Archiv für die Kategorie ‘Sexualität

Bischofsworte zur Sexualität   4 comments

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Die christlichen Kirchen hinken in Fragen der Sexualität hoffnungslos hinterher und werden in dieser Frage zu recht von der großen Mehrheit als weltfremd wahrgenommen.

Der Trierer Bischof Stephan Ackermann gehört da noch zu den liberaleren in der katholischen Kirche.

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Bischof über katholische Sexualethik „Ich fürchte, das versteht niemand mehr“

Der Trierer Bischof Stephan Ackermann hat sich für eine neue Sexualethik der katholischen Kirche ausgesprochen. Es sei nicht mehr haltbar, jede Form von Sex vor der Ehe als schwere Sünde zu bewerten. Auch Homosexualität dürfe man nicht einfach als „widernatürlich“ bezeichnen.

Trier – Mit ungewöhnlich liberalen Positionen zur kirchlichen Morallehre hat der Trierer Bischof Stephan Ackermann in einem Zeitungsinterview auf sich aufmerksam gemacht. So sei es nicht mehr haltbar, jede Art von vorehelichem Sex als schwere Sünde zu bewerten, sagte er der Mainzer „Allgemeinen Zeitung“.

http://www.spiegel.de/panorama/trierer-bischof-sex-vor-der-ehe-nicht-unbedingt-schwere-suende-a-951779.html

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Unzeitgemäße Gedanken zu einem biblischen Zusammenhang

Eine der wiederkehrenden Kernfragen: Welcher Sex ist recht vor Gott?

Auszug.

Die Debatten in und außerhalb der Kirche zum Thema Sexualität und allem, was damit zusammen hängt, reißen nicht ab. Sie scheinen in medialen Wellenbegwegungen immer neu auf die Kirche zuzurollen – in wechselnden Themen: Mal sind es die wiederverheirateten Geschiedenen, mal der Zölibat, mal der Umgang der Kirche mit Menschen, die homosexuelle Neigungen haben – um nur die am meisten diskutierten Themen aufzugreifen. Und ist es nicht paradox? Da nimmt sich der Papst mit der Bischofssynode des Themas der Familie an und das Wesentliche, was Monate vor, während und nach der Synode vordringlich zum Thema wird, sind

zwei Menschengruppen, die gerade nicht in Verhältnissen leben, die den Normalfall von Familie bilden: Wiederverheiratete Geschiedene und Homosexuelle. In beiden Fällen geht es aber im Kern der Debatte letztlich um die Praxis gelebter Sexualität, die nicht dem entspricht, was die Kirche in diesem Bereich seit jeher für Weisung und Willen Gottes hält.

Dr. Stefan Oster SDB Bischof von Passau

http://www.bistum-passau.de/sites/default/files/user/8/Gottvergessenheit%20und%20Praxis%20gelebter%20Sexualit%C3%A4t_1.pdf

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Jetzt noch der Kabarettist Olaf Schubert. Etwas versteht der ja auch über Sexualität, der ist ja auch nicht dumm. Und da ist behutsame Aufklärung gefragt.

Klarer Fall für Olaf Schubert – Bischöfe reden offen über Sex?

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Gruß Hubert

Veröffentlicht 13. Oktober 2016 von hubwen in Kirchenkritik, Sexualität, Uncategorized

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Die gar nicht so süße Maus (mMn) der Berliner CDU   3 comments

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Ganz schlimm dieser Sexismus. Da hat ein Parteikollege von der CDU glatt zur CDU-Politikerin Jenna Behrends gesagt: „süße Maus“, (was ich nebenbei gesagt zu ihr nicht sagen würde, weil ich sie gar nicht süß finde – aber das ist Geschmackssache). Sollte sie ein Mann auf ihre inneren Werte reduzieren und sie sonst für eine hässliche Maus halten (und ihr hoffentlich das nicht sagen)?

„Ausgerechnet Jenna, die ihre weiblichen Reize spielen ließ und den Männern halb auf dem Schoß saß – ein Hohn.“

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CDU-Politikerin Jenna Behrends

Die Berliner CDU-Politikerin Jenna Behrends. – Foto: dpa

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Die Sexismus-Debatte um die frisch gewählte Berliner CDU-Bezirksverordnete Jenna Behrends (26) und Parteichef Frank Henkel wird zur innerparteilichen Schlammschlacht. Sandra Cegla (37), Vorsitzende der Frauen Union in Berlin-Mitte, wirft Jenna Behrends Intriganz und Verlogenheit vor – und den zielgerichteten Einsatz ihrer „weiblichen Reize“.

„Sie kam vor etwa einem Jahr zu uns, war ein, zwei Monate sehr aktiv und fing dann an, gegenüber Mitgliedern des Vorstands über andere Mitglieder zu lästern“, sagte Cegla dem Berliner Kurier. Das hätten ihr mehrere Frauen berichtet. Zudem habe sie offen gelogen.

Sandra Cegla: „Ausgerechnet Jenna, die ihre weiblichen Reize spielen ließ und den Männern halb auf dem Schoß saß“

Empört ist Cegla, dass Behrends sich als Vorkämpferin gegen Sexismus darstelle: „Ausgerechnet Jenna, die ihre weiblichen Reize spielen ließ und den Männern halb auf dem Schoß saß – ein Hohn.“ Cegla will mehrfach auf dieses Verhalten angesprochen worden sein.

