Archiv für Juli 2016

„Ein Angriff auf unser aller Zivilisation“   Leave a comment

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Diese jesidischstämmige Autorin Düzen Tekkal ist eine mutige Frau, die Respekt verdient. Je kleiner eine Ethnie ist, desto weniger spielt diese in der Weltpolitik eine Rolle.

Hier ein Interview zum Völkermord an Jesiden der Tagesschau mit Düzen Tekkal.

Die jesidischstämmige Autorin Düzen Tekkal sieht in den IS-Angriffen auf die Jesiden auch einen Anschlag auf die Werte des Westens. Im Interview mit tagesschau.de rät sie den Deutschen, die eigenen Werte zu verteidigen und keine falsche Toleranz zu üben.

tagesschau.de: Eine Untersuchungskommission im UN-Auftrag hat im Juni festgestellt, der sogenannte Islamische Staat verübe einen Völkermord an den Jesiden. Auch Sie nennen das so. Warum?

Düzen Tekkal: Im Falle der Jesiden handelt es sich um einen Völkermord, weil der IS vorsätzlich eine ganze Religion ausrotten will. Er tut dies, indem er nicht nur in deren Siedlungsgebiete vorgedrungen ist, sondern auch alle Religionssprecher köpfen wollte. Dazu muss man wissen, dass das Jesidentum keine Schriftreligion ist, sondern mündlich von Generation zu Generation weitergegeben wird. Deshalb sind die Religionssprecher immanent wichtig für den Fortbestand der Religion. Das wissen natürlich die IS-Kämpfer.

Deshalb haben sie viele Religionssprecher ermordet. Sie waren in den heiligen Stätten und haben sie zerstört. Und was sie den Frauen und Kindern angetan haben, ging ja um die Welt. Das waren biblische Bilder aus der Sindschar-Region. Vergewaltigung wurde ganz bewusst als Kriegsmittel eingesetzt. Wir haben hier also eine Vielzahl von Beispielen, die den Schluss zulassen müssen, dass es sich um die geplante Ausrottung einer Religionsgemeinschaft handelt.

1000 Jesiden als Kindersoldaten missbraucht

tagesschau.de: Die Vereinten Nationen haben einen Plan zur Rettung der Jesiden gefordert. Passiert denn konkret etwas?

Tekkal: Es passiert immer noch viel zu wenig. An der Lebensperspektive der Jesiden hat sich de facto kaum etwas verändert. Sie sind der Welt zwar als Opfer bekannt geworden, doch sie wollen keine Opfer sein. Sie müssen immer noch in Flüchtlingscamps ausharren – ohne Zukunftsperspektive. Wir reden in diesem Zusammenhang immer wieder vom Wiederaufbau der jesidisch-geprägten Stadt Shingal, aber es geht auch um den Wiederaufbau von Menschen und die Gewährleistung von Sicherheit.

Wir können diesen Menschen aber keine Sicherheit geben, weil es die de facto nicht gibt. Immer noch sind 4000 jesidische Frauen in IS-Gefangenschaft, und 1000 jesidische Kinder werden als Kindersoldaten missbraucht – das lässt den Menschen natürlich keine Ruhe.

Das Problem ist, dass nicht nur der IS die Jesiden auslöschen wollte, sondern auch die eigenen Nachbarn zu Mördern wurden. Das kennen wir vom Bosnien-Konflikt – die Wiederentdeckung religiöser Unterschiede, die sich Kriegsführer häufig zunutze machen. Die Jesiden brauchen also internationalen Schutz, notfalls durch UN-Blauhelme.

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Marschierende Kämpfer der Terrormiliz IS | Bildquelle: AP

Marschierende Kämpfer der Terrormiliz IS

 

Kämpfen für den Säkularismus

tagesschau.de: Das Schicksal der Jesiden rückte zwischenzeitlich ins Bewusstsein der Weltöffentlichkeit. Allerdings hört man inzwischen nicht mehr viel. Hat die Welt die Jesiden schnell wieder vergessen?

Tekkal: Der IS konnte nur so groß werden, weil es nicht unsere Toten hier im Westen waren, sondern „nur“ Jesiden. Und das war der fatale Irrtum. Es geht nicht nur um Jesiden, es geht um Menschen – und es geht darum, was Menschen mit Menschen machen. Das ist ein Angriff auf unser aller Zivilisation. Was jetzt hier in Europa passiert, das Gefühl haben die Jesiden schon seit zwei Jahren.

Die Kämpfer gegen den IS, die ich begleitet habe, haben immer gesagt: Wir kämpfen für Säkularismus, für Demokratie, für westliche Werte. Alles Dinge, die der IS nicht akzeptieren kann und wegen derer die Jesiden bestialisch ermordet werden. Und nun erfahren wir den IS-Terror auch leidvoll in Deutschland – die Insel der Seligen gibt es nicht mehr.  Davor haben die Jesiden immer gewarnt. Sie sind vor zwei Jahren durch die Städte gezogen mit Schildern, auf denen stand „Heute wir, morgen ihr“.

tagesschau.de: Wie soll man mit der Angst vor dem Terror hierzulande umgehen?

Tekkal: Wir dürfen uns von den Angstmachern nicht beeinflussen lassen. Das Beispiel der Jesiden zeigt: Sie hatten keine Chance und haben trotzdem überlebt, weil sie keine Angst hatten. Millionenstädte wie Rakka und Mosul wurden überrannt, Sherfedin, der zweitwichtigste religiöse Ort der Jesiden, wurde von einer Handvoll Kämpfer verteidigt. Das hat etwas mit Widerstand zu tun. Darum geht es. Es geht um die Wehrhaftigkeit unserer Demokratie, wir dürfen uns da nicht unterwerfen.

Wir müssen für unsere selbstverständlich geglaubten Werte kämpfen – Pressefreiheit, Meinungsfreiheit, Gleichberechtigung. Uns fehlt in Deutschland manchmal der Mut. Ich erlebe das selbst. Ich bekomme immer wieder gesagt: Du lebst gefährlich, wenn du öffentlich für diese Werte eintrittst. Aber es kann doch nicht der Maßstab sein, dass man versucht, mir Angst zu machen. Das ist doch der Anfang vom Ende, dann hören wir doch auf zu leben, wenn wir nicht mehr sagen dürfen, was wir kritisieren.

Gesellschaft handelt gegen ihre eigenen Interessen

tagesschau.de: Mit dem selbstbewussten Eintreten für westliche Werte scheinen manche in Deutschland angesichts der Bedrohung durch radikale Islamisten noch ziemlich zurückhaltend zu sein. Wie bewerten Sie das?

