Archiv für die Kategorie ‘Wissenschaft

Der angeblich freie Wille   Leave a comment

.

Vor allem Christen kommen gerne mit dem Argument daher, dass nicht Gott für das Böse verantwortlich sei, sondern der Mensch mit seinem „freien Willen“. Das ist anhand eines Beispiels schon mal Blödsinn, denn ein Mensch kann kein Erdbeben verursachen. Gott könnte es zulassen oder nicht, wenn er wollte, wenn es stimmen sollte, dass er allmächtig ist und allgütig noch dazu. Man könnte also sagen ein imaginärer Gott wäre sicher kein Gutmensch. 😉

Aus FOCUS

Werner Siefer, Autor des Buches „Tatort Gehirn“ im Interview mit FOCUS Online über den freien Willen und wahnsinnige Menschen.

FOCUS-Online: Inwieweit ist es der freie Wille, mit dem man sein Leben gestaltet?

Werner Siefer: Das mit dem freien Willen ist so eine Sache, weil sie kein einziger Denker befriedigend erklärt hat. Ein einfaches Beispiel ist das berühmte Schwarz-Weiß-Muster, das man als zwei gegenüberstehende Kopfprofile oder als Vase interpretieren kann. Hat der Mensch die Freiheit, keine Gesichter oder keine Vase zu sehen? Grundsätzlich ja. Er kann üben, nur einen Klecks wahrzunehmen, oder eine, sagen wir, indianische Fruchtbarkeitsgöttin in der Mitte. Aber in der Praxis des Lebens: Wie oft tut er das? Und wie oft gelingt es ihm? Philosophen würden dieses Gedankenexperiment komplett verwerfen und einwenden: Mit dem Einverständnis zum Anschauen des Musters habe der Mensch sich schon entschieden, und dabei sei er frei gewesen. Was im Einzelfall stimmt, aber in der Summe ein blödes Argument ist. Denn irgendetwas müssen wir anschauen oder tun, so ist das Leben. Nun kann man den Gedanken weiterführen: In der Auswahl dieses Irgendetwas, sind wir da frei? Wir sind es genauso wenig wie beim Vasen-Beispiel. Wir wählen in der Praxis kaum Optionen, die uns nur mit Mühe einfallen wollen. Ich tendiere also zu einer statistischen Antwort: Meistens ist der Mensch unfrei, selten frei, und beschämend selten nutzt er seine Freiheit. Ich selbst bin hier nur ein Einzellfall.

FOCUS-Online: Sie sagen in Ihrem Buch, dass der Mensch eigentlich nicht viel daran ändern kann, wie er ist. Können Sie sich an eine Situation in ihrem Leben erinnern, in der diese These zu einer brauchbaren Entschuldigung geführt hat?

Siefer: Ja, schon sehr oft! Zum Beispiel schiebe ich im Privatleben Unangenehmes gerne vor mich her oder plane zum Beispiel Zeitabläufe gerne einmal zu optimistisch. Wenn es dann gelegentlich schief geht und sich Freunde beschweren, entschuldige ich mich damit, dass das, dass ich eben so sei. Das macht aber doch jeder so – oder? Überhaupt ist das ein Privileg von Grufties: einfach so sein können.

FOCUS-Online: Gutmenschen können bisweilen auch langweilig sein. Gibt es böse Menschen, die Sie bewundern?

Siefer: Freilich sind Menschen langweilig, die es allen nur recht machen wollen. Aber gibt es das, einen Gutmenschen und den bösen Menschen? Meist ist der Schwarze Peter doch recht unterschiedlich verteilt. Außerdem gibt es den bösen Menschen nicht, das ist ein Konzept des christlichen Glaubens. Ein faszinierender Böser wie etwa Hannibal Lecter ist ein Kunstprodukt, der das Publikum gerade deswegen fasziniert, weil er mit dessen Wahrnehmung spielt. Es weiß nicht, ob er normal ist oder verrückt. Darin liegt aber genau die filmische Übertreibung, denn in Wirklichkeit wäre er verrückt. War Hitler also ein böser Mensch oder Pol Pot? Wahnsinnig ja, aber nicht böse. Ist ein Amokläufer böse oder der kanadische Schweinezüchter, der Dutzende Frauen getötet und teils aufgegessen hat? Krank ja, aber nicht böse. Solche Wahnsinnigen kann man nicht bewundern.
Ich bewundere Künstler, die unseren Blick öffnen, die bereit sind, sich gegen den Strom zu stellen, und so eingefahrene Haltungen des Sehens, des Hörens, des Miteinanders verändern. Das ist nicht böse, aber es kann wehtun.

.
.

Der angeblich freie Wille

.

Gruß Hubert

Veröffentlicht 26. Juli 2018 von hubwen in Gesellschaft, Medizin, Uncategorized, Wissenschaft

Getaggt mit , ,

Noch Raum für einen Schöpfer?   Leave a comment

.

Stephen Hawking ist zu bewundern, da er trotz seiner misslichen körperlichen Lage diese Energie aufbringt und sehr wichtige Beiträge auf seinen Gebieten bringt. Mich interessiert aber vor allem auch sein Zugang zu einem Schöpfer, Schöpfer ja oder nein?

Rüdiger Vaas beschreibt das hier sehr gut.

„Aufgrund eines Luftröhrenschnitts kann sich Hawking seit 1985 nur noch mit einem Sprachcomputer verständigen. Er bedient ihn buchstäblich mit seinem letzten Zucken, indem er mit Bewegungen der Augen oder rechten Wange mühsam Buchstabe für Buchstabe in das Programm eingibt – bestenfalls zwei bis drei Wörter pro Minute.

