Archiv für Oktober 2017

Rassismus im italienischen Fußball – Ultras von Lazio Rom verunglimpfen Anne Frank   Leave a comment

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Es ist unglaublich wie viele Ultrarechte es bei italienischen Fußballvereinen gibt. Vor allem Lazio Rom hat da unrühmliche Bekanntheit erlangt. Übrigens Ciro Immobile, der jetzt bei Lazio Rom spielt, war auch bei Borussia Dortmund vor einigen Jahren unter Vertrag, konnte sich da aber nie durchsetzen.

Die Sprüche, Gesänge, Spruchbänder müssen nicht kommentiert werden. Mehr Hass kann man kaum verspritzen. Was solche Leute in der Birne haben, kann ich nicht nachvollziehen. Es ist aber nicht nur Lazio Rom wo es solche Ultrarechten und Neofaschisten gibt, sondern auch zum Beispiel bei Inter Mailand, Hellas Verona, Ascoli, Brescia und noch einige andere.

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Rom  Lazio-Trainer Simone Inzaghi sprach von „ganz wenigen faulen Äpfeln“. Auch Vereinssprecher Arturo Diaconale gab sich fassungslos und beteuerte, an den antisemitischen Ausfällen sei nur eine ganz kleine Zahl der Fans beteiligt gewesen. Es war zwar einer der übelsten, aber beileibe nicht der erste Skandal dieser Art, als Lazio-Ultras vergangenes Wochenende im Stadion von Rom antisemitische Slogans und Aufkleber anbrachten, die unter anderem das von den Nazis ermordete jüdische Mädchen Anne Frank im Trikot des Rivalen AS Rom zeigten. Inzwischen sind 20 Verdächtige ermittelt, darunter drei Minderjährige. 13 von ihnen droht Anklage wegen Anstiftung zum Rassenhass. Lazio ist seit Jahrzehnten der Verein der Rechten in Italiens Hauptstadt und berüchtigt für seine Hooligan-Gruppe der „Irriducibili“, der Unbeugsamen, wie sie sich nennen. Dass es sich bei denen um wenige faule Äpfel handele, ist eine gefährliche Untertreibung.

Lazio ist kein Einzelfall. Italiens Stadien seien „Laboratorien der extremen faschistischen und rassistischen Rechten, die den Fußball mit politischem Hass vermischen“, schreibt La Repubblica. Seit Jahrzehnten geht das so. Die rechten Ultras zeigen den römischen Gruß, verherrlichen das Dritte Reich und verhöhnen schwarze Spieler mit Affenlauten. Die Irreducibili etwa sorgten schon vor fast zwanzig Jahren für Skandale,

als sie die gegnerischen Fans mit riesigen Spruchbändern grüßten, auf denen „Judenfans“ zu lesen war oder „Auschwitz ist eure Heimat, die Öfen euer Zuhause“. Seither müssen Transparente für Stadion vorher geprüft und genehmigt werden.

Militante Neofaschisten

Laut Bericht der nationalen Beobachtungsstelle für Sportveranstaltungen wurden zuletzt 400 Ultra-Gruppen in ganz Italien gezählt, mit mehr als 40.000 Anhängern. 151 davon sind politisch ausgerichtet, davon 85 rechts und davon mehr als die Hälfte rechtsextrem. Rund 8000 rechte Ultras gibt es, vor allem in Mittel- und Norditalien, bei Vereinen wie Inter Mailand, Hellas Verona, Brescia, Ascoli und Lazio Rom. Alle Gruppen pflegten enge Verbindungen zueinander und machten Stimmung gegen Flüchtlinge und Zuwanderung, heißt es im Bericht.

Die Digos-Sonderermittler der italienischen Terror- und Extremismus-Bekämpfung haben die Szene seit Jahren im Visier. Die meisten ihrer Anführer sind führende Köpfe militanter neofaschistischer Organisationen wie Casa Pound, Forza Nuova, Veneto Fronte Skinhead. Der Sprecher der Ultras von Hellas Verona etwa ist Chef von Forza Nuova Norditalien und gehört zur Bewegung „Verona den Veronesen“. Seine Leute grölen Chöre wie: Siamo una squadra fantastica, fatta a forma di svastica“ – „wir sind eine fantastische Mannschaft, gemacht in Form des Hakenkreuzes“.

Für rassistische Slogans und Symbole können Geldstrafen und Stadionverbote verhängt werden. Lazio-Spieler Paolo di Canio etwa musste 10.000 Euro zahlen, nachdem er 2005 im Stadion den Arm zum „römischen Gruß“ der italienischen Faschisten erhoben hatte. Harte Strafen aber werden nicht verhängt, Italiens Justiz hält sich zurück, auch aufgrund der Gesetzeslage. So sorgte 2015 ein Freispruch für Verona-Ultras für Empörung, die im Stadion den faschistischen Gruß gezeigt hatten. Laut Gesetz müsse damit die Absicht verbunden sein, die faschistische Partei neu zu gründen, argumentierte der Richter: Das sei bei Sportveranstaltungen nicht gegeben. Erst neulich hat das Parlament gegen die Stimmen des Mitte-Rechts-Lagers eine Verschärfung beschlossen, mit der neofaschistische Propaganda und Verbreitung von Nazi- und Mussolini-Devotionalien künftig unter Strafe stehen.

