Archiv für die Kategorie ‘Religionskritik

Augustinus: der Mensch muss sich rechtfertigen, nicht Gott   1 comment

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Der Dichter Georg Büchner (1813-1837) sagte in Bezug auf den Atheismus: „Das Leiden ist der Fels des Atheismus“, und damit hatte er vollkommen recht.
Der Theologe Pesch sagte dazu: „Wenn ein allmächtiger und gerechter Gott, der sogar die Liebe selbst sein soll, das unschuldige Leiden in der Welt zulässt, was soll der Mensch dann noch von solcher allmächtigen Gerechtigkeit halten“ Der Gottesglaube muss eine Antwort geben, oder der ‚ethische‘ Atheismus hat das letzte Wort.“

Alle Antworten auf die Frage der Theodizee sind falsch, das hatte schon der intelligenteste, wenn auch frauenfeindlichste Kirchenvater, der Bischof von Hippo, Augustinus erkannt.
Er behauptete, nicht Gott muss sich rechtfertigen, sondern der Mensch muss sich rechtfertigen und begründete das mit der „Ursünde“ des Menschen .
Heiner Geißler schreibt in seinem Buch: „Kann man noch Christ sein, wenn man an Gott zweifeln muss?“, seine These (von Augustinus), die nach wie vor zum Glaubensinhalt der beiden Kirchen gehört lautet: Die ersten Menschen, hätten eine Ursünde begangen, die sich von Generation zu Generation durch Geschlechtsverkehr auf die ganze Menschheit vererbt hätte.

Augustinus, der in jungen Jahren ein Bock sondergleichen war, hinter jedem Weiberrock her, der sich fast krumm vögelte, redet von einer Ursünde die sich in alle Ewigkeit übertragen würde. Man entschuldige meine Sprache, aber von so einem blöden ……. habe ich keinen Respekt. Tugendhaft wurde er erst als er alt wurde und dazu noch frauenfeindlich.
Er macht es sich ja ganz einfach mit dem Erklären der Theozidee. So einfach kommt aber keiner durch, auch wenn er heiliggesprochen ist.

Aus dem Buch von Heiner Geißler „Kann man noch Christ sein, wenn man an Gott zweifeln muss?“

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S. 34:    zweifelhaft geworden. Di e Möglichkeit einer Entstehung der Menschheit aus mehreren – parallelen, aber voneinander unabhängigen – Evolutionslinien bringt die Erbsündenlehre zusätzlich an den Rand des Lächerlichen.

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Gruß Hubert

 

Veröffentlicht 13. Juni 2017 von hubwen in Religionskritik, Uncategorized

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USA – was die transatlantischen Freunde so glauben   Leave a comment

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Heise schreibt, dass 78 Prozent der US-Amerikaner Kreationisten sind. Damit leugnen sie die Evolution. Da kann man nur den Kopf schütteln. Kaum zu glauben, dass so ein Land technisch hoch entwickelt ist. Aber ich habe schon oft bemerkt religiöse Rückständigkeit und/oder Fundamentalismus versteht sich gut mit technischen Fortschritt. An die Evolution glauben nur 16 Prozent der Amerikaner.

Aus heise.de

78 Prozent der US-Amerikaner sind Kreationisten

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40 Prozent glauben gar, seit Jahrzehnten weitgehend unverändert, dass Gott die Menschen vor 10.000 in ihrer jetzigen Gestalt geschaffen hat

Die USA sind doch noch God’s own country. Sollte man zumindest denken, wenn man berücksichtigt, was sie über die Entstehung des Menschen denken. Auch wenn die Zahl der Religiösen selbst in den USA eine der letzten Religionshochburgen der westlichen Welt allmählich zurückzugehen scheint, nimmt deswegen die Orientierung an Aufklärung und Wissenschaft nicht wirklich zu.

Ist man religiös, mag man zwar die Wirklichkeit anders als ein Atheist und Wissenschaftler betrachten, aber man scheint dabei glücklicher zu sein, hat uns erst kürzlich wieder eine Studie verraten, während eine andere herausgefunden haben will, dass Religion die Gesellschaft zusammen hält, was allerdings beides Marx zu bestätigen scheint, dass Religion das Opium fürs Volk ist. Andere Studien sehen einen für die Gläubigen negativen Zusammenhang zwischen Religion und Intelligenz. Die Obermemetikern Susan Blackmore hat vor kurzem der Religion immerhin bescheinigt, kein Virus zu sein, weil die Religiösen sich besser sexuell reproduzieren.

Wie auch immer, Religion heißt auch Hörigkeit und lässt glauben, was einst in der Bibel geschrieben wurde – und Religion ist auch mit politischem Konservatismus verbunden. Daher ist es wenig erstaunlich, wenn die religiösen Menschen in den USA nicht nur dem Kreationismus zuneigen, sondern sie sich auch eher den Republikanern zuordnen.

Nach einer aktuellen Gallup-Umfrage sind noch immer 40 Prozent aller US-Bürger Meinung, dass Gott die Menschen vor 10.000 Jahren in ihrer jetzigen Gestalt geschaffen hat. Selbst 22 Prozent der Hochschulabgänger und 37 Prozent derjenigen mit einem College-Abschluss vertreten diese Meinung. Allerdings beschränkt sich die Abwehr der Evolution nicht auf die regelmäßigen Kirchengänger, von denen immerhin 60 Prozent harte Kreationisten sind. Wenn aber nur 2 Prozent von diesen meinen, dass die Menschen sich ohne Einwirkung Gottes entwickelt haben, während 31 Prozent einer von Gott gelenkten Evolution, also dem sogenannten Intelligent Design, anhängen, macht das dann doch 91 Prozent zu Kreationisten. Wer nicht zur Kirche geht, scheint doch stärker immun zu sein, auch wenn selbst hier nur 31 Prozent keine Einwirkung Gottes in der Evolution sehen.