Mit diesem tragischen Schicksal passt Hawking perfekt zum Klischee des im regungslosen Körper gefangenen genialen Geistes, der die Grenzen der Erkenntnis zu sprengen trachtet – handeln seine Forschungen doch von den abstraktesten, entlegensten und kompliziertesten Themen: Schwarzen Löchern, Urknall, Zeitreisen, Relativitätstheorie, Quantenphysik und der Suche nach einer Weltformel, die alle Teilchen und Kräfte erklärt. Kein Zufall, dass er zum Medienstar wurde! Hawking selbst sieht es ähnlich: „Ich bin sicher, dass meine Behinderung eine Rolle spielt, warum ich so bekannt bin. Die Menschen sind fasziniert von dem Kontrast zwischen meinen sehr eingeschränkten physischen Kräften und der gewaltigen Natur des Universums, mit der ich mich beschäftige. Ich bin der Archetypus des behinderten Genies. Doch ob ich ein Genie bin, kann bezweifelt werden.“

Aber ich möchte jetzt zum Abschnitt Schöpfer kommen.

 

Noch Raum für einen Schöpfer?

Bereits in seinem Bestseller Eine kurze Geschichte der Zeit fragte Hawking rhetorisch, wo denn noch Platz für Gott wäre, wenn die Welt physikalisch weitgehend verstanden sei. Zwar endete das Buch beinahe mystifizierend: Eine vollständige Erklärung des Universums wäre „der endgültige Triumph der menschlichen Vernunft“, „denn dann würden wir Gottes Plan kennen“. Doch damit wollte Hawking keineswegs eine religiöse Lanze brechen. Tatsächlich hat er immer wieder deutlich gemacht, dass er bei solchen Metaphern mit „Gott“ nur die Gesetzmäßigkeiten der Physik meint. „Ich verwende das Wort ‘Gott’ in einem unpersönlichen Sinn, so wie es Einstein für die Naturgesetze tat. Den Geist Gottes zu kennen heißt also, die Naturgesetze zu kennen“, kommentierte er.

Gleichwohl gilt die scheinbare Ordnung der Welt vielen Gläubigen als Hinweis auf einen universalen Gesetzgeber. Aber die Naturgesetze können ganz natürlich erklärt werden (wofür auch Hawkings Forschungen sprechen). „Wenn ich Recht habe, ist das Universum in sich selbst gegründet und wird von den Naturgesetzen allein regiert“, sagt Hawking. Und schon in Eine kurze Geschichte der Zeit schrieb er im Hinblick auf sein kosmologisches Modell: „Wenn das Universum wirklich völlig in sich selbst abgeschlossen ist, wenn es wirklich keine Grenze und keinen Rand hat, dann hätte es auch weder einen Anfang noch ein Ende: Es würde einfach sein. Wo wäre dann noch Raum für einen Schöpfer?“

Die antiquierte Annahme eines Schöpfers, der das Universum erschaffen und eingerichtet hat, ist in der modernen Kosmologie überflüssig und auch sonst eher schädlich. Doch es bleibt rätselhaft, warum es die Naturgesetze überhaupt gibt und weshalb sie so sind, wie sie sind, wie es zum Urknall kam und warum er genau dieses Universum hervorbrachte. Hawking spekuliert über die Existenz vieler Universen mit ganz unterschiedlichen Eigenschaften. „Ihre Schöpfung ist nicht auf die Intervention eines übernatürlichen Wesens oder Gottes angewiesen. Vielmehr ist diese Vielfalt von Universen eine natürliche Folge der physikalischen Gesetze, eine naturwissenschaftliche Vorhersage.“ Das heißt nicht, dass es keine Erkenntnisgrenzen gibt. Im Gegenteil: „Auch wenn die Wissenschaft möglicherweise das Problem zu lösen vermag, wie das Universum begonnen hat, nicht beantworten kann sie die Frage: Warum macht sich das Universum die Mühe zu existieren?“

Gott ist im Verständnis der meisten Gläubigen allerdings nicht auf einen „Designer“ reduzierbar, der die Naturgesetze erlässt, die physikalischen Konstanten einstellt oder den Urknall zündet. Gott gilt gemeinhin nicht nur als Erschaffer der Welt, sondern er erhält sie auch und vernichtet sie wieder, diktiert Wertordnungen, erhört Gebete und greift in den Weltlauf ein. Ein solcher Glaube – oder frommer Wunsch – kann mangels Überprüfbarkeit physikalisch nicht widerlegt, aber sehr wohl philosophisch kritisiert werden. Und genau das tut Hawking, indem er argumentiert, dass Gott in der modernen Kosmologie nicht mehr denknotwendig ist. Der Glaube lässt sich allenfalls als eine skurrile Privatsache tolerieren, die Hawking selbst jedoch nicht ernst nimmt: „Ich habe mit der Erwartung eines baldigen Todes gelebt. Ich habe keine Angst vor dem Tod, aber ich habe es nicht eilig zu sterben. Ich möchte noch so vieles vorher tun. Ich halte das Gehirn für eine Art Computer, der aufhört zu arbeiten, wenn seine Bestandteile versagen. Es gibt keinen Himmel oder ein Leben nach dem Tod für defekte Computer; das ist ein Märchen für Leute, die Angst vor dem Dunkeln haben.“

In Sachen Welterklärung ist der Glaube ohnehin längst obsolet geworden. „Es gibt einen grundlegenden Unterschied zwischen Religion, die auf Autoritätsgläubigkeit beruht, und Wissenschaft, die auf Beobachtungen und Vernunft basiert“, ist Hawking überzeugt. „Wissenschaft wird gewinnen, weil sie funktioniert.“

Rüdiger Vaas ist Astronomie- und Physik-Redak­teur beim populären Monatsmagazin bild der wissenschaft. Mit Stephen Hawking hat er mehrfach gesprochen und vier Bücher über dessen Leben und Werk publiziert, zuletzt Hawkings Kosmos und Einfach Hawking!.

.

Noch Raum für einen Schöpfer?

.

Gruß Hubert

 

Veröffentlicht 28. Juni 2017 von hubwen in Religionskritik, Uncategorized, Wissenschaft

Getaggt mit , ,

Zu schön für die Brutpflege   Leave a comment

.

Bei den Vögeln sind ja meistens die Männchen schöner als die Weibchen. Schönheit ist aber bei der Brutpflege ein Nachteil, wie ein Ausschnitt aus der Tiroler Tageszeitung zeigt. Gelege, die tagsüber von den „schmuckloseren“ Weibchen bewacht wurden, überlebten die Brutzeit eindeutig besser. Manche Vogelmännchen übernehmen erst nachts die Brutpflege.

