestern der alleinseligmachenden Kirche – und ungezählte ahnen nicht, welchem Schicksal sie dies »verdanken«.

Das »Todeslager« von Jasenovac am Ufer der Save, das kroatische Auschwitz, worin etwa 200 000 Serben und Juden umkamen, hatte zeitweise den Franziskaner Miroslav Filipovic-Majstorovic zum Kommandanten.

Und Franziskaner und Geistliche unterstützten ihn: Brkljanic, Matkovic, Matijevic, Brekalo, Celina, Lipovac u.a. In vier Monaten wurden in Jasenovac, berüchtigt wegen seiner Massenenthauptungen, unter Leitung des Franziskanerpaters Filipovic, 40 000 Menschen liquidiert – »nicht wenige dank seiner persönlichen Darbietungen als >zauberhaft< geschickter Würger«. Doch dürfte den 1945 hingerichteten »Bruder Teufel« der Franziskaner-Stipendiat Brzica noch übertroffen haben, der in Jasenovac in einer Nacht, am 29. August 1942, 1360 Menschen mit einem Spezialmesser köpfte. Edmond Paris, der eine »schreckliche Litanei« von Verbrechen gerade der Franziskaner aufzählt, meint, sie könnte »unendlich verlängert werden«.

Nach dem Zusammenbruch des »Gottesreiches« wurden nicht zufällig gerade ausländische Franziskanerklöster die Zufluchtsstätten der Massenmörder, in Österreich Klagenfurt, in Italien Modena, doch auch in Frankreich. »Alle diese Klöster verbargen die geflüchteten Ustaschis. Überall fanden diese Verbrecher kirchliche Hilfe und Beistand. Das war nur zu verständlich, denn die >Taten< der Ustaschis waren Taten der Kirche.«

Hier weiterlesen:

Die Gräueltaten der kroatischen Ustascha

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Karlheinz Deschner über die Gräueltaten der kroatischen Ustascha

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Kroatiens Schatten der Vergangenheit | Fokus Europa

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Siehe auch:

Im Oktober 1998 hat Papst Johannes Paul II. den kroatischen Kardinal Alojzije Stepinac (1898-1960) zum Märtyrer erklärt und seliggesprochen. Im faschistischen Ustascha-Kroatien spielte der Kardinal jedoch eine unselige Rolle.

https://hubwen.wordpress.com/2016/02/29/kardinal-stepinac-und-die-ustascha-auch-ein-seliggesprochener/

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Gruß Hubert

Veröffentlicht 19. Februar 2017 von hubwen in Kirchenkritik, Politik, Religionskritik, Uncategorized

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Vatikan und italienischer Faschismus   2 comments

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Es ist unfassbar mit welcher Unverfrorenheit heute die katholische Kirche behauptet, sie hätte gegen Hitler und Mussolini Widerstand geleistet, wenn man sich das Verhalten der Kirche unter diesen beiden Regimes anschaut. Beide Regimes wurden voll unterstützt und die Soldaten dazu angehalten ihre Pflicht im Dienste der Führer mit vollem Einsatz und mit Tapferkeit zu erfüllen. In ihrer autoritären Ausrichtung ähneln sich ja Kirche und Faschismus.
Man braucht sich nur diesen Abschnitt anzusehen.

„Noch am 12. Januar 1938 empfing Mussolini 72 Bischöfe und 2340 Pfarrer im Palazzo Venezia,

wo der Erzbischof Nogara in einer Rede Gott bat, dem Duce in allen Schlachten beizustehen zum Gedeihen des christlichen Italien.

Unmittelbar nach Nogara ergriff der Pfarrer Menossi das Wort: »Exzellenz! Die Priester Italiens flehen auf Ihre Person, auf Ihr Werk als des Wiederherstellers Italiens und Gründers des Reiches, auf die faschistische Regierung den Segen des Herrn und einen ewigen Glorienschein römischer Weisheit und Tugend herab, heute und immerdar. Duce! Die Diener Christi, die Pater des Landvolkes erweisen Ihnen ergeben Ehre. Sie segnen Sie. Sie beteuern Ihnen Treue. Mit frommer Begeisterung, mit der Stimme und dem Herzen des Volkes rufen wir: Heil Duce!« Worauf alle Bischöfe und Priester in den Schrei ausbrachen: »Duce! Duce! Duce!«.“
http://www.gegen-die-kirche.eu/geschichte-der-kirche/item/die-christlichen-kirchen-und-der-faschismus.html

Unglaublich auch die Wandlung von Mussolini innerhalb nur eines Jahres. Aber es war wohl in erster Linie Berechnung, weil er die Katholiken hinter sich bringen wollte.

Aus deschner.info

„Zwar war Mussolini ursprünglich viel kirchenfeindlicher als Hitler; er hatte die Schrift «Es gibt keinen Gott» und den Roman «Die Mätresse des Kardinals» verfaßt, dem Christentum einen gnadenlosen Kampf angekündigt und noch 1920 Religion Unsinn, religiöse Menschen krank genannt, auf die Dogmen gespuckt und beteuert: «Mit den Beschimpfungen der Pfaffen schmücke ich mich wie mit einem duftenden Blumenkranz.» Doch schon 1921 rühmte er den Vatikan und die von ihm ausstrahlende universelle Idee des Katholizismus derart, daß Kardinal Achille Ratti von Mailand ein Jahr vor seiner Papstwahl jubelte: «Mussolini macht schnelle Fortschritte und wird mit elementarer Kraft alles niederringen, was ihm in den Weg kommt. Mussolini ist ein wundervoller Mann. Hören Sie mich? Ein wundervoller Mann!» Und als Ratti am 5. Februar 1922 im vierzehnten Wahlgang Papst Pius XI. wurde, eilte Mussolini auf den Petersplatz, pries erneut «die Universalität des Papsttums» und kurz darauf brieflich auch den Papst als «einen Mann von umfassender historischer, politischer und philosophischer Bildung, der viel im Ausland gesehen hat und der die Situation Osteuropas gründlich kennt…“

Tatsächlich hatte die Zusammenarbeit der Kirche mit den Faschisten schon vor dem berühmten «Marsch auf Rom» begonnen. Man verstand sich früh, bekämpfte schließlich gemeinsam Kommunisten, Sozialisten, Liberale, regierte auf beiden Seiten autoritär und witterte in einem Bündnis große Vorteile.

