Archiv für die Kategorie ‘Tierrechte

Ab und zu muss doch auch ein Torero sein Leben lassen – und das ist gut so!   1 comment

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Am Sonntag war es wieder mal so weit. Ein Torero hauchte sein erbärmliches Leben aus.
Der Stier will ja nicht kämpfen und Menschen töten. Es ist ja eine Schande, dass diese vermeintlichen Helden nur den Mumm haben gegen ein geschwächtes Tier zu kämpfen. Die Toreros kommen in die Arena um Stiere zu töten – und nicht umgekehrt.

Stierkampf Stiere werden mindestens eine Woche vor dem „Kampf“ geschwächt. Es ist eine unheimliche Folter, die der Stier erleiden muss, verbunden mit unermeßlichen Schmerzen. Der Torero ist alles andere als ein „Held“, viel mehr ein Feigling, der es nur wagt gegen einen malträtierten und mit allen möglichen Methoden geschwächten Stier zu „kämpfen“. Deshalb gebe ich offen zu, dass es mich erfreut, wenn es wieder mal so ein Individum erwischt und er mit dem Leben bezahlen muss. Gut so, ein Tierquäler weniger! Verstehen kann ich am allerwenigsten Touristen, die so einer sadististischen Veranstaltung „beiwohnen“ und mit ihrem Eintrittsgelt diese Perversität und Grausamkeit unterstützen. Manche verlassen die Stierquälerei aber schon frühzeitig, regelrecht traumatisiert.

Die meisten Touristen, die zu so einem „Stierkampf“ gehen kommen aus den USA und Japan.

 

Auszug aus Focus.de

Von Stier aufgespießt. Stolperer kostet spanischem Torero das Leben

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Ivan Fandino

dpa Der spanische Stierkämpfer Ivan Fandino während eines Kampfes in Pamplona (Archivbild)
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Ein spanischer Stierkämpfer ist von einem Bullen mit den Hörnern aufgespießt und tödlich verletzt worden. Der Vorfall ereignete sich Medienberichten zufolge am Samstag in der Stierkampfarena von Aire-sur-l’Adour im Südwesten Frankreichs.

Ähnliche „Corrida“-Unglücke gab es in der Vergangenheit schon in mehreren Ländern, in Frankreich wurde der bislang letzte Tod eines Toreros laut dem Sender France Info aber im Jahr 1921 verzeichnet.

Stolpert über Tuch

Laut der Regionalzeitung „Sud Ouest“ stolperte der 36-jährige Ivan Fandiño in der Arena über sein eigenes Tuch und wurde – im Staub liegend – zur leichten Beute für den verletzten Bullen. Dessen Hörner bohrten sich in den Oberkörper des bekannten Matadors, der schon 2011 und 2014 bei Stierkämpfen schwer verletzt worden war. … Und jetzt ist er tot. Game over!

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http://www.focus.de/panorama/frankreich-bulle-spiesst-torero-auf-tot_id_7254603.html

 

Hier sieht man ein Video von einem anderen Torero der ins Gras beißen musste auf focus.de

http://www.focus.de/panorama/videos/drama-in-der-arena-von-teruel-torrero-stirbt-bei-stierkampf-jetzt-soll-nicht-nur-der-bulle-getoetet-werden_id_5719111.html

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Hier kann man nachlesen mit welchen niederträchtigen und abscheulichen Methoden vor dem „Kampf“ geschwächt und vorbehandelt werden.

 

Auszug aus ariwa.org

Handelt es sich wirklich um einen „Kampf“?

Nein. Durch physische Manipulationen wird das Risiko für den Torero stark verringert. Der Stier wird schon Wochen vorher auf den „Kampf“ vorbereitet. Um durch einen veränderten Winkel ein zielgerechtes Zustoßen zu verhindern und somit die Gefahr für den Torero zu mindern, werden dem Stier die Hörner manchmal um mehrere Zentimeter abgeschliffen, wobei empfindliche Nerven verletzt werden können. Er wird vor dem Kampf in Dunkelheit gehalten, damit er beim Einlauf in die Arena vom grellen Tageslicht geblendet ist. Außerdem bekommt er eine riesige Dosis an Abführmitteln, was ihn schwächt. Untersuchungen belegen, dass viele Stiere mit Phenylbutazon (Entzündungshemmer) gedopt werden, was aufgrund der Nebenwirkungen zu einer Verhaltensänderung führt. Der Einsatz dieser Chemikalie ist EU-weit bei Tieren, die zu Lebensmitteln verarbeitet werden, verboten.

