Archiv für die Kategorie ‘Tierrechte

Mama, wo gehöre ich hin?   Leave a comment

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Rebloggt von Bettina Schneider, guteskarmatogoblog.wordpress.com

Gedanken von Bettina Schneider zum Spendenmarathon des Tierschutz-Shops

Es ist kuschlig warm in der Küche. Ich habe Kerzen angezündet und Musik angemacht und während ich gedankenverloren auf einem Keks kaue, lese ich immer und immer wieder ein paar Zeilen durch… ich sollte sie vielleicht übersetzen… meine Freundin Martha von SCARS, Athen, hat sie mir geschrieben. Ich fühle mich plötzlich schlecht, weil ich trotz der Wärme die Kälte bis auf die Knochen spüre, die jetzt an so vielen Orten den Tieren auf der Straße in die Glieder schleicht. Wenn es Abend wird, wenn sie den ganzen Tag noch nichts Essbares gefunden haben und die Feuchte und Kälte ihnen die letzten Kräfte raubt…die Hoffnung und den Lebenswillen. Ich weiss, dass sie auch heute keinen Unterschlupf finden werden und zitternd in einer dunklen Ecke, unter einem Busch oder in einem Hauseingang kauern…bis vielleicht eine Fee vorbei kommt, die etwas Futter verteilt.

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Mavropigi…nur zwei haben überlebt…sie waren bereits halb verhungert, ehe wir sie fanden.

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Alle unsere Helfer tun das jeden Abend, wenn sie sich auf den schweren Weg machen, den Ärmsten der Armen das Leben auf der Straße etwas zu erleichtern und sie tun das mit dem Futter, das wir ihnen senden. Sonst wäre auch das nicht möglich. Der Spenden Marathon des Tierschutz-Shops, der gerade läuft ist, unsere einzige Chance, als teilnehmender Verein so viel Futter zu erhalten, wie benötigt wird, um alle unsere Tiere  an den Futterstellen in Griechenland über den Winter zu bringen. 30 Vereine dürfen an diesem Marathon teilnehmen und für jeden Verein bedeutet diese Teilnahme …Futter…mit etwas Glück so viel, dass keines der Tiere in Obhut, diesen Winter hungern muss…nicht in den Sheltern und auch nicht auf der Straße an den Futterstellen.

Trotzdem  bleibt die bange Frage: Wird es reichen? Werden die Menschen auch diesmal vertrauen, dass ihre Spenden ankommen? Wissen sie, wie dringend wir auf diese Spenden angewiesen sind und dass tatsächlich jedes Gramm jeder Euro ankommt und bald viele Leben retten wird? Ich hoffe es so sehr, denn obwohl wir in unserem Verein unglaublich viel auf die Beine stellen…ohne die Aktionen des Tierschutz-Shops, die Werbung für unsere Anliegen, Logistik und vor allem Transportkosten ermöglichen, müssten wir an allen wichtigen Stellen einsparen.

Haben wir genügend Futter, können wir die restlichen Spendengelder für Kastration, medizinische Behandlung, für Unterkünfte, Hütten, Futterspender, Adoptionsvorbereitungen, Impfungen und andere wichtige Dinge verwenden. Haben wir genügend Futter, können wir immer wieder noch armen Einzelkämpfern, verzweifelten Rentnern, engagierten Helfern, zusätzlich zu unseren laufenden Projekten unter die Arme greifen, können wir ihren Tieren Leben und ihnen, Hoffnung schenken.

