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Wiesen: Horrorentdeckung im Kuhstall   Leave a comment

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Unglaublich was da in Wiesen bei Pfitsch (Süd-Tirol) passiert ist. Es ist ja unmöglich, dass da niemand etwas bemerkt haben will. Diese Gleichgültigkeit und Kaltherzigkeit ist schon erschreckend. 19 Kühe sind da im Dreck und Mist elendiglich zugrunde gegangen. Kam da nie ein Tierarzt in diesem Stall vorbei? Total unverständlich!

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Aus stol.it

Wiesen: Horrorentdeckung im Kuhstall

Die Behörden hatten einen Hinweis erhalten, dass sie auf einem Bauernhof in der Wipptaler Gemeinde nach dem Rechten sehen sollten. Es ging um die Kühe im Stall. Was Tierarzt, Feuerwehr und Carabinieri dort entdeckten, ist unfassbar.

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An die 20 Tiere verendeten qualvoll im Stall. (Symbolbild)

An die 20 Tiere verendeten qualvoll im Stall. (Symbolbild)

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In dem völlig verwahrlosten Stall des Bauernhofes soll kniehoch Mist und Gülle gelegen haben. Die Tür ließ sich kaum öffnen. Die Entdeckung dann war der reinste Alptraum: Rund 20 Rinder sind darin qualvoll verendet. Viele von ihnen sollen vom Mist völlig bedeckt gewesen sein. Nur noch 8 Tiere konnten lebend gerettet werden. Sie sollen zwischen den Kadavern der toten Rinder, Kot und Jauche gelebt haben.

Kadaver teils vollständig vom Mist verdeckt

Im Stall habe sich das Ausmaß der Verwahrlosung gezeigt: 8 Tiere der rund 30 Rinder sollen zwischen Kadavern, Kot und Jauche gelebt haben. Von den rund 20 toten Tieren sollen viele vom Mist völlig bedeckt gewesen sein. Mitglieder der Feuerwehr, die selbst Landwirte sind, befreiten die lebenden, zum Teil panischen 8 Tiere aus dem fast ein Meter tiefen Schlamm aus Jauche und Kot. Die Männer bauten für die Rinder am Hof eine Umzäunung. Sie versorgten die Tiere bis zum gestrigen Montag mit Futter und Wasser. Der Staatsanwalt ließ den Stall versiegeln.

Versteigerung der überlebenden Tiere 

Amtstierarzt Dr. Covi begann mit der Organisation der Aufräumarbeiten. Die lebenden Tiere sollen möglichst bald nach Freigabe durch die Staatsanwaltschaft versteigert werden. Der Mist und die Kadaver im Stall müssen von einer Spezialfirma entsorgt werden. Erst bei den Aufräumarbeiten wird sich zeigen, wie viele tote Rinder unter dem Mist begraben sind.

Der Bauer soll insgesamt rund 30 weibliche und männliche Schlachttiere gehalten haben. Carabinieri und Staatsanwaltschaft ermitteln in dem Fall.

D/mf/mpi

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Foto: http://www.suedtirolnews.it

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Wiesen: Horrorentdeckung im Kuhstall

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Gruß Hubert

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Heiligkeit des Lebens   Leave a comment

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Es ist keinesfalls gerechtfertigt eine Kluft zwischen Mensch und Tier zu errichten, wie „man“ es leider getan hat. Dies um zu rechtfertigen, dass man verschiedene Tiere töten darf.  Das Tier wurde abgewertet und es wurde und wird auch noch gesagt, dass das Leben eines Tieres weniger wert wäre als das Leben eines Menschen. Vor allem Meerestiere behandelt man äußert brutal und wirft sie herum als ob es Gegenstände wären. Hat man gerade gestern wieder im Fernsehen gesehen als es um das wertlose MSC-Siegel ging. Das ist reine Willkür, die sich philosophisch nicht begründen kann. Diese These vertritt auch Dr. Helmut F. Kaplan.

Aus fellbeisser.net

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Helmut F. Kaplan

Im „Zeit Magazin“ (20, 2011) las ich Hans-Dietrich Genschers: Aussage: „Jedes Menschenleben ist gleich wertvoll.“ Für jemanden, der im Philosophiestudium darauf gedrillt wurde, niemals unbegründete oder gar unbegründbare Behauptungen aufzustellen, ist das eine, je nach dem, äußerst schludrige oder äußerst kühne Redeweise. Nichtsdestotrotz entspricht sie exakt der gültigen Sprachregelung. Mehr noch: Wer diesen Satz nicht uneingeschränkt unterschreibt, begibt sich ins absolute gesellschaftliche Abseits.

Die ehemalige Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt, die vor ihrer politischen Tätigkeit als Sonderschullehrerin psychisch kranke Kinder unterrichtete und mit geistig Behinderten arbeitete, formuliert die gleiche Aussage so: „Mein ganzes Leben lang habe ich mich für den Gedanken eingesetzt, dass jedes Leben gleich viel wert ist.“ („Der Spiegel“, 26, 2011, S. 46)

Und in der „Zeit“ (32, 2011) lese ich auf Seite 1 im Artikel „Kein Mitleid mehr!“, in dem es um Hungerkatastrophen geht: „Hungernde Menschen sind … Bürger dieser Weltgemeinschaft und damit Träger aller Menschenrechte.“ Schließlich im „Spiegel“ (32, 2011, S. 42) im Zusammenhang mit dem Kindesmörder Magnus Gäfgen: „Dass die Menschenwürde keiner Abwägung zugänglich und also auch bei einem Verbrecher zu achten sei, gilt längst als gefestigte Meinung.“

Was heißt all dies? Es heißt: Unabhängig von allen faktischen und moralischen Unterschieden, egal ob jemand hochbegabt oder schwerbehindert, steinreich oder bettelarm ist, ob er Mitmenschen rettet oder tötet, jeder Mensch ist gleich wertvoll und Träger von Menschenrechten.

Was ist denn nun die Funktion, die Auswirkung dieser Gleichwertigkeit aller Menschen? Die Antwort ist einfach: Diese Gleichwertigkeit hat eine fundamentale Schutzfunktion, sie sichert den Gleichwertigen einen Mindeststandard an Ansprüchen, insbesondere das Recht, nicht gefoltert oder getötet zu werden – wenn wir einmal von Staaten wie China und den USA absehen, in denen Menschenwürde und -rechte eine irritierende theoretische Schlagseite aufweisen.

