Archiv für die Kategorie ‘Religionskritik

Die Bibel: Das angeblich „göttliche“ und „heilige“ Wort eines Gottes? (2)   Leave a comment

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Rebloggt von Tierfreund Wolfang.

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glaubst du noch 1

(Fortsetzung vom vergangenem Sonntag …. )

Zumal zwecks kritischer Bibelbetrachtung auch eines nicht vegessen werden darf: Alle Bedingungen des Alten Testaments für den Messias mussten im Neuen Testament dazugedichtet werden. Dazu musste der Text so gestrickt werden, dass alle 25 Prophezeiungen aus dem alten Testament für den kommenden Messias (jungfräuliche Geburt + er steht von den Toten auf + er heisst Immanuel usw) , als „erfüllt“ schöngeschrieben sind. Heraus kommt ein Text, der nur noch zu einem kleinen Prozentsatz mit dem Originalleben von Jesus zu tun hat.

Und auf die schöngefärbte Darstellung der Ur-Christen wurde dann auch noch folgendes aufgepfropft: Stellen wir uns einmal vor, heute würde ein Diktator (z.B. Kim Il Sung) beschließen, dass das Leben eines Mannes, der um 1609 gelebt hat, ab heute neue Staatsreligion für sein diktatorisch geführtes Land wird. Und dieser Diktator hätte die Macht, eine für alle verbindliche „Heilige Schrift“ über diesen Mann zu erstellen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass dieser Diktator die schriftlichen Überlieferungen die es von diesem Mann gibt, so abändert oder ergänzt, dass alles in seine eigene Staatsphilosophie passt.

Und genau das war die Situation beim Konzil im Jahre 325 n. Christus. Das Römische Reich war während dieser Zeit ein gigantischer diktatorischer Machtapparat, der wie jeder Machtapparat alles in seiner Macht erdenkliche versuchte, seine eigene Macht zu zementieren oder auszubauen. Bei diesem Konzil wurde das Christentum Staatsreligion unter Kaiser Konstantin. Und so kann man es auch nicht ausschließen, dass dort Sätze reingenommen wurden, die Jesus so nie gesagt hat.

Einer dieser Sätze ist höchstwahrscheinlich: „Du bist Petrus der Fels, auf diesem Fels will ich meine Kirche bauen„, denn das ist die einzige Rechtfertigung für die Existenz der Kirche. Das musste aus Selbstrechtfertigungsgründen da rein geschrieben werden, sonst hätte die Kirche keine Existenzberechtigung gehabt. Keiner weiß, welche Sätze da noch Jesus in den Mund geschoben worden sind und welche Sätze aus „Staatsraison“ raus gelassen werden mussten. Das war ein Politikum sondergleichen, denn man kann keinen auf Eroberung und Unterdrückung orientierten Machtapparat aufrecht erhalten mit den unverfälschten Grundsätzen eines „Erleuchteten“.

Und somit haben wir im Neuen Testamant einen Text, der nur noch marginal mit dem Originalleben von Jesus zu tun hat. Daraufhin werden von einem machthungrigen Kaiser Texte nach seinem Gutdünken dazu geschrieben und andere rausgestrichen. Und dazu passierte zusätzlich auch noch folgendes: Im Jahr 325 am Konzil zu Nicäa wurde das Christentum die Staats-Religion des römischen Reiches. Doch damals hat man von all den schriftlichen Überlieferungen, die es zum Leben Jesu gegeben hat, offiziell nur diejenigen herausgesucht, von denen man sagte: das widerspiegelt das wahre Leben Jesu. Und somit haben es auch nur die Evangelien von Markus, Matthäus, Lukas und Johannes ins Neue Testament geschafft. Der Rest jedoch wurde verbrannt! Das Verhältnis war ungefähr eins zu 15. Man hatte also fünfzehnmal mehr schriftliche Überlieferungen über das Leben Jesu als in den vier Evangelien stehen.

Veröffentlicht 2. August 2021 von hubert wenzl in Religionskritik

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Die Bibel: Das angeblich „göttliche“ und „heilige“ Wort eines Gottes? (1)   Leave a comment

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bibel

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Die Frage ist immer die: Hat uns dieses göttliche Wesen durch irgendetwas, oder durch irgendjemand irgendwelche Regeln gegeben, die wir befolgen sollen? Ja oder Nein? Die Religion muss diese Frage unbedingt mit Ja beantworten, denn anderenfalls hätte sie keinerlei Daseinsberechtigung mehr. Dieses Absolute (was viele Gott nennen) hat nach meiner festen Überzeugung weder Dir noch mir irgendwelche „Regeln“ verordnet – und das erst recht nicht in schriftlicher Form. Und somit gibt es auch kein gottgefälliges Verhalten! Aber genau das ist die grosse Illusion, auf der alle Religionen aufbauen.

Stellen wir uns einmal folgendes vor: Einige Leute sitzen in einem Kreis auf Stühlen und einer erzählt eine Botschaft ins Ohr seines Nachbarn und dieser erzählt das soeben Gehörte abermals weiter in das Ohr seines rechten Nachbarn, bis sie schliesslich von all diesen in einem Kreis versammelten Leuten gehört und vernommen worden ist. Und am Ende des Kreises muss der letzte erzählen, was er verstanden hat, wobei dessen Erzählung höchstwahrscheinlich nicht mehr sonderlich viel mit der ursprünglichen und zu allererst gehörten Botschaft zu tun haben wird.

Das Neue Testament wurde ungefähr 70 bis 133 Jahre nach Jesu Tod aufgeschrieben. Das bedeutet, dass man versucht hat, die Geschichte des angeblich verheißenen Messias aufzuschreiben, von dem es keinerlei schriftliche Aufzeichnungen – sondern nur mündliche Überlieferungen gab. Mit anderen Worten: Da hat jemand etwas gehört, das wurde weiter erzählt, der Empfänger hat es wieder weiter erzählt, dieser Empfänger hat es wieder weiter erzählt usw. Ich wage mal zu behaupten, dass alle diese Geschichten durch etliche von Ohren und Mündern transportiert worden sind. Doch was bleibt eigentlich von solchen Mund zu Mund Übertragungen an Kerngehalt noch übrig? Oder anders gefragt: Ist sowohl das Alte Testament sowie auch das Neue Testament „göttliches“ und „heiliges“ Wort eines imaginären Gottes? Ganz sicherlich nicht, denn wer auch immer das glaubt und behauptet, begegnet im Neuen Testament nur den Erzählungen der vier Evangelisten, also den angeblichen „Wahrheiten“ derer, die letztlich nur das aufgeschrieben haben, was ganz am Schluss in deren Ohren vernommen wurde und angekommen ist.

 

Die Bibel: Das angeblich „göttliche“ und „heilige“ Wort eines Gottes? (1)

Die Macht der Religiösen   Leave a comment

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Von miz-online.de

Warum Carsten Frerks Studie zur „Kirchenrepublik“ erst ein Anfang ist

Carsten Frerk hat mit seiner vom Internationalen Bund der Konfessionslosen und Atheisten angestoßenen und finanzierten Studie Kirchenrepublik Deutschland. Christlicher Lobbyismus erstmals den Einfluss der Kirchen auf die Politik genauer analysiert. Dabei hat der Politikwissenschaftler eine beeindruckende Menge an Material zusammengetragen und ausgewertet. Doch wie Frerk selbst feststellt, kann dies erst eine „Annäherung“ an das Thema sein. Das für die säkulare Szene wichtigste Projekt muss weiter vorangetrieben werden.

