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Brutale Menschenversuche ohne Zustimmung der Betroffenen – Verwendung von Daten   Leave a comment

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Dr. Martin Balluch hat einen interessanten Artikel über Tierversuche geschrieben und das bekannte Argument, dass man keine Medikamente verwenden darf, wenn man gegen Tierversuche ist vorgebracht. Außerdem schreibt er auch über einige Menschenversuche, die ohne Zustimmung gemacht wurden. Die wenigsten Menschen wissen, dass Tierversuche sehr oft kontraproduktiv sind.
Im September 1957 ist in Satlykovo, östlich vom Ural in Russland, eine Atombombenfabrik explodiert. Die Regierung hielt diesen Umfall geheim bei dem 41 Dörfer verstrahlt wurden. Man wollte Daten sammeln!

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Hier zum Artikel.

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Welche TierschützerInnen kennen das nicht, das Lieblingsargument der Tierversuchsseite: „Wenn ihr gegen Tierversuche seid, dann dürft ihr auch keine Medikamente verwenden“. Also erstens gibt es ja auch Forschung ohne Tierversuche, ja, wie wir wissen, sind Tierversuche oft sogar kontraproduktiv, siehe New Scientist http://www.martinballuch.com/new-scientist-sagt-tierversuche-sind-der-falsche-weg-in-der-forschung-fuer-menschen/. Aber zweitens sind auch TierexperimentatorInnen hoffentlich für Menschenrechte, also gegen invasive Menschenversuche ohne Zustimmung der Betroffenen. Aha, dann dürften sie auch nicht Dinge verwenden, die von Daten solcher Versuche stammen, oder?


Das Paradebeispiel für Menschenversuche in unseren Breiten ist das Dritte Reich. Zu gern allerdings wiederholt man da die Folklore, dass diese Versuche wissenschaftlich unsinnig waren und nur zur Quälerei dienten. Das ist völlig falsch. Viele dieser Versuche waren wissenschaftlich gesehen sehr sinnvoll und wurden auch in der Forschung und Technik zur Anwendung gebracht. Ein Beispiel ist das sehr hoch fliegende Flugzeug. Das Dritte Reich führte dazu viele Tests an KZ-Häftlingen und Kriegsgefangenen in Unterdruckkammern durch und entwickelte so sichere Kabinen für solche Flugzeuge, die in der Stratosphäre fliegen. Ebenso wurde der Schleudersitz an Menschenversuchen entwickelt und war dann weltweit in Einsatz.

Auch Menschen, die nicht unbedingt tierschutzfeindlich eingestellt sind, mögen oft den Gedanken, dass Versuche an Menschen nie wissenschaftlich sinnvoll gewesen sein können. Vielleicht beruhigt sie der Gedanke, weil er Menschenversuche damit nicht nur unethisch, sondern auch unwissenschaftlich macht. Vielleicht wollen sie einfach, dass ein Umgang dieser Art, wie er typisch für den Umgang von Menschen mit Tieren ist, zwischen Menschen nie wirklich stattgefunden hat, als ob es einen inneren Instinkt gäbe, der das verbietet. Diesen Eindruck gewinne ich auch immer, wenn mir Menschen erzählen, dass es nie Kannibalismus unter Menschen gegeben habe. Warum sollte das wichtig sein? Aber die Leidenschaft, wie diese – eindeutig historisch falsche – These verteidigt wird, weist auf eine ideologische Basis hin. Wieder soll offenbar unterstrichen werden, dass es derart unnatürlich und instinktiv ausgeschlossen sei, dass Menschen routinemäßig andere Menschen essen (also so behandeln, wie wir heute Tiere), dass es nur perverse und abartige Menschen in Ausnahmefällen tun. Das Essen von Menschen sei also krankhaft, das Essen von Tieren natürlich. So diese Doktrin.

Beides ist, wie gesagt, eindeutig falsch. Es gibt unendlich viele Hinweise auf routinemäßigen Kannibalismus unter Menschen, und genauso gibt es zahlreiche Versuche an Menschen, die mit wissenschaftlicher Intention durchgeführt wurden und sinnvoll waren. Selbstverständlich rechtfertigt das beides nicht, wie bei Tieren.

Ich bin gerade wieder auf einen großangelegten Menschenversuch gestoßen, dessen Daten von der Wissenschaft heute verwendet werden. Das it sogar die Titelstory vom New Scientist vom 10. Dezember 2016. Im September 1957 ist in Satlykovo, östlich vom Ural in Russland, eine Atombombenfabrik explodiert. 41 Dörfer der damaligen Sowjetunion waren verstrahlt, ohne es zu wissen. Die Regierung hielt den Unfall geheim, erhob aber Daten von 53.000 Menschen mit Strahlenkrankheit, die zum Teil bis heute beobachtet werden.

Der Chefredakteur im Editorial dieser New Scientist Ausgabe erwägt, ob es moralisch gerechtfertigt ist, diese Daten zu verwenden. Das sei wichtig, meint er, um mehr über Langzeitbestrahlung zu erfahren und Grenzwerte festlegen zu können. Letztlich, so argumentiert er, hat die Vermehrung unseres Wissens und die positiven Konsequenzen für die Menschheit Vorrang. Die Menschen haben nun schon einmal gelitten und sind gestorben, da sei es nun besser, die Daten zu nutzen, sonst wären sie ja umsonst gestorben.

Interessant. Lässt sich eins zu eins auf die Ergebnisse von Tierversuchen heute umlegen. Ich werde dran denken, wenn mir wieder jemand vorhält, warum ich mich nicht weigere, Medikamente zu verwenden.

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Brutale Menschenversuche ohne Zustimmung der Betroffenen – Verwendung von Daten

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Gruß Hubert

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Veröffentlicht 2. Mai 2017 von hubwen in Tierrechte, Tierschutz, Uncategorized

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Tom Regan, ein Pionier der Tierrechtsphilosophie, ist gestorben   Leave a comment

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Ich habe großen Respekt vor Tierrechtlern wie Tom Regan. Denn solche Leute sind große Idealisten. Es ist ja nichts zu verdienen, wenn man sich um Tiere kümmert. Im Gegenteil, immer wieder werden diese Leute immer wieder mit Tierquälereien und Ausbeutung von Tieren konfrontiert. Sie haben auch Gegner, weil sie unweigerlich mit wirtschaftlichen Interessen von Unternehmen kollidieren. Tom Regan ist am 17. Februar verstorben.

Aus martinballuch.com

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Die Tierrechtsbewegung kommt in die Jahre. Einer ihrer großen Mitbegründer, Tom Regan, Universitätsprofessor für Philosophie an der North Carolina State Universität in den USA, starb in den frühen Morgenstunden des 17. Februar 2017 im Alter von 78 Jahren. Sein Studium finanzierte er sich noch als Fleischhauer, doch die Lektüre von Mahatma Gandhis Schriften und seine große Trauer über einen geliebten Hundefreund, der verstorben ist, ließen ihn umdenken. Wenn er gegen unnötige Gewalt ist, so sprach Gandhi zu ihm aus dem Buch „My Experiment with Truth“, was macht dann der tote Körper auf seinem Teller? Tom Regan wurde Vegetarier.

Als er in den frühen 1970er Jahren an der Uni Oxford als Gastprofessor tätig war, traf er auf Peter Singer und die dort aktive Gruppe von PhilosophInnen, die gerade die moderne Tierbefreiungsphilosophie entwickelte. Daraus entstand 1976 zunächst eine Anthologie und danach 1983 sein großes Standardwerk „The Case for Animal Rights“, eine Gegenthese zu Peter Singers Utilitarismus analog zur Menschenrechtsdoktrin. Tom Regan war damit der erste Denker, der Tierrechte auf akademischem Niveau ausformulierte und forderte.

 

Es war 1987, als ich dieses Buch erstmals in den Händen hielt und begeistert verschlang. Damals studierte ich gerade Astrophysik an der Uni Heidelberg und gestaltete als Doktorand die sogenannte Alternative Sommer- und Herbstuni mit, eine Serie von Vorträgen und Seminaren im Uni-Gelände, von Studierenden in den Uniferien organisiert. Mein Beitrag war ein Seminar über Tom Regans Buch, das wir gemeinsam lasen und zu dem wir Zugänge aus verschiedenen Blickwinkeln präsentierten.

