Archiv für die Kategorie ‘Tierrechte

Tierrechtsextremisten?   Leave a comment

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Daniela Böhm sagt:

„Doch wer oder was ist eigentlich extrem? Sind es diejenigen, die sich bedingungslos für die Rechte der Tiere einsetzen oder jene, die sie im extremen Maße verletzen?“

Subventionierter Tod und Tierrechtsextremisten

 

Veröffentlicht 15. Juni 2019 von hubwen in Tierrechte, Tierschutz, Tierversuche, Uncategorized

Oktoberfest: ein Karussell für tote Tiere   Leave a comment

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Ja, habe ich mir schon oft gedacht, wie viele Hühner, Schweine, Rinder, Ochsen usw. müssen da ihr Leben lassen damit da die vielen Besucher ihrer Fleischeslust frönen können.

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Feiern ist es etwas Schönes und rein theoretisch könnte das Oktoberfest ein schönes Fest sein. Rein theoretisch. Einfach mal fröhlich mit Freunden sein, sich auf eine schwindelerregende Achterbahn wagen oder in eine düstere Geisterbahn: Nicht umsonst lockt die bayerische Gaudi alljährlich Touristen aus der ganzen Welt an, denen das Maßhalten mit der Mass meist schwer fällt, den Bayern ebenso. Allerdings schadet der übermäßige Bierkonsum nur dem eigenen Wohlergehen, Schlägereien natürlich ausgenommen.

Das große Fressen aber verursacht fremdes Leid. Ein Leid an Lebewesen, die wir als Kinder gern hatten: an den dicken behäbigen Ochsen, die in der Ochsenbraterei zerstückelt auf den Tellern landen, an liebenswerten Ferkeln, die als Spanferkel auf der Speisekarte stehen, an den lustigen Schweinen, von denen vor allem die Haxen als bayerisches Schmankerl angeboten werden und an gackernden Hühnern, die in zwei Hälften geteilt, in den Mägen der Besucher landen.

Die bayerische Gaudi wird auf dem Rücken der Tiere ausgetragen – dies sind nur einige Zahlen aus dem Jahr 2014: 112 Ochsen, 48 Kälber, dazu unzählige Enten, Puten und Fische, 20.000 geschätzte Schweine für rund 60.000 Schweinshaxen und 120.000 Schweinswürstel und knapp eine halbe Million Hühner. Immerhin sind die Zahlen gegenüber den Vorjahren bei den Ochsen leicht rückläufig und wenn die Statistiken stimmen, bei den Kälbern stark rückläufig. (bei den Schweinen gibt es nur Schätzungen)

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Ferkel.

Die riesigen Bierzelte, in denen Musikkapellen fetzige Songs spielen und Leute auf Bänken tanzen, sind eigentlich Leichenhäuser: Tierleichenhäuser. Zwei Wochen lang, jeden Tag: unzählige, zerstückelte Tierleichen, während Menschen feiern und ausgelassen ihre großen und kleinen Sorgen vergessen. Aus dem Getriebe ihres qualvollen und artfremden Lebens ausbrechen, das würden die Rinder, Schweine und Hühner der Massentierhaltungen auch gerne. Doch für ihre Qual gibt es kein Entrinnen, keinen einzigen Tag lang, das Vergessen bringt erst der Tod im Schlachthaus.

Und selbst wenn sie besser gehalten wurden, wie z.B. die rund 120 Ochsen, die im städtischen Gut Karlshof bei München jedes Jahr für das Oktoberfest gemästet werden – wer stirbt schon gerne vor seiner Zeit? Rinder können ein natürliches Alter von bis zu zwanzig Jahren erreichen – was ist da ein halbes gemästetes Lebensjahr, das mit einem angstvollen und gewaltsamen Tod endet? Doch mit dem Wort Bio und guter Haltung wird selbst der blutige Fleischkonsum rosafarben überpinselt und der Verbraucher doppelt abgesichert: Fleisch von glücklichen Tieren schmeckt besser und schließlich hatten sie ein schönes Leben, bevor sie vom Metzger abgemurkst wurden. Warum also ein schlechtes Gewissen haben?

Ja, ich weiß – Veganer sind unbequem und intolerant, sie sind sektiererisch, lästig wie die Fliegen und vermiesen einem sogar ein bayerisches Heiligtum wie das Oktoberfest. Und was täte München ohne das Oktoberfest? Ohne all die Touristen, die in überteuerten Hotels ordentlich Geld dalassen? Ich hätte eigentlich nichts gegen das Oktoberfest; es ist für mich sogar eine schöne Kindheitserinnerung. Aber ich habe etwas gegen Tierleid. Ich habe etwas gegen den anthropozentrischen Herrschaftsanspruch, der sich auf dem Satz ausruht „Der Mensch hat schon immer Fleisch gegessen.“ Und ich habe etwas gegen das Verdrängen und das Vergessen. Ich habe etwas gegen das, was sich hinter dicken Mauern abspielt, gegen den gewaltsamen Tod an unschuldigen Mitlebewesen, deren Hinrichtung die Mehrheit der Bevölkerung niemals beiwohnen würde, weil sie es keine Sekunde ertragen könnte. Das ist das große Vergessen und Verdrängen, welches jeden Tag in dieser Welt auf Kosten der Tiere stattfindet.