Bereits am 22. Oktober 1922 forderte der Vatikan den italienischen Klerus auf, sich nicht mit dem (eindeutig faschistenfeindlichen) Partito Popolare, der katholischen Partei, zu identifizieren, sondern neutral zu bleiben, was eine offensichtliche Unterstützung Mussolinis bedeutete, der am 28. Oktober die Macht übernahm und am 20. Januar 1923 mit dem Kardinalstaatssekretär Gasparri geheime Besprechungen zu führen begann.

Der Vatikan verpflichtete sich zur Ausschaltung der katholischen Partei, da er von den Faschisten eine viel radikalere Bekämpfung der gemeinsamen Gegner erwarten konnte. Mussolini seinerseits sicherte deren Beseitigung und die Wahrung der kirchlichen «Rechte» zu.
Von nun an kollaborierte man immer enger und profitierte dabei wechselseitig. Mussolini, der zwar im Grunde seines Herzens Atheist blieb, sogar seine Reden gelegentlich mit antikatholischen und antipäpstlichen Spitzen versah, hob nun bald Presse- und Versammlungsfreiheit auf, führte den Religionsunterricht wieder ein, gab beschlagnahmte Kirchen und Klöster frei und beschützte die Prozessionen. Nicht zuletzt sanierte er die Finanzen des Heiligen Stuhles. Rettete er doch den «Banco di Roma», dem die Kurie und mehrere ihrer Hierarchen hohe Summen anvertraut hatten, auf Kosten des italienischen Staates mit ungefähr 1,5 Milliarden Lire vor dem Bankrott. Kardinal Vannutelli, Dekan des sogenannten Heiligen Kollegiums, erklärte daraufhin, Mussolini sei «auserwählt zur Rettung der Nation und zur Wiederherstellung ihres Glückes».

Der Vatikan erwies sich nicht als undankbar. Er schränkte den Einfluß des antifaschistischen Partito Popolare immer mehr ein, befahl dessen Führer, dem sizilianischen Geistlichen Sturzo, den Rücktritt und schließlich sogar das Ausscheiden aller Priester aus der katholischen Partei, was ihrer Auflösung gleichkam. Der Papst protestierte nicht einmal, als Mitglieder dieser Partei, darunter Priester, durch Faschisten überfallen und umgebracht wurden. Er protestierte erst recht nicht gegen die Ermordung einiger tausend Kommunisten und Sozialisten. Und selbst als der erbittertste Gegner Mussolinis, der junge Strafrechtslehrer und Sozialistenführer Giacomo Matteotti, der sein gesamtes großes Vermögen armen Bauern seiner Provinz gegeben hatte, von Faschisten verschleppt und bestialisch ermordet wurde, als die Entrüstung in Italien außerordentlich war und man vom König Mussolinis Absetzung forderte, sogar da stellte sich Pius XI. wiederum auf dessen Seite und verkündete am 20. Dezember 1926 aller Welt: «Mussolini wurde uns von der Vorsehung gesandt.»
In diesem Jahr nämlich, in dem der Papst endgültig die katholische Partei preisgab, wurden die Liberalen und Sozialisten, die eben noch über fünfzig Prozent aller Stimmen erhalten hatten, verboten, ihre Zeitungen unterdrückt, ihre Führer verhaftet und sämtliche Rechtsgarantien abgeschafft. Vor allem aber begannen jetzt jene Verhandlungen, die schließlich zum engsten Bündnis von Vatikan und Faschismus, zur Lösung der «Römischen Frage» führten, zu den Lateranverträgen. Denn hatte Mussolini mit Hilfe des Papstes die Diktatur erreicht, sollte nun auch der Papst auf seine Kosten kommen.

Jahrelang konferierte man geheim und meist bei Nacht: auf faschistischer Seite Staatsrat Domenico Barone, nach dessen Tod Mussolini selbst; auf vatikanischer Seite ein Bruder des späteren Papstes Pius XII., der Konsistorialadvokat Francesco Pacelli, der großen Anteil am Zustandekommen der Verträge hattet.

Die am 11. Februar 1929 unterzeichneten Lateranverträge steigerten einerseits das Ansehen der Faschisten außerordentlich, wie bald darauf das Konkordat mit Hitlerdeutschland das Prestige der Nazis, andererseits brachten sie der römischen Kurie gewaltige Vorteile. Zwar verzichtete sie endgültig auf die Wiederherstellung des Kirchenstaates und erkannte das Königreich Italien mit Rom als Hauptstadt an. Dafür aber erhielt der Papst uneingeschränkte Vollmacht auf dem Gebiet der Città del Vaticano sowie als Abfindung die ungeheure Summe von einer Milliarde in Staatspapieren und 750 Millionen Lire in bar – «das Kapital einer Weltbank», wie damals Francesco Nitti, der ehemalige italienische Ministerpräsident und frühere Professor der Finanzwissenschaft in Neapel, schrieb. «Ich bin der einzige Mensch», so führte Nitti weiter aus, «der außerhalb des Vatikans die finanzielle Lage der Kirche kennt. Ich besitze selbst Dokumente über ihre genauen Ausgaben und Einnahmen. Ich war Schatzminister während des Krieges, als die Einnahmen der verschiedenen Fonds kontrolliert wurden. Ich war Ministerpräsident, als die Kapitalsteuer eingeführt wurde. Ich habe kein Recht, Urkunden zu veröffentlichen, die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind; wohl habe ich das Recht zu sagen, daß diese Entschädigung, die ohne Vorgang in der ganzen Geschichte ist, absolut unerklärlich ist.»