Im Jahr 2001 traf ich Tom Regan erstmals persönlich auf der großen Tierrechtskonferenz in Washington DC in den USA. Sein Vortragsstil war sehr inspirierend, im Gegensatz zu den oft emotionslosen Vorlesungen, wie sie an der Philosophie üblich sind. Zuletzt nahm er sogar eine Gitarre zur Hand und sang tierrechtlerische Widerstandslieder. Kurz davor war er Teil einer Besetzung eines Uni-Labors wegen der dortigen Tierversuche gewesen, mit etwa 100 TeilnehmerInnen. Über 24 Stunden hatten sie die Stellung gehalten.

Diese Erfahrung in den USA importierte ich nach Österreich und wir begannen mit unseren großen Tierrechtskongressen hierzulande. Einer unserer ersten Vortragsgäste: Tom Regan. Besonders ist mir in Erinnerung, dass er auf die Frage, wo er die Grenze ziehe zwischen jenen Wesen, die als „Subjekte eines Lebens“ durch Tierrechte geschützt sind, und jenen, für die das nicht gilt, antwortete, wo man auch immer diese Grenze ziehe, sie müsse mit Beistift gezogen werden, sodass man sie jederzeit ausradieren und korrigieren könne.

Zweimal war er in Österreich zu Besuch, soweit ich mich erinnern kann. Die Erfolge unserer Tierschutzkampagnen hatten sich da schon bis zu ihm durchgesprochen. So brachte er mir sein Buch „Defending Animal Rights“ mit einer eigenen Widmung für mich mit. Ich halte es bis heute in Ehren, obwohl ich das Buch zu dem Zeitpunkt bereits längst gekauft und gelesen hatte.

Als wir 2008 von einer SOKO-Tierschutz überfallen und in Untersuchungshaft gesperrt wurden, war Tom Regan entsetzt. Fern aus den USA schickte er von sich aus ein Schreiben an den Bundeskanzler und den Bundespräsidenten von Österreich und forderte, dass wir umgehend freigelassen werden müssen. Der Text lässt etwas von seinem unnachahmlichen Vortragsstil anklingen:

Siehe Brief im Link unten.

[…]

Er war zweifellos ein Mensch mit viel Herz und Hirn, ein wichtiger Motor für die Bewegung für Tiere weltweit. Er war voller Emotion, wenn es um Tierleid ging, und gleichzeitig sachlich und rational in seinen Argumenten. Er war einer jener wenigen Philosophen, die nicht nur im Elfenbeinturm theoretisieren, sondern sich auch praktisch engagieren. Im Jahr 2002 verfasste er eine Liste der 11 wichtigsten nächsten Ziele in der Tierschutzarbeit:

– Wildtierverbot im Zirkus
– Verbot von Delphinarien
– Verbot der Gatterjagd
– Verbot von Hunderennen
– Verbot von Pelzfarmen
– Ende der Seehundmassaker
– Ende der verpflichtenden Dissektion in Schulklassen
– Verbot von Tierversuchen an Hunden
– Verbot von Toxizitätstests an Tieren
– Ende der Tötung von Streunerhunden
– Ende des Verkaufs von Streunerhunden und -katzen an Tierversuchslabors

Mit einigem Stolz kann ich sagen, dass wir nach vielen Jahrzehnten mühevoller Kampagnenarbeit in Österreich die meisten dieser Forderungen tatsächlich erreicht haben. Nur bei Tierversuchen haben wir bisher versagt, da herrschen noch immer Willkür und Narrenfreiheit für die Tierversuchsindustrie. Visionär von Regan, solche kleinen Schritte vorzuschlagen, und damit zu unterstreichen, dass unser Weg zu Tierrechten über pragmatische Reformen geht. Ich sehe das auch so.

Als Vermächtnis bleiben uns seine inspirierenden Auftritte, seine praktischen Ideen zum Schutz von Tieren, seine detailliert und äußerst differenziert ausgearbeitete Philosophie von Tierrechten analog zu Menschenrechten und seine zahlreichen Schriften, die es immer wert sind, erneut gelesen zu werden.

Hier weiterlesen:

Tom Regan, ein Pionier der Tierrechtsphilosophie, ist gestorben

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Gruß Hubert

 

Veröffentlicht 11. April 2017 von hubwen in Tiere, Tierschutz, Uncategorized

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Sind der Tod eines Menschen und eines Tieres so anders?   Leave a comment

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Es ist schon verwunderlich welch seltsame Blüten manche menschliche Gehirne hervorbringen. Da wird gesagt, Betäubung, Sterilisation und Transport von Damhirschen und Mufflons seien zu stressig, der Tod sei weniger schlimm.
Hier einige Aussagen und Erklärungen zum Thema „Gatter“.

Auszug.
Skandal: Rehe im Gatter, die aus Angst vor Hunden gegen Zaun springen, keine Tierquälerei?

Erstmals in der letzten Jagdsaison hat eine Tierschutzorganisation zahlreiche Gatterjagden dokumentieren und an die Öffentlichkeit bringen können. Besonders dramatisch war dabei jene Treibjagd im Gatter mittels Jagdhundemeuten und Treiberkolonnen in Ernstbrunn, bei der insgesamt 3 Rehe während ihrer Schonzeit so in Todesangst versetzt wurden, dass sie immer wieder gegen den Gatterzaun sprangen und sich dabei schwer verletzten. Den VGT-AktivistInnen gelang es, diese Tierquälereien zu filmen.
http://vgt.at/presse/news/2016/news20160302es.php

Schock-Video zeigt Leid der Gatter-Rehe

http://www.heute.at/news/oesterreich/Wirbel-um-Film-von-Gatter-Rehen;art23655,1263550

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Hier aber nun zum Artikel von Martin Balluch.

Sind der Tod eines Menschen und eines Tieres so anders?

Kürzlich habe ich mit dem Betreiber eines Schaugatters, in dem sich einige Damhirsche und Mufflons befinden, über dessen Auflösung diskutiert. Das Gatter soll geschlossen werden, aber wohin mit den Tieren? Mein Vorschlag: betäuben, sterilisieren und in einen Lebenshof transportieren. Der Gegenvorschlag: aus kurzer Distanz schmerzfrei erschießen. Das Argument dafür? Betäubung, Sterilisation und Transport seien zu stressig, abgesehen davon würden die Tiere dann, wenn sie in 10 Jahren alt werden, an Altersschwäche leiden und vielleicht einsam sein.


Das ist für mich ein schon sehr seltsamer Gedanke, dass der Tod weniger schlimm sein soll, als Betäubung, Sterilisation und Transport. Ich glaube dem Gatterbetreiber aber, dass er das Ernst meint. Die EU-Richtlinie 2063/10 über Tierversuche wertet es als den geringsten Schaden für die Versuchstiere, wenn sie nach dem Tierversuch aus ihrer Betäubung nicht mehr aufwachen sondern getötet werden. Ein geringerer Schaden als „wenig Leid“, das z.B. durch einen Nadelstich ausgelöst wird. Bei Menschen würden wir doch niemals so reden, laut Strafgesetzbuch ist der schmerzfreie Mord im Schlaf schlimmer zu bewerten, als eine langanhaltende Folter, wenn diese nicht mit dem Tod endet. Woher dieser Unterschied?

Bei einer Tierversuchsdiskussion an der Uni Innsbruck verglich ich einmal medizinische Versuche an Tieren mit jenen an Menschen. Der Vertreter der Tierversuchsseite war entsetzt. Auf meine Frage, was der Unterschied sei, sagte er, dass die Bibel den Menschen als Ebenbild Gottes bezeichne. Naja, und ist der Schimpanse nicht Ebenbild des Menschen? Ist die Evolution nicht kontinuierlich? Aber über Religion lässt sich bekanntlich ewig streiten, weshalb wir die Trennung zwischen Staat und Kirche eingeführt haben. Für eine Begründung der gesetzlichen Praxis bleibt uns ein Rekurs zur Bibel also verwehrt.

