Archiv für die Kategorie ‘Tierethik

„Was glaubt ihr eigentlich wer ihr seid?!“   Leave a comment

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Von Bea Kälin

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Bild by: Dana Ellyn

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«Tiere sind für uns da! Warum das so ist, weiss ich auch nicht…aber es ist einfach so!» schallt es aus dem Munde einer Person, die felsenfest davon überzeugt ist, dass die Veganer das Abholzen des Regenwaldes für den Anbau von Soja und Palmöl zu verantworten hätten!
Ihre Empörung über den veganen Lebensstil gipfelte am Ende in der Aussage: «Was glaubt ihr eigentlich wer ihr seid? Gott?! Ihr könnt die Welt nicht verändern! Das hat Hitler schon versucht und ist zum Glück daran gescheitert!»

Mal abgesehen davon, dass der Vergleich mit der dunkelsten Gestalt unserer Menschheitsgeschichte an Unverschämtheit nicht zu übertreffen ist, liessen mich die obigen unverblümt konfusen Ausführungen dennoch fassungslos und nicht minder enerviert zurück…

«Tiere sind für uns da» bedeutet also wir können mit ihnen machen was wir wollen. Sie haben kein Recht auf irgendetwas; weder auf ihre Freiheit, ihre Bedürfnisse, ihre Unversehrtheit, ihre Würde noch auf ihr Leben.
Wer so denkt, dem ist jedes Gefühl von Achtung und Demut gegenüber der Schöpfung abhandengekommen. Man muss sich selbst mit Füssen treten, damit kein Funken der Empathie aufkeimt, wenn erklärt wird, dass Mutterkühen ihre Babys entrissen werden, für die Milch und den Käse, auf den man partout nicht verzichten will.

Man möge mir jetzt meine Fäkalsprache nachsehen, aber ich sag es klar und deutlich: Die sogenannten „Nutztiere“ sind dem Menschen nicht mehr wert als ein Stück Scheisse – und das meine ich wortwörtlich: Wir essen sie und wandeln sie durch unsere Verdauung in Scheisse um. So primitiv das klingt, so ist es auch.
Es beschreibt den Stellenwert von fühlenden Wesen, die ins Leben gezüchtet werden, nicht um des Menschen Hunger zu stillen, sondern um die Dekadenz einer Gesellschaft zu nähren, die an ihrer aufgeblähten Arroganz und Ignoranz dabei ist zu platzen!

Millionen Tiere verrecken gerade in dieser Sekunde, schreien und brüllen um ihr Leben und irgendjemand erklärt lapidar: «Tier sind für uns da!»

Es reisst mich innerlich in Stücke bei solch herablassenden Worte, denn ich schaue jeden Tag in den Höllenschlund der absoluten Brutalität, die von Menschen in Auftrag gegeben werden, welche mit solchem oder ähnlichem Gedankengut rücksichtslos durch die schönsten Gärten der Erde trampeln!

Vegan zu leben bedeutet indes, leichten Fusses, sanft und gütig unseren Mitgeschöpfen zu begegnen, damit die Gärten sich ausdehnen mögen zu einem Paradies der Liebe und Fürsorge.

Text by: Bea Kälin

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„Was glaubt ihr eigentlich wer ihr seid?!“

 

Schockierende Bilder: Waschbär in Falle tödlich verletzt   Leave a comment

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Diese Schlagfallen müssten doch sofort verboten werden. Ein Skandal, dass die noch legal sind. Ich kann das nur kriminell nennen.

Von Peta.de

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Bild von Peta.de

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Am 13. September 2021 wurde im baden-württembergischen Affalterbach im Kreis Ludwigsburg ein schwer verletzter Waschbär in einer illegalen Schlagfalle entdeckt. Aus der Meldung, die uns von PETA Deutschland erreichte, geht hervor, dass das Tier die Falle vermutlich bereits seit Tagen mit sich herumschleppte. Aufgrund seines schlechten Zustandes wurde der Waschbär eingeschläfert. Wir haben Anzeige gegen Unbekannt erstattet und bieten eine Belohnung für sachdienliche Hinweise zu den Täter:innen.

Schwer verletzter Waschbär leidet vermutlich tagelang in illegaler Schlagfalle

Mitte September wurde im Ortsteil Wolfsölden ein verletzter Waschbär entdeckt. Seine linke Vorderpfote steckte in einer illegalen Schlagfalle. Da das Bein bereits entzündet und dick angeschwollen war, schleppte der Waschbär die Falle vermutlich bereits seit mehreren Tagen mit sich herum. Beim Öffnen der Schlagfalle wurde das Bein schließlich vollständig abgetrennt. Ein Tierarzt schläferte den Waschbären wegen seines schlechten Gesundheitszustandes ein.