Vor den Bierzelten geht die Leichenschau weiter: Steckerlfische sind beliebt und so werden die Fische aufgespießt und geräuchert an den vielen Buden feilgeboten, genauso wie die durchbohrten und geköpften Hühnchen, die auf Eisenstangen ihre endlosen Runden drehen, bis sie braun geröstet sind. Ein Karussell für tote Tiere. Das Tierleid ist damit immer noch nicht zu Ende, denn das Tragen von Tierhaut ist in den letzten zehn Jahren zu einem Hype geworden: Wer von den männlichen Besuchern keine Lederhose trägt, ist nicht „in“. Heutzutage werden Lederhosen und Karohemden sogar von Firmen gemietet, die ihre Kunden zum Stelldichein in die Bierzelte einladen. Ein Stück vom toten Tier als Erinnerung an die Steinzeit? Aber nein: dieser Hype wird als Revival alter Traditionen gefeiert. Zünftig muss es sein, das ist angesagt, trotz aller Modernität – die Blackberrys und IPhones verschwinden einen Abend lang in den Taschen der Lederhosen und werden höchstens hervorgeholt, wenn es darum geht, Fotos vom bayerischen Way of Life zu schießen: von feschen Mädels, den grölenden Massen in den Bierzelten und dem deftigen Essen, das hauptsächlich aus zerteilten Tierleichen besteht.

Es ist sehr erfreulich, dass in einigen Zelten seit 2013 vegane Gerichte angeboten werden. Und so etwas wie ein Trost, wenn man auf der offiziellen Website des Oktoberfests liest, dass der Fleischkonsum seit den letzten Jahren leicht rückläufig ist. Ein Hoffnungsschimmer? Sicherlich, es ist ein Schritt in die richtige Richtung eines Weges, der notwendig geworden ist – aber für jene Tiere, die auch in diesem Jahr wieder ihr würdelos verbrachtes Leben für dieses Fest der Menschen lassen müssen, ist Hoffnung ein bedeutungsloses Wort.
Feiern ja, aber nicht auf Kosten anderer. Und statt sich besinnungslos zu betrinken, wäre es schön, wenn sich die Menschen wieder daran erinnern würden, was da eigentlich auf ihrem Teller liegt und was sie als Kinder empfunden haben, wenn sie ein liebenswürdiges Ferkel gesehen haben oder staunend vor einem gutmütigen Rind gestanden sind.
Die Rechte des Wesens Tier und sein Grundrecht auf Leben, werden von einem Großteil der Menschen vergessen und verdrängt. Nicht nur auf dem Oktoberfest. 365 Tage im Jahr.

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Oktoberfest: ein Karussell für tote Tiere

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Gruß Hubert

Veröffentlicht 12. Juni 2019 von hubwen in Tierrechte, Tierschutz, Uncategorized

Sklaverei und Tierversuche   Leave a comment

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Tierversuche sind ein Armutszeugnis und eine Kulturschande für die Menschheit.

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Der Sklavenhandel wurde erst im Jahre 1870 ganz beendet und erstreckte sich über einen Zeitraum von fast vierhundert Jahren. Dieses menschenverachtende und ausbeuterische System einst herrschender Kolonialmächte gehört zum Glück einer längst vergangenen Epoche an. Es waren die sogenannten Weißen, die sich das Recht gaben, Menschen mit einer dunklen Hautfarbe zu versklaven; Menschen, die sie als Wilde und minderwertig ansahen. Sie drangen in ihre Länder ein, trieben Handel mit den dortigen Stammesfürsten und kauften andere Menschen, um sie auszubeuten.
Doch der Sklavenhandel ist selbst in unserer aufgeklärten Zeit noch nicht verschwunden. Die heutigen Kolonialherren sind Vorstände bei Pharmakonzernen, Wissenschaftler, Politiker und Forscher, die in einem anthropozentrischen System verharren, das sich anmaßt, über andere Wesen auf diesem Planeten zu herrschen. Auch die Fluggesellschaft Airfrance ist ein Befürworter dieses Systems, denn sie weiß genau, welches grausame Schicksal all die verschiedenen Primaten erwartet, wenn sie erst einmal an ihrem Bestimmungsort angekommen sind.

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Tierversuch mit Affe
© Foto: Animal Equality

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Moderner Sklavenhandel wird mit Wesen betrieben, die uns in ihrer Art und ihrem Aussehen überhaupt nicht fremd sind. Die meisten Wissenschaftler, Forscher und Ärzte sind mit Sicherheit Befürworter von Darwins Lehre. Und eigentlich reicht ein Blick, um unsere Verwandtschaft mit den Affen zu erkennen. Ich frage mich, wie diese Forscher, die ihnen Gifte spritzen, den Bauch oder das Gehirn aufschneiden, nach einem Arbeitstag ruhig schlafen können, wenn sie in die hilflosen und entsetzten Augen jener Wesen geblickt haben, die uns Menschen so offensichtlich widerspiegeln und mit denen wir verbunden sind, ganz gleich um welche Art von Primaten es sich nun handelt.
Der Mensch hat im Laufe seiner Entwicklungsgeschichte viele Irrwege eingeschlagen. Die Vivisektion ist einer der finstersten und die tierexperimentelle Forschung auch gleichzeitig einer der absurdesten: Wussten Sie, dass Skorpione von einem deutschen Wissenschaftler über zwanzig Jahre in den Weltraum geschickt wurden, um den Einfluss der Schwerkraft auf die Entwicklung der Tiere zu erforschen? Sie wurden auf einer Platte festgetackert und zusätzlich wurden ihnen Elektroden in die Augen, Beine und ins Gehirn gestochen.
Manfred Kyber, ein Schriftsteller der zwanziger Jahre, setzte sich mit einer Vehemenz für die Tiere ein, welche für die damalige Zeit bemerkenswert und außergewöhnlich war. Kyber nannte Tierversuche eine abendländische Kulturschande. Fast hundert Jahre sind seitdem vergangen, doch dieser Schandfleck ist größer und größer geworden, seine Ausmaße ins Ungeheuerliche gewachsen.
Wie können wir als Menschen erwarten, dass uns etwas wirklich heilt, wenn es mit dem Leid anderer Lebewesen verbunden ist? Dass Tierversuche nicht auf den Menschen übertragbar sind, sollte Dank Organisationen wie Ärzte gegen Tierversuche auch schon längst bei all den Pharmakonzernen bekannt sein. Ein Blick auf die Beipackzettel von Medikamenten reicht ebenfalls aus.
Eine Wissenschaft, die wissentlich Leiden schafft, ist unethisch, verwerflich und untragbar. Sie ist einer aufgeklärten Gesellschaft unwürdig, einer Gesellschaft, in der sich die meisten Menschen hierzulande gegen Folter und Todesstrafe einsetzen.