Tekkal: Wir unterstützen die Falschen mit unserer Toleranz in Deutschland. Die Gesellschaft hier muss erkennen, dass sie grob fahrlässig handelt und gegen das eigene Interesse. Das heißt: Wer sagt, dass ihn Integration nicht interessiere, dem sage ich: Falsch, es geht um deine Gesellschaft. Es geht um die Welt, in der du lebst, in die du deine Kinder entlässt. Wir können es uns gar nicht erlauben, uns da rauszuhalten. Kein anderes Thema ist momentan so bestimmend für das Weltgeschehen, wie Terror, Angst vor dem Islam und Integration. Es ist wichtig für uns zu erkennen, dass auch der innere Friede in unserer Gesellschaft davon abhängig ist, ob die Menschen hier integriert sind oder nicht und was wir zulassen oder nicht. Deswegen: Selbst wenn ihr nicht an die Jesiden denkt, denkt an euch.

Das Interview führte Christian Thiels, tagesschau.de.

Zur Person

Düzen Tekkal ist Filmemacherin und Journalistin. Sie wurde 1978 als eines von elf Kindern einer jesidisch-kurdischen Einwandererfamilie in Hannover geboren, studierte Politik und Germanistik und beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit Fragen der Integration. 2010 wurde sie mit dem Bayerischen Fernsehpreis  ausgezeichnet. Ihr Dokumentarfilm „Hawar – Meine Reise in den Genozid“ führte sie in die Heimat ihrer Eltern im jesidisch besiedelten Nordirak. Im März erschien ihr Buch „Deutschland ist bedroht – Warum wir unsere Werte verteidigen müssen“.

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„Ein Angriff auf unser aller Zivilisation“

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Hier noch ein Auszug aus der FAZ.

Düzen Tekkal ist eine Kämpferin, mutig, klug und sehr durchsetzungsfähig. Sie ist die Tochter eines Gastarbeiters aus Südostanatolien, der gern mehr gelernt hätte und diese Sehnsucht, diesen Bildungsehrgeiz auf seine elf Kinder übertrug – mit großem Erfolg. Die starke, selbstbewusste Mutter, eine Analphabetin, brachte ihren Kindern bei, dass und warum man sich anstrengen muss, um sein Leben zu meistern. Der Vater hätte auch in der Türkei auf die Oberschule gekonnt, aber sein Vater weigerte sich. Die Tekkals sind Jesiden und mit dem Angebot der höheren Schule verband sich für den Großvater die Furcht, der Sohn könnte missioniert werden. Also ging er nach Deutschland, das ihn, so empfand er es, mit offenen Armen aufnahm.

Das Glück, in einer solchen Familie groß zu werden, mit Eltern, die das ungestüme Kind nie behinderten, hat Düzen Tekkal stark und furchtlos gemacht. Von Beginn an, schreibt sie, habe sie in zwei Welten gelebt, sich jedoch nie zerrissen gefühlt. „Ich saß nicht ,zwischen den Stühlen‘, sondern wechselte zwischen dem Deutschen und dem Kurdisch-Jesidischen hin und her.“ Das habe sie immer als sehr befruchtend erlebt.

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/rezensionen/sachbuch/deutschland-ist-bedroht-von-duezen-tekkal-14191724.html

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Gruß Hubert

 

Veröffentlicht 31. Juli 2016 von hubwen in Politik, Uncategorized

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Michael Mittermeier kritisiert Mario Barth scharf   Leave a comment

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Michael Mittermeier kritisierte vorbildlich einen Post von Mario Barth. Natzi schrieb Barth mit tz. Was soll das sein, ein Witz? Bei Publizist statt Populist gilt dasselbe. Es ist ja nicht davon auszugehen, dass Barth so dumm oder ungebildet ist.

Hier ein Artikel aus yahoo.de

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Comedian Michael Mittermeier (50) reagiert auf einen Facebook-Post von Komiker Mario Barth (43) zur aktuellen Stimmungslage nach den Bluttaten der vergangenen Woche. “Wie dieser Post geschrieben ist, gespickt mit Best-Of-Besorgte-Bürger-Floskeln, das nennt man Fan-Fischen am billigen Rand”, kritisiert Mittermeier auf seiner Facebook-Seite. Damit sei Barth “in einer romantischen Linie mit Horst Seehofer: ‘Es soll keinen Komiker rechts von mir geben.’” Soweit der generelle Unmut des Bayern.

Von “Natzis” und Nazis

Dann knöpft er sich noch ein paar Fehler – oder war es Comedy? – im Post des Berliners vor. “Es wird immer schwieriger zu schreiben, wie man etwas empfindet, da man entweder dann ein ‘Hetzer’, ein ‚Angstverbreiter’, ein ‚Natzi’, ein ‚Publizist’ oder ein ‚Idiot’ ist”, schrieb Barth im Original am 22. Juli. Mittermeiers Antwort bezieht sich vor allem auf “Natzi” (meinte Barth “Nazi”?) und “Publizist” (meinte er “Populist”?):

“Janz wichtig: Ich sage damit nicht, dass Mario Barth ein ‚Natzi’ ist, was immer das sein soll – scheinbar was schlimmes. Auch bezeichne ich Menschen, die sich Sorgen um Deutschland machen, nicht als ‚Publizisten’ – denn nicht alle sollten Artikel zu diesem Thema schreiben, das wären wohl zu viele”, schimpft Mittermeier.

Offenbar geht er nicht davon aus, dass Barth den Post nebenbei und unbedarft abgesetzt hat: “Ein ‚Idiot’ ist Mario Barth sicher auch nicht, weil er genau weiß was er mit dem Ganzen tut. Wer angeblich sprachlos und kein ‚Angstverbreiter’ ist, der sollte dann aber auch nicht mit einem Post Ängste schüren, verkleidet als Verunsicherungs-Mitgefühlsnummer.” Wenn Mario keine Vorschläge habe, wie man das mit der “Sicherheit” besser machen könne, “wäre es wohl sinnvoller dem eigenen Fan-T-Shirt-Motto zu folgen: ‚Janz wichtig! Fresse halten angesagt.’”

“Die Basis eines guten Comedians”

“Lieber Mario, hier geht es nicht um eine Autobahnbrücke bei der Steuergelder verschwendet wurden. Hier geht es um den Zusammenhalt und das Weiterbestehen unserer Gesellschaft mit Besonnenheit und Würde”, mahnt Mittermeier am Schluss seiner Kritik. Die Basis eines guten Comedians sei Haltung – “einen nebulösen Populismus sollten wir lieber der Gegenseite überlassen”.