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Faith… in einem Beutel mit Flüssigkeit im Müll  entsorgt…er hat überlebt ❤

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Ich öffne den Link zu unserer Spenden-Wunschliste und stelle erleichtert fest, dass sich langsam aber sicher, der Zähler der benötigten Menge annähert und bin so unendlich dankbar, dass wir dabei sein dürfen. Wir werden es schaffen…bald werden wieder voll beladene Trucks Richtung Griechenland rollen und dort von den ehrenamtlichen Helfern mit Tränen in den Augen in Empfang genommen werden. Tränen der Dankbarkeit, die die Spender selten zu sehen bekommen. Oh, ich wünschte, sie wüssten, wie kostbar ihre Geschenke sind… Sack für Sack, Dose für Dose…nicht nur für die Tiere sondern auch für die Menschen, die ihr Leben den Straßentieren widmen. So wie ich ❤

Dann übersetze ich doch Marthas Zeilen, schreibe ihr, dass alles gut wird und hoffe, auch für  den armen Spiro wird alles gut…irgendwann…irgendwie…und es war noch nicht zu spät, ihn von der Straße zu holen…

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Spiro…er kämpft noch ❤

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„Mama…wo gehöre ich hin? Sie sagen, Zuhause ist da, wo man willkommen ist. Aber ich war niemals irgendwo willkommen. Mama, wo ist mein Zuhause? Ist es dort, wo ich ich hingehe, wenn ich meine Augen schließe, der ferne Ort, wo ich keinen Hunger und keine Schmerzen mehr spüre und auch nicht mehr einsam bin? Oder ist mein Zuhause da, wo meine Augen von Eiter verklebt sind, wo ich Druck auf den Lungen habe und kaum noch atmen kann, auch nicht mehr essen, weil mein Mund so weh tut und wo alle Menschen mich verachten?

Gestern brachte man mich von der Straße weg an einen Ort, der sich „Pflegestelle“ nennt. Überall gab es Futter und ich wusste gar nicht, was ich davon essen sollte…also aß ich gar nichts. Es gab ein Bettchen für mich, so groß und weich, dass ich gar nicht wusste, wohin ich mich legen sollte…also schlief ich am Boden und selbst da gab es überall Kissen für mich. Aber ich bin immer noch verwirrt. 

Mama…wenn du mich hören kannst, wo auch immer du jetzt bist…Wo ist mein Zuhause? Ist es da, wo ich bin, wenn ich die Augen öffne oder sollte ich an den friedlichen Ort gehen, den ich nur erreiche, wenn ich meine Augen für immer schließe? Wohin soll ich gehen, Mama…wohin?“

(Martha Politis Athanassiou von SCARS, für Spiro) 

 

Falls ihr ein Päckchen für Spiro und alle anderen Fellchen unserer Partner in Griechenland packen möchtet…hier geht es zum Link. Dankeschön!!!!

https://www.tierschutz-shop.de/wunschliste/frieden-fuer-pfoten-peace-for-paws-e-v/

 

SPIRO – Video

https://videopress.com/embed/UjUHjnlj?hd=0&autoPlay=0&permalink=0&loop=0

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Veröffentlicht 11. Dezember 2018 von hubwen in Tierrechte, Tierschutz, Uncategorized

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Sind „Stalleinbrüche“ legitim?   Leave a comment

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Ist der Gero Hocker von der FDP doch ein A….

Der FDP-Mann Gero Hocker redet andauernd davon, dass die Veterinärämter mit zu wenig Personal ausgestattet sind, um gegen Tierschutzvergehen vorzugehen. Warum wohl? Ist eigentlich eine blöde Frage. Man will ja nicht dass diese Betriebe gestört werden. Denen liegt ganz bestimmt nicht das Wohl der Tiere am Herzen.

Sind „Stalleinbrüche“ legitim? – Talk mit Friedrich Mülln und Gero Hocker | stern TV (16.05.2018)

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Hier ein weiteres schockierendes Video. Und die Veterinärämter kommen ihren Pflichten nicht nach. Friedrich Mülln benachrichtigte das zuständige Veterinäramt am 03.04.2018, dass eine tote Kuh im Stall liege. Am 27.04. lage sie immer noch dort. Eine tote Kuh muss innerhalb von spätestens 24 Stunden weggebracht werden. Im Stall wird ja Milch und Fleisch produziert.