Da außerdem in einem Konkordat der Katholizismus Staatsreligion, die Scheidung unmöglich, der Religionsunterricht obligatorisch und alle antikirchliche Aufklärung verboten wurde, ja der Staat sich verpflichtete, seine ganze Gesetzgebung mit dem kanonischen Recht abzustimmen, war die Kapitulation des Faschismus nahezu vollkommen und die geistige Unabhängigkeit Italiens abgeschafft. Die Kurie triumphierte. Nicht nur fanden in allen größeren Städten Italiens im Beisein prominenter Prälaten, Parteiführer und Militärs besonders feierliche Gottesdienste statt, bei denen die Bischöfe Mussolini und den Papst verherrlichten, sondern dieser selbst rühmte am 13. Februar 1929 Mussolini wieder einmal als den Mann, «den uns die Vorsehung gesandt hat».

Kein Wunder, wenn die gesamte katholische Welt jubelte, nicht zuletzt das gläubige Deutschland, wo die katholische Presse die Verbrüderung von Vatikan und Faschismus als die «Stunde Gottes» pries, als «das größte und glücklichste Ereignis, das die Weltgeschichte seit einem Jahrhundert erlebt» hat, und Mussolini den Zerschneider des gordischen Knotens nannte, – das «Feuer des guten Willens», den «Genius der Politik» und dergleichen mehr. Auch Adolf Hitler, der damals geradezu seherisch die Zeit nahen fühlte, «da der Papst es begrüßen wird, wenn die Kirche vor den Parteien des Zentrums durch den Nationalsozialismus dereinst in Schutz genommen werden wird», schien nicht minder glücklich als sein späterer Gefolgsmann Kardinal Faulhaber, der die Verträge als «Gottestat» feierte, oder der Oberbürgermeister von Köln, Konrad Adenauer, der Mussolini in einem Glückwunschtelegramm versicherte, sein Name werde in goldenen Buchstaben in die Geschichte der katholischen Kirche eingetragen.

[…]

Überfall auf Abessinien
Seit 1933 hatte Mussolini den Überfall heimlich vorbereitet; wie Hitler, wollte auch er «Raum». Zwar war die Raumnot keineswegs sehr groß, gab es doch in Italien noch sehr viel unbebautes Land, das aber den Großgrundbesitzern und der Kirche gehörte – mit beiden durften es die Faschisten nicht verderben. So führte man den Krieg gleichsam als eine Art «Agrarreform».

Während fast die ganze Welt die Aggression verdammte, unterstützte die katholische Kirche, besonders der hohe italienische Klerus, Mussolini. Selbst ein katholischer Autor gestand später: «Die gesamte Welt verdammte Mussolini, ausgenommen der Papst.» Am 27. August 1935, als die Kriegsvorbereitungen in Italien auf Hochtouren liefen, belehrte Pius Xl. (eingeflochten in viele Aufrufe zum Frieden) die Gläubigen und die Welt, ein Verteidigungskrieg zum Zwecke der Expansion einer wachsenden Bevölkerung könne gerecht und richtig sein. Ganz logisch erschlossen die katholischen Zeitungen aus dieser Papstrede ein «Naturrecht» Italiens auf den Krieg, «ein Anrecht», um mit der katholischen Wiener «Reichspost» zu sprechen, «auf die Durchführung einer abessinischen Expansion». Und die vatikanische Jesuitenzeitschrift Civiltà Cattolica, eine der bedeutendsten Zeitschriften der Kirche und seit über hundert Jahren gleichsam die offizielle Stimme der «Gesellschaft Jesu», kam zu dem Schluß, daß die katholische Moraltheologie durchaus nicht jede gewaltsame Wirtschaftsausdehnung verurteile. Vielmehr dürfe ein Staat, der seine Hilfsmittel erschöpft und alle friedlichen Wege versucht habe, sich im Falle äußerster Not «durch gewaltsame Eroberung sein Recht nehmen».

Nur wenige Tage nach der Papstrede, vier Wochen vor Kriegsausbruch, feierte der Kardinallegat beim nationalen Eucharistischen Kongreß Mussolini wieder als den «Mann der Vorsehung», und neunzehn Erzbischöfe und 57 Bischöfe sandten ihm ein im Osservatore Romano veröffentlichtes Telegramm, worin es heißt: «Das katholische Italien betet für die wachsende Größe seines geliebten Vaterlandes, das durch Ihre Regierung einiger denn je ist.» Während freilich das Volk durchaus nicht die Kriegsbegeisterung der hohen faschistischen und kirchlichen Führer teilte, förderten nach der Untersuchung eines amerikanischen Gelehrten der Harvard Universität wenigstens sieben italienische Kardinäle, 29 Erzbischöfe und 61 Bischöfe den faschistischen Überfall sofort, unter ihnen auch der Kardinalstaatssekretär. «Pacelli», so schrieb am 3. März 1939 Graf du Moulin, Leiter des Referates für Angelegenheiten des Vatikans im deutschen Auswärtigen Amt, «ist stets für ein gutes Verhältnis zu Mussolini und zum faschistischen Italien eingetreten. Insbesondere hat er im Abessinien-Konflikt die nationale Haltung des italienischen Klerus gefördert und unterstützt».

[…]
Der Erzbischof von Mailand, Kardinal Schuster, einer der wildesten Faschisten, dessen Seligsprechungsprozeß man unter Pius XII. betrieb, segnete die ausrückenden Truppen vor der Mailänder Kathedrale, verglich Mussolini mit Cäsar, Augustus und Konstantin, belehrte die Schuljugend, durch das Werk des Duce habe «Gott vom Himmel geantwortet», und erklärte: «Angesichts der schicksalhaften Verbundenheit Italiens und des Vatikans kommt den Italienern der Ehrentitel «Mitarbeiter und Gehilfen Gottes» zu. Wir arbeiten mit Gott zusammen in dieser nationalen und katholischen Mission des Guten, vor allem in diesem Augenblick, in dem auf den Schlachtfeldern Äthiopiens die Fahne Italiens im Triumph das Kreuz Christi vorwärts trägt … Friede und göttlicher Schutz dem tapferen Heer, das um den Preis des Blutes die Tore Äthiopiens dem katholischen Glauben und der römischen Kultur öffnet!»