Das Zivilrecht, mit seiner Trennung in Menschen als Personen und Tieren als Sachen, bzw. nach § 285a ABGB mittlerweile nur noch als Entitäten, die wie Sachen zu behandeln sind, ist auf Immanuel Kant zurückzuführen. Tatsächlich argumentiert er explizit religionsunabhängig, zumindest seiner Auffassung nach. Kant war der Ansicht, dass nur die Vernunft eine freie Willensentscheidung ermöglicht. Unsere Triebe und Affekte lassen in uns die Lust so oder so zu handeln aufquellen, aber mit der Vernunft können wir das abwägen und uns gegebenenfalls anders entscheiden. Die Vernunft, so Kant, macht also den Unterschied zwischen einem Wesen mit freiem Willen und einer Biomaschine aus. Und diese Vernunft hat man entweder ganz oder gar nicht. Menschen hätten sie ganz, Tiere gar nicht. Deshalb wären letztere Biomaschinen. Das mache sie austauschbar, reduziere sie auf einen rein instrumentellen Wert für Menschen und Tierschutz bestünde dann darin, Tieren möglichst viel Leid zu ersparen. Der schmerzfreie Tod von Tieren wird damit völlig moralisch irrelevant.

Kant wusste aber noch nichts von der Evolution. Vernunft gibt’s auch graduell, sonst könnten Menschenkinder nicht von Null (bei der Empfängnis) bis zur vollen Eigenverantwortung (Volljährigkeit) eine graduelle Entwicklung durchlaufen. Mein Hundefreund Kuksi ist definitiv vernünftig, wenn er bei schwierigen Verhältnissen auf einer Bergtour umdrehen will oder wenn er entscheidet, ob er diese oder jene Kletterei riskieren will, ob er über die Straße laufen oder sich zurückhalten soll, ob er ein Essen grabschen oder ein Tier jagen soll oder nicht usw. Kuksi kann ohne jeden Zweifel bewusste Entscheidungen fällen, und darum geht es hier eigentlich. Er kann verschiedene Optionen abwägen und sich für eine entscheiden. Dieselbe Art von Freiheit, wie bei uns Menschen. Und dass Freiheit an sich für ihn relevant ist, zeigt sich darin, dass er sich ganz anders verhält, wenn er angeleint ist oder im Auto am Sicherheitsgurt hängt, oder nicht. Er ist sich bewusst, angehängt zu sein, ohne dass er durch Bewegung bis ans Leinenende stoßen muss und dadurch zurückgehalten wird. Er hat von sich einen Begriff, frei oder angehängt zu sein.

Peter Singer kommt zu einem ähnlichen Schluss wie Kant, aber auf einem anderen Weg. Er meint, Tiere (bis auf wenige Ausnahmen wie Menschenaffen) würden nur im Moment, nicht aber in der Zeit leben. Sie hätten keine Zukunftsplanung, keine Erwartungen, keine Hoffnungen. Sie überraschend und schmerzfrei zu töten, sei daher für sie kein Verlust und daher moralisch irrelevant. Komisch nur, dass mein Hundefreund Kuksi sehr wohl in der Zeit lebt. Wenn ich ihm sage, dass wir wandern gehen, dann freut er sich schon darauf, auch wenn ich erst zu packen beginne. Wenn ich ihm erkläre, dass ich leider ohne ihn weggehen müsse, dann wird er traurig und zieht sich zurück, auch wenn ich noch 10 Minuten lang im Raum bleibe. Wenn ich Kuksi bitte, heute unsere Wanderung anzuführen, dann arrangiert er z.B. eine 3 stündige Tour, die uns wieder nach Hause zurück bringt. Und wenn ich ihm gesagt habe, dass ich weggehen muss, aber dann 5 Minuten später wiederkehre, weil ich etwas vergessen habe, dann hebt er nicht einmal die Augenbrauen. Ganz anders, wenn ich zurückkehre, um zu bleiben, dann begrüßt er mich herzlich und freut sich. Keine Frage, er versteht, dass beim Abschied für eine längere Zeit die Rückkehr nach 5 oder 10 Minuten nicht dauerhaft sein kann. Er lebt also in der Zeit.

Ich glaube, aus dieser Vorstellung von Hunden als zeitlos, mit rein spontanen Entscheidungen ohne Überlegung, und damit unvernünftig, wird gefolgert, dass Hunde so unberechenbar wären. Deshalb müsse man sie immer anhängen und ihnen einen Beißkorb geben usw. Man wisse ja nie, was in ihnen vorgeht. Ich lebe mit einem vernünftigen Hund zusammen. Er ist völlig berechenbar und vertrauenswürdig. Genauso, wie ich sehr gut verstehe, was zu einem jeweiligen Zeitpunkt in ihm vorgeht, so versteht er auch mich und hat an mich Erwartungen. Ein Zusammenleben in gegenseitiger Abhängigkeit, wie zwischen uns, wäre sonst nicht möglich.

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Ein Beispiel. In einer Pause eines Tierschutzworkshops gehen wir zusammen – wie immer leinenfrei – auf die Straße. Kuksi läuft auf eine kleine Grasfläche vor einer Kirche zu, die von einem halbhohen Zaun mit spitzen Enden umgeben ist. Er will darüber springen, wägt ab, schaut zu mir und fragt mich um Rat. Ich verstehe ihn sofort, entdecke hinter ihm um die Ecke ein größeres Stück Wiese ohne Zaun und zeige dorthin. Er dreht sich um, sieht die Wiese auch und läuft sofort in diese Richtung. Hätte ich nicht verstanden, dass er auf das Gras wollte, und er nicht, dass ich ihm ein leichter erreichbares Gras gezeigt habe, dann wäre die Kommunikation nicht gelungen. Hätten wir ständig Missverständnisse wäre unser Zusammenleben niemals so harmonisch und rund. Ich bin mir daher sicher, dass Kuksi in der Zeit lebt und dass er vernünftig und bewusst entscheiden kann, im Rahmen seiner Möglichkeiten. Sein Tod wäre der größte Schaden, den man ihm antun kann.

Im Alter von 4 Jahren wurde bei Kuksi Lymphknotenkrebs entdeckt. Ohne zu zögern haben wir uns für eine Chemotherapie entschieden. 14 Monate lang musste er die Chemikalien nehmen. Mir hat das € 8.000 gekostet. Der Sprecher einer Bergbauernorganisation, für Tierschutz sehr aufgeschlossen, zeigte damals großes Unverständnis: mit den € 8.000 hätte ich viele Hunde aus Serbien retten können, Kuksi hätte ich schmerzfrei euthanisieren müssen. Aber Kuksi ist nicht irgendwer, er ist mein bester Freund. Sein Leben ist einzigartig, viel mehr als jedes Geld wert. Er ist unersetzbar. Und auch für ihn war die Chemotherapie die richtige Wahl. Wir haben den Krebs besiegt und er ist nun bald 10 Jahre alt und hat unzählige glückliche Stunden erlebt.

Nein, weder emotional noch intellektuell kann ich den Tod eines Menschen und eines Tieres grundsätzlich anders bewerten.

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Sind der Tod eines Menschen und eines Tieres so anders?

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Gruß Hubert

 

 

Veröffentlicht 1. April 2017 von hubwen in Tiere, Tierschutz, Uncategorized

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„Philosoph“ Georg Geismann hält Tiere heute noch nur für Sachen   Leave a comment

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Ich kann nur staunen welche A… lö… es unter Philosophen gibt, wie zum Beispiel dieser Philosoph Georg Geismann. Er ist 1935 geboren aber immer noch nicht gescheiter geworden – und wird es auch sicher nicht mehr.
Er sagt, dass das Tier eine Sache ist, weil es nach ihm keine Vernuft hätte.
Wenn ich mir aber Menschen und Tiere so anschaue, frage ich mich wer mehr Vernunft hat bzw. was der Mensch so mit seiner „Vernuft“ macht. Man denke nur an Atomwaffen, bio-chemische Waffen, zum Beispiel Giftgas, Tretminen, die Liste ist lange noch nicht vollständig. Keine Maus ist so abartig, dass sie eine Mausefalle bauen würde. Aber die angebliche „Krone der Schöpfung“. Ich frage mich wie viel da der Schöpfer wert ist.
Dann auch noch das Ersinnen von grausamsten Foltermethoden. Kein Tiere käme auf so eine Idee.

Tiere haben eine Seele und zehn mal Vernunft als dieser angebliche Philosoph Geismann – und viele andere Menschen. Wer lädt so einen ……… überhaupt an die Uni Wien ein, frage ich mich auch noch.

Jetzt aber zu einer Abhandlung von einem gescheiteren Menschen, von Martin Balluch (der sein DDr. in seiner Bescheidenheit immer weglässt, was so aufgeblasene Menschen wie die Geismanns dieser Erde nie tun würden).