Leidet nur der Stier?

Nein. Auch die Pferde, die beim Stierkampf mitwirken, leiden. Meistens sind es alte Pferde. Ihnen werden die Augen verbunden. Angeblich werden ihre Stimmbänder durchtrennt, damit sie nicht „schreien“ können, wenn sie vom Stier attackiert werden. Auch die Ohren werden ihnen verstopft. Vor dem „Kampf“ werden ihnen Beruhigungsmittel gespritzt. Sie tragen einen nur unzureichenden Schutz. Oft werden sie schwer verletzt, wenn der Stier seine Hörner in den Bauch des Pferdes stößt. Unbehandelt werden sie von Stierkampf zu Stierkampf transportiert, bis sie vollkommen am Ende sind. Bei einer anderen Spielart des Stierkampfes, der beritten ausgeführt wird, dem „Rejoneo“ und dem portugiesischen Stierkampf, bleiben die Pferde gänzlich ungeschützt und sterben oft unter großen Qualen.

https://www.ariwa.org/wissen-a-z/wissen-a-z/stierkampf.html

 

Aus Tierschutzverein.at

Der Ablauf eines Stierkampfes – Ein Drama in drei Akten

http://www.tierschutzverein.at/wir-kaempfen-fuer-tiere/stierkampf/ablauf-eines-stierkampfs

 

Aus PETA

Stierkampf – grausame „Tradition“

http://www.peta.de/stierkampf-eine-grausame-tradition

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Es leiden auch die Pferde die es bei dieser anachronistischen und grausamen Veranstaltung benützt werden. An die denkt man ja normalerweise gar nicht.

 

Auszug aus Anti-corrida.de

Die Fakten:

Die nachfolgenden Manipulationen sollen aufgetreten sein, müssen jedoch nicht immer auftreten. Sie wurden jedoch in den spanischen und ausländischen Medien dokumentiert.
Er wird vor der Corrida stundenlang in Dunkelheit gehalten, damit er beim Einlauf in die Arena vom grellen Licht geblendet ist.
Außerdem bekommt er eine Überdosis an Abführmitteln, deren Resultate man während des Kampfes, sehr zum Unwillen der Zuschauer, gut beobachten kann. Wie der Chef-Tierarzt der Plaza de Ventas in Madrid enthüllte, erhalten die Stiere 25 Kilogramm Epson-Salze (Bittersalze). Vier oder fünf Kilo wären schon eine enorme Dosis.Afeitado
Um durch einen veränderten Winkel ein zielgerechtes Zustoßen zu verhindern und somit die Gefahr für den Torero zu mindern, werden dem Stier die Hörner um mehrere Zentimeter abgeschliffen (laut einer Untersuchung bei mehr als 90 % der Stiere in 1987). Diese Manipulation nennt man „Afeitado“.
Ca. 20 Prozent der Kampfstiere werden mit Phenylbutazon gedopt (Studie der Universität von Salamanca). Der Einsatz dieser Chemikalie ist EU-weit bei Tieren, die zu Lebensmitteln verarbeitet werden, verboten. Sie ist stark gesundheitschädigend für den Menschen. Die EU-Kommission hat sich deswegen bereits mit der spanischen Regierung in Verbindung gesetzt.
Nach Aussagen der spanischen Tierschutzorganisation ANPBA in Madrid, kommen diese Manipulationen eher selten bei den „großen“ Arenen, wie z.B. der „Plaza de las Ventas“ vor. Sie sind eher in kleineren Arenen anzutreffen.

