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Was man Corona-Verharmlosern entgegnen kann   Leave a comment

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Ein häufiger Einwand ist bei der Corona-Pandemie dieser: die Infektionszahlen sind ja nicht hoch, die Maßnahmen waren also überzogen. Die Infektionszahlen halten sich aber nur in einem überschaubaren Bereich, WEIL man bestimmte Maßnahmen getroffen hat. Das Phänomen ist bekannt als Präventions-Paradox.

Von dubito-magazin.de – Jannis Puhlmann

In Deutschland ist die Katastrophe ausgeblieben; die Maßnahmen haben allem Anschein nach gewirkt. Corona-Verharmloser fühlen sich dadurch bestätigt und auch Verschwörungstheorien sind weiter auf dem Vormarsch. Die sieben häufigsten (Falsch-)Aussagen und was man ihnen entgegensetzen kann.

1. „Reine Panikmache! Corona ist weniger gefährlich als eine herkömmliche Grippe.“

Sätze wie dieser sind so alt wie die Pandemie selbst. Zu Beginn des Ausbruchs waren sie noch allerorts zu hören. Als sich die ersten Wissenschaftlerinnen und Politiker mit drastischen Mahnungen zu Wort meldeten, haben die meisten Menschen nach und nach ihre Einschätzung zur Gefährlichkeit von Corona korrigiert. Tatsächlich ist es noch immer schwierig, die Todesrate des Virus konkret anzugeben. Wie viele Menschen an COVID-19 sterben, wird wohl erst nach der Pandemie final errechnet werden können. Diese unsichere Datenlage wird immer wieder für irreführende Vergleiche mit statistischen Schätzungen der Grippesaison von 2017/18 missbraucht.

Doch auch wenn ein direkter wissenschaftlicher Vergleich der Letalität von Corona und Grippe gar nicht so leicht gezogen werden kann, warnen Expertinnen und Experten vor einer Verharmlosung durch den Grippe-Vergleich. Denn was wir mit Sicherheit wissen: Gegen das neuartige Virus gibt es keine Grundimmunität in der Gesellschaft, es gibt keine Schutzimpfung und es gibt keine bewährten Medikamente. Bei einem ungebremsten Anstieg der Infektionen droht ein Flächenbrand – ein sprunghafter Anstieg der Toten und eine völlige Überlastung des Gesundheitssystems. Und allein das macht Corona zu einer weitaus größeren Gefahr als eine Grippe. Wem das alles noch zu vorsichtig formuliert ist, der kann auch sagen: „Für keine gewöhnliche saisonale Grippewelle mussten bisher Massengräber in New York ausgehoben werden.“

2. „Aber wir sehen doch, dass die Maßnahmen übertrieben waren. Die Katastrophe ist schließlich ausgeblieben.“

Diesen klassischen Fehlschluss bezeichnet der Virologie Christian Drosten als „Präventions-Paradox“: Wenn die Prävention einer Gefahr erfolgreich war, kann man das, was verhindert wurde, nicht mehr wahrnehmen. Bei vielen Menschen führt das paradoxerweise nicht zu einem Aufatmen, sondern zum Leugnen der eigentlichen Gefahr und zur Wut auf diejenigen, die geholfen haben, sie zu verhindern. Erfolgreiche Prävention ist eine undankbare Aufgabe.

In Deutschland waren die Kliniken zu keinem Zeitpunkt überlastet und die Corona-Todeszahlen sind vergleichsweise gering geblieben. Jetzt fühlen sich viele Menschen bestätigt, die Corona für harmlos und die Maßnahmen für völlig übertrieben halten. Diesen Menschen kann man entgegnen: In anderen Ländern – wie Italien, Spanien, USA oder Brasilien – ist es anders ausgegangen als in Deutschland. Und: Diese gute Position können wir auch leicht wieder verspielen.

3. „Aber es gibt auch Wissenschaftler, die Corona für völlig ungefährlich halten.“

Es ist richtig, dass sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler über viele Aspekte von Corona und COVID-19 uneins sind. Auch welche einzelnen Maßnahmen erfolgreich waren und weiterverfolgt werden sollten, ist nicht leicht zu bestimmen. Zudem sprechen die unterschiedlichen Wissenschafts-Disziplinen (Medizin, Recht, Wirtschaft, Sozialwissenschaften usw.) nicht immer dieselbe Sprache. Aber Kritik, Korrektur und Perspektivenvielfalt gehören eben zur wissenschaftlichen Praxis – insbesondere in einer so frühen Phase der Forschung. Mit dieser Unsicherheit umzugehen ist nicht leicht. Manche Menschen meinen nun, wenn selbst die Wissenschaft es nicht so genau wüsste, sei auch völlig egal, wie sie sich verhielten.

Doch bei all den unbekannten Variablen und der unübersichtlichen Studienlage – was die grundsätzlichen Fragen betrifft, herrscht weitestgehend Einigkeit unter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern: Darüber, dass es eine Corona-Pandemie gibt; dass es aus epidemiologischer Sicht wichtig ist, die Reproduktionszahl und die Zahl der Neuinfektionen so weit wie möglich zu senken; darüber, dass alte und vorerkrankte Menschen schwerer an COVID-19 erkranken und darüber, dass diese Pandemie deutlich gefährlicher ist als eine Grippe.

Leider erreichen die wenigen Mediziner, die diesen grundlegenden Einschätzungen von Wissenschaft und Politik öffentlich widersprechen und vor angeblicher Panikmache oder Hysterie warnen, mit ihren YouTube-Videos ein Millionenpublikum. Dabei wurden die Ausführungen solcher selbsterklärten Alternativexperten – namentlich Wolfgang Wodarg oder Sucharit Bhakdi – bereits in zahlreichen Faktenchecks als unwissenschaftlich oder irreführend entlarvt. (Faktencheck zu Wodarg und zu Bhakdi)

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5. „Gegen Covid-19 helfen am besten: Knoblauch, Globuli und Bleichmittel.“

Es gibt noch immer kein bewährtes Medikament gegen COVID-19. Und es gibt schon gar keine wunderbewirkenden Hausmittel, wie sie in WhatsApp-, Telegram-, oder Facebook-Gruppen ausgetauscht werden. Knoblauch und Ingwer sind lecker und gesund; gegen das Virus aber nutzlos. Globulis hatten schon vor der Pandemie keine Wirkung, die über den Placebo-Effekt hinausgeht – Homöopathie gegen Corona anzupreisen ist schlicht fahrlässig. Und Bleichmittel oder Infektionsmittel zu trinken oder zu spritzen, wie es ausgerechnet der US-Präsident Donald Trump auf einer Pressekonferenz spekuliert hatte, ist lebensbedrohlich – so entgeht man der Corona-Infektion allenfalls durch ein verfrühtes Ableben.

6. „Wir leben in einer Meinungsdiktatur! Abweichende Meinungen werden zensiert.“

Nicht jede Verharmlosung von Corona unterliegt der Logik einer Verschwörungstheorie. Doch der Übergang von Verharmlosungen zu Verschwörungstheorien ist hier fließend. Denn Menschen, die behaupten, von dem Virus gehe keine Gefahr aus, müssen auch erklären, warum Regierungen weltweit so strenge Maßnahmen gegen etwas vermeintlich Ungefährliches ergreifen – hier ist der Weg nicht mehr weit zu den zahlreichen Verschwörungstheorien um die Pandemie. Wo von einer Meinungsdiktatur oder von Zensur in Deutschland die Rede ist, bewegt man sich zumindest schon an der Schwelle zum Verschwörungsmythos.

Richtig ist: Es darf unterschiedliche Meinungen zum Lockdown und zu der Angemessenheit der Maßnahmen geben. Der Balanceakt zwischen Präventionsmaßnahmen und individuellen Bürgerrechten muss immer wieder aufs Neue abgewogen werden. Richtig ist aber auch: Wenn diese Meinungen auf Halbwahrheiten, Desinformationen oder Fake News basieren, muss ihnen widersprochen werden. In den vergangenen Tagen wurden die Stimmen lauter, die behaupten, wir lebten in einer Meinungsdiktatur, Andersdenkende würden zum Schweigen gebracht und die Demokratie würde abgeschafft. Häufig werden dafür krude NS-Vergleiche angeführt. Nicht nur sind solche Vergleiche furchtbar geschichtsvergessen und -relativierend; sie sind schlicht falsch.

