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Unheilige Winde aus dem Vatikan (13)   Leave a comment

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Rebloggt von Tierfreund und Religionskritiker Wolfgang – wolodja51.wordpress.com

Kritisches über katholische und evangelische Landes – und Freikirchen

Die katholischen und evangelischen Landeskirchen, sowie die reformierten Freikirchen sind massiv SCHULD an allem Elend, welches da ueber die Erde und ihre Lebewesen kommt

Wo die Liebe und der Respekt gegenueber den Lebewesen fehlt, kann es nur zum Scheitern kommen. Wenn diese sogenannte ‚christliche‘ Megasekte (fuer mich ist sie ueberhaupt nicht christlich) glaubt, dass Gott alle Lebewesen geschaffen hat, weshalb respektiert sie denn sein Werk nicht? Schon hier faengt der grosse Betrug an, nimmt sie sich doch frei heraus, er habe alles zum Fressen fuer den ach so hochgejubelten Menschen geschaffen! Ja warum schickt er denn gleichzeitig Naturkatastrophen und Seuchen, dasss einem Sehen und Hoeren vergeht, die den Menschen in den Orkus jagen, der gute? Tatsache ist, dass seit fast 2000 Jahren sehr raffinierte zweibeinige Werwoelfe mit hochgehobener, gefaelschter und kastrierter Bibel am Werke sind, um mit ihrem eigenen zusammengeschusterten Flickwerk den Menschen, das Tier und die Natur unter ihre Fuchtel zu druecken und zu zwingen! (Viele Sklavenschiffe fuehrten die Flagge mit Kreuz und Schmerzenmann in ihren Masten). Dabei wurden genau jene vier Evangelien ausgewaehlt, welche die wenigsten Andeutungen bis hin zu klaren negativen Vorschriften zum Verhalten des Menschen gegenueber Tier und Natur haben (Vergessen wir nicht, es gibt mehrere hundert apokryphe Evangelien und viele von ihnen sprechen eine ganz andere Sprache).

Ausserdem wurden die Texte des Alten Testamentes, sowie der vier sogenannten kanonischen Evangelien falsch uebersetzt, falsch interpraetiert, ignoriert oder gar ganze Saetze oder Kapitel entfernt. Diejenigen Saetze, welche wahrscheinlich aus Versehen immer noch drin sind und an den Respekt gegenueber Tier und Natur gemahnen, werden ganz einfach ignoriert oder man bekommt etwa zur Antwort, dort wo es im Markus-Evangelium heisst: ‚Gehet hin und predigt das Evangelium ALLER KREATUR‘ – hier sei NICHT ALLE Kreatur gemeint! Dieses schaendliche Betragen ist schon alleine eine totale Disqualifikation dieser selbsternannten Fressbaeuche, welche doch nichts anderes im Sinne haben, als Tier und Natur, den Menschen nicht ausgeschlossen, zu parasitieren – und zwar seit fast 2000 Jahren. Einige Kirchenvaeter ausgenommen, wird seither standhaft ins selbe beschaemende und verraeterische Horn geblasen! Aber wie kommt es dazu, dass sich diese schaebige Megasekte buchstaeblich das TOTMACHEN und den HASS an Tier und Natur auf die Fahnen schreibt, sodass es jedem einigermassen hellen Kopf klar auffaellt? Ich moechte diese zum Himmel schreiende Tatsache einmal psychologisch unter die Lupe nehmen und versuchen, auf dieses schizofren-paranoide Phaenomen eine Antwort zu finden, was zugegebenermassen nicht leicht sein wird!

Tierquaelerei erlebte ich Hand in Hand mit katholischer Knute, dort wo ich aufwuchs (wir kamen ja als ich vier Jahre alt war aus Sizilien in die Schweiz! An Sizilien kann ich mich nicht mehr erinnern, ausser dass der Arzt mir ohne Betaeubung ein Loch in den Bauch machte zwecks kuenstlicher Ernaehrung! In der Schweiz kam ich dann ein Jahr lang in ein Spital und war dann mit fuenf Jahren wieder draussen). Dann ging das Elend im katholischen Althaeusern-Aristau los. Das ganze Dorf rannte jeden Sonntag in die Kirche, wir Schueler mussten stets in die Fruehmesse, also um sieben Uhr bereits in den Kirchenbaenken hocken, geturnt wurde in langen Roecken, die Lehrerin hielt stets einen Stock in der Hand und jagte die Jungen fort, die zuschauen wollten. Es wurde also nach Geschlechtern getrennt geturnt, bei 7 Jahre alten Kindern! Da muessen ja gewisse Unreinheiten in den gequaelten Koepfen auftauchen, wenn man an der Nase auf den Suendenfall gezogen wird! Tiere wurden systematisch gequaelt! Hier nur ein Beispiel: der benachbarte Bauernhof quaelte alle 14 Tage ein Schwein zutode, welches mindestens eine halbe Stunde lang schrie! Dies erlebte ich seit meinem 5. Lebensjahr, als ich aus dem Spital wieder raus war! Das ist Vergewaltigung schlimmster Art! Ich vergesse den letzten Todesschrei dieser armen fuehlenden Wesen mein ganzes Leben nicht mehr!

Aber getrennt turnen – da sieht man einfach, dass diese Leute auf beiden Augen und dem Herzen total blind waren und es sicher heute noch sind! Zwei Milliarden Anhaenger weltweit hat das Christentum, welches den Menschen ganz eindeutig lehrt, Tier und Natur auszubeuten und zu missachten – und im Menschen der Sexualitaet gegenueber ein schlechtes Gewissen zu erwecken, obwohl sie doch die natuerlichste Sache der Welt ist. Die Bigotterie besteht nun darin, dass zur Kinderzeugung aufgerufen wird, irgendwie ein schizophren verschobener Psychofehler, um dem, was man nicht haben darf die Freude zu verderben und daraus eine unlustige Pflicht zu machen! Anders kann ich mir diese Dummheit ganz einfach nicht erklaeren! Bei der Tierquaelerei handelt es sich allerdings nicht nur um Dummheit, sondern ganz deutlich um einen schurkischen Zug, welcher sich da ueber die Jahrhunderte immer mehr einschlich und festigte und heute frisch froh und frei zur kriminellen Ausbeutung an fuehlenden Wesen einlaedt, indem diese gemindert, ignoriert, deren Leiden sogar verspottet werden!

Als meine Eltern seinerzeit unseren katholischen Dorfpfarrer zu Besuch hatten, stellte ich ihm die Frage, weshalb denn bei ueber 400 Evangelien ausgerechnet jene ausgewaehlt wurden, welche die groessten Dummheiten enthalten, worauf er wuetend wurde, aufstand und die Zaehne wie Dracula zeigte und sagte, dies sei eine Frechheit einem Gast gegenueber, worauf ich ihm antwortete, dass er in Bezug auf die Tiere und ihre Rechte nur Dummheiten rede! Dann sagte er mir doch tatsaechlich, dass er mir im Falle meines Ablebens die letzte heilige Oelung verweigere SIC!!! Heute muss ich darueber lachen, denn solch ein bloedsinniges Gespraech ist mir seither nie mehr widerfahren, und ich bin jetzt immerhin 70 Jahre alt.

Dass der Inhalt der Bibel kein intelligentes Design aufweist zeigt sich an zahllosen Dummheiten, welche dort drin stehen, wie etwa die Geschichte der Daemonen, welche Jesus angeblich in die Schweineherde jagt! Hat bis zum heutigen Tage jemand im Orient schon mal eine Schweineherde gesehen? Dieser peinliche Absatz fand seinen unheilvollen Weg durch Menschenhand ins ‚Buch der Buecher‘ wohl nach den Kirchenvaetern. Aber wer viel rausnimmt, der fuegt ebenso viel rein – und zwar genau jene Dinge, welche dem Menschen seinen ausbeuterischen Feldzug weiterhin erlaubt – einen ungeheuerlichen Brandfrass an Tier, Mitmensch und Natur!

Es geht mir hier aber nicht um eine Bibel-Exegese, denn das haben zur Genuege zahllose Weise und Toren vorher gemacht! Mir geht es um die Frage: Wie koennen ca. 2 Milliarden Menschen (dies nur zur heutigen Zeit, wenn man die frueheren Dummkoepfe mitzaehlt, kommt noch einiges dazu!) ein Buch nur ansatzweise ernst nehmen, welches vor Dummheiten und vor allem zahllosen Plagiaten anderer Religionen, vor allem ‚heidnischer‘ nur so wimmelt und strotzt? Und mit genau diesen Plagiaten bewaffnet wird nachher auf die armen ‚Heiden‘ losgedroschen, obwohl diese doch die Urheber eben jener Erzaehlungen sind (nicht die von den Schweinen – die ist einmalig)! Ist es moeglich, dass 2 Milliarden Menschen nicht recherchieren????????? Das ist mir unbegreiflich! Aber genauso wie man durch die christliche zuechtigende Fuchtel in eine andressierte Hilflosigkeit gestossen wird (die gleiche wie beim Reitpferd) ist es umso schwerer dieser zu entkommen, also eine multiple faschistische, breitangelegte Gehirnwaesche, welche sich den Schmerzenmann zum gefuegigen Hampelmann macht und diesen nach ihrer eigenen Geige abwechselnd tanzen oder wueten laesst!

Wenn auch das Universum und der Planet ein intelligentes Desgin aufweisen – der Mensch jedenfalls weist dieses NICHT AUF!

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Unheilige Winde aus dem Vatikan (13)

In Memory of Karlheinz Deschner (Teil4)   Leave a comment

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Rebloggt von Tierfreund und Religionskritiker Wolfgang – wolodja51.wordpress.com

Die leidsichtigen Augen des Karlheinz Deschner

 


Denken wir an seinem Geburtstag am 23. Mai 1924 an Karlheinz Deschner, so haben wir zunächst seine fulminante Kriminalgeschichte des Christentums vor Augen. In diesem monumentalen Werk demonstriert der Autor seinen ungläubig staunenden Lesern eine vom verkirchlichten Christentum zu verantwortende Leidensgeschichte. Weitaus weniger bekannt ist, dass Deschner als Kirchenkritiker nicht nur auf Seiten unterdrückter Menschen steht, sondern auch an der Seite der Tiere.

