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460.000 Biker trafen auf Null Corona-Auflagen   2 comments

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Über manche Dinge kann man sich einfach nur wundern.

Von www.motorradonline.de

Die jährliche Sturgis Motorcycle Rally gilt als eine der größten Motorradveranstaltungen der Welt. 2020 kamen über 460.000 Biker – trotz Corona-Pandemie.

Sturgis ist eine Kleinstadt in South Dakota, USA mit gerade einmal knapp 7.000 Einwohnern. Ein Mal im Jahr bricht über Sturgis aber regelmäßig die Hölle los. Genau dann, wenn die Sturgis Motorcycle Rally steigt. Ein Event, das in den vergangenen Jahren immer rund eine halbe Millionen Zweiradfahrer in die Stadt gespült hat.

Keine Corona-Auflagen

In 2020, dem Jahr in dem die Corona-Pandemie weltweit Großveranstaltungen verhindert, fand Sturgis dennoch statt. Ok, statt der 700 bis 800 Aussteller aus den Vorjahren hatten für 2020 nur etwa 300 zugesagt. Harley-Davidson hatte alle seine Aktivitäten abgesagt und auch seinen Mitarbeitern verboten nach Sturgis zu reisen. Wettbewerber Indian bot vor Ort Probefahrten an, betonte aber ein Sicherheitskonzept zu haben. Der US-Bundesstaat South Dakota selbst hatte keinerlei Corona-Auflagen verhängt. Es gibt also auch keine Maskenpflicht und es gab auch keinen Lockdown. Beschränkungen gibt es lediglich beim Durchfahren der Indianer-Reservate in South Dakota.

Keine Absage gewollt

Die Stadtverwaltung von Sturgis hatte sich mehrheitlich für eine Absage der Sturgis Motorcycle Rally ausgesprochen, wurde aber von diversen Ausstellern mit Klageandrohungen überzogen. Immerhin wird durch das Festival ein Gesamtumsatz von rund 800 Millionen Dollar erwartet. Zudem findet ein großer Teil der Rally auf staatlichem Grund und Boden statt, so dass der Gemeinde die Handhabe für ein Verbot fehlte.

Dennoch erwarten die Veranstalter zur 80ten Ausgabe der Rally, die am 7. August gestartet ist und noch bis zum 16. August läuft, rund 250.000 Besucher. Gekommen sind dann aber 462.182 registrierte Besucher. Damit dürfte Sturgis die weltweit größte Menschenansammlung seit dem Beginn der Corona-Pandemie gewesen sein.

Erste Infektionen bestätigt

Beobachter sehen in dem Festival einen neuen Corona-Hotspot und ein Superspreader-Event, wenn sich die Teilnehmer nach dem Wochenende wieder über die ganze USA verteilen. Andere sehen zudem einen großen Image-Schaden auf Motorradfahrer zukommen. Und nach dem Festival kam, was kommen musste. Behörden melden erste Corona-Fälle von Teilnehmern. Allein wenn man nur das derzeit gültige Corona-Infektionsrisiko von einem Prozent in den USA berücksichtigt, könnte Sturgis rund 4.600 neue Fälle gebracht haben.

Auf die USA entfallen mittlerweile rund ein Viertel aller registrierten Corona-Fälle weltweit. John Hopkins spricht von 5,2 Milionen für die Vereinigten Statten bei weltweit 20,5 Millionen. Die Zahl der Todesfälle liegt in den USA bei rund 170.000, was etwa 20 Prozent der weltweiten Corona-Todesfälle entspricht.

Fazit

Die USA leidet unter Corona wie kaum ein anderes Land, dennoch treffen sich in South Dakota rund 250.000 Biker ohne irgendein Hygienekonzept. Über manche Dinge kann man sich einfach nur wundern.

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460.000 Biker trafen auf Null Corona-Auflagen

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Gruß Hubert

Veröffentlicht 8. September 2020 von hubert wenzl in Medizin

Getaggt mit ,

Wie Fleischesser ihren Konsum rechtfertigen – und was Veganer daraus lernen können   1 comment

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Bild: Peta.de

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Wir alle haben Werte und Überzeugungen, die uns wichtig sind und mit denen wir uns identifizieren. Wir wollen in Übereinstimmung mit unseren Werten leben und beurteilen unser Verhalten und das anderer anhand dieser Maßstäbe. Doch wieso stimmen unsere Prinzipien teilweise nicht mit unserem Handeln überein? Hier eine Erläuterung dieses Phänomens – und was wir daraus lernen können.

Wenn Werte und Verhalten nicht in Einklang stehen

Obgleich sich die allermeisten Menschen selbst als tierlieb bezeichnen und Tierleid ablehnen, werden Fleisch und andere tierische Produkte nach wie vor reichlich konsumiert – auch wenn dies erhebliche Tierqual verursacht. Der Konsum von Tierprodukten steht somit in direktem Widerspruch zu den inneren Überzeugungen der Menschen. Wie können wir Tiere lieben und Gewalt gegen sie ablehnen, aber sie gleichzeitig essen? Der Schutz unserer Psyche, um uns nicht emotional mit dem Thema Tierkonsum befassen zu müssen, und die damit einhergehenden Abwehrreaktionen zur Rechtfertigung unseres Verhaltens werden als „kognitive Dissonanz“ bezeichnet. Dieser spezifische moralische Konflikt zwischen Mitgefühl und Lust nach Fleisch nennt man das „Fleisch-Paradox“.

Karnismus und Speziesismus

Die Psychologin Melanie Joy hat den Begriff „Karnismus“ geprägt. Dieser beschreibt die unsichtbare, dem Menschen oftmals unbewusste Ideologie, wonach die Nutzung und der Verzehr bestimmter Tiere als ethisch vertretbar betrachtet werden. Laut Joy ist dies die dominante Weltanschauung der gegenwärtigen Gesellschaft. Sie prägt unsere Überzeugungen, Normen und Handlungen und läuft somit unserer angeborenen Empathie gegenüber Tieren zuwider. Der Konsum tierischer Produkte ist keine kulturelle Gegebenheit, sondern eine Entscheidung – die jedoch nicht als solche wahrgenommen wird, sondern mit der Unsichtbarkeit des Karnismus erklärt werden kann. Dies führt dazu, dass Menschen oftmals nicht darüber nachdenken, warum sie Tiere überhaupt essen oder manche Lebewesen als „essbar“ einstufen und andere nicht.

Der Psychologe Richard Ryer prägte den Begriff Speziesismus, welcher die Zuschreibung von Werten und Rechten eines Individuums lediglich auf Grundlage seiner Spezieszugehörigkeit definiert. Speziesismus beschreibt also die Diskriminierung von Lebewesen aufgrund ihrer Artzugehörigkeit – wohingegen Karnismus ein gesellschaftliches System bezeichnet, das solche Diskriminierungen und damit einhergehende Handlungen nicht nur ermöglicht, sondern sogar normalisiert.

Karnismus und Speziesismus fördern die systematische Ausbeutung von und Gewalt an Tieren. Sie haben die gleichen Grundstrukturen wie andere Unterdrückungssysteme, z. B. Rassismus und Sexismus, und verwenden eine Reihe psychologischer Abwehrmechanismen, die dazu führen, dass wir (unbewusst) gegen unsere Werte handeln.

So rechtfertigen Fleischesser ihren Konsum

Statt im Einklang mit den eigenen Werten zu leben und ihr Verhalten zu ändern, leugnen viele Menschen das Problem und wenden als Reaktion auf diesen inneren Konflikt verschiedene Vermeidungsstrategien an, darunter die folgenden:

1) Dissoziation zwischen Tier und Endprodukt

Zwar wissen die Konsumenten, dass das Schnitzel auf ihrem Teller ein Stück Tierleiche ist, können sich jedoch emotional von dem damit verbundenen Tierleid distanzieren. Um den Konsum von Tieren zu rechtfertigen, werden diese nicht als Lebewesen betrachtet, sondern versachlicht (als Objekte behandelt) und entindividualisiert (keine einzelnen Lebewesen mit einer Persönlichkeit und Gefühlen, sondern eine anonyme Masse).

2) Tieren Eigenschaften absprechen

Eine weitere mögliche Form der Reaktion auf die kognitive Dissonanz ist ein Absprechen der Eigenschaften der Lebewesen. Fleischesser verneinen die Ähnlichkeit zwischen Tieren und Menschen, so beispielsweise die Tatsache, dass Tiere Schmerzen empfinden. Forscher fanden heraus, dass Probanden, die vor einer Fragereihe zur Empfindungsfähigkeit von Tieren Fleisch gegessen hatten, den Lebewesen einen geringeren moralischen Wert und weniger Empfindungen zuschrieben als diejenigen Versuchsteilnehmer, die im Vorfeld des Fragebogens Nüsse gegessen hatten. Im Rahmen einer anderen Studie wurde untersucht, wie Probanden die geistigen Fähigkeiten von Tieren einschätzen und für wie essbar sie diese Tiere halten. Die Studie zeigte auf, dass die geistigen Eigenschaften der Tiere umso mehr abgewertet wurden, je höher die Konsumenten deren Essbarkeit einschätzten.

3) Man sieht sich als Opfer der Umstände, das sein Verhalten nicht ändern kann

Eine weitere Strategie der kognitiven Dissonanz besteht darin, das eigene Verhalten als quasi unvermeidbar zu verstehen. Man denkt beispielsweise, dass man keine andere Wahl hat, als zu rauchen, weil alle Freunde auch rauchen; oder dass man Fleisch essen muss, weil die vegane Ernährung ungesund oder sehr kompliziert sei. Dazu gehört auch, die Vielzahl an Informationen über die gesundheitlichen Vorteile der pflanzlichen Ernährung zu verdrängen und die Fülle an einfachen veganen Rezepten zu ignorieren, um diese Strategie aufrechterhalten zu können.

4) Relativierung der Problematik

Wer die kognitive Dissonanz mit Relativierung bekämpft, der legt sich Argumente zurecht, die aufzeigen sollen, dass die eigenen Werte und das eigene Verhalten angeblich doch in Einklang stehen. So beruft sich ein Raucher vielleicht darauf, dass ein Verwandter trotz langjährigen Rauchens sehr alt geworden oder gesund geblieben ist. Damit versucht er, den Widerspruch zwischen dem Wert der Gesundheit und dem Verhalten des Rauchens aufzulösen. Beim Thema Tierprodukte relativieren viele Menschen ihren Konsum, indem sie sich einreden, dass ihnen das Tierwohl am Herzen liegt und sie deswegen beispielsweise nur Bio-Fleisch aus artgerechter Haltung oder generell nur wenig Fleisch essen. Dabei wird jedoch ausgeblendet, dass sogenannte Tierwohllabels oftmals reine Verbrauchertäuschung sind, die nur dazu dienen, das Gewissen der Verbraucher zu beruhigen. Und dass auch in der Bio-Haltung Tiere zu Profitzwecken genutzt und für unseren Konsum getötet werden.

Angesichts der Unstimmigkeit zwischen ihren Überzeugung und dem eigenen Verhalten umfassen die gängigen Reaktionen fleischessender Menschen daher oftmals eine Abschwächung ihres Mitgefühls mit Tieren sowie das Vorbringen von Scheinargumenten, die einen tierfreundlichen Lebensstil als unpraktikabel oder gar unmöglich erscheinen lassen.