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© Foto privat

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Die Verbrechen der europäischen Einwanderer an den Ureinwohnern des amerikanischen Kontinents wurden in dem Zeitraum, in dem sie begangen wurden, nicht als Verbrechen geahndet. Auch sie wurden vom Herrschaftsanspruch des „weißen“ Menschen gegenüber den sogenannten „Wilden“ gerechtfertigt. Erst später wurden sie offiziell zu den Gräueltaten der Geschichte gezählt und die Opfer als solche anerkannt. Nur, weil etwas zu einer gegebenen Zeit noch nicht von der Allgemeinheit oder einer Jurisdiktion als Verbrechen bezeichnet wird, bedeutet dies bei Weitem nicht, dass es sich nicht um ein solches handelt. Das deutsche Tierschutzgesetz “garantiert” Tieren einen weitgehenden Schutz – laut Gesetzestext sind sie Mitgeschöpfe. Mitgeschöpfe? Lässt man Mitgeschöpfe unter dem Deckmantel fragwürdiger Wissenschaft sinnlos foltern und töten?
Als im Jahre 2004 die einer Folter gleichkommenden Behandlungen in dem amerikanischen Gefangenenlager Guantanamo bekannt wurden, ging ein Aufschrei durch die Welt und durch die Medien. Wieso bleibt dieser weitgehend aus, wenn doch bekannt ist, dass Abermillionen von Tieren auf dem Altar der Wissenschaft gefoltert und geopfert werden?

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© Foto privat

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Und mit welcher Berechtigung? Zum Wohle der Menschheit, der „Rasse“ Mensch? Wieso sollten Tiere für den Menschen leiden und sterben? Weil sie die „Wilden“ der heutigen Zeit sind, niedrige Kreaturen? Weil der Mensch „höher“ steht als das Tier, weil er die Krone der Schöpfung ist oder ein vernunftbegabtes Wesen? Mit Vernunft haben Tierversuche wenig zu tun und die Unterschiede zu dem Wesen Tier, deren sich das Wesen Mensch so gerne rühmt, haben im Verlauf der Menschheitsgeschichte nicht nur Gutes hervorgebracht. Tiere haben keine Atomwaffen erfunden, sie foltern andere Tiere nicht oder züchten sie und halten sie in Gefängnissen.
Das Wesen Tier leidet genauso wie das Wesen Mensch, den vermeintlich gerechtfertigten Unterschied und die Begründung, warum sie leiden müssen, erhebt in diesem Fall allein der Mensch: Was und zu welchem Zeitpunkt ein Verbrechen ist, wird vom Menschen definiert.

Während zufriedene Urlauber mit Air France zurück in ihre Heimat fliegen, müssen unschuldige Wesen zwangsweise ihre Heimat verlassen und einem grausamen, menschgemachten Schicksal entgegenfliegen. Welches Entsetzen muss so ein kleines Äffchen überfallen, wenn sich seine Transportkiste wieder öffnet und es in einen Käfig gesteckt wird, aus dem es nicht entkommen kann. Der in einem Labor steht, wo es das Leid seiner Artgenossen mit jeder Faser seines Körpers wahrnimmt. Welches Grauen und wie viel Angst muss es spüren, wenn die ersten Testversuche oder Operationen beginnen. Und irgendwann … die Hoffnungslosigkeit, das Wissen, dass es kein Entrinnen aus diesen Qualen geben wird und die einzige Freiheit, die es sich noch wünschen kann, der Tod ist.

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Prison
© piqs.de Marcel Malleike

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Wenn Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht, Sie kennen diesen Satz, der Berthold Brecht zugeschrieben ist – Der friedliche Widerstand gegen das Unrecht an den Tieren, dem sich immer mehr Menschen anschließen – das ist Hoffnung, das sind Sie, all die Menschen, die sich heute hier versammelt haben, um gegen diese moderne Art der Sklaverei und todbringender Ausbeutung zu protestieren. Hoffnung ist auch, wenn man liest, dass selbst China Southern Airlines keine Affen mehr transportiert. Hoffnung, das sind all die Menschen mit fühlenden und sehenden Herzen, denen die Qualen der Tiere nicht gleichgültig sind und die mit ihnen leiden. Hoffnung, das ist eine Organisation wie Ärzte gegen Tierversuche, die sich unermüdlich mit wissenschaftlich fundierter Aufklärung gegen den schrecklichen Irrglauben der Vivisektion einsetzt und die Kampagne Stop Vivisection. Hoffnung, das sind Aktivistinnen wie Katja und Claudia, die in dieser Woche in München vor den Tierversuchslaboren des „Rechts der Isar“ eine 48-stündige Mahnwache gehalten haben.

Dass all die unzähligen Verbrechen des Menschen an den Tieren eines Tages als ein Verbrechen im juristischen Sinne definiert werden, ist auch eine persönliche Hoffnung. Der Weg dorthin ist noch weit, aber es werden immer mehr Menschen, denen die Leiden unserer kleinen Brüder und Schwestern, wie Manfred Kyber die Tiere liebevoll genannt hat, nicht gleichgültig sind. Und hoffentlich werden es auch immer mehr Ärzte, Forscher und Wissenschaftler die sich für die Tiere einsetzen, damit dieses finstere Kapitel der Menschheitsgeschichte bald zu einem Ende kommt.