Die von Menschen bis auf den heutigen Tag mitleidslos unterhaltene Qualgeschichte der Tiere gilt ihm sogar als das „schwärzeste Verbrechen“. Worin er sich mit Gandhi einig weiß. Deschner kritisiert am Alten Testament, was er eine „furiose Fressanweisung“ nennt: „Alles, was sich regt und lebt, sei eure Speise…“. In seiner Kriminalgeschichte des Christentums wendet Deschner sich gegen den Kirchenvater Augustinus, wo dieser den Vegetarismus „eine gottlose Ketzermeinung“ nennt. In seiner kleinen Schrift „Für einen Bissen Fleisch“ führt Deschner aus: „Da die Krone der Schöpfung der Mensch, die Krone des Menschen der Pfaffe ist, lässt sich von ihm für das Tier am wenigsten erhoffen.“

Noch weniger bekannt ist, und davon soll hier – ausgerechnet zu seinem Geburtstag – die Rede sein, dass wir es bei Deschner mit einem humanistischen Antinatalisten zu tun haben. Als Leidsichtiger weiß Deschner, dass Schmerz und Verzweiflung jedes einzelnen Lebewesens stets ernst zu nehmen ist und nicht dadurch schöngeredet werden darf, dass man auf das Glück anderer Menschen oder Tiere verweist, denen es besser geht oder gehen wird.

Deschner geht davon aus, dass schweres Leid erstens prinzipiell unabschaffbar ist und dass es zweitens unzumutbar ist. Diese Prämissen sind es, die ihn zur moraltheoretischen Position des Antinatalismus führen: Handle nach Möglichkeit so, dass keine neuen Menschen zu existieren beginnen, da sie unweigerlich leiden müssten. Auch mit seinem Antinatalismus steht Deschner der institutionalisierten Kirche diametral gegenüber, die ja mit dem Vermehrungsgebot des Alten Testaments eine ausdrücklich pronatalistische – die menschliche Vermehrung begrüßende – Haltung einnimmt. Ganz zu schweigen davon, dass die mittelalterliche Kirche die antinatalistischen Katharer in einem Ketzer-Kreuzzug auszurotten suchte. Von ihnen handelt Deschner im 7. Band seiner Kriminalgeschichte.

Seinen humanistischen Antinatalismus legt Deschner in dem kleinen Text „Frommer Wunsch. Für ein friedliches Ende der Menschheit“ in aller wünschenswerten Klarheit programmatisch dar. Unter der Überschrift „Frommer Wunsch“ präsentiert Deschner einen Wunsch, den man von einem dreifachen Vater vielleicht nicht so ohne Weiteres erwartet hätte und der manchen Lesern auf den ersten Blick nicht unbedingt von einer humanistischen Gesinnung zeugen mag:

„Zuerst wünsche ich, dass etwas ausbleibe. Sie meinen: der Krieg? Doch gehört der Krieg nicht zur Menschheit? Ist der Mensch nicht immer auch Unmensch? … Nein, nicht das Ausbleiben des Endes wünsche ich, sondern, dies unterliegt buchstäblich unsrem Einfluss: das friedliche Ende der Menschheit. Möge nun keiner mehr – mein erster Wunsch – ein Menschenkind zeugen. Das schmerzt nicht die Ungeborenen; es erspart ihnen viel. Und die Geborenen gewöhnen sich an alles – sogar, hundert Kriege nach dem Zweiten Weltkrieg, schon an den Dritten.“

Man hat richtig gelesen: Deschner wünscht das Ende der Menschheit herbei! Hat man sich also in Deschner getäuscht? Ist er in Wahrheit ein Anti-Humanist von unerhörtem Ausmaß? Keineswegs. In dem Maße, in dem sich der von ihm vertretene Antinatalismus als Humanismus lesen lässt, bleibt Deschner Humanist. Hier schreibt kein missgünstiger Misanthrop, denn er wünscht „allen noch Atmenden hundert oder, warum kleinlich sein, weit mehr glückliche Lebensjahre…“ Den bereits existierenden Menschen also wünscht Deschner alles erdenkliche Gute. Gleichwohl empfiehlt er, nicht so zu handeln, dass neue Menschen zu existieren beginnen, weil unter ihnen zahllose wären, die das Unmenschliche als das Menschliche erleben müssten. Und dem möchte er, der den Krieg kennengelernt hat, keine weiteren Menschen aussetzen.

Aber, dieser Einwand erhebt sich sofort, täte man mit diesem wohlmeinenden Antinatalismus nicht den „Ungeborenen“ – verstanden als: die noch nicht Existierenden – Unrecht? Ließe sich nicht sagen, dass man die „Ungeborenen“ der Chance beraubte, zu leben zu beginnen? Deschner selbst schreibt oben: „Das schmerzt nicht die Ungeborenen; es erspart ihnen viel.“ Tatsächlich ist diese Formulierung etwas missverständlich, legt sie doch nahe, man könne „Ungeborenen“ etwas ersparen. Dem ist mitnichten so. Denn „Ungeborene/Nicht-Existierende“ ist ein Begriff, dem offenkundig nichts in der Realität entspricht. Man kann „ihnen“ nichts Gutes oder Schlechtes tun, indem man so handelt, dass „sie“ nicht zu existieren beginnen.

Und doch gilt: Handelt man so, dass neue Menschen zu existieren beginnen, so wird es nach allem, was wir aus Jahrtausenden Überlieferung wissen – und allen Fortschritten zum Trotz – auch künftig Kriege, Krankheiten und Verzweiflung geben. In Deschners Roman „Die Nacht steht um mein Haus“ lesen wir: „Alle Freuden des Lebens zusammengenommen sind nicht wert, eine einzige große Trauer aufzuwiegen. Nein, sie wiegen sie nicht auf, was man auch dagegen sagen mag, sie wiegen sie nicht auf, wer das sagt, kann nie einen großen, einen wirklich großen Schmerz gehabt haben.“ Neue Menschen dies erleben zu lassen, hält Deschner mit Recht für verfehlt, und es steht zu hoffen, dass sein humanistischer Antinatalismus – der es verdient, als ein wesentlicher Aspekt mitfühlender Weltsicht zur Kenntnis genommen zu werden – weite Verbreitung findet.

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In Memory of Karlheinz Deschner (Teil4)

In Memory of Karlheinz Deschner (Teil3)   Leave a comment

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Interview mit Karlheinz Deschner

Und hier ein im Jahr 2008 geführtes und sehr interessantes Interview der Mainpost mit Religionskritiker Karlheinz Deschner über die Kriminalgeschichte des Christentums. Deschner schrieb darüber ein 10-bändiges Werk, welches zu seinem Lebenswerk wurde. Seit 1986 arbeitete Karlheinz Deschner an der „Kriminalgeschichte des Christentums“. Der 2008 bei Rowohlt erschienene Band 9 behandelt die Zeit von der Mitte des 16. bis zum Anfang des 18. Jahrhunderts. Das auf zehn Bände angelegte Werk macht Karlheinz Deschner zu Deutschlands profiliertestem Kirchenkritiker.

Und hier das Gespräch mit dem damals 84-Jährigen studierten Theologen und promovierten Germanisten über die Kirche, ihre Macht, deren Missbrauch und die Lehre Jesu.

Frage: Herr Deschner, Sie arbeiten nun seit über 20 Jahren an der „Kriminalgeschichte des Christentums“. Erste kirchenkritische Schriften von Ihnen erschienen vor über 50 Jahren. Was hat Sie über diesen langen Zeitraum hinweg motiviert?

Karlheinz Deschner: Schlicht die Tatsache, dass ich Unrecht nicht leiden kann, dito Heuchelei. Zumal wenn man beide in welthistorischen Dimensionen praktiziert; wenn man, ganz systematisch, das Geschehene umfälscht; aus Massenmördern Heroen, Vorbilder, „die Großen“ macht, aus Gaunerchen und Gaunern „Heilige“; wenn man das himmelschreiende Unrecht der „Heilsgeschichte“ von Jahrhundert zu Jahrhundert in lammfromme Sprüche verpackt, in unverschämte Lügen. Oder rief nicht schon Helvétius: Wenn man ihre Heiligenlegenden liest, findet man die Namen von tausend heiliggesprochenen Verbrechern?

Frage: Sie haben akribisch Gräueltaten, Völkermorde, Folterungen aufgezeigt, die über die Jahrhunderte hinweg von Menschen an Menschen verübt wurden, die Schuld daran suchen Sie im christlichen Glauben. Aber ist tatsächlich der Glaube, die Religion daran schuld – oder ist nicht der Mensch von vorneherein böse und zum Frieden unfähig? Gräueltaten werden auch im Namen anderer Religionen verübt. . . man denke nur an den 11. September 2001.

Deschner: Aber entlastet es denn das Christentum, dass auch andere Religionen kriminell sind? Voran die monotheistischen, die kraft des Auserwähltheitsanspruchs ihrer „Offenbarungen“ etwas besonders Chauvinistisches haben, die extrem gewalttätig sind? Entlastet es denn einen Verbrecher, dass auch andere Leute Verbrecher sind?

Und wenn der Mensch von vornherein böse war, ich weiß es nicht, entbürdet dies das Christentum, das gerade seine größten Scheußlichkeiten stets im Namen Gottes und der Religion begangen hat? Sklaverei, Inquisition, Indianerausrottung, Kreuzzüge, Kreuzzüge in alle Himmelsrichtungen, überhaupt ungezählte Gemetzel (im 17. Jahrhundert führten christliche Staaten nur in einem einzigen Jahr keinen Krieg!) bis hin zu den von allen Kirchen fanatisch geförderten Weltkriegen des 20. Jahrhunderts.

Frage: Ob die Welt wohl friedlicher wäre, wenn man die Religion aus den Köpfen herausbringen könnte? Ich fürchte, dann würden die Machtgierigen andere Vorwände finden, um ihre Macht gewaltsam auszuweiten oder zu zementieren.

Deschner: Ohne Religion, ohne institutionalisierte Religion, wäre ein gewaltiger Faktor des Unfriedens beseitigt, aber gewiss nicht der Unfrieden an sich. Die Mächtigen, Sie haben recht, fänden andere Vorwände für die Ausübung ihrer Macht. Denn Macht ist da alles. Ohne Macht sind Machthaber nichts und vermögen sie nichts. Das ganze große Welttheater hat sich immer zuerst und zuletzt um Macht gedreht. Macht aber führt früher oder später zu Gewalt. Und Gewalt führt zu Verbrechen. Jede Weltmacht wurde Weltmacht durch Verbrechen, neben denen alle Werke der Unterwelt verblassen.

