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Freundesbrief an einen Melancholischen   1 comment

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Ja, ja, es gäbe viele Arten zu sterben, aber man kann auch langsam sterben, unmerklich für andere. Ich würde nichts mehr fürchten als ein ewiges Leben. Die ewige Ruhe ist so friedlich und süß. Also wovor Angst haben? Also die Zeit die bleibt mit Courage leben ist das ehrenvollste.

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Du klagst, mein Freund, und jammerst sehr,
Wie elend dieses Leben wär;
Es sei nicht auszuhalten. –
Was klagst du denn? Es ist dein Recht,
Bist du ein müd und fauler Knecht,
Dich gänzlich auszuschalten.
Kauf dir, o Freund, ein Pistolet
Und schieß dich tot, – hurra, juchhe!
Dann bist du gleich gestorben.

Doch macht des Pulvers Knallgetös
Dich, weil nervös du bist, nervös,
Brauchst du nicht zu verzagen.
Ich weiß ein Mittel ohne Knall,
Geräuschlos, prompt; für jeden Fall
Will ich dirs hiermit sagen:
O speise, Freundchen, Strychenin!
Das wird dich in den Himmel ziehn.
Dort geigst du mit den Engeln.

Falls aber, weil du heikel bist,
Strychnin dir unsympathisch ist
(Es schmeckt ein bisschen fade),
So brauchst du nicht gleich bös zu sein;
Mir fällt schon etwas andres ein:
Geh auf die Promenade
Und hänge dich an einen Ast.
Sobald du ausgezappelt hast,
Hängst du für ewig stille.

Wie? Kitzlig bist du an dem Hals?
Wohl, mein Geliebter! Diesesfalls
Gilts anderes Gebaren:
Spring in den Fluss, stürz dich vom Turm,
Lass dich gleich einem Regenwurm
Elektrisch überfahren.
Auch ist ein ziemlich sichrer Tod
Der durch komplette Atemnot
Infolge Ofengasen.

Du schüttelst immer noch den Kopf?
Ei, du verruchter Sauertopf,
Geh hin, dich zu purgieren!
Mach dir Bewegung, fauler Bauch,
So wird die liebe Seele auch
Vergnügt im Sein spazieren.
Ein wackres Wort heißt: resolut!
Hast du zum Sterben nicht den Mut,
So lebe mit Courage!

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Otto Julius Bierbaum (1865-1910)

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Verrückte Welt – ein Schlachthaus – und vor allem für die Tiere – die wahren Unschuldigen. Zu was auf die Welt kommen?

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Береза С Есенин

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Die russische Seele und die Lust am Leiden

http://www.deutschlandfunk.de/die-russische-seele-und-die-lust-am-leiden.1184.de.html?dram:article_id=185459

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Gruß Hubert

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Veröffentlicht 20. Januar 2018 von hubwen in Lyrik, Uncategorized

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ABGRUND   3 comments

Rubens Beserra

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Es gibt ein Abgrund in meiner Seele,

Wo Licht nicht eintreten kann,

Wo alles Dunkelheit und Stille ist,

Wo alles tot ist und langsam verrottet.

Es gibt einen Abgrund, der mich einsperrt,

Es ist unmöglich zu fliehen, es gibt keinen Ort zu gehen,

Alle Straßen führen zum Tod.

Alle Menschen, die ich geliebt habe, sind bereits gestorben.

Es gibt kein Leben in meiner Welt,

Es gibt nur Leere in meiner Seele.

Ich weine nicht, weil ich keine Tränen mehr habe,

Ich bin apathisch, kalt und treulos.

Ich möchte meine Kindheitsprobleme vergessen ,

Aber die Erinnerungen halten mich zurück in die Vergangenheit,

Erinnerungen sind Wunden, die immer noch schmerzen.

Ich bin nicht glücklich, weil ich nicht mehr träumen kann.

Es gibt keine Sonne in meiner Welt,

Es gibt kein Licht in meiner Welt,

Es gibt nur Dunkelheit, Traurigkeit,

Angst, Einsamkeit, Kälte und Tod

Im Abgrund meiner Seele.

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Veröffentlicht 8. Januar 2018 von hubwen in Kultur, Literatur, Lyrik

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Element of Crime – Liebe ist kälter als der Tod   Leave a comment

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Hier ein Lied vom Schauspieler und Regisseur Ulli Lommel. Wenn Sie ihn noch nicht gekannt haben, keine Angst, mir ging es bis heute gleich. Es klingt schon befremdlich, wenn er singt die Liebe ist kälter als der Tod. Ich könnte mir aber vorstellen, dass jemand so fühlt, wenn eine Liebe zu Ende geht, jemand verlassen wird. Mir gefällt das Lied und der Text.

