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Kinderlose – Die neuen Sündenböcke der Nation   2 comments

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Ich habe heute irgendwo ein Bild gesehen wo gesagt wurde, dass von den G7 nur Trump und der kanadische Regierungschef Kinder haben, die übrigen fünf hätten keine Kinder. Ich habe es nicht recherchiert, weiß nicht ob es so ist. Außerdem müsste man wissen ob sie keine Kinder wollen bzw. ihre Partnerinnen und ob sie keine bekommen können. Aber wen geht das etwas an? Das ist ja ein massiver Eingriff in die Privatsphäre. Ich finde es sogar eine Frechheit und eine schamlose Anmaßung. Beim Trump könnte ich mir allerdings vorstellen, dass er auch eine außerehliche Kinderschar hat.
Für die Normalbürger bedeuten viele Kinder außerdem ja viele finanzielle Nachteile, BESONDERS für Frauen. Da kümmert sich VATER STAAT dann nicht mehr darum. Übrigens macht es auch die Kirche so, nachdem die Kinder da sind tun sie nichts mehr dafür (obwohl… aber lassen wir das… 😦  ). Es bedeutet Armutsfalle, Altersarmut zu hundert Prozent voraus programmiert. Deutschland hat ja tolle Renten!

Überhaupt die katholische Kirche! Warum verbietet sie dann ihren Priestern die Ehe?? Dann könnten sie zumindest Kinder haben, die sie nicht zu verstecken bräuchten.

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Die Journalistin Kerstin Herrnkind hat sich mit dem Thema befasst.

Kinderlose – Die neuen Sündenböcke der Nation

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Vögeln für den Kaiser, für den Führer, gegen den Kommunismus, für die Rentenkasse – Kinder zu gebären fürs Vaterland hat in Deutschland eine lange Tradition. Doch es ist eine kurzsichtige, dumme Politik. Man rechnet mit Kindern, die nicht geboren sind. Mit Geld, das noch nicht erwirtschaftet ist. Und wundert sich, wenn dem System der Zusammenbruch droht.
Doch es sind nicht die Kinderlosen, die das Rentensystem zerstören. Das System zerstört sich selbst, weil die deutsche Rentenversicherung einem Schneeballsystem gleicht. Und Politiker die Rentenkasse plündern.  Um diese Fehler zu vertuschen, machen Politiker Kinderlose zu Sündenböcken. Der demografische Wandel ist eine Lüge, mit der Politik gemacht wird.

Was außerdem geschickt unter den Tisch gekehrt wird: Die Kritik an Kinderlosen ist eine zutiefst frauenfeindliche Debatte. Es sind nun mal die Frauen, die Kinder gebären. Und sie bezahlen  in diesem Land nicht selten mit ihrer beruflichen Existenz dafür.

Politiker in diesem Land wollen, dass Frauen mehr Kinder kriegen. Doch wehe, Frauen lassen sich darauf ein.  Überall stehen Fallen, in die sie tappen können: Elternzeitfalle, Teilzeitfalle, Armutsfalle, wenn sie ihre Kinder alleine erziehen müssen. Alle werden zur Rentenfalle.
Wenn sie erstmal Kinder haben, lässt die Politik Frauen im Stich. Vater Staat verrät seine Töchter.

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http://kerstinherrnkind.com/

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Hier noch ein Auszug aus Huffington Post

Kinderlose Frauen sind die neuen Sündenböcke der Nation

Kinderlose sind die neuen Sündenböcke der Nation. „Zwar leistet sich Deutschland heute schwule Außenminister und Bürgermeister sowie eine kinderlose Kanzlerin, doch wehe, man bekennt sich offen zum vorsätzlichen Leben ohne Kind. Es kommt dem Bruch eines ungeschriebenen Gesetzes gleich. Das lautet bis heute: Nur wer Kinder in die Welt setzt, lebt wirklich im Einklang mit den Werten der Gesellschaft“, schreibt mein Kollege Mathias Schneider im Stern.

„Kinderlosigkeit hat in unserer Gesellschaft den Rang eines unentschuldbaren Makels, eines Versagens“, bringt die taz es auf den Punkt.

Mehr zum Thema: Diese 5 Worte sind für mich schlimmer als sexuelle Belästigung

Und die Schriftstellerin Tanja Dückers klagt in der Zeit: „Dass Kinderlose heute gesellschaftlich mehr geächtet werden als noch vor dreißig Jahren, ist beschämend für eine angeblich offene, tolerante Gesellschaft“.

Politiker, Wissenschaftler, Juristen, ja selbst Ärzte hacken auf Kinderlosen herum. Nicht mal die angeblich so barmherzigen Kirchen bringen Verständnis für Kinderlose auf. „Wer keine Kinder bekommt, ist egoistisch“, sagt der Papst.

Familien mit drei Kindern sind nach Vorstellung des Papstes optimal

„Eine Gesellschaft mit einer erfolgsorientierten Generation, die sich selbst nicht mit Kindern umgeben will und für die Kinder vor allem etwas Störendes, eine Belastung, ein Risiko darstellen – das ist eine deprimierte Gesellschaft.“ Familien mit drei Kindern sind nach Vorstellung des Papstes optimal.

Der Papst selbst hat keine Kinder. Früher soll es Heilige Väter gegeben haben, die echte Papas waren. Papst Hormisdas (514-523) war Vater eines Sohnes. Papst Hadrian II. (867-872) hatte eine Tochter. Die katholische Kirche war offenbar lockerer drauf.

 

Bis in neunte Jahrhundert gab es sogar Kinder von Priestern, die Päpste wurden. Heutzutage erlaubt die katholische Kirche ihren Priestern nicht mal mehr, sich offiziell zu ihren unehelichen Kindern zu bekennen. Und wer es tut, fliegt raus. Was die katholische Kirche diesen Kindern antut, kann man in dem Buch Sag keinem, wer dein Vater ist von Karin Jäckel nachlesen.

 

Die Journalistin hat das Schicksal von Priesterkindern aufgearbeitet. „Wir haben uns geschämt, dass unser Vater ein Priester ist. Ein Priester hat doch keine Frau und keine Kinder. Das ist Sünde. Und wir sind jetzt der Beweis“, erzählen Betroffene.

Die katholische Kirche selbst ist eine deprimierte Gesellschaft

„Kinder, die mit Angst und Lügen aufwachsen – so belegen die erschütternden Zeugnisse und Berichte dieses Buches – haben keine Kindheit“, schreibt die Autorin. Aber Papst Franziskus findet ja auch nichts dabei, Kinder zu schlagen.

Kürzlich hat der Papst behauptet: „Die Ehe ist die schönste Sache, die Gott geschaffen hat.“ Die Ehe wird allerdings schon im Codex Ur-Nammu und dem Codex Hammurapi – also in den ältesten Gesetzestexten der Welt – erwähnt. Spricht eher dafür, dass es Menschen waren, die da einen gewissen Regelungsbedarf zwischen (damals noch) Mann und Frau sahen.

Aber wenn der Papst so überzeugt davon ist, dass es Gott war, der die Ehe erfunden hat, soll er seine Priester doch endlich heiraten lassen und den Zölibat aufheben. Die katholische Kirche selbst ist eine deprimierte Gesellschaft.

Und sie ist scheinheilig, wie es in der Bibel steht: „Auf dem Stuhl des Mose sitzen die Schriftgelehrten und Pharisäer … Sie binden schwere und unerträgliche Bürden und legen sie den Menschen auf die Schultern; aber sie selbst wollen keinen Finger dafür krümmen.“

Nun muss man wissen, dass längst nicht alle Kirchenmitarbeiter, also auch Pfarrer und Priester, den Generationenvertrag stützen und in die Rentenversicherung einzahlen. „Satzungsmäßige Mitglieder geistlicher Genossenschaften“, also Mönche, Diakonissen und andere Ordensmitglieder, sind von der Pflicht, in die gesetzliche Rentenversicherung einzuzahlen, befreit.

Und man muss wissen, dass die Kirchen sich die Gehälter ihrer Bischöfe, Priester und Vikare vom Steuerzahler spendieren lassen. Ja, richtig gelesen, die Steuerzahler, selbst wenn sie keiner Konfession angehören, zahlen die Gehälter von Geistlichen.

Forderungen verjähren in der Regel nach drei Jahren

Rund 500 Millionen Euro überweisen die Bundesländer (abgesehen von den Stadtstaaten Hamburg und Bremen) jedes Jahr an die Kirchen. Keine Kirchensteuer, wohlgemerkt, sondern sogenannte „Staatsleistungen“ aus dem Steuersäckel. Also Geld, das die arbeitende Bevölkerung in diesem Land erwirtschaftet hat.

Warum? Nun ja, der Staat leistet mit dieser halben Milliarde Abbitte dafür, dass die Kirchen im 18. und 19. Jahrhundert enteignet wurden. Angeblich wurde ihnen dafür Schadensersatz zugesichert.

Kirchenkritiker halten Letzteres für eine Legende. Doch selbst wenn es so gewesen sein sollte, wäre diese Schadensersatzforderung inzwischen über 200 Jahre alt. Nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch verjähren Forderungen in der Regel nach drei Jahren.

Vollstreckungstitel, mit denen Forderungen eingetrieben werden können, sind 30 Jahre gültig. Und in der Bibel ist gar die Rede davon, dass Schulden alle sieben Jahre erlassen werden sollen: „Jeder Gläubiger soll den Teil seines Vermögens, den er einem andern … als Darlehen gegeben hat, brachliegen lassen.“

16,8 Milliarden Euro haben die Länder den Kirchen überwiesen

Aber die Kirchen beharren auf „ihrer“ Kohle. Und die Steuerzahler blechen 500 Millionen Euro pro Jahr für diese merkwürdige Wiedergutmachung. Zum Vergleich: 800 Millionen Euro will das Bundeskabinett von 2017 bis 2019 in den sozialen Wohnungsbau stecken.

Wenn wir den Kirchen nicht das Geld überweisen müssten, hätte der Finanzminister schon einen schönen Batzen für den sozialen Wohnungsbau zusammen. Klar, es sind die Länder, die den Kirchen Staatsleistungen überweisen, nicht der Bund, trotzdem taugt der Vergleich, um hier einmal die Dimensionen klarzumachen.

16,8 Milliarden Euro haben die Länder den Kirchen seit der Gründung der Bundesrepublik als Wiedergutmachung für die Enteignungen überwiesen.

So hat es der Verwaltungsjurist Johann Albrecht Haupt ausgerechnet. „Die historische Begründung für die Staatsleistung wirkt, nahezu zweihundert Jahre nach der Säkularisation, anachronistisch“, schreibt er in einem Aufsatz über die Trennung von Staat und Kirche.