Frage: Sehen Sie über die Jahrhunderte hinweg eine Entwicklung zum Besseren? Zu mehr Toleranz, zu mehr Friedfertigkeit bei den christlichen Kirchen? Schließlich führt der Papst keine Kriege mehr gegen Heiden…

Deschner: Nein, Kriege, Kriege in eigener Regie, führt der Papst inzwischen keine mehr, nicht mehr gegen Heiden und nicht mehr gegen Christen, weil man ihm alles, womit er jahrhundertelang Kriege geführt, weggenommen hat – Truppen, Generäle, Schlachtschiffe, Kanonen, Festungen, Waffenfabriken. Doch gibt es Möglichkeiten, die Menschheit auf andere Weise, gleichsam friedlicher, zu bekämpfen.

Ideologisch, durch dogmatischen Wahnsinn, der sich ja nie mit dem bloßen Glauben begnügt, der „missionieren“, ausgreifen will; durch Unterstützung einer desaströsen Gesellschaftsmoral, die die Armen zugunsten der Reichen betrügt; durch eine desaströse Sexualmoral, die im Mutterschoß schützt, was sie preisgibt im Krieg; durch das Verbot der Empfängnisverhütung, das noch Opfer fordern könnte, wenn es gar kein Papsttum mehr gibt, aber Opfer solange Menschen leben werden und sterben. Im Übrigen ist das Papsttum, seine ganze Geschichte beweist es, intolerant durch und durch, ist tolerant nur, wenn es die Opportunität erheischt, wenn es zweckdienlich ist, wenn es einfach nicht mehr anders geht, aber nur dann!

Frage: Dass Bücher wie die Ihren erscheinen können – ist das nicht Zeichen einer Verbesserung?

Deschner: Ach ja, so fragt man häufiger. Auch ich selbst soll der leibhaftige Gegenbeweis meiner kirchenfeindlichen Haltung sein. Denn wären, sagt man, meine Gegner wirklich so schlecht, wie sie bei mir erscheinen, würde ich dann noch leben? Aber könnte ich nicht, frage ich zurück, vielleicht gerade diesem Gedankengang mein Leben verdanken?

Frage: Die Verbesserung ist also nur eine vermeintliche, –ist sie einfach nur der Tatsache geschuldet, dass die Kirche an Macht eingebüßt hat?

Deschner: Natürlich ist die „Verbesserung“ bloß scheinbar, ist sie erzwungen. Seit Paulus, das heißt von Anbeginn, und gerade von Anbeginn an, lebt das Christentum von der Anpassung. Und gar keine Frage: Man hat nicht erst heute weniger Macht. Aber man hat noch Macht, teilweise enorme Macht. Doch man operiert subtiler, ja. Man täte wenig lieber, als unsereinen zu foltern und zu verbrennen, „schön von unten herauf“, hätte man die Macht dazu.

Frage: Wer Ihre „Kriminalgeschichte“ liest, kommt zu der Erkenntnis, dass das Christentum nicht mehr viel mit der Lehre Jesu zu tun hat. Wie konnten die Ursprünge in Vergessenheit geraten?

Deschner: Mit der überlieferten Lehre Jesu hatte das Christentum nie viel zu tun. Wir wissen ja nicht einmal annähernd, was Jesus gelehrt hat. Die Evangelisten, das betont die gesamte kritische Bibelwissenschaft, hatten an historischer Realität überhaupt kein Interesse. Ihre von Ungereimtheiten und Widersprüchen nur so strotzenden Schriften sind mythologische Literaturprodukte, Erzeugnisse der gläubigen Gemeindefantasie, sind nur, wörtlich, mit äußerster Vorsicht zu benutzende „Anekdotensammlungen“.

Einmütig ferner erklärt die moderne historisch kritische christliche Theologie, dass sich auch von Jesu Leben so gut wie nichts mehr erkennen lasse. Zwar hält sie an seiner Existenz als solcher fest. Doch sicher ist auch dies nicht. Es spricht eben so viel dafür wie dagegen, –die Profangeschichte jener Zeit ist unergiebig. Ob aber historisch oder nicht, fest steht: Der Gründer des Christentums ist nicht Jesus, sondern Paulus. Und weit wichtiger noch: Nichts im Christentum ist originell. Vom zentralsten Dogma bis zum periphersten Brauch ist alles, restlos alles, schon vorher da gewesen, im Judentum, im Hellenismus, in der indischen Geisteswelt.

Frage: Können Sie Beispiele nennen?

Deschner: Trinitäten, die Messias-Idee, die Naherwartung des Endes, vom Himmel kommende Gottessöhne, vom „Vater“ gesandte Erlöser, Jungfrauensöhne, die Geburt in der Krippe, die Geschichte vom leeren Grab, Himmelfahrten lebendigen Leibes. Natürlich gab es Wunder massenweise. Man lebte, schreibt der Theologe Trede, denkend und glaubend in einer Wunderwelt wie der Fisch im Wasser.

So gibt es auch kein Wunder in den Evangelien, das nicht schon vorher gewirkt worden wäre, ob Geisteraustreibungen, wunderbare Speisevermehrungen, ob Wandel auf dem Wasser oder Totenerweckungen. Es gab Wallfahrtsstätten wie heute Lourdes, gab eine sakramentale Taufe, ein sakramentales Mahl, überhaupt die Siebenzahl der Sakramente, die Zwölfzahl der Apostel, den Verräter. Es gab leidende, sterbende und wieder auferstehende Gottessöhne, auch nach drei Tagen oder am dritten Tag wieder auferstehende, es gab gekreuzigte Götter. Die Dionysos-Gemeinden haben ihren Gott über einem Altartisch mit Weingefäßen am Kreuz verehrt.

Genug, man könnte, ich übertreibe nicht, stundenlang oft bis in die kleinsten Gemeinsamkeiten gehende Details aufzählen, und gläubige Zweifler finden all dies und mehr auch und gerade in den Forschungen kritischer christlicher Theologen belegt, denn nichts im Christentum ist neu, auch nicht sein sogenanntes „Proprium“, die Nächsten, die Feindesliebe, worum man sich ohnehin am wenigsten gekümmert, kurz, vom Weihnachtsfest zur Himmelfahrt: lauter Plagiate!

(Das Gespräch führte Ralph Heringlehner)

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In Memory of Karlheinz Deschner (Teil3)

Veröffentlicht 13. Dezember 2021 von hubert wenzl in Kirchenkritik, Religionskritik

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Die Bibel: Das angeblich „göttliche“ und „heilige“ Wort eines Gottes? (3)   Leave a comment

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glaubst du noch 2

Fortsetzung vom vergangenem Sonntag:

Und außerdem: Welch ein Christ liest schon seine Bibel in der altgriechischen Originalfassung? Wohl kaum, sondern Bibelleser vertrauen stattdessen auf Übersetzungen, die allerdings oftmals nicht das wiedergeben, was in der offiziellen Bibel vorzufinden ist.

Desweiteren gibt es im Alten Testament nachweislich Passagen, die bereits in viel älteren babylonischen Epen vorkommen und von dort übernommen wurden. Auge um Auge und Zahn um Zahn ist beispielsweise eine Passage aus einem Gesetzestext, den man in einer babylonischen Stele mehr als ein halbes Jahrtausend vor dem Leben Moses gefunden hat. Die Sintflut ebenfalls. Schlussfolgerung: Wenn die Bibel Gottes Wort ist, dann war entweder das sündige Babel offenbar weit vor Moses schon göttlich inspiriert, oder aber die Schreiberlinge der Bibel haben von den Babel-Sündern abgeschrieben.

Und letztlich kommen zum Schluss auch noch die besonders „hochintelligenten“ Religionsführer hinzu, die folgendes machen: Aus diesem Sammelsurium einer historisch verfälschten, zusammengestückelten, aus Staatsraison veränderten Textsammlung, predigen uns dann diese sich Religionsführer nennenden Religioten ihre Meinung darüber, welche der unzähligen Regeln aus altem und neuem Testament für ein gottgefälliges Leben jetzt und für immer für alle Menschen verbindlich daraus herauszulesen sind und welche nicht. Sie sagen uns zusätzlich, was aus dieser Bibel dann nur „im Kontext der Zeit“ zu sehen ist, und was heute angeblich noch Gültigkeit hat. Den Rest giessen sie in Rituale, Traditionen, Regeln, Vorschriften und nach diesen sollen alle frommen Schäfchen gefälligst „Gott zum Wohlgefallen“ leben.

Das Endergebnis ist angeblich… „Gottes Wort“!

Wenn das aber tatsächlich so sein sollte, das beim Lesen der Bibel oder auch beim andächtigen Zuhören einer gottesdienstlichen Pfaffen-Predigt ein göttliches Wesen mit mir sprechen sollte, dann gelobe ich, an jenem furchterregenden Ort, an dem es laut biblischen Nonsens nur noch Heulen und Zähneklappern geben wird, einen Besenstiel zu fressen.

Fazit:

Die Kirche wurde nicht durch die Bibel erschaffen, sondern die Bibel wurde durch die Kirche erschaffen. Und weder in der Bibel noch in anderen religiösen und menschenverdummenden Schriften redet irgendein göttliches Wesen mit uns Menschen.

So zahlreich die Widersprüche und Unsinnigkeiten in diesem „Buch der Bücher“ sowie auch in den Büchern und Schriften anderer Religionen sind: Die Vorstellung, das so viele Menschen mit ihren Glaubensgespinsten einem Irrtum verfallen sind, angetrieben von einem Phantasiegebilde und ihren Wunschgedanken, ist geradezu ungeheuerlich.

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Die Bibel: Das angeblich „göttliche“ und „heilige“ Wort eines Gottes? (3)

Die Bibel: Das angeblich „göttliche“ und „heilige“ Wort eines Gottes? (2)   2 comments

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glaubst du noch 1

(Fortsetzung vom vergangenem Sonntag …. )

Zumal zwecks kritischer Bibelbetrachtung auch eines nicht vegessen werden darf: Alle Bedingungen des Alten Testaments für den Messias mussten im Neuen Testament dazugedichtet werden. Dazu musste der Text so gestrickt werden, dass alle 25 Prophezeiungen aus dem alten Testament für den kommenden Messias (jungfräuliche Geburt + er steht von den Toten auf + er heisst Immanuel usw) , als „erfüllt“ schöngeschrieben sind. Heraus kommt ein Text, der nur noch zu einem kleinen Prozentsatz mit dem Originalleben von Jesus zu tun hat.

Und auf die schöngefärbte Darstellung der Ur-Christen wurde dann auch noch folgendes aufgepfropft: Stellen wir uns einmal vor, heute würde ein Diktator (z.B. Kim Il Sung) beschließen, dass das Leben eines Mannes, der um 1609 gelebt hat, ab heute neue Staatsreligion für sein diktatorisch geführtes Land wird. Und dieser Diktator hätte die Macht, eine für alle verbindliche „Heilige Schrift“ über diesen Mann zu erstellen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass dieser Diktator die schriftlichen Überlieferungen die es von diesem Mann gibt, so abändert oder ergänzt, dass alles in seine eigene Staatsphilosophie passt.