Konfrontation mit Veganern

Wenn Omnivore vegan lebenden Menschen begegnen, bröckeln die selbstbetrügerischen Rechtfertigungen – und das sorgt erst einmal für einen Abwehrmechanismus. Bei diesem Zusammentreffen kommt es häufig zu einer durch das Fleisch-Paradoxon hervorgerufenen Reaktion von Stress und Wut, denn der fleischessende Mensch scheut die Bewusstwerdung des eigenen inkonsequenten Handelns und projiziert diese negativen Emotionen auf den vermeintlichen „Gegner“ bzw. die vegan lebende Person – die ihr Konsumverhalten seinen eigenen Werten bereits angepasst hat. Ein Weg, damit umzugehen, ist beispielsweise, das Gegenüber auf persönlichem Level hart anzugehen, um sich nicht mit seinen Argumenten befassen zu müssen. Oder man unterstellt Inkonsequenz und möchte damit suggerieren, dass das Gegenüber ja auch nicht in vollem Einklang mit den eigenen Werten lebt. Aus diesem Grund erfreuen sich Medienberichte über die Umweltschädlichkeit von Lebensmitteln, die auch Veganer konsumieren, großer Beliebtheit. Dass die meisten vegan lebenden Menschen bei ihrem Einkauf großen Wert auf Nachhaltigkeit und Regionalität legen, wird dabei ignoriert oder bestritten – schließlich geht es darum, mit dem Finger auf andere zu zeigen, um das eigene Verhalten nicht reflektieren zu müssen.

Fleischessende „Tierfreunde“ müssen dennoch anerkennen, dass es durchaus nicht schwer ist, pflanzlich zu leben und Tierliebe konsequent umzusetzen. Wenn mein Gegenüber am Tisch zudem gute Argumente hat und darüber hinaus noch nett und gar nicht so viel anders ist als ich, dann muss auch ich mir eingestehen, dass meine „Rechtfertigungen“ für den Konsum von Tierprodukten einer tiefergehenden Prüfung nicht standhalten.

Was lernen wir daraus?

Der Konsum von Fleisch, Milch und Eiern ist verantwortlich für immenses Tierleid, Umweltzerstörung und gesundheitliche Probleme. Zudem greifen Menschen, die tierische Produkte essen, häufig zu Abwehrmechanismen gegenüber sich selbst und pflanzlich lebenden Menschen, was psychischen Stress verursacht. Deshalb ist es wichtig, aggressives Verhalten oder Anfeindungen von fleischessenden Freunden und Bekannten nicht persönlich zu nehmen, sondern als einen Versuch zu verstehen, die durch die kognitive Dissonanz entstandene Irritation aufzulösen.

Im Gespräch mit Fleischessern sollten wir uns nicht provozieren zu lassen, sondern vielmehr auf die Kritik eingehen und den Fokus auf die Beweggründe der veganen Ernährung lenken. So können wir immer mehr Menschen dazu bewegen, gemäß ihren eigenen Werten zu leben und Tiere und deren Bedürfnisse zu respektieren.

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Wie Fleischesser ihren Konsum rechtfertigen – und was Veganer daraus lernen können

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Bild von VGT.at

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Gruß Hubert

 

Corona-Pandemie und rechtsextreme Onlinepropaganda   Leave a comment

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Viele Rechtsextreme sehen in der Coronakrise einen globalen Plan in der eine globale Elite danach strebe, die Weltbevölkerung immer mehr zu unterjochen und gefügig zu machen.

Auszug:
„Zu beobachten ist, dass die bei rechtsextremen Verschwörungsgläubigen beliebten Begriffe wie „Neue Weltordnung“ oder kurz „NWO“ in diesem Kontext verstärkt die Runde machen. Dahinter steckt die Vorstellung, dass eine globale Elite danach strebe, die Weltbevölkerungen immer mehr zu unterjochen und sie sich gefügig zu machen. Diese Verschwörungserzählung ist nicht nur anschlussfähig an alte antisemitische Stereotype. Nicht selten wird hinter der „globalen Elite“ explizit eine jüdische Machenschaft konstruiert und sprachlich in gewisse Codes und Personifizierungen wie „Soros“ oder „Rothschild“ verpackt.“

Von hass-im-netz.info

Unsichere Zeiten: Rechtsextreme Angstpropaganda

Die aktuellen Entwicklungen rund um die Pandemie, ausgelöst durch den Coronavirus SARS-CoV-2, beherrschen zurzeit die öffentliche Berichterstattung. Informationen überschlagen sich, während gleichzeitig viel Unklarheit und Verunsicherung vorherrscht. Schließlich erscheint das bekannte und sicher geglaubte in Frage zu stehen. Insbesondere Kinder und Jugendliche, denen es noch schwerer möglich ist, die aktuelle Lage einzuschätzen und einen an der Realität geprüften Zugang zu entwickeln, kann diese Gesamtsituation stark herausfordern.

Rechtsextreme versuchen, sich genau diese Situation zu Nutze zu machen. Angst gehört für rechtsextreme Propaganda zum Kerngeschäft. Nicht verwunderlich ist es also, dass sie auch die Corona-Pandemie aufgreifen und hier mit Umdeutungen, Verschwörungstheorien und Untergangsszenarien ihre Agenda voranzutreiben suchen.

Coronavirus und rassistische Hasskampagnen

Rechtsextreme nutzen die Diskussion um staatliche Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie aus, um rassistische Hasskampagnen zu forcieren. Neben antisemitischen und antiziganistischen Inhalten ist vor allem eines ihrer dominierenden Themen der letzten Jahre präsent: Flucht und Migration. Die Schließungen vieler staatlicher Grenzen nehmen sie zum Anlass, die von ihnen propagierten Verfehlungen aus dem Jahr 2015 zu thematisieren. Die schnelle Reaktion mit Blick auf die Pandemiebekämpfung zeige, dass Grenzschließungen nicht unmöglich seien. Vielmehr werde nun offensichtlich, dass die angebliche „Öffnung“ 2015 Teil einer gezielten Strategie gewesen sei.

Ein Anschluss wird hier zum Narrativ des „großen Austauschs“ hergestellt. Nach diesem werde Migration gezielt genutzt, um die „autochthone“ Bevölkerung zu schwächen, eine „Islamisierung“ voranzutreiben und einen „Kampf gegen das eigene Volk“ auszufechten. Nicht selten werden hier antisemitische Erzählmuster beigemischt.

Daneben werden flüchtende Menschen in der rechtsextremen Propaganda auch ganz explizit mit dem Coronavirus gleichgesetzt. Insbesondere die Lage Geflüchteter an der griechisch-türkischen Grenze dient als argumentativer Hintergrund. Der Vergleich mit Krankheitserregern entmenschlicht Geflüchtete gezielt und erhebt ihre Abwehr, notfalls mit brutalsten Mitteln, zu Notwendigkeit.

Verschwörungstheorien: Corona-Pandemie als globaler Plan?

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Eine Vielzahl von Verschwörungstheorien umkreist die Pandemie. Im Netz sind diese leicht auffindbar und erreichen sehr viele Userinnen und User, da sie auch massenhaft durch reichweitenstarke Angebote, in Gruppen auf Social-Media-Plattformen und via Messenger verbreitet werden. Dabei reicht die Bandbreite von Konvoluten einzelner Desinformationen bis hin zu Großerzählungen internationaler Verschwörungen.

Nicht wenige Rechtsextreme sehen in der Corona-Pandemie den willkommenen Anlass, wenn nicht eine gezielt initiierte Aktion, um ein globales Herrschaftssystem zu errichten. So finden sich einzelne Verschwörungsmythen, die das Virus als Waffe sehen, die durch Pharmakonzerne oder geheimstaatliche Labore entwickelt wurde. Andere leugnen gänzlich die Existenz von SARS-CoV-2 und sehen die Pandemie als Täuschungsaktion von Politik und Medien.

Zu beobachten ist, dass die bei rechtsextremen Verschwörungsgläubigen beliebten Begriffe wie „Neue Weltordnung“ oder kurz „NWO“ in diesem Kontext verstärkt die Runde machen. Dahinter steckt die Vorstellung, dass eine globale Elite danach strebe, die Weltbevölkerungen immer mehr zu unterjochen und sie sich gefügig zu machen. Diese Verschwörungserzählung ist nicht nur anschlussfähig an alte antisemitische Stereotype. Nicht selten wird hinter der „globalen Elite“ explizit eine jüdische Machenschaft konstruiert und sprachlich in gewisse Codes und Personifizierungen wie „Soros“ oder „Rothschild“ verpackt (mehr dazu: Report: Antisemitismus online und Report: Antisemitismus online 2.0).

„Merkel-Diktatur“ in Zeiten von Corona

Angela Merkel als zentrale Hassfigur: Hoffen auf den Tod der Bundeskanzlerin. (Quelle: Twitter; Original unverpixelt)
https://www.watergate.tv/alles-laeuft-nach-plan-merkel-in-corona-quarantaene/

Kleiner Auszug aus obigen Link: „

„Nicht-öffentliche Checkliste: Diese Dinge müssen Sie noch heute einkaufen!

Sie erhalten heute kostenlos eine Checkliste, die Sie sorgfältig durchgehen sollten! Denn darin erfahren Sie, welche 10 Dinge Sie ab sofort bunkern müssen. Denn auf Sie wartet jetzt eine der größten Katastrophen in der Geschichte Europas!“ Anmerkung: einfach nur krank.

Aber auch Desinformationen und Verschwörungsmythen mit einem kleineren Fokus erfahren derzeit eine große Popularität. So seien die staatlichen Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus in Wahrheit ein weiterer Schritt tiefer in den diktatorischen Staatsumbau. Insbesondere Bundeskanzlerin Angela Merkel wird hier der niederträchtige Plan unterstellt, mit „sanften Mitteln“ einen unsichtbaren Krieg gegen das eigene Volk zu führen.

Nicht verwunderlich also, dass sich eine Welle an Hasskommentaren entlud, als publik wurde, die Bundeskanzlerin könne sich infiziert haben. Nicht wenige hofften öffentlich auf einen tödlichen Verlauf. Gleiches ist gegenüber anderen Feindbildpersonen und als „Volksverrätern“ Geschmähten zu beobachten. Ob Greta Thunberg oder Cem Özdemir: Menschenverachtende und demokratiefeindliche Kommentare ließen nicht lange auf sich warten.

Deutsche helfen Deutschen: Rechtsextreme Hilfsangebote

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Onlineinszenierung einer Flyeraktion: Auch die NPD-Jugend gestaltet eine „Hilfskampagne“. (Quelle: Instagram, jugend_packt_an)

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Die Corona-Pandemie und die Maßnahmen zu Eindämmung haben dazu geführt, dass sich viele Initiativen und Netzwerke gegründet haben, um ältere Menschen, Risikogruppen oder Menschen, die derzeit eine besonders hohe Belastung haben, zu unterstützen. Diese Solidaritätsaktionen und Unterstützungsnetzwerke haben viel Aufmerksamkeit erfahren. Rechtsextreme versuchen hier anzudocken.

Via Social Media bieten etwa rechtsextreme Parteien und Organisationen, darunter die NPD und ihre Jugendorganisation, Der III. Weg oder Ein Prozent, ihre Hilfe an. Durch auf den ersten Blick harmlose Sharepics, oft versehen mit Kontaktmöglichkeiten, versuchen sie, auf ihre Aktionen aufmerksam zu machen. Auch Fotos von inszenierten Flyer- oder Plakataktionen sind auf den entsprechenden Social-Media-Angeboten zu finden.