Die Kirchen kassieren das Geld ungerührt

„Kriege und Vertreibungen haben gerade in den letzten zwei Jahrhunderten Hunderttausenden von Menschen und vielen Institutionen wiederholt die Existenzgrundlage geraubt, ohne dass der Staat in vergleichbarer Fürsorge den Betroffenen mit ‚Staatsleistungen‘ auf Dauer zur Seite gestanden hätte.Die Kirchen, die … ohnehin zu den reichsten Institutionen in Deutschland gehören, bedürfen der Staatsleistungen am allerwenigsten.“

Recht hat er. Doch die Kirchen kassieren das Geld ungerührt, selbst wenn im Land der Rotstift regiert und bei Arbeitslosen und Hartz IV-Empfängern gespart wird.

„Eine staatliche Mega-Rente für die Kirche“, spottet mein Kollege Lutz Kinkel auf stern.de. Aber die Kirchen handeln ganz im Sinne der Bibel: „Hastig errafftes Gut zerrinnt; wer aber ruhig sammelt, bekommt immer mehr.“

Dass der Staat den Geldhahn zudreht, ist unwahrscheinlich. Die Politik traut sich an das Thema nicht heran. Obwohl die Abschaffung dieser Pseudo-Schuld sogar im Grundgesetz steht. Aber die Kirche ist eine Hausmacht im Lande, mit der man sich nicht anlegt – Verfassungsauftrag hin oder her.

 

2015 nahmen die Kirchen über elf Milliarden Euro Kirchensteuer ein

Eine Initiative der Linken, die Staatsleistungen abzuschaffen, scheiterte. Der Bund schiebt den Ländern den schwarzen Peter zu: „Die Bundesregierung sieht … keinen Anlass, die Initiative zu einer Ablösung der Staatsleistungen zu ergreifen. Der Bund selbst ist nicht Schuldner der Staatsleistungen. Den Ländern als Träger der Staatsleistungen steht es dagegen frei, einvernehmlich mit den Kirchen die Staatsleistungen zu verändern und neue Rechtsgrundlagen zu schaffen“, liest man in der Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der Linken.

„Irgendwie leben ja auch alle halbwegs gut damit, wenn es so weitergeht. Bis auf den Steuerzahler“, schreibt Kollege Kinkel sarkastisch auf stern.de. Dass uns die Kirche unsere Schuld finanziell vergibt und erlässt, ist nicht zu erwarten. So zahlen wir bis in alle Ewigkeit.

Und wir zahlen nicht nur diese Staatsleistungen an die Kirchen. Auch steckt Vater Staat den Kirchen großzügig Steuergeld zu. Wie spendabel er ist, kann man im Violettbuch Kirchenfinanzen von Carsten Frerk nachlesen.

2015 nahmen die Kirchen über elf Milliarden Euro Kirchensteuer ein. Ein Rekord. Das Geld sei den Kirchen gegönnt, schließlich drücken die Gläubigen es freiwillig ab. Doch der deutsche Staat spielt für die Kirchen den Kassierer. Die Finanzämter treiben die Kirchensteuer ein.

Der Staat verzichtet zugunsten der Kirchen auf bares Geld

Wir sind – der Säkularisierung zum Trotz – kein säkularer Staat. Auch die Arbeitgeber, also zum großen Teil private Unternehmen, müssen den Kirchen zur Hand gehen, die Kirchensteuer ausrechnen und ans Finanzamt überweisen.

Diesen Service verdanken die Kirchen übrigens den Nazis, die die Arbeitgeber ab 1935 dazu verpflichteten. Der Staat verzichtet zugunsten der Kirchen auf bares Geld, weil man die Kirchensteuer von der Einkommensteuer abziehen kann.

Alles in allem schlagen diese Vorzüge, die der Staat den Kirchen einräumt, für den Steuerzahler nach Frerks Berechnungen mit insgesamt fünf Milliarden Euro pro Jahr zu Buche. Mit dem Geld könnte Bildungsministerin Johanna Wanka (CDU) neue Computer für die Schulen kaufen.

Fünf Milliarden Euro ist genau die Summe, die Frau Wanka in die Digitalisierung von Schulen stecken will. Auch sonst greift Vater Staat den Kirchen mit unserem Steuergeld großzügig unter die Arme. Etwa 19 Milliarden Euro überweist der Staat laut Frerk den Kirchen pro Jahr. Zusätzlich zur Kirchensteuer.

Wir finanzieren den kirchlichen Nachwuchs

Steuerzahler sanieren mit ihrem Geld Kirchen und Pfarrhäuser für rund 100 Millionen Euro im Jahr, selbst wenn sie Heiden sind. Wir finanzieren den kirchlichen Nachwuchs. Etwa 500 Millionen steckt Vater Staat in die theologischen Fakultäten der Unis – obwohl Theologie gar keine Wissenschaft, sondern Glaubenssache ist.

„Eine Theologie, die sich den wissenschaftlichen Fakten ehrlich stellen würde, müsste sich eigentlich wegen hinreichend belegter Gegenstandslosigkeit selbst auflösen“, schreibt der promovierte Theologe Heinz-Werner Kubitza („Der Jesuswahn“).

Fast vier Milliarden Steuergelder fließen in christliche Kindergärten, liest man bei Frerk. Die Kirchen würden ihre Kindertagesstätten „nur zum allergeringsten Anteil selbst finanzieren“. Wir zahlen also dafür, dass schon die Kleinen im Kindergarten beten lernen und die Kindergärtnerinnen ihnen vom lieben Gott erzählen – alles in der Hoffnung, dass die Kleinen eines Tages zu braven Kirchensteuerzahlern heranwachsen.

Sogar bei den über sechs Millionen Minijobbern im Land halten die Kirchen mit einer pauschalen Steuer die Hand auf. Rund 17 Millionen knüpfen sie den Geringverdienern laut Frerk ab. Heißt es in der Bibel nicht: „Wehe dem, der sein Gut mehret mit fremden Gut!“

 

19 Milliarden aus der Steuerkasse an die Kirchen

Aber die Kirchen tun doch so viel Gutes. „Wer die Kirche unterstützt, übt Solidarität mit den Schwachen und Benachteiligten“, rühmt sich die EKD auf ihrer Internetseite. Ja, aber auch viele dieser guten Taten zahlt in Wirklichkeit der Steuerzahler. Schätzungsweise zahlen die Kirchen, so die FAZ, „allenfalls fünf Prozent“ ihrer Wohltaten aus eigener Tasche.

19 Milliarden aus der Steuerkasse an die Kirchen – eine schöne Stange Geld. Von dem Geld könnten wir locker die Mütterrente finanzieren. Deren Aufstockung soll jährlich 6,7 Milliarden Euro kosten. Also: Kürzen wir den Kirchen das Geld, geben wir es den Müttern.

Auch die Kosten für die Zuwanderung könnte der Staat von diesem Geld berappen. Und die Bekämpfung von Fluchtursachen gleich mit. Für diese beiden Posten hat die Bundesregierung genau 19 Milliarden im Haushalt veranschlagt.

Wenn wir den Kirchen die Milliarden streichen würden, könnten die Bildungsminister auch endlich anfangen, Deutschlands Schulen zu sanieren. 34 Milliarden Euro, so schätzt das Deutsche Institut für Urbanistik, würde es kosten, kaputte Heizungen, versiffte Toiletten, marode Turnhallen, einsturzgefährdete Dächer und undichte Fenster in Deutschlands Schulen zu reparieren.

 

Nur zwei Drittel aller Steuerzahler sind Mitglieder einer christlichen Kirche

Gerade mal 2,8 Milliarden gaben die Flächenländer (die Stadtstaaten Hamburg, Berlin und Bremen ausgenommen) 2015 für die Sanierung von Schulen aus. Kinder sind, so ist auf der Internetseite der EKD zu lesen, „ein köstlicher Schatz“. Warum lassen wir zu, dass unsere köstlichen Schätze in heruntergekommenen Klassenzimmern hocken, während sich Bischöfe von unserem Steuergeld Protzbauten leisten?

Nur zwei Drittel aller Steuerzahler sind Mitglieder einer christlichen Kirche, aber alle werden zur Kasse gebeten. Von „systemisch bedingter Ausbeutung des Steuerzahlers“ schreibt der Münchener Theologe Friedrich Wilhelm Graf.

Man kann es auch drastischer formulieren: Die Kirchen laben sich wie Vampire am Steuerzahler. Oder Jesus zitieren: „Weh‘ euch, ihr Heuchler, die ihr die Becher und Schüsseln außen reinigt, innen aber sind sie voller Raub und Gier!“

Ich will hier gar nicht davon anfangen, dass sowohl katholische als auch evangelische Pfarrer Kinder, die ihnen anvertraut waren, im großen Stil sexuell missbraucht haben. Und dass die Kirchen mit ihrem selbst gestrickten Arbeitsrecht die Grundrechte ihrer Mitarbeiter mit Füßen treten.

Keine Kinder zu haben ist ein Menschenrecht

Oder von den Millionen, die Ex-Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst für seinen Protzbau in Limburg verprasst hat. Ich bin ein Fan guter Taten, auch von denen der Kirche. Dass sie Geld aus dem Steuersäckel bekommen, könnte ich vielleicht noch verschmerzen, wenn auch nicht in dieser Höhe.

Aber ich lasse mir von solchen Leuten nicht sagen, dass ich „kein kostenloses Menschenrecht auf gewollte Kinderlosigkeit“ habe. Menschenrechte sind unveräußerlich. So steht es im Grundgesetz: „Das Deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt.“ Artikel 1, Absatz 2.

Und dass Menschenrechte für alle gelten, und zwar ohne Gegenleistung, sollten gerade Theologen eigentlich wissen. Keine Kinder zu haben, ist ein Menschenrecht, das 1968 auf der Menschenrechtskonferenz der Vereinten Nationen (UN) in Teheran festgeschrieben worden ist: „Eltern haben ein grundlegendes Menschenrecht, frei und selbstverantwortlich über Zahl und zeitliche Planung ihrer Kinder zu entscheiden, sowie ein Recht, darüber eine angemessene Erziehung und Information zu erhalten.“

Familienplanung ist Privatsache

So steht es in Artikel 16 der Abschlussproklamation. Es ging in der Debatte damals zwar mehr um Entwicklungsländer und um den fehlenden Zugang zu Verhütungsmitteln, trotzdem gilt der Passus noch heute. Menschen haben das Recht, selbst zu bestimmen, ob und wie viele Kinder sie kriegen.

