Ketzer – Zitate von Christen und anderen Leuten   1 comment

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Hier ein Auszug von Zitaten von berühmten und weniger berühmten Menschen bezüglich der „Wahrheiten des Christentums“. Auch Theologen sind darunter.

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„Du hältst das Evangelium, wie es steht, für die göttliche Wahrheit. Mich würde eine vernehmliche Stimme vom Himmel nicht überzeugen, dass das Wasser brennt und dass das Feuer löscht, dass ein Weib ohne Mann gebiert und dass ein Toter aufersteht. Vielmehr halte ich dieses für Lästerungen gegen den großen Gott und seine Offenbarung in der Natur“.

(Goethe, an Lavater, 9.8.1782)

„Schon der Anfang der Vernunft selbst ist in der Bibel ein Verbrechen. Im übrigen geht es dort zu wie im wirklichen Leben: Mord, Plünderung, Vergewaltigung, Genozid. An 100 Bibelstellen wird ausdrücklich im Namen Gottes getötet, an 1000 Stellen tötet dieser Gott selbst. Sein Sohn droht schließlich mit nie endenden Folterqualen über den Tod hinaus denjenigen, die ihn nicht lieben. Den Liebenden bringt er den eucharistischen Kannibalismus zur Seelenstärkung.
Was ist es für eine moralische Vernunft, die hier ihren Anfang und ihre Prinzipien erkennt und anerkennt“?

(Günther Schulte Professor für Philosophie an der Universität zu Köln)

„In Zeiten blinden und unwissenden Glaubens hat die Kirche festgesetzt, dass die Schriften, besonders die des Neuen Testaments, vollständig als authentisch und wahrhaftig zu gelten haben. Heute kann sie daher nicht mehr umkehren. Die Ergebnisse der modernen Wissenschaft müssen abgelehnt, als falsch bewiesen werden. Andererseits müssen die irrigen Entscheidungen der Kirche als wahr bewiesen werden. Deshalb muss man glauben, dass schwarz weiß ist“.

(Alighiero Tondi, ehem. päpstl.Theologe und Professor an der „Gregoriana“.)

„Ein Mythos, der auf einem anderen Mythos aufbaut wird zur Legende. Ein Mythos, der auf einer Legende aufbaut, wird zum Märchen“.

(unbekannt)

„Die Päpste und ihre Helfershelfer waren so sehr davon überzeugt, dass ihre Macht ausschließlich auf der Unwissenheit beruht, dass sie immer wieder die Lektüre des einzigen Buches verboten haben, das ihre Religion verkündet; sie sagten: Hier ist euer Gesetz, und wir verbieten euch, es zu lesen; ihr erfahrt daraus nur, was wir euch zu lehren geruhen. Diese absonderliche Tyrannei ist unbegreiflich, und trotzdem gibt es sie. Jede Bibel in lebender Sprache ist verboten; erlaubt ist sie nur in einer Sprache, die nicht mehr gesprochen wird.“
(Voltaire, franz. Schriftsteller, 1694-1778)

„Wenn man das Kreuz anbetet, an dem Christus gestorben ist, muss man auch den Esel anbeten, auf dem er geritten ist“.
(Bischof Claudius von Turin, 9. Jh.)
„Christi Niederlage war nicht die Kreuzigung, sondern der Vatikan“.
(Jean Cocteau, franz. Schriftsteller, 1889-1963)

„Zur selben Stunde, in der unser Herr Jesus Christ es zuließ, dass er für uns den Kreuzestod erlitt, flohen die Verteidiger von den Mauern durch die Stadt, und die Unsrigen folgten ihnen und trieben sie vor sich her, sie tötend und niedermetzelnd, bis zum Tempel Salomos, wo es ein solches Blutbad gab, dass die Unsrigen bis zu den Knöcheln im Blut wateten…
Nachdem die Unsrigen die Heiden endlich zu Boden geschlagen hatten durcheilten die Kreuzfahrer die ganze Stadt und rafften Gold und Silber. Dann, glücklich und vor Freude weinend, gingen die Unsrigen hin, um das Grab unseres Erlösers zu verehren, und entledigten sich Ihm gegenüber ihrer Dankesschuld“.
(Chronist über die Eroberung Jerusalems)

„Es ist nicht verwunderlich, dass sich gerade die freieren Geister… mit Grausen vom Christentum und von der Kirche insgesamt abwenden“.

(Hermann Detering, Theologe)

„Gestatten Sie mir, Ihnen zu sagen, dass unsere heutigen Religionen der Religion Christi so wenig gleichen wie jener der Irokesen. Jesus war ein Jude, und wir verbrennen Juden. Jesus predigte Duldung, und wir verfolgen. Jesus predigte eine gute Sittenlehre, und wir üben sie nicht aus. Jesus hat keine Dogmen aufgestellt, die Konzile der Kirche aber haben reichlich dafür gesorgt. Kurz, ein Christ des 3. Jahrhunderts ist einem Christen des 1. gar nicht mehr ähnlich“.
(Friedrich der Große, preuß. König, 1712-1786)

„Ich habe die Erfahrung gemacht, dass selbst Raubtiere dem Menschen nicht so feindlich gesinnt sind wie die Christen gegeneinander“.
(Julian, römischer Kaiser, 331-363, genannt: Apostata, der Abtrünnige)

„Das Christentum ist heute ein Leichnam, der nur noch dank der künstlichen Sauerstoffzufuhr seitens interessierter Politiker, Theologen und Kirchenfunktionäre den Anschein von Lebendigkeit zu erwecken vermag“.

(Joachim Kahl, dt. Theologe und Philosoph, *1941)

„Zum Christentum wird man nicht geboren, man muss dazu nur krank genug sein“.

(Friedrich Nietzsche, dt. Philosoph, 1844-1900)

„Die persönlichen Lehren Christi: Demut, Feindesliebe, Unweltlichkeit werden nirgends befolgt. Vielmehr ist es im gesamten Abendlande Sitte, sich mit seinem Nächsten nicht zu befassen, gegen Feinde vorzugehen, das Leben auf die Sorge für den kommenden Tag zu stellen, den, der einem auf den rechten Backen schlägt, niederzuschießen und die geistig Armen als minderwertig anzusehen“.
(Walther Rathenau, dt. Staatsmann u. Industrieller, 1867-1922)

„Der Jesus von Nazareth, der als Messias auftrat, die Sittlichkeit des Gottesreiches verkündete, das Himmelreich auf Erden gründete und starb, um seinem Werke die Weihe zu geben, hat nie existiert. Es ist eine Gestalt, die vom Rationalismus entworfen, vom Liberalismus belebt und von der modernen Theologie in ein geschichtliches Gewand gekleidet wurde“.
(Albert Schweitzer, dt. Theologe, Mediziner & Philosoph, 1875-1965)

„Gott ist nur eine Arbeitshypothese. Es zeigt sich, dass alles auch ohne Gott geht und zwar ebenso gut wie vorher“.