Der Kardinalerzbischof von Neapel, Ascalesi, wallfahrtete von Pompeji nach Neapel mit dem Bild der Gottesmutter, wobei Militärmaschinen Flugblätter warfen, die die Heilige Jungfrau, den Faschismus und den abessinischen Krieg im selben Satz verherrlichten.

Man sandte Madonnenbilder sogar nach Afrika, wie die «Madonnina d’Oltremare» – ihr schrieb man wunderwirkende Eigenschaften zu. Nach Einsegnung durch den militärischen Generalvikar Rusticoni und den Kardinal von Neapel wurde sie in Begleitung prominenter Faschisten an Bord des «Conte Grande» gebracht. Mit anderen Schiffen schickte man Kanonen und Giftgas, und die halbnackten Abessinier, die weder Gasmasken noch Schutzräume hatten, fielen ahnungslos den katholischen Kulturbringern zum Opfer. Nach der sogenannten Schlacht von Amba Aradam zählte ein italienischer Hauptmann mehr als 16 000 hingemähte «Feinde». Sie lagen dort, wo das aus der Luft verspritzte, hautverbrennende und lungenzerreißende Gas sie erreicht hatte, und wurden alle, tot oder halbtot, auf dem hygienischsten Weg durch Flammenwerfer beseitigt.

Mitten im Krieg hielt Kardinalstaatssekretär Pacelli einen Vortrag über «Roms heilige Bestimmung», wobei er mit «Worten hoher Anerkennung» bei den Lateranverträgen verweilte und überhaupt «einen ungewöhnlich augenfälligen Beweis von dem Wunsch nach vatikanisch-italienischer Solidarität» gab.

[…]

Mit Treue und frommer Begeisterung stand der italienische Klerus, zumal der hohe, zu den Faschisten auch bei Eintritt Italiens in den Zweiten Weltkrieg. Der Episkopat sprach bei der Kriegserklärung am 10. Juni 1940 sogleich von einem heiligen Krieg und sandte Mussolini und dem König eine Grußbotschaft.

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http://www.deschner.info/index.htm?/de/werk/11/leseprobe.htm

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Zum Schweigen des Papstes über den Holocaust hat Rolf Hochhuth ein Theaterstück, ein „christliches Trauerspiel“ geschrieben. Der Papst wusste ja genau Bescheid darüber, weil er jahrelang Nuntius in Berlin war. Er hat auch Hitler immer wieder gelobt. Ist ja klar, ein Faschist lobt den anderen.

Zu Pius XII und seinem Schweigen:

„Durfte der Vorgänger Papst Johannes XXIII. schweigen zur planmäßigen Ausrottung der europäischen Juden durch Hitlerdeutschland? Zu Auschwitz? Seit Rolf Hochhuth zum erstenmal diese Frage aufwarf, kam sie nie mehr zur Ruhe. Sein Drama, 1963 durch Erwin Piscator in Berlin uraufgeführt, wurde seither in über 25 Ländern gespielt.“

https://www.amazon.de/Stellvertreter-Ein-christliches-Trauerspiel/dp/3499109972

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Gruß Hubert

 

Wie die biblischen Familienideale unser Denken und Fühlen bis heute bestimmen   Leave a comment

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Das konservativ-christliche Familienbild ist nicht gerade eines was ein spannendes Familien- noch weniger Sex-Leben verspricht. Kein Wunder dass es Bordelle gibt. Sehr viele Christen sind sich auch nicht der vielen Widersprüche bewusst, die vor allem aus der „unbefleckten Jungfrau“ Maria, der sexlosen christlichen Übermutter, resultieren. Das Kind stammt nicht vom Vater wie Christen wissen sollten, sofern sie überhaupt darüber nachgedacht haben. An die Stelle eines nominellen Vaters tritt ein ferner Urheber, wobei man nicht mal weiß welchen Geschlechtes der Heilige Geist sein soll. Der, das oder die sollte ja an die Stelle des Zeugers getreten sein. Wobei Jungfrau ein Übersetzungsfehler war, richtig war junge Frau.  Aber genug des Unsinns. Wer einen Kopf hat und ihn zum denken benützt, möge denken oder weiterhin blind glauben.

Nun zum Artikel der ZEIT über biblische Familienideale.

Warum Familie ein Problem ist? Zunächst aus praktischen Gründen: Das Familienleben ist ortsgebunden, also lokal. Das Arbeitsleben hingegen wird immer mobiler, nicht selten global. Beides in Einklang zu bringen stellt eine große lebenspraktische Herausforderung dar und verschärft einmal mehr den Rollenkonflikt der Frauen: zwischen dem Wunsch, eine gute Mutter zu sein, und dem Anspruch auf ein erfülltes Arbeitsleben.

Ein typisch deutsches Problem ist unser traditionelles Mutterbild, das heute zwar nicht mehr als offene Ideologie vertreten wird, vielleicht nicht einmal in entlegenen bayerischen Gemeinden. Aber das alte Vorbild wirkt in der Tiefe nach, als diffuses Ungenügen. Es hat sich gewissermaßen in den Körpern abgelagert. Wenn eine berufstätige Mutter eine Woche verreist, fühlt sie sich unwohl. Ein Luxusproblem? Ganz sicher eines der Mittel- und Oberschichtfamilien. Deren Familienleben funktioniert oft nur, weil dritte Personen im Haushalt helfen und bestimmte Pflegefunktionen übernehmen. Oft sind das Frauen, die wiederum ihre Familien in Polen, der Ukraine oder Spanien zurücklassen. Das Gleiche gilt für die USA, wo es mexikanische Dienstboten und Kindermädchen sind, die wohlsituierte Familien zusammenhalten.