Foto(s): [M] Imago

Michael Mittermeier kritisiert Mario Barth scharf

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Hier noch Kommentare aus dem „stern“

Die Reaktion von Barth ließ nicht lange auf sich warten. „Wie geil einige ‚Medien‘ sich über meinen letzten Post aufregen“, echauffierte er sich in dem sozialen Netzwerk. „Es geht haubtsechlich um die Rechtschreipung😉 weniger um die Tatsache, das die Welt sich verändert hat.“ Spätestens seit diesem Zeitpunkt tobt im Netz eine heiße Diskussion über die Botschaft von Barth.

Kritik für Mario Barth auf Facebook

Eine wütende Nutzerin schrieb: „Nein, Herr Barth, es geht nicht um die Rechtschreibung. […] Es geht darum, dass Du Flachpfeife Hass und Angst schürst, statt einfach mal die Fresse zu halten. […] Nein, ich schreibe das Posting hier nicht, weil ich Fan eines anderen Comedian bin. Ich schreibe es, weil Dein geistiger Dünnpfiff in meinen Augen nur schwer zu ertragen ist.“

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Mario Barth

Von „Natzis“ und „Publizisten“

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Ein anderer Nutzer kommentierte: „Es geht nicht nur um ein paar kleine Rechtschreibfehler. Es geht darum, dass Sie nicht in der Lage sind, die Situation zu reflektieren und einfach mal was raus kotzen, das nicht allzu viel Sinn ergeben hat. ‚Medien‘ muss man übrigens nicht in Anführungszeichen setzen. Vor allem dann nicht, wenn genau diese Medien einem zu einem Millionenvermögen verholfen haben.“

 In einem weiteren Kommentar hieß es: „Unabhängig davon wie ich Ihren Humor finde, Herr Barth, Ihre Worte waren dürftig formuliert, Wasser auf die Mühlen der ganzen ‚Wutbürger‘, die nicht nachdenken bevor sie etwas sagen. […] Es geht auch nicht um den Rechtschreibfehler hier oder dort, es geht um die wahnsinnig unreflektierte, unüberlegte Aussage.“

„Mario, die Welt hat sich nicht verändert und das ist auch keine Tatsache. Das ist das Problem, dass du hier auf den Hysterie-Zug aufspringst und deinen Fans, von denen wir wissen, dass du nicht wenige hast, weil du lustig bist, das Gefühl gibst, dass Angst die richtige Reaktion ist. Und wenn dann erstmal alle Angst haben, haben die AfD und andere Rechte leichtes Spiel“, formulierte eine Nutzerin.

Auch Zuspruch für Barth

Dagegen gibt es auch Fans, die sich bei dem Komiker bedanken, dafür, dass er „Rückgrat beweist“ und seine Meinung sage. „Wir brauchen in der Öffentlichkeit mehr Typen von solchem format“, schreibt jemand.

Die harten Worte von Michael Mittermeier scheinen Mario Barth im Übrigen nicht sonderlich verärgert zu haben. „Ich finde Michael Mittermeier trotzdem gut“, schrieb Barth.

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Michael Mittermeier (l.) und Mario Barth: Der bayerische Comedian geht mit seinem Berliner Kollegen hart ins Gericht

„Fresse halten angesagt“

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Michael Mittermeier nimmt Mario Barth für dämlichen Post auseinander

Mario Barth wurde für seinen seltsamen Beitrag nach dem Amoklauf von München viel kritisiert. Nun stellt ihn auch Comedian-Kollege Michael Mittermeier bloß. Barth solle sich mal an seinem bekannten T-Shirt-Motto orientieren.

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http://www.stern.de/kultur/tv/mario-barth–so-reagiert-das-netz-auf-seinen-facebook-post-6984186.html

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Gruß Hubert

Veröffentlicht 28. Juli 2016 von hubwen in Politik, Uncategorized

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Die heiße Luft des Donald Trump   Leave a comment

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Sich groß fühlen kommt der amerikanischen Befindlichkeit sehr entgegen, denn sie lieben ja alles groß. Außerdem verspricht Trump Law and Order, es werde keine Kriminalität mehr unter ihm geben – sagt er. An die Grenze Mexikos werde er eine hohe Mauer erbauen lassen – die Mexiko dann bezahlen muss. Er sagte aber ja so vieles, das ich jetzt nicht wiederholen möchte.

Aus der SZ

Viele fühlen sich vom Republikaner-Kandidaten aufgepumpt, sie fühlen sich größer. Seine Parteitagsrede offenbart, was sich in der Hülle aus Angeberei, Beleidigungen und Lügen verbirgt.

Kommentar von Nicolas Richter, Cleveland

Amerikas Parteitage enden damit, dass Luftballons von der Decke fallen, das passt zum Kandidaten der Republikaner für die Präsidentschaft. Donald Trump ist der Luftballon der US-Politik: Niemand hat ein solch aufgeblasenes Ego wie er, und bei niemandem ist die Substanz so dünn.

Trump hat sich zum Parteitag eine glatte Hülle gegeben: Er hat eine weitgehend moderate, zeitweise staatsmännische Rede gehalten. Diese Rede sollte niemanden täuschen: Trumps Verachtung für Gegner, die schamlose Selbstdarstellung, die Unfähigkeit, mit Kritik und eigenen Fehlern umzugehen – all dies verschwindet nicht wegen einer geglätteten Ansprache.

Man hat Trump oft vorhergesagt, dass sein politisches Projekt rasch platzen würde: Dann nämlich, wenn die Menschen durchschaut hätten, wie leer sein Programm ist, wie wenig sich verbirgt in der Hülle aus Angeberei, Beleidigungen und Lügen. Diese Prophezeiung hat sich nicht erfüllt, weil sich viele Menschen von Trump aufgepumpt fühlen: Sie hören ihm zu und fühlen sich größer. Sie glauben, dass auch ihr Land plötzlich wieder großartiger ist.

„Das System“ hat Trump reich gemacht

Trump hat den Ballon auch bei seiner Parteitagsrede nicht mit Substanz gefüllt. Er macht die Demokratin Hillary Clinton für das Chaos verantwortlich, das der Arabische Frühling hinterlassen hat – ohne zu erklären, wie er die Region befrieden würde. Er verspricht Amerikas Städten Sicherheit und Ordnung, ohne ein originelles Detail zu nennen. Er will den Handel mit China und Mexiko neu regeln – ohne dass jemand weiß, wie er mehr bekommen will, ohne mehr zu geben. Und wie alle Republikaner verheißt er niedrigere Steuern, obwohl der Staat längst überschuldet ist.

