Archiv für April 2016

Fehlt etwas, wenn man an gar nichts glaubt?   Leave a comment

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Oft wird gesagt an etwas muss man doch glauben. Die meisten Menschen meinen damit, man müsse an etwas Höheres glauben, an einen Gott. Es geht aber auch ohne.

 

Ich glaube nicht an Götter, nicht an den Osterhasen, nicht an die Wunderheilung, nicht an die Zahnfee. Da könnt ich doch auch gleich an das Fliegende Spaghettimonster glauben!

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Fehlt etwas, wenn man an gar nichts glaubt?

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„Fehlt dir in dieser ohnehin zu rationalen Welt nicht etwas, wenn du an gar nichts glaubst?“, werde ich immer mal wieder gefragt. Ja, fehlt mir denn etwas? Ist unsere Welt überhaupt zu rational? Und warum wird das Glauben derartig glorifiziert, während das Wissen als überheblicher Schnösel daherkommt?

Menschen die von einer überrationalisierten Welt sprechen, meinen, bei genauerem Betrachten, in Wirklichkeit oft die schnell voranschreitende Technologisierung oder den Kapitalismus. Denn wenn die Hälfte aller Deutschen und Österreicher meint, Bachblütentherapie und Heilpraktiker wären eine Alternative zur evidenzbasierten Medizin, wenn eine nicht gerade kleine Minderheit annimmt, mit dem Jenseits Kontakt aufnehmen zu können, wenn Homöopathen mit Globuli ausgestattet den Kampf gegen Ebola aufnehmen wollen, und wenn Politiker mit rechter Gesinnung eine Chemtrail-Gefahr propagieren, dann zeigt das auf, wie wenig rational unsere Gesellschaft im Allgemeinen denkt und handelt.

Ideologien und Irrationalismen sind in der bürgerlichen Gesellschaft Teil des alltäglichen Bewusstseins. Die Wirklichkeit des Möglichen regiert das Denken der Menschen, doch im Abschätzen von Wahrscheinlichkeiten ist der Mensch bekanntlich nicht gut. Es liegt in unserer Natur, hohe Wahrscheinlichkeiten zu unterschätzen und niedrige Wahrscheinlichkeiten zu überschätzen.

Die Welt ist oft nicht so, wie es die Menschen gerne hätten. Das Leben ist unsicher, da es nicht vorhersehbar ist. Zudem ist es oft unschön und ungerecht. Der Rationale nimmt es an, weil so manch persönliches Schicksal eben ist wie es ist. Der Religiöse versucht sich selbst durch Beten und Buße aus seiner vermeintlich selbst verschuldeten Misere zu führen, und der Esoteriker bedient sich allerlei kruder Hilfsmittel, die von positivem Denken bis zum Energietanz reichen. Dabei sollte man annehmen, idealistische Theorien müssten sich zwangsläufig in unserer Gesellschaft blamieren, tun sie aber nicht. Was sich  nicht durchsetzen kann, wird regelmäßig durch eine neue Spinnerei ersetzt.

Sich dem religiösen und esoterischen Glauben hinzugeben erfordert das Ausblenden der Vernunft des Bestehenden. Die Welt muss nicht zwingendermaßen erkannt und erforscht werden. Vielmehr soll sie gefühlt und intuitiv durchschaut werden. Evolution und Naturgesetze sind Widersprüche, die überwunden werden können, denn Ideologien beziehen sich auf den Schein der Dinge und nicht auf Gesetzmäßigkeiten. Ein „Es ist eben so wie es ist“, reicht als Erklärung nicht aus, demnach müssen höhere, machtvollere, leicht erklärbare mystifizierbare Gesetzmäßigkeiten kreiert werden.

Das idealistische Glaubensbild ist also die Strategie, sich ein Stück aus der gegenwärtigen Misere zu retten und sich vor der zukünftigen zu schützen. Es setzt dem Ist-Zustand sein rosa, glitzer Idealbild und den Zutritt zum Himmelsparadies entgegen. Die esoterische Ideologie, in der jeder seines Glückes Schmied sei, verleiht dem Menschen das Gefühl von Macht, von Selbstbestimmtheit und auch von Individualität und einer Ganzheitlichkeit die nach Bedarf mit beliebigen Inhalten gefüllt werden kann, während Religionen, in denen der Schmied erst durch ausreichend beten milde gestimmt werden muss, zunehmend ausdienen.