 

[…]

Nur selten gelingt es dem Matador, den Stier durch einen gezielten Stoß ins Herz sauber zu töten. Statt dessen wird oft die Lunge getroffen. Meistens muss der Todesstoß mehrfach wiederholt werden.
Bricht der Stier anschließend nicht zusammen, wird er von den Gehilfen des Matadors mit den gelb- und pinkfarbenen Tüchern umringt. Sie wedeln mit den Tüchern, damit er ihren Bewegungen mit dem Körper folgt. Durch jede seiner Bewegungen wird der Stier weiter verletzt. Man muss sich vorstellen, dass das Schwert ganz in ihm steckt und seine Organe regelrecht zerstückelt werden.
Der Stier geht in die Knie oder bricht zusammen und liegt zappelnd auf der Seite.
Um das Publikum nicht mit dem Bild des leidenden Tieres unnötig zu quälen, wird ein Gehilfe herbeigerufen, der das Rückenmark mit einem oder mehreren Dolchstößen durchtrennt.
Der Stier zappelt jetzt nicht mehr, er ist bewegungsunfähig, aber bei vollem Bewusstsein. In diesem Zustand werden ihm die Ohren und der Schwanz abgeschnitten. Ebenfalls bei vollem Bewusstsein wird er von Maultieren aus der Arena geschleift.
Es gibt Berichte, dass auch der Dolchstoß nicht korrekt ausgeführt wurde und der Stier wieder aufstand, als er aus Arena geschleift werden sollte.
Außerdem existieren Fotos, die beweisen, dass der Stier noch lebt, während er in den Gewölben der Arena zerlegt wird.

 

Die Pferde

Die Vorbehandlung

Bei den Pferden handelt es sich meistens um sehr alte Pferde. Sie werden unter Drogen gesetzt. Man verbindet ihnen die Augen. Zeugen sagen aus, dass Pferden, um sie manövrierbar zu machen, die Augen einfach herausgerissen wurden. Die Pferde, die wir sahen, besaßen zwar beide Augen, jedoch wurden ihnen regelwidrig beide Augen verbunden. Laut einer Verordnung muss ein Auge immer frei bleiben. In ganz Spanien wird grundsätzlich dagegen verstoßen.
Um ihre Hörfähigkeit zu verringern, wird ihnen nasses Zeitungspapier in die Ohren gestopft. (Das ist legal.)
Damit das Publikum ihre „Angstschreie“ nicht hören muss, schneidet man ihnen angeblich die Stimmbänder durch.
Vor dem „Kampf“ werden sie nach Angaben von Leuten aus der Stierkampfszene mit Tranquilizern (Spritze hinter die Ohren) behandelt.

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Hier weiterlesen:

http://www.anti-corrida.de/stierkampf.htm

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Gruß Hubert

 

Forschung ohne Tierleid   Leave a comment

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Es gibt Alternativen zu den Tierversuchen. Mensch und Tier sind zu verschieden um zu brauchbaren Erkenntnissen durch Tierversuche zu kommen – ganz abgesehen von der ethischen Dimension.

Aus PETA

Zu den wichtigsten Erkenntnissen der Forschung der vergangenen Jahre gehört sicherlich die Erfahrung, dass die Ergebnisse von Tierversuchen in der Regel für den Menschen irrelevant sind. Veröffentlichungen in renommierten medizinischen Fachjournalen kommen immer wieder zu dem Schluss, dass Tierversuche aufgrund der fundamentalen Unterschiede zwischen den einzelnen Spezies keine zuverlässig auf den Menschen übertragbaren Ergebnisse produzieren können. Dieselben Studien folgern außerdem, dass eine überwältigende Mehrheit von Tierversuchen nicht nur keine medizinischen Neuerungen und Verbesserungen hervorbringt, sondern auch, dass tierexperimentelle Studien häufig sogar gefährlich in die Irre führen.

Hochkompetente Wissenschaftler in aller Welt haben aus diesen Ergebnissen ihre Schlüsse gezogen und widmen sich nun der Entwicklung und Einführung von Forschungs- und Testmethoden, die ohne tierisches Leid auskommen und die vor allem relevant sind für die menschliche Gesundheit, für die Erforschung menschlicher Erkrankungen und für die Entwicklung neuer, wirksamer Therapiemethoden.