(Dietrich Bonhoeffer, dt. ev. Theologe, 1906-1945)

„Es ist Religion, an keinen Gott zu glauben – ihn glauben heißt, ihn lästern“.
(Ludwig Anzengruber, österr. Dramatiker, 1839-1889)

„Im christlichen Glauben hat die Vernunft nichts zu suchen und die Naturwissenschaft nichts zu melden“.
(Klaus Berger, Heidelberger Theologe 1940 -)

„Toleranz ist gut. Aber nicht gegenüber Intoleranten“.
(Wilhelm Busch, dt. Zeichner u. Dichter, 1832-1908)

„Wer in Glaubensfragen den Verstand befragt, kriegt unchristliche Antworten“.
(Wilhelm Busch, dt. Dichter u. Zeichner, 1832-1882)
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Ketzer – Zitate von Christen und anderen Leuten

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Gruß Hubert

Veröffentlicht 18. März 2013 von hubwen in Kirchenkritik, Religionskritik

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Ausgewählte Gedanken zur Gottesidee   1 comment

Ich möchte nur mal schnell zwei Aussagen von Gunter Bleibohm herausheben:
„Grundsätzlich fällt der Beweis einer Behauptung aber demjenigen zu, der sie aufstellt, so dass vor diesem Hintergrund alle Glaubensideen dem Entwurf eines Architekten gleichen, der sein Haus im zweiten Stock zu bauen beginnen will und dabei vergessen hat, das Fundament zu legen. Das Gebäude schwebt im luftleeren Raum, denn alle Religionen lehren in ihren Interpretationen und unterschiedlichsten Gedankenmodellen der Gottesidee nur Annahmen, Meinungen, Wunschvorstellungen, aber niemals überprüfbares, nachvollziehbares Wissen.“

„Wurde das auseinanderdriftende Universum im endlosen Raum und in der endlosen Zeit von einem Schöpfer gemacht? Bejaht man diese Annahme, folgt umgehend die Frage: Wer hat dann aber Gott gemacht? Er sich selbst?“

Für die Freiheit und das Leben aller Tiere!

Denn, du weißt es, die Religionen sind wie Leuchttürme: sie bedürfen der Dunkelheit, um zu leuchten. Ein gewisser Grad allgemeiner Unwissenheit ist die Bedingung aller Religionen, ist das Element, in welchem allein sie leben können.
Arthur Schopenhauer über Religion

Sämtliche Religionen stellen die Existenz ihres Gottes als ein Faktum dar, als gegebene Grundtatsache, was es mitnichten ist. Allein die Beweise für derartige Behauptungen fehlen bis heute, alle Gottesbeweise sind gescheitert und widerlegt. Ausführliche Widerlegungen finden sich unter anderem in der „Kritik der reinen Vernunft“, in der Immanuel Kant die Existenz eines Gottes als unbeweisbar erklärte oder in dem „Traité des trois imposteurs – Traktat über die drei Betrüger“, das Ende des 17. Jahrhunderts die Radikalaufklärung begleitete.

Grundsätzlich fällt der Beweis einer Behauptung aber demjenigen zu, der sie aufstellt, so dass vor diesem Hintergrund alle Glaubensideen dem Entwurf eines Architekten gleichen, der sein Haus im zweiten Stock zu bauen beginnen will…

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Veröffentlicht 27. September 2016 von hubwen in Uncategorized

Die gar nicht so süße Maus (mMn) der Berliner CDU   3 comments

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Ganz schlimm dieser Sexismus. Da hat ein Parteikollege von der CDU glatt zur CDU-Politikerin Jenna Behrends gesagt: „süße Maus“, (was ich nebenbei gesagt zu ihr nicht sagen würde, weil ich sie gar nicht süß finde – aber das ist Geschmackssache). Sollte sie ein Mann auf ihre inneren Werte reduzieren und sie sonst für eine hässliche Maus halten (und ihr hoffentlich das nicht sagen)?

„Ausgerechnet Jenna, die ihre weiblichen Reize spielen ließ und den Männern halb auf dem Schoß saß – ein Hohn.“

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CDU-Politikerin Jenna Behrends

Die Berliner CDU-Politikerin Jenna Behrends. – Foto: dpa

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Die Sexismus-Debatte um die frisch gewählte Berliner CDU-Bezirksverordnete Jenna Behrends (26) und Parteichef Frank Henkel wird zur innerparteilichen Schlammschlacht. Sandra Cegla (37), Vorsitzende der Frauen Union in Berlin-Mitte, wirft Jenna Behrends Intriganz und Verlogenheit vor – und den zielgerichteten Einsatz ihrer „weiblichen Reize“.

„Sie kam vor etwa einem Jahr zu uns, war ein, zwei Monate sehr aktiv und fing dann an, gegenüber Mitgliedern des Vorstands über andere Mitglieder zu lästern“, sagte Cegla dem Berliner Kurier. Das hätten ihr mehrere Frauen berichtet. Zudem habe sie offen gelogen.

Sandra Cegla: „Ausgerechnet Jenna, die ihre weiblichen Reize spielen ließ und den Männern halb auf dem Schoß saß“

Empört ist Cegla, dass Behrends sich als Vorkämpferin gegen Sexismus darstelle: „Ausgerechnet Jenna, die ihre weiblichen Reize spielen ließ und den Männern halb auf dem Schoß saß – ein Hohn.“ Cegla will mehrfach auf dieses Verhalten angesprochen worden sein.

Ausgelöst wurde die Debatte durch einen Artikel von Behrends, in dem sie Intrigen, angedichtete Verhältnisse und Sexismus in der CDU beklagte. Innensenator Frank Henkel habe sie „große, süße Maus“ genannt. Der Abgeordnete Sven Rissmann soll ihr gesagt haben, Henkel habe ihn gefragt: „Fickst du die?“ Henkel schweigt zu den Formulierungen, Rissmann erinnert sich nicht.

Dafür äußern sich immer mehr Politiker zu dem Fall. Die stellvertretende Unions-Fraktionschefin Nadine Schön hält Sexismus für ein Problem, das nicht nur die Politik betrifft. „In der Partei genauso wie in der ganzen Gesellschaft muss das Thema stärker diskutiert werden“, sagte sie am Montag im Deutschlandfunk.

Schön sprach von einem „Graubereich“. Man müsse zwischen einer laxen Bemerkung und einer verletzenden, sexistischen Bemerkung unterscheiden. Eine erwachsene Frau „große süße Maus“ zu nennen, halte sie nicht für akzeptabel. Sie selbst habe die von Behrends geschilderten Erfahrungen nicht gemacht, sagte Schön. „Aber ich kenne das natürlich auch von Berichten von Bekannten und Freundinnen, jetzt egal, ob in der Politik, in der Wirtschaft oder auch in Vereinen und Verbänden.“

Auch Berlins CDU-Generalsekretär Kai Wegner fordert eine stärkere Auseinandersetzung mit sexistischem Verhalten in Parteien und Gesellschaft. „Sexismus ist leider ein verbreitetes, gesamtgesellschaftliches Problem, dem wir uns noch stärker stellen müssen“, sagte er der „Berliner Morgenpost“. In der CDU habe die Herabwürdigung von Frauen keinen Platz, betonte Wegner.

Anne Wizorek: „Das würde mit männlichen Kollegen schlichtweg nicht passieren“

Anne Wizorek, die vor drei Jahren die sogenannte Aufschrei-Debatte um Sexismus in der Gesellschaft mitausgelöst hatte, widersprach Schön. Sie sagte dem Sender: „Das würde mit männlichen Kollegen schlichtweg nicht passieren, und insofern ist das kein Graubereich, sondern Sexismus.“ Gleichzeitig begrüßte sie, dass CDU-Generalsekretär Peter Tauber am Wochenende eingeräumt hatte, dass es in der Partei – aber auch in der Gesellschaft – ein Problem mit Sexismus gebe. (red/dpa)

– Quelle: http://www.berliner-zeitung.de/24806188 ©2016

 

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Die Berliner CDU-Politikerin Jenna Behrends hat Sexismus-Vorwürfe gegen ihre Partei erhoben. „Warum ich nicht mehr über den Sexismus in meiner Partei schweigen will“, schrieb Behrends am Freitag in einem Beitrag für das Online-Magazin „Edition F“. Immer wieder sei sie mit Gerüchten konfrontiert worden, sie würde sich nur hochschlafen.