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Milchviehbetrieb in Demker: Skandalöse Zustände – Teil 1/3 | stern TV (09.05.2018)

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Gruß Hubert

 

Veröffentlicht 7. Dezember 2018 von hubwen in Tierrechte, Tierschutz, Uncategorized

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Soko Tierschutz – Pelzfarmen   Leave a comment

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Der Pelzindustrie geht es wieder besser. Tieren auf den Pelzfarmen aber umso schlechter. Tierschützer ermitteln gegen den weit verbreiteten Missbrauch. +++ Hinweis: Der Film enthält einige verstörende Bilder.
Friedrich Mülln ist unterwegs als Tierschützer. Er ermittelt gegen Pelzfarmen in Deutschland, die Tiere unter unwürdigen Bedingungen halten. Meistens verstoßen diese gegen das EU-Gesetz für Tierhaltung. Doch den Pelzverkäufern ist der Preis, den die Tiere dafür bezahlen müssen, egal.

Protest gegen Pelze
„SOKO Tierschutz“

Siehe Video im Link von Spiegel TV

https://www.spiegel.tv/videos/160701-soko-tierschutz

Veröffentlicht 7. Dezember 2018 von hubwen in Tierrechte, Tierschutz, Uncategorized

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Beim Tierschutz versagt der Rechtsstaat   Leave a comment

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Tierquälerei, besonders solche im großen Stil, wird in Deutschland nicht oder nicht adäquat bestraft. Entsprechende Verfahren werden oft eingestellt oder gar nicht verfolgt. Dies sind nicht nur Erfahrungen von Tierschutz- und Tierrechtsverbänden. Mehrere Studien belegen massive Defizite beim Vollzug von Tierschutzvergehen.

Aus Tierrechte Magazin 3/2018

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Gruß Hubert

Leben und Verhalten einiger „Nutz-Tierarten“   Leave a comment

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Aus einem Newsletter von Animal Equality.

Wussten Sie schon, dass sich sogenannte Nutztiere und Haustiere in ihren Bedürfnissen und Verhaltensweisen ganz ähnlich sind?

1. Schweine gehören zu den schlausten Tierarten der Welt

Wenn wir Schweine auf Lebenshöfen beobachten, dann zeigen sie ähnliche Verhaltensweisen wie Hunde: Sie hören auf ihren eigenen Namen, wackeln mit dem Schwanz und lernen kleine Tricks wie “Sitz” mit Freude – solange ein Leckerli für sie dabei herausspringt. Forscher haben sogar herausgefunden, dass Schweine über ein Ich-Bewusstsein verfügen. In der Massentierhaltung werden Schweine unter grausamen Bedingungen gehalten und können ihre natürlichen Verhaltensweisen nicht ausleben. In den meisten Fällen fühlen Schweine in ihrem gesamten Leben nicht ein einziges Mal Sonnenlicht auf ihrer Haut.

2. Lachse können unter Depressionen leiden

Lachse auf Fischfarmen können an Depressionen erkranken. Eine Studie aus dem Jahr 2016 zeigte auf, dass sich die Population von Lachsen auf Fischfarmen durch sogenannte “drop-outs” auszeichnet – das sind Fische, die sich ohne jeden Lebenswillen an der Oberfläche treiben lassen. Laut dieser Studie sind ein Viertel aller Lachse in Gefangenschaft träge, verkümmert und verweigern Nahrung. Diese Fische wiesen bei Untersuchungen hohe Werte des Stresshormons Cortisol auf. Der Serotoninspiegel der Tiere ähnelte dem von depressiven Säugetieren. Sie reagierten außerdem nicht mehr auf weitere Stresseinwirkungen.

3. Kühe sind sanft und voller Güte.

Sie lieben die Aufmerksamkeit von freundlichen Menschen und wissen eine entspannende Bauchmassage oder ein sanftes Ohrenkraulen sehr zu schätzen. Selbst Kühe, die in der Vergangenheit schlecht behandelt wurden, können mit der Zeit vergeben und lernen, Menschen wieder zu vertrauen. Auch untereinander bilden Kühe enge soziale Beziehungen, die ihnen in der Massentierhaltung gänzlich fehlen. In der Tierindustrie werden Kälber bereits kurz nach der Geburt von ihren Müttern getrennt und ganz allein in enge Boxen gesperrt. Sie werden nie ihr natürliches Bedürfnis nach sozialen Beziehungen ausleben dürfen.