Da die Realität nicht umgeschmissen werden kann, müssen sich kosmische Entität, Gotteskräfte und höhere Wahrheit im sicheren Umfeld betten. Denn es kann ungemütlich werden, wenn Wissenschaft und Logik daran rütteln und auf die Zusammenhänge von Kapitalismus und Machtspielen, die mit Ideologien einhergehen, aufmerksam machen. Umgekehrt ist es so, dass der Irrationalismus für die Rationalität keine ernstzunehmende Bedrohung darstellt, denn irrationale Thesen lassen sich widerlegen, solange unsere erarbeiteten, rationale Maßstäbe nicht von einer ideologisierten, glaubensgeprägten Beliebigkeit untergraben werden.

Wer von Gott, von höheren Mächten – dem Absoluten – spricht, spricht von allem, von nichts bestimmtem, damit von Nichts. Das mächtigste, höchste, allgemeinste Prinzip entpuppt sich als leeres Gerede.

Nein, es fehlt mir nicht an diesem beliebigen Nichts. Ich möchte die Dinge wissen, möchte eins sein mit der Natur , nicht spirituell, sondern durch das Verstehen  ihrer rationalen und zugleich wunderbaren Gesetzmäßigkeiten. Sie sind meine Grundlage und meine Orientierung, die keine X-beliebige, austauschbare Weltanschauung ins Schwanken bringen kann. Die Naturgesetze sind meine Himmel und meine Erde, das “Mehr dazwischen” – von dem oft sinnentleert gefloskelt wird –  sind die schönen, greifbaren Dinge, die diese Gesetze hervorgebracht haben: Liebe, Erotik, Kunst, Poesie, Phantasie, Schönheit, Duft.

von Andrea Walter

Andrea Walter ist eine Bloggerin, freie Autorin, Sozialarbeiterin,  Humanistin und Initiatorin von „Kein Gewerbeschein für Humbug“.

Blog: https://andreawalterblog.wordpress.com/
Facebook: Initiative „Wissenschaft als Maßstab – kein Gewerbeschein für Humbug“

Hier geht’s zum Originalartikel…

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Fehlt etwas, wenn man an gar nichts glaubt?

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Gruß Hubert

 

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Veröffentlicht 30. April 2016 von hubwen in Religionskritik, Uncategorized

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Verbot religiöser Tierschlachtungen ohne Betäubung in Dänemark: Warum „halal“ illegal sein sollte   Leave a comment

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Es ist höchste Zeit, wenn immer wieder ein Land nachzieht und das religiöse Schlachten von Tieren verbietet, wie das mulsimische  „halal“ und  jüdische „koscher“ genannte Schlachten ohne Betäubung. Es zeigt wieder einmal wieviel Leid und Unglück von Religionen für Mensch und Tier ausgeht. Ohne Religionen wäre die Welt besser dran. Religion IST die größte Manifestation von Unwissenheit und Wunschdenken, ich habe lange nachgedacht und nichts gefunden, dass dem das Wasser reicht (schreibt Mario Gruber).

In Dänemark wurde diese Woche ein Verbot beschlossen, das Schlachtungen von Tieren nach den mulsimischen und jüdischen Traditionen „halal“ und „koscher“ ohne Betäubung verbietet. Ähnliche Gesetze wurden bereits in Norwegen, der Schweiz, Polen und Schweden eingeführt – und mit weiteren Ländern kann gerechnet werden.

 

Verbot religiöser Tierschlachtungen ohne Betäubung in Dänemark: Warum "halal" illegal sein sollte

Halal Schlachtung

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Dänemarks Landwirtschaftsminister Dan Jorgensen begründete die Gesetzesänderungen diese Woche damit, dass „die Rechte der Tiere Vorrang vor Religion haben“, und kündigte an, dass religiöse Schlachtungstraditionen sich künftig anpassen müssen. Aus säkularer, humanistischer Sicht ein weiterer Erfolg und Meilenstein unserer Gesellschaft – man kann nur darauf hoffen, dass sich weitere Länder bald anschließen. Trotz internationaler Kritik an der Gesetzesänderung, darunter EU Kommissar für Gesundheit Toni Borg, meinten Vertreter beider Religionen, dass sich kaum etwas ändern würde – die Einschränkungen wären mit den Praktiken zu vereinen.

Vor ein paar Jahren war ich selbst Zeuge der muslimischen Schlachtungsmethode in einem Dorf in Malaysia. In einer Art Zeremonie versammelten sich Moslems um eine Kuh, verbanden ihr die Beine und brachten sie zu Boden. Der Hals der Kuh wurde anschließend über ein Loch im Boden platziert, ihr Blick nach Mekka gerichtet. Die Menschenmenge psalmodierte im Einklang „Allah Akbar, Allah Akbar, …“ während der Imam der Kuh den Hals aufschlitzte. Ich kann mich gut daran erinnern, wie lange das Tier danach noch röchelte, natürlich mit aufgeschlitzter Kehle, überströmt von Blut und Essensresten. Den Blick der Kuh, von Anfang bis Ende der Schlachtung, war einer von Todesangst und die Schmerzen waren sicherlich auch nicht gespielt. Zugegebenermaßen aß ich anschließend ein Steak, mein Respekt vor Religion und Kultur machte mich blind in Fragen der Ethik.
Auf die Frage, ob es nicht besser wäre, dem Tier das Leid zu ersparen und es zu betäuben, antwortete der Imam, dass Allah sie aufgrund der Schlachtungsweise vor Schmerzen beschütze und sie direkt in den Himmel schicke.