Ausgelöst wurde die Debatte durch einen Artikel von Behrends, in dem sie Intrigen, angedichtete Verhältnisse und Sexismus in der CDU beklagte. Innensenator Frank Henkel habe sie „große, süße Maus“ genannt. Der Abgeordnete Sven Rissmann soll ihr gesagt haben, Henkel habe ihn gefragt: „Fickst du die?“ Henkel schweigt zu den Formulierungen, Rissmann erinnert sich nicht.

Dafür äußern sich immer mehr Politiker zu dem Fall. Die stellvertretende Unions-Fraktionschefin Nadine Schön hält Sexismus für ein Problem, das nicht nur die Politik betrifft. „In der Partei genauso wie in der ganzen Gesellschaft muss das Thema stärker diskutiert werden“, sagte sie am Montag im Deutschlandfunk.

Schön sprach von einem „Graubereich“. Man müsse zwischen einer laxen Bemerkung und einer verletzenden, sexistischen Bemerkung unterscheiden. Eine erwachsene Frau „große süße Maus“ zu nennen, halte sie nicht für akzeptabel. Sie selbst habe die von Behrends geschilderten Erfahrungen nicht gemacht, sagte Schön. „Aber ich kenne das natürlich auch von Berichten von Bekannten und Freundinnen, jetzt egal, ob in der Politik, in der Wirtschaft oder auch in Vereinen und Verbänden.“

Auch Berlins CDU-Generalsekretär Kai Wegner fordert eine stärkere Auseinandersetzung mit sexistischem Verhalten in Parteien und Gesellschaft. „Sexismus ist leider ein verbreitetes, gesamtgesellschaftliches Problem, dem wir uns noch stärker stellen müssen“, sagte er der „Berliner Morgenpost“. In der CDU habe die Herabwürdigung von Frauen keinen Platz, betonte Wegner.

Anne Wizorek: „Das würde mit männlichen Kollegen schlichtweg nicht passieren“

Anne Wizorek, die vor drei Jahren die sogenannte Aufschrei-Debatte um Sexismus in der Gesellschaft mitausgelöst hatte, widersprach Schön. Sie sagte dem Sender: „Das würde mit männlichen Kollegen schlichtweg nicht passieren, und insofern ist das kein Graubereich, sondern Sexismus.“ Gleichzeitig begrüßte sie, dass CDU-Generalsekretär Peter Tauber am Wochenende eingeräumt hatte, dass es in der Partei – aber auch in der Gesellschaft – ein Problem mit Sexismus gebe. (red/dpa)

– Quelle: http://www.berliner-zeitung.de/24806188 ©2016

 

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Die Berliner CDU-Politikerin Jenna Behrends hat Sexismus-Vorwürfe gegen ihre Partei erhoben. „Warum ich nicht mehr über den Sexismus in meiner Partei schweigen will“, schrieb Behrends am Freitag in einem Beitrag für das Online-Magazin „Edition F“. Immer wieder sei sie mit Gerüchten konfrontiert worden, sie würde sich nur hochschlafen.

„Die junge Frau, die ständig mit den Gerüchten um ihre angeblichen Affären konfrontiert wird, die gibt es in echt“, beklagt Behrends. Auf einem Parteitag sei sie von einem Parteifreund als „große süße Maus“ bezeichnet worden. Jener Parteikollege soll einen anderen zudem gefragt haben: „Fickst du die?“

„Nimmersatte Karrieristin“

Behrends, Jahrgang 1990, ist am vergangenen Sonntag für die CDU in die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) gewählt worden, die Volksvertretung auf Ebene der Berliner Bezirke. 2015 war sie in die Partei eingetreten. In ihrem Text kritisierte Behrends den fehlenden Zusammenhalt von Frauen innerhalb der Partei, sie soll als „nimmersatte Karrieristin“ bezeichnet worden sein. Gleichzeitig erklärte sie, dass Politik zu wichtig sei, „um sie hauptsächlich alten Männern zu überlassen“.

Der Berliner CDU-Chef Frank Henkel zeigte sich verwundert und „auch ein bisschen enttäuscht über Inhalt und Stil dieses offenen Briefes“. Die CDU Mitte, für die Behrends nun auch in der BVV sitzt, hätte Quereinsteigern immer wieder eine Chance gegeben, erklärte Henkel in einer Mitteilung. „Wenn sich Frau Behrends mit mir austauschen will, steht ihr meine Tür wie jedem anderen Mitglied meines Kreisverbandes für ein Gespräch offen.“ Die Bundes-CDU wollte die Vorwürfe auf Nachfrage nicht kommentieren. (dpa)

– Quelle: http://www.berliner-zeitung.de/24795962 ©2016

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„Offensiv gegenüber Männern“

Die FU-Bezirksvorsitzende Cegla jedoch attackiert ihre Parteifreundin. Sie erklärte, es sei nicht erstaunlich, dass es im CDU-Bezirksverband, der ebenfalls von Frank Henkel geleitet wird, Spekulationen über das Privatleben der 26-jährigen Behrends gegeben habe. „Ich habe sie als sehr offensiv Männern gegenüber empfunden“, sagte Cegla der Berliner Zeitung. Zudem habe Behrends ihr von einem Verhältnis zu einem Mitglied des Bundesvorstands berichtet.