Manche Soziologen glauben, die globalisierte Arbeitswelt und damit der Kapitalismus sei ein Feind der Familie. Historisch gesehen, hat der Kapitalismus aber die bürgerliche Kleinfamilie, wie wir sie kennen, erst hervorgebracht. Sie ist ein Produkt moderner, urbaner, marktwirtschaftlicher Gesellschaften, in denen die Trennung von Wohnung und Arbeitsplatz typisch ist, ebenso wie die Rollenteilung zwischen den Geschlechtern. Seit dem 18. Jahrhundert schrumpft die Familie auf ihren biologisch definierten Kern, ohne Dienstpersonal und entfernte Verwandte, die früher im Haushalt lebten. Familie heute ist eine amputierte soziale Einheit, herausgeschnitten aus dem Gefüge der Sippe.

Ist die Familie in der Krise? Glaubt man dem westlichen Familiendiskurs, war sie es immer. Alle Klagen über den Zustand der Familie sind nostalgisch, indem sie von einer Zeit erzählen, als die Familie noch heil gewesen sei. Aber war sie das je?

In der Literaturgeschichte geht es fast ausschließlich um zerbrochene oder gefährdete Familien. In der deutschen Tradition beginnt das beim bürgerlichen Trauerspiel und hat Folgen noch für die heutige Alltagssentimentalität: Sie sehnt sich immer nach dem, was früher angeblich besser war. Vor allem zu Weihnachten. Das Fest von früher und die Familie von gestern waren angeblich heil. Enttäuschungen am Heiligen Abend sind programmiert – Familienkrisen, Gewalttaten, sogar Suizide.

Wo ist der große Familienroman, der kein Katastrophenroman wäre? Die kanonisierte Literatur mag eine gewisse Neigung zu apokalyptischen Szenarien haben, aber es ist schon interessant, dass die glückliche Familie letztlich ein Fall für sentimentale Zeitschriften bleibt – sei es die Gartenlaube des 19. Jahrhunderts oder die Landlust heute. Die glückliche Familie, so scheint es, ist ein triviales Objekt.

Tatsächlich spielen sich in der Familie sämtliche Konflikte einer Gesellschaft im Kleinen ab – und zwar ins Höchstpersönliche gewendet: das Geschlechterverhältnis, das Verhältnis von Ökonomie und Gefühlswelt. Wir aber reden nur über die Vater-Mutter-Kinder-Konstellation. Die ist eine Fiktion. Anstelle von früheren Haushälterinnen, Tischgästen, Verwandten gibt es heute Kindergärten und Babysitter, auch die Großeltern rücken in eine Schlüsselfunktion. Je mehr die Isolation der Kleinfamilie wächst, desto mehr spielt bei der Wohnortwahl die Entfernung zu den Großeltern eine Rolle. Sie werden aber, genau wie all die anderen zusätzlichen Figuren, die heute Familien ergänzen und funktionsfähig halten, in der Familiendebatte kaum erwähnt. Sie passen nicht in das sentimentale Schema von Familie.

Das Ideal von der heilen Familie hat religiöse Wurzeln. Es ist durch die christliche Heilige Familie geprägt. Dabei war ausgerechnet sie ziemlich unheil, eigentlich eine Patchworkfamilie: das Jesuskind stammt nicht von Josef, die Geschwister Jesu sind Stiefgeschwister, die Familie ist eine Flüchtlingsfamilie. Man könnte sie sogar als die erste Samenspenderfamilie der Geschichte bezeichnen: An die Seite des nominellen Vaters tritt ein ferner Urheber. Doch im kulturellen Gedächtnis Europas blieb etwas anderes haften – die Andachtsbilder Marias mit dem Jesuskind.

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Wie die biblischen Familienideale unser Denken und Fühlen bis heute bestimmen

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Das Christentum ist eine Sohnesreligion. Die Tochterposition ist nicht vorgesehen. Überhaupt sind die Verwandtschaftsverhältnisse der christlichen Urfamilie kompliziert. Denn durch die Verbindung mit der Dreieinigkeit besetzt Maria mehrere nicht miteinander vereinbare Positionen. Sie ist die Braut Gottes, aber auch die Braut ihres Sohnes, mütterlich mit ihm vereint. Und sie steht für ein unerreichbares Rollenmodell: als Mutter und Jungfrau erfüllt sie zwei patriarchale Imperative gleichzeitig: keusch sein und Mutter sein. In sexuellen Dingen unerfahren, aber liebend ein Kind umarmend. Ein unerreichbares Vorbild, das die Geschichte Europas prägte: als Ideal der tugendhaften Frau und reinen Mutter, die gar nicht weiß, was Sex ist.

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Das politisch brisanteste Erbe der Heiligen Familie besteht in der Spaltung der Vaterfunktion zwischen dem transzendenten Vater im Himmel und dem sozialen Vater vor Ort. Am Beispiel Josefs wird sichtbar, wie patriarchale Kulturen die Macht des sozialen Vaters einschränken. Er muss mit der Tatsache leben, dass die Anbetung, die Liebe, die Hingabe der Frau nicht ihm gilt, sondern dem Kind und dessen Zugehörigkeit zu einem abstrakten Vaterprinzip namens Gott. Seine Rolle erschöpft sich darin, irdischer Statthalter einer höheren väterlichen Macht zu sein.

Man könnte sagen, dass das Verhältnis der Familie zum säkularen Staat in mancher Hinsicht das Verhältnis der Heiligen Familie zu Gott nachbildet. Der soziale Vater ist für die Alimentation, die Fürsorge zuständig, aber die höhere Vaterinstanz greift tief in die Familie hinein. Der römische Vater war einst Herr über Leben und Tod seiner Kinder, das sind Väter heute nicht mehr, im Gegenteil. Sie müssen sich immer wieder arrangieren mit Mutter und Staat, ihre Macht ist stark einschränkt. Der Staat will nicht mehr die große Verwandtschaft, die mächtigen Häupter von Sippen und Clans, sondern den Vater, der Mutter und Kind versorgt. Das Funktionsgeheimnis des modernen Patriarchats besteht gerade in der Beschneidung der Willkür der Männer.