Und genau das war die Situation beim Konzil im Jahre 325 n. Christus. Das Römische Reich war während dieser Zeit ein gigantischer diktatorischer Machtapparat, der wie jeder Machtapparat alles in seiner Macht erdenkliche versuchte, seine eigene Macht zu zementieren oder auszubauen. Bei diesem Konzil wurde das Christentum Staatsreligion unter Kaiser Konstantin. Und so kann man es auch nicht ausschließen, dass dort Sätze reingenommen wurden, die Jesus so nie gesagt hat.

Einer dieser Sätze ist höchstwahrscheinlich: „Du bist Petrus der Fels, auf diesem Fels will ich meine Kirche bauen„, denn das ist die einzige Rechtfertigung für die Existenz der Kirche. Das musste aus Selbstrechtfertigungsgründen da rein geschrieben werden, sonst hätte die Kirche keine Existenzberechtigung gehabt. Keiner weiß, welche Sätze da noch Jesus in den Mund geschoben worden sind und welche Sätze aus „Staatsraison“ raus gelassen werden mussten. Das war ein Politikum sondergleichen, denn man kann keinen auf Eroberung und Unterdrückung orientierten Machtapparat aufrecht erhalten mit den unverfälschten Grundsätzen eines „Erleuchteten“.

Und somit haben wir im Neuen Testamant einen Text, der nur noch marginal mit dem Originalleben von Jesus zu tun hat. Daraufhin werden von einem machthungrigen Kaiser Texte nach seinem Gutdünken dazu geschrieben und andere rausgestrichen. Und dazu passierte zusätzlich auch noch folgendes: Im Jahr 325 am Konzil zu Nicäa wurde das Christentum die Staats-Religion des römischen Reiches. Doch damals hat man von all den schriftlichen Überlieferungen, die es zum Leben Jesu gegeben hat, offiziell nur diejenigen herausgesucht, von denen man sagte: das widerspiegelt das wahre Leben Jesu. Und somit haben es auch nur die Evangelien von Markus, Matthäus, Lukas und Johannes ins Neue Testament geschafft. Der Rest jedoch wurde verbrannt! Das Verhältnis war ungefähr eins zu 15. Man hatte also fünfzehnmal mehr schriftliche Überlieferungen über das Leben Jesu als in den vier Evangelien stehen.

Veröffentlicht 2. August 2021 von hubert wenzl in Religionskritik

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Die Antwort des Atheismus: „Es gibt keinen Gott“ (Teil2)   Leave a comment

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Rebloggt von Tierfreund und Religionskritiker Wolfgang wolodja51.wordpress.com

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Die zwei Säulen des Atheismus

Der hier entwickelte undogmatische Atheismus beansprucht, den Gottesglauben von innen heraus aufzulösen, ihn an seinen inneren Widersprüchen und Ungereimtheiten scheitern zu lassen. Damit wird die religionskritische Schlüsselaufgabe bewältigt, weil im Gottesbegriff alle weiteren Glaubensinhalte letztlich verankert sind.

Die beiden Säulen des Atheismus lauten:

1. Es gibt keinen Gott, der die Welt erschaffen hat. Die Welt ist keine Schöpfung, sondern unerschaffen unerschaffbar, unzerstörbar, kurz: ewig und unendlich. Sie entwickelt sich unaufhörlich gemäß den ihr innewohnenden Gesetzmäßigkeiten, in denen sich Notwendiges und Zufälliges verschränken.

2. Es gibt keinen göttlichen Erlöser. Die Welt ist unerlöst und unerlösbar, voller Webfehler und struktureller Unstimmigkeiten, die aus der Bewusstlosigkeit ihrer Gesetzmäßigkeiten herrühren.

Für eine atheistische Weltweisheit und Lebenskunst ergibt sich aus diesen Einsichten die Schlussfolgerung: Der Mensch ist nicht das Ebenbild einer überweltlichen und übernatürlichen Gottheit, sondern ein vorbildloses Geschöpf der Natur, all ihren Gesetzen unterworfen. In einer Welt, die nicht für ihn gemacht wurde, muss er sich seinen Weg selbst Bahnen und lernen, allem verderblichen Allmachts- und Unsterblichkeitswahn zu entsagen.

Atheismus ist der Abschied von jeglicher Heilslehre und Heilshoffnung, freilich auch von jeglicher Unheilslehre und Untergangsprophetie, mögen sie sich auf ein illusionäres Jenseits oder auf das Diesseits beziehen. Menschliches Leben heißt: sich für eine kurze Zeitspanne erträglich einrichten auf einem Staubkorn im Weltall – mit Würde und Anstand und Humor. Vielleicht gelingt es doch noch den Erdball bewohnbar zu gestalten!? Die gesellschaftlichen Verhältnisse lassen sich jedenfalls schrittweise verbessern. Universale Gerechtigkeit und die Versöhnung von Mensch und Natur bleiben allerdings unerreichbar. Himmel und Hölle, Paradies und Verdammnis sind religiöse Trugbilder, keine atheistischen Leitideen.

Die beiden Säulen des Atheismus haben den gleichen theoretischen Rang, sie charakterisieren zwei unterschiedliche Argumentationsfiguren, die eine metaphysische und eine empirische Widerlegung des Gottesglaubens liefern.

Der empirische Beweis zielt auf den unerlösten, elenden Zustand der Welt, das herzzerreißende, unschuldige Leiden und Sterben von Tier und Mensch, die mit dem Glauben an einen zugleich allgütigen, allwissenden, allwirksamen und allmächtigen Gott nicht vereinbar sind. Der Atheismus findet seine eigentliche Begründung in der Wirklichkeit selbst, in der blut- und tränengetränkten Geschichte des Tier- und Menschenreiches.

Wie kann ein angeblich liebender Gott, bei dem kein Ding unmöglich ist, die Lebewesen, die er doch geschaffen hat, so unsäglich leiden lassen? Entweder er ist nicht allmächtig und kann die Leiden nicht verhindern, oder er ist nicht allgütig und will die Leiden nicht verhindern. Auf diese Zwickmühle innerhalb des Gottesglaubens hat erstmals der griechische Philosoph Epikur um 300 vor unserer Zeitrechnung in aller begrifflichen Klarheit aufmerksam gemacht. An Epikurs Religionskritik anknüpfend hat viel später der deutsche Dichter Georg Büchner das Leiden eindrucksvoll als den „Fels des Atheismus“ bezeichnet. In dem berühmten „Philosophengespräch“ seines Dramas „Dantons Tod“ heißt es: „Schafft das Unvollkommene weg, dann allein könnt Ihr Gott demonstrieren … Man kann das Böse leugnen, aber nicht den Schmerz … Warum leide ich? Das ist der Fels des Atheismus. Das leiseste Zucken des Schmerzes, und rege es sich in einem Atom, macht einen Riss in der Schöpfung von oben bis unten.“

Aber auch angenommen, es gäbe dermaleinst tatsächlich einen seligen Zustand, wie ihn die Offenbarung des Johannes im Neuen Testament (21,4) verheißt, dass Gott abwischen wird alle Tränen und es keinen Tod und kein Leid und keinen Schmerz und kein Geschrei mehr geben wird: Wäre damit der schnöde Atheismus eines besseren belehrt und stünde Gott gerechtfertigt da? Nein, denn die Erlösung im Jenseits kommt immer zu spät, Sie kann nicht im geringsten ungeschehen machen, was zuvor geschehen ist.

Die Unumkehrbarkeit der Zeit ist die unüberschreitbare Grenze jeder Allmachtsidee. Kein Erdbeben-, Kriegs-, Folter-, Mord-, Krebs-, oder Verkehrs-Opfer wird verhütet durch religiöse Erlösungsversprechen. In welchem annehmbaren Sinn sollte erfahrenes Leid je wieder gutgemacht werden können? Das liebenswerte Sehnsuchtsbild einer vollendeten Gerechtigkeit, einer universalen Versöhnung bleibt unerfüllbar, weil selbst bei einer jenseitigen Kompensation das zuvor Geschehene nie ungeschehen gemacht werden kann.

Hinzu kommt, dass im Neuen Testament (um im christlichen Bereich zu bleiben) der Erlösung ohnehin nur eine Minderheit der Menschen teilhaftig wird: „Viele sind berufen, aber wenige sind auserwählt“, heißt es im Matthäus-Evangelium (22,14). Unmittelbar nach dem zitierten Wort aus der Offenbarung des Johannes wird den „Ungläubigen“, „Abgöttischen“ und „Hurern“ die ewige Qual in „Feuer und Schwefel“ angedroht (21,8).

Und: Wenn Gott überhaupt einen Zustand ohne Schmerz und Leid schaffen kann, warum dann erst so spät und nicht von Anfang an? Warum zuvor die eigenen Geschöpfe durch ein Meer von Blut und Tränen waten lassen? Die nüchterne Antwort kann nur lauten: Statt die Wirklichkeit zu verrätseln und sich in „Gottes unerforschliche Ratschlüsse“ zu flüchten, ist redlich einzuräumen: Es gibt keinen Gott. Ohne Gottglauben ist die Wirklichkeit bitter, aber mit Gottglauben ist sie bitter und absurd.

Die zweite Säule des Atheismus bestreitet nicht Gott den Erlöser, sondern Gott den Schöpfer. Sie argumentiert nicht empirisch, sondern metaphysisch, das heißt: Sie überschreitet den Bereich des Erfahrbaren und greift in jenen Teil der Wirklichkeit hinüber, der sich allein dem abstrakten Gedanken erschließt. Die hier vorausgesetzte Metaphysik ist eine Metaphysik ohne Goldgrund, eine nicht – religiöse, philosophische Theorie des Weltganzen.

Erklärter- und unvermeidlicherweise verlässt sie den Bereich des empirisch Gegebenen, ohne freilich den Boden der Rationalität zu verlassen. Sie entschwindet nicht in eine „höhere Welt“, sondern denkt, was nicht sinnlich fassbar, aber denknotwendig ist: die Welt als Gesamtzusammenhang, als Verschränkung von Teil und Ganzem, von Relativem und Absolutem. Der Glaube, daß ein Gott die Welt erschaffen hat, lässt sich durch Überlegungen der folgenden Art von innen her entkräften.