„Die junge Frau, die ständig mit den Gerüchten um ihre angeblichen Affären konfrontiert wird, die gibt es in echt“, beklagt Behrends. Auf einem Parteitag sei sie von einem Parteifreund als „große süße Maus“ bezeichnet worden. Jener Parteikollege soll einen anderen zudem gefragt haben: „Fickst du die?“

„Nimmersatte Karrieristin“

Behrends, Jahrgang 1990, ist am vergangenen Sonntag für die CDU in die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) gewählt worden, die Volksvertretung auf Ebene der Berliner Bezirke. 2015 war sie in die Partei eingetreten. In ihrem Text kritisierte Behrends den fehlenden Zusammenhalt von Frauen innerhalb der Partei, sie soll als „nimmersatte Karrieristin“ bezeichnet worden sein. Gleichzeitig erklärte sie, dass Politik zu wichtig sei, „um sie hauptsächlich alten Männern zu überlassen“.

Der Berliner CDU-Chef Frank Henkel zeigte sich verwundert und „auch ein bisschen enttäuscht über Inhalt und Stil dieses offenen Briefes“. Die CDU Mitte, für die Behrends nun auch in der BVV sitzt, hätte Quereinsteigern immer wieder eine Chance gegeben, erklärte Henkel in einer Mitteilung. „Wenn sich Frau Behrends mit mir austauschen will, steht ihr meine Tür wie jedem anderen Mitglied meines Kreisverbandes für ein Gespräch offen.“ Die Bundes-CDU wollte die Vorwürfe auf Nachfrage nicht kommentieren. (dpa)

– Quelle: http://www.berliner-zeitung.de/24795962 ©2016

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„Offensiv gegenüber Männern“

Die FU-Bezirksvorsitzende Cegla jedoch attackiert ihre Parteifreundin. Sie erklärte, es sei nicht erstaunlich, dass es im CDU-Bezirksverband, der ebenfalls von Frank Henkel geleitet wird, Spekulationen über das Privatleben der 26-jährigen Behrends gegeben habe. „Ich habe sie als sehr offensiv Männern gegenüber empfunden“, sagte Cegla der Berliner Zeitung. Zudem habe Behrends ihr von einem Verhältnis zu einem Mitglied des Bundesvorstands berichtet.

Zu den Vorwürfen gegen Henkel sagte Cegla: „Ich weiß, was Sexismus ist. Und das ist keiner.“ Die Frage Henkels an seinen Parteifreund Sven Rissmann, die Behrends betraf („Fickst du die?“), habe Behrends ja nicht gehört. „Das war ein Satz unter Männern, der dann weitergetragen wurde.“

– Quelle: http://www.berliner-zeitung.de/24808528 ©2016

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Jenna Behrends trat im Mai vergangenen Jahres in die CDU ein und bereits auf dem Parteitag des Kreisverbandes Mitte im November erhielt sie auf Vorschlag ihres Ortsverbandes den sicheren Listenplatz sechs für die Wahl der Bezirksverordnetenversammlung. Schließlich gab es bislang bei der CDU in der BVV kaum Frauen.

Vorwurf, sich hochzuschlafen

„Ein großer Vertrauensvorschuss“, schreibt die Mutter einer dreijährigen Tochter. Doch manchem in der Partei schien der Aufstieg zu schnell zu gehen. Die Verleumdungen fingen an. Ihr sei unterstellt worden, sich für ein kommunales Ehrenamt hochzuschlafen, ständig sei sie mit Gerüchten über ihre angeblichen Affären konfrontiert worden.

– Quelle: http://www.berliner-zeitung.de/24794036 ©2016

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Offener Brief von Jenna Behrends (CDU)

https://editionf.com/sexismus-parteien-jenna-behrends

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Natürlich wieder ein Aufspringer für Anne Wizorek. Das ist die vom #aufschrei
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dcratgs939hmf51qa

https://twitter.com/hashtag/aufschrei?lang=de

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Gruß Hubert

 

 

Veröffentlicht 27. September 2016 von hubwen in Politik, Sexualität, Uncategorized

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Die schamlosen Lügen von Funktionären der Fleischindustrie   2 comments

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Es ist nicht zum Aushalten wenn solche Funktionäre von Tierwohl reden. In den Ställen jener führenden Lobbyisten herrschen Zustände die solches Gefasel Lügen strafen und unbeschreiblich sind. Aber alles abstreiten geht bei „hohen Herren“ immer! Wenn ein totes Tier im Stall liegt, wird auch noch unterstellt, Tierschützer hätten das tote Tier dort abgelegt.

Welche Individuen sind das nur…

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Kein Schwein

Unsägliches Grauen in den Schweine- und Geflügelställen hochrangiger Funktionäre der Tierindustrie, namentlich

  • Paul Hegemann, Vorsitzender des Zentralverbandes der Deutschen Schweineproduktion (ZDS)

  • Thomas Storck, Präsident des Zentralverbands der Deutschen Putenerzeuger

  • Helmut Gumpert, Präsident des Thüringer Bauernverbandes

  • Johannes Röring, CDU-Bundestagsabgeordneter, Bauernpräsident in Westfalen-Lippe, Vorsitzender des Fachausschusses Schweinefleisch im Deutschen Bauernverband

Unermüdich säuseln diese Leute Worte wie „Tierwohl“, „tiergerecht“ oder „glückliche Tiere“ in Mikrofone. Und die Mehrheit gibt sich als willfährige Konsumjünger.

In den Ställen jener führenden Lobbyisten hingegen leiden schwer verletzte verdreckte Tiere mit klaffenden Wunden, die im Dunkeln in ihrem eigenen Kot liegen. Der Gestank ist bestialisch, die Tierschützer müssen ihre Aufnahmen zwischenzeitlich unterbrechen. In der Ferkelzuchtanlage von Bauernverband-Präsident Gumpert wurde eine versteckte Kamera installiert. Das Material zeigt eine Frau, die Ferkel auf den Boden schlägt. Bei einem „glückt“ die Tötung nicht und sie klemmt das sterbende Tier unter die Buchtwand. Im Stall des Bauernpräsidenten und Bundestagsabgeordneten Röring, wo katastrophale hygienische Bedingungen herrschen, robbt ein schwerverletztes Schwein, das nicht mehr aufstehen kann, mühsam vorwärts. Der Ammoniakgehalt der Luft ist dort doppelt so hoch wie „erlaubt“, die Schweine haben entzündete Augen und husten, überall schwer verwundete verhaltensgestörte Tiere, in einer Bucht fressen Artgenossen einen Kadaver an.

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Tierschützer filmen solche Zustände seit Jahren immer wieder. Diesmal haben sie gezielt führenden Lobbyisten in die Karten geschaut, die derartige Skandale jedesmal als Ausnahme darstellen und mit warmen Worten und aufwändigen Kampagnen ein Bild von Idylle dagegenstellen. Mit der vorliegenden über zwei Jahre angelegten aufwändigen Recherche der Tierschutzorganisation ARIWAwird dieses Trugbild entlarvt. Selbstredend versuchen die im Zentrum der Kritik stehenden Lobbyvertreter dieses Truggespinst sogar noch jetzt unter der Last dieser Bilder aufrecht zu erhalten. Der Anwalt des Bundestagsabgeordneten behauptet dreist, der im Video gezeigte Kadaver sei erst kurz vor der Aufnahme in seinen Stall gelegt worden, soll wohl heißen, die Tierschützer selbst hätten sie dort abgelegt.

 

Mutter mit Neugeborenem in einer ganz „normalen“ Zuchtanlage

Mutter mit Neugeborenem in einer ganz

Rosalie (© Land der Tiere)

Rosalie, ein befreiter „Kümmerling“ (© Land der Tiere)
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Jetzt hagelt es mal wieder Anzeigen. Geändert haben Anzeigen gegen Tierschutzverstöße bisher wenig – im Gegenteil, diese Industrie wird stetig ausgebaut und Effizienz ist alles. Bei den einzelnen „Produktionseinheiten“ zählt nur der Profit gemäß dem Motto „Schwund gibt es überall.“. Das Leiden jener „Produktionseinheiten“ interessiert keinen.