(Anmerkung: unglaublich welche Geschichten oder besser Märchen da erzählt werden).

Der Glaube an das Übernatürliche leitet Menschen, die ansonsten moralisch korrekt sind, dazu, unfassbar unmoralische Taten zu begehen – im festen Glauben, dass sie damit richtig liegen. 
Während auch politische und persönliche Motive Menschen zu Gräueltaten und Fehlvorstellungen verleiten sind diese zumindest nicht realitätsfern und können durch moderne Ethik verhindert werden. Religion ist per definitionem realitätsfern – in anderen Worten, sie behauptet Dinge, die nicht der Realität entsprechen.

Wie ich bereits in einem früheren Artikel „Warum das Übernatürliche keinen Platz in der Welt hat“ schrieb, „Respekt für Kultur und Religion endet da, wo Menschen leiden“, und natürlich auch Tiere.

Die Gesetzesänderung in Dänemark und anderen Ländern ist nur zu begrüßen. Menschen und Tiere haben Rechte, Religionen nicht – und damit ist die Debatte um diese Gesetze besiegelt! 

von Mario Gruber

 

Verbot religiöser Tierschlachtungen ohne Betäubung in Dänemark: Warum „halal“ illegal sein sollte

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Gruß Hubert

 

Schläfst du, Gerechtigkeit?… – Sandor Petöfi   Leave a comment

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Auszug.
In die Weltliteratur ging Sandor Petöfi über die Dichtung ein – doch seine Dichtung stellte er nicht in den Dienst der Weltliteratur, sondern der Weltrevolution. In dem Gedicht „Die Dichter des 19. Jahrhunderts“, einer ars poetica, sieht er die wichtigste Aufgabe des Dichters darin, das Volk nach Kana zu führen, so lange bis sich der uralte Menschheitstraum der vollkommenen Gleichheit vollendet hat.

Erst dann, wenn jeder gleichberechtigt
erst dann, wenn jeder gleichermaßen
sein Teil vom Überfluß erhält,
wenn durch die Fenster aller Hütten
das Licht der Bildung Einzug fand,
erst dann ist’s Zeit für uns zu rasten,
erreicht ist das Gelobte Land.

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Was auffällt, ist: der wichtigste Vertreter der kommunistischen Idee in den Augen Petöfis, und darin erkennen wir ihn als würdigen Nachfolger Shelleys, ist nicht der Politiker, nicht der Berufsrevolutionär, sondern der Dichter. Der Dichter, schreibt er, ist eine „Fackel für den Weg“, den Gott der Menschheit vorangestellt hat. „So führt das Volk voran, ihr Dichter, / durch Feuer, Flut und Wüstensand!“, spricht er.

https://www.oppisworld.de/ungarn/ungart05.html

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Schläfst du, Gerechtigkeit?… – Sandor Petöfi

Schläfst du, Gerechtigkeit, bist du gar tot?
War dieser Mann nicht wert, daß um den Hals
ihm eine goldne Ehrenkette hing‘?
Statt dessen hängt er selbst am Henkerstrang!
Und seht, die Kette schmückt des Henkers Hals,
des Henkers, der am Strange hängen müßt‘!
Schläfst du, Gerechtigkeit, bist du gar tot?…

Sandor Petöfi

Ich denke oft darüber nach…

Ich denke oft: Mir tät’s nicht leid,
wenn irgendwann
das Weltsystem zerbricht, und dann
wie Schnee und Hagel fallen heut,
vom Himmel Sterne niederflössen
und Sternenbäche sich ergössen.

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Es fliegen unsere Hoffnungen, die schönen Vögel, hoch –
Jedoch
Wenn sie am höchsten fliegen,
In reinster Himmelsluft sich wiegen,
Wo selbst der Adler Flug bereits ein träger,
Da kommt die Wirklichkeit, der finstre Jäger,
Und schießt sie herab!