Insgesamt sind nur 16 Prozent der US-Bürger Anhänger der Evolutionstheorie, zu den 40 Prozent harten Kreationisten kommen nämlich noch 38 Prozent Anhänger des Intelligent Design. Auch wenn sich deren Zahl im Vergleich zu 1982 um 7 Prozent erhöht hat, sind die harten und weichen Kreationisten erstaunlich konstant und unbeirrt geblieben: 1982 gab es mit 44 Prozent noch ein wenig mehr harte Kreationisten, 38 Prozent waren Anhänger des Intelligent Design. Während zwar auch zwei Drittel der demokratisch oder unabhängig orientierten Menschen zum Lager des weichen und harten Kreationismus gehören, sind es bei den Republikanern 88 Prozent.

In Deutschland können nach Umfragen etwa 40 Prozent dem Lager des weichen und harten Kreationismus zugerechnet werden, 46 Prozent gehen von einer Evolution ohne Einwirkung Gottes aus. In einer anderen Umfrage aus dem Jahr 2005 vertreten 60 Prozent der Deutschen die Evolutionstheorie.

Von Florian Rötzer

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USA – was die transatlantischen Freunde so glauben

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Gruß Hubert

Die Pseudokritiker-Theologen   Leave a comment

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Typen wie der Theologe und Psychiater Manfred Lütz sind mir die unsympatischten. Sie geben sich liberal, konziliant und modern, aber wollen sich damit nur tarnen mit ihren in Wahrheit erzkonservativen Einstellungen. Bei der Hintertür holen sie wieder die Dogmen herein, die sie zuerst rhethorisch in Frage stellen. Schlimmer ist noch die Unredlichkeit von solchen Zeitgenossen. Denen muss man schon die Frage stellen, geht es ihnen um Religion, um Seelenheil, das sie ja vorschieben, oder kaum verborgen einzig und allein um Macht? Dieser Lütz arbeitet teilweise mit ganz billigen Tricks, sofern jemand sich nur ein wenig mit der Materie auskennt. Die große Wahrheit und Liebe zur Erkenntnis ist solchen christlichen Apologeten kein Anliegen.

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hpd) Sigmund Freud hat einmal gesagt: „Wenn es sich um Fragen der Religion handelt, machen sich die Menschen aller möglichen Unaufrichtigkeiten und intellektuellen Unarten schuldig.“

Der Bestseller „Gott. Eine kleine Geschichte des Größten“ von dem Theologen und Psychiater Manfred Lütz dürfte ein Paradebeispiel für Freuds Beobachtung sein. In seinem Bemühen, uns von dem Glauben der römisch-katholischen Kirche zu überzeugen, bedient sich Lütz aller unredlichen Tricks, die sich christliche Apologeten über die Jahrhunderte hinweg haben einfallen lassen.

 

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Theologe Manfred Lütz

 

Kunstgriffe (1)

Der erste Kunstgriff besteht bekanntlich darin, sich das Vertrauen seiner Leser zu erschleichen, indem man sich ausdrücklich von dem salbungsvollen Ton und dem frömmelnden Gehabe typischer Kleriker distanziert. Unglücklicherweise geht die Rechnung nicht ganz auf, da der Leser während der Lektüre den vom Autor mit gespielter Jovialität um die Schulter gelegten Arm zu spüren meint und seinen etwas zu kumpelhaften Ton schlicht als zudringlich erlebt. Die Sprache ist da auch nicht sonderlich hilfreich. Vermeintlich „coole“ Interjektionen wie „Wow“, „Woom“ und „Super-GAU“ geben dem Leser das Gefühl, abermals ein mit Pickeln übersäter Halbstarker im Konfirmandenunterricht zu sein. Die einzig werbewirksame Phrase, die dem Buch noch fehlt, ist: „Gott ist geil!“

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Der zweite, ebenfalls hinreichend bekannte Kunstgriff besteht darin, rasch einen frei inszenierten Sieg zu erringen. So „beweist“ Lütz seinen Lesern mit sichtlicher Genugtuung, dass Feuerbach, Marx und Freud die Existenz Gottes nie widerlegt haben. Darin hat er freilich recht. Doch ist dies selbstverständlich kein Grund zum Triumphieren, da die genannten Religionskritiker auch nie den Anspruch erhoben hatten, die Existenz Gottes zu widerlegen. Sie haben sich für die Frage, ob es einen Gott gibt oder nicht, noch nicht einmal interessiert. Vielmehr sind sie schon immer von seiner Nichtexistenz ausgegangen und haben sich die wissenschaftlich weit interessantere Frage vorgelegt: „Wie kommt es eigentlich, dass so viele Menschen an einen Gott glauben?“

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Der dritte Kunstgriff besteht darin, sich gegen jede Kritik immun zu machen, indem man seinen Gegnern kurzerhand unterstellt, lediglich einen Strohmann zu bekämpfen. Nach Lütz haben Religionskritiker wie Holbach, Voltaire oder Hume nur dem auf der Wolke sitzenden Gott mit dem Rauschebart etwas anhaben können, doch nicht dem Gott der einzig wahren Kirche. Der Gott der römisch-katholischen Kirche sei nämlich ganz anders. Wie jeder weiß, richteten sich die Argumente von Holbach, Voltaire und Hume jedoch keineswegs gegen irgendwelche „selbst gemachten Götter“, sondern durchaus gegen den Gott des Nicäischen Glaubensbekenntnisses, dem sich die Christen aller Konfessionen noch heute verpflichtet fühlen.