[…]

Papst Franziskus wetterte gegen Kondome und Pille

1998 waren es rund 73 Millionen. 27 Millionen mehr Menschen innerhalb von 16 Jahren. 50 Millionen Menschen gelten als arm. 80 Prozent sind Kinder. UNICEF zählt die Philippinen zu den zehn Ländern weltweit, in denen die meisten unterernährten Kinder unter fünf Jahren leben.

Warum kriegen die Leute dort so viele Kinder? Sie haben verinnerlicht, was die katholische Kirche dort seit Jahrhunderten predigt: Kinder seien ein „Geschenk Gottes“. Deshalb gilt in der Bevölkerung, die zu über 80 Prozent katholisch ist, nur als richtiger Mann, wer möglichst viele Kinder gezeugt hat. Und als richtige Frau, wer möglichst viele Kinder geboren hat.

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Kinderlose – Die neuen Sündenböcke der Nation

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Gruß Hubert

 

 

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Absurde Pseudo-Wissenschaften und Verschwörungstheorien   Leave a comment

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Gleich unerschöpflich wie die Verschwörungstheorien sind auch die Abhandlungen darüber. In verschiedenen Kategorien wird jährlich der Goldene Aluhut vergeben, wie zum Beispiel in, Rechtsesorerik, Reichsbürger & BRD-GmbH, Medien und Blogs, Medizin, Esoterik, Mind Control und Grenzwissenschaften, Chemtrails.

Das hat schon manchmal was Sektenartiges.

Aber sicher ärgern sich manche Verschwörungstheoretiker über diese negative Auszeichnung mit dem goldenen Aluhut. Sie sind ja felsenfest davon überzeugt, dass ihre Thesen die Wahrheit sind. Sie fühlen sich ja oft wie die wahrer Aufdecker. Wie lautet doch ein Buchtitel von Karlheinz Deschner: Aufklärung ist Ärgernis.

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Aus dem Spiegel

Preis für Gaga-Forschung Wer ist der Doofste im ganzen Land?

Die heilsame Kraft des Einhorns und ähnlicher Quatsch: Eine Berliner Initiative vergibt Auszeichnungen für besonders absurde Pseudo-Wissenschaft und Verschwörungstheorien. Das sind die Preisträger.

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Alu- und andere Hüte beim Camp des Chaos Computer Clubs: Segensreiche Kopfbedeckung

DPA -Alu- und andere Hüte beim Camp des Chaos Computer Clubs: Segensreiche Kopfbedeckung

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Klar, sein kleiner Bruder Aldous hat es zu mehr Ruhm gebracht. Der hat schließlich die bedrückende Zukunftsvision „Schöne neue Welt“ verfasst. Doch auch der britische Humanist Julian Sorell Huxley war ein Mann mit Weitblick. In seiner Science-Fiction-Geschichte „The Tissue-Culture King“ stellte der spätere Chef der Uno-Kulturorganisation Unesco schon 1927 eine verblüffende Erfindung vor: eine Kopfbedeckung aus Metallfolie. Die, so beschrieb es Huxley, sollte vor schädlicher Telepathie schützen.

Ohne Julian Huxley hätte es auch diesen Freitagabend nicht gegeben. Jedenfalls nicht in dieser Form. Denn längst ist der Aluhut eine Chiffre geworden – für Anhänger von Verschwörungstheorien oder Paranoiker. Denen soll er sprichwörtlich dazu dienen, sich vor Gehirnwäsche durch Geheimdienste, Großkonzerne oder andere Fieslinge zu schützen.

Nun ist die segensreiche Kopfbedeckung auch Namensgeberin für einen skurrilen Preis: Eine Berliner Initiative hat erstmals den „Goldenen Aluhut“ verliehen – für besonders wirre Vertreter und Profiteure von Verschwörungstheorien und Pseudo-Wissenschaft. Alu-Cowboyhut, Alu-Basecap, Alu-Schirmmütze, Alu-Dreadlocks – all das war bei der Gala im Veranstaltungszentrum Pfefferberg zu sehen. Mit rund 150 Gästen war der Saal schon seit Tagen ausverkauft.

Neben Julian Huxley war freilich noch ein Mann für die Veranstaltung wichtig. Sein Name: Axel Stoll. Der Geologe war einer der führenden deutschen Verschwörungstheoretiker, bekannt vor allem durch seine YouTube-Videos. Darin ging es unter anderem um – vorsichtig ausgedrückt – rechten Stuss wie die sogenannten Reichsflugscheiben, mit denen Nazis zum Mond geflogen sein sollen.

Zwischen Science Slam und Impro-Theater

Der zornige alte Mann ist im vergangenen Jahr verstorben. Auf seinen Geburtstag haben die Organisatoren um Giulia Silberberger nun ihre Gala gelegt, die in Zukunft jährlich stattfinden soll. An Stoll und seine Theorien erinnerte nicht nur das Modell einer Reichsflugscheibe auf der Bühne, von Silberberger selbst gebaut und apart mit bunten LEDs illuminiert, sondern auch einer der Vorträge an diesem Abend.

Von denen gab es so einige: zur Frage zum Beispiel, warum die Erde nicht – wie von Verschwörungstheoretikern behauptet – flach und/oder hohl sein kann, oder dazu, wie sich Verschwörungstheorien im Netz verbreiten. Eine meist kurzweilige Mischung aus Science Slam und Impro-Theater.

Verschwörungstheorien, sagt Organisatorin Silberberger in einer Programmpause, seien längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Nicht zuletzt durch die sozialen Netzwerke. Der Award solle ein Zeichen dagegen setzen.

Warum das wichtig ist, will die Aktivistin mit ihrer eigenen Geschichte belegen. Sie sei als Kind durch ihre Mutter Mitglied bei den Zeugen Jehovas geworden – und habe erst 15 Jahre später wieder aussteigen können.

Nun sind Religionen und Verschwörungstheorie – zumindest für viele – etwas Verschiedenes. Aber Silberberger geht es um ideologischen Missbrauch. Wegen der Gefahren dadurch dürfe man die Verschwörungstheoretiker nicht einfach ignorieren.

Im Sommer hatten Silberberger, ihr Freund Kai Schulze und andere Unterstützer bei Facebook in einem ersten Schritt potenzielle Kandidaten für die Anti-Ehrung gesucht. Dann konnten die Fans abstimmen. Rund 7000 Menschen machten laut den Organisatoren mit. Nun wurden die Ehrungen vergeben:

  • Den wohl bekanntesten Preisträger gibt es in der Kategorie „Rechtsesoterik, Reichsbürger & BRD-GmbH“. Hier konnte sich Xavier Naidoo (61 Prozent, 2593 Votes) vor dem von Axel Stoll – Sie erinnern sich? – initiierten Neuschwabenland-Stammtisch in Berlin (zwölf Prozent, 525 Votes) durchsetzen. Naidoo war im vergangenen Jahr bei den sogenannten Reichsbürgern aufgetreten. Das sind von Rechtsextremen unterstützte Verschwörungstheoretiker, die die Rechtmäßigkeit der Bundesrepublik anzweifeln – und sich als staatenlos sehen. Naidoo erklärte hinterher, er sei „weder homophob noch irgendwie rechtsradikal“. Nicht jeder mochte ihm das glauben.

  • In der Kategorie „Medien und Blogs“ gewann der Kopp-Verlag (50 Prozent, 2184 Votes) klar vor dem Krawallsender RT Deutsch (14 Prozent, 630 Votes). Im Kopp-Verlag gibt es reißerische – und sehr erfolgreiche – Bücher mit steilen Thesen. Eine Mischung aus Rechtspopulismus, Kapitalismuskritik und Tabubrecher-Attitüde charakterisiert das Programm. Man warnt vor einer „großen Enteignung“ durch das „Weltfinanzkartell“ , der „Impf-Mafia“ und sieht sich am „Vorabend des Dritten Weltkriegs“. Und ja, auch um „gekaufte Journalisten“ geht es.

  • Im Bereich „Medizin“ siegte die Kampagne „Impfen – nein danke!“ (28 Prozent, 1145 Votes) vor einem Team um den Homöopathen Richard Hiltner, das mit seiner unbewiesenen Heilmethode die Ebola-Epidemie in Westafrika stoppen wollte (24 Prozent, 1005 Votes).

  • Ein besonderes Schmankerl gab es in der Kategorie „Esoterik, Mind Control und Grenzwissenschaften“. Hier siegte das Hamburger Esoterik-Unternehmen Wrage GmbH („Inspiration für Körper, Geist und Seele“) mit seinem Seminar „Heilarbeit mit der Lichtenergie der Einhörner“ (49 Prozent, 1775 Votes). Zweiter wurde der Verein Psychophysischer Terror e. V. (elf Prozent, 408 Votes), wo man sich mit Strahlenfolter durch Geheimdienste und ähnlichen Boshaftigkeiten befasst.

  • Geehrt wurden auch Anhänger der sogenannten Chemtrails. Sie gehen davon aus, dass aus Flugzeugen massenhaft Giftstoffe verspritzt werden. Zur Kontrolle des Klimas, der Weltbevölkerung oder aus anderen Gründen. Geehrt wurde hier die Szenegröße Ria den Breejen von der Global Mobilization Against Chemtrails vor Werner Altnickel von chemtrail.de (30 Prozent, 1409 Votes).

Der Abend im Pfefferberg fühlt sich an wie eine Art Familientreffen. Wer sich gegen die Verschwörungstheoretiker verschworen hat, ist hier. Man ist sich so sicher, auf der richtigen Seite zu stehen, wie es auch das andere Lager ist. Aber vielleicht muss das auch so sein.

Keiner der Preisträger war zur Verleihung gekommen. Silberberger hatte die Geehrten, wie sie sagt, per Einschreiben eingeladen – und ihnen zehn Minuten Redezeit angeboten. Wenn es danach eine sachliche, offene Diskussion geben würde. Niemand habe sich aber dazu bereit erklärt. „Wir sind fast ein bisschen überrascht, dass keiner von den Verrückten gekommen ist“, so Silberberger.

Naidoo hat ein „Brett vorm Kopf“

Der „Goldene Aluhut“ ist nicht die einzige Auszeichnung dieser Art. So verleiht die Gesellschaft zur Wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften jedes Jahr in Wien das „Goldene Brett vorm Kopf“. Dort konnten Naidoo und der Kopp-Verlag bereits im vergangenen Jahr punkten.

 Aber lassen sich in ihrem Weltbild gefestigte Verschwörungstheoretiker davon beirren, dass andere ihre Arbeit durch den Kakao ziehen? Eher nicht. „Wir wollen niemanden bekehren, aber selbst wenn wir nur ein, zwei Leute erreichen, haben wir unseren Zweck erfüllt“, sagt Silberberger.