Sándor Petöfi
(1823 – 1849 (gefallen)), eigentlich Alexander Petrovics, ungarischer Schauspieler, Soldat, Student und Dichter, übersetzte u.a. Schiller und Shakespeare

Quelle: Petöfi: »Gedichte«
http://www.aphorismen.de/suche?f_autor=2951_S%C3%A1ndor+Pet%C3%B6fi

http://mek.oszk.hu/01000/01008/01008.htm#15

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Todessehnsucht

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Gebt einen Sarg mir und ein Grab

In tiefer, stiller Erde, – gebt!

Wo kein Empfinden, kein Gefühl,

Kein Herz und kein Gedanke lebt!

O du mein Kopf, du meine Brust,

Zwiefacher Fluch, der auf mir ruht!

Wozu mit Flammengeißeln selbst

Sich quälen in ohnmächt’ger Wut?

Warum sehnt dieses stolze Hirn

Gar zu den Sternen sich empor,

Wenn sein Geschick ihm rauh befiehlt:

Kriech’ auf der Erde hin, du Tor!?

Und wenn von aller Freud’ und Lust,

Von allem, was des Daseins Zier,

Nicht das Geringste mir gewährt,

Wozu ward dieses Leben mir?

Und schlägt ein Herz in meiner Brust,

Das hell im Glück zu jubeln weiß,

Was gönnst Du, Gott der Seligkeit,

Ihm nichts als einen Blick aus Eis? …

Gebt einen Sarg mir und ein Grab

In tiefer, stiller Erde, – gebt!

Wo kein Empfinden, kein Gefühl,

Kein Herz und kein Gedanke lebt! …

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(Sándor Petöfi, 1823-1849;
aus dem Ungarischen von Ignaz Schnitzer)

 

 

Veröffentlicht 29. April 2016 von hubwen in Lyrik, Uncategorized

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Paragraf 103 – Majestätsbeleidigung   Leave a comment

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Der Gauck möchte die Abschaffung des Paragrafen 103 bremsen. Einen solchen Schritt solle man in Ruhe bedenken. Merkel wollte diesen Paragraf 103 bis 2018 gestrichen sehen. Was versteht der Gauck also mit “in Ruhe bedenken” – 10 Jahre, 15 Jahre?, (dann ist er vielleicht schon nicht mehr unter den Lebenden).
Er glaubt wohl,  es wäre noch die Zeit, als die Pfaffen noch das Regiment führten und das Volk wie Würmer kuschen mussten… Diese Zeit ist zum Glück (nicht Go.. sei Da..) vorbei. Nicht vergessen darf man, dass dieser ominöse Paragraf aus dem fernen Jahr 1871 stammt und Monarchen und den Adel schützen wollte. Also höchste Zeit ihn im Müllkübel der Geschichte zu versenken. Es lebe die Volksherrschaft (wäre ja die Demokratie), nicht die Monarchie.

Warum ist der Paragraf 103 umstritten?

Der Paragraf sieht mit einer Höchststrafe von drei oder fünf Jahren Haft ein unverhältnismäßig hohes Strafmaß vor – verglichen mit dem Strafmaß für eine Beleidigung nach Paragraf 185 StGB, die für alle Bundesbürger gilt. Demnach droht eine Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder eine Geldstrafe.

Vor allem aber führen Kritiker an, dass der Paragraf 103 nicht mehr zeitgemäß sei. Tatsächlich stammt er aus dem Jahr 1871, also noch aus dem Kaiserreich, und schützte das Recht monarchischer Oberhäupter.

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/jan-boehmermann-das-besagt-der-paragraf-103-a-1087478.html

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Bundespräsident Joachim Gauck bremst in der Debatte über eine Abschaffung des Paragrafen 90, der das strafrechtliche Vorgehen bei einer Beleidigung eines Bundespräsidenten regelt.

“Vielleicht machen sich nicht alle Menschen bewusst, dass die höchste Repräsentanz einer Republik, einer Demokratie doch mindestens so viel Ehrerbietung verdient, wie es ein gekröntes Haupt verdient”, sagte Gauck in einem Deutschlandfunk-Interview, das am Sonntag gesendet werden soll. Die Rechtsordnung betone den Respekt, den man Personen schuldig sei, die eine Demokratie gestalteten und verantworteten, sagte er laut Vorabbericht vom Freitag.

http://de.reuters.com/article/deutschland-bundespr-sident-gesetz-idDEKCN0XJ1DT

 

Majestätsbeleidigung sollte nicht strafbar sein

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Ein Rechtsstreit in der Politik: Soll der Paragraf 103 gestrichen werden? Ausgelöst hat die Debatte die Affäre „Böhmermann“. Nun braucht das Strafrecht mehr Frischluft und weniger Obrigkeitsdenken.