 

zei-gett-brutpfle-_2-04_cr

.

Gruß Hubert

 

 

Veröffentlicht 4. Januar 2017 von hubwen in Uncategorized, Wissenschaft

Getaggt mit ,

Die Evolutionstheorie und die Kreationisten   1 comment

.

Ich verfolgte kürzlich auf einer anderen Blog-Seite eine Diskussion, wo ein deutscher „Wissenschaftler“ glaubte in einem Video die Evolutionstheorie in Frage stellen zu können. Solche Leute können dann ja geradewegs zu den Kreationisten gehen, die glauben die Welt wäre erst vor 5 – 6.000 Jahren in „fertigem Zustand“ von einem Schöpfergott ins Leben gerufen worden.

KASSEL. (hpd) Der Ingenieur und Kreationist Werner Gitt betreibt seit Jahrzehnten eine Werbe-Agenda gegen die Erkenntnisse der Evolutionsforschung. Seine Hauptthese lautet, biologische Information, wie sie bei allen Lebewesen im Erbgut codiert ist, benötigt einen intelligenten Urheber, den biblischen Schöpfergott.

Einen Tag vor dem sogenannten „Fronleichnam-Feiertag“ (4. Juni 2015) wurden in der Kasseler Innenstadt Werbeflyer verteilt, die optisch ansprechend aufgemacht waren und den Eindruck erweckten, seriöse Sachinformationen zu übermitteln. Wie aus der Grafik hervorgeht, wurde ein öffentlicher Vortrag des bibeltreuen Kreationisten Werner Gitt angekündigt, in dem dieser vollmundig-überheblich behauptet, die Evolution sei durch Naturgesetze widerlegt.

Einen guten Kommentar schrieb Bernd Kammermeier dazu, der ein ausgezeichneter Aufklärer in punkto Religion ist.

Was ich mich stets bei diesen missionarischen Eiferern frage, was sie damit bezwecken, gegen jede Vernunft den Inhalt eines extrem fragwürdigen Buches zu „beweisen“.

Die Frage „Schöpfungslehre ja oder nein?“ kann jenseits aller Gottesbeweise oder Gottesgegenbeweise beantwortet werden: Allein die Überlieferungsgeschichte der sogenannten „heiligen“ Schriften diskreditiert sie vollständig als verlässliche Quelle für naturwissenschaftliche Fragen.

Schlampige Kompilierung aus widersprüchlichen polytheistischen Quellen, ungenaue und tendenziöse Übersetzungen sowie fast beliebige Erweiterungen, Kürzungen und Umschreibungen schredderten jeden möglicherweise einst vorhandenen Inhalt in kleinste Textpartikel, deren logische Zusammenfügung – allen Beteuerungen alimentierter Theologen zum Trotz – nicht mehr gelingen kann.

Selbst wenn es dereinst Gottes Wort im Tanach gegeben haben sollte, haben es eifrig bemühte Schriftgelehrten in hunderten Generationen bis zur Unkenntlichkeit malträtiert.

Ich habe mir einmal die Mühe gemacht und alle substanziellen Aussagen der Genesis tabellarisch erfasst und deren Sinngehalt extrahiert. Der Vergleich selbst mit kreationistischen Ideen zeigt ganz eindeutig, dass selbst die bibeltreuesten „ID-Spezialisten“ nicht alles wörtlich nehmen KÖNNEN und DÜRFEN, weil sonst – als kleines Beispiel – Verkehrsflugzeuge gegen die massive Wand des kuppelförmigen „Firmaments“ (lat. das Festgefügte) prallen würden. Und Raketen wären nie zum Mond gekommen, wobei sich natürlich die Frage stellt, was die Mondfahrer auf einer nur wenige Kilometer durchmessenden Scheibe wollen.

Mit anderen Worten: Die Quellenlage der Kreationisten ist dünn – papierdünn. Da dies jener kuriosen Spezies bekannt sein dürfte, ist ihnen auch die Fragwürdigkeit der Bibeltexte bewusst. Könnte es also sein, dass es ihnen nur und ausschließlich um eine fadenscheinige Begründung des monotheistischen Glaubens geht, an dessen Tropf sie direkt oder indirekt hängen?

Natürlich sehe ich ein, dass Evolution keinen Platz für Schöpfung lässt. Diese widerlegt selbst die weit verbreitete „theistische Evolution“, weil Evolution, wie sie die Evolutionsbiologie erforscht, keinerlei „Stimulus“ von außen braucht. Gott ist hierbei schlicht überflüssig.

Mehr noch: Seine Mitwirkung hätte ihn gerade als „Designer“ vollständig diskreditiert, wie U. Kutschera in seinem hervorragenden Buch „Designfehler in der Natur“ nachweist. Ein so schlampig arbeitender Gott hätte dann vermutlich – folge ich der Genesis – ausgerechnet in seiner miesesten Arbeitswoche die Erde und alles Leben erschaffen.

Aber ich will ihm als Entschuldigung zugestehen, dass er nicht existiert…

Die Evolutionstheorie und die Kreationisten

.

Kreationismus, eine Alternative zur Evolutionstheorie?

Dürfen Wissenschaftler an Gott glauben? Selbstverständlich – warum denn auch nicht? Viele der größten Forscher der Vergangenheit waren gläubig und viele der heutigen Wissenschaftler sind es ebenfalls. Nur eines darf man nicht machen: Wissenschaft und Glauben vermischen. Denn beides passt einfach nicht zusammen. Und es ist auch gar nicht überheblich oder arrogant das zu behaupten.

Es sind einfach zwei völlig unterschiedliche Arten, die Welt zu betrachten. Das sagen ja auch schon die Bezeichnungen. In der Wissenschaft geht es ums „Wissen“ und gerade eben nicht darum, irgendwas ohne Beleg zu glauben. Die wissenschaftliche Methode in ihrer Idealform ist extra dafür da, objektive Erkenntnisse über die Welt zu erhalten. Erkenntnisse, die man dann mögen kann oder nicht – aber an die man auf keinen Fall „glauben“ muss.