Der Schauspieler und Regisseur Ulli Lommel (72) starb am Samstag an den Folgen eines Herzinfarkts. Jetzt nicht erschrecken, ein Bekannter, dem ich heute begegnet bin, sagte zu mir der Herzinfarkt sei ein gesunder Tod. Ich fragte wieso? Er entgegnete: man hatte auf jedem Fall davor kein Siechtum. Schlimm ist es auf jedem Fall für die Angehörigen. Vor kurzem starb ein Bekannter in meiner Nähe über Nacht im Bett an einem Herzinfarkt. Es muss ein Schock für den Partner sein.

https://de.yahoo.com/kino/schauspieler-regisseur-ulli-lommel-tot-112310529.html

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Element of Crime – Liebe ist kälter als der Tod

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Element of Crime – Liebe ist kälter als der Tod

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Wenn dich dein Schatten liebt
und dich hinter sich her,
um die Häuser zum Rabenbaum zieht,
wo die dunklen Spaßvögel nur,
aus schier Schandudel versammelt
und auf Schabernack getrimmt
auf alles was da kommt scheissen
auf Party eingestellt sind

Wenn du sie siehst, grüss‘ sie von mir.
Sag ihr, hier sei alles im Lot
und je länger man kaut, desto süsser das Brot
und irgendwas ist immer, irgendwas ist immer
und Liebe ist kälter als der Tod.

Wenn dich die Sonne liebt
und dich überall sucht,
alle Gardinen verbrennt, die es in deinem Haus gibt
und die Sonnenmilch und die Brille,
das Kreuz und das Batiktuch
und die Glückspillen nichts bringen
und du ihrem Charme erliegst

Wenn du sie siehst, grüss‘ sie von mir.
Sag ihr, hier sei alles im Lot
und je länger man kaut, desto süsser das Brot
und irgendwas ist immer, irgendwas ist immer
und Liebe ist kälter als der Tod.

Wenn dich das Schicksal liebt
und dich irgendwo hin
treibt, wo es nicht mehr wehtut
und du fragst nach dem Sinn
eines Lebens, in dem man nicht spürt,
wie die Seele langsam erfriert,
dann fragst du den Falschen,
dann bist du bei mir

Wenn du sie siehst, grüss‘ sie von mir.
Sag ihr, hier sei alles im Lot
und je länger man kaut, desto süsser das Brot
und irgendwas ist immer, irgendwas ist immer
und Liebe ist kälter als der Tod.

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http://www.songtexte.com/songtext/element-of-crime/liebe-ist-kalter-als-der-tod-3b4ab030.html

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Gruß Hubert

 

Veröffentlicht 5. Dezember 2017 von hubwen in Lyrik, Musik, Uncategorized

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Ich bedaure nichts, ich rufe nicht …   Leave a comment

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Der russische Dichter Sergej Jessenin gefällt mir sehr, der passt irgendwie zu mir.

Sergei Alexandrowitsch Jessenin
wurde am 21. September 1895 in Konstantinowo, Gouvernement Rjasan in Russland geboren.
Er starb am 28. Dezember 1925 In Leningrad (Suizid).
Unter den Lyrikern Russlands gilt er noch heute als einer der größten.

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Ich bedaure nichts, ich rufe nicht …

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Ich bedaure nichts, ich rufe nicht und klage,
Alles geht wie auch der weißen Blüten Dunst.
Wenn das Gold des Abschieds ich heut trage,
hab verloren ich der Jugend Gunst.

Deine Schläge früher kraftvoll klangen,
liebes Herz, in Kälte nun erstarrt!
Doch dies Land, von Birkenflor umfangen,
nie mehr meiner bloßen Füße harrt.

Wanderlust, ich hab‘ dich nicht gefunden!
Wo ist nur der Jugend Leidenschaft?
Meine Frische lang schon ist geschwunden,
wie des Auges Feuer und des Fühlens Kraft.

So bescheiden meine Wünsche heute!
Und mein Leben? Träumte ich dich nur?
Laut und jagend ich durch meinen Frühling reite,
auf dem Rosen-Ross verlor die Spur.

Alle sind wir Gast in diesem Leben.
Stille fließt wie schwerer Honig übers Laub.
Dank sei dir, uns nun anheim gegeben,
um zu blüh’n, zu sinken in den Staub.