Ein Kommentar von Jan Rübel

So einfach geht es nun wohl doch nicht: Bis 2018, hatte Kanzlerin Angela Merkel (CDU) erklärt, solle ein Paragraf aus dem Strafrecht gestrichen werden – der mit der Nummer 103 und welcher die Ahndung der Beleidigung ausländischer Staatsoberhäupter, Regierungsmitglieder oder Diplomaten vorsieht.

Die Debatten rund um die „Schmähkritik“ des Satirikers Jan Böhmermann gegen den türkischen Präsidenten Erdogan haben plötzlich einen Paragrafen nach oben gespült, den nur wenige kannten und der eher als Prüfungsaufgabe für Jura-Studierende denn für praktische Anwendung in Frage kam. Gäbe es ihn nicht, hätte die Bundesregierung in der Causa „Böhmermann“ keine Krise an der Backe gehabt. Also: Weg damit, entschied Merkel.

Wie sich Jan Böhmermann auf seinen Prozess vorbereitet, lesen Sie hier.

Doch nun regt sich Widerstand. Bundespräsident Joachim Gauck mahnte, solch einen Schritt solle man in Ruhe bedenken; das klingt nach Zweifeln. Und auch in der Union melden sich Stimmen, die dem Paragrafen mit der „Majestätsbeleidigung“ etwas abgewinnen können.

Daraus erneut eine Regierungskrise zu stricken ist Dichtung. Paragrafen des Strafrechts sind Grundpfeiler unserer Gesellschaft – soll einer hinzukommen oder wegfallen, benötigt das eine intensive und ruhig abwägende Debatte. Dass man also darüber nun, nach dem ersten Hühnerstallgehabe im Zuge des Falls „Böhmermann“, nachdenklicher herangeht und keine Schnellschüsse plant, ist vernünftig und normal. Merkel strauchelt nicht, wenn Gauck hustet.

Also: Meiner Meinung nach gibt es gute Gründe, diesen Paragrafen 103 zu streichen.

 

 

Der arme Adel

 

Seinen Ursprung hat er im Jahr 1871, damals herrschte in Deutschland ein Kaiser, und der Paragraf sollte kaiserliche Oberhäupter schützen, heißt: die Machtcliquen des nationalen wie internationalen miteinander verbandelten Adels schützen, damit sie sich weiterhin auf Kosten der Bevölkerungsmehrheiten bereichern und ausleben konnten. Die Geschichte beendete irgendwann diese Ausbeutung. Damit hätte auch dieser Paragraf enden können.

 

Tat er aber nicht. Im Wortlaut heißt er:

„Wer ein ausländisches Staatsoberhaupt oder wer mit Beziehung auf ihre Stellung ein Mitglied einer ausländischen Regierung, das sich in amtlicher Eigenschaft im Inland aufhält, oder einen im Bundesgebiet beglaubigten Leiter einer ausländischen diplomatischen Vertretung beleidigt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe, im Falle der verleumderischen Beleidigung mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren bestraft.“

Das ist eine harte Strafe – verglichen mit dem, was man für eine Beleidigung normal sterblicher Zivilisten kassiert; das ist ungefähr bis zu ein Jahr Freiheitsstrafe oder eine Geldstrafe.

Lesen Sie hier, weswegen der Paragraf 103 in der Großen Koalition derart umstritten ist.

 

https://de.nachrichten.yahoo.com/majest%C3%A4tsbeleidigung-sollte-nicht-strafbar-sein-100723395.html

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Siehe auch:

Beleidigungen von Religionen und Majestäten (in Deutschland)

https://hubwen.wordpress.com/2015/01/11/beleidigungen-von-religionen-und-majestaten-in-deutschland/

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Gruß Hubert

Traurige Nachrichten: Wenzel hat den Wolf Mt6 töten lassen!   2 comments

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Da ist sicher wieder einmal gelogen worden, dass sich die Balken biegen. Man setzt einfach das Wort „Problem“ vorne dran – und schon ist es ein Problem-Wolf. Dann kommt noch die Panikmache mit dem Vorwand Sicherheit und die Genehmigung für den Abschuss ist da. So ging es auch in Südtirol und im Trentino mit einigen Bären. Das mit der Sicherheit kann ich schon nicht mehr hören.
Hier der Text aus einer Petition.

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28. April 2016 — Traurige Nachrichten! Wenzel hat den Wolf Mt6 töten lassen!

Liebe Wolfsfreunde,

heute ist ein trauriger Tag. Der Munsteraner Wolf (Mt6 oder „Kurti“) ist im Auftrag des Umweltministeriums gestern erschossen worden (Tötungsauftrag vom Umweltminister von Niedersachsen Stefan Wenzel). Das seht ihr auf dem link Ndr online, weiter unten).

Der Goldenstedter Wolf und ich brauchen jetzt ganz dringend Eure Unterstützung!