Zu den Vorwürfen gegen Henkel sagte Cegla: „Ich weiß, was Sexismus ist. Und das ist keiner.“ Die Frage Henkels an seinen Parteifreund Sven Rissmann, die Behrends betraf („Fickst du die?“), habe Behrends ja nicht gehört. „Das war ein Satz unter Männern, der dann weitergetragen wurde.“

– Quelle: http://www.berliner-zeitung.de/24808528 ©2016

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Jenna Behrends trat im Mai vergangenen Jahres in die CDU ein und bereits auf dem Parteitag des Kreisverbandes Mitte im November erhielt sie auf Vorschlag ihres Ortsverbandes den sicheren Listenplatz sechs für die Wahl der Bezirksverordnetenversammlung. Schließlich gab es bislang bei der CDU in der BVV kaum Frauen.

Vorwurf, sich hochzuschlafen

„Ein großer Vertrauensvorschuss“, schreibt die Mutter einer dreijährigen Tochter. Doch manchem in der Partei schien der Aufstieg zu schnell zu gehen. Die Verleumdungen fingen an. Ihr sei unterstellt worden, sich für ein kommunales Ehrenamt hochzuschlafen, ständig sei sie mit Gerüchten über ihre angeblichen Affären konfrontiert worden.

– Quelle: http://www.berliner-zeitung.de/24794036 ©2016

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Offener Brief von Jenna Behrends (CDU)

https://editionf.com/sexismus-parteien-jenna-behrends

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Natürlich wieder ein Aufspringer für Anne Wizorek. Das ist die vom #aufschrei
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dcratgs939hmf51qa

https://twitter.com/hashtag/aufschrei?lang=de

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Gruß Hubert

 

 

Veröffentlicht 27. September 2016 von hubwen in Politik, Sexualität, Uncategorized

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Hör mal, wer da hämmert   Leave a comment

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Wieder mal ein Sex-Thema. Altersbedingt bin ich ja nicht mehr so brennend interessiert an Sex, aber ich finde das Thema vom „perfekten Sex“ handelt Gabriele Kuhn hier gut ab. Wenn auch manche Frauen vielleicht glauben, Männer seien bis ins Greisenalter an Sex interessiert, gehöre ich nicht zu dieser Kategorie Männer. Wichtige „Ingredenzien“ nehmen ja mit dem Alter beim Mann ab, wie Testosteron, Potenz, Erektionsqualität (natürlich nimmt auch bei der Frau nach den Wechseljahren ein wichtiges Hormon ab, Östrogen) . Sex als Zuschauer würde mich jedenfalls nicht mehr interessieren. Wenn nicht aktiv, dann besser dieses Thema streichen. Sport kann man auch eventuell passiv genießen… aber Sex? Aber ich spreche ja nur für mich, andere Männner können das ja anders sehen. Eines ist aber auch sicher, Männer lügen selten so viel bei einem Thema als wenn es um ihre angebliche Mannhaftigkeit und Standhaftigkeit geht. Da geben sich Männer als die tollsten Hengste wo in Wirklichkeit nur mehr tote Hose vorherrscht. Ach ja, Potenzmittel gibt es ja auch noch. Aber eine Eisenstange kann das natürliche Wohlgefühl nie ersetzen. Es soll auch für die Frau nicht so toll sein.

Aber zurück zum Thema, wo es ja um den perfekten und ultimativen und Sex in Superlativen geht. Orgasmus hoch zehn und wer kann am öftesten und wer spr….. am weitesten und am meisten.

Wir sind nirgends perfekt. Warum sollten wir es beim Sex sein?

Gabriele Kuhn: Genau so sind wir nämlich gemeint: weder ultimativ, noch perfekt, sondern verletzlich und echt.

Deshalb müssen wir nicht nur gut zu uns sein, sondern vor allem nachsichtig mit uns.

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Wenn es um Sex geht, schwingen häufig Bilder einer perfekten Ausstellung mit. Von glatten Körpern, feuchtfröhlichen Exzessen und Geschlechtsteilen, die wie geschmiert tun, was sie tun sollten: immerzu Lust spenden – auf Hammer-Niveau. Dass es auch weniger perfekt sein darf, verdrängen viele. Doch genau das ist die Crux.

Ultimativ – und perfekt. Das sind zwei Begriffe, die gerne in einem Atemzug mit dem Wort Sex genannt werden. Da steht dann sowas in Lifestyle-Portalen:  „5 Tipps für den ultimativen Orgasmus.“ Und:  „8 ultimative Tipps für den perfekten Blowjob“. Oder etwa: „Es muss nicht immer Sex sein: 10 Tipps für das perfekte Kuscheln“.  Beziehungsweise:  „Es muss nicht immer Kuscheln sein: 10 Tipps für den perfekten Sex“.  Orgasmen sollten, wenn schon nicht perfekt wenigstens ultimativ sein.
Nie würde irgendwo stehen: „So kommen Sie in 15 Minuten zu einem durchschnittlichen Orgasmus“.  Und schon gar nicht:  „15 durchschnittliche Ratschläge für unterdurchschnittlichen Sex“. Keine Chance, das interessiert niemanden, das würde so keiner lesen. Stattdessen will er wissen, wie ein Mann „jede Frau ins Bett kriegt“ oder „allen Frauen einen multiplen Orgasmus beschert“. Und sie mag lesen, was sie tun muss, damit „meine Vagina nicht pupst“ oder wie die „6 besten Stellungen von hinten“ funktionieren.  

Weil es doch idealerweise so sein muss:  Mehr und noch mehr.   Und das bitte noch besser, noch härter, noch feuchter, noch tiefer, noch länger, noch glatter, noch dünner, noch six-packiger. Wo man hinschaut: die Superlative, das Optimum, das Erstrebenswerte. Also Supermuschis, Super-Ständer und ewig funktionierende Feuchtbiotope, allzeit bereit. Vieles, was wir gerne hätten, aber nicht haben.