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Diesem Waschbären wurde mit einer Schlagfalle seine Pfote abgetrennt.

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PETA fordert Verbot von Schlagfallen und setzt 1.000 Euro Belohnung aus

Um die Suche nach den Täter:innen zu unterstützen, haben wir eine Belohnung in Höhe von 1.000 Euro für Hinweise ausgesetzt, die die Fallensteller:innen überführen. Zeug:innen werden gebeten, sich telefonisch unter 0711-8605910 oder per E-Mail bei uns zu melden – auch anonym.

Außerdem haben wir am 21. September Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Heilbronn gegen unbekannt erstattet und fordern ein Verkaufsverbot für jegliche Schlagfallen.

„Der Tierquäler, der die illegale Schlagfalle ausgelegt hat, muss gefunden und zur Rechenschaft gezogen werden. Tritt ein Tier in ein solches Fanggerät, hängt es oft stunden- oder tagelang schwer verletzt fest und leidet entsetzliche Schmerzen, bis es gefunden wird oder qualvoll stirbt. Dem Fallenaufstellenden muss bewusst sein, dass Tiere schwere Verletzungen davontragen können, wenn sie in eine solche Vorrichtung hineingeraten. In Baden-Württemberg ist das Aufstellen solch grausamer Fallen zwar verboten, der Verkauf jedoch nicht. Daher fordern wir ein Verkaufs- und Anwendungsverbot von Schlagfallen in ganz Deutschland.“

Peter Höffken, PETA Deutschland

In Baden-Württemberg sind Totschlagfallen laut §32 (3) Jagd- und Wildtiermanagementgesetz verboten. Nur mit Zustimmung der unteren Jagdbehörde dürfen sie in Ausnahmefällen aufgestellt werden. Allerdings müssen diese Fallen dann durch ihre Bauart ein sofortiges Töten gewährleisten.

So können Sie Waschbären, Füchsen und anderen Wildtieren helfen

Bei der Jagd kommen tierquälerische Methoden wie Totschlagfallen zum Einsatz, die in vielen Bundesländern noch erlaubt sind. Diese Fallen sollen die Tiere theoretisch sofort töten, doch viele Tiere sterben in diesen Fallen einen langsamen und qualvollen Tod: Wenn sie mit ihren Pfoten oder ihrem Gesicht in die Falle geraten, werden die Tiere oft schwer verstümmelt oder langsam zu Tode gequetscht.

Helfen Sie, Totschlagfallen zu verbieten!

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Schockierende Bilder: Waschbär in Falle tödlich verletzt

Tierrechte im philosophischen Kontext   Leave a comment

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Von Hemut F. Kaplan

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Bild von Helmut F. Kaplan

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Tierrechte sind subjektive Rechte von Tieren. Die Tierethik untersucht, inwiefern Tiere, ggf. einschließlich des Menschen, aus moralischer Sicht über solche Rechte verfügen. Darüber hinaus werden Tierrechte als Teile einer staatlichen Rechtsordnung diskutiert. (Wikipedia)

Voraussetzung für die Verwirklichung von Tierrechten ist, daß man zuerst einmal einen Begriff von Tierrechten hat. Und zwar einen nachvollziehbaren und praktikablen Begriff von Tierrechten. Das ist bis jetzt nicht der Fall. Es gibt lediglich so etwas wie in verschiedene theoretische Kontexte eingebettete Rohfassungen des Tierrechtsbegriffs. In meinem Buch „Tierrechte: Wider den Speziesismus“ erarbeite ich nun einen meines Erachtens nachvollziehbaren und praktikablen basalen Tierrechtsbegriff. Er gründet auf dem von Peter Singer vorgeschlagenen Gleichheitsprinzip.

Menschen und Tiere: Nicht gleich aber vergleichbare Interessen

Kein vernünftiger Mensch behauptet, daß Menschen und Tiere in einem faktischen Sinne gleich wären. Menschen und Tiere haben – wie auch die Menschen untereinander – unterschiedliche Interessen. Deshalb wäre es auch völlig verfehlt, Menschen und Tiere gleich zu behandeln, denn unterschiedliche Interessen rechtfertigen und erfordern eine unterschiedliche Behandlung. So brauchen etwa Hunde und Katzen im Unterschied zu Menschen keine Religionsfreiheit und kein Wahlrecht – weil sie damit nichts anfangen könnten. Und Männer brauchen im Unterschied zu Frauen keinen Schwangerschaftsurlaub – weil sie nicht schwanger werden können.