Tierfreie Methoden sind meistens weniger langwierig als die unzeitgemäßen und grausamen Tierversuche, die sie ersetzen sollen. Außerdem verursachen sie nur einen Bruchteil der Kosten von Tierversuchen. Sie sind zuverlässig auf den Menschen übertragbar und bieten Verbrauchern und Patienten somit eine viel höhere Sicherheit. In-vitro- und genomische Techniken gehören ebenso zu diesen Forschungsansätzen wie Computermodelle und Studien an Freiwilligen und Patienten.

Quelle PETA

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Aus Ärzte gegen Tierversuche

Forschung ohne Tierleid

Auszug.

Dr. med. vet. Corina Gericke

Tierversuche sind aus ethischen, medizinischen und methodenkritischen Gründen abzulehnen. Tiere und Menschen sind so unterschiedlich, dass die Ergebnisse aus Tierversuchen nicht auf den Menschen übertragen werden können. In der tierexperimentellen Forschung geht man von der Annahme aus, man könne das komplexe Krankheits- und Heilungsgeschehen beim menschlichen Patienten in so genannten »Tiermodellen«, d.h. künstlich krankgemachten Tieren, nachahmen. Wichtige Faktoren der Krankheitsentstehung wie Ernährung, Lebensgewohnheiten, Verwendung von Suchtmitteln, Umwelteinflüsse, Stress, psychische und soziale Faktoren werden bei dieser Art der Forschung nicht berücksichtigt.
Tierversuche haben aufgrund dieses falschen methodischen Ansatzes weder zur Behandlung der menschlichen Zivilisationskrankheiten wie Herz- und Kreislauferkrankungen, Krebs, Diabetes, Rheumatismus und Allergien etwas Wesentliches beigetragen, noch sind sie in der Lage den Verbraucher vor schädlichen Chemikalien und Medikamenten wirkungsvoll zu schützen.

Im Gegensatz zum Tierversuch liefern moderne tierversuchsfreie Verfahren verlässliche, für den Menschen relevante Ergebnisse und sind dazu meist auch noch kostengünstiger. Trotzdem führen diese Methoden in der tierexperimentell dominierten Forschung und Medizin ein Schattendasein. Sie sind für junge Forscher oft nicht attraktiv. Die Beschäftigung mit tierversuchsfreien Verfahren ist weder für die Karriere zuträglich, noch fließen in diesem Bereich nennenswerte Forschungsgelder.

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Forschung ohne Tierleid

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WIST-Kongress – Wissenschaft statt Tierversuche

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http://www.wist-kongress.de/rueckblick
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Gruß Hubert

Intersektionalität: oft zu Lasten der Tiere   Leave a comment

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Zum Begriff Intersektionalität *), der ja nicht so gebräuchlich ist, ich schätze nur bei Philosophen, zum Schluß eine Erklärung.

Es gibt viele Diskriminierungsformen, wovon sicher der Speziesismus  eine der brutalsten ist. Interessant auch die Metapher weiter unten von der Sage von Prokrustes bezüglich Anpassung. Dort wo Kim Socha sagt, dass Naturwissenschaft und Rationalität patriarchale Herrschaftsinstrumente seien, stimme ich ihr wie auch Dr. Martin Balluch nicht zu.

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Hier ein Beitrag von Dr. Martin Balluch.

Es gibt viele Diskriminierungsformen in der Gesellschaft, manche sprechen von 15 und mehr. Da geht es um Diskriminierung nach der Hautfarbe, der ethnischen Herkunft oder des Geschlechts, aber auch nach der gesellschaftlichen Klasse, der sexuellen Orientierung oder des Alters. Für uns ist natürlich die Diskriminierung nach der biologischen Art zentral, der Speziesismus, auch wenn er von der Diskriminierungsforschung oft vergessen wird. Tatsächlich ist die Diskriminierung nach der Art mit Sicherheit die größte und brutalste.
(mehr …)

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Kommentar zu Kim Socha „Animal Liberation and Atheism“

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Auszug.