4. Hennen kommunizieren mit ihren Kindern – durch die Eierschale hindurch

Bereits während die Küken im Ei heranwachsen, entwickeln sie eine enge Bindung zu ihrer Mutter. Sie kommunizieren mittels bestimmter Laute durch die Eierschale hindurch: So kann eine Mutter z. B. durch ein spezielles Piepen ihre aufgebrachten Küken in einer Stresssituation beruhigen. Nach dem Schlüpfen lernen die Küken viel von ihrer Mutter. Und falls der Nachwuchs einmal von der Henne getrennt wird, stoßen beide ganz spezifische Rufe aus, bis sie wieder zueinander gefunden haben. In der Tierindustrie bleibt den Hühnern solch eine soziale Beziehung verwehrt, denn ihnen werden die Eier – und damit ihre Küken – direkt nach dem Legen weggenommen.

Der Unterschied zwischen sogenannten Haus- und Nutztieren besteht nur in unseren Köpfen, denn alle Tiere verdienen unseren Schutz und unseren Respekt. Animal Equality ist der Meinung, dass es kein Lebewesen verdient hat, sein Dasein unter den brutalen Bedingungen der Massentierhaltung zu fristen.

Stehen wir gemeinsam für eine bessere Zukunft für alle Tiere ein – egal ob sie Fell, Federn oder Schuppen haben.

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Gruß Hubert

Horror-Schlachthof Bad Iburg   Leave a comment

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Vor Friedrich Mülln habe ich größten Respekt. Er ist für mich ein Held. Unter größten Gefahren deckt er die skandalösen Missstände auf wo die Behörden wegschauen.

„Der Boden lag voller zerstörter Tiere“

Friedrich Mülln hat mit dem Verein „Soko Tierschutz“ die Tierquälerei in einem Schlachthof bei Osnabrück aufgedeckt. Die Bilder belasten ihn – und treiben ihn an.

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Tierschützer protestieren gegen Missstände in der Schweinemast

Im Einsatz gegen das Leid der Tiere: Friedrich Mülln vom Verein Soko Tierschutz und Mitstreiter*innen, hier bei einer Aktion in Ulm Foto: Ralf Zwiebler/dpa

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Hier ein Interview mit ihm.

taz: Herr Mülln, waren Sie persönlich in dem Horrorschlachthof in Bad Iburg?

Friedrich Mülln: Ich habe mir die Zustände vor Ort angeschaut. Die Seilwinde, mit der die Tiere in den Schlachthof hineingezerrt wurden, ist direkt an der Außenwand. Das kann man von außen sehen, wenn man ein bisschen hochklettert.

Haben Sie die Kamera installiert, die die Tierquälereien gefilmt hat?

Nein, aber ich habe die Recherche betreut und stand in engem Kontakt mit den Informanten und Ermittlern. Das sind mutige Menschen, die viel riskieren, wenn sie mit uns kooperieren. Die Fleischbranche hat in der Vergangenheit schon bewiesen, dass sie in solchen Fällen auch vor Gewalt nicht zurückschreckt.

Sind Ihre Informanten Mitarbeiter?

Unsere Quellen sind fast ausschließlich Leute aus der Fleischindustrie. Sie können mit den Zuständen nicht mehr leben und wenden sich an die Todfeinde, uns Tierrechtler, weil sie wollen, dass sich etwas ändert. Das hat sich bei den letzten sechs Schlachthöfen, die wir mithilfe solcher Informanten aufgedeckt haben, bewährt. Fünf davon wurden geschlossen, zuletzt der in Bad Iburg.

Fällt so eine Kamera im Schlachtbetrieb nicht auf?

Ich habe auch schon selbst versteckte Kameras installiert. Die Technik ist da zum Glück schon so weit fortgeschritten, dass man die nicht mehr sieht. Trotzdem ist es sehr gefährlich. Die Wachdienste der Betriebe passen gut auf.

Wie sind Sie auf den Schlachthof in Bad Iburg aufmerksam geworden?