In der Religion dagegen ist es oft ein Zeichen besonders großer Hingabe, wenn man Dinge glaubt, ohne dass hier objektive Belege existieren. Wissenschaft und Glaube passen nicht zusammen und wenn sie zusammen gezwungen werden ist es kein Wunder, wenn es dabei zu Konflikten kommt.

 

Kreationismus, eine Alternative zur Evolutionstheorie?

.

G.F. Lichtenberg:
„Ich danke Gott, dass er mich einen Atheisten werden ließ.“

.

Gruß Hubert

Veröffentlicht 19. August 2016 von hubwen in Uncategorized, Wissenschaft

Getaggt mit ,

Ein Nachruf auf den Physiker und Kabarettisten Prof. Dr. Heinz Oberhummer   Leave a comment

.

Ein Nachruf von Michael Schmidt-Salomon.

„Ein außergewöhnlicher Mensch“

Giordano-Bruno-Stiftung trauert um den Physiker und Kabarettisten Prof. Dr. Heinz Oberhummer

(25.11.2015)

Er war der Inbegriff des verrückten (Physik-) Professors: In der Nacht von Montag auf Dienstag starb gbs-Beirat Prof. Dr. Heinz Oberhummer, der nicht nur als Astrophysiker, sondern auch als Sachbuchautor und Kabarettist internationale Anerkennung gefunden hat. Ein Nachruf von Michael Schmidt-Salomon.

Es gibt Menschen, von denen man sich einfach nicht vorstellen kann, dass sie jemals sterben werden. Heinz Oberhummer war ein solcher Mensch, denn kaum jemand strahlte solche Lebensfreude und Vitalität aus wie er. Seine Leidenschaft für wissenschaftliche Themen war schier grenzenlos. Wenn Heinz in Fahrt war (und das war er oft), sprudelten die Argumente und Pointen nur so aus ihm heraus. Er war in solchen Fällen durch nichts und niemanden mehr zu bändigen – auch nicht durch die Alltagsroutinen im Fernsehen.

Während die anderen Talkgäste um ihn herum betont ruhig und bedächtig sprachen – so wie sie es von PR-Beratern gelernt hatten – gestikulierte er wild mit den Armen, seine Stimme überschlug sich schon nach wenigen Worten vor Begeisterung. Denn Heinz konnte gar nicht anders, als in Höchstgeschwindigkeit zu denken und zu reden, Pausen entstanden bei ihm nur, wenn er nach einer guten Pointe in sein markantes, obertonreiches Lachen verfiel.

Heinz Oberhummer war ein wahres Unikum, einer, dem die Fähigkeit zum gesetzten Auftreten eines seriösen Spitzenforschers völlig abging, er war der Inbegriff des genialen und zugleich leicht verrückten Professors. Und genau das liebten die Leute an ihm!

Heinz musste sich keinen Deut verstellen, um die Menschen auf der Bühne zum Glucksen zu bringen. Er verstand es wie kaum ein anderer, die komplexesten Phänomene und Theorien der Physik nicht nur verständlich, sondern auch ungemein unterhaltsam zu erklären. Als er 2007 mit Martin Puntigam und Werner Gruber die „Science Busters“, die „heißeste Science-Boygroup der Milchstraße“, gründete, war dies der Start zu seiner zweiten Karriere als Wissenschaftskabarettist, die mit einer stattlichen Anzahl an Preisen und Auszeichnungen und ausverkauften Tourneen in Österreich, Deutschland und der Schweiz belohnt wurde.

In den Jahrzehnten zuvor hatte Heinz, der seit 1988 Theoretische Physik an der Universität Wien lehrte, als Kern- und Astrophysiker von sich Reden gemacht. Seine Arbeiten zur Nukleosynthese (Entstehung schwerer Atome im Inneren von Sternen) sowie zur Feinabstimmung des Universums sorgten für internationales Aufsehen (u.a. auch für eine Nominierung zum Physik-Nobelpreis).

2008 fasste er seine wichtigsten Erkenntnisse zur Feinabstimmung in seinem großartigen, populärwissenschaftlichen Buch „Kann das alles Zufall sein?“ zusammen, das zum „Wissenschaftsbuch des Jahres“ gekürt wurde – eine Auszeichnung, die er wenige Zeit später zusammen mit den „Science Busters“-Kollegen auch für das Buch „Gedankenlesen durch Schneckenstreicheln“ erhielt.

Heinz wurde 2008 in den Beirat der Giordano-Bruno-Stiftung aufgenommen und engagierte sich seither auf vielfältige Weise für ein rationales Weltbild sowie eine stärkere Beachtung der Interessen religionsfreier Menschen. So war er Gründungsvorsitzender des „Zentralrats der Konfessionsfreien“ in Österreich, Obmann der Initiative „Religion ist Privatsache“ und Mitinitiator des (in Österreich noch immer verbotenen) Vereins „Letzte Hilfe – Verein für selbstbestimmtes Sterben“.

Mit großer Wehmut denke ich zurück an die klugen, lustigen, tiefschürenden Gespräche mit ihm – nicht zuletzt auch an unseren gemeinsamen Abend in seinem „Heurigen“ in der Nähe von Wien. (Heinz scherzte damals, dass seine Mutter ihn, den Professor, erst in dem Moment ernstnahm, als er eine „echte Heurigen-Wirtin“ heiratete).

Die Nachricht von seinem Tod hat uns völlig unvorbereitet getroffen. Vor wenigen Wochen erst hatte Heinz den gbs-Vorstand zur Deutschlandpremiere des neuen „Science Buster“-Programms „Das Universum ist eine Scheißgegend“ in Mainz eingeladen. Er war damals vital wie eh und je. Niemand von uns hätte damit gerechnet, dass Heinz, der in dem Programm auch an der Gitarre rockte, nur eineinhalb Monate später nicht mehr leben würde.