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In der Bundesrepublik ist zunehmend zu beobachten, dass in den Parlamenten deutliche Defizite bei der Vertretung großer Bevölkerungsgruppen auftreten. So sind über 20 Prozent der Bundestagsabgeordneten Juristen, der Anteil der Juristen in der Bevölke­rung liegt jedoch deutlich unter einem Prozent. Ein solches Repräsentations­defizit lässt sich nicht zuletzt für die Vertretung von säkularen Interessen feststellen. Zwar sind nur noch wenige Menschen in der Bundesrepublik im strengen Sinne religiös, im Parlament tummeln sich dagegen auffällig viele Frömmler. Gut zu erkennen war dies an der erst kürzlich geführten Debatte zur Sterbehilfe, bei der zahlreiche Abgeordnete sich von irrationalen religiösen Gefühlen leiten ließen. Frerks Studie zur Kirchenrepublik hat nun erstmals ein wenig Licht ins dieses Dunkel gebracht. Sehr umfassend hat der Politikwissenschaftler sich die Lobbyarbeit der Kirchen angesehen. Detailliert nennt er Namen, zeigt Verbindungen auf, erklärt, wie die kirchlichen Lobbybüros auf Länder und Bundesebene arbeiten, wirft einen strengen Blick auf Postenwechsler, zeigt wie intensiv die Kirchen bei der Gesetzgebung eingebunden werden und entlarvt die verfassungsgemäße Trennung von Staat und Kirche somit als Märchen. Dennoch ist Frerks Arbeit erst ein Anfang, denn der Autor selbst spricht von ihr als einer „Annäherung“. Und tatsächlich sind noch viele Bereiche unerforscht, nur grob skizziert oder es fehlen noch systematischere Analysen. Im Folgenden werde ich einige dieser Bereiche darstellen, gleichwohl kann auch dies im Rahmen eines solchen Zeitschriftenartikels nur ein Anfang sein.

Wirtschaft

Sehr umfassend erforscht ist inzwischen (dank Carstens Frerks Studien zu den Finanzen der Kirchen), wie sich die Kirchen als Wirtschaftsunternehmen betätigen. Daran anknüpfend hat Frerk in seinem Buch Kirchenrepublik Deutschland nun umfassend dargestellt, dass die Kirchen ganz besonders intensiv Lobbying betreiben, wenn es um ihre finanziellen Interessen geht. Weitgehend unerforscht ist jedoch noch ein anderer Bereich. Denn es gibt eine ganze Fülle christlicher Organisationen im Bereich der Privatwirtschaft. Dazu gehören der Christliche Unternehmer e.V., der Christen in der Wirtschaft e.V., die Vereinigung Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung, der Bund Katholischer Unternehmer e.V., der Arbeitskreis Evangelikaler Unternehmer und noch viele mehr. Hier stellt sich gleich eine ganze Reihe an Fragen. Wie stehen diese Organisationen zur Kirche? Welche Ziele verfolgen sie? Wie sind diese ins kirchliche Netzwerk eingebunden? Wird hier kirchliche Lobbyarbeit quasi über Bande gespielt? Zudem wäre es interessant zu wissen, welche Wirtschaftsbosse sich für die Kirchen und deren Interessen einsetzen. Auf all diese Fragen fehlen uns derzeit noch aussagekräftige Antworten.

Lobbyarbeit anderer religiöser Gruppen

Zur Lobbyarbeit der Evangelischen Allianz hat Carsten Frerk in Kirchenrepublik Deutschland bereits erste Vorarbeiten geleistet. Weitgehend unberücksichtigt geblieben ist aber bislang, wie zum Beispiel die Islamverbände in Deutschland Lobbying betreiben. Wie drängend es wäre, sich diesem Thema zu widmen, zeigt ein Blick auf die jüngsten Entwicklungen. So wird derzeit nahezu flächendeckend ein Islamunterricht eingeführt, der voraussehbar durch konservative Gruppen und Verbände bestimmt werden wird.2 Absehbar ist zudem, dass zumindest die großen Islamverbände schon bald in den Genuss weiterer staatlicher Förderung kommen werden. Justizminister Heiko Maas hat diesen Willen erst kürzlich in einem Interview bekräftigt. Zudem hat die Debatte um die Beschneidung gezeigt, wie schnell unsere Volksvertreter sich dem Diktat der Religiösen unterwerfen, wenn Islamverbände, Kirchen und der Zentralrat der Juden an einem Strang ziehen. Dann werden Menschenrechte binnen kürzester Zeit einfach außer Kraft gesetzt. Es wäre also geboten, zu untersuchen in welcher Form die unterschiedlichen religiösen Verbände zusammenarbeiten und ob gemeinsame Strategien existieren.

Bundesverfassungsgericht

Das Bundesverfassungsgericht hat in der Bevölkerung von allen politischen Institutionen den besten Ruf und das bei genauerer Betrachtung zu Unrecht. Denn das Verfassungsgericht ist keineswegs politisch neutral; wie Studien gezeigt haben, sind dessen Entscheidungen ganz maßgeblich davon beeinflusst, wen die Parteien dorthin entsandt haben. So wäre das „Kruzifixurteil“ 1995 wohl kaum so positiv für Säkulare ausgefallen, wenn im Senat damals mehrheitlich getreue Christdemokraten gesessen hätten. Carsten Frerk hat in seiner Studie das Verfassungsgericht aus säkularer Perspektive in Augenschein genommen und konnte zeigen, dass christlich geprägte Richter keine Seltenheit dort sind. Gleichwohl fehlt es noch an einer systematischen Analyse darüber, wie groß der Einfluss religiöser Gruppen auf das Verfassungsgericht tatsächlich ist und wie häufig Urteile entsprechend beeinflusst sind. Zudem wäre es geboten, sich genau anzusehen, warum auffällig häufig Klagen, die das Verhältnis von Staat und Kirche betreffen, abgewiesen werden. So zuletzt bei einer Klage gegen die Konkordatslehrstühle.

Medien

Auch der Bereich der Beeinflussung der Medien durch religiöse Lobbyisten und religiös geprägte Verantwortliche ist noch nicht ausreichend untersucht. Carsten Frerk geht hier in seinem Buch nur oberflächlich darauf ein und verweist u.a. auf die einschlägigen Arbeiten von Uli Schauen, der das Thema ja auch schon für die MIZ näher beleuchtet hat. Gleichwohl fehlt es noch an einer umfangreichen wissenschaftlichen Analyse. Dabei wäre besonders interessant, systematisch zu analysieren, wie häufig sich religiöse Propaganda in der täglichen Berichterstattung in den unterschiedlichen Medien niederschlägt. Bei den öffentlich-rechtlichen Medien gibt es hierzu zwar bereits erste Erkenntnisse, eine Analyse der privaten Medien steht jedoch noch aus.

Wissenschaft

Ebenfalls noch weitgehend unerforscht ist der Einfluss der Kirchen auf die Wissenschaft. Zwar wissen wir dank Carsten Frerks Vorarbeit, dass im Bereich des Staatskirchenrechts sich zahlreiche kirchennahe Professoren tummeln. Das ganze Ausmaß der kirchlichen Unterwanderung der Wissenschaften liegt jedoch noch weitgehend im Dunkeln. Auffällig ist auf den ersten Blick jedoch, dass die Kirchen in den unterschiedlichsten Fachbereichen über ihnen nahe stehende Professoren verfügen. So weiß ich aus meinem eigenem Bereich, der Religionssoziologie, dass sehr viele Lehrstühle mit religiös geprägten Professoren besetzt sind, was sich mitunter in abenteuerlichen Forschungsergebnissen widerspiegelt. Ebenfalls kein Geheimnis ist es, dass die Religionswissenschaften kirchlich unterwandert sind und auch im Bereich der alten Geschichte gibt es bekanntermaßen viele Professoren, die religiös eingefärbte Forschung betreiben.