Zur Orientierung  braucht man  dann eigentlich nur mehr durch das Porno-Angebot im Internet zu surfen. So viel Ultimatives und Perfektes per Mausklick – hör und schau mal, wer da hämmert. Frauen, die sich stundenlang von hinten und vorne, von oben und unten bumsen lassen, ohne auch nur einmal „Autsch“  zu sagen. Oder womöglich „Stopp“. Männer mit Presslufthammer-Erektionen, unverletzbar. Und alle haben sie Orgasmen wie Donner und Blitz. Wenn sie nicht gestorben sind, dann hämmern sie noch weiter.

Das ist  nicht alles. Wer Sex denkt, denkt meist in Idealen. Damit wird der Mensch  sozialisiert. Sex muss dreckig sein, darf aber nicht besonders schmutzen.  Sex darf nicht stinken, nicht holpern, nicht zögerlich sein. Nur kein falsches Geräusch an falscher Stelle. Nur kein Ausrutscher, Abrutscher, Versager. Von Beginn an sind die Erwartungen hoch. Erster Sex? Sanft, schön, schwingend, geil. Dass da auch einmal etwas nicht so rutscht und vielleicht sogar weh tun kann, also bitte!  Daher empfindet sich jeder, dem tatsächlich ein bisschen was weh tut, und wo es nicht so flutscht,  falsch. Auch sonst  wollen wir tun, was richtig ist. Richtig ist, was opportun scheint. Und das ist auf keinen Fall etwas, wofür wir uns  womöglich schämen müssten.

Wer zu früh kommt, gar nicht kommt, verzögert kommt, an delikater Stelle ein Wimmerl oder Härchen hat, im falschen Moment die falsche Handlung setzt, wer zögert, überlegt, es ungeschickt anpackt, den bestraft sein Sexualleben. Wer nicht wie geschmiert die Beine spreizt und die  Lenden schwingt, ist raus.

So  schade. Weil es kaum etwas Menschlicheres gibt als den sexuellen Menschen, in seiner ganzen Nacktheit und Berührbarkeit. Genau so sind wir nämlich gemeint: weder ultimativ, noch perfekt, sondern verletzlich und echt.  Deshalb müssen wir nicht nur gut zu uns sein, sondern vor allem nachsichtig mit uns.

20.08.2016
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Hör mal, wer da hämmert

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Gruß Hubert

 

 

Veröffentlicht 21. September 2016 von hubwen in Sexualität, Uncategorized

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Dopamin, die Sau   Leave a comment

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Dopamin, fast das Kokain des Körpers – und für jegliche Droge tut der Mensch viel. Hormone spielen eine sehr große Rolle im Leben.

 

Ein Mann, eine Frau und ein „One-Kopierkammerl-Stand“ mit der Arbeitskollegin. Das kann passieren, wenn er sich auf die Suche nach dem Kick begibt. Ein Kick, der vor allem durch bestimmte Botenstoffe im Gehirn ermöglicht und daher ersehnt wird. Hauptdarsteller: Dopamin, der Dark Vader des Belohnungszentrums im Kopf.

Nach der ersten Flasche Wein war’s dann mit der Contenance der sonst braven F zu Ende: „Männer sind halt Schweine“, formulierte sie lapidar. Zuvor hatte sie sich das etwas langatmig geratene Dramolett ihres Gegenübers angehört.  M’s  Chronik eines länger angekündigten Ehebruchs. Der „ihrige“, nun auch schon 21 Jahre im Bindungsboot, war den Reizen einer Arbeitskollegin erlegen. „Eh nur ein einziges Mal“, wie er nicht müde wurde, zu beteuern. Um gleichzeitig die Tücken eines daheim vergessenen Smartphones zu verfluchen. Denn erst die „Ich bin so feucht“-Whats App, die mitten in das begehbare Garderoben-Idyll des Ehepaars ploingte,  sorgte für das ungewollte Outing. Pech. Während er bereits handylos im Büro weilte, erörterte seine Frau gerade die Tagesoutfit-Frage. Nach Whats-App-Empfängnis fiel ihre Wahl auf die Farbe Rot.

Schließlich öffneten die Freundinnen eine weitere Flasche Sprit, diesmal in Form von Gin, um mögliche strafrechtliche Konsequenzen zu erörtern. Ein Fall für eine Trennung sei so ein Ausrutscher  keiner, aber einer für eine Lektion. Prost. Der Begriff „Sexit“ formierte sich zu einer Ansage seitens F: „Bestraf ihn mit drei Monate Sex-Aus“. M hielt inne, weil sie gestehen musste, dass ihr Libidopegel sich schon vor seinem One-Kopierkammerl-Stand (auch OKKS) auf „Sexit“-Niveau eingependelt hatte. Und dies möglicherweise ein Mitgrund für seinen Trip in eine andere Beckenlandschaft war.

„Verstehst du“, sagte sie, „immer ist was: die Kinder, die Migräne,  die Regel, die Hormonschwankungen.  Da bleiben kaum Slots für den Exzess“. Pech: Denn genau danach sehnen sich selbst die treuesten Ehemänner, und wenn es nur heimlich vor dem Laptop oder in der verträumten Gedankenwelt der Morgenlatten-Dämmerung ist.