Erst vergangene Woche strahlte der österreichische Radiosender FM4 eine Folge mit ihm aus, in der er seine große Faszination für die enorme Überlebensfähigkeit einiger Bakterienarten bekundete. Paradoxerweise wurde Heinz nun selbst zum Opfer der Überlebensfähigkeit derartiger Mikroorganismen. Er starb in der Nacht von Montag auf Dienstag völlig unerwartet an den Folgen einer Lungenentzündung.

Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, dass das Universum eine „Scheißgegend“ ist – er wäre hiermit erbracht! Denn Heinz hatte mit seinen 74 Jahren noch unendlich viel vor und er hätte der Welt noch sehr viel mehr Wissen und Freude schenken können! Wir trauern um einen großen Physiker, einen hervorragenden Wissensvermittler und Kabarettisten, einen engagierten Stiftungsbeirat und nicht zuletzt auch um einen außergewöhnlichen Menschen. Es war eine große Ehre und Freude, ihn zu unseren Freunden zählen zu dürfen.

Ein Nachruf auf den Physiker und Kabarettisten Prof. Dr. Heinz Oberhummer

.

Der Beitrag enthält auch zwei Videos mit Prof. Dr. Heinz Oberhummer, ca. 27 und 38 Minuten lang. Die habe ich nicht hier eingesetzt, weil sie doch kaum jemand in voller Länge anschauen wird (im Fall sind sie ja zugänglich).

.

Gruß Hubert

Der „psychopathische Massenmörder“- ein anderer Blickwinkel   2 comments

.

Es ist nicht nachvollziehbar, warum man beim Flugzeugabsturz des Germanwing-Flugzeuges solch eine Eile an den Tag legte. Man weiß ja wie lange es bei anderen Flugzeugabstürzen oft dauert bis man zu einem Ergebnis kommt – wenn überhaupt. Beim Unfall der MH17 in der Ukraine im Juli 2014, gibt es bis heute keinen unabhängigen Abschlußbericht. Abschlussbericht wohl erst in einem Jahr, hieß es damals bei Tagesschau.de

http://www.tagesschau.de/ausland/mh17-absturz-102.html

Aber man wusste da schon nach 4 bis 5 Stunden wer dafür verantwortlich war: Putin. Bevor man einen Mensch verurteilt müsste man schon alle möglichen Beweise abwarten, dazu gehört vor allem auch der Flugschreiber. Den hat ja man jetzt anscheinend gefunden – leider ohne Speicherkarte, das ist schon sehr seltsam… Man müsste vor allem die Auswertung beider Blackboxen haben bevor man einen Piloten beschuldigt. Auch bei einem Piloten müsste die Unschuldvermutung so lange gelten, bis nichts Gegenteiliges ans Licht kommt und man alle nötigen Beweise hat.

Hurra, der Täter ist gefasst. Der Co- Pilot wars, jetzt auf ihn mit Gebrüll! Wen stören da schon so Lappalien wie Beweise, wenn denn von offizieller Stelle zur Treibjagd geblasen wird. Ein Kommentar.

(Von Buntlandinsasse)

Bin ich der einzige, dem die Ereignisse der letzten Tage merkwürdig erscheinen? Vorweg, ich will mich gar nicht an irgendwelchen Spekulationen und Theorien beteiligen, davon gibt es schon genug. Dennoch gibt es Dinge, die doch sehr komisch anmuten. Unsere Bundeskanzlerdarstellerin tritt wenige Stunden nach dem Absturz der Germanwings-Maschine vor die Kameras und befiehlt, dass sich jegliche Spekulationen über die Absturzursache verbieten. Warum macht man sowas? Es gab keine wilden Spekulationen zu diesem Zeitpunkt und dennoch ist spekulieren wichtig, will man auch wirklich alle möglichen Ursachen ins Auge fassen. Diese Aussage hört sich an wie: „Ihr glaubt gefälligst das, was wir euch in den nächsten Tagen erzählen und hört auf selber zu denken!“ Zu diesem Zeitpunkt definitiv fehl am Platz.
.
Der französische Präsident Francois Hollande verkündet auf einer Pressekonferenz, dass alle Flugzeuginsassen ums Leben gekommen sind, dass es keine Überlebenden gibt und dies zu einem Zeitpunkt, an welchem die Rettungskräfte noch nicht mal an der Absturzstelle eingetroffen waren. Warum verkündet er etwas, was er noch gar nicht wissen kann? Natürlich ist bei so einem Absturz davon auszugehen, dass diesen niemand überlebt. Aber würde man nicht warten bis man eine definitive Bestätigung hat, bevor man dies verkündet? Wunder gab es immer mal wieder, die dafür sorgten, dass Menschen unglaublicherweise schlimme Unglücke überlebt haben. Warum hatte er es so eilig den Tod aller Beteiligten zu verkünden?
.
Alle Spekulationen zur Absturzursache haben nun ein Ende. Seit gestern wissen wir, dass der Co-Pilot Andreas L. Selbstmord beging und 150 Menschen mit in den Tod riss. Eine unfassbare Tat. Was führt zu dieser Erkenntnis? Auf dem Stimmenrekorder soll zu hören sein, wie der Pilot das Cockpit verlässt und nicht wieder hereingelassen wird. Die Atemgeräusche von Andreas L. sind bis zum Schluss zu hören, was zeigt, dass er noch am Leben war. Diese Erkenntnisse legen die Vermutung nahe, dass die Selbstmordtheorie stimmt.
.
Aber ist das ein Beweis? Sind alle anderen Möglichkeiten ausgeschlossen worden? Man muß sich mal die Tragweite dieser Anschuldigung bewusst machen. Ein toter Mensch, der keine Möglichkeit mehr hat, sich zu verteidigen, wird post mortem zum psychopathischen Massenmörder ernannt. Auch für die Angehörigen von Andreas L. ist die Situation unerträglich. Sie haben nicht nur ihren Sohn, Enkel, Bruder usw. verloren, jetzt müssen sie auch noch mit seiner schlimmen Tat zu recht kommen. So eine Anschuldigung veröffentliche ich nicht, wenn ich nicht 100%ige Beweise dafür habe.
.
Die Blackbox, die alle Flugdaten aufzeichnet, ist immer noch nicht gefunden. Würde man nicht warten, bis man diese gefunden und ausgewertet hat in der Hoffnung, dass man weitere Informationen, die für oder gegen die Selbstmordthese sprechen, findet, bevor man diese Theorie weltweit verbreitet? Gestern wurde die Wohnung des Co-Piloten durchsucht. Sollte man nicht auch hier auf weitere Hinweise warten, bevor man sich festlegt?
.
Nein, hier entsteht der Eindruck, dass man so schnell wie möglich einen Sündenbock präsentieren wollte, wohlwissend, dass sich die Gesellschaft wie Hyänen auf diesen stürzen wird und nach neuen Sensationsmeldungen giert. Welche Zahnpasta hat er benutzt? Zog er sich die Socken verkehrt herum an? Hat er im Sandkasten anderen Kindern das Spielzeug weggenommen? All diese und noch mehr Fragen werden in den nächsten Tagen von BILD, SPIEGEL und Konsorten beantwortet werden. Der Effekt ist, dass niemand sich mehr Gedanken über andere Ursachen macht. Jetzt geht es nur noch darum herauszufinden, warum Andreas L. diese Tat beging. Die Lügenmedien helfen fleißig mit, die Menschen vom selbstständigen Denken abzuhalten. Das Haus des vermeintlichen Täters wird belagert, Nachbarn und Bekannten werden 75 Euro für ein Interview geboten. Die WELT erstellt anhand seiner Facebooklikes ein Psychogramm des Delinquenten. Sein Name wird vollständig in mehreren Medien genannt, eine Sache, die sich eigentlich in der jetzigen Situation verbietet, sein Haus wird auf allen Kanälen im Fernsehen gezeigt.
.
Wenn ich versuchen würde, etwas zu vertuschen und die Menschen auf eine falsche Fährte zu locken, ich würde genau so vorgehen. Man hat das Gefühl, dass hier nun eine Geschichte runtergerasselt wird, die schon vorher fertig war.
Die Wahrheit scheint ebenfalls zu Tode gekommen.