Gibt es nun vernünftige Gründe, Tieren diesen Schutz durch Gleichwertigkeit vorzuenthalten? Um es gleich vorwegzunehmen: Nein! Denn „Abwertungen mittels Fakten“ sind, wie wir gesehen haben, grundsätzlich unstatthaft – siehe etwa die intakte Gleichwertigkeit von Senilen, Dementen und geistig Behinderten. Außerdem befinden sich viele Tiere, etwa Hunde, Katzen, Rinder oder Schweine, auf einem HÖHEREN Niveau als viele Senile, Demente oder geistig Behinderte. Die „begabtesten“ Tiere sind schlauer als die „unbegabtesten“ Menschen. Daran ist nicht zu rütteln und dabei braucht man nicht einmal an Primaten zu denken, die sich mit der Zeichensprache mit Menschen unterhalten. Es genügt, einerseits an Blindenhunde zu denken oder an Kapuzineräffchen, die Behinderte betreuen, andererseits an im Bett vor sich hindämmernde Demente.

Wenn am menschlichen Leben etwas „heilig“ ist, dann ist es keine „Heiligkeit“ des menschlichen Lebens, sondern eine „Heiligkeit“ des kreatürlichen Lebens – weil viele Tiere, wie gesagt, viel „heiliger“, sprich: schlauer, begabter, intelligenter, was auch immer, sind als viele Menschen.

Eine Minderbewertung von Tieren gegenüber Menschen mittels Fakten ist also rationalerweise ausgeschlossen. Ebenso eine Minderbewertung mittels religiöser Begründungen. Schließlich leben wir nicht mehr in „Gottesstaaten“, sondern in säkularen Gesellschaften, in denen auch Menschenrechte säkular, also „weltlich“, sprich: glaubensneutral begründet werden müssen. Tierlichem Leben grundsätzliche Gleichwertigkeit und Schutzwürdigkeit abzusprechen, beruht auf Unvernunft oder Grausamkeit.

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Heiligkeit des Lebens

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Gruß Hubert

Veröffentlicht 24. April 2018 von hubwen in Tierrechte, Tierschutz, Uncategorized

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Brutale Menschenversuche ohne Zustimmung der Betroffenen – Verwendung von Daten   Leave a comment

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Dr. Martin Balluch hat einen interessanten Artikel über Tierversuche geschrieben und das bekannte Argument, dass man keine Medikamente verwenden darf, wenn man gegen Tierversuche ist vorgebracht. Außerdem schreibt er auch über einige Menschenversuche, die ohne Zustimmung gemacht wurden. Die wenigsten Menschen wissen, dass Tierversuche sehr oft kontraproduktiv sind.
Im September 1957 ist in Satlykovo, östlich vom Ural in Russland, eine Atombombenfabrik explodiert. Die Regierung hielt diesen Umfall geheim bei dem 41 Dörfer verstrahlt wurden. Man wollte Daten sammeln!

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Hier zum Artikel.

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Welche TierschützerInnen kennen das nicht, das Lieblingsargument der Tierversuchsseite: „Wenn ihr gegen Tierversuche seid, dann dürft ihr auch keine Medikamente verwenden“. Also erstens gibt es ja auch Forschung ohne Tierversuche, ja, wie wir wissen, sind Tierversuche oft sogar kontraproduktiv, siehe New Scientist http://www.martinballuch.com/new-scientist-sagt-tierversuche-sind-der-falsche-weg-in-der-forschung-fuer-menschen/. Aber zweitens sind auch TierexperimentatorInnen hoffentlich für Menschenrechte, also gegen invasive Menschenversuche ohne Zustimmung der Betroffenen. Aha, dann dürften sie auch nicht Dinge verwenden, die von Daten solcher Versuche stammen, oder?


Das Paradebeispiel für Menschenversuche in unseren Breiten ist das Dritte Reich. Zu gern allerdings wiederholt man da die Folklore, dass diese Versuche wissenschaftlich unsinnig waren und nur zur Quälerei dienten. Das ist völlig falsch. Viele dieser Versuche waren wissenschaftlich gesehen sehr sinnvoll und wurden auch in der Forschung und Technik zur Anwendung gebracht. Ein Beispiel ist das sehr hoch fliegende Flugzeug. Das Dritte Reich führte dazu viele Tests an KZ-Häftlingen und Kriegsgefangenen in Unterdruckkammern durch und entwickelte so sichere Kabinen für solche Flugzeuge, die in der Stratosphäre fliegen. Ebenso wurde der Schleudersitz an Menschenversuchen entwickelt und war dann weltweit in Einsatz.

Auch Menschen, die nicht unbedingt tierschutzfeindlich eingestellt sind, mögen oft den Gedanken, dass Versuche an Menschen nie wissenschaftlich sinnvoll gewesen sein können. Vielleicht beruhigt sie der Gedanke, weil er Menschenversuche damit nicht nur unethisch, sondern auch unwissenschaftlich macht. Vielleicht wollen sie einfach, dass ein Umgang dieser Art, wie er typisch für den Umgang von Menschen mit Tieren ist, zwischen Menschen nie wirklich stattgefunden hat, als ob es einen inneren Instinkt gäbe, der das verbietet. Diesen Eindruck gewinne ich auch immer, wenn mir Menschen erzählen, dass es nie Kannibalismus unter Menschen gegeben habe. Warum sollte das wichtig sein? Aber die Leidenschaft, wie diese – eindeutig historisch falsche – These verteidigt wird, weist auf eine ideologische Basis hin. Wieder soll offenbar unterstrichen werden, dass es derart unnatürlich und instinktiv ausgeschlossen sei, dass Menschen routinemäßig andere Menschen essen (also so behandeln, wie wir heute Tiere), dass es nur perverse und abartige Menschen in Ausnahmefällen tun. Das Essen von Menschen sei also krankhaft, das Essen von Tieren natürlich. So diese Doktrin.

Beides ist, wie gesagt, eindeutig falsch. Es gibt unendlich viele Hinweise auf routinemäßigen Kannibalismus unter Menschen, und genauso gibt es zahlreiche Versuche an Menschen, die mit wissenschaftlicher Intention durchgeführt wurden und sinnvoll waren. Selbstverständlich rechtfertigt das beides nicht, wie bei Tieren.