Die unglaublichste Botschaft Trumps ist die, dass niemand „das System“ so gut kennt wie er und dass nur er es deswegen reparieren kann. Das System, das Trump genutzt hat, es hat ihn reich gemacht: Er behielt die Erträge für sich und ließ andere die Risiken und Kosten tragen. Trump hat das System auch benutzt, indem er an Politiker beider Parteien spendete, weil ihm das Programm egal war, solange ihm die Beziehungen halfen. Ja, Amerikas Politik ist durch und durch korrupt, aber Trump ist nicht derjenige, der dies ändern wird.

Die Republikanische Partei hat es nicht vermocht, dem Ballon Trump die Luft des Opportunismus zu entziehen. Jetzt bleibt nur das amerikanische Wahlvolk: Es könnte im Herbst daran erinnern, dass Luftballons gut sind für eine Party, nicht aber für eine Partei, und noch weniger für die Präsidentschaft.

http://www.sueddeutsche.de/politik/parteitag-der-republikaner-die-heisse-luft-des-donald-trump-1.3090010

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Michael Moore ist ja bestimmt kein Trump-Fan, aber er erklärt, warum er befürchtet, dass Trump Präsident werden wird. Das größte Problem der Demokraten ist ihre Kandidatin Hillary Clinton.

Michael Moore erklärt, warum Donald Trump Präsident wird

Der Filmemacher nennt den republikanischen Präsidentschaftskandidaten einen „Teilzeit-Clown und Vollzeitsoziopathen“. Und warnt seine linken Fans gleichzeitig davor, Trump nicht ernst zu nehmen.

Von Bernd Graff

Michael Moore, der Filmregisseur und Oscar-Preisträger, Autor des Bestsellers „Stupid White Men“, ist nie um klare Worte und Gesten verlegen. Autoritäten sind ihm zuwider, der Mann zeigt dann Kante, egal in welcher Kunstform. Ein Aufwühler, ein Bilderstürmer ist er.

Nachdem die Republikanische Partei Donald Trump zu ihrem Präsidentschaftskandidaten gekürt hat, erscheint es Moore notwendig, sich an seine „Freunde“ zu wenden. In einem offenen Brief, den er auf seiner Website und bei der Huffington Post veröffentlicht hat, weist er darauf hin, dass er schon vor einem Jahr prophezeit habe, Trump werde Kandidat.

Nun müsse er die „even more depressing news“, die noch deprimierendere Nachricht, kundtun: Dabei bleibe es nicht, Trump werde jetzt auch der nächste Präsident der Vereinigten Staaten. Man werde sich an den Gedanken gewöhnen müssen, dass dieser „Teilzeit-Clown und Vollzeitsoziopath“ demnächst mit „Mr. President“ angesprochen werde.

Gelächter und Fremdschämen über diesen Narzissten als bloße Abwehrreflexe

Natürlich würde man jetzt in bestimmten Kreisen den Kopf schütteln und wolle das nicht wahrhaben. Aber, so Moore, die Kopfschüttler lebten in einer Blase, in einer Echokammer voller Gleichgesinnter, die davon überzeugt seien, das amerikanische Volk werde niemals einen Idioten zum Präsidenten wählen. Auch Gelächter und Fremdschämen über diesen Narzissten seien bloß Abwehrreflexe.

Ebenso die Argumente, dass ein Volk nie gegen seine eigenen Interessen wähle oder dass die Mehrheit von Frauen und Jungwählern, von Latinos und Schwarzen Trump ablehne. Schon die 16 Mitkandidaten der Republikaner hätten so gedacht – und was sei von ihnen geblieben? Eben.

Dann benennt Moore sachlich argumentierend die fünf Gründe, warum Trump die Wahl im November gewinnen werde.

Erstens werde sich Trumps Wahlkampf auf die Great-Lakes-Region konzentrieren, die Staaten Michigan, Ohio, Pennsylvania, Wisconsin, die – wegen der heruntergekommenen Autoindustrien – der Rostgürtel genannt werden. In diesen ehemals von Demokraten dominierten Staaten hätten die Menschen schon in den Vorwahlen für Trump gestimmt. Trump habe ihnen damals Unterstützung und nun Strafzölle auf Auslands-Importe versprochen.

Zweitens gebe sich Trump als letzte Hoffnung des „wütenden weißen Mannes“, der eine Frau nie und nimmer als Boss dulden wolle, und dem diese ganze Transgender-Correctness auf die Nerven gehe. Demnächst müsse man sich vermutlich von einem Hamster regieren lassen.

Das allergrößte Problem ist nicht Trump, sondern Hillary Clinton

Drittens sei das allergrößte Problem bei dieser Wahl nicht Trump, sondern die Demokratin Hillary. Niemand glaube ihr, viele fürchteten, dass sie einen Krieg anzetteln könnte. Sie verkörpere eine alte Politik, die nur an den eigenen Vorteil, nicht an das Wohl des Volkes denke. Viertens würden die unterlegenen Bernie-Sanders-Befürworter zwar mutmaßlich für Hillary stimmen, aber eben nicht enthusiastisch, sondern nur deprimiert das kleinere Übel wählen. So werde ihnen im entscheidenden Moment die Energie fehlen, weitere Wähler mit an die Urnen zu ziehen – wie es die Obama-Fans seinerzeit vorgemacht hätten.

Fünftens werde es in Anlehnung an ein Wahldebakel der Neunzigerjahre in Minnesota auch noch den „Jesse Ventura Effekt“ geben. Damals wurde ein Wrestler zum Gouverneur gewählt, weil die Bürger seinen Konkurrenten einen Denkzettel verpassen wollten. Die Wut sei jetzt ähnlich groß, das politische System und seine Akteure seien herabgewirtschaftet, den Showmenschen habe man eben gewählt – „weil man es konnte“.

Selten hat man Moore so niedergeschlagen erlebt. Doch die Hoffnung stirbt zuletzt. In der nächsten Woche wolle er darlegen, heißt es am Ende des Pamphlets, wie man Trump doch noch verhindern könne.

http://www.sueddeutsche.de/kultur/us-wahlen-michael-moore-erklaert-warum-donald-trump-praesident-wird-1.3093645

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Gruß Hubert

 

Veröffentlicht 27. Juli 2016 von hubwen in Politik, Uncategorized

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Mythos Nº 1: Ein Amoklauf ist ein spontaner Aussetzer   2 comments

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In den sozialen Netzwerken schwirren ja die verschiedensten und verrücktesten Theorien umher, wie zum Beispiel, dass der Amokläufer von München kein Amokläufer gewesen sei, sondern einer von drei islamistischen Attentätern. Es wäre keine Hysterie und keine Falschmeldungen gewesen von den anderen angeblichen „Tatorten“ in München.
Die Bluttat von Reutlingen war eine Beziehungstat. Der Täter, der die Frau mit einer Machete erstach, kannte die Frau.
Islamistische Taten war „nur“ die Bluttat mit der Axt in Würzburg im Zug und der Attentäter der sich in Ansbach in die Luft sprengte. Aber für manche, die damit Stimmungsmache machen möchten, waren das alles islamistische Anschläge. Man sollte aber schon immer bei den Fakten bleiben. Aber vielleicht hören auch manche das Gras wachsen.