.
Wer möchte kann diesen Artikel nun gerne als Verschwörungstheorie bezeichnen, damit kann ich leben. Allzu oft hat sich aber in der Vergangenheit die offizielle Geschichte, als die größte aller Verschwörungstheorien entpuppt. Oktoberfestattentat, Celler Loch, NSU. Um nur drei zu nennen. Vielleicht war Andreas L. tatsächlich ein Selbstmörder, dem 150 weitere Menschen egal waren. Aber jeder ist solange unschuldig, bis seine Schuld bewiesen wurde. Von Beweisen sind wir noch weit entfernt, die Verurteilung hat aber schon längst begonnen.

Der „psychopathische Massenmörder“- ein anderer Blickwinkel

 

Gruß Hubert

 

Veröffentlicht 28. März 2015 von hubwen in Wissenschaft

Getaggt mit , , , ,

»Atypische« Neuroleptika: Typische Unwahrheiten für schlichte Gemüter   Leave a comment

.

Von mir aus sind die meisten Psychopharmaka, vor allem die Neuroleptika eine Bankrotterklärung der Psychiatrie. Man kann absolut nicht beobachten, dass die den psychisch Kranken helfen. Meist dämpfen sie, aber damit auch das emotionale Erleben. Wenn manche Wirkungen von Psychiatern erwünscht sind, dann kann man nicht sagen, dass sie es gut meinen mit den Patienten. Peter Lehmann, Dr. h.c., Dipl.-Soz.Päd, geb. 1950, deckte in seinen Büchern zu diesem Thema auf, was Psychiater vor den Betroffenen, ihren Angehörigen sowie der interessierten Öffentlichkeit verbergen.
Wichtig ist auch die Unterscheidung zwischen Psychiatern und Psychologen. Psychologen verschreiben keine Medikamente, das machen nur Psychiater. Psychiater sehen psychische Krankheiten fast ausschließlich als biologisch bedingt. Psychologen machen hauptsächlich Psychotherapien, von denen es viele verschiedene Methoden gibt.

Hier etliche ausführliche Erklärungen zu Neuroleptika von Peter Lehmann. Er ist ein wahrer Experte auf dem Gebiet der Psychopharmakas.

Auszug.

»Atypische« Neuroleptika: Typische Unwahrheiten für schlichte Gemüter

Kurzfristigen Erleichterungen durch »atypische« Substanzen steht die mögliche langfristige Verstärkung psychotischer Symptome gegenüber. Die ersten neuen Neuroleptika sind wegen tödlicher vegetativer Zwischenfälle bereits vom Markt genommen. Mit Hunderte von Millionen US-Dollar werden Geschädigte in den USA bereits finanziell abgefunden. Nichtsdestotrotz macht man »Atypische« den Betroffenen schmackhaft. Und wer hilft ihnen beim Absetzen?

Wundermeldungen

»Das neue Waschmittel ›Wasch‹ wäscht so weiß wie nie zuvor.« Wer kennt sie nicht, diese Werbung, die uns aufklärt darüber, dass die früher als blütenweiß angepriesene Wäsche eigentlich grau war. Fatal an solche Reklamemechanismen erinnert die Anpreisung der modernen Neuroleptika (z.B. Abilify, Belivon, Invega, Leponex, Nipolept, Quetiapin, Risperdal, Seroquel, Solian, Serdolect, Zeldox, Zyprexa), die mit neuen und teuren Patenten geschützt sind. Plötzlich sind die herkömmlichen Neuroleptika verpönt. Sie werden mit häufigem Zahnausfall, chronischen Muskelstörungen und massiver Einbuße von Lebensqualität in Verbindung gebracht – siehe der Spiegel-Artikel von Beate Lakotta im deutschen Nachrichtenmagazin Spiegel, ein wahllos herausgegriffenes Exemplar mutmaßlicher verdeckter Werbung. Herkömmliche Neuroleptika würden mit ihren Folgeschäden unnötigerweise zu Berentung und Pflegekosten führen, noch keine Fälle von Arztregress, d.h. Schadenersatzklagen gegen Ärzte, seien wegen der Verordnung »atypischer« Neuroleptika bekannt geworden. Nur teilweise groteske Gewichtszunahme, Herzrhythmusstörungen, Knochenmarks- und Blutbildstörungen könnten als Nebenwirkungen auftreten – Risiken, die mit regelmäßigen Laborkontrollen zu begrenzen seien. Die »atypischen« Neuroleptika würden gezielter auf jene Botenstoffe einwirken, die Stimmenhören oder Verfolgungswahn auslösen (Lakotta 2002). Beate Lakotta ist Preisträgerin des »Lilly Schizophrenia Reintegration Awards«, gestiftet vom Pharmahersteller Lilly Pharma Holding GmbH. Lilly ist der Hersteller des weit verbreiteten Zyprexa.