Kim Socha ist Universitätsprofessorin für Englisch an der Indiana University of Pennsylvania in den USA und Tierbefreiungsaktivistin. Sie hat mir netter Weise ihr neues Buch zu Tierbefreiung und Atheismus geschickt, um es zu kommentieren. Laut einer Studie von 2010, die im Buch zitiert wird, sind weltweit 32% aller Menschen ChristInnen, 23% Moslems, 15% HinduistInnen, 7% BuddhistInnen, 6% AnhängerInnen von Naturreligionen, 0,2% JüdInnen und 1% zugehörig zu anderen Religionsgemeinschaften.

D.h. immerhin, dass 16% der Menschen agnostisch oder atheistisch eingestellt wären. Doch Socha geht es darum, zu zeigen, dass ausnahmslos alle Religionen anthropozentrisch und speziesistisch sind, es lasse sich ganz grundsätzlich nicht religiös für Tierbefreiung argumentieren. Die Autorin benutzt dafür als Metapher die Sage von Prokrustes. Dieser Riese der griechischen Mythologie ließ Wanderer zwar bei sich übernachten, passte sie aber in der Größe seinem Bett an, indem er ihnen die Beine abhackte oder sie streckte, anstatt für sie eine passende Schlafstätte zu finden. Das, so Socha, zeichne auch alle religiösen Argumente für Tiere aus: die Bibel z.B. würde gestreckt oder beschnitten, um tierfreundlich interpretierbar zu werden, man deute das Neue Testament so um, dass Jesus vegan wird, usw. Wer gegen alle Formen der Unterdrückung von Tieren ist, müsse jede Religion fallen lassen, aber auch umgekehrt, wer AtheistIn ist, müsse für Tierbefreiung sein. Letzteres folge aus der evolutionären Verwandtschaft von Tier und Mensch.

http://www.martinballuch.com/kommentar-zu-kim-socha-animal-liberation-and-atheism/

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Intersektionalität: oft zu Lasten der Tiere

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Grundsätzlich halte ich es für sehr wichtig, dass Staat und Kirche getrennt werden. Politische Entscheidungen, wie z.B. für Tierschutzgesetze, müssen auf säkular-naturwissenschaftlichen Argumenten basieren. Doch andererseits ist die persönliche Einstellung vieler Menschen natürlich religiös gefärbt. Pragmatisch betrachtet ist es ein Schuss ins eigene Knie, zu fordern, die Menschen müssten ihre Religion aufgeben, um antispeziesistisch und vegan zu werden. Ich halte es für sehr positiv, wenn religiöse Traditionen adaptiert werden und sich entwickeln, wenn z.B. das Christentum Aufklärung und Menschenrechte in sein für lange Zeit völlig menschenrechtswidriges Gedankengebäude aufnimmt. Es fiele mir schon aus pragmatisch-politischen Gründen nicht ein, gegen die vielen, von Socha zitierten religiösen Tierrechtsbücher zu wettern.

Argumentativ ist für mich aber der entscheidende Unterschied, ob das, was ich die Metaphysik der Naturwissenschaften genannt habe, anerkannt wird oder nicht. Dazu gehört die Annahme einer objektiv realen Welt, die völlig menschenunabhängig ist, die sich mit der naturwissenschaftlichen Methodik erschließen lässt, und die in fundamentaler Weise logisch-mathematisch strukturiert ist. In meinen Büchern habe ich unter dieser Annahme für eine Tierethik argumentiert. In dem Augenblick aber, in dem ich diese Annahme verlasse, führe ich subjektive, willkürliche Elemente in die Diskussion ein. Ich kann dann nicht mehr Allgemeingültigkeit beanspruchen. Und genau das zeichnet religiöse Argumente für Tierrechte aus.