Berichte zu solchen Skandalen werden fast nur von Leuten angesehen, die sowieso schon Konsequenzen gezogen haben. Auch in unserem Blog sehen wir in der Aufruf-Statistik, wie selten die entsprechenden Seiten oder Videos in unserem Blog angeklickt werden. Schaut der Rest weg und bleibt in seiner Idylleblase oder schiebt die Verantwortung auf „die Politik“? Für uns ist eine solche Haltung schwer erträglich, gerade im Kontrast dazu, dass parallel gerade zwei quirlige kleine Rüsselpersonen in dem Lebenshof eingezogen sind, auf dem wir mithelfen, die man sonst als s.g. „Kümmerer“ oder „Kümmerlinge“ einfach erschlagen hätte – die Schweinezüchter nennen das „Nottötung“.

Was muss ich tun, dass Menschen das Interesse aufbringen und den Mut haben, sich die Realität anzusehen? Verzweifelt, Maria

Danke an ARIWA, Danke an alle Tierfreunde, die Zeit und Mühe und teilweise Bedrohungen für Ihre wichtige Arbeit auf sich nehmen! Danke an jeden, der Schritte unternimmt, das gezeigte Leid zu minimieren und andere zu sensibilisieren!

Die schamlosen Lügen von Funktionären der Fleischindustrie

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Millionen Ferkel werden umgebracht und weggeworfen, weil Menschen Fleisch essen. Anzeigen wegen der Tötungsmethode oder politische Debatten darum lenken davon ab, dass hier, nur, weil es zu teuer ist, die Kleinen aufzupäppeln, millionenfach getötet wird. Züchten mit dem Wissen, dass die Geboren zum Teil direkt getötet werden. Das ist einfach krank. (Jürgen Foß, Vorstandsmitglied ARIWA)

Für den Verzehr ihrer Körperteile werden um die 60 Millionen Schweine eingesperrt und umgebracht. In Deutschland. Pro Jahr. Die meisten dieser intelligenten sensiblen Vierbeiner vegetieren in Großmastbetrieben dahin, in denen sie sich kaum bewegen können und durch die Langeweile, die Bewegungsarmut und den Stress verrückt werden. Zu den dortigen Zuständen gibt es zwar Unmengen an Belegen, doch sie nutzen nichts. Die Zustände sind gesetzeskonform und werden auch gar nicht bestritten. Was bei „Haustieren“ als Tierquälerei geahndet würde, das gilt für „Nutztiere“ nicht. Wegen der laschen Bedingungen in Deutschland stehen hier auch Mastanlagen ausländischer Firmen. Wo es um Profit geht, bleibt die Menschlichkeit auf der Strecke – jedenfalls seitens Wirtschaft und Politik. Nur der Einzelne hat es in der Hand.

https://stefmarian.wordpress.com/2016/01/13/das-schweigen-der-ferkel/

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Gruß Hubert

 

Lehre und Leben von großen Persönlichkeiten passen oft nicht zusammen   Leave a comment

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Man würde ja von einem großen Pädagogen wie Jean Jacques Rousseau nicht erwarten, dass er seine fünf Kinder im Waisenhaus ablieferte. Aber Rousseau ist da kein Einzelfall, dass Lehre und Leben von großen Persönlichkeiten keine Deckung fanden.

Von hysterischen Philosophen und bescheidenen Frauen

Jean-Jacques Rousseau und Stéphanie Félicité de Genlis

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelte Max Scheler eine Philosophie, die auf der Achtung vor dem Wert der anderen Menschen aufbaute, und er trat der katholischen Kirche bei. Eines Tages wurde er von Studierenden bei einem Bordellbesuch ertappt und gefragt, wie eine solche Konsultation denn mit seinen Moralvorstellungen zusammenpasse. Er gab darauf die berühmte Antwort, ein Wegweiser müsse nicht dorthin gehen, wohin er zeige. Gilt für alle Verkehrszeichen.

Freilich ist Max Scheler nicht der einzige und erst recht nicht der prominenteste, bei dem Leben und Lehre nicht immer zur Deckung kommen. Bei den ganz großen Klassikern neigen wir dazu, solche Diskrepanzen zu verdrängen. Das zeigen zum Beispiel in diesem Jahr die Feiern zum 300sten Geburtstages von Jean-Jacques Rousseau.

 

Portrait der Madame de Genlis von Jacques-Antoine-Marie Lemoine. Bild: Public Domain
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Die Berliner Bibliothek für Bildungsgeschichte etwa veranstaltete einen Kongress, der Rousseaus Bildungsromans Emile als „ein sakrales Ereignis“ feierte und „Rousseaus Polito-Pädagogik“ als staatstragende „Zähmung der Leidenschaften“ verherrlichte. Auf einem Kongress der Frankfurter Universität wurde Rousseaus Kritik an der „pathologischen Gesellschaft“ gedacht. Die Liste der Beispiele ließe sich beliebig verlängern. Denn Rouesseau gilt als einer der Wegbereiter der Französischen Revolution, war anerkannter Aufklärer, Inspiration nicht nur für Kant, und seine Idealisierung der Natur wirkt bei jedem Waldspaziergang bis in unsere Zeit. Rousseau kennt man einfach.

Unbekannt dagegen bleibt, was zu all dem Rousseaus fünf Kinder gesagt hätten, die der große Pädagoge bekanntlich im Waisenhaus ablieferte, ohne sich jemals um sie zu kümmern, auch wenn das damals hieß, dass diese Kinder nicht alt werden würden.

Dafür hat er sich schon zu Lebzeiten sehr verteidigen müssen, denn dass dieses Vorgehen in der damaligen Zeit üblich und die Einstufung von Kindern als besseren Haustieren normal gewesen sei, stimmt nicht wirklich. Vor allem für einen Pädagogen ist ein solcher Schachzug doch ambivalent. Da hilft auch seine Argumentation als früher Feminist wenig, der in finanziell kritischer Lage nur seine Frau nicht mit den Kindern habe belasten wollen.

Als Rousseau den ersten Preis eines akademischen Preisausschreibens gewinnt, ändert sich die finanzielle Lage des Haushalts Rousseau. Mit seinem Du contrat social, einer zusätzlichen Komödie und einer Oper verdient Rousseau so viel, dass es für eine eigene Wohnung reicht. Das dritte Kind kommt ins Findelhaus. Vielleicht zu seinem Glück – denn so bleibt es wenigstens vor Rousseaus legendären Launen verschont, unter denen selbst sein Freund und Gönner, der schottische Aufklärungsphilosoph David Hume, zu leiden hatte. Vom Ende dieser Freundschaft in einem durch Rousseau provozierten Eklat ist zu lesen unter dem vielsagenden Titel „Der Kluge und das Biest“.

Rousseau im Double-bind

Rousseau konnte so profan fluchen, dass es jede Sakralität verschlug; seine aufbrausende Leidenschaft hatte er nicht immer im Griff; und wenn er von sozialen Pathologien sprach, kannte er sie offenbar nicht zuletzt auch von sich selbst. Oft legte er sich wie aus Prinzip mit allen an. Als er in Frankreich den italienischen Musikstil vor dem französischen ansiedelt, erhängt das französische Opernorchester eine Puppe von ihm, und ausgerechnet Diderot zu eröffnen, wie unnütz und unmoralisch das Theater ist, vertiefte die entsprechende Freundschaft nicht.