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Der vierte Kunstgriff besteht darin, seinen Kontrahenten mit einer falschen Alternative zu erpressen. Wer nicht an Gott glaubt, habe sich nach Lütz noch gar keine wirkliche Vorstellung von den verheerenden Konsequenzen seines Unglaubens gemacht. Ohne Gott bleibe uns nämlich nur noch der Nihilismus eines Friedrich Nietzsche: „An Gott glauben oder Nietzsche folgen, das scheint die wirkliche Alternative zu sein. Wenn man aber Nietzsche folgt, dann muss man auch bereit sein, den bitteren Kelch des Atheismus bis zur Neige zu trinken. Dann hat man keine Argumente gegen Hitler, Stalin oder Mao Tse-Tung mehr.“ Es bedarf hoffentlich keiner besonderen Erklärung, dass der Nihilismus keineswegs die logische Konsequenz des Atheismus ist. Der säkulare Humanismus eines Bertrand Russells ist beispielsweise eine durchaus gangbare Alternative zum moralischen Nihilismus.

(5)

Der fünfte Kunstgriff besteht darin, seinen Gegner moralisch zu diskreditieren, indem man sein Weltbild diffamiert und für menschenverachtend erklärt. So bezeichnet Lütz den Faschismus und den Kommunismus als „atheistische Freilandversuche“, die womöglich mehr unschuldige Menschen auf dem Gewissen haben „als alle Religionen zusammen“. Dass sowohl der Faschismus als auch der Kommunismus zwei quasi-religiöse Heilslehren waren, die mit dem Atheismus säkularer Humanisten nicht das geringste zu tun haben, ficht ihn dabei nicht an.

Auch scheint er bequemerweise ganz zu vergessen, dass die Soldaten der Wehrmacht „Mit Gott und dem Führer“ in den Krieg gezogen sind und über ein Viertel der SS-Angehörigen treu ergebene Mitglieder seiner katholischen Kirche waren.

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Der sechste Kunstgriff besteht darin, ein argumentatives Zugeständnis zu machen, das man bereits im nächsten Satz möglichst unbemerkt wieder zurücknimmt. So gesteht Lütz bereitwillig zu, dass der Vatikan selbstverständlich nicht immer von Engeln regiert wurde. Er nennt die Kirche in seiner erwähnt hemdsärmeligen Art sogar einen „Saustall“, doch selbstverständlich nur, um sogleich hinzuzufügen, dass es ja auch „total frustrierend“ wäre, wenn sie nur von Heiligen geleitet würde.

Ich fürchte, man darf mit guten Gründen bezweifeln, dass die Juden „total frustriert“ gewesen wären, wenn der Vatikan zur Zeit des Dritten Reiches wenigstens ein einziges Wort gegen den Holocaust gesagt hätte.

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Der siebte Kunstgriff besteht darin, dass man vermeintliche oder tatsächliche Autoritäten für seine Sache vereinnahmt. Die am häufigsten missbrauchte Autorität dürfte zweifellos Albert Einstein sein, dessen metaphorisches Reden von einem „Schöpfer“ – „Gott würfelt nicht!“ – geradezu wie eine Einladung an die Christen wirken musste. Lütz schreibt denn auch: „Albert Einstein war zuerst natürlich Atheist geworden. Aber je tiefer er in die Wissenschaft eindrang, desto mehr entwickelte er sich zu einem Bewunderer des Göttlichen.“

Lütz weiß natürlich so gut wie jeder andere, dass Einstein alles andere als ein Christ war. Wenn Einstein überhaupt an einen Schöpfer glaubte, dann an den von Lütz verlachten „Rentnergott Epikurs“.

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Der achte Kunstgriff besteht darin, die ganze Hand zu ergreifen, sobald einem der kleine Finger gegeben wird. Dass Wissenschaftstheoretiker wie Karl Popper offenherzig von der Fehlbarkeit unserer Vernunft und der Vorläufigkeit all unseres Wissens sprechen, nutzt Lütz sogleich dazu aus, um einige aus der Vordertür herausbeförderte Dogmen rasch durch die Hintertür wieder hineinzuholen. So sei etwa die „Himmelfahrt Christi“ zwar „höchst unwahrscheinlich“, doch nicht „prinzipiell unmöglich“. Die Bescheidenheit der Wissenschaft dient jetzt also als intellektueller Freifahrtschein der Theologen.

(9)

Der neunte Kunstgriff besteht darin, dass man sich auf die Bildungslücken seiner Leser verlässt und schwer verständlichen naturwissenschaftlichen Theorien kühn einige Implikationen unterstellt, die sie nicht haben. So dürfte es beispielsweise die Physiker überraschen zu hören, dass die Quantentheorie „die Ehe zwischen Atheismus und Wissenschaft argumentativ zerrüttet“ habe. Nach Lütz ist der Zweifel an Gott als „intellektuelle Option zusammengebrochen“, weil die Quantentheorie zum „argumentativen Super-GAU des Atheismus“ geführt habe. Natürlich ist nichts von alledem wahr.