Ich bin gerade wieder auf einen großangelegten Menschenversuch gestoßen, dessen Daten von der Wissenschaft heute verwendet werden. Das it sogar die Titelstory vom New Scientist vom 10. Dezember 2016. Im September 1957 ist in Satlykovo, östlich vom Ural in Russland, eine Atombombenfabrik explodiert. 41 Dörfer der damaligen Sowjetunion waren verstrahlt, ohne es zu wissen. Die Regierung hielt den Unfall geheim, erhob aber Daten von 53.000 Menschen mit Strahlenkrankheit, die zum Teil bis heute beobachtet werden.

Der Chefredakteur im Editorial dieser New Scientist Ausgabe erwägt, ob es moralisch gerechtfertigt ist, diese Daten zu verwenden. Das sei wichtig, meint er, um mehr über Langzeitbestrahlung zu erfahren und Grenzwerte festlegen zu können. Letztlich, so argumentiert er, hat die Vermehrung unseres Wissens und die positiven Konsequenzen für die Menschheit Vorrang. Die Menschen haben nun schon einmal gelitten und sind gestorben, da sei es nun besser, die Daten zu nutzen, sonst wären sie ja umsonst gestorben.

Interessant. Lässt sich eins zu eins auf die Ergebnisse von Tierversuchen heute umlegen. Ich werde dran denken, wenn mir wieder jemand vorhält, warum ich mich nicht weigere, Medikamente zu verwenden.

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Brutale Menschenversuche ohne Zustimmung der Betroffenen – Verwendung von Daten

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Gruß Hubert

Veröffentlicht 2. Mai 2017 von hubwen in Tierrechte, Tierschutz, Uncategorized

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Tom Regan, ein Pionier der Tierrechtsphilosophie, ist gestorben   Leave a comment

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Ich habe großen Respekt vor Tierrechtlern wie Tom Regan. Denn solche Leute sind große Idealisten. Es ist ja nichts zu verdienen, wenn man sich um Tiere kümmert. Im Gegenteil, immer wieder werden diese Leute immer wieder mit Tierquälereien und Ausbeutung von Tieren konfrontiert. Sie haben auch Gegner, weil sie unweigerlich mit wirtschaftlichen Interessen von Unternehmen kollidieren. Tom Regan ist am 17. Februar verstorben.

Aus martinballuch.com

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Die Tierrechtsbewegung kommt in die Jahre. Einer ihrer großen Mitbegründer, Tom Regan, Universitätsprofessor für Philosophie an der North Carolina State Universität in den USA, starb in den frühen Morgenstunden des 17. Februar 2017 im Alter von 78 Jahren. Sein Studium finanzierte er sich noch als Fleischhauer, doch die Lektüre von Mahatma Gandhis Schriften und seine große Trauer über einen geliebten Hundefreund, der verstorben ist, ließen ihn umdenken. Wenn er gegen unnötige Gewalt ist, so sprach Gandhi zu ihm aus dem Buch „My Experiment with Truth“, was macht dann der tote Körper auf seinem Teller? Tom Regan wurde Vegetarier.

Als er in den frühen 1970er Jahren an der Uni Oxford als Gastprofessor tätig war, traf er auf Peter Singer und die dort aktive Gruppe von PhilosophInnen, die gerade die moderne Tierbefreiungsphilosophie entwickelte. Daraus entstand 1976 zunächst eine Anthologie und danach 1983 sein großes Standardwerk „The Case for Animal Rights“, eine Gegenthese zu Peter Singers Utilitarismus analog zur Menschenrechtsdoktrin. Tom Regan war damit der erste Denker, der Tierrechte auf akademischem Niveau ausformulierte und forderte.

 

Es war 1987, als ich dieses Buch erstmals in den Händen hielt und begeistert verschlang. Damals studierte ich gerade Astrophysik an der Uni Heidelberg und gestaltete als Doktorand die sogenannte Alternative Sommer- und Herbstuni mit, eine Serie von Vorträgen und Seminaren im Uni-Gelände, von Studierenden in den Uniferien organisiert. Mein Beitrag war ein Seminar über Tom Regans Buch, das wir gemeinsam lasen und zu dem wir Zugänge aus verschiedenen Blickwinkeln präsentierten.

Im Jahr 2001 traf ich Tom Regan erstmals persönlich auf der großen Tierrechtskonferenz in Washington DC in den USA. Sein Vortragsstil war sehr inspirierend, im Gegensatz zu den oft emotionslosen Vorlesungen, wie sie an der Philosophie üblich sind. Zuletzt nahm er sogar eine Gitarre zur Hand und sang tierrechtlerische Widerstandslieder. Kurz davor war er Teil einer Besetzung eines Uni-Labors wegen der dortigen Tierversuche gewesen, mit etwa 100 TeilnehmerInnen. Über 24 Stunden hatten sie die Stellung gehalten.

Diese Erfahrung in den USA importierte ich nach Österreich und wir begannen mit unseren großen Tierrechtskongressen hierzulande. Einer unserer ersten Vortragsgäste: Tom Regan. Besonders ist mir in Erinnerung, dass er auf die Frage, wo er die Grenze ziehe zwischen jenen Wesen, die als „Subjekte eines Lebens“ durch Tierrechte geschützt sind, und jenen, für die das nicht gilt, antwortete, wo man auch immer diese Grenze ziehe, sie müsse mit Beistift gezogen werden, sodass man sie jederzeit ausradieren und korrigieren könne.

Zweimal war er in Österreich zu Besuch, soweit ich mich erinnern kann. Die Erfolge unserer Tierschutzkampagnen hatten sich da schon bis zu ihm durchgesprochen. So brachte er mir sein Buch „Defending Animal Rights“ mit einer eigenen Widmung für mich mit. Ich halte es bis heute in Ehren, obwohl ich das Buch zu dem Zeitpunkt bereits längst gekauft und gelesen hatte.

Als wir 2008 von einer SOKO-Tierschutz überfallen und in Untersuchungshaft gesperrt wurden, war Tom Regan entsetzt. Fern aus den USA schickte er von sich aus ein Schreiben an den Bundeskanzler und den Bundespräsidenten von Österreich und forderte, dass wir umgehend freigelassen werden müssen. Der Text lässt etwas von seinem unnachahmlichen Vortragsstil anklingen:

Siehe Brief im Link unten.