Unterstützung für die Ultras

„Es wurde viel zu viel Nachsicht geübt“, sagt Carlo Smuraglia, Vorsitzender des italienischen Partisanenverbandes Anpi. In Italien fehle eine echte antifaschistische Kultur, „in den Schulen, unter den Bürgern, in den Institutionen, und auch unter den Richtern“. Man habe das Phänomen kleingeredet, auch die Vereine seien allzu oft stumm geblieben. Das bestätigt der Sportsoziologe Maurizio Marinelli vom Studienzentrum der Polizei. Ihm zufolge sind die Verbindungen der extremistischen Fans zu den Vereinsspitzen ein großes Problem. „Die tun so, als wäre nichts. Und unterstützen die Ultras in vielen Fällen sogar.“

Der Vereinschef von Lazio, Claudio Lotito, ist eine Ausnahme, er distanziert sich seit langem. Die „Irreducibili“ hassen ihn dafür, wegen Morddrohungen braucht er Leibwächter. Doch auch er fiel jetzt unangenehm auf. Zwar verurteilte er die Anne-Frank-Aufkleber und versprach, jährlich 200 Ultras in die Gedenkstätte Auschwitz zu schicken. Vor seinem Entschuldigungs-Besuch in der Synagoge von Rom aber war er am Flughafen belauscht worden, wie er am Telefon sagte: „Wir bringen das Theater hinter uns.“

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Rassismus im italienischen Fußball – Ultras von Lazio Rom verunglimpfen Anne Frank

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Hier noch ein Auszug aus dem Spiegel.

2007 wurde der damalige Werder-Bremen-Stürmer Boubacar Sanogo im Weserstadion von Lazio-Fans mit Affengeschrei verhöhnt. Als der Stadionsprecher vor Spielbeginn einen Aufruf gegen Rassismus verlas, reagierten die Lazio-Anhänger mit dem Hitlergruß.

• Im April 2009 wurde Inter-Mailand-Spieler Mario Balotelli im Pokal-Halbfinale gegen Juventus Turin von Anhängern des Gegners mit rassistischen Gesängen beleidigt. Daraufhin verurteilte ein Sportgericht des italienischen Verbands die Turiner, das Heimspiel gegen US Lecce unter Ausschluss der Öffentlichkeit auszutragen.

• Während der Europa-League-Partie gegen Tottenham im September 2012 wurden Jermain Defoe, Aaron Lennon und Andros Townsend von Lazio-Fans rassistisch beleidigt. Lazio-Tore werden von rechten Ultras schon mal mit „Duce, Duce“-Rufen gefeiert, mit dem sie den faschistischen Diktator Benito Mussolini hochleben lassen. Auch Hakenkreuzflaggen hissten sie schon.

Der Präsident des Fußballverbandes FIGC, Giancarlo Abete, hat bereits um ein Treffen mit Italiens Polizeichef Antonio Manganelli gebeten, um Maßnahmen gegen Rassismus in den Stadien zu erörtern. Abete will zudem die Zusammenarbeit zwischen Clubs und Sicherheitskräften verstärken. Zuletzt liegt es aber auch an den Fans selbst, gegen die Täter etwas zu unternehmen. Die Spieler des AC Mailand haben bereits ein Zeichen gesetzt.

http://www.spiegel.de/sport/fussball/rassismus-im-italienischen-fussball-hitlergruss-und-duce-duce-rufe-a-875985.html

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Gruß Hubert

 

Ich bedaure nichts, ich rufe nicht …   Leave a comment

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Der russische Dichter Sergej Jessenin gefällt mir sehr, der passt irgendwie zu mir.

Sergei Alexandrowitsch Jessenin
wurde am 21. September 1895 in Konstantinowo, Gouvernement Rjasan in Russland geboren.
Er starb am 28. Dezember 1925 In Leningrad (Suizid).
Unter den Lyrikern Russlands gilt er noch heute als einer der größten.

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Ich bedaure nichts, ich rufe nicht …

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Ich bedaure nichts, ich rufe nicht und klage,
Alles geht wie auch der weißen Blüten Dunst.
Wenn das Gold des Abschieds ich heut trage,
hab verloren ich der Jugend Gunst.

Deine Schläge früher kraftvoll klangen,
liebes Herz, in Kälte nun erstarrt!
Doch dies Land, von Birkenflor umfangen,
nie mehr meiner bloßen Füße harrt.

Wanderlust, ich hab‘ dich nicht gefunden!
Wo ist nur der Jugend Leidenschaft?
Meine Frische lang schon ist geschwunden,
wie des Auges Feuer und des Fühlens Kraft.

So bescheiden meine Wünsche heute!
Und mein Leben? Träumte ich dich nur?
Laut und jagend ich durch meinen Frühling reite,
auf dem Rosen-Ross verlor die Spur.

Alle sind wir Gast in diesem Leben.
Stille fließt wie schwerer Honig übers Laub.
Dank sei dir, uns nun anheim gegeben,
um zu blüh’n, zu sinken in den Staub.


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Abend seine schwarzen Brauen senkte

Abend seine schwarzen Brauen senkte.
Fremde Pferde stehen vor der Tür.
War’s gestern, als die Jugend ich ertränkte?
Schwand auch gestern die Liebe zu dir?

Ach, verspätete Troika du, schnaub‘ nicht!
So spurlos unser Leben verrann.
Und vielleicht bin schon morgen todkrank ich,
dass für immer ich Ruhe hab‘ dann.