Und man fragt sich wie Schopenhauer bei der Lektüre von Hegel: „Ist das nun Dummheit oder Niedertracht?“ Wie jeder Abiturient weiß, hat die Quantenphysik die klassische Physik Newtons erweitert und – zumindest nach einigen ihrer Interpretationen – den Determinismus des mechanistischen Weltbildes in Frage gestellt. Doch der Determinismus der mechanistischen Physik hat nichts mit dem Atheismus der naturalistischen Philosophie zu tun.

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Der zehnte und letzte Kunstgriff besteht darin, seinen Gegner, wenn nötig, zu beschämen. So zitiert Lütz bei der Behandlung des Theodizee-Problems sein philosophisches Vorbild Robert Spaemann, der auf die Frage

„Wo war Gott in Auschwitz?“, kurz mit „Am Kreuz!“ antwortete. Angesichts dieser entwaffnenden Antwort verbietet sich freilich jede weitere Frage; es sei denn, man nimmt es in Kauf, als herzlos zu gelten. So geschickt dieser moralistische Schachzug auch sein mag, dass Gott ebenfalls gelitten hat, so selbstverständlich kann es keine Antwort auf die Frage sein, warum Millionen von Juden in den Tod gehen mussten, wenn ihnen ein allmächtiger und allwissender Gott doch problemlos hätte zur Hilfe eilen können.

„Religiöser Ramsch“

Für den Fall, dass ein Leser auf Lützens Kunstgriffe hereingefallen ist, sollte man annehmen, dass er jetzt vor der Wahl stehe und entscheiden müsse, ob er nun Christ, Muslim, Jude, Hinduist, Buddhist, Jainist oder was auch immer werden wolle. Doch Lütz ist derart zuvorkommend, dass er seinen Lesern die Qual der Wahl auch hier gerne abnimmt. Die anderen Religionen seien keine wirkliche Option. Sie seien „religiöser Ramsch“. „Das Wirrwarr des hinduistischen Götterhimmels“ etwa sei schlichtweg „abstoßend“. Der Buddhismus habe zwar einige „tiefe Einsichten“, sei aber letztlich „unbefriedigend“. Und im Islam sei der Mensch einfach „zu weit entfernt“ von Gott. Gegen das Judentum sagt Lütz eigentümlicherweise nichts. Wahrscheinlich schweigt er sich aber nur deshalb aus, weil man in einer „Theologie nach Auschwitz“ mit solcher Kritik vorsichtig sein muss.

Die erste Frage, die man sich nach der Lektüre, stellt, ist: Wie kann ein so billiges Buch nur so teuer sein?

Edgar Dahl

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Die Pseudokritiker-Theologen

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Gruß Hubert

Interessante Wandlung von Heiner Geißler   5 comments

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Heiner Geißler ist mir sehr sympathisch und ich respektiere ihn sehr. Interessant, dass er sagt im Alter zweifelt er an Gott. Meistens werden ja Leute im Alter eher gläubiger, vor allem bei der älteren Generation war es so. Da müssen bei den Kirchen aber die Alarmglocken läuten, wenn das ein Christ wie Heiner Geißler sagt. Ihre Attraktion wird zu Recht immer kleiner.

Ich will aber nicht viel sagen, das Interview ist viel interessanter.

Vorausschicken möchte ich diese Aussage von Heiner Geißler, wo keine Kirche und kein Theologe, im übrigen auch sonst niemand, eine Antwort darauf hat. Im übrigen trifft das auf Tiere noch tausendmal mehr zu (mit Ausnahme des vergewaltigen, gibt es aber auch).

In jeder Sekunde werden auf der Welt Tausende von Menschen getötet, gefoltert und vergewaltigt. Wenn die Schreie dieser Menschen auf einmal zu hören wären, dann wäre dieser Schrei so furchtbar, dass er alles Leben auslöschen würde. Das geschieht jede Minute seit Tausenden von Jahren. Warum versteckt sich Gott? Und was machen die Kirchen? Sie beten den Psalm 118, sie frohlocken, sie loben Gott. Das ist absurd.

Aus der ZEIT

„Mich packt der Zorn“

Heiner Geißler war als junger Mann Jesuit. Heute zweifelt er an Gott. Ein Gespräch über die Hoffnung, das Dogma und den Verlust des Glaubens im Alter.

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Heiner Geißler: Heiner Geißler (Archivbild)
Heiner Geißler (Archivbild) © Franziska Kraufmann dpa/lsw
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Frage: Herr Geißler, glauben Sie noch an Gott?

Heiner Geißler: Ich habe große Zweifel.

Frage: Was verbinden Sie heute mit dem Glauben?

Geißler: Mich packt der heilige Zorn, wenn ich an die offizielle evangelische und katholische Theologie denke.

Frage: Dabei waren Sie als junger Mann Jesuit.

Geißler: Ich bin meinen damaligen Lehrern dankbar bis heute. Ich habe bei ihnen unabhängiges und barmherziges Denken gelernt. Ich habe dann mein persönliches und politisches Leben nach der Religion ausgerichtet.

 Frage: Und jetzt nicht mehr?

Geißler: Ich habe mit den Jahren angefangen, an Gott zu zweifeln, habe nach der Wahrheit gesucht. Dabei ist mir meine religiöse Heimat immer mehr abhandengekommen. Aber ich kann sie behalten, weil ich die Verfälschung des Evangeliums durch die Theologie erkannt habe.

Frage: Macht Sie das traurig?

Geißler: Ich empfinde eine eigenartige Melancholie deswegen. Aber ich sehne mich nach der Theologie von gestern nicht zurück.