Der Munsteraner Wolf hatte nichts getan. Er lebte bisher auch in Niedersachsen, wie unsere Goldenstedter Wölfin. Das Ministerium konnte nach meinem Anruf bei Frau Kottwitz gestern (Staatssekretärin im Umweltminsterium), keine seriösen Fakten darlegen, die eine Tötung des Munsteraner Wolfes rechtfertigen.

Und sie haben es trotzdem getan!

Jetzt ist eine Hemmschwelle weitere Wölfe in Niedersachsen und Deutschland zu töten nicht mehr vorhanden.
 
Als nächstes ist unsere Goldenstedter Wölfin an der Reihe. Helft bitte unendlich viele Unterstützer zu gewinnen! (change.org/wolf).

Sendet mit Eurer Unterzeichnung ein sehr starkes Signal nach Hannover, das wir die Tötung von Mt6 absolut verurteilen.

Sobald wir 100.000 Unterzeichnungen unserer Petition erreicht haben, werde ich weitere Maßnahmen zum Schutz unserer Wölfin vornehmen. Und die werden eine ganz andere Qualität haben, das verspreche ich Euch!

Hinzukommt das unsere Petition in naher Zukunft im Landtagsausschuss von Niedersachen diskutiert wird. Dies wird einen großen Einfluß auf das weitere Verhalten der Verantwortlichen haben.

Jetzt ist unsere Petition noch wichtiger als je zuvor!

Macht bitte alle mit! Helft unserer Wölfin die 100.000 Unterstützerzahl zu erreichen und das sinnlose Töten zu beenden.

Wölfische Grüsse Jan Olsson

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Aus ndr.de

Kommt die „Schnelle Eingreiftruppe“

Bleibt es nach dem Tod von „Kurti“ bei diesem Einzelfall? Oder was passiert, wenn wieder ein Wolf zu zutraulich reagiert? Zunächst müsse alles getan werden, um auffällige Wölfe zu vergrämen, so Wenzel. Wie im aktuellen Fall setzt das Land dabei zunächst weiter auf die Hilfe des Experten aus Schweden. Mittelfristig sei aber auch eine eigene sogenannte „Schnelle Eingreiftruppe“ denkbar. „Kurti“ soll jetzt im Berliner Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung genetisch sowie auf mögliche Krankheiten und Verletzungen untersucht werden.

Erste gezielte Tötung in Deutschland

Es ist das erste Mal seit der Rückkehr der Tiere, dass ein Wolf in Deutschland auf Anordnung der Behörden gezielt getötet wurde.

https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/lueneburg_heide_unterelbe/Wolf-Kurti-starb-um-kurz-nach-20-Uhr,wolf2460.html

 

Traurige Nachrichten: Wenzel hat den Wolf Mt6 töten lassen!

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Gruß Hubert

 

Trotz Tierversuchen: Proband stirbt bei Studie   Leave a comment

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Tierversuche gehörten schon lange abgeschafft und mit tierversuchsfreien, alternativen Methoden ersetzt. Das Thema stößt aber auf wenig Interesse, erstens weil diese grausamen und schmerzvollen Tierversuche im Verborgenen passieren und zweitens weil der Mensch so egoistisch ist und ihn das Tierleid nicht kratzt, weil er irrigerweise glaubt es nütze der menschlichen Gesundheit. Natürlich denken nicht alle Menschen so, aber es sind zu wenige, viel zu wenige, die Tierversuche aus ehtischen Gründen ablehnen. Wie man immer wieder feststellen kann, führen Tierversuche auch zu für den Menschen irrigen Ergebnissen, wie man heuer im Jänner in Frankreich wieder feststellte.

 

Trotz Tierversuchen: Proband stirbt bei Studie

26.01.2016  Mitte Januar 2016 musste die klinische Phase I-Studie des Pharmaherstellers Biotrial im französischen Rennes nach dem Tod eines Probanden vorzeitig beendet werden. Bei vier weiteren Probanden traten neurologische Beschwerden auf, bei dreien stellten die Ärzte Hirnblutungen und eine Zerstörung von Nervengewebe fest. Derzeit liegt die Vermutung nahe, dass nicht erkannte sogenannte Art- bzw. Speziesunterschiede zu den schweren Nebenwirkungen bei den Probanden geführt haben.