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Unfassbar: Plädoyer für Tiere als Sachen von Georg Geismann an der Uni Wien!

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Seit 1989 steht im Österreichischen Allgemeinen Bürgerlichen Gesetzbuch, dem Zivilrecht, in Paragraph 285a der Satz „Tiere sind keine Sachen“. Zwar, wir wissen es alle, wird das im nächsten Satz desselben Paragraphen relativiert, dass also auf Tiere dennoch bis auf Weiteres das Sachenrecht anzuwenden ist, und zwar wissen wir ebenso, dass § 285 a bisher in allen Gerichtsverfahren, in denen wir ihn zu verwenden versucht haben, keine konkrete Anwendung hatte, er sozusagen als Nullgesetz ohne Konsequenz gehandelt wird, so ist doch unbestritten, dass der parlamentarischen Entscheidung zu § 285a eine politische Botschaft zugrunde liegt: es ist falsch, Tiere als Sachen anzusehen. Tiere sind de facto keine Sachen, sie können fühlen, erleben die Welt subjektiv bewusst und können daher auch bewusste Entscheidungen auf Basis dieser Erlebnisse treffen. D.h. sie haben eine Persönlichkeit, die ihre eigene Sicht auf die Welt bedingt und die ihre Entscheidungen, wie sie handeln wollen, prägt.

Man möchte doch meinen, dass das mittlerweile zum Allgemeinplatz geworden sein muss. Wer, bitte schön, würde heute noch Tiere als Sachen sehen? Der Umgang mit Tieren als Sachen ist eine Altlast aus einer Zeit, in der Tierschutz noch nichts galt. Unser aller Aufgabe im Tierschutz ist es, diese Altlast abzubauen und Tieren jenen von Sachen verschiedenen Status im Rechtssystem zu geben, der ihnen zusteht, weil sie keine Sachen sind. Die Widerstände dagegen sind hauptsächlich wirtschaftlicher Natur. So habe ich das bisher jedenfalls gesehen.

Am Donnerstag den 10. November 2016 hat an der Uni Wien ein Gastvortrag von Georg Geismann zum Thema „Kants Moralphilosophie und die Pflichten in Ansehung der Tiere und der vernunftlosen Natur überhaupt“ stattgefunden. Ich habe mir das angehört und mir gingen die Augen über. Geismann argumentierte, dass Menschen und andere Tiere (seine Formulierung) einmal Naturwesen sind, die leiden können und in verschiedener Abstufung intelligent sind. Das sind natürliche Fähigkeiten, die sie miteinander mehr oder weniger teilen, in denen sie sich jedenfalls nur graduell unterscheiden. Als Naturwesen unterliegen Menschen und andere Tiere den Naturgesetzen und sind nur Sachen, ihr Wert ist instrumentell, sie haben einen Preis, keine Würde. Doch darüber hinaus sind Menschen im Gegensatz zu den anderen Tieren auch Vernunftwesen. Über die Vernunft können sie die Welt von wahr und falsch bzw. von gut und böse erschließen, und sich dadurch selbst Zwecke setzen. Das macht sie zu Zwecken an sich, sie haben nicht nur einen instrumentellen Wert, d.h. einen Preis, sondern auch eine Würde. Sie sind also Personen im Gegensatz zu den anderen Tieren, die mangels metaphysischer Vernunft nur Sachen bleiben.

Nun, dass der alte Kant so argumentiert hat, ist mir bekannt, schreibe ich darüber doch lang und breit in meinem Buch „Der Hund und sein Philosoph“. Aber wenn man dann jemandem im Jahr 2016 gegenübersteht, der diese These heute noch verbreitet und unumstößlich für richtig hält, fühlt sich das ganz anders an. Keine Rede mehr von Evolution, von einer kontinuierlichen Entwicklung zu mehr und mehr Vernunft, sondern eine knallharte Dichotomie: Menschen haben volle Vernunft, andere Tiere gar keine, und Punkt.

Aber wie ist das mit Kindern, geistig Verwirrten – man erinnere sich an den Buttersäureattentäter, dem vom Gericht attestiert wurde, er sei nicht schuldfähig und könne daher für seine Angriffe auf uns nicht bestraft werden – oder senilen Alten? Haben die Vernunft? Geismann drückt sich herum. „Wollen Sie, dass andere Menschen darüber entscheiden können, ob Sie rechtsfähig sind oder nicht?“, fragt er, und zaubert damit einen neuen subjektiven Wert aus dem Hut. Wohin das führe, habe man schon gesehen, meint er dann, und bezieht sich auf den Holokaust. Würde man also nicht allen Menschen den Status als Person und Rechtsträger geben, dann hätte das furchtbare Konsequenzen – er meinte das führe zu Chaos – und daher erhielten alle vernunftlosen Wesen, die zu einer „Art“ gehören, die „normalerweise“ Vernunft hat, sozusagen ehrenhalber den Personenstatus.

Mit demselben Argument müsste man dann aber auch den anderen Tieren den Personenstatus verleihen, meinte ich in der Diskussion nach dem Vortrag. Oder wie würden Sie sich fühlen, wenn über ihren Rechtsstatus andere entscheiden? Abgesehen davon sehen wir, wohin das führt, nämlich zu Massentierhaltung, 65 Milliarden Schlachtungen pro Jahr, Abschüssen gezüchteter Fasane zum Spaß und Tierversuchen. Nein, nein, nein, meint Geismann nun ganz unkantianisch, Tiere könnten nicht reziprok Pflichten übernehmen, dürften daher auch keine Rechte haben. Aber Kinder auch nicht, sage ich. Wollen Sie Kindern den Personenstatus nehmen?

Abgesehen davon, belehrt uns Geismann, haben Tiere kein Bewusstsein. Sie können nichts entscheiden und natürlich nicht zwischen gut und böse oder wahr und falsch unterscheiden. „Kann Ihr Hund den pythagoräischen Lehrsatz verstehen?“, fragt mich Geismann. Na eben. Also keine Rechte. Jetzt hängt es schon von der Fähigkeit ab, Mathematik zu verstehen, um Rechte zu bekommen – außer man gehört der Tierart „Mensch“ an, dann natürlich ist man Rechtsträger ohne weitere Fragen.

Zu Geismanns unendlichem Erstaunen erkläre ich ihm, dass Tiere sehr wohl ein Bewusstsein haben. Es ist mittlerweile durch die Cambridge Deklaration offiziell, dass die Fähigkeit Schmerzen bewusst zu erleben, zumindest sämtliche Wirbeltiere und Kopffüsser teilen. Und wozu, bitte schön, soll sich evolutionär Bewusstsein entwickelt haben, wenn nicht um durch eine bewusste Entscheidung das Verhalten beeinflussen zu können? Also müssen alle Lebewesen mit Bewusstsein die Fähigkeit haben, sich bewusst für das eine oder andere zu entscheiden. Im Grundsatz nicht anders als die Menschen. Die subjektive Einschätzung, was gut oder böse ist, entsteht dann durch die Sozialisation, die sozialen Regeln und Normen, die wir in der Kindheit internalisieren. Und genau das können natürlich Hunde auch, die mit uns aufwachsen.

Nein, nein, sagt Geismann, Hunde sind reine Biomaschinen, die können nichts entscheiden, da laufen nur Programme ab. Aber mein Hundefreund Kuksi z.B., argumentiere ich, geht oft leinenfrei auf dem Gehsteig, sieht auf der anderen Straßenseite einen Hund, fühlt den Impuls hinüber zu laufen, beherrscht sich bewusst und bleibt da. „Na weil Sie ihn sonst schlagen würden!“, ruft Geismann. Unsinn, ich schlage Kuksi nicht und gebe ihm nicht einmal Leckerlis, um ihn zu konditionieren. Auch wenn er ganz alleine auf der Straße herumgeht, läuft das ähnlich ab, wie ich aus der Ferne beobachten konnte. Er versteht einfach, dass die Fahrbahn gefährlich ist, und läuft nur hinüber, wenn es sicher ist, ansonsten hält er sich zurück. Und dass das eine bewusste Entscheidung ist, erkenne ich daran, dass er sich bei großem emotionalem Stress manchmal nicht zurückhalten kann – wie wir Menschen auch.