In der Scheidungs- und Sorgerechtsdiskussion ist die Rolle des Vaters neuerdings wieder gestärkt worden, aber im Prinzip bleibt er schwach: Er muss sich im Fall von Trennung den Zugang zum Kind erstreiten, muss sich den Gerichten oder gar der Fürsorge unterwerfen. Die Mutter-Kind-Einheit wird staatlich geschützt, die Vaterposition beschnitten und reglementiert. An die Stelle des Gottvaters tritt gewissermaßen eine andere spirituelle Konstruktion: der Schutz der Familien durch staatliche Institutionen, Rechtsregeln und Gesetze.

Und wo bleibt die Liebe? Eine erotische, romantische Liebe zwischen Erwachsenen ist im Bild der Maria, der andächtigen Mutter, die das Kind in ihrem Schoß wiegt, nicht vorgesehen. Josef hält die Laterne und steht sorgsam und zärtlich daneben. Ganz selten findet man Bilder, auf denen Josef das Kind im Arm hat. Ansonsten ist dieser Josef eine von Lächerlichkeit bedrohte und unwichtige Nebenfigur. Maria bleibt bei Jesus bis zu dessen Tod, während Josef in den Evangelien später keine Erwähnung mehr findet. Er scheint schlicht vergessen zu werden.

 

Die Bestimmung der Familie liegt in der Reproduktion, damals wie heute. Sie brachte dem Staat neue Bürger und dem Militär neue Soldaten, heute schafft sie dem Staat Steuerzahler. Deshalb gilt schnell als Hedonist, wer keine Kinder bekommt. Früher sollte die Ehe die wilde Sexualität einfangen und sublimieren. Lange hat man nicht geglaubt, dass Ehe und Liebe überhaupt miteinander kompatibel sind, erst im 18. Jahrhundert werden sie in Europa zusammen gedacht. Und noch heute dient die Ehe idealiter einer keuschen Alchemie, der chemischen Umwandlung unsteter Lüste in beständige Liebe.

Dafür steht Maria. Sie hat keine Sehnsüchte, keine Träume, sie geht auf in der Fürsorge für das Kind. Früher galt dies als Lebenszweck jeder Frau. Inzwischen sind Ehen häufig zu Lebensabschnittspartnerschaften geworden, sodass immer wieder Phasen im Leben vorkommen, in denen die Erwachsenen eine erwachsene Liebe suchen und auf den freien Markt der Partnerwahl zurückkehren. So ist heute nicht mehr das ganze Erwachsenenleben in einer Ehe „begraben“ oder „aufgehoben“ wie früher. Ehe ist nicht mehr lebenslang und nicht mehr unbedingt auf zwei Beteiligte beschränkt. In Nordamerika wird bereits diskutiert, ob die Ehe ein Bund zwischen nur zwei Personen bleiben muss. Warum nicht zwischen einem Mann und mehreren Frauen? Oder einer Frau und mehreren Männern? So kommt das ganze Normengefüge um den Begriff der Ehe ins Rutschen. Wir haben uns aus den Zwängen der bürgerlichen Vorstellung von Ehe befreit, und zu unseren kulturellen Errungenschaften gehört etwa die Überwindung von Homophobie. Heute dürfen Lesben und Schwule Kinder haben. Es ist eine gewaltige Freiheitsbewegung.

Hier weiterlesen:

http://www.zeit.de/2015/42/familie-ideale-tradition-moderne-mutterbild/seite-2

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Gruß Hubert

 

Martinigans & und andere Gänse   Leave a comment

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Wie mich das doch nervt, wenn bei christlichen Bräuchen immer wieder Tiere dran glauben müssen. Was gehen denn den Tieren die Religion und die Kirche an? Heute ist wieder die „Martinigans“ dran, besonders in Österreich ist das „Martinigansl“ weit verbreitet. Aber nach christlicher Lehre sind ja die Tiere zu unserem Verzehr da – und da sie sowieso keine Seele haben… Macht euch also die Erde untertan – und besonders die Tiere.

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Die Entstehung des Metzger-Berufes aus dem Priestertum des Alten Testaments

Warum töten Menschen überhaupt – teilweise nach schrecklichen Quälereien – Tiere, um dann ihre Leiche aufzuessen? Und das vor allem an kirchlichen Feiertagen wie Weihnachten, dem Fest der Liebe? Die Wurzeln für dieses Hinrichtungs- und Essverhalten liegen in der Religion. Einst wurden dem angeblich zornigen Gott Tieropfer dargebracht, um ihn damit angeblich zu besänftigen – sei es im vom Priestern beherrschten Judentum – unter dem massiven Protest der jüdischen Propheten – oder in antiken heidnischen Götzenkulten.

Daraus sind dann der Katholizismus und später der Protestantismus hervor gegangen und weitere Konfessionen. Der Priester in der Bibel war einst gleichzeitig der Schlächter und er brachte das Tier auf dem Altar mit dem Messer um und weidete es anschließend aus. Einen Teil des Fleisches bekam dann der betreffende Gott, nämlich den Teil, den man auf dem Altar verbrannte. Einen zweiten Teil bekamen die Priester und einen dritten Teil derjenige, der das Opfertier bezahlte und dem Priester zur Schlachtung überreichte.

In der Bibel der Kirchen heißt es an 22 Stellen, der Rauch des verbrennenden Tieres sei der „beruhigende Duft“ für den „Herrn“, also angeblich für Gott (z. B. 1. Mose 8, 21; 2. Mose 29,18; 4. Mose 28, 2). Oder es heißt, dieser ätzende Qualm des Kadavers des exekutierten Tieres sei der „liebliche Geruch“ oder der „süße Geruch“ für diesen Gott, so der Wortlaut anderer Übersetzungen. Und der gläubige Mensch solle sich nun vorstellen, wie er durch den versengenden Tierkörper mit Gott und dem Priester verbunden ist. Bei „Gott“ soll sich währenddessen Sein Zorn sozusagen in Rauch auflösen, der Priester erhält einen weiteren Teil des Fleisches als Metzger- und Segenslohn, und für den Gläubigen gibt es den Rest des Bratens zum Festgenuss. Einen weltlichen Beruf des Metzgers oder Schlächters gab es früher im so genannten Abendland und auch in vielen anderen Kulturkreisen also überhaupt nicht. Wer Fleisch essen wollte, musste zum Priester der betreffenden Religion und ein Tieropfer darbringen. Die Priester waren demzufolge in unserem Kulturkreis die ersten Metzger, und die heutigen Metzger sind nach wie vor sehr stolz, dass ihr Beruf unmittelbar auf die schlachtenden Priester des Alten Testaments zurück geht, die so genannten Leviten.