Wie schon bei anderen Wohltätigkeitsaktionen wie Obdachlosenhilfe oder Tierfutterspenden geht es vor allem um eine Inszenierung fürs Netz. Rechtsextreme schließen an ein gemeingefälliges Thema an, dass vor allem Zuspruch und somit Reichweite verspricht. Dass es ihnen dabei um wirkliche Hilfe, unabhängig vom Background der Betroffenen geht, darf in Anbetracht der ansonsten völkisch-rassistischen Agenda bezweifelt werden.

 

Apokalypse jetzt: Hoffen auf den Untergang

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Mit Blick auf rechtsterroristische Subkulturen im Netz, wie sie derzeit vor allem auf Telegram sichtbar sind, finden sich weniger Unterstützungsangebote oder Angstpropaganda sondern eher das Gegenteil: Hier wird Freude über die Pandemie bekundet, insofern der Ausnahmezustand vermeintlich den erhofften und beschworenen „Tag X“ ankündigt.

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In diesen Gruppen wird ein weitgehender Zusammenbruch gesellschaftlicher Ordnung erwartet, der auch gezielt zu beschleunigen sei. Mit Waffen und Kampftaktiken vorbereitet soll in einem Endzeitszenario der vermeintlich verkommen Moderne, d.h. demokratischen und freiheitlichen Errungenschaften, der Todesstoß versetzt werden. Mit Memes, die eine jugendaffine Ästhetik mit nationalsozialistischen Symbolen oder (abstrakten) Gewaltandrohungen verknüpfen, wird zudem dazu aufgerufen, jüdische, schwarze oder muslimische Menschen gezielt zu infizieren. Rechtsterroristische Propaganda wird so konsumierbar im Netz präsentiert.

Wie auch bereits in der Vergangenheit wird dazu aufgerufen, sich notwendiges Rüstzeug für den Zusammenbruch der Ordnung und den anschließenden Bürgerkrieg zu beschaffen. Rechtsextreme „Prepper“ (engl. „to be prepared“) wähnen sich als diejenigen, die es „immer schon gesagt“ haben. Outdoor-Equipment, Notvorräte, Waffen und das Know-how zum Überlebenskampf seien nun wichtiger denn je. Entsprechende Anleitungen und Praxisberichte erfahren daher verstärkte Verbreitung.

Doch auch rechtsextreme Parteien knüpfen an solche Narrative an, wenn sie die aktuelle Krise als Chance begreifen, um „endlich“ Schluss zu machen mit Globalisierung und den vermeintlich verkommenen Werten. Gemeinsam ist ihnen allen die Lust an Bürgerkriegsszenarien und die Hoffnung darauf, dass sie nach einem Zusammenbruch und einer Phase der Gewalt als Sieger hervorgehen, um ihre völkischen Ordnungsvorstellungen verwirklichen zu können.

Besondere Verantwortung der Plattformen in Krisenzeiten

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Fast 2,5 Millionen Aufrufe: Nicht nur in der rechtsextremen Szene weitverbreitetes YouTube-Video mit verschwörungstheoretischen Inhalten zur Corona-Pandemie. (Quelle: YouTube, Wissensmanufaktur)

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Viele Menschen informieren sich über das Weltgeschehen online. Und insbesondere für junge Menschen sind Angebote auf Social-Media-Plattformen zu einem zentralen Informationskanal geworden. Umso größer ist die Verantwortung der Betreibenden, ihre Dienste so auszugestalten, dass Kinder und Jugendliche diese ohne Gefahren nutzen können. Unter den unzähligen Informationen, die besonders in Krisenzeiten via Social Media verbreitet werden, zielen manche darauf ab, mit Ängsten die rechtsextreme Propaganda voranzubringen.

Um Gerüchten und Falschmeldungen entgegenzuwirken, verweisen große Plattformen wie Twitter oder YouTube auf das Informationsangebot offizieller Stellen wie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Bei Instagram führt die Suche nach dem #coronavirus nicht direkt zu den Ergebnissen, sondern zu einer zwischengeschalteten Seite mit Link zu den tagesaktuellen Hinweisen des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG). Facebook verlinkt bei der Suche nach „coronavirus“ eine eigens gestaltete Übersichtsseite, in denen geprüfte und offizielle Informationen gesammelt sind.

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Wenngleich diese Maßnahmen der großen Dienste sicher zur Bekämpfung von Fake News und Desinformationen beitragen, finden sich auf den Plattformen weiterhin Hasspropaganda und Verschwörungsinhalte. Insbesondere auf YouTube erreichen Videos, die oben genannte Verschwörungstheorien beinhalten, weiterhin Hundertausende, darunter auch viele junge Userinnen und User.

Noch deutlicher zeigt sich in der rechtsextremen Social-Media-Strategie rundum die Corona-Pandemie, wie stark Ausweichplattformen und Messenger-Dienste, allen voran Telegram, als Beschleuniger für ihre Propaganda dienen. In Kanälen mit bis zu 50.000 Mitgliedern werden offen antisemitische, rassistische und antidemokratische Inhalte verbreitet. Bemühungen der Diensteanbieter, gegen solche Inhalte vorzugehen, sucht man indessen auf Ausweichplattformen wie Telegram oder VK meistens vergebens.

 

Kinder und Jugendliche gegen Desinformationen rüsten

 

Kinder und Jugendliche sind Verschwörungstheorien, Fake News und rechtsextremen Umdeutungen, die vor allem Zeiten besonderer Unsicherheit vermeintliche einfache Antworten liefern, besonders ausgesetzt. Informationen einordnen, Quellen überprüfen und dagegenhalten können: Solche Handlungskompetenzen sind umso wichtiger, als dass die Social-Media-Plattformen ihrer gesellschaftlichen Verantwortung nur teilweise nachkommen.

Um junge Userinnen und User gegen Desinformationen und rechtsextreme Propaganda rüsten zu können, bedarf es hilfreiche Materialien und Vermittlungsformate. Das Faltblatt Achtung Hinterhalt! beispielsweise klärt darüber auf, wie Rechtsextreme versuchen, im Internet Stimmung zu machen und zu manipulieren. Bei klicksafe.de, der EU-Initiative für mehr Sicherheit im Netz, gibt es eine Fülle an Materialien, u.a. für den Schulunterricht, zum Themenfeld Rechtsextremismus im Netz.

Auch die Amadeu Antonio Stiftung hat eine Vielzahl an hilfreichen Broschüren und Materialien erarbeitet. Aktuell findet sich online auch ein Beitrag, der sich mit Fake News im Familienchat beschäftigt und praktische Tipps gibt, um einen selbstbestimmten Umgang mit diesen zu finden.

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Corona-Pandemie und rechtsextreme Onlinepropaganda

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Gruß Hubert

 

Verschwörungstheorien   2 comments

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Martin Balluch bringt hier einige interessante Fallbeispiele, Überlegungen und Argumente zu Verschwörungstheorien.

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Von http://martinballuch.com

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Bild: Martin Balluch

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Ich habe vor einigen Jahren das Tagebuch einer Frau, die von 1638 bis 1700 hier bei mir am Hochschwab gelebt hat, gelesen und darüber auch einen Blogeintrag geschrieben: https://martinballuch.com/das-hausbuechl-der-stampferin-oder-was-tierschutz-mit-der-todesstrafe-zu-tun-hat/. Darin führt die Autorin aus, dass 1679 ein Bruder von ihr starb und genau zur selben Zeit eine seltsame Frau in der Gegend erschienen ist. Zufällige Koinzidenz würden wir heute sagen. Nicht aber die Leute damals, die von der Naturwissenschaft und deren Verständnis von Realität nicht viel wussten. Damals gingen einige Leute von einer Verschwörung zwischen dieser Frau und dem Teufel aus und überzeugten bald die anderen durch insbesondere die scheinbar mysteriöse Gleichzeitigkeit ihres Auftretens mit dem Tod des Mannes und durch ihr asoziales Verhalten. Die Frau wurde festgenommen und gefoltert. Dabei gestand sie, mit dem Teufel paktiert zu haben und wurde hingerichtet.

Das ist der klassische Fall einer Verschwörungstheorie. Voraussetzung dafür, ihr zu folgen, ist, dass man die naturwissenschaftliche Faktenlage verlässt, die rationale Vernunft hintan stellt und sich durch das reißerisch dargestellte und aufgeblähte, scheinbar Mysteriöse einer zufälligen Gleichzeitigkeit beeindrucken lässt. Dabei ist daran nichts mysteriös, wenn man genau hinsieht. Zu dieser Zeit starben ununterbrochen Menschen im Dorf der Autorin des Tagebuchs, und die Krankheiten waren für die Leute damals praktisch immer undurchschaubar. Dass also eine undurchschaubare Krankheit einen Mann tötet während diese Frau erstmals auftaucht, ist statistisch nicht unwahrscheinlich, ohne dass es einen Zusammenhang geben muss.

Ich kann dem ein moderneres Beispiel hinzufügen. Als wir 10 Tierschützer_innen im Rahmen des Tierschutzprozesses verhaftet und in die Justizanstalt Wr. Neustadt eingeliefert wurden, fiel just zu diesem Zeitpunkt der Fernsehempfang im gesamten Gefängnis aus. Und schon grölte ein Gefangener aus einer der Zellen ober mir, er werde uns „Veganer“ umbringen, wenn er uns trifft, und sollte er eine höhere Haftstrafe dafür bekommen, so sei ihm das wert, weil wir seinen Fernsehempfang mutwillig gestört hätten.

Ein letztes Beispiel: die Atomreaktor-Explosion in Tschernobyl. Die Wolke mit radioaktiven Teilchen kam relativ rasch nach Österreich. Ich war damals Physikstudent und experimentierte gerade zufällig mit Geigerzählern, die die Radioaktivität messen können. So konnten wir nachweisen, dass Kinderspielplätze kontaminiert waren. Andere hatten diese unabhängige Info aber nicht. Als die Regierung also nicht nur Kinderspielplätze sperrte, sondern ganze Augehverbote erließ, gab es eine Reihe von Personen, die eine Verschwörung vermuteten. Es gebe gar keine Radioaktivität – immerhin kann man sie ja mit unseren Sinnen nicht wahrnehmen – oder zumindest keine Atomreaktorexplosion, und überhaupt wolle die Regierung nur die Grundrechte außer Kraft setzen. Damals hatten diese Verschwörungstheorien sehr wenig Effekt. Aber nicht, weil die Menschheit vernünftiger gewesen wäre, als heute, sondern weil es keine sozialen Medien gab. Die Verschwörungstheoretiker_innen damals waren alle isoliert und konnten sich nur mündlich ihrer Umgebung mitteilen. So gab es nie eine kritische Masse, die eine der Verschwörungstheorien zum Selbstläufer hätte werden lassen.

Nicht so jetzt im Fall des Coronavirus. Als ich seinerzeit am Institut für Astronomie der Uni Wien arbeitete, stellte ich mit großer Verwunderung fest, dass im regelmäßigen Abstand Personen auftauchten, die vollkommen überzeugt waren, dass die Quantenmechanik oder die Relativitätstheorie, oder auch die Schwarzen Löcher, nicht die Realität beschreiben würden, sondern internationale Verschwörungen wären. Da war ich Fachmann, das konnte ich leicht widerlegen. Im Fall von Corona bin ich nicht vom Fach. Wie kann ich also eine Verschwörungstheorie von einer echten Verschwörung unterscheiden, wenn ich dazu selbst kein Spezialwissen habe? Immerhin gibt es Letztere ja auch.