Die zuständigen Behörden sind noch mit der Aufklärung der Hintergründe befasst. Mit der Substanz mit der Bezeichnung BIA 10-2474 sollte ein Medikament entwickelt werden, mit dem sich Angst und motorische Störungen aufgrund einer Parkinson-Erkrankung und chronische Schmerzen behandeln lassen. Der klinischen Studie waren umfangreiche Tierversuche an Mäusen, Ratten, Hunden und Affen (z. B. Makaken wie Rhesus- oder Javaneraffen) vorausgegangen. Bei den Tieren waren derartige Schäden nicht aufgetreten. Ob in den Versuchen auch Menschenaffen, nämlich Schimpansen, eingesetzt wurden, wie zwischenzeitlich bekannt wurde, ist noch nicht geklärt. Nach der Europäischen Tierversuchsrichtlinie EU/63/2010 ist die Verwendung von Schimpansen zu diesem Zweck nicht erlaubt.

Lebensgefährliche Risiken – nicht erkannte Speziesunterschiede

Derzeit liegt die Vermutung nahe, dass nicht erkannte sogenannte Art- bzw. Speziesunterschiede die schweren bis tödlichen  Erkrankungen bei den Probanden ausgelöst haben. Der Grund: Tierversuchs-Ergebnisse lassen sich nicht zuverlässig auf den Menschen übertragen. Selbst Menschenaffen reagieren mitunter ganz anders auf Wirkstoffe als wir. Es zeigt sich immer wieder, dass Tierversuche in vielen Fällen schwere Nebenwirkungen von Substanzen beim Menschen nicht vorhersagen können. Der aktuelle Fall erinnert an die Katastrophe der Firma TeGenero im Jahr 2006.

Siehe Pharmafirma TeGenero

Getestet wurde damals der Antikörper TGN1412. Nicht erkannte Speziesunterschiede zwischen Affen (Makaken) und Mensch hatten bei allen Probanden zu einer massiven Immunreaktion mit Multiorganversagen geführt. Nur durch wochenlange Behandlungen auf der Intensivstation konnten die jungen Männer gerettet werden. Die Übertragung von im Tierversuch gewonnenen Erkenntnissen auf den Menschen ist nicht nur fehlerhaft, sondern birgt auch lebensgefährliche Risiken. Diese Risiken bestehen auch noch nach der Zulassung von Medikamenten, wenn diese eigentlich als unbedenklich gelten sollten.

Der Bundesverband wird die Aufklärung des Falles weiter verfolgen

Um auch im Bereich der Langzeitgiftigkeitstests zuverlässige Vorhersagen machen zu können, sind von Anfang an humanspezifische Untersuchungsmethoden erforderlich. Der Fall BIA 10-2474 zeigt wieder, wie richtig unsere Verbandsforderung nach einem Ausbau von tierversuchsfreien Methoden wie Human-on-a-Chip-Systemen in Kombination mit Computervorhersagemodellen ist.

Trotz Tierversuchen: Proband stirbt bei Studie

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Gruß Hubert

 

Der Mut zum aufrechten Gang   Leave a comment

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Von dem Mut, den Raif Badawi und Ensaf Haidar bewiesen haben, könnten sich viele in Europa wohl eine Scheibe abschneiden.

Raif Badawi und Ensaf Haidar wurden in Frankfurt mit dem Deschner-Preis der Giordano-Bruno-Stiftung ausgezeichnet

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Der in Saudi-Arabien zu 10 Jahren Haft und 1000 Stockhieben verurteilte Blogger Raif Badawi und seine Frau, die Menschenrechtsaktivistin Ensaf Haidar, wurden am vergangenen Samstag im Rahmen eines bewegenden Festakts in der Deutschen Nationalbibliothek Frankfurt mit dem Deschner-Preis der Giordano-Bruno-Stiftung (gbs) ausgezeichnet. Badawi und Haidar erhielten den mit 10.000 Euro dotierten Preis für ihren „gemeinsamen, mutigen und aufopferungsvollen Einsatz für Säkularismus, Liberalismus und Menschenrechte“.

In seinem Eröffnungsstatement sagte gbs-Vorstandssprecher Michael Schmidt-Salomon, der Festakt sei eine „Protestveranstaltung gegen das barbarische Unrecht“, das Badawi in Saudi-Arabien widerfahren sei, aber auch eine „Feier des freien Geistes, der sich selbst unter grausamsten, diktatorischsten Verhältnissen nicht gänzlich unterdrücken lässt“. Raif Badawi und Ensaf Haidar haben, so Schmidt-Salomon, den „Mut zum aufrechten Gang“ in eindrucksvoller Weise bewiesen und seien so zu „Vorbildern für Männer und Frauen weltweit geworden, die sich mit totalitärer Politik, religiöser Bevormundung und patriarchalen Rollenmodellen nicht länger abfinden wollen“.