Vereinzelt wurde argumentiert, dass Rousseaus von Kindheit an geschädigte Harnblase Grund für seine chronische Gereiztheit gewesen sei. Dass er im Laufe seiner Sozialisation immer wieder und viel geschlagen wurde, mutet wie ein weiterer Grund für spätere Affekte an, allerdings hat er selbst diese Erfahrung dann u.a. in eine gewisse Schwäche fürs Geschlagenwerden als Erwachsener und damit in positive Lüste überführt. Vielleicht hatte Rousseaus größtes Problem auch mit etwas zu tun, was Mitte des 20. Jahrhunderts als psychologisches Gift für jede Art von Erziehung entdeckt wurde: mit dem Double-bind. Ein solcher liegt vor, wenn eine Autoritäts- oder Respektperson auf verschiedenen Ebenen gegensätzliche Botschaften kommuniziert (etwa die Mutter, die ihr Kind anschreit, es solle nicht so laut sein). Der Adressat bleibt verwirrt zurück und darf nicht einmal nachfragen, wie das denn gemeint war, um nicht mehr Informationen der gleichen Art zu provozieren.

Wie fast jeder Double-bind, so beginnt auch derjenige Rousseaus zu Hause, also im eigenen Psychohaushalt und der dazugehörigen Philosophie: Rousseau zufolge sind alle Menschen von Natur aus frei und haben sich mit entsprechendem Respekt und ohne irgendwelche Standesdünkel zu begegnen. Soziale Unterschiede und unterschiedliche Mengen an Besitz würden Menschen nur von sich selbst und von seinesgleichen entfremden. Am besten, der dünkelhafte Einzelwille ginge ganz auf in einem Allgemeinen Willen, geprägt vom Gesetz wechselseitigen Wohlwollens.

Nun ist, denkt Rousseau weiter, wer diesen Zusammenhang durchschaut hat, zunächst als einziger frei in einer Welt voller Sozialsklaven, voller von der Natur entfremdeter Menschen. Wer diese Bedauernswerten über ihren Zustand aufklärt und ihnen dadurch den Ausgang daraus ermöglicht, verdient ihren ganz besonderen Respekt und müsste darum also ein philosophischer und gesellschaftlicher Superstar sein. Den Zeitgenossen Rousseaus bleibt also nur die Wahl zwischen zwei Übeln: Entweder sie nehmen Rousseaus Botschaft ernst und behandeln ihn als Gleichen unter Gleichen, dann ist er wütend, weil ihm die gebührliche Anerkennung versagt wird. Oder sie zelebrieren ihn als Meisterdenker, dann ist er ebenfalls wütend, weil sie seine Philosophie nicht ernst nehmen.

Flucht in die Verkleidung

Vielleicht weil ihm die Menschen also ständig Unrecht tun, verfällt er allmählich in eine Art Verfolgungswahn und nimmt an, alles, was um ihn herum geschehe, diene seiner Demütigung. Ein Ausweg aus diesem Teufelskreis beschreitet er höchstens ab und an, indem er getarnt auftritt, so wie er zum Beispiel auf der Flucht schon einmal einige Zeit als vermeintlicher Armenier. Oder er gibt sich scheu, aber auch das birgt ambivalente Gefahren…

Eben dies nämlich auch passiert, und zwar unter Beteiligung der damals noch jungen Stéphanie Félicité de Genlis, einer äußerst vielseitig (heute würde man sagen: interdisziplinär) begabten Französin, die als Harfenistin ebenso glänzte wie als Schriftstellerin und – später dann – als Konkurrentin von Rousseau auf dem Gebiet der Erziehungswissenschaft. Gerade die Engländer waren ihr dankbar dafür, dass sie menschenfreundliche pädagogische Maximen verkündete, ohne sie mit den philosophischen Überspanntheiten des schwierigen Stars zu verbrämen. Ihre kritische Distanz zu Rousseau verdankt sie einer Erfahrung, die in ihren Memoiren festgehalten sind und hier in der Folge erstmals seit 1825 in deutscher Bearbeitung wiedergegeben werden.

Die Genlis schreibt im zweiten Band ihrer zehnbändigen Memoiren, sie habe im Vorfeld schon viel von Rousseau gehört, der sich damals vor allem als Komponist einen Namen gemacht und damit auch Gluck Konkurrenz gemacht hatte. Die Genlis, selbst berühmte Harfenistin, ließ ihren Mann oft wissen, wie sehr sie sich wünschte, Rousseau kennen zu lernen, aber der nahm weder Besuche an, noch erstattete er welche.

Eines Tages jedoch eröffnet ein Bekannter der Eheleute Genlis der Gräfin, dass ihr Mann einen Schauspieler mit der Rolle Rousseaus beauftragen und sie besuchen lassen wolle. Da solche Verkleidungsspiele damals in der Gesellschaft an der Tagesordnung waren, ist die Genlis begeistert und geht mit vollem Diensteifer auf eine bald eintreffende Nachricht ein, nach der sie Rousseau angeblich gerne auf der Harfe spielen hören und im Hause antreffen würde. Sie stellte sich einen als Philosophen verkleideten Mann als etwas höchst Komisches vor und wurde nicht enttäuscht: Der kastanienbraune Rock dieses Herrn, die gleichfarbigen Strümpfe, die kleine Stutzperücke, sein ganzer Anstand und Anzug waren ihr unendlich komisch. Glücklicherweise sprach man auch nur von nicht zu ernsten Dingen, denn die Genlis kämpfte das ganze Gespräch über mit dem Lachen. Der Schauspieler bewies Geist und nahm keinen Anstoß an der fast unfeinen guten Laune und der fast anstößigen Plauderlaune seiner Gastgeberin. Er nannte sie darum originell und sie fand, dass er seine Rolle mit bewundernswerter Natürlichkeit spielte, wenn auch für einen Rousseau zu gutmütig, nachsichtig und heiter.

Als er ging, versprach er, am nächsten Tag wiederzukommen. Als er fort war, lachte sie lauthals, bis sich herausstellte, dass es der echte Rousseau gewesen war, der eben das Haus verlassen hatte. Dann lachen die anderen.

Stefanie Voigt

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Lehre und Leben von großen Persönlichkeiten passen oft nicht zusammen

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Jean-Jacques Rousseau. Gemälde von von Allan Ramsay (1713-1784). Bild: gemeinfrei im Rahmen des Yorck Project.
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Gruß Hubert

 

Nationalismus und Romantik   Leave a comment

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Ich wollte mal den Zusammenhang zwischen Romantik und Nationalismus zeigen und zu welchem Fanatismus der Nationalismus getrieben wurde.

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Das gleichzeitige Auftreten von Nationalismus und Romantik legt die Frage nach der inneren Beziehung zwischen beiden nahe. Dabei ist in Rechnung zu stellen, dass der Begriff der Nation insbesondere im deutschen Sprachraum nachhaltig desavouiert ist. Im Gegensatz dazu hält sich im europäischen Kontext das Denken und Handeln verlässlich und hartnäckig in Kategorien des Nationalen, auch wenn das nationale Pathos spürbar nachgelassen hat.
http://www.turia.at/titel/festwo.php

Aus der ZEIT (Auszug)

Ausstellung „Blutige Romantik“: „Ich will den Haß!“

Der Befreiungskampf gegen Napoleon ließ den Geist des deutschen Nationalismus aus der Flasche. Doch die große Ausstellung „Blutige Romantik“ in Dresden weicht ihrem Thema eher kunstvoll aus.