[…]

Er war zweifellos ein Mensch mit viel Herz und Hirn, ein wichtiger Motor für die Bewegung für Tiere weltweit. Er war voller Emotion, wenn es um Tierleid ging, und gleichzeitig sachlich und rational in seinen Argumenten. Er war einer jener wenigen Philosophen, die nicht nur im Elfenbeinturm theoretisieren, sondern sich auch praktisch engagieren. Im Jahr 2002 verfasste er eine Liste der 11 wichtigsten nächsten Ziele in der Tierschutzarbeit:

– Wildtierverbot im Zirkus
– Verbot von Delphinarien
– Verbot der Gatterjagd
– Verbot von Hunderennen
– Verbot von Pelzfarmen
– Ende der Seehundmassaker
– Ende der verpflichtenden Dissektion in Schulklassen
– Verbot von Tierversuchen an Hunden
– Verbot von Toxizitätstests an Tieren
– Ende der Tötung von Streunerhunden
– Ende des Verkaufs von Streunerhunden und -katzen an Tierversuchslabors

Mit einigem Stolz kann ich sagen, dass wir nach vielen Jahrzehnten mühevoller Kampagnenarbeit in Österreich die meisten dieser Forderungen tatsächlich erreicht haben. Nur bei Tierversuchen haben wir bisher versagt, da herrschen noch immer Willkür und Narrenfreiheit für die Tierversuchsindustrie. Visionär von Regan, solche kleinen Schritte vorzuschlagen, und damit zu unterstreichen, dass unser Weg zu Tierrechten über pragmatische Reformen geht. Ich sehe das auch so.

Als Vermächtnis bleiben uns seine inspirierenden Auftritte, seine praktischen Ideen zum Schutz von Tieren, seine detailliert und äußerst differenziert ausgearbeitete Philosophie von Tierrechten analog zu Menschenrechten und seine zahlreichen Schriften, die es immer wert sind, erneut gelesen zu werden.

Hier weiterlesen:

Tom Regan, ein Pionier der Tierrechtsphilosophie, ist gestorben

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Gruß Hubert

 

Veröffentlicht 11. April 2017 von hubwen in Tiere, Tierschutz, Uncategorized

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Sind der Tod eines Menschen und eines Tieres so anders?   Leave a comment

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Es ist schon verwunderlich welch seltsame Blüten manche menschliche Gehirne hervorbringen. Da wird gesagt, Betäubung, Sterilisation und Transport von Damhirschen und Mufflons seien zu stressig, der Tod sei weniger schlimm.
Hier einige Aussagen und Erklärungen zum Thema „Gatter“.

Auszug.
Skandal: Rehe im Gatter, die aus Angst vor Hunden gegen Zaun springen, keine Tierquälerei?

Erstmals in der letzten Jagdsaison hat eine Tierschutzorganisation zahlreiche Gatterjagden dokumentieren und an die Öffentlichkeit bringen können. Besonders dramatisch war dabei jene Treibjagd im Gatter mittels Jagdhundemeuten und Treiberkolonnen in Ernstbrunn, bei der insgesamt 3 Rehe während ihrer Schonzeit so in Todesangst versetzt wurden, dass sie immer wieder gegen den Gatterzaun sprangen und sich dabei schwer verletzten. Den VGT-AktivistInnen gelang es, diese Tierquälereien zu filmen.
http://vgt.at/presse/news/2016/news20160302es.php

Schock-Video zeigt Leid der Gatter-Rehe

http://www.heute.at/news/oesterreich/Wirbel-um-Film-von-Gatter-Rehen;art23655,1263550

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Hier aber nun zum Artikel von Martin Balluch.

Sind der Tod eines Menschen und eines Tieres so anders?

Kürzlich habe ich mit dem Betreiber eines Schaugatters, in dem sich einige Damhirsche und Mufflons befinden, über dessen Auflösung diskutiert. Das Gatter soll geschlossen werden, aber wohin mit den Tieren? Mein Vorschlag: betäuben, sterilisieren und in einen Lebenshof transportieren. Der Gegenvorschlag: aus kurzer Distanz schmerzfrei erschießen. Das Argument dafür? Betäubung, Sterilisation und Transport seien zu stressig, abgesehen davon würden die Tiere dann, wenn sie in 10 Jahren alt werden, an Altersschwäche leiden und vielleicht einsam sein.


Das ist für mich ein schon sehr seltsamer Gedanke, dass der Tod weniger schlimm sein soll, als Betäubung, Sterilisation und Transport. Ich glaube dem Gatterbetreiber aber, dass er das Ernst meint. Die EU-Richtlinie 2063/10 über Tierversuche wertet es als den geringsten Schaden für die Versuchstiere, wenn sie nach dem Tierversuch aus ihrer Betäubung nicht mehr aufwachen sondern getötet werden. Ein geringerer Schaden als „wenig Leid“, das z.B. durch einen Nadelstich ausgelöst wird. Bei Menschen würden wir doch niemals so reden, laut Strafgesetzbuch ist der schmerzfreie Mord im Schlaf schlimmer zu bewerten, als eine langanhaltende Folter, wenn diese nicht mit dem Tod endet. Woher dieser Unterschied?

Bei einer Tierversuchsdiskussion an der Uni Innsbruck verglich ich einmal medizinische Versuche an Tieren mit jenen an Menschen. Der Vertreter der Tierversuchsseite war entsetzt. Auf meine Frage, was der Unterschied sei, sagte er, dass die Bibel den Menschen als Ebenbild Gottes bezeichne. Naja, und ist der Schimpanse nicht Ebenbild des Menschen? Ist die Evolution nicht kontinuierlich? Aber über Religion lässt sich bekanntlich ewig streiten, weshalb wir die Trennung zwischen Staat und Kirche eingeführt haben. Für eine Begründung der gesetzlichen Praxis bleibt uns ein Rekurs zur Bibel also verwehrt.