Als erstes ist zu fragen: Was tat Gott vor der Erschaffung der Welt, wenn die Schöpfertätigkeit zu seinen ewigen und unveräußerlichen Wesensmerkmalen zählen soll? Lag seine Schöpferkraft vorher brach? Weshalb wurde sie auf einmal tätig? Offenbar hat sich Gott gewandelt, obwohl doch die Unwandelbarkeit zu seinen klassischen Attributen gehört. Wenn er sich aber gewandelt hat, ist er der Zeit unterworfen. Es gab also eine Phase, in der Gott noch nicht der Schöpfer war.

Der Gedanke eines ewigen Schöpfers, der irgendwann eine zeitlich begrenzte Welt geschaffen haben soll, ist logisch nicht widerspruchsfrei zu denken. Das hat den Philosophen Johann Gottlieb Fichte zu der schroffen Bemerkung veranlasst, „die Annahme einer Schöpfung“ sei „der absolute Grundirrtum aller falschen Metaphysik“. Durch sie werde „das Denken in ein träumendes Phantasieren verwandelt“ („Die Anweisung zum seligen Leben“, Sechste Vorlesung).

Der zweite Kritikpunkt erwächst aus der Frage: Warum hat Gott überhaupt die Welt geschaffen, obwohl er doch ein in sich selbst vollkommenes Wesen sein soll, das in seiner Majestät keines anderen bedarf? Die biblische Antwort – Gott schuf sich die Welt als sein Gegenüber und den Menschen als sein Ebenbild – provoziert unvermeidlich den Einwand: Da Gott nichts Sinnloses tut, muss ihm vorher etwas gefehlt haben. Wenn er aber ein Gegenüber brauchte, weil er einen Mangel litt, war er nicht in sich vollkommen. Schöpfertum und Vollkommenheit schließen sich aus. Das ergibt sich auch aus dem religiös – liturgischen Dauerappell, die Geschöpfe sollten ihren Schöpfer lobpreisen, verherrlichen, anbeten, ihm danken und vor ihm auf die Knie fallen.

Diese Ermahnungen, die ihren Ursprung in patriarchalisch-despotischen Verhältnissen nicht verleugnen können – hier der absolute Herrscher, dort die demütigen Untertanen-, beweisen erneut: Der Schöpfergott verzichtet ungern auf das Halleluja seiner Geschöpfe. Ein Zeichen innerer und äußerer Unabhängigkeit, gar Vollkommenheit ist das kaum. Um sich als Schöpfer zu beweisen, bedarf Gott der Welt; die Welt bedarf Gottes nicht. Sie besteht aus sich selber, ungeworden und unvergänglich, freilich auch völlig gleichgültig gegenüber dem Wohl und Wehe ihrer Geschöpfe.

Eine letzte Überlegung betrifft das Verhältnis von Geist und Materie. Der Schöpfungsglaube behauptet, ein reiner Geist habe etwas Nicht-Geistiges, Materielles hervorgebracht. Hier wird uns erneut ein Opfer des Verstandes, der Glaube an ein Wunder, zugemutet. In Wahrheit verhält es sich umgekehrt: Geist ist ein reifes Entwicklungsprodukt langwierigster materieller Vorgänge unter günstigsten Bedingungen. Geist ist gebunden an hochkomplexe Gehirnstrukturen. Deren Beschädigung beschädigt auch den Geist, deren Absterben führt auch zum Absterben des Geistes.

Poesie des Atheismus

Der Vorgang der Entzauberung, der mit dem Atheismus in der Tat einhergeht, befreit die Welt von allem faulen Zauber, berührt aber nicht den ihr innewohnenden wirklichen Zauber. Der Dichter Gottfried Keller hat dies nach seiner Begegnung mit dem atheistischen Denker Ludwig Feuerbach in einem Brief so formuliert: „Wie trivial erscheint mir gegenwärtig die Meinung, dass mit dem Aufgeben der sogenannten religiösen Ideen alle Poesie und erhöhte Stimmung aus der Welt verschwinde! Im Gegenteil! Die Welt ist mir unendlich schöner und tiefer geworden, das Leben ist wertvoller und intensiver, der Tod ernster, bedenklicher und fordert mich nun erst mit aller Macht auf, meine Aufgabe zu erfüllen und mein Bewusstsein zu reinigen und zu befriedigen, da ich keine Aussicht habe, das Versäumte in irgendeinem Winkel der Welt nachzuholen…“

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Die Antwort des Atheismus: „Es gibt keinen Gott“ (Teil2)

Veröffentlicht 2. April 2021 von hubert wenzl in Religionskritik

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Eine kleine Bibelstunde (Teil 2)   Leave a comment

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Rebloggt von Tierfreund und Religionskritiker Wolfgang.

wolodja51.wordpress.com

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Wenn ich höre, was Christen mit ihren Glaubensliedern alles so in die Welt hineinträllern, wie zum Beispiel:

„Du hörst die Seufzer der Kranken, du hörst den Schrei, der ertönt,

du kennst die Opfer der Kriege, und die Menschen, die man verhöhnt.

Du bist im Wort der Propheten, du bist im Glauben uns nah,

und bist dort, wo Menschen hoffen, auf den Sieg von Golgatha“,

dann stellen sich mir meistens die Haare zu Berge, denn im Gegensatz zu gläubigen Menschen glaube ich nicht, das Gott die Seufzer der Kranken und die Schreie leidender Menschen und auch leidender Tiere hört, sowie auch nicht im sogenannten Wort der Propheten zu hören und zu finden ist.

Anmerkung zur nachfolgenden Slideshow: Solltest Du für das Lesen des einen oder anderen Textes etwas mehr Zeit brauchen, so drücke einfach die Stop – bzw. Pausentaste …..

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Eine kleine Bibelstunde – Teil2

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Eine kleine Bibelstunde (Teil 2)

 

 

 

„Aufgeklärte Religion aussterbend wie Männergesangsvereine“   Leave a comment

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Ein Interview mit dem Philosophen Michael Schmidt-Salomon von deutschlandfunk.de

Der Philosoph Michael Schmidt-Salomon sieht in Religionen gerade derzeit eine „Wurzel gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit“ und autoritärer Tendenzen. „Je liberaler eine Religionsgemeinschaft auftritt, desto eher verliert sie Anhänger“, sagte er im Dlf.

Michael Schmidt-Salomon im Gespräch mit Christiane Florin

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Michael Schmidt-Salomon, Vorstandssprecher der Giordano-Bruno-Stiftung. (David Ertl)

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Religionen beeinflussen täglich politische, gesellschaftliche und kulturelle Entwicklungen, weltweit. Doch sie sind nicht die einzigen derart wirkmächtigen Weltanschauungen. Auch Atheismus – die Ansicht, dass es keinen Gott gibt – hat tiefgreifende gesellschaftliche, kulturelle und politische Folgen.

Einer der bekanntesten Atheisten Deutschlands ist der Philosoph Michael Schmidt-Salomon. Er ist Mitgründer und Sprecher der Giordano-Bruno-Stiftung, die sich nach eigenen Angaben für „evolutionären Humanismus“ und Aufklärung als „Leitkultur“ einsetzt. Benannt ist sie nach einem der „bekanntesten Opfer von religiöser Gewalt“, wie Schmidt-Salomon sagt: Der Priester und Philosoph Bruno wurde 1600 von der katholischen Kirche als „Ketzer“ auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

Im Interview erklärt Schmidt-Salomon, welche Konsequenzen die atheistische Weltanschauung des evolutionären Humanismus fürs Denken und Handeln hat, wo sie sich mit einem liberalen Religionsverständnis vereinbaren lässt – und warum religiöse Dogmen als „kulturelle Zeitmaschinen“ so gefährlich sein können.


Christiane Florin: Herr Schmidt-Salomon, warum haben Sie sich überhaupt für eine Weltanschauung, einen -ismus entschieden?

Michael Schmidt-Salomon: Der evolutionäre Humanismus hat eine wunderbare Eigenschaft: Er ist eben evolutionär, das heißt, er ist auf einen Wandel ausgelegt. Er erhebt den Wandel zum Programm, es gibt also keine absoluten Dogmen, keine heiligen Schriften, keine unfehlbaren Propheten, die den Zugang zur absoluten Wahrheit haben. Wir gehen davon aus, dass alles, was Menschen sagen, was sie denken, fehleranfällig ist. Das wir zeitbedingten, kulturbedingten, kognitiven Verzerrungen unterliegen, und deshalb müssen unsere Erkenntnisse stetig verändert werden – und das hat mich eben sehr angesprochen, an dieser Art des Denkens, da gibt es einen kategorischen Imperativ auf diesem Feld, und der lautet: Wir müssen falsche Ideen sterben lassen, bevor Menschen für falsche Ideen sterben müssen. Und das ist in der Geschichte leider allzu selten geschehen.

„Ich würde nicht behaupten, dass der Glaube an Gott widerlegt ist“

Florin: Sie wurden nicht als evolutionärer Humanist geboren. Sie wurden auch nicht als solcher getauft, das wäre ja ein Widerspruch im System. Wie sind Sie es geworden?

Schmidt-Salomon: Na ja ich wurde tatsächlich katholisch getauft. Ich hatte als Kind und auch heute noch ein starkes Verlangen nach logischer Konsistenz. Also, wenn sich jemand in einem Satz widersprochen hat oder Dinge behauptet hat, die mit den offenkundigen Fakten überhaupt nicht in Einklang zu bringen sind, hat mich das immer sehr stark irritiert.

Florin: Was war das zum Beispiel, was Sie da irritiert hat als Kind?

Schmidt-Salomon: Beispielsweise, wenn die Menschen tatsächlich glauben, dass vor 2.000 Jahren ein Mensch gestorben und von den Toten wiederauferstanden ist und dass sie tatsächlich das Heil finden, wenn sie diesem Manne nachfolgen, warum strengen sie sich da nicht mehr an? Und gleichzeitig habe ich mich natürlich gefragt: Kann das überhaupt stimmen, dass diese Geschichte passiert ist? Oder ist das gewissermaßen so eine Art Fake News der Vergangenheit? Den Begriff hatte ich damals natürlich nicht, aber ich habe mir darüber sehr viele Gedanken gemacht. Ich war auch wirklich bereit, mich von irgendeinem religiösen Glauben überzeugen zu lassen, aber das hat nicht funktioniert.

Bibelwissenschaft – Der Professor und die Fake News
Simone Paganini wendet einen neuen Begriff auf ein altes Buch an und sucht nach „Fake News in der Bibel“. Und er wird fündig: bei Evas Apfel, Marias Jungfräulichkeit – und beim Machtanspruch der Päpste.