Hunde können sich durchaus schlecht behandelt fühlen. Wenn Kuksi meint, ich habe die sozialen Regeln missachtet, ihn also böse oder falsch behandelt, dann schmollt er, zeigt mir stundenlang die kalte Schulter oder schnappt laut mit dem Kiefer in der Luft. Hunde haben ein Verständnis für Gerechtigkeit. Wenn ein Hund für eine Reaktion ein Leckerli bekommt, ein anderer daneben trotz selber Reaktion nicht, dann wird letzterer die weitere Zusammenarbeit aufkündigen.

Nein, für Geismann gibt es so etwas nicht. Hunde sind Biomaschinen und Punkt. Sie können nichts bewusst entscheiden, das gesamte Verhalten ist nur Reizreaktion. Tiere sind und bleiben Sachen und das sei gut so.

Soweit ein Universitätsprofessor für Philosophie.

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„Philosoph“ Georg Geismann hält Tiere heute noch nur für Sachen

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Gruß Hubert

Veröffentlicht 30. März 2017 von hubwen in Tiere, Tierschutz, Uncategorized

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Das Bewusstsein eines Hundes   2 comments

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Es ist schon erstaunlich was ein Mensch zum Beispiel bei einem Hund welche Fähigkeiten entdecken kann. Vorausgesetzt er beobachtet den Hund genau und auch mit Liebe. Ein Mensch, der sich als Krone der Schöpfung sieht, kann das selbstverständlich nicht entdecken. Aber so ein Mensch will auch nicht einsehen, dass der Mensch auch nur aus dem Tierreich hervorgegangen ist. Von den Kreationisten, die die Evolutionslehre von Charles Darwin bestreiten, will ich gar nicht erst reden.

Aber zurück zum Tierfreund Martin Balluch, der eine äußerst innige Beziehung zu seinem Hundefreund Kuksi hat.

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Wenn ein Hund bewusst entscheidet

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In meinem Buch „Der Hund und sein Philosoph“ argumentiere ich, dass Hunde autonome und vernünftige Wesen sind, die bewusst entscheiden können, ganz unabhängig von ihrer Konditionierung. Ich hatte eigentlich gedacht, dass die Argumente dafür klar und deutlich dargelegt wurden und kein Zweifel mehr bestehen bleibt. In der Praxis begegnet mir dennoch ununterbrochen auch unter Tierschützer- und TierrechtlerInnen die Idee, dass Hunde nur mit Versuch und Irrtum auf Basis von Konditionierung lernen können, dass ihre Handlungsantriebe nur Reizreaktionen oder Triebe und Instinkte sind, dass es da keine Freiheit zur Entscheidung hinter diesen Schlappohren gibt.

Man könnte meinen, das sei ein Streit um des Kaisers Bart. Hunde sind unbestritten leidensfähige Wesen und so muss ihr Leid ethisch eine Rolle spielen. Reicht das nicht? Wozu über Intelligenz und Bewusstsein streiten? Beides wirkt einfach objektiv nicht fassbar. Abgesehen davon, darf es von den kognitiven Fähigkeiten eines Wesens abhängen, ob und wie es ethisch berücksichtigt wird?

Nein. Hier geht’s nicht um des Kaisers Bart. Hier geht es um die wichtigste und essenziellste Frage im Tierschutz: sind Tiere Wesen, wie wir Menschen, die frei entscheiden können und deren Entscheidung zu respektieren ist, oder sind es ganz andere Wesen als wir, die nur mit uns die Leidensfähigkeit teilen, aber ansonsten mehr oder weniger biologische Roboter darstellen, für die man jede Entscheidung zu treffen hat. Einmal führt das zur Forderung nach selbstbestimmten und selbstorganisierten Tiergemeinschaften, oder egalitären Gemeinschaften von Menschen und anderen Tieren, im zweiteren Fall führt das direkt ins Anthropozän, in eine Welt mit dem Menschen als Herrscher oder, netter gesagt, „Gärtner“, der alles zu bestimmen hat, weil er doch alles so viel besser weiß. Während wir für Menschen Mitbestimmung fordern, würde dann bei Tieren die Fremdbestimmung das beste Ziel sein, weil sie ja unfähig wären, für sich den besten Weg zu wählen.

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Als ein Mensch, der seit 3 Jahrzehnten mit Hunden lebt und ununterbrochen aus erster Hand mitbekommt, wie diese Wesen autonom und selbständig und frei sein können, ist mir die Vorstellung, sie auf ihre Leidensfähigkeit zu reduzieren, unbegreiflich. Nein, Mensch und Tier sind nicht grundsätzlich irgendwie anders, der eine frei, das andere unfrei, vernünftig versus unvernünftig, berechenbar versus unberechenbar. Diejenigen, die Tiere oder auch Hunde für fühlende Biomaschinen halten, sollen doch versuchen, ein Computerprogramm zu schreiben, das es ermöglicht, einen Roboter zu betreiben, der sich wie ein Hund verhält, von dem man, wie bei einem Hund, den so überzeugenden Eindruck bekommt, dass man mit ihm ein beidseitig liebendes Verhältnis hat, dass er vernünftig handelt, einen Charakter hat, eine Persönlichkeit. Trotz immer besserer Rechenleistung ist AI noch immer unendlich weit davon entfernt. Woran könnte das liegen? Entweder, dass die Natur einfach so viel besser programmieren kann, oder, dass das Hirn eines Hundes besser ist als der beste Supercomputer heute – oder doch, dass Bewusstsein etwas Anderes ist als ein Computer, als ein lernfähiges Computerprogramm, das sich lediglich nach Versuch und Irrtum selbst verbessert?

Ununterbrochen erlebe ich Entscheidungen meines Hundefreunds Kuksi, die ganz sicher nichts mit Instinkten oder Reizreaktionen zu tun haben. In unserem Zusammenleben fördere ich seine Autonomie und Selbständigkeit, und so wurde er zu einem Wesen, das auch selbst entscheidet und auf sich selbst gestellt die Probleme des Lebens angeht. Vor zwei Wochen wollte ich mit ihm eine Wanderung an einem bestimmten Ort machen. Wir blieben mit dem Auto stehen, aber er weigerte sich, auszusteigen. Er war nicht unfreundlich, aber bestimmt. Ich kann mir vorstellen, wie andere Hundeverantwortliche darin eine Rebellion sehen, die zu brechen ist. Was bildet sich der Hund ein, seine eigene Meinung zu haben? Tja, was bilde ich mir ein, über seine Meinung einfach hinweggehen zu können? Wir sind ein Stückchen weitergefahren, keine 2 km. Dann zeigt er mir an, jetzt will er hinaus. Ich bleibe stehen. Tatsächlich, sofort ist er bereit, los zu wandern. Wir hatten einen wunderschönen Tag.

Na sicher, hör ich die ZweiflerInnen, da hatte er eben an diesem Ort schlechte Erfahrungen gemacht, deshalb wollte er nicht aussteigen. Nein, hatte er nicht. Ach, der Hund hat ja ganz andere Sinne, da hat eben etwas schlecht gerochen irgendwann vorher. Nein, hatte es nicht, wir hatten dort keine schlechten Erfahrungen, er hat dort nie irgendwie negativ reagiert. Er wollte einfach dort an diesem Tag nicht wandern, sondern woanders. Es war eine bewusste Entscheidung von ihm. Und das erlebe ich immer wieder. Er hat einfach eine klare Vorstellung, was er will und was nicht. Sicher, jedes einzelne Beispiel könnte man durch elaborate Konstrukte irgendwelcher Reizreaktionsimpulse „erklären“. Aber in der Menge und Komplexität, in der er ständig agiert, ist das nicht mehr sinnvoll möglich. Kein bestehendes Computerprogramm könnte genau so handeln, wie Kuksi das tut, obwohl es Computer gibt, die in vielen Bereichen wesentlich mehr als er – und ich – können. Aber Bewusstsein und einen freien Willen, das haben sie nicht, und werden sie auch nie haben, wie ich mit Kurt Gödels Unvollständigkeitssatz aus der mathematischen Logik argumentiert habe. Das ist der Unterschied.