Das Zivilrecht, mit seiner Trennung in Menschen als Personen und Tieren als Sachen, bzw. nach § 285a ABGB mittlerweile nur noch als Entitäten, die wie Sachen zu behandeln sind, ist auf Immanuel Kant zurückzuführen. Tatsächlich argumentiert er explizit religionsunabhängig, zumindest seiner Auffassung nach. Kant war der Ansicht, dass nur die Vernunft eine freie Willensentscheidung ermöglicht. Unsere Triebe und Affekte lassen in uns die Lust so oder so zu handeln aufquellen, aber mit der Vernunft können wir das abwägen und uns gegebenenfalls anders entscheiden. Die Vernunft, so Kant, macht also den Unterschied zwischen einem Wesen mit freiem Willen und einer Biomaschine aus. Und diese Vernunft hat man entweder ganz oder gar nicht. Menschen hätten sie ganz, Tiere gar nicht. Deshalb wären letztere Biomaschinen. Das mache sie austauschbar, reduziere sie auf einen rein instrumentellen Wert für Menschen und Tierschutz bestünde dann darin, Tieren möglichst viel Leid zu ersparen. Der schmerzfreie Tod von Tieren wird damit völlig moralisch irrelevant.

Kant wusste aber noch nichts von der Evolution. Vernunft gibt’s auch graduell, sonst könnten Menschenkinder nicht von Null (bei der Empfängnis) bis zur vollen Eigenverantwortung (Volljährigkeit) eine graduelle Entwicklung durchlaufen. Mein Hundefreund Kuksi ist definitiv vernünftig, wenn er bei schwierigen Verhältnissen auf einer Bergtour umdrehen will oder wenn er entscheidet, ob er diese oder jene Kletterei riskieren will, ob er über die Straße laufen oder sich zurückhalten soll, ob er ein Essen grabschen oder ein Tier jagen soll oder nicht usw. Kuksi kann ohne jeden Zweifel bewusste Entscheidungen fällen, und darum geht es hier eigentlich. Er kann verschiedene Optionen abwägen und sich für eine entscheiden. Dieselbe Art von Freiheit, wie bei uns Menschen. Und dass Freiheit an sich für ihn relevant ist, zeigt sich darin, dass er sich ganz anders verhält, wenn er angeleint ist oder im Auto am Sicherheitsgurt hängt, oder nicht. Er ist sich bewusst, angehängt zu sein, ohne dass er durch Bewegung bis ans Leinenende stoßen muss und dadurch zurückgehalten wird. Er hat von sich einen Begriff, frei oder angehängt zu sein.

Peter Singer kommt zu einem ähnlichen Schluss wie Kant, aber auf einem anderen Weg. Er meint, Tiere (bis auf wenige Ausnahmen wie Menschenaffen) würden nur im Moment, nicht aber in der Zeit leben. Sie hätten keine Zukunftsplanung, keine Erwartungen, keine Hoffnungen. Sie überraschend und schmerzfrei zu töten, sei daher für sie kein Verlust und daher moralisch irrelevant. Komisch nur, dass mein Hundefreund Kuksi sehr wohl in der Zeit lebt. Wenn ich ihm sage, dass wir wandern gehen, dann freut er sich schon darauf, auch wenn ich erst zu packen beginne. Wenn ich ihm erkläre, dass ich leider ohne ihn weggehen müsse, dann wird er traurig und zieht sich zurück, auch wenn ich noch 10 Minuten lang im Raum bleibe. Wenn ich Kuksi bitte, heute unsere Wanderung anzuführen, dann arrangiert er z.B. eine 3 stündige Tour, die uns wieder nach Hause zurück bringt. Und wenn ich ihm gesagt habe, dass ich weggehen muss, aber dann 5 Minuten später wiederkehre, weil ich etwas vergessen habe, dann hebt er nicht einmal die Augenbrauen. Ganz anders, wenn ich zurückkehre, um zu bleiben, dann begrüßt er mich herzlich und freut sich. Keine Frage, er versteht, dass beim Abschied für eine längere Zeit die Rückkehr nach 5 oder 10 Minuten nicht dauerhaft sein kann. Er lebt also in der Zeit.

Ich glaube, aus dieser Vorstellung von Hunden als zeitlos, mit rein spontanen Entscheidungen ohne Überlegung, und damit unvernünftig, wird gefolgert, dass Hunde so unberechenbar wären. Deshalb müsse man sie immer anhängen und ihnen einen Beißkorb geben usw. Man wisse ja nie, was in ihnen vorgeht. Ich lebe mit einem vernünftigen Hund zusammen. Er ist völlig berechenbar und vertrauenswürdig. Genauso, wie ich sehr gut verstehe, was zu einem jeweiligen Zeitpunkt in ihm vorgeht, so versteht er auch mich und hat an mich Erwartungen. Ein Zusammenleben in gegenseitiger Abhängigkeit, wie zwischen uns, wäre sonst nicht möglich.

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Ein Beispiel. In einer Pause eines Tierschutzworkshops gehen wir zusammen – wie immer leinenfrei – auf die Straße. Kuksi läuft auf eine kleine Grasfläche vor einer Kirche zu, die von einem halbhohen Zaun mit spitzen Enden umgeben ist. Er will darüber springen, wägt ab, schaut zu mir und fragt mich um Rat. Ich verstehe ihn sofort, entdecke hinter ihm um die Ecke ein größeres Stück Wiese ohne Zaun und zeige dorthin. Er dreht sich um, sieht die Wiese auch und läuft sofort in diese Richtung. Hätte ich nicht verstanden, dass er auf das Gras wollte, und er nicht, dass ich ihm ein leichter erreichbares Gras gezeigt habe, dann wäre die Kommunikation nicht gelungen. Hätten wir ständig Missverständnisse wäre unser Zusammenleben niemals so harmonisch und rund. Ich bin mir daher sicher, dass Kuksi in der Zeit lebt und dass er vernünftig und bewusst entscheiden kann, im Rahmen seiner Möglichkeiten. Sein Tod wäre der größte Schaden, den man ihm antun kann.

Im Alter von 4 Jahren wurde bei Kuksi Lymphknotenkrebs entdeckt. Ohne zu zögern haben wir uns für eine Chemotherapie entschieden. 14 Monate lang musste er die Chemikalien nehmen. Mir hat das € 8.000 gekostet. Der Sprecher einer Bergbauernorganisation, für Tierschutz sehr aufgeschlossen, zeigte damals großes Unverständnis: mit den € 8.000 hätte ich viele Hunde aus Serbien retten können, Kuksi hätte ich schmerzfrei euthanisieren müssen. Aber Kuksi ist nicht irgendwer, er ist mein bester Freund. Sein Leben ist einzigartig, viel mehr als jedes Geld wert. Er ist unersetzbar. Und auch für ihn war die Chemotherapie die richtige Wahl. Wir haben den Krebs besiegt und er ist nun bald 10 Jahre alt und hat unzählige glückliche Stunden erlebt.