Florin: Das Evolutionäre im evolutionären Humanismus greift die Evolutionsbiologie auf – und das bedeutet unter anderem, dass der biblibsche Schöpfungsbericht widerlegt wird. Wieso ist damit auch der Glaube an Gott widerlegt, wenn man sagt, der Schöpfungsbericht, der stimmt nicht, das kann gar nicht so passiert sein?

Schmidt-Salomon: Ich würde gar nicht behaupten, dass der Glaube an Gott widerlegt ist. Das Problem an diesem Begriff Gott ist, dass er nicht hinreichend definiert worden ist oder dass es unzählige Definitionen von Gott gibt. Ich kann nicht per se sagen, dass alle Definitionen im Widerspruch zu unseren wissenschaftlichen Erkenntnissen stehen. Ich habe Menschen getroffen, die haben gesagt: „Gott ist doch nur die Summe des Seins.“ Oder: „Gott ist die Liebe.“ Da ich weder an die Existenz dieses Universums zweifle noch an der Möglichkeit der Liebe, habe ich keinen Grund, diese Gottesvorstellungen widerlegen zu müssen. Ich würde nur als Philosoph darauf bestehen, die Liebe Liebe und das Universum Universum und das Sein Sein zu nennen, weil es sonst zu Verwechslungen führt. Meine Schwierigkeiten sind natürlich dann gegeben, wenn einem Gott bestimmte personale Eigenschaften zugeschrieben werden, wenn das mit einer Heilsgeschichte verbunden ist, die mit dem, was wir über die Welt wissen, schwerlich in Einklang zu bringen ist.

„Viel Sinnvolles, sehr viel Unsinniges, sehr viel Gefährliches“

Florin: Sie lehnen Religion für sich selbst ab. Warum möchten Sie auch, dass sich andere von der Religion verabschieden? Oder ich könnte auch andersherum fragen: Missionieren Sie für Ihren evolutionären Humanismus?

Schmidt-Salomon: Also, ich will Menschen überzeugen mit guten Argumenten. Das heißt noch nichtmals, dass ich alle Religionen ablehne. Es gibt durchaus Überschneidungen zwischen meiner Philosophie und bestimmten Strömungen, die in allen Religionen entstanden sind. Beispielsweise große Übereinstimmungen mit Meister Eckhart im Christentum, dem Advaita-Hinduismus, dem Zen-Buddhismus, mit manchen Sufi-Strömungen im Islam, ich bin großer Anhänger von Spinoza – na gut, der wurde aus der jüdischen Gemeinde verbannt –, also es ist nicht so, dass ich generell sagen würde, ich lehne Religion ab. Ich sehe Religion tatsächlich an als kulturelle Schatzkammer der Menschheit, da findet man Sinnvolles, aber auch sehr viel Unsinniges und auch leider sehr viel Gefährliches. Ich würde eben anraten, dass wir die Religion einer kritischen Prüfung unterziehen. Würden die Menschen das gleiche Maß an Rationalität an ihre Weltanschauung anlegen, das sie beispielsweise zeigen, wenn sie ein Smartphone auswählen, dann sähe die Welt schon deutlich besser aus.

Florin: Was ist das Gefährliche an den Religionen? Ich nehme an – oder ich weiß: Sie haben nicht eine einzelne Religion im Visier, sondern es ist etwas grundsätzlich Gefährliches, das Sie Religion attestieren.

Schmidt-Salomon: Es ist diese starke Konzentration auf vermeintlich ewig existierende, absolute Werte. Wir wissen, dass sich die Menschheit im Verlauf ihrer kulturellen Evolution verändert hat. Dass wir auch uns in ethischer Hinsicht tatsächlich weiterentwickelt haben, von Wesen, die ursprünglich nur in den Grenzen der eigenen Horde gedacht haben, später vielleicht in den Grenzen der eigenen Religionsgemeinschaft oder der eigenen Nation bis hin zur Formulierung universeller Menschenrechte. Die Religionen sind zu einem Zeitpunkt entstanden, als diese Gedanken nicht konsensfähig waren in den Gesellschaften, insofern sind sie häufig so etwas wie kulturelle Zeitmaschinen, die Werte in die Jetztzeit bringen, die eigentlich längst obsolet sind.

„Nächstenliebe und Fernstenhass gehen leider Hand in Hand“ 

Florin: Welche Werte meinen Sie da?

Schmidt-Salomon: Es gibt beispielsweise diese Konzentration auf die eigene Gruppe. Das eigentliche ethische Problem besteht ja nicht in der Nächstenliebe, sondern im „Fernstenhass“. Nächstenliebe und Fernstenhass gehen leider, in der Regel, Hand in Hand. Die Religionen haben ja nicht eine Ethik, sie haben immer zwei Ethiken: eine Ethik für die Mitglieder der eigenen Religion und eine ganz andere für die Außenstehenden.

Florin: Was meinen Sie damit? Dass sozusagen das Außenbild harmloser ist, als das Bild, was man nach innen vermittelt, oder umgekehrt?

Schmidt-Salomon: Nein. Liebevoll, barmherzig, gütig zeigt sich Gott und soll sich der Gläubige zeigen gegenüber denjenigen, die auf dem rechten Pfad der Tugend sind.

Florin: Eigentlich nicht. Wenn Sie das Neue Testament nehmen: Da wendet sich Jesus ja gerade denen zu, die nicht auf dem rechten Pfad der Tugend sind und sagt: Ich helfe dir trotzdem.

Schmidt-Salomon: Ja, aber sie gehören zur gleichen Community. Wer aber trotz der Belehrung sich nicht daran hält, für den ist das ewige Höllenfeuer vorgesehen. Die Stellen, in denen Jesus das beschreibt, sind gewaltig. Selbst in der Bergpredigt oder in den Korrespondenzstellen finden Sie diese Passagen. Also beispielsweise, wer eine Frau lüstern anschaut, für den wäre es besser, er hätte sich die Augen aus dem Kopf gerissen, als sehenden Auges in das ewige Höllenfeuer zu kommen, wo der Wurm niemals stirbt. Das sind sehr massive Gewaltbotschaften, die auch im Neuen Testament angelegt sind, und auch in der Offenbarung des Johannes. Ich kenne keine Passage von de Sade, die so von grenzenlosem Sadismus der Bestrafung der anderen geprägt ist. Und das ist ja eigentlich das, was Religionen ausmacht: Sie schaffen einen Zusammenhalt in der eigenen Gruppe unter Abgrenzung von den anderen. Das ist die Wurzel von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit.

Das erklärt auch, warum wir heute weltweit diese merkwürdige Internationale der Nationalisten haben, wo sich nationale Chauvinisten mit reaktionären Religiösen verbinden. Egal, wo Sie hinschauen in der Welt. Das ist ein Phänomen des Christentums, der Evangelikalen in den USA, der Katholiken in Polen…

„Nationalistische und reaktionäre religiöse Strömungen gehen zusammen“

Florin: Der Orthodoxen…

Schmidt-Salomon: … der Orthodoxen in Russland. Sie haben es im Islam in Saudi-Arabien, in der Türkei, im Iran an nationale Werte gekoppelt. Sie haben es auch bei den ultra-orthodoxen Juden in Israel. Sie haben es bei den radikalen Hindus und bei den radikalen Buddhisten. Das ist ein Phänomen: dieses Zusammengehen von nationalistischen und reaktionären religiösen Strömungen. Und wir können dem, meines Erachtens, nur entgehen, wenn wir diesem identitären Diskurs entgehen…

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Michael Schmidt-Salomon sieht Nationalismus und Religion vielerorts im Schulterschluss (picture-alliance/AP/Alexander Zemlianichenko)

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Hier weiterlesen:

„Aufgeklärte Religion aussterbend wie Männergesangsvereine“

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Gruß Hubert

 

Dr. Gunter Bleibohm – Zerfall eines Wahns – Teil 1   Leave a comment

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Gunter Bleibohm zertrümmert den Wahn und die Arroganz von der Gottesebenbildlichkeit der Anthropozentristen.

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Der Zerfall eines Wahns

Furcht und Lüge

Furcht ist die Hintergrundstrahlung des Lebens und begleitet das Individuum durch alle Lebensphasen. Manchmal ist sie kaum spürbar, manchmal dominiert sie alles Handeln, lähmt das Denken und erzeugt tiefe Unsicherheit. Der Mensch setzt der Furcht in der Regel die Hoffnung entgegen. Hoffnung und Furcht sind  siamesische Zwillinge, die im ständigen Ringen um die tägliche Befindlichkeit ihren Kampf austragen, ständig, immer, solange bis der Lebenskampf endgültig beendet  ist.

Dem Menschen begegnet die Furcht in vielfältiger Form. Furcht entsteht in seinem Inneren, in seinen Gedanken, in seiner Lebenssituation sowie in Kontakten oder Konflikten, die an das Individuum von außen, von Staat, Gesellschaft, von Religion und Moral herangetragen werden. Sie wird gespeist aus der Gegnerschaft von subjektiver Empfindung und objektiver Realität.

In dieser permanenten Auseinandersetzung im Kampf um Selbstbehauptung, Selbstsicherheit , Selbstverwirklichung mit den Störgrößen der Realität, hat der Mensch Strategien entwickelt, den Kampf erfolgreich  – oder zumindest befriedigend – für sich zu gestalten. Ein bewährtes Mittel der Abwehr ist die Lüge. Angefangen bei der kleinen Notlüge, der Schummelei, dem Ausweichen, Vermeiden und Verleugnen bis hin zum manifesten Betrug. Furcht ist somit die Quelle, die Mutter aller Lügen.

Die Lüge – von der Schummelei bis zur gezielten Täuschung – richtet sich primär nach außen, wendet sich gegen Dritte, ist ein tägliches Instrument in Gesellschaft und Staat und bewährtes Verkaufsinstrument im ökonomischen Kontext. Aber die Lüge richtet sich auch allzu oft und gern gegen das Individuum, wird von ihm unbewusst, aber auch gezielt gegen das eigene Ich, gegen das eigene Denken eingesetzt und mündet im weitesten Sinn in Lebenslügen, in Vorstellungen, in Wunschträumen, die fern der der Realität sind, aber dem Wollen des Individuums entsprechen. Die Lebenslüge ist kongruent zur gewünschten Lebensvorstellung, jedoch fern, oftmals sehr fern der Wirklichkeit. Lebenslügen sind die Antagonisten der Realität und trotzdem ein wohltuendes Illusionstheater für die geplagte Seele und stellen eine Mixtur aus Wunsch und Wirklichkeit dar, ein Konglomerat aus Unwissenheit, Gewohnheit, aus Angst und Hoffnung.