Der kleine Unterschied

Den modernen Neuroleptika werden diejenigen Neuroleptika zugeordnet, die in ihrer Wirkung dem in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts eingeführten Prototyp Clozapin entsprechen (im deutschsprachigen Handel auch als Elcrit, Froidir, Lanolept, Leponex und Olansek; weltweit im Handel auch als Alemoxan, Azoleptin, Clocinol, Clopine, Clopsine, Clozaril, Denzapine, Klozapol, Lapenax, Laponex, Lepotex, Lozapin, Sizopin).

[…]

Clozapinartige Neuroleptika produzieren grobmotorische Muskelstörungen seltener oder gar nicht, was sie vielen Betroffenen subjektiv verträglicher erscheinen lässt. Der deutsche Psychiater Hans-Joachim Haase warnte allerdings davor, darin eine Besonderheit zu sehen, und erklärte,

»… dass Clozapin zunächst, wie auch die anderen Neuroleptika, extrapyramidale feinmotorische Symptome auslöst, wobei mit steigender Dosierung die zunehmend stärkeren anticholinergen sowie muskarinartigen (der Wirkung des Pilzgiftes Muskaridin gleichkommenden und ebenfalls anticholinergen) Wirkungen dazu führen, dass es nur in Einzelfällen zu grobmotorischem Parkinsonismus kommt. Gleichzeitig bleibt aber der eigentliche Effekt der neuroleptischen Wirkung weitgehend aus, so dass paranoid-halluzinatorische Psychosen mit Clozapin zwar affektiv durchaus positiv beeinflusst, insbesondere auch entängstigt werden, dass jedoch zur Behandlung dieser Symptomatik im allgemeinen Neuroleptika hinzugegeben werden, mit denen dann die neuroleptische Schwelle eindeutig überschritten werden muss. Clozapin verhält sich also ähnlich wie andere Neuroleptika, denen man eine zunehmend hohe Dosis eines Antiparkinsonmittels hinzugibt.« (Haase 1988, S. 143)

[…]

Schäden

Eine Vielzahl erprobter clozapinartiger Substanzen kam gar nicht erst auf den psychiatrischen Markt, z.B. Fluperlapin. Nichtsdestotrotz werden Neuroleptika dieser Art als nebenwirkungsarm angepriesen, wobei hauptsächlich auf die vermeintlich verminderte Fähigkeit dieser Substanzen, Dyskinesien (Muskel- und Bewegungsstörungen) zu bewirken, Bezug genommen wird. Das clozapinartige Neuroleptikum Remoxiprid (Roxiam) war 1991 als »Rose ohne Dornen« angekündigt worden, als gut verträgliches Medikament ohne Nebenwirkungen. Drei Jahre später wurde es von der Herstellerfirma wieder vom Markt genommen: wegen einer Reihe von lebensgefährlichen Fällen aplastischer Anämie – Blutarmut mit Verminderung der roten und weißen Blutkörperchen, beruhend auf einem Defekt im blutbildenden System (vgl. Lehmann 1996b, S. 133). Ein anderes Beispiel ist Sertindol (Serdolect), das lange als nebenwirkungsarm galt. Im November 1998 fand sich im Internet in medizinischen Datenbanken noch der Begriff nebenwirkungsfrei. Am 2. Dezember 1998 meldete die Ärzte Zeitung:

»Vertrieb von Serdolect(R) gestoppt – Anlass sind schwere kardiale (das Herz betreffende) Nebenwirkungen und Todesfälle«

Risperidon (Risperdal) ist ein weiteres ‚atypisches‘ Neuroleptikum, das die Lebensqualität erhöhen und die Reintegration ins gesellschaftliche Leben erleichtern soll. »Zurück ins Leben«, »Anna ist wieder da«, so oder ähnlich lauten die Werbesprüche. In der Medical Tribune vom 26. Mai 2000 lobte der Hamburger Psychiater Dieter Naber Risperidon als »gut verträgliches Medikament« (Naber 2000). Just am gleichen 26. Mai 2000 wurden in Philadelphia der Psychiatriebetroffenen Elizabeth Liss 6,7 Millionen US-Dollar Schmerzensgeld zugesprochen, zahlbar vom behandelnden Psychiater. Frau Liss war nach vierzehnmonatiger Verabreichung von Risperdal an tardiver Dyskinesie erkrankt, Unterform tardive Dystonie in Form von Krämpfen der Gesichts- und Nackenmuskulatur (vgl. Breggin 2000).

Im November 2003 tauchte der Name Dieter Naber – allerdings mit einer anderen Tönung – wieder in den Medien auf; die Brunsbütteler Zeitung meldete:

»Zwei Professoren des Hamburger Universitätsklinikums Eppendorf (UKE) sollen eine sechsstellige Summe von einer Pharmafirma kassiert haben, deren Präparate später im UKE verwendet wurden. Die Hamburger Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den designierten Berliner Wissenschaftsstaatssekretär, Professor Michael Krausz, und den Leiter der UKE-Psychiatrie, Professor Dieter Naber, wegen des Verdachts der Vorteilsannahme.« (Geld 2003)

Clozapinartige Neuroleptika stehen generell unter Verdacht, insbesondere vegetative Störungen wie Neuroleptische Maligne Syndrome, Bauchspeicheldrüsen- und Leberstörungen zu produzieren. Wie die amerikanische Zeitschrift USA today am 10. Juni 2005 unter Verweis auf eine Meldung der US-amerikanischen Zyprexa-Herstellerfima Eli Lilly vom Vortag (Eli Lilly 2005) meldete, stellte diese $ 690.000.000 (in Worten: sechshundertneunzigmillionen US-Dollar zur Verfügung, um unter Zyprexa an Diabetes Erkrankte finanziell abzugelten, die Klagen auf Schmerzensgeld eingereicht hatten; Eli Lilly hatte im Zyprexa-Beipackzettel nicht deutlich genug auf das durchaus nicht unbekannte Risiko aufmerksam gemacht („Lilly“ 2005).