Nein, weder emotional noch intellektuell kann ich den Tod eines Menschen und eines Tieres grundsätzlich anders bewerten.

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Sind der Tod eines Menschen und eines Tieres so anders?

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Gruß Hubert

 

 

Veröffentlicht 1. April 2017 von hubwen in Tiere, Tierschutz, Uncategorized

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„Philosoph“ Georg Geismann hält Tiere heute noch nur für Sachen   Leave a comment

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Ich kann nur staunen welche A… lö… es unter Philosophen gibt, wie zum Beispiel dieser Philosoph Georg Geismann. Er ist 1935 geboren aber immer noch nicht gescheiter geworden – und wird es auch sicher nicht mehr.
Er sagt, dass das Tier eine Sache ist, weil es nach ihm keine Vernuft hätte.
Wenn ich mir aber Menschen und Tiere so anschaue, frage ich mich wer mehr Vernunft hat bzw. was der Mensch so mit seiner „Vernuft“ macht. Man denke nur an Atomwaffen, bio-chemische Waffen, zum Beispiel Giftgas, Tretminen, die Liste ist lange noch nicht vollständig. Keine Maus ist so abartig, dass sie eine Mausefalle bauen würde. Aber die angebliche „Krone der Schöpfung“. Ich frage mich wie viel da der Schöpfer wert ist.
Dann auch noch das Ersinnen von grausamsten Foltermethoden. Kein Tiere käme auf so eine Idee.

Tiere haben eine Seele und zehn mal Vernunft als dieser angebliche Philosoph Geismann – und viele andere Menschen. Wer lädt so einen ……… überhaupt an die Uni Wien ein, frage ich mich auch noch.

Jetzt aber zu einer Abhandlung von einem gescheiteren Menschen, von Martin Balluch (der sein DDr. in seiner Bescheidenheit immer weglässt, was so aufgeblasene Menschen wie die Geismanns dieser Erde nie tun würden).

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Unfassbar: Plädoyer für Tiere als Sachen von Georg Geismann an der Uni Wien!

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Seit 1989 steht im Österreichischen Allgemeinen Bürgerlichen Gesetzbuch, dem Zivilrecht, in Paragraph 285a der Satz „Tiere sind keine Sachen“. Zwar, wir wissen es alle, wird das im nächsten Satz desselben Paragraphen relativiert, dass also auf Tiere dennoch bis auf Weiteres das Sachenrecht anzuwenden ist, und zwar wissen wir ebenso, dass § 285 a bisher in allen Gerichtsverfahren, in denen wir ihn zu verwenden versucht haben, keine konkrete Anwendung hatte, er sozusagen als Nullgesetz ohne Konsequenz gehandelt wird, so ist doch unbestritten, dass der parlamentarischen Entscheidung zu § 285a eine politische Botschaft zugrunde liegt: es ist falsch, Tiere als Sachen anzusehen. Tiere sind de facto keine Sachen, sie können fühlen, erleben die Welt subjektiv bewusst und können daher auch bewusste Entscheidungen auf Basis dieser Erlebnisse treffen. D.h. sie haben eine Persönlichkeit, die ihre eigene Sicht auf die Welt bedingt und die ihre Entscheidungen, wie sie handeln wollen, prägt.

Man möchte doch meinen, dass das mittlerweile zum Allgemeinplatz geworden sein muss. Wer, bitte schön, würde heute noch Tiere als Sachen sehen? Der Umgang mit Tieren als Sachen ist eine Altlast aus einer Zeit, in der Tierschutz noch nichts galt. Unser aller Aufgabe im Tierschutz ist es, diese Altlast abzubauen und Tieren jenen von Sachen verschiedenen Status im Rechtssystem zu geben, der ihnen zusteht, weil sie keine Sachen sind. Die Widerstände dagegen sind hauptsächlich wirtschaftlicher Natur. So habe ich das bisher jedenfalls gesehen.

Am Donnerstag den 10. November 2016 hat an der Uni Wien ein Gastvortrag von Georg Geismann zum Thema „Kants Moralphilosophie und die Pflichten in Ansehung der Tiere und der vernunftlosen Natur überhaupt“ stattgefunden. Ich habe mir das angehört und mir gingen die Augen über. Geismann argumentierte, dass Menschen und andere Tiere (seine Formulierung) einmal Naturwesen sind, die leiden können und in verschiedener Abstufung intelligent sind. Das sind natürliche Fähigkeiten, die sie miteinander mehr oder weniger teilen, in denen sie sich jedenfalls nur graduell unterscheiden. Als Naturwesen unterliegen Menschen und andere Tiere den Naturgesetzen und sind nur Sachen, ihr Wert ist instrumentell, sie haben einen Preis, keine Würde. Doch darüber hinaus sind Menschen im Gegensatz zu den anderen Tieren auch Vernunftwesen. Über die Vernunft können sie die Welt von wahr und falsch bzw. von gut und böse erschließen, und sich dadurch selbst Zwecke setzen. Das macht sie zu Zwecken an sich, sie haben nicht nur einen instrumentellen Wert, d.h. einen Preis, sondern auch eine Würde. Sie sind also Personen im Gegensatz zu den anderen Tieren, die mangels metaphysischer Vernunft nur Sachen bleiben.

Nun, dass der alte Kant so argumentiert hat, ist mir bekannt, schreibe ich darüber doch lang und breit in meinem Buch „Der Hund und sein Philosoph“. Aber wenn man dann jemandem im Jahr 2016 gegenübersteht, der diese These heute noch verbreitet und unumstößlich für richtig hält, fühlt sich das ganz anders an. Keine Rede mehr von Evolution, von einer kontinuierlichen Entwicklung zu mehr und mehr Vernunft, sondern eine knallharte Dichotomie: Menschen haben volle Vernunft, andere Tiere gar keine, und Punkt.