Vermutlich hätte man aber diesen ganzen Artikel gar nicht schreiben brauchen. Was drin steht, wird mancher sowieso nicht glauben. Nachzulesen in einer aktuellen Forsa-Umfrage im Auftrag der Kollegen von „Stern“ und RTL. Da antworteten 44 Prozent der gut 1000 repräsentativ ausgewählten Befragten, die Medien in Deutschland würden „von ganz oben gesteuert“ und verbreiteten deshalb „geschönte und unzutreffende Meldungen“. Aber auch das ist, man muss das so klar sagen, eine Verschwörungstheorie.

Von

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Absurde Pseudo-Wissenschaften und Verschwörungstheorien

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Aluhut-Verleihung am 30. Oktober 2016 in Berlin

Auszug.

Die verrücktesten Verschwörungstheoretiker des Jahres

Während des Programms erzählten Wissenschaftler über beliebte Irrglauben wie Freie Energie oder Orgonit-Pyramiden, mit denen Chemtrails unschädlich gemacht werden sollen.

Die Gewinner des Goldenen Aluhuts 2016 sind:

Ernst Köwing in der Kategorie Verschwörungstheorie allgemein
Als Der Honigmann verbreitet Köwing auf dem Blog Der Honigmann sagt… rechtsgerichtete und antisemitische Artikel. Er ist Anhänger der Weltverschwörungstheorie und zweifelt die Legitimität der Bundesrepublik Deutschland an. In der Abstimmung setzte er sich klar gegen den albernen YouTube-Hit Chemtrails von VitaVision durch.

Dennis Schulz (The True Association) in der Kategorie Politik
Schulz ist nach eigenen Angaben Diplom-Ingenieur der Energie-, Umwelt- und Versorgungstechnik. Auf YouTube gab er auf dem Kanal The True Association seine nationalsozialistischen und rassistischen Meinungen kund – mit Hakenkreuzen im Hintergrund. Deswegen hat YouTube den Kanal inzwischen gesperrt. Vor der Verleihung des Goldenen Aluhuts kündigte Schulz an, erscheinen zu wollen, bekam vom Veranstalter aber Hausverbot.

Compact Magazin in der Kategorie Medien und Blogs
Das monatlich erscheinende Magazin wird von Jürgen Elsässer herausgegeben, der unter anderem als Redner bei PEGIDA-Demonstrationen aufgetreten ist. Compact ist Teil einer gut vernetzten Alternativmedien-Community, die sich gegen die „Mainstream-Medien“ richtet. Die Themen reichen von Anti-Amerikanismus bis zu Antisemitismus, Rechtspopulismus und der Leugnung des Klimawandels. Zu den Autoren gehörten unter anderem Eva Hermann, Udo Ulfkotte und Ken Jebsen.

Bewusst Vegan Froh in der Kategorie Medizin & Wissenschaften
Bewusst Vegan Froh wirkt auf den ersten Blick wie ein schlecht designtes Blog über gesunde Ernährung und Veganismus. In den Artikeln verbreiten die Betreiber aber Propaganda gegen die Pharmaindustrie, Esoterik-Dauerbrenner wie energetisiertes Wasser und allerhand anderen pseudomedizinischen Unfug.

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https://www.wired.de/collection/life/goldenere-aluhut-die-verruecktesten-verschwoerungstheoretiker-des-jahres

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Aus Der Westen (Auszug)

Chemtrails: widerlegt aber nicht überwunden

Die Chemtrailer stellen eine ganz eigene Kategorie dar. Sie glauben, dass die Regierung (oder diejenigen, die der Regierung Anweisungen erteilen) Gift versprühen lässt. Damit soll je nach Glaubensrichtung das Bevölkerungswachstum gestoppt oder aber der Klimawandel aufgehalten werden. Manchmal werden auch militärische Strategien dahinter vermutet.

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http://www.derwesten.de/panorama/der-goldene-aluhut-fuer-die-schoenste-verschwoerungstheorie-id11116898.html

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Gruß Hubert

Veröffentlicht 8. Januar 2017 von hubwen in Gesellschaft, Politik, Uncategorized

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Verschwörungstheorien sind in der Mitte der Gesellschaft angelangt   Leave a comment

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Ich möchte noch einmal auf die Verschwörungstheorien zurück kommen, weil es doch ein komplexes Thema ist.
Bei Verschwörungstheorien geht es auch um die emotionale Ebene, wo es oft nicht mehr um Fakten geht, sondern auch um Glauben und Ideologie. Sebastian Bartoschek schrieb seine Dissertation zum Thema Verschwörungstheorien. Er ermahnt auch die emotionale Ebene nicht außer acht zu lassen. Hier erklärt er in einem Interview mit Euronews seine Sichtweise zum Thema.

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Chemtrails, Reptiloiden, hohle Erde: Verschwörungstheorien scheinen sich immer weiter auszubreiten. “Sie sind in der Mitte der Gesellschaft angekommen”, sagt der Journalist und Psychologe Sebastian Bartoschek. Seit vielen Jahren befasst er sich mit Verschwörungstheorien, 2013 erhielt er für seine Dissertation zu dem Thema den Doktortitel. Einige Theorien seien harmlos, sagt der Fachmann, der auch für die Ruhrbarone schreibt. Andere hingegen bereiten ihm Unbehagen. Wir haben mit Sebastian Bartoschek über Verschwörungstheorien und -theoretiker gesprochen, über Medien und über (fehlendes) Vertrauen.

“Auch Gebildete sind anfällig für Verschwörungstheorien”

euronews
Herr Bartoschek, man hat den Eindruck, Verschwörungstheorien werden immer stärker. Stimmt das oder trügt dieser Eindruck?

Sebastian Bartoschek
Das wissen wir nicht. Was wir wissen ist, dass sie sichtbarer werden und dass sie mehr in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind. Aber es fehlen uns Erhebungen aus der Zeit vor den sozialen Medien, um das vergleichen zu können. Mein subjektiver Eindruck ist, dass es mehr geworden ist. Als ich 2008 anfing, mich mit dem Thema wissenschaftlich zu beschäftigen, war es eine Randgruppenthematik. Mittlerweile ist es das eindeutig nicht mehr.

euronews
Und es ist kein Phänomen der Ungebildeten, der Abgehängten. Auch viele Akademiker glauben in der ein oder anderen Form an Verschwörungstheorien.

Sebastian Bartoschek
Bildung ist zunächst einmal eigentlich ein beschützender Faktor. Aber Michael Shermer hat das mal ganz gut analysiert. In seinem Buch Why people believe weird things geht er auch auf die Gebildeten ein und zeigt, dass gerade sie den Wunsch haben, einen Wissensvorsprung durch besonderes Wissen zu besitzen. Deshalb sind viele von ihnen für gewisse Verschwörungstheorien offen. Was den Zusammenhang angeht, so gibt es mittlerweile Studien, die alle drei Sachen belegen. Es gibt Studien, die sagen, es gibt keinen Zusammenhang, meine Dissertation kam zu dem Ergebnis, es gibt einen Zusammenhang, und dann gibt es eine ganz aktuelle Studie, die sagt, wir wissen es eigentlich nicht. Aber wichtiger als Bildung ist die Selbstwirksamkeit. Also, wie wirkmächtig erlebt sich jemand in seinem Leben. Und das ist bei Menschen mit hoher formaler Bildung eher der Fall, etwa, weil sie die besseren Jobchancen haben, aber auch die können natürlich anfällig sein.

euronews
Ist der Begriff “Verschwörungstheoretiker” nicht zu weit gefasst? Da sind einmal Leute, die an Chemtrails glauben, an Reptiloide, also an Dinge, bei denen vermutlich die allermeisten sagen würden, das ist völlig absurd. Aber dann werden vielfach auch Menschen, die die Nato, den Westen kritisieren, in den Verschwörungstopf geworfen. Ist das gerechtfertigt?

Sebastian Bartoschek
Ich bin jemand, der den Begriff sehr weit fasst und dafür auch Kritik einstecken darf und durfte. Die Frage ist, wo ziehen wir die Grenze. Es gibt Kollegen, die den Begriff “Verschwörungstheorie” grundsätzlich ablehnen und von “Verschwörungsideologien” sprechen, weil sie sagen, Theoriemerkmale werden nicht erfüllt. Das sehe ich etwas anders. Spannend ist die Frage der Widerlegbarkeit. Nehmen wir die Nato-Kritik. In dem Moment, wo mir Leute erzählen, dass “der Westen” und “die USA” gefährlich an Russland heranrücken, bin ich relativ sicher, dass ich hier im Bereich der Verschwörungstheoretiker bin. Wenn jemand dagegen sagen würde, er fand zum Beispiel das Nato-Manöver Anakonda im vergangenen Jahr aus den und den Gründen nicht so gut, dann ist das natürlich legitime Kritik.

euronews
Wo ziehen Sie da die Grenze zwischen berechtigter Kritik und Verschwörungstheorie?

Sebastian Bartoschek
Meine Grenze ist es, wenn zum Beispiel ein größerer Plan vermutet, der geheim ist. Wenn man jetzt sagen würde, die Nato will Präsenz an ihrer Ostgrenze zeigen, dann ist das für mich keine Verschwörungstheorie, sondern genau das, was die Nato auch selber in ihren Pressemitteilungen geschrieben hat. Wenn aber jemand von irgendwelchen Überfallsphantasien anfängt, dann wird das ganze verschwörungstheoretisch. Aber die Grenze ist nicht wirklich trennscharf zu ziehen, wenn man den Begriff so weit fasst, wie ich. Andere Kollegen benutzen eben den Ideologiebegriff oder gehen nur auf Sachen ein, die falsch sind an Verschwörungstheorien. Da sage ich dann wieder, dass ich schlecht beurteilen kann, welche Verschwörungstheorie stimmt und welche nicht. Klar, die Sache mit den Reptilien-Aliens und der hohlen Erde, da sind wir uns wohl einig, dass das Müll ist. Aber es fängt schon bei Kleinigkeiten an: Ich bin mal der Theorie nachgegangen, dass die Autohersteller keinen rostfreien Stahl für ihre Auspuffe verbauen, weil sie die durch die sogenannte geplante Obsoleszenz die Umsätze erhöhen wollen. Dazu kriegen Sie keine Auskünfte von Automobilherstellern, so dass man wissenschaftlich sauber sagen müsste, ich weiß es nicht.

Fakten ade, Glauben juchhe

euronews
Es geht bei Verschwörungstheorien ja sehr oft nicht so sehr um Fakten, sondern vielmehr darum, woran wir glauben wollen. Wie gehen wir mit diesem Glauben um?