Der romantische Weg nach innen führte mitunter in den Abgrund der Gewalt. „Und wenn sie winselnd auf den Knien liegen, / Und zitternd Gnade schrein, / Laßt nicht des Mitleids feige Stimme siegen, / Stoßt ohn’ Erbarmen drein!“, dichtet der Romantiker Theodor Körner zur Zeit der Befreiungskriege gegen Napoleon. Unverhohlen verachtet er das Mitleid als ein Gefühl der Schwäche, das es im Dienste nationaler Ziele zu suspendieren gelte: Körner predigt eine Moral der Erbarmungslosigkeit; er erklärt den Kampf gegen die Franzosen zum Vernichtungskrieg.

Das Militärhistorische Museum in Dresden hat dafür mit dem Titel seiner Ausstellung zur Leipziger Völkerschlacht 1813 einen so drastischen wie treffenden Begriff gefunden: Blutige Romantik. Das Museumsplakat zeigt ein blutbespritztes Eichenblatt. Der Traum vom teutschen Vaterland gebiert Verwüstung und Tod. Oder illustriert das Bild die Sicht der national gesinnten Zeitgenossen? Blutet hier das Eichenblatt, von einer – französischen – Kugel durchschossen?

Wer die Ausstellung betritt, dem eröffnet sich noch eine dritte Lesart: Auf dem Fußboden sind die Schlachten der Napoleonischen Kriege aufgelistet, jeweils mit der Zahl der Opfer. Die Besucher schreiten buchstäblich über die Toten hinweg, und an einer Stelle gibt der Boden sogar den Blick auf ein Skelett frei – auf Knochen und Schädel eines von einer Kanonenkugel getöteten Pferdes, das Archäologen, neben den Überresten von 19 Soldaten, in Leipzig geborgen haben.

Fünf Millionen Menschen, schätzt die Historikerin Karen Hagemann, starben in den Kriegen der Jahre 1792 bis 1815, vom ersten Feldzug des revolutionären Frankreichs bis zur Niederlage Napoleons bei Waterloo. Gemessen an der Bevölkerungsgröße Europas, entspricht dies den Verlusten während des Ersten Weltkriegs. Die Epoche der Romantik fällt recht genau mit den mehr als 20 Kriegsjahren zusammen. Auch in insofern war sie eine blutige Zeit. Erstmals in der Geschichte stürmten Massenheere aufeinander los: In die Leipziger Völkerschlacht zogen rund eine halbe Million Soldaten, auf der einen Seite die Truppen Preußens, Österreichs, Russlands und Schwedens, auf der anderen die französischen Streitkräfte. Rund 100.000 von ihnen fielen in den vier Tage währenden Kämpfen. Am 19. Oktober 1813 waren die deutschen Lande von der französischen „Fremdherrschaft“ befreit, und Leipzig glich einem Leichenhaus.

Vieles bleibt in der Schwebe

Die Dresdner Schau will nachzeichnen, wie die Ereignisse gedeutet und manchmal schon im Moment des Geschehens romantisiert und zum nationalen Mythos geformt wurden. Ein ehrgeiziges Vorhaben, vielleicht ein unmögliches, denn um die Wechselwirkung zwischen politischem Geschehen und romantischer Weltbetrachtung auszuloten, brauchte es mehr Erläuterung, als einer Ausstellung zuträglich wäre.

http://www.zeit.de/2013/41/voelkerschlacht-leipzig-blutige-romantik-ausstellung-dresden

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Der Sieg über Napoleon war freilich nur möglich, weil man von ihm lernte: Massenmobilisierung, „Volkskrieg“, nationale Identifikation, das alles waren moderne, „französische“ Ideen und Techniken. Am Ende – Ironie der Geschichte – triumphierten mit ihrer Hilfe die Monarchien, nicht die romantischen Nationalisten. Nach Napoleons Untergang, 1815, begann die Epoche der Restauration. Kein einig Vaterland. Doch die Idee lebte fort. Und so erhielt auch die „blutige Romantik“ ihre Bedeutung im Wesentlichen nach den Befreiungskriegen. Für diese selbst, für den Sieg in der Völkerschlacht, war sie kaum entscheidend. Freikorps wie die Lützower Jäger, denen auch der Dichter Theodor Körner angehörte, spielten, das macht die Ausstellung deutlich, militärisch keine Rolle. Eine Koalitionsarmee, kein Heer deutscher Freiwilliger, schlug „die Franzosen“. Erst im Nachhinein wurde die internationale Völkerschlacht zum nationalen Befreiungsschlag stilisiert.

 

Sehr wohl bedeutend für die „blutige Romantik“ waren indes Agitatoren wie Ernst Moritz Arndt, Friedrich Ludwig „Turnvater“ Jahn oder Johann Gottlieb Fichte – und das schon vor 1813. Mit fanatischen Tiraden gegen alles „Welsche“ (Arndt: „Ich will den Haß!“), sprachphilosophischer Deutschtümelei (Fichte: Die Deutschen als „Urvolk“, das Deutsche als „Ursprache“) und martialischen Gemeinschaftsfantasien (Jahn: „Mit dem blutigen Schwert der Rache zusammenlaufen“) heizten sie den Furor gegen die Besatzer an.

 

Messen lässt sich die Wirkung ihrer Propaganda natürlich nicht, wie der Kurator der Dresdner Ausstellung, der Historiker Gerhard Bauer einwendet. Arndt aber beeinflusste nachweislich die Mächtigen in Preußen. Als Sekretär des Reformers Freiherr vom Stein half er Ende 1812, den preußischen König dazu zu bewegen, sich gegen Frankreich zu stellen. Dass die Romantikschau Arndt & Co. nur am Rand erwähnt, ist daher ein großes Versäumnis. Zumal sich die „blutige Romantik“ an ihnen besonders gut studieren ließe, Rassismus und ein bereits eliminatorischer Antisemitismus inklusive. Ebenso wenig kommen zeitgenössische Kritiker in den Blick, wie etwa der jüdische Publizist Saul Ascher, der die „Germanomanen“ so scharf wie ahnungsvoll aufs Korn nahm.

Die Ausstellung vergibt eine Chance

Die Ausstellung vergibt damit eine Chance: Eine Analyse der geistigen Aufrüstung um 1813, das wäre ein großartiger Einwurf zum Gedenkjahr gewesen – und ein interessanter Beitrag zur Geschichte der Romantik und ihren bräunlich blutverkrusteten Rändern. Doch das Dresdner Museum bietet bei näherer Betrachtung gar nicht die Ausstellung über das romantische Zeitalter, die es ankündigt, sondern eine über 1813 und die Völkerschlacht im kollektiven Gedächtnis. Und als solche ist sie durchaus sehenswert.

http://www.zeit.de/2013/41/voelkerschlacht-leipzig-blutige-romantik-ausstellung-dresden/seite-2

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Gruß Hubert

 

Veröffentlicht 24. September 2016 von hubwen in Politik, Uncategorized

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Der Begriff Heimat – Reinhold Messner   7 comments

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Man muss immer sehen in welchem Kontext jemand das Wort Heimat gebraucht. Das Wort ‚Heimat‘ gehört zu mißbrauchtesten Wörtern der deutschen Sprache. Die Assoziationen, die es heute erweckt, sind so vielfältig, daß es sich kaum mehr eignet, als Instrument der Verständigung verwendet zu werden.

Es gibt auch viele Klischees, wie sie mein Landsmann, der ehemalige Gipfelstürmer Reinhold Messner anführt. Sie sind auf Südtirol bezogen aber einige passen auch anderswo.