Denn dass wir keine Meinungsdiktatur oder Zensur haben, kann man leicht daran erkennen, dass die Videos, in denen genau das behauptet wird, frei verfügbar im Internet sind. Sie werden eben nicht zensiert, selbst wenn sie ärgerliche Gerüchte oder Halbwahrheiten verbreiten. Wer seine Informationen aus solchen Videos bezieht muss sich jedoch die Frage gefallen lassen: „Warum glaubst Du eigentlich einem fragwürdigen WhatsApp-Kettenbrief oder einem privaten YouTube-Kanal mehr als seriösem Journalismus?“

7. „Bill Gates steckt hinter Corona“; „Die 5G-Ausweitung ist schuld“; „Covid-19 ist eine Bio-Waffe aus dem Labor“…

Wer so etwas behauptet, steckt schon tief im Kaninchenbau der Verschwörungstheorien fest. Schon seit den Anfängen der Pandemie verbreiten sich solche Verschwörungsmythen rasant über die sozialen Medien; vor allem über Kettenbriefe auf Messenger-Diensten wie WhatsApp oder Telegram. Prominente und Influencer, die sich an der Verbreitung beteiligen, werden dabei zu „Superspreadern“: Der ehemalige Radiomoderator Ken Jebsen, Xavier Naidoo, der ehemalige „Popstars“-Juror Detlef D! Soost oder der Show-Koch Attila Hildmann sprechen in ihren Videos von geheimen Weltmächten, von der Abschaffung der Demokratie und von angeblichen Zwangsimpfungen.

Auf bundesweiten Protesten wie den sogenannten „Hygiene-Demos“ in Berlin kam in den vergangenen Wochen eine groteske Querfront aus Impfgegnern, Esoterikern, Verschwörungstheoretikern, Rechtsextremisten und Antisemiten zusammen, um das „Corona-Regime“ zu stürzen. Dabei fügt sich die Corona-Pandemie gar nicht so leicht in die für Verschwörungstheorien so typische „Cui bono?“-Logik („Wem zum Vorteil?“). Die globale Pandemie lässt immerhin weltweit die Wirtschaft einbrechen und stürzt auch die mächtigsten Regierungen in die Krise. Weil es in Verschwörungstheorien aber stets heimliche Profiteure und verborgene Weltmächte geben muss, kommt es zu den absurdesten Theorien, wie zu der Verschwörungstheorie um Bill Gates. Der Microsoft-Gründer soll den SARS-CoV-2-Virus im Labor erschaffen haben, um Zwangsimpfungen durchsetzen zu können, die alle Menschen mit Mikrochips digital überwachen und die Weltbevölkerung reduzieren sollen. Für Verschwörungstheoretiker bietet sich Bill Gates als Sündenbock an, weil er schon seit Langem öffentlich vor weltweiten Pandemien gewarnt hat und mit seiner „Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung“ viel Geld in die Gesundheitsentwicklung, unter anderem in die Erforschung von Impfstoffen, investiert hat.

Solche Verschwörungstheorien sind ein bisschen wie das Virus selbst: Sie lassen sich stoppen, indem man sie nicht weitergibt. Und Aufklärung kann dabei helfen, ihre Verbreitung einzudämmen. Doch mit einem Verschwörungstheoretiker zu diskutieren, ihn womöglich zu überzeigen – das war schon vor Corona keine leichte Angelegenheit. Wenn Freunde oder Verwandte im Gruppenchat Corona-Verschwörungen posten, lohnt es dennoch, ruhig und sachlich nach Quellen oder Belegen zu fragen, mit Fakten zu erwidern und kritische Fragen zu stellen. Um einen Verschwörungstheoretiker im Freundes- oder Familienkreis zum Umdenken zu bewegen, kann es außerdem helfen, aufzuzeigen, dass er sich rechtsradikaler und antisemitischer Argumentationsmuster bedient, womöglich ohne das zu wissen oder zu wollen.

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Was man Corona-Verharmlosern entgegnen kann

Bolsonaro und die „kleine Grippe“   Leave a comment

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Der brasilianische autokratische Präsident Bolsonaro zeigt wie man es bei der Eindämmung der Corona-Pandemie NICHT machen soll. Dem ist es aber egal wie viele seiner Landsleute sterben. Wichtig ist ihm NUR die Wirtschaft. Die Sterbezahlen durch Corona schnellen hoch. Für Bolsonaro sind die Demonstranten nur „Asoziale und Terroristen“. Aber das verwundert bei so einem ja nicht.

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Bild aus Tagesschau.de

Aus Tagesschau.de

Corona-Proteste in Brasilien

Gräber an der Copacabana

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Mehr als 40.000 Virus-Tote in Brasilien: Mit 100 symbolischen „Gräbern“ am Strand der Copacabana haben Aktivisten gegen die Corona-Politik der Regierung protestiert. Und weitere Demonstrationen sind angekündigt.

Die Zahl der Todesfälle durch das Coronavirus in Brasilien hat die Schwelle von 40.000 überschritten. In Gedenken an die Gestorbenen und aus Protest gegen die Corona-Politik der Regierung sind deshalb am Strand von Copacabana in Rio de Janeiro 100 leere Gräber ausgehoben worden. Freiwillige der Nichtregierungsorganisation Rio de Paz stellten außerdem an jedem der Gräber Kreuze auf. „Das war die schwierigste Demonstration unserer Geschichte“, schrieb deren Präsident, Antonio Costa, auf Twitter.

In einem Video der Gruppe war zu sehen, wie ein Anhänger des rechtsextremen Präsidenten Jair Bolsonaro die Organisatoren beschimpfte und die Kreuze im Sand umstieß. Kurz darauf stellte ein Mann, der nach einem Bericht des Portals „G1“ auf der Strandpromenade spazieren gegangen war und die Szene gesehen hatte, die Kreuze wieder auf. „Respektiert den Schmerz der Leute“, rief er. Wie sich herausstellte, handelte es sich um einen Vater, der seinen 25-jährigen Sohn im Zusammenhang mit dem Coronavirus verloren hatte.

Bolsonaro und die „kleine Grippe“

Präsident Bolsonaro verharmlost das Coronavirus als „kleine Grippe“ und lehnt jegliche Maßnahmen zur Eindämmung ab. Der Oberste Gerichtshof übertrug daher die Befugnis, Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus zu verhängen, den Bundesstaaten und Gemeinden. Die werden von Bolsonaro scharf angegangen – für ihre Corona-Restriktionen und deren drosselnden Effekt auf die Wirtschaft des Landes. Mitgefühl für die Angehörigen von Corona-Opfern zeigte Bolsonaro kaum.

Erst in der vergangenen Woche hatte er die bisherige Vorgehensweise bei der Veröffentlichung der Corona-Zahlen geändert, um nach eigenen Aussagen eine neue Methodik anzuwenden. Kritiker warfen Bolsonaro daraufhin vor, er wolle das tatsächliche Ausmaß der Pandemie verschleiern. Das oberste Gericht urteilte am Montag, die Regierung müsse zum alten Format zurückkehren.

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Für Bolsonaro sind diejenigen, die gegen ihn demonstrieren, „Asoziale“ und „Terroristen“. Bei den jüngsten Demonstrationen fiel die hohe Präsenz der Militärpolizei auf, der Präsident hatte sogar mit einem Einsatz des Militärs in Brasília geliebäugelt.

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Bolsonaro und die „kleine Grippe“

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Siehe auch:

Die Wut auf Bolsonaro wächst

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Auf dem Bild steht: Diktatur nie wieder! – Bild aus Tagesschau.de

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Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro gerät mit seinem Kurs in der Corona-Krise im eigenen Land immer stärker unter Druck. In mehreren Städten gab es Demonstrationen gegen sein Krisenmanagement.

Covid-19 nennt er eine „harmlose Grippe“, Schutzmaßnahmen lehnt er ab, Beschränkungen im öffentlichen Leben ebenso: Brasiliens rechtsextremer Präsident Jair Bolosonaro verharmlost die Corona-Pandemie immer wieder. Und das, obwohl sein Land inzwischen als der Corona-Hotspot gilt.

Im Land regt sich schon länger Widerstand gegen das Krisenmanagement des Präsidenten – und er wächst. Jetzt gingen erstmals seit Ausbruch der Corona-Pandemie die Menschen gegen die Regierung Bolsonaro auf die Straße – sie demonstrierten gegen seinen Umgang mit mit der Corona-Pandemie, aber auch gegen Rassismus und Polizeigewalt. Die größten Veranstaltungen gab es in der Hauptstadt Brasilia, in Rio de Janeiro und in Sao Paulo. Dort marschierten nach Schätzungen der Militärpolizei trotz Corona-Krise rund 3000 Menschen. Auch Anhänger des Präsidenten gingen landesweit auf die Straße – allerdings waren deren Demonstrationen Medienangaben zufolge deutlich kleiner.