Aber wie ist das mit Kindern, geistig Verwirrten – man erinnere sich an den Buttersäureattentäter, dem vom Gericht attestiert wurde, er sei nicht schuldfähig und könne daher für seine Angriffe auf uns nicht bestraft werden – oder senilen Alten? Haben die Vernunft? Geismann drückt sich herum. „Wollen Sie, dass andere Menschen darüber entscheiden können, ob Sie rechtsfähig sind oder nicht?“, fragt er, und zaubert damit einen neuen subjektiven Wert aus dem Hut. Wohin das führe, habe man schon gesehen, meint er dann, und bezieht sich auf den Holokaust. Würde man also nicht allen Menschen den Status als Person und Rechtsträger geben, dann hätte das furchtbare Konsequenzen – er meinte das führe zu Chaos – und daher erhielten alle vernunftlosen Wesen, die zu einer „Art“ gehören, die „normalerweise“ Vernunft hat, sozusagen ehrenhalber den Personenstatus.

Mit demselben Argument müsste man dann aber auch den anderen Tieren den Personenstatus verleihen, meinte ich in der Diskussion nach dem Vortrag. Oder wie würden Sie sich fühlen, wenn über ihren Rechtsstatus andere entscheiden? Abgesehen davon sehen wir, wohin das führt, nämlich zu Massentierhaltung, 65 Milliarden Schlachtungen pro Jahr, Abschüssen gezüchteter Fasane zum Spaß und Tierversuchen. Nein, nein, nein, meint Geismann nun ganz unkantianisch, Tiere könnten nicht reziprok Pflichten übernehmen, dürften daher auch keine Rechte haben. Aber Kinder auch nicht, sage ich. Wollen Sie Kindern den Personenstatus nehmen?

Abgesehen davon, belehrt uns Geismann, haben Tiere kein Bewusstsein. Sie können nichts entscheiden und natürlich nicht zwischen gut und böse oder wahr und falsch unterscheiden. „Kann Ihr Hund den pythagoräischen Lehrsatz verstehen?“, fragt mich Geismann. Na eben. Also keine Rechte. Jetzt hängt es schon von der Fähigkeit ab, Mathematik zu verstehen, um Rechte zu bekommen – außer man gehört der Tierart „Mensch“ an, dann natürlich ist man Rechtsträger ohne weitere Fragen.

Zu Geismanns unendlichem Erstaunen erkläre ich ihm, dass Tiere sehr wohl ein Bewusstsein haben. Es ist mittlerweile durch die Cambridge Deklaration offiziell, dass die Fähigkeit Schmerzen bewusst zu erleben, zumindest sämtliche Wirbeltiere und Kopffüsser teilen. Und wozu, bitte schön, soll sich evolutionär Bewusstsein entwickelt haben, wenn nicht um durch eine bewusste Entscheidung das Verhalten beeinflussen zu können? Also müssen alle Lebewesen mit Bewusstsein die Fähigkeit haben, sich bewusst für das eine oder andere zu entscheiden. Im Grundsatz nicht anders als die Menschen. Die subjektive Einschätzung, was gut oder böse ist, entsteht dann durch die Sozialisation, die sozialen Regeln und Normen, die wir in der Kindheit internalisieren. Und genau das können natürlich Hunde auch, die mit uns aufwachsen.

Nein, nein, sagt Geismann, Hunde sind reine Biomaschinen, die können nichts entscheiden, da laufen nur Programme ab. Aber mein Hundefreund Kuksi z.B., argumentiere ich, geht oft leinenfrei auf dem Gehsteig, sieht auf der anderen Straßenseite einen Hund, fühlt den Impuls hinüber zu laufen, beherrscht sich bewusst und bleibt da. „Na weil Sie ihn sonst schlagen würden!“, ruft Geismann. Unsinn, ich schlage Kuksi nicht und gebe ihm nicht einmal Leckerlis, um ihn zu konditionieren. Auch wenn er ganz alleine auf der Straße herumgeht, läuft das ähnlich ab, wie ich aus der Ferne beobachten konnte. Er versteht einfach, dass die Fahrbahn gefährlich ist, und läuft nur hinüber, wenn es sicher ist, ansonsten hält er sich zurück. Und dass das eine bewusste Entscheidung ist, erkenne ich daran, dass er sich bei großem emotionalem Stress manchmal nicht zurückhalten kann – wie wir Menschen auch.

Hunde können sich durchaus schlecht behandelt fühlen. Wenn Kuksi meint, ich habe die sozialen Regeln missachtet, ihn also böse oder falsch behandelt, dann schmollt er, zeigt mir stundenlang die kalte Schulter oder schnappt laut mit dem Kiefer in der Luft. Hunde haben ein Verständnis für Gerechtigkeit. Wenn ein Hund für eine Reaktion ein Leckerli bekommt, ein anderer daneben trotz selber Reaktion nicht, dann wird letzterer die weitere Zusammenarbeit aufkündigen.

Nein, für Geismann gibt es so etwas nicht. Hunde sind Biomaschinen und Punkt. Sie können nichts bewusst entscheiden, das gesamte Verhalten ist nur Reizreaktion. Tiere sind und bleiben Sachen und das sei gut so.

Soweit ein Universitätsprofessor für Philosophie.

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„Philosoph“ Georg Geismann hält Tiere heute noch nur für Sachen

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Gruß Hubert

Veröffentlicht 30. März 2017 von hubwen in Tiere, Tierschutz, Uncategorized

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Das Bewusstsein eines Hundes   2 comments

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Es ist schon erstaunlich was ein Mensch zum Beispiel bei einem Hund welche Fähigkeiten entdecken kann. Vorausgesetzt er beobachtet den Hund genau und auch mit Liebe. Ein Mensch, der sich als Krone der Schöpfung sieht, kann das selbstverständlich nicht entdecken. Aber so ein Mensch will auch nicht einsehen, dass der Mensch auch nur aus dem Tierreich hervorgegangen ist. Von den Kreationisten, die die Evolutionslehre von Charles Darwin bestreiten, will ich gar nicht erst reden.

Aber zurück zum Tierfreund Martin Balluch, der eine äußerst innige Beziehung zu seinem Hundefreund Kuksi hat.