Politische Sozialisation

Weitgehend unberücksichtigt geblieben ist das Thema Politische Sozialisation. Aus der Soziologie wissen wir, dass sich politisches Engagement in Parteien bereits sehr früh abzeichnet. Oftmals spielt hier die Herkunft eine entscheidende Rolle. Sind die Eltern politisch aktiv, so sind es oft auch die Kinder und das dann nicht selten in der gleichen Partei. Einen ähnlichen Zusammenhang gibt es ebenfalls bei religiösem Engagement. Hier ist ebenfalls die Herkunft entscheidend. Auffällig ist zudem, dass religiös geprägte Jugendliche besonders häufig sich politisch engagieren. Ein Musterbeispiel für einen solchen Lebenslauf ist die 1966 geborene Bundestagsabgeordnete Kerstin Griese, der wir das neue desaströse Gesetz zur Sterbehilfe zu verdanken haben. Bereits als Schülerin engagierte sie sich intensiv für die evangelische Kirche. So war sie von 1979 bis 1989 in der Jugendarbeit der Evangelischen Kirchengemeinde Düsseldorf-Urdenbach und im Kir­chenkreisverband Düsseldorf tätig. Zudem war sie von 1987 bis 1989 Jugend­delegierte zur Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland. Nachdem sie dann zunächst einige Jahre stellvertretendes Mitglied der Synode der EKD war, ist sie seit 2003 Mitglied der Synode und seit 2015 Mitglied im Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland. Griese ist zudem bestens vernetzt und Mitglied in zahlreichen christlich geprägten Organisationen u.a. bei der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Düsseldorf e.V., im Verein der Freundinnen und Freunde des Deutschen Evangelischen Kirchen­tages e.V., im Arbeiter-Samariter-Bund Deutschland e.V. und bei der Bergischen Diakonie Aprath.

Griese ist beileibe kein Einzelfall. Betrachtet man die Lebensläufe von Bundestagsabgeordneten, dann fällt schnell ins Auge, dass viele sich bereits früh im kirchlichen Bereich engagiert haben und das ist längst nicht nur bei Christdemokraten der Fall. Tatsächlich wäre hierzu ein umfangreiches Forschungsprojekt geboten, welches folgende zentrale Fragen zu beantworten hätte: Warum sind religiös geprägte Jugendliche eher bereit, sich in politischen Parteien zu engagieren? Wie sehen typische Lebensläufe angehender Politiker aus, die über einen religiösen Background verfügen? Was tun die Kirchen, um ihre „Zöglinge“ in parteipolitische Positionen zu bringen? Und wie beeinflussbar sind Politiker mit Religionshintergrund durch den sozialen Druck, dem sie durch ihre Religionsgemeinschaften ausgesetzt sind. Es sind in diesem Bereich also noch viele Fragen offen.

Fazit: Carstens Frerks verdienstvolle Arbeit sollte als Startschuss für weitere umfangreiche Forschung gesehen werden. Wir müssen als Säkulare umfassend verstehen, auf was der ungebrochen starke Einfluss der Kirchen, aber auch anderer Religionsgemeinschaften basiert.

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Die Macht der Religiösen

 

Das Virus und der Glaube   Leave a comment

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Ein anderes Beispiel ist die Delta-Variante, wie sie immer genannt wird. Wird das gesagt um sie nicht die indische Variante zu nennen, zurückgehend auf ein religiöses Fest wo ca. eine Million Hindus in den Ganges gingen um darin ein rituelles Bad zu nehmen?

Von miz-online.de

Wie Religiosität eine Pandemie begünstigt hat

Das Coronavirus hat in beispielloser Rücksichtslosigkeit die Schwächen einer global vernetzten Menschheit aufgedeckt. Wo früher ein umgefallener Reissack in China eben ein umgefallener Reissack in China war, kann heute in der Weltrisikogesellschaft ein regional begrenztes Ereignis in Rekordgeschwindigkeit zu einer globalen Katastrophe führen. Die Religion hat sich dabei als Brandbeschleuniger erwiesen.

Religiöse Massen­veranstaltungen

Massenveranstaltungen sind in Zeiten einer grassierenden Pandemie generell keine gute Idee. Nicht ohne Grund wurden diese von vielen Regierungen wegen der hohen Gefahr, das Virus stark zu verbreiten, auch als erstes verboten. Bei religiösen Veranstaltungen kommt jedoch oft erschwerend hinzu, dass Gebräuche und Rituale nicht hygienisch sind. Zudem versammeln sich hier häufig ältere Menschen.

Das prominenteste Beispiel in der Coronakrise für einen religiös geförderten Ausbruch waren die Vorkommnisse in Südkorea. Dort hatte die christliche Kirchengemeinschaft Shincheonji in der Region um Daegu massiv zur Ausbreitung beigetragen. Mehr als die Hälfte der Krankheitsfälle ließen sich in der Anfangsphase der Epidemie in der Millionenstadt auf Mitglieder dieser Glaubensgemeinschaft zurückführen. Förderlich für die rasante Ausbreitung waren Rituale wie etwas das Beten und Singen ohne Abstand. Die Gruppierung hat sich inzwischen für ihr Verhalten entschuldigt.

Ähnliches ereignete sich auch in Bangladesch. Dort kamen Gläubige noch nach einem Verbot der Regierung zum Beten zusammen. Rund 25.000 Menschen wollten mit dem Aufrufen „heilender Worte“ aus dem Koran das Coronavirus bekämpfen und trugen wahrscheinlich doch nur zu dessen Verbreitung bei. Denn kurz zuvor hatte eine religiöse Veranstaltung mit 16.000 Muslimen in Malaysia mehr als 500 Infektionen verursacht und das Virus wurde in den Nachbarländern verteilt. Auch im Elsass ging der Ausbruch des Erregers auf eine religiöse Massenveranstaltung zurück. Bei einer Veranstaltung einer evangelikalen Kirche hatten sich zahlreiche Gläubige angesteckt und in der Folge die Krankheit im ganzen Land verteilt. Kurz darauf verhängte dann Frankreichs Regierung ein Verbot von Großveranstaltungen.

Irrationales Verhalten von Gläubigen

Wie sehr individuelles religiöses Verhalten dazu beitragen kann, die Ausbreitung eines Virus zu fördern, zeigt eindrucksvoll die Betrachtung der Vorgänge in Israel. Dort hatte man sehr früh auf die Ausbreitung des Coronavirus reagiert. Mit einiger Wahrscheinlichkeit hätte man den Erreger sogar vollständig eindämmen können, wenn sich nicht sehr viele ultraorthodoxe Juden kontraproduktiv verhalten hätten. Diese leben in ihrer eigenen Welt, folgen den Anweisungen ihrer religiösen Führer, benutzen koschere Kommunikationsmittel und besuchen eigene Schulen. Auch den Versammlungsverboten kamen viele nicht nach. An der Klagemauer hatten sich Orthodoxe sogar zu einem Massengebet gegen die Krankheit versammelt. Das Ergebnis war, dass religiös geprägte Viertel sich zu Corona-Hotspots entwickelten.

Fairerweise muss man jedoch sagen, dass religiös bedingte technische Rückständigkeit nicht zwingend ein Nachteil sein muss. Die religiöse Gemeinschaft der Amischen, welche moderne Technik strikt ablehnen und im Wesentlichen noch wie im 19. Jahrhundert leben, konnten im Bundesstaat New York bei der Fertigung von Schutzmasken helfen, da die Amischen im Gegensatz zu modernen Amerikanern noch in der Lage waren, mit Nadel und Faden umzugehen.