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Sklaverei und Tierversuche

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Gruß Hubert

Veröffentlicht 9. Juni 2019 von hubwen in Tierrechte, Tierschutz, Uncategorized

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Stierhatz in Pamplona: Brachiale Tradition   Leave a comment

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Zu Ehren eines männlichen Heiligen (Firmin der Ältere) und um den virilen Mut zur Schau zu stellen, wird der Encierro, wie die Stierhatz in Spanien genannt wird, alljährlich mit großen Feierlichkeiten begangen.

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Wir schreiben das Jahr 2013 und leben in einer hochzivilisierten und modernen Welt. Das könnte man zumindest meinen, wären da nicht immer noch die brachialen Traditionen eines Patriarchats, deren Fortbestand das Wort „zivilisiert“ bei genauerer Betrachtung ins Wanken bringt. Das Patriarchat fordert auch in der heutigen Zeit einen hohen Preis: Es verlangt nach Kampf, dem Recht, der Stärkere zu sein, dem Recht nach Waffen, Vorherrschaft und Glaubenssystemen.

Die katholische Kirche ist eines dieser patriarchalen Systeme mit einem herrschaftlichen Anspruch von Glaubenssätzen. Und dass Männer kämpfen müssen, ist ebenfalls eine Überzeugung des Patriarchats die noch weit verbreitet ist. Wie könnte „Mann“ es sonst erklären, dass 2011 von den hundert größten Rüstungsunternehmen weltweit Waffen im Wert von über 400 Milliarden Euro verkauft wurden? Allein die Schuld den Männern zu geben, wäre jedoch zu einfach. Erstens kämpften und kämpfen auch Frauen und zweitens unterstützen sie oft patriarchale Strukturen, weil sie diese im Laufe der Jahrhunderte verinnerlicht und ihre Ansprüche und Vormachtstellung akzeptiert haben.

Im spanischen Pamplona treffen zwei dieser Strukturen zusammen: Zu Ehren eines männlichen Heiligen (Firmin der Ältere) und um den virilen Mut zur Schau zu stellen, wird der Encierro, wie die Stierhatz in Spanien genannt wird, alljährlich mit großen Feierlichkeiten begangen. Diese Stierhatz ist nichts anderes als das Eintreiben der Stiere in die Arena und beruft seine Tradition neben der Ehrung eines Heiligen auf mittelalterliche Jahrmärkte und den Stierkampf. Bevor es geeignete Transportmittel gab, wurden jene Stiere, die für den Kampf in der Arena bestimmt waren, auf Weiden außerhalb der Stadt gehalten und am entscheidenden Tag von Hirten durch die Straßen zur Arena getrieben. Im Laufe der Jahrhunderte entwickelte sich daraus vor allem unter den jüngeren Männern die Tradition, als Mutprobe eine Zeit lang neben den Tieren herzulaufen.

Interessanter Weise prallen hier zwei Gegensätze aufeinander: Mut und Angst. Eine Herrschaft der Angst und des Schreckens wurde insbesondere im Mittelalter durch die katholische Kirche aufrechterhalten: Die „Heilige“ Inquisition ist nach wie vor eines der schwärzesten Löcher im Universum der Kirche. Ihren Mut hingegen möchten junge Spanier und mittlerweile auch viele TouristInnen auch heutzutage noch auf die Probe stellen.

Überall in den Medien wird über die Verletzten oder gar Toten dieses grausamen Spektakels geschrieben. Am Samstag (13.07.2013) wurden über zwanzig Menschen schwer verletzt, als einer der Stiere beim Einzug in die Arena hinfiel. In den Mainstreammedien geht es vor allem um die Verletzungen der Menschen und nicht um die Angst und den anschließenden gewaltsamen Tod der Stiere in der Arena. Der Stierkampf, bei dem ein unschuldiges Lebewesen, das mit panischer Angst und Fluchtverhalten reagiert, vor den Augen einer schaulustigen Menge schließlich getötet wird, ist eine besonders grausame Tradition des Patriarchats gegenüber den Tieren.

Cantinillo ist einer dieser Stiere , der am ersten Tag der Feierlichkeiten beim anschließenden Kampf in der Arena in Todesangst zweimal über die Absperrungen sprang, um vor seinen Henkern zu flüchten. Es ist kaum auszudenken, bzw. mitzufühlen, was dieses arme Wesen an jenem Tag vor seinem Tod durchgemacht hat. Cantinillo ist durch die Hölle gegangen. Die Hölle ist kein Ort, der weit, weit weg ist, nicht für Cantinillo und auch nicht für Milliarden anderer Tiere. Die Hölle ist hier auf Erden und nichts anderes als die Schreckensherrschaft des Menschen unter der die Tiere leiden müssen.

Auch die erfundene Hölle der katholischen Kirche, mit der sie ihre gläubigen Schäfchen in Todesangst versetzte und auf dieser Furcht ihre Vormachtstellung und Herrschaft begründete, ist menschgemacht, treffender wäre es in diesem Fall vielleicht zu sagen: Sie ist „manngemacht“.
Immer wieder sind es veraltete Strukturen, Glaubenssätze, Ansichten und Meinungen um derentwillen Tiere leiden müssen. Tiere sind auch heute Opfer uralter Dogmen. Frauen wurden als Hexen verbrannt, wenn sie nicht dem Glaubensdogma einer durch und durch männlichen katholischen Kirche entsprachen und Tiere werden noch heute für anthropozentrische Dogmen ausgebeutet, gequält, verfolgt und getötet.