Socha sieht sich als areligiöse Atheistin, aber sie vertritt die Thesen des Ökofeminismus. Dafür, so schreibt sie in ihrem Buch, verwirft sie auch die Annahme einer objektiv realen, menschenunabhängigen Außenwelt und die Gültigkeit rationaler Argumente. Naturwissenschaft und Rationalität seien patriarchale Herrschaftsinstrumente. Stattdessen nimmt sie z.B. an, dass es vor der neolithischen Revolution ein freundliches Matriarchat gegeben habe, das dann durch das Patriarchat gestürzt worden wäre, sowie andere ökofeministische Folklore. Aber passt nicht hier ebenfalls die Metapher von Prokrustes? Schneidet der Ökofeminismus nicht auch den naturwissenschaftlichen Fakten die Beine ab, um sie der eigenen Ideologie anzupassen? Beginnt nicht genau dort das Fakten Zurechtzimmern, wo wir Naturwissenschaft und Rationalität verwerfen?

Religiosität im argumentativen Sinn ist nicht auf eingetragene Religionen und Vorstellungen von Gott beschränkt. Sie beginnt dort, wo die Metaphysik der Naturwissenschaften verlassen wird, wo Logik und Mathematik als Erfindungen der Menschen ohne objektiven Wahrheitsgehalt gesehen werden. Ab da, nämlich, wird die Ideologie zur Grundlage, an die sich die Fakten anzupassen haben, anstatt umgekehrt.

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http://www.martinballuch.com/kommentar-zu-kim-socha-animal-liberation-and-atheism/

 

*) Intersektionalität

Intersektionalität (von engl. intersection „Schnittpunkt, Schnittmenge“) beschreibt die Überschneidung von verschiedenen Diskriminierungsformen in einer Person. Intersektionelle Diskriminierung liege vor, „wenn – beeinflusst durch den Kontext und die Situation – eine Person aufgrund verschiedener zusammenwirkender Persönlichkeitsmerkmale Opfer von Diskriminierung wird.“

https://de.wikipedia.org/wiki/Intersektionalit%C3%A4t

 

Intersektionalität: oft zu Lasten der Tiere

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Siehe auch:

http://www.martinballuch.com/intersektionalitaet-oft-zu-lasten-der-tiere/#more-5294

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Gruß Hubert

Veröffentlicht 4. Mai 2017 von hubwen in Tierrechte, Uncategorized

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Brutale Menschenversuche ohne Zustimmung der Betroffenen – Verwendung von Daten   Leave a comment

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Dr. Martin Balluch hat einen interessanten Artikel über Tierversuche geschrieben und das bekannte Argument, dass man keine Medikamente verwenden darf, wenn man gegen Tierversuche ist vorgebracht. Außerdem schreibt er auch über einige Menschenversuche, die ohne Zustimmung gemacht wurden. Die wenigsten Menschen wissen, dass Tierversuche sehr oft kontraproduktiv sind.
Im September 1957 ist in Satlykovo, östlich vom Ural in Russland, eine Atombombenfabrik explodiert. Die Regierung hielt diesen Umfall geheim bei dem 41 Dörfer verstrahlt wurden. Man wollte Daten sammeln!

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Hier zum Artikel.

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Welche TierschützerInnen kennen das nicht, das Lieblingsargument der Tierversuchsseite: „Wenn ihr gegen Tierversuche seid, dann dürft ihr auch keine Medikamente verwenden“. Also erstens gibt es ja auch Forschung ohne Tierversuche, ja, wie wir wissen, sind Tierversuche oft sogar kontraproduktiv, siehe New Scientist http://www.martinballuch.com/new-scientist-sagt-tierversuche-sind-der-falsche-weg-in-der-forschung-fuer-menschen/. Aber zweitens sind auch TierexperimentatorInnen hoffentlich für Menschenrechte, also gegen invasive Menschenversuche ohne Zustimmung der Betroffenen. Aha, dann dürften sie auch nicht Dinge verwenden, die von Daten solcher Versuche stammen, oder?