So heißt es in einem bekannten Lied der Fleischerzunft zit. nach Der Prophet Nr. 15, S. 94:

Wenn eine Innung ist, der Ruhm und Lob geziemt,
so ist’s die Fleischer-Zunft, die an sich hochberühmt,
und auch dem Ursprung nach; denn wie erwiesen worden,
entspringet sie ja selbst aus dem Leviten-Orden,
die da im alten Bund das Opfer-Vieh geschlacht’t,
so man auf dem Altar dem Höchsten dargebracht

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Zunftwappen von Schlächtern und Metzgern, sonst oft noch mit Kreuz auf der Fahne (Creative-Commons Lizenz BY-SA/2.0),de)

Auf den Fahnen der Metzgerszünfte ist bis heute das so genannte „Osterlamm“ mit so genannter Auferstehungsfahne abgebildet. Und im 17. und 18. Jahrhundert gab es z.B. in Deutschland zwei Zeiten, an denen die Tiere aus Gründen des Lärmschutzes nicht geschlachtet werden durften: In der Nacht und während der Predigt des Pfarrers. Das alles aber hat mit Gott, dem Höchsten, nicht das Geringste zu tun, es ist purer konfessionell-kannibalischer Götzenkult.

Die Schlachtungen der edlen Gänse

Bis heute gibt es vermutlich kein kirchliches Fest, an dem nicht irgendein Tier geschlachtet werden soll, meist verbunden mit Legenden und Erzählungen. Und sehr oft sind es die edlen, klugen, reinlichen und sehr sozialen Gänse, die zum Opfer der konfessionellen Tradition werden. Dazu ein weiteres Beispiel:

Seit Jahrhunderten wird alle Jahre wieder zum Gedenken an den Erzengel Michael im September am Michaelistag, dem 29. September, eine Gans geschlachtet, die so genannte „Michaelisgans“ oder „Michelgans“. Dies gilt als eine Art Erntedank-Essen und geht darauf zurück, dass der konfessionelle Bauer dazu die Knechte und Mägde einlud. Gleichzeitig wurde am Michaelistag von der Kirche und den Klöstern vielfach der „Zehnte“ eingetrieben, die frühere Kirchensteuer, und die Bauern, Pächter und Lehensempfänger zahlten oft in „Naturalien“, wie es hieß, wozu auch Gänse gehörten, die man eben zu den „Naturalien“ = Sachen zählte. Und den einfachen Leute versuchte man zu diesem Anlass weis zu machen, dass derjenige, der am Ehrentag des Erzengels Michael eine tote Gans verspeist, sich im kommenden Jahr keine Geldsorgen machen müsste.

Sechs Wochen später wird dann bereits der nächsten Gans der Hals umgedreht, dieses Mal zu Ehren des „heiligen“ Bischofs Martin. So hatte sich der angeblich Heilige im 4. Jahrhundert der Überlieferung nach in einem Gänsestall versteckt, um nicht zum Bischof der Stadt Tours in Frankreich geweiht zu werden. Doch die schnatternden Gänse hätten ihn verraten, und er wurde darauf hin doch zum Bischof geweiht. Und die traditionsgebundenen Gläubigen verzehren seither alle Jahre am Martinstag, dem 11. November, zu Ehren der kirchlichen Karriere des angeblich „Heiligen“ eine „Martinsgans“. Eine andere Legende besagt allerdings, dass schnatternde Gänse den „heiligen“ Martin beim Predigen unterbrochen hatten und aus diesem Grund seither die „Martinsgänse“ geschlachtet wurden. Warum? Weil sie die Ausübung der katholischen Religion gestört hatten? Nachgewiesen ist, dass – häufiger wie noch am Michaelistag – auch am Martinstag die Bauern der Kirche und den Klöstern für deren kirchliche Oberherrschaft den „Zehnten“ zahlen mussten und oft auch mit einer oder mehreren Gänsen bezahlten.

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Die Gänsefänger

Denn es gibt keine dumme Gans, keine blöde Kuh, kein faules Schwein, keine lahme Ente, kein blindes Huhn und derartiges mehr. Diese Redensarten sind Erfindungen einer Kultur, deren Religionsführer den Tieren die unsterbliche Seele absprechen und die sie zum Geldverdienen und zum Genuss wie Sachen behandeln. Welche Eigenschaft müsste man demzufolge dem Erfinder dieser Redensarten zusprechen?

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Wir stellen dazu abschließend die Frage, wie es überhaupt zu der falschen Redensart der „dummen Gans“ gekommen ist. Man weiß es nicht. Doch vielleicht, so die Überlegungen, geht sie auf die Tricks der Gänsefänger zurück, die vor allem in den Niederlanden im Winter Jahrhunderte lang Teil der „Tradition“ waren, wenn die Gänse aus dem Norden ihre Überwinterungsgebiete in südlicheren Gebieten aufsuchen wollten. Dabei wurde das außergewöhnlich soziale Verhalten der Gänse vom Jäger brutalst missbraucht:

Die skrupellosen Menschen nahmen dabei zahme männliche Hausgänse als Lockvögel und banden sie neben einer großen Schlagnetzfalle fest. In einen Stall daneben wurden die weiblichen Tiere und der Nachwuchs gesteckt. Kamen Wildgänse in die Nähe geflogen, ließ der Gänsefänger die weiblichen Gänse und die Junggänse kurzzeitig aus dem Stall hinaus ins Freie laufen. Diese bewegten sich dann fröhlich schnatternd auf die festgebundenen männlichen Gänse zu, weil sie sich freuten, sich wieder sehen zu können. Die Wildgänse am Himmel bekamen dieses Geschehen am Boden nun mit und wurden von dem freudigen Schnattern angesteckt. Außerdem vermuteten sie, dass es dort, wo ihre Artgenossen fröhlich sind, wohl gutes Futter gibt. Und genau darauf spekulierte der Gänsefänger und dachte sich: „Dumme Gans“.