Ich denke das ist ziemlich leicht. Erstens weiß ich aus eigener Erfahrung, dass die internationale Wissenschaftscommunity nicht global für eine Verschwörung zu haben ist. Es ist völlig undenkbar, dass sich alle Wissenschafter_innen eines Faches, von China bis in die USA, von Australien bis Europa, von Afrika bis Skandinavien, gemeinsam verschwören und bewusst einen Umstand erfinden oder einen real bestehenden Umstand leugnen. Ich lese also das Magazin „New Scientist“, das von unabhängigen Wissenschaftsjournalist_innen herausgegeben wird und das meinem Eindruck nach eine gesunde kritische Distanz zu allen Behauptungen einnimmt und sich am Stand der internationalen Wissenschaft orientiert. Zu Corona: das New Scientist hat weder diesen Virus noch seine Wirkung je infrage gestellt. Man muss im Internet echte von falschen Quellen für Fakten unterscheiden lernen.

Interessant ist ja, dass Verschwörungstheorien heute immer im Mäntelchen der Wissenschaft daher kommen. Man erfindet wissenschaftliche Autoritäten und behauptet fälschlich Forschungsergebnisse und präsentiert sich als Wissenschafter_in, sodass es auf den ersten Blick vielleicht nicht so leicht ist, Wissenschaft von Fake News zu unterscheiden. Aber nur auf den ersten Blick. Der zweite Blick ist auf die Wissenschaftsmagazine gerichtet, in denen publiziert wurde, oder auf die Methode, die angewandt wurde, und dann lässt sich leicht der Spreu vom Weizen trennen. Es ist nicht alles Wissenschaft, was so tut als ob. Zu Corona: für das wissenschaftlich geschulte Auge sind Auftritte des Herrn Wodarg zum Beispiel sehr leicht als Fake News zu durchschauen.

Zweitens würde ich, um eine Verschwörungstheorie einzuschätzen, immer fragen, wer soll sich da zu welchem Zweck verschworen haben. Verschwörungstheorien zeichnen sich zumeist dadurch aus, dass die Zwecke sehr weit hergeholt sind. Im Fall Corona: Es ist vollständig absurd zu glauben, dass sich alle Staaten der Welt gemeinsam verschworen haben, einen imaginären Virus zu behaupten, um ihre eigene Wirtschaft in den Abgrund zu treiben.

Und drittens ist ein gewisses Maß an vernünftiger Abwägung zwischen den entgegengestellten Thesen gefragt. Im Fall Corona: ist es wahrscheinlicher, dass der ORF die Massengräber in New York und die Totentransporte in Italien durch Schauspieler_innen darstellen lässt, oder reale Szenen gefilmt hat? Sind die Filmaufnahmen aus den Intensivstationen und die Erfahrungswerte zahlreicher Ärzt_innen eher simuliert oder zeigen sie doch die Realität? Ist es möglich, dass sämtlicher Expert_innen, die die Regierungen beraten, durchgehend lügen oder selbst hinters Licht geführt wurden, oder haben sie vielleicht doch ein bisschen eine Ahnung, wovon sie reden?

Ich kenne mich mit Viren nicht besser aus als ein durchschnittlich informierter Naturwissenschafter. Aber alles, was ich schon vor Corona gewusst und seither nachgelesen habe, z.B. über die Pandemie der Spanischen Grippe 1919, lässt mich im Großen und Ganzen zur Überzeugung gelangen, dass die österreichische Regierung in dieser Frage sehr vernünftig agiert hat. Deshalb trage ich sämtliche Maßnahmen freiwillig und gerne mit.

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Verschwörungstheorien

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Gruß Hubert

 

„Alt werden ist scheiße!“ Da gibt es nichts schönzureden   Leave a comment

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Da kann ich der Autorin nur voll recht geben. Mir ist es schleierhaft wie man auf so eine scheiß Idee kommen kann das Alter schönzureden. Da lügt man sich nur in den Sack, ich weiß nicht wie man bei einer Frau sagen könnte, sich in die Vagina lügen? 😉

Von brigitte.de

Über den Spruch ihrer Schwiegeroma hat Mona Droste viel nachgedacht – nicht erst, seit auch ihre Mutter im Altersheim lebt. Wie ist es, alt zu werden, fragt sie sich in der Leserkolumne „Stimmen“. Und wie werde ich das finden? Vermutlich irgendwie „scheiße“…

„Alt werden ist scheiße!“ Dieser schonungslose Spruch stammt von der Oma meines Mannes. Über Wochen lag sie damals im Krankenhaus, bevor sie schließlich verstarb. Ein Satz, der mir nicht mehr aus dem Kopf ging. Leider muss ich seit einigen Jahren auch bei meiner Mutter erleben, dass das Alter einem viel mehr nimmt als gibt. Es fing damit an, dass sie sich beim – von ihr sehr geliebten – Radfahren nicht mehr sicher fühlte und somit öfter stürzte. Wer seit 65 Jahren mit dem Rad unterwegs ist und es auf einmal nicht mehr kann, zweifelt an sich. Wir haben oft darüber gesprochen, Fahrversuche unternommen und eine Erklärung gesucht, warum diese Unsicherheit blieb. Aber statt einer Antwort blieb letztendlich die Erkenntnis, dass es das war mit der mobilen Freiheit auf dem Rad.

Wenn man auf die Welt kommt, lernt man von Jahr zu Jahr Neues: Laufen, Schwimmen, Radfahren, Schreiben, Autofahren. So erzählten in der letzten Zeit meine Freundinnen stolz von den neuesten Fortschritten ihrer Kinder, während ich von den Rückschritten meiner Mutter berichtete. Auf den unsicheren Gang und unerklärbaren Schwindel folgte ein Rollator, und nach einer großen Diskussion innerhalb der Familie, die über Monate ging, haben wir, mit dem Einverständnis meiner Mutter, ihr Auto verkauft. Ihre eigene Sicherheit und die der anderen geht einfach vor. Doch es schmerzt, ihre Rückschritte beobachten und deswegen handeln zu müssen.

Über den Spruch ihrer Schwiegeroma hat Mona Droste viel nachgedacht – nicht erst, seit auch ihre Mutter im Altersheim lebt. Wie ist es, alt zu werden, fragt sie sich in der Leserkolumne „Stimmen“. Und wie werde ich das finden? Vermutlich irgendwie „scheiße“…

„Alt werden ist scheiße!“ Dieser schonungslose Spruch stammt von der Oma meines Mannes. Über Wochen lag sie damals im Krankenhaus, bevor sie schließlich verstarb. Ein Satz, der mir nicht mehr aus dem Kopf ging. Leider muss ich seit einigen Jahren auch bei meiner Mutter erleben, dass das Alter einem viel mehr nimmt als gibt. Es fing damit an, dass sie sich beim – von ihr sehr geliebten – Radfahren nicht mehr sicher fühlte und somit öfter stürzte. Wer seit 65 Jahren mit dem Rad unterwegs ist und es auf einmal nicht mehr kann, zweifelt an sich. Wir haben oft darüber gesprochen, Fahrversuche unternommen und eine Erklärung gesucht, warum diese Unsicherheit blieb. Aber statt einer Antwort blieb letztendlich die Erkenntnis, dass es das war mit der mobilen Freiheit auf dem Rad.

Wenn man auf die Welt kommt, lernt man von Jahr zu Jahr Neues: Laufen, Schwimmen, Radfahren, Schreiben, Autofahren. So erzählten in der letzten Zeit meine Freundinnen stolz von den neuesten Fortschritten ihrer Kinder, während ich von den Rückschritten meiner Mutter berichtete. Auf den unsicheren Gang und unerklärbaren Schwindel folgte ein Rollator, und nach einer großen Diskussion innerhalb der Familie, die über Monate ging, haben wir, mit dem Einverständnis meiner Mutter, ihr Auto verkauft. Ihre eigene Sicherheit und die der anderen geht einfach vor. Doch es schmerzt, ihre Rückschritte beobachten und deswegen handeln zu müssen.

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Jede Tochter kennt das gute alte Tochter-Mutter-Verhältnis: Man kann noch so erwachsen, gebildet, selbstständig, unabhängig sein, die Mutter bleibt in ihrer Rolle mit gut gemeinten Ratschlägen und der Meinung, es besser zu wissen als die Tochter. Da wird es unendlich schwierig, selbst in die Rolle zu schlüpfen, in der man sagen muss: „Nein Mama, so geht das nicht mehr. Ich bestimme jetzt, vertraue mir bitte.“ Denn ab einem gewissen Punkt ist das nötig, und es geht dabei immer, wirklich immer, nur um ihr Wohl. Ich bin mir sicher, dass meine Mutter wahrnimmt, dass sie ihr Leben nicht mehr eigenständig organisieren kann, aber den Gedanken daran verdrängt. Ich kann das nachvollziehen. Wer will sich schon eingestehen müssen, dass alles bergab geht. Trotzdem nützt es manchmal nichts und der Verstand muss, in Form der Kinder, handeln. Dazu kommt, dass man sich ständig Sorgen macht. Der Klassiker: Ihre Telefonleitung ist mal wieder dauerbesetzt und man fragt sich „Telefoniert sie, hat sie nicht richtig aufgelegt oder ist etwas passiert?“ Sofort setzt das Kopfkino bei einem ein und wird erst gestoppt, wenn man sich auf den Weg macht, um nachzuschauen. Zum Glück wurde ich jedes Mal mit einem „Was soll denn passiert sein, hab‘ den Hörer nur nicht richtig aufgelegt“ empfangen.

Vor einem Jahr schauten wir uns gemeinsam eine Wohnung in einem Seniorenstift an. Meine Mutter hat immer gesagt: Wenn ich mal nicht mehr allein kann, dann werde ich dort wohnen. Für mich war der Zeitpunkt vor einem Jahr gekommen, doch dies sah Mama völlig anders. Zumindest bekamen wir so einen Eindruck des sehr schönen Seniorenstifts und machten einen kleinen Schritt in diese Richtung. Vor zwei Monaten war dann nicht mehr nur ein Schritt, sondern ein Quantensprung nötig – mit der Einsicht, dass gehandelt werden muss. Da Mamas Beweglichkeit so eingeschränkt war, wurden auch ihre sozialen Kontakte immer weniger, und meine äußerst kommunikative und Geselligkeit liebende Mutter ging uns ein wie eine Primel. Die kleinsten Aufgaben im Haushalt überforderten sie und sie nahm an Gewicht ab. Wie besprachen in der Familie, dass nun der Moment gekommen sei, an dem sie nicht mehr allein leben könne und in ihr Wunsch-Seniorenstift umziehe. Acht Wochen sind seither vergangen und das geregelte Essen, die Tatsache, den ganzen Tag von Menschen umgeben zu sein, und die Hilfe, die jederzeit vor Ort ist, tun ihr ersichtlich gut.

Bei meinen Besuchen treffe ich stets viele der Bewohner. Meine Mutter ist längst nicht die Jüngste im Haus, aber vielen geht es im Alter um einiges schlechter. Bei den ersten Besuchen musste ich schlucken: Menschen zu sehen, die nicht mehr allein essen können, ihre eigenen Kinder nicht mehr erkennen und im Rollstuhl auf absolute Hilfe angewiesen sind. Teilweise gewöhnt man sich an den Anblick, trotzdem muss ich immer daran denken, dass hier Menschen ihre letzten Jahre verbringen, die einmal voll im Leben standen, die vor Energie und Lebensmut nur so sprühten und beruflich und familiär viel erreicht haben. Zum Ende des Lebens wird einem vieles wieder genommen, am schlimmsten ist es, wenn das auch Erinnerungen und Gedanken sind. Mir stellt sich dann die Frage, wie ich einmal meinen Lebensabend verbringen werde. Mit Ende 30 ist das vielleicht noch viel zu früh, aber wenn einem täglich vorgeführt wird, wie das Leben im hohen Alter verlaufen kann, bleibt mir nichts anderes zu sagen als:

„Alt werden ist scheiße!“

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„Alt werden ist scheiße!“ Da gibt es nichts schönzureden

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Gruß Hubert

 

Veröffentlicht 7. August 2020 von hubert wenzl in Medizin

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Ex-Metzger und Lebensmittelkontrolleur im Interview: „Fleisch-Mafia macht mit Ekel-Tricks Milliarden“   Leave a comment

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Rebloggt von Tierfreund Wolfgang auf wolodja51.com

Der Lebensmittelkontrolleur und ehemalige Metzger Franz Voll hat 50 Jahre lang in der deutschen Fleisch-Industrie gearbeitet. Im Gespräch mit FOCUS Online erklärt er, mit welchen Tricks heute Billigfleisch produziert wird. Und: Warum die Branche über Lebensmittelkontrollen nur lachen kann – und was sie unter Druck bringen würde.