Heimat, deine Klischees

Reinhold Messner
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Die Mitte der Welt ist Südtirol nicht. Und doch kenne ich kein Volk,
dem „Heimat” so wichtig wäre. Die Gespräche, die Lieder, die Politik,
die täglichen Nachrichten – immerzu geht es um „Heimat”. Dabei ist
diese „Heimat”, wo die Dörfer verloren in den Tälern liegen, nicht die
Heimeligkeit der Hinterwelt. Nein, das war einmal. „Heimat” ist in
Südtirol heute ein Schlagwort. Mit dem Begriff „Heimat” lassen sich
Touristen anlocken, Stimmen bei der nächsten Landtagswahl fangen
und Subventionen einheimsen.
„Oh, du mein Heimatland Südtirol!” Mit deinen Heimatliedern, Heimat
filmen, Heimatabenden, Heimatmuseen, Heimatromanen und
Heimatfahnen bist du eine Ferienheimat für halb Mitteleuropa geworden!
Heimatbund und Heimatparteien kämpfen seit Generationen mit
Heimattreuen um Heimatansprüche an allen Heimatfronten. Getragen von
einer Art Heimatliebe, die blind macht. Heimatvereine und Heimatblätter teilen
sich die öffentlichen Gelder der Heimatkasse im Einsatz gegen die Heimatverräter.
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Heimatdichter ehrt man mit Heimatpreisen, und die Kinder lernen dann ihre Namen
in der Schule in Heimatkunde. In Südtirol gibt es Heimatorganisationen für Heimatferne, eine Neue Heimat für Heimatvertriebene und Spott für Heimatlose, denn heimatlos ist man nicht.
Mich interessiert dieses Klischee von Heimat ebenso wie das Land, in
dem ich aufgewachsen bin. Vielleicht bin ich deshalb ein so „schwieriger Südtiroler”.
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Aber ich lasse mir meine Heimat und meine Kulturnicht nehmen von jenen, die dieses Land für sich gepachtet haben.
Weder die Landesregierung noch die Schützenkompanien, nicht die
Freiheitshelden und alle Wähler der Südtiroler Volkspartei sind allein
Südtirol. Die „verwurzelten Tiroler” vergessen leider zu oft, wie fast
alle, die ständig von „Heimat” faseln, dass Heimat ein Teil persönlicher
Biographie ist. Ich fühlte mich in Villnöß daheim, wo ich groß geworden bin,
und bin doch mit vierzig Jahren umgezogen nach Juval, woich mir mit meinen Händen
und meinem Kopf selbst ein Nest für meine Gefühle geschaffen habe.
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Ursprünglich bezeichnete Heimat etwas Praktisches, einen Bauernhof
oder eine Landschaft. In Tibet, wo die Leute das Wort Heimat, das
sich kaum in andere Sprachen übersetzen lässt, nicht kennen, reden
die Nomaden und Bergbauern nicht von diesen Heimatgefühlen. Es
reicht ihnen, eine Heimat zu haben: Dort bauen sie ihre Zelte auf,
weiden ihr Vieh, leben mit ihren Familien und kennen jedes Wasser
und jeden Stein. Zuerst möchte ich eine solche Heimat in mir selbst
haben. Nicht als einen nach vorne gedachten Zustand, der aus Erinnerungen
an die Kindheit genährt wird, auch nicht als „Heimat” aus zweiter Hand. Die
Gefühle und Erinnerungen meiner Vorfahren machen meine Heimat nicht aus.
Heimat hat für mich keine Fahne undkein Maß. Es ist ein Zustand, den ich mir
Tag für Tag neu erarbeiten muss. Es ist nicht Rückkehr zu den Wurzeln und nicht Suche nacheiner verlorenen Zeit, sondern das Schlagen von Wurzeln. Sich als
Individuum zu begreifen und sich Schritt für Schritt weiter zu tasten
macht vielleicht nicht glückselig, aber es schafft Heimat.
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Ich weiß, dass Schloss Juval, wo ich heute lebe, in Fronarbeit erbaut worden
ist – trotzdem bin ich dort daheim, habe Raum für meine Freunde
und kenne jeden Baum. Und ich toleriere von Juval aus jedes andere
Beheimatetsein.
Viele andere Gefühle, die dem Begriff „Heimat” heute zugeordnet
werden, treffen eine Marktlücke, die Gefühlsarmut und Identifika-
tionsschwierigkeiten signalisiert. Viele Touristen nehmen aus ihrem
Urlaub ihre „Ferienheimat” in Form geknipster Lichtbilder mit, und
viele Einheimische glauben, jemandem zu gefallen, wenn sie „ihre Heimat”
immerzu „lieben”. Wenn Heimat ablichtbar ist und nicht kritisch gesehen
werden darf, bedeutet sie Grenze, und jedes Anderssein wird verpönt.
Heimat wird dann zum Etikett, Vorurteil zum Urteil. Mir ist immer noch unbegreiflich, warum gerade wir Südtiroler sounbefangen umgehen mit dem Begriff „Heimat”.
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Trotz der traurigen Erfahrungen mit der Option (1939 stimmten 86 Prozent der Südtiroler für das Aufgeben ihrer Heimat) tun wir Südtiroler so, als sei nichts gewesen. Das Wort „Heimat” ist für mich nahezu unaussprechbar geworden. Dieser Begriff ist abgewirtschaftet. Er ist durch den ständigen Missbrauch leer geworden und durch die Geschichte beschädigt.
Ich schäme mich, als Südtiroler heute zu sagen: „Ich liebe meine Heimat.” Dieser Satz ist nicht nur durch unsere jüngere Geschichte widerlegt. Er ist auch durch ungezählte ältere und neuere Heimatlieder unmöglich geworden. Wir müssen das Wort „Heimat” mit neuen
Inhalten füllen, wenn wir es wieder benützen. Wir sollten wissen, wie es verdreht worden ist von Ideologen und Fanatikern, die vorgaben, dieses Land und diese Menschen zu lieben. 1939, als der „Völkische Kampfring Südtirols”, sich der Taktik der NS-Propaganda bedienend,schamlos das „Heim ins Reich” ausrief, hatte er völkisch und für Hitler,
aber gegen Südtirol entschieden. Im Namen von Heimat – Volk und Vaterland als überwertige Heimat begannen Umsiedlung und Heimatvertreibung.
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Erst jetzt, da nicht jede Bürgerinitiative und jeder Umweltschützer „im Namen der Heimat” handelt, habe ich wieder ein bisschen Vertrauen zu diesem Wort.
Die wachen Menschen sorgen sich um ihre Heimat und tun etwas für
sie. Sie benutzen nicht nur einen Begriff, mit dem es so leicht ist,
Emotionen, Geld und Applaus zu sammeln. Trotzdem will ich es mir
auch morgen mit dem Begriff „Heimat” nicht leicht machen. Er bleibt
gefährlich, weil sich ihm so leicht keiner entziehen kann und weil er
so häufig missbraucht wird. Er kann als Waffe, als Liebeserklärung,
als Ausgrenzung und als Propagandamittel benutzt werden. Dabei ist
das Bedürfnis und die Sehnsucht nach Heimat durchaus etwas Notwendiges.
Nur, in Südtirol ist „Heimat” so sehr idealisiert, dass sichbei mir vieles gegen
sie sträubt.
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Mich befällt in der Fremde nicht Heimweh, wenn ich einen Südtiroler treffe,
und ich bin nicht Südtiroler, weil Südtirol „das schönste Land der Welt” ist. Ich bin Südtiroler,obwohl ich ein brüchiges Verhältnis zu meiner „Heimat” habe. Ich
habe die Vorzüge anderer Gegenden kennen- und Menschen anderer Kulturen schätzen gelernt. Trotzdem höre ich nicht auf, zum staudigen und felsigen Hügel von Juval zurückzukehren und die verschrobenen Menschen dort zu mögen.
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Der Begriff Heimat – Reinhold Messner

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Gruß Hubert

 

Veröffentlicht 23. September 2016 von hubwen in Kultur, Politik, Uncategorized

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Tapfere Männer retten Welt vor dem Gehörnten   Leave a comment

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Ein aufklärender Beitrag zum Verhältnis Mensch (Nutz)-Tier.