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Das Bewusstsein eines Hundes

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Gruß Hubert

 

Veröffentlicht 21. März 2017 von hubwen in Tiere, Tierschutz, Uncategorized

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Tierrechte – Säuberung von politischer Ideologie   Leave a comment

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In vielen Dingen bin ich mit Ulrich Dittmann einer Meinung, wenn mir auch der Begriff vom Gutmenschentum nicht gefällt. Dieser wird ja gerne aus der rechte Ecke in der Intention verwendet, um weniger „Hartgesottene“ abzuwerten und lächerlich zu machen. Allgemein scheint mir Dittmann schon ein wenig rechtslastig zu sein. Aber mir geht es um die Tiere und da zählt für mich, wer versucht die Sache zum Guten der Tiere weiterzubringen. Wenn linke Grüppchen versuchen einen Tierrechtsethiker wie Dr. Helmut Kaplan zum Feindbild erklären, dann kann ich diese nur scharf verurteilen.

Hier ein Artikel von Ulrich Dittmann bei Fellbeisser.net

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Bildquellenangabe: Jürgen Nießen / pixelio.de
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Ernsthafte Tierfreunde werden beständig von vielerlei Tierschutzzeitungen, Magazinen, Mitgliederbroschüren, oder mit Internetinformationen flächendeckend schlicht überrollt.
Die – ihrem Herzensbedürfnis folgend – ohnehin umfassend informierten Tierfreunde lesen so vielfach immer die gleichen bekannten Beiträge von immer den gleichen bekannten Autoren über die immer gleichen schrecklichen Tierschindereien. Andere Bevölkerungsteile hingegen erhalten kaum gezielt nachhaltige Informationen über all das Tierelend.

Doch ALLE Menschen, ob gut oder böse, dumm oder gescheit, atheistisch oder religiös, dem christlichen, buddhistischen, islamischen oder mosaischen Glauben zugehörig, politisch links oder rechts stehend, haben Anspruch, über alle Tierquälereien aufgeklärt zu werden – MÜSSEN im Sinne der Sache aufgeklärt werden. Beispielsweise über perverse sinnlose Tierexperimente, das Verkrüppeln der Wildtiere in Fallen und bei der Jagd, über die Qualen der Tiere in den KZ-Massentierhaltungen (Lt. OLG Düsseldorf RdL 1977, 42 f. – rechtmäßige Titulierung für Tierhaltung in Engstkäfigen) bei Transport und Schlachtung, oder über die Schinderei des betäubungslosen Schächtens, usf.

Oder nicht? Darf nur eine ganz bestimmte auserwählte Bevölkerungsschicht, eine gewisse ethische oder geistige Elite – resp. die, die sich dafür hält – in Tierschutzdingen informieren oder Informationsbegehren beanspruchen? Darf nur eine “politisch-korrekte” Medien-Phalanx Information betreiben oder Kritik üben? Und dies auch nur in ganz bestimmten auserwählten Druckorganen oder Internetplattformen?
Niemand hat die Weisheit gepachtet, doch dieses Monopol wird leider besonders gerne vom links positionierten intellektuellen Möchte-gern-Gutmenschentum beansprucht.

Aber es besteht kein Anlass, nur einigen Auserwählten, in auserwählten Medien eine ausgewählte Informationsgebung, oder Wehklage-Erlaubnis zuzubilligen. Das heißt, es ist richtig und wichtig, gerade dort in der Öffentlichkeit Tierschutzthemen zu platzieren, wo bisher solche Tierschutz-Themen weitgehend negiert wurden. Konkret: Es darf keine Berührungsängste geben, beispielsweise (auch) in Fleischerzeitungen, Jagdmagazinen, Pharmazeitschriften etc. oder linken und rechten Presseorganen und Partei-Infoblättern, in verschiedensten Internetforen unser Anliegen “den Tierschutz – die Tierrechte” immer wieder ins Licht der Öffentlichkeit zu rücken.

(Anmerkung: da muss ich U. Dittmann widersprechen. Was soll der Unsinn den Kontakt mit Tierschutzthemen auch bei „Fleischerzeitungen“ und Jagdmagazinen oder auch Pharmazeitschriften zu suchen. Die sind nicht einsichts-fähig und auch nicht -willig. Da kann ich nur den Kopf schütteln).

Ernsthaft betriebener Tierschutz orientiert sich grundsätzlich weder an “links” noch an “rechts” – sondern am Geradeaus.
Und nur wo man sich politisch und gesellschaftlich offen und frei artikulieren und positionieren kann, kann man auch von Demokratie sprechen. Wo jedoch eine omnipräsente Meinungsdiktatur inflationär die Political-Correctness-Zuchtrute schwingt, ist man von diesem Ideal weit entfernt.
Wenn es eine “Mitte” gibt, gibt es zwangsläufig auch ein “links” und “rechts” – und keine politische Einstellung muss per se gut oder schlecht sein. Wer weit rechts steht, für den ist bereits die CDU ein “linker Haufen”. Umgekehrt sieht mancher Linksextreme bereits die SPD im Sumpf des Rechtsradikalismus versinken. Der Standpunkt macht eben die Sichtweise aus – und zersplittert tragischerweise die ohnehin schwache Tierschutzbewegung noch mehr.
Selbstredend ist Distanzierung von jeglichen extremistischen, gewalttätigen Gruppierungen unabdingbar – denn für die Opfer ist es gewiss nebenrangig, ob ihnen von linken, rechten oder religiösen Radikalen und Fanatikern und dem in ihrem Dunstkreis marodierenden Pöbel die Zähne eingeschlagen werden. Siehe z.B. die alljährlich stattfindenden, mittlerweile “rituellen” 1.Mai-Kravalle der sogenannten “autonomen” Linken – mit vielen Verletzten – in Berlin.

Grotesk und schlicht Schnappatmung erzeugend das Verhalten auch linker Grüppchen von gewalttätigen Meinungsterroristen, die unter dem Deckmäntelchen, angeblich „Tierrechte“ zu verteidigen, selbst einen Tierrechtsethiker wie Dr. Helmut Kaplan zum Feindbild erklären und versuchen, ihn randalierend zu hindern, eine Rede zu halten. Siehe traurige Vorkommnisse am 14. Mai 2011 beim Aktionstag „Deine Stimme den Stimmlosen“ in Köln. Wirrer und schizophrener geht es wirklich nicht mehr: Vorgebliche „Tierrechtler“ greifen ernsthafte Tierschützer mit Hasstiraden an! Die Tiernutzerindustrie ist gewisslich sehr erfreut über eine solche Schützenhilfe. Oder man terrorisiert förmlich mit irrsinnigen, oft gewalttätigen Aktionen die Urchristengemeinde des Universellen Lebens, die basierend auf christlicher Grundlage allumfassende Nächstenliebe und Mitgeschöpflichkeit im Sinne Albert Schweitzers „Ehrfurcht vor ALLEM Leben“ nicht nur propagiert, sondern praktisch vorlebt – analog den Glaubensgemeinschaften der Jaina und Bishnoi in Indien. Letztere werden auch von Tierrechtlern in Deutschland hochverehrt, während man erstgenannte seltsamerweise ketzerisch diffamiert. Gnadenlose Dummheit ist in manchen Kreisen offenbar in solchem Übermaß vorhanden, dass man sehr freigiebig damit umgeht – und damit der gesamten Tierrechtsbewegung unendlichen Schaden zufügt.

Seinen Glauben frei ausleben zu können, nennt man Religionsfreiheit. Doch dieses Grundrecht findet seine Grenzen immer an der Nasenspitze des Gegenübers und dessen religiös-kultureller Vorstellung – die in Westeuropa auf einem Ethik-Verständnis basiert, das dem Mitgeschöpf Tier nicht vorsätzlich und bewusst eine vermeidbare Qual auferlegt werden darf.