Nun könnte man meinen, irrationales Verhalten wäre in den modernen europäischen Staaten weniger ein Problem. Doch weit gefehlt. Auch hierzulande sind noch genug Menschen mit dem Virus des Glaubens infiziert, um eine Pandemie voranzutreiben. Wenn es nun um irrationales Verhalten geht, dann kann die katholische Kirche natürlich nicht weit sein. So warnte Papst Franziskus schon sehr früh davor, klassische Gottesdienste zu untersagen. Bei medialen Übertragungen seien die Menschen „zusammen und doch nicht zusammen“, meinte der Papst und betonte die Wichtigkeit der Sakramente. Noch weiter ging der Churer Weihbischof Eleganti, der in einem Videointerview die von der Schweizer Bischofskonferenz beschlossenen Anweisungen zur Leerung der Weihwasserbecken und zum Verzicht der Mundkommunion kritisierte und darauf verwies, dass von der Kommunion kein Unheil ausgehen könne. Selbst nach einer umfassenden Diskussion blieb der Bischof uneinsichtig und legte auf kath.net noch einmal nach: „Die hl. Eucharistie wurde von Christus nicht dazu eingesetzt, dass sie mir Krankheiten und Tod bringt. Aus meiner gläubigen Sicht bleibt das für Gott ein absolutes NO GO! Ich entschuldige mich für den Ausdruck, aber darin gründet meine feste und kritisierte Überzeugung. Abgesehen davon, sind wir immer in der Hand Gottes. Jede andere Sicherheit ist im Grunde eine Pseudosicherheit, d.h. eine sehr fragwürdige und zerbrechliche.“1

Doch es geht tatsächlich noch dümmer. Eine Gruppe konservativer katholischer Geistlicher witterte gleich eine Weltverschwörung hinter den Ereignissen und rief im Internet zum Widerstand auf: „Wir haben Grund zu der Annahme – und das auf Grundlage offizieller Daten der Epidemie in Bezug auf die Anzahl der Todesfälle – dass es Kräfte gibt, die daran interessiert sind, in der Bevölkerung Panik zu erzeugen. Auf diese Weise wollen sie dauerhaft Formen inakzeptabler Freiheitsbegrenzung und der damit verbundenen Kontrolle über Personen und der Verfolgung all ihrer Bewegungen durchsetzen. Diese illiberalen Steuerungsversuche sind der beunruhigender Auftakt zur Schaffung einer Weltregierung, die sich jeder Kontrolle entzieht.“2 Wer genau diese dunklen Kräfte sein sollen, darüber schwieg man sich aus. Prominentester deutscher Unterzeichner war übrigens niemand geringerer als Kardinal Gerhard Ludwig Müller, ehemaliger Leiter der Kongregation für die Glaubenslehre.

Ähnlich fanatisch anmutende An­sichten sind allerdings auch bei den bekanntermaßen streng gläubigen Evangelikalen zu finden. Sowohl in Brasilien als auch in den USA wurde das Virus als Gottesrache oder Teufelswerk angesehen, geschickt, um die Menschheit für ihren dekadenten Le­bensstil zu bestrafen. In den USA ignorierten einige evangelikale Prediger zudem die Versammlungsverbote, was den einen oder anderen Gotteskrieger dann kurzzeitig hinter Gitter brachte. In Deutschland beschränkten sich die Evangelikalen dagegen auf peinliche Missionierungsversuche wie das Missionswerk Bruderhand mit einer fragwürdigen Broschüre oder führte metaphysische Diskussionen darüber, ob das Virus jetzt eine Strafe Gottes sei oder eben nicht.

Natürlich verschonte das Virus auch die muslimische Welt nicht. Die Reaktionen darauf waren ebenfalls mitunter nur schwer nachzuvollziehen. Besonders die Mullahs im Iran fielen dadurch auf, das Virus erst zu verharmlosen und dann mit religiösen Durchhalteparolen zu agieren. Noch bizarrer war allerdings das Verhalten einiger einfacher Gläubiger. Dort leckten doch tatsächlich Gläubige die Türen von Moscheen ab, um Allah zu preisen und zu demonstrieren, dass das Virus Gläubige nicht trifft. Videos davon waren in den sozialen Medien zu sehen. Im Irak wusste man dagegen sofort, wer der Schuldige für die Pandemie war. Wenig überraschend soll es sich um ein amerikanisch-jüdisches Komplott handeln.

Aber auch in Deutschland gab es mit einigen Muslimen Probleme. So sorgte eine muslimische Bestattung in Berlin für mächtigen Ärger. Bei einer arabischen Großfamilie aus Neukölln war eine in der Hierarchie hoch stehende Mutter gestorben. Eigentlich durften nach dem Infektionsschutzgesetz nur maximal 20 Personen eine Beerdigung besuchen. Für die muslimische Großfamilie wurde jedoch eine Ausnahme gemacht und rund 100 Trauernde konnten teilnehmen. Doch damit nicht genug. Um einen sicheren Ablauf zu gewährleisten, war ein Großaufgebot der Polizei im Einsatz. Sogar ein Hubschrauber überwachte die Veranstaltung.

Hier weiterlesen:

Das Virus und der Glaube

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Megafest am Ganges – Kumbh Mela | auslandsjournal

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„Heilige“ Worte des immer verzeihenden, bedingungslos liebenden Gottes aus der „Heiligen Schrift“ (1)   Leave a comment

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Und was ist dann mit denen, die Kinder massenweis sexuell missbraucht haben? Moral braucht man also von diesen Leuten nicht abzuschauen.

Das in der so über den grünen Klee gelobten Bergpredigt – so sanftmütig war also Jesus auch nicht.

Rebloggt von Tierfreund Wolfgang

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wort zum sonntag

Bildquelle: wolodja51.wordpress.com

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Wer eine Frau ansieht, sie zu begehren, der hat schon mit ihr die Ehe gebrochen in seinem Herzen. Wenn dich aber dein rechtes Auge zum Abfall verführt, so reiß es aus und wirf’s von dir. Es ist besser für dich, dass eins deiner Glieder verderbe und nicht der ganze Leib in die Hölle geworfen werde. (Jesus in der Bergpredigt Matthäus 5, 28-29)

Lösung des Problems: Auge ausreißen, sonst geht es mit uns ohne Wenn und Aber ab in die Hölle!

Wer aber zu seinem Bruder sagt: Du Nichtsnutz!, der ist des Hohen Rats schuldig; wer aber sagt: Du Narr!, der ist des höllischen Feuers schuldig. (Jesus in der Bergpredigt Matthäus 5, 22)

Fazit: Eine Beleidigung wie „Du Nichtsnutz“ sollte laut biblischen Wort von einem hohen Richter abgestraft werden. Bei einer Beleidigung hingegen wie „Du Narr“ drohen uns schreckliche Höllenqualen.

Du sollst keine anderen Götter neben mir haben. Denn ich, der Herr, dein Gott, bin ein eifersüchtiger Gott: Bei denen, die mir Feind sind, verfolge ich die Schuld der Väter an den Söhnen, an der dritten und vierten Generation ( 1.Gebot der 10 Gebote. Exodus, 20; 3-5)

Sind wir nicht alle freie Menschen in einem freien Universum? Und wer mag es schon, wenn seine Freundin oder auch ein Freund schrecklich eifersüchtig ist? Aber der angeblich liebende und barmherzige Gott ist in seiner Eifersucht noch tausendmal schlimmer und schrecklicher, denn er versichert Rache bis in die vierte Generation! Heisst das nicht, Du und ich, wir müssen dafür büßen, falls unser Ur-Ur-Grossvater (Geboren ca 1860) einen „falschen“ Gott angebetet hat?

Aber am siebten Tag sollst du kein Werk tun (3.Gebot: 2 Moses 20,10)

Macht uns das irgendwie zu besseren Menschen? Das Gebot hat die Qualität von „Du sollst jeden Mittwoch 10 Liegestütze machen“; „Du sollst dir am Sabbat und am Montag die Zähne putzen“; „Du sollst immer mit dem rechten Bein aufstehen“.Hat Gott keine anderen Probleme auf dieser Welt zu regeln?

Darum sollen auch die, die nach Gottes Willen leiden, Gutes tun. (1 Petrus 4, 19)

Welch ein „liebender“ Gott, denn Gottes Wille ist es also, dass wir leiden!

Jammert und klagt und weint; euer Lachen verkehre sich in Weinen und eure Freude in Traurigkeit. Demütigt euch vor dem Herrn, so wird er euch erhöhen. (Jakobus 4, 9-10)

Gottes Religion will offensichtlich, dass wir weder glücklich sind, noch ein nennenswertes Selbstwertgefühl haben. Interessantes Konzept!