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Abend seine schwarzen Brauen senkte

Abend seine schwarzen Brauen senkte.
Fremde Pferde stehen vor der Tür.
War’s gestern, als die Jugend ich ertränkte?
Schwand auch gestern die Liebe zu dir?

Ach, verspätete Troika du, schnaub‘ nicht!
So spurlos unser Leben verrann.
Und vielleicht bin schon morgen todkrank ich,
dass für immer ich Ruhe hab‘ dann.

Vielleicht morgen, so ganz ohne Träume,
ohne Ziel geh‘ ich fort von hier und
lausch‘ den Liedern des Regens, der Bäume,
werd‘ an Leib und Seele gesund.

Werd‘ die finsteren Mächte vergessen,
die zerstörend peinigten mich.
Deinen Liebreiz, den ich besessen,
werd‘ ich immer bewahren für mich.

Auch wenn dann eine and’re ich liebe,
werd‘ erzählen ich ihr nur von dir,
erzählen von dir, meine Liebe,
die einst alles bedeutete mir.

Werd‘ erzählen von uns’rem Leben,
von Vergang’nem noch ganz unberührt…
Wohin, du mein Sinn, so verwegen,
ach, wohin nur hast du mich geführt?

http://www.gratis-webserver.de/mable/4.html

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Есенин, Отговорила роща… / Esenin, Golden Grove (subs by V. Chetin)

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Н. КАДЫШЕВА “ ОТГОВОРИЛА РОЩА ЗОЛОТАЯ“

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Gruß Hubert

Veröffentlicht 30. Oktober 2017 von hubwen in Lyrik, Musik, Uncategorized

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Songtexte von Mylène Farmer   Leave a comment

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A quoi je sers • Zu was bin ich nutz/diene ich

Lebender Staub

ich suche vergeblich nach der/meiner Milchstraße
in meinem Aufruhr, fand ich ein Mausoleum
und mein Geist wanderte
ich habe Angst vor dem Vakuum
ich drehe Seiten
aber … leere Seiten

Staub wandert, konnte mich nicht führen
jede Stunde frage ich mich, was mich einholt
und mein Geist wandert
ich habe Angst vor dem Vakuum
warum diese Tränen
sag … warum leben …

Ach mein Gott, wie ich aussehe
wozu bin ich nutze
und wer in dieser Hölle kann sagen (1)
was man von uns erwartet, ich gestehe
Und ich weiß nicht, wem ich diene
wahrscheinlich nichts
jetzt kann ich (alles ver) schweigen
wenn alles Grauen wird

Brennender Staub, war das Fieber in mir
ich lachte ohne Gelächter, ich sah, ich weiß nichts
und mein Geist wandert
uch habe Angst vor dem Vakuum
uch drehe Seiten
aber … leere Seiten

Ach mein Gott, wie ich aussehe
wozu bin ich nutze
und wer in dieser Hölle kann sagen
was man von uns erwartet, ich gestehe
Und ich weiß nicht, wem ich diene
wahrscheinlich nichts
jetzt kann ich (alles ver) schweigen
wenn alles Grauen wird

————–

Die schwarze Witwe oder wer in dieser Hölle weiß

La veuve noire

Die schwarze Witwe

Dieses schwarze Witwe
hast du geliebt
Liebe mit einer schlechten Nacht im Mai
dieses schwarze Dame
die Zeit ist gekommen
du wirst heute Nacht untergehen, Mai

Dieses schwarze Leinwand
es ist dein Leichentuch
du ruhst an diesem Abend im Mai
als die Spinne in einer Nacht
eines langen Kuss
deine Hoffnungen berauschte
zu spät…

Übersetzung von Stefan

http://myleneonline.de/info/ubersetzungen/non-album-tracks/#ostdi

 

Moderne Kontaktanzeigen

I
Liebe mich im Gras und nackt!
Wenn nach dem Geschlechterakt
Laut der Geigerzähler knackt –
Hatten wir Naturkontakt.

II
Nimm mich, Fremder, bloß und fest!
Wenn Dich dann der Gummitest
Positiver denken läßt –
Küss und nimm den Samenrest.