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Quelle: https://pixabay.com/users/Meditations

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Tierrechte nach dem Gleichheitsprinzip

Was das Gleichheitsprinzip fordert, ist schlicht dies: Wo Menschen und Tiere gleiche bzw. ähnliche Interessen haben, da sollen wir diese gleichen bzw. ähnlichen Interessen auch gleich berücksichtigen:

  • Weil alle Menschen ein Interesse an angemessener Nahrung und Unterkunft haben, sollen wir dieses Interesse auch bei allen Menschen gleich berücksichtigen – und dürfen nicht willkürliche Diskriminierungen aufgrund von Rasse oder Geschlecht vornehmen. Also kein Rassismus und Sexismus.

  • Und weil sowohl Menschen als auch Tiere ein immenses Interesse haben, nicht zu leiden, sollen wir dieses Interesse bei Menschen und Tieren auch gleich berücksichtigen – und dürfen nicht willkürliche Diskriminierungen aufgrund der Spezies vornehmen. Also kein Speziesismus.

Wir sagten: Gleiche bzw. ähnliche Interessen von Menschen und Tieren sollen gleich berücksichtigt werden. Anders formuliert: Tiere haben das Recht, daß ihre Interessen gleich berücksichtigt werden wie vergleichbare menschliche Interessen. Tierrechte sind dann die Summe der Ansprüche, die sich aus dieser gleichen Berücksichtigung ergeben. Der entscheidende Satz, der diesen Tierrechtsbegriff charakterisiert, lautet also:

Tiere haben das Recht, daß ihre Interessen gleich berücksichtigt werden wie vergleichbare menschliche Interessen.

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Tierrechte im philosophischen Kontext

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Der einzige Wertmaßstab für die Qualität seines Lebens stammt vom jeweiligen Lebewesen selbst   Leave a comment

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Zwei hochinteressante Abschnitte zur Tierethik vom Spiegel – Kultur.

Wer Korsgaards Buch liest, begegnet der wohl luzidesten und subtilsten Analyse aller tierethischen Probleme und denkbaren Fragestellungen, die die in dieser Hinsicht ohnehin ziemlich anspruchsvolle philosophische Literatur zu bieten hat. Ihr Kernargument ist bestechend: Jedes Lebewesen schätzt sein Leben intuitiv – wenn auch nur in seltenen Fällen bewusst – als unüberbietbares Gut, völlig unabhängig davon, wie es kommuniziert, wovon es träumt, wovor es sich fürchtet und was es sonst noch begehren mag.

Jedes Lebewesen lebt in seinem eigenen Universum. Und der einzige Wertmaßstab für die Qualität seines Lebens stammt vom jeweiligen Lebewesen selbst und nicht etwa von außen, wo ein anderes Lebewesen wie ein Mensch darüber urteilt, was das Leben anderer Lebewesen aus seiner Sicht mehr oder weniger lebenswert macht.

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Es gibt, wie schon der australische Philosoph Peter Singer allen früheren und zukünftigen Philosophen ins Stammbuch schrieb, keine Eigenschaft, die alle Menschen von allen Tieren unterscheidet. Neugeborene sind weder autonom noch differenziert sprachfähig, geistig stark eingeschränkte oder demenzkranke Menschen verfügen mitunter über weniger Bewusstsein ihrer selbst als die Tiere, die wir essen oder im Labor töten.

Wenn Menschen darüber entscheiden, was wichtig für einen unbedingten Lebenswert ist, so sollten sie nach Korsgaard immer wissen: »Nichts kann wichtig sein, ohne wichtig für jemanden zu sein.« So steht es Menschen nicht gut zu Gesicht, den Wert anderen Lebens nach menschlichen Wichtigkeitskriterien zu bemessen.

Was wirklich zählt, sind die Wichtigkeitskriterien von Muscheln, Hühnern und Schweinen, von denen sich Korsgaard sicher ist, dass sie ebenso unbedingt sind wie die menschlichen.

Richard David Precht.

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Der einzige Wertmaßstab für die Qualität seines Lebens stammt vom jeweiligen Lebewesen selbst

 

Veröffentlicht 22. Juli 2021 von hubert wenzl in Tierethik

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