Es soll auch kein unehelich geborener in die Gemeinde des HERRN kommen, auch nach der zehnten Generation nicht. (5 Moses 23,3)

10 Generationen heisst: Sehr viele Christen wären heute von der „Gemeinde des Herrn“ ausgeschlossen, wenn nur ein einziger Ihrer direkten Vorfahren ab ca. 1700 nicht ehelich geboren wäre.

Es darf keiner in die Gemeinde des HERRN kommen, dessen Hoden zerquetscht oder dessen Glied verstümmelt ist. (5 Moses 23,2)

Tja, was soll man dazu eigentlich noch sagen? Welch ein Glück für den „liebenden“ Gott und alle seine Anhänger, denn es gibt in Deutschland eine „Partei der Bibeltreuen“ und die werden das von nun an und regelmäßig hoffentlich vor jeder Messe und jedem Gottesdienst kontrollieren.

Und der Mann ist nicht geschaffen um der Frau willen, sondern die Frau um des Mannes willen. Darum soll die Frau einen Schleier auf dem Haupt haben um der Engel willen.(1 Korinther 11, 9-10)

Hat der Apostel Paulus da vielleicht aus dem Koran etwas abgeschrieben und übernommen oder seine „Weisheit“ tatsächlich vom „Heiligen Geist“ des allmächtigen Gottes empfangen?

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„Heilige“ Worte des immer verzeihenden, bedingungslos liebenden Gottes aus der „Heiligen Schrift“ (1)

„Du sollst nicht töten!“ – auch gegenüber Tieren?   Leave a comment

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Wie kann man denn Tieren eine Seele absprechen. Es ist mehr als bedauerlich und kritikwürdig wie roh und unsensibel die christlichen Lehren und Anschauungen sind. Aber auch das Judentum und der Islam sind da keinen Deut besser, Stichwort schächten.
Peter Sasse hat sich ausführlich damit befasst und in seinem Buch »Tiere sind die besseren Menschen« dargelegt.

Auszug.
Wir lieben Tiere: Hunde, Katzen, Pferde, Vögel – und wir freuen uns, wenn wir Lämmer oder Kälbchen auf der Weide sehen oder Rehe, die am Waldrand äsen. Andererseits freut sich die Mehrheit der Menschen über ein gutes Stück Fleisch auf dem Teller. Doch niemand möchte darüber nachdenken, dass er Tierkinder isst: Ferkel, Kälber, Lämmer, 6 Wochen alte Masthühner oder 16 bis 23 Wochen alte Gänse und Enten. Warum ist das so? Wo kommt der Gedanke her, Tiere hätten keine Seele und sie wären dafür da, dass wir Menschen sie essen? Fragen, denen Peter Sasse in seinem Buch »Tiere sind die besseren Menschen« nachgeht – aus religiöser, philosophischer, gesellschaftspolitischer und naturwissenschaftlicher Sicht. So erfährt der Leser in dem spannenden Sachbuch Hintergründe und Ursachen von Tierquälerei und Tierversuchen, Massenhaltungen und Schlachthöfen, Profitgier und politischem Handeln in Bezug auf Tierrechte.

Haben Tiere eine Seele?

Peter Sasse untersucht die historischen Wurzeln des heutigen milliardenfachen Tierleids: Wo kommt der Gedanke her, Tiere hätten keine Seele? Im Altertum hatten nach der Philosophie Platos Tiere eine Seele. Für Plato war der Unterschied zwischen Tier und Mensch nicht exakt festgelegt, sondern fließend. Erst die römisch-katholische Kirche machte eine klare Trennung zwischen den »unvernünftigen« Tieren und der unsterblichen Seele des Menschen als Ebenbild Gottes.

»Ob Gott dies auch so gesehen hat?«, fragt Peter Sasse. »Ich glaube, seine Stellvertreter haben den Tieren die Seele abgesprochen, um sie damit zu entrechten und nach Gutdünken behandeln zu können. Ein Lebewesen ohne Rechte darf gequält und umgebracht werden, ohne dafür Schuld empfinden zu müssen. Genauso hat man jahrhundertelang über Frauen, Schwarze und indigene Völker gedacht. Diejenigen, die sich auf die christliche Lehre beriefen, behaupteten, dass das Gebot ‚Du sollst nicht töten’ nicht für Lebewesen gilt, die keine Seele haben. Die Kirche hatte keine Skrupel, Zigtausend Frauen lebendig zu verbrennen, daneben unzählige Andersgläubige sowie die Ureinwohner Südamerikas, von denen nicht einmal zehn Prozent die Christianisierung überlebten. Den Frauen sprach man später eine Seele zu, wenn auch eine niedrigere als der des Mannes. Seit der Aufklärung musste man diese abstrusen Ansichten nach und nach aufgeben. Heute spricht man zumindest den Frauen und den Schwarzen eine Seele zu. Bei den Tieren tut man sich aber immer noch schwer.«

Bereits in seinem vorherigen Buch »Die Angst vor der Frohen Botschaft« hat sich Peter Sasse ausführlich mit der Institution Kirche und ihrer Geschichte auseinandergesetzt. Hatte er dort die Menschen im Fokus, geht es in seinem neuen Buch »Tiere sind die besseren Menschen« um unsere Mitgeschöpfe, die Tiere. Denn auch sie haben laut Kirche keine Seele und somit keine Rechte – diese Aussagen vertritt ein Großteil der Bischöfe bis heute. Ist es da verwunderlich, wenn in katholisch geprägten Ländern Rituale wie Stierkämpfe und Tieropfer nach wie vor unter großem Beifall zelebriert werden?

Das 5. Gebot gilt nicht für alle

In den Zehn Geboten heißt es eindeutig: »Du sollst nicht töten!«. Doch laut Kirchenlehre gilt »Du sollst nicht töten« nicht für den Umgang mit Tieren, sondern nur für Menschen. Das allerdings hat die Kirche nicht gehindert, zu Zeiten der Kreuzzüge zum massenhaften Töten von Muslimen und Juden aufzurufen oder in Inquisition und Hexenverfolgung millionenfach Andersdenkende foltern und grausam töten zu lassen. »Alle, die außerhalb von Dogmen und Kirchengesetzen standen, waren Freiwild«, schreibt Peter Sasse.

In der Bibel gibt es zu dieser Frage unzählige Widersprüche: Während Gott durch Moses das Gebot »Du sollst nicht töten!« verkündet, fordert angeblich derselbe Gott in vielen Stellen des Alten Testaments zu Hinrichtungen und Kriegen auf. Durch einige Propheten des Alten Bundes lehnt Gott blutige Tieropfer ab, an anderen Stellen des Alten Testaments werden grausige Brandopfer mit genauen Anweisungen des Schlachtens und Zerstückelns gefordert.

Peter Sasse weist darauf hin, dass etliche Historiker die Bibel als das grausamste Buch der Weltliteratur bezeichnen. Und er zitiert den amerikanischen Bischof John Shelby Spong, der die beiden Testamente genau studiert hat: »Wer seine Moral auf der Bibel aufbauen will, hat sie entweder nicht gelesen oder nicht verstanden.« Um Gottes reines und unverfälschtes Wort kann es sich dabei jedenfalls nicht handeln.

»Auch im Neuen Testament lässt sich jede gesellschaftliche und theologische Meinung herausfiltern«, schreibt Sasse. Dies sei nicht verwunderlich, wenn man bedenke, unter welchen Machteinflüssen die Bibel in Jahrhunderten entstanden sei. Und gerade was die Frage über den Umgang mit Tieren angehe, könne man auch im Neuen Testament kaum eine Orientierung finden, da bereits bei der ersten Bibelausgabe (Vulgata) des Hieronymus die Erzählungen von Jesus und den Tieren unterdrückt worden waren. »Die Bibel bleibt Menschenwerk«, schreibt Sasse und zitiert den katholischen Diplom-Theologen Moris Hoblaj, der die Bibel »als das maßgeschneiderte Kleid der Kirche« bezeichnet.