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Die Wut auf Bolsonaro wächst

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Gruß Hubert

 

Corona – von wegen leichter Grippe   Leave a comment

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Man sieht ja an den extrem hohen Infektionszahlen und den vielen Toten wie es in Ländern aussieht, wo man Corona nicht ernst nimmt und verharmlost, Beispiel Brasilien oder vor allem auch die USA einige Wochen, auch England ist ein solches Beispiel.
Was auch langsam immer mehr rauskommt sind die Langzeitfolgen nach „überstandener“ Krankheit. Die Patienten erholen sich wochen- wenn nicht monatelang nicht richtig und leiden an Defiziten bzw. mangelnder Leistungsfähigkeit.

Aus „Monitor“

Epizentrum der Corona-Infektionen: Was geschah in Norditalien?

Georg Restle: „Diese Bilder versetzten vor zwei Monaten viele in Angst und Schrecken. Militärtransporter im norditalienischen Bergamo, die Särge voller Covid-19-Toten in Krematorien brachten. Es gibt nicht wenige, die sagen, dass es genau diese Bilder waren, die die gesellschaftliche Stimmung in Sachen Corona damals entscheidend drehten. Doch welche Geschichten verbergen sich tatsächlich dahinter?

Guten Abend und willkommen bei MONITOR. Ganz weit weg wirken diese Bilder heute; in Zeiten, in denen es nur noch um Lockerungen, Staatshilfen und Urlaubsplanungen zu gehen scheint. Dabei sollten wir sehr genau hinschauen, was sich da in Norditalien abspielte. Bisher war es für Journalisten aus Deutschland praktisch unmöglich, länger dorthin zu reisen. Jetzt aber konnten wir uns ein eigenes Bild machen. Und sind dafür in den Ort Nembro bei Bergamo gefahren – in einen der so genannten Hotspots der Corona-Krise. Eine kleine Stadt, die schon sehr früh und besonders heftig vom Corona-Virus heimgesucht wurde. Niklas Schenk und Golineh Atai.“

Kurz vor der italienischen Grenze. Auf dem Weg in ein Land, in das aktuell kaum jemand einreisen darf und will. Wir fahren nach Norditalien. Keine andere Region in Europa wurde so heftig vom Corona-Virus getroffen wie die Lombardei. Fast 16.000 Menschen sind hier schon gestorben. Nembro, ein Ort mit 11.500 Einwohnern unweit von Bergamo. „Insieme ce la faremo” – zusammen schaffen wir das. Diese Plakate hängen an fast jedem Haus. Alleine in den ersten Monaten dieses Jahres sind fast 200 Menschen in Nembro verstorben. Viel mehr als sonst, noch mehr als in anderen Orten der Lombardei. Es ist, als ob man die Atmosphäre des Todes atme, erzählen sie sich.

Flavio Persico (Übersetzung Monitor): „Auf diesem Platz da, da in diese Richtung, da haben wir uns immer zu zehnt getroffen, fünf davon sind tot. Fünf von zehn sind gestorben! Und einem ist die Frau gestorben. Und einer der Mann.“

Die Angst geht nicht weg. Die Nähe zu den Liebsten ist immer noch gefährlich. Jeder hat hier jemanden verloren – so wie Bäcker Salvatore Mazzola.

Salvatore Mazzola (Übersetzung Monitor): „Mein Vater starb nach neun Tagen. Wir fragten nach Hilfe, aber niemand kam. Jetzt müssen wir weitermachen. Wir arbeiten hart hier, weil das Leben weitergehen muss.“

Die Cafés in Nembro – kaum besucht, am Mittag meist schon wieder zu. Die Hygienestandards sind hoch. Überall werden Hände desinfiziert, Namen in Listen eingetragen – auch vor dem Betreten der gerade erst wieder eröffneten Kirche. Die Vergangenheit lässt sie nicht los.

Marika Mologni (Übersetzung Monitor): „Draußen war es völlig still. Wir hörten nur die Sirenen der Krankenwagen und die Totenglocken – das war surreal. Und wir drinnen eingeschlossen – mit dieser großen Angst.“

Ganz langsam kehrt das Leben zurück – aber wie schlimm war es hier wirklich? Wir begeben uns auf Spurensuche in Nembro. Das Altenheim – seit Wochen leben alle Bewohner isoliert von der Außenwelt. Zum Höhepunkt der Corona-Krise sind hier Duzende gestorben, erzählt uns Valerio Poloni, der neue Leiter des Heims.

Valerio Poloni, Präsident Pflegeheim Nembro (Übersetzung Monitor): „Wir haben vom 1. Januar bis Ende März 37 Bewohner verloren, das ist ein Desaster gewesen. Auch unser Arzt ist gestorben. Auch der Direktor, mein Vorgänger, ist gestorben. Dieses Haus wurde besonders schlimm getroffen.“

Was uns erstaunt, kein einziger der Verstorbenen aus dem Heim wurde auf das Corona-Virus getestet. In der gesamten Lombardei ist die Zahl der Toten in Pflegeheimen bis Mitte April deutlich angestiegen. Insgesamt starben über 3.000 – nach offiziellen Zahlen. Hier im Pflegeheim erhalten wir eine Erklärung dafür. Die Gesundheitsverwaltung der Lombardei entschied damals, viele Corona-Patienten mit milden Symptomen ausgerechnet in den Pflegeheimen der Region unterzubringen. Mitten unter Hochrisikogruppen. Deshalb ermittelt nun die Staatsanwaltschaft.

[…]

Dr. Marco Rizzi, Chefarzt Krankenhaus Papa Giovanni XXIII. (Übersetzung Monitor): „Es war sehr schwer, Plätze für unsere Patienten in anderen Krankenhäusern in der Lombardei, in Piemont oder in Venezien zu finden während der schlimmsten Tage der Krise.“

Reporter (Übersetzung Monitor): „Und dort waren Betten frei, wo Patienten hätten untergebracht werden können?“

Dr. Marco Rizzi, Chefarzt Krankenhaus Papa Giovanni XXIII. (Übersetzung Monitor): „Ja, zu einem gewissen Grad schon.“

Die Katastrophe in Bergamo hätte also zumindest abgeschwächt werden können, wenn Kliniken besser zusammengearbeitet hätten. Einer von vielen tragischen Fehlern, die in der Lombardei gemacht wurden und die zu der hohen Zahl von Covid-19-Toten führten. Die ist offenbar sogar noch viel höher als offiziell angegeben. Das erzählt uns dieser Mann. Der Mathematiker Luca Foresti hat sich die Todeszahlen von Nembro genau angeschaut – mit einem erstaunlichen Ergebnis. Pro Monat sterben in Nembro normalerweise durchschnittlich zehn Menschen. Von Ende Februar bis Mitte April waren es aber 166. In einer Studie mit der Berliner Charité kommt er zu dem Ergebnis: Nur gut die Hälfte der Toten, die in dieser Zeit registriert wurden, gelten offiziell als Covid-19-Tote. Viele Tote wurden überhaupt nicht getestet.

Luca Foresti, Mathematiker (Übersetzung Monitor): „Das bedeutet, die offiziellen Zahlen zeigen wesentlich weniger Tote. Ich gehe davon aus, dass etwa doppelt so viele gestorben sind.“

Mehr Covid-19-Tote als offiziell bekannt? In anderen Orten in der Lombardei zeigt sich ein ähnliches Bild. Deshalb warnt der Bürgermeister der Gemeinde Nembro davor, das Virus zu unterschätzen.

Hier weiterlesen:

https://www1.wdr.de/daserste/monitor/sendungen/corona-norditalien-100.html

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„Alternative Fakten“ zu Corona: Das Netzwerk der Verharmloser und Verschwörer

In der Corona-Krise haben Verschwörungstheorien Hochkonjunktur. Verbreitet werden solche Falschmeldungen häufig über Medien und Kanäle, die sich „alternativ“ nennen. Dabei geht es oft nicht um Sachfragen, sondern um die Ablehnung von etablierter Wissenschaft und demokratischen Institutionen.

https://www1.wdr.de/daserste/monitor/videos/video-alternative-fakten-zu-corona-das-netzwerk-der-verharmloser-und-verschwoerer-100.html
Video enthalten

MONITOR Auf den Punkt: Corona-Demos – „Nicht mit den falschen Leuten!“

„Rechtsextremisten geht es nicht um Corona – und schon gar nicht um unsere Grundrechte. Sie suchen schlicht nach jedem Protest, den sie kapern können; die möglichst breite Bewegung, die es ihnen erlaubt, sich als bürgerliche Opposition zu verkleiden, um in die Mitte der Gesellschaft vorzudringen.“ MONITOR-Chef Georg Restle kommentiert die wachsende Zahl der Corona-Demonstrationen und die Rolle von Rechtsextremisten.

https://www1.wdr.de/daserste/monitor/videos/video-monitor-auf-den-punkt-corona-demos–nicht-mit-den-falschen-leuten-100.html
Video enthalten.