Fleischskandale wie jüngst bei Tönnies empören die Deutschen. Dabei sind sie gar kein neues Phänomen. “Schon in den 80ern stand ich im Schlachthof knöcheltief in Blut und Schweine-Kot”, sagt Franz Voll. 50 Jahre lang hat der ehemalige Metzger und Lebensmittelkontrolleur in der Fleischindustrie gearbeitet. Weil ihn die Zustände in der Branche angewidert haben, hat Voll den Branchen-Riesen den Kampf erklärt.

Der Ex-Metzger hat mehrere Bücher über die zweifelhaften Praktiken seiner Zunft geschrieben und sich unter anderem als Undercover-Journalist dem Team von Günter Wallraff angeschlossen. Im Gespräch mit FOCUS Online erklärt er, mit welchen Tricks Billigfleisch produziert wird, warum die Branchen-Riesen über Lebensmittelkontrollen nur lachen können – und was die Milliardenbranche unter Druck bringen würde.

Das Interview auf focus.de

Anmerkung: Auch wenn ich nicht mit allem einverstanden bin, was EX-Metzger Franz Voll im nachfolgenden Interview alles sagt und meint, so ist dieses Interview dennoch sehr interessant und auch sehr aufschlussreich .

FOCUS Online: Herr Voll, Sie haben 1969 im Alter von 14 Jahren Ihre Metzgerlehre begonnen. Wie wurde damals geschlachtet – und unter welchen Bedingungen?

Franz Voll: Es war völlig anders. In den 60er Jahren gab es noch kommunale Schlachthöfe, dort hat jeder Metzger noch selbst geschlachtet. Die Tiere wurden nicht wie heute durch die ganze Bundesrepublik in die großen Schlacht-Fabriken gekarrt, sondern in kleinen bis mittleren Betrieben in der Region weiterverarbeitet. Auch der Metzgerberuf war damals noch ein anderer. Ich habe alles gelernt – vom Schlachten über das Wurstmachen bis hin zum Verkauf und Tierhandel. Man hatte einen Bezug zum Tier, konnte zum Beispiel selbst einschätzen, ob es krank und gesund ist.

FOCUS Online: Was hat sich seitdem verändert?

Voll: In den späten 70er und frühen 80er Jahren begann die Branche, die Kunden auf Sonderangebote zu dressieren. Zuvor hatte es so etwas gar nicht gegeben. Auf die Kreidetafel an der Theke schrieb man, ob es heute Rouladen oder Kesselfleisch gibt. Der Preis blieb aber immer der gleiche.

Weil die Konkurrenz immer größer wurde, hat sich der Fleischerberuf immer weiter vom Tier entfernt. In den 80ern wurde es Mode, dass Metzger Fleischteile, die sie benötigten, bei den Zerlegern bestellen. Die bekommt man dann vakuumverpackt in Kartons geliefert. Das ist bequem und aus Verkaufssicht bestimmt sinnvoll. Aber mit dem ehrbaren Handwerk, das ich einst gelernt habe, hat das nur noch wenig zu tun.

Heute gibt es den Fleischer verkaufsbetont oder produktionsbetont. Ich würde sagen, viele von den verkaufsbetont Ausgebildeten wissen heute gar nicht mehr wie ein Rind oder Schwein zerlegt wird. Man muss im Prinzip nur noch grinsen können und wissen, wie eine Salami aussieht. In den Großproduktionen wird Wurst nicht mehr handwerklich hergestellt, da erledigen Pulver und der Häcksler den Großteil der Arbeit.

FOCUS Online: Welches Pulver, welchen Häcksler meinen Sie?

Voll: Der Häcksler, der es ermöglicht, dass Ihre Mortadella aus Fleischresten zusammenbastelt wird. Es ist Usus in der Fleischindustrie mit so genanntem Separatorenfleisch zu arbeiten. Dabei werden billige Fleischreste samt Knochen in einem riesigen Schredder klein gehäckselt, durch einen Druckkolben gepresst und einen Filter getrieben. Das Ergebnis ist ein fast flüssiger Brei, der – verzeihen Sie mir die Formulierung – aussieht wie das Erbrochene von Magenkranken. Die Fleischzellen werden dabei komplett zerstört, die Eiweiß-Muskelzellen liegen offen. Weil das bakteriell höchst bedenklich ist, ist es Pflicht, die Masse sofort nach der Produktion bei minus 18 Grad schockzufrosten.

Der Brei ist in vielen Fällen Hauptbestandteil der Wurst. Dazu kommt Wasser. Der Gesetzgeber erlaubt einen Anteil von 20 Prozent. Doch das reicht vielen nicht. Sie pumpen 30 oder sogar 40 Prozent Wasser rein, um zu sparen. Das fällt nicht auf, weil die Fleischindustrie seit Jahrzehnten eine geheime Allzweckwaffe nutzt: Globust. Dabei handelt es sich um ein hydrolisiertes Eiweiß, ein braunes Pulver aus Schlachtblutplasma, das die Fleischfetzen zusammenkleben lässt und den hohen Wasseranteil verdeckt. Wenn die Mortadella dann in die Analyse geht, wird ein Wasseranteil von gerade einmal 15 Prozent nachgewiesen – obwohl fast die Hälfte der vermeintlichen Wurst nichts mit Fleisch zu tun hat. Das ist nicht nur moralisch verwerflich und reiner Betrug. Es ist auch einfach nur ekelhaft.

FOCUS Online: Warum wird in der Fleischindustrie so gepanscht?

Voll: Rechnen Sie doch mal. Eine gepanschte Wurst wie eben beschrieben kostet mit allem drum und dran 60 bis 70 Cent pro Kilo in der Herstellung. Verkauft wird sie im Supermarkt für 6 bis 7 Euro. Die Margen in der Fleischindustrie sind also riesig. Hinzukommt die Menge. Ein Fleischer ums Eck macht vielleicht 50 Kilo Wurst pro Tag. Für ihn lohnt es sich kaum, sein Produkt mit 40 Prozent Wasser, das ja so gut wie nichts kostet, zu strecken. Die großen Player auf dem Fleischmarkt wie Tönnies aber produzieren 200 Tonnen Wurst – pro Tag wohlgemerkt. Sie können sich ausrechnen, wie viel Geld durch das Strecken der Ware hier gespart wird. In Deutschland gibt es 961 Großproduzenten und alle verdienen gut. Es ist ein Milliardengeschäft.

FOCUS Online: Gleichzeitig wird jetzt von vielen Seiten gefordert, dem Billigfleisch-Trend mit höheren Preisen den Riegel vorzuschieben. Was halten Sie davon?

Voll: Gar nichts. Ich könnte auf den Baum springen vor Wut, wenn Julia Klöckner jetzt sagt, wir müssen 40 Cent mehr pro Kilo bezahlen, damit Tierwohl und Arbeitsbedingungen in den Betrieben besser werden. Das Geld dafür ist in der Branche da; und zwar in Massen. Herr Tönnies könnte jeden einzelnen osteuropäischen Angestellten jeden Tag nach Feierabend mit dem Taxi in seine Heimat kutschieren und am Morgen wieder abholen lassen. Die Politik rudert mit im Boot der Fleisch-Mafia. Sie passt schön auf, dass der Kunde der Doofe bleibt.

FOCUS Online: Was werfen Sie der Politik vor?

Voll: Nach jedem Skandal folgen auf politischer Ebene Absichtserklärungen. Man wolle genauer hinsehen, mehr kontrollieren, Standards besser umsetzen und verschärfen. Fakt ist aber: Die Politik will überhaupt nicht, dass die Fleischindustrie kontrolliert wird. Sie verdient bestens an ihr mit. Das 10.000 Euro Tönnies-Honorar für Sigmar Gabriel ist da nur ein kleines Taschengeld. Es geht um viel größere Summen – und das schon seit Jahrzehnten.

Die Fleisch-Skandale sind ja keine spezifische Erscheinung der letzten Jahre. Ich stand schon in den 80ern in den Betrieben bis zu den Knöcheln in Schlachtabfällen und Schweine-Kot. Und keinen hat’s gekümmert.

FOCUS Online: Weil Sie von den Zuständen in den Großbetrieben angewidert waren, haben Sie vor 30 Jahren die Seiten gewechselt und sind Lebensmittelkontrolleur geworden. Konnten Sie etwas bewirken?

Voll: (lacht) Ich bin damals angetreten, um die Welt zu verändern. Schnell habe ich festgestellt, dass ich das alleine nicht bewerkstelligen konnte. Ich erinnere mich an einen Kontrollbesuch im Jahr 1986, als ich noch als Schlachter in einem Großbetrieb gearbeitet habe. Da kam der Meister an einem Montagmorgen ins Schlachthaus und meinte: „Heute schlachten wir nur 800 Schweine, damit die Kontrolleure nicht im Blut und auf den Innereien ausrutschen.“ Die Hälfte der Arbeiter wurde abbestellt, um den Schimmel an den Wänden zu übermalen. Die Delegation kam, gab ihren Stempel und am nächsten Tag ging es wieder weiter wie davor. So ist es bis heute.

FOCUS Online: Was müsste sich in Ihren Augen hier verändern?

Voll: Die Lebensmittelüberwachung in ihrer jetzigen Form ist ein Anachronismus. Sie ist kommunal geregelt, das heißt ein Kontrolleur sitzt zum Beispiel in Greifswald und seine Befugnisse reichen nicht über die Stadtgrenze hinaus. Die Fleisch-Bosse haben hier leichtes Spiel. Ich habe es selbst erlebt: Man bekommt als Kontrolleur einen Anruf vom Schlachthof-Chef, der sagt: „Wenn Sie kommen, hat das Konsequenzen für Sie.“ Die Macht dieser Leute ist riesig – und sie nutzen sie gnadenlos aus. Die Fleisch-Bosse sind vielerorts in Deutschland so etwas wie Provinzfürsten.

Richtig unter Druck bringen kann man sie nur, wenn das Kontrollsystem endlich dem Umstand Rechnung trägt, dass wir auch bei Fleisch und Wurst inzwischen auf einem globalen Markt leben. Ich schlage deshalb vor, die Kontrollorgane von der Kommunalebene auf die europäische oder mindestens Bundesebene zu verlagern und besser auszustatten. Kontrolleure müssen wie unabhängige Richter in der Lage sein, „Stopp“ zu sagen und einen Betrieb dicht zu machen.

FOCUS Online: Solange das nicht der Fall ist, bleiben den Verbrauchern als Orientierung nur Gütesiegel. Doch auch diese sind oft nicht vertrauenswürdig. Das haben Sie vor zwei Jahren mit einem ziemlich erschütternden Experiment bewiesen. Erzählen Sie!