Anstatt neben einem Stier herzurennen oder davonzurennen und damit seinen Mut beweisen zu wollen, würde es von viel größerem Mut zeugen, sich den eigenen Vorurteilen, althergebrachten Überzeugungen, Begrenzungen und auch Ängsten, im eigenen Denken zu stellen. Damit das große Leid der Tiere auf diesem Planeten ein Ende findet, braucht es den Mut, über den eigenen Tellerrand zu blicken und ein anthropozentrisches Weltbild in Frage zu stellen.
Dies erfordert wahren Mut. Von Männern und Frauen.

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Stierhatz in Pamplona: Brachiale Tradition

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Gruß Hubert

Vögel wurden lebendig eingemauert   Leave a comment

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Unglaubliche welche barbarische, herzlose und tierverachtende Menschen es gibt. Wie kann man denn ein Lebewesen lebendig einmauern? Aber manche Menschen sind eben abgrundtief böse. Dann wundern sie sich noch, wenn man sagt man habe Tiere lieber als Menschen. Zugetragen hat sich das in Leipzig.

Aus stern.de

Krasser Fall von Tierquälerei: Vögel wurden lebendig eingemauert

Ein besonders gravierender Fall von Tierquälerei ereignete sich in Leipzig: Vogelnester an Hauswänden wurden von Fassadenarbeitern einfach verschlossen, obwohl Anwohner zuvor auf die Gelege hinwiesen. Für viele der Tiere bedeutete das den Tod.

Leipzig: Krasser Fall von Tierquälerei – Vögel wurden eingemauert

Es stellte sich heraus, dass die Löcher an der Hausfassade in Leipzig mit einer klebrigen Substanz verschlossen waren, die den betroffenen Vögeln zusätzlichen Schaden zufügt

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In Leipzig-Grünau wurden lebendige Vögel mutmaßlich bewusst eingemauert. Trotz Hinweisen aus der Bevölkerung, dass sich in den Nestern gerade geschlüpfter Nachwuchs befinde, sollen die Renovierungsarbeiten fortgeführt worden sein. Trotz schneller Rettung durch die Feuerwehr verstarben viele der betroffenen Vögel .

Zunächst wurde der Naturschutzbund (Nabu) in Leipzig durch eine Anwohnerin über den Verschluss von Nisthöhlen an einer Häuserwand informiert. Dessen Mitarbeiter konnten beobachten, wie ein Star und ein Haussperling immer wieder verzweifelt versuchten, in die verschlossenen Nistplätze zu kommen. Eine Anwohnerin berichtete, dass die Vögel bis zum Vormittag noch Futter zu ihren Nestern gebracht hätten, auch Kotspuren belegten die rege Nutzung der Brutplätze, wie der Nabu berichtet.

Im Anschluss wurde die zuständige Wohnungsgenossenschaft kontaktiert und der Hausmeisterservice erklärte, dass ein schnelles Eingreifen nicht möglich sei. Dann rückte die Feuerwehr per Löschwagen und Hebebühne an. Acht verschlossene Löcher wurden an den Nistplätzen entdeckt und nacheinander geöffnet, wie das „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ berichtete.

Es stellte sich heraus, dass die Löcher mit Leitungsdämmpolstern und einer klebrigen Substanz verschlossen waren, die den betroffenen Vögeln zusätzlichen Schaden zufügt. In einer der Höhlen fanden die Helfer einen lebenden Star, der dort eingemauert wurde; drei Jungvögel in seinem Nest waren bereits tot, ein viertes Küken starb kurz danach.

Leipziger Staatsanwaltschaft ermittelt

Zudem wurde ein gesetzlich streng geschützter Grünspecht beobachtet. Er hatte versucht, die verkleisterten Fassadenlöcher mit seinem Schnabel wieder zu öffnen, wodurch dieser verklebte. Inzwischen wurde bei der Staatsanwaltschaft Strafanzeige gestellt –unter anderem wegen der absichtlichen Tötung besonders geschützter Tierarten in vier Fällen und der versuchten Tötung in zwei Fällen durch Verschließen von Nistplätzen.

Das Verschließen der Nistplätze erfolgte vermutlich in der klaren Absicht, die gesetzlich geschützten Brutvögel zu vertreiben oder zu töten, wie der Nabu berichtet. Die Arbeiten hätten problemlos auch außerhalb der Brutzeit und mithilfe von Fachleuten für Artenschutz unter Beachtung der geltenden Gesetze durchgeführt werden können.

Quellen: Naturschutzbund Leipzig / „Lübecker Nachrichten“

Tierische Nächstenliebe: Bär rettet ertrinkenden Vogel

Tierische Nächstenliebe

Bär rettet ertrinkenden Vogel – Video (1:02 Min.)

(Bemerkung: die tierische Nächstenliebe ist sicher größer als die menschliche).

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Vögel wurden lebendig eingemauert

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Gruß Hubert

Empört euch!   Leave a comment

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Ein mustergültiger Beitrag von Daniela Böhm. Ich kann nur sagen sie spricht mir aus der Seele. Menschen üben gnadenlos an Tieren das Recht des Stärkeren aus.

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Bildquellenangabe: http://www.solyent-network.com
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Empört euch! Diese zwei kleinen Wörter haben in den vergangenen Jahren weltweit sozialkritische und bedeutende Bewegungen ausgelöst. Stéphane Hessel, der Verfasser des gleichnamigen Pamphlets, ruft u. a. zum zivilen Ungehorsam und Widerstand gegen Systeme auf, die Menschen nicht wertschätzen, sie ausbeuten und einschränken. Hessel vertritt in seiner Schrift die Auffassung, dass jeder Mensch einen Grund zum Widerstand hat.