Vielleicht morgen, so ganz ohne Träume,
ohne Ziel geh‘ ich fort von hier und
lausch‘ den Liedern des Regens, der Bäume,
werd‘ an Leib und Seele gesund.

Werd‘ die finsteren Mächte vergessen,
die zerstörend peinigten mich.
Deinen Liebreiz, den ich besessen,
werd‘ ich immer bewahren für mich.

Auch wenn dann eine and’re ich liebe,
werd‘ erzählen ich ihr nur von dir,
erzählen von dir, meine Liebe,
die einst alles bedeutete mir.

Werd‘ erzählen von uns’rem Leben,
von Vergang’nem noch ganz unberührt…
Wohin, du mein Sinn, so verwegen,
ach, wohin nur hast du mich geführt?

http://www.gratis-webserver.de/mable/4.html

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Есенин, Отговорила роща… / Esenin, Golden Grove (subs by V. Chetin)

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Н. КАДЫШЕВА “ ОТГОВОРИЛА РОЩА ЗОЛОТАЯ“

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Gruß Hubert

Veröffentlicht 30. Oktober 2017 von hubwen in Lyrik, Musik, Uncategorized

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Demokratie ohne Selbstbestimmung ist keine Demokratie   11 comments

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Ich kann den Leuten, die gegen die Selbstbestimmung von Katalonien sind nur sagen, lernt die Geschichte Kataloniens. X-mal wurden ihnen gegebene Versprechungen wieder weggenommen. Irgendwann reicht es auch dem Gutmütigsten. Welches Vertrauen sollte Katalonien noch zu Spanien haben?

Aus der WELT

Den Autonomiestatus der Katalanen aufzuheben, ist ein unverzeihlicher Schritt und mit internationalem Recht nicht vereinbar. Ein Gastbeitrag des Völkerrechtlers Alfred de Zayas.

Die Ankündigung der spanischen Regierung, die Autonomie Kataloniens aufzuheben, ist bedauerlich. Ein derartiger institutioneller Angriff auf die katalanische Demokratie würde einen massiven Rückschritt bei der Verteidigung der Menschenrechte bedeuten und wäre unvereinbar mit den Artikeln 1, 19, 25 und 27 des Internationalen Pakts über bürgerliche und politische Rechte.

Es ist daran zu erinnern, dass laut Artikel 10, Absatz 2, und Artikel 96 der spanischen Verfassung internationale Verträge konstitutiv sind für das nationale Recht und dass Menschenrechte und Grundrechte des spanischen Rechts in Übereinstimmung mit internationalen Verträgen auszulegen sind.

Das Völkerrecht der Selbstbestimmung hat sich weit über die bloße Dekolonialisierung hinaus entwickelt. Einem Volk das Recht auf Selbstbestimmung zu verweigern, ihm die Rechtmäßigkeit eines Referendums abzusprechen und die begrenzte Autonomie eines Volkes durch Strafen und Einschüchterung aufzuheben, stellt eine Verletzung des Artikels 1 des Internationalen Paktes über bürgerliche und zivile Rechte (ICCPR) und des Internationales Paktes über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte dar.

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Der Autor: Alfred de Zayas, geboren auf Kuba und Staatsbürger der USA, ist Völkerrechtler, Historiker und UN-Sonderberichterstatter für die Förderung einer demokratischen und gerechten internationalen Ordnung

Quelle: picture alliance / Pacific Press

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Wir erinnern uns, dass der damalige Präsident der Bundesrepublik Jugoslawien, Slobodan Milosevic, die Autonomie des Kosovo aufgehoben hat, was zur Gründung der Kosovo-Befreiungsarmee und zu einer Serie von Konflikten führte, die mit der Unabhängigkeit des Kosovo endete. Dieses Ergebnis oder eine großzügigere Autonomie bei fortgesetzter territorialer Integrität Jugoslawiens hätten durch Dialog und politische Verhandlungen erreicht werden können.

Anstatt nach Vermittlungslösungen zu suchen, lehnten 1999 einige Staaten Dialog ab und entschieden sich für Gewalt ohne Rechtsgrundlagen oder Zustimmung des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen. Heute hat die internationale Gemeinschaft Interesse daran und eine Verantwortung dafür, sicherzustellen, dass in Katalonien der soziale Frieden geschützt und Gewalt verhindert wird.

Kein Staat kann sich auf das Recht der territorialen Integrität berufen, um das Recht auf Selbstbestimmung zu unterlaufen. Der Vorwurf, Beschlüsse des gewählten Parlaments von Katalonien seien „verfassungswidrig“ und das Referendum sei „illegal“, geht daher an der eigentlichen Frage vorbei. Derartige Argumente sind leere, positivistische, eigennützige Tricks, um das ius cogens, den unabänderlichen Charakter der Selbstbestimmung zu unterdrücken. Sie höhlen das Selbstbestimmungsrecht aus.

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Territoriale Integrität

Spanien muss daran erinnert werden, dass die Selbstbestimmung ein Recht der Völker ist und kein Vorrecht von Staaten, das sie gewähren oder verweigern können. Territoriale Integrität im Verständnis der Vereinten Nationen ist ein Anspruch nach außen mit dem Ziel, auswärtige Drohungen oder Eingriffe in die territoriale Integrität souveräner Staaten abzuwehren. Im Fall eines Konflikts zwischen den Prinzipien der territorialen Integrität und dem Menschenrecht auf Selbstbestimmung überwiegt letzteres.