Voll: Ich habe vor zwei Jahren in einem Beitrag für frontal 21 gezeigt, wie sich der Fleisch-Betrug auch auf vermeintlich unabhängiger Ebene fortsetzt. Viele Hersteller in Deutschland schicken ihre Produkte an die DLG. Für 180 Euro kann man sie „unabhängig testen“ lassen und bekommt bei besonders guter Qualität ein Gütesiegel verliehen, mit dem man sich dann schmücken kann.

Ich habe eine Wurst an die DLG geschickt. Darin waren enthalten: 9 % Fleisch, 27% Wasser und 46% Separatorenfleisch, der Rest war Hühnerhaut. Sie hat grauenvoll geschmeckt. Von der DLG habe ich für dieses Stück Gammel die Silbermedaille erhalten. Es war unglaublich – und hat gezeigt, dass auf den Siegel-Dschungel kaum Verlass ist.

FOCUS Online: Haben Sie überhaupt noch Appetit auf Fleisch? Wo bekommt man überhaupt noch gute Qualität?

Voll: Ich esse immer noch gerne und mit Genuss Fleisch. Ich kenne mehrere Bauern, bei denen ich seit Jahren mein Fleisch beziehe und denen ich vertraue. Natürlich kann sich das nicht jeder leisten und der Aufwand ist groß. Wer weiterhin im Supermarkt kaufen will, dem empfehle ich, auf das Bio-Siegel zu achten. Es ist meiner Erfahrung nach eines der ganz wenigen, bei dem wirklich streng kontrolliert wird.

Ansonsten sollte man in Kleinbetriebe gehen. Seit es keine kommunalen Schlachthöfe mehr gibt, müssen zwar auch lokale Metzger ihre Tiere zum Großschlachter bringen, aber wenigstens weiß man dann als Kunde, woher das Tier stammt. Ich finde, es lohnt sich, den Weg zum Metzger ums Eck in Kauf zu nehmen, auch wenn das vielleicht unbequemer und etwas teurer ist, als alles in einem Aufwasch in den Supermarkt-Wagen zu legen. Denn auch wenn es die roten Mühlen und grasenden Rinder auf den Verpackungen der Produkte Qualität suggerieren, wirklich gutes Fleisch zu finden, ist inzwischen zum Spießrutenlaufen geworden. Leider.

Seuchenherd Europa? Mit dem Klimawandel kommen neue Erreger   2 comments

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Von scinexx.de

Europa gehörte in Bezug auf Emerging Diseases lange zu den eher sicheren Regionen: Viele Tropenkrankheiten kommen bei uns nicht vor, neue Viren oder Bakterien tauchen nur selten auf. Meist treffen Epidemien uns Europäer erst, wenn sie von Reisenden aus anderen Regionen eingeschleppt werden.

Neue Gefahr durch Mücken und Zecken

Doch das könnte sich in Zukunft ändern. Denn mit dem Klimawandel etablieren sich auch bei uns in Deutschland zunehmend Tierarten, die effektive Überträger von Krankheiten sind. Als Folge wächst bei uns die Gefahr, mit bisher hier nicht vorkommenden Infektionskrankheiten angesteckt zu werden. So kommen inzwischen die Tigermücke und die Asiatische Buschmücke bei uns vor. Im Gegensatz zu unserer heimischen Stechmücke sind beide effektive Vektoren für gleich mehrere krankmachende Viren, darunter das Zika-Virus, Dengue und Chikungunya.

Ein weiteres Beispiel ist eine 2016 in Österreich entdeckte Mischform zweier heimischer Stechmücken-Subtypen. Weil diese sowohl an Vögeln als auch am Menschen Blut saugen, können sie Zoonosen wie das West-Nil-Virus auf uns übertragen – eine Emerging Disease, die vor kurzem erstmals auch bei einem Vogel in Deutschland nachgewiesen wurde.

Neue potenzielle „Gefährder“ sind auch Zeckenarten, die ursprünglich nur in südlicheren Gefilden vorkamen, sich jetzt aber wegen der milderen Winter auch bei uns etablieren. Im Sommer 2018 wiesen Epidemiologen erstmals Hyalomma-Zecken in Deutschland nach – und eine davon trug den Erreger des Fleckfiebers in sich. Bei einem aus Afrika heimkehrenden Zugvogel haben Forscher kürzlich das Alkhurma-Virus entdeckt – den Erreger eines 1995 in Saudi-Arabien erstmals aufgetretenen hämorrhagischen Fiebers. Dieses Virus führt in rund einem Viertel der Fälle zum Tode – und wird von Hyalomma-Zecken übertragen.

Zwei Drittel der Erreger reagieren aufs Klima

Es ist keineswegs Zufall, dass gerade das Risiko für von Blutsaugern übertragene Krankheiten in Europa zunimmt. Denn wie Marie McIntyre von der University of Liverpool und ihr Team festgestellt haben, reagieren solche von Vektoren transportierten Erreger besonders sensibel auf Klimaveränderungen. Für ihre Studie hatten die Forscher 157 in europäischen Tieren oder Menschen präsente Erreger daraufhin untersucht, ob und welche Klimafaktoren ihre Verbreitung und Häufigkeit beeinflussen – von Temperaturen über Niederschläge, Wind und Luftfeuchtigkeit bis hin zu Klimaschwankungen.

Das Ergebnis: Knapp zwei Drittel der in Europa präsenten Pathogene sind gegenüber mindestens einem Klimatreiber sensibel – und ein Großteil davon sind Zoonosen. Besonders günstig für diese Erreger ist meist eine Erwärmung sowie eine Zunahme des Regens und der Luftfeuchtigkeit, wie die Forscher herausfanden. Im Zuge des Klimawandels sind dies Bedingungen, wie sie vor allem für die mitteleuropäischen Winter vorhergesagt werden.

Interessant auch: „Einige Übertragungsrouten sind klimasensibler als andere“, erklären McIntyre und ihre Kollegen. „Demnach werden durch Vektoren, Nahrung, Wasser oder Erde übertragene Pathogene stärker vom Klimawandel beeinflusst, während die direkt von Mensch zu Mensch übertragenen kaum betroffen sind.“

Risikoträchtige Zukunft

Nach Ansicht der Forscher müssen wir Europäer damit rechnen, dass in Zukunft das Risiko für potenziell gefährliche Krankheiten steigt. Für Europa bricht damit eine Zeit an, in der viele bisher nur in den Tropen oder am Mittelmeer verbreitete Infektionen auch bei uns drohen. Bereits 2012 empfahlen Fachgesellschaften deshalb Ärzten in Deutschland, bei Patienten mit ungewöhnlichen Fiebersymptomem immer auch an eine Infektion mit neuen Viren zu denken.

Und wie für viele Emerging Diseases gilt auch für die meisten in unseren Gefilden neuen Erreger: Gegen viele davon hat die Medizin noch kein Gegenmittel.

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Seuchenherd Europa? Mit dem Klimawandel kommen neue Erreger

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Gruß Hubert

Was man Corona-Verharmlosern entgegnen kann   Leave a comment

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Ein häufiger Einwand ist bei der Corona-Pandemie dieser: die Infektionszahlen sind ja nicht hoch, die Maßnahmen waren also überzogen. Die Infektionszahlen halten sich aber nur in einem überschaubaren Bereich, WEIL man bestimmte Maßnahmen getroffen hat. Das Phänomen ist bekannt als Präventions-Paradox.

Von dubito-magazin.de – Jannis Puhlmann

In Deutschland ist die Katastrophe ausgeblieben; die Maßnahmen haben allem Anschein nach gewirkt. Corona-Verharmloser fühlen sich dadurch bestätigt und auch Verschwörungstheorien sind weiter auf dem Vormarsch. Die sieben häufigsten (Falsch-)Aussagen und was man ihnen entgegensetzen kann.

1. „Reine Panikmache! Corona ist weniger gefährlich als eine herkömmliche Grippe.“

Sätze wie dieser sind so alt wie die Pandemie selbst. Zu Beginn des Ausbruchs waren sie noch allerorts zu hören. Als sich die ersten Wissenschaftlerinnen und Politiker mit drastischen Mahnungen zu Wort meldeten, haben die meisten Menschen nach und nach ihre Einschätzung zur Gefährlichkeit von Corona korrigiert. Tatsächlich ist es noch immer schwierig, die Todesrate des Virus konkret anzugeben. Wie viele Menschen an COVID-19 sterben, wird wohl erst nach der Pandemie final errechnet werden können. Diese unsichere Datenlage wird immer wieder für irreführende Vergleiche mit statistischen Schätzungen der Grippesaison von 2017/18 missbraucht.

Doch auch wenn ein direkter wissenschaftlicher Vergleich der Letalität von Corona und Grippe gar nicht so leicht gezogen werden kann, warnen Expertinnen und Experten vor einer Verharmlosung durch den Grippe-Vergleich. Denn was wir mit Sicherheit wissen: Gegen das neuartige Virus gibt es keine Grundimmunität in der Gesellschaft, es gibt keine Schutzimpfung und es gibt keine bewährten Medikamente. Bei einem ungebremsten Anstieg der Infektionen droht ein Flächenbrand – ein sprunghafter Anstieg der Toten und eine völlige Überlastung des Gesundheitssystems. Und allein das macht Corona zu einer weitaus größeren Gefahr als eine Grippe. Wem das alles noch zu vorsichtig formuliert ist, der kann auch sagen: „Für keine gewöhnliche saisonale Grippewelle mussten bisher Massengräber in New York ausgehoben werden.“

2. „Aber wir sehen doch, dass die Maßnahmen übertrieben waren. Die Katastrophe ist schließlich ausgeblieben.“

Diesen klassischen Fehlschluss bezeichnet der Virologie Christian Drosten als „Präventions-Paradox“: Wenn die Prävention einer Gefahr erfolgreich war, kann man das, was verhindert wurde, nicht mehr wahrnehmen. Bei vielen Menschen führt das paradoxerweise nicht zu einem Aufatmen, sondern zum Leugnen der eigentlichen Gefahr und zur Wut auf diejenigen, die geholfen haben, sie zu verhindern. Erfolgreiche Prävention ist eine undankbare Aufgabe.

In Deutschland waren die Kliniken zu keinem Zeitpunkt überlastet und die Corona-Todeszahlen sind vergleichsweise gering geblieben. Jetzt fühlen sich viele Menschen bestätigt, die Corona für harmlos und die Maßnahmen für völlig übertrieben halten. Diesen Menschen kann man entgegnen: In anderen Ländern – wie Italien, Spanien, USA oder Brasilien – ist es anders ausgegangen als in Deutschland. Und: Diese gute Position können wir auch leicht wieder verspielen.

3. „Aber es gibt auch Wissenschaftler, die Corona für völlig ungefährlich halten.“

Es ist richtig, dass sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler über viele Aspekte von Corona und COVID-19 uneins sind. Auch welche einzelnen Maßnahmen erfolgreich waren und weiterverfolgt werden sollten, ist nicht leicht zu bestimmen. Zudem sprechen die unterschiedlichen Wissenschafts-Disziplinen (Medizin, Recht, Wirtschaft, Sozialwissenschaften usw.) nicht immer dieselbe Sprache. Aber Kritik, Korrektur und Perspektivenvielfalt gehören eben zur wissenschaftlichen Praxis – insbesondere in einer so frühen Phase der Forschung. Mit dieser Unsicherheit umzugehen ist nicht leicht. Manche Menschen meinen nun, wenn selbst die Wissenschaft es nicht so genau wüsste, sei auch völlig egal, wie sie sich verhielten.