Scharf ins Gericht ging der gbs-Sprecher mit der deutschen Bundesregierung, die im Januar 2016 jegliche Sanktionen gegen Saudi-Arabien ablehnte. Schmidt-Salomon wörtlich: „Auf dem Gebiet der Menschenrechte zeigt die Bundesregierung keinerlei Profil, sondern verfolgt eine rückgratlose Appeasementpolitik gegenüber Despoten, mit der sich die Werte der Freiheit und Gleichberechtigung aller Menschen nicht verteidigen lassen!“

Säkularismus ist die Lösung – Deschnerpreis an Raif Badawi und Ensaf Haidar 

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gbs-Video zum Festakt

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Die Autorin und Nahostexpertin Andrea C. Hoffmann, die in Zusammenarbeit mit Ensaf Haidar deren Autobiografie „Freiheit für Raif Badawi, die Liebe meines Lebens“ verfasste, stellte in ihrem Beitrag heraus, dass ohne Ensaf Haidar heute niemand etwas vom Schicksal Raif Badawis wüsste. Dass Raif noch am Leben sei, sei vor allem Ensaf zu verdanken, die so gar nicht dem Stereotyp der schüchternen und zurückgezogenen Saudi-Araberin entspreche. Daher begrüßte es Hoffmann sehr, dass der Deschner-Preis sowohl an Raif Badawi als auch an Ensaf Haidar verliehen wird: „Wir alle haben mittlerweile erkannt, was für eine starke Frau hinter diesem beeindruckenden Mann steht“.

Dies betonte auch Hamed-Abdel-Samad, der die Laudatio auf die Preisträger hielt. Sichtlich bewegt schilderte Abdel-Samad, der seit Monaten unter Personenschutz steht, wie groß die Bedeutung von Raif Badawi und Ensaf Haidar für die säkulare Bewegung in den arabischen Ländern ist. Durch Ensaf Haidars Engagement sei das Schicksal ihres Mannes der Weltöffentlichkeit bekannt geworden – im Unterschied zu den Schicksalen der vielen anderen politischen Gefangenen. Badawi und Haidar seien zu Symbolfiguren des Widerstands gegen den politischen Islam geworden, nicht zuletzt durch ihre ethische und politische Standfestigkeit. So sei Raif Badawi dem Vorschlag eines „bedeutenden europäischen Politikers“ nicht gefolgt, der ihm nahegelegt hatte, sich für sein Eintreten für Freiheit und Menschenrechte zu „entschuldigen“, um so die Chance zu erhöhen, früher entlassen zu werden.

Hierzu erklärte Hamed Abdel Samad, seine Sorge sei nicht die „Islamisierung Europas“, sondern der „rückgratlose Opportunismus der europäischen Politik“, die nicht entschieden genug für die Werte der offenen Gesellschaft eintrete. Hier sollte Europa von Raif Badawi und Ensaf Haidar lernen, von ihrem Mut und ihrer Entschlossenheit.

Wie Schmidt-Salomon meinte auch Abdel-Samad, der als Beirat der Giordano-Bruno-Stiftung vorgeschlagen hatte, Raif Badawi und Ensaf Haidar mit dem Deschner-Preis auszuzeichnen, dass Deutschland den Druck auf Saudi-Arabien unbedingt erhöhen müsse, sollte das Land weiterhin schwere Menschenrechtsverletzungen begehen.

 

Ensaf Haidar, die bei der Preisübergabe von den rund 300 Teilnehmern des Festakts mit Standing Ovations gefeiert wurde, stellte in ihrer Dankesrede heraus, wie wichtig internationale Auszeichnungen wie der Deschner-Preis für Raif seien, da sie zeigen, dass Raif und die vielen anderen politischen Gefangenen nicht alleine stehen und ihr Einsatz für Menschenrechte international wertgeschätzt würde. Sie sei überwältigt von dem Festakt in der Nationalbibliothek und dankte ihren unzähligen Unterstützern weltweit, vor allem in Deutschland, wo das Engagement für Raif und die anderen politischen Gefangenen besonders groß sei.

Ein hervorragendes Beispiel hierfür ist die Frankfurter Amnesty International-Gruppe, die bei dem Festakt in der Deutschen Nationalbibliothek mit einem eigenen Stand vertreten war und schon seit Januar 2015 jeden Donnerstag vor dem saudischen Konsulat in Frankfurt gegen die Inhaftierung Raif Badawis protestiert. Im Anschluss an den Festakt, der unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen stattfinden musste,  gab gbs-Sprecher Michael Schmidt-Salomon bekannt, dass sich die Giordano-Bruno-Stiftung selbstverständlich weiterhin für die Freilassung Raifs und der anderen politischen Gefangenen in den islamischen Ländern einsetzen werde. Hierzu sei auch eine engere Zusammenarbeit der gbs mit der von Ensaf Haidar gegründeten Raif Badawi Foundation geplant.

Der Mut zum aufrechten Gang

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Gruß Hubert