Doch Gänse womöglich deswegen als „dumm“ zu bezeichnen, weil sie nicht mit dieser Hinterhältigkeit in Gottes guter Schöpfung rechnen, auch solches kann sich nur die Bestie Mensch – die kirchliche so genannte „Krone“ der Schöpfung – ausdenken.

Und so kam es dann leider: Die Wildgänse landeten, und in diesem Augenblick schlug die Falle zu. Das Fangnetz fiel über allen Gänsen zusammen. Jetzt konnte der Mensch sie einzeln aus dem Netz heraus holen und mit dem Hackebeil für St. Michaelis, für St. Martini oder für Weihnachten köpfen oder ihnen gleich mit der Hand den Hals umdrehen und ihn abreißen.
Weniger Mühe machen sich andere Gänsejäger in den so genannten Mausergebieten der Gänse, z.B. in Sommer in Sibirien. Wenn die Gänse während der Mauser für einige Tage flugunfähig sind, weil sich ihr Federkleid erneuert, werden sie einfach eingesackt; danach Kopf ab und guten Appetit. Wie lehrt doch die Kirche? Nur der Mensch sei Gottes Ebenbild und er dürfe die Tiere verspeisen oder sie für seinen anderweitigen Nutzen töten.
In der industriellen Massentierhaltung des kirchenchristlichen Abendlandes geht es noch schneller. Dort werden Gänse in Massen künstlich gezüchtet, gemästet, am Fließband geköpft und gerupft, und man muss sie gar nicht mehr aufwändig fangen.

Liebe Leserinnen, liebe Leser,
das alles ist die Tradition und noch hunderttausendfach die Gegenwart. Wollen Sie sich wirklich daran beteiligen? Guten Appetit können wir Ihnen dazu nicht wünschen. Aber wir wünschen Ihnen und uns, dass unser Gewissen immer empfindsamer wird für das Leid unserer kleinen Brüder und Schwestern, der Tiere.

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Aus katholisch.de

Bei den einen gibt es am Heiligen Abend oder ersten Weihnachtstag einen saftigen Schinkenbraten. Bei anderen brutzelt die Gans im Bräter oder wird Karpfen – gebraten oder gekocht – aufgetischt. Auch Würstchen mit Kartoffelsalat, Fondue und Raclette gehören zu den beliebtesten Weihnachtsgerichten. Warum ist das so? Und was steckt dahinter?

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Schweinebraten
Schweinebraten – BeTa-Artworks/Fotolia.com
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Nach der Christianisierung hatte sich der Schweinebraten bereits so durchgesetzt, dass er immer noch an Weihnachten auf den Tisch kam. Damals war es Brauch, zwölf geschmorte Äpfel rund um den Braten herum zu legen – ein Apfel für jeden Apostel.

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Gans
Gans – foodinaire/Fotolia.com
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Gans

Mit dem Fleisch der Schlachttiere – vor allem auch der Gänse – wurden früher an Sankt Martin, dem alten Zins- und Zahltag, die zum Winter entlassenen Dienstboten bezahlt und Schulden beglichen.

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http://www.katholisch.de/aktuelles/aktuelle-artikel/schinken-gans-und-co

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Martinigans & und andere Gänse

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Schlimme Zeiten für die Tiere … und die tierfreundlichen Menschen

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…der evangelische Theologe Sebastian Moll gibt zu: „Auf mehreren Konzilien der Kirche wurden Vegetarier tatsächlich verurteilt“ (Jesus war kein Vegetarier, München 2011, S. 36). Es sollte jedoch nicht bei Berufsverboten bleiben. Anscheinend diente dieses Dekret von Ancyra ca. 250 Jahre später Papst Johannes III. als Vorlage, als er auf der 1. Synode von Braga in Portugal im Jahr 561 vierzehn Bannflüche formulierte, die heute noch gültig sind: Der 14. Bannfluch verurteilte dabei nicht nur den vegetarisch lebenden Priester, sondern jeden Vegetarier:
„Wer die Fleischspeisen, die Gott zum Gebrauch der Menschen verliehen hat, für unrein hält und … sich ihrer so enthält, dass er nicht einmal von Gemüse, das mit Fleisch gekocht wurde, kostet, … der sei mit dem Anathema belegt“ (Heinrich Denzinger, Kompendium der Glaubensbekenntnisse und kirchlichen Lehrentscheidungen, Herausgeber: Peter Hünermann, 42. Auflage, Freiburg 2009, Lehrsatz Nr. 464; dies ist eine der beiden heute noch gültigen Verfluchungen; die andere siehe hier).
Und Anathema = angebliche ewige Verdammnis, das bedeutete auch, dass der „Ketzer“ „vogelfrei“ war und ohne Bestrafung getötet werden konnte. Offenbar war dies eine Art „Rechtgläubigkeitstest“, dass man Gemüse in Fleischbrühe kochte und dann von dem Verdächtigten verlangte, dies zu essen.

http://www.theologe.de/theologe7.htm

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„Hatte nicht schon der junge Theologieprofessor Ratzinger, damals also noch nicht Bischof, Kardinal oder Papst, in seinen Vorlesungen vor seinen Theologiestudenten getönt, es könne dem Reh oder Hasen gar nichts Besseres passieren, als geschossen zu werden und auf dem Teller des Menschen zu landen, denn damit erfülle das Tier seine Bestimmung, die der Schöpfergott ihm zugeteilt habe.“

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reh_im_rapsBild: Wikipedia

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(Der ehemalige katholische Theologieprofessor Hubertus Mynarek in: Papst ohne Heiligenschein, Sonderdruck, Odernheim 2006, S. 4)

http://www.theologe.de/theologe7.htm#Bann_und_Tod

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Gruß Hubert

 

Veröffentlicht 11. November 2016 von hubwen in Kirchenkritik, Uncategorized

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