Aber zurück zur Analyse von Amokläufern.

 

Als Laie glaubt man ja meist, dass Amokläufer ihre Tat sehr kurzfristig umsetzen. Das ist aber in keiner Weise der Fall. Die Vorbereitungszeit zieht sich oft über Wochen und Monate hin.

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Mythos Nº 1: Ein Amoklauf ist ein spontaner Aussetzer.
Mythos Nº 2: Amokläufer haben ein bestimmtes soziales Profil.

Falsch, sagt der Psychologe und Amokforscher Jens Hoffmann. Er hat an der Universität Darmstadt viele Amokläufe untersucht und weiß, wie die Täter ticken. Es gibt kein bestimmtes Profil. Amokläufer stammen aus den unterschiedlichsten Schichten: mal aus problematischen Familien, mal aus guten Familienstrukturen. Und ein Amoklauf ist keine durchgebrannte Sicherung, sondern der Endpunkt einer langen Entwicklung.

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Amokforscher Jens Hoffmann

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Nicht blinde Wut, sondern ein Prozess

Amokläufer planen ihre Tat genau und sind oft mitten im Amoklauf erstaunlich ruhig. Ein Video des Amoklaufs in Columbine etwa zeigt die beiden Täter, kurz bevor sie sich selbst erschossen – völlig entspannt beim Nachladen ihrer Waffen. Ein Amoklauf ist nicht blindwütig, sondern das Ende eines Prozesses, der aus vielen Stufen besteht, sagt Hoffmann: „Es steht niemand morgens auf und sagt, ich werde einen Amoklauf machen.“

[…]

Selbstinszenierung nach Medienvorbild

Auf der verzweifelten Suche nach Anerkennung identifizieren sich Amokläufer mit Helden – seien es historische Gestalten, Filmhelden, Computerspiel-Akteure – oder andere Amokläufer. Sie inszenieren sich nach Medienvorbildern und erledigen dabei manchmal regelrecht Pressearbeit: Der Amokläufer von Blacksburg etwa schickte nach seinen ersten beiden Morden ein Multimediapaket an einen US-Fernsehsender, bevor er an der Technischen Hochschule von Virginia dreißig Menschen erschoss.

Gezielte Opfer des Amoks

Die Opfer des Amokläufers, so erschreckend viele es auch oft sind, sind meist nicht zufällig. Der Amokläufer schießt nicht blindwütig um sich, sondern hat eine ganz bestimmte Gruppe von Zielpersonen im Visier. Vielleicht passen sie aus ganz realen Gründen in sein Zielschema – etwa Rache an den Lehrern, die man als Drangsalierer empfand. Vielleicht stehen sie aber auch nur symbolisch als Gruppe für eine bestimmte Form der Kränkung. So hatte der Erfurter Amokläufer vor allem seine Lehrer im Visier – Schüler und Polizisten sind eher zufällig zu seinen Opfern geworden, weil sie im Weg waren oder ihn gestört hatten.

„Ich will, dass sich mein Gesicht in Eure Köpfe einbrennt!“

Der Amoktäter von Emsdetten in seinem Abschiedsbrief

Das Wichtigste, was Jens Hoffmann mit seiner Amokforschung herausfindet: Für diese ganze Entwicklung gibt es Hinweise, die man frühzeitig bemerken kann – wenn man weiß, welche.

Quelle:

http://www.br.de/themen/wissen/amok-amoklauf-amoklaeufer-psyche100.html

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Aus der SZ

Deutschland ist nach den USA das Land mit den meisten Amokläufen: Der Kriminalpsychologe Jens Hoffmann hat ein Frühwarnsystem entwickelt – es wartet noch immer auf flächendeckenden Einsatz.

[…]

„Es gibt eine Vorbereitungszeit, die sich über Wochen, manchmal sogar Monate hinzieht“, sagt der Kriminalpsychologe Jens Hoffmann von der Technischen Universität Darmstadt. Er hat mit seinem Team ein System entwickelt, das bisherige Täterprofile ablöst und dabei helfen soll, potentielle Gewalttäter früher zu erkennen.

[…]

Ein Weg, den man hätte erkennen können – mit einem System, wie Hoffmann es entwickelt hat. Das „Dynamische Risiko-Analyse-System“ wird derzeit an Schulen und bei der Polizei in Deutschland getestet. Es gibt 31 Punkte, die Verhaltensvariablen abfragen: Gibt es eine Identifizierung mit anderen Amokläufern? Welche Probleme hat der Auffällige? Hat er eine Waffe herumgezeigt? Wenn Drogen im Spiel sind, welche genau? „Anhand dieser Variablen gibt das System eine Risiko-Einschätzung ab“, sagt Hoffmann.

[…]

Potentielle Amokläufer verehren oftmals andere Täter als Helden. Unter dem Video auf YouTube, das die Tat von Erfurt im Jahr 2002 beschreibt, gibt es Einträge wie: „Großartig! Endlich bekämpft einer das System!“ Potentielle Täter zeichnen sich oft dadurch aus, dass sie Waffen in der Schule herumzeigen, dass sie ihre Tat bei Freunden, Lehrern oder im Internet ankündigen. All diese Anzeichen müssten erkannt werden, um dann die richtigen Fragen zu stellen.

http://www.sueddeutsche.de/panorama/amoklauf-in-winnenden-der-taeter-konnte-ein-grosses-finale-planen-1.398107

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Gruß Hubert

 

Veröffentlicht 27. Juli 2016 von hubwen in Psychiatrie, Psychologie, Uncategorized

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Die Nebelkerzen des türkischen Diktators Erdowahn   Leave a comment

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Das Talent der Selbstinszenierung des türkischen Diktators Erdogan ist beachtlich. Aber glauben darf man ihm nur wenig, vor allem wenn er seine Gegner in die Terroristenecke stellt. Das sich berufen auf den vermeintlichen Volkswillen ist ein Charakteristikum von autoritären Persönlichkeiten, so wie es Erdogan bei der Todesstrafe tut. In einem wahren und brutalen Rachefeldzug hat Erdogan tausende Gegner festnehmen lassen um Säuberungen durchzuführen. Dass Festgenommene auch gefoltert wurden zeigten Bilder, die man im Fernsehen sah.

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Auszug aus der ZEIT.