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„Du sollst nicht töten!“ – auch gegenüber Tieren?

Da wird sich das Corona-Virus aber freuen   Leave a comment

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Ein Beleg dafür, dass Religion dumm macht – oder zumindest machen kann.

Natürlich Leib an Leib und ohne Schutzmaske. Ihr Gott wird sie schon beschützen… denken sie. Dem Virus ist es egal was sie denken oder glauben. Eine wahre Virenschleuder!

Von dw.com

Indien

Millionen Pilger baden beim Kumbh-Mela-Fest im Ganges

Zum Höhepunkt des Kumbh-Mela-Festes sind mindestens 20 Millionen Hindus in Nordindien zusammengeströmt. Beim größten Pilgerfest der Welt tauchten die Pilger in die Fluten des Flusses Ganges.

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Bild von Reuters /A. ABidi

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Indien

Millionen Pilger baden beim Kumbh-Mela-Fest im Ganges

Zum Höhepunkt des Kumbh-Mela-Festes sind mindestens 20 Millionen Hindus in Nordindien zusammengeströmt. Beim größten Pilgerfest der Welt tauchten die Pilger in die Fluten des Flusses Ganges.

Mit religiösen Gesängen und oftmals mit Asche bedeckt nahmen die Gläubigen in Prayagraj, dem früheren Allahabad, ein Bad im Zusammenfluss der beiden Ströme Ganges und Yamuna, das sie nach ihrem Glauben von Sünden befreit. Zu dem rituellen Massenbad werden insgesamt 30 Millionen Menschen erwartet. Am Neumondtag, dem wichtigsten Ereignis des mehrwöchigen Pilgerfestes Kumbh Mela, gilt das Bad im heiligen Fluss Ganges als besonders glücksbringend.

Mehr als 30.000 Polizisten sind im Einsatz, um das Großereignis zu sichern. Sie sollen unter anderem den Ansturm der Menschenmengen auf die Ghats, die steilen Treppen, die zum Ufer des Flusses führen, in geregelte Bahnen lenken. Dabei kommt es immer wieder zu Massenpaniken.

Bis zu 140 Millionen Besucher

Die hinduistische Kumbh Mela ist die größte religiöse Veranstaltung der Welt. In diesem Jahr dauert sie vom 15. Januar bis zum 4. März. Insgesamt wird mit bis zu 140 Millionen Besuchern gerechnet. Die örtlichen Behörden haben weitreichende Vorkehrungen getroffen, um die zahlreichen Gläubigen unterzubringen. Für die vielen Pilger wurde eine Zeltstadt eingerichtet, die drei Mal so groß ist wie Manhattan. Zudem wurden Zufahrtsstraßen erweitert und ein neuer Flughafen gebaut, um des Massenansturms Herr zu werden. Bei der Mela 2013 kamen mehr als 40 Menschen bei einer Massenpanik am Bahnhof der Stadt ums Leben.

Damit Millionen Gläubige nicht in gesundheitsgefährdendem Schmutzwasser baden, haben die Behörden umgerechnet rund 35 Millionen Euro ausgegeben, um Abwasserkanäle in den Ganges und den Yamuna zu blockieren oder Wasser aus solchen Kanälen vorab zu klären. Außerdem schöpften Boote mit Spezialausrüstung Abfälle aus dem Flusswasser.

Das religiöse Fest geht auf einen Kampf zwischen Göttern und Dämonen in der hinduistischen Mythologie zurück. Der Legende nach fielen Garuda, dem heiligen Vogel des Gottes Vishnu, vier Tropfen vom Nektar der Unsterblichkeit aus einem Krug, als er ihn vor bösen Geistern in Sicherheit bringen wollte. Die Tropfen sollen dabei auf die Städte Haridwar, Ujain, Nasik und Allahabad gefallen sein, wo abwechselnd die Kumbh Mela stattfindet.

Teilnehmerzahlen steigen stetig

Das Fest in Allahabad, dem heutigen Prayagraj, wurde zuletzt 2013 zelebriert. Dort fließen nicht nur der Ganges und der Yamuna zusammen, sondern nach hinduistischem Glauben mit ihnen auch der mythologische Fluss Saraswati. Von Mal zu Mal kommen mehr Menschen zur Kumbh Mela, weil sich viele Hindus aus der wachsende Mittelklasse in Indien die Pilgerreise inzwischen leisten können.

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Bild von Reuters /A. ABidi

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„Augstein deckte die Schuldgeschichte der Kirche gnadenlos auf“   2 comments

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Aus einer christlichen Seite.

Kommt Augstein in die Hölle?
Rolf Wischnath
Rudolf Augstein hätte sich dem Lachen gern angeschlossen, das diese Frage auf der brandenburgischen Synode auslöste. Er konnte sich nur noch lustig machen über Himmel und Hölle. Schon dem Kindergebet “Lieber Gott, mach mich fromm, dass ich in den Himmel komm!” galt sein Spott: “Stell mir eine Leiter dran, dass ich wieder runter kann.” Und sich einen Moment auch nur vorzustellen, wie zynisch er die kirchliche Beteiligung bei seiner Beerdigung auf Sylt und die Trauerfeier im Hamburger Michel im “Spiegel” verrissen hätte, lässt einen frieren. Ob die vielen ehrenvollen Nachrufe auf diesen Spötter etwas damit zu tun haben, dass ihm gerade darin so viele zustimmen: im Zynismus, der sich durch die Heilsfrage nicht beirren lässt und für die Kirche allenfalls Hohn übrig hat?

[…]
Ausspruch Augsteins: “Ich glaube nicht an Gott. Ich glaube nicht an die Auferstehung irgendeines Toten, und dann muss ich mich auch damit gar nicht weiter beschäftigen.”

[…]
“Glauben” bedeutet Sterben und Auferstehen, eine neue Geburt. Sie widerfährt mir, wie meine leibliche Geburt mir nur eben widerfahren ist: “Der Glaube ist die Auferstehung von den Toten!” sagt der Kirchenvater Tertullian – zu Recht. Und das heisst, der religiöse oder areligiöse Mensch hat von sich aus keine Möglichkeit zu glauben, so wie ich mich bekanntlich nicht selber aus dem Tod erwecken kann.

„Augstein deckte die Schuldgeschichte der Kirche gnadenlos auf“

Die Antwort des Atheismus: „Es gibt keinen Gott“ (Teil2)   Leave a comment

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Rebloggt von Tierfreund und Religionskritiker Wolfgang wolodja51.wordpress.com

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Die zwei Säulen des Atheismus

Der hier entwickelte undogmatische Atheismus beansprucht, den Gottesglauben von innen heraus aufzulösen, ihn an seinen inneren Widersprüchen und Ungereimtheiten scheitern zu lassen. Damit wird die religionskritische Schlüsselaufgabe bewältigt, weil im Gottesbegriff alle weiteren Glaubensinhalte letztlich verankert sind.

Die beiden Säulen des Atheismus lauten:

1. Es gibt keinen Gott, der die Welt erschaffen hat. Die Welt ist keine Schöpfung, sondern unerschaffen unerschaffbar, unzerstörbar, kurz: ewig und unendlich. Sie entwickelt sich unaufhörlich gemäß den ihr innewohnenden Gesetzmäßigkeiten, in denen sich Notwendiges und Zufälliges verschränken.

2. Es gibt keinen göttlichen Erlöser. Die Welt ist unerlöst und unerlösbar, voller Webfehler und struktureller Unstimmigkeiten, die aus der Bewusstlosigkeit ihrer Gesetzmäßigkeiten herrühren.