Mögliches Erklärstück: Dopamin, die Sau unter den körpereigenen Stoffen. Quasi das Kokain des Körpers. Es flutet das Belohnungssystem immer dann, wenn’s Oh Là Là wird: beim Sex, beim Sport, beim Bestehen einer Herausforderung. Da regiert dann das „Wenn ich nur aufhören könnt-Prinzip“. Wählt der Mann eine neue Sexualpartnerin, geht’s nicht nur mit der Fleischeslust bergauf, sondern auch mit dem Dopaminpegel. Dann wird das Belohnungs-Epizentrum im Kopf geflutet, – geil, geiler, am geilsten. Es ist übrigens auch das Dopamin, das beim Fummeln oder Schmusen zum drängenden Weitertun verführt; Botschaft:  Lass-uns-es-tun! Bis zum alles erlösenden Orgasmus.

Der Dopamin-Gegenspieler heißt  Oxytocin, das Kuschelhormon. Lieb, aber langweilig und treuer Begleiter des „marital boredom“, auf  Deutsch: eheliche Langeweile. Was tun? Erst einmal akzeptieren, dass es unmöglich ist, mit einem Langzeitpartner permanent im sexuellen Dopaminrausch dahinzusurfen. Damit der Spiegel aber nicht völlig in den Keller rasselt, kann man  für  andere „Dopamin-Flow-Erlebnisse“ sorgen. Das ist, zugegeben, kein perfekter Ersatz für einen guten Fick, aber es stopft die High-Löcher auf konstruktive Art, und nicht durch Affären, Seitensprünge, Zerstörung. Heißt: Ein Paar muss lebendig bleiben, andere Wege gehen, sich immer wieder neu erfinden, die Beziehung am Surren, Tönen und Schnurren halten. Dann geht was. Und ganz nebenbei gibt’s ja noch den Frontallappen im Hirn: Dort sitzt das, was wir gemeinhin als Vernunft bezeichnen Oder Intelligenz.

02.07.2016
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Dopamin, die Sau

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Gruß Hubert

Veröffentlicht 16. September 2016 von hubwen in Sexualität, Uncategorized

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Wie mich zwei Ärzte von meinem Schwulsein heilen wollten – Teil 2   Leave a comment

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In Dresden erklärt mir der Arzt, welche Ursachen für Homosexualität aus seiner Sicht infrage kommen. Häufig wertschätze der Vater seinen Sohn nicht genug. Oder die Mutter überbehüte den Sohn. Oder seine potenziellen Patienten seien nicht in ihrer „Peergroup“ angekommen, fühlen sich also nicht als Junge unter Jungen oder als Mann unter Männern. Langsam werde ich wütend. Wie kann ein approbierter Arzt, der an einer Universität studiert hat, derlei behaupten?

Wer mag Hilfe bei ihm suchen? Es sind wohl junge Männer, die sich von Familie, Freunden oder Gemeinden unter Druck gesetzt fühlen. Für manche ist eine offen ausgelebte Homosexualität aus Glaubensgründen undenkbar. Ich spreche während der Recherche mit Menschen, die erfolglos an Seminaren teilgenommen haben, um von ihrer Homosexualität wegzukommen. Vieles laufe im Verborgenen ab, sagen sie, solche Angebote würden oft unter der Hand empfohlen. Zahlen über Teilnehmer und Patienten, über Seminare und Therapien gibt es nicht. Aber auch wenn es sich um eine kleine Minderheit der Ärzte handeln dürfte: Ihr Ansinnen ist gefährlich.

Die Bundesärztekammer warnt vor den gravierenden Folgen solcher Umpolungsversuche. Im vergangenen Herbst hat sie nach der Generalversammlung des Weltärztebundes noch einmal in einer öffentlichen Erklärung klargestellt, dass Homosexualität keine Erkrankung ist. Sogenannte Konversionstherapien seien nicht nur unwirksam, sondern könnten sich negativ auf die Gesundheit auswirken.

Auch die Oberärztin Lieselotte Mahler hat sich mit den möglichen Folgen solcher Veränderungsversuche beschäftigt: „Das Gefühl, in der Therapie versagt zu haben, kann zu tiefen Depressionen und Angststörungen bis hin zu Selbstmorden führen“, sagt sie. Mahler ist Psychiaterin an der Berliner Charité und leitet bei der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie das Referat für sexuelle Orientierung. Sie vermutet, dass kein Psychotherapeut heute noch offiziell Konversionstherapien anbietet, doch Diskriminierung und veraltete Therapieansätze kämen vermutlich vor. „Da gibt es sicher eine hohe Dunkelziffer“, so Mahler.

Umpolungstherapien können also nachweislich schlimme Folgen haben. Konsens unter allen Medizinern? Ganz offensichtlich nicht. Der katholische Arzt Gero Winkelmann beispielsweise hält die Warnung der Bundesärztekammer vor Veränderungsversuchen für eine „Katastrophe“ und für „wissenschaftlich nicht ganz ausgegoren“. Ich treffe ihn auf einem Christlichen Gesundheitskongress in Bielefeld – einer Messe für strenggläubige Ärzte und Pfleger. Bibeltreue Organisationen beider Konfessionen stellen hier aus, werben für ihre Positionen – engagieren sich zum Beispiel gegen jede Form von Schwangerschaftsabbruch. Die Teilnehmer beten gemeinsam und diskutieren über den Einfluss von Religion auf die Gesundheit.

Dort vertritt Gero Winkelmann an einem Stand den Bund Katholischer Ärzte. Die Medizinergruppe protestiert gegen Abtreibung und warnt außerdem vor „psychischen und medizinischen Gefahren eines Zusammenlebens ohne Trauschein“. Ihr Vorsitzender Winkelmann hat vor einigen Jahren auch einen sogenannten Forschungskreis Homosexualität gegründet. Nach eigenen Angaben gehören diesem Kreis inzwischen etwa zwanzig Mediziner an. Dabei gehe es „primär“ um das „Aufzeigen von Hilfs- und Therapiemöglichkeiten“, heißt es auf der Homepage.