Es kamen zwei Sachen zusammen. Wir haben im April Missstände in einem Milchviehbetrieb in Demker in Sachsen-Anhalt aufgedeckt. Die Farm lag voller Kadaver von verwesenden Tieren und die lebenden waren in einem schlechten Zustand. Als der Skandal aufflog, waren viele der Tiere verschwunden. Wir haben uns gefragt, wo die Milchkühe hin sind, haben Transporter verfolgt und sind so auf diese Bad-Iburg-Connection gestoßen. Gleichzeitig haben wir von Leuten aus der Fleischbranche Hinweise bekommen, dass es einen Schlachthof in Niedersachsen gibt, der all die Tiere annimmt, die andere ablehnen.

Weil es verboten ist, so kranke Tiere zum Schlachthof zu karren.

Genau. Bad Iburg wurde als Geheimtipp gehandelt.

In welchem Zustand kamen die Milchkühe dort an?

Das waren zum größten Teil wandelnde Skelette. Die Tiere waren so abgemagert, dass man wirklich jeden Knochen und jeden Wirbel sehen konnte. In ungefähr 200 Fällen haben wir dokumentiert, dass der Allgemeinzustand der Tiere so schlecht war, dass sie nicht einmal mehr gehen konnten. Da geht die Klappe von einem Tiertransporter auf und der ganze Boden liegt voll mit völlig zerstörten Tieren. Die wurden dann systematisch, hundertfach, bei vollem Bewusstsein mit der Seilwinde da rausgeschleift oder mit Elektroschocks auf Knien da runtergezwungen.

Es sind also keine Einzelfälle, in denen Milchkühe so krank beim Schlachthof angeliefert werden?

In einem normalen Schlachthof gibt es auch sogenannte Downer-Tiere. So heißen diese Rinder, die am Boden liegen und sich nicht mehr bewegen können. Sie werden aber viel seltener angeliefert als in Bad Iburg. Dort war das absoluter Alltag. Den ganzen Tag lief diese Seilwinde. Der Schlachthof hat natürlich davon profitiert, dass die großen Betriebe diese Tiere nicht haben wollen.

Was sagen die Bilder in Bad Iburg darüber aus, in welchem Zustand Milchkühe in den Ställen leben?

Diese Downer-Kühe sind ein normales Symp­tom der Milchwirtschaft. Es gibt zahlreiche Schlachthöfe, die sich auf alte Milchkühe spezialisiert haben. Ihr Zustand ist durchgehend ziemlich schlecht. Milchkühe haben als Folge dieser enormen Überzüchtung zu Turbokühen und der Umgebung im Stall häufig Infektionen und Verletzungen. Jungtiere – und das sind sie alle – haben Krankheiten und Probleme, als würden sie kurz vor ihrem natürlichen Lebensende stehen.

Wie leben die Tiere in den Ställen?

In Deutschland gibt es nach wie vor rund drei Millionen Kühe in Anbindehaltung.

Vor allem in Süddeutschland.

Wir sind Weltmarktführer für die schlechteste Haltung. Angebunden können sich die Kühe nicht einmal umdrehen. Ansonsten setzen sich immer mehr Laufställe durch. Das klingt erst mal gut, aber auch hier stehen die Tiere eng und auf Spaltenböden, der immer feucht vom Urin ist. Sie stürzen deshalb immer mal wieder. Ich habe Schwellungen an Kühen gesehen, die sind so groß wie ein Volleyball. Ein weit verbreitetes Problem ist zudem die Mastitis, eine schmerzhafte Entzündung am Euter. Wenn die Kühe das haben, haben sie permanent Höllenschmerzen und die Eiterzellen sind auch in der Milch nachweisbar.

Geht es Biokühen besser als denen auf konventionellen Höfen?

Bei Milchkühen ist der Unterschied gar nicht so groß. Auch in der Biohaltung leben die Tiere in Ställen und haben teilweise keinen Zugang zur Weide, manche leben sogar in Anbindehaltung. Auch das Verstümmeln der Hörner ist Standard. Das heißt nicht, dass es nicht Betriebe gibt, die das besser machen, aber wir schauen immer auf die schlechtesten Standards, die erlaubt sind.