Der Begriff “Tierfreund” beinhaltet unmissverständlich ein “Freund des Tieres“ zu sein. Und Freunde verteidigt man nach besten Kräften.
Wichtig so, bei einem tabuisierten Bereich des Tierschutzes, dem betäubungslosen Schächten, auch Klartext zu reden: Hier weicht Toleranz und Gleichgütigkeit der Öffentlichkeit “… es sind ja nur Tiere”, häufig erst dann einem empörten Gejaule, wenn orientalische Polit-Terroristen nicht mehr Schafen und Rindern, sondern westlichen Geiseln die Kehle durchschneiden. Wenngleich diese Erkenntnis in den Gehirnwindungen unserer politischen Entscheidungsträger noch keinen Einzug gehalten hat – sind Tiere doch gleichermaßen leidensfähig wie Menschen.
So (Schächt-)Juden und (Schächt-)Muslime, die entgegen dem regulären Tierschutzgesetz und entgegen hier geltenden Normen, vorsätzlich Tiere qualvoll betäubungslos abmetzeln, nicht gerade mit Sympathie überschüttet werden – müssen diese Bevölkerungsgruppen das auch aushalten. Zu durchsichtig, wenn dann von diesen (mangels stichhaltiger Argumente) entrüstet – auf schlicht inflationäre Art und Weise – wieder mal die Ausländerfeindlichkeits- oder Antisemitismuskeule hervorgekramt wird.
Von Tierschutzseite muss der Zuzug von Bevölkerungsgruppen zwangsläufig sehr skeptisch gesehen werden, die eine hier bislang unbekannte Tierquälerei im Gepäck tragen – wie betäubungsloses Schächten. Und man braucht wegen dieser Einstellung auch kein schlechtes Gewissen zu haben. Mit übelsten Tierqualpraktiken (Massentierhaltung, Tierversuche etc.) sind wir in Deutschland, Österreich und Schweiz wahrlich zur Genüge geschlagen. Es wäre aus Tierschutzsicht schlicht schizophren, Menschen, die weitere zusätzliche Varianten von Tier-Qualzufügungen nach hier einschleppen und praktizieren, freudig zu begrüßen.

Wenn aus Fleischesgier die “Dornenkrone der Schöpfung” Tiere schon abmurkst, so muss dies zumindest möglichst rasch und qualmindernd vonstatten gehen – analog ein Mensch gewisslich den Tod durch eine “gnädige” Kugel dem Tod durch langsame Folter vorzieht. (Auf die kleine, aber eindringliche Geschichte aus dem letzten Weltkrieg – siehe unten – wird in diesem Zusammenhang hingewiesen.)

Solange wir die Fesseln der Tiersklaven nicht lösen können, müssen wir zumindest pragmatisch versuchen, die Ketten zu lockern. Keinesfalls reicht es, lediglich edle maximale Gesinnungsethik wie eine Fahne mit der Aufschrift „Ich bin vegan und gegen jegliches Töten“ vor sich her zu tragen, sondern es gilt mit praktischer Handlungsethik in die Niederungen des Alltagsgeschehens hinabzusteigen und zunächst alle Qualverminderungsmöglichkeiten auszunutzen – ohne natürlich je das Ziel, die Tiere von allen Fesseln zu befreien, aus den Augen zu verlieren. “…Der praktische Tierschützer muss immer wieder auf Kompromisse eingehen, weil der Alles-oder-Nichts-Grundsatz besonders im Tierschutz immer nur zum ‘Nichts’ und niemals zum ‘Alles’ führt.“ (Gotthard M. Teutsch: Mensch und Tier. Lexikon der Tierschutzethik)

Gelebte Demokratie heißt auch im Tierschutz, sich emanzipiert zu positionieren, mit offen artikulierter Meinungsäußerung – und das in allen Medien. Selbsternannte Moralwächter aller Couleur sollten sich in diesem Zusammenhang endlich den ideologischen Schaum vom Mund abwischen.
Wer das als erklärter “Tierschützer” oder “Tierrechtler” oder als Tierschutzorganisation nicht so sieht, wer hier herumnörgelt, exzessiv Gesinnungsselbstbefriedigung zelebriert, hat nicht verstanden (oder WILL nicht verstehen), dass es hier nicht um Vorlieben und Vorstellungen persönlicher, religiöser, weltanschaulicher oder politischer Vorstellungen und Phantasien geht – sondern um Publikmachung, Geltungmachung und praxisorientierte Durchsetzung von elementaren Tierrechten. Nur gemeinsam und bei Hintenanstellung eigensüchtiger persönlicher Interessen werden wir hier vorankommen.

V.i.S.d.P.: Ulrich Dittmann / 10.06.2011

Siehe auch Glosse “Mit Tierbefreiern unterwegs – oder die Geschichte von “Michi” dem Käfighuhn” (Internet:
www.fellbeisser.net/authors/mi…).

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Von der Gnade und Barmherzigkeit eines raschen Todes

Zweiter Weltkrieg: In der Weite der russischen Wälder hatte eine größere Partisanengruppe eine kleine Anzahl deutscher Soldaten gefangengenommen. Diese mussten sich ausziehen, man band ihnen Steine an die Geschlechtsteile und schoss auf ihre Beine, um so die verhassten Deutschen noch zum “tanzen” zu zwingen, bevor man sie liquidierte.
Ein zufällig vorbeikommender Aufklärungstrupp der regulären sowjetischen Armee wurde auf die Geschehnisse aufmerksam. Der befehligende Offizier griff ein, rügte mit scharfen Worten das menschenverachtende Verhalten der Partisanen und stellte sich mit seinem Körper schützend vor die geschundenen Deutschen, um sie in die Gefangenschaft zu überführen.
Doch die durch Alkohol enthemmten Partisanen wollten sich ihren “Spaß” nicht nehmen lassen und drohten auch ihm Gewalt an, so er sie bei ihrem Tun hindern wolle. Mit seinen nur wenigen Männern an der Seite, sah der russische Offizier keine Möglichkeit, sich gegen den zahlenmäßig übermächtigen Partisanentrupp durchzusetzen und die Deutschen vor weiteren Folterungen zu bewahren oder gar ihr Leben zu retten.
Als Konsequenz aus diesem furchtbaren Dilemma sah der Offizier nur eine Lösung: Mit gezielten Kopfschüssen tötete er die deutschen Soldaten, bewahrte sie so vor einem schrecklichen, qualvollen Martyrium – gewährte ihnen die Gnade eines schnellen barmherzigen Todes in einer auswegslosen Situation.

Quelle: Gedächtnisprotokoll einer Radiodokumentation, Ausstrahlung Anfang der 1970er Jahre – U. Dittmann / 10.06.2011

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Tierrechte – Säuberung von politischer Ideologie

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Gruß Hubert

Mit Plutarch und “Leichenschmaus“ für die Rechte der Tiere   Leave a comment

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Denn die Schimäre einer moralischen Kluft zwischen Menschen und Tieren, die immer noch in der Ethik herrscht, habe vor allem religiöse Ursachen: “Zum Beispiel den Glauben, dass nur der Mensch nach Gottes Ebenbild geschaffen sei und nur er eine unsterbliche Seele habe. Würden wir endlich ernst nehmen, was wir seit Darwin wissen – dass es EINE Evolution ALLEN Lebens gab und gibt –, würde diese Kluft verschwinden, und wir würden unsere moralische Verantwortung auch gegenüber Tieren erkennen.“

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Mit Plutarch und “Leichenschmaus“ für die Rechte der Tiere Der österreichische Philosoph Helmut F. Kaplan vertritt einen konsequent ethisch begründeten Vegetarismus Weihnachten ist ihm ein Gräuel, die Befreiung der Tiere sieht er als die logische Fortsetzung der Sklavenbefreiung, und den Fleischverzehr nennt er “Leichenschmaus“. So lautet auch der Titel seines populärsten Buches, das die Zeitschrift “Focus“ als “Bibel der Radikalvegetarier und Tierbefreier“ bezeichnete. Der Autor, der österreichische Philosoph Helmut F. Kaplan, ist der bekannteste Theoretiker der Tierrechtsbewegung im deutschsprachigen Raum.

“Unerträgliche, unübertroffene, grauenvolle Verlogenheit.“ So sieht Helmut F. Kaplan Weihnachten, das in unserem “christlichen Abendland“ als schönstes Fest des Jahres gilt. Auf die Frage, ob diese Häufung negativer Superlative nicht sehr übertrieben sei, begründet der 54-jährige Österreicher im Gespräch diese irritierende Charakterisierung: “Im Gegenteil, der Widerspruch zwischen Anspruch und Wirklichkeit kann mit Worten kaum drastisch genug ausgedrückt werden: Es wird gefeiert, gesungen, man ist zu Tränen gerührt – und das bei einem Fest, das alljährlich für Millionen nicht menschlicher Kreaturen ein Massaker bedeutet. Auf der einen Seite das Gerede von Liebe und Vergebung, auf der anderen Seite das Gemetzel in den Schlachthöfen.“

Die Lösung dieses Widerspruchs und damit die Auflösung solcher nicht nur weihnachtlichen Verlogenheit befindet sich für Kaplan buchstäblich vor unserer Nase – auf dem Teller. Er verweist auf den griechischen Philosophen Plutarch, der bereits vor über zweitausend Jahren schrieb:

“Für einen Bissen Fleisch nehmen wir einem Tier die Sonne und das Licht und das bisschen Leben und Zeit, an dem sich zu erfreuen seine Bestimmung gewesen wäre.“

Fleischverzicht mit 11 Jahren

Als sich der Salzburger 1963 entschloss, fortan kein Fleisch mehr zu essen, waren ihm weder Plutarch noch andere Geistesgrößen ein Begriff. Es gab auch kein Schlüsselerlebnis für diese Zäsur. Der 11-jährige Junge hatte einfach genug vom Anblick der blutigen Auslagen in den Metzgerläden, der zerstückelten Kreaturen in den Fleischregalen, der mit Eis beschütteten toten Fische in den Lebensmittelgeschäften.