Ausreichend Gründe für den Widerstand hätten auch die Tiere, die unter einem System leiden, welches ihre Rechte und Würde nicht respektiert.
Der Mensch nimmt sich das Recht, die Tiere auszubeuten und sie zu töten. Er macht Gesetze, um sein Recht zu untermauern, er denkt sich den „vernünftigen Grund“ aus, der im deutschen Tierschutzgesetz verankert ist und Fleischkonsum und qualvollen Tod rechtfertigt. Aber dieser „vernünftige Grund“ ist in der heutigen Zeit restlos unvernünftig. Oder sind Massentierhaltung und die damit verbundene Klimaerwärmung vernünftig? Sind es überdüngte Felder, Antibiotika, die ins Grundwasser gelangen und die Überfischung der Meere? Ist der Hunger in den Entwicklungsländern vernünftig, bedingt durch den unglaublichen Verbrauch von natürlichen Ressourcen für die Erzeugung von Fleisch? Ist es vernünftig, Menschen unter unwürdigen Bedingungen in Schlachthöfen arbeiten zu lassen? Sind die Qualen und der gewaltsame, menschgemachte Tod von Abermilliarden schwächeren Mitlebewesen vernünftig?

Ist Krieg jemals vernünftig? Der Mensch aber führt Krieg gegen die Tiere und dieser Krieg kostet viel: Er zerstört nicht nur das Leben der Tiere, sondern auch unseren Planeten. Es ist ein ungleicher Krieg, denn jene, die ihn erdulden müssen, haben keine Waffen, um sich zu wehren. Der Mensch ist zu ihrem größten Feind geworden und fordert mit seinem Speziesismus das Recht des Stärkeren ein. Und dieses selbstgemachte Recht Tiere zu essen, welches nicht infrage gestellt wird, weil es angeblich schon immer so war, tötet heute milliardenfach. Jene Mitbewohner dieses Planeten, die schon lange vor uns da waren und ihren Teil zum Gleichgewicht in der Natur beitragen, gegen das sich der Mensch immer mehr stellt. Wie können wir Menschen in Frieden miteinander leben, wenn wir bereits tagtäglich Krieg gegen die Schwächsten der Schwächsten führen, gegen jene, welche sich nicht wehren können, jene, welche nicht imstande sind, ihre Stimme zu erheben und die keine Revolution entfachen können?
Von dem indianischen Häuptling Seattle stammen folgende Zeilen:

Was wäre der Mensch ohne die Tiere?
Wenn alle Tiere gegangen wären, würde der Mensch an großer Einsamkeit des Geistes sterben.
Denn, was auch immer mit dem Tier geschieht, passiert auch bald dem Menschen.
Alle Dinge sind miteinander verbunden.

Wir Menschen sind auf diese Erde, ihr Gleichgewicht und ihre Bewohner angewiesen. Umgekehrt verhält es sich nicht so.

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Morgens...
(C) Foto: Karl Dichtler piqs.de

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Tiere können sich nicht empören und ihre Rechte einklagen. Es sind die Menschen einer immer stärker werdenden Bewegung, die genau diese zwei Wörter für die Schwächsten der Schwächsten ausrufen: Empört euch! Über das immense Leid der Tiere, das in jeder Sekunde auf unserem Planeten in den Schlachthäusern, Massenbetrieben, Versuchslaboren, Pelzfarmen, aber auch bei dem kleinen Bauern nebenan stattfindet.
Die Ignoranz gegenüber dem Leid der Tiere hat apokalyptische Ausmaße erreicht und ist – empörend! Abermilliarden getöteter Tiere jährlich, weltweit, sind ein zwingender Grund sich zu empören.

Es liegt an uns, an jedem Einzelnen, diesem tierverachtenden System durch pazifistischen Widerstand, wie ihn Hessel fordert, die Stirn zu bieten. Es ist eine ethische Verpflichtung, aus diesem System auszusteigen, indem wir keine Tiere mehr essen und sie als Mitbewohner dieses Planeten achten und respektieren.

Bald ist wieder Ostern – ein Fest, für das unzählige Tiere, vor allem Lämmer ihr Leben lassen müssen. Und warum? Aufgrund einer alten überlieferten Tradition, die viele Menschen nicht infrage stellen. Zeigen Sie einem kleinen Kind ein Lämmchen auf der Weide und fragen Sie, ob es möchte, dass dieses unschuldige Wesen getötet wird, damit es sein Fleisch essen kann. Jedes Kind beantwortet diese Frage mit einem entsetzten Nein! Kinder sehen und fühlen mit dem Herzen, viele Erwachsene haben es leider im Laufe ihres Lebens verlernt.

Die Kirche hat sich vor allem die Barmherzigkeit und das „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ auf ihre Fahnen geschrieben – doch es gilt nur den Menschen.

Warum? Gibt es dafür einen vernünftigen Grund außer einem speziesistischen Grundgedanken? Echte Nächstenliebe, die nicht nur ein kirchlicher, sondern ein allgemeiner ethischer Anspruch ist, muss auch unseren kleinen Brüdern und Schwestern gelten, für die wir Sorge tragen sollten, anstatt sie zu unterwerfen, auszubeuten und zu töten.

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Empört euch!

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Gruß Hubert

Die Schuld der Kirche am Elend der Tiere   Leave a comment

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Helmut F. Kaplan

Vorbemerkung: Wenn im folgenden von „der Kirche“ oder „den Kirchen“ die Rede ist, sind damit die christlichen Konfessionen im europäischen Kulturkreis gemeint. Gegenstand der Ausführungen ist die Rolle des Christentums bei unserem Umgang mit Tieren. Die Einschränkung auf Europa erfolgt, weil ich über Beschaffenheit und Folgen christlichen Denkens außerhalb Europas zuwenig Bescheid weiß.

Rechtfertigung des Tiermissbrauchs

Was ist eigentlich die letzte Rechtfertigung für den Missbrauch von Tieren? Womit begründen Menschen ihren grauenhaften Umgang mit Tieren? Am liebsten natürlich gar nicht. Aber wenn man sie gezielt fragt, wenn man sie „zwingt“, nachzudenken und Auskunft zu geben? Dann tauchen wohl vor allem Gedanken und Gefühle auf, die mit folgenden Stichworten charakterisiert werden können:

– „Vernunftbegabtheit des Menschen“,
– „Gottesebenbildlichkeit des Menschen“,
– „unsterbliche Seele des Menschen“.