In einem Faltblatt behauptet der Bund Katholischer Ärzte, Homosexualität sei eine „psychische Störung“. Gero Winkelmann findet, Ärzte sollten Homosexuellen die schwere Last nehmen, die sie tragen, damit sie nicht mehr unter Druck stünden, sich sexuell derart zu benehmen. Winkelmann glaubt außerdem, dass man Homosexuelle homöopathisch therapieren kann und schlägt eine Art Entgiftung vor. So soll der Körper von Krankheiten vorheriger Generationen wie Syphilis und Tuberkulose gereinigt werden. Solche „Erbkrankheiten“ können seiner Ansicht nach der Grund für Homosexualität sein.

Ich hätte niemals gedacht, dass es im Jahr 2014 mitten in Deutschland tatsächlich Ärzte gibt, die Homosexuelle homöopathisch behandeln oder unter dem Deckmantel einer Psychotherapie umpolen wollen. Ich recherchiere weiter und entdecke im Internet einen niedergelassenen Arzt aus Hamburg. Er ist Internist und reist offenbar immer wieder durch Deutschland, um in freien Gemeinden für die Heilung von Gläubigen zu beten.

Die Gemeinden gehören zur pfingstlich-charismatischen Bewegung. Deren Anhänger glauben, dass der Heilige Geist ihnen bestimmte Gaben verleiht, sogenannte Charismen, zu denen das Heilen von Krankheiten gehört. Auch der Hamburger Arzt glaubt, dass selbst schwere Krankheiten wie Krebs durch Gott und Gebet heilbar sind. Ob er meine Homosexualität als Krankheit sieht?

92,50 Euro für die Behandlung einer psychischen Störung

Ich besuche den Heilungsgottesdienst einer Freikirche in Süddeutschland, bei dem er als Gastredner auftritt. Am Ende der Veranstaltung strömen viele Gläubige nach vorn, um persönlich um Heilung zu bitten. Auch ich gehe zu ihm, möchte den Arzt fragen, ob er meine Homosexualität für heilbar hält. „Keine Frage! Logisch!“, antwortet er. Aus einem kleinen Fläschchen reibt er mir Öl auf die Stirn und betet für mich. Ich solle ab jetzt alle zehn Minuten zu Gott beten. Wenn meine Homosexualität in einigen Tagen nicht verschwunden sei, solle ich in seine Hamburger Praxis kommen.

Knapp zwei Wochen später habe ich einen Termin in seiner Sprechstunde. Er lässt im Behandlungszimmer die Jalousien herunter; mir ist unheimlich zumute. Dann erklärt er, er wolle mir den „Geist der Homosexualität“ austreiben. Der Arzt legt mir seine Hände auf Kopf und Brust und drückt mich auf dem Stuhl langsam nach hinten. Wie schon beim Gottesdienst reibt er mir Öl auf die Stirn und betet. Anschließend erkundigt er sich nach dem Erfolg seiner Dämonenaustreibung. „Hast du das eben gemerkt? Dass da so eine Wolke rausgekommen ist?“ Ich habe nichts bemerkt, der Arzt schon: Mindestens ein Geist sei rausgegangen.

Ich sitze im Sprechzimmer eines approbierten Arztes und erlebe eine Art Exorzismus. Ich frage mich: Lässt er sich das von der Kasse bezahlen? Am Ende der Sprechstunde sagt er, das Gebet sei kostenlos, bittet mich aber um eine Spende. Er fügt hinzu, einen kleinen Betrag werde er über die Krankenkasse abrechnen. Der Dresdner Arzt erklärte mir dagegen ganz offen, dass er seinen Veränderungsversuch als „tiefenpsychologische Therapie“ mit der Krankenkasse abrechne. Zahlen also alle Versicherten für solche dubiosen Umpolungen?

Ich hatte mich bei beiden Ärzten als privat versichert ausgegeben, sodass ich die Abrechnungen mit der Post zugeschickt bekomme. Tatsächlich erhalte ich von beiden Ärzten Rechnungen, die für die Krankenkasse bestimmt sind. Der Dresdner Arzt verlangt für die erste Sitzung 92,50 Euro – für die Behandlung einer psychischen Störung. Und der Hamburger Arzt rechnet 40,22 Euro für die „Erörterung einer lebensverändernden Erkrankung“ ab. Mit solchen lebensverändernden Erkrankungen meint die Gebührenordnung eigentlich Krankheiten wie Krebs. Beide Ärzte haben mir versichert, dass die Abrechnung mit den Kassen völlig problemlos sei.

Ich frage mehrere große Krankenversicherungen, ob sie Fälle von Umpolungstherapien kennen. Von den Kassen heißt es, dass ihnen der Inhalt von Therapiegesprächen nicht bekannt sei. Ich möchte wissen, ob die Abrechnung solcher Veränderungsversuche denn grundsätzlich zulässig sei. Erstaunlicherweise weichen die Kassen aus: Techniker, AOK und Barmer verweisen auf die Therapiehoheit der Ärzte und auf komplexe Genehmigungsverfahren. Der Verband der Privaten Krankenversicherung schreibt, dies sei eine rechtliche Frage, die Entscheidung liege nicht beim Verband. Der Hamburger Arzt selbst hat ein Interview mit dem NDR aus Termingründen abgelehnt. Schriftliche Fragen lässt er unbeantwortet.