Doch bei all den unbekannten Variablen und der unübersichtlichen Studienlage – was die grundsätzlichen Fragen betrifft, herrscht weitestgehend Einigkeit unter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern: Darüber, dass es eine Corona-Pandemie gibt; dass es aus epidemiologischer Sicht wichtig ist, die Reproduktionszahl und die Zahl der Neuinfektionen so weit wie möglich zu senken; darüber, dass alte und vorerkrankte Menschen schwerer an COVID-19 erkranken und darüber, dass diese Pandemie deutlich gefährlicher ist als eine Grippe.

Leider erreichen die wenigen Mediziner, die diesen grundlegenden Einschätzungen von Wissenschaft und Politik öffentlich widersprechen und vor angeblicher Panikmache oder Hysterie warnen, mit ihren YouTube-Videos ein Millionenpublikum. Dabei wurden die Ausführungen solcher selbsterklärten Alternativexperten – namentlich Wolfgang Wodarg oder Sucharit Bhakdi – bereits in zahlreichen Faktenchecks als unwissenschaftlich oder irreführend entlarvt. (Faktencheck zu Wodarg und zu Bhakdi)

[…]

5. „Gegen Covid-19 helfen am besten: Knoblauch, Globuli und Bleichmittel.“

Es gibt noch immer kein bewährtes Medikament gegen COVID-19. Und es gibt schon gar keine wunderbewirkenden Hausmittel, wie sie in WhatsApp-, Telegram-, oder Facebook-Gruppen ausgetauscht werden. Knoblauch und Ingwer sind lecker und gesund; gegen das Virus aber nutzlos. Globulis hatten schon vor der Pandemie keine Wirkung, die über den Placebo-Effekt hinausgeht – Homöopathie gegen Corona anzupreisen ist schlicht fahrlässig. Und Bleichmittel oder Infektionsmittel zu trinken oder zu spritzen, wie es ausgerechnet der US-Präsident Donald Trump auf einer Pressekonferenz spekuliert hatte, ist lebensbedrohlich – so entgeht man der Corona-Infektion allenfalls durch ein verfrühtes Ableben.

6. „Wir leben in einer Meinungsdiktatur! Abweichende Meinungen werden zensiert.“

Nicht jede Verharmlosung von Corona unterliegt der Logik einer Verschwörungstheorie. Doch der Übergang von Verharmlosungen zu Verschwörungstheorien ist hier fließend. Denn Menschen, die behaupten, von dem Virus gehe keine Gefahr aus, müssen auch erklären, warum Regierungen weltweit so strenge Maßnahmen gegen etwas vermeintlich Ungefährliches ergreifen – hier ist der Weg nicht mehr weit zu den zahlreichen Verschwörungstheorien um die Pandemie. Wo von einer Meinungsdiktatur oder von Zensur in Deutschland die Rede ist, bewegt man sich zumindest schon an der Schwelle zum Verschwörungsmythos.

Richtig ist: Es darf unterschiedliche Meinungen zum Lockdown und zu der Angemessenheit der Maßnahmen geben. Der Balanceakt zwischen Präventionsmaßnahmen und individuellen Bürgerrechten muss immer wieder aufs Neue abgewogen werden. Richtig ist aber auch: Wenn diese Meinungen auf Halbwahrheiten, Desinformationen oder Fake News basieren, muss ihnen widersprochen werden. In den vergangenen Tagen wurden die Stimmen lauter, die behaupten, wir lebten in einer Meinungsdiktatur, Andersdenkende würden zum Schweigen gebracht und die Demokratie würde abgeschafft. Häufig werden dafür krude NS-Vergleiche angeführt. Nicht nur sind solche Vergleiche furchtbar geschichtsvergessen und -relativierend; sie sind schlicht falsch.

Denn dass wir keine Meinungsdiktatur oder Zensur haben, kann man leicht daran erkennen, dass die Videos, in denen genau das behauptet wird, frei verfügbar im Internet sind. Sie werden eben nicht zensiert, selbst wenn sie ärgerliche Gerüchte oder Halbwahrheiten verbreiten. Wer seine Informationen aus solchen Videos bezieht muss sich jedoch die Frage gefallen lassen: „Warum glaubst Du eigentlich einem fragwürdigen WhatsApp-Kettenbrief oder einem privaten YouTube-Kanal mehr als seriösem Journalismus?“

7. „Bill Gates steckt hinter Corona“; „Die 5G-Ausweitung ist schuld“; „Covid-19 ist eine Bio-Waffe aus dem Labor“…

Wer so etwas behauptet, steckt schon tief im Kaninchenbau der Verschwörungstheorien fest. Schon seit den Anfängen der Pandemie verbreiten sich solche Verschwörungsmythen rasant über die sozialen Medien; vor allem über Kettenbriefe auf Messenger-Diensten wie WhatsApp oder Telegram. Prominente und Influencer, die sich an der Verbreitung beteiligen, werden dabei zu „Superspreadern“: Der ehemalige Radiomoderator Ken Jebsen, Xavier Naidoo, der ehemalige „Popstars“-Juror Detlef D! Soost oder der Show-Koch Attila Hildmann sprechen in ihren Videos von geheimen Weltmächten, von der Abschaffung der Demokratie und von angeblichen Zwangsimpfungen.

Auf bundesweiten Protesten wie den sogenannten „Hygiene-Demos“ in Berlin kam in den vergangenen Wochen eine groteske Querfront aus Impfgegnern, Esoterikern, Verschwörungstheoretikern, Rechtsextremisten und Antisemiten zusammen, um das „Corona-Regime“ zu stürzen. Dabei fügt sich die Corona-Pandemie gar nicht so leicht in die für Verschwörungstheorien so typische „Cui bono?“-Logik („Wem zum Vorteil?“). Die globale Pandemie lässt immerhin weltweit die Wirtschaft einbrechen und stürzt auch die mächtigsten Regierungen in die Krise. Weil es in Verschwörungstheorien aber stets heimliche Profiteure und verborgene Weltmächte geben muss, kommt es zu den absurdesten Theorien, wie zu der Verschwörungstheorie um Bill Gates. Der Microsoft-Gründer soll den SARS-CoV-2-Virus im Labor erschaffen haben, um Zwangsimpfungen durchsetzen zu können, die alle Menschen mit Mikrochips digital überwachen und die Weltbevölkerung reduzieren sollen. Für Verschwörungstheoretiker bietet sich Bill Gates als Sündenbock an, weil er schon seit Langem öffentlich vor weltweiten Pandemien gewarnt hat und mit seiner „Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung“ viel Geld in die Gesundheitsentwicklung, unter anderem in die Erforschung von Impfstoffen, investiert hat.

Solche Verschwörungstheorien sind ein bisschen wie das Virus selbst: Sie lassen sich stoppen, indem man sie nicht weitergibt. Und Aufklärung kann dabei helfen, ihre Verbreitung einzudämmen. Doch mit einem Verschwörungstheoretiker zu diskutieren, ihn womöglich zu überzeigen – das war schon vor Corona keine leichte Angelegenheit. Wenn Freunde oder Verwandte im Gruppenchat Corona-Verschwörungen posten, lohnt es dennoch, ruhig und sachlich nach Quellen oder Belegen zu fragen, mit Fakten zu erwidern und kritische Fragen zu stellen. Um einen Verschwörungstheoretiker im Freundes- oder Familienkreis zum Umdenken zu bewegen, kann es außerdem helfen, aufzuzeigen, dass er sich rechtsradikaler und antisemitischer Argumentationsmuster bedient, womöglich ohne das zu wissen oder zu wollen.

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Was man Corona-Verharmlosern entgegnen kann

Bolsonaro und die „kleine Grippe“   Leave a comment

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Der brasilianische autokratische Präsident Bolsonaro zeigt wie man es bei der Eindämmung der Corona-Pandemie NICHT machen soll. Dem ist es aber egal wie viele seiner Landsleute sterben. Wichtig ist ihm NUR die Wirtschaft. Die Sterbezahlen durch Corona schnellen hoch. Für Bolsonaro sind die Demonstranten nur „Asoziale und Terroristen“. Aber das verwundert bei so einem ja nicht.

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Bild aus Tagesschau.de

Aus Tagesschau.de

Corona-Proteste in Brasilien

Gräber an der Copacabana

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Mehr als 40.000 Virus-Tote in Brasilien: Mit 100 symbolischen „Gräbern“ am Strand der Copacabana haben Aktivisten gegen die Corona-Politik der Regierung protestiert. Und weitere Demonstrationen sind angekündigt.

Die Zahl der Todesfälle durch das Coronavirus in Brasilien hat die Schwelle von 40.000 überschritten. In Gedenken an die Gestorbenen und aus Protest gegen die Corona-Politik der Regierung sind deshalb am Strand von Copacabana in Rio de Janeiro 100 leere Gräber ausgehoben worden. Freiwillige der Nichtregierungsorganisation Rio de Paz stellten außerdem an jedem der Gräber Kreuze auf. „Das war die schwierigste Demonstration unserer Geschichte“, schrieb deren Präsident, Antonio Costa, auf Twitter.

In einem Video der Gruppe war zu sehen, wie ein Anhänger des rechtsextremen Präsidenten Jair Bolsonaro die Organisatoren beschimpfte und die Kreuze im Sand umstieß. Kurz darauf stellte ein Mann, der nach einem Bericht des Portals „G1“ auf der Strandpromenade spazieren gegangen war und die Szene gesehen hatte, die Kreuze wieder auf. „Respektiert den Schmerz der Leute“, rief er. Wie sich herausstellte, handelte es sich um einen Vater, der seinen 25-jährigen Sohn im Zusammenhang mit dem Coronavirus verloren hatte.

Bolsonaro und die „kleine Grippe“

Präsident Bolsonaro verharmlost das Coronavirus als „kleine Grippe“ und lehnt jegliche Maßnahmen zur Eindämmung ab. Der Oberste Gerichtshof übertrug daher die Befugnis, Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus zu verhängen, den Bundesstaaten und Gemeinden. Die werden von Bolsonaro scharf angegangen – für ihre Corona-Restriktionen und deren drosselnden Effekt auf die Wirtschaft des Landes. Mitgefühl für die Angehörigen von Corona-Opfern zeigte Bolsonaro kaum.

Erst in der vergangenen Woche hatte er die bisherige Vorgehensweise bei der Veröffentlichung der Corona-Zahlen geändert, um nach eigenen Aussagen eine neue Methodik anzuwenden. Kritiker warfen Bolsonaro daraufhin vor, er wolle das tatsächliche Ausmaß der Pandemie verschleiern. Das oberste Gericht urteilte am Montag, die Regierung müsse zum alten Format zurückkehren.

[…]

Für Bolsonaro sind diejenigen, die gegen ihn demonstrieren, „Asoziale“ und „Terroristen“. Bei den jüngsten Demonstrationen fiel die hohe Präsenz der Militärpolizei auf, der Präsident hatte sogar mit einem Einsatz des Militärs in Brasília geliebäugelt.

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Bolsonaro und die „kleine Grippe“

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Siehe auch:

Die Wut auf Bolsonaro wächst

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Auf dem Bild steht: Diktatur nie wieder! – Bild aus Tagesschau.de

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Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro gerät mit seinem Kurs in der Corona-Krise im eigenen Land immer stärker unter Druck. In mehreren Städten gab es Demonstrationen gegen sein Krisenmanagement.