Den wenigsten ist es gegeben, vor sich selbst und von sich selbst rückhaltlos und völlig ehrlich, ohne Beschönigung und Einschränkung zu denken. Man nimmt auf sich selbst Rücksicht, schont sich, stellt sich besser dar, als es die Wahrheit gebietet, man schönt die Realität zu eigenen Gunsten. Sapere aude – wage es Einsicht zu haben, keine Maxime wird häufiger ignoriert!

Diesem Sachverhalt liegen die Fragen zugrunde: Will ich wissen und wenn ja, wie viel will ich wissen oder warum sollte ich überhaupt wissen wollen? Friedrich Nietzsche fragte weiter, tiefer, bis zu dem entscheidenden Punkt: Wie viel Wahrheit verträgt der Mensch? Schädigt ihn sein Wissen, zerbricht er daran oder kann er daran zerbrechen, verzweifeln, den Lebensmut verlieren?  Zerstört das Wissen nicht nur Geist, sondern auch als mögliche Folge den Körper? Ist es besser, manches Wissen zurückzuhalten und stattdessen die Illusion der Wirklichkeit vorzuziehen? Ist somit manches Wissen ein verbotenes Wissen weil es schadet? „ Das erste, was durch die verbotenen Wahrheiten zu Grunde geht, ist das Individuum, das sie ausspricht“ findet man bei Nietzsche in seinen nachgelassenen Schriften.
Lebenslügen bleiben aber als Illusionsvorhang nicht nur auf das einzelne Individuum beschränkt. Lebenslügen existieren für ganze Gesellschaften, für Völker, für Zeiten, manchmal sind es nur Monate, manchmal aber Jahre, Jahrzehnte, Jahrhunderte oder wie im Falle der christlichen Religion  zwei Jahrtausende.

Es ist der Wille zum Leben, der kräftige, starke, pure Lebenswille, auf dessen Boden die Illusion eines Jenseits, eines persönlichen Gottes, einer menschlichen Sonderstellung vor allem Lebendigen wuchs, weil dieser Wille nichts so sehr fürchtet, wie die Vernichtung, die Sinnlosigkeit und die Vergeblichkeit allen Seins und insbesondere die Zwecklosigkeit allen Lebens. Nach dem elenden Leben das Nichts, alles war umsonst, nichts bleibt, dann die völlige Vernichtung – dieser Gedanke ist für den menschlichen Normalgeist unerträglich, unverdaulich, vernichtend. Verbotenes Wissen par excellence, Geburtsstunde des Anthropozentrismus mit folgenden Kernsätzen:

  • Ich bin ein Mensch und somit das Ebenbild Gottes und nur ich als Mensch besitze eine unsterbliche Seele und kann ewiges Leben erhoffen, denn alle anderen Lebewesen verfallen dem Nichts.

  • Nur mir als Mensch ist tiefgreifende Begabung zur Vernunft gegeben und eine Würde immanent, die weit über jeder anderen Lebensform steht. Weil mir tiefe Vernunft innewohnt, kann und darf ich all meine Fähigkeiten ausleben.

  • Ich bin die Krone der Schöpfung und ihr letztendliches Ziel und weil das so ist und eine unabänderliche Tatsache darstellt, stehen mir grundlegende Rechte vor allen anderen Lebensformen zu. Insbesondere darf ich andere Lebensformen nutzen, versklaven und töten, wenn es meinem Nutzen und Wohlbefinden dient.

  • Alle Rechte, die ich mir selbst zugestanden habe wie Recht auf Leben, Freiheit, Verbot der Sklaverei , der Folter und Verbot grausamer, erniedrigender Behandlung gelten uneingeschränkt nur für mich. Mit göttlicher und staatlicher Gewissensabsolution verweigere ich diese Rechte der übrigen lebenden Kreatur.

  • Ich darf mich beliebig vervielfältigen, die Erde mit meiner Spezies überschwemmen und deshalb allen anderen Lebewesen ihre Lebensräume nehmen und zerstören.

Dieses Gedankengut, tief verwurzelt im Denken und Handeln, integraler Bestandteil von Kultur, Historie, nur modifiziert durch andere monotheistische Religionen, aber analog vertreten, war und ist die Basis der Denkrichtung, an deren Fundament die Naturwissenschaft erst zaghaft, in der Neuzeit immer heftiger, kratzte und grub. Die Nebelschwaden des Illusionstheaters lichteten sich, werden zunehmend weggeweht und enthüllen eine Szenerie der menschlichen Erbärmlichkeit. Der Mensch wurde zurückgestellt in die Bedeutungslosigkeit, in die Gewöhnlichkeit, er wurde reduziert auf eine Nichtigkeit, auf einen kaum wahrnehmbaren Hauch im Sein. Folgen wir ihm auf dem Weg seiner Kränkungen, seiner Demütigungen, seiner Erniedrigungen, folgen wir ihm auf dem Weg in die Einsamkeit, auf dem Weg in die kosmische Isolation, diesem Zufallsprodukt physikalischer Notwendigkeiten.

Erste Kränkung

Das geozentrische Weltbild, seit der Antike als Erklärung der Planetenbahnen gültig, gehörte der Geschichte an, als von Nikolaus Kopernikus, eigentlich Niklas Koppernigk,  1543 De revolutionibus orbium coelestium gedruckt und veröffentlicht wurde. Die Erde verschwand, so die Konsequenz seiner Forschung, aus dem Zentrum des Universums und wurde zu einem von mehreren Planeten degradiert, die sich um die Sonne drehten. Das heliozentrische Weltbild war geboren. Die Erde als Mittelpunkt des Universums, als Ziel und Zweck der gesamten Schöpfung interpretiert, war auf einmal nicht mehr der Mittelpunkt, sondern ein ganz banaler Planet wie Mars, Venus und die übrigen Planeten des Sonnensystems. Die Welt, insbesondere die christliche Glaubenswelt, war in ihrem Grundverständnis erschüttert. Der Schock und die Ernüchterung saßen tief, hatte sich doch die ganze Gottesmystik des Glaubens nicht  im Zentrum der bekannten Welt, sondern auf einem der neun Planeten abgespielt. Aber es war erst der Anfang der Kränkung menschlicher Hybris, der Beginn des Abstiegs vom Sockel der Überheblichkeit.

Die Wissenschaft der Astronomie, der Kosmologie und der Physik nahm Fahrt auf und lieferte in immer schnelleren Intervallen Erkenntnisse, die das Selbstbild, die Wunschillusion von Mensch und Kirche zusehends ad absurdum führten. Zu Beginn der Neuzeit stellte man auf einmal fest, dass es im Universum zahllose Sonnensysteme gab, die dem unsrigen vergleichbar oder ähnlich waren. Man erkannte, dass unser Sonnensystem eines von Milliarden anderen Sonnensystemen in einem der vielen Seitenarme der Milchstraße, unserer Heimatgalaxie, war. Die Erde war als Zentrum, als Dreh- und Angelpunkt des Universums, aus dem Zentrum des geglaubten göttlichen Willens, als Ziel und Zweck seines Wollens, an den Rand einer Galaxie verlagert, unbedeutend, marginal, kaum auffindbar. Aber es sollte schlimmer kommen.

Der Heimatgalaxie „Milchstraße“ erging es ebenso wie zuvor dem Sonnensystem, denn man begriff, dass selbst diese Galaxie eine kleine, unbedeutende Galaxie unter Milliarden anderer Galaxien war, die im Universum inzwischen beobachtbar waren. Der Planet Erde war auf ein beliebiges Staubkörnchen des Universums reduziert, winzig, bedeutungslos, einsam.

Zufälle

Parallel zu den Erkenntnissen der Kosmologie über die Größenrelation des Universums begann eine physikalische Demütigung der menschlichen Glaubenswelt, eine Demütigung des Gefühls, als Mensch die Verkörperung eines göttlichen Willens zu sein.

Als die Modelle des Urknalls, die bisher bekanntesten Vorstellungen der Weltentstehung, entwickelt wurden, musste man konstatieren, dass Materie und als Folge menschliches Sein ein Kind des Zufalls waren. Die energiereiche Strahlung des Urknalls wies eine minimale Instabilität auf, was erst zur Bildung von Materie und Antimaterie führte.  Dem ersten Zufall folgte ein zweiter. Materie und Antimaterie neutralisieren sich normalerweise. Durch eine geringfügige Verschiebung dieser Symmetrie blieb ein Teil der Materie von der Neutralisation verschont; das Weltall konnte sich in der bekannten Form entwickeln, die Existenz der Erde, des Menschen, des Lebens entstanden als  Produkt beschriebener kosmischer Zufälligkeiten.

Die nächste zufällige Konstellation war die Positionierung der Erde in einer habitablen Zone, also der Zone einer Planetenbahn, die überhaupt Lebensmöglichkeiten eröffnet. Der gutgläubige Gottesverehrer könnte  die Zufallsfolge – und wird es wohl auch tun – als gezieltes Resultat göttlichen Willens sehen, aber die Erkenntnisse des Physikers Ludwig Boltzmann entziehen diesem frommen Wunsch nachhaltig und dauerhaft den Boden. Boltzmann formulierte und bewies das Gesetz der Entropie, das vereinfacht ausdrückt, dass sich abgeschlossene Systeme von einem Zustand der Ordnung in einen Zustand der Unordnung verändern. Peter Atkins formuliert diese Erkenntnis in „Über das Sein“ folgendermaßen:

„Falls Sie tiefes Verstehen ohne Verzicht auf das Staunen, oder positiver und stärker ausgedrückt: Falls Sie die Verdopplung des Staunens durch die Vertiefung des Verstehens bevorzugen, dann sonnen Sie sich im Licht der außergewöhnlich leistungsfähigen Idee, dass alle Lebewesen in ihr kurzes Zwischenspiel des Lebens nur zufällig hineingestolpert sind. Wir sind nicht nur Sternenstaub, wir sind auch die Kinder des Chaos.
Die Ausbreitung von Materie und Energie bildet die Wurzel allen Wandels, denn Materie und Energie haben die Tendenz sich in Unordnung zu zerstreuen (Entropie, zweiter Hauptsatz der Thermodynamik:

In einem abgeschlossenen System nimmt die Entropie beständig zu.

Folgerung: Die Unordnung innerhalb des Systems wächst, die Wahrscheinlichkeit für ein Abgleiten des Systems ins Chaos steigt. Um die Entropie eines Systems zu verringern, um das Chaos zu mildern, ist immer ein Zutun nötig, ein Eingriff von außen, d.h. es muss Energie dem System zugeführt werden.)