Welche Aufregung, die armen Menschen! Das, obwohl der Bulle vorher „ordentlich betäubt“ worden war – sogar mit 2 Bolzenschüssen statt mit einem! Fluchtursache waren demnach unwillkürliche Muskelzuckungen, oder wie passt das zusammen? Zum Glück haben sie das verletzt im Wasser kauernde gefährliche Monster mit mehreren Gewehr- und Bolzenschüssen niederstrecken können. Nun kann die Welt wieder aufatmen. Hach, diese mutigen Mannen!

Meine Ironie hilft nicht gegen die Übelkeit, die mich beim Lesen des Artikels überkommt und sie hilft mir kein bisschen hinweg über die Tränen, die mir gegen meinen Willen runterlaufen, während ich trotzig versuche, cool zu bleiben und mich zu sammeln. Ich empfinde einfach nur hilflose Wut und Verzweiflung. Wie verächtlich und zynisch sind die Worte in diesem Zeitungsbericht? Wie grausam und zynisch ist unser Umgang mit fühlenden Mitwesen?

Die Überschrift hier ist übrigens gelogen. Im Artikel der SZ ist zu erkennen, dass der Bulle überhaupt keine Hörner hatte. Die werden üblicherweise den Kälbern ausgebrannt, ohne Betäubung. Der Bulle war sein ganzes Leben keine Bedrohung für Menschen, er wurde von ihnen bedroht. Immer wieder gelingt es einzelnen Tieren, aus der von uns für sie bestimmten Hölle zu fliehen. Manche entkommen unverletzt und werden dennoch hingerichtet – wie Verbrecher.

Berichte darüber sind oft nur in Lokalblättern zu finden und drehen sich meist um die Aufregung und den Unterhaltungswert und keineswegs um die Not der Tiere. Dazu sind Schlachthäuser und Megaställe einfach zu weit aus unserem Blickfeld gerückt und das dort versteckte Leid zu alltäglich. Eine zweite Emily, ein entflohenes „Nutztier“, das zur Legende wird, wird es nicht geben. Emilys dramatische Flucht hatte einst weltweit für Schlagzeilen gesorgt und Menschen mobilisiert, ihre Geschichte wurde sogar verfilmt.

Offenbar werden wir so sehr überrannt von negativen Schlagzeilen und fühlen uns jedesmal zu hilflos oder zu schuldig, um noch fühlend hinsehen zu wollen oder noch bereit zu sein, für irgend etwas Verantwortung zu übernehmen. Lieber sehen wir uns selbst in vielerlei Hinsicht als Opfer oder als ungerecht behandelt. Das ist faktisch auch nicht ganz falsch und angesichts der stetigen Katastrophenschwemme sicher der bequemste Weg, und er hilft temporär, Schlimmes auszublenden, was manchmal tatsächlich klug und nötig ist. Entnervtes Abwenden allerdings macht uns nicht gerade souveräner, noch hilft es auf Dauer. Es mag für den Moment entlasten, doch ist Wegschauen ein stetiger Kraftakt, der uns anhaltend schwächt gegenüber dem temporären Aufwand, sich unbequemen Dingen zu stellen. Darüber gibt es viele kluge Bücher und eigentlich wissen wir das auch. Wer beherrscht das schon? Ich nicht!

Beim Thema Gewalt aber (egal gegen wen) geht es nicht nur um uns selbst und unsere persönlichen Marotten. Vielmehr geht um das Leben und den Tod anderer, der, gemessen an dem Opfer, das den Betroffenen aufgenötigt wird, für uns verhältnismäßig leicht zu verhindern wäre. Trotzdem neigt ein Teil von uns auch dann noch zur Nabelschau. Ich nehme mich dabei nicht aus. Den Tieren gegenüber, die uns absolut ausgeliefert sind, schaffe ich das weniger-Schaden, indem ich es nicht bezahle und Tierprodukte nicht konsumiere, vielleicht weil Tiere uns gegenüber viel hilfloser und ausgelieferter sind als ein menschliches Gegenüber und weil ich nicht will, dass jemand anderes sie an meiner Stelle einsperrt und absticht, damit ich, die diese Taten nicht übers Herz brächte, dann irgendwelche Körperteile oder ihre für den Nachwuchs bestimmten Abscheidungen wie Milch oder Eier in mich reinstopfen kann.

 

Ich habe mich differenziert schlau gemacht, mit welchem unsäglichen Grauen die „Gewinnung“ dieser Produkte einhergeht – sowohl für die ausgebeuteten Tiere, als auch für die ausgebeuteten Menschen – und ich brächte es nicht über mich, das weiter zu unterstützen. Sehr viele Leute ahnen trotz verstärkter Aufklärung noch immer nicht, was da eigentlich passiert. Nicht wenige glauben an Mythen, etwa dass Kühe immer Milch geben würden und gemolken werden müssten oder „Lege“hennen nun einmal Eier legen würden, weshalb man die schadlos entnehmen könne. Die Wahrheit jedoch ist sehr unschön und schmerzhaft. Ich selbst habe Tiere aus dieser Hölle kennengelernt und Menschen, die sich um diese ausgebeuteten kranken qualgezüchteten Wesen kümmern, welche das Glück hatten, freigekauft oder befreit worden zu sein, und ich kenne Leute, die die wirklich unsäglichen Abgründe dokumentieren, die den „Nutztieren“ angetan werden. Wie schwer es diesen Leuten gemacht wird, die damit eine große Bürde auf sich nehmen, spricht nochmals eine eigene Sprache. Trotz der traurigen Tatsachen ist es tröstlich, dass es all diese Menschen gibt und es tut gut zu sehen, wie Tiere, die einst dahinvegitierten, auf einmal ihre Persönlichkeiten entfalten, wenn man sie nur lässt.

 

Ich wünschte, mehr meiner Freunde und mehr aus meiner Familie würden anfangen, da auszusteigen. Ich bin selbst in vielerlei Hinsicht maximal unperfekt, leide massiv an Aufschieberitis und bin zumeist nervtötend unkonsequent. Ich habs erstaunlicherweise geschafft. Deshalb glaube ich, dass z.B. Du das wirklich auch hinkriegen kannst. Wenn Du nun zumindest einige Schritte tust, dass das unsägliche allgegenwärtige Leid der Tiere weniger wird, dann bewirkst Du allerdings auch dann was, wenn es nicht gleich „High End“, perfekt oder maximal konsequent ist. Der mit Abstand effektivste Weg ist über über die Ersetzung tierischer Produkte durch pflanzenbasierte (je mehr, desto besser natürlich, doch jeder einzelne kleine Schritt bewirkt etwas, wie uns die Geschichte und auch derzeitige Entwicklungen lehren), und es gibt weitere Möglichkeiten, z.B. diese bei Animal Equality aufgeführten.

Viel Spaß wünscht Dir die inzwischen tränengetrocknete, wieder ein wenig hoffnungsvollere Maria, die sich über Feedback, Fragen, Anregungen freut. Du kannst unten einen Kommentar hinterlassen oder über das Kontaktformular eine Mail schicken.

Quelle:

Tapfere Männer retten Welt vor dem Gehörnten

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stier-v-jager-getotEine Tonne Lebendgewicht brachte dieser Bulle auf die Waage, der aus dem Schlachthaus geflohen war und in der Sieg von einem Jäger mit drei Schüssen niedergestreckt wurde. Foto: kalle

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Schon die Sprache ist für mich abstoßend: niedergestreckt. Warum bei Tieren eine eigene, abwertende und geringschätzende Sprache?

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Gruß Hubert

 

Veröffentlicht 22. September 2016 von hubwen in Tiere, Tierschutz, Uncategorized

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