Agranulozytosen (abruptes Absterben der weißen Blutkörperchen mit lebensbedrohlichen Folgen) sind ebenso publik geworden wie die unübersehbare und rasche Zunahme des Körpergewichts mit seiner für Herz und Kreislauf immensen Gefahren, was zumindest Internisten wissen. Speziell Bauchfett gilt unter Medizinern als hochschädlich fürs Herz. Bauchspeck setzt sich nämlich um die inneren Organe herum fest. Solches Fettgewebe produziert besonders viele gefäßschädigende Substanzen, zum Beispiel freie Fettsäuren, die Entzündungen beschleunigen können.

[…]

Depressionen und Suizidalität

Depressionen und Suizidalität sind weitere Risiken, über die Psychiater eher reden, wenn sie unter ihresgleichen sind, obwohl sie laut internen Berichten bei zwei Drittel der Betroffenen behandlungsbedingt auftreten. Suizidale Auswirkungen haben auch moderne Neuroleptika wie Leponex, wie der Bericht der Österreicherin Ursula Fröhlich in »Schöne neue Psychiatrie« zeigt:

»Mein Leben, das einst so leicht und schön gewesen ist, so abwechslungsreich und interessant, lebenswert und vollgeladen mit Aktivitäten, ist zur Hölle geworden. Seit Beginn der Leponex-Einnahme habe ich keine Lust mehr auf Sex, keine Lust an der Bewegung und keine Freude am Leben. Ein Leben ohne Freude ist jedoch ärger als der Tod. Alles, war mir geblieben ist, ist das Fernsehen, wo ich seit sieben Jahren anderen zusehe, wie sie leben. Ich bin zwar biologisch noch am Leben, doch meine Sinne sind schon längst tot, alles, was mir früher Freude gemacht hat, kann ich nicht mehr machen. Mein Leben existiert eigentlich gar nicht mehr, ich komme mir so leer und so unbedeutend vor. Am schlimmsten ist es am Morgen. Jeden Tag nehme ich mir vor, am nächsten Tag mit einem gesunden Leben zu beginnen, die Medikamente wegzuschmeißen, viele Vitamine und Fruchtsäfte zu trinken und mit einer täglichen Fitnessroutine zu beginnen. Durch die Neuroleptika entsteht ein Gefühl, als ob es mir gelingen würde, am nächsten Tag mit einem ganz anderen, einem neuen Leben zu beginnen. Wenn ich dann aber in der Früh aufwache, bin ich wie zerschlagen und komme vor 9 Uhr nie aus dem Bett, meine Depressionen sind so arg, dass ich jeden Tag an Selbstmord denke.« (zit.n. Lehmann 1996a, S. 70f.)

.

Tardive Psychosen

Eine besondere Stellung unter Neuroleptika nimmt Leponex schon seit seiner Zulassung ein. Nach Bekanntwerden einer leponexbedingten Todesserie in Finnland galt die Substanz lange Zeit zu giftig, um ohne spezielle Auflagen und Genehmigungsprozeduren in der Psychiatrie eingesetzt zu werden. Erst bei Arzthaftungsklagen unübersehbar gewordene Langzeitschäden durch herkömmliche Neuroleptika machten den Einsatz akzeptabel. Mit Störungen, die außerhalb der bekannten Blutbildrisiken lagen, verfuhr man allerdings wie gehabt. Man veröffentlichte sie in internen Fachschriften, um sie anschließend zu ignorieren und insbesondere den Betroffenen vorzuenthalten.

Tardive Psychosen sind hierfür ein Beispiel. Dies sind Psychosen, die im Lauf der Verabreichung von Neuroleptika, beim Absetzen oder danach auftreten – behandlungsbedingt. Die genannte Störung, die als besonderes Risiko bei clozapinartigen Neuroleptika gilt, geht – wie ihr Gegenstück tardive Dyskinesie – zurück auf behandlungsbedingte Veränderungen des Rezeptorensystems.

[…]

Dass weniger schädlichen oder risikobehafteten Medikamenten und Psychopharmaka der Vorzug gegenüber riskanteren zu geben ist, ist eine Binsenweisheit. Wenn jedoch Risiken neuer Substanzen übergangen oder bagatellisiert werden, so lassen sich mit solchen Strategien vielleicht einfache Gemüter übertölpeln. Körperliche und psychische Schäden durch clozapinartige Neuroleptika können lebensbedrohliche Ausmaße annehmen. Besonders beachtenswert ist das »atypisch« hohe Risiko einer tardiven Psychose und der sich daraus ergebende Teufelskreis aus Entzugspsychose, steigender Dosierung und gesundheitlichem Niedergang.

Zum Buch von Peter Lehmann, „Der chemische Knebel“ sagte der Psychoanalytiker Jeffrey M. Masson im Geleitwort:

„Ich habe durch dieses Buch mehr über die geheime, innere Arbeitsweise der Psychiatrie gelernt als zuvor in zehn Jahren psychoanalytischer Ausbildung.“

http://www.antipsychiatrieverlag.de/artikel/gesundheit/atypische.htm

.

.

Psychopharmaka absetzen

http://www.antipsychiatrieverlag.de/verlag/titel/absetzen.htm

 

Rechtlicher Hinweis hinsichtlich der Gefahren von Psychopharmaka
http://www.antipsychiatrieverlag.de/verlag/sonstiges/hinweis.htm

 

Gruß Hubert