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Aus der „SZ“

Studie analysiert Coronavirus-Ausbruch in Nembro

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Bergamo, the northern Italian town at the epicentre of the coronavirus disease (COVID-19) outbreak

Gräber der kürzlich Verstorbenen auf dem Friedhof von Nembro nahe Bergamo.(Foto: Flavio Lo Scalzo/Reuters)

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Die norditalienische Stadt war besonders heftig vom Coronavirus betroffen. Dort gab es auf dem Höhepunkt der Pandemie elfmal so viele Tote wie normalerweise.

Anfang März wurden die Totenglocken nicht mehr geläutet, die Krankenwagen fuhren, wenn möglich, ohne Sirenen durch die Straßen. Man wollte die Menschen nicht permanent an das Leid erinnern, das sie hier im italienischen Nembro erlebten. Das Städtchen liegt in der reichen Lombardei, normalerweise werden seine Einwohner alt – gut versorgt durch ein funktionierendes Gesundheitssystem.

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Am 21. Februar wurde der erste Fall in der Stadt bestätigt, schnell folgten weitere Infektionen. Mitte April war der Ausbruch endlich abgeflaut. Bis dahin musste die Stadt 166 Menschen zu Grabe tragen. 151 von ihnen waren allein im März gestorben, wie Public-Health-Forscher aus Mailand und Berlin im British Medical Journal analysierten. Damit starben in einem einzigen Monat mehr Menschen als sonst in einem gesamten Jahr, es waren fast elfmal so viele wie im März 2019.

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Studie analysiert Coronavirus-Ausbruch in Nembro

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Gruß Hubert

Veröffentlicht 1. Juni 2020 von hubert wenzl in Medizin

Getaggt mit , ,

Corona-Experte Christian Drosten wehrt sich gegen „Bild“-Anfrage   Leave a comment

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Bild wollte den Corona-Experten Christian Dorsten in ein schlechtes Licht stellen. Aber bei Bild verwundert das ja nicht mit welchen Methoden dort gearbeitet wird.

Besonders pikant: Offenbar wussten die angesprochenen Wissenschaftler gar nichts von der angeblichen Kritik an Drostens Studie, wie die Reaktionen auf Twitter zeigten.

Aus RTL.de

26. Mai 2020

Drosten wehrt sich gegen falsche Kritik

Schon länger beschwert sich Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie an der Charité in Berlin, im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie über Fake News und tendenziöse Berichterstattung. Jetzt ist ihm bei einer Anfrage eines „Bild“-Journalisten offensichtlich der Kragen geplatzt. In einem Twitter-Post wirft er der Boulevard-Zeitung eine tendenziöse Berichterstattung vor – und der Post geht viral. Viele Virologen und Politiker unterstützen den Experten.

„Zitatfetzen von Wissenschaftlern ohne Zusammenhang“

Schon häufiger kritisierte Christian Drosten die Berichterstattung der deutschen Presselandschaft im Zusammenhang mit dem Coronavirus. Jetzt hatte er offensichtlich die Nase voll. Der Charité-Wissenschaftler veröffentlichte die E-Mail-Anfrage eines „Bild“-Redakteurs kurzerhand auf Twitter.

In seiner Anfrage teilte der „Bild“-Redakteur Christian Drosten mit, man wolle kritisch über eine Studie des Instituts für Virologie an der Charité berichten. Diese Studie hatte untersucht, ob bei Kindern dieselbe Ansteckungsgefahr bestehe wie bei Erwachsenen. Der Virologe hatte unter Bezug auf die Studie behauptet, es gebe keinen signifikanten Unterschied bei der Viruslast von Kindern und Erwachsenen. Die Anfrage der „Bild“ beinhaltete auch Zitate von Wissenschaftlern, die der Studie offenbar kritisch gegenüber stünden. Für die Stellungnahme zu der Anfrage räumte der „Bild“-Redakteur Drosten eine Stunde Zeit ein.

Drosten ist empört: Er habe Besseres zu tun, schreibt er und nennt die E-Mail den Versuch einer tendenziösen, also einer nicht objektiven, Berichterstattung. Die in der Nachricht genannten Beispiele kritischer Stimmen bezeichnet der Virologe als „Zitatfetzen von Wissenschaftlern ohne Zusammenhang“.

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Experten wussten nichts von der angeblichen Kritik

Besonders pikant: Offenbar wussten die angesprochenen Wissenschaftler gar nichts von der angeblichen Kritik an Drostens Studie, wie die Reaktionen auf Twitter zeigten. Bereits nach zwei Minuten machten zwei der angeblichen Kritiker unter Drostens Tweet klare Ansagen. So schrieb Wirtschaftsspezialist Christoph Rothe von der Universität Mannheim, niemand von der „Bild“ habe mit ihm gesprochen und er distanziere sich von dieser Art der Berichterstattung.

Auch Dominik Liebl, Statistik-Professor an der Universität Bonn, schrieb, dass er nichts von der Anfrage gewusst habe. Er distanziere sich „von dieser Art, Menschen unter Druck zu setzen auf das Schärfste“. Drosten und sein Team seien ein Glücksfall für den Wissenschafts-Standort Deutschland, sie hätten Leben gerettet.

Um Drosten ebenfalls zur Seite zu stehen, hat Professor Jörg Stoye, Wirtschaftswissenschaftler an der Cornell University im US-Bundesstaat New York, offenbar extra ein Twitter-Konto angelegt. Er wolle nicht Teil einer Anti-Drosten-Kampagne sein, schreibt er. Er habe größten Respekt vor ihm und Deutschland könne froh sein, ihn und sein Team zu haben. Ja, er habe kritische Anmerkungen zur statistischen Auswertung in der Studie gemacht, so Stoye. Dies sei aber in Drostens Sinne, dass Diskurs für die wissenschaftliche Meinungsbildung notwendig sei, geschehen. Und er habe in seinem Aufsatz ausdrücklich darauf hingewiesen, dass er dem Virologen keine Absicht unterstelle.

Rückendeckung bekommt Christian Drosten auch vom SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach. Er bescheinigt ihm, dass die Methodik der Studie einwandfrei sei und sich mit anderen Studien decke. Kritik müsse erlaubt sein, aber Kollegenneid gebe es auch.

„Ein Glücksfall für Deutschland“

Selbst wenn dem so wäre, ließe sich Drosten davon wohl nicht aus dem Konzept bringen. Mit – nach Aussage einiger Mathematiker durchaus berechtigter – Kritik an der Studie hat er wohl keine Probleme. Sie hätten viele gute Anregungen bekommen und inzwischen eingearbeitet. „Unsere Schlussfolgerungen werden dadurch sogar noch härter“, schreibt er.

Spätabends legte Drosten mit einem weiteren Tweet nach: Der Reporter haben den englischsprachigen Mathematiker seiner Abteilung am Telefon in die Irre geführt. Er habe die Auskunft bekommen, dass das Team gerade an einem Update der Studie arbeite, das aber das Ergebnis nicht ändere. „Daraus wird dann eine interne Kritik gemacht“, schreibt der Charité-Virologe.

Kinder so ansteckend wie Erwachsene?

In Drostens Studie geht es vor allem darum, ob Kinder ebenso infektiös wie Erwachsene sind, was eine wichtige Rolle bei Öffnungen von Schulen und Kindergärten spielt. Die Viruslast in den Atemwegen unterscheide sich nicht von denen anderer Altersgruppen, schreiben Drosten und sein Team. Kinder könnten daher ebenso infektiös wie Erwachsene sein.

Gegen eine gleich hohe Infektiösität spreche, dass Kinder häufiger asymptomatisch erkranken und das Virus dann beispielsweise nicht durch Husten weiterverbreiten. Außerdem haben Kinder weniger Ausatemluft als Erwachsene. Das werde aber möglicherweise durch die größere körperliche Aktivität von Kindern und ihre engere soziale Interaktion ausgeglichen.