Frage: Sie sind jetzt 87 Jahre alt. Wiegen Gotteszweifel im Alter besonders schwer?

Geißler: Von 100 Leuten sterben 100. Ich habe keine Angst.

Frage: Glauben Sie noch ans Paradies?

Geißler: Das Paradies ist eine alttestamentarische, kindische und durch die andere abrahamitische Religion diskreditierte Vorstellung. Ich kenne Christen, die sagen, das muslimische Paradies sei viel besser: Die kriegen Jungfrauen, und wir sollen Halleluja singen. Was soll es denn auch für einen Sinn haben, dass dem eigentlichen ewigen Leben ein erstes sinnloses und rätselhaftes Leben vorgeschaltet wird?

Frage: Die Religion gibt vielen Menschen Hoffnung.

Geißler: Ja, denn Millionen Menschen können das jetzige Leben nur in der Hoffnung auf ein besseres Leben ertragen. Damit die christliche Religion aber nicht zum jede Revolution erstickenden Opium des Karl Marx wird, müssen die Kirchen an der Seite der hungernden, armen Menschen stehen.

Frage: Wann haben Sie begonnen, an Gott zu zweifeln?

Geißler: Es war ein langer Prozess. Ich habe als Bundesminister und Generalsekretär der CDU die Welt bereist. Dort habe ich das hundertfache Elend der Menschen gesehen.

Frage: Was hat Sie am meisten erschüttert?

Geißler: Kinder, die in Müllhalden nach Essbarem gesucht haben. Das Schicksal der Frauen in Kabul. Es gibt so viele Beispiele.

In jeder Sekunde werden auf der Welt Tausende von Menschen getötet, gefoltert und vergewaltigt. Wenn die Schreie dieser Menschen auf einmal zu hören wären, dann wäre dieser Schrei so furchtbar, dass er alles Leben auslöschen würde. Das geschieht jede Minute seit Tausenden von Jahren. Warum versteckt sich Gott? Und was machen die Kirchen? Sie beten den Psalm 118, sie frohlocken, sie loben Gott. Das ist absurd.

Frage: Die Frage nach der Gerechtigkeit Gottes ist uralt. Schon vor Jahrhunderten haben sich Theologen mit der Theodizee-Frage auseinandergesetzt.

Geißler: Und doch erlebt jede Generation diesen Skandal neu. Die christliche Theologie weiß eine schöne Antwort: Gott hat sich in der Person des Jesus mit den Menschen total solidarisiert und sie dadurch erlöst und befreit. Aber was ist das für ein Gott, der uns auf der Frage sitzen lässt, warum er Schmerz und Leid überhaupt ermöglicht hat – nur um uns hinterher mit dem komplizierten Manöver eines von einer Jungfrau geborenen Sohnes davon wieder zu befreien? Auch die anderen Antworten sind unglaubhaft. Das lässt sich einfach beweisen.

Interessante Wandlung von Heiner Geißler

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Weiter auf der zweiten Seite des Artikels.

 

Geißler: Der Gott dieser Theologie ist ein vermenschlichter, aber verabsolutierter Gott, der auf Bitten und Gebete hört oder auch nicht, der Krankheiten heilt, aber nicht bei jedem, der Luther erleuchtet, aber den Papst mit Blindheit schlägt, den Hinterbliebenen der Germanwings-Toten beisteht, aber im Flugzeug offensichtlich gefehlt hat. Gott, wenn es ihn gibt, ist der ganz andere. Alles, was wir über Gott aussagen, ist Gott unähnlicher als ähnlich, sagt schon das 4. Laterankonzil 1215.

Frage: Viele Theologen argumentieren mit dem freien Willen des Menschen.

Geißler: Das ist die blasphemischste Erfindung der Theologie, um das Elend dieser Welt zu erklären: Gott will von den Menschen geliebt werden und hat ihnen dafür den freien Willen gegeben. Was ist das für ein Gott, der in Kauf nimmt, dass es Auschwitz und Pol Pot gibt, damit er geliebt werden kann?

Frage: Die Theologie behauptet, dass Gott sich für das Übel nicht rechtfertigen muss. Denn er hat es ja nicht verursacht, sondern der Mensch.

Geißler: Dahinter steckt eine Erfindung von Augustinus, deren Wahnsinn den Irrsinn jeder Rassenideologie weit übertrifft. Die gesamte Menschheit soll verdorben sein durch eine Sünde, die vielleicht vor 400.000 Jahren zwei Leute begangen haben und die durch Geschlechtsverkehr auf alle Generationen und Kontinente der Menschheit einschließlich aller kurz nach der Geburt gestorbenen Säuglinge übertragen worden ist. Auch die tektonischen Plattenverschiebungen plus den Tsunamis sind für christliche Fundamentalisten die Folgen von schweren Sünden wie Homosexualität und Abtreibung.

Frage: Sie werfen den Kirchen vor, es sich mit diesem Thema zu leicht zu machen.

Geißler: Sie interpretieren und verharmlosen, aber widersprechen nicht, wenn der oberste Theologe, der Apostel Paulus, auf die Frage nach der Gerechtigkeit Gottes zu dem Befehl Gottes an Abraham, seinen Sohn Isaak zu schlachten, erklärt, „Gott tut, was er will“, und mit einer berüchtigten Metapher dem Topf verbietet, den Töpfer zu fragen, warum er reine und unreine Gefäße herstellt – also behinderte und kranke Menschen mit Kloschüsseln und Spucknäpfen vergleicht und den leidenden Menschen dadurch sagt, sie sollten gefälligst die Klappe halten. Nach dem Leid der Menschen zu fragen ist für den paulinischen Gott eine Anmaßung.