Seit dem gescheiterten Umsturzversuch vor zehn Tagen hat die Regierung Tausende Staatsbedienstete entlassen oder festnehmen lassen. Sie sprach von einer „Säuberungsaktion“ gegen die mutmaßlichen Beteiligten des Putsches. Darunter befinden sich Richter, Lehrer, Mitglieder der Armee oder Angestellte von staatlichen Einrichtungen. 15 Universitäten, 934 Schulen und 109 Studentenheime wurden bislang geschlossen, teilte die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu mit. Auch Hunderte Gesundheits- und Sozialeinrichtungen seien dicht gemacht worden. Die Regierung will außerdem die Struktur der Armee ändern. Dazu hat Regierungschef Binali Yıldırım unter anderem bekannt gegeben, dass die Präsidentengarde aufgelöst werde.

http://www.zeit.de/politik/ausland/2016-07/tuerkei-folter-hinweise-amnesty-international

Amnesty International wirft Erdogan und der Türkei Folterungen vor.

Amnesty: „Glaubhafte Beweise“ für Folter von Festgenommenen in der Türkei

„Gefangene würden von der türkischen Polizei in Ankara und Istanbul „in schmerzhaften Positionen über einen Zeitraum von bis zu 48 Stunden“ festgehalten, erklärte ai in London. Es gebe Fälle von Schlägen, Folter und Vergewaltigung. Amnesty-Europadirektor John Dalhuisen rief die türkischen Behörden auf, „diese abscheulichen Praktiken“ einzustellen.“

mehr auf:
http://www.donaukurier.de/nachrichten/topnews/Tuerkei-Praesident-Streitkraefte-Gewalt-Menschenrechte-Umsturz-Justiz-Amnesty-Glaubhafte-Beweise-fuer-Folter-von-Festgenommenen-in-der-Tuerkei;art154776,3246964#plx956566758

Hier ein Interview der Tagesschau mit Burak Copur, Politikwissenschaftler.

„Erdogan hat viele Nebelkerzen geworfen“

Was ist von Erdogans Aussagen im ARD-Interview zu halten? Der Türkei-Experte Copur überprüfte die Aussagen im Gespräch mit tagesschau.de. Das Ergebnis: In manchen Punkten hat der Präsident recht – aber in vielen anderen nicht.

tagesschau.de: Wie hat das Interview auf Sie gewirkt?

Burak Copur: Erdogan machte auf mich einen sehr aufgeräumten, gelassenen, selbstsicheren und wie immer angriffslustigen Eindruck. Sich als einen souveränen Staatsmann – besonders in Krisenzeiten – in den ausländischen Medien zu präsentieren, ist eine ganz große Stärke und zugleich eine eingeübte Masche von ihm. Er ist wirklich ein Meister der Selbstinszenierung. Nebenbei hat er viele Nebelkerzen geworfen. Mich würde es nicht wundern, wenn viele Zuschauer nach dem Interview gedacht haben: „Ach, so schlimm ist der Erdogan doch gar nicht.“

tagesschau.de: Im Gespräch pochte er zumindest immer wieder auf den Rechtsstaat. So besteht Erdogan darauf, dass etwa die Entlassungswelle in Militär und Staatsapparat, die auf den Putschversuch folgte, rechtsstaatlich gedeckt sei. Hat er recht?

Copur: Wenn man 65.000 Menschen ohne ein anständiges Verfahren auf die Straße setzt oder verhaftet, dann hat das wenig mit einem rechtsstaatlichen Verfahren zu tun.

Er herrscht eine Willkürjustiz, aber Erdogan kann sich auch in der Türkei auf geltende Gesetze und Verordnungen berufen, die aus der Putschverfassung von 1982 stammen – und die ist alles andere als demokratisch. Erdogan nutzt nun diese Gesetze und Institutionen der Putschverfassung, um seine Kritiker zu verfolgen und mundtot zu machen.

tagesschau.de: Erdogan behauptet, sichere Erkenntnisse darüber zu haben, dass die Gülen-Bewegung hinter dem Putschversuch steht. Ist das aus Ihrer Sicht glaubwürdig?

Copur: Ich gehe schon davon aus, dass Gülenisten in den Putsch verwickelt waren. Ich denke allerdings nicht, dass die Bewegung der alleinige Drahtzieher war. Hinter dem versuchten Staatsstreich stand wohl eher eine Dreierkoalition aus Gülen-Anhängern, Kemalisten und ausgegrenzten Militärangehörigen.

tagesschau.de: Beim Thema Terrorismus sprach der türkische Präsident vor allem über die PKK. Diese werde auch in Deutschland unterstützt, sagte er. Kann sich die PKK hierzulande wirklich frei bewegen?

Copur: Das ist ein unhaltbarer Vorwurf. Erdogan hat nach bewährter Manier im Gespräch versucht, sich als Anti-Terrorkämpfer zu verkaufen. Doch Deutschland ist kein Hort des Terrorismus und schaut auch bei der PKK nicht einfach weg. Deren Unterstützer werden hierzulande mit rechtsstaatlichen Mitteln beobachtet und zur Verantwortung gezogen.

Diese Denunziation ist vor allem ein Ablenkungsmanöver. Denn der Terror, der die Türkei seit Monaten immer wieder erschüttert, ist hausgemacht. Erdogan unterstützte lange Zeit nicht nur die führenden Köpfe der Gülen-Bewegung, sondern auch den IS-Terror und beendete aus purem Machtkalkül die Friedensverhandlungen mit der PKK. Jetzt, da die Zahl der Anschläge immer mehr zunimmt, versucht er, den Europäern die Schuld dafür in die Schuhe zu schieben. Das ist eine unglaubliche Manipulation und Propaganda des Erdogan-Regimes, die man entlarven muss.

tagesschau.de: In der Frage der Wiedereinführung der Todesstrafe beruft sich Erdogan auf den Willen des Volkes. Wie passt das zum zunehmend autoritären Amtsverständnis des Präsidenten?

Copur: Das passt hervorragend zusammen und die Berufung auf den vermeintlichen Volkswillen ist ein Charakteristikum von autoritären Persönlichkeiten. Doch wenn Erdogan vom „Volk“ spricht, redet er stets über seine Anhänger und nicht über seine Kritiker, die er massenweise verfolgen und einsperren lässt.

Die Einführung der Todesstrafe hätte außerdem nichts mehr mit europäischen Werten zu tun. Es wäre der endgültige Abschied von der EU. Dass Erdogan innerlich diesen Abschied sowieso längst vollzogen hat, wurde auch im Interview deutlich. Schließlich verwies er darauf, dass die Todesstrafe außerhalb Europas nach wie vor üblich sei. Das ist natürlich richtig, aber dass er sich nun explizit andere Länder als Vorbild nimmt, zeigt, wie weit er sich bereits von den Prinzipien der EU entfernt hat.