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Corona-Experte Christian Drosten wehrt sich gegen „Bild“-Anfrage

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Siehe auch:

Ein „Bild“-Artikel über eine Studie des Virologen Drosten zeigt, wie Forschung zum Virus diskreditiert wird, indem eine Fachdebatte unter Forschern missbraucht wird.

https://www.tagesschau.de/faktenfinder/corona-drosten-bild-101.html

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Gruß Hubert

Drosten kritisiert falsche Experten: „Das ist unverantwortlich“   4 comments

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Auf dem Rücken der Coronakrise wollen einige ein ganz eigenes Süppchen kochen. Corona ist da nur ein trojanisches Pferd. Ganz abgesehen von den abstrusen Argumenten von Impfgegnern, die glauben, Bill Gates möchte ihnen weiß Gott was durch den Körper jagen. Das auch noch lange vor dem Vorliegen eines Impfstoffes.

Solche Leute kann ich nur als gefährliche Spinner bezeichnen.

Von t-online.de

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Virologe Drosten wird deutlich

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Virologe Drosten greift falsche Corona-Experten an: "Unverantwortlich!". Geht mit Kollegen hart ins Gericht: Virologe Christian Drosten. (Quelle: imago images/Jürgen Heinrich)

Geht mit Kollegen hart ins Gericht: Virologe Christian Drosten. (Quelle: Jürgen Heinrich/imago images)

 

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In der Corona-Krise verbreiten sich vor allem Fake-News rasend schnell. Virologe Christian Drosten ist fassungslos über die Inhalte, die im Internet kursieren – und greift vermeintliche „Experten“ scharf an.

Neben dem Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus hat sich für die Gesellschaft nicht nur in Deutschland eine weitere Herausforderung aufgetan: Der Kampf gegen die Verbreitung von Falschinformationen zur Pandemie. Virologe Christian Drosten hat nun scharfe Kritik an sozialen Netzwerken und auch an Berufskollegen geäußert. „Es lässt sich kaum noch zusammenfassen, was in den sozialen Medien kursiert, meist in Form von Videos, die zum Teil Millionen Abrufe haben und voller Unsinn sind“, führt Drosten in der aktuellen Ausgabe des NDR-Podcasts „Corona-Virus Update“ aus.

Drosten und viele weitere Wissenschaftler weltweit hatten zuletzt einen offenen Brief unterzeichnet, in dem gefordert wird, dass von den Unternehmen, die hinter den sozialen Netzwerken stehen, vehementer gegen Fake-News vorgegangen wird. Ein Problem sieht der Wissenschaftler der Berliner Charité auch in den Äußerungen von Berufskollegen: „Es sind zum Teil Ärzte und Professoren dabei, die irgendeinen Quatsch in die Welt setzen, die nie an diesen Themen gearbeitet haben. Denen man aber aufgrund ihrer akademischen Qualifikation glaubt. Und es sind natürlich auch richtige Verschwörungstheoretiker dabei.“ Und weiter: „Ich bekomme das Echo zurück in Form von Anschuldigungen und Fragen.“

„Was ich höre, entbehrt jeder Grundlage“

Personen würden sich anmaßen, zu Themen Expertise vorzugeben, die überhaupt nicht in ihrem Fachbereich liegen: „Ich bin auch Professor. Aber ich würde mich nie trauen, irgendwelche Dinge an die Öffentlichkeit zu geben, die auch noch so viel Meinung beinhalten.

Beispielsweise über Bakterien. Ich bin Virologe. Ich würde mich nie zu einem bakteriologischen Thema äußern. Doch das ist für den normalen Zuschauer fast dasselbe, Viren und Bakterien. Für einen Wissenschaftler aber nicht.“

Er sei bestürzt über den Mangel an Fachkenntnis: „Was ich höre, von scheinbaren Fachleuten – sicherlich sind oder waren sie auch Fachleute, aber auf ihrem eigenen Forschungsgebiet –, das entbehrt jeder Grundlage. Das sind Allgemeinplätze, die nicht über Kenntnisse von Studentenlehrbuchwissen hinausgehen.“ Die Folgen seien fatal: „So stärkt man den wirklich gefährlichen Verschwörungstheoretikern den Rücken. Das ist unverantwortlich.“

Laien sollten daher darauf achten, welches Fachgebiet ein möglicher Experte, der sich öffentlich äußert, hat. „Und da muss man dann auch noch mal ganz genau hinschauen, wie er sich spezialisiert hat. Und gibt es Hinweise, dass die Fach-Community diesen als Experten respektiert? Und wenn das nicht der Fall ist, dann sollte man einfach die Finger davon lassen.“

Drosten verteidigt Lauterbach

In diesem Zusammenhang nimmt Drosten auch SPD-Politiker Karl Lauterbach in Schutz, der in den sozialen Medien zuletzt für einige seiner öffentlichen Auftritte angegriffen wurde. „Ich habe gelesen, wie er in die Kritik geraten ist. Da haben Kommentatoren geschrieben, er solle mal weniger in Talkshow gehen und mal darauf achten, wie er sich so verhält“, so Drosten. Damit würden auch Lauterbachs kompetente Äußerungen in Frage gestellt werden. „Das ist ein Zielen auf eine Person und damit ein Treffen des Inhalts, den die Person von sich gibt – aber dieser Inhalt ist vollkommen richtig.“

Lauterbach gelte zu Recht als Medizinexperte der SPD. „Was er so in den sozialen Medien von sich gibt, das ist einfach Stand der Dinge. Der kennt sich aus und ist von seiner Grundausbildung Epidemiologe. Und da ist es auch erstmal egal, ob irgendjemand findet, dass er zu viel in Talkshows sitzt. Er geht in die Öffentlichkeit und informiert mit richtigen Inhalten.“

Drosten: Zwei-Meter-Abstand in Außenzonen von Restaurants „nicht notwendig“

Lauterbachs Kritik an der Öffnung von Restaurants im Zuge der Lockerung der Corona-Maßnahmen sei berechtigt – dort entstünden durch Ausatmen und Husten Aerosole. Drosten betont, dass auch in geschlossenen Räumen Luftzirkulation wichtig sei.

„Es sollte ein dezenter Luftstrom entstehen, um Luft nach draußen zu ziehen.“ Außenbereiche von Restaurants seien allerdings relativ sichere Zonen, in denen „ein Zwei-Meter-Abstand wahrscheinlich gar nicht notwendig“ ist. „Denn das weht eh weg, was über Aerosol-Übertragung verbreitet wird.“ Im Innenbereich, meint Drosten, sollte man besser mit weit offenen Fenstern sitzen. Und an schlechten, kalten Tagen, wo man das Fenster nicht öffnen kann, eher weniger Gäste bewirten.

Drosten hat zudem einen Vorschlag: „Warum erlaubt man Gastronomen nicht, die Bürgersteige mitzubenutzen? In diesen Zeiten kann man doch auch mal bei den Kommunen Ausnahmen machen und sagen, dass die Kneipen ihre Tische auf den Bürgersteig stellen – solange sie damit nicht Passanten gefährden.“

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Kleine Kostprobe von Unsinn.

Von t-online.de

Die dunklen Geheimnisse der Corona-Krise

Vielleicht wussten Sie es noch nicht. Dann wissen Sie es jetzt: Sie sind belogen worden. Systematisch. Seit Wochen. Das sollten Sie sich nicht länger gefallen lassen. Wachen Sie auf! Öffnen Sie die Augen und schauen Sie mal im Internet, da steht die Wahrheit doch überall: Das Coronavirus ist absichtlich in die Welt gesetzt worden, ziemlich wahrscheinlich von mehreren Regierungen, die sich auf einer Bilderberg-Konferenz abgesprochen haben. Sie nutzen es als Vorwand, um unsere Bürgerrechte einzuschränken. Hat erschreckend gut geklappt, obwohl Covid-19 eigentlich nicht gefährlicher ist als die Grippe. Auch der Milliardär Bill Gates hat seine Finger im Spiel. Was er früher bereits mit seinem Computerprogramm Windows gemacht hat, tut er jetzt wieder: Er errichtet ein globales Monopol, diesmal in der Pharmabranche. So reißt er den Milliardenmarkt der Impfstoffe an sich und macht damit noch mehr Geld. Dafür hat er die Weltgesundheitsorganisation WHO gekauft und lässt sie Druck auf Regierungen ausüben, damit alle Menschen zwangsweise geimpft werden. Sie wissen schon: Damit er noch mehr Geld verdient und …

[…]

Zu meiner Entlastung möchte ich vorbringen, dass ich die Geschichte nicht gedankenlos verzapft habe. Vielmehr möchte ich versuchen, Ihnen zu erklären, auf welchen Irrwegen immer mehr unserer Mitbürger unterwegs sind. So wie diese Leute in Berlin, deren wunderliche Umtriebe der Fotojournalist Lutz Jäkel dokumentiert hat.