Das Paradebeispiel für Menschenversuche in unseren Breiten ist das Dritte Reich. Zu gern allerdings wiederholt man da die Folklore, dass diese Versuche wissenschaftlich unsinnig waren und nur zur Quälerei dienten. Das ist völlig falsch. Viele dieser Versuche waren wissenschaftlich gesehen sehr sinnvoll und wurden auch in der Forschung und Technik zur Anwendung gebracht. Ein Beispiel ist das sehr hoch fliegende Flugzeug. Das Dritte Reich führte dazu viele Tests an KZ-Häftlingen und Kriegsgefangenen in Unterdruckkammern durch und entwickelte so sichere Kabinen für solche Flugzeuge, die in der Stratosphäre fliegen. Ebenso wurde der Schleudersitz an Menschenversuchen entwickelt und war dann weltweit in Einsatz.

Auch Menschen, die nicht unbedingt tierschutzfeindlich eingestellt sind, mögen oft den Gedanken, dass Versuche an Menschen nie wissenschaftlich sinnvoll gewesen sein können. Vielleicht beruhigt sie der Gedanke, weil er Menschenversuche damit nicht nur unethisch, sondern auch unwissenschaftlich macht. Vielleicht wollen sie einfach, dass ein Umgang dieser Art, wie er typisch für den Umgang von Menschen mit Tieren ist, zwischen Menschen nie wirklich stattgefunden hat, als ob es einen inneren Instinkt gäbe, der das verbietet. Diesen Eindruck gewinne ich auch immer, wenn mir Menschen erzählen, dass es nie Kannibalismus unter Menschen gegeben habe. Warum sollte das wichtig sein? Aber die Leidenschaft, wie diese – eindeutig historisch falsche – These verteidigt wird, weist auf eine ideologische Basis hin. Wieder soll offenbar unterstrichen werden, dass es derart unnatürlich und instinktiv ausgeschlossen sei, dass Menschen routinemäßig andere Menschen essen (also so behandeln, wie wir heute Tiere), dass es nur perverse und abartige Menschen in Ausnahmefällen tun. Das Essen von Menschen sei also krankhaft, das Essen von Tieren natürlich. So diese Doktrin.

Beides ist, wie gesagt, eindeutig falsch. Es gibt unendlich viele Hinweise auf routinemäßigen Kannibalismus unter Menschen, und genauso gibt es zahlreiche Versuche an Menschen, die mit wissenschaftlicher Intention durchgeführt wurden und sinnvoll waren. Selbstverständlich rechtfertigt das beides nicht, wie bei Tieren.

Ich bin gerade wieder auf einen großangelegten Menschenversuch gestoßen, dessen Daten von der Wissenschaft heute verwendet werden. Das it sogar die Titelstory vom New Scientist vom 10. Dezember 2016. Im September 1957 ist in Satlykovo, östlich vom Ural in Russland, eine Atombombenfabrik explodiert. 41 Dörfer der damaligen Sowjetunion waren verstrahlt, ohne es zu wissen. Die Regierung hielt den Unfall geheim, erhob aber Daten von 53.000 Menschen mit Strahlenkrankheit, die zum Teil bis heute beobachtet werden.

Der Chefredakteur im Editorial dieser New Scientist Ausgabe erwägt, ob es moralisch gerechtfertigt ist, diese Daten zu verwenden. Das sei wichtig, meint er, um mehr über Langzeitbestrahlung zu erfahren und Grenzwerte festlegen zu können. Letztlich, so argumentiert er, hat die Vermehrung unseres Wissens und die positiven Konsequenzen für die Menschheit Vorrang. Die Menschen haben nun schon einmal gelitten und sind gestorben, da sei es nun besser, die Daten zu nutzen, sonst wären sie ja umsonst gestorben.

Interessant. Lässt sich eins zu eins auf die Ergebnisse von Tierversuchen heute umlegen. Ich werde dran denken, wenn mir wieder jemand vorhält, warum ich mich nicht weigere, Medikamente zu verwenden.

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Brutale Menschenversuche ohne Zustimmung der Betroffenen – Verwendung von Daten

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Gruß Hubert

Veröffentlicht 2. Mai 2017 von hubwen in Tierrechte, Tierschutz, Uncategorized

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