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Die Nebelkerzen des türkischen Diktators Erdowahn

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Gruß Hubert

 

Veröffentlicht 26. Juli 2016 von hubwen in Politik, Uncategorized

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Skandalöse E-mails zugunsten von Clinton   Leave a comment

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Ich mag die Clinton überhaupt nicht. Trotzdem wäre mir ein Sieg der Demokraten in den USA lieber als einer der Republikaner. Bei Trump habe ich ein mulmiges Gefühl. Wenn der die USA so führen würde wie er im Wahlkampf gepoltert und unter der Gürtellinie gearbeitet hat, dann… gute Nacht. Ein Bernie Sanders wäre mir in den USA am liebsten gewesen. Aber den hat ja die eigene Partei bzw. vor allem die Parteichefin abgesägt. Ganz mies war auch die „Masche“ Sanders schaden zu wollen, indem man Sanders angeblichen Atheismus publik machte, mit der Absicht, dass er bei Religiösen Stimmen verlieren würde.

Insgesamt sehe ich US-Wahlkämpfe als unwürdige und niveaulose Schauspiele, die man sich in Europa nie vorstellen könnte.

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Parteichefin der US-Demokraten tritt zurück

Kurz vor ihrem Parteitag gibt es skandalträchtige Schlagzeilen für die Demokraten: Ihre Parteichefin tritt ab. Sie soll Clintons Mitbewerber Sanders benachteiligt haben.

Debbie Wasserman Schultz, Chefin der US-Demokraten
Debbie Wasserman Schultz, Chefin der US-Demokraten © Scott Audette/Reuters
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Geleakte E-Mails sorgen kurz vor dem Nominierungsparteitag von Hillary Clinton für neue Unruhe in der demokratischen Partei. Einen Tag vor Beginn der Veranstaltung in Philadelphia kündigte Parteichefin Debbie Wasserman Schultz ihren Rücktritt an. Interne E-Mails, die von der Enthüllungsplattform WikiLeaks veröffentlicht wurden, sollen sie und andere Funktionäre als voreingenommen gegenüber dem Präsidentschaftsbewerber Bernie Sanders zeigen. Für ihre Partei sei es das Beste, wenn sie den Vorsitz nach dem Ende des Parteitags in Philadelphia niederlege, sagte Wasserman Schultz.

Die Parteiführung der US-Demokraten soll im Vorwahlkampf eigentlich Neutralität zwischen den Präsidentschaftsbewerbern wahren. Die Enthüllungsplattform WikiLeaks hatte mehr als 19.000 E-Mails veröffentlicht, darunter etwa eine E-Mail vom 21. Mai, in der Wasserman Schultz die Kandidatur von Sanders für aussichtslos erklärte. In dem E-Mail-Wechsel ging es um Sanders‘ Ankündigung, er werde Wasserman Schultz nach seiner Wahl zum Präsidenten von ihrem Posten ablösen. „Das ist eine alberne Geschichte“, schrieb Wasserman Schultz. „Er wird nicht Präsident werden.“

Andere E-Mails legen den Schluss nahe, die Parteiführung habe Sanders in schlechtem Licht erscheinen lassen wollen. So finden sich Anspielungen auf den angeblichen Atheismus des Kandidaten, der Wählerstimmen kosten könne. Sanders‘ Wahlkampfmanager hatte der Parteiführung deswegen einen Verstoß gegen die Neutralität vorgeworfen und Konsequenzen gefordert.

Die Angelegenheit könnte die mühsam erreichte Einheit der Partei beeinträchtigen. Am Montag kommen die Demokraten in Philadelphia zu ihrem viertägigen Nominierungsparteitag zusammen, bei dem Clinton offiziell als Präsidentschaftskandidatin nominiert werden soll. Am ersten Tag steht auch eine Rede von Sanders auf dem Programm. Clinton erhofft sich Unterstützung von ihrem früheren Widersacher und dessen Anhängern in der Partei.

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Skandalöse E-mails zugunsten von Clinton

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Gruß Hubert

 

Veröffentlicht 26. Juli 2016 von hubwen in Politik, Uncategorized

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„Das Seelenleben der Tiere“   Leave a comment

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Ich finde ein sehr guter Artikel der „ZEIT“ über dieses Thema, das ein Schattendasein in der Gesellschaft führt. Der Autor des Buches „Das Seelenleben der Tiere“, Peter Wohlleben, hat auch das Buch „Das geheime Leben der Bäume“ geschrieben, welches großen Anklang fand.

Person Schwein

Peter Wohlleben hat ein Buch über „Das Seelenleben der Tiere“ geschrieben. Kein Kitsch, sondern das Ergebnis seriöser Forschung und langer Beobachtung.

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Peter Wohlleben lässt seine Leser tief in die immer wachen, forschenden, schön bewimperten Schweinsäuglein blicken.
Peter Wohlleben lässt seine Leser tief in die immer wachen, forschenden, schön bewimperten Schweinsäuglein blicken. © Reuters/Gleb Garanich
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Es ist noch nicht lange her, da galten Tiere als lebende Automaten; ähnlich wie man Kinder noch bis ins 18. Jahrhundert hinein als sprechende Automaten betrachtete. Auf den Münzeinwurf folgte die entsprechende Warenausgabe – auf Futter die Zutraulichkeit, auf Schläge die Furcht. Man sah die Tiere einem strikten Reiz-Reaktions-Schema unterworfen, das durch ererbte Instinkte vorgegeben war. Selbst Lern- und Kommunikationsverhalten hielt man nur in den engen Grenzen des genetischen Codes für möglich, und dieser Code galt als eine Art unveränderliche Software, mit der das Gerät beziehungsweise Tier schon im Auslieferungszustand beziehungsweise bei der Geburt ausgestattet sei.

Insofern erübrigte sich für den naturwissenschaftlich aufgeklärten Menschen alle Einfühlung – alle Fragen nach Gefühlen, Empfindungen und Schmerzen der Tiere. Diese Fragen galten als Kitsch. Niemand, ein paar romantische Spinner ausgenommen, wäre auf die Idee gekommen, von einem Seelenleben der Tiere zu sprechen, wie es jetzt Peter Wohlleben in seinem gleichnamigen Bestseller ganz selbstverständlich tut. Was hat sich da verändert? Wie kommt es zu dem Massenerfolg eines Buches, das allen Nüchternheits- und Wissenschaftlichkeitsgeboten der Moderne widerspricht?