Die Vorstellung eines vom Himmel fallenden Kreuzes gibt wohl die Meinung vieler sexuell sehr konservativ eingestellter Menschen wieder, die AIDS für Gottes Antwort auf die Promiskuität der ach so aufgeklärten „Sünder” halten. So würde dann Gott, im Video provokativ körperlich, als Person und über den Wolken sitzend dargestellt, endlich dafür sorgen, daß die einzig richtige Auslegung seines Heiligen Wortes, die natürlich die Moralisten noch besser als Er selber kennen, sichergestellt wird. Zwar kann Gott nicht verhindern, daß sich die Menschen weiterhin hemmungslos ihren Vergnügungen miteinander im Bett hingeben (wieso kann er das eigentlich nicht? Ist er nicht allmächtig?), aber er kann jedenfalls dafür sorgen, daß der unbedachte Sex nicht ohne Folgen bleibt. Je mehr Vertrauen man völlig Fremden entgegenbringt und je tiefer man sich auf sie einläßt (so oder so), je mehr man also seinen Nächsten liebt, desto gefährlicher ist diese Liebe, geradezu vergiftet („Amour poison”). Also würde Gott, in der Logik dieser selbsternannten Moralwächter, den Menschen, die ihre Nächsten lieben, eine Krankheit auf den Hals gehetzt haben… Das alte Gebot Gottes müßte also etwas erweitert werden: „Liebe Deinen Nächsten, klar, Mensch, hau ’rein, aber wenn Du nicht daran verrecken willst, dann laß Dir schwarz auf weiß einen AIDS-Test vorlegen, der nicht älter als ein paar Stunden ist… Oder, mach’s Dir doch einfach, Mensch, bleib einfach immer nur einem treu, wenn es schon sein muß. Geht doch nichts über Einehe, lebenslänglich, was?!”

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http://www.mylene-farmer.de/kommenta/sonstige_lieder_kom/qmcl_kommentare/qmcl_kommentar.htm

Que mon cœur lâche
Da bleibt mir doch gleich das Herz stehen

Ganz schön/allzu heftig/brutal
Das Amalgam/die Mischung/das Durcheinander
Der Körpertanz/der Tanz der Körper
Die tödliche Liebe/die Liebe zu Tode

Liebe Gift/Giftige Liebe
Kollision/Aufeinanderprall/Zusammenstoß
Die Angst stürzt/legt sich/prasselt nieder
Auf unser Herumtoben/-tollen

Du unter/zwischen uns
Kautschuk/Gummi
Du führst Dich behutsam/dringst unauffällig/schmeichelst Dich ein
In unsere Leidenschaften/Lieben/Zuneigungen

Das ist nicht leicht/einfach
Das Vergnügen/die Freude/Lust/der Spaß
Zähmen/sich gewöhnen an
Deinen vereisten/eisigen/gefühlskalten/polierten Körper

Mein Herz setzt aus
Meine Träume von exzentrischer Liebe
Haben nicht mehr ihren Straß
Mein Liebesstreß ist so traurig
Mein Herz setzt aus
Aber tu mir weh
Mißbrauche Fesseln und Lilien (Wonnen)*
Die Zeiten sind schlaff
Die Liebe hat Schmerzen
Es sind die Zeiten der Plastik-Liebe

Welch böser Engel/Teufel
Gerät auf Abwege
Um zu kreuzigen/martern/peinigen/quälen
Meine Freiheiten

Ich armer Schlucker/Teufel
Ich bin so krank/fühl mich so schlecht
Taumel/Schwindel der Liebe,
Verletzter/wundgeriebener/gekränkter Liebe


Übersetzung: Peter Marwitz & Michael Kuyumcu

Und jetzt noch etwas was für mich geil ist.

geil sind (wären) für mich nur noch solche dinge…die fahrt geht erst bei 1:30 Minuten los… der sound am anfang dauert schon lange…

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Lamborghini Huracán Ride – Start, Rev & Acceleration on Autobahn

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Mylène Farmer, Sting – Stolen Car

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Gruß Hubert

Veröffentlicht 21. Oktober 2017 von hubwen in Lyrik, Musik, Uncategorized

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Ganz in weiß die Birke   Leave a comment

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Die Birke – vom russischen Dichter Sergej Jessenin

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gruss hubert

Veröffentlicht 27. Dezember 2016 von hubwen in Lyrik, Musik

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Du hast Angst   Leave a comment