Bekanntlich streben viele Völker weltweit nach Selbstbestimmung, entweder intern in Form von Autonomie oder extern in Form von Unabhängigkeit. Und obwohl die Verwirklichung von Selbstbestimmung nicht automatisch oder selbstständig erfolgt, handelt es sich um ein fundamentales Menschenrecht, bei dessen Implementierung als Mittel zur Konfliktvermeidung die internationale Gemeinschaft helfen muss.

Das Streben nach Selbstbestimmung verschwindet nicht durch dessen gewaltsame Unterdrückung. Vielmehr wird das Argument genährt, Abhilfe sei nur durch Sezession möglich.

Aus dem Englischen von Ansgar Graw

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Demokratie ohne Selbstbestimmung ist keine Demokratie

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Gruß Hubert

Veröffentlicht 28. Oktober 2017 von hubwen in Politik, Uncategorized

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Mussolini – Marsch auf Rom   Leave a comment

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Heute jährt sich zum 95.ten Mal der „Marsch auf Rom“. In Wirklichkeit marschierten die Schwarzhemden, wie sie auch genannt wurden, erst in Rom ein, nachdem der König Vittorio Emanuele III. Benito Mussolini zum Ministerpräsidenten ernannte – und das war am 30. Oktober 1922.
Etwa 30.000 Kämpfer gehen am 28. Oktober vor den Toren Roms in Stellung. Die liberale Regierung von Luigi Facta will den Ausnahmezustand verhängen. Doch das Staatsoberhaupt, König Vittorio Emanuele III., verweigert die Unterschrift unter den Kabinettsbeschluss.
Die 2 Jahre vor 1922 wurden die roten Jahre genannt, weil es gehäuft Streiks und Demonstrationen gab.  Mussolinis Mittel sind rücksichtslose Schlägertrupps, die „squadre d’azione“.  Es ist Anschauungsunterricht was Arbeiter unter einem Faschismus zu erwarten haben. Deswegen sage ich auch NIE WIEDER Faschismus. Für die Südtiroler bedeutete dies leidvolle Jahre bis 1945. Zum Beispiel wurden deutsche Schulen verboten und man durfte auch in der Öffentlichkeit nicht deutsch sprechen. Außerdem gab es andere unzählige Schikanen.

Hier aus planet-wissen.de

Benito Mussolini

Er verführte die Massen, inszenierte den Kult um seine Person und machte den Faschismus in Italien salonfähig: Benito Mussolini, der einstige „Duce“ der Italiener. Von 1922 bis 1945 herrschte der Diktator über das schöne Land südlich der Alpen. Er war ein Meister der politischen Agitation, erfüllt von imperialen Großmachtträumen und das große Vorbild des Mannes, der 1933 die Macht in Deutschland an sich riss: Adolf Hitler. Noch heute ist Benito Mussolini für so manche Italiener ein Mythos: Jedes Jahr pilgern mehrere tausend Anhänger zu seiner Gruft.

Rebellische Jugend

Geboren wurde Benito Mussolini 1883 in dem kleinen Dorf Predappio in der Emilia Romagna. Seine Mutter Rosa war eine ehrgeizige Volksschullehrerin, der Mussolini seine Ausbildung in einem katholischen Internat verdankte. Der Vater Alessandro arbeitete als Schmied. Eigentlich war das für die damaligen Verhältnisse in dem von Chaos und wirtschaftlichen Problemen zerrütteten Italien ein solides Elternhaus.

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Dieses Porträt von Benito Mussolini zeigt den Diktator in militärischer Uniform mit Helm. Er blickt starr zur Seite.

Benito Mussolini 1940

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Doch schon der junge Mussolini war ein Rebell. Er hatte Schwierigkeiten, sich Autoritäten unterzuordnen und gesellschaftliche Regeln zu akzeptieren. Deshalb hängte er seinen bürgerlichen Beruf als Lehrer schon früh an den Nagel und floh 1902 in die Schweiz. Dort und später im österreichischen Trient führte er ein unstetes Leben.

Mussolini erprobte sein Talent als politischer Agitator und entwickelte ein großes Interesse an politischen Theorien. Doch er verschrieb sich keiner Ideologie. Seine politischen Überzeugungen wechselte er, sobald es ihm nützlich erschien. Im Jahr 1909 kehrte Mussolini nach Italien zurück und arbeitete zunächst als politischer Journalist. Sechs Jahre später heiratete er seine Frau Rachele, mit der er insgesamt fünf Kinder bekam.

Der Marsch auf Rom

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Auf diesem Schwarzweiß-Foto ist Mussolini mit seiner Ehefrau Rachele und den fünf Kindern zu sehen.

Mussolini mit Ehefrau Rachele und den fünf Kindern, 1932

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Im Ersten Weltkrieg wurde Mussolini schwer verletzt, betrat jedoch nach seiner Genesung schnell wieder die politische Bühne. Geschickt betrieb er die Gründung einer neuen, der „faschistischen“ Bewegung. Am 23. März 1919 gründete er in Mailand die „Faschistischen Kampfbünde“, auch „Schwarzhemden“ genannt. In diesen Kampftruppen sammelten sich ehemalige Frontkämpfer, politisch Heimatlose und vor allem zahlreiche Söhne der oberitalienischen Großgrundbesitzer. Sie einte die Sehnsucht nach einem gewaltbereiten, politisch nicht klar definierten Aktionismus. Schon bald herrschte in den norditalienischen Städten blutiger Straßenterror. Besonders hart gingen die Faschisten gegen Sozialisten, Kommunisten und gegen die slawische Minderheit vor.

Doch mit den Kampfbünden allein konnte Mussolini die Macht in Italien nicht übernehmen – dazu saß die Angst vor einer Revolution bei den politischen Machtinhabern der Regierung Giovanni Giolittis und seines Nachfolgers Ivanoe Bonomis zu tief. Fieberhaft tüftelte Mussolini deshalb an einem Plan: Er verwandelte die faschistische Bewegung in die legale „Partito Nazionale Fascista“ (PNF), die vor allem einen militärischen Aktionismus verfolgte.

Diese neue Partei war dem „Duce“ (Führer) höchstpersönlich unterstellt und wurde bei den Neuwahlen am 15. Mai 1921 offiziell in das italienische Parlament gewählt. Mussolinis Doppelstrategie, sich einerseits das Drohpotenzial der gewaltbereiten Faschisten zunutze zu machen und andererseits mit einer legalen Partei an die Macht zu gelangen, ging auf.

Als im Februar 1922 die Regierung Bonomis stürzte, nutzte Mussolini die Situation und erhöhte den Druck durch erneute Gewaltaktionen der Kampfbünde auf Italiens Straßen. Er forderte, die Macht auf die Faschisten zu übertragen, was ihm schließlich auch gelang. Am 28. Oktober 1922 marschierte Mussolini mit seinen Gefolgsleuten nach Rom. Der Faschismus war zu einer Massenbewegung angeschwollen. König Vittorio Emanuele III. – Italien war eine parlamentarische Monarchie – konnte nicht mehr länger umhin und beauftragte Mussolini mit der Bildung einer neuen Regierung.

(Anmerkung: da bin ich gegenteiliger Meinung zur Autorin, dass der König da nicht mehr länger umhin konnte).

Doch trotz Mussolinis Drohgebärden handelte es sich nicht um einen Putsch: Der „Duce“ ließ seine „Schwarzhemden“ erst in Rom einmarschieren, nachdem die bürgerlichen Parteien und der König Mussolini das Amt des Ministerpräsidenten zugesichert hatten. Bereits drei Jahre später verkündete der „Duce“ seine persönliche Diktatur und baute bis Ende der 20er Jahre das politische System Italiens Schritt für Schritt zu einem totalitären Staat um.

Mussolini – Duce, Imperator und Feldherr

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Jungen in Uniform bei einem Aufmarsch der Faschisten. Sie schwenken die Fahne der Jugendorganisation 'Balilla'.

Standartenträger in der faschistischen Jugend-Organisation „Balilla“

 

Mussolini nutzte zum Ausbau seiner Herrschaft die ganze Palette propagandistischer Mittel. Der italienische Faschismus war eine auf Mussolini zugeschnittene Führerdiktatur. Mit allen Mitteln förderte er den Kult um seine Person und baute den Faschismus zu einer Massenbewegung aus. In dieser Bewegung galt der Einzelne nichts, nur die Gemeinschaft zählte.

Dieses Prinzip setzte Mussolini schon bei den Kleinsten um. Die Kinder wurden in der faschistischen Organisation „L’Opera Nazionale Balilla“ schon früh auf den „Duce“ eingeschworen. Hitler ahmte dieses Prinzip später mit der Hitler-Jugend nach. Massenveranstaltungen wie Militäraufmärsche und sportliche Großereignisse sollten die Zustimmung in der Bevölkerung fördern.

Es war beinahe unmöglich, sich der Präsenz des „Duce“ zu entziehen: Überall gab es Postkarten mit dem Konterfei Mussolinis, die Wanderkinos brachten den Diktator auf der Leinwand bis in den letzten Winkel Süditaliens und die Zeitungen taten ihr Übriges. Mussolini war überall. Und das war auch sein Anspruch, wenn es um die Ausweitung des italienischen Machtbereiches ging. Er wollte an das römische Imperium der Antike anknüpfen und sein Reich über das Mittelmeer bis zum Indischen Ozean ausweiten.

1934 erklärte Mussolini Libyen zur italienischen Kolonie, ein Jahr später griff er das heutige Äthiopien an, beteiligte sich auf Seiten Francos am Spanischen Bürgerkrieg und trat 1940 schließlich auf der Seite Deutschlands in den Zweiten Weltkrieg ein.

Untergang eines Diktators

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Rotes mehrstöckiges Gebäude mit heruntergekommener Fassade.

Hier wurde Mussolini 1943 gefangen gehalten

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Anfang der 40er Jahre geriet der Faschismus langsam auch bei Mussolinis Landsleuten in die Kritik. Italien war durch die dauernden Kriege erschöpft. Langsam dämmerte vielen, dass der italienische Faschismus keine Lösungen für die gewaltigen Probleme des Landes anbot. Als Mussolini 1940 dann auf eigene Faust den Feldzug gegen Griechenland führte, war die Blamage perfekt. Hitlers Armee musste eingreifen, um die italienische Kapitulation in Griechenland abzuwenden. Es folgte Niederlage auf Niederlage, die schließlich im Juli 1943 das politische Schicksal des „Duce“ besiegelte.

Als am 9. Juli 1943 alliierte Truppen auf Sizilien landeten, setzte der Faschistische Großrat, das verfassungsgebende Gremium des Faschismus, Mussolini ab. Er wurde verhaftet und schließlich auf dem Gebirgsmassiv „Gran Sasso“ in den Abruzzen inhaftiert. Doch die „neuen“ Feinde Mussolinis hatten ihre Rechnung ohne Hitler gemacht: Der ließ seinen Bündnispartner in einer spektakulären Aktion befreien und gleichzeitig den Norden Italiens von deutschen Truppen besetzen. Mussolini setzte er als Führer der deutschen Besatzungsgebiete Italiens ein, auch unter dem Namen „Marionettenrepublik von Salò“ bekannt.

Zwei Jahre später, als die Kapitulation der Deutschen nicht mehr abzuwenden war, versuchte der „Duce“ mit seiner Geliebten Claretta Petacci in die Schweiz zu fliehen. Doch er wurde am 27. April 1945 von italienischen Widerstandskämpfern gefasst und mit seiner Geliebten zusammen erschossen.

(Anmerkung: und in der Nähe von Mailand bei einer Tankstelle an einem Laternenpfahl zusammen mit seiner Geliebten umgekehrt, also an den Füßen aufgehängt).  

Autorin: Sandra Kampmann

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Mussolini – Marsch auf Rom

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„Benito Mussolini, der selbst ernannte „Duce “ („Führer“) Italiens, liebt effektvolle Inszenierungen. Eine davon ist 1922 der „Marsch auf Rom“, der zum zentralen Mythos des italienischen Faschismus wird. Das Ereignis wird als Stunde Null eines neuen römischen Imperiums verherrlicht und alljährlich mit Paraden und Reden gefeiert. (Anmerkung: Mussolini führte auch eine neue Zeitrechnung ein, die zum Glück nicht lange Bestand hatte. 1928 zum Beispiel war das anno VI di era Fascista, era Fascista abgekürzt zu E.F. – also 1928 das 6. Jahr der faschistischen Ära, so schien es auch in amtlichen Akten auf).

Immer wieder beruft sich Mussolini auf antike Vorbilder: „Das wiedererstandene Imperium Roms ist das Werk dieses neuen Geistes, der Italien beseelt“, sagt er beim Berlin-Besuch im September 1937. „Die deutsche Wiedergeburt ist gleichfalls das Werk einer geistigen Kraft.“
Der Rückgriff auf römische Größe ist keine Erfindung des Faschismus. Bereits vorher leitet Italien aus seiner antiken Geschichte den Anspruch ab, in Europa eine führende Rolle zu spielen. Um diese Rolle sieht sich das Land nach dem Ersten Weltkrieg betrogen: Zusammen mit den Alliierten sind die Italiener gegen die Mittelmächte angetreten und haben als Kriegsgewinner zwar Gebiete wie das Veneto und Südtirol erhalten. Auf weitere Ansprüche wie Dalmatien oder nordafrikanische Kolonien hat Italien aber verzichten müssen. Aus Sicht des Historikers Thomas Schlemmer vom Münchner Institut für Zeitgeschichte ist so das Trauma vom „verstümmelten Sieg“ entstanden, eine Art Minderwertigkeitskomplex.“

http://www1.wdr.de/stichtag/stichtag5730.html

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Gruß Hubert

 

Saltatio Mortis – Wir sind Papst   Leave a comment

Stimmt, leben können die Deutschen nicht, dazu sind sie zu ernst und zu meckerig.

Das vom nicht leben können kommt im Lied vor. „Wir können alles außer Leben,
denn unbeschwert, das sind wir nie.

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Saltatio Mortis – Wir sind Papst (Lyric Video)

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Bemerkung zum Papst a.D. Ratzinger: so dachte… nein denkt er über Tiere:

„…dem Reh könne ja gar nichts Besseres passieren…..
„Hatte nicht schon der junge Theologieprofessor Ratzinger, damals also noch nicht Bischof, Kardinal oder Papst, in seinen Vorlesungen vor seinen Theologiestudenten getönt, es könne dem Reh oder Hasen gar nichts Besseres passieren, als geschossen zu werden und auf dem Teller des Menschen zu landen, denn damit erfülle das Tier seine Bestimmung, die der Schöpfergott ihm zugeteilt habe.“
Hubertus Mynarek, Papst ohne Heiligenschein, Sonderdruck, Odernheim 2006

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Ich hoffe er segnet das Zeitliche bald einmal. 90 ist er ja schon (geb. 16.04.1927). Aber wir werden ja sehen was der „Schöpfergott“ ihm zugeteilt hat.

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Gruß Hubert

 

Veröffentlicht 27. Oktober 2017 von hubwen in Musik, Uncategorized

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Lieb Vaterland, magst ruhig sein   Leave a comment

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In Extremo – Lieb Vaterland, magst ruhig sein

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In Extremo – Lieb Vaterland, magst ruhig sein

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Im Frühjahr, wenn die Blumen blühen,
Ist es Zeit für mich zu ziehen.
Der Flaum am Kinn, so jung an Jahren,
Erste Liebe, kaum erfahren,
Viel Ruhm und Ehr‘ fürs Vaterland,
So ist mir auch vorm Tod nicht bang.
Die Pflicht, sie ruft: „Auf, in die Schlacht!“,
Auf dass sie mich zum Manne macht.

Nun zieh‘ ich in ein fremdes Land,
Hab‘ das Eigene kaum gekannt.
Die Heimat schwindet Stück für Stück,
Die Brüder kehrten nie zurück.
Kanonendonner, Feuerschein,
Werden meine Liebsten sein
Die Fahne flattert stolz im Wind,
Das Herz pocht schnell vor feurig Wind.

Lieb Vaterland, magst ruhig sein
Ein jeder stirbt für sich allein
Ich bin klein
Mein Herz ist rein
Kann niemand darin wohnen
Nur der Tod allein
Lieb Vaterland, magst ruhig sein
Ein jeder stirbt für sich allein.
Ich bin klein, mein Herz ist rein,
Kann niemand darin wohnen,
Nur der Tod allein.

Das Säbelrasseln, nicht mehr weit,
Mein Gott nochmal, jetzt wird es Zeit!
Mutters Tränen sind mir Leid,
Der Waffenrock, mein stolzes Kleid
Wir stürmen vor, die Herzen brennen,
Töten das, was wir nicht kennen.
Haben sorglos all den Tod verlacht,
Was hat die Welt aus mir gemacht!

Aus Schützengräben stöhnt es matt,
Weh dem, der keine Freunde hat!
Die Stiefel hart, die Wangen blass,
Die Wunden rot, den Blick voll Hass,
Auf Blut getränkter Erde dann
Bricht der Zweifel seinen Bann
Am Ende steht mir zu der Lohn,
Es rollt mein Kopf vor deinen Thron.

Lieb Vaterland, magst ruhig sein,
Jeder stirbt für sich allein.
Ich bin klein, mein Herz ist rein
Kann niemand darin wohnen,
Nur der Tod allein.

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http://www.songtexte.com/songtext/in-extremo/lieb-vaterland-magst-ruhig-sein-6b1c6a02.html

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Udo Jürgens – Lieb Vaterland (Drehscheibe 26.04.1971)

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Gruß Hubert

Veröffentlicht 27. Oktober 2017 von hubwen in Musik, Uncategorized

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Kann für ein Glaubenssystem, das keine Religionsfreiheit gewährt, das Grundrecht der Religionsfreiheit gelten?   6 comments

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Zumindest nachdenkens- und überlegenswert finde ich diesen Artikel aus der ZEIT.

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Religionsfreiheit, aber nicht für den Islam – auf diese Sicht des AfD-Abgeordneten Glaser muss die Demokratie kluge Antworten geben und darf nicht billig ausweichen.

Der AfD-Bundestagsabgeordnete Albrecht Glaser hat eine interessante Frage gestellt: Kann für ein Glaubenssystem, das keine Religionsfreiheit gewährt, das Grundrecht der Religionsfreiheit aus Artikel 4 Grundgesetz gelten? Ist das nicht ein Paradox?

Leider hat er darauf eine unterkomplexe Antwort gegeben. „Der Islam ist eine Konstruktion, die selbst die Religionsfreiheit nicht kennt und die sie nicht respektiert. Und die da, wo sie das Sagen hat, jede Art von Religionsfreiheit im Keim erstickt. Und wer so mit einem Grundrecht umgeht, dem muss man das Grundrecht entziehen“, sagte Glaser im April.

Die Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt schaffte es, diese intellektuelle Simplizität noch zu unterbieten, indem sie erwiderte, Glaser „erkennt das Grundgesetz nicht an“. Weshalb die Grünen-Fraktion ihn nicht zum Bundestagsvizepräsidenten wählen könne. So sah es die Mehrheit des Parlaments. Glaser fiel am Dienstag dreimal durch, und die Botschaft war klar: Solche Diskussionen wollen wir hier nicht.

Wenn sie der AfD einen Märtyrerstatus verschaffen wollen, sollten die übrigen Parteien im neuen Bundestag nur so weitermachen. Kaum etwas freut und stärkt das Anti-Establishment mehr als angebliche Bannerträger der Freiheitlichkeit, die sich nicht anders zu helfen wissen, als unangenehme Fragesteller als Extremisten zu diffamieren.

Nein, liebe Frau Göring-Eckardt: Wer das Vertrauen in die Weisheit der Verfassung aufrechterhalten will, muss sich schon ein Minimum an argumentativer Mühe machen.

Würde man zum Beispiel einer Partei, die ihren Mitgliedern verböte, jemals auszutreten, und ihnen androhte, sie im Falle eines Parteiwechsels zu töten, gestatten, sich auf die Parteienfreiheit des Artikels 21 Grundgesetz zu berufen? Ganz sicher nicht. „Parteien, die nach ihren Zielen oder nach dem Verhalten ihrer Anhänger darauf ausgehen, die freiheitliche demokratische Grundordnung zu beeinträchtigen oder zu beseitigen (…), sind verfassungswidrig“, heißt es in dessen Absatz 2.

Warum gilt dies dann nicht analog für die Religionsfreiheit?

Glaser hat mit seiner empirischen Behauptung ja völlig recht; dort, wo der Islam Staatsreligion ist, gibt es keine Glaubensfreiheit. Und auf Apostasie, den Abfall vom Islam, steht laut Scharia die Todesstrafe.

Nur sollte man etwas genauer wissen, wie Grundrechte funktionieren, und das tut Glaser offenbar nicht.

Die Geltung eines Grundrechts hängt nicht davon ab, wie sein Träger mit diesem Grundrecht umgeht. Sehr wohl eingeschränkt werden kann allerdings die Ausübung eines Glaubens.

Die Religionsfreiheit bedeutet gerade nicht, dass jeder alles, was er glaubt, hier auch verwirklichen darf. Die Freiheit, seine Religion auszuleben, endet vielmehr dort, wo gleichrangige Freiheitsrechte anderer betroffen sind. Diese Unterscheidung bedeutet als Erstes: Glaubensinhalte selbst müssen nicht verfassungskonform sein, um von Artikel 4 umfasst zu werden. Ansonsten müsste zum Beispiel der Katholizismus verboten werden, denn seine Dogmen (nur Männer können zum Priester geweiht werden, Zölibat) verstoßen eindeutig gegen den Gleichberechtigungsartikel 3, gegen das Grundrecht auf freie Berufswahl aus Artikel 12 und gegen das Recht auf individuelle Selbstbestimmung aus Artikel 2 Grundgesetz.

Zur Ehrlichkeit gehört jedoch auch, dass der Mainstream-Islam keine Religion wie die meisten anderen ist, sondern einen Mischcharakter besitzt. Er erhebt den Anspruch, verbindliche Regelungen nicht nur in spiritueller, sondern auch in tatsächlicher Hinsicht zu treffen, inklusive eigener Vorstellungen von Familien-, Erb- und Strafrecht. Deswegen kollidiert der Islam besonders heftig mit vielen Grundrechten. Auch wenn dies zur Frustration mancher Muslime führen mag: Genau in diesen Kollisionsfällen darf der demokratische Rechtsstaat keinen Millimeter von seinen Freiheitsgrundsätzen abrücken.

Wer glaubt, er könne seinen Töchtern aus religiösen Gründen die Teilnahme an Klassenfahrten oder am Sportunterricht untersagen, wird diese Vorstellung mit Artikel 3 und 7 des Grundgesetzes versöhnen müssen, dem Gleichberechtigungsgrundsatz und dem Erziehungsauftrag des Staates. Das Bundesverwaltungsgericht und der EGMR haben bereits in diesem Sinne geurteilt: Die Teilnahme am Schwimmunterricht ist einer Muslimin – im Burkini – zumutbar.

Religiöse Gebote können es ebenso wenig rechtfertigen, Kinder, die noch nicht religionsmündig sind, körperlich zu verletzen. Deswegen bleibt das „Beschneidungsgesetz“, das der Bundestag 2012 verabschiedete, ein Unding. Der richtige Ausgleich zwischen Religionsfreiheit und dem Recht auf körperliche Unversehrtheit wäre es, eine Beschneidung erst ab der Volljährigkeit des Betroffenen zuzulassen, egal ob es sich um Muslime oder Juden handelt.

Aber was ist nun mit der Besonderheit des Apostasie-Verbots, auf das Glaser sich bezieht? Es belastet den Islam in der Tat mit einem kategorialen Unterschied gegenüber anderen Religionen. Wem die Beschränkungen des Katholizismus oder des Judentums nicht passen, kann jederzeit aussteigen oder konvertieren. In der Praxis achten diese Religionen deshalb das zweite Grundrecht, das in Artikel 4 wohnt: das Recht, nicht zu glauben.

Man könnte es sich nun einfach machen und finden: Der Staat schützt diese Freiheit zum Nichtglauben dadurch, dass er Muslimen, die Apostaten mit dem Tode bedrohen, seinerseits mit einer Freiheitsstrafe droht. Der Staat stellt zudem Polizeischutz für liberale Muslime, die Moscheen gründen, in denen Frauen predigen dürfen. Dies ändert allerdings kaum etwas an der permanenten potenziellen Nötigung zum Glauben, die dem Islam innewohnt und die mit Artikel 4 nicht zu vereinbaren ist.

Der Staat hat deshalb an dieser Stelle eine aktive und vorauseilende Schutzpflicht, sprich: Er hat darauf hinzuwirken, dass möglichst viele Muslime auch die (negative) Glaubensfreiheit anderer respektieren. Wie das gehen soll? Zum Beispiel, indem er staatlichen islamischen Religionsunterricht anbietet (und nur solchen erlaubt), in dem diese aufgeklärte Position vertreten wird. Zum Beispiel, indem er von seinen Beamten verlangt, diese Freiheit anzuerkennen, und sie anderenfalls aus dem Staatsdienst entfernt. Zum Beispiel, indem er die ausländische Finanzierung von Imamen unterbindet, die Glaubensunfreiheit predigen.

Ja, die Religionsfreiheit gilt auch für den Islam. Aber wie weit genau sie für ihn gelten kann, wie, ganz grundsätzlich, eine grundgesetzkonforme religiöse Praxis aussehen muss, darüber darf, nein, muss gestritten werden. Auch im Bundestag.

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Kann für ein Glaubenssystem, das keine Religionsfreiheit gewährt, das Grundrecht der Religionsfreiheit gelten?

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Gruß Hubert

Veröffentlicht 26. Oktober 2017 von hubwen in Religionskritik, Uncategorized

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