Dem vor allem emotional begründeten Entschluss, nicht mehr mitschuldig sein zu wollen am millionenfachen Töten von Tieren, folgte die Suche nach den richtigen Argumenten. Sie war später maßgeblich für Kaplans Entscheidung, ab 1975 Psychologie und Philosophie an der Universität Salzburg zu studieren. Mit einer Arbeit zu Freuds Psychoanalyse promovierte er dort zum Doktor der Philosophie.

Mitte der 80er Jahre begann Kaplans intensive Beschäftigung mit der Philosophie der Tierrechtsbewegung. Österreich und die anderen deutschsprachigen Staaten waren damals Entwicklungsländer, was die Bewertung und Behandlung von Tieren betraf. Dagegen hatten sich im englischsprachigen Raum in dieser Hinsicht bereits revolutionäre Veränderungen vollzogen. Der traditionelle Tierschutz war durch eine Tierrechtsbewegung ergänzt worden, die einen kompromisslosen, ethisch begründeten Vegetarismus propagierte. Ihren führenden Theoretiker hatte sie in dem australischen Philosophen Peter Singer gefunden, dessen 1975 erschienenes Buch “Animal Liberation“ (Befreiung der Tiere) zum Gründungsdokument der Tierrechtsphilosophie wurde. Da war es nahe liegend, dass Helmut Kaplan sein Philosophiestudium 1987 mit einer Arbeit zu “Peter Singers Philosophie des Vegetarismus“ abschloss.

Ein Klassiker – sogar in Japan

Von nun an hatte die deutschsprachige Tierrechtsszene ihren eigenen Theoretiker, der mit bislang rund einem Dutzend Büchern (zuletzt erschienen: “Der Verrat des Menschen an den Tieren“), zahllosen anderweitigen Publikationen sowie öffentlichen Auftritten wie kein Zweiter die Debatte um Tierschutz, Tierrechte und Vegetarismus prägt. 1993 erschien bei Rowohlt sein Buch “Leichenschmaus – Ethische Gründe für eine vegetarische Ernährung“. Längst ein Klassiker, der sogar ins Japanische übersetzt wurde. Den vom “Focus“ geprägten Begriff “Bibel“ mag Kaplan allerdings weniger. Nicht unbedingt aus persönlicher Bescheidenheit (Wer liest oder hört derlei nicht gern?).

Doch ihm geht es ja gerade um die Verbannung alles Religiösen und religiös Verbrämten aus der Ethik. “Religiöse Überzeugungen sind private Glaubenshaltungen“, erklärt Kaplan. “Tierrechte aber sind – ebenso wie Menschenrechte – allgemeinverbindliche Moral-, Rechts- und Gerechtigkeitspositionen.“

Daher seien alle strikten Verknüpfungen von Tier- oder Menschenrechten mit bestimmten religiösen Vorstellungen unsinnig. Was übrigens auch umgekehrt gelte.

Denn die Schimäre einer moralischen Kluft zwischen Menschen und Tieren, die immer noch in der Ethik herrscht, habe vor allem religiöse Ursachen: “Zum Beispiel den Glauben, dass nur der Mensch nach Gottes Ebenbild geschaffen sei und nur er eine unsterbliche Seele habe. Würden wir endlich ernst nehmen, was wir seit Darwin wissen – dass es EINE Evolution ALLEN Lebens gab und gibt –, würde diese Kluft verschwinden, und wir würden unsere moralische Verantwortung auch gegenüber Tieren erkennen.“

Diese Verantwortung muss für Kaplan darin münden, den Tieren Rechte zuzubilligen. Doch was sind eigentlich “Tierrechte“? “Es geht vor allem um das Recht auf Leben, um das Recht auf physische Unversehrtheit und um das Recht auf Freiheit von Schmerz und Leid – jedenfalls, so weit das von uns Menschen abhängt. Das bedeutet:

Wenn wir wissen, dass Tiere leiden, sollten wir Leiden verhindern. Und wo wir nicht sicher sind, ob Tiere leiden, sollten wir möglicherweise Leiden verursachende Handlungen unterlassen. Leider sind solche Erwägungen reine Theorie – weil wir in der Praxis selbst Tiere mit erwiesener größter Leidensfähigkeit behandeln, als wären sie leblose Gegenstände. Verwiesen sei nur darauf, wie in Schlachthöfen etwa mit Rindern oder Schweinen umgegangen wird!“

Einst die Sklaven – heute die Tiere

Helmut Kaplan sieht sowohl Menschen- wie Tierrechte als “ethisch begründete Rechte, die vor allem kulturellen Ursprungs sind“. Schließlich hätten wir uns im Laufe unserer Entwicklung dafür entschieden, allen Menschen grundlegende Rechte zuzugestehen. Und Kaplan erinnert: “Das war bekanntlich nicht immer so – siehe etwa die Sklaverei oder die Frauendiskriminierung. Und die Tierrechtsbewegung ist die logische und notwendige Fortsetzung anderer Befreiungsbewegungen, wie eben der Befreiung der Sklaven, des Kampfes gegen Rassismus oder für die Emanzipation der Frauen.“

Diese Einbeziehung nicht menschlicher Lebewesen ist das eigentlich Revolutionäre an der von Kaplan und anderen vertretenen Ethik. Galt es doch bis in die 60er und 70er Jahre des 20. Jahrhunderts als Konsens unter den Philosophen, dass ausschließlich der Mensch legitimes Subjekt der Ethik ist.

Dennoch will Kaplan nicht von einer “neuen“ Ethik sprechen: “Wir brauchen überhaupt keine neue Ethik, wir müssen lediglich die vorhandene Ethik konsequent zu Ende denken. Und vor allem anwenden!“

Das entscheidende Kriterium dabei sieht der Salzburger Philosoph in der Leidensfähigkeit. “Wenn wir wollen, wissen wir sehr genau, wie Tiere behandelt werden möchten. Dazu brauchen wir uns nur ehrlich und ernsthaft in deren Situation zu versetzen, um uns dann zu fragen, wie wir an ihrer Stelle behandelt werden möchten. Das wird uns in den allermeisten Fällen, etwa bei Tieren im Schlachthof oder im Versuchslabor, überhaupt nicht schwerfallen. Im Gegenteil: Unser moralisches Problem wird vielmehr meistens sein, dass wir uns so leicht in ihre Lage versetzen können!“

Der für Kaplan einzige wirkliche Ausweg aus diesem moralischen Konflikt (Biofleisch aus so genannter artgerechter Haltung ist für ihn nur eine “Notlösung“): Verzicht auf Fleisch und möglichst auch alle anderen Produkte vom Tier, also vegane Ernährung.

Doch ungeachtet dieser radikalen Forderung ist der Österreicher Realist genug, der Entwicklung und vor allem den Menschen Zeit zu geben: “Wenn jemand, der bis jetzt zwanzig Prozent vegane Lebensmittel gegessen hat, nunmehr vierzig Prozent solcher Lebensmittel isst, so ist das ein Schritt in die richtige Richtung. Wenn ein Fleischesser zum Vegetarier wird, so ist das ein Schritt in die richtige Richtung. Wenn ein Fleischesser, der bisher zehn Wurstsemmeln pro Woche gegessen hat, nur noch fünf isst, so ist das ein Schritt in die richtige Richtung. Und wenn jemand, der noch nie über Tierrechte nachgedacht hat, beginnt, sich darüber Gedanken zu machen, so ist das ein Schritt in die richtige Richtung.“

Ingolf Bossenz

Mit Plutarch und “Leichenschmaus“ für die Rechte der Tiere

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Gruß Hubert