Damit soll weder behauptet werden, dass die betreffenden Behauptungen bzw. Thesen oder deren Stellenwert im eigenen Denken und Fühlen den Menschen (voll) bewusst sind noch dass diese Behauptungen bzw. Thesen „theologisch korrekt“ verstanden oder formuliert werden. Aber meiner Erfahrung und Einschätzung nach spuken diese Vorstellungen als „Hauptverantwortliche“ für den schauerlichen Umgang mit Tieren durch die Hirne und Herzen der Menschen:

– So richtig „vernunftbegabt“ sind ja nur wir Menschen; nur wir verstehen die Welt, begreifen ihre Zusammenhänge.

– Nur wir Menschen sind nach Gottes Ebenbild erschaffen.
– Nur wir Menschen haben eine unsterbliche Seele.

Nun wollen wir uns einmal ansehen, wie es denn um die Vernünftigkeit dieser Behauptungen bzw. Thesen selbst bestellt ist? Bei der „Vernunftbegabtheit“ des Menschen beginnen die Probleme schon: Wir kennen doch alle Zeitgenossen, mit deren „Vernunftbegabtheit“ es, freundlich formuliert, nicht so weit her ist. Und zweifellos bestehen GROßE UNTERSCHIEDE in der „Vernunftbegabtheit“ der Menschen: Es gibt „Hochbegabte“, Nobelpreisträger und Genies, andererseits das Heer der 08/15-Menschen, der „Fabrikware der Natur“, wie Schopenhauer sagt. Und dann gibt es natürlich noch die Dementen, Senilen und geistig Behinderten, die sich teilweise unzweifelhaft auf einem deutlich niedrigeren intellektuellen (bzw. Autonomie-) Niveau befinden als viele Tiere.

Ziehen wir aus den unzweifelhaften und obendrein gewaltigen „Vernunftunterschieden“ unter Menschen Konsequenzen, die jenen entsprechen, die wir in Bezug auf Tiere ziehen? In Bezug auf Tiere sehen unsere Denkschritte ja etwa so aus: weniger vernünftig – weniger wichtig – weniger schützenswert. Umgelegt auf den Umgang mit Menschen bedeutete dies beispielsweise: Den können wir ruhig etwas foltern, der ist eh nicht so intelligent. Oder: Bei „einfachen“ Menschen können wir das Schmerzmittel problemlos etwas niedriger dosieren. Denken wir so? Handeln wir so? Überhaupt nicht, hier sind wir also schon einmal inkonsequent.

Wir sagten, in Bezug auf die „Vernunftbegabtheit“ gebe es bei Menschen große Unterschiede und viele Menschen seien eher „wenig vernunftbegabt“. Gegen letzteres könnte man einwenden: Demente, Senile und Behinderte sind ja nun nicht eben typische Menschen und mit der mangelnden Vernünftigkeit manch anderer Zeitgenossen sollte man es auch nicht übertreiben. Auf alle Fälle sind aber die Menschen ALS SPEZIES unvergleichlich vernünftiger als Tiere!

Also richten wir unser Augenmerk auf die „Vernunftbegabtheit“ der menschlichen Spezies. Da brauchen wir allerdings nicht lange zu schauen, um eines Besseren, genauer: eines Schlechteren belehrt zu werden. Man betrachte nur die Umweltzerstörung im allgemeinen, die Klimazerstörung im besonderen, die himmelschreiend ungerechte Verteilung von Wohlstand und Reichtum, das tägliche Verhungern von Kindern, das atomare „Gleichgewicht des Schreckens“ und so weiter und so fort!

Und wie steht es um die beiden anderen Behauptungen bzw. Thesen: dass der Mensch nach Gottes Ebenbild erschaffen worden sei und eine unsterbliche Seele habe? Zunächst einmal ist es zweifellos so, dass diese Fragen von Andersgläubigen und Nichtgläubigen völlig anders gesehen werden als von Christen. Aber selbst unter Christen ist es alles andere als eine ausgemachte Sache, welche Menschen denn nun nach Gottes Ebenbild erschaffen wurden und welche eine unsterbliche Seele (oder überhaupt eine Seele) haben! Einen Eindruck davon, WIE komplex solche Fragen sind (und wie kontrovers sie diskutiert werden), bekommt man beispielsweise bei Betrachtung der mehrjährigen Beratungen der päpstlichen Theologenkommission darüber, ob ungetauft verstorbene Kinder nun in den Himmel kommen oder mit der Vorhölle, dem sogenannten „Limbus“, vorlieb nehmen müssen. Papst Benedikt XVI. hat jetzt ein Machtwort gesprochen und den Limbus abgeschafft – allerdings, wie gesagt, erst nach äußerst aufwendigen Erwägungen und Beratungen.

Konsequente Anwendung von Kriterien

Fest steht: Bei konsequenter Anwendung der Ausschluss- bzw. Minderbewertungskriterien für Tiere auf Menschen bekämen wir große Probleme: Erstens müssten wir überall (etwa bei Gerichten oder in Krankenhäusern) hochkarätige, interkonfessionell besetzte Expertengremien einrichten, um festzustellen, ob die betreffenden Menschen (hier: Angeklagte oder Patienten) untersterblich sind und vernünftig genug, um bestimmte aufwendige Maßnahmen zu rechtfertigen. Und zweitens würden viele Menschen diesen Test nicht bestehen – weil sie beispielsweise, etwa viele Demente, wesentlich „unvernünftiger“ sind als Hunde, Katzen oder Schweine.