Für eine atheistische Weltweisheit und Lebenskunst ergibt sich aus diesen Einsichten die Schlussfolgerung: Der Mensch ist nicht das Ebenbild einer überweltlichen und übernatürlichen Gottheit, sondern ein vorbildloses Geschöpf der Natur, all ihren Gesetzen unterworfen. In einer Welt, die nicht für ihn gemacht wurde, muss er sich seinen Weg selbst Bahnen und lernen, allem verderblichen Allmachts- und Unsterblichkeitswahn zu entsagen.

Atheismus ist der Abschied von jeglicher Heilslehre und Heilshoffnung, freilich auch von jeglicher Unheilslehre und Untergangsprophetie, mögen sie sich auf ein illusionäres Jenseits oder auf das Diesseits beziehen. Menschliches Leben heißt: sich für eine kurze Zeitspanne erträglich einrichten auf einem Staubkorn im Weltall – mit Würde und Anstand und Humor. Vielleicht gelingt es doch noch den Erdball bewohnbar zu gestalten!? Die gesellschaftlichen Verhältnisse lassen sich jedenfalls schrittweise verbessern. Universale Gerechtigkeit und die Versöhnung von Mensch und Natur bleiben allerdings unerreichbar. Himmel und Hölle, Paradies und Verdammnis sind religiöse Trugbilder, keine atheistischen Leitideen.

Die beiden Säulen des Atheismus haben den gleichen theoretischen Rang, sie charakterisieren zwei unterschiedliche Argumentationsfiguren, die eine metaphysische und eine empirische Widerlegung des Gottesglaubens liefern.

Der empirische Beweis zielt auf den unerlösten, elenden Zustand der Welt, das herzzerreißende, unschuldige Leiden und Sterben von Tier und Mensch, die mit dem Glauben an einen zugleich allgütigen, allwissenden, allwirksamen und allmächtigen Gott nicht vereinbar sind. Der Atheismus findet seine eigentliche Begründung in der Wirklichkeit selbst, in der blut- und tränengetränkten Geschichte des Tier- und Menschenreiches.

Wie kann ein angeblich liebender Gott, bei dem kein Ding unmöglich ist, die Lebewesen, die er doch geschaffen hat, so unsäglich leiden lassen? Entweder er ist nicht allmächtig und kann die Leiden nicht verhindern, oder er ist nicht allgütig und will die Leiden nicht verhindern. Auf diese Zwickmühle innerhalb des Gottesglaubens hat erstmals der griechische Philosoph Epikur um 300 vor unserer Zeitrechnung in aller begrifflichen Klarheit aufmerksam gemacht. An Epikurs Religionskritik anknüpfend hat viel später der deutsche Dichter Georg Büchner das Leiden eindrucksvoll als den „Fels des Atheismus“ bezeichnet. In dem berühmten „Philosophengespräch“ seines Dramas „Dantons Tod“ heißt es: „Schafft das Unvollkommene weg, dann allein könnt Ihr Gott demonstrieren … Man kann das Böse leugnen, aber nicht den Schmerz … Warum leide ich? Das ist der Fels des Atheismus. Das leiseste Zucken des Schmerzes, und rege es sich in einem Atom, macht einen Riss in der Schöpfung von oben bis unten.“

Aber auch angenommen, es gäbe dermaleinst tatsächlich einen seligen Zustand, wie ihn die Offenbarung des Johannes im Neuen Testament (21,4) verheißt, dass Gott abwischen wird alle Tränen und es keinen Tod und kein Leid und keinen Schmerz und kein Geschrei mehr geben wird: Wäre damit der schnöde Atheismus eines besseren belehrt und stünde Gott gerechtfertigt da? Nein, denn die Erlösung im Jenseits kommt immer zu spät, Sie kann nicht im geringsten ungeschehen machen, was zuvor geschehen ist.

Die Unumkehrbarkeit der Zeit ist die unüberschreitbare Grenze jeder Allmachtsidee. Kein Erdbeben-, Kriegs-, Folter-, Mord-, Krebs-, oder Verkehrs-Opfer wird verhütet durch religiöse Erlösungsversprechen. In welchem annehmbaren Sinn sollte erfahrenes Leid je wieder gutgemacht werden können? Das liebenswerte Sehnsuchtsbild einer vollendeten Gerechtigkeit, einer universalen Versöhnung bleibt unerfüllbar, weil selbst bei einer jenseitigen Kompensation das zuvor Geschehene nie ungeschehen gemacht werden kann.

Hinzu kommt, dass im Neuen Testament (um im christlichen Bereich zu bleiben) der Erlösung ohnehin nur eine Minderheit der Menschen teilhaftig wird: „Viele sind berufen, aber wenige sind auserwählt“, heißt es im Matthäus-Evangelium (22,14). Unmittelbar nach dem zitierten Wort aus der Offenbarung des Johannes wird den „Ungläubigen“, „Abgöttischen“ und „Hurern“ die ewige Qual in „Feuer und Schwefel“ angedroht (21,8).

Und: Wenn Gott überhaupt einen Zustand ohne Schmerz und Leid schaffen kann, warum dann erst so spät und nicht von Anfang an? Warum zuvor die eigenen Geschöpfe durch ein Meer von Blut und Tränen waten lassen? Die nüchterne Antwort kann nur lauten: Statt die Wirklichkeit zu verrätseln und sich in „Gottes unerforschliche Ratschlüsse“ zu flüchten, ist redlich einzuräumen: Es gibt keinen Gott. Ohne Gottglauben ist die Wirklichkeit bitter, aber mit Gottglauben ist sie bitter und absurd.

Die zweite Säule des Atheismus bestreitet nicht Gott den Erlöser, sondern Gott den Schöpfer. Sie argumentiert nicht empirisch, sondern metaphysisch, das heißt: Sie überschreitet den Bereich des Erfahrbaren und greift in jenen Teil der Wirklichkeit hinüber, der sich allein dem abstrakten Gedanken erschließt. Die hier vorausgesetzte Metaphysik ist eine Metaphysik ohne Goldgrund, eine nicht – religiöse, philosophische Theorie des Weltganzen.

Erklärter- und unvermeidlicherweise verlässt sie den Bereich des empirisch Gegebenen, ohne freilich den Boden der Rationalität zu verlassen. Sie entschwindet nicht in eine „höhere Welt“, sondern denkt, was nicht sinnlich fassbar, aber denknotwendig ist: die Welt als Gesamtzusammenhang, als Verschränkung von Teil und Ganzem, von Relativem und Absolutem. Der Glaube, daß ein Gott die Welt erschaffen hat, lässt sich durch Überlegungen der folgenden Art von innen her entkräften.

Als erstes ist zu fragen: Was tat Gott vor der Erschaffung der Welt, wenn die Schöpfertätigkeit zu seinen ewigen und unveräußerlichen Wesensmerkmalen zählen soll? Lag seine Schöpferkraft vorher brach? Weshalb wurde sie auf einmal tätig? Offenbar hat sich Gott gewandelt, obwohl doch die Unwandelbarkeit zu seinen klassischen Attributen gehört. Wenn er sich aber gewandelt hat, ist er der Zeit unterworfen. Es gab also eine Phase, in der Gott noch nicht der Schöpfer war.

Der Gedanke eines ewigen Schöpfers, der irgendwann eine zeitlich begrenzte Welt geschaffen haben soll, ist logisch nicht widerspruchsfrei zu denken. Das hat den Philosophen Johann Gottlieb Fichte zu der schroffen Bemerkung veranlasst, „die Annahme einer Schöpfung“ sei „der absolute Grundirrtum aller falschen Metaphysik“. Durch sie werde „das Denken in ein träumendes Phantasieren verwandelt“ („Die Anweisung zum seligen Leben“, Sechste Vorlesung).