[…]

Der entscheidende Punkt: Obwohl im Grunde jede Veränderung von planlosem Verfall angetrieben wird, stellt unsere geistige Aktivität sicher, dass unser Leben voller persönlicher Zwecke ist. Das Gefühl von Zweckhaftigkeit ist so groß, dass es eine natürliche Neigung gibt, diese Vorstellung auf kosmische Entitäten auszudehnen. Diese Ausweitung, diese Extrapolation vom Persönlichen zum Kosmischen ist falsch. In der Physik, in der Chemie, in der Biologie, im gesamten Universum gibt es keine Spur von Zwecken.“

Verlässt man den Makrokosmos und wendet sich dem anderen Extrem, dem Mikrokosmos und den Elementarteilchen, den Quanten, zu, gelangt man in eine Welt voller rätselhaften Ausprägungen, eine Welt, die vom Zufall dominiert ist. Wie Werner Heisenberg feststellte, existieren Elektronen nicht ständig sondern nur, wenn sie mit etwas anderem in Wechselwirkung treten. „Mit einer berechenbaren Wahrscheinlichkeit materialisieren sie sich an einem Ort, wenn sie mit etwas zusammenstoßen. Die Quantensprünge von einer Umlaufbahn zur anderen sind ihre einzige Form von Realität.“ (Carlo Rovelli, Sieben kurze Lektionen über Physik) Dies bedeutet, dass die Sprünge sich nicht in vorhersehbarer Weise, sondern weitgehend zufällig ereignen und das einzige, was man vorhersagen und berechnen kann, ist eine Wahrscheinlichkeit für das Geschehen.

Der Mensch, der an Kausalitäten, an berechenbare Ursache- Wirkung-Beziehungen gewöhnt ist, muss konstatieren, dass die kleinsten Bausteine der Materie ausschließlich dem Zufall gehorchen. Diese Tatsache konterkariert jede Annahme einer Planung, eines zielgerichteten Wollens, das auf ein göttliches Wesen zurückzuführen ist. Alles Organische, jede Materie, ist auf Quantenebene ein Zufallsprodukt, was bedeutet, dass es wie ein Nebelfetzen durch das Sein schwebt, sich bildet, sich verändert, sich auflöst und irgendwo neu bildet. Die Wirklichkeit wird virtuell, verliert ihre Konstanz, Wirklichkeit ist eine temporäre und situative Wahrscheinlichkeit. Und da die Wirklichkeit nur eine Wahrscheinlichkeit ist, kann auch die Wahrheit nur eine Wahrscheinlichkeit sein, deren Gehalt von der Perspektive abhängt. Die Realität verschwimmt zu einer Chimäre, einem kaum fassbaren Aufflackern im Sein.

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Dr. Gunter Bleibohm – Zerfall eines Wahns – Teil 1

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Gruß Hubert

Diese dummen Religionen   1 comment

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Auch Religionen müssen sich einer kritischen Überprüfung stellen. Warum sollten die etwas vorgeben können, das dann kritiklos übernommen werden muss? Zumal ja alle Religionen von Menschen gegründet wurden – von wem denn sonst? Wer leichter glaubt, wird schwerer klug.

Aus tageswoche.ch

Christen, Juden, Muslime, Buddhisten – unser Kolumnist hat keinen Respekt vor Religion und kein Verständnis für Menschen, die mit heiligen Schriften argumentieren.

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Knackeboul_DummeReligionen_06Am dritten Tage auferstanden von den Toten … ne, das war angeblich Jesus. Wir sehen hier Brian und seine Mitgekreuzigten. (Bild: Alamy/Montage: Nils Fisch)

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Lasst uns über die Dummheit von Religionen staunen. Gerade an Ostern. Beginnen wir mit dem Islam, damit nicht gleich alle christlichen Abendländler dahergepilgert kommen und fragen, wieso «die Linken» immer nur auf dem Christentum herumhacken.

Einschub: Die Islamophobie in Europa steht in voller Blüte. Von der AfD über Horst Seehofer bis zur SVP wird zu Promozwecken mächtig Hetze gegen Kopftücher betrieben und Millionen Europäer glauben inzwischen, dass Vergewaltigungen ein Problem sogenannt aggressiver Kulturen, allen voran eben des Islams, seien.

Das führt dazu, dass Menschen, die das Pech hatten, in einem konservativen muslimischen Land aufgewachsen zu sein, sich erst vor Bomben retten mussten, um dann in Europa aus einer brennenden Asylunterkunft zu fliehen.

Sprechende Schlangen und Büsche

Das bewegt «Linke» und andere Menschen mit Herz und Hirn dazu, sich erst mit den Bränden im eigenen Land zu befassen, bevor  sie sich Gedanken zur Rückständigkeit des Islams machen. Heisst: Zuerst muss der Vormarsch der Populisten und Neonazis, deren Gedankengut sich nur unwesentlich von dem islamistischer Fundamentalisten unterscheidet, bekämpft werden.

Dass in Regionen, die seit Jahrzehnten zugebombt werden, wo die Wirtschaft am Boden liegt und die Bildung daher minimal ist, absurd fundamentalistisches Gedankengut seine dornigen Blüten treibt, ist irgendwie nachvollziehbar. Wieso die westliche Version dieser Hitzköpfe – Neonazis und Mobs mit Fackeln – gerade in wirtschaftlich stabilen und hochgebildeten Ländern soviel Erfolg haben, wirft hingegen Fragen auf.

Das gesagt, kommen wir zurück zum Thema. Der Islam ist dumm. Das Christentum auch. Somit sind Moslems und Christen dumm. An dieser Stelle werden mir mein tiefes Niveau wie auch meine plumpen Provokationen und dummen Beleidigungen vorgeworfen werden. Von Menschen, die an sprechende Schlangen und Büsche glauben und an die moralische Überlegenheit des Mannes über die Frau. Menschen, die höchst beleidigt reagieren, wenn man ihre Religion nicht respektiert.

 

Was Religionen und ihre Anhänger tun: Frauen unterdrücken, Homosexuelle diskriminieren, Andersgläubige verfolgen.

Ich persönlich respektiere keine einzige Religion. Auch nicht den Buddhismus und schon gar nicht irgendwelche animistische Hippiekacke, ausser sie wird von Ureinwohnern der entsprechenden Regionen betrieben wbeie etwa den Aborigines oder den Emmentalern. Judentum und Hinduismus hingegen sind dumm wie Islam und Christentum.

Also: Ich, Knackeboul bezeichne Religionen und deren Anhänger als dumm. Was Religionen und deren Anhänger tun: Frauen unterdrücken, Homosexuelle diskriminieren, Andersgläubige verfolgen, Kinder traumatisieren, Fortschritt verwehren, Kriege verursachen, Trump wählen, Erdogan wählen, Seehofer wählen.

Vor 300 Jahren wussten die meisten Menschen sehr wenig. Heute kann jeder alles wissen. Früher mussten Hexen und Dämonen für Unerklärliches den Kopf hinhalten oder Gott für Segen oder Fluch. Heute sind die meisten Mysterien geklärt, die Geschichten aus den heiligen Büchern widerlegt oder als Mythen erkannt.

Dass ein gewisser Jesus von Nazareth existiert hat, kann man nachweisen, dass er Gottes Sohn ist, bleibt Fiktion.

Historische Fakten in Bibel und Koran sind allenfalls die Teile, die man auch rational ergründen kann. Dass ein gewisser Jesus von Nazareth existiert hat, kann man nachweisen, dass er Gottes Sohn ist und durch Wände ging, bleibt Fiktion.

Ja, Religionen haben Fortschritte gemacht, sind moderner und humaner geworden. Dafür mussten sie sich aber beispielsweise vom Bibeltext, von den Dogmen, eigentlich von sich selbst entfernen. Natürlich, die reformierte Kirche ist aus einer religiösen Warte betrachtet modern und fortschrittlich, aus einer fundamentalistischen sogar ketzerisch.

Möchten sich die Reformierten wirklich der Zeit anpassen, würden sie ihre Kirchen in Stätten der Aufklärung, Philosophie und Wissenschaft umfunktionieren und das ganze Bibel-Brimborium weglassen. Womöglich würde ein Grossteil der reformierten Pfarrerinnen begeistert mitmachen.

Die Pest wurde durch Hexen ausgelöst. Man konnte die Pest durch das Bestrafen von Sünderinnen besänftigen.

Der Rückfall in religiöses und fundamentalistisches Denken lässt sich erklären. Menschen brauchen für Unverständliches, Beängstigendes und Ungerechtes Erklärungen oder Hoffnung. Die Pest wurde durch das sündige Treiben von Hexen oder Andersgläubigen ausgelöst. Man konnte die Pest also durch das Bestrafen von Sünderinnen und Ungläubigen besänftigen.

Die Ernte war schlecht ausgefallen und die Armut unerträglich: Das ist eine Prüfung Gottes, aber gleichzeitig gibt er mir die Kraft sie zu bestehen. Dieses Denken half in dunklen Zeiten – vor allem den Mächtigen, die es für ihre Zwecke nutzen konnten. Heute kennen wir die Ursachen von Krankheiten und schlechten Ernten, sind aber gleichzeitig überfordert, weil uns die Quellen dieses Wissens mit Information überfluten.

Wir leben in einer Zeit, wo alles aufgeklärt, alles gewusst und somit alles relativ wird. Grenzen, Zugehörigkeit, Schuld und Sühne. Alles ist so fein verästelt und unübersichtlich, dass sich die Menschen wieder nach einfachen Schemen sehnen. Die Religion und der Aberglaube bieten diese. Gut und Böse. Himmel und Hölle. Wir und die andern.

Modernste Technik trifft auf mittelalterliches Gedankengut. Das macht den Rückfall in dumme Glaubensätze gefährlich.

So kommt es, dass wir ausgerechnet im aufgeklärtesten aller Zeitalter in die irrationalsten Denkschemen zurückfallen könnten. Über die Jahrhunderte sind Millionen Menschen wegen diesen religiösen Denkschemen ermordet worden.

Was passiert, wenn diese aggressive Dummheit wieder um sich greift? Diesmal in der Version 2.0. Mit Langstreckenraketen, weltweiter Vernetzung und umfassenden Überwachungsmethoden. Modernste Technik trifft auf mittelalterliches Gedankengut.

Das ist unsere grösste Herausforderung momentan. Dass die Dummheit der Religionen sich der Weisheit der Wissenschaft bedient. Das muss ausgebuht werden. Laut und immer wieder. Auch in Form von dummen Kolumnen.

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Diese dummen Religionen

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Gruß Hubert

Veröffentlicht 31. Dezember 2018 von hubert wenzl in Religionskritik, Uncategorized

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