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Wenn ein Hund bewusst entscheidet

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In meinem Buch „Der Hund und sein Philosoph“ argumentiere ich, dass Hunde autonome und vernünftige Wesen sind, die bewusst entscheiden können, ganz unabhängig von ihrer Konditionierung. Ich hatte eigentlich gedacht, dass die Argumente dafür klar und deutlich dargelegt wurden und kein Zweifel mehr bestehen bleibt. In der Praxis begegnet mir dennoch ununterbrochen auch unter Tierschützer- und TierrechtlerInnen die Idee, dass Hunde nur mit Versuch und Irrtum auf Basis von Konditionierung lernen können, dass ihre Handlungsantriebe nur Reizreaktionen oder Triebe und Instinkte sind, dass es da keine Freiheit zur Entscheidung hinter diesen Schlappohren gibt.

Man könnte meinen, das sei ein Streit um des Kaisers Bart. Hunde sind unbestritten leidensfähige Wesen und so muss ihr Leid ethisch eine Rolle spielen. Reicht das nicht? Wozu über Intelligenz und Bewusstsein streiten? Beides wirkt einfach objektiv nicht fassbar. Abgesehen davon, darf es von den kognitiven Fähigkeiten eines Wesens abhängen, ob und wie es ethisch berücksichtigt wird?

Nein. Hier geht’s nicht um des Kaisers Bart. Hier geht es um die wichtigste und essenziellste Frage im Tierschutz: sind Tiere Wesen, wie wir Menschen, die frei entscheiden können und deren Entscheidung zu respektieren ist, oder sind es ganz andere Wesen als wir, die nur mit uns die Leidensfähigkeit teilen, aber ansonsten mehr oder weniger biologische Roboter darstellen, für die man jede Entscheidung zu treffen hat. Einmal führt das zur Forderung nach selbstbestimmten und selbstorganisierten Tiergemeinschaften, oder egalitären Gemeinschaften von Menschen und anderen Tieren, im zweiteren Fall führt das direkt ins Anthropozän, in eine Welt mit dem Menschen als Herrscher oder, netter gesagt, „Gärtner“, der alles zu bestimmen hat, weil er doch alles so viel besser weiß. Während wir für Menschen Mitbestimmung fordern, würde dann bei Tieren die Fremdbestimmung das beste Ziel sein, weil sie ja unfähig wären, für sich den besten Weg zu wählen.

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Als ein Mensch, der seit 3 Jahrzehnten mit Hunden lebt und ununterbrochen aus erster Hand mitbekommt, wie diese Wesen autonom und selbständig und frei sein können, ist mir die Vorstellung, sie auf ihre Leidensfähigkeit zu reduzieren, unbegreiflich. Nein, Mensch und Tier sind nicht grundsätzlich irgendwie anders, der eine frei, das andere unfrei, vernünftig versus unvernünftig, berechenbar versus unberechenbar. Diejenigen, die Tiere oder auch Hunde für fühlende Biomaschinen halten, sollen doch versuchen, ein Computerprogramm zu schreiben, das es ermöglicht, einen Roboter zu betreiben, der sich wie ein Hund verhält, von dem man, wie bei einem Hund, den so überzeugenden Eindruck bekommt, dass man mit ihm ein beidseitig liebendes Verhältnis hat, dass er vernünftig handelt, einen Charakter hat, eine Persönlichkeit. Trotz immer besserer Rechenleistung ist AI noch immer unendlich weit davon entfernt. Woran könnte das liegen? Entweder, dass die Natur einfach so viel besser programmieren kann, oder, dass das Hirn eines Hundes besser ist als der beste Supercomputer heute – oder doch, dass Bewusstsein etwas Anderes ist als ein Computer, als ein lernfähiges Computerprogramm, das sich lediglich nach Versuch und Irrtum selbst verbessert?

Ununterbrochen erlebe ich Entscheidungen meines Hundefreunds Kuksi, die ganz sicher nichts mit Instinkten oder Reizreaktionen zu tun haben. In unserem Zusammenleben fördere ich seine Autonomie und Selbständigkeit, und so wurde er zu einem Wesen, das auch selbst entscheidet und auf sich selbst gestellt die Probleme des Lebens angeht. Vor zwei Wochen wollte ich mit ihm eine Wanderung an einem bestimmten Ort machen. Wir blieben mit dem Auto stehen, aber er weigerte sich, auszusteigen. Er war nicht unfreundlich, aber bestimmt. Ich kann mir vorstellen, wie andere Hundeverantwortliche darin eine Rebellion sehen, die zu brechen ist. Was bildet sich der Hund ein, seine eigene Meinung zu haben? Tja, was bilde ich mir ein, über seine Meinung einfach hinweggehen zu können? Wir sind ein Stückchen weitergefahren, keine 2 km. Dann zeigt er mir an, jetzt will er hinaus. Ich bleibe stehen. Tatsächlich, sofort ist er bereit, los zu wandern. Wir hatten einen wunderschönen Tag.

Na sicher, hör ich die ZweiflerInnen, da hatte er eben an diesem Ort schlechte Erfahrungen gemacht, deshalb wollte er nicht aussteigen. Nein, hatte er nicht. Ach, der Hund hat ja ganz andere Sinne, da hat eben etwas schlecht gerochen irgendwann vorher. Nein, hatte es nicht, wir hatten dort keine schlechten Erfahrungen, er hat dort nie irgendwie negativ reagiert. Er wollte einfach dort an diesem Tag nicht wandern, sondern woanders. Es war eine bewusste Entscheidung von ihm. Und das erlebe ich immer wieder. Er hat einfach eine klare Vorstellung, was er will und was nicht. Sicher, jedes einzelne Beispiel könnte man durch elaborate Konstrukte irgendwelcher Reizreaktionsimpulse „erklären“. Aber in der Menge und Komplexität, in der er ständig agiert, ist das nicht mehr sinnvoll möglich. Kein bestehendes Computerprogramm könnte genau so handeln, wie Kuksi das tut, obwohl es Computer gibt, die in vielen Bereichen wesentlich mehr als er – und ich – können. Aber Bewusstsein und einen freien Willen, das haben sie nicht, und werden sie auch nie haben, wie ich mit Kurt Gödels Unvollständigkeitssatz aus der mathematischen Logik argumentiert habe. Das ist der Unterschied.

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Das Bewusstsein eines Hundes

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Gruß Hubert

 

Veröffentlicht 21. März 2017 von hubwen in Tiere, Tierschutz, Uncategorized

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