Frage: Die katholische Moraltheologie stößt Ihnen besonders übel auf.

Geißler: Sie ist frauenfeindlich. Sie verbietet Frauen abzutreiben, gleichzeitig aber dürfen sie nichts tun, um eine Schwangerschaft zu verhindern, etwa die Pille nehmen oder Präservative benutzen lassen.

Frage: Sie bezeichnen diese Theologie als Gotteslästerung.

Geißler: Ja, weil sie Gott für eine Verletzung der Menschenwürde der Mädchen und Frauen in Anspruch nimmt und sich auf Gott beruft, wenn sie die Frauen durch das Verbot der Priesterweihe diskriminiert. Jesus hatte auch Jüngerinnen, und sie blieben zum Schluss bei ihm bis unters Kreuz und zum Grab, während sich alle Männer aus dem Staub machten und leugneten, Jesus überhaupt zu kennen. Jesus war ein Freund der Frauen.

Frage: Er spielt noch immer eine zentrale Rolle in Ihrem Leben.

Geißler: Ich kann Jesus nicht fahren lassen. Wir wissen, dass er gelebt hat und welche Botschaft er hatte. Wegen ihm verzweifle ich nicht trotz meiner Gotteszweifel. Jesus hat die größte Volksbewegung der Menschen in Gang gebracht und die beste, glänzendste und revolutionärste Botschaft der Welt verkündet: die Pflicht zur Solidarität unter den Menschen. Er hat ihr denselben Rang gegeben wie der Liebe zu Gott.

Interview:

Hier weiterlesen:

http://www.zeit.de/2017/14/heiner-geissler-glauben-alter-interview/seite-2

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Geißler_Zweifel-Gott

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Die Streitschrift „Kann man noch Christ sein, wenn man an Gott zweifeln muss?“ von Heiner Geißler ist im März im Ullstein Verlag erschienen. © Ullstein Verlag

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Gruß Hubert

Veröffentlicht 8. Mai 2017 von hubwen in Religionskritik, Uncategorized

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Islamkritiker Hamed Abdel-Samad: Treffen vor Moschee läuft aus dem Ruder   Leave a comment

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Hier sieht man wieder mal, dass man mit fanatischen Muslime nicht diskutieren kann. Sie gehen auf rationale Argumente nicht ein wie sie Hamed Abdel Samad bringt. Außer Anfeindungen und Beleidigungen kommt nichts dabei heraus. Auch seine Begleiterin / Moderatorin scheint ihn nicht zu verstehen. Hamed Abdel Samad will als Publizist nichts anderes als seine Meinung frei zur Geltung bringen. Die Muslima, die am Anfang mit Hamed diskutiert, zeigt, dass sie in Wirklichkeit vom Islam und dem Koran keine Ahnung hat, sie weiß zum Beispiel nicht was in Sure 33 steht. Hamed hat es im Kopf. Wie soll man mit so jemand diskutieren? Die Muslima stellt Mohamed als großen Frauenbefreier dar, was man als Umkehrung der Wirklichkeit bezeichnen muss.

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Gruß Hubert

Der kriegerische Islam – Tötet die Ungläubigen   Leave a comment

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Wenn man wissen will wie kriegerisch der Islam ist, braucht man sich nur diese Videos anzuschauen. Ungläubige sollen getötet werden und sie werden als Affen, Schweine und schlimmer als Tiere bezeichnet. Der IS hat auf seiner schwarzen Fahne Mohamed stehen. Die den Islam verharmlosende Khola Maryam Hübsch wird vom Islamkritiker Hamed Abdel Samad entlarvt.

1. Ungläubige sollen bei folgenden vier Gelegenheiten umgebracht werden:

A. Im Zusammenhang mit dem „Heiligen Krieg“

Siehe darunter noch unter B, C und D.

http://derprophet.info/inhalt/das-bild-unglaeubigen-htm/

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Hamed Abdel Samad sagt die Wahrheit

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Andreas Thiel sagt die Wahrheit über den Islam – Islam verbieten – Muslime abschieben

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Hamed Abdel-Samad | Islam und Islamkritik (NZZ Standpunkte 2017)

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Hamed Abdel-Samad

https://de.wikipedia.org/wiki/Hamed_Abdel-Samad

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Khola Maryam Hübsch

https://de.wikipedia.org/wiki/Khola_Maryam_H%C3%BCbsch

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Gruß Hubert

Die Fiktion vom christlichen Abendland   1 comment

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Das Gerede vom Christlichen Abendland ist ein ideologischer Kampfbegriff. Er lässt sich auf vielfache Weise umdeuten und missbrauchen. Er wird von rechtspopulistischen Kreisen gekapert und auf rechte Ideologien umgedeutet. Er soll wie einst als Bollwerk gegen den Kommunismus nun als Bollwerk gegen den Islam dienen. Diese Strategie ist ungeeignet sich mit dem Islam auseinander zu setzen.

„Christliches Abendland“ kann man offenbar dermaßen verzerren, ideologisch passend machen, politisch ausschlachten oder sich als historisches Ornament zurechtbasteln, dass man sich ernstlich fragen muss, ob es überhaupt so etwas wie ein „christliches Abendland“ gibt beziehungsweise jemals gegeben hat.