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Angst_Gedicht

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Header image by David Ruiz

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Ich habe Angst.
Jeden Tag. Jede Stunde.
(Du bist nicht der Einzige)
Manchmal kann ich sagen, wovor ich Angst habe.
(Du bist nicht der Einzige)
– Armut, Arbeit, Arbeitslosigkeit, Polizei, Abstieg, Einsamkeit, Auschluss,
Hässlichkeit, Krankheit, Schuld, Versagen –
(Du bist nicht der Einzige)
aber die Wahrheit ist,
dass es egal ist, wovor ich Angst habe.
Das eine Ungeheuer ist so gut wie das Andere.
Und alle sind alte Schatten.
Das neue
(Du bist nicht der Einzige)
ist die Gotthaftigkeit der Angst,
die überall ist,
weil ich stets sichtbar bin,
die alles weiß
und mein Handeln schon vorweg nimmt,
die meine Welt erschafft,
als eine nicht enden wollende Prüfung,
(Du bist nicht der Einzige)
der ich allein gegenüber stehe.
Und dies ist die Welt der Angst:

Die Enge der weiten Orte.
Darin die Abwesenheit eines Endes.

Die unsichtbaren Fäuste und zerrenden Griffe.
Darin der Zwang geleugneter Gewalt.

Die Augen der Anderen.
In denen man Selbst sein muss.
(Ich schließe die Augen um zu sehen)

Die Bilder des Sollens.
Bestialische Titanen, sie flüstern unablässig.
(Ängstliche, hörst du sie nicht?)

Die Maschinen der Verwaltung.
Darin die strafenden Regeln.
(Beurteilter, dein Urteil ist das Urteil der Regeln)

Der Teppich der Verantwortung.
Darin die Geisel aus Scham und Schuld.
Kein Meter Boden, das er nicht bedeckte.
(Wandernde, er wächst aus deinen Füßen)
Wer hat ihn dort hinein gepflanzt?

Meine Füße sind zerschnitten
(Unter dem Teppich stehen Messer)
vom langen Pilgergang
– nur noch einen Schritt –
(Stolpernder, ewig kann nicht Winter sein)
bei jedem Schritt
– So denken Erfolgreiche: sieh niemals auf deine Füße –
Es ist kein Wandern,
kein Pilgern,
kein Suchen,
(Du bist nicht der Einzige)
kein Werden,
ein Fortschreiten

„Sieh nach Vorne!“
– Dort laufen die Besseren, hole sie ein!

„Sieh nach Hinten!“
– Das Pack ist nahe, es greift schon nach dir!

„Sieh zur Seite!“
– Abgefallene am Straßenrand, von Lumpen umarmt, nach Ekel stinkend.

Entlassen in die Freiheit des Marktes
(Du bist nicht der Einzige)
ist die harte Hand des Herrschers
(Ich sehe keine Schwerter)
ein Gespenst geworden
– Dies ist das Geheimnis:
Das Gespenst hat zwei Seiten
Besessenheit und Poltergeist –

Es ist ein Atmen,
in mir und außerhalb meiner
Selbst
(Atmende, riechst du es nicht?)

Ich habe Angst.
Jeden Tag. Jede Stunde.
(Du bist nicht der Einzige)
Es ist die Angst in der Ordnung der Angst
(Du bist nicht der Einzige)
Es ist die alles umfassende Angst
(Du bist nicht der Einzige)
Es ist die Angst vor dem Sichtbarwerden der Angst.
(Ich bin nicht der Einzige)
Es ist die Angst vor den Augen der Anderen.

Und jeder Schritt verspricht mir: Dieser noch,
dann ist die Angst vorbei.
Und jedes Bild verspricht mir: Dieses noch,
dann kommt das Gute.

Ich habe Angst.
Jeden Tag. Jede Stunde.
Ich atme sie ein
– Angst ist die Ordnung der Welt
Ich atme sie aus
– Angst ist der Raum zwischen uns

(Sie kann nicht sein, außer in einer Welt, die nach ihr und durch sie geordnet is, einer Welt, in der die Bedingung der Angst des Einzelnen, die Angst aller ist. Sie verlangt unsere Mitarbeit.
Ich weiß nicht, ob wir uns ohne Angst ansehen können. Aber hier ist meine Hand, meine sichtbare, offene Hand. Sie ist krumm und geschunden, die Nägel ungepflegt und die Nagelbetten entzündet. Ich weiß nicht, ob ich meine Hand ausstrecken kann, ohne dass sie von gespensterhaften Händen umgeben ist. Aber ich weiß ebensowenig, was ich sonst tun könnte und ich versuche keine Angst vor deinem Blick zu haben. Hier also ist meine Hand.)

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https://gedichtblog.wordpress.com/2015/07/08/du-hast-angst/

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Schloss-wp-blic

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gruss hubert

 

Veröffentlicht 26. Mai 2016 von hubwen in Lyrik, Uncategorized

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