Aber ist es nicht allein schon gut für die Tiere, dass sie in der Bioproduktion nicht so eine hohe Milchleistung haben müssen?

Das stimmt meiner Meinung nach nicht. Die Biobetriebe nutzen die gleichen Rassen wie die konventionellen Betriebe und haben dadurch auch die gleichen Probleme im Gepäck. Tragisch wird es für die Biokühe, wenn es um die Schlachtung geht. Dann stehen sie mit allen anderen in einer Reihe.

Waren Sie selbst mal in einem Biostall?

Ja. Ich habe für das Video „Das Brüllen der Rinder“ Biotiere und konventionelle Tiere vom Betrieb bis zum Schlachthof im Transporter begleitet. Unterschiede konnte ich da nicht erkennen.

Wie sind Sie dazu gekommen, in Ställen zu filmen?

Ich bin auf dem Land aufgewachsen. Mein Vater kam aus der Fleischbranche und hat mit Fleisch- und Fischprodukten gehandelt. Er hat immer mal wieder am Frühstückstisch eklige Geschichten erzählt, als der Begriff Gammelfleisch noch gar nicht öffentlich diskutiert wurde. Ich war neugierig, wie Tierhaltung aussieht, und bin mit dem Fahrrad zu einer Putenfarm gefahren. Dort habe ich mich auf die Zehenspitzen gestellt und die ganzen verletzten Tiere gesehen. Daraufhin habe ich mir einen Camcorder organisiert und kurze Zeit später lief mein erster Film bei Chiemgau TV. Danach habe ich nicht mehr aufgehört.

Landwirte müssen sehr darauf achten, keine Keime in die Ställe einzubringen. Und dann latschen Sie mit Straßenschuhen rein?

Nein. Tierschützer achten sehr stark auf Hygiene, tragen Schutzkleidung, Atemschutz und desinfizieren die Schuhe. Das wird auch dokumentiert. Es ist eher ein Problem, dass sich manche Landwirte selbst für antiseptisch halten. Auf den versteckten Kameraaufnahmen laufen die ständig mit ihrer Straßenkleidung in den Stall.

Haben Sie keine Sorge vor Strafverfolgung?

Die Soko Tierschutz hat erst vier Anzeigen wegen Hausfriedensbruchs bekommen. Die wurden alle eingestellt. Wir nehmen die Verantwortung dieser investigativen Recherchen sehr ernst und gehen nur in die Betriebe, wenn wir ausreichend Hinweise haben.

Waren Sie schon in Ställen, in denen Sie nichts gefunden haben?

Nein. Die Landwirte behaupten immer, Tierrechtler würden so lange Ställe abklappern, bis sie fündig werden. Das stimmt nicht. Das Recherche-Team der Soko Tierschutz besteht aus fünf Personen, vier davon ehrenamtlich. Wir wären gar nicht in der Lage, irgendwelche Ställe abzuklappern. Unabhängig davon hat aber jeder Nutztierbestand Probleme. Man findet immer kranke und verletzte Tiere oder Antibiotikaeinsatz. Die Ursache ist das System. Unser Ziel ist es, grobe Straftaten und Missstände aufzudecken.

Es ist doch normal, dass einzelne Tiere krank sind. Die Hauptsache ist doch, dass der Bauer das kranke Tier separiert und behandelt.

Natürlich kann immer mal eins krank werden, aber wir sprechen hier von Babys und Kleinkindern. Wenn die Arthritis und Glasknochen haben, stimmt etwas nicht. Es gibt ja keine alten Tiere in der Tierausbeutungsindustrie. Das sind systematische Probleme.

Haben Sie keine Angst, dass Sie nachts auf einen wütenden Landwirt treffen könnten, wenn Sie in einen Stall eindringen?