Ja, es gab dieses „christliche Abendland“, nur war es etwas ganz anderes, als was Kirche, Geisteswissenschaften, herrschende Kultur und Sonntagsredner seit Jahrhunderten jeweils daraus gemacht haben.“ (Aus Johanniter.de)

Es ist schon eine Ironie, dass man auf katholisch.de erfahren muss, wie sehr der Begriff Christliches Abendland verzerrt und umgedeutet wurde und wird.

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Das christliche Abendland ist Fiktion

Nur wenige Begriffe sind derartig frömmelnd, unpräzise und emotionsbeladen wie der des christlichen Abendlandes. Und dennoch ist er heute wieder populär, schreibt der Theologe Manfred Becker-Huberti.

Wohl nur wenige Begriffe sind derartig frömmelnd, unpräzise und emotionsbeladen wie der des christlichen Abendlandes. Er hat weder klare geografische noch ideologische Grenzen, zudem wandelte sich die Bedeutung in seiner langen Geschichte mehrfach. Dennoch ist der Begriff gerade in der derzeitigen Debatte um Flüchtlinge und Zuwanderung wieder populär – und war für die Bezeichnung von Deutschland und seiner Kultur nie unzutreffender als heute.

„Christlich“ und „Abendland“ scheinen klare Begriffe zu sein, sind aber ganz und gar nicht eindeutig. Was bedeutet denn „christlich“? Das Christentum in sich ist nämlich ausgesprochen differenziert. Das zeigt die Geschichte: Im Orient spielte die Orthodoxie ab 1054 eine eigene Rolle. Dagegen grenzte man sich als „christliches Abendland“ ab – und war dennoch gemeinsam Christ. Dann, im 30-jährigen Krieg im 17. Jahrhundert, waren sich Protestanten und Katholiken untereinander so spinnefeind, dass sie sich gegenseitig totschlugen. Die mit dem Jahr 1517 angesetzte Reformation war vorausgegangen, ein Schisma innerhalb der Westkirche. Und das, was heute die deutsch-französische Freundschaft ist, war vor ihrem Beginn in den sechziger Jahren eine Jahrhunderte lang gepflegte Erbfeindschaft – unter Christen.

Überdies ist nicht alles, was sich auf das Christentum beruft, auch vom Christentum geprägt. Das macht ein Blick in die jüngere Vergangenheit Deutschlands deutlich: Unter den Nationalsozialisten gab es solche, die sich überzeugt, aber nicht überzeugend, Christen nannten und nur wenige Mitmenschen überzeugten. Auch in unserem Brauchtum, das wir als christlich bezeichnen, kommt vieles zusammen. Da vermischten sich im Laufe der Zeit Dinge aus dem kirchlich-liturgischen Bereich mit anderen aus weltlich-heidnischen Bräuchen. Im Nachhinein kann man das nur noch schwer trennen.

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Manfred Becker-Huberti
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Manfred Becker-Huberti ist katholischer Theologe, Experte für religiöse Volkskunde und Honorar-Professor an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar in Rheinland-Pfalz. 

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„Christliches Abendland“ wird ab dem 5. Jahrhundert ursprünglich als Bezeichnung für die ehemaligen römischen Provinzen des westlichen Europas verwendet, also das Gebiet, in dem heute Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien, Spanien und Portugal liegen. Er wurde gewählt als Gegenbegriff zum griechischen Patriarchat und war deckungsgleich mit dem römischen Patriarchat, dem Einflussgebiet des Vatikans gegenüber dem von Byzanz. Das christliche Abendland wurde damals als Kampfbegriff gebraucht. Dabei war er keine genau definierte Bezeichnung.

Wieder verändert sich der Ausdruck zwischen dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg. Es ist die Zeit, in der große Angst vor dem Untergang und dem Zerfall der westlichen Kultur herrscht. Oswald Spengler schreibt damals in seinem Buch „Der Untergang des Abendlandes“, dass diese Epoche durch die der russischen Kultur abgelöst werde. Hier entstand der Gedanke eines friedvoll zusammenlebenden abendländischen Reiches. Das ist reine Fiktion und wie die folgenden Jahrzehnte zeigen sollten, war die Realität das genaue Gegenteil. Doch dieses Bild wird von der nationalsozialistischen Propaganda aufgegriffen. Sie interpretiert diese Vorstellung als Rettung und Fortsetzung einer abendländischen Kultur und sieht das abendländische Reich als eine historische Kontinuität – die es nie gewesen ist. Die Gegner dieses Abendlandes, waren die anderen, das sind in dieser Zeit die Slawen, die Russen, die Asiaten und vor allem die Juden – mit den bekannten grauenhaften Folgen.

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Pegida-Demo in Dresden
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Heute berufen sich etwa PEGIDA-Demonstranten in Dresden auf den Begriff „christliches Abendland“.
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Unter Konrad Adenauer wird als „christliches Abendland“ der Geist der christlich-abendländischen Kultur verstanden. Dabei tritt die Religion zurück: Der Begriff soll nun ein konservativ-bürgerlich geprägtes Wertesystem einführen. Es steht als Gegenmodell zum Kollektivismus in der Sowjetunion und die als seelenlos und zu individualistisch empfundene amerikanische Gesellschaftsordnung. Diese Vorstellung aus den 1950er Jahren geht bereits in den 1960er Jahren unter. Bis zur Auflösung des Warschauer Paktes 1991 wurde das Abendland dann geografisch als Westeuropa, aber auch als christlich-jüdische Tradition dem Islam entgegengesetzt. Diese Tradition, bemerken Juden zu Recht, hat es in dieser Form nicht gegeben.