Sebastian Bartoschek
Meiner Meinung nach sollten wir damit anders umgehen, als wir das viele Jahre lang getan haben. Wir haben versucht, Glauben durch Argumente zu widerlegen, und das funktioniert nicht. Man kann Gefühle nicht durch Fakten zurückweisen. In dem Moment, in dem eine Verschwörungstheorie oder ein Glaube eine emotionale Funktion erfüllt, müssen wir auch mit Emotionen reagieren.

euronews
Nehmen wir mal ein Beispiel: Auch uns bei euronews wird gerne mal vorgeworfen, für die Nato, für den Westen, die USA zu schreiben. Da sagen wir als Redakteure natürlich erst mal, das ist falsch. Aber wenn man nun fragen würde, ob wir Redakteure denn wirklich wüssten, ob unser Chef nicht doch heimlich mit der CIA telefoniert, dann müssten wir – so hanebüchen der Vorwurf auch sein mag – wohl sagen: Nein, das wissen wir nicht, es könnte durchaus sein, auch wenn es ausgesprochen unwahrscheinlich ist. Wie würde in solch einem Gespräch eine emotionale Argumentation aussehen?

Sebastian Bartoschek
Emotional wäre es, sich auf die Sache mit dem Chef gar nicht erst einzulassen und zu fragen: “Glaubst du, dass ich lüge? Willst du mir sagen, dass ich bewusst falsche Nachrichten verbreite? Machst du alles, was dein Chef dir sagt? Selbst wenn mein Chef mir sagen würde, schreib’ für die Nato, wie kommst du dazu mir zu unterstellen, dass ich das tue?”

euronews
Dann könnte man entgegnen, weil wir als kleine Rädchen gar nicht mitbekommen und mitbekommen sollen, was wirklich passiert.

Sebastian Bartoschek
Da würde ich dann den Bogen weiter spannen und fragen: “du glaubst, ich bin zu dumm um mitzubekommen, was ich schreibe? Du kriegst das aber mit?” So holt man das ganze auf eine Ebene, die emotional erlebbarer ist.

euronews
Ist der Begriff “Verschwörungstheoretiker” nicht zu weit gefasst? Da sind einmal Leute, die an Chemtrails glauben, an Reptiloide, also an Dinge, bei denen vermutlich die allermeisten sagen würden, das ist völlig absurd. Aber dann werden vielfach auch Menschen, die die Nato, den Westen kritisieren, in den Verschwörungstopf geworfen. Ist das gerechtfertigt?

Sebastian Bartoschek
Ich bin jemand, der den Begriff sehr weit fasst und dafür auch Kritik einstecken darf und durfte. Die Frage ist, wo ziehen wir die Grenze. Es gibt Kollegen, die den Begriff “Verschwörungstheorie” grundsätzlich ablehnen und von “Verschwörungsideologien” sprechen, weil sie sagen, Theoriemerkmale werden nicht erfüllt. Das sehe ich etwas anders. Spannend ist die Frage der Widerlegbarkeit. Nehmen wir die Nato-Kritik. In dem Moment, wo mir Leute erzählen, dass “der Westen” und “die USA” gefährlich an Russland heranrücken, bin ich relativ sicher, dass ich hier im Bereich der Verschwörungstheoretiker bin. Wenn jemand dagegen sagen würde, er fand zum Beispiel das Nato-Manöver Anakonda im vergangenen Jahr aus den und den Gründen nicht so gut, dann ist das natürlich legitime Kritik.

euronews
Wo ziehen Sie da die Grenze zwischen berechtigter Kritik und Verschwörungstheorie?

Sebastian Bartoschek
Meine Grenze ist es, wenn zum Beispiel ein größerer Plan vermutet, der geheim ist. Wenn man jetzt sagen würde, die Nato will Präsenz an ihrer Ostgrenze zeigen, dann ist das für mich keine Verschwörungstheorie, sondern genau das, was die Nato auch selber in ihren Pressemitteilungen geschrieben hat. Wenn aber jemand von irgendwelchen Überfallsphantasien anfängt, dann wird das ganze verschwörungstheoretisch. Aber die Grenze ist nicht wirklich trennscharf zu ziehen, wenn man den Begriff so weit fasst, wie ich. Andere Kollegen benutzen eben den Ideologiebegriff oder gehen nur auf Sachen ein, die falsch sind an Verschwörungstheorien. Da sage ich dann wieder, dass ich schlecht beurteilen kann, welche Verschwörungstheorie stimmt und welche nicht. Klar, die Sache mit den Reptilien-Aliens und der hohlen Erde, da sind wir uns wohl einig, dass das Müll ist. Aber es fängt schon bei Kleinigkeiten an: Ich bin mal der Theorie nachgegangen, dass die Autohersteller keinen rostfreien Stahl für ihre Auspuffe verbauen, weil sie die durch die sogenannte geplante Obsoleszenz die Umsätze erhöhen wollen. Dazu kriegen Sie keine Auskünfte von Automobilherstellern, so dass man wissenschaftlich sauber sagen müsste, ich weiß es nicht.

Fakten ade, Glauben juchhe

euronews
Es geht bei Verschwörungstheorien ja sehr oft nicht so sehr um Fakten, sondern vielmehr darum, woran wir glauben wollen. Wie gehen wir mit diesem Glauben um?

Sebastian Bartoschek
Meiner Meinung nach sollten wir damit anders umgehen, als wir das viele Jahre lang getan haben. Wir haben versucht, Glauben durch Argumente zu widerlegen, und das funktioniert nicht. Man kann Gefühle nicht durch Fakten zurückweisen. In dem Moment, in dem eine Verschwörungstheorie oder ein Glaube eine emotionale Funktion erfüllt, müssen wir auch mit Emotionen reagieren.

euronews
Nehmen wir mal ein Beispiel: Auch uns bei euronews wird gerne mal vorgeworfen, für die Nato, für den Westen, die USA zu schreiben. Da sagen wir als Redakteure natürlich erst mal, das ist falsch. Aber wenn man nun fragen würde, ob wir Redakteure denn wirklich wüssten, ob unser Chef nicht doch heimlich mit der CIA telefoniert, dann müssten wir – so hanebüchen der Vorwurf auch sein mag – wohl sagen: Nein, das wissen wir nicht, es könnte durchaus sein, auch wenn es ausgesprochen unwahrscheinlich ist. Wie würde in solch einem Gespräch eine emotionale Argumentation aussehen?

Sebastian Bartoschek
Emotional wäre es, sich auf die Sache mit dem Chef gar nicht erst einzulassen und zu fragen: “Glaubst du, dass ich lüge? Willst du mir sagen, dass ich bewusst falsche Nachrichten verbreite? Machst du alles, was dein Chef dir sagt? Selbst wenn mein Chef mir sagen würde, schreib’ für die Nato, wie kommst du dazu mir zu unterstellen, dass ich das tue?”

euronews
Dann könnte man entgegnen, weil wir als kleine Rädchen gar nicht mitbekommen und mitbekommen sollen, was wirklich passiert.

Sebastian Bartoschek
Da würde ich dann den Bogen weiter spannen und fragen: “du glaubst, ich bin zu dumm um mitzubekommen, was ich schreibe? Du kriegst das aber mit?” So holt man das ganze auf eine Ebene, die emotional erlebbarer ist.

euronews
Können wir also die Idee vergessen, Menschen, die an Verschwörungstheorien glauben, mit Argumenten und Fakten zu überzeugen?

Sebastian Bartoschek
So ganz auch nicht. Ich habe ein Zweistufen-Modell. Dieses geht davon aus, dass eine Verschwörungstheorie am Anfang der – und das klingt etwas hochtrabend – Integration dissonanter Fakten dient. Man hat zum Beispiel etwas beobachtet, das man sich nicht so recht erklären kann, und dann kommt die Verschwörungstheorie, und auf einmal ergibt alles einen Sinn. Ich sehe, dass die Fahne auf dem Mond flattert, auf dem Mond gibt es aber keinen Wind, also sage ich, aha, das wurde in einem Filmstudio auf der Erde gedreht. So lange ich in diesem Bereich bin, bin ich der Widerlegung durch Fakten zugänglich. Wenn also jemand sagt, die flattert gar nicht im Wind, sondern das ist eine Nachschwingung, weil das eine Alufolie war und es auf dem Mond keinen Luftwiderstand gibt, weswegen die Flagge so lange schwingt, dann nehme ich das an. In dem Bereich ist es also wichtig, dass wir mit Fakten arbeiten und Fakten präsentieren. Wenn wir aber merken, es geht dem anderen gar nicht mehr um Fakten, sondern er sagt, “das passt ja auch zur ganzen Mondverschwörung, denn die Amerikaner betrügen ja schon immer die Menschen und man weiß ja auch, die ganzen Ostküstejuden beuten uns aus” und so weiter, dann sind wir in einem Bereich, in dem es nicht mehr um Fakten geht, sondern um Glauben, um Ideologie. Und da werden Sie auch mit Fakten nichts mehr reißen können.

Hier weiterlesen:

Verschwörungstheorien sind in der Mitte der Gesellschaft angelangt

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Gruß Hubert

 

Veröffentlicht 7. Januar 2017 von hubwen in Gesellschaft, Politik, Uncategorized

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Soll man Kinder kriegen oder nicht?   Leave a comment

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Zumindest interessante Gedanken, die man sich mal durch den Kopf gehen lassen kann. Oder man muss oder zumindest sollte man wissen, dass es das auch gibt. Auch wenn es ein absolutes Tabu-Thema ist. „Wer nicht zeugt, macht sich schnell verdächtig, ein egoistischer Menschenfeind zu sein.“ Ich habe auf einem Blog eine wilde – oder sollte ich sagen eine wüste (?) Diskussion darüber miterlebt. Ja, man kann damit in ein Wespennest stechen.

Jedenfalls würde dann die Welt… nein die Menschen aussterben. Ob das gut wäre oder nicht? Auch darüber gibt es geteilte Meinungen. Sicher ist nur, dass sich die Erde weiter drehen würde.

Antinatalismus ist eine Philosophie, die der menschlichen Reproduktion ablehnend gegenübersteht. Das Wort leitet sich vom lateinischen natalis, „zur Geburt gehörig“, ab. Das Gegenteil von Antinatalismus ist der Pronatalismus.“

[…]

„Eine Reihe von Staaten verfolgt oder verfolgte über lange Zeit eine antinatalistische Politik. Der Grund dafür ist meistens die Sorge über ein zu schnelles Bevölkerungswachstum. Zu diesen Staaten gehören zum Beispiel Indien und die Volksrepublik China. Mit der chinesischen Ein-Kind-Politik, laut der eine Familie nur ein Kind haben durfte, sollte das Bevölkerungswachstum unter Kontrolle gehalten werden.“

https://de.wikipedia.org/wiki/Antinatalismus

Aus heise.de

Soll man Kinder kriegen oder nicht?