Der zweite Kritikpunkt erwächst aus der Frage: Warum hat Gott überhaupt die Welt geschaffen, obwohl er doch ein in sich selbst vollkommenes Wesen sein soll, das in seiner Majestät keines anderen bedarf? Die biblische Antwort – Gott schuf sich die Welt als sein Gegenüber und den Menschen als sein Ebenbild – provoziert unvermeidlich den Einwand: Da Gott nichts Sinnloses tut, muss ihm vorher etwas gefehlt haben. Wenn er aber ein Gegenüber brauchte, weil er einen Mangel litt, war er nicht in sich vollkommen. Schöpfertum und Vollkommenheit schließen sich aus. Das ergibt sich auch aus dem religiös – liturgischen Dauerappell, die Geschöpfe sollten ihren Schöpfer lobpreisen, verherrlichen, anbeten, ihm danken und vor ihm auf die Knie fallen.

Diese Ermahnungen, die ihren Ursprung in patriarchalisch-despotischen Verhältnissen nicht verleugnen können – hier der absolute Herrscher, dort die demütigen Untertanen-, beweisen erneut: Der Schöpfergott verzichtet ungern auf das Halleluja seiner Geschöpfe. Ein Zeichen innerer und äußerer Unabhängigkeit, gar Vollkommenheit ist das kaum. Um sich als Schöpfer zu beweisen, bedarf Gott der Welt; die Welt bedarf Gottes nicht. Sie besteht aus sich selber, ungeworden und unvergänglich, freilich auch völlig gleichgültig gegenüber dem Wohl und Wehe ihrer Geschöpfe.

Eine letzte Überlegung betrifft das Verhältnis von Geist und Materie. Der Schöpfungsglaube behauptet, ein reiner Geist habe etwas Nicht-Geistiges, Materielles hervorgebracht. Hier wird uns erneut ein Opfer des Verstandes, der Glaube an ein Wunder, zugemutet. In Wahrheit verhält es sich umgekehrt: Geist ist ein reifes Entwicklungsprodukt langwierigster materieller Vorgänge unter günstigsten Bedingungen. Geist ist gebunden an hochkomplexe Gehirnstrukturen. Deren Beschädigung beschädigt auch den Geist, deren Absterben führt auch zum Absterben des Geistes.

Poesie des Atheismus

Der Vorgang der Entzauberung, der mit dem Atheismus in der Tat einhergeht, befreit die Welt von allem faulen Zauber, berührt aber nicht den ihr innewohnenden wirklichen Zauber. Der Dichter Gottfried Keller hat dies nach seiner Begegnung mit dem atheistischen Denker Ludwig Feuerbach in einem Brief so formuliert: „Wie trivial erscheint mir gegenwärtig die Meinung, dass mit dem Aufgeben der sogenannten religiösen Ideen alle Poesie und erhöhte Stimmung aus der Welt verschwinde! Im Gegenteil! Die Welt ist mir unendlich schöner und tiefer geworden, das Leben ist wertvoller und intensiver, der Tod ernster, bedenklicher und fordert mich nun erst mit aller Macht auf, meine Aufgabe zu erfüllen und mein Bewusstsein zu reinigen und zu befriedigen, da ich keine Aussicht habe, das Versäumte in irgendeinem Winkel der Welt nachzuholen…“

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Die Antwort des Atheismus: „Es gibt keinen Gott“ (Teil2)

Veröffentlicht 2. April 2021 von hubert wenzl in Religionskritik

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Das Elend des Christentums oder: Plädoyer für eine Humanität ohne Gott   Leave a comment

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Von Joachim Kahl (geb. 1941) Theologe und Philosoph. Nach seiner theologischen Promotion widmete er sich besonders religions- und kirchenkritischen Arbeiten. 1968 veröffentlichte er sein Buch „Das Elend des Christentums“, das zu einem Klassiker der kirchenkritischen Literatur in Deutschland geworden ist.

Zwar wäre es zur Zeit verfrüht und zu stark vereinfacht, wollte man formulieren: Das Christentum ist heute ein Leichnam, der nur noch dank der künstlichen Sauerstoffzufuhr seitens interessierter Politiker, Theologen und Kirchenfunktionäre den Anschein von Lebendigkeit zu erwecken vermag. Dennoch lässt sich der immer größer werdende Substanz- und Funktionsverlust des Christentums schwerlich übersehen. Je mehr die Glaubwürdigkeit und Motivationskraft der tröstlichen Mythologeme schwand, um so mehr gewann der kulturelle Apparat der Gesellschaft an Bedeutung. Die Frustrationen einer inhumanen Arbeitswelt werden heute vorwiegend nicht mehr mit Hilfe religiöser Illusionen ertragen, sondern unter dem betäubenden Schwall einer allgegenwärtigen Bewusstseins- und Vergnügungsindustrie.

Gleichwohl gelang es unter dem Kapitalismus bisher nur wenigen Individuen, sich völlig aus dem Bann der überkommenen religiösen Rituale und Mysterien zu befreien. Zwar beteiligen sich die meisten Menschen nicht mehr aktiv und regelmäßig am kirchlichen Betrieb, treten aber andererseits auch nicht aus der Kirche aus und erhoffen immer noch bewusst oder unbewusst etwas vom Christentum. Dieser Erwartungshorizont reicht vom Wunsch, gewisse Lebensdaten festlich gerahmt zu sehen – der Pfarrer als ehrwürdiger Zeremonienmeister -, bis zum Verlangen, das Abendland vor dem Kommunismus zu bewahren – die Kirche als Gralshüterin von Sitte und Ordnung. Diese frommen Flausen sind der subjektive Niederschlag einer Gesellschaftsordnung, die die Menschen zur Ohnmacht verdammt und sie nach allem greifen lässt, was irgendwie Halt verheißt.

Welch tröstliches Gefühl der Sicherheit verleiht es ichschwachen und beschädigten Individuen, einer weltumspannenden und jahrtausende alten Organisation anzugehören! Sozialpsychologisch geurteilt, handelt es sich um ein Entlastungsphänomen: um eine Ersparnis an neuer Überlegung und neuer Entscheidung. Begünstigt und gerechtfertigt wird dieses Verhalten durch die traditionelle Gedankenlosigkeit, Christentum und Humanität kurzerhand zu identifizieren, wie das gängige Lippenbekenntnis zum vermeintlich so hohen Ethos der Bergpredigt beweist.

Wie reagieren die bestallten Theologen auf den skizzierten Substanz- und Funktionsschwund der Religion im Leben der Massen seit etwa zweihundert Jahren? Sofern sie sich nicht trotzig auf die alten Dogmen versteifen und vorgeblich dem Zeitgeist abschwören (Konfessionalismus, Fundamentalismus, Antimodernismus), geben sie sich aufgeschlossen und weltoffen. Sie bedienen sich zeitgenössischer wissenschaftlicher Erkenntnisse und können sich geschickt zu heutigen Fragen äußern. Aber einmal vergeuden sie viel Zeit und Kraft auf den – meist unredlichen und stets autoritätshörigen – Versuch nachzuweisen, dass irgendeine heutige Gegebenheit oder Bewegung im Grunde ganz biblisch und gut christlich sei: etwa Fragen des Weltbildes, der Frauengleichberechtigung, der Sexualethik, der Autonomie der Vernunft. Zum andern sind ihre Arbeiten meist nur ein milder Aufguss der dienstbar gemachten Disziplinen und stets nur ein christlich präparierter dazu – wie sich exemplarisch an Paul Tillichs oder Jürgen Moltmanns soziologischen, psychologischen und philosophischen Analysen zeigen ließe.

Einer fortgeschrittenen kritisch-atheistischen Theorie hat keine noch so modern oder revolutionär sich gebärdende Theologie etwas Neues zu sagen. Im Gegenteil. Bestenfalls bestätigt sie nur die Einsicht Franz Overbeck´s, dass die Theologie als Parasit von einer Tafel speist, die andere gedeckt haben.

Joachim Kahl: Das Elend des Christentums oder Plädoyer für eine Humanität ohne Gott, Rowohlt-Verlag, Reinbek bei Hamburg, Erstveröffentlichung 1968, erweiterte Neuausgabe 1993.

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Das Elend des Christentums oder: Plädoyer für eine Humanität ohne Gott