Covid-19 nennt er eine „harmlose Grippe“, Schutzmaßnahmen lehnt er ab, Beschränkungen im öffentlichen Leben ebenso: Brasiliens rechtsextremer Präsident Jair Bolosonaro verharmlost die Corona-Pandemie immer wieder. Und das, obwohl sein Land inzwischen als der Corona-Hotspot gilt.

Im Land regt sich schon länger Widerstand gegen das Krisenmanagement des Präsidenten – und er wächst. Jetzt gingen erstmals seit Ausbruch der Corona-Pandemie die Menschen gegen die Regierung Bolsonaro auf die Straße – sie demonstrierten gegen seinen Umgang mit mit der Corona-Pandemie, aber auch gegen Rassismus und Polizeigewalt. Die größten Veranstaltungen gab es in der Hauptstadt Brasilia, in Rio de Janeiro und in Sao Paulo. Dort marschierten nach Schätzungen der Militärpolizei trotz Corona-Krise rund 3000 Menschen. Auch Anhänger des Präsidenten gingen landesweit auf die Straße – allerdings waren deren Demonstrationen Medienangaben zufolge deutlich kleiner.

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Die Wut auf Bolsonaro wächst

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Gruß Hubert

 

Corona – von wegen leichter Grippe   Leave a comment

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Man sieht ja an den extrem hohen Infektionszahlen und den vielen Toten wie es in Ländern aussieht, wo man Corona nicht ernst nimmt und verharmlost, Beispiel Brasilien oder vor allem auch die USA einige Wochen, auch England ist ein solches Beispiel.
Was auch langsam immer mehr rauskommt sind die Langzeitfolgen nach „überstandener“ Krankheit. Die Patienten erholen sich wochen- wenn nicht monatelang nicht richtig und leiden an Defiziten bzw. mangelnder Leistungsfähigkeit.

Aus „Monitor“

Epizentrum der Corona-Infektionen: Was geschah in Norditalien?

Georg Restle: „Diese Bilder versetzten vor zwei Monaten viele in Angst und Schrecken. Militärtransporter im norditalienischen Bergamo, die Särge voller Covid-19-Toten in Krematorien brachten. Es gibt nicht wenige, die sagen, dass es genau diese Bilder waren, die die gesellschaftliche Stimmung in Sachen Corona damals entscheidend drehten. Doch welche Geschichten verbergen sich tatsächlich dahinter?

Guten Abend und willkommen bei MONITOR. Ganz weit weg wirken diese Bilder heute; in Zeiten, in denen es nur noch um Lockerungen, Staatshilfen und Urlaubsplanungen zu gehen scheint. Dabei sollten wir sehr genau hinschauen, was sich da in Norditalien abspielte. Bisher war es für Journalisten aus Deutschland praktisch unmöglich, länger dorthin zu reisen. Jetzt aber konnten wir uns ein eigenes Bild machen. Und sind dafür in den Ort Nembro bei Bergamo gefahren – in einen der so genannten Hotspots der Corona-Krise. Eine kleine Stadt, die schon sehr früh und besonders heftig vom Corona-Virus heimgesucht wurde. Niklas Schenk und Golineh Atai.“

Kurz vor der italienischen Grenze. Auf dem Weg in ein Land, in das aktuell kaum jemand einreisen darf und will. Wir fahren nach Norditalien. Keine andere Region in Europa wurde so heftig vom Corona-Virus getroffen wie die Lombardei. Fast 16.000 Menschen sind hier schon gestorben. Nembro, ein Ort mit 11.500 Einwohnern unweit von Bergamo. „Insieme ce la faremo” – zusammen schaffen wir das. Diese Plakate hängen an fast jedem Haus. Alleine in den ersten Monaten dieses Jahres sind fast 200 Menschen in Nembro verstorben. Viel mehr als sonst, noch mehr als in anderen Orten der Lombardei. Es ist, als ob man die Atmosphäre des Todes atme, erzählen sie sich.

Flavio Persico (Übersetzung Monitor): „Auf diesem Platz da, da in diese Richtung, da haben wir uns immer zu zehnt getroffen, fünf davon sind tot. Fünf von zehn sind gestorben! Und einem ist die Frau gestorben. Und einer der Mann.“

Die Angst geht nicht weg. Die Nähe zu den Liebsten ist immer noch gefährlich. Jeder hat hier jemanden verloren – so wie Bäcker Salvatore Mazzola.

Salvatore Mazzola (Übersetzung Monitor): „Mein Vater starb nach neun Tagen. Wir fragten nach Hilfe, aber niemand kam. Jetzt müssen wir weitermachen. Wir arbeiten hart hier, weil das Leben weitergehen muss.“

Die Cafés in Nembro – kaum besucht, am Mittag meist schon wieder zu. Die Hygienestandards sind hoch. Überall werden Hände desinfiziert, Namen in Listen eingetragen – auch vor dem Betreten der gerade erst wieder eröffneten Kirche. Die Vergangenheit lässt sie nicht los.

Marika Mologni (Übersetzung Monitor): „Draußen war es völlig still. Wir hörten nur die Sirenen der Krankenwagen und die Totenglocken – das war surreal. Und wir drinnen eingeschlossen – mit dieser großen Angst.“

Ganz langsam kehrt das Leben zurück – aber wie schlimm war es hier wirklich? Wir begeben uns auf Spurensuche in Nembro. Das Altenheim – seit Wochen leben alle Bewohner isoliert von der Außenwelt. Zum Höhepunkt der Corona-Krise sind hier Duzende gestorben, erzählt uns Valerio Poloni, der neue Leiter des Heims.

Valerio Poloni, Präsident Pflegeheim Nembro (Übersetzung Monitor): „Wir haben vom 1. Januar bis Ende März 37 Bewohner verloren, das ist ein Desaster gewesen. Auch unser Arzt ist gestorben. Auch der Direktor, mein Vorgänger, ist gestorben. Dieses Haus wurde besonders schlimm getroffen.“

Was uns erstaunt, kein einziger der Verstorbenen aus dem Heim wurde auf das Corona-Virus getestet. In der gesamten Lombardei ist die Zahl der Toten in Pflegeheimen bis Mitte April deutlich angestiegen. Insgesamt starben über 3.000 – nach offiziellen Zahlen. Hier im Pflegeheim erhalten wir eine Erklärung dafür. Die Gesundheitsverwaltung der Lombardei entschied damals, viele Corona-Patienten mit milden Symptomen ausgerechnet in den Pflegeheimen der Region unterzubringen. Mitten unter Hochrisikogruppen. Deshalb ermittelt nun die Staatsanwaltschaft.

[…]

Dr. Marco Rizzi, Chefarzt Krankenhaus Papa Giovanni XXIII. (Übersetzung Monitor): „Es war sehr schwer, Plätze für unsere Patienten in anderen Krankenhäusern in der Lombardei, in Piemont oder in Venezien zu finden während der schlimmsten Tage der Krise.“

Reporter (Übersetzung Monitor): „Und dort waren Betten frei, wo Patienten hätten untergebracht werden können?“

Dr. Marco Rizzi, Chefarzt Krankenhaus Papa Giovanni XXIII. (Übersetzung Monitor): „Ja, zu einem gewissen Grad schon.“

Die Katastrophe in Bergamo hätte also zumindest abgeschwächt werden können, wenn Kliniken besser zusammengearbeitet hätten. Einer von vielen tragischen Fehlern, die in der Lombardei gemacht wurden und die zu der hohen Zahl von Covid-19-Toten führten. Die ist offenbar sogar noch viel höher als offiziell angegeben. Das erzählt uns dieser Mann. Der Mathematiker Luca Foresti hat sich die Todeszahlen von Nembro genau angeschaut – mit einem erstaunlichen Ergebnis. Pro Monat sterben in Nembro normalerweise durchschnittlich zehn Menschen. Von Ende Februar bis Mitte April waren es aber 166. In einer Studie mit der Berliner Charité kommt er zu dem Ergebnis: Nur gut die Hälfte der Toten, die in dieser Zeit registriert wurden, gelten offiziell als Covid-19-Tote. Viele Tote wurden überhaupt nicht getestet.

Luca Foresti, Mathematiker (Übersetzung Monitor): „Das bedeutet, die offiziellen Zahlen zeigen wesentlich weniger Tote. Ich gehe davon aus, dass etwa doppelt so viele gestorben sind.“

Mehr Covid-19-Tote als offiziell bekannt? In anderen Orten in der Lombardei zeigt sich ein ähnliches Bild. Deshalb warnt der Bürgermeister der Gemeinde Nembro davor, das Virus zu unterschätzen.

Hier weiterlesen:

https://www1.wdr.de/daserste/monitor/sendungen/corona-norditalien-100.html

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„Alternative Fakten“ zu Corona: Das Netzwerk der Verharmloser und Verschwörer

In der Corona-Krise haben Verschwörungstheorien Hochkonjunktur. Verbreitet werden solche Falschmeldungen häufig über Medien und Kanäle, die sich „alternativ“ nennen. Dabei geht es oft nicht um Sachfragen, sondern um die Ablehnung von etablierter Wissenschaft und demokratischen Institutionen.

https://www1.wdr.de/daserste/monitor/videos/video-alternative-fakten-zu-corona-das-netzwerk-der-verharmloser-und-verschwoerer-100.html
Video enthalten

MONITOR Auf den Punkt: Corona-Demos – „Nicht mit den falschen Leuten!“

„Rechtsextremisten geht es nicht um Corona – und schon gar nicht um unsere Grundrechte. Sie suchen schlicht nach jedem Protest, den sie kapern können; die möglichst breite Bewegung, die es ihnen erlaubt, sich als bürgerliche Opposition zu verkleiden, um in die Mitte der Gesellschaft vorzudringen.“ MONITOR-Chef Georg Restle kommentiert die wachsende Zahl der Corona-Demonstrationen und die Rolle von Rechtsextremisten.

https://www1.wdr.de/daserste/monitor/videos/video-monitor-auf-den-punkt-corona-demos–nicht-mit-den-falschen-leuten-100.html
Video enthalten.

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Aus der „SZ“

Studie analysiert Coronavirus-Ausbruch in Nembro

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Bergamo, the northern Italian town at the epicentre of the coronavirus disease (COVID-19) outbreak

Gräber der kürzlich Verstorbenen auf dem Friedhof von Nembro nahe Bergamo.(Foto: Flavio Lo Scalzo/Reuters)

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Die norditalienische Stadt war besonders heftig vom Coronavirus betroffen. Dort gab es auf dem Höhepunkt der Pandemie elfmal so viele Tote wie normalerweise.

Anfang März wurden die Totenglocken nicht mehr geläutet, die Krankenwagen fuhren, wenn möglich, ohne Sirenen durch die Straßen. Man wollte die Menschen nicht permanent an das Leid erinnern, das sie hier im italienischen Nembro erlebten. Das Städtchen liegt in der reichen Lombardei, normalerweise werden seine Einwohner alt – gut versorgt durch ein funktionierendes Gesundheitssystem.

[…]

Am 21. Februar wurde der erste Fall in der Stadt bestätigt, schnell folgten weitere Infektionen. Mitte April war der Ausbruch endlich abgeflaut. Bis dahin musste die Stadt 166 Menschen zu Grabe tragen. 151 von ihnen waren allein im März gestorben, wie Public-Health-Forscher aus Mailand und Berlin im British Medical Journal analysierten. Damit starben in einem einzigen Monat mehr Menschen als sonst in einem gesamten Jahr, es waren fast elfmal so viele wie im März 2019.

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Studie analysiert Coronavirus-Ausbruch in Nembro

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Gruß Hubert

Veröffentlicht 1. Juni 2020 von hubert wenzl in Medizin

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