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https://www.t-online.de/nachrichten/id_87863576/coronavirus-in-deutschland-die-sechs-dunklen-geheimnisse-der-corona-krise.html

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Sind das Wutbürger oder sind das besorgte Bürger?

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Der SPIEGEL schreibt in seiner aktuellen Ausgabe: „Das Virus vereint Menschen im Protest, die bislang wenig gemeinsam und kaum etwas miteinander zu tun hatten. Rechtsextremisten, Impfgegner, Antisemiten, Verschwörungsideologen, Linksradikale, Alt-Autonome und Esoteriker. Und ganz normale Bürger, denen politisches Engagement bislang eher fremd war.“

[…]
Dabei komme ich am Alexanderplatz vorbei, sehe schon von weitem ein massives Polizeiaufgebot. Und das, was ich dann erleben muss, ist verstörend. Denn es ist zunächst überhaupt nicht ersichtlich, warum die Menge so aufgebracht, so aggressiv ist. Auch hier hatten sich am Nachmittag Demonstranten gegen die Corona-Vorsichtsmaßnahmen versammelt. Von denen ist aber eigentlich nicht mehr viel zu sehen, es ist früher Abend. Und dann wird klar, worum es geht: Die Meute richtet ihren Ärger, ihre Wut, ihren Hass gegen die Polizei. Offenbar nur, weil sie Lust daran haben.

Sie skandieren, schreien, brüllen: „WI-DER-STAND! WI-DER-STAND!“, „Wir sind das Volk! Wir sind das Volk!“, einige bauen sich direkt vor der Polizei auf: „Ihr steht auf der falschen Seite! Ihr Verräter!“, „WIR bezahlen euch, NICHT IHR UNS!“, „Schämt euch!!“. Die Polizei-Hunde bellen dagegen an, eine Frau schreit: „Die armen Hunde! Ihr Tierquäler!“

Dann brüllen einige: „DIK-TA-TUR! DIK-TA-TUR!!“

In diesem Moment möchte ich jeden Demonstranten und jede Demonstrantin schütteln und zurückbrüllen: „Jeder einzelne von Euch hier, jeder einzelne Ruf, jede einzelne Hasstirade ist ein Beweis, dass wir eben *nicht* in einer Diktatur leben. In einer Diktatur würdet ihr alle verhaftet und weggesperrt! Mindestens.“

Zu beobachten ist auch, dass die Polizei vereinzelt diejenigen festnehmen, die erkennbar nicht nur brüllen, sondern mit Parolen die Meute aufzuheizen versuchen. So soll wohl eine weitere Eskalation verhindert werden. Und was für ein Bild: zwei, drei Polizisten ziehen den Festgenommen aus der Menge, und um die zwanzig Polizistinnen und Polizisten schützen dabei die Kolleginnen und Kollegen vor den Demonstranten.

Wir leben also in einem Land, wo die Polizistinnen und Polizisten erkennbar einer Deaskalationsstrategie folgen, die sich anbrüllen und anschreien lassen müssen, ohne dass den Demonstranten etwas passiert. Und denen fällt nichts besseres ein, als DIK-TA-TUR zu brüllen!

 

 

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Siehe auch:

https://www.focus.de/politik/deutschland/demos-in-deutschland-diese-leute-haben-es-nicht-verstanden_id_11973532.html

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Gruß Hubert

 

Trump und andere Impfgegner   Leave a comment

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Vorausschicken möchte ich, dass ich von Impfgegnern die Nase voll habe. Sie können sich ja nicht impfen lassen, wenn es einen Impfstoff gegen Corona gibt. Wenn sie Pech haben kommen sie selbst drauf ob Corona nur harmlos ist. So wie es etwa Boris Johnson, dem englischen Premier ging.

Von Spiegel Wissenschaft.

Donald Trump, Kämpfer gegen die Vernunft

Wohl keine medizinische Innovation hat mehr Leben gerettet als Impfungen – und doch lehnen viele Menschen sie ab. Große Sympathie für diese Gruppe hat der gefährlichste Feind der Wissenschaft, Donald Trump.

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USA – Ein Pinocchio als Präsident   Leave a comment

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Ich kann in keinster Weise nachvollziehen was in amerikanischen Köpfern vor sich geht. Aber das muss mich ja nicht betrüben, ich lebe ja nicht dort. Bevor er große Töne spuckt sollte er mal schauen wie viele Tote es in New York noch geben wird – bei dem US-Gesundheitssystem. Ohne Sozialnummer kann jemand VOR dem Krankenhaus verrecken.

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Aus tagesschau.de

Auszug

Lange hat US-Präsident Trump die Corona-Krise ignoriert, viel zu spät scheint er die Gefahr zu erkennen. Dennoch ist er laut einer Umfrage so beliebt wie nie. Wie kann das sein?

Folgt man dem konservativen US-Publizisten George Will, den schon der Aufstieg Sarah Palins Sorgen machte, kann sich der amtierende US-Präsident indes schon deshalb kein fremdes Wissen aneignen, weil Trump „nicht einmal weiß, was es heißt, etwas zu wissen“. So formulierte es Will nach Trumps Wahlsieg.

Das Virus als „Erfindung“

Tatsächlich hat Trump indes auf die Bedrohung zunächst wie üblich reagiert. Erst tat er das Virus als „Erfindung“ der Demokraten ab, die ihm schaden wollten. Dann brüstete er sich, es sei in den USA bereits „unter Kontrolle“ und „gestoppt“. Kaum hatte die Infektionswelle das widerlegt, prahlte er – nicht minder faktenfern -, er habe die Pandemie in Wahrheit früher als seine Kritiker erkannt.

Trump schob die Schuld an Versäumnissen der Obama-Regierung zu und feierte sich als vielgeachtetes Medizin-Talent. Und weil Staatsführer im Verteidigungsfall mehr Rückhalt genießen als sonst, ernannte er sich schließlich zum „Kriegspräsidenten“, der entgegen aller Virologen-Ratschläge schon zu Ostern die Kirchen wieder „randvoll“ sehe. Amerika sei nun mal „nicht dafür gemacht“, still zu stehen. Ganz Feldherr also. Ganz Trump. Das „stabile Genie“. Warum auch sollte er sich ändern?

Trump’sche Reality-Show

Doch weder der Mueller-Report vermochte ihm erkennbar zu schaden, noch das Impeachment-Verfahren, obwohl es klarer machte als je zuvor, wie wenig sich Trumps Unterstützer um Wahrheit und Beweise scherten. Stattdessen schien ein wesentlicher Teil des Publikums der Trump’schen Reality-Show mehr und mehr genervt davon, wie lange sich die Demokraten daran jeweils festbissen.

Trump, der „Dealmaker“

Schon als die unter immensem Druck stehenden Bundesstaaten-Gouverneure vom Weißen Haus die versprochenen Atemmasken anmahnten, verlangte Trump persönliche Dankbarkeit als Bedingung. Sonst riefe er sie gar nicht erst an, sagte er. Trump, der „Dealmaker“. Auch jetzt. Für ihn, so scheint es, bleibt Amerika weiterhin zuallererst er selbst. Dabei war es selten so leicht wie jetzt, das Land zusammenzuführen.

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USA – Ein Pinocchio als Präsident

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Trump als Medizinmann

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Chloroquin gegen das Coronavirus

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Trump empfiehlt das Malariamittel Chloroquin in Kombination mit dem Antibiotikum Azithromycin.

Aus springermedizin.de

Vor dem Einsatz des laut US-Präsidenten Donald Trump „starken Medikaments“ Chloroquin in Kombination mit dem Antibiotikum Azithromycin bei COVID-19-Patienten warnen deutsche Kardiologen eindringlich: beide Mittel können schwere Herzrhythmusstörungen auslösen.

Vor wenigen Tagen pries US-Präsident Donald Trump das seit fast 100 Jahren als Malariamittel bekannte Chloroquin als „starkes Medikament“ bei der Behandlung von COVID-19-Patienten an. Anschließend startete in den USA geradezu ein Run auf Apotheken, viele Menschen wollten sich vorsorglich mit dem Mittel eindecken.

Doch ob Chloroquin tatsächlich wirkt, ist unklar: Zwar verhinderte das Medikament in Zellkultur die Infektion mit SARS-CoV-2 (Cell Res 2020; 30: 269–271) und es gibt Berichte, wonach Chloroquin (beziehungsweise sein Derivat Hydroxychloroquin) bei COVID-19-Patienten in China und Frankreich eingesetzt worden sein soll. Publizierte Daten über eine tatsächliche Wirkung gibt es allerdings nicht. Und noch viel wichtiger: Chloroquin kann in Kombination mit Azithromycin – die laut Trump sogar noch besser wirkt und ein „Game Changer“ sein soll – sogar lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen auslösen.