„Nein!“, sagen die Antinatalisten

„Man muss die Menschen bei ihrer Geburt beweinen, nicht nach ihrem Tode“, meinte Montesquieu. Das philosophische Weltbild des Antinatalismus ist in der Öffentlichkeit und in den Medien noch immer ein Tabu-Thema. Doch was hat es mit diesem Weltbild auf sich?

So etwas gibt es selten im Fernsehen, zumal in den USA: einen waschechten Antinatalisten, also eine Person, die vehement das Kinderkriegen kritisiert. Doch in der erfolgreichen HBO-Krimiserie True Detective (2014) zieht der Polizist Rustin Cohle (gespielt von Matthew McConaughey) gleich in der ersten Episode so richtig vom Leder und verflucht die Existenz der Menschheit:

Ich glaube, dass das menschliche Bewusstsein ein tragischer Fehltritt in der Evolution ist. Wir sind uns zu bewusst über uns selbst geworden; die Natur hat einen Aspekt der Natur geschaffen, der sie von sich selbst trennt. Wir sind Lebewesen, die den Naturgesetzen zufolge gar nicht existieren sollten. Wir sind Dinge, die sich an der Illusion abmühen, dass sie ein Selbst haben. Unsere Gattung könnte, so glaube ich, etwas ehrenhaftes tun, nämlich unsere Programmierung ablehnen, mit der Fortpflanzung aufhören, Hand in Hand dem Aussterben entgegenlaufen, eine letzte Mitternacht, Brüder und Schwestern sagen dem Übel einfach Adieu.

Polizist in True Detective

Das klingt ganz nach Schopenhauer, dem Misanthropen, der wohl nur seinen Pudel wirklich liebte. Und ja, der Drehbuchautor Nic Pizzolatto ist stark von Schopenhauer beeinflusst – ebenso vom Schriftsteller Thomas Ligotti, der existenzphilosophische Horror-Romane schreibt und Nic Pizzolatto auch gleich des Plagiats beschuldigt hat.

In seinem düsteren Sachbuch „The Conspiracy Against the Human Race“ (2011) schreibt Ligotti ganz nonchalant: „Nichtexistenz hat noch niemandem geschadet, aber Existenz schadet allen.“ Antinatalismus in Reinform. Als die erste Staffel von True Detective ausgestrahlt wurde, gab es in den USA teils heftige Diskussionen. Aber warum provoziert das Thema eigentlich so sehr?

Kinder zeugen – die elementare Aufgabe des Menschen?

Menschen ohne Nachwuchs – vor allem Frauen – erregen Argwohn. In den Köpfen vieler Menschen hat sich anscheinend die Meinung eingenistet, dass der Mensch seine ihm ureigenste Aufgabe zu erfüllen habe: die Fortpflanzung, die evolutionstechnisch unabdingbare Reproduktion zum Fortbestand des Homo sapiens. Ohne Kinder keine Zukunft. Wer nicht zeugt, macht sich schnell verdächtig, ein egoistischer Menschenfeind zu sein.

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Deshalb schnürt es vielen die Kehle zu, wenn sie solche Sätze lesen: „Nicht geboren zu werden, ist unbestreitbar die beste Lage. Leider steht sie niemandem zu Gebot. […] Meine Vision der Zukunft ist so genau, dass ich, falls ich Kinder hätte, sie sofort erwürgen würde.“ Diese Zeilen stammen aus einem Buch mit dem vielsagenden Titel „Vom Nachteil, geboren zu sein“ (1973). Sein Autor: der Philosoph und Aphoristiker E.M. Cioran (1911-1995), einer der vehementesten Antinatalisten überhaupt.

Viele unterschreiben ohne Wenn und Aber die Behauptung, dass Kinder glücklich machen. Aber Studien und Umfragen helfen bei der philosophischen Frage des Kinderkriegens wenig weiter. Es gibt etliche Studien, deren Kernaussage darin gipfelt, dass die meisten Paare mit Kindern in den ersten vier Jahren glücklicher sind als Kinderlose, sich das Glücksempfinden aber nach vier Jahren in etwa die Waage hält. Im statistischen Mittel, versteht sich.

Eine großangelegte Studie mit mehr als 20.000 Teilnehmern kommt sogar zu dem Urteil, dass Kinder unglücklicher machen als eine Scheidung oder Kündigung. Untersucht haben die Wissenschaftler vor allem die Tatsache, weshalb Eltern in Deutschland nach dem ersten Kind kein weiteres mehr zeugen. Einige mögen also mit Kindern ihre „Selbstverwirklichung“ erreichen, andere erblicken in den kleinen Gören ihr Unglück. So zum Beispiel jene israelischen Mütter, die 2015 für einen Eklat sorgten, weil sie öffentlich kundtaten, dass sie es bereuen, Kinder auf die Welt gebracht zu haben.

Anlass war eine Studie der israelischen Soziologin Orna Donath, in der Mütter solche Dinge sagen wie: „Seit den ersten Wochen nach der Geburt habe ich die Entscheidung bereut. Eine Katastrophe. Sofort habe ich gemerkt: Das ist nichts für mich. Mehr noch: Es ist der Albtraum meines Lebens. Ich wollte keine Mutter sein.“

Für manche entpuppt sich der sogenannte Kindersegen eben doch als Fluch – oder sie zeugen erst gar keine. Für Orna Donath ist Mutterschaft vor allem ein „kulturelles und historisches Konstrukt“, und damit verbunden auch die gesellschaftliche Norm, Kinder in die Welt zu setzen.

Mitverantwortlich für dieses Konstrukt ist wohl die Religion: Interessanterweise waren alle drei großen Weltreligionen zunächst antinatalistisch – das Ziel war die Vereinigung mit Gott im Jenseits. Hier und da zeugen noch ein paar Bibelstellen von diesen Wurzeln: „Selig sind die Unfruchtbaren und die Leiber, die nicht geboren haben, und die Brüste, die nicht gesäugt haben!“ (Lukas 23:29). Nach und nach wurden die drei Weltreligionen pronatalistisch, auch, um sich besser ausbreiten und missionieren zu können.

Der Buddhismus und der Jainismus hingegen haben sich ihre Tendenz zum Antinatalismus bewahrt: Ziel ist es, den ewigen und stets leidvollen Kreislauf von Geburt-Tod-Wiedergeburt (Samsara) zu durchbrechen. Während sich der Islam nicht explizit gegen Verhütung ausspricht, haben östliche Religionen meist überhaupt keine Probleme damit. Apropos: Verhütungsmethoden machen einen Antinatalismus in der Praxis überhaupt erst möglich, gesetzt, dass man weiterhin die Freuden des Sex erleben möchte.

Patrick Spät

 

Soll man Kinder kriegen oder nicht?

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Gruß Hubert

 

Italien – Gesetz zu eheähnlichen Partnerschaften   1 comment

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Ich bin ja mit vielem nicht einverstanden was Italiens Ministerpräsident so tut, aber hier muss ich ihm voll zustimmen. Nämlich als er neulich sagte: er habe auf die Verfassung geschworen, nicht auf die Bibel.

Italien ist das letzte westeuropäische Land, in dem homosexuelle Partnerschaften zuvor keine rechtliche Grundlage hatten. Auch der Europäische Menschenrechtsgerichtshof hatte dies kritisiert.

Es ist einmal ein Schritt in die richtige Richtung, denn das Gesetz wurde auf Druck von konservativen Kreisen, von Rechten und der Kirche verwässert und einige doch wichtige Passagen aus dem Gesetz gestrichen.

Große Teile des italienischen Mitte-Rechts-Lagers sind unzufrieden mit dem Gesetz und haben schon angekündigt ein Referendum dagegen zu initiieren.

 

Parlament

Unioni civili auf dem Prüfstand

Freude und Kritik am genehmigten Gesetz zu eheähnlichen Partnerschaften. Premier Renzi verteidigt sich: „Habe auf die Verfassung geschworen, nicht auf die Bibel.“

 Er wusste, dass er sich mit diesem Gesetzentwurf aufs Glatteis begab. Und doch hat Ministerpräsident Matteo Renzi den Vorschlag, eheähnliche Lebenspartnerschaften für homosexuelle Paare zu legalisieren, vorangetrieben. Sowohl im Senat (am 25. Februar) als auch in der Abgeordnetenkammer (vergangenen Mittwoch) ein Ja für die Eintragung der “unioni civili” gegeben. Wohl auch, weil Renzi die Abstimmung an die Vertrauensfrage geknüpft hatte.

Diese rechtliche Anerkennung muss gleichzeitig von einer gesellschaftlichen Anerkennung begleitet werden, damit der Diskriminierung homosexueller Menschen entgegengewirkt wird.
(Martina De Zordo, Südtiroler Jugendring)

Als einen “Schritt Italiens in Richtung Europa” bezeichnet die SVP-Parlamentarierin Renate Gebhard die erfolgreiche Absegnung des Gesetzes. Italien war bekanntlich das letzte westeuropäische Land gewesen, in dem Lebenspartnerschaften homosexueller Paare nicht geregelt waren. “Gute Gründe, um aus progressiver Sicht Vorbehalte” gegen die so genannte “legge Cirinnà” anzumelden sieht hingegen Florian Kronbichler. Dem für SEL-Grüne in die Abgeordnetenkammer gewählten Parlamentarier und seiner Parlamentsgruppe geht das Gesetz nämlich nicht weit genug. “Konservative und kirchenhörige Kräfte” hätten es geschafft, den ursprünglichen Entwurf aufzuweichen. “So erreichten sie, dass beispielsweise allein das Wort Ehe schon exklusiv für die traditionelle vorbehalten bleiben muss. Es ist die Treuepflicht, so wie für die Ehe noch vorgesehen, nicht enthalten. Einschränkungen gibt’s auch für das Adoptionsrecht”, erinnert Kronbichler.

Diese beiden Elemente vermisst auch Andreas Unterkircher von der Schwul-Lesbischen Initiative Centaurus im Cirinnà-Gesetz. Nichtsdestotrotz sei ein erster, wichtiger Schritt in Richtung komplette Gleichstellung von homo- und heterosexuellen Partnerschaften getan worden, so Unterkircher.

Kritik an dem Gesetz und an Ministerpräsident Renzi kommt indes von der Kirche. Da ist die Rede vom “Begräbnis der Ehe und der Familie”, von “falschen Prioritäten”, die das Gesetz setze. Unzufrieden mit der nun geschaffenen Möglichkeit für homosexuelle Paare, sich in ein Partnerschaftsregister eintragen zu lassen, sind auch große Teile des italienischen Mitte-Rechts-Lagers. Politiker der Lega Nord, Forza Italia, Area Popolare haben angekündigt, Unterschriften für ein Referendum sammeln und die Frage zurück an die Bevölkerung geben zu wollen. Dazu wurde bereits ein Komitee gegründet, das sich mit dem Slogan “parola al popolo sovrano” und dem Hashtag #ciricorderemo an die Italiener wendet.