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Ein Kampfbegriff gegen die drohende Islamisierung

 

Heute wird der Begriff des christlichen Abendlandes von National-Konservativen und Rechtsextremen benutzt, die behaupten, dieses Abendland müsse sich gegen eine drohende Islamisierung verteidigen. Diese Leute wollen nicht nur etwas verteidigen, was es so in der Form nie gegeben hat, sondern sie haben auch mit der Christlichkeit dieses Abendlandes garnichts zu tun.

Für etwas anderes als Abgrenzung taugt der Begriff „christliches Abendland“ nicht, er ist ein Kampf- und Ausgrenzungsbegriff, eine völlig unfundierte Fiktion. Er wird zu Manipulationen benutzt, jetzt auch von der Pegida-Bewegung, die ihre politischen Ziele mit Leidenschaftlichkeit vernebeln. Damit will sich ein fiktives „Wir“ von einem als gefahrvoll dargestellten „Nicht-Wir“ abgrenzen. Die Folgen solcher Prozesse sind in der Geschichte immer mit unsäglichem Leid und Grauen verbunden gewesen. Und wenn man es zulässt, droht es jetzt nicht anders zu werden.

Von Manfred Becker-Huberti

Die Fiktion vom christlichen Abendland

 

Die Werte des christlichen Abendlandes waren durchaus nicht so positiv.

Aus einen Kommentar auf freitag.de
„Lethe“
Die allgemeinen Menschenrechte haben sich gegen den entschiedenen Widerstand der diversen europäischen Großkirchen entwickelt, und erst als die erkannten, dass sie nichts mehr daran ändern konnten, sind sie auf den fahrenden Zug gesprungen und haben so getan, als wäre das bei ihnen schon immer so gewesen (ganz ähnlich, wie heute in der Christenheit Frauen „schon immer“ gleichberechtigt waren).

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Auszug aus pressenza.com

Unser christliches Abendland: Von den Nazis über die CDU bis zu Pegida

1949, also vier Jahre nach dem umfassenden Kollaps des nationalsozialistischen Dritten Reichs beschwor der erste Bundeskanzler Adenauer in seiner ersten Regierungserklärung den Geist christlich-abendländischer Kultur.

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Wahlplakat der CDU von 1946. (Wikipedia/CC BY-SA 3.0 DE)

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Schon drei Jahre vorher, 1946, forderten die inzwischen in der CDU organisierten gewendeten Altnazis: „Rettet die abendländische Kultur … wählt Christlich-Demokratische Union“ (Wahlplakat). Retten vor wem?

Bis 1945 hielt noch der deutsche Mainstream Millionen Europäer für slawische, bolschewistische, jüdisch-marxistische und westlich-liberalistisch-mittelmeerische Minder- bis Untermenschen.

Kurz vor seiner berüchtigten Sportpalastrede im Februar 1943 peitschte Goebbels2 ein, dass der Krieg entweder von Deutschland und Europa gewonnen werde oder aber der „älteste Kulturkontinent“ von der „innerasiatisch-bolschewistischen Welle“ zerstört und vernichtet werde. Also gegen Asiaten und Bolschewisten.

Eine ähnliche Gesinnung offenbarte dann Adenauer 1, wenn er später wiederholt vor dem „russischen Koloss“ warnte. Und die „gelbe Gefahr“ stand ja auch weiterhin im Raum.

 

Der Feind steht immer woanders und bedroht „uns“ und „unsere“ Werte!

 

Der Kern Europas, des „ältesten Kulturkontinents“, war für die Nazis Großdeutschland, das „Germanische Reich“, das das Abendland in Form einer „europäische Großraumwirtschaft“ beherrschen sollte.

Hinter dem Kampfbegriff des „christlichen Abendlandes“ beziehungsweise „ältesten Kulturkontinents“ verbarg sich historisch immer ein Kerneuropa, dass sich in alle Richtungen gegen seine Nachbarn abgrenzte: Nach Süden gegen den islamisch gesehenen Orient, das Morgenland; nach Südosten gegen Byzanz und die griechisch-orthodoxe Christenwelt; nach Osten gegen Slawen, Russen und Asiaten und durchgehend nach innen gegen die Juden. Was jeweils Vorrang hatte, ergab sich aus der geschichtlichen Lage.

Im Übergang vom Dritten Reich zum Nachkriegsdeutschland wurde das „christliche Abendland“ angepasst. Die Juden- und Islamfeindschaft wurde zurückgestellt und dafür der Kampf gegen die Sowjetunion, bzw. die „asiatischen Horden“ und den „bolschewistischen Koloss“ als Hauptaufgabe eines nun rein westlichen „EU- und NATO-Abendlandes“ propagiert, denn inzwischen hatten die USA die Ehre, auch zum christlichen Abendland gezählt zu werden.

Nach Ende des Kalten Krieges rückte wieder die Islamfeindschaft beziehungsweise die „Gefahr der Islamisierung des Abendlandes“ (PEGIDA) in den Mittelpunkt.

Schon regelrecht kurios mutet das Grundsatzprogramm der SPD von 2007 an, nach dem unsere „geistigen Wurzeln“, also die des christliche Abendlandes, „in jüdisch-christlicher Tradition“ zu suchen sind – und das angesichts der zweitausendjährigen Geschichte der Judenverfolgung, die ja schließlich unseren Heiland und Gott gefoltert und umgebracht haben: Millionen Kruzifixe auf dieser Welt können da nicht irren!

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https://www.pressenza.com/de/2017/02/das-christliche-abendland-nicht-verteidigungswert/

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Gruß Hubert