Der Erfolg und übrigens auch das Wagnis des Autors sind bei Weitem erstaunlicher als bei dem Vorgängerbuch, ebenfalls einem Bestseller, das von dem Geheimen Leben der Bäume erzählte. Auch dort rückte Peter Wohlleben Naturwesen in die Reichweite menschlicher Einfühlung, aber das war wenig mehr als ein rhetorischer Trick. Die wissenschaftlich gut gesicherten Erkenntnisse über das Kommunizieren von Bäumen untereinander, über Botenstoffe und Selbstorganisation im Pflanzenkollektiv wurden von ihm nur so erzählt, als handele es sich um Subjekte, die ein Bewusstsein ihres Tuns und Seins haben. Die Vermenschlichung – das, was man abfällig Anthropomorphismus nennt – war lediglich ein Sprachgestus. Die Analogien zum Menschen, der ja auch Botschaften austauscht und sich im Kollektiv organisiert, blieben genau dies: bloße Analogien, zum besseren pädagogischen Verständnis. Und natürlich sollte auch Respekt geweckt werden für die Pflanzen, die mehr sind als ein bloßer Rohstoff, viel mehr sogar.

Von einem Seelenleben der Tiere zu sprechen, und sei es nur fragend, geht aber weit darüber hinaus. Das ist kein sprachlicher Anthropomorphismus mehr, sondern eine Hypothese mit Anspruch auf Plausibilität, und zwar schon deswegen, weil sich der Mensch mit dem Tier in einer gemeinsamen Evolutionskette befindet – auch er ist ein Tier. Das aber heißt, dass Verhaltensähnlichkeiten keineswegs Analogien sein müssen, es können auch Verhaltensverwandtschaften sein. Ein Tier, das trauert, muss nicht nur für das menschliche Auge zu trauern scheinen – es könnte tatsächlich trauern.

Die Einfühlung, die der Naturwissenschaftspositivismus jahrzehntelang für Kitsch, zumindest für trügerisch gehalten hat, könnte durchaus zu Recht versucht werden. Und mehr noch: Sogar die Einfühlung in die Einfühlung des Tieres wäre begründbar – also auch der früher gerne belächelte Satz „Mein Hund spürt, dass ich traurig bin“.

Peter Wohlleben ist kein naiver Schwärmer. Er ist studierter Forstwirt, mit drei Jahrzehnten Praxis und entsprechend praktischer Nüchternheit. Er weiß, dass er sich auf ungesichertes Terrain begibt, wenn er den Abstand zwischen Tier und Mensch – den Abgrund funktionalen Missverstehens – solchermaßen verkleinert. Ein typisches Missverständnis ist beispielsweise, einem Tier emotionale Zuwendung zu unterstellen, das in Wahrheit nur gefüttert werden will. Aber selbst in diesem Falle ist nicht das Tier der Automat, sondern der Mensch ist in der tierischen Perspektive ein Automat. Und nicht alle Verhaltensweisen lassen sich auf diese Art von Berechnung reduzieren. Wohlleben hat viele Beispiele dafür, wie sich die naive Intuition (die als naiv denunzierte Intuition) durch genaue Beobachtung bestätigt – so lassen sich tatsächlich persönliche Freundschaften zwischen Tieren nachweisen. Er hat aber auch ein gutes theoretisches Argument: Der Abstand verkleinert sich von selbst, wenn man ihn nicht als Abstand von Mensch zu Tier, sondern als Abstand von Tier zu Tier sieht, erst recht von Säugetier zu Säugetier. Er verkleinert sich noch einmal, wenn es sich im Falle der Haustiere um eine jahrtausendelange Züchtung zur Menschennähe handelt.

Die klassische Verhaltensforschung hat gerade deshalb immer einen Bogen um die Haustiere gemacht: weil in ihnen der Mensch als Züchter immer schon enthalten ist und daher nicht als objektiver Beobachter auftreten kann. Peter Wohlleben geht sogar einen charakteristischen Schritt darüber hinaus. Nicht nur das Haustier ist an den Menschen herangezüchtet worden, der Mensch selbst hat nach Jahrtausenden ein kulturell vermitteltes, vielleicht sogar inzwischen genetisch ererbtes Vorwissen über diese Tiere.

Das leicht und flüssig, gleichzeitig unterhaltsam und vorsichtig geschriebene Buch täuscht ein wenig über die wissenschaftliche und theoretische Beschlagenheit des Autors. Man könnte es leicht unterschätzen, wenn nicht die paar Fußnoten, die er hier und da macht, profunde Kenntnis der einschlägigen Forschungen verrieten. Noch weniger sollte man allerdings, trotz des sanften Tons, seine polemische Energie unterschätzen. Wohlleben liebt es, alle erstaunlichen Beobachtungen über die Fähigkeiten, die Intelligenz und Kommunikationsbegabung von Wildtieren stets mit ein und derselben Pointe zu versehen: dass sich diese Fähigkeiten auch bei Schweinen finden lassen. Kolkraben erkennen ihr Spiegelbild? Das tun Schweine auch. Rabenvögel lernen einen persönlichen Namen? Schweine auch.

Hier liegt nämlich das moralische Dilemma – und der wahrscheinliche Grund dafür, warum die Moderne so heftig daran interessiert war, Tieren ein Innenleben abzusprechen. Es war die Voraussetzung dafür, sie der industriellen Massenproduktion und deren Grausamkeiten auszuliefern. Automaten konnte man auch der Automatisierung unterwerfen. Und ebenso wahrscheinlich ist, dass die Exzesse dieser Industrialisierung nun den Blick auf den grundlegenden Fehler lenken, der sie erst hat entstehen lassen. Dieser Fehler war, das Tier als das ganz Andere zu denken.

Das ist es aber nicht. Peter Wohllebens Buch enthält die indirekte, darum nicht weniger energische Aufforderung an den Menschen, aus seiner herrischen Überlegenheitsposition herauszutreten und sich wieder in die Schöpfung einzusortieren – als Mitgeschöpf unter Geschöpfen. Die Fähigkeit dazu hat der Mensch, es bedarf gar keines moralischen Appells, sie aufzurufen. Sie besteht in der instinktiven Empathie, die jeder spürt, der sich dem Pulsschlag unter einem Fell, dem Zutraulichkeitswiehern eines Pferdes oder auch nur dem Blickkontakt mit einem Schwein aussetzt, den immer wachen, aufmerksamen, forschenden, schön bewimperten Schweinsäuglein. Das Tier ist eine Person, nicht weniger als der Mensch. „Verkauft man nicht fünf Sperlinge für zwei Groschen? Dennoch ist vor Gott nicht einer von ihnen vergessen.“ (Lukas 12,4)

Peter Wohlleben: Das Seelenleben der Tiere. Ludwig Verlag, München 2016

Von Jens Jessen

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„Das Seelenleben der Tiere“

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Gruß Hubert