„Kombinationstherapie verbietet sich eigentlich“

Davor warnt auch die Deutsche Herzstiftung: „Man weiß, dass jedes der beiden Medikamente zu bösartigen Herzrhythmusstörungen führen kann und sich eine Kombinationstherapie beider Medikamente eigentlich verbietet“, wird Professor Thomas Meinertz vom Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung in der Mitteilung zitiert.

Chloroquin gegen das Coronavirus

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Gruß Hubert

 

Homöopathie hilft Tieren – what?   Leave a comment

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Es ist unglaublich was Gedanken und der Glaube an etwas alles bewirken können. Bei der Homöopathie wird ja gesagt, dss der Glaube, dass Globuli wirken, einen Placebo-Effekt auslösen und damit helfen. Aber wie soll das mit Globuli bei Tieren wirken und helfen? Die können ja nicht auf ein Medikament glauben. Es wirkt aber so, dass Menschen glauben, dass sie dem Tier etwas Gutes tun und strahlen das durch ihre Körpersprache aus. Tiere sind ja viel sensibler um unsere Körpersprache zu lesen. Im Video ist das von Jasmina Neudecker genau erklärt.
Jasmina Neudecker ist Diplom Biologin und Wissenschaftsjournalistin beim ZFF.

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Homöopathie hilft Tieren – what? – Jasmina Neudecker

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Auch Professor Harald Lesch erklärt im folgenden Video wie die Wirkungen durch Glauben, Vertrauen, Prozesse im Kopf auslösen, die Selbstheilungskräfte fördern, die Abwehrkraft stärken und Schmerzen lindern.

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Alles Kopfsache? Die Kraft der Selbstheilung

https://www.zdf.de/wissen/leschs-kosmos/alles-kopfsache-die-kraft-der-selbstheilung-102.html#xtor=CS5-4

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Gruß Hubert

Nebenwirkungen von Antidepressiva   Leave a comment

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Ich hatte schon vor einigen Jahren mal darüber gelesen. Heute wurde das Thema in Frontal 21 im ZDF behandelt. In den Kopf eingreifen ist halt mal nicht so einfach. Die Nebenwirkungen können gravierend sein.

Die sexuellen Störungen, die Antidepressiva verursachen, treten viel zuverlässiger auf, als eine antidepressive Wirkung. Professor Peter Gotzsche schreibt, dass die Auslösung von sexuellen Funktionsstörungen die zuverlässigste Eigenschaft von Antidepressiva ist und witzelt, das er diese Medikamente deshalb unbedingt als „hochwirksame Mittel zur Störung des Sexuallebens“ (S. 309) empfehlen würde.

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Da läuft nix: Antidepressiva können die Sexlust verringern. Foto: Getty Images

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Aus ZDF.de

Nie wieder Sex?

Antidepressiva mit bestimmten Wirkstoffgruppen können sexuelle Störungen hervorrufen, die möglicherweise auch Jahre nach Absetzen des Medikaments anhalten. Dieser Verdacht ist nach ZDF-Recherchen seit Jahren bekannt.

Doch erst jetzt verlangen die Behörden, dass die Pharmahersteller entsprechende Warnhinweise in die Beipackzettel aufnehmen.

Fallstudien weisen seit 2006 auf Nebenwirkungen hin

Dauerhaft verminderte Libido, Orgasmus- und Ejakulationsstörungen sowie Impotenz – das können die Langzeitfolgen nach Einnahme solcher Antidepressiva sein, sowohl bei Männern als auch bei Frauen. Experten wie Wolfgang Becker-Brüser, Chefredakteur des arznei-telegramms, gehen von einer sehr hohen Dunkelziffer aus. „Es werden sehr viel mehr Menschen betroffen sein, als man heute denkt.“ Allein in Deutschland werden täglich mehr als 1,5 Millionen Tagesdosen von sogenannten Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI) und Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmern (SNRI) verschrieben.

Fallstudien weisen schon seit 2006 auf solche lang anhaltenden sexuellen Funktionsstörungen durch die Antidepressiva hin. In den USA verpflichtete die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA bereits 2011 den Hersteller des Fluoxetin-Präparates Prozac dazu, in der Produktinformation auf sexuelle Funktionsstörungen auch nach Absetzen des Antidepressivums hinzuweisen. 2012 warnte das niederländische Pharmakovigilanz-Zentrum Lareb vor möglichen Spätfolgen. Doch erst jetzt hat die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) reagiert und die Hersteller aufgefordert, auf solche Nebenwirkungen in den Produktinformationen hinzuweisen.

EMA spricht von nicht eindeutiger Datenlage

„Die Behörden waren eindeutig zu spät dran. Man hätte spätestens vor sechs oder sieben Jahren reagieren müssen und diese Hinweise in die Beipackzettel aufnehmen müssen“, kritisiert Wolfgang Becker-Brüser. Auf Nachfrage teilt die EMA mit, dass sie in der Vergangenheit die Studien geprüft habe, aber bis dahin „die Datenlage nicht eindeutig“ gewesen sei. Neueste Forschungen und Hinweise aus der Wissenschaft wären nun Anlass, die Produktinformationen ändern zu lassen, um Risiken zu minimieren.

Laut EMA können Medikamente mit folgenden Wirkstoffen lang anhaltende sexuelle Funktionsstörungen hervorrufen: Citalopram, Escitalopram, Fluvoxamin, Fluoxetin, Paroxetin, Sertralin, Duloxetin, Milnacipran, Venlafaxin, Desvenlafaxin (in Deutschland nicht im Handel). Kritiker sind der Auffassung, dass weitere Wirkstoffe ebenfalls den Warnhinweis aufführen sollten.

Hinweis der Redaktion: Bei Fragen zu Ihrem Medikament, wenden Sie sich bitte an einen Arzt oder geeignetes Fachpersonal!

Von Birte Meier und Saskia Schüring

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Nebenwirkungen von Antidepressiva

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Anhaltende Nebenwirkungen selbst nach Absetzen eines SSRIs?

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Überblick – PSSD Hilfe Deutschland e. V.

SSRI und PSSD – Was ist das eigentlich?

Selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI) sind Antidepressiva. Als eine der häufigen Nebenwirkungen verursachen sie während der Einnahme Sexualstörungen. Dies ist weithin bekannt und steht auch in der Packungsbeilage. Was jedoch nur die wenigsten wissen und wovor auch nirgends gewarnt wird: Die sexuellen Störungen verschwinden bei einigen Personen auch nach dem Absetzen des SSRI nicht.

 

Dieser Medikamentenschaden läuft unter der Bezeichnung PSSD, Post-SSRI Sexual Dysfunction. 

 

Neben SSRI können auch andere Psychopharmaka wie SSNRI, Selektive Serotonin- und Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmer, atypische Neuroleptika und eventuell SSRE, Selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Erhöher, bleibende Nebenwirkungen verursachen.

Typische Symptome von PSSD

Folgende Symptome können auftreten, wobei nicht bei jedem alle der genannten Symptome auftreten:

  • Verminderte oder fehlende Libido

  • Impotenz oder reduzierte Vaginalbefeuchtung

  • Schwierigkeiten, eine Erektion oder sexuelle Erregung hervorzurufen oder aufrechtzuerhalten

  • Andauernde genitale Erregungsstörung trotz sexueller Erregtheit

  • schwacher, verspäteter oder ausbleibender Orgasmus

  • Orgasmus ist weniger oder überhaupt nicht befriedigend

  • verminderte Empfindlichkeit oder Taubheit des Penis, der Vagina oder der Klitoris

  • keine oder reduzierte Reaktion auf sexuelle Reize

  • vermindertes Sperma-Volumen

  • verminderte Emotionen (negativ/positiv)

PSSD kann nach Absetzen des Medikaments Wochen, Monate oder Jahre andauern.

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?

Momentan sind keine Therapien/Heilmittel bekannt, die PSSD beheben. Immerhin erholen sich einige Betroffene mit der Zeit von alleine und anderen helfen bestimmte Substanzen (Vitamine, Aminosäuren, Heikräuter). Zudem sind Experimente mit Nagetieren im Gange, die zu vorsichtigem Optimismus Anlass geben.