 

Eine klare Abfuhr an seine Kritiker erteilte Matteo Renzi schließlich in der Rai1-Polit-Talkshow Porta a Porta.

Zu Moderator Bruno Vespa sagte Renzi am Donnerstag Abend: “Ich bin Katholik, aber Politik mache ich als Laie. Ich habe auf die Verfassung geschworen und nicht auf die Bibel.” Die negativen Reaktionen in Politik und Kirche habe er sich erwartet, so der Premier weiter. Und wenn er für seine Entscheidung, das Gesetz durchzubringen – auch unter Anwendung der Vertrauensfrage – dann sei er bereit, die Zeche zu zahlen.

Standhaft reagiert auch die PD-Politikerin Monica Cirinnà, die dem nicht unumstrittenen Gesetz den Namen gegeben hat, auf die Attacken: “Ich wünsche mir, dass das Referendum kommt, weil wir es gewinnen werden. So wie bereits andere große gesellschaftliche Gesetze per Referendum bestätigt wurden.”

Italien – Gesetz zu eheähnlichen Partnerschaften

 

Auszug aus der Tiroler Tageszeitung.

Das katholisch geprägte Italien war bisher eines der wenigen EU-Länder, in denen bisher gleichgeschlechtliche Partnerschaften rechtlich nicht anerkannt waren. Das Gesetz enthält einige Neuerungen. So sollen homosexuelle Partner vor Gericht, am Finanzamt oder im Krankenhaus wie Eheleute behandelt werden. Sie können auch den Namen des anderen annehmen. Im Todesfall gehen Pensionsbezüge auf den Hinterbliebenen über.

http://www.tt.com/home/11498224-91/kampagne-gegen-homo-lebenspartnerschaften-in-italien.csp

 

Auszug aus dem Oberbayerisches Volksblatt, sicher kein progressives Blatt.

Ministerpräsident Matteo Renzi, der das Vorhaben maßgeblich vorangetrieben hatte, sprach schon vor dem Votum von einem „Festtag“, für alle, „die sich endlich anerkannt fühlen“. Der praktizierende Katholik hatte die Abstimmung mit der Vertrauensfrage verbunden, um den Druck auf die Abgeordneten zu erhöhen und das Verfahren zu beschleunigen.

In den vergangenen 30 Jahren waren alle Vorstöße in diese Richtung am Widerstand der katholischen Kirche gescheitert. Es gab leidenschaftliche Debatten, politische Kampagnen und Massendemonstrationen. Auch diesmal fehlte es nicht an Kritik aus der Reihe der Bischöfe. Doch deren Wortmeldungen wirkten im Vergleich zu früher deutlich moderater.

Die Zurückhaltung der katholischen Bischöfe in der politischen Debatte hat offenbar mit dem neuen Kurs zu tun, den Franziskus der Bischofskonferenz des Landes verordnet hat.

http://www.ovb-online.de/homo-ehen-auch-italien-6398578.html

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So wie in Russland, wo Homosexuelle tätlich angegriffen, ja auch ermordert werden, kann es auf keinem Fall gehen. Was geht es denen an wie jemand sexuell orientiert ist? Aber Leuten mit solchen rechten Ideologien passt es ja schon nicht, wenn jemand eine andere Hautfarbe hat, dann ist derjenige schon wertlos, wenn nicht gar Abschaum.

Hier ein Auszug aus einer Petition.

Am 27. März wurde der 54-jährige Journalist Dmitry Tsilikinin in seinem Apartment in St. Petersburg ermordet. Wie sich herausstellte, war der Mörder der 21-jährige Student Sergey Kosirev, der im Verhör auch die Motivation für sein Gewaltverbrechen offenlegte: Er sagt, es sei seine Mission, die Welt von Homosexuellen zu „säubern”. Dennoch wurde dieser Mord nach russischem Recht nicht als „Mord aus Hass” eingestuft.
Am 3. Mai wurde ein anderer bekannter Journalist, Alexander Rubtsov, ermordet. Und auch er wurde in seiner eigenen Wohnung umgebracht.

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Noch ein paar Gedanken dazu.

Die „Anständigen“ sind eben nicht zufrieden, wenn Homosexuelle gleiche Rechte erhalten und sie nicht diskriminiert werden können. Und warum schafft man nicht das Zölibat ab, wenn es so auf jeden drauf ankommt wegen der Fortpflanzung? Wäre ja logisch, anstatt anderen zu sagen sie sollen sich vermehren wie die… Es ist noch nicht so lange her, meine Eltern kennen das noch, als sie gefragt wurden was denn los sei mit dem nächsten Kind – wenn mal ein Jahr kein „Kindersegen“ war. Was ist mit den Homosexuellen in den eigenen Reihen der Kirche? Was macht sie mit denen? Ganz zu schweigen von den Pädophilen in der Kirche. Patentrezept hier: pädophiler Priester wird versetzt. In einer anderen Pfarrgemeinde kann er dann weitermachen… usw. usf. Aber Vertuschen war schon immer die Devise bei diesen Fällen in der Kirche.

Es wird auch von Gegnern der Gleichstellung für homosexuelle Paare gesagt, sie würde die Ehe und Familien gefährden. Wieso denn? Sie nehmen denen absolut nichts weg. Sie können ihre Ehe und ihre Familie unbeschadet davon leben. Sie können Kinder zeugen wie viel sie wollen. Und wenn die Geburtenrate zu niedrig ist, dann muss man fragen was man in der Familienpolitik falsch macht, ob man überhaupt kinderfreundlich genug ist. Es ist klar, dass es sich eine Familie überlegt Kinder zu zeugen, wenn der Frau dann viele Rentenjahre fehlen. Die ganze Diskussion ist oft so verlogen, gerade auch von konservativen Kreisen. Das ganze ist auch eine ökonomische Frage. Wenn Leute Löhne erhalten, mit denen sie kaum über die Runden kommen…

Aus der Pforzheimer Zeitung.

Doch es gibt auch Vorbehalte gegen die Reform. Vor allem die katholische Kirche hatte Front gegen die Homo-Ehe gemacht. O-Ton Gabriella Grilli, Retnerin: „Wir sind besorgt und wütend über das Gesetz. Es ist nicht christlich und nicht human. Ich habe ja schon viele Politiker getroffen, aber nicht einmal der Hunnenkönig Attila hätte sich so etwas ausdenken können.“

http://www.pz-news.de/video-uebersicht/news-videos_video,-Homo-Ehe-spaltet-Italiener-_ckvid,95872.html

Bei dieser geifernden und hysterischen Rentnerin Grilli, die wie eine Henne herumgackert, kann ich nur noch den Kopf schütteln. Ich hoffe sie hat sich selbst als Gebärmaschine hergegeben.

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Gruß Hubert

 

 

 

Wie Crystal Meth sich im Establishment festsetzt   Leave a comment

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Ich habe mit diesem Volker Beck von den Grünen ganz bestimmt kein Mitleid. Er war es ja, der seinen muslimischen Freunden das Schächten erlauben will und sich dafür aussprach. Da kannte er auch kein Erbarmen. Jetzt ist es wohl aus mit Moralapostel spielen wollen.

Am Dienstagabend wurde der Grünen-Politiker Volker Beck mit einer illegalen Substanz erwischt. Er hatte laut „Bild“-Zeitung die Wohnung eines von der Polizei überwachten Dealers im Berliner Stadtteil Schöneberg betreten und sie mit 0,6 Gramm Rauschgift wieder verlassen, vermutlich Crystal Meth.

 

Politiker, Gutverdiener, Akademiker: Crystal Meth hat kultivierteste Kreise erobert. Das zeigt nicht erst der Fall Volker Beck. Der Siegeszug der Droge gefährdet nun auch jene, die lange nein sagten.

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Foto: REUTERS  –  Crystal Meth und Drogen-Paraphernalia nach einer Razzia des Berliner LKA
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Tina, Madonna, Mephisto – die Namen klingen vertraut, entweder nach Freundeskreis oder Pop-Kultur und Goethe. Meteorologen könnten sie sich ausgedacht haben, um damit Hochdruckgebiete zu benennen. Doch Tina, Madonna und Mephisto sollen sich nicht einprägen, sie sollen etwas verschleiern, beschönigen.

Unter zahlreichen Schwulen und Partygängern in Deutschlands Großstädten, vornehmlich in Berlin, lösen sie Hochgefühle aus, gespannte Erwartung, ja Glückseligkeit. Man raunt sie sich zu, man fragt nach ihnen in Chat-Foren oder vor der Klo-Tür im Club. Es sind Euphemismen für Drogen, die Feierfreunden zu Höhenflügen verhelfen sollen.

Hinter Madonna verbirgt sich MDMA, Ecstasy. Im Kommen ist Mephisto, eigentlich Mephedron, die Badesalz-Droge. Sie erhöht den Spiegel des Glückshormons Dopamin ähnlich wie Koks. Nur zehnmal stärker. Doch das ist wenig gegen die Wirkung von Tina oder Tante Tina, wie es auch liebevoll heißt: Crystal Meth. Es ramponiert den Konsumenten nicht für ein paar Tage, es zerstört ihn. Schnell.

Crystal Meth ist in die Drogenrepublik Deutschland eingesickert, hat sich in der Jugendsubkultur Sachsens festgesetzt, in der High Society Berlins wie in den schwulen Partyszenen der Großstädte. Es ist Aufputschmittel und Mittel zur Realitätsflucht zugleich.

Wie konnte Beck eine solche Dummheit begehen?

Am Dienstagabend wurde der Grünen-Politiker Volker Beck mit einer illegalen Substanz erwischt. Er hatte laut „Bild“-Zeitung die Wohnung eines von der Polizei überwachten Dealers im Berliner Stadtteil Schöneberg betreten und sie mit 0,6 Gramm Rauschgift wieder verlassen, vermutlich Crystal Meth.

Am folgenden Tag trat er von den meisten seiner politischen Ämter zurück. Nur das Bundestagsmandat will der Politiker, der der lauteste und wichtigste Kämpfer für die Rechte von Schwulen und Lesben ist, behalten. Doch erst einmal hat er sich für vier Wochen krankschreiben lassen.

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Beck ist einer, der ganz oben mitspielte, ein Schwergewicht in der Politik, Dauergast in den Talkshows. Bis 2013 wirkte er als parlamentarischer Geschäftsführer; der Moralapostel und erfolgreiche Streiter war in seiner Partei und auch beim politischen Gegner geschätzt. Warum begeht so jemand eine so himmelschreiende Dummheit?