Auf die Frage, ob das erlaubt sei, antwortet keine Versicherung mit Nein

Manche Ärzte halten Homosexualität für eine Störung. Sie schicken Abrechnungen, um dubiose Behandlungen von den Krankenversicherungen bezahlen zu lassen. Auf die Frage, ob das erlaubt sei, antwortet keine einzige der angefragten Versicherungen mit einem klaren Nein. Das verstehe ich nicht.

Mit welchen Konsequenzen müssen Ärzte und Psychotherapeuten bei solchen Behandlungsmethoden rechnen? Die Bundesärztekammer schreibt, Homosexualität sei keine Krankheit und erfordere deshalb „keinerlei Heilung“ – auch keine „homöopathische Behandlung“. Sie erklärt, „Gebet und Dämonenaustreibung“ seien keine ärztlichen Behandlungsmethoden. Zu einer Psychotherapie mit dem Ziel, die sexuelle Orientierung zu verändern, äußert sich die Bundesärztekammer allerdings nicht. Ob ein Verstoß gegen eine ärztliche Berufsordnung vorliege, könne nur in Kenntnis des konkreten Falls und nur von der entsprechenden Ärztekammer beantwortet werden.

In Dresden glaubt der Arzt am Ende der Sitzung, den Grund für meine Homosexualität gefunden zu haben: Am Kinn habe ich seit meiner Geburt eine Narbe. Sie stammt von einem kleinen Blutschwamm, der mir wenige Wochen nach der Geburt während einer Operation herausgeschnitten wurde. Deshalb sei ich wahrscheinlich schwul geworden, sagt der Arzt. Manchmal entstehe Homosexualität dadurch, dass man mit dem eigenen Körper unzufrieden sei.

Co-Autoren: Oda Lambrecht, Jennifer Stange

Wie mich zwei Ärzte von meinem Schwulsein heilen wollten – Teil 2

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Liebe Verboten – Wo Schwulsein strafbar ist

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Gruß Hubert

Wie mich zwei Ärzte von meinem Schwulsein heilen wollten   Leave a comment

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Nicht wenige Leute tun bei der Homosexualität ja so, als ob sie sich ihr Schwulsein selbst aussuchen würden, als wenn sie eventuell nach einer Enttäuschung mit einer Frau beschließen würden sich dem eigenen Geschlecht zuzuwenden.

Oder vielleicht glauben sie ja, dass sie es aus einer Laune heraus, oder aus Jux und Tollerei tun. Andere wieder, vor allem konservative, rechte und christliche Kreise klassifizieren die Homosexualität als psychische Störung, die heilbar wäre. Ich habe noch von keinem Fall gehört, der nach einer solchen Behandlung vom Homosexuellen zum Heterosexuellen geworden wäre.
Homosexualität ist eine Veranlagung, die sozusagen in den Genen oder der DNA liegt. Sie ist auch nicht widernatürlich, wie konservative oder reaktionäre Kreise behaupten, vor allem die christlichen Kirchen, die eine schon lange überholte Bibel zu Rate zieht, wo hervorgeht, dass es eine Gräuel sei, wenn ein Mann beim Manne liegt. Was die Natur hervorbringt kann nie unnatürlich sein. Im übrigen gibt es Homosexualität auch im Tierreich. Was die Fortpflanzung betrifft, die auch gerne zum Argument gemacht wird, so kann die Menschheit leicht darauf verzichten, wenn sich einige Menschen (so wie auch katholische Priester, zumindest offiziell) nicht vermehren. Das Problem ist vielmehr die Gefahr einer Bevölkerungsexplosion. So sollen bis zum Jahr 2050, 3 Milliarden Menschen hinzukommen. Wie man weiß ist die Erde endlich und diese Menschen müssen alle ernährt werden (aber vielleicht schafft es ja Bayer jetzt mit dem Monsanto-Einkauf…).

Meist wird auch nur von den homosexuellen Männern als Problem gesprochen. Was ist mit den Lesben? Ist da der Sex „sauberer“ oder „hygienischer“, weniger „widernatürlich“? Wie ich mal hörte soll es auch bei Heterosexuellen Analverkehr geben. 😉 Ist ein weiblicher A.. ääh, Po, hygienischer und natürlicher als ein männlicher? Aber klar, würde bei bibeltreuen Christen auch unter schwere Sünde fallen. So vermehrt man sich ja schließlich nicht.

Außerdem sollten Homosexuellen dieselben Rechte wie Heterosexuelle haben, denen sie auch nichts wegnehmen. Mit welcher Begründung sollte man ihnen Rechte vorenthalten? Das wäre eine unzumutbare Diskriminierung. Es ist höchste Zeit dass man ihnen diese Rechte in allen Bereichen gibt. Manche rechte Kreise sagen auch, dass Homosexuelle gar privilegiert würden. Die konkreten Beweise bleiben sie aber schuldig. Man kann sich auch nur höchst wundern, dass in Deutschland bis zum Jahr 1969 der Paragraf 175 gegolten hat, also keine 50 Jahre her.
Rund 5.000 Männer wurden in der Bundesrepublik verurteilt, auch zu Gefängnis- und Zuchthausstrafen. Aus heutiger Sicht fanden die Prozesse ohne Rechtsgrundlage statt, der Paragraf war verfassungswidrig.
Mir ist unbekannt, dass auch nur ein Homosexueller aufgrund dieser verfassungswidrigen Bestrafung eine Entschädigung erhielt.
Vor den Folgen einer „Behandlung“, wo man Homosexuelle „umzupolen“ versucht, warnt die Bundesärztekammer. Ich denke, dass so eine Homosexueller schon ziemlicher christlicher Gehirnwäsche unterlegen sein muss, wenn er sich so einer Psycho-Therapie / Behandlung hingibt. Natürlich mit Erfolgsaussicht Null.