Das wollen wir als Verein:

  • Betroffene und Gefährdete informieren und unterstützen

  • Ärzte und Forschungseinrichtungen informieren

  • zu Forschungsprojekten aufrufen

  • Behandlungsmöglichkeiten finden

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https://pssd-hilfe.jimdo.com/

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Siehe auch:

Antidepressive Medikamente und gestörte Sexualität

https://www.depression-heute.de/blog/antidepressive-medikamente-und-sexualitaet

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Strategien, wenn Psychopharmaka das Liebesleben beeinträchtige

https://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/neuro-psychiatrische_krankheiten/depressionen/article/645919/strategien-wenn-psychopharmaka-liebesleben-beeintraechtigen.html

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Gruß Hubert

 

 

Veröffentlicht 28. August 2019 von hubert wenzl in Medizin, Uncategorized

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Ein Sterbehelfer, der das Leben liebte   Leave a comment

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Aus giordano-bruno-stiftung.de

Nachruf auf Uwe-Christian Arnold

Uwe-Christian Arnold 2015 bei der Aktion "Lassen Sie das doch den Klempner machen!" vor der Frankfurter Paulskirche

Uwe-Christian Arnold 2015 bei der Aktion „Lassen Sie das doch den Klempner machen!“ vor der Frankfurter Paulskirche

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Er hätte so gerne an der mündlichen Verhandlung des Bundesverfassungsgerichts zu § 217 StGB in der kommenden Woche mitgewirkt, doch seine Krebserkrankung war zu weit fortgeschritten: Am gestrigen Freitag starb „Deutschlands bekanntester Sterbehelfer“ Uwe-Christian Arnold in seiner Wohnung in Berlin. Noch am Abend vor seinem Tod versendete er eine Stellungnahme für das Bundesverfassungsgericht, sein politisches Vermächtnis. Ein Nachruf von Michael Schmidt-Salomon.

Uwe-Christian Arnold, den alle nur „Christian“ nannten, war ein außergewöhnlicher Mensch, ein furchtloser Streiter für die Selbstbestimmung am Lebensende, ein „notorischer Querulant“, der sich von den konservativen Bestimmungen der Ärztekammern nicht maßregeln ließ, ein unverbesserlicher Witzbold, der auch vor deftigen Späßen nicht zurückschreckte, ein einfühlsamer Arzt, der den Menschen in ihren schwersten Stunden zur Seite stand, und nicht zuletzt auch ein Freund, auf den man sich hundertprozentig verlassen konnte. Hinter seiner harten Schale verbarg er ein weiches Herz. Die Schicksale seiner Patientinnen und Patienten nahmen ihn oft sehr viel mehr mit, als er es öffentlich zugegeben hätte. Und so heftig er auch über die Vertreter des „Sterbe- und Leidensverlängerungskartells“ mit ihrem „Multimilliarden-Geschäft“ herziehen konnte, für Notleidende hätte er sein letztes Hemd geopfert.

Ich lernte Christian vor 10 Jahren bei einem Treffen von „Dignitas“ und „Dignitas Deutschland“ am Sitz der Giordano-Bruno-Stiftung kennen. Zunächst wusste ich nicht so recht, was ich von diesem etwas ruppigen Mann mit der schnoddrigen „Berliner Schnauze“ halten sollte, doch dann merkte ich schnell, dass er blitzgescheit war und sein Herz an der richtigen Stelle trug. Seinen ersten programmatischen Vortrag über das „Recht auf Letzte Hilfe“ hielt Christian im April 2013 am gbs-Stiftungssitz „Haus Weitblick“ in Oberwesel. Damals vereinbarten wir, dass ich ihn beim Schreiben eines Buches unterstützen werde. Und so erzählte mir Christian wenige Monate später in langen, intensiven Sitzungen von seinem Leben und seiner Arbeit als Arzt und Sterbehelfer. Ich studierte die Fälle, die er betreut hatte, und die Anklagen, die gegen ihn erhoben worden waren. Und wir trafen uns mit einigen seiner Patientinnen und Patienten. Schließlich war ich auch bei einer seiner Freitodbegleitungen dabei, was mich sehr berührte.

Durch die gemeinsame Arbeit an dem Buch „Letzte Hilfe: Ein Plädoyer für das selbstbestimmte Sterben„, das im Oktober 2014 – pünktlich zum Start der „Letzte Hilfe“-Kampagne „Mein Ende gehört mir“ – im Rowohlt-Verlag erschien, kam mir Christian noch einmal näher. Ich war verblüfft darüber, mit welcher Begeisterung er von alten Spielfilmen erzählen konnte, über die er sich noch immer schlapplachte, oder von bewegenden Opernaufführungen und Jazzauftritten, die seine Augen noch Jahrzehnte später zum Leuchten brachten. Christian liebte gute Bücher, gute Musik, gutes Essen und guten Wein, doch bei aller Lebensfreude, die er an den Tag legte, konnte man stets auch die enorme Belastung spüren, unter der er stand. Denn Christian hatte – als einziger Arzt in Deutschland – mehrere Hundert schwerstleidende Menschen beim Freitod begleitet und dabei Berührendes und Tröstliches, aber auch unaussprechliche Not erlebt – und dies alles ohne jegliche fachliche Begleitung! Außer mit Helga, seiner Frau, und einigen wenigen Freundinnen und Freunden konnte er mit niemandem über seine Erfahrungen als Sterbehelfer sprechen. Irgendwann wurde mir klar, dass Christian dieses Problem auf seine ganz eigene Art löste – zum Beispiel, indem er uns immer wieder anrief, um die neuesten Witze zu erzählen, die er gerade irgendwo aufgeschnappt hatte. Sein hohes, langgezogenes „Haaaahaaaa“, das auf jede Pointe folgte, werde ich nie vergessen. Es war Christians Form der Psychotherapie.

Vor allem in den Jahren 2014 und 2015 kämpfte Christian wie ein Löwe für das Selbstbestimmungsrecht am Lebensende und für eine humane Sterbekultur. Er hat in dieser Zeit unzählige Interviews gegeben, Talkshows besucht, Podiumsdiskussionen bestritten und an Filmdokumentationen mitgewirkt. Hoffnung gab ihm, dass 80 Prozent der Bürgerinnen und Bürger für eine Liberalisierung der Sterbehilfe votierten. Dass der Deutsche Bundestag entgegen diesem Bevölkerungsvotum Ende 2015 das „Gesetz zur Strafbarkeit der geschäftsmäßigen Förderung der Selbsttötung“ verabschiedete, das jede Form der professionellen Freitodbegleitung verbietet und schwerstleidende Menschen katastrophal im Stich lässt, hat ihn schwer getroffen.

Mit großer Ungeduld wartete Christian deshalb auf die Eröffnung des Verfahrens zu den Verfassungsbeschwerden gegen das „Sterbehilfeverhinderungsgesetz“ §217 StGB. Zur mündlichen Verhandlung am kommenden Dienstag und Mittwoch sollte er eine Stellungnahme vor dem Bundesverfassungsgericht vortragen. Doch die Krebserkrankung, unter der er schon lange litt, setzte ihm mehr und mehr zu. Er kämpfte dagegen an, aber in den letzten zwei Wochen zeichnete sich allmählich ab, dass er kaum mehr in der Lage sein würde, die Fahrt nach Karlsruhe anzutreten. Deshalb schlug ich ihm vor, die Stellungnahme schriftlich zu formulieren und durch seinen Rechtsanwalt in der Verhandlung vorlesen zu lassen. Über seinen Text für das Bundesverfassungsgericht haben wir noch am Donnerstagabend in unserem allerletzten Telefonat gesprochen. Dabei sagte mir Christian, dass die Schmerzen inzwischen trotz hoher Morphiumdosen so unerträglich geworden seien, dass es keinen Sinn mehr mache, den Tod länger hinauszuzögern. Ich wusste, was das bedeutet. Es war eines der traurigsten Gespräche, die ich je geführt habe.

Christian war für uns, den Vorstand und die Geschäftsführung der Giordano-Bruno-Stiftung, nicht nur ein wichtiger Mitstreiter, sondern ein Teil der Familie. Am Freitagmorgen rief er, wie er es versprochen hatte, noch einmal bei Herbert Steffen, dem Gründer der Giordano-Bruno-Stiftung, an, um sich zu verabschieden. Nach einem letzten „Servus“ drehte Christian die Infusion auf. Wenig später schlief er friedlich ein. Auf die Frage, ob ich noch irgendetwas für ihn tun könne, hat er mir am Donnerstag geantwortet: „Ich brauche keine Trauerfeier und kein Denkmal, aber setzt bitte fort, was ich begonnen habe!“ Das werden wir tun. Versprochen.

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Ein Sterbehelfer, der das Leben liebte

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Gruß Hubert