Natürlich habe ich Angst bei solchen Einsätzen. Ich bin schon angegriffen worden. Jemand mit einer Strumpfmaske hat mich mit einer Axt attackiert, ein anderer hat versucht, mich zu überfahren. Früher habe ich viele solche Nachtrecherchen gemacht. Heute halte ich sie allerdings ohnehin für überholt. Wir bei der Soko Tierschutz setzen ganz auf Undercoverrecherchen. Dann sehe ich, wie die Tiere von den Menschen misshandelt werden und nicht nur nachts die verletzten Tiere. Das hat eine höhere Durchschlagskraft in der Öffentlichkeit.

Haben Sie schon einmal als Mitarbeiter in einem Schlachthof gearbeitet, um Missstände aufzuzeigen?

In einem Schlachthof noch nicht, aber ich habe knapp fünf Monate in einem Tierversuchslabor als Affenpfleger gearbeitet, in einer Legehennenbatterie, in einer Schweinemastanlage und auf einem Fischtrawler. Ich war monatelang als Pelzhändler in China unterwegs, um getarnt Pelzfarmen filmen zu können.

Belastet Sie das?

Vor allem diese Ohnmacht. Man steht da mit einer versteckten Kamera. Man muss gute Miene zum bösen Spiel machen. Ich stehe in einer Pelzfarm in China, er knüppelt vor mir die Marderhunde zusammen. Die Tiere krümmen sich noch minutenlang am Boden und ich muss dann grinsen, wenn er mir das blutige Fell in die Hand drückt, um mir zu zeigen, was das für eine gute Qualität ist. Da muss man dann schon sehr die Zähne zusammenbeißen.

Wie sehen Sie nach den Eindrücken aus Ställen und Schlachthöfen Landwirte? Können Sie sehen, dass die großem wirtschaftlichen Druck unterworfen sind?

Ich möchte da zwischen Landwirten und Tierhaltern unterscheiden. Landwirte sind wahnsinnig wichtig. Ich als Veganer bin einer von deren besten Kunden, weil ich bereit bin, sehr viel Geld für hochwertige pflanzliche Lebensmittel zu zahlen. Die Tierhaltung sehe ich in der absoluten Sackgasse angekommen. Die Tierhalter lügen sich selbst in die Tasche. Natürlich sagen die alle „Ja, ich hab meine Viecher lieb“, aber wenn man mit den Tierhaltern spricht, kommt eben doch raus, dass es für die einfach Produktionsmittel sind.

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Im Interview:

Friedrich Mülln

38, hat den Verein „Soko Tierschutz“ im Jahr 2012 gegründet und ist heute hauptamtlicher Tierschützer. Er hat Politikwissenschaft studiert, als Journalist gearbeitet und ist seit 25 Jahren Veganer.

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Horror-Schlachthof Bad Iburg

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Gruß Hubert

 

Was wir von Reinhold Messner (nicht) lernen können   3 comments

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Es ist erschreckend wie der Bewusstseinsstand ist, wenn es um Tiere geht. Ich merke es immer wieder, wenn ich mit Leuten rede, welche Gleichgültigkeit und welches Unwissen es gibt, wenn es um Tierschutz, von Tierrechten gar nicht zu reden, geht.

Von tierrechte-kaplan.de

Helmut F. Kaplan

“Konrad muß sterben. Derselbe Freiheitstrieb, der ihn mit seinem Herrn verbindet, soll den schottischen Hochlandbullen mit dem langen, zottigbraunen Fell und dem mächtig geschwungenen Gehörn nun das Leben kosten. Auch wenn es bei Konrad nur die kleinen Ausflüge waren, die er so sehr liebte – von seiner hügeligen Koppel hinein in die Gärten des Südtiroler Bergdorfs Sulden.

‘Schauen Sie, Herr Messner’, sagt die Nachbarin verärgert und deutet auf die abgekauten Triebe an ihrer Zwergkiefer und die tiefen Spuren im akkurat gemähten Rasen, die Konrad bei seinem letzten Besuch hinterlassen hatte. – ‘Nun gut’, entscheidet der vollbärtige Mittfünfziger in der bunten Strickjacke kurzentschlossen, ‘dann wird er eben geschlachtet. Wir brauchen sowieso Nachschub für den Herd im Gasthof.’