Hier der Bericht aus der ZEIT von zwei evangelikalen Ärzten, die angeblich Wunderheiler in Sachen Homosexuelle von ihrer „Krankheit“ heilen sein sollen, sie also zu Heterosexuellen machen, die „richtig“ reiten – natürlich nur für bibeltreue Christen. Also kurz gesagt so genannte „Umpoler“.

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Mit Psychotherapie und Gebeten gegen Homosexualität: Was selbsternannte Schwulenheiler bei deutschen Krankenkassen abrechnen. Ein Erfahrungsbericht

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Meine Behandlung beginnt mit einer klaren Ansage: „Sie sind hier richtig. Ich bin davon überzeugt, dass Veränderung möglich ist.“ Der das sagt, ist approbierter Arzt in Dresden. Ich bin Journalist und schwul. Ich habe gehört, dass dieser Allgemeinmediziner homosexuelle Menschen heilen will, sie „umpolen“ – von schwul zu hetero.

Der Termin, den mir der Arzt am Telefon gegeben hat, liegt außerhalb seiner normalen Sprechstunde. Als mir die Arzthelferin die Tür öffnet, betrete ich eine Hausarztpraxis, wie es sie in Deutschland wohl tausendfach gibt: Auf den Tischen im Wartebereich liegen Illustrierte, hinter der Anmeldung surrt der Drucker. Wahrscheinlich sitzen hier sonst Patienten mit Husten. Jetzt bin ich allein.

Der Arzt ist ein unscheinbarer Mann mittleren Alters. Er begrüßt mich freundlich, wirkt zurückhaltend und verbindlich. Doch im Sprechzimmer wird er bestimmend. Er gibt mir genaue Anweisungen, wo ich meine Jacke hinlegen, auf welchen Stuhl ich mich setzen soll. Dann legt er die Hände auf seine Knie, die Handflächen zeigen nach oben. Er bildet mit Daumen und Zeigefinger einen Kreis. Dabei blickt er mich schweigend und durchdringend an. Ich frage mich, was er gerade macht: Hypnotisiert er mich? Meditiert er? Betet er?

Eine längere Recherche in strenggläubigen christlichen Kreisen hat mich zu diesem Arzt geführt. Am Ende der ersten Behandlung wird er sagen, er rechne mit mindestens einem Jahr Psychotherapie, um meine Homosexualität zu kurieren.

Wie oft befriedigen Sie sich selbst? Woran denken Sie dann?

Schwulenheilung als kassenärztliche Leistung? Schwulsein als Krankheit? Ich bin schwul, solange ich denken kann. Schon in der Grundschule fand ich Jungs interessanter als Mädchen. Wenn ich mich zurückerinnere, war die Homosexualität von Anfang an in mir. Ich habe es mir nicht ausgesucht, schwul zu sein – aber ich wollte auch nie anders sein.

Der Arzt, vor dem ich nun sitze, hat offenbar ein größeres Problem damit als ich. Er erklärt mir, dass Homosexualität eine „neurotische Fehlentwicklung“ sei. Er könne mir keine Garantie für eine Veränderung geben. Aber er wolle mir Hoffnung machen, dass sich meine Sexualität am Ende auf Frauen beziehe, so wie Gott es angelegt habe. Ich frage ihn, ob ich der Einzige mit diesem Problem bei ihm in Therapie sei. Er schüttelt den Kopf und lächelt: „Nein.“

Im Laufe der ersten Sitzung stellt der Arzt mir intimste Fragen: Haben Sie Ihre Homosexualität mit anderen Männern ausgelebt? Benutzen Sie Internetpornografie? Haben Sie deswegen ein schlechtes Gewissen? Wie oft befriedigen Sie sich selbst? Woran denken Sie dann? Haben Sie schon Versuche unternommen, die Selbstbefriedigung zu unterbinden? Irgendwann halte ich es kaum mehr aus, spiele mit dem Gedanken, die Sitzung abzubrechen. Ich habe Kopfschmerzen.

Dieser Dresdner Arzt gilt in bibeltreuen Kreisen offenbar als Geheimtipp, dort bietet er „Männern in Krisen“ seine Hilfe an. Evangelikale Christen wie er halten Homosexualität für eine Sünde. „Schöpfungswidrig“ nennt das ihr Dachverband, die Deutsche Evangelische Allianz. Dieses Netzwerk verschiedener Organisationen und Gemeinden versteht sich als „Bund von Christusgläubigen“. Sie legen die Bibel sehr eng aus und glauben an ihre „Autorität in allen Fragen des Glaubens und der Lebensführung“. Eine historisch-kritische Bibelinterpretation lehnen die Evangelikalen im Gegensatz zur Mehrheit der deutschen Protestanten ab.

Da in der Bibel steht, dass ein Mann nicht bei einem Mann liegen soll wie bei einer Frau, weil das dem Herrgott ein „Gräuel“ sei (3. Mose 18,22), werden homosexuelle Partnerschaften abgelehnt.

Wie mich zwei Ärzte von meinem Schwulsein heilen wollten

 

Veröffentlicht 15. September 2016 von hubwen in Sexualität, Uncategorized

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