Dieser Befund wird viele verwundern: Wie kommt es, dass bei unserem Verhalten gegenüber Menschen und Tieren hinten und vorne nichts zusammenpasst und die konsequente Anwendung der Prinzipien, die unseren Umgang Tieren leiten, katastrophale Folgen für Menschen hätte! Wer sich schon einmal näher mit einer zentralen Frage in diesem Zusammenhang befasst hat, nämlich mit der BEGRÜNDUNG VON MENSCHENRECHTEN, wird weniger überrascht sein.

Hier operieren wir nämlich mit einem irrwitzigen Zwei-Punkte-Programm, das irrationale Konsequenzen fast unausweichlich macht:
– Alle Menschen haben Rechte, weil alle Menschen eine Würde haben.
– Das Weiterfragen nach dieser Würde ist aber strikt verboten.

Erlaubt sind lediglich normierte Patentantworten vom Kaliber: „Nur die Religion erklärt mir, warum der Mensch seine Würde nie verlieren kann. Er hat sie von Gott geschenkt bekommen.“(Bischof Wolfgang Huber)

Wenn die Basis der Menschenrechte im dunkeln liegt und das Fragen nach ihr verboten ist, sollte uns keine Inkonsequenz oder Irrationalität im Umfeld verwundern! Diese Situation ist aber auch aus einem anderen Grund ebenso absurd wie unannehmbar: Wenn wir allen Menschen Rechte zugestehen, sollte es auch eine Fundierung dieser Rechte geben, die allen Menschen zugänglich ist, die alle Menschen verstehen und akzeptieren können – nicht nur, beispielsweise, Christen. Mit anderen Worten bzw. grundsätzlich gesagt: Was fehlt, ist eine Fundierung von Menschenrechten, die dem Umstand Rechnung trägt, dass wir in einer pluralistischen, säkularen bzw. laizistischen Gesellschaft leben!

Und wie könnte eine solche wünschenswerte und notwendige GLAUBENSNEUTRALE BEGRÜNDUNG VON MENSCHENRECHTEN aussehen? Auf alle Fälle müsste sie auf Merkmale wie Bewusstsein, Selbstbewusstsein, Rationalität und Autonomie Bezug nehmen: Wesen, die leidensfähig sind sowie rational und autonom agieren können, sollten das Recht haben, entsprechend diesen Eigenschaften und den daraus resultierenden Bedürfnissen zu leben.

In diesem Zusammenhang gilt es, sich zwei wichtige Fakten zu vergegenwärtigen:
1) Keines dieser Merkmale verläuft entlang der Speziesgrenze Menschen – Tiere.
2) Es gibt Menschen, bei denen diese Merkmale SCHWÄCHER ausgeprägt sind als bei vielen Tieren.

Nachvollziehbare Zusammenhänge und Argumente

Diese Überlegungen zu einer glaubensneutralen Begründung von Menschenrechten versetzen uns schlagartig in eine viel übersichtlichere Situation, in der alles verständlicher, vernünftiger und nachvollziehbarer ist:
1) Es können auch diejenigen mitdenken und mitreden, die einen anderen Glauben oder keinen Glauben haben.
2) Wir haben 150 Jahre skandalöser Wissensverweigerung überwunden: Seit Darwin sollten wir nämlich wissen, dass es biologisch und psychologisch zwischen Menschen und Tieren keinen prinzipiellen, sondern lediglich einen graduellen Unterschied gibt.
3) Wenn wir auf dieser Grundlage das fundamentalste moralische Prinzip, das GLEICHHEITSPRINZIP, anwenden, ergibt sich der richtige Umgang mit Tieren fast automatisch: Wir schauen, welche Interessen Tiere haben und nehmen diese Interessen dann GLEICH ERNST, wie wir vergleichbare menschliche Interessen ernst nehmen.

Schweine sind beispielsweise ähnlich intelligent wie Hunde oder bestimmte Demente oder geistig Behinderte und haben daher auch vergleichbare Interessen. Wenn wir die Interessen von Schweinen gleich ernst nähmen wie die Interessen von Hunden, Dementen oder geistig Behinderten, sähe die Welt anders aus! Oder anders herum: Man stelle sich vor, wir würden mit Hunden, Dementen oder geistig Behinderten machen, was wir mit den 55 Millionen Schweinen machen, die wir jährlich in Deutschland schlachten!

Zweierlei wird augenblicklich klar: Wir treten das fundamentale moralische Gleichheitsprinzip mit Füßen. Und wir verüben unvorstellbare Verbrechen an Tieren.

Und zu diesen Verbrechen schweigen die Kirchen. Dieses Schweigen ist aber kein harmloses Nichts-Sagen, sondern im Gegenteil ein starkes Signal. Denn die Kirchen verstehen sich als tragende gesellschaftliche Kraft und äußern sich folgerichtig zu anderen Grundsatzfragen sehr wohl. Wenn sie sich zu einer Frage, dem Tiermissbrauch, nicht äußern, enthält dies eine klare Botschaft: Tiere sind nicht wichtig, ihr könnt mit Tieren weiterhin so verfahren wie bisher.

Die Schuld der Kirchen am Elend der Tiere ist also eine zweifache: Weltanschaulich liefern sie die Grundlage für die Verbrechen an Tieren. Und politisch schweigen sie zu den Verbrechen an Tieren. Wer aber Verbrechen verschweigt, macht sich mitschuldig an diesen Verbrechen.

Hinweise: Beim vorangehenden Text handelt es sich um die schriftliche Ausarbeitung des gleichnamigen Vortrags, der am 28. August 2010 auf dem Kirchentag „Mensch und Tier“ in der Dortmunder Pauluskirche gehalten wurde. 3 Videos: www.youtube.com/watch?v=sO4vkY…

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Die Schuld der Kirche am Elend der Tiere

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Gruß Hubert