Ist das wirklich der berühmteste Gipfelstürmer der Welt, der sämtliche Achttausender dieser Erde bezwungen hat, die Antarktis und Grönland der Länge nach durchquerte?”

Ich bin wieder einmal – warum eigentlich noch immer? – entsetzt: Schon wieder ein Mensch, den ich eigentlich für einsichtig, vernünftig und großzügig gehalten hatte, von dem ich erfahren muß, daß er in Wirklichkeit ein genauso erbärmlicher Tierschinder und -schänder ist wie all die anderen. Aber immerhin, so tröste ich mich: Der Autor dieses Berichts über Reinhold Messner (in der Zeit vom 26. 11. 1998) hat den Widerspruch zwischen Messners angeblicher Größe und dieser kleinkarierten Entscheidung, ein Tier für sein natürliches Verhalten mit dem Tode zu bestrafen, wenigstens erkannt – schreibt er doch: “Ist das wirklich der berühmteste Gipfelstürmer der Welt, der sämtliche Achttausender dieser Erde bezwungen hat, die Antarktis und Grönland der Länge nach durchquerte?”

Aber dann lese ich weiter – und sehe, daß und vor allem wie der Satz weitergeht: “Ist das wirklich der berühmteste Gipfelstürmer der Welt …, der sich hier mit den einfachen Dingen des Alltags herumschlägt?”

Auch der Autor dieses Berichts über Messner ist also nichts anderes als ein kleiner, schäbiger Speziesist: Er wundert sich keineswegs über den Widerspruch zwischen Messners angeblicher Größe und der kleinmütigen Entscheidung, ein unschuldiges Tier für nichts und wieder nichts zu bestrafen, sondern darüber, daß sich der “große” Messner mit so alltäglichen, banalen und selbstverständlichen Dingen wie dem Umbringen und Ausbeuten eines “lästigen” Tieres herumschlägt. Was hat die ganze Tierrechtsarbeit für einen Sinn, wenn man nach wie vor und überall solch hirn- und herzlose Berichte lesen muß!

Mein Entsetzen paßt gut zu einer Frage, die eine Tierrechtsaktivistin kürzlich unbedingt beantwortet haben wollte: Werden wir den Durchbruch der Tierrechtsbewegung noch erleben? Hat denn der ganze Einsatz letztlich überhaupt einen Sinn?

So verständlich und persönlich drängend diese Frage auch immer sein mag, sie ist im Grunde sinn- und belanglos. Wir stellen ja auch angesichts der Verbrechen gegenüber Menschen, von denen wir täglich hören, nicht die Frage: Werden wir den endgültigen Sieg der Menschenrechte über die Barbarei noch erleben? Haben unsere Bemühungen, Leiden zu lindern, überhaupt einen Sinn, wenn Verbrechen und Elend ja doch nie aufhören?

Wer helfen will und helfen kann, der hilft einfach – unabhängig davon, ob dies letztlich “Sinn” macht, sprich: die Menschenrechtsidee sich am Ende “wirklich” durchsetzen wird. Wer angesichts der lähmenden Langsamkeit des Fortschritts der Tierrechtsbewegung die Sinnhaftigkeit seines Engagements bezweifelt, handelt wie jemand, der ein Kind neben sich verhungern läßt, “weil in Afrika der Hunger sowieso nie aufhören wird”.

Was wir von Reinhold Messner lernen können? Nichts. Durch ihn können wir aber sehr wohl etwas lernen: So weit man auch geht und so hoch man auch steigt – wenn man dabei sein Hirn nicht nützt und sein Herz nicht hört, nutzt es gar nichts. Man kommt als der gleiche Kleingeist zurück, als der man weggegangen ist. Messner wäre besser zuhause geblieben und hätte das getan, was jeder tun muß, der Mensch werden will: sich über das Gedanken zu machen, was vor der Haustür passiert.

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Was wir von Reinhold Messner (nicht) lernen können

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Gruß Hubert