Wenn einer wie Beck, der so viel zu verlieren hatte, es wagt, höchstselbst in die Wohnung eines polizeibekannten Berliner Dealers zu gehen, dann sind dem Profi offenbar die Maßstäbe verrutscht. „Die Tatsache, dass der Politiker Beck so unvorsichtig ist und persönlich mitten in der Nacht zum Dealer geht, um Stoff zu kaufen, deutet auf einen starken Suchtdruck hin“, sagt Isabella Heuser, Direktorin der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der Berliner Charité. „Dieses Verhalten ist uns aus der Praxis wohlbekannt. Das macht man nur, wenn die Not sehr groß ist.“

Dabei ist Beck nicht der erste Bundestagsabgeordnete, der dem kristallinen Euphoriehammer verfiel. Schon 2013 gestand der SPD-Politiker Michael Hartmann, Crystal gekauft zu haben. Auch er lebt offen schwul. Die Droge ist offensichtlich im Establishment angekommen.

In Heusers Klinik landen viele Patienten, die mit ihrem Drogenkonsum nicht mehr klarkommen und von „Tina“ loskommen wollen. „In Berlin nimmt die Zahl der Menschen zu, die Crystal nehmen. Das sehen wir bei unseren Patienten“, sagt Heuser. Und die User seien hier sehr häufig Leistungsträger, es gehe denen nicht ums Durchfeiern auf Partys. „Ich habe Politiker, Künstler und Geschäftsleute unter meinen Patienten. Sie stammen meist aus anderen Bundesländern und kommen heimlich in die Sprechstunde, um sich helfen zu lassen“, so Heuser.

Drei Gründe, warum Berlin eine Crystal-Hochburg ist

Crystal Meth putscht auf, macht geil, spiegelt Größe vor – der Konsument fühlt sich wie ein Übermensch. Im Dunklen, Verborgenen, in den privaten Wohnungen, auf den Klos der Clubs ist „Tina“ längst etabliert. Dabei lastet Crystal nicht der Ruch von Heroin an, das mit Bahnhofs-Milieu und Drogen-Tod, nach Abhängigkeit und grauenvollem Entzug assoziiert wird.

Gerade für ältere Konsumenten, wozu einer wie Beck mit 55 Jahren zählt, ist das Fehlen des Heroin-Touchs zentral. Crystal ist die härteste Droge der kultiviertesten Kreise, der Akademiker, der Psychologie-Studenten, der gut Verdienenden, der arrivierten Politiker. Crystal schließt das Versprechen ein, für eine gewisse Zeit in jeder Lage körperlich funktionieren zu können. Im Job, im Club und im Bett.

Einen wesentlichen Beitrag zur Verbreitung von Crystal leisten Touristen. Neben Berlin gilt London als die Hochburg der Droge. Doch Berlin hat einige Standort-Vorteile.

Erstens ist die Stadt noch immer billig. Hier gibt es alles günstiger, also auch die Droge.

Zweitens gibt es keine Sperrstunde. Club-Partys können Freitag beginnen und Montag enden. In Großbritannien, den USA oder Australien geht oft vor Tagesanbruch das Putzlicht an.

Drittens hat Berlin den Ruf, die Sex-Hauptstadt Europas zu sein. Und das nicht nur unter Schwulen. Zu kriegen sind die Drogen dort bald an jeder Ecke. So ist Berlin zur Crystal-Zentrale geworden.

[…]

Dauerhaft kann man die Droge in der Regel nicht konsumieren. „Entweder schafft man den Ausstieg, oder man geht mit Crystal unter“, sagt der Buchautor Sebastian Caspar, der 2014 den ersten Crystal-Roman „Zone C“ veröffentlicht hat. „Es gibt kein dauerhaftes, geregeltes Leben mit dieser Droge“, sagt Caspar. „Sie wird dich zerstören, wenn du nicht aufhörst. Ich habe mehrere Freunde an Crystal verloren. Es ist und bleibt ein Teufelszeug.“

Gefährlicher Stoff aus kleinen Hinterhofküchen

Die Wirkung des Teufelszeugs ist gut erforscht. Der Hamburger Arzt Rainer Thomasius leitet das Deutsche Zentrum für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters und kennt die Auswirkungen. „Crystal Meth wirkt neurotoxisch, schwächt das Herzkreislaufsystem, kann Herz- und Hirninfarkte bewirken, Psychosen hervorrufen und Auszehrungsprozesse im Körper, wie kariöse Zahnveränderungen, auslösen.“

[…]

Bislang ist die Droge auf einige Regionen begrenzt. Vor allem das Dreiländereck Sachsen, Nordostbayern und Thüringen sowie die Hauptstadt kämpfen gegen die Crystal-Flut. Insgesamt 74 Kilogramm Crystal hat die Polizei bundesweit im Jahre 2014 beschlagnahmt, 2009 waren es nur 7,2 Kilo.

Für die Ermittler ist es schwer, an die Hintermänner der Drogenlabore zu kommen. „Der Stoff wird teilweise in kleinen Hinterhofküchen in Berlin gekocht, die produzieren etwa fünf bis zehn Gramm in der Woche“, sagt Michael Böhl, Ermittler im Berliner LKA und stellvertretender Bundesvorsitzender des Bundes deutscher Kriminalbeamter.

Der wesentliche Teil des Stoffs stamme aber aus Polen oder Tschechien. „In Polen gibt es schon transportable, voll ausgestattete Labors mit Stromaggregaten, die in kleineren Lastwagen durch die Gegend gefahren werden. Das Zeug wird dann im Wald gekocht“, sagt Böhl. „Solche Labore kann die Polizei kaum noch aufspüren.“

Hier weiterlesen:

Wie Crystal Meth sich im Establishment festsetzt

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Gruß Hubert

 

Jungen Männern ist die Lust auf Sex vergangen   Leave a comment

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Na wenn den jungen Hengsten die Lust auf Sex schon vergangen ist müssen für über 65-jährige mit nachlassender Potenz und eventuell auch noch ED wohl mildernde Umstände gelten. Ein Mann vor 65 und nach 65 (jetzt mal die Grenze vereinfachend und willkürlich gezogen) sind sowieso zwei verschiedene Männer. Wobei man den zweiten „Mann“ (auf Sex-Gebiet) unter Anführungszeichen setzen muss.

Der Mensch funktioniert eben mal materiell, biochemisch – ein paar Hunderstel eines chemischen Stoffes weggenommen und schon sind es verschieden reagierende Personen, gleich ob Mann oder Frau. Da nützt es auch nichts mehr, wenn gesagt wird Sex passiert zuerst im Kopf. Wenn die materiellen Voraussetzungen nicht gegeben sind dann ist es auch vorbei mit der Phantasie und dem sexuellen Verlangen.

Aber zurück zu den leistungs-gestressten jungen Männern, die vor lauter Leistungsdruck am Tage in der Nacht dem nächsten Sex-Stress lieber aus dem Wege gehen und mit Unlust reagieren.

Einiges haben vielleicht die Feminismus-Debatten, die den soften Mann forderten, auch zum Problem beigetragen.

 

Jungen Männern ist die Lust auf Sex vergangen

Viele junge Männer leiden an sexueller Unlust. Grund dafür seien zu hohe Ansprüche und der Leistungsdruck.

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Junge Männer haben vermehrt keine Lust auf Sex.

 

Lustlosigkeit wird bei Männern zunehmend zum Problem. Viele haben keine Lust mehr auf Sex, obwohl sie eine anziehende Partnerin haben, mit der sie eine gute Beziehung führen. Die Vorstellung des Mannes, der bei jeder Gelegenheit Sex will, gilt heute als überholt.

Dieses Bild skizziert Ulrich Clement, Professor für medizinische Psychologie an der Universität Heidelberg und Leiter des Instituts für Sexualtherapie, in einem Interview mit dem «Magazin». Als er vor mehr als 30 Jahren als Sexualtherapeut angefangen habe, habe man sich einen lustlosen Mann gar nicht vorstellen können. «Es gab lediglich Männer mit Erektionsstörungen, aber es herrschte die Vorstellung, wenn sich dem Mann eine attraktive Gelegenheit bietet, dann will er auch.» Diese «Geschlechtervorschrift» habe sich inzwischen relativiert.

Männer unter Leistungsdruck

Auch Schweizer Kollegen haben diese Entwicklung bemerkt. So etwa Paarberaterin Rita Schriber: «In meine Praxis kommen in letzter Zeit mehr Männer, die an Lustlosigkeit leiden.» Die Gründe würden sich dabei bei jedem Patienten ähneln: «Die meisten Männer stehen schon den ganzen Tag lang unter enormen Leistungsdruck und haben das Gefühl, Sex sei eine zusätzliche Leistung, die sie am Abend noch erbringen müssen.»

Markus Theunert, Präsident von Männer.ch, sieht ebenfalls in der Überforderung der Männer die Hauptursache für die schwindende Sexlust: «Die Ansprüche an Männer sind gewachsen – im Bett und im Job. Sie müssen im einen Moment den potenten Hengst, im nächsten den kommunikativen Bären geben.» Viele würden da einfach nicht mehr mithalten wollen und ihnen vergehe die Lust auf Sex – oder sie würden ihn kaufen.

Auch Pornofilme hätten zum Schwinden der Lust beigetragen. «Wenn Sex online permanent und problemlos verfügbar ist, sinkt der Anreiz, eine Frau offline sexuell zu umwerben.»

«Wenig Sex ist nicht schlimm»

Für Paar- und Sexualberater Bruno Wermuth ist Unlust bei Männern hingegen kein neues Phänomen: «Früher sprach man einfach nicht darüber, weil ein Mann sich über seine Sexualkraft definierte und nicht schwach wirken wollte.» Heute habe sich das Bild des Mannes gewandelt, weshalb man dieses Tabuthema ansprechen könne.

Ausserdem sei es völlig normal, dass in einer Beziehung die Lust mit der Zeit langsam kleiner werde. Dies könne man einerseits als Aufforderung deuten, etwas an der Beziehung zu ändern, oder es andererseits einfach akzeptieren, wenn man damit leben könne: «Wenig Sex zu haben, ist ja an sich nichts Schlechtes.»

Schriber pflichtet ihm bei. Gleichzeitig sei aber Sex oft sehr wichtig, um eine tiefere Verbindung zum Partner aufzubauen: «Ohne Sex ist es wie eine Beziehung zwischen Bruder und Schwester.»

 

Jungen Männern ist die Lust